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Der Nordstern. (St. Cloud, Minn.) 1874-1931, December 31, 1884, Image 4

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Theodor Brüner,
Deutscher Advokat und
Anwalt.
Cfftceint Leisen S3fccf. St. Cloud, Minn
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Street Swift,
«frfjISfKSE'ältt, Gr:rn»:iz-nth:«nlS- und Vrrstchrrung
Agenten.
Ofsioeöi Lahr's-Blokk, St. Clond 9JZt$tit.-4
A. E VANS,
Sri»nd»izkiliijnm«°
n»dF«»kr Versichenings Agen
•St. U-iOUi, tOvtüF.CjOiß.
Oiste neben C. Schuiten's Apotheke.
W. Bal&win.
Advocat und Rechtsanwalt.
^Hrfurer 91
o. in Syndikats S31od
'•St. «loud, 43-
C^rdffnttttd des
Houb©
Manitoba
Barth. Mehr, Eig.
M'ses Haus ist nen eingerichtet ich
biitjni Stande gesetzt Kostgänger und Rei
fenbv luif'v Beste zu 'oewerthen. GnteBedie
Im*.! Bequemlichkeiten jeder Art ^uge
ös^evt. Ilm gencigtci Zuspruch bittet
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bev Nähe des Frachtdepots. St. Ctond,
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I. Bruokart
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Syttdica.ieVloS,
K_Giciib, Minn. 1-6—
Jßlrn M. GBtz,
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^eui'rversicherilng und Collectioneu eine
5^?citUUät. Office im Courthaufe. 88-&m
Mittle ssaUS, M.nn.
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«i. F. K. (snrif.
i!ice U3rii- ifcent.
Hütt.
Geschäfte. Colle-.tir«l ist ihre Specia
hriiz. 48—
b'tKblirt I8G7!
?irst Kation^ Ganlc of St. Cioud,
(,yrii! c: „Baut vs St. G.io :u.")
ttittijiniittea tfayiinl ?"lö,000, Einkezatiltco Capita
tölMIOO.
Ja-?. Vt. Bett, L. Collins, I. Smith
Präsident. Blee P^äs. Cassirer.
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D. Moor.', ^ifs't Cass'rer.
Ä«le mit-citirtit nflqcmcirtcn Bankgeschäft
Bcr'i! iiöviiiv.t tocjiuuiiv prompt besorgt.
K?« '•I St—h
-fix öuiictiiacn !j|itmiTtvn
auf
to ii g-Klthnln in
Saarns und Benton
"WÜRGE S. SFEjYCEIi,
Ll 0 1 r,
St. Gioitb, 9- ••+*''5*
Noiiu- tiJtvbijiueiz, Oele lcnd ß-nmeti zu
vCit LUuj3|iCil ^Vvi| CH.
tM.b-jntfrfjcc Apotheker ist stets,^il sprechen
IÜ8 Falls Hause
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Philipp Grsös,
VitUe Faii-), Minnesota.
UiitcrjcichHc.c macht das rcijcnde Pu
mifu'iit auf
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.viotcl aufmerksam. Er
i^it jic!) ftets3 bL'üü'Ujei!, seine Gäste ans das
3u6'örtvmiucubstc zn Ucn trthen. Gute Stak
I'iah ULtb jode Bequemlichkeit für Fanncr.
DÄ? Schankzimnler ist mit den besten Ge
trantuu
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versehen. Probezinuner für U,o:n
itaucilciy immer in Bereitschaft.
Philipp Gross, Eigenthümer.
Kchgerbier Salvon
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heo. Johnson.
bei!*. l£ov.rt(iaii5 (früher Saloo» Giüt
atWJiyi.ijcii inil aHOflcjciilnu'ter Kcgclbahn,
lUiit'ti'-'n ivifi Lunch! 20—'lj
Ed. H. Wright,
für Tampsschisfc.
Besorgt Fahrbillete nach und von Lon
Liverpool, Glasgow, Bremen,
Hamburg, Antwerpen, Amsterdam, Dnb
Itti mit) allen Plätzen Enropa's. 45-1
a
^^^^^?tographisches Atelier,
tit Reinhnrd's Block.
