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Grand Island Anzeiger. [volume] (Grand Island, Nebraska) 1889-1893, October 09, 1891, Image 7

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gutgsefehtzeinerxohew «
Ida-an m Zucht-i von Ists-.
(4. Iortsehung.)
Sie saßen an der schmalen, weiß ge
beckten Tafel des Wartesaaleg einander
gegenüber, als Gerhard den Brief öff
nete;——er las ihn aufmerksam durch
und reichte ihn dann Walpurga hin
über, «damit sie daraus den Onkel ten
nen lerne«; studirte dann eifrig die
Weinkarte, blickte jedoch seitlich ein we
nig hervor, um den Jnhalt des Briefes
auf dein lieblichen Gesicht zu folgen;
er bemerkte jähes Erröthen und leichtes
Zusammenziehen der Brauen bei der
Stelle von der herabzuwürgenden Liebe,
beim Schluß dominirte die Rührung.
Der Brief wurde gedankenvoll in
feine Vriiche zusammengelegy und als
Gerhard die Hand danach angstreckte,
wurde diese unerwarteterweise erfaßt.
»Ti- hast bis jetzt immer nur daran
gedacht, mich dem Onkel an’g Herz zu
legen, Gerhard, und doch möchte ich
Dich bitten, laß die Sorge fiir einan
ber ain Gegenseitigkeit beruhen; ich will
es wenigstens versuchen, Tsich bei ihm
zn ersehen; ich will ihm eine Tochter
tein, bis Du wiederkommst.« "
»Und dann, Walpurga?«
Vialpurga zögerte.
»Dann wird« so hoffe ich, der Bruder
son Papa, Professor Echteizhaufem der
keine Kinder hat, mir sein stilles Hans
ösfnen.«
»So; nun ist es noch lanqe Zeit bis
dahin; ioir denken wenigstens ohne
Groll an einander, nicht wahr, Wal
purga?«
»Ich habe niemals Groll gegen Dich
empinnden, und nur in den ersten
schrecklichen Tagen hat sichs in mir ge
gen den Mann, dem irb folgen mußte,
aufgebian ich des-sk, Dir ist es ebenso
gegangen. «
»!?insteigen! Nürnberg, Dresden,
Berlin!«
Gerhnrd erhob sich hastig.
,Lebe wohl, Kind! Gott behüte Dicht
Ich schreibe Euch von jeder größeren
Station!« -
Er half ihr väterlich in die Jacke, zog
fte einen Moment an sich und berührte
mit seinen Lippen ihre Stirn. —
Dann stand er, dem Zuge nachsehend,
allein auf dem Perron, ließ den Abend
vind durch seine Haare streichen und
wartete, daß das Gefühl der Freiheit
ihm die Brust schwellen solle; «oorläufrg
fühlte er sich ein wenig einsam und, troh
aller Argumente, »ein Bissel sahnem
flüchtig-Z
Doch das verging.
Auf den zum Hauie führ-enden Trep.
stufen, eingeradmt von den beiden
sittlichen Löwen, stand der Baron Her
hut, feine Nichte zu empfangen. Seine
Toilette mnr der Feierltchleit des Mo
ments entsprechend, Miene und Rede
waren es anch.
»Nich« Walpurga, Du bist im Haufe
meiner Väter willlotnmen; Dein Aeußes
res ist meinem Auge wohlgefällig. Dein
Jnneres wird eg meinem Herzen wer
den; empiange den Vaterluß, nenne mich
Du.«
Die kleine Walpurga hatte von Kind
heit an bedenklich zur Langichtäferin ge
neigt, und die Stille des Geiiiaches. das
man ihr in Herhutgtvolde angewiesen,
par durchaus geeignet, diesem Laster
sorichub zu leisten. Ader heute meins
nichts nur trägem Dehnen, Augenbtim
ein und sie wieder Zutneifen, ed trieb
e hinaus em’g Fenster, um die Vor
hange auseinander zu ziehen.
Da lag der Nasen-platz, auf dem gestern
der lehte Schnitt Heu gemäht, in schwel
lendem Grü einqefaßt von blühendem
Perdsigesträuchz Tauben, die sich in der
lauen Luft wiegten, zwei junge Neu
fnudländer, sich in täppifchem Spiel
überkugelud der Bach, der sich durch
Wiesen ichlängelte und in der Ferne die
Pranger-oh tief schwarzbtoue Linie des
old-S.
Der Onkel, der gerade am Fenster
stand, hörte etwas die Treppe hinunter
hasien und dann flog es in dlauem Mor
enkleid, die Arme hoch erhoben, quer
der den Rasenptav direct mit mächtigem
Satz in den aller-höchsten Heuhaufen
hinein.
Da lachte der alte here und er faßte
feinen Cnifchttiß; er wollte an den Gren
zen feines Gutes eine Tafel einbringen
lassen: «Tomininni.ßerhutstialde, kli
matischer Curort für mit der Liebe Be
haftete. «
Der Vergleich milder Blume, die in
beschränkter Lust nicht zu voller Farben
pracht ethlüden konnte, ist ebenso abge
droschen, wie der mit dein Vogel, der
war in seinem eleganten Käf- zwiti
chert, sich print und dein Pkenschen
Freude macht, aber dennoch erst in Frei
eit er selbst wird; und dennoch müssen
lume und Vogel als Vergleichgobjerte
heran, wenn der liebe Leser sich iu die
kleine Walpurga hineindenken soll.
