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Täglicher Washingtoner Anzeiger. [volume] (Washington, D.C.) 1871-1873, January 01, 1873, Image 2

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lsi zer Washingloner Anzeiger.
VBashington, den 1. Jannar 1873.
Oesterreich und Deutschland.
daß ohne Stanley vielleicht attel
Resnltate der vielen Forschungen des
großen Mannes ans einem beinahe gänz—-
lich unbekannten Gebiete, der Welt ver
lere gegangen wären.
Drum, Ihr Herren, dem Verdienste
seine Krone.
Ein Koönigreich um einen
Namen.
„Ein Pferd, ein Pserd, ein König—
reich für ein Pferd!“ — so rief in fast
wahnsinnigem Ausbruche König Richard
111. in dem angstvollen Momente, als
er sah, daß die Schlacht von Bosworth
für ihn verloren ging, und mit ihr das
Ende seiner usurpirten Schandwirth—
schaft gekommen sei. Nichts war mehr
zu retten, als das nackte Leben Sr.
fluchwürdigen Majestät; aber selbst für
den hohen Preis eines Königreiches ließ
sich kein rettender Gaul mehr auftreiben.
Das Maß der Unthaten Richard's 1111.
war übervoll; er mußte dem Geschick
der Auflösung erliegen. Die Welt war
wieder einmal von einem Ungeheuer in
Menschengestalt befrett.
Dieses Stück interessanter Geschichte,
welches in so genialer Originalität von
Shakespeare dramatisirt worden ist, fällt
uns immer und immer wieder ein, wenn
wir das angstvolle Stöhnen demokrati
scher und liberaler Blätter, besonders
der „Westl. Post“ nach einem Namen
hören, der für sie wie für Richard 111.
das Pferd, der Lebenserhalter sein soll.
Die Situation der Coalitionisten, zu—
mal der Demokrati ist ähnlich der, in
welcher sich Richard 111. befand. Die—
ser Monarch setzte sein Alles in den Er—
folg der Schlacht von Bosworth, so
unsere Demokratie in den Erfolg unserer
jüngst verflossenen Camgagne. Und wie
bei Bosworth gegen die Vergangenheit
Richard's gekämpft wurde, so wurde
am 5. November hier gegen die Vergan—
genheit der Demokratie ge?ämpft. Und
nun schreit sie nach ihrer Niederlage auf
einzig um ihr nacktes Leben zu retten,
„Einen Namen, einen Namen, ein Kö—
nigreich um einen Namen!“
So dramatisch diese Situation unserer
Demokratie auf.der Welterbühne sich
auch für den Betheiligten ausnehmen
mag, der großen Zuschauermenge er—
scheint sie nur als eine possirliche Carri—
catur jener historischen Episode.
Denn possierlich ist es mit anzusehen,
wie eiuige liberale Blätter aus die Suche
auf einen Namensgaul ausgehen, um
auf dessen Schwanz die demoralisirte De--
mokratie wieder tournirfest zu machen
und dann noch einmal in das Schlachtge—
wühl zurückzusprengen. Und wie ver—
lockend di- Liberalen sich in dieser ge
drängten angstvollen Lage den Demo—
kraten nähern. „Wir haben Euch ja
Alles geopfert; wir stehen auf demselben
Kampfesboden, wir streiten unter densel—
ben Zeichen und Standarten, wir schla
gen uns um dasselbe Ende und Ziel.
Wir sind ganz Liebe, wir haben uns
Euch ganz preisgegeben — bis auf den
jungfräulichen Namen, den wir doch An—-
standshalber nicht ablegen köunen, si
lange uns nicht ein legitimes Band ver—-
bindet.“
Allein der Ereis:; Demokratie, bleibt
für die Werbungen taub. „Wohl habe
ich Euere Kräfte und Ehre genommen,“
wendet er ein, „ich that es, um meine
alternden Glieder mit Eurem jungen
Blute zu verjüngen, allein meinen ehr—-
würdigen, historischen, ahnenreichen Fa
miliennamen apago Sarane! Welche
Mesalliance! Es sei denn, daß Ihr
Wappen und Stammbaum mit zum Al—-
tar bringet!“
Und so irrt die „Liberale“ häunderin
gend und klagend auf den Kampfgefilden
umher, um ihre Ehre zu rehabilitiren,
mit dem markerschütternden Rufe: si—
nen Namen, einen Namen, ein König
reich um einen Namen!