Germain Str. St. Clo«S»l6—
,*e. s». 33SM. co,
K.
.^lapctttütt an» ©ropänllcr
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»tOT'SS W. ö. Str St. Uiuui/ yLty*-6-'""
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GVttortettes.
Kedactio«sschluß am MiStivoch Mittag
resignir«:.
$ rast concurrirt mit Blaine
ein Btlch schreiben.
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ti6flarOt!Ö,
jldf fiter.
TeizfM'Äm*rHauischc Nationalban^
von St. Cloud, Minn.
Ä-apttai 8»0,ö(t). Besorgt oflgcmeiitc Bank
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KL25,HW für seine Wahlkampagne aus
gegeben.
W h.r der erste?! elf Monaten
dieses Fchres kamen itr-feen Ver. (Staa
ten über ^el stausend Bankerotte vor.
Häfen.hat hie Bewilligung für den Ha
fen von Duluth auf 3i- 000 Dollars
festgesetzt.
E a E
wird Ende dieses Monats unter Com
mando bc-3 Capitän Coeem von Genua
nach dev Congo-Mündnng abfahren.
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ds. durch ein Erdbeben heimgesucht.
Mehrere Menschen kam'en uin's Leben
und etliche Häuser wurden zerstört.
mo:'t tft a^eiitanbergegan^en, ohne die
Eisenbahnen unter rechtsbüWige Staats
cuntrolle zu stellen. Darob.große Eut
rüstung.
a E
Banmwolle^.ite wtrd sich auf ungefähr
5,CSS,OOO Kallen stellen, tvas einer
Verminderung des Ertrages gegen das
Vorjahr (in welchem der Ertrag 5,713,
000 Ballen a??ar) von 30,000 Ballen
bedeuten würSe.
23 et it 11 ch ist der Silberdollar
aur 05 Cents in (Yold Werth uüd wenn
der Silberpräg^ug nicht bald Einhalt
gethan wird, se iann das Lar.d bald
trieber die Segnungen einer Doppel
Währung tu:d ein?s Goldagio genießen.
Di" New Jorker Äankcn sind ,bereits
ituti' die SJuifjv tei' iiniliui|ciibcri Tilber
ccrbificatc aHnrr.iiri und befürchte:^ Ver
luste an denselben %i\ erleiden.
SD: Legislatur «ott Georgia hat ei
nen stnäerbaren Beschluß gefaßt, beim
sie hat den Clerk des Hauses angewiesen,
nur Frauen als Schreiber anzustellen.
Das hcüjNmch weiter gehen als kk
Frauennchtlerinuen selöü, denn diese
Damen beanspruchen bßch nnr gleiche
Rechte, hii'r aber werden ihnen große
Borrechte gesichert,—nur Franen sollen
von jetzt ab int Burean des Hanfes an*
gestellt tverden.
a E a
durch welches die Danip[erge)eu cha\len
zur Zahlung von 50 Cents für jeden
hier gelandeten Einwanderer verpflichtet
iverdtn, ist vom Oberbundcsgericht für
konstitutionell erklärt worde. Das
Sträuben der Schiffs-Gesellschaftkll war
also umsonst, und die betreffenden Be
hörden werden in Zukunft über Mangel
an Mitteln zur Versorgung kranker und
mittelloser Einwanderer nicht mehr zu
klagen haben.
Einwanderung hat in diesem
Jahre eine bedeutende Abnahme erfah
reit, denn während in den ersten elf Mo
naten des verflossenen Jahres im Gan
zen 536,430 Einwanderer in den Häsen
ver Vereinigten Staaten gelandet sind,
sind in demselben Zeiträume des laufen
den JahreS nur 440,361 Einwanderer
hier eingetroffen und die Einwanderung
ist daher in diefem Jahre bisher um
96,000 Personen zurückgeblieben. Die
Verminderung der Einwanderung war
hanvtsächlich von Deutschland, England,
Wales, Irland, Schottland, Italien,
Norwegen, Schweden nnd Canada,
während die Einwandernng von Oester
reich nnd einigen kleineren Landern eine
Zunahme aufweist.
a a
Bureaus über die Ausfuhr im vorigen
Jahre ergiebt folgende Thatfachen: Die
direkte Weizenausfnhr von Chicago be
trug 910,328 Bnshels nnd steht nur
Wter der der Seehäfenplätze New Jork,
Philadelphia, Boston, Baltimore, San
Francisco und Willamette, Die., zurück.
