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Nebraska Staats-Anzeiger und Herold. [volume] (Grand Island, Nebraska) 1901-1918, June 27, 1918, Sonntagsblatt, Image 10

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Ännnn Elte.
Mmssssps
(15. Formsungx
Aber seine klare Sicherheit, die ein
paar Deezschläge lang gefährdet
schien, pertieß ihn nicht. Und allen
Beweisen zum Troß —- — nein und
wieder nein. . . «Jch sehe keines
Symptom-— ich sehe nur eine Frau-J
die eben aus schwerer Ohnmacht
zu sich tornintf sagte der alte Mann1
fest
Nun war es siir den Grasen Bur
chard entschieden.
CI fehlte Dotter Schüler an Mut
zutn Einschreiten!
O mein Gott — wie viel unniiie
verloren-·
Er stürzte hinaus. — Jin Korris
dor stieß er aus Wolf
Der ging da stetigen Schrittes rast
los wie ein Wächter hin und her
Gesahr?« stieß er her rus.
«Höchstet Campell soll in den Stall
lausen — anspannen Lassen — zumj
Dottor in die Stadt —- Schiiler istj
wie von Sinnen . ."
. .Jch fahre iclbst«. sprach Wolf»
Its
Tie Männer wechsetten einen sesten
Händedruck Jedes hatte pas Be
dürsniz vorn andren Trost zu emp
sang en.
Gras Burchard kehrte in das Zim
mer seiner Frau zurüc.
Er sah, daß der Doktor ihr et
was unter die Nase hielt. Es war
Annas Englisches Salz, das er eben
aus dein Tisch neben dein Bett ent
deckt haben mochte. Welche Löcher
lichtett..
.Lassen Sie starken Wein brin
gen-' befahl der Doktor
Gras Burchard tlingelte. Ein paart
Augenblicke später hatte Minti das
Besohtene herbeigeschasst . .
Jin Glase stand der duntte Wein’
—ein roiglübender Reslex blitzte aust
der triftallenen Rundung.
Gras Burchard verzehrte sich in
verzweifelnder Ungeduld als er sah, ;
daß der alte Mann Annas Kopf hob
und ihr den Wein einzuslößen ver
suchte.
Aber was war das. . . Annae
Farbe tarn Haku-. . . die tiesen
steinzöge klangen, als ob eine großes
Last von ihrer Brust gehobenj
wars. . .
Ihrs-schlug sie die Augen auf
Fremd, verwundert fah fee in das
bäntiga alte Männergeßcht das mit
Massen Unzen über sie gebeugt
V
ar.
Allmäblich ging der Ausdruck der
Verwunderung in den des Schreckens
über. Wieder blidte sie wild um
sichs . . .
.Retten Sie mich!« schrie sie auf
und umklammern den Arm des Dol
ter
.O mein Gott!« murmelte Graf
, Durch-nd
Die zornige Sicherheit, in der er
annahm, daß der alte Mann sinnlbö
handelte und zu keige wäre, ent
schwand ihm doch. -
Noch einmal flehte Anna. . . ihre
herzzerreißende Angst erfüllte den
Mann mit Erbarmen.
Aber fest Und ruhig sprach er:
-Sie haben leine Opiumvergiftung·«
,Sie sagten es mir doch selbst,
Paß in jenen Fläschchen Opium
M
«Ja, das sagte ich. Und das
war es. Und wenn Sie es getrun
ken haben, stehe ich bar einem Rät
fel. Jch kann aber nur handeln,
wenn ich Symptom seh-. Jch febe
keine. . .«
Graf Burchard war ja ein Laie
— er mußte fich nicht an, Symptom
zu tennerr. Nun aber fing er an zu
begreifen . . . was auch Anna ge
nommen hatte, Opinm tonnte ei nicht
gewesen fein. Aber vielleicht irgend
ein andres Gift . . . Was mochte der
Doktor da alles bei sich bewahren. . .
War die Gefahr nicht noch größer-,
weil inan nichts muste. . .?
Feind der erkannt ift. läßt sich leich
terindiezluchtfchlagenalieiniin
Dunteln chleicheuder. . . Pest-gen
Sie fich, alter, Das hatten Sie do
alles auf Ideen- sprdek beschwor ee
den Mun.