Will Keiner sich ein Königreich ver—-
dienen? (Buff, Fr. Presse.)
Fürst Pückler- Muskau.
Ein alter Freund des nun Berstorbe—-
nen, der manche Fährlichkeit mit ihm auf
althellenischen Boden überstanden, macht
der „Deutsch. Ztg.“ die nachstehenden
interessanten Mittheilungen über des
Fürsten, sceine Mitmenschen gewaltig
derangirende Lebensgewohnheiten:,„Fürst
Puckler-Muskau hat es wie Wenige ver—
standen, seine Bekannten den Tag ver—
wünschen zu machen, der sie mit dem
Kraftgenie zusammengeführt. Er hatte
seine ganz er: Lebendeintheilung und
schlief, wenn Andere wachten, und wachte,
wenn Andere oft gerne geschlafen hätten.
Das wäre sehr verzeihlich gewesen, wenn
der Mann nur im geringsten Anachorer
gewesen wäre, woran er aber zum Leid—
wesen Derer, die ihn kannten, nicht ent—
fernt dachte. Im Zahr 1835 lebte er in
Athen. Gegen Mittag erhob er sich von
seinem Lager und jagte aus der Stadt
auf den Landsitz irgend eines ahnungs—
losen Freundes, den er um diese Zeit bei
läusig an der Mittagstasel wußte. Wie
eine Bombe siel er in's Haus, setzte sich
sans fagon an den Tisch und langte zu.
Gesiel's ihm, stand er auf, legte sich in
einem Nebenzimmer auf einen Divan,
ließ sich einen Tschibul und Kaffee reichen,
hielt eine lkurze Siesta und ritt dann
fort, plötzlich wie er elemuen war. Er
lohnte seine unfreiwilligen Wirthe reich
lich durch seine geistsprühende, anregende
Unterhaltung — bei der freilich Damen
nicht gegenwärtig sein durften. Am
schrecklichsten wurde er nach 12 Uhr
Nachts, da aber nur Einem, dem dama—-
ligen österreichischen Gesandten, Baron
Prolesch. Wenn in dessen Hotel Alles
zur Ruhe gegangen war, dann ertönte
oft ein Läuten und Pochen am Thor, das
Todte hätte erwecken können. Man öff
net — Pückler·-Muskan steht am Thor
und sordert Einlaß, der ihm naturlich
gewährt wird. Für die Dienerschaft ist's
naturlich aus mit dem Schlaf, auch für
Prokesch, der geweckt wurde und den Gast
mit dem freundlichsten Lächeln, das er
auf seine Lippen nur bringen lonnte, em
sing. Es war Thee servirnt, Pückler
1 n und zog sich erst zurück, wenn
der neruu ging und die herein
lungernde Sonne das Kerzenlicht über—
slüssig machte. Bon jett bis Mittag
hatlen alle Bekannlen Puckler's Ruhe,
denn jetzt ging er schlafen. —Mit seinem
Wirthe, Herrn Cassalis, dem einzigen
Hotelier damals, warPückler wegen
Zahlung der Rechnung stets im Kampfe.
Madame Cassalis aber, eine Bayerin,
wußte ihm zu imponirrn. Bei Gelegen
heit einer Zahlungsstreitigkeit drohte der
Fürst, in seinem nächsten Buche das Ho—-
tel wegen Prellerei „gebührend“ herzu—
nehmen. Frau Cassalis aber frisch und
zungenfertig wie sie war, erwiederte:
„Herr Firscht schreiben S' was S' wol—
len, es glaubt's ja doch Niemand, ich
werde Sie aber in hiesiger französischer
Zeitung verreißen, kost's a zwei Cou—-
vert!“ Pückler-Muskan zahlte und reiste
endlich ab. — Athen athmete wieder auf.
Deutsche Kapitalisten auf der
amerikanischen Leimruthe.