Bon diesen Hafenplätzen führten an
Weizen aus: New York 20,000,000,
San '^o 000,000, Baltimore
^Tphia 4,500,000,
Wiöamelte 3,000,00©y Boston cttoa-3
mehr als 1,000,00© Bnshels. Bn
Mens wurden ansgeDhrt von New Asrk
19)600,000, von Baltimore 5,500,060,
öor
Boston 4,500,000 und direkt von
Chicago 3,348,648 Gushels. Von ^en
««sgeführten 9,000,ÄL0'Fctß Mehl tvnr
den versendet 4.000^00 von New Fsrk,
LM00,000 von Stiften und 1,000,-000
vsn San Francisco. Die Ausfuhr von
Wkohol Mief sich auf 3,887,082,
trott
Bsurbon-Whiskey esaf 2,595,901, von
Kornbranntwein eitf *644,007 Gallonen.
Bon Blätter-Tabak -Lvurden 192,130,»
SSO Pfnnd im Werche von §17,405,1^32
ührt.
Diplomatett i« Washtngtsa?
Die New 9}orfcv eWorld" macht den
fremden Diplomaten in Washington das
fügende ausgesuchte Svmpliment:
^,Die Vereinigten Staaten sind die
„Botany Bay" des diplomatischen Dien
stes in Europa. Mit Ausnahme einiger
Gesandter ist kaum ev.t gesunder, mävn
lbch aussehender Bursche in der ganzen
Gesellschaft. Einige „jüngere Vertreter
der südamerikanischen Länder sehen aus,
als »ob sie zu der Bedi^utenklasse gehe
reit, und selbst in dieser würden sie noch
eine sehr bescheidene Kelle spielen. Die
Nichtsnutze, Dummköpfe uud unbranch
baren jüngeren Söhne einflußreicher
gfiiK-Uieit werden hierher geschickt, um
sie,-£it versorgen. Auf diesem Lande
ruht Ivahrscheinlich die. einzige Hoffnung,
guten Preis dafür zahlt, daß sie dessen
Titel führen nnd die Ehren einer Stelle
theileü iann, welche nicht so viel ein
bringt, um in New g)ori:me anständige
Wäsche-Rechnung zu bezahlen."
Der Ausdruck „Botani^.Bdh" ist citt
schieden zu scharf denn eir.e Verbrecher
Colone bilden diese Diplk-nalen nicht.
Weise ist es von der „World," daß sie
„einige Gesandte" von ihrer grellen
Schilderung ausnimmt denn besonders
auch auf die Männer, durch welche
Deutschland in Washington vertreten
wurde und wird, paßt diese geringschätzige
DarstellmTZ gar nicht.
Dakota.
Die Bill, -welche aus dem Territorium
Dakota cinc.it Staat und ein Territorium
machen soll, ist jeht im Bundes-Senat in
Beraiyung.
Das gesammte Territorium, wie es
jetzt besteht, Her-einen Umfang von 150,
932
Quadral-Meilen, oder von 90,590,-
480 Acre. Es ist beinahe viermal grö
ßer als Iowa und bietet Raum für
Millionen von Einwohnern, während
es in 1880 nur 135,177 Bewohner
Hatte.
Sein Gruud und Boden war ein Theil
der Erwerbung des alten Louisiana
1803. Seine Organisirung als Terri
torium datirt vom 2. März 1861. Erst
tn 1859 war in seinem Gebiet die erste
permanente Ansiedlnng gemacht worden,
welcher dann bald mehr folgten.
Im Anfang hatten diese Ansiedlnn
gen furchtbar unter den Angriffen der
feindlichen Sionx-Jndianer zu leiden.
Jede Ansiedler-Hütte mußte zu einem
Fort gemacht werden, um Widerstand
gegen die Wilden leisten zu können. Die
Kämpfe waren namentlich in 1863 be
deutend.