Der hörte gar nicht. Er fah nur«
Anna, dachte nur Anna. .
.Wie fühlen Sie sich?«
»Ich weiß nicht. . .", stammelie
sie.
»Als-) gut. Und nur aufgeregt
er werden lauwcrme Kompressen
auf herzeri und Brust legen — das
beruhigt die Nerven. So —- lo. . .
Und er streicheln ihr die hand
Diei ernste. sichere Wesen, der klare
Bliä taten Anna wohl. Aber doch
. . . ihre Gedanken waren wie me
chanisch mir auf das eine Ins-let
Reiten Sie michs« murmelle sie noch
einmal.
Doktor Schiller hob lagst den
Kopf Ihm war, als habe et geru
fen: satte —- Qater.. U- fei das
die Stimme feiner Wer gewesen,
diedranseaaachihmlchkk..
msls S hie is rasende-a Lauf bis
Aisten New nnd
X« mss
« —
vielleicht schon das Furchtbare Col
chedtw
Und sie rief hinauf, als müßte sie
ihre Warnerftirnrne als Derold voran
fchieien. . .
Born das Portal geschlossen s- die
halke dunkel. · .
Sie lief an der Front entlang. bog
um die Ecke-da—der "enein
sang stand offen- als sei e M
herausgesilirzt und habe in der M
vergessen, die Tür zu schließen.
lange Korridor war hell. J
Als sie ihn hinnnterhasiete, ieuni
sie am Dienerschaftszinuner vorbei. «
Campell rief: »Wer isi da? Was
wollen Sies«
Weiter. Das Treppenhaus befand
sich in der Mitte des Baues, der Kor
ridor lief daran vorbei. Gerade lam
Miwi teeppab.
aMein Gott — das Fräulein
Schüler —- loas wollen Sie? —- Jhr
Pap- ist oben —- da diirfea Sie nichts
um- sie hieu sie ohne weitem um«
Kleide fest
«Lassen Sie mich. Ich soll —i
ich muß eine Medizin dringen. . .«:
tenchte Saphir und rannte weiter.
Nun öffnete sie die Tür. Sinn
sah sie Anna auf dein Bett —- die bei-»
den Mutter davor —- — J
Sie siiirzte herzu.
Sie hob die Hände. . .
»Es isi tein Opium,' schrie sie, .ez
ist ten Opiuml«
Und dann war ihre Kraft zu En
de. Sie brach in die Knie. Fassungs
loj, vollkommen erschöpft, lehnte sie
die Stirn gegen die Faßte-and des
Bettes und rang mit ihrem keuchen
den Atem.
Kein Opinrnl i
Dotter Schüler fandte einen bei-.
ßen Dankesdlis nach oben. s
»Was war das dann-« rief Graf!
Burchard und packte die Kniende hart
an die Schulter, .fprechen Sie — so;
sprechen Sie doch!«
»Mir Chinin,' ftammelte Sophir.s
Und dann war es, als od alle diesei
vier Menschen den Atem anhielten
. . . die Erlösung aus Todesangst . .
die Furcht vor den Folgen des from-(
men Beter-gez — die Ertenntnis, be-.
trogen zu fein, das ließ sie verstum
men — wohl eine lange spannungss
volle Minute.
Dann brach das Mädchen in heiße
Tränen aus.
Ihr Vater half ihr auf. Vom mil
den Lan von der noch wilderen
Angst war sie wie zerbrochen.
(
Sie klammerte fich an ihn und(
weinte an feiner Schulter
Er hielt sie fest umschlossen Seine
Blicke waren in unbestimmte FernenI
gerichtet. i
Er fah nicht mehr, was hier ums
ihn war — hatte vergessen, daß erl
nicht allein mit seiner Tochter hier
stand.
So blind benannt war er in die
Gedanken Eber fein Unglück gewesen,
daß fein gutes-, ttuges Kind schon
zum Betrug gegriffen hatte, um ihm
mit frommen Täuschungen aufzuha
im
Jn trankhaster Einseitigkeit hatte
er sanatisch nur über den «Fall'
nachgegriihelt, sich in allerlei frucht
lofen Experimenten verloren. Und
darüber war in seinem Kinde die
Angst erwacht, daß sein Verstand in
Gefahr seit
Man täuscht nur einen, den man
aufs folchen Gefahren noch zu retten
o t.