Die europöischen Kapitalisten sind in
der letzten Zeit in Bezug auf amerikani—-
sche Werthpapiere ziemlich gebissen wor—-
den. Sie haben sich sehr stark an neuen
Eisenbahn-Anleihen betheiligt, die hohe
Prozente versprachen, aber nur so lange
bezahlt haben, als die Interessen aus
dein Verkauf weiterer Bonds bestritten
werden konnte. Die Rockford und Rock
Island Bahn hat besonders in Deutsch
land vielen Leuten ihr Geld gekostet, so
daß in Franksfurt der Witz ecfunden
wurde: „Bei der Rockford geht der
Rock fort!“
Andere dieser Bahnen versprachen,
ihre Interessen in Gold zu bezahlen und
zahlten sie später in Papier, was eben—
falls ein häßlicher Vertrauensbuch war,
zumal da z. B. im Falle der Chicago—
und Northwestern Bahn gar keiner Noth
wendigkleit für einen solchen Schwindel
vorlag.
Durch derartige Unehrlichkeiten hat
der Kredit unseres Landes in Europa
bedeutenden Schaden gelitten, und wenn
sich solche Vorgänge wiederholen, dürfeu
wir uns auf bedeutende Rücksendungen
unserer Wrethpapiere gefaßt machen,
was natürlich einen starken Ausfluß von
Gold zur Folge haben und somit das
Goldprämium wieder in die Höhe trei
ben würde.
Der New York „Financial und Com—
mercial Chronicle“, ein den Geschäfts—
Interessen gewidmetes Blatt, hält den
eurodpãischen Kapitalisten eine Strafpre—
digt darüber, daß sie ihr Geld verloren
haben. Er sagt ihnen mit dürren Wor—
ten, daß ihnen Recht geschehen ist, was
eigentlich für den Verlierer ein schlechter
Trost ist. Der „Chronicle“ meint, daß
diese Herren durch ihre großen Profite
an unseren Regierungs-Bonds vekwöhnt
worden seien. Sie hätten diese zu 45
gekauft und später zu 90 und darüber
wieder verkaust, und in Folge dessen an
allen unseren billigen Papieren Geschmack
gefunden. Hohe Prozente aber seien
immer ein Zeichen schlechter Sicherheit.
Wenn sich die enropäischen Kapitalisten
mit solchen Eisenbähn - Hypotheken be—
gnügt hätten, die anerkannt gut sind,
aber geringere Interessen tragen und
nicht so billig gekauft werden können, so
würden sie keine solchen Berluste erlitten
habeu.
Dieses Raisonnemeut ist nicht ganz
ohne Grund; allein ein Blatt wie der
„Chronicle“ sollte auch darauf zu wirken
suchen, jener Gewissenslosigkeit zu steu
ern, mit der so viele der hiesigen Com—
pagnien sich oft ohne Noth ihrer morali—
schen Pflichten entschlagen. Unseren
Lesern in Europa aber rathen wir, sich
in Bezug auf Anlagen in ameritanischen
Eisenbahn -Hypothelen erst Gewißheit
über folgende Punkte zu verschaffen:
1. 9st die Bahn vollendet oder nicht?
Bei unfertigen Bahnen werden die A
sen gnferngen ans dem Berlauf der Ob
ligationen selbst bestritlen, nnd es ist au
ßerdem ungewiß, db sich die Bahn renti
ren wird oder nicht! Die Obligationen
unferliger Bahnen dürfen rerar an
der New Yorker Boörse gar nicht aufge
rufen werden. 2. Wie lange ist die
Bähn bereits im Gangt und waren ihre
Einnahmen immer hinreichend/ die lau
fenden Ansgaben und die Interessen ih
rer Schuld zu bestreiten? Eine weitere
Frage dürfte die sein, ob sie auch Divi
denden für die Aktionäre abgeworfen
hat; denn in diesem Falle kann man an
nehmen, daß in Bezug auf ihre Zah—
lungsfähigkeit kein Zweifel herrscht· —
Wir rathen Niemanden, solche Geld—
Anlagen zu machen, ohne vorher die si
nanziellen Ausweise der betreffenden
Bahnen genau geprüft und sich ein selbst
un Urtheil daraus gebildet zn ha—
en.
Die Todten des Jahres 1872.
Der Sensemann hat unter den her—
vorragenden Männer in diesem Jahre
eine reiche Ernte gehalten. Es starben:
General Halleck in Lonisville, 9, dan.;
der frauzösische Herzog Persigny, 12.
