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Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. [volume] (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, January 27, 1911, Image 3

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Ums-stumm
s. von Dunst
M zwei sich gut sind, dann gliihtl
umher -
III ob es ewiger Frühling wör.
Dann gibt's nicht Biih und nicht
» Donnerschlag,
Nicht Siurm nnd iiiibnranen Regen
tag
Die Liebe nur II onne im Herzen
spinnt,
Wenn zwei sich gut sindl
Wenn zwei sich gnt sind, dann
schmeckt der Wein,
Als könnten Trauben nie sauer sein,
Der Toback — nnd sei es das
schlimmste Kraut
So ant, als wär’ er in Knba gebaut
Kattosfel nnd Brot wie Krckpsen und
Stint
Wenn zwei sich gut sindi
Er ist ein Knecht nnk, und sie die
INCID
N.-«ch ihrem Glücke hat niemand ge
fragt,
Und niemand weis; ess, wie fest und
iiiß
Sie beide sitzen im Paradies-,
Ter Vanernhoi wird zum Schloß gis
schwind,"
Wenn zwei sich gut sinds
Hub
Von Rose Raunau.
Es war doch zum Schlusse trotz al
lem etwas wie eine Aussiihnnnggei
worden. Sie wiirden natürlich ihr
Leben lang überzeugt« bleiben, dass
ihr Junge, ihr einziger Junge eine
andere Frau hätte ·sinden können.
Und ein-e reichere nicht bloß, das hatte
sie am Ende gar nicht so wichtig ge
wannen-, wie man ihr böslich noch
immer unter-schieben wollte. Nur eine
vielleicht ohne diese Lebensstemdheit
und ohne diese ausreizende niiiszige
Verträninkheit; sie nannten das
künstlerische Zeinsiihligkeit und mach-;
ten wohl gar eine Tugend daran-As
Eint-Jüngere hätte sie ihm gewünscht
und eine schon körperlich Robitsteres
oder eine von anderem Heckornmen
wenigstenssbie ihm vorwärts gehol
sen hätte durch ihre Zugehörigteit zu
den Kreisen-, die siir ihn entscheidend
waren.
Aber sie verzieh langsam die Fülle
der Enttäuschungen Die Tochter er—
wies sich wenigstens als lenksarn und
ver-kannte immerhin die großen Lit
cken ihrer Erziehung nicht.
Ruthig und ossen hatte sie wirklich
von Anfang an ihre erschreckende Un
ersahreneit und Unbegabtheit in
wirthschastlichen Verrichtungen ein-je
standen. auch daß sie nicht weiter als
von einem Tage zum anderen zu sor
gen gewöhnt war. Gewiß kam das
von dieser arniseligen Beschränktheit
ihres Lebens bisher.
Dabei, mit aller Zurückhaltung die
man ihr zugestehen mußte, sproßten
Keime von ihrer Wesensart schon un·
verkennbar im Hause aus und gaben
allem einen so neuen schüchternen
Dust. Zwischen seiner Matheinatil
und der Musik wollte der sonst kunst«
sremde Sohn plötzlich viel Verwandt
schaft entdeckt haben und den gleichen
Segen jeder Harmonie in beiden
verspüren
Und sogar sie war wider Willen
ein wenig angeweht von diesem frem
- den Lebenshauch Sie, die doch wahr
haftig wußte-, daß nur in den prakti-»
schen Dingen und Fragen Bedeutung
war und natürlich nnd einzig in der
von sern bewunderten Zahlen· nnd
Bücherwelt ihres Sohnes-. Sie konntei
heute, halb und halb überwunden, die
Hände im Schoße, siin sei-k, riechen-l
still, wenn Idie Scknviegertochter satth
und sich sreuen an den Versen, die sies
manchmal sprach, und die bei ihr schön
wie Musik waren. Und die tausend!
kleinen Feinheiten und Lieblichkeiten,«
dieihr immer einsielen, die nicht sät-:
tigten, freilich, mit denen sse nur den«
Alltag iibersliissig zu vergolden witßii
te, daß jeder Tag ihr eigentlich etwas
wie ein Festtag aussahi
Nur wenn sie die Schwarme-we
immer hinter allen Dingen Schönheit
finden sah unsd Entzücken äußern und.
Entzücken fordern hörte, wo tvahrhasst
tig kein verständiger Mensch sich er-4
regt hätte, da lächelte sie noch, überle
gen, wie ihre Klugheit und ihre Jahres
ein Recht hatten zu lächeln.