Viele AHedler wurden damals mas
sakrirt, bis General Snlly im Juni 1863
mit 2000 Mann die Wilden ttt einem
förmlichen Treffen bei Whitestone schlug,
von welcher Zeit an sie in gehöriger Bot
mäßigkeit gehalten wurden. Die erste Le
gislatur des Territoriums kam am 17.
Marz 1SG2 zusammen.
Seit jener Zeit sind 22 Jahre verflos
sen, aber erst in den letztenJahren hat die
Bevölkerung in einer Weise zugenommen,
daß die Bildung eines Staates aus ei
nein Theil
desTerritortnmS gerechtfertigt
werden kattn. In 1870 hatte das gan
ze Gebiet nur 14,181 Bewohner wovon
nur 2088 daselbst geboren waren es
lebten aber 32,000 Indianer darin auf
verschiedenen Reservationen. Das hat
sich seit einem Jahrzehnt bedeutend ge
ändert, seitdem in 1875 viele Hunderte
von russisch-deutschen Mennoniten da
selbst einzogen, seitdem die Gold-Ent
deckungen in den Black Hills, 1874—
1875. und der Bau der Nord- Pacific
Bahn, sowie.die großen Ackerbau- und
eilte Närrin zu finden,.welche den kopf-^
losen uud charakterlosen ßitsländiichetti Wähler je^t in 1884 aber sind
Schwächling heiratbet uud noch einest
Bieh-Farmen/die Bevölkerung vsnZ.870
auf mehr als Äias dreißigfache ^estet
gert.
Dakota söL^em 46. Breiten Grad
entlang in ztoti Theile getheilt iverden,
der südliche Theil soll als Staat .aufge
nommen werben und der nördliche als
Territorium Lincoln fortbestehen. Eine
konstituirende Versammlung hat jedoch
die Stüüt»--{5&mchli!iig gutgeheißen, be
vor eine vomtKongreß erlassene Akte da
für in Kraft tritt.
Das ist der Vorschlag der republika
nischen Majorität des Territorial-Ko
mites im BunÄes-Senat, die demvkrati
sche Minorität ist dagegen. Die Begrün
dung i$rer Opposition wird in best wei
teren VerhaKdlnngen des Kongresses
über diese Frage noch weiter zur Sprache
kommen. JmTerritorium ist der Wunsch
nach der Errichtung eines Staates
keine Partei-, sondern eine Interessen
Frage.
Das Territorium ist groß, um eine
Zentral-Verweltungs-Stelle der Art zn
situiren, daß dieselbe von allen Seiten
leicht zu erreichen sein würde. Darunter
leiden die weiteutfernten Bewohner im
nördlichen, noch sehr wenig besiedelten
Theil des Serrif rriuttts außerordentlich,
und schon seit 1870 wünschte man-eine
Theilung.
lieber die wachsende Ansiedlnng gab
der Zensus von 1880 wohl schon
einen belehrenden Aufschluß. Aber der
Zuwachs seit 1886 ist verhältnißmäßig
viel größer, wie die Zahl der Stimmge
ber zeigt. In 18€0 gab es dort nur

S6,010. Das ist eine Vermehrung
üon
57.590 in vier Jabren. Rechnet
-mau nur vier Personen auf einen
Stimmgeber, so repMentiren dieselben
.jetzt eine Bevölkerung vou 344,040—
und rechnet man 5 Personen auf einem
LAihlea, so erhält m&rt 430,050 Ein
wohner.
In 1880 kamen b&i 135177 Ein
wohnern 4,82 auf "jeden Stimmgeb^r.
In 1870 gab es 1720 Farmen im Ter
ritarium und iu 1880 betrug deren Zahl
lv ,a,'30, deren Werth auf 22 2-5tet
Millionen Dollars angeschlagen wurde.
Der .GesaiUniiwerth der Ackerbau-Pro
dukle Wurde damals auf 15J Millionen
Dollars angeschlagen.
Da man
:für
ein Kongreß Mitglied
eilte Bevö.kernug von 150,000 Köpfen
verlangt, die nicht einmal bei Aufnahme
verschiedener neuer Staaten vorhanden
war, so liegt in dieser Beziehung über
die Umgestaltung von ganz Dakota zu ei
nem Staat fein Hindern iß vor.