DJanuar; der österreichische Dichter Fr.
Grillparzer, Wien, 24. dan.; der Re—
bellen · General Ewell, 25. Jan.; der
Schauspieler Bogumil Dawison, Dres—
den, 2. Febr.; Erzbischof Spalding v.
Baltimore, 7. Febr.; gJoseph Mazzini
in Pisa, 10. März; Samuel F. B.
Morse in New Hork, 2. April; der
reußische Staatsmaun Graf Schwerin—
grenn 3. Mai; der öosterreichische
Schriststeller Moritz Wien
12. Mai; der englische Staatsmann
Henry Lyteon, Bulwer, 26. Mai; Erz
herzogin Sophie von Oesterreich, 27.
Mai; Bennet, Gründer des N. Y.
Herald, 1. Duni ; Friederich Gerstäcker,
Wien, 2. Juni; Graf Hegnenberg-
Dux, bayerischer Ministerpräsident, 3.
Duni; der sranzösische Marschall Vail—
lant . guni; Robert Prutz, Schrist—
steller, Stetin, 21. Juni; VBenito Jua—
rez, Präsident von Mexico, 18. Juli;
Emil Devrient; berühmter Schauspieler,
Dresden, 6. August; Ludwig Feuer—
bach, Philosoph, Nürnberg, 12. Sept.;
König Karl XV. von Schweden, 19.
Sept; Franz Liebert in New York, 2.
Oltober; Wm. H. Seward, Auburn,
10. Oltober; General Meade, Philad.,
6. November; Horace Grecley, 29.
Nov.; der Eteneii Forrest, Phi
ladelphia, 12. Dezember.
Notizen.
— Indianer Rache. In NRichland
County, Wis., hat sich ein Indianer in
folgender origineller Weise an einem
Weißen gerächt: Der Indianer lebte
in der Nähe eines der nördlichen Städt
chen des County's von der Jagd und
vom Fallenstellen und nicht weit von sei
nem Wigwam wohnte ein Farmer. Im
August dieses Jahres kam der Sohn des
Waldes in betrunkenem Zustande nach
dem Hause des Farmer, sagte, er sei
hungrig und wolle ein Schaf haben, das
der Weiße auf der County-Fair auszu—
stellen beabsichtigte. Seine Bitte wurde
ihm abgeschlagen, dagegen erhielt er die
Erlaubniß, ein Huhn zu nehmen, wenn
ser es schießen wolle. Damit war die
Rothhaut jedoch nicht zufrieden und er—
klärte, sie wolle das Schaf haben, schoß
auf dasselbe, fehlte aber. Darob erbost
der Weiße, hetzte seinen Hund auf den
Unverschämten und jagte ihn fort. Ei—
nige Nächte darauf wurde der Farmer
durch einen kalten Körper, der sich auf
sihm bewegte, aufgeweckt. Er ergriff
denselben und schleuderte ihn fort. Wie
erschrack er aber, als er ploötzlich in allen
Einteln seines Zimmers das eigen—
thümliche Geräusch vernahm, das die
Klapper · Schlangen, wenn sie gereizt
werden, zu machen pflegen. Rasch rief
er seiner Frau zu, stille liegen zu blei—
ben. Dann zündete er ein Licht an und
entdeckte eine zweite sehr große Klapper-
Schlange am Fußende des Bettes zu
sammengerollt und zum Sprung bereit.
Ein Schuß aus seinem Revolber zer—
schmetterte den Kopf des giftigen Rep—
tils. Der Knall hatte einen bei ihm in
Arbeit stehenden Mann geweckt, der ihm
schleunigst zu Hülse eilte. Ehe derselbe
jedoch das Schlafzimmer des Farmers,
dessen Thür offen stand, erreichte, stieß
er ans zwei andere Schlangen und tödtete
dieselben. — Außerdem fanden die bei—
den Männer noch zwei der Bestien im
E
— so daß sie im Ganzen fünf Schlan—-
gen getödtet hatten. Jetzt wurde das
Zimmer genau durchsucht, um zu entde—-
cken, wie die Thiere hereingekommen wa—
sren, und da fand man am Fußende eine
mit einem Glasdeckel versehene Kiste,
die dem Indianer gehörte und in wel—
scher derselbe die Schlaugen aufbewahrt
hatte. Vermuthlich war die Rothhäut
durch das geöffnete Fenster ins Zimmer
gestiegen ünd hatte den Inhalt seines
Kastens auf dem Belte seines Feindes
ausgeleert.