Ter Horlnnuth der über der junge-il
Frau lag, rührte aber eine verwandte(
Seite in der eigenen Seele an, nur
daß er dort ein«-i auf nichts- gegründet
war, dieser Hachniutln und so die ver
ständige Fügsamleit nianrlnnal gar
wie Gleirhgtiltigteit oder Verachtung
gegenüber den wichtigsten Fragen
aussehen liess. Ader auch diesen un
berechtigten Hochniuth wollte sie hr
nachsehen, zumal jetzt, wo sie endlich,
endlich das Kind erwarten durften,
das sie liebte, heute schon.
Es würde, so schiert es der Groß
mutter, ihnen doch zu gleichen,Thei
cen gehören. Es würde, sie sah es
hell im Geiste voraus, Züge von ihr
selbst tragen-welche die Schien-ger
tochter wider ihren Willen dein wer
denden Kinde hatte vererben müssen.
Var dein Gedanken an diesen ge
kochten Lin-gleich tam nunin Rüh
s
F
tun-Sees weiss-m w gest-·
Mund Kleid beinahe So wird
sie- dk zuleit Besiegte, nun doch Sie
tuis sein«
In der Weichheit dieser Tage, in
der qemeinsamen Sorge und Freude
für dass Kunmeirdr. konnte es setzt
Momente geben, wo die beiden harm
los herzlich zueinander redeten, wo
die glimmende Feindseligkeit ganz er
stickt und vergessen war, die sonst, ang
Llngsi, bei jedem Hauch hervorzuhe
chen, sich an vorsichtige jeise Worte
gewöhnt hatte Schließlich hatte di :
schöne Mädchen den Sohn ja doch ge
liebt, mit ihrer ersten Liebe redlich
geliebt, nnd es war zn begreifen und
naiiirlich, daß sie ihn nicht hatte auf
geben wollen. Das mu te sie zuge
stehen, nnd es nmr wo )l am Ende
längst schon Zärtlichkeit auch siir die
in neuer Jugend ans-blühende Frau
ihre-J Sohnes, was sie immer lieber
in sein Hans führt-, und mass sie lie
wog, dat- Leben der beiden zu erleich
tern nnd zu sehnt-knien
Nur die Vemchiuim vor der Mutter
des- armen Dinges-A vor der ehemali
gen iioiitödinnkim war i·l·)r- geblieben
Zu der gab es keine Brücke-. Nie
wollte sie dieser Frau freiwillig be
g inten, der jedes :Uiii’jel. nnd Gott
weiss welches recht dein-sen war, den
Masin zu l)«.2ll n, der sich ihrer Tochtle
leichtiinnjz Dersmnclzeir Zeine su
gend nicht email jin-d er war da
mals dein-kli- v. II) ein Knabe — hatte
sie zögern los-Jn, ich Inst gierig fiir
voll in it Wissn
Hätte die Frau nicht anch, sung
wie sie noch gewesen« irgendeinen
praktischen Beruf ergreifen können!
Einen, der sie nnd die Tochter sicherer
gestellt hätte, als ihre Rezitalionszss
kurse thaten, und die Geigen- nnd
Gesangstnndem mit denen dass Man-·
chen ldamals seine Nerven perdard
nnd seine zarte Gesundheit noch zar
ter machte.
Sie hatte sich als-S Mutter nnd Ver-s
mund dieses einzigen Sohnes ar
niehrt, dasz er, so sinns, sich überhaupt
schon binden sollte, nnd hier,nnd ohne
irgend eine Leliensanssicht als Ent
gelt dafür. Wer wollte ihr dass- da
mals verdenteni
Auch il ren Sohn hatte sie iiheri
zeugt, daß es einfach ihre Pflicht ge
wesen, ihm jeden Schritt zn seinem
Ziele zu erschweren- so lange sie hof
sen konnte-, er werde den begonnenen
Weg nicht zu Eli-de gehen. Dann, als
sie leider erkennen mußte, daß ihre
Berechnung falsch war, dass er, ent
gegen ihrer Hossnnng, eiaensimiia
treu zu feinem Jrrthuinhield dami,
»das würden sie wohl immer rühmen
müssen, hatte sie großiiiiithig, und
großmiithiger, als sie erwarten konn
ten, ihnen die Gegenwart gesichert
und ihr Haus gebaut.