Armes teures Kind! Welch ein
Licht warf das plötzlich auf all die
Opfer, die sie ihm gebracht, aus all
die Leiden, die sie in treuer Kindes
liebe um ihn getragen!
Aber, gottlob —- rvenrs er in»Ge
fahren gewesen si— die Stunde, die
er eben erlebt, hatte ihn daraus be
stritt
Am Bette der unseligen Frau. die
aus«-Gott weis was fiir geheimen
Ursachen den tollen Vergiftungs
deriuch gemacht hatte, da empfand
er sie wieder. jene ruhige Sicherheit
des Arztes, der ans fein Können der
traut.
Seinem geliebten Kinde das Le
ben steh zu machen, lag nicht in
feiner Macht. Aber schwerer wallte
er es ihr auch nicht mehr machen. . .
Sie sollte wieder einen tätigen, mut
M Vater als W neben ßch
»Bist du döse?« flüstekte sie.
»Nein, mein Kind," fliifiekte er zu
rück, während seine tiefe Etschüxtes
sung ihm Tränen in die A en
trieb. »ich danke dir vielmehr. r
weiß, ob ich sie noch hätte retten
können, wenn es doch Opium geweer
wäre· . .«
Graf Buttharv saß auf dem Bett
tanv und küßte Annos hörst-. Ein.
unsiigliches Freudegefith überwältigi
te ihn fast.
Alles war nur wie ein Phantom
gewesen —- ein wüster Traum —- es
war vorbei — verweht — fein
Weib lebie —- wae nicht einmal in
Gefolg-. . .
Sie aber barg ihr Gesicht in den
Kissen nnd weinte Tränen der Eris
sung nnd hasche-II- l
Sie meinte, nie wieder ihrem Gatten»
oder einem andren Menschen frei ins
Gesicht sehen ist kömmt
Verhe- haiie die Reue —fie schon st!
von Sinne-sehe
tin-kenn MMMIWFM
MAX
Resten nd Anfäsen iuni Minut,
zur Einbildung. zur Selbftliebe in
Annai Seele steh versteckt haben
möcht-. um sich gleichsam iüt ein spä-.
terei Wiederan lebenskräftig iu«
halten, fpottrte die hinweg. I
Und gerade asor dtefen beiden Wen-]
schm. über die sie sich hoch nie-»
ben geglaubt hatte, gerade vor die-l
sen stand sie nun fo arrnfelig. fo Aas-·
ich da. . .
Graf Vurrhard begriff völlig, welif
rhe qualoollen Erfchütterungen durch
das Wesen des jungen Weibes gehen
mußten. Keine Geduld konnte lang
miitig genug fein — leine Zärtlich
keit fchonend genug, um ihr über die
fe Stunden hinwegzuhelfen . .
Fiir fest aber gab ej noch eine
dringende Pflicht- . . .
Er fah Vater und Tochter sich nun
voneinander löfen. Der Augenblick
war getotnrnm der heißen Dir-that
teit Worte zu geben.
Graf Burchard stand auf. «
Er streckte dein alten Mann beide
hände hin.
»Sie haben mit mein Weib geret
tet. Anders zwar, als ich dichte,
daß ej geschehen folltr. Den Bewei
fen zum Tros. . . meinen Bitten zurn
Stroh weigerten Sie fich. . . O Inei
Gott, lieber Doktor. . . wenn Jhre
Sicherheit Sie oeriasfen hätte. . . .
was wäre geschehen. Es ist nicht
auszudeuten! Und Sie. mein teures
Fräulein. . . allein durch die Nacht
kamen Sie. utn Unheil zu verhüten.
Keine Dankbarkeit lann groß genug
fein. . .·
Doktor Schüler drückte fest und
warm die hand des Mannes.
»Nein Wort von Dantbarieitl Ich
bin belohnt. Jth fand mich felbft
wieder,« sprach er.
Und das Mädchen fab ihn mit ast
feindfelig funielnden Augen an. « ir
wollen leine Dankbarkeit Wir taten,
was Menschenpflicht ist.'