« 2
— Ein Fremder, welcher an einem
Trödler-Laden in Detroit vorüber kam,
betrachtete aufmerkfam einen vor dem—-
selben hängenden Rock und sprang dann
plötzlich von demselben zurück. „Wol—
len Sie den Rock kaufen?“ fragte der
Händler. „Ganz und gar nicht“, er
wiederte der Fremde, „armer Jim! Ich
erinnere mich noch ganz gut, daß er den
Rock an demselben Tage trug, an dem
er die Blattern bekam.“ Der Fremde
ging fort, während der vor Angst zit
ternde Kleiderhändler von ganzem Her—
zen wünschte, er könne den Rock verkau—-
fen und wenn es noch so billig wäre. —
Als nach einiger Zeit der Berbündete
des Fremden erschietn, bekam er den Rock
für einen Dollar.
1 *
— Eine Reise in der Unterwelt. —
Joh. Harastut zu Bochnia hatte, im tie
fen Innern des Schachtes Trinitatis be
schäftigt, vor einigen Tagen das übliche
Glockenzeichen, womit die Einstellung
der Grubenarbeit verkündet wird, über—
hort. Die übrigen Arbeiter hatten sich
bereits aus dem Schachte heraufwinden
lassen, als dem H. sein Grubenlicht er
löschte. Er war nun allein unter der
Erde und unerhört verhallte der Ruf
nach Licht und Hülse. So von Angst
und Schrecken getrieben, irrte er in dem
Labyrinth von unzähligen Schachteu um—
her, e nzig geleitet durch seine bei Berg—
leuten eigenthümlich geschäften Tast-und
Sehorgane, welche ihn die Verbindungs
gänge erkennen und allen Abgründen,
Bergrissen, Salzwasser, Untiefen aus—
weichen ließen. Die Stunden wurden
ihm zu qualvollen Ewigleiten, endlich
uach langem Wandern erblickte er Licht
und befand sich plötzlich unter Bergleu
ten, welche ganz erschreckt über den blei—
chen Mann waren, der herangeschwankt
kam, und die denselben, als er mit einem
Freudenschrei bewußtlos zusammenbrach,
auf die Oberwelt und in ärztliche Pflege
brachten. Es waren Berglente, die so—
eben erst in den Schächt unterhalb Wie—
lizka einfnhren: Der Arme hatte also
unter der Erde eine Reise von Bochnia
bis Wielizka, d. h. von vier deutschen
Meilen gemacht.
* 7 2
—Der Gesäugnißwärter von Peoria,
30:, wurde dieser Tage, als er einen
Rundgang durch das Gefänguniß machte,
von seinem hosfnungsvollen Söhnlein in
einer Zelle eingeschlossen nud mußte
seine Erlösung damit erkaufen, daß er
dem saubereu Früchtchen versprach, er
wolle ihm zu Weihnachten drei Dollars
schenken. Ein „Stück ungebrannter
Asche“ wäre eine passendere Gabe.
* * *
— Das Neueste auf dem Gebiete des
Zeitungshumors ist die Entdeckung, die
der Indianapolis „Sentinel“ bezüglich
des weltbekaunten Rubinstein gemacht
hat. In einem „Musikalischen Wun—
der“ betitelten Leitartilel sagt diese Zei—
tung der Hauptstadt von Brdiana, Daß
Rubinstein am nächsten Montag
„singen“ werde. — ;
* ;
— Der „Verein katholischer Eleleme
Deutschlanvs“ überr eichte am 1. Dezbr.
durch eine Deputation, bestehend aus dem
BVice-Präsidenten Frhrn. v. Scerlemer
Alst und den zur Zeit in Berlin anwe
senden Mutgliedern, dem Bischofe
Namszanowsli einen Stab und eine
Mitra. Der Freiherr v. Schorlemer
begleitete die Ueberreichung mit einer
kurzen Ansprache, worin er hervorhob,
daß mit der gegen den ildet staatli
cherseits eingeleiteten Unte nuna und
Suspension vom Amte als katholischer
Feldprobst der Armee auch die Maß—-
regel verbunden war, bevor ein Uftheil
dshrden daneite die Insignien der
bischöflichen Würde abnehmen zu lassen.