Trotzdem, sie ahnte nicht, um wie
viel heißer die andere, der- Mädchens
Mutter, sie haßte und hassen mußte
Die hatte ihr keine »der Thriinen ver
geben, dic ihr Kind, ihr stolzes, schö
nes Kind, heimlich um die Härte die
ser Frau geweint "nm den Wider
stand, den sie der Lilie steinern entge
genstellte, immer in dem lauernden
Erwarten, die Liebe der beiden an
diesem Felsen zerschellen zu sehen.
Sie hatte ihr leisten der’lranriaen
Tage nnd keine der ruht-lesen Nächte
vergessen, die ihr aliud in Hoffnungs
losigleil verdracht oder in Qual einer
unbearissenrn Sehnsucht Und diese
Fran. deren gesunden Verstand der
Sohn so ost gerieth halte das; alles
gewußt oder doch wissen müssen, und
nur böser, beschriintter, boshast bei
schränlter Wille konnten es gewesen
sein, daß sie den Liebenden nicht half.
Daß sie ihnen nicht die Möglichkeit
zur Ehe eingeräumt, solange sie, im
ersten Drange der Jugend, so köstlich
heiß zueinander strehlen
llnd sie hatten, alle beide wohl, zu
viel ästhetische Bedürfnisse ins Leben
mitgebracht und in sich arosz werden
lassen, um »die Ehe wie Proletarier
beginnen zu können was sie manch
mal ertooaen und tapfer oder seiae
beinahe gewollt hatten.
Der Sohn freilich war heiter iiher
die Zeit gezwungenen Wartens hins
weggekonunen -« Wohl auch --—— weil er
ein Mann-war, berechtigt, seinem
Verlangen Ruhe zu neben Aber was
kann ’dabei; von Zärtlichkeit geweckt
und wachgehoitem ein sinnengesundeit
Mädchen leiden! Was kann sie leiden
auch von dem Ahnen dieses ,,Rechtes«,
über das sie Klarheit haben will, nm
so gebieterischer Klarheit, je reiner
sie ist.
Wie dir Wahrheit sie endlich cr
schiitteiii Wie entsetzt und hilf-Jlin sie
steht vor dieimi Wissen, das nie cis
Bei-stehen wird! J
Unsd in bitter ditrdshnrrten Jahren
hat sic so vielin sich vergraben nnd
ersticken müssen, dnsz sie auch in der
Ehe dann nicht nnslir das siegende, in
beliide, das überschänmcud volle La
chen« der glücklichen Jugend lacht-n
sann Was wollte es daneben bedru
ten, dass die iieblichen Züge ihre
Weichheit langsam verloren? Die
hatten ja dafür eine andere-, reifen-,
durchgeistigte Schönheit gewonnen
Und sic, die Mutter, die Führerin und J
Freundin, hatte sie offen, in ruhigem,2
sicheeem Ueber-legen gelehrt, um dic;
eigene Schönheit zu wissen, diese
Schönheit zu hüten wie einen Schaf
und wie eine Waffe zu tragen nnd
heilig zu hatten wie ein-en Helfer in
ihres Lebens Rotb.
Jahre, die goldenen. glücklich-en
Jahre waren endlich da, von denen
die Caitäi behmwtem sie seien see-ei
Entbehren und jedes Erwarten worki
qewesen Aber auch die liessen sie, des
Mädchens Mutter, keine Stunde cr
gessen, wie spät nnd wie widmoiltig
ihre Tochter, die jedes Hauses Stolz
Mitte sein müssen, Tochter genannt
worden war von der Frau, der sie kein
liebergemicht zuerkennen konnte til-:
iliren noch immer sorglich nnd viel
leicht fingst-mehrten Reichtisnni Der
hatte sie niebesiachenx ihr war der
Weg der Tochter in diese-S freilich
rechtlichen Mannes flügellose Welt
immer wie ein Hernntersteigen eri
schienen.
SL hatte keine der Mütter die an
dere begriffen, nnd keine hatte die
Fähigkeit oder wollte sie nützen, sich
einznsiitilen in die Welt der anderen
Es liefz sich ja auch nnmelien, das; sie
einander begegnen-in und die stete
:liiicksicl)tn.rl)itie dnsiik trtar längst
etwas zu aller Leben Gelsöriges ge
worden, etwas, dass sich leider nicht
andern lief-« und mit dein man sicls
absinden mußte —- ——— —
Man lmtte sie erst gerufen, alsji Hei-Z
Kind, iizrcr geliebte-n Tochter Kind,
schon lebte .