Eine fehtvere Berlegenheit bemäch
tigte sich des Grafen Burrhard. Jhtn
fiel plötzlich die ganze Verknüpfungs
der Verhältnisse ein« . . ;
. Diefetn felben Mädchen raubte fein
Mahntoort den Geliebten. . · Dei
halb fah fie Ihn fo feindfelig an. .
vielleicht haßte sie ihn und haßte An
na und war doch gekommen, ste 3111l
retten. . . .
Tapferes, edles Mädchen! j
Er hielt ihr seine hand bin. Sies
aber sah über diese hand hinweg. Die»
tolle Angst war gegenstandslos ge-;
worden« die Frau lebte. ihr tliaterj
war nicht zum Mörder geworden. . .j
nun batte sie ihre Ruhe wiedergefunss
den, und deutlich stand es vor ihr,
daß dieser Mann und die törichte
Frau dort ihr und dem Geliebten?
tein Miit asnndern
»Komm, Bater,« sagte sie, «mir
scheint, du kannst hier nicht mehr
niihen.«
Sie gingen, überhastig, als hätten
sie das brennende Verlangen, nur
schnell dieses han- zn verlassen, seine
Herren nicht mehr zu sehen.
Und es schien, als wäre mit ihnen
noch etwas andres gegangen: die gro
ße Erregung, die den Mann in Atem
gehalten. . .
Grau und nüchtern standen aus ein
mat die Tatsachen da. . .
Es gab keine Gefahr mehr und
teine Todesangst Nur noch das
jämmerliche Elend der Zärtlichkeit
Und dieser mit stolzer Stirn zu be
gegnen, ersorderte einen ganzen
Mann. —- -—— .
Gras surchard war wieder attein
mit seiner Frau und sah sie an —
lange, mit einem schmerzlichen, nach
denklichen Blick. Was es zwischen
ihnen tlarzustellen gab, mußte mor
gen geschehen .....
«Soli Mimi bei dir wachen?«
fragte er sanft.
Er bedachte wohl, daß ihre Nerven
sich in unerhörtem Aufruhr befunden
hatten, nnd daß sie vielleicht Furcht
vor der Einsamkeit haben mochte.
.Iiein!«
.Soli ich bei dir bleibe-If
Jm Jst hstte tie flehen mögen
aber sie traute sich nicht
«Rein!·
.Wiinschest du noch irgend ein-ask
..«Ja—hitte——alldie91ens
schen —- tvat soll ich morgen....«
Hätt-einst heftiger in hr Kissen hin
ct verstand genau, was in ihr
Mai-C
Tröstenb sprech et: »Diese me met
sen in deines- Zimmet bleibe-h Die
Gäste werden abeeifeih weil die haus
ftau erkrankt ist«
»Du bist so gut.«
Da übermanute es ihn. »Ich
habe die kein Glück geben könne«
eies et sub bedeck- e leme Inge- mit
bet hand.
Amtes Tränen strtlteu. Sie wandte
sich zu ihm richtete sich halb auf
»Ist-c Etw- ikqgee H-, »s
Oott — mehr alt ich verdiente ....
Unb nun ist es vorbei.
ct kniete schon neben ihrem Bette
»Borbels Weil du einen andren
IW
»Weil ich zu llelnlich und zu ge- 4
eins bin file dich»
Or nahm i e hinde. Er sah ihr
mit Seineheissen in die Augen
ganz Seele flammte auf in
unsch: Sei mit Jst seit
wahr Ins Ilan j
»Du liebst Sterbsaf Du baß ihn
Eis-cum bemalt geliebt!«
W ibn W R
jM es Ut. stund W pl
kka ich im setz-its iou —- zu liebe-di
— Das ift vorbei --— löngsi. —- Wie
tönnt’ ich ich bin doch dein
Biein !
»Ist et,tvahr, Anna? Wahri' Er
schloß sie in feine Arme. « Sein san-I
set setz loar voll Jubel. .So editdz
alles gut werden zwifchen dir nnd
inrr . . . .«
Aber troftlos fchiittelte sie den
Kopf. —- Der Fall, den sie getan
hatte. schien ihr zu tief. Davon aab
es teine Erhebung. Matt und er e
ben duldete sie seine Misse. J
Leblosigteit ermahnte ihn tzur Fas
skka Das arme junge Geschöpf be
fte der Ruhe.... J
Jn seine Seele war die Zuversicht
zurückgetehrt. «Sct;lafe.« flilfterte er.