Dieses Berfahren, als dessen erkennbarer
Zweck erschien, die Ausübung der kirch
lichen Funktionen des bischöflichen Amtes
unmöglich zu machen, habe die Herzen
der treuen Katholiken mit tiefem Schmerz
erfüllt.
Der „Berein der katholischen Ehe
leute Deutschlands“ von den Gefühlen
durchdruugen, der verletzten Würde des
Bischofs, als eines Fürsten der latholi
schen Kirche, die geb—ührende Ehre zu er
weisen, erlaube sich daher, durch seine
Bertreter Stab und Mitra, die Abzei
chen des bischöfl. Amtes, dem Herru Bi
schof zu seinem Eigenthum zu überrei
chen; zum Anerkenntniß der Fortdauer
der von der hl. katholischen Kirche ihm
übertragenen, hohen Würde, zum An—
erkenntniß auch des apostolischen Muthes
und der treuen Festigleit, mit welcher er
die unveräußerlichen Rechte der Kirche
vertrete. Mit der Ueberreichung ver—
binde sich die Bitte zu Gott, daß er den
Bischof Namszanowsli und alle Bischöfe
der Kirche segnen, stärken und beschützen
wolle.
Unter Ertheilung des heiligen Segens
dankte hierauf der Bischof in einer lan—
geren Ansprache, in der er von Neuem
von seiner apostolischen Festigleit ein
herrliches Zeugniß ablegte.“
So die „Germania·“ Die „Spen.
Ztg.“ bemerkte u. A.:
„Die Demonstration ist in so sern
allerdings kindisch, als der Staat dem
Herrn Namszanowski seine rein lirch
liche Würde eines Bischofs von Agatho—
polis niemals genommen hat, und als
die Herren Edelleute glückücherweise
nicht im Stande sind, dem rebellischen
Geistlichen die vom Staate abhängige
Würde eines Chefs der latholischen Mi
litärgeistlichkeit in Preußen mit ihrem
Privatgeschenk wiederzugeben.“
* * A
— Ueber die Heldenthat einer Frau
in Bloomington, 111., berichtet der dor
tig, „Anzeiger“: In der Nacht hatte
sich in das Hars des Herrn H. Wilson
an Ecke von Main- und Chestnutstraße
in Abwesenheit des Hausherrn ein fre—
cher Dieb Eingang verschafft und betrat
das Schlafzimmer der Frau Wilson. —
Die Dame hatte das Geräusch der
Tritte des Kommenden gehört und em—
pfing den Eindringling mit vorgehalte
nem Revolver, ihm bedeutend, daß Ein
Schritt das Signal zu sein·m Tode sein
würde. Diesem kategorischen „Halt“
gehorchte der Hallunke sonder Zögern—
er machte,„Kehrt“, schleuderte die Thür
hinter sich und war (leider!) auf Nüm—
merwiedersehen verschwunden.
— Kölner Karneval. — Wie es ein—-
mal im Blute der Kölner liegt, schreibt
die „Kölner Zeitung“ —kaum schickt dast
alt gewordene Jahr sich an, auf die
Neige zu gehen, und schon machen sich
die ersten Regungen des nächsten Car
nevals bemerklicht- Diesmal unter be—
sonders glücklichen Auspicien, · denn im
50jährigen Jubiläum unuseres Anno
1823 wieder erstandenen Carnevals zu
feiern. Der kleine Rath ist bereits seiner
Pfslichten bereits eiugedenk gewesen. Er
hat, ermuthigt durch so manches gelun
gene Beispiel aus jüngster Zeit; den
weisen Entschluß gefäßt, ünter die
„Gründer“ za gehen. Er wird eine At
tiengesellschaft des Narrenthums grün—
den und, wie es heißt, schon in diesen
Tagen mit seinem Vorhaben in die Oef—
fentlichleit treten und einen Prospektus
vorlegen, so vielversprechend, wie je ei
ner von schlauen Grüudern angetftelt
worden ist. Er rechnet auf großen An—-
drang von Zeichnungslustigen und wird
sich darin gewiß nicht täüschen. Zur
angemessenen-Begehung der denkwürdi—
gen Jubelfeier sind bereits viele höchst
schäthbare Ideen iu Gährung und Klä
rung begrisffen, zu denen selbst die im
nahen und fernen Ausland lebenden Köl
ner ihr Scherflein beizutragen nicht n
mangeln werden. Zusagen dafür sind
schon eingegangen.