Da plötzlich, unbedacht,, stand sie
der Frau, der fremden, gegenüber-.
Und inmitten des neuen Glücke-ge
fühls, das sie heiß durchflnthete, hatte
sie die, die sie-bisher nur-flüchtig ges
sehen, und nun noch mehr denn sriis
her als bourgeoisJ empfand, in priii
sendeni, hartem Hasie gemessen und
den gleichen Blick empfangen- Der
wurde indes langsam milder, ein ine
nig erbarniend fast, wie er die eigene
runde festgefiigte Persönlichkeit mit
dieser hageren Gestalt verglich, in de
ren farblosein Gesicht unter früher
grauten iihpigen Haaren nur uoich
traurig grosse sehr dunkle Augen Ue s
ben hatte n nnd Blüthe-.
Sie rantnte ihr drn Platz ain Bette!
der Tochter nnd li ssz ihn ihr auch, al-:
heißer und heißer nnd näher die Ali-»Ier
sie alle nnischlich und umspann und
ersticken wollte. s »
Lautlvs zogenTage und Nächte
nnd Tage. Die Kranke wehrte sich
gegen den starken süßen Wein, dessen
Geruch sie zu quälen schien: sie wand
sich weinend vor den taltnaisen spitzn
Steinen auf der schinerzenden Stirn.
-Das Fieber sank nur für Stunden,
in den eisigen feuchten Tiicherm unter
den Rädern die »den wunden glühen
den Leib kühlen sollten.
Dann am Abend und in angst
schtveren Nächten stieg es wieder; ec
ließ die armen Hände wie von Flam
men brennen, es raste in den ruhe
losen Lippen, es glomm und zitterte
über den heißen Art-seines lohte alle
straft hinweg und fraß mit seinen
Gluthen den letzten Widerstand
Nicht einmal von ihrem Knaben,
den sie mit Beten nnd Jauchzen be
grüßt, mußte die junge, irre redende
Mutter mehr.
Tie letzten glücklichen Jahre waren
vergessen; die Sehnsucht ihrer langen
Mädche»iizeit allein schien lebendig ge
blieben. Sie sprach zu den Figuren
in den Tapeten, die ihr Menschen
waren, sehnende, nnr manchmal itn
Traum vereinte Menschen: sie sang
ihnen ihre siisiesten Lieder zum Tanze
nnd weinte dann wieder mit ihnen
liber das Leid, das sie schied.
Ein kurze-s klare-I Erwachen hatte
.sie noch. Sie bog des Manne-Es ver
wandt-liess Gesicht zu sich herunter
und sagte itnn lächelnd leise holde
Liebesworte
Er war aus den Knien an ihrem
Bette und hielt die Hande, die sonst
tveisz und leicht wie Taubeniliiael,
nun so schnier von Schwache nnd
Feuchtigkeit waren. Er kiiszte die
Hände-, die- er mehr als- alles- an ihr
geliebt, die Hände, die ihm Melodie
und Licht iu sein arbeitsvollesz Leben
getragen, in sein Leben, das ohne sie
nichts von Klängen nnd Sonne ge
wußt.
Leise holde Lieber-warte sagte sie.
Dann tvar sie lange still. Thränen
kamen über ihre Augen. Aus ihrer
Stimme klang es mühsam noch ein«
mal, ein letztes Wort, hinreißend iüii
und doch iviie von tausend Thränen
voll.
»Es ist —- so — schön bei dir ge
wesent«
lieberwiiltiat warf er seinen Kopf
anidas Kissen, --— sie sollte die Qual
nicht sehen, die ihn zerriß.
