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Minnesota Staats-Zeitung. (Saint Paul, Minn.) 1858-1877, December 26, 1872, Image 2

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7
Fünfzehnter Jahrgang
MmNejotaStaatö-Zeitung.
Drei Mal Wöckentliche:
nDorausbezühlung
rtet
SctttmgS Gesetze
Jahr) $6.C0
Wöchentliche:
Ha Vorausbezahlung $£*50
sir Jabr. nach allen Theilen der Set. Staat«».
Europa C$»$iefrei):
Drei Mal wöchentliche tper JahrZ....
Wöchentliche [per Jahr^
.$12.30
4.10
•fl-fIbfenbunitert »er „Post Monev Order" ober
KkziKrKten «riefen können auf unser SRiftf» gemacht werde
Alle Briefe beliebe man adresflren an
Theo. Sander 8$ Co
Bor
262,
St.
Paul,
Min».
der Ver.
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Wem» Abonnenten tfcre Zeitung nicht abbestel
ley. so wird angenommen, daß sie dieselbe sortzube
hatten wünschen.
Alle zu ähnlich billigen Preisen unterhalbIdem
KostenpreiS'
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äSm. Dawson. Rsb. A. Smith. A. Scheffer
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No. 97, Dritte Straße.
Tt. Paut,... Minnesota.
Stellen Wechsel auf aOt Hauptplätze Europa« und der Str.
Staaten au». Kausen und verkaufen^
S
und
Regieruugs Papiere.
Passage Scheine
von und ch Atropa zu den billigSen Preisen.
Depositen
entgegen und zahlen Zinsen für Gelder, die aufbeiitmmteZlit
hinterlegt werden.
Der deutsche Partner der Firma. Herr A. Scheffer, wird
es sich anpelegen sein lassen, alle Ladtsleate auf dw» du»or
kommendste zu bedienen
Finch &
Großh^dler in und Importeure von
Jt9 Goods und Notious
138 Dritte Straße,
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Vaul, Miu«
Deutsche
Ledcrhandlung
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Zschctzsche n. Heyer.
(Nachfolger von P. R.L, Hardenberg.) 7
tto. 198 Dritt« Straße St. Vanl Minnesota
graBrWtt ihr Leder selbst und verkaufend billig«
re tthlunatn im Staate,
V.
a v_ir.
$ Franenleben.
Schleichend kommt ein Weiblein
W1
Kein Abonnement kann rechtsgültig abbestellt
Verden, ohne daß alle Rückstände bezahlt sind.
Wenn Abonnenten unterlassen, ihre Zeitunge
von der Postoffice abzuholen, so sind sie dafür ver
aMwvrtlich, bis sie ihre ganze Rechnung bezahlt
und die Zeitung abbestellt haben.
Wenn Abonnenten ihren Wohnort ändern, ohne
di? Zeitungs-Office zu benachrichtigen, so ist es ihr
Schaden, wenn die Zeitung nach ihrem früheren
Wohnort geschickt wird.
Ane Weigerung, die Zeitung von der Post-Of
See abzuholen ohne dieselbe bezahlt zu haben, wird
ais absichtlicher Betrug angesehen.
Wer drei Nummern einer Zeitung annimmt,
ittäsd als Abonnent angesehen und hat für dieselbe
zu bezahlen.
Leitungen sind in dem County, wo ste gedruckt
tostben, portofrei.
tatlrirt & Co.
veikaufen den Rest ihre» Vorraths von
lomnifT
unter Sit» Jork Kostcnvrcisen.
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3000 Jards weiße Piques, 15 bis 35 Cts., Werth
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PercrleS. GinghamS, Povlinö, K. IC.
an
der Krücke,
Grau das Haar und bebend ihre Hand
Jeder Strahl entschwunden aus dem Blicke,
Der den Weg zu Aller Herzen fand.
Bleich der Mund, dem wir in schonen Zeite»
Freudig jedes Wörtchen abgelauscht,
Ach! das Alter nun und seine reiben
Hat für Schönheit-sie sich eingetauscht.