Sängerbund.

Sountag, den 5. Januar 1873,
Abendunterhaltung.
Dienstag, den 7. Januar 1 vre
Generalversammlung.
Zahlreiches Erscheinen der Mitgliedec -
driugend nothwendig.
Im Auftrage:
Emanuel Waldeder,
Sekretär.
Columbia copne —
Gesundheitsrath.

Distrikt Columbia.
Washington, D. C., 26. Dezember 1872.
Es wird hiermit verordnet und beschlossen
vom Gesnndheitsrath des Ditstriklts sClum.—
bia, daß die Regelu und Regulationen in
Bezug' auf die Blattern die
bisher vom Gesundheitsrath erlassen und
promucirt und vom Gouyperneur des Di—
strilts Columbia genehmiht worden sind,
an.endirt werden, wie ih :
Aerzte, welche Blätterntrante be—
handeln.
Es soll die Pflicht eincs jeden
Columbia wohnenden Arztes sein, der irgend
eine innerhalb des besagten Distritts woh—
nende und mit den Blattern behastere Person
behandelt, besagteu Blatternfall innerhalb 12
Stunden nach seinem ersten Besuche und
Entdeckung der Krankheit der besagten Person
an den Gesundheitsrath zu rapportiren zu
leich mit der Angahe, ob das Zimmer oder
i gin welcher sich die besagte Per—
son befinden mag, gehoörig ausgeränchert
und disiuficirt worden ist, wie es die erwähn—
ten Regelu und Regulationen vorschreiben.
Christ. C. Cox M. D..
Präsident des esundheitsraths.
Attestirt durch D. W. Bliß, M. D., Set.
Genehmigt, H-D. Cootle, Gounverneur.
Stelle-Gesunch.
Eine junge Dame, welche schon eine drei
jährige Erfahrung im Schulsache hat,
wünscht eine Stelle als Erzieherin in einer
Familie, oder als Gehilsin in einer Schule zu
betommen. Dieselbe tönnte in allen Zwei
gen der deutschen und englischen Sprache unt
ercichten; auch wür de sie Privat - Unterricht
in den beiden Sprachen ertheilen.
Nachzufragen in der Exped. ds. Blattes.
HNeue Awzeigen.
——— —— a— —

-—- f ;
—— A—
A
Ausbildung fürs wirkliche
Leben.

Das
Puahinglon Pudiness hollegt.
Ede der 7. und L Straße,
bereitet Schüler für das Geschäftsleben vor,
mit Einschluß aller Branchen des Civil
dienstes.
Die Tages Sesfionen
bieten die beste Gelegenheit dar für junge
Herren und Damen im Alter zwischen zwölf
und zwanzig Jahren.
Die Abend-Sessivnen
sind speziell für Männer, Frauen und Züng—
linge bestimmt, die während des Tages be—
schäfstigt sind und sich Kenntnisse zu erwerben
suchen.
Der Geschäfts-Cursus.
Zöglinge werden zu jeder Zeit angenom—
men.
Wegen näherer Information frage
man im College nach oder schicke für ein
Cireular. -
H. C. Spencer,
Präsident.
Mrs. H. C. Spencer,
Borsteherin des Damen-Departments.
28delj
Für die Feiertage!
7 ; - ; -
Conditorei
von
JOHN VOGT,
429 7. Straßt,
Der Unterzeichnete erlaubt sich, das Pub
uun darauf aufmerksam zu machen, daß er
tets
die besten nund reinsten Candies
zur Ausschmückung des Christbaumes vor—
räthig hat. Bestellungen auf Backwerle wer--
den in kürzester Zeit ausgeführt.
John Vogt.
-dez—ljan
REHS
New- Yorker
2 5 und 5 0
Cents 2
10 RE.
197. Straße, unter Odd-Fellow's Hall,
wo man eine ausgedehnten Borralh von
Spielwaaren
jete Art,
Porzellan Tassen,
Vasen,
Körbe,-c.e
passend für Weihnachts- und Neujahrsge
schenke, wetche sr lt
Fünfundzwanzig und
fünfzig Cents
verkauft werden.