Das Geschlecht der Cchteribausen so
wie das non Walpurgas Mutter hatten
den Soldatenrock und den Diplemetem
stack getragen; eg gab auch einen stillen
Gelehrten unter ihnen, kein Einziger
aber hatte sich in die Reihen der Kraut
junker gestellt, und erhaben waren sie
über Alles-, was niit dein Krautjunler
zusanimenhin9.
Daß da nun ein kleines Mädchen ge
boren wurde, das schon in der Wiege mit
Dsndchen und Fäßchen Katzen und Hun
den entgegenstkanepelte und jeder Schind
mähre zujauchzte —- die sich bei etwas ge
reisteren Ansichten den himmel als einen
nen, weiten Waldezdckkn verstellte,.in.
essen Bautnwipseln Gottes Odem
rauschte, während die Englein mit den
sinken in den Zweigen um die Wette
langem-die Hölle aber als eine schnur
serede, sonnendnechglühte, recht-z und
links von Schaufenstern eingerahmte
Straße, in der medisch geputzte Sünder
ihr Leben lsn straswnndeln mußten, —
mr ein Un ing; derartige ordinäre
«Uuzläufer der Phantasie mußten Xbei
Zeiten befchnitten werden; und dies ge
ah.
Direct aus dem Fräuleinstift in die
hofdamenearriöre gebannt, mochte das
kleine Mädchen träumen oom wilden
Nitt über die Haide, von Waldesduft
; und grünem Nasen, — es fand sich Nie
mand, der die Träume anhören wollte,
und darüber vergaß sie sie bis zu dem
Moment, wo Gerbardg Worte die ersten
Streiflichter auf Herhutsivalde und den
alten Herrn dort fallen ließen.
’ Und nun war der Traum wahr ge
»rvorden; fie hatte ja nicht gewußt, daß
der Wald so fchön, die Sonne so golden,
die Freiheit fo beraufchend war!
Walpurga hatte nur ein einziges Mal
einen Vorgeschmack diefes Glückes ge
habt; ein Bruder ihres Vaters, ein
,stiller, in kinderlofer Ehe lebender Ge
slehrter, hatte sich zu einem Ausflug in
Edle Sommerfrifche für die Kleine ge
fopfert und ivochenlang hatte diefe von
» dem Augflug geträumt.
f Nach Art der Träume im Allgemeinen
Jrvar auch diefer Traum eitel Humbug;
sder sanfte Zoologc hatte den ganzen
- singenden, duftenden Wald nur als den
iRahmen für das Stelett einer Blind
! fchleiche aufgefaßt: ein von den Ameisen
I außerordentlich gut präparirteg SIelett,
fbei dem jedoch ein abnorm gebildeter
) Niickenwirdel dein Manne viel zu denken
» gegeben.
i Die hochachtbare Tante stand dem
fstürmifchen Glück des Kindes ungefähr
iebenfo gegenüber, wie die brave Henne
dem häßlichen Enllein in Anderfon’s
reizendein Märchen; — keinerlei Gefühl
für die Wonne, in Gras und Blumen zu
liegen und auf das Summen der Käfer
pzu lauschen; Gras und Blumen gaben
[ häßliche Flecke und pekdkücktm die Klei
derbahnen; Käfer-, ob summend oder
nicht, feien eben »Käfer« und wurden in
Spiritus entschieden bevorzugt ;——-ebenso
wenig Verftändniß fand die Kleine für
i Vergißmeinnichtpslücken, da diese meistens
lan feuchten Stellen wüchsen; feuchte
IStellen aber geben naffe Füße; nasse
Füße geben Schnupfen und bedräuen
das Schuhwerl.
Und nun war Walpurga frei, frei von
den beengeuden Fesfeln desCereuionrellz,
unbehindert, umherznfchrveifen in Wald
und Flur-, wie sie es ersehnt mit aller
Macht jugendlichen Bedürfniffeg für
«»21116toben".
Der Baron hatte seine Herzensfreude
daran, das Kind in seinem Reiche herum
zuführen; er stellte ihr jegliches Pferd t
und ieglichks Rind vor; er gab ihr dass
Geleite vom Aussichtsthurm zum Wein- »
leller; und immer wieder kehrte die Un- «
terhaltung zu der Zeit zurück, wo es chin,
dein »Sparer«, vorbehalten gewe en,
gut zu machen, wag die »Zehrer« Unter
den Herhut’g verfchuldet — eine Zeit der
Sorgen und Entbehrungen, die ihm ohne
den Aufblick zumVater droben beinahe
die Pistole in die Hand gedrückt hätte.
Walpurga war, so viel neuer Eindrücke
ungewohnt, am Nachmittage in ihrem
dämmerigen Gemache fast eingeschlafen.