O, spottet ihrer nicht: Havt Mitleid in der
Brust,
Der eig'nen Mutter fltlt des herben Spottes
Lust!
Jede Falte in dem Angesicht
Zeugt von einer ruhelosen Nacht,
Aengstlich, bei dem schwachen Lampenlicht,
An des kranken Kindes Bett ver-racht.
Wie viel Thränen mußten da erst fließen.
Eh' das Auge ward so hohl, so wund!
Blumen erst auf kleinen Gräbern sprießen.
Bis so welk, so bleich der schöne Mund!
O, spottet ihrer nicht! Das Alter sei euch
Werth!
Die eig'ne Mutter ist's, die man im Weibe
ehrt.
Ach! des Lebens traurig schwere Sorgen
Haben ihr den Rücken halb gekrümmt,
Denn am Abend ist's der nächste Morgen,
Dessen Sorg' sie willig übernimmt.
Sollten nicht die schwachen Hände beben.
Die des Gatten Auge zugedruckt?
Leiden, Dulden heißt des Weibes Leben,
Zartt Blumen sind so leicht geknickt.
O, spoitei tfcrcr nicht, der Frvu, die so er
graut!
Die eig'ne Mutter ist's, Lte man im Weib
erschaut.
Wenn des Lebens maUervolle Stunden
Endlich brachen ihren Geist und Leib,
Wird ihr wohl der Eyrcnkranz gewunden?
Nein, doch nein! sie heißt ein 'altes Weib.
Männer, die für Seifenblasen stritten,
Nennt man achtungswerth und groß
Frauen, die ein Leben lang Gelitten
Hohn im Alter ist ihr herbes LvoS.
Drum spottet nicht der Frau, die alt vorüber
schleicht.
Der eig'nen Mutier gilt's, wenn einst ihr Haar
gebleicht.
(Mb!.)
Elisabeth,
oder
Ein Damen Duell.
Novelle von Eduard Hammer.
(Fortsetzung.)
Das will ich meinen, mehr als ein
Mal! Alles, was ich ihr prophezeiht
habe, ist richtig eingetroffen, sie selbst hat
es mir eingestanden darum kommt
sie auch immer wieder und fragt mich um
Rath.
Wo wohnen Sie?
Die Alte zeigte mit ihrem Stocke zwi
schen die Häuser.
Wenn Sie diesen schmalen Weg
gehen, kommen Sie. zu dem schwarzen
Felsen dicht daran steht meine Hütte, sie
ist gar nicht zu verfehlen. Aber Sie müs
sen nach Untergang der Sonne kommen
bei Tage kann ich nicht wahrsagen, da
haben meine Karten keine Farbe.
Ich werde kommen!
Der junge Mann schüttelte lächelnd
da? Haupt.
Diese Agathe, dachte er, wird mir
stets räthselhafter eine so aufgeklärte, ich
ßmöchte sagen, emancipirte Dame wendet
sich an die Kartenschlägerin nein,
für abergläubischen!! ich sie nicht halten,
sie wird zum Zeitvertreib das Weib besu
chen, wenn nicht aus Uebermuch!
An der Treppe, die zu dem Gasthause
führte, erreichte er das Fräulein. Beide
stiegen die Stufen hinan •und betraten
das luftige Zelt, unter dem sie sich nieder
ließen. Agathe sprach nicht mehr, sie las
in den neuen Journalen, die sie auf dem
Tische vorfand. Friedrich, der sie ver
stöhlen beobachtete, war entzückt über ihre
Schönheit. Es lag eine wunderbare An
ziehickgskraft in diesen Zügen, die eben
so vul Gutmütigkeit, als Klugheit ver
riethen.
Friedrich zog sich, von derLesenden uu
bemerkt, auf fein Zimmer zurück, um über
Das, was er während des kurzen Auf
entHalts in Timmenrode erlebt, nachzu
denken, und das Bemerkenswertheste in
sein Tagebuch einzutragen. Mit dem
Schlage Zwölf rief Georg den Gast zu
Tische. Man speiste in dem Zelte vor
dem Hause. Der Rendant führte den
Vorsts und^ließ die Schüsseln herumge
hen, dje alle sehr schmackhafte Speisen
:4
Nach Tische pflegte KriedrichPortinann
einer kurzen Ruhe.