Da wurde sie ganz ruhig, wie sie
ihn so nahe siililte; sie lächelte Klink
lich und erlöst von Schmerzen lind
lächeln-d nnd glücklich war der lenke
,veratlnnende Hauch von ihr, der seine
Stirne trai, der Hauch, den er siililte
ans seinem Haar, der Hauch, dessen
Schauer in seiner Seele er nie vemes
sen» sollte·
Ein siiilteaefiihl lroch iiber ihn bin,
ein Grauen Es rührte ihn an wie
Spinnenarme
Spät erst kam der Schmerz, das
Begreiseu der Finsternisz vor dem-er
loschen-en Licht seines Lebens. —
Die Frauen beide start-ten nieder
aus das weiße Gesicht der Todten,
starrten mit blicklosen Augen und
horchten gequält aus des Mannes lei
se rieselndes beherrschtes Weinen, in
dem doch Hilslosiatejt und Verzwei
seln war, —- der Haß, den sie für ein«
ander aezüchtet, stand noch einmal
aus, drohend, riesengroß Jede maß
»die Schuld an der Vernichtung ihres
Kinde-J an Jene-Hide- Gier-Lende
Toehten an ke- Sohnes zerbrochen-n
Leben, bei-der Weit .
Sie has-ten sich. und heißer und
gnasdmltrser als -sse, oder sie Sinn-Etext
ej doch. Sie hoben die Augen, um
ihren Haß stärker werden zu lasten,
als sie selber waren.
Aber sie erschraken Eine mußte in
den Zügen der anderen Zerstörung
sehen und den Gram darin. Do
wußten sie kaum r. ich von ihrem
kleinen Hasse, da sahen sie ihn ertrins
ken in diesem Strome von Leid. To
wußten sie langsam und wider ihren
Willen nur, daß es ihnen ja gemein
sam war, ihr furchtbares Leid, ge
meinsam auch die Pflicht, die heilige.
die sie zu dein kleinen the-irren, früh
verarmten Wesen wies.
Sie wußten, daß unlösbar und
zwingend nun ein Band zwischen ih
nen war, lebendiger-, gewaltiger als
jedes unsruchtbare todte Schuld der
Vergangenheit
Und schlnchiend bewegten sich ihre
Arme und tasteten einander zu und
wollten sich nicht suchen und fanden
sich. Und schluchzend ehe sie es begru
sen, hielten sie sich fest nnd lieszen ihre
Thriinen in einander iliesjein
Dir zeige non den erwerlrtxn
Zitheiwlodtem
Die zuerst in der lioelhoifirhen
Chronik unter dem Jahre Hinzaei
meldete Erzählung von einer »unm
weu zu Coellein »die gestorben ind be
graben mai- ind weder npgegraveu
letiensdifch wart«, eine durch die bei
den weifzeu Pferdeköufe am ehemali
gen cunleuenicheu Hause Merkmaer
Richmadftrassei auch vielen Bein
chern Köln-:- bekannte Erisihlnnzn
wird von Prof. Johannes Volte im
4. Heile der Zeitschrift des- Verein-J
«fiir Brilkgsliiiisde lVelinjl als die he
riihmteste Fassung unter den Zagen
von der erweibten Zeheintvdteu be
zeichnet Dass wird dem Vollbluts
Köllner auf der einen Seite lebhafte
Freude bereiten, während es ihm auf
der andern schmerzlich sein muß, zu
hören, dass die ihm von Waldes-binnen
an vertraute Sage von Frau Rich
mosd von Aducht, eben sener wieder
»levendiich« gewordenen Frau, dem
Kölner Sagenschatz nicht allein ange
hört. Aber daran wird nun leider
nicht-T- zu ändern sein. Denn dass eine
als verstorben bestattete Frau plötzlich
in dem Augenblick aus- dem Starr
lrainpf erwacht, wo ein- Mann ihren
SaFg öffnet, um ihren Schmuck
lRuig) zu rauben, ist eine seit dem
15. Jahrhundert ohne wesentliche
Abweichungen an verschiedenen Or
ten in Deutschland Frankreich und
Italien anzutreffen-de Sage, die auch
in England Verbreitung gewann,
alio deutlich zeigt, daß wir es hier
mit· einer sogenannten Watidiersage
zu thun haben. Der Orte, die ihre
kliichmodissage haben, sind in Deutsch
lau-d gar viele. Um 1566 berichtet
die Zimmeriche Chronik, dass ini 15.
Jahrhundert zu Missztirch tMesilirrli
in Badean eine Frau an der Pest
starb nnsd aus dem Kirchhofe zu Et
Martiu in die Grube gelegt ward,
aber itaclxtrs erwachte- als ihr der
Todteugräber den Ring und ihre
Röcke absieben wallte. und heimkehr
te. Aehnliche Sagen liegen nor aus
Dresden, Laibach Illienburge Thora,
Liiberb Echtuieiufurt Regensbufg
Während die Grundform der Sage
iiderall dieselbe iit, zeigen jüngere
erst im 19. Jahrhundert aufgeirichs
uete Varianten aus« klllagdebnrg
Hamburg, (siliirlstadt, Institut-Nr
Nachen, dessen Eiliiruberg klicemmin1
gen, Freiburg. distiihlhacli Inihere Ver
wandtschaft niit der iliilner Sagt-.