Denn nach seinen Sümmgebern zn
schließen, mußte es ja genug Volk haben
für zwei Kongreß-Repräsentanten.
Es ist nur die Frage, ob in dem süd
lichen Theil allein, welchen man zum
Staat erheben will, eine so starke Bevöl
kernng lebt, um diesen Schritt zu recht
fertigen. Darüber hat nun die letzte
Wahl nach einzelnen Eonnties Aufschluß
gegeben.
Das Total-Votnm in ganz Dakota
betrug in der letzten November Wahl,
wie schon bemerkt, SU,010 Stimmelt.
Davon kommen auf die Couuties des
nördlichen Theils 32,317 Stimmen,
und auf Süd-Dakota 53,003 Stimmen,
die eine Bevölkerung von mehr als 200,*
000 repräsentiren, wenn nur 4 Personen
auf einen Stimmgeber gerechnet wer
den.
Nord-Dakota, welches das neue Ter
ritorium Lincoln bilden soll, hat übri
gens ebenfalls so viel Einwohner—daß
nicht viel zu 150,000 fehlen, alfo zur
Basis eiuer zweiten Staaten-Bildnng.
(Iowa Post.)
England inMotl).
In England herrscht Heulen und
Zähneklappern über die demüthigende
Lage, in welche das Land unter Gladsto*
ne's Verwaltung gerathen ist. Ueberall,
wohin das Auge sich wende, erleidet die
englische Politik Schlappen, oder bittere
Kränkungen, die es geduldig hinnehmen
muß.
Bismark hat den Engländern in Af
rtka ihren Standpunkt klar gemacht und
ihnen ein für allemal dargethan, daß sie
auf ihre Anmaßung, alles herrenlose
Land als thr Eigenthum zn betrachten,
verzichten müssen. Nun sehen sie, tn
vielleicht übertriebener Angst, schon übe
rall die preußische Pickelhaube. Die
holländischen Bauern-Freistaaten Trans-
waal nnd Oranien werden sich so
meint man in kürzester Frist unter
die Schirmherrfchast Deutschlands siel
leit und wenn alsdann dieses von Por
tugal die Delagoa- Bai erwirbt, welche
für jene Freistaaten der natürliche Mce
reshafen ist, so ist es mit jeder weiteren
Ausdehnung der britischen Cap-Colonie
nach Norden hin zu Ende. In Ost
indien rücken die Franzosen von Anam
und die Russen von Turkestan her dem
Engländer in höchst bedrohlicher Weise
auf den Leib. In der Südsee- In
selwclt, bei Australien, .fürchten sie dem
nächst auch Deutschland als gefährlichen
Nachbar zu erhalten. In Amerika
drohen die Vereinigten Staaten England
mit seinen Ansprüchen auf Mitherrschaft
über die Landenge zwischen den beiden
Weltmeeren einfach kalt zu stellen. —In
Aegypten ist uieWiederero&ertmg oesSu
dan zu einem hoffnungslosen Beginnen
geworden und es handelt sich nur noch
darum, die Ehre zu retten, d. h. den
General Gordon lebendig und heil aus
Kartnm zurückzubringen.
Zn allem dem kommt nun noch das
drückende Gefühl, daß die viel gerühmte
Allmacht Englands zur See zu einem
wesenlosen Schatten eingeschrumpft ist.
Die Schlachtstärke der britischen Flotte
ist im Vergleich mit den anderen Rei
chen Europas in den letzten zwei Jahr
zehnten stetig herabgegangen, während
das englische Landheer für Deutschland.
Frankreich, Rußland, ja selbst für Jtali
en nur ein Gegenstand des Spottes und
Mitleids ist.
Kurz, die Zeit scheint nahe heröeige
kommen zn sein, wo England, wie vor
zweihundert Jahren die Niederlande, an
der letzten Grenze seiner politischen
Macht angelangt ist uud mit mehr oder
weniger guter Miene zum bösen Spiel
auf feine Weltherrschaft zur See vcrzidF
tcn muß. Damals war Holland,
jetzt ist England in Noth. Und dafür,
da£ es in dieser Noth keine Freunde,
oder auch nur Mitleider findet, hat es
durch die Rnhhcit, womit es früher feine
Macht mißbrauchte, zur Genüge gesorgt.