.Als Agathe mit dem Wirthe Mein
war, sagte sie gleichgültig:
Jener Herr will aijo einige Zeit
hier bleiben?
Der Rendant berichtete:
Er hat Nummer Eins auf vier
Wochen gemiethet. Vielleicht, fügte er
gutmüthig scherzend hinzu,, bleibt er auch
noch länger. »Ich hoffe, daß es ihm bei
uns gefallen wird.
Agathe hob drohend den Finger em
por.
Sie wissen, Herr Rendant, daß mir
die Männer gleichgültig sind.
Dieser ist ein feiner Herr, ich mag
ihn wohl leiden!
Es hat ein Jeder von uns seinen
Geschmack.
Nein, .Verehrter. Ihren Geschäfts
betrieb möchte ich um keinen Preis beein
trächtigen! 7
Ich aber möchte Sie auch nicht
gern vertieren.
Was kümmern mich Ihre Gäste?
Sie haben Recht, Fräulen^
Wenn Herr Portmann mich nicht
behelligt
Dafür werde ich schon sorgßn.
Der junge Hirr »st übrigens die Beschei
denheit lelbst, rr wird kaum wageis, ohne
Erlaubniß sich Ihnen zu nähern, s'
Auch Herr Holle ging, um sein Nach
Mittagsschläfchen zu halten.
Eine halbe «stunde später
ttsät
W ch 11 iH A a e.
Eiqenthümer und Herausgeber: Theo. Sauder u. Co.—Office: No. 28 Minnesota-Straße, zwischen der 3.it. 4. Straße, eine Treppe hoch.
brachten. Dabei wußte er die Unterhal
tutig auf die gemächlichste Weise zu bele
ben. Agathe ging munter auf alle
Scherze des Hausherrn ein, ohne irgend
wie dieWeiblichkeit zu verletzen sie zeigte
sich nur als eine alte Bekannte, die sich
auf Grund dieses Umstandes einiger.Vor
rechte erfreut.
Warten Sie, Fräulein, kommt
der Rechte, so sino Sie mit einem
Male gefangen und Ihre männer
feindlichen Grundsätze liegen zertrümmert
am Boden.
Bester Freund, Sie kennen mich
schlecht!
Aber ich kenne die Frauen!
Da, rief Agathe aufspringend, da
sind wir wieder auf dem alten Punkte!
Wollen Sie mich denn durchaus unter
die Haube bringen?
Ja! rief der Alle, indem er ihr die
zarte Hand küßte. Und die Hochzeit nrnd
im Grünen Jäger gefeiert!
Er führte sie zu dem kleinen Sopha,
das an einer Oessnung des Zeltes
stand.
—WeidenSie sich an Ihrer LlebO^s?'
Aussicht! Ich wll kein Wort mehr von
den Männern sprechen, um die Ruhe Ih
res Gemüths nicht zu stören. Ach was
haben renn die armen Männer Ihnen
gegenüber verbrochen, da^sie so übel an
geschrieben stehen
Wären Sic nicht ein so gutmüthi
ger Schwäyer, ich könnte Ihnen gram
werden!
Bei Leibe nichtrief komisch er
schreckt der Wirth. Ich würde selbst dem
Herrn Portmavn das Zimmer sofort kün
digen, wenn Ihnen seine Nähe nicht an
genehm wäre.
St. Paul, Minnesota Donnerstag 2G. Deeember 1872.
die
Tochter des Schulmeisters in das
Zelt.
Elisabetd! r'ef Agathe, die das
Zeitungsblatt, in dem sie gelesen, zu Bo
den warf.
Da bin ich, liebes Fräulein!•
Willkommen, tausendmal willkom
men
Die Dame küßte dtc Stime der Schul
meisterstochter. die genau so gekletzzet war,
als wir sie in der Kirche geschen ha
ben ein einfacher Strohhut mit
Kornblumen schmückte ihr reizendes Köpf
chen.