Das riicksichtgvolle Klopfen des alten
Friedrich erweckte sie: sie hatte den Dienst
· verschleiern »
! Nein, »ein, die keine bqrtqmischetsufi«
die durch das geösitiete Fenster strötnte, s
war keine Hosluit; — der alte Wieder-s
» mann, der in der Veranda hinter der
I Kassemaschine ihrer wartete, rvar weder’
sCerrmoniennieister, noch .tt"animerherr;
E und der mächtige Milchstritzel in ganzer
i Figur haka »ich-g Höftiches im sich; trotz-s
dem war dir Verbeugung, mit der Wal- s
.pnrga an den Kasseetisch trat, so sehr
! «hofdame«, daß der Onkel laut auf-l
j, lachte
I Dann freute er sich des herzhasten
s Appetit-, mit dem die Kleine dem dunkeln
sBrot und der aromatischen Butter zu
ssprazdund ließ dann »anspannen« —
sden irthsehaftswagen mit den beiden
l Bleßfüchsen, federlos, der reine Marter
s lasten; aber Walpurga hatte ihren Spaß
» daran, und als sie im Laufe der Fahrt
die Zügel seiner Hand entwand —- sachte,
aber tnit so bittenden Augen-ließ er sie
gewähren.
« »Hübfch geschlossen die linle Faust,
» den Daumen drauf; die rechte Hand
ruhig in den rechten Hügel eingreifend-—
so— die Hände hübsch breit auseinander
» —- die Peitsche aufgerichtet in der Rech
ten· stemme die Füße nun fest gegen den
vorderen Schirm, meine Tochter; Kreuz
gut durchdrückeu. Sieh mal an, hätt’
nie gedacht, daß Weiber sich so gut zum
Jahren anlassen. Mädel, Du wärst
am Ende die rechte Frau ffsr mich gewe
sen, anstatt der verflossenen, die mich unter
die Hallunten rangirt hatte-Jetzt halt’
mal an, meine Tochter.«
Die Füchse standen schon von selbst
still. Jn einer Lichtung des Waldes
stand eine Eiche mit einer Moosbank
darunter.
«Das ist die Wöters - Eiche, mein
sind,« sagte der Baron und seineStnnme
hatte einen seierlichen Klang. »Aus
dieser Bank hat einst ein junger Mensch
gesessen rnd meinte, er hörte den alten
Baum zum letzten Mal über sich rau
schen; gerade in dem Moment, wo ein
uter Mann zu ihm getreten, ihn bei der
Band genommen und ihn physisch und
Uoraiisch emporgezogen hat; wärst Du
ein Mann, würde ich sagen »Hu: ab«,
ein Andenken an meinen Retter Wötech
mit Euch LLeibgleuten hat das wegen der
Paradiesvögel oder sonstiger Takelage
seine Schwierigkeit; als-s sahre weiter,
meine Tochter, aber pergrscnir den Wö
ters nicht !«
Andern Tages sollte es sich entscheiden,
ob die von Gerhard bestimmte Braune
sich zum Damenpserd eigne, und da
Gänge und Temperatur vorzüglich, wur
den die tigiichen Ritte immer weiter aus-.
gedehnh durch röthliche Buchenmäldet
is in die entserntesten Reviere, wo in
der Stille des Forstes der dumpfe Schrei
des Hirsches tönt.
Unter den Bewohnerinnen von Her
hutsiialde war eine, die der Ankunft der
jungen Frau mit Sorge und Mißtranen
entgegengesehen hatte; dies swar Mam
fell ethnsneltm des paafes bewahrte
süterim
Schon Thusneldeng Großmutter,
Witwe Strehmitzeh hatte als Banne
von allerhand Kleinvieh, wie Gänfen,
ühnern, Ferkeln, ihre Carriåre im
ienste der Bär-hats begonnen; die
Enkelin, zur irthfchafterin avancirr,
war eine stattliche Erfcheinungz leidet
nicht mehr Knospe-im Gegentheil schon
volle, herbstlich reife Frucht; abermals
,,leider« reifte die immer etwas übertrie
bene Anniiherung der Nafe zum Kinn
bedenklich mit-und der Nester, den das
blanke Kupfergefchirr in der Küche auf
die Wange der Jungfrau geworfen, war
für Manche-n störend; nur nicht für das
Auge der Liebe.
Er, der sie liebte, aber vergeblich unt
Gegenliebe warb, war der langjährige
Diener Friedrich; zwischen »ihm« und
,,ihr« standen die Matten eines Verstor
benen, denn Thusnelde wollte nichts
mehr zu thun haben mit der Männer
Art, zuweist zu rauh und Iäuberlich —
da sie die Treue sest gewahrt-dein sanf
ten Otto Säuberlich.
Trotzdem schien es jedoch zuweilen, als
sei die Festung nicht so ganz uneinnehm
bar und die Bewohner von Herhutswalde
hatten sich gewöhnt, die Annähernng ur
Capitulation nach dem Emporstreben
oon Friedrichs Haarschops zu bemessen;
schlichte Scheitelung, nach Art sanster
Theologen, deutete aus abweisende Hal
tung der Jungfrau; bei eingehender Ge
sinnung erschien die gewellte Tolle des
Commis; an entschieden hoffnungsvol
lenf Tagen wartete ein Kakadu bei Tische
au .