Vielleicht ist es die Er?e::::t::iß die
ser Sachlage, welche die Herten Arthur,
und Freilmghuyseu dazn ernuilhigt hat,
den Engländern jenen Clayton- Bulwer
schen Vertrag, dessen Bestimmungen sie
selbst ein Jahrzehnt lang auf's schamlo
seste verletzt haben, zerrissen vor Die
Füße zu werfen. In der Thai sprechen
leitende englische Zeitungen über dieses
kecke Vorgehen der diesseitigen Regie
rnug nicht im Tone des Grimmes nnd
der trotzigen Herausforderung, sondern
mit jener weinerlichen Wehleidigkeit,
welche dem deutlichen Bewußtsein der
Ohnmacht entspringt.
In englischen Blättern ist der Plan
aufgetaucht, eine Wiederaufrichtnng der
Macht des Reiches dadurch zu bewirken
daß man es in eut großes Bundes reich
verwandle. Canada, Australien, Süd
afrika, Ostindien sollen aus Colonial
staaten in ebenbürtige Reichs Theile
verwandelt werden. Der Gedanke ist
nicht übel nur ist dabei die Hauptfrage
außer Acht gelassen, Nämlich die: ob
jene Länder ein solches Verhältniß wün
schen. Tie Wahrscheinlichkeit ist, daß
sie, wenn überhaupt eine Veränderung
ihrer Beziehungen zu England stattfin
den soll, die volle staatliche Unabhängig
keit vorziehen würden. Australien hat
jedenfalls das Zeug dazu. Die „Verei
nigten Staaten von Australien" würden
nut günstigeren Aussichten ein selbststän
diges nationales Leben beginnen können,
als vor hundert Jahren die Vereinigten
Staaten von Nordamerika. Auch die
Vereinigten Staaten vou Süd-Afrika, an
deren Zustandekommen Deutschland ei
nen wichtigen Antheil nehmen könnte,
würden sich nicht übel machen. Canada
freilich würde, vom Mutterlande ge^
trennt, der Anziehungskraft der Verei-'
nigten Staaten von Amerika nicht lange
widerstehen können.
Solche Machtverschiebuugen vollziehen
sich freilich nicht viel bei der Behaup
hing, daß der Mann schon geboren ist,
der als Greis das einst so mächtige
weltbeherrschende England auf den
Ring eines zweiten Holland herabgesetzt
sehen wird. Wie dieses wird es noch
einen Theil seiner Besitzungen in Ostin
dien haben, aber seine großen Co!onial
reiche von heute werden unabhängige
Nationen sein, oder (wie-Canada) zu
solchen gehören.
(Jll. Staatszeitnng.)
H-
DEFECTIVE PÄÖt ^l
Deutsche und Amerikaner it!"
Mexiko. W
Von einem Ausflug nach Mexiko zu
rückgekehrt, hat Herr H. Raster von der
„Jll. Staatszeitung," seine Reiftein
drücke in einer Reihe von Artikeln nie
beigelegt. Wir entnehmen denselben
folgenden interessanten Auszug:
Dem Deutsch-Amerikaner, der Mtjxifgi
bereist und nicht durch Unkenntniß d|U
Sprache von dem Verkehr mit den 33|
v'r
wohnern des Landes ausgeschlossen iftV1
ist es eine wahrhafte Herzens-Enrqur
(fang, zu sehen, wie hoch geachtet dort bei ?.
deutsche Name ist. Während er in den
Ver. Staaten mühsam darum ringen
muß, daß Jankees auch nur die Bezeich?