Jnforgen geht dir die Sonne wieder
an .·« .
vNiemals mehr. . . . niemals mehr-«
. Ul- er sich endl:ch don ihr lasse-;
rifsen hatte, besann er sich darauf,
daß sie ja nicht allein auf der Welt
waren· Da wachten Dienstboten —
Wolf holte einen Arzt, den man nicht
mehr brauchte....
Er ging hinan-. Was er fand.
erleichterte ej ihm, Anna die unge-«
störte Einsamkeit fiit die nächsten
Tage zu sichern
Jm Korridor standen Derdete und
Greti Wenderoth und fragten Cam
pell aus. Gerade tam Herr von
Reinheit im Schlaer die Treppe
herab. .
Das Laufen und das Türengehen,
das ganze eilige hinundher hatte doch
die Schläfer alle nach nnd nach er
weckt. Und du:ch alle Raume
pflanzte sich das Gerücht fort: Die
junge Gräfin ist fchtver ertrantt. «
Verdete empfand einen tiefen
Schmerz, daß der Bruder in-den
hangen Stunden ihrer nicht bedurfte
Nun fah sie ihn und eilte auf ihn
za. Er war fehr bleich, fehr ernst.
Aber er sah nicht ans wie einer, der
fiir fein Liebsieö auf der Welt zit
tert. Sie umarmte ihn.
.Wie steht es? Was ist e« Kann
ich nicht helfeni'
»Nein. ilnna bedarf nur der voll
tommenften Ruhe, auch in der ganzen
nächsten Zeit. Dotter Schüler hat
sich glänzend bewährtp . . .'
»Was —- der alte dereiiltte Nerli«
fragte Greti Wenderoth.
»Ich habe nie eine tlarere Beson
nenheit gefehen,' fagte er scharf.
«Wie wotlen tote ihm danten!' rief
Herdelr.
Endlich zogen sich alle wieder zu
rück.
Auch Ve! Glocke Ulzh ver nu
Wols in schärfster-i Trade durch die
Nacht gefahren kam, war wieder hin
ausromplimentiert.
Nun war wieder Schweigen im
Schloß. Auch die Leute wurden zu
Bett geschiar.
,.Jst es anen recht, lieber Wolf
so tauchen wir noch eine Beruhi
gungszigaretie zusammen,« sagte
Gras Burchard
Ja, es war »Wie-is recht. Er hatte
ein so großes, volles Vers —- ihQ
schien, es werde darin. stiller und
heller-, wenn er sich bei diesem Mann
befand. »
Sie saßen friedlich beisammen im
Arbeitszitnmer des Grasen. Jbr Ge
spräch blieb targ. Jedem war die
Persönlichkeit des andren, seine Ge
genwart wohltuend. Das genügte
ihnen. «
.Wir werden morgen vormittag’
abreisen,« sagte Wuls. «
»Ihr auch? Neinbecks und Wen-.
detaths geben. Jch besprach es schan»
mit ihnen. Aber ihrs Soll ich nicht
ersi Anna danach sragen?« ;
»Nein, bitte nichts« sprach terjiins
gere Mann mit Entschiedenbeit. ,Wirs
reisen ab.' .
«heißi das-: auch Donati« »
»Natürlich. Was soll er wohl
ohne uns hieri«
»Aber er ist doch Annas Bruder-«
Ich —- er gehört doch mehr zu
unt. Anna entsani sich von unt.
St ist, a«ls wenn sie weit, weit weg-;
Seine Stimme bebte. Der andere
sah ihn aufmerksam an. -
«Sie und Ursche —- ihr kommt(
baid wieder-« DIE er tröstend.
«Iieiu!« antwortete Weis ganz
chross» Er erschrak elbsi iiber den
unt-riese- Iachelnu fette-; dg
: « — wenn a
He sea- i sitt Latini wird
s- vss . esse-i yth I
1
?
I
tüchtig »W. Im spat ge
wiß recht: Vater und ich, th fund
zu viel auf Pallas-. Vater soll mit
Glinde überweisen. Do willich usil
solche-, ob ich allem was san-R
staj suchend hatte ein wunder
bqrs feines Verständnis file vie seeli
sches Vorgänge la Menschen, die ihm
teuer waren. G wen VII gegeben,
sich sozusagen hewnzufühlm an das
Leid und die Greguageu anderer-.