Legen Sie Hut und Tüch ab,
meine Beste! Wir nehmen hier den
Kaffee ein, dann machen wir einen Spa
Hergang. An Ihrer Seite will ich zuerst
mein Lieblingsplätzchcn besuchen Sie
haben doch Zeit
Bis zum Abend bin ich frei, da
der Vater nach dem Gottesdienst'auf das
Nachbardorf geht. |,
Elisabeth hatte Hut und Tuch abge
legt. Die reizendste Gestalt, die sich den
ken läßt, ward sichtbar. Das- dunkel
grüne Thibetkleid schloß eine fitie, ele
gante Taille ein, die durch' d^e Bändex
einer schwarzen Taffetschürze deutlicher
abgezeichnet wurde. Lieblichkeit und
acht jungfräuliche Anmuth wären die
Grundzüge, die aus der Erscheinung des
Mädchens hervorleuchteten.
Elisabeth befaß einen zarteM weißen
Teint, den sie sorgfältig vor den Strah
len der Sonne geschützt haben PußteMd
Agathe mochte wohl nicht so
haben, wenn sie die Tochter
meisters eitel nannte. JmmWim tM
Eitelkeit beeinträchtigte^ihre LWenswür
digkeit- nicht, denn Elisabeth
fchteit
sich
ihrer Körpervorzüge kaDm benWt zu fewi
und sich *«r a«s Liebe zur Wdnung *0
sauber und nett zu kleiden, wie sie eben
gekleidet war. ,)(.
Agathe hatte ciflige Augenblicke die
Freundin betrachtet.
Wie schön sind Sie geworden! rief
sie aus.
Elisabeth erröthete.
Sie sind immer noch so gut! siü
sterte sie verschämt.
Sprechen Sie doch von meiner
Güte nicht'
Ich werde nie vergessen, daß Sie
meinem armen Barer
Nun, so denken Sie daran, aber
sprechen Sie nicht davon.
Fräulein vonHainsdorf gab deyiMäd
chen einen leichtenSchlag mit dem grünen
Fächer, den sie bei kurzen Spaziergängen
als Sonnenschirm benutzte.
Mein Vater hat mir aufgetra
gen
Da sind die dankbaren Menschen
schon wieder, die eine einfache Gefälligkeit
zur Großthat stempeln. MeinGott, was
habe ich denn gethan
Der Vater würde heute recht un
glücklich fein
Elisabeth, was ich gethan, ver
lange ich von jedem Menschen, derGefühl
für das Rechte und Gute besitzt.
O, böte sich mir doch eine Gelegen
heit,. Ihnen zu beweisen, Se dankbar ich
sein kann.
Die Gelegenheit ist schon da.
Sprechen Sie doch, liebes Fräu
lein bot Elisabeth.
Sie schweigen und begleiten mich
jetzt in mein Zimmer.
Beide hatten sich erhoben.
Nein, rief Agathe plötzlich warten
Sie hier einige Minuten, Fränzchen wird
Sie rufen! Ich bereite Ihnen eme kleine
Ueberraschung und mir eine grsße Freude
vor. Sie warten also lesen Sie, dort
liegen Journale!
Agathe eilte in das Haus. ***.
'gute, hochherzige Dame! flu
sterte Elisabeth. Ich wage es nicht, ihr
zu wiedersprechen. Ach, könnte ich ihr
doch einmal einen recht wichtigen Dienst
leisten dahin wird eS wohl nie
kommen, die vornehmen Damen brauchen
uns arme Leute nicht.- E will ich denn
warten!
Sie lüß sich nieder und begann zu lesen.
Schon nach einer Minute kam ^riev
rich Portmann aus dem Haust. Von
der Schwelle aus iibcr'ah er das Zelt.—
la saß die reizende Elisabeth lesend auf
dem kleinen Sopha.
Sie ist schon angekommen! dachte
der junge Mann, dessen Acern ein freu
diger Schreck durchrieselte.
Wie geblendet betrachtete er das'schöne
Mädchen, das einer halb erschlossenen.