Walpurga ersuhr Thusneldens Ge
chichte im Allgemeinen, als sie ihre erste
Visite im Milchkeller abstattete; sie saß,
die zierlichen Fäßchen getreuzt, das
Kleidchen geschürzt, aus einem umge
stülpten Vuttersaß und kore Lieblichkeit
zerstreute mit einem Schlag alle Beden
ken über die »streitbare Fran«, welche
ekomtnen sei, Thuineldena Macht zu
sztürzeim die kleine Bachstelze, die der
biederen Bruthenne swieder muß das
Federoieh als Ver leichsobjeet heran)
ihren Besuch im Hü nerstall macht, stört
die brave Henne nicht; der Gedanke, daß
sie sie von ihrem Neste jagen und statt
ihrer weiter brüten würde, ist gänzlich
ausgeschlossen.
Jn dem traulichen Stäbchen der alten
Mamsell ersuhr Walpurgis die Details
der Tragödie Thusneldeiuberlichz —
seines Zeichens Geselle in einer Sarg
sabrik, war er als Reservist eingezogen
und im Kriege an übergroßer Tapserkeit
zu Grunde gegangen.
Da Sünde-lieh gern das Geschästliche
in’s Privatleben übertrug, hatte er Thus
nelden einen Nähkasten geschniht; auch
in Form eines Sarg-s.
Besonders Begünstigten wurde der
Nähkasten gezeigt und darin ein rundes
Stückchen Psesserkuchen mit einem hüb
schen Bilde detlebt; eine Lilie, mehr in
der Steilhesit als in der Reinheit wohl
erhalten« und darunter der Vers-. »Diese
Blume schaut« ich hier-Bliihend in dein
Garten-Da mir däucht, sie ähnelt Dir,
—- Magst Du ihrer warten.«
Dass runde Stück Psesserkuchen war
einstens ein Herz gewesen, da aber Ca
dett Gerdard bei jeweiliger Besichtigung
der Andenken immer ein Stück abgebissen
hatte, war nur das Mittelsiück übrig ge
blieben.
ThuSiIelda schloß den Sargdeckel nnd
strich liebkosend ntit der Hand darüber
hin. »Wie anders wäre es gewesen,
wenn Thitsnelda in warmer Liebe über
den eigenen Milchtopsen walten dürste,
anstatt in kalter Pflicht derer des Baronz
zu warten.«
«Tonnerwetter, wag ist das sür eine
Wirthjchast hierf Die Speisekammer
steht ossen, wie die Himntelgihiir siir die
Seligen, wenn der Petrus nicht bei
Wege ist, und die Katzen spazieren her
um wie die Staats-dumm wo steckt das
Weil-erzeugt —- Thusnelde — Line —
Male —«
»Um Gotteswillen, das isi der gnädige
err!«
Die Andenken flogen in die Cotnmode,
obschon Thusnelda nicht des Mannes
Zorn fürchtete; wohl aber seines Hohneg
schwerer verwundendes Geschoß. —
Gerhards Brit-se lamen ziemlich regel
mäßig; es waren Reiseberichte, die den
Onkel hauptsächlich »zur See« interessa
ten, inimer in der Hoffnung, daß die
Seekrankheit außerordentlich geeignet sei,
die Reiselust sammt allen anderen Thor
heiten über Bord gehen zu lassen; dann
kam ein Gruß an Walpurga, höflich nnd
geschästsmößig, der sie wenig interessirte
— und das, was der Onkel bei jedem
Briese zwischen den Zeilen zu lesen
hoffte: Heiterkeit und Heitnathssehm
lich-, sehlte immer noch.
Mittlerweile gingen die Tage »Schön
Nothtrauts«, wie sie Walpurgis (abge
sehen von dein Knaben, über den das
Verhängnis kommt) in Fischen nnd Ja
gen, Reiten nnd Fuhren verbracht, zur
Rüste. —
Immer seltener wurden die Stunden,
wo die Braune gesattelt werden konnte;
der Herbstwind iaffte die letzten Blätter
von den Bäumen, nächtlich peitschte der
Sturm die Tropfen gegen die Fenster des
Schlosses, und wenn eine durch Spulen
berüchtigte Ahnfrau diesen Sport trotz.
des neuen Hauses weites- treiben wollte,
so schien die Zeit der Novetnberstiirnie
just die geeignete dafür.
Selteu kam die junge Gräsin aus
Hans-melde, nnd auch die alten Frölens
aus Merzlmgen wurden spärlicherz der
schlechte Weg hielt auch die alten Onkel
ans der Nachbarschaft ab, un enn sie
lamen, so bildete eben diese schlechte
Weg den Brennpunkt jeglicher Convers
sation;——dem Einen waren die Räder
bis über die Achsen versoffen, der Zweite
mir schon aus seinem Hof im Koth stet
ken «eblieben; dann kamen Herzens
ergüsse über die Niedertracht der Leute
und großes gegenseiti es ,,Anlü·en«
liber den Ertrag der verschiedenen tie
reien; der Eine sutterte ,keinen Klever««,
yber Andere brach für ,Kattesseln« eine
Lanze, und in der Entküsiung über die
in diesem Jahr so verdeubelt them-en
Oelkuchen einten sich dieGetnüther wieder-.