Or Mitte deutlich, pas Wolf befan
gen hat« daß et litt.
Aber et wehtte sich förmlich voge
gen, den Grund zu eetatetr. «
Nach einer Pause sagte et: «Jch
Kirchle, unsere llebe Uksula reift mil
Gefühlen der Enttäalchung hell-V
.Sle ist eine Weber von Pollau,'
sprach Wolf, ,sie wird vie Zähne
nsammenbeißeu und den Nacken steif
lstillt-tu Und sie Iokxd vergessen und
auf ihre Mc pslu kalt Donat el
lnaves Gläck den s-' Und die
FI« Use »Wir-IT M«
Gk s I . «
ists stillem- · » «
Graf Burchard stand anf. Die Uhr
aus dent Kamin hatte Drei geschla
zgen. Das war ihm der Born-and.
.Es ist spöt· Nun wollen wie
schlafen ."
Euch Tot erhob Mk Zögernd
mit niederg ·chl ers-en ugen isand
er er latnp e schwer mit flei,
man sah es.
Nun hob er die Liver. Da begeg
nete er dem tiefen, gütigen Blick des
andren« der ihn erwartend ansehend-.
Dieses Auge schien ihm zu sagen:
Was du nur a anvertrauen willst,
ich der-siehe rnen chlichses Leid und
Wicht-the Schwach-seit
·Und in einer«pisplichen, unbe
zwinglichen Bewegng warf der neige
Mann sich « ni in die Arme. Sie
hielten sich s umschiungetr.
«Amm ist doch -glucklich?« rannte
der eine.
»Ich hoffe zu Gott, sie wird es
werden.« sagte der andere feierlich.
Er gestand dein jungen Menschen das
Recht gu, diese Frage gu tun.
Nicht nur, weil jener der Jugend
genosie seines Weibes war.
Im anderen Morgen konnte Graf
Burchard seiner Frau nur wenige
Minuten widtnm Als sie ihn bei
sich eintreten sah, flog ein tieies Ers
riiien iider ihr Gesicht. Dies Errö
ten bezauberte ihn. er hatte aber die
Klugheit, darüber hinwegzusetzen Er
erkundigte sich nur rasch nach ihrer
Mich-» ..
Dann hieß es, sich den Gasten wid
inen, ihren Fragen standhaltcn. ihrer
Abreise beiwohnen.
Zum Abschiednehmen von Anna
wurden nur Donat and Urschi in ihr
Zimmer gelassen. Anna weinte Die-«
sei ungewohnte Schauspiel machte
auf Ursche großen Eindruck. sie
zerfloß in Tränen, undauch Don-u
war sehr gerührt.
Den Grund ihrer Ergriisenheit
hätte leiner der drei jungen Menschen
tlar angehen können.
Ursula tatn dann rnit d:r Nach
richt Zu den andern Gästen, das;
Anna schrecklich blaß nnd sehr nerocz
sei, aber nicht nach einer eigentlichen
Krankheit aussähe, auch nicht etntnnl
irn Bett wäre, sondern aut der Chai
selangue lage. Uriatn verstand un
ter Krankheit ganz was anderes: Js
hei mußte man Fieber sphaden und
ZMWIZM clMlcyMcsL Dir otirtcn
Herrschasten derniieden et aber, an
Ursulas Bericht eixk Diskussion zu
tniipsen. .
Mit tausend guten Wünschen unt
der Versicherung, den nun ddgetiirzteii
Besuch ini Herbst wiederholen zu wol
len« fuhren endlich eitle davon. Wolf,
Ursula und Donat in dein einen Wa
gen, Geeti Wenderdtts mit ihrem schö
nen Mann und den Reindkets iin
anderen.
» Herdete und Retmte standen auf
sder Schwelle nnd wintteii Grüße
nach, bis die beiden Wagen iiinbogrn
un den Weg one-Wald enttang »in
fahren.
«Na,« sagte Sirnitz «detnt der lln
päßlichteit unserer jungen Gnödiqeix
tönnen wir uns hier« nun bis aus
weiteres niddsen.«
«Eine Bewertung, die deinem
Egoisinuö ganz einnlich siehi,'· ani
tvortete herdete, sitt die das geizig
ivorden war.