Rosenknospe glich.
Wenn der Geist dem Körper ent
spricht, dachte Friedrich, so ist die Tochter
des Schulmeisters ein Wunder.
Es drängte ihn, sie näher kennen zu
lernen. Die Gelegenheit war, zu günstig,
er wollte sie nicht ^entschlüpfen lassen.
Dem Anscheine nach ruhig betrat er das
3 lt.
Elisabeth sah auf. DerFremde grüßte
ehrerbietig sie dankte, indem sie sich er
hob.
Ich will nicht stören, Fräulein
Horn.
Ihre Wangen wurden hochroth.
Kennt mich der Herr? fragte sie
mit ungewisser Stimme.
Elisabeth war der Meinung, der
Fremde sei der Begleiter Agathen's, viel
leicht ein Verwandter, da sie Beide vor
der Kirche gesehen hatte.
Sie war köstlich in der Verwirrung.
Bald senkte sie die Hand in das Täsch
chen der Schürze, bald zupfte sie an dem
schwarzen Bande derselben, dann wieder
spielte sie mit dem kleinen Golvkreuze,das
an ihrem schneeweißen Halse hing.
Ich habe Fräulein Horn diesen
Morgen in der Kirche gesehen.
Ach
ja!
Und Fräulein von Hainsdorf hat
mir so viel Gutes von Ihnen erzählt
Bitte, nehmen Sie Ihren Platz wie
der ein!
Sie leistete Folge wie ein gehorsames
Kind. ..
Friedrich sprach über die Schönheiten
des Thüles, das er gestern zufällig ktre
hatte.
1
Zufällig? fragte Elisabeth.
l— Ja, nur der Zufall, dem ich es
herzlich danke, hat mich nach Timmemode
Da haben Sie auch' wohl Frau
lein von Hainsdorf erst kennen ge-
lerNt
j— Gewiß.-!^ -•1
Ach, das Fräulein ist eine fthr gute
Dame!
Elizabeth hatte bei diesen- warm und
tief empfundenen Worten die Augen auf-,
aeschlääm.'
MeMch Aau^te rn^inen^Pimmel' zu
AWw! Änv^ie sMpathijch klang ihre
Diese Ueberzeugung glaube auch
ich schon gewonnen zu haben, obgleich ich
die Dame nur kurze Zeit kenne.
Die Tochter des Schulmeisters war
plötzlich^urückhaltend geworden. Dem
Reisenden entging es nicht, daß sie sich
enttäuscht fühlte. Wie konnte er auch
als Fremder eine rasche Annäherung for
dern Es fiel ihm schwer, die Unterhal
tung fortzusetzen, da er dem wunderholden
Mädchen gegenüber eine unerklärlichere*
fangenheit empfand. .~-x
So gefällt Ihnen unser Thal?
fragte Elisabeth nach einer Pause.
In dieser Frage der Einheimischen lag
ein natürlicher Takt, der angenehm be
rührte.
Ich bin entzückt über die Anmuth
der Landschaft und werde einige Zeit hier
bleiben.
Alle Reifenden, die im Sommer zu
uns kommen, loben die Gegend. Wir.
die wir hier jbohnen, möchten fast versucht
werten, zu glauben, daß wir auf dem be
sten Punkte der Erde lebten. MeinGott,
wie muß es denn*an anderen Orten aus
sehen ?,
Haben Sie noch keine Reise ge
macht, Fräulein Horn?
Ich bin nicht weiter als bis in das
nächste Landstädtchen gekommen.
Eine große Stadt kennen Sie noch
nicht
Ach, ich habe keinen Begriff da
von.
Sie sollten Fräulein von Hains
dorf einmal begleiten.
Elisabeth schüttelte das Köpfchen.