Sonntags kam der Herr Pfarrer zur
Partie Whist; der Herr Pfarrer vertor
immer, nnd Walpurga, die im Neben
zitniner arbeitete, ermaß an der Ge
brochenheit der Stimme die Höhe des
Verlustes; sie wußte ganz genau den
Moment, wenn derOnkel dein geistlichen
herrn die »Gtoichen« wieder zurück
geschoben hatte, es erfolgte dann ein klei
neg Lachen aus tiefem Brustton — hohn
hoho—verlegen, aber durchaus nicht
ablehnend — und am nächsten Sonntage
abermaliges Fallen und Steigen der
Stimmung!
Viel, viel einsame Stunden kamen für
die kleine Hofdame; dunkle Regentage,
an denen sie meinte, Thusnelda’s Gesicht
und Friedrichs lBaarschon ar nicht
mehr ansehen zu können; es ü erkam sie
guweilen ein nnendliches Sehnen nach
en durchwärmten, hell erleuchteten
Foyers eines Theaters; nach einein
Schaufenster voll Nizzaer Anemonenz
nach jungen Gesichtern, blitzenden Uni
fortnen und Musik, nur ein ganz klein
wenig Musik !-—Die allabendliche Milch
suppe mit folgenden Bratkartoffelnhatte
sie über, sie dachte an Hammer-Mit on
naise und Eig; Tutti-Frutti, das e so
gern aß.
Trösilich wirkte meistens ein Besuch
im Pserdestall in Gesellschaft der beiden
Neufundländer, obschon auch diese das
Wälzen auf blumigem Rasen bedeutend
dem jeweiligen Aufenthalt im düsteren
Stall vorzogen; der Rasen war eben
verdorrt, die Blumen waren erfroren
und zuweilen erschien es Walpurga, als
ob die jugendlichen Regungen in ihrem
erzen anch nicht mehr so ganz sicher
tand hielten. Dazwischen tauchten im
mer wieder verbotene Bilder auf, die
verwiicht werden mußten, obschon die
Heldinnen der Romane, die ihr die
Miichfrau ans der Stadt brachte, nicht
ganz so gewissenhaft im Berwischen wa
ren; glücklicherweise hatte Zola’a gifti
ger Hauch die Reinheit der Seelen in
Schlippenbach noch unberührt gelassen,
und außerdem nahte eine Zeit, die Wal
purga’s Gedanken in wohlthätiger Weise
(ja sogar mit einem gewissen Fanaiiz
mus) in Anspruch nahm.
Das Weihnachtsfest sollte Jdeale ver
wirklichen, von denen die kleine Wal
purga von Kinderzeiten an geträumt:
ein Weihnachten auf dem Lande! Ju
»delnde Dorfkioxder, dankbare, tief ge
» rührte Mütterchen mit Segenswünschen
auf den Lippen, nnd dazwischen ein wal
-tender Schutzengel (sie selhsi), Pfeffer
ikuchen austheilend, warme Jacken und
s nützliche Hosen; uneingestandenermaßen
; vervollständigte es den Traum, daß aus
; dunkler Ecke »Jemand« liebenden Blit
s kes jeglicher Bewegung des Schutzengelsz
" folgte.
Mit dem ganzen Feuereifer der Ro
s mantik ihrer Jugend warf sich Walpurga
! auf diese-z Weihnachtgfesiz trotz des pas
i sioen Widerstande-L der sich ihr von Sei
ten sämmtlicher Bewohner (iuclusive des
s Onkel-J) eiitgegenstellte; ein Wider
2 stand, der ein weniger elastiiches Gemiith
ischon bei-n ersten Attsturin entmuthigt
; hätte.
s Der Baron, durch und dirrch ein gläu
bi er Christ, versäumte es niemals, am
’ ersten Weihnachtsfeiertag sein Dank
"s gebet, daß unser Herr auf Erden gekom
men, in dein Kirchlein des Dorfes zui
sprechen, und als indirecten Dank eins
paar Goldfiichfe in den Klingbeuiel glei
ten zn lassen; aber für die Poesie des
Festes in Gestalt brennende-r WeihnachtsJ
bannte war in dem Junggesellenheims
nicht gesorgt.
Jn früheren Jahren, zu Lebzeiten der
Gnädigen, hatte ein descheidenes Weih
nachtgdäuinchen sich auf den engsien
Familienkreig beschränkt; der Baron
erinnerte sich sehr wohl jener Papeterie
mit grünem Deckels die ihm regelmäßig
am zweiten Feiertage wieder fortgenom
men wurde, unt im nächsten Jahre aber
mals ihre Rolle an seinem Platz unter
dem Weihnachtsbauin zu spielen.
