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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, January 16, 1874, Image 1

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>>—". !. 1,..! II!
Uederstcht Ereig.
ist
-'ü? vonWafhington aus wie','
Überrascht wordcu. War die -
der Nomination des Sber Bund st""Ü
W-lliams für
Grant's entschlossener Erkl-' "-üf
-"cht -.-'Nachgeben ei'-
für das Land, ja
Caleb die Ernennung des
.'-elten die a"' "k> 'ür e.ne ebenso große
Samens durch Zurückziehung dieses
einßedeulendeS überlrossen
ran-" ' " welcher bisher in seiner
..gebenden Majorität als ein nnlerthäni
? -Z-.cncr der Executive angesehen wurde,
-<at in diese beiden Fällen eine lobenSwcrthe
S>elbilständigkeit gezeigt, in welcher verschie
dene politische Eonjekinrenmacher bereits die
eines küiiftigen Bruches sehen woll
ten. Grant's Howrgane beeilen sich zedoch.
zu erklären, daß der Präsident nicht das Ge
ringste in dieser Weigerung des Senates sei
nen Wünschen zu entsprechen, sieht und daß
daß sreuiidichafiliche. auf Gegenseitigkeit ba-
durchaus keine Störung erlit-
U-tgen seiner persönlichen
uiid w/csen seiner politischen Antece
deuzien nicht tzenüligt. Williams aus den,
pochjlen Nich,eer',iuhle des Landes, wäre eine
Schmach, als Nachfolger eines
wäre eine Gefahr für die
republikanische Partei gewesen und deshalb
m-lp.'e er vernichtet, resp, beseitigt werden,
sp'as dem Senator Sargent durch das Her
vorziehen eines compromittircnden Briefes
Eushing's an den Präsidenten der südlichen
vomöderation gründlich gelang. Wie schon
gestern gesagt, man hätte dem alten Manne
die Ehre gönnen dürfen, er hätte der Partei,
welcher er seit einigen lahren dient, viel ge
nützt und Nichts geschadet, denn Cushing ist
nicht aus dem Teige, aus welchem dasJubel
)ahr lB76Präsidentcn backen wird. Wen der
Präildent jetzt ernennen wird, ist schwer zu
sagen; man hat Evarts, Curtis und Wade
genannt, da jedoch Grant es liebt, Mücken
unter das Mikroskop der höchsten National
iimtcr zu setzen und die winzigen Thierchen
dem Volke als Elephanten zu zeigen, so kön
nen wir darauf gesaßt sein, daß wir auf's
Neue überrascht werden.
Tie Oberrichterfrage war cS jedoch nicht
allein, welche das Volk während der letzten
Tage in Athen, gehalten hat, das Ueber
raschungsfiebcr scheint in derßundeshanpistadt
epidemllch geworden zu sein. Der Senat,
vor welchem noch vor einigen Tagen ein Fla
nagan erklärte, daß ihm §IO,(XX> Gehalt pro
Jahr kaum genügten, und dessen Rede so viel
Beifall fand, hat das ganze Gehaltsgcsetz
mit Ausnahme des aus den Präsidenten Be
zug habenden Abschnittes widerrufen und
da Haus hat prompt mitgestimmt.
die Tugend, sie ist doch kein leerer Wahn "
Jetzt wird ja wohl in der Presse über den
"Lularr lirab ' Ruhe herrschen. Wen UN
sere Leser sich erinnern wollen, haben wir nie
in das wüste Geschrei eingestimmt; >jr gaben
es mißbilligt, daß sich die Herren. xwe Nach
Zahlung volirten, aber über d,e Erhöhura
haben wir kein Wort verloren. Tie Nation
ist reich genug, um anstän
dig zu bezahlen, und Kö,">r jg !>„it zu Tage
ur Leute ohneßcrmogen ourchans kein Glück.
ebcrd.es ist d,e neue Gehalt-Bill, welche
Alle au, das frühere Maß zurückführt, sehr
weit davon entfern.,, gerecht zu sein. Infolge
"st"" d" Repräsentant aus
f, ""' über sein Gehalt, während
ihm die Rei,-.. Anger der persönlichen Mühe,
lasm mehr., ajH beul Vertreter von
gnne, kostet. Auf Eisenbahnen undTamvs
muss? spielen die Herr'. Kongreßmitglieder
ja doch mit weniges', Ausnahmen die „Nas
fa'ier."
-n ? die Sache liegen mag, die
2nahme de'e Senatsbill in beiden Häusern
war eine großeUeberraschung; ein glänzender
d-.r öffentlichen Meinung, welcher Män
ner Carpenter. Butler, Chandler:c. un
g' rast in's Gesicht schlagen zu dürfen qlaub
.en.
Sogar die radikale Partei selbst hat uns in
der letzten Woche überrascht durch ihre plötz-
UcheSiitncsändcrnng in dem Falle vonTexas.
-die Carpctbaqqer jenes Staates waren ini
besten Zuqc, das Spiel von Louisiana zu er
neuen, es fehlten ihnen dazu nur die „Kriegs
blinde," und das Gesuch war bereits an den
Präsidenten gerichtet, dieselben loszulassen,
als dic;er plötzlich sich weigerte und dcmGouv.
-r avts den Rath gab, sich dem Votiswillen
zu fügen. Die demokratische Gesetzgebung
des Staates hat jetzt ihre Sitzung eröffnet
und matt ist gespannt aus den Verlauf der
Dinge.
-Soviel von den llcberrajchnngen der letzten
Woche.
Seit den Tagen de Bürgerkrieges, in de
nen das Papiergeld desLandes beständig sank,
bis es unter 50 Cent Gold gefallen, das
Gold-Agio aber aus 103 gestiegen war, ist die
Finanzfrage eine peinliche gewesen; dieselbe
ist jetzt nach dem großen Krach eine brennende
geworden und allenthalben wird an der Lö
sung derselben gearbeitet. Der Senat und
das Haus berathen über Finanzvortagen, der
Handclsstand und das Fabrik - Interesse hel
fen treulich nach, bis jetzt ist aber noch nir
gends ein Fortschritt geschehen. Zwei Par
teien streiten sich um die Ehre, das Land zu
retten; die Einen wollen es durch Aufblähung
des Courants thun, die Anderen durch Con
traklion resp. Rückkehrung zur Hartgeldwäh
rung. Tie Erstere sollte, da wir eine zehn
lährlge Erfahrung de Papierscgens durchge
macht haben, gar nicht mehr in Betracht kom
men, hat aber leider in den maßgebenden
Kreisen zu viel Freunde. Von grofiem In
teresse ist die vorgestern im Senat gehaltene
Rede des Hrn. Schurz und von Bedeutung
sind die Verhandlungen des zur Zeit in Bal
timore tagenden Handels-Dircktorinms. Hof
fentlich können wir schon in der nächsten Ue
bersicht berichten, daß der Congrcß zu einem
definitiven Entschlüsse in der zur Zeit hoch
wichtigen Angelegenheit gekommen ist. BiNrgcr
BiNrgcr Transport.
Tie "lttieap transport-cliv,-"-Agitation ei
ner Anzahl untergeordneter Congreßmitglie
der, welche in letzterer Zeil viel von sich reden
machte, scheint uns der Schlepper eines riesi
gen Schwindelprojektes zu sein, das man un
ter diesem von der Farmers - Bewegung er
zeugten günstigen Winde durch de, Congrcß
tootsen will. Fast täglich halten die betref
fenden Congreß-Mitglieder Bersaimlungen,
in denen die glattesten Beschlüsse angenom
men werden, gleichzeitig werden beständig Pe
titionen von westlichen Farmern eingereicht,
um im Congrcsse Propaganda zn machen
und vorgestern brachte endlich Hurlbul seine
große Eisenbahn-Bill ein. Wir haben das
Projekt bereits ausführlich besprochen. Die
Macher desselben, deren Viele sind, spielen in
einer Zwickmühle; setzen sie dasselbe durch, so
gewinnen sie Geld, im anderen Falle gewin
nen sie wieder, denn die in erster Linie be
drohten Bahnen „N.-P. Central-," „Eric-"
und „Penns. Eentratbähn" werden es sich in
der Lobby ein schönes Stück Geld kosten las
sen, um die große Frachtbahn unter Auspi
zien der Regierung zwischen New-?)ork, Chi
cago und St. Louis zu hintertreiben. Hof
fentlich läßt man die nicht so weit kom
men und schneidet den Herren die Gelegenheit,
ihr Gehalt auf diese Weise auszubessern, rund
weg ab.
Die Gesetzgebungen der Einzelstaaten sind
jetzt fast sämmtlich in Thätigkeit. In Ohio
und Virgimen haben Senaiorwahlen stattge
funden; der erstere Staat hat Hrn. Thurman
wieder erwählt; Virgimen schickt Hrn. Wi
rkers in den Vundesienal. In Maryland be
reitete sich die Senatorenwahl gestern vor.
Die Gesetzgebung unseres Staates ist seit ei
nigen Tagen eifrig an der Arbeit. Wie es
scheint, beabsichtigt das Temperenz-Element
unseres Staates in dieser Sitzung einen „gu
ten Kamps" zu kämpfen: verschiedene „Loeal
Option" - Maßregeln sind bereits in beiden
Häusern beantragt worden.
Das Ausland
Aus Euba scheinen sich die spanischen Heiß
sporne vollständig beruhigt zu haben; Tenor
Zulueta hat jetzt seine liebe Last mit den
schulden der Insel und der Finanzmiserc,
die dort, wie fast allenthalben in der Welt,
den reichen und armen Leuten Kummen'urchen
in' Gesicht gräbt.
Aus San Domingo ist es gelungen, den
Schiitzling Granl'S, Präs. Baez, zu verja
gen, noch ehe der amerikanische Congrcß daran
denken konnte, das in dcr Präsidciuenbotschaft
erwähnte Protektorat in Betracht zu ziehen.
Europa
hat uns auch in der verflossenen Woche nichts
überraschend Wichtiges zukommen lassen.
In Deutschland haben die Rcichtagswahlen
stattgefunden, in welchen, wie man erwartete,
die National-Liberalen ihre verschicdenenCan
dioaieu durchsetzten, in Kreisen, die bisher
klerikale wählten. Letztere haben sich in West
phalen und den Rheinlanden ziemlich in alter
Stärke behauptet.
Die sranzusische Ministerkrisi hat sich wie
der verzogen, nachdem die Nationalversamm
lung dem Ministerium ein Vertrauensvotum
ertheilt hat. Die Nationalversammlung ar
beitet jetzt stark an der Errichtung einer zwei
ten Kammer.
Tie spanischen Angelegenheiten, welche be
kanntlich wieder in ein neues Stadium ge
treten sind, haben wir un Lause ocr Woche in
desouoereu Ärnteln besprochen.
In L ancast er. C öunt y, Penn!., er
hängt sich der Deutsche Jakob Fenftcrinachcr.
! ?räfidcnl Grant hat entschieden Unglück
! Mit seinen Ernennungen für das Amt des
OberbundcSrichtcrS. Als er vor einigen Ta
gen an Stelle de Hrn. William den tüchti
gen Juristen CalcbCushing ernannte, glaubte
Ledermann,derselbe werde lokort bestätigt wer-
den, zumal der Senat kurz vorher keinen An
stand genommen, dessen Ernennung zum Ge
miidten in Madrid zu bestätigen. Tie No
minativ! stieß jedoch auf bedeutende Oppo
sition, welche so stark wurde, daß gestern
der Name zurückgezogen werden mußte,
j Ware es allein die Thatsache gewesen, daß
lEuihing früher Demokrat war sö hätte
Idas wohl weiter Nichts geschadet, Grant
Butler, Morton T isc und hundert kleinere ra
! dikalcn Lichter waren ja ebenfalls Temokra
j ten und Viele können nicht von sich sagen, daß
Nc, wie Cushing, in so uneigennütziger Weiw
die Farbe gewechselt; aber man benirchiete,
den Demokraten einen PräsidentschastS-Candi
daten groß zu ziehen, und deshalb mußte
Cuching beseitigt werden. Die ängstlichen
Gemüther hätten dem alten Manne ruhig
den Hermelin gönnen dürfen, Cushing ist
nicht aus dem Stoffe, aus welchem die O ppo
sition in demLubcljahrelvkePräsidentichastS-
Candidaten macht. Wir sind neugierig,
mit welcher Mumie Grant jcbt das Land
überraschen wird.
Der „yochverräthertsche" Brief
Sushiug's, der ihn um das
Qverrtchter.Amt brachte, im
Wortlaute.
„Washington, 2V. März ISNI. Werther
Herr! Herr Archibald Roaue. seit 6 oder 7
Kahren Clerk in der Office des Gencral-Aii
waltS, erbittet sich von mir ein Einführungs
schreiben an Sie; er wünscht dtnselben nicht
in der Erwartung vön det Administration be
günstigt zu werden, sondern nur, um dic Ehre
zu haben, mit Ihnen in persönlichen Verkehr
u lttte, und ich versichere Sie, er ist dessen
entschieden werth. Südländer von Geburt
""d Anhänglichkeit hat er in fähigster
fchksse IN "De Uvevs liaviovc " und anderen
südlichen Werken die beklagenSwerthen Ereig
nisse besprochen, welche die Union allmälig
untermlnirt und schließlich über den Haufen
geworfen haben.
,„/?blchon ein Praktischer Manu, ist er auch
fähig und durchaus gebildet und hat literari-
Geschmack und Gewohnheiten. Bei der
Erfüllung seiner Pflichten hat er in seltenem
Maize reinste Ehrenhaftigkeit und große In
telligenz mit bescheidener Zufriedenheit mit
A"sUi Loose verbunden, indem er mehrere
Male Aemter mit hervorragenderer Beschäfti
gung im öffentlichen Dienste ablehnte, und
zwar aus einem Gefühle der Hingebung an
das Land, welches er nur allein als sein Va
terland betrachten kann, nämlich die confö
dcrirken Staaten, von deren Einem (Texas)
'eine Ernennung ausging. Ich empfehle ihn
von Herzen als „Gentleman" und Mann Ih
rem Vertrauen und Ihrer Achtung und ver
bleibe u. s. s. E. Eushing.
Ter Brief war an leffer'on Davis, Präs.
der südl. Confödcration, gerichtet.
Ter dentsche Senator über die
Finanz-Frage.
Herr <rchnrz hielt vorgestern Abend im Ver.
Staaten-Senate eine längere Rede über die
Finanzfrage des Landes mit besonderer Be
zugnahme auf den Versuch, den Courant-Um
!auf zn erhöhen. Er glaubt, der Zweck der
Resolution sei, die Ansichten des Senats über
den Gegenstand im Allgemeinen hcrvorzulok
ken, nicht aber, nm eine besondere -Methode
der Wiederaufnahme der Hartgeldzahlungen
zu diskutiren. Es scheint sich jetzt entweder
uni Wiederausnahme oder um Cöurant-Anf
blähung zu handeln. Er halte die Toktrine
der HinanSschicbung der Einlösung der Legal-
Tcudcrnolcn für eine sehr gefährliche. Ge
schäftslcute können ihre Angelegenheiten nicht
in dieser Manier führen, da die Gerichte sie
zur Zahlung zwingen würden. Wünschen die
Senatoren die Regierung in diese Stellung
zn versetzen? Er sei erstaunt über die vor
einigen Tagen gemachte Behauptung des Se
nators Boutwell, daß der Credit der Nation
nicht gelitten hat. Er, der Redner, glaube,
der öffentliche Credit der Regierung würde
sehr benachtheiligt werden, wenn die Regie
ruiig die von jenen Herren aufgestellte Dok
trin? annehmen wollte, daß die Regierung
ihre Zahluiigsversprechungen nur dann ein
zulösen braucht, wenn es ihr beliebt. Seit
einigen Monaten sind 25 Millionen unseren
ui'honorirten Zahlungsversprcchnnqen hiiizu-
worden, indem man diesen Bettag von
der Legal-Tcnder-Rcserve einnahm und emit
tirtc. Erst vor wenigen Jahren erachteten eö
die großen Lenker der öffentlichen Meinung
für unconstittttionell, irgendwelche andereLe
gal-Tenders zu machen, als die von edlen
Metallen gefertigten. Diejenigen Senatoren,
die der Speciezahlung opponiren, weisen den-
Namen von Jnflationisten zurück, und den
och sind sie zu Gunsten der Emission der
§44,000,000 Reserve oder der Vermehrung
des Legal-Tender-Betragcs, was gleichbedeu
tend mit Inflation. Es ist wahr, daß wir
von einer Panique umgeben sind, aber er sei
nicht der Anficht de? Senators Morton, daß
die Panique ein Zufall war. Sie wurde ver
ursacht, weil Kapital von seinen legitimen
Verkehrswegen abgelenkt wurde, und weil
die Menschen sich durch ihre Gewinngier ha
ben hinreißen lassen. Ein furchtbares Sy
stem der Spekulation, die vorzeitige Herstel-
von Eisenbahnen, ein wildes System
im Stock-Börsenspiel, das Männer einführ
ten, die schnell reich werden wollten, ohne
ehrlich dafür zu arbeiten, ein bis zur Aus
schweifung getriebener Luxus im Privatleben,
visionäre Projette zur Entfaltung der Hülfs
qucllen des Landes, die, ohne daß Jemand
darnach verlangte, in das Leben gerufen wur
den, alles Dieses vereinigte sich, um die Pa
nique hervorzubringen. Wir haben heule we
der Krieg mit dem Auslande, noch eine ein
heimische Rebellion vor den Thoren, noch hat
uns irgend ein Unglück betroffen, das die Ver
mehrung unseres Courants verursachen könnte.
Dieser Vorschlag, den die Regierung mit jener
Gewalt zu bekleiden sucht, bedeutet, daß sie
die Gewalt zur Emission irgend eines nicht
einlösbarcn Betrages von Zwangs-Cours
habenden Papiergeldes nach ihrem Gutdün
ken ausüben soll, oder mit anderen Worten:
der Borschlag überliefert alles Privat-Vermö
gen der Gnade der Föderal-Reaicrung. Glau
ben die Senatoren, das amerikanischc Volk
werde jemals irgend eine Branche seiner Re
gierung mit dieser großen Gewalt bekleiden?
Keine als nur despotische Regierungen bean
spruchten jemals solche Gewalt. Rednersuchte
darzuthun, daß die Hülfe, die man durch die
Aufblähung des Courants sucht, lediglich eine
Illusion sein würde.
Setze man den Fall, Jedermann wache ei
nes schönen Morgens auf und finde in seiner
Tasche zehn Dollars anstatt des Einen, der
Tags zuvor darin war. Welch' einlubiläum
würde unter dcnEinfaltsvinselri sein? Glaubt
irgend ein vernünftiger Mensch, daß dadurch
der Reichthum des Landes vermehrt werden
würde? Nicht im Geringsten, oder daß der
Reichthum der Bürger irgendwie größer gc
worden sei? Nicht um einen Deut! Denn
wenn der Mann am nächsten Morgen nach
dem Markte geht, dann würde er zehn Dol
lars für Das zahlen müssen, was er Tags zu
vor für einen Dollar hätte kaufen können.
Sicherlich würde das Volk einsehen, wenn es
dies nicht jetzt schon einsieht, daß ein fluctu
irender nicht einjösbarer Papier-Courant der
ausschweifendste ist, der nur erfunden werden
kann. Jede Erwägung des guten Glaubens
und der gesunden Politik drängen uns dazu,
dem ungerechten System ein Ende zu machen.
In Bezug auf die Rückkehr zurSpezieznhlung
sagte Redner, er wünsche seinen Protest gegen
zwei Pläne einzulegen, der Erste, dcnSenätor
Fern, von Michigan vorgeschlagen hat, will
den Courant aufblähen, um die Prosperität
des Landes wieder zu beleben, und der Zweite
von Hrn. Boutwell vorgeschlagene, will alle
Dinge so lassen, wie sie jetzt sind. Der Rück
kehr zur Speziezahlung müssen strenge Ein
schränkungen in unseren öffentlichen und Pri
vat-Ausgaben, Klugheit iunseren Geschäfts-
Umernehmungen. die Anerkennung der Wahr
heit vorangehen, daß ehrliche und productive
Arbeit die wahre Quelle des Reichthums ist.
Er glaube, daß wenn der Plan desHrn.Ferry
von Michigan durchgehen sollte, man „Adieu
den Einschränkungen," „Adieu der Sparsam
keil" sagen dürfe. Lasse man dieAufblähunq
vorherrschen. Was de Plan des Hrn. Bout
well betrifft, so sei derselbe eine Nichtsthuerei.
Politik, und die Nation hat bereit die Uebel
derselben gekostet. Jener Herr hat sich getreu
lich an jene Politik gehalten, so lange er Fi
nanz-Sekretär war, und sein Nachfolger gehe
in derselben Richtung. Er. der Redner,
glaube, die Nation sollte diese Lehren verste
hen und von der Lektion Profitiren. Ter Plan
des Hrn. Boutwell sei sehr gefährlich, denn er
trägt das Ansehen der Plausibiluär und stellt
sich einer großen Klasse von Leuten als leicht
ausführbar dar, die sich nicht in daSSludium
der Finanzfragen tiefer einzulassen vermögen.
Es gezieme sich für den Congrcß nicht, still zu
stehen und die Krankheit selbst ihre Cur be
wirken zu lassen. Wir würden der Welt ein
erbärmliches Schauspiel liefern, wenn wir
unsere köpfe in den Sand stecken wollten und
dabei sagten: wir fürchten uns zu rühren,
denn wir könnten etwas zerbrechen, während
doch der Zusammenbruch bereits thatsächlich
stattgefunden hat. ES sei seine ausrichtige
Ansicht, daß die gegenwärtige Zeit die paf
sendste seit dem Schluß des Krieges sei, um
die Speziezahlungen wieder afifzunehmkn.
Läßt man dicie Zeit unbenutzt vorübergehen,
dann werden wir auf eine andere Finanzkrisis
warten und größercUcbct überwinden müssen
Viele der Schwierigkeiten, die sich derWicder
aufnahme der Speziczahlunaeii in den Weg
stellen, sind bereits durch die Krisis überwun
den worden. Lasse man cS wissen, dag wir zu
den Speziezahlungen zurückkehren, und jeder
vernünftige Manit wird sich vorsehen, nicht
mehr als absolut nöthig in Schulden zu ge
rathen. Wenn er weiß, mit was er zu zäh
len hat, dann wird solche Schuld täglich im
Werthe sich verbessern. Hr. Schurz behaup
tete, daß der Westen und der Süden durch die
Inflation niemals Vortheile erhalten haben,
aber jcneLandcSthcile würden sehr wohlthätig
durch die Wiederaufnahme der Speziezahlnng
berührt werden. Eine andere Schwierigkeit,
die sich der' Wiederaufnahme der Speziezah
lültjsenentgegeiislelle.ciitstchcausdeniSchwin-
den der Preise, von welchem solche Wiederauf
nahme begleitet sein würde. Jene Schwie
rigkeit ist jetzt geringer, als ze, die Krisis hat
die Preise herabgcdrückt und seit Monaten ba
den die Kaufleute sorgfältig eingekauft, und
die Verluste lit Folge des Schwindens der
Preise wi'ckdcn jetzt leichter sein, als man je
mals erwarten könnte. Ter Politik der Wie
deraufnahme der Speziczahlunqcn opponircn
drei Klassen. Erstens die ehrlichen Männer,
die sich irrige Ansichten gebildet haben. Zwei
tenL Männer, die jeden Zug zur Vermehrung
des Eonrants als etwas rechtVolkSthümliches
halten daran bethciligcu, und Trit
tens eine Sorte gänzlich rücksichtsloserSpicler
und Spekulanten, die nach der Inflation ohne
Ende verlangen, damit sie alte Verbindlich
keiten abfinden und abermals mit vollen Se
geln fahren können. Tic erste Klasse kann
man durch triftige Argumente überzeugen;
die zweite durch eine neue Brise der öffentli
chen Meinung und die dritte ist heute zum
Muck in solch' verkrüppeltem Zustande, daß
sie weniger Trubel als jemals geben würde.
Zum Schlüsse behauptete der Redner, daß
die Regierung dürch das Gesetz verbunden ist,
ihre Promissorischen Roten sobald als möglich
einzulösen, daß die Krisis nicht durch eine un
zulänglichcCourantmcnge hervorgebracht wur
de, daß man eine plötzliche Schcuchung zwar
mit einer Conrant - Vermehrung beschwichti
gen könne, aber eine Panigue, die durch zu
zu weit getriebene Spekulationen erzeugt wor
den ist, könne durch die Aufblähung des Cou
rantL nicht knrirt werden, sie würde nur das
Eapital von den legitimen GeschäftS-Canälcn
ablenken, und das eommerzielle, sowie das
soziale Leben demoralisircn. Jede weitere
Aufblähung würde nur die Schwierigkeiten
der Wiedereinführung der Spczie-Zahiungen
vermehren, kein Zusatz zum Eourant würde
befriedigen, sondern nur das Verlangen nach
noch mehr Geld erregen, und die Nation noch
weiter auf dem Wege des Bankerotls fort
schicken. Tic Wiederaufnahme würde den
Grund zu unserer neuen Prosperität legen,
und eine tüchtige Basis kann nicht gelegt wer
den, so lange man das Papiergeld nicht ans
dem Wege räumt. Tie Nation hat durch die
Uebel der Krisis gelitten, möge sie jetzt auch
die Wohlthaten derselben crndten. Er bcab
nchtigc, für die Resolution der Minorität zu
stimmen, die der Senator von Delaware ein
gebracht hat, und wenn dieselbe durchfällt,
würde er für diejenige stimmen, die der Vor
sitzer ciilberichtetc. Er hoffe, daß bald eine
Bill eingebracht werden wird, welche die Wie
deraufnahme der Spcziczahlungen verordnet.
AlleSenatorcn sagen, sie seien zur Wiederauf
nahme der Spezie-Zahlungcn bereit, möchten
doch crwas weniger Bcthenernngcn gemacht
und möchte mehr gehandelt werden.
Das Rational-Kandels-Dirck
torinm.
Ueber Mangel an Vorlagen braucht sich das
National-Handels-Tircktorium, welches ge
genwärtig in der „Niallo-Halle" in unserer
Stadt tagt, nicht zu beklagen, und wenn nur
die Hülste derselben in der fünftägigen Sit
zung erledigt wird, so dürfen die Delegaten
mit Befriedigung aus ihr Werk zurückblicken.
Bekanntlich wurden die Verhandlungen die
ses Körpers in Chicago am 25. Oktober durch
die unheilvollen Wirkungen der letzten Fi
nanzkrists unterbrochen, und die gegenwärtige
Versammlung ist deshalb nur die Fortsetzung
der regelmäßigen Convention. Heute läßt
sich die große Krisis, deren verheerender Orkan
damals über die Chicagoer Versammlung hin
wegfegte, objektiv überblicken, und es muß
sich zeigen, ob die infolge der Finanznoth vor
gelegten Beschlüsse heute noch praktisch und
anwendbar sind.
Die Reform des Courants und Verbesserung der
Valuta
war allerdings eine Nothwendigkeit, welche
sich fühlbar machte, che noch an den großen
Krach gedacht wurde. Das Chicagocr Spe
zial-Comite über diese Angelegenheit berichtete
jeiner Zeit folgende Vorlage ein:
Beschlossen, daß das National-Han
dels - Direktorium dem Congrcsse empschtc,
durch Gesetz eine Wiederherstellung der Hart
geldbasis im Betreff des CirtulalionSmittclS
der Ver. Staaten vorzusehen; sowie die Aus
gabe und den Gebrauch solcher Cirkulation
auf der folgenden Basis zu reguliren:
l) Einlösung der BundeS-Tresorschcine (ge
wöhnlich „GrcenbackS" genannt) durch Gold
münzen an und nach dem 1. Monat im Juli
1877.
2) die auf diese Weise eingelösten Noten
dürfen wieder ausgegeben werden, im Falle
die Regierung Zahlungen zu machen hat, für
die nicht speziell durch Gesetze Hartgeld vor
geschrieben ist; die aus obige Weise eingelösten
Scheine können gegen Gold und Silber aus
gewechselt werden, wenn irgend Jemand Pa
piergeld auf diese Weise zn erlangen wünscht.
3) die besagten Trcsorscheine sollen auch fer
ner, wie bisher, in allen Fällen gesetzliches
Zahlungsmittel sein.
4) Zu dem Zwecke der Eonrant-Regulirung,
und um eine Expansion oder Conlraklion des
Papiergeldes für irgend einen erforderlichen
Zufall möglich zu machen, foll der Schatz
amtssekretär ermächtigt sefti.registrirteTchnld-
Cerlifikate zur Höhe von nicht weniger als
§5OO auszugeben, welche jährlich 3.651100
Pro,. Zinsen tragen. Diese Certifikate sollen
den Betrag von 50 Millionen nicht überstei
gen und nach dem Wunsche des Inhabers
zu jeder Zeil gegen Tresorschcine im Schatz
amlc umgewechselt werden. Bei dieser Ein
lösung soll das Schatzamt die bis zum Tage
aufgelaufen Interessen bezahlen und dann das
Ccrtifikat canzellwen und zerstören, doch kön
nen von Zeit zu Zeit an Stelle der zerstörten
Schuldscheine neue ausgegeben werden, wenn
Nachfrage nach denselben Vorhandensein sollte.
Die auf diese Weise ausgegebenen Eenisikatc
sollen jedoch nicht von den National-Banken
als Reserven oder Sicherheiten für ihre De
positen und -Noten-Cirkulation gebraucht wer
den können.
Obige Vorlage wurde bereits in Chicago
mit zahlreichen Verbesserungen versehen, von
denen wir die folgenden hier erwähnen wol
len: Als Artikel
5) wird vorgeschlagen, daß an und nach dem
ersten Monate im Juli 1377 Gold und Sil
ber die alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel
sein sollen.
Ferner wurden als Zusatz zn obiger Vor
lage folgende Beschlüsse unterbreitet:
Indem unser gegenwärtiges National-
Banksystem sich als ein sicheres erwiesen hat
und den Inhaber der cirknlircnden Noten ge
> gen Verluste schützt, ist es beiondcrs wün
schenswerlh, daß dessen Wohlthaten ausge
dehnt werden, dadurch, daß man das System
frei und dessen Privilegien nach den Erfor
dcrnissen der Geschäfte ausdehnbar macht;
deshalb sei
beschlossen, daß es ach unserem Ermessen
nicht nur im Einklänge mit einer weisen Po
litik, sondern auch dem öffentlichen Wohle zu
träglich ist, alle Beschränkungen des National-
Bantsystems zu beseitigen und das Recht
allen Bank-Compagnien zu ertheilen, die im
Stande sind, die nöthigen Sicherheiten zu
geben;
beschlossen, daß wir glauben, daß die schwere
Steuer, welche die Nationalbankeu zur Zeil
zu zahlen haben, zum Besten der gesammten
Geschäftswelt erniedrigt werden könnte;
beschlossen, daß, wenn nach dein abzuän
dernden Bankgeseve die Nationalbanken an
gehalten werden, die Goldzinscn, welche ihre
als Sicherheiten hinterlegten Bonds tragen,
zurückzulegen, dadurch eine Basis für Wieder
aufnahme derHarlgeldzahluiig geschaffen wer
den würde;
beschloffen, daß dein Congrcsse empfohlen
werde, ein Gcfev zu erlassen, welches den
Schayamtsjekretär anhält, vom Juli 1874 an
monatlich den Courant um zwei Millionen
Tollars durch Eontraktion zn vermindern:
befchloffen, daß der Eongreß de National-
Banken verbiete, auf Depositen weder Zinsen
zu zahlen, noch anzunehmen.
ZmGanzen ist, wie aus denTebatten und den
sernerenAnträgcn,Verbesserungen liiidZli'ätzen
erhellt, die Stimmung der Handclswelt gc
gen Aufblähung des Eourauts. Tic Ange
legenheit wurde iodann einem Spezial-Eomite
überwiesen, dessen Bericht gestern vorgelegt
und auf Antrag bes Hrn. Nonrse ausführlich
debattirt wurde. Das Comite ist gegen eine
weitere Ausgabe von uneinlösbarem Papier
geld, für Beschränkung der Ausgaben und
Einziehung der verausgabten Reserve und für
Amendirung des Nationatbank-Gesctzcs.
Inder gestrigen Verhandlung wurde spe
ziell die Vorlage der Handelskammer von
New-Aork über Wasser-Straßen für Ozean
dampfer besprochen und die Eipieblng de?
New Yorker Körpers angenonimcn.
Vümmore, M., Freitag, den 1V Januar
Die „Auslegung der Revcnüe-Gefetze" ist
eine andere wichtige, in Chicago unerledigt
gebliebene Vorlage. Bond von Boston legte
eine Reihe von Beschlüssen der Bostoner Han
delskammer vor, die des Längeren besprochen
und dann einem Comite zur Berichterstattung
überwiesen wurden.
Auf Antrag des Hrn. Nourfe wurde be
schlossen, die nächste regelmäßige Versamm
lnng in Philadelphia abzuhalten.
Außer den bereits erwähnten Angelegenhei
ten liegen dem Direktorium noch folgende
Punkte vor: Transport-Angelegenheiten, die
Kopfsteuer der Einwanderung, der Küsten
Handel auf den Binnensee', die Rcaistrirung
von Firmen, Einförmigkeit der Gesetze über
Manufakturwcscn in den verschiedenen Staa
ten, Verbesserung der Mississippi-Dämme und
Reorganisation des Indianer-Territoriums.
>einc Kusion mit dcn Repnbli
kancrn.
Unter m 3. Januar brachte der „American"
einen Artikel über die Ver. St. - Senatoren
wühl von Maryland und theilte feinen Lcjcrn
mit, „daß Hr. James C. Clarkc vonFrederick-
Co., zur Zeit Vice - Präßdent der „N.-Lj.
Eric-Bahn," mit dem hiesigen Aollciiiiiehmer
Booth zur Erlangung von Stimmen repub
likanischer Gesetzgebuligs - Mitglieder unter
handelt habe." In einer uns vorliegenden
Mittheilung des Hrn. Elarke selbst heißt es:
„Ich habe besagten Herrn lBöoth) zuletzt zwei
Wochen vor den Pimlico - Pferderennen im
Oktober 1873 gesehen. Ich habe mit der Sc
natorswahl platterdings Nichts zu schaffen
und genug mit meinen eigenen Geschäften zu
thun, um mich nicht um die Anderer beküm
mern zu können. Meinen Namen in dcn
Kampf zu ziehen, ist, da ich von Maryland
abwesend bin, eine feige Handlung." Wir
haben von Ansang an bezweifelt, daß Gen.
Clarke einer solchen Handlung, wie ihm vom
„American" untergeschoben wurde, fähig ei
und überhaupt besagte Bemerkungen des ge
nannten Blattes mir als politisches Raison
nement angesehen, dem lederHaltpunktfehlte.
Wer auch immer der Bevorzugte des Gen. C.
für die Senatur sein mag, eines "iliii-gaiud"
zur Erlangung republikanischer Stimmen,
um demokratiche Erfolge zu erreichen, hält
ihn wohl kein ehrlicher Mann sähig.
Weiteres über das schreckliche
Brandunglück in New-'^tork.
Die gestrige „Staatsztg." derichtet über das
furchtbare Brandunglück, durch welches ein
deutscher Kaufmann mit seiner Familie ver
unglückte, folgendermaßen ausführlich:
Wie ein Lauffeuer durchflog gestern Morgen
die Kunde die Stadt, daß die Familie eines
der angeschcndsten Kaufleute von schwerem
SchicksalSschlage betroffen, daß drei Menschen
das Opfer eines schrecklichen Unglückes ge
worden. In dem Hause des Hrn. Jakob
Stiner, Nr. 24, Ost6o. Str., warFeueraus
gcbrochen und das verheerende Element griff
mit solcher Schnelligkeit um sich, daß Frau
Stiner und ihre Tochter in den Flammen
ihren Tod fanden, während Hr. Stiner, wel
cher sich durch einen Sprung aus dem Fenster
zu retten versuchte, dabei solche Verletzungen
erlitt, daß er fast augenblicklich den Geist
aufgab.
Das Haus war ein prächtiges, vierstöckiges
Braunstciiigcbäudc und wie alle Häuser in
demselben Blocke nach dem Hofe zu mit einem
großen Erker versehen, welcher die ganze Hin
icrmauer einnimmt und nur Raum für eine
schmale Thür gewährt. Kurz nach 6 Uhr
gestern Morgen erwachte der 20 Jahr alte Jo
seph Stiner und bemerkte sofort den Brandge
ruch, welcher das ganze Hans erfüllte. Er
schreckt sprang er aus dem Bette, alarmirtc die
Familie und eitle dann, den Weg durch Qualm
und Rauch sich bahnend, hinaus auf die
Straße, Hülfe rufend. Inzwischen hatte Ja
kob Stiner, ein 67 Jahre alier Herr, sich mit
seiner Familie auf das des Erkers ge
flüchtet und laute Hülfcruse der von den Flam
men hartbedrängten Leute erweckten den im
Nachbarhause wohnenden Hrn. Manuel For
rest Volmer, welcher sich sofort anschickte, der
Familie Hülfe zu leisten. Ter alle Mann war
trotz aller Zuspräche des Hrn. Bolmcr nicht
zu beruhigen und versuchte dem Verderben zu
entrinnen, indem er den Sprung hinab wagtc,
allein in der Verwirrung sprang er fehl, fiel
mit dem Kopfe ans den Zaun und schlug denn
schwer ans dem Pflaster des Nachbarhauses
nieder. Hr. Volmer sah ihn noch anfslchcn,
einige Schritte weiter schwanlcn und dann
niedersinken.
Hr. Volmer war inzwischen trotz dieses er
schütternden Ereignisses nicht unthätig ge
wesen und hatte die jüngste Tochter ocs Hrn.
Stiner, Flora, aus ihrer gefährlichen Position
gerettet, indem er sie von dem Erterdache hin
über in das Fenster seines eigenen Hauses
zog. Als er wieder am Fenster erschien, um
auch die ältere Tochter Tabitha, dem drohen
den Verderben zu entreißen, sah er, wie die
selbe eben in das brennende Haus zurückeilte,
um ihrer Muller zu folgen, und alle Bitten
des Hrn. Bolmer vermochten sie nicht zur Um
kehr zu bewegen. Tie Einen behaupten, sie
sei vom Dache des Erkers in's Zimmer zu
rückgekehrt, um ihren Papagei zu retten, An
dere sagen, Frau Stiner habe ihr Lager nicht
verlassen. Gewiß ist, daß, als die Polizei
und Feuerwehr in'S Haus eindrang, man die
verkohlte Leiche der alten Dame ani dem Bette
und die ihrer Tochter Tabitha in sitzender
Stellung neben dem Bette fand. Der Tod
hatte Mutter und Tochter vereint getroffen,
und die Letztere starb ein Opfer treuer
Kindesliebe. Der Papagei aber, dessen Ret
lllng vielleicht zwei Menschen das Leben ge
kostet, wurde später unverletzt gesunden.
Eines der Dienstmädchen, Mary McGuire,
sprang, nachdem Hr. Stiner seinen Tod ge
sunden, ebenfalls in den Hof desNachbarhau
ses huiab und brach beide Beine. Als die
Polizei das unglückliche Geschöpf aufnahm,
war sie noch bei voller Besinnung und bar die
anwesenden Polizisten, man möge ihr Wasser
reichen und den Kops baden, damit ihr so ei
nige Erleichterung gewährt werde. Die Pol
izei bot Alles auf, die Leiden der Unglücklichen
zu vermindern, und ärztliche Hütte ivar sofort
zur Stelle; es ist indeß wenig Hoffnung auf
Rettung des Mädchens, welches sich jetzi im
„Bellevue-Hospital" befindet. Die beiden
andern weiblichen Dienstboten und der Leib
diever des Hrn. Stiner kletterten auf dasTach
des Hauses und retteten sich von dort in die
Nachbarhäuser.
Ueber die Entstehung des Feuers gehen die
Meinungen auseinander, doch nimmt man
allgemein an, daß dasselbe in Folge der Be
schädigung eines Kamins, dessen Reparatur
schon seit einiger Zeit vernachlässigt worden
war, entstanden ist.
Die Ausregung in der Nachbarschaft war
unbeschreiblich, und bis zu später Stunde
nmstandenTauscnde von Menschen den Scha
uplatz des schrecklichen Unglücks, welche? eine
allgemein geachtere, weit verzweigte Familie
in tiefe Trauer versetzte. Allseitig Höne
man den Ausdruck herzlichstenßeileides, denn
allen Nachbarn war die Familie Stincr stets
liebe Bekannte gewesen. Der neuen Kindes
liebe der ältesten Tochter Tabitha, welche sich
weigerte, ihre Minier in Noth und Gefahr zu
verlassen und so sicherem Tode entgegenging,
wurde das höchste Lob gezollt und mit thrä
nenden Augen erzählten die Augenzeugen der
verhängnißvolleii Katastrophe nnsermßcricht
erstattcr von der heroischen Aufopferung des
unglücklichen Mädchens.
Ter Name des alten Hrn. Jakob Stincr ist
wohl allen unseren Lesern familiär, denn wer
kennt sie nicht die vielenThecläden. welche, in
allen Theilen der Stadt zerstreut, den Namen
der Familie tragen, deren Haupt gestern Mor
gen auf so schreckliche Weise um'S Leben kam.
Hr. Jakob Stiner war in Böhmen im Jahre
180 k geboren und wanderte Anfangs der drei
ßiger Jahre nach den Ver. Staaten aus. Im
Jahre 1840 etablirte er im Verein mit seinem
Bruder Joseph in Nr. K 4, Catherinestr., ein
kleines Theegeschäft, welches bald an Ausdeh
nung gewann, und amAnfange dieses Jahres
war der Verunglückte Besitzer von nicht we
niger als 18 Läden, deren Leitung in seinen
Händen ruhte.
Als die Nachricht von dem Unglücke in der
nntcrenStadt eintraf, wurde sofort dieSchlic
Bung der Läden angeordnet und überall sam
melte sich alsbald eineMenschcnmenge, welche
voller Theilnahme nähere Einzelnkeitcn über
das Unglück zu erfahren suchte.
TaqeS Ncuigkrittn
Das Unterhaus des Congrcsscö hat sich am
Dienstag beeilt, gleichfalls die vom Senate an
genommene Salär-Bill, zu Passiren,
und zwar mir 226 gegen2s St. Man sah
ein, daß dem Volksdrucke nachgegeben werden
mußte und bequemte sich wohl oder üble zur
Rückkehr auf den vormärzlichcn Status. Ue
brigens hat man sich gleichzeitig beeilt, die
Zahlung der Meilengelder wieder einzufüh
ren, wodurch gewissermaßen die Ersparnis?,
welche der Widerruf des Salcir-Erhöhungs-
Gesetzes beabsichtigte, neutralisirt wird.
Ealeb Cushing's Schicksal ist bc
siegelt. Tie Radikalen, welche ihn noch soeben
tür die spanische Gesandschair bestätigten, wol
lcn ihn nicht als Obcrrichter haben.' Als letz
tes Zeugniß gegen ihn wurde ein Brief bc
nutzt, den er am 21. Mär; 1871 an Jeffenon
Davis schrieb und worin er einen Hrn. A.
Noane der Gunst des „Präsidenten der südl.
Conföderalion" cnipfahl. Wer nach Cmhing
! der Glückliche oder Unglückliche sein wird, den
iGrant für da? T berr-chter-Amt emp'eblen
s wird, steht dahin.
Cuf hing's offener und mann
lich er Rücktritt von der Nomination
für das Oberrichter-Amt der Ver. St. kann
nicht verfehlen, im ganzen Lande die größte
und ungelheilteste Aufmerksamkeit auf sich zu
lenken. Eiifhing's Absagebrief ist eine bittere
Pille für die Loyalitäts-Meier des 'Senates
und kann nur dazu beitragen, das Volk über
die schamlo'e Politik, welche in Washington
das Scepter schwingt, aufzuklären. Wie ver
lautet, Hai man jetzt B. H. Bristow, welcher
das Gcneral-AnwaltS-Amt erhalten sollte,
im Falle Williams Oberrichter geworden
wäre; Riclster und Ex General-Anwalt Hoar
von Massachusetts, der als Gchiilfs-Oberan
wall keine Gnade vor dem Senate fand; E.
Pierrepont von Ncw-?)ork; Wm. M. Evarts,
do.; die Gehülfs Ober-Biindesrichter Miller
und Swayne für das unerledigte Amt in's
Auge gefaßt. Im „weißen Hanfe" wird es
mißfällig ausgenommen, daß der Senat in so
uncerinoniöserWeifc die ErncnnungenGrant'S
abweif't.
Bon Washington verlautet, daß der
Achtb. Caleb Eushing in einigen Tagen auf
seinen Gesandschaftspostcn in Madrid abge
hen wird. Bekanntlich hat der Senat ihn für
diesen Posten bestätigt, während erals Obcr
richter nicht genehm war. Inzwischen ist der
amtliche Befehl zu Sickte' Heimkehr noch
nicht nach Madrid abgegangen. Hr. S. wird
wahrscheinlich in Madrid bleiben, bis Eu
shing dort eintrifft.
Im gegenwärtigen Congrefse
haben nicht weniger als 30 frühere Offiziere
illid Gemeine der südlichen Conföderarion
Sitze. Drei der Herren sind im Senate.
Vorgestern wurde die Gesetzgebung von
Georgia eröffnet. Ter Gouverneur äu
ßert sich aufmunternd über die finanziellen
Zustände des Staates und tadelt in strengen
Worten den Salär-Diebstahl des Congresses.
Auch inWashingtou sitzt die Polizei
letzt den „Padroncs" auf den Fersen. Vorgc
lern wurde dort ein alter Italiener verhaftet,
angeklagt, Joseph Bellini infultirt zu haben.
Bei der Gelegenheit kam es an's Tageslicht,
daß ein gewisser Cavanni in Washington eine
erhebliche Zahl Knaben und Mädchen unter
seiner Eontrole hat, die er in Italien auf
kaufte und zum Betteldienste nach Amerika
brachrc. In Folge des Schnees und der
Kälte weigerten sich vorgestern drei der kleinen
Mädchen, auf die Straße zu gehen, woraus
der „Padrone" sie unbarmherzig schlug und
mit dem Bescheide aus dem Hause jagte, daß
sie mit den ersten von ihnen erbettelten 5 Cents
sich ihr Frühstück kaufen möchten, wenn sie
aber mehr ausgäben, zu gewärtigen hätten,
.daß sie abermals durchgeprügelt werden wür
den. Dieses trug sich um 7 Uhr Morgens zu,
bald nachher trieben sich die Mädchens beglei
tet von S-jährigcn Knaben, auf der Straße
umher. Die Polizei hat jetzt Befehl, auch in
Washington diesem Unwesen ein Ende zu ma
chen.
Von New - S) ork wird gemeldet, daß
eine Menge der -Arbeiter, welche sich an der
Mittwochs-Ruhestörnng betheiligten, gefäng
lich eingezogen worden sind. Es befindet sich
darunter eine Menge Teutscher. Unter den
Arbeitern dauert die Aufregung fort, aber zu
weiteren Demonstrationen ist es bis dahin
nicht gekommen. Zwischen Polizei und Volk
aber herrscht die größte Erbitterung, welche
der „Commumstcn-Capitün vom 10. Ward-
Holcl" wie die „Stöztg." sagt, Joseph Höf
licher, und Andere eifrigst zn nähren suchen.
Eine Menge Frauen umlagerte gestern das
Gefängniß, um die Ihrigen aufzusuchen.
Eine andere Mordthat wird von Brook
lyn, N. 2)., gemeldet. Der Spezial-Po
lizist R. M. Muroock, auf der „Grecnwood-
Ccmcteey" angestellt, tödtcte Dienstag seine
Frau Emma, indem er ihr eine Kugel durch
den Kopf jagte. Frau Murdock besuchte
Nachmittags Freunde in Flatbush, mit der
Absicht, bei ihnen zu übernachten. Aus ir
gend einem Grunde kehrte sie jedoch Abends
um 9 Uhr heiin und betrat durch einenHintcr
kellcr ihre Wohnung. Ihr Mann hielt sie
für einen Dieb und schoß ans seine eigene
Frau, dieselbe ans der Stelle tödtend. Mur
dcck war der Verzweiflung nahe, als er sein
Versehen entdeckte. Tic Polizei nahm ihn in
Haft.
Tie sp anischc Fregatte „Arapi
le S" hat Pech. Erst neulich wurde ihre Aus
fahrt von Brooklyn verhindert, indem ein
großes kohtcnboot gerade am Eingänge zum
Try-Dock der Navy-Hard versank. Endlich
abfahrtsbcrcit, stieß die Fregatte gestern Mor
gen am Fuße der Jackson-Str., East River,
aus dem Wege nach Ellis' Island, um ihre
Pnlvervorräthc an Bord zu nehmen, amcincn
Felsen und liegt dort nun, schwer beschädigt,
fest. Tie„Aräpiles" sollte heutenachHavanna
abgehen.
Ter Rath >l Bx>ir!ts' g-rocke Ko
cietv" in Ncw-2)ort hal vorgestern eine
Erhöhung der WhiSkeysteuer als das beste
Mittel zur Deckung des Ausfalles in den Na
tional - Einnahmen empfohlen. Selbstver
ständlich haben dabei die guten Patrioten ihre
Vorrärhe im Auge, die durch eine Steuerer
höhuiig bedeutend im Werthe steigen würden.
den letzten 25 Jahre sind in den Ver.
Staaten 87 Theater abgebrannt. Da ist
es kein Wunder, daß sie eine so hohe Versiche
rungsprämie zahlen müssen.
Jil der Kirche zu P r e st o n, Canada, ereig
nete sich jüngst folgende cigenthümlicheScene.
Der Prediger war gestorben; ein junger Geist
licher bewarb sich um die erledigte Stelle, er
wurde zur -Probepredigt zugelassen und sprach
mit Feuer über die überhandnehmende Unsilt
lichkcit. Als er eben seine Predigt vollendet
hatte und auch den Gottesdienst beendigen
wollte, wurde er von einer etwa 40 Jahre al
ten Frau, einem jungen Frauenzimmer und
einem jungen Manne aus die schrecklichste
Weise durchgeprügelt und an den Haaren
ans dem GottcShanse herausgezerrt. Die
Drei, welche aus diese Weise Justiz übten,
waren seine Gattin, die er verlassen, das
Mädchen, dem er die Ehe versprochen, das
aber zufällig erfahren, daß er verheirathct
fei, und der Bruder des jungen Mäd
chens.
Der „Liederkranz" inNew-Uork hielt
vorgestern seine Jahresversammlung. Ter
Verein hat zur Zeit 808 Mitglieder, darunter
>l2 aktive. Der Damcnchor zahlt 51. In
der Bibliothek befinden sich 7KK Bücher. Im
Laufe des letzten Lahres betrugen die Einnah
men F-t0,135.08, die Ausgäben H3S,-lsk.
Tic Maskerade in der „Äeademy" allein
brachte H13.3K4. Das Vermögen des „Lieder
krauzes" beträgt wovon jedoch noch
H 77.075 Schulden zu decken sind. Als Prä
sident wurde Hr. C. G. Günther, als Direk
tor Hr. A. Paur wicdercrwählt.
Telegraphische Tepescheu.
Europäische Kabslverichte.
Berlin, 10. Jan. Ein diplomatisches
Rundschreiben des Fürsten Bismarck sagt, daß
Teutschland geneigt sei, den MißHelligkeiten
mit der kath. Kirche auszuweichen daß aber
der Vatikan die deutsche Regierung zwinge,
den Streit bis zum Ende zu führen.
Tie heutige „Times" hat eine Depesche aus
Berlin, nach welcher es möglich wäre, daßbei
den heute in Deutschland abzuhaltendenWah
lcn für den Reichstag die Clerikalen ein Vier
tel der Abgeordneten erwählen werden.
New - Vork, 10. Jan. Ter Berliner
Correspondent des Londoner „Telegraph"
sagt, der Entschluß des Erzbischofs Ledo
chowski, nicht als Eandidat für einen Sitz
im deutschen Parlamente aufzutreten, habe
seinen Grund in zwei Umständen: erstens soll
Ledochowski, da er sowohl Graf als Erzbischof
ist, aus Rom einen Wink erhalten haben, sich
nicht in ParlamentS-Angelegcnheilen zu mi
sehen; zweitens würde er, falls er gewählt
werden sollte, sich dem Centrum des Hauses
anschließen muffen und dadurch große Gefahr
lausen, die polnische Partei, welche ihm bei
seinem Ungehorsam gegen die Regierung eine
starke Stütze gewährte, zu beleidigen.
Berlin, 11. Jan. Bei den gestrigen
Wahlen für den Reichstag siegte diedänischc
Partei in allen Theilen Nord-Schleswig's,
in welchen sie während der letzten zwei Jahre
die Majorität errang.
Bis jetzt eingelaufene Berichte über die
Wahlen zeigen, Saß die Zahl der National-
Liberalen und derProgressislen ungefähr gleich
ist, während andere Parteien weit zurückblei
ben. In TanziH, Leipzig, Bremen, Lübeck
und München und liberale Mitglieder, in
Berlin, Königsberg nndßrcslau Progressisten
gewählt worden. Candidaten der elerikaten
Partei siegten in Erescld, Köln, Düsseldorf
' und Aachen.
Berti n, 12. Jan. Bei den Wahlen für
! den Reichstag tragen, namentlich in Banern,
Württemberg und Baden, die National Libe
; raten den Sieg davon.
Berlin. 13. Januar. Berichte ans
! Bayern melden, daß dort 21 Liberale und 28
! Elcrikalc für den Reichstag gewählt worden
seien. .
, Berlin, 14. —Nach Berichren aus
! allen Theilen des Reiches sind 100 clcnkale
! und 230 national - liberale Mitglieder für den
, Reichstag gewählt. Tic Zahl"der Candida
l tcn der übrigen Parteien ist verhältnißmäßig
gering.
England.
London, 8. Jan. Der Prozeß des
Jean Lilie, angeklagt, sich als Zeuge im Tich
borne Proceß eines Meineids schuldig geinacbi
> zn haben, wird heut beginnen.
Zwei Personen verunglückten heute infolge
einer Kessel-Explosion.
Der Tunnel der „Great - Western - Bahn"
zwischen LNertsyr und Aberdcen stürzte heute
auf der Strecke von zwei Meilen ein.
L o n d o n, s. Jan.—Tcr Prinz vonWales
enthüllte heute unter angemessenen Feierlich
ketten in Gegenwart einer ungeheuren Men
schenmenge das Denkmal des Prinz-Regenten
zu Holboni-Biadukt. Später folgte ein öf
fentliches Frühstück zu „Guildhall," bei wel
chem Toaste auf die königliche Familie aus
gebracht und die wärmsten Sympathie' für
die Königin an den Tag gelegt wurden.
Sie Briefe Napoleon'S i ii. wurden heute in
in den der Ex-Kaiserin Engenie von der Kö
nigin Victoria geschenkten Sarkophag nieder
gelegt. Eine Anzahl hervorragender Bona
partisten wohnte der Ceremonie bei; Prinz
Napoleon jedoch war abwesend.
London, 10. Ban. Es sind hicrNach
richtcn eingetroffen, daß Henry M. Genct
gestern in Belfast, Irland, gesehen wurde.
Er wurde jedoch nicht verhaftet, weil der
Auslieferungsvertrag über das von ihm be
gangene Verbrechen keine Bestimmungen ent-
London, 10. Jan. Zu Moorlands,
in der Nähe von Southampton, ist der durch
eine Verbindung mit dem Tclegraphcnwesen
wohl bekannte Sir Richard Glaß im Alter
von 53 lahren gestorben.
Londo n. 13. lan.—Tas englische Schiff
„Preston," von Havre nach New - Orleans,
wurde durch eine an Bord ausgekrochene
Meuterei gezwungen, in Weymoulh einzu
laufen. Während der Meuterei wurden zwei
Steuerleute in einen, Gefecht mit der Mann
schaft verwundet.
London, 14. Jan. Im Tichbornc-
Prozcß schloß Dr. Kennally. heute seine Ver
theidigungsrede und forderte, daß für Denic
nigeu, welcher dieAnfprüche erhoben, ein gün
stiges Urtheil gesprochen würde, da die gegen
Lady Radcliffe erhobenen Anklagen sich als
wahr erwiesen hätten.
IS. Jan. Professor Goldwin
Smith hielt gestern Abend vor dem Congreß
der Handelsvercine zu Sheffield eine Rede, in
welcher er das System der „Cornell-Universi
tät" erklärte und zur Auswanderung nach den
Bcr. Staaten rieth.
London, IS. Jan. —Im Schiffsbauhof
zu Porlsmonth brach heute ein heftiges Feuer
aus, welches Vorräthc im Werth von Tau
senden von Pfunden zerstörte, welche dort für
die Aschanti-Expcdition aufgespeichert waren.
Paris, S. Jan. Tie Natioual-Ber-
sich heute auf Vorschlag des
Admiral Sainet vom linken Centrum bis
Montag vertagt. In Bezug auf die Minister
frage ig kein Beschluß gefaßt worden. Wäh
rend der kurzen Sitzung herrschte im Voriaal
große Aufregung.
Präsident McMahon vollzog heute die Ce
remonie der Ueberreichuiig der Hüte an die
neu-ernannten französischen Kardinäle. In
seiner bei dieser Gelegcnneit gehaltenen Rede
dankte er dem Papste für die Ehre, welche der
selbe französischenßiirgcni erwiesen, und fügte
hinzu: „Der heilige Vater weiß, daß wir ihm
kindlich ergeben sind und die Art und Weise
bewundern, in welcher er Prüfungen erträgt.
Er sympathistrte mit uns in unserm Unglücke,
und mir sympathisiren mit ihm."
P aris, 10. Jan. Die Mitglieder des
EabinctS sind übereingekommen, eS als ein
Vertrauensvotum für die Regierung anzuse
hen, daß der Beschluß, die Diskussion der
Bill wegen Ernennung der Maires sofort wie
der aufzunehmen, durchgegangen ist.
Paris, 15. Jan. Bartholin, der neue
französische Gesandte für die Ver. Staaten,
reist am nächsten Montag nach Washing
ton ab.
Spanien.
Madrid, 13. Jan. — Cartagena hat seine
Thore geöffnet und ist jetzt von den Trnpven
der Regierung besetzt worden. Nach der Ueber-
Stadt begab sich die Junta an Bord
der Fregatte „Numancia," welche von dem
Geschwader der Regierung angegriffen wurde.
Paris, 13. Jan. Das Panzerschiff
„Numancia" ist mit 2500 Flüchtlingen von
Cartagena in Mcriel Kebir, Algier, angckom
mcn. An der Mündung des Kakens hatte es
5 Regierungsknegsschiffe zu passiren. Tic
Flüchtlinge lieferten sich bei ihrer Ankunft de!
französischen Behörden aus. Unter denselben
sind die Generale ContreraS, Galvez und die
anderen Mitglieder der Jntranslgenten-Jnnta.
Sic behaupten, die Stadt sei durch den Ver
raih deS commandirendcnOffiziers des haupt
sächlichsten Forts gefallen.
Madrid, 15. Jan. Ticlntransigcn
ten zu Barcelona haben kapitnlirt, und die
Autorität der Regierung ist daselbst völlig
wieder hergestellt.
London, 15. Jan. Der Correspondent
der „Times" schreibt aus Cartagena, die Nc
gierungstruppen hätten, als sie in die Stadt
einmarschirten, 8 Insurgenten erschossen, die
zu entfliehen versuchten. Im klebrigen ging
die Besetzung der Stadt ohne Blutvergießen
vor sich. Fünfhunderl Flüchtlinge, unter ihnen
Bareia, ein prominenter Führer, wurden an
Bord cincS eingebrachten Dampfers gefangen
genommen. Saez, Befehlshaber des FortS
Galcraz, und Gnitcrrcz, Präsident der In
surgentcn-Juiita, waren am Bord der „Nu
mancia."
Zn Mers El Kebir ist eine spauifcheFre
gatle angekommen und verlangt die Ausliefe
rung der „Numancia." Tic französischen Be
hörden wollen das Schiff, welches vcrhält
nißmäßig unversehrt ist, nicht ausliefern, bis
sie von Paris aus Befehle dazu erhalten
haben.
Ter Zustand der Befestigungen um Earta
gena bcnätigt den Verdacht des Verrath?. Es
waren noch reichliche Mundvorräthc in der
Stadt.
M adrid, IK. Jan. —In einer Versamm
lung von Depulirten, welche die Majorität
der aufgelösten EortcS bildeten, wurde ein
Vertrauensvotum für Castelir angenommen
und er selbst ersucht, ein Manifest an die Na
tion zu erlassen.
Das Panzerschiff „Numancia" ist an eine
spanische Fregatte ausgeliefert worden. Die
Insurgenten-Häuptlinge ConlrcraS, Ferrez
und Galvez sind nach der Hauptstadt von Al
gier geschickt worden, während andere Flüch
tige ausLartagcna in die Forts undßarrackcn
von Oran und Mers et kebir gesandt wer
den.
Italien.
R o m, 13. Jan. Manuel Pastor, wel
cher im Jahre 1872 auf den König Victor
Emanuel schoß, ist aus dem Gesängnisse ent
sprungen.
London, 15. Jan. Eine Spezial-
Depesche aus Roin an den „Daily Telegraph"
meldet, Cardinal Antonelli sei an der Magen
gicht gefährlich erkrankt, und der Papst habe
ihm die letzte Oelung gegeben
Rom, 15. Jan. Dem Gerücht, der
Kardinal Antonelli sei gefährlich erkrankt, wird
widersprochen.
Juland-Tepeschen.
Gusfting tritt zurück.
Washington, 14. Jan. Der Senat
lüftete heute Nachmittag den Schleier des
Geheimnisses und übergab die Botschaft des
Präsidenten, sowie das Schreiben des Hrn.
Ealeb Cushing, in welchem derselbe um Zu
rückziehung seiner Nomination nachsucht, der
Oeffcntlichkcit.
Tie Botschaft des Präsidenten lautet:
„An den der Ver. Staaten: Seit
der Achib. Ealeb Cushing für das Amt des
Obcrbundesrichters nominirt wurde, sind mir
Berichte zu Ohren gekommen, welche mich
veranlassen, die Nomination zurückzuziehen,
was ich hiermit thue.
Nachschrift. Nachdem das Obige ge
schrieben war, habe ich von Hrn. Ealeb Tu
ching, der, wie ich hier constatiren will, ohne
sein Vorwissen ernannt wurde, einen Brief
erhalten, in welchem derselbe die Zurück
ziehung seines Namens fordert; eine Abschrist
dieses Briefes ist hier beigeschlossen.
U. S. Grant."
„An den Präsidenten. Geehrter Herr!
Von tiefem Tankgefühle bin ich bewegt in
Folge der hohen Ehre, welche Sie mir erzeigt,
indem Sie mich für das Amt des Oberbun
desrichters nominirten; aber da ich annehme,
daß mein Name vor dem Senate Ihnen oder
Ihren politischen Freunden Unannehmlichkei
ten verursachen könnte, so bitte ich achtungs
voll, die Nomination zurückzuziehen. Erlau
den Sie mir, hinzuzunlgc, daß die Beschul
digung der Illoyalität gegen die Union und
Constitution, welche in dieser Verbindung
laut wurden, gänzlich unbegründet sind. Ich
weise dieselben indignirt zurück. Zu allen
Zeilen vor dem Beginne der Feindseligkeiten
in den südlichen Staaten war jede meiner
Handlungen von dem Wunsche inspirirt, den
Bruch abzuwenden und dem Lande die Eala
mität zu ersparen. Wie konnte ein solcher
Zweck anders erreicht werden, als durch den
Verkehr mit den Bürgern der unzufriedenen
Staaten? Soll das einzige Mittel, durch
welches ans Verhinderung des Bürgerkrieges
hingearbeitet werden konnte, als Verrath ge
brandmarkt werden? Sofort nach dem ersten
Akte der Feindseligkeit gegen die Union nahm
ich öffentlich Stellung und stand zur Consti
tution und zu der Regierung, welche ich sei
ner Zeit öffentlich anzeigte. Ich bot der Re
gierung meine Dienste an und habe seitdem
stets den Weg der Pflicht eingehalten. So
lange meine Nominalion vor dem Senate
war, würde es unpassend gewesen sein, meine
j Thaten oder Ansichten in dieser Weife zn er
klären, doch fetzt sehe ich mich gezwungen,
ohne Rücksicht ain Das, wasrechlschaffen oder
mir Malice gegen mich gesagt worden ist, zn
erklären, daß ich während meiner langen, nicht
ganz nutzlosen Carriere keine Handlung ge
than, kein Wort gc'vrochen und selbst keine
Idee im Kopse geführt habe, woraus man
mir Illoyalität gegen die Union oder die
Coiistituiioii zum Vorwurfe machen könnte.
Sehr achtungsvoll Eushing."
Zsrauc, in Vcr Scktttlvehörde.
B o slon, 13. Jan. Zweien der neulich
in das Schiil-Comite erwählten Damen wur
den gestern Abend bei der Versammlung der
Schnlbehörde Sitze eingeräumt. Ueber die
Gültigkeit der Wahl ist iioch keine Entschei
dung getroffen.
Gin dritter Aspirant.
Bost o n, 15. Jan. — Der „Daily Globc,"
ein eifriger Gegner des Hrn. Eushing, schlägt
wiederholt die Ernennung des Richters B,
R. Cnrlis für das Amt eines Oberbnndes
richterS vor.
Giscnbahn-Nnfall.
Boston, 15. Jan. Der zweite Zug von
New-Bedford nach Boston entgleiste heule
Morgen auf der „New-Bedford-und Taunton-
Bahn" zwischen Mpricksville und Taunton.
Tie Lokomotive und 4 Waggons stürzten den
Damm hinunter und wurden arg beschädigt.
Fünfzehn Passagiere erlitten mehr oder weni
ger erhebliche Verletzungen.
Gin betrunkener
seine Uran.
Port land, Me., IS. Jan. Thomas
A. Pike gerietst gestern Abend in der Trun
kenheit mit seiner Frau in Streit und ermor
dete dieselbe. Sie war erst IS Jahre alt.
Mnttcrmord in Zersey - Gity,
N.-A.
New -?) o r k, 14. Jan. Ter 27-jährigc
Joseph W. Frecman erschoß heute Abend seine
in Jcrsey-Eity, N.-J., wohnende Mutter in
ihrer Wohnung. Er drang in das Haus ein
und verlangte P2OOO. Da die Mutter ihm
zu willfahren sich wegerte, so zog er eine Pi
stole hervor und schoß sie durch den Rücken.
Das Opfer war die Wittwe Joseph H. Free
man's und besaß ansehnliche Güter. Der
Mörder ist verhaftet.
Zum Giscnba>,n-,,Stritc" in Ncw-
Icrsey.
Ncw - Nor k, IS. Jan. —ln Folge des
UmstandeS, daß die Lokomotivführer der
„Ncw-Jcrscy Südbahn" noch keine Zahlung
empfangen haben, ist ein Ausstand in'S Werk
gesetzt worden, welcher jeglichen Verkehr auf
der Bahn aufhebt. Seit dem letzten Montag
hat nicht eine einzige Lokomotive die Bahn
befahren. Der Güterverkehr mit Long Brauch
wird durch Lastwagen hergestellt.
Phi l adc l p hi a, is. Jan. Eine De
pesche von Whiting, N.-J., meldet, es sei ein
Versuch gemacht worden, das Geleise der
Südbahn wieder herzustellen, damit Züge der
Zweigbahnen paisircn könnten: die" Ausste
henden aber haben einem solchen Versuch
energischen Widerstand entgegengestellt und
werden, bis ihr rückständiger Lohn bezahlt ist,
alle derartigen Versuche vereiteln.
Philadelphia, IS. Jan. Es heißt
hier, die Negierung werde die Verwaltung der
„New-Jersey Südbahn übernehmen, damit
die Posten befördert werden können. Ein
Zug, welcher am Dienstag Thciluehmer eines
Leichenbegängnisses beförderte, wurde von
„Strikeru" zum Stehen gebracht und die
Passagiere wurden gezwungen, ihren Weg
nach Hauke in dem Schneegestöber zu Fuß zu
rückzulegen.
Zum Bankerotte von Zay boote
Comp.
Philadelphia, 14. Jan.—Die Gläu
biger von Jay Cooke K Comp, werden mor
gen eine Versammlung halten. Nach den
jetzt vollständig ausgearbeiteten Berichten
belaufen sich die Aktiva'der Firma, ausschließ
lich de? noch nicht taxirtcn Eigenthums, auf
H 5,658,335.21, und die sämmtlichen Passiva
auf 8l 1,134,878.94, welche durch Abzug von
Ausständen, von zweiten und Scparat-Ver
pflichtnngen auf H 5,481,646.65 rcduzirt wer
den.
Philadelphia, 15. Jan.— DicGlän
biger der Firma Jay Eooke 