»Sie weisen nämlich fast saniiiItlich
’ aus den am Hausgiebel oder an drn
Feusterladeu lkldiirnbergl befindli
chen Pferdetauf hin. der tuiie iu
iiöln die beiden Pferdelisvfes sur
Erinnerung an den anfänglirlken
Unglauben dest- Mnuueis der Wieder
eriiveckten und an dass darauf erfolgte
Wunder angebracht worden sei: iu
Hamburg ist eiI dagegen der irovi
eines Einhoriis, iu Ultenuniugen ein
Steinreliei mit einem in der Wiege
liegenden Gaul Jn Freiburg wird
wie in Köln auch ein angeblirls vru
Ukr Tilsll’ll«4L’lUlll HUUUUIPO sfllilcip
tuch gezeigt Eelir trefsend und iclkiin
sont dazu Volle, die zuerst in Köln
lolalisirle Hiescliickte sei qleich Einn
inersäden durch die Luft geflogen
und als- ,,ilouiid-ec« Mulliiis« bald
biet, bald dort lmiten geblieben, nm
sich ein iln« entipreilseiides Denkmal
ans dein Wertsle oder ani Hause dar
bot. Tie imnii.isisetnsn Lesen-ten dei
Snge eutlsnlten keine solchen lalnlen
Erinnerung-Jzeickten Tullenmnt deii
Rennx berichtet von der uni 1550 les
benden Buronin de Pastet, die an
einem Knöclselchen erstickt und begra- s
ben, durch eine Dienerin aber erweckt I
wunde, welche ilnen Schmuck stelslen
und sich zugleich durch Schläge nni
den Nacken an ilsr rächen wollte-. Zur T
selben Zeit soll Ren-e Tavean, diel
Gemahlin des Herrn France-is de!
Rochechouart, durch einen Diener, der ;
es aus ihren Dianiantring abgesehen ;
hatte, vom Selseintode erweckt wor
de sein. Misson lVoyage d’Jtnlie,"
läs) reibt seinem Berichte über die
Kölner Sage den gleichen Fall der
Goldschmiedssrau Mewache in Pai
-- Js
nu- m mit se- oakiiexnai Heu-i
hier Zählt in seiner ,,skbhandlung von
der Ungewtsxit der Kennzeichen des
Todes«--(1754) ganz ähnliche Ge
schichten mit dem RingdiobstohliMos
tiv aus Orleans, Toulouse, Vorde
aux auf. Die Entdeckung durch den
Ringsdieb wird ferner erzählt in eng
lischen Sagen aus Derbyshite, Glo
eestershire, -Dsrogeda, Halssax, Wat
chett, Somerssetshire Ein neues Mo
tiv enthält eine in Padua spielenlde
Erzählung, die 1582 von dem Bre
mer Arg-te Joh. Ewich mit-getheilt
wird, der auch, um svor ein-er vor
schnellen Bestattung der Pestleichen
zu warnen, auf-die Kölner Geschichte
vertviesT Jn dem Falle aus Padua
handelt es sich um die Erweckung
einer scheintodt begrabenen Frau
durch sdie Geburt von Zwillingen (l).