Die gnädige Großmutter sorgte für
wollene kinusthandschuhe, außerdem gab
es ein altes Epaulett vom seligen Onkel
Kleist, von den Fensterscheiben gelöstes
Blei (znin ,,LT-rakeln« in der Neujahrs
nacht vorsorglich gesammelt) und der
gleichen einfache aber niedliche Sachen
mehr.
Das befcheidene Licht dieses Bäum
chens war lange erloschen; der Familien
kreis hatte sich zum Punkt verengt und
die Leute dcg Dorfes vertnißten den un
gekannten Lichterglanz nicht.
Der Baron pflegte die Hausbewohner
zusammenznrufem jedem ein nach seiner
Stellung bemessenes Geldgeschenk tu
machen, nebst einem Faß Bier zur allge
meinen Freude, und dann fuhr er Jahr
für Jahr zu den alten Fräuleins nach
Merzhagen, ganz befriedigt von dem,
was die Weibgleute dort sllr ihn in
Schwung brachten. Da fand er alljähr
lich seine seidene Börse und seine gehä
lelten Morgenschnhe unter dein hellen
Baum; dann aß man Bierlarpsen und
trank einen allen Familienpunsch, den die
Fräuleins meisterlich zu brauen verstan
den, worauf der Baron in behaglicher
Stimmung nach Hause fuhr.
Thusnelda hatte Fladen gebacken;
Wiirste in vielerlei Gestalt hingen über
der Stange anf der Vorrathskainiiier;
das ganze Haus war unter Wasser ge
setzt, und sobald die Flnth verronnen,
die scheuernben, geschüriten Weiber init
Speck versehen sich zuriickgezogem begann
ihre Feierstunde; der feuchte Boden ihres
StübchenH war mit Decken belegt; in
ichneeiger Weiße verhüllten die wohlge
stiirkten Gardmen das jungfräuliche La
ger; inmitten des Ziinmeig stand der
iiir die Honoratioren des Hauses gedeckie
Tisch: Thusnelda, Friedrich und dcsi
Gärtner; Warniliier und bustende Brat
wurst einte das Jrleeblatt.
Jn diesem Jahr sollte Alles andech
sein; Walpurga hatte es dein Onkel abs
aeschtseichlh das er den Abend nicht
nach Merzhagen fuhr-, weil der Herr des
Hauses ihn «echt patriarchalisch« unter
seinen Leuten net-leben müsse; — den
Punsch wolle sie ihm schon bereiten, und
ste fuhr in aller Kälte nach Merzhagen,
um das Recept von den Damen zu er
bitten; Fräulein Katinka war ein wenig
pikitt: »Wir geben das Recept sonst
nicht außer Händen, Kleine, denn ein
jedes Haus hat so seine Specialität, —
hm, wissen Sie, wir haben den heiligen
Abend nun seit Jahren nicht ohne unse
ren alten Freund verlebtz ja, ja, die
Jugend von heute hat so ihre Capricen,
und die Männer sind einmal im Bann
eines hübschen Gesichte-; aber wir be
wundern Jhren Muth, liebste Hei-but —
er läßt aus viel Charakter schließen-«
Walpurga hatte das Gefühl von etwas
Dickem im Halse, aber sie überwand es;
o, der Onkel sollte schon sehen, was er
zu Hause habe; die sonst so rücksichtz
volle Kleine hatte sich förmlich in ihre
Ideen verrannt.
Andern Tages fuhr sie nach der Stadt,
Jackenzeug für die Dorfkinder zu kaufen,
Schürzen für die Mädchen, Mützen für
die Knaben; Bücher, Federn und Tafeln
für beide Geschlechter.
ungrig und erfroren, mit gefüllten
Ta chen und geleerter Börse, aber immer
noch gehobener Stimmung kehrte sie
eim.
h Thusneldas Miene beim Auspacken
dämpfte die Gehobenheit; die Jacken
seien zu fein für gewöhnliche Leute; die
Schürzen recht hübsch, aber gerade darum
unecht in der Wäsche; Frau Baronin
möge verzeihen, aber sie sei nun einmal
eine ehrliche Natur und könnte nicht an
ders s rechen, als wie es ihr gerade um’s
Herz ei.
Ob Thnsnelda ihr in Betreff des
Jackenschnittes nicht ein wenig zu Hilfe
kommen möchte ? fragte Walpurga schüch
tern.
Frau Baronin wolle abermals ent
schuldigen, aber sie diene Herrn Baron
und sei nicht verpflichtet für Dorfkinder
jacken; wer einen tiefen Blick in ihre
Thätigkeit thue, würde wissen, daß jede
Minute Herrn Baron gehöre. Außer
dem sei es bisher nicht Sitte in Herhuw
walde gewesen, die Dorfkinder zu be
schenken, da die Leute gut genug gestellt
seien und jede Mutter am besten wisse,
was ihre Kinder bedürften.
Schulmeisters Hannchen war eingehen
der; Schulmeisters Hanuchen lieh auch
die Nähmaschine, und von früh bis spät
saß Walpurga in ungewohnter Arbeit;
herzlich ungeschickt, herzlich langsam,
aber immer noch guten Muthes-, trotz
dem die Maschine zerbrach und Hann
chens ganze, auf Nähen basirte Zukunft
dadurch zu stürzen drohte.