« Aber auch Burchdrd hatte es ae
hört. Und die naide Unbefangenheit
ldieser Bewertung gtnd ihm doch zu
ltveit.
Er hatte noch eine Ausgabe zu ers
ledigen, ehe er sich ganz feiner Frau
widnien konnte. Wei-« gesagi werden
mußte, sollte gleich gesagt weiden.
Die drei Geschwister traten in die
Halle zurück, Renate machte Miene,
aus die in das Trepvenhautt sichre-de
Tiir sitzt-gehen — -
»Bitte, Renate aus ein pour
Worte!« tie er.
»Kann i sie init hören?« fragt-.
Hei-dete.
»Ich weiß nicht, ol- es ihr lieb ist«
»O, dann bitte ich darinn. Der
Ton var sa tpie eine Fansare —- so«
als ed ich adgetanzelt werden sollte.
Das wird ja Derdete immerhin in
teressieren,« sprach Renate iind nahen
niit hodeitldollet Miene Plat. Ihr
entitan Ton ivae nicht ganz echt.
Und sie wußte ans qu, daß in ern
sten Fällen rde Gegenwart
Schu bedeutete. s ard konnte
sehr werde-. Und seit squ er:
· aus a ol- el g ein Unsetteei
Änntr. Dei-unt Das iii F
W tpisseik Run, inaii edel
l. III-I - s
Derdeke legte ihre Hand cui den;
Arm des Bruder-. ;
»Du siehst so böse aus. Seit strei!
Tagen sehe ich dich nut mit allens
W einer großen Enegnng —
dlqß, erschrecklich ernst. Werde ich
endlich erfahren, um was es sich
hondelti«
»Für den Augenblick handelt es sich
darinn, daß ich dle Pflicht habe
meine Frau den Beobachtungen Re
natens zu entziehen« tief ee m auf-s
wallendem Zorn; kenn Renatens
Gattung nnd die deidnte Ahnungs
lpsisteit« darin reiste ihn fchwer.
»Was fiie Vesb.schtungen?« fragte
hetdete daætschen
Dienste ntete the durch Achsel
iM an, daß fte es nicht wüßte.
»Und da meine Frau das Deus
nicht verlaf en kann, um sich ooe sie
natens bettelt-ten und Kombina
tionen in Rilke-, so wird vol-l Ie
Igte es Isi- WT Wes et.
?
Eisen HEXE lass-eint dgjpx
Schreitens ane. TT
Rennie iuhe zufammen, wart abee
dann den Kopf Hist-, mit der the
eigentümlichen Bewegung, die pet
fenigen der Puteehiihni glich. »Was
meinst du? Billetm
»Nun ·- daj ist Wechsels sagte
ee und hielt in feinem hiittindheelmts
inne, »du hast noch die Stim. zu tits,
als wissest dii nicht Dies du
inik nicht gestern niittag im einer
ganzen Reihenfolge von dik beobach
tet Mienen und Tatsachen. die se
beweisttiiftig schienen —- hast bit m
nicht eingestüstett. imß meine Itmi
etephan geliebt have, noch liebe iind
eiiekiiichtig aus ihn leis-"
»Um Gottes wiilenL Das hast bit
genine Quinte« wie sündhast —- wie
abicheiilichl« tief Oeldete und rang
die Hände
»Ach, das meinst du? himmel,
darum solche Einomni Jhk habt
euch wohl darüber gejititlen —- Sze
nen gehabte Und ins ift wohl An
nao mystetiöse Kientheitt Es me
natürlich nicht meine Absicht, daß du
ihr dnd gleich hintmgen solltest. Aber
Ehemiinnetl Ja, bist du denn so
ein unschuldiges Liinim und bildef
du die denn wittlich ein« ein Mäd
chen ivie Anna würde zwanzig Jahre
alt, ohne den einen oder anderen
Schwarm gehabt sei haben, dessen
Studenten sie auch nach der Ehe noch
ein bißchen tiiltivietit Aber tibet so
was macht man doch Seinen Lätml«
Rai nie zugeben. daß nun einen
Fehler gemacht habe; damit behauptet
man sich am besten -- W nat ihr
Prinzip. Sie begriff aber auch witt
lich nicht ganz, was Bittchatd an dee
Sache io «ttugiich« nahm; sie war
in ihrem Leben so zahllose Male
ein bißchen verliebt gewesen« daß sie
diese Gefühle zii den nebensächlichsten
und deigiinglichften ron der Welt
rechnete. ti- taiii in niie auf die
Ehre und den Anstand anl Und
hatte iie wohl ein Wort davon ges
iagt. daß Anna die detleht habe?