die »so laute geschri·hen, das Es die
Küster in der Kirchen gehört und die
Kindlein neben der Mutter lebendig
wieder ans dem Grabe genommen
haben«; Diese ,,noch nie erhörtt
Wunsdergeschichte« san-d mehrere Ve
arbeitungen in Form von Vänkelsiins
gerliedetn im 18. Jahrhundert
(,,Nnu laßt uns Wunder hören«, 29
Strophuu »Hört zu, ihr lieben Chri
stensx ent«, 20 StroUPhen In dein
ersten Liede wird da-; Ereigniß nach
Dirschlebetu in dein andern nach 1.Zii
rich —- Januar 1792 — verlegt)
Her Sagengrnppe mit dem Motiv
dess- kliiugdiebstahls —- die Erzählung
aus Padua und noch die eine oder
andere Fassung stehen ganz abseits
—- setzt Bolte jene mehr romantisch
gefärbt-en Zagen entgegen, in denen
der Ertvecker ein uugsliicllicher Lieb
haber ist, der ri««d«,eint, um die im
stillen Geliebte noch einmal zu be
trachten Diese zweite Zagengrnppe
läßt sich bis insz läs. Jahrhundert zu
riickversolgen nnd zeigt in ihrer Angs
gestaltung größere Mannigfaltigteit
als die erste Gruppe. Wegen ihres
romantischen Charakter-J hat die En
ge mit dein truszmotiin so nennt sie
Bolte kurz zum Unterschiede von der
Sage mit dem Ringdiebstahlmotia
ihre Atiziehungokrast bis in die
neueste Zeit beiviihrt und ist durch
begabte Dichter vielfach kiinstlerisch
ausgestaltet nnd verseinert worden.
Das geschah in Jtalien früh schon
durch Giovanni Boccaccio, ferner
durch den toskanischen Dichter Aga
stino Veletti im lö. Jahrhundert
spiiter noch durch den Bischof Matteo
Bandello. Den Freunden der verglei
chenden Literaturgeschichte gildt Bolte
dann eine Liste der Kunstdichtnngeu
die durch Borcaccios Novelle und die
Erzählungen der andern hervorgeru
sen imnvden Auch die letztere worin
der Sage von der erweckten Schein
todten ist in den Bereich der Bänkels
säugerdichtnng gezogen worden, wie
eine deutsche Prasaerzählnng in
Flngblattiorm mit angehängtein
Lied: »Die lebendig begrabene
Braut« beweist. Diese am Ende des
18. Jahrhunderts entstandene
»Voltsnovelle« zeigt übrigen-Z- eine
Vermischung der Motive ans heian
Sagengruuven Erniiihnt sei nach,
das-, der vailiegende Zagenstoss auch
in :lsien anzutreffen ist
—.·.—.
Ueber den Tod NanoleonM
III von Ausenzkuaen der Leicht-atmen tibtr sie
wirkliche Tosksurlache berichtet wird.
Ueber die Leichenichan Napoleon l.
ans St. Helena lagen bis setzt drei
Berichte vor: dasjs oisizielle Brannan
dais natürlich so gesärbt war, dis;
man dass illima von St Helena nijlt s
siir den Tod de Winer verantwort
liib tiiaci)e1. canntr. dann eine illus
zeiliinnng iid ein Bericht Tilntatns
tiiarlisi5, der hauptsächlich Lieiniiiit
war. seine falschen Tiagnoien in
reclniertigeir Ein vierte-J Toinnient
mar bisher unbekannt geblieben: e-)
ist ein Bericht decs dZilixsaritesJ Dein-in
der ganz neue Einzelheiten enthalt:
man liest daselbst:
Dass Gesicht hatte einen mertwurs
digen Aus-drunt, der mit dem beweg
ten Leben nnd dem Charakter dest
Veritorbenen gar niiht im Einklang
zu stehen schien. Die Ziige Waren:
regelmäßig nnd wurden sogar schön
gefunden. Ten Kopf ließ man nahe-i
rührt Er war dick und muß schon
in der Jugend des-I Kaiser-J unverhält
niszuiiiszig gras; gewesen sein. Die
Stirn war breit nnd glatt: die Or
gane der Kunipslust und der Kausali
tiit waren start ausgeprägt Die
Haut schien sehr weis; und zart zu
sein; daciielbe gilt von den Armen
und den Händen Ter ganze Mär-:
per war srhwiiihlich und sasst feuiimn.«
Die Haare waren sein und seidenen-s
tigk Als man den Ellkagen freilegte,s
sah mau, dass die obere Wand inz
groszer Ausdehnung am linken Leber-;
klappert hing. Nachdem man dauui
Magen und Leber getrennt hatte
fiel die ganze Schwere der Krankheit, s
»die den Tod herbeigeführt hatte, ian
Auge. Die ganze innere Magen-s
wand zeigte eine Masse von krebsars
tigen Geschwiirem es befand sich in
der Magengegend ein Loch, in wel
ches der Schreiber dieser Zeilen sei
nen Finger stecken konnte. Man
hatte mit solcher Sicherheit behauptet,
daß der Verstorbene an einer Hyper
;trop'hie der Leber gelitten habe, daß
ifast alle, die der Autopsie beiwohntem
auch dieses Organ krank zu finden
erwarteten. "Die Gesichter drückten
seh-o- nla man es untersuchte aroiie
Mifvuüsf Zugs 15ch Ante-new
machte einen Einschnitt: er glaubte,
daß aus-dem MutheäenGss «« f
ein ganzer Hausen Eifer W sm
men würde; aber es war kein Ge
schwiir vorhanden, auch keine Entzün
dung nnd keine Anschevellung. Die
linke Niere war um ein Drittel geö
ßer als die rechte; das scheint aber
ein Giebnrtszsieluer gewesen zu sein
Die Blase war klein und enthielt et
was- (i31·iesz.«
Mehr Vertrauen als die anderen
Bericer flöszt auch dieser Bericht, der
auf Hut-jun Lende-J Befehl niederge
schrieben wuree. nicht eint er sucht
nor allein die Erkrankung der Leber
zu leumienx nnd den jetzt entdeckte
Pupieren ergibt sich aber, dasz indem
Iffiziellen Prato-toll ursprünglich zu
lesen mar: »Die Leber war vielleicht
etwas grösier snls sie bei anderen
Menschen Zu sein pflegt.« Diesen
Satz lnit mnn später auiå guten Grün
Isn gestrichen.