Die Geldgeschenke sollten auch auf
hören, wenigstens für die weiblichen
Mitglieder, inclusive Thusneldaz wo
bliebe wohl die Poesie des Festes bei
nichts als Geld?
Da die eingehende Prüfung der
Stoffe, das Vergleichen und Tariren
nach Vertheilung der Raben unten in
der Küche vorgenommen wurde, konnte
Walpurga auf den Grad der Befriedi
gung noch nicht schließen; —die Mie
nen beim Empfang der Gewänder waren
reservirt und hätten Walpurga vielleicht
stutzig gemacht, wenn nicht die Beschn
rung für die Dorfkinder sie zu einein
hastigen Gang nach ihrem Zimmer ver
anlaßt hätte, darinnen noch Ertra
Pfesferkuchcn für besonders gute Schüler
aufgehoben waren.
Ein Finger klopfte an ihre Thür, ein
wenig härter als gewöhnlich, und der
harte Finger gehörte der Unterköchin,
ThusneldengAdjutantt »Marnsell läßt
Frau Baronin unterthänigst um die Dek
ken bitten.«
»Was denn fiir Decken?«
»Nun, die Decken, den Fußboden zu
belegen, denn Frau Baronin würden
nicht wünschen, daß die vielen Kinder
süße den Schnee in das eben gescheuerte
Haus brächten k«
»Aber wo soll ich wohl Decken her
nehmen ?«
»Ob Frau Baronin dann befehlen,
daß die Justweiber morgen am ersten
Feiertage wieder scheitern kommen; es
ist dies allerdings zu des Herrn Barons
Zeiten noch nie nicht so gewesen, denn
Feiertag ist doch am Ende Feiertag, für
Hoch und für Niedrig.«
Ein dumper Trampeln verrieth, daß
die Kinder bereits ohne Decken eingezo
gen waren ; die obligaten Mütter hatten
sich, etwaige Säuglin e aus dem Arm,
mißtrauisch mit eingesundem uird die
unerwartete Vereagung des Raumes
wirkte beängsiigend.
Walpurga überkain beim Anblick all
dieser Leute eine Verlegenheit, wie sie sie
gekrönten Häuptern gegenüber niemals
empfunden hatte; und Hilfe suchend,
eilte ssie nach dem Zimmer des Barons,
der sich eigentlich »von der Geschichte zu
drücken« dachte uud sich ein wenig wider
willig von seiner Zeitung erhob. Die
Brauen waren hochgezogen und von der
milden Freudigkeit des Patriarchen nicht
die Spur.
Der Schalmeister hatte den Kindern
ein Weihnachtslied von achtundzwanzig
Versen eingeübt, das sie zusammen her
iagie11;es wirkte ermüdend, aber noch
nicht ganz entmuthigend, trotz haarsträu
benden Plärretis, —- Walpurga schielte
nach dem Patriarchen; gehustet und ge
gähnt hatte er schon; das Pfeier fiel
Gott sei Dank mit dem achtundzwam
zigsten Verse zusammen. Dann wurde
Rabemacher’s Johann sachte vor-gescho
ben; er schielte wie ein Hirsch, war aber
wegen rhetorifcher Begabung zum Spre
cher einer kleinen Hymne an den Baron
ärkorem die der Schule-nistet gedichtet
atte:
»Du, der Du sitzest auf der Väter
Thron,
Gesegnet seist Tu, herrlicher Baron.
Dem Genius Tem, es hat ihm gut ge
fallen.«
(Verleumdc mir meinen Genius nicht, «
murmelte der Baron und schielte nach
WalpurgaJ
»Ja rufen uns in diese heikgen M
Und daß —- wo Deine Wiege —- , es - H
—- Bahuen ""
Ahnen — Wiege —«
»Min! Kontl kan bat better; he wm
et segge, schönster gnädiger Herr,« .
sagte Mutter Schmiedtke, euergisch vor
tretend. Karl schielte nicht, aber er nä
felte stark:
»Du, der hDu sitzest auf der Bäterl
, ton,
»Gesegnct seist Du —- seist Du he-he
—he——hü——hü—hü hüte —
Mutter Schmiedtke hatte nicht an die
Rührung gedacht, die Karl bei feierlichen
Gelegenheiten leicht zu befallen pflegte.
Ein Dritter trat vor; und der ging
ichnatternd ins Zeug:
»Sitzend gegessen auf der Throne
Väter.« "
»Zum Donnerwetter, haltet die Mäu
ler; das hör’ der Kukuk an: geht«-i nicht
bald los, Walpurga?«
Ja, es ging los; da war der große
Moment!
Walpurga hob die verhüllenden Tü
cher; sie ging vom Knaben zum Mägd
lein; vom Mägdlein zum Knaben; lieb
lich die Miene, freundli das Wort (aul2
ohne daß der uneinge andene Jeman
» ihrer Träume sie liebenden Blickes ver
s folgte); die Pointe aber fehlte: Die
s Kinder standen, der Natur des Landvolks
s in den östlichen Provinzen entsprechend,
; in stumpfem Staunen da — und nur die
s Vermuthung, daß der Nebenmann in
s Aepfeln begünstigt sei, löste den Bann
i des Schweigenz.
s »Bedank’ Di ook,« puffte Mutter
s Schmiedtke, die da verstehen mochte, wie
- Walpurga es gemeint.