So lange mein Vater lebt, trenne
ich mich nicht von ihm. Was auch soll
ich in einer großenÄtadt, die ich nur eine
einfach-' Erziehung auf dem Lance genos
sen habe Ich verstehe es nicht, mich
unter dm fein gebildeten Städtern zu be
wegen Vater meint, es müsse Je
der in dem Kreise bleiben/ für den er
paßt. •. •,
Wohl wahr! rief Friedrichs derAn
sichten dieser Art von dem schlichten Mäd
chen zu hören nicht erwartet hatte. Für
Sie würde die i£tatt dasselbe Interesse
erwecken, das eine schöne Berggegend für
uns Städter hat. Man sieht andere
Ding? und andere Manschen. Tie
Abwechseung, die uns geboten wird, wirkt
heilsam auf Geist und Gemüt!)
£te Monotonie deS Stadtlebens ist mir
zum lieb erdruß geworden
Und nun frtzfti Sie voraus, daß
auch das Landleben durch seine Einför
migkeit ermüden könne?
a
Dann irren Sie sich, mein Herr!
Ich glaube kaum
Wer an Thätigkeit und Ordnung
gewöhnt ist, empfindet nie Langeweile
in der Arbeit und der darauf folgenden
Ruhe liegt eine Abwechselung, die wohl
thuend wirkt.
Ah. meinte Friedrich lächelnd, Sie
treffen einen wunden Fleck der Großstäd
ter! Es ist chr, wir empfinden nicht
selten Langeweile mitten im Gewühle des
großen Verkehrslebens, das aufe nicht die
Spur von Poesie bietet.
Verzeihung, flüsterte sie erröthend,
ich habe mir durchaus keine Anspielung
erlaubt
-r-
J'tzt sprang Fränzchen in das Zelt.
Auch sie begrüßte das Mädchen mit un
verkennbarer Freude. Dann rief sie er
staunt
Ach, wie schön sind Sie gewor
den!
Friedrich mußte ihr Recht geben.
Sie scherzen! flüsterte die beschämte
Elisabeth.
Ich befleißige mich stets des größ
ten Ernstes.
Die Zofe war von Elisabeth's vor
theilhafter Entwickelnng wirklich so über
rascht, daß sie nur mit Mühe weitere
Auslassungen unterdrücken konnte.
Meine Herrin läßt Sie zu sich bit
ten.
Elisabeth nahm Hut und Tuch.
Ich bin bereit.
Indem sie an dem Fremden vor
überging, grüßte sie durch eine leichte
Verbeugung, die sie ««gezwungen graziös
ausführte.
Beide Mädchen, waren im Haufe ver
schwunden.
-Friedrich sah sinnend inM Landschaft
reizendes Wesen flüsterte er
vor sich hin.
{Die
Erziehung dieser
Schulmeisters.tochter wird durch eine sel
tene Intelligenz unterstützt sie be
sitzt natürlichen Scharfsinn und einen
angeborenen richtigen Takt -Es
vereinigt sich Alles zu einem Ganzen, das
mir gefährlich werden kann
Er^nußte über sich selbst lächeln.
Kann ich nicht nach meinen Nei
qungen handeln? fuhr tr fort. Ich bin
unabhängig wie der Vögel in der Lust
und habe keinem Menschen in• ter:Welt
Rechenschaft äbMegmHber mein Thun
'itnd Lassen.. -'Bah, ich erfasse das ,Glück,
Frlrf7^
Ä-
DEFECTIVE PAGE
Nummer 784.
wo es sich mir.bietct Diese Elisa
beth kann wirklich das Glück eines
denkenden und fühlenden Mannes be
gründen.
Bald darauf erschien der Wirth, der
nach dem Mittagsschläfchen besonders gu
ter Laune war.
Sie haben eine liebcnswüidige
Nichte, Herr Rendant! redete Friedrich
ihn an. Ich habe das Vergnügen ge
habt, Fräulein Elisabeth Horn |tt
1 sehen,
Wo? Wann
Diesen Morgen in der Kirche.
Ah, sie muß regelmäßig dem Got
tesdienste beiwohnen.'
Jndeß ist sie bei Fräulein von
Hainsdorf.
Dachte ich es mir doch Ja, die
Beiden sind unzertrennliche Freundinnen
während des Sommers, ich kenne das
schon.
Der Alte rückte vergnügt sein Mützchen
in die Stirn.