-,·,«—..—-.—..—.———
Dr. J. D. von der Waals,
dem der dies-jährige Nobelpreis fiik
Physik izugefallen ist, hat seine Laus
bahu als Eleinetktarlebrer begonnefc
Er war dann eine Zeitlang als Leh
rer an höheren Bürgerschulen thätig.
Bei der llmformnng des Amster
damer Atheuäums zur Uni·.r:.-«i·tät
wurde er aus den Lehrstnhl der P m
sik berufen. Durch seine Forschunger
und Entdeckungen aus dem Arlebietr
der kinetischeu Gastheorie, besonders
durch die Formulirung der »Zu
standsvetgleichung«, ist» er ein-e wiss
seitschnstliche Autorität ersten Range-Z
gesmordem ilnn ist die Erweiterung
nnd Ergänzung der Gesetze von
Vonle und (S')ay-Lussac zu danken.
Als Dr. vau der Waals nach errei -
ter Altersgrenze auf seine Lehrthätig
keit verzichten mußte (1907), wurde
ihm die seltene Huldignng zutheiL
dasz in einem der Sale des Univer
sitätsgebäudess eine »Von der Waalss
(Ftedeiiktasel« angebracht wurde, aus
welcher sein gliinzendes Lebenswerk
mit Angabe der von ihm gemachten
Entdeckungen nnd der nach ihm ge
nannten Gesetze zxusammengefaßt war.
Cis darf wohl ais sicher angenom
men keck-dem das; der Dr. Cook sich
int-, at die Entdeckung des Nord
vol-: beanfmndste Er selbst gibt eJ
zu. uns- Fie si!ir1;l).1;1·ks2·1ks1« Gelt-beten
erflijrtekk das-; er Yijr jeme anqeblxcbxs
;»«-1:t·d«.«.«tmlk1 feine Beweise lieferte
Die Jlnierjhnjiche Geographische Ge
sellschaft hat dagegen Pearysss Ve
svejfe welche aber bis jetzt der Oef
fent11clvieit Incbt «.1nln-imaegeben wur
den, al; qenitqend gefunden Ob
wohl Pia-:- Nnmchten der Dänen eben
so lauten wird?
Håmorrhoiden
Fistcln
nnd alle Afterleideu kurjrt
ohne Lpemtum ——- keine
Chlerofor111, Aether oder all
gemeine Betäulmnggmittel s
gebraucht —- Finr geran
mt eine Qbuxcxsett zu dan
ern. Sxxnn n minn frei.
Bemhlt wenn Iiurirt
:Ii«1c!·,l(«11t Cent wird an
ssssmnknien lststs der Patrent
Hei-elf Uf.
Vrticbc kurirt in von 3
bis 6 Belmndlnngcn
olmc Our-ration.
Vewhlt wenn knrtrt
DR. Rlclsl
Spcziaustx
Gras-« Inst-Inl, Nein-usw«
Chronische Krankheiten von
Männern nnd Frauen nnd
Krankheiten der Haut. Of
fiee gegenüber der City Hal
le. Jn der Lffiee den gan
zen Tag nnd Abends-.

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