Nein, nicht von fein Also wozu der
Zorn
Aiich Herdele tat ja, als habe sie
ein Verbrechen begangen . . . stand
mit gefiilteten Händen und murmelte:
»O Gott — o Gott. ..«
«
mit Anna darüber ausgesprochen,
schonendertveise, ohn- dich zu nennen.
sch» lann dir mitteilen, daß alle deine
Beobachtungen trügerisch waren.
Anna denkt n" t tm Stephnrt und
hat nie on ihn gedmist.·
Gott segne die d’«nde Gläubigteit
verliebter Ehentännerk dachte Renatr.
»Wenn meine Frau nun auch nicht
weiß, daß iie von dir beleidigt wor
den ist.« suhr er fort, .so weis doch
ich es. Und tvie gesagt: ich habe die
Pflicht und den Wunsch, Anna zu
schützen. Du begreifst, daß es nach
dent Vorgesallenen tattvolter ist,
wenn du deinen Wohnsit- anderswo
nimmst-«
Mit einern einzigen raschen Ge
duntenblitz beleuchten Rennte alle pe
tuniiiren Nachteile: die ihr daraus
erwachsen würden.
Sie sah ihre Schwester an. und
Herdete fragte auch tummervollt
»Ja mein Gott« Eb«-:chard —- nun
sollen tote noch in unseren alten Ta
gen unser Leben utngestalteni«
s »Ihr? Wer spricht denn im Plu
Jmls Jch rede mit vritennte, nicht ntit
dirs sagte er.
» »Dentst du dem-» daß wir uns
trennen werden«-« fragte sie
s Nun stand er erstaunt.
» ·Mich tönntest du verlassen und
xtnit Nenate gehen2«
! .Ach, du hast nun deine junge
!FI11U.«
l
«3elhstderstonrslnt; yode ra; mich
»Aber ihr zanlt euch doch immer!«
»Wir zanken unr- nte!« ries Ne
lnate mit Entlchiedenheit.
» Diese Behauptung machte den
Mann einen Augenblici vor Verdusts
heit mundtot. Und er mußte tiicheltu
) Herdete wußte aber: wenn er ge
tiichett hatte, war er sast enitoasM
Schnell schlug see vor, die Frage te
»vertngen, und verbürgte sich siir
nate und deren irn tiefsten Inn-Izu
doch tiebevolte Gesinnung.
Burchord kannte diese »Ob«-sum
Gesinnungen«; aber er wußte W
dass die herzensiälte Wiens
mit eigentlicher Bosheit W
war, sondern daß sie aus O «
iichteit, aus einer gewissen ·
stgtett heraus gehandelt hatte.
Mit unsers-o nter Rachsicht totle
ser darein, da die Frage W
)werde. — ·
Sein Vers mev inn zu seiner kan
-gen Frau.
. Er fand sie niedergefchlagen, ver
jweint Sie hatte sijp über fein lan
Jges Fernbleiben beaiieuhigt. Es äng
»Iiiqie sie Es ward ihr sofort Juni
Beweis-, daß seine Güte die er it
der schrecklichen Recht ihr betp en,
jnun ver Kälte gewichen sei nun
lsür sie vernichtendsten Urteilen Pius
emncht habe, daß die Kritik in ihm
fiiirter geworden als die Nachsicht Und
fie gestand es gleich
»So wird es immer keins M
sie, »ich habe dir Gelegen eit gegeben,
gering von mir zu denke-. III
habe ich keinen Boden sieht nistet
mir habe keine feste Stellm
neben vir. Und bei jeder Klein
werde ich die Anst, den Verdacht
ben, es bedeute, daß du micho
mehr lieb hast. Mienen W
nicht bleiben —- laß-nich
h
w M Brit-im istsixw -

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