nun9 Deutsch-Amerikaner gelten lassen,
da sie eigentlich meinen, daß amerikanisch
und englisch gleichbedeutend seien, findet
er in Mexiko, daß.der nur englisch )pre*
chettde Amerikaner als—Esel angesehen
und, wenn Nicht uut Verachtung, brch
höchstens mit einem höflichen Mitleiden
behandelt wird, welches der Gering
schätzung sehr nahe kommt. Wohinge
gen der Deutsch-Amerikaner, wenn er
mir die erste Silbe dieser Doppelbezeich
nuitg betont, der freundlichsten uud zu
vorkommdsten Aufnahme gewiß ist. Der
gebildete Deutsche, auch, wenn er nur
mangelhaft fpaiiifch, aber leidlich fran
zösisch spricht, findet in Mexiko nicht die
geringste Schwierigkeit, mit den gebildet
teil Mexikanern^auszukommcn aber der
arme 2)anfee, der nichts als englisch
sprechen kann, sieht sich auf die Gesell
schuft einiger „Hotel Clerks," Dolmet
tcher nnd „Barkeeper" beschränkt. Er
spielt daher dort im Ganzen eine recht
klägliche Nolle, worüber ihn nur seilt
bödeuloses Selbstvertrauen und seine
Verachtung der „greasers," die ihm
mit Zutseszins vergolten wird, hinweg
setzen kamt.
Die Gefammtzahl der Denlfchen in
Mexiko ist sehr gering —in der Haupt
stadt berechnet man sie auf 200 Fami
lien. im ganzen Lande aus 500^ was
-'ber wohl nur Rathcwcrt ist, denn ge
naue Nachweife da? über giebt es nicht.
'lber das muß man sagen, daß in keiner
Stadt der Welt die Deutschen bei so ge
ringer Kopfzahl eine so angesehene, hoch
geachtete Stellung einnehmen, wie in der
Stadt Mexiko. Sie gehören mit kaum
bemerkenSwerthen Ausnahmen dem
Kaufmannsstande an. In ihren Hän
den liegt vielleicht die olste des ganzen^
Einfnhrhandels der Republik. In allen
Großhandels Geschäften findet man
Deutsche als Inhaber oder Verwalter
der Firmen, während es die eingeborenen
Mexikaner selten zu mehr als höheren
„C!erk"-Stellen bringen. Scharfblick
und Uitteruehmungsfinn, diese Hanptbe
dingnngen erfolgreichen Handelsbetriebs,.,
finden sich bei den Deutschen in so über
wiegendem Grade, daß die sanften und
trägen Eingeborenen dagegen nicht auf
kommen können. Doch das erzeugt keine
Bitterkeit die Mexikaner finden es
ganz in der Ordnung, d.a ja im Uebri
gen die Deutschen sich ihnen nicht Widers
wärtig machen, sie nicht (wie Aankees)^w
von oben herab behandeln, sondern
dett^-!J"|
Landes-Eigenthümlichkeiten ihr volles
Recht zukommen lassen.
Die meisten Deutschen in der Stadt
Mexiko stammen wohl ans Norddeutsch
la-.td, namentlich aus den Hansestädten,.
doch hat die kurze Herrschast des Erz.
Herzogs Maximilian auch manche Leute
aus Oesterreich herangezogen,' darunter
Ungarn und Ezechen, die aber hier sehr
zufrieden damit sind, als Deutsche mit
gezählt zu werden. Der Deutsche Club/
welcher etwa 150 Mitglieder'zählt, be
sitzt im Herzen der Stadt wunderschöne
Räumlichkeiten, das Obergeschoß eines
ehemaligen Klosters, dessen frühere Be
wohner schwerlich geahnt haben, daß in
diesen Räumen jemals deutsche Lust und
Fröhlichkeit 'walten würden. Hier herrscht/!
die elbelfte Geselligkeit und Lebensfreude^
In den AbendunterhaltunMbes Clubs,
bei welchen Wohlanstand ü-td Heiterkeit
sich in die Herrschaft theile?:. fühkön sich
auch die geladenen Gaste, seien es Mexi
kan?r oder Amerikaner, von dem Geiste
deutscher Geselligkeit anfs wohlthuendste.
angeregt.
Seit zwei Jahren giebt es in Mexiko
aiiC eine „Deutsch? Zeitung," in
lateinischen Schrutbnchstaben gesetzt,
aber ganz deutsch in Gesinnung und
Drache. Daß diese Zeitung bestehen
faun, ist an sich schon ein glänzendes-

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