Sie können stolz fem aufJhreNich
te, Herr Rendant.
Nun ja, wie man's nehmen will!
murmelte er, indem er sich nteter
ließ.
Was soll das heißen?
Tie Züge Holle's waren ernst gewor
den.
Ich stehe mit meinem Schwager
nicht gut.
Mit dvm Schulmeister?
Ja, mit Horn.
Das wundert mich, Herr Rendank!
Mit Ihnen, so scheint mir, kann man
nicht anders als auf freundschaftlichem
Fuße leben.
Holle legte seilt Mützchen auf den
Tisch.
Ich gebe wenigstens keinen Anlaß
zur Feindschaft.
Und der Schulmeister, cm Stück
Mensch, das muß ihm der Neid nachrüh
men aber er besitzt eine Halsstarrigkeit,
die ihn unleidlich macht. Er muß immer
Recht haben, und wenn er im größten
Unrecht ist. Ich kann doch nicht aus
lauter Gefälligkeit sagen: Schwager, Du
hast Recht! Nein, gegen meine Ueber
zcugung handle und spreche ich nicht, und
wenn es mir an Hals und Kragen geht.
Recht muß Recht bleiben! Da sitzt der
alte Griesgram nun in seinem Schul
hause und meidet allen Umgang
Das arme Mädchen thut mir leid! Wäre
Elisabeth nicht eine so gute Tochter, sie
würde längst davongelaufen sein. Aber
sie hat eine wahre Engelsgeduld
keine Klage kommt über ihre Lippen, sie
sieht stets freundlich aus, als ob sie das»
beste Loos von der Welt hätte Und
doch führt sie ein trauriges Leben. Das
weiß ich am besten. Mich wundert nur,
daß der Vater sie in den Grünen Jäger
gehen läßt.
Vielleicht besucht Elisabeth ohne
Vorwissen des Vaters ihren Onkel.
Ah. lieber Herr, da kennen Sie die
Tochter nicht! rief der Wirth. An ihr
ist keine falsche Ader, sie spricht wie sie
denkt, und handelt stets nach den besten
Grundsätzen. Dafür hat ihre selige
Mutter' schon gesorgt Sie wissen
doch, Herr Portmann, Elisabeth's Mutter
war meine Schwester—
So hat mir Fräulein von Hains
dorf erzählt.
Das war eine Frau, wie man sie
nicht zum zweiten Male auf der Erde
findet. Die Tochter hat'ganz den Eha
rakter von ihr geerbt brav, recht
schaffen und fest! Ich sollte es nicht sa
gen, weil ich der Onkel bin aber Recht
muß Recht bleiben, und wenn die Berge
darüber zusammenstürzen. Horn hat
übel gehandelt an seiner Frau sie lebte
vielleicht noch, wenn sie nicht so viel Aer
ger und Kummer gehabt hätte. Und
was trägt die Schuld Die Halsstar
rigkeit Horn's. Er mag wohl manchmal
mit Schrecken daran denken Es ist
geradezu unerhört!
Wenn ich richtig verstehe, Herr
Rendant, so sind Sie mit Horn doppelt
verschwägert
Freilich^ mein Herr! Ich hatte
Horn's Schwester zur Frau, und Horn
hatte meine Schwester. Ja, wenn die
Guten noch lebten! Da ständm .die
Dinge wohl anders zwischen uns. Ich
habe Glück gehabr mit meinem Gasthanse
und brauche den Schulmeister nicht
Wenn ich einmal sterbe, bekommt Eli
sabeth Alles, da mir der liebe Gott den
Kindersegen versagt Hot. Ich hatte zwei
Söhne sie find im zarten Alter gestor
ben. Horn erfreut sich nur der einzigm
Tochter aber sie ist ein Prachtmädel ge
worden, und ich. bitte täglich den Himmel,
daß er sie so lassen möge. Da ist ein.
braver Bursche, den habe ich ihr -zu«
Manne ausersehen Ja, nun 4n$t
aber die Halsstarrigkeit "Horn's wieder
dazwischen —. Ich mag. nicht daran
ferefaU ,_f

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