) « »Giw der gnädige Fruuke Kußband,«
» raunte Mutter Reincke, ebenfalls für den
"Schwung der Sache forgend; umsonst,
? die Kinder blieben stumm.
»Aber die Kinder freuen sich ja gar
nicht, Onkel,« klagte Walpurga mit
. Thränen in den Augen.
»Was-? Freuen sich nicht?«
»Na wartet, Jhr Kroopzeug (Katzen
kon rechts), wirst Du Dich gleich freuen,
Lise (Katzenkopf links) und Du Papp
stoffel da sabermals einen Katzenkopf).
Zum Donnerwetter, freut Euch! So,
die Sache wäre besorgt-Luft, Clavigo,
f Luft-, laß mal die Fenster aufmachen,
Walpurga, wegen der oerdickten At
mosphäre. Uebrigens ein reizendez
Fest! Und nun laß uns zum Punfch
übergehen, meine Tochter; ich meine
entschieden, daß Du der Stärkung be
; darfst.«
- Walpurga eilte hinunter zur Küche,
s eigenhändig den Punsch zu bereiten; als
die Thür des Weinsellerg tlappte nnd
s man ihre Gegenwart in Hörweite ver
muthete, traf aus der Gesindestube ein
- seltsamcr Ton ihr Ohr, etwas indianer
arti , jedenfalls heulender Natur.
»sich Gottke, hüi hüi!«
»Was gibt’s denn, Lise, bist Du
krank-«
»Nee, aber so wat; ick do mine
Aorbeit so good wie die angre — un nu
so e schlechtet Kleed!"
,,Aber, Kind — Du bist doch erst ein
» Vierteljahr hier!«
»De Gine hein et mi gesegtt, et kost’
man det halwe Gild—ach Gottke — hüi
—hüi——un ick goo tu Ostere.«
Hastig machte Walpurga die Thür zu
und eilte zitternd nach der Küche.
»Ich möchte den Punfch kochen, Mam
fellchen.«
»Frau Varonin haben nur zu befeh
len, obschon der Herd sehr besetzt ist;
dee Herr Baron pflegte sonst nach Metz
hagen zu fahren, und wir hatten am
heiligen Abend nur für die Leute zu to
chenz da es aber heute anders ist, so kön
nen ja die Leute warten, dazu sind sie
ja da.«
i »Sie schen so vermeint aus den Au
» gen, Manisellchen; sind Sie auch mit
Jhrem Kleide nicht zufrieden ?«
»Dante fiir gütige Nachfrage; sehr zu
frieden; allerdings habe ich mir eben erst
ein schwarzes Kleid gekauft.«
I »Aber das ist ja zwei Jahre her, wie
Sie sagten.«
» »Nun, das rechnet doch Unsereins für
neu; man hats eben nicht dazu, sich so
oft Kleider zu taufen, und es hat ja auch
» fein-Gutes — durch die schwarze-—
Farbe —- imnier —- an —- sein — dunkles
Geschick erinnert zu werden (starkes
Schnauzen). Aber Frau Baronin woll
ten ja den Pansch— um Vergebung
wollte sagen Punsch (wie leicht verwech
selt der Mensch das a mit dem u) lochenz
es ist Alles bereit.«
Und nun kam der Moment des Beha
gen8, an dein der Baron fühlen sollte,
wie wohlig es sei, an solchem Tage im
eigenen Heim!
(Fortsetzung folgt.)
—- Der »Hochi Shimbun, eine
der angesehensten Zeitungen der japani
schen Hauptstadt, theilt Init, daß eine An
zahl von Gouverneuren und Präsecten die
Regierung ersucht hat, eine neue Grund
lage für die Sittlichkeit in Japan anzu
nehmen. Das Unterrichtsministeriutn
habe schon lange eingesehen, das die west
liche Religion, welche die Grundlage der
westlichen Sittlichkeit bilde, für die Ver
hältnisse Japans nicht passe und sich nur
unter rojjcn Gefahren einführen lasse.
Man sahe an das System der Utilitarier
gedacht, aber dieses sei zu spitzsindig und
Zu tief, als daß man daraus ein Text
ueh der Sittlichkeit gründen könne.
Andererseits hätte die Erfahrung der
Jahrhunderte gelehrt, daß die Lehren des
Consuciuz der Richtung des japanischen «
Volkes entspräche-u Obwohl es nun
allerlei Anomalien und Jnconsequenzen
geben würde, wenn man die consucischen
Klassiker neben der Philosophie und den
Wissenschaften, die man vom Westen de
kommen habe, wieder einführen wolle, so
sei doch das Beste, Confucitts’ Lehre als
Anker zu nehmen, um ans Grund dersel
ben ein Lehrbuch der Sittlichleit sür die
Schulen ansznarbeitein

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