5000 verschiedene Sorten von
Spielwaaren.
Eine hübsche Partie Goldwaaren.
Wir verkausen im Großen und Klei
nen.
Man komme und prüse! Man wird es
von Bortheil siuden.
ee Lieferungen für Ansstellungen.
11dez1m
Kommet und sehet
— 1
geilbrun's ?
$3.50 Kalbolederne Stiefeln.
$4.50 Feine genähte Stiefeln.
$3.00 Starle Rindslederne Stiefelnd
1.50 Stiefeln für Knaben.
2.50 Knöpfschuhe für Damen.
Weiße Stiefeletten, alle Sorten.
Filzschnhe und Pantoffeln.
Gummi-Stieseln und Schuhe, ;all
Größen.
Nov. 102 Siebente Str.
— 1
F. Bender,
Koscher Fleisech · Markt,
Nordöstliche Ecke der 6. nnd C Stcaße,
zeigt dem Publikum ergebenst an, daß er
obengenannten bekannten Stand täuflich
übernommen und seinen Kunden stets mit
den besten Sorten Fleisch zu den billi sten
Preisen aufwarten wird ünd erwartet diehaie
einen recht bedeutenden Zuspruch.
Alle Arten von Gemüse, Salat -e. werden
stets bei mu nuden sein.
Hotels, Boardinghäuser und Privatleute
werden es zu ihrem Vortheil finden, bei wir
vorzusprechen. 20novImt
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THE LILLIAN SISTERS,
Bezaubernde Künstlerinnen, Süängerinnen
und Tänzerianen.
Frl. Carrie C-aven,
Die bezaubernde Tänzerin und Sängerins
James E. Carter,
Der ethsopische Schauspieler, nebst der
regulären Compägnie mit einem
immenseu Programm.
Extra Notiz.
e Große Feiertags Familien-Matinee
am Neujahrstage beginnend, um 2 Uhr.
Sämmtliche nene Sterne und die alte Geseil
schaft werden erscheinen.
Washington Theater.
Comique,
11. Straße, südlih von Peun. Ave.
Glückliches neues Jahr!
Unerhörte Attraktion.
Die populãren Diatettiter- Pantomimisten
und Tänzer,
Gus Peters. Gus Peters.
Frl. Annetta. Frl. Annetta.
Die berühmten Gymnasten und Aecrobaten
MONS. RAVINS
ZOR ZOENETTA.
Das TambourMüädchen vom Potomac,
MLLE LOUISHE.
Die populären — Tanz-Künstler,
Reynolds und Romer.
Miss Sallie Mason.
Miss Sallie Mason.
THE WARREN SISTERS.
Master Barney.
Master Barney.
Jas. W. Wesley.
Addie Johnson.
Taney Harvey, R. I. Buckley
Neujahrstag,
Familien-Matinee um 2 Uhr.
ve. Matinee jeden Mittwoch n. Samstag.
Notiz für Policen-Inhaber.
Office der Mutual Feuer-Versicherungs Co.
Washington, 19. Dez. 1872.
Policen -Inhaber werden hiermiüt ersucht,
ihre Bersicherung für 1873 in der Office der
Compagnie, an oder vor Montag, den
30. Dezeinber 1872, erneuern zu lassen.
: teler,
3 Werley Boie Selretũr.
2dett — ——
t Gottheil & Bro., 5
8 Deutsche Buchhandlung, 8
No. 601 Louisiana Ave., ʒ
Ecte Sechste Sir. ; ;
weihnachts- Ausstelung
billiger und elegauter ;
-;; 2 :
Bilderbücker
Washington Martket
Compagnie.
— “
Die jährliche Bersamml der Altionäre
der Market Coupognie wird in
der Osfice der Compagnie au Penus· Apenue
in der Stadt Washington, am ersten Me
tag, den d. Januar 1878, um 10. uhr 114—
mittags abgehalten werden, um 138
ren für das solgende dahr zu wählejh —
audere it Larferatien angehende E „2 1
zu verhandeln. 117—
VBenj. D. Whitney 7 /
Washington, D. C., . Dez. is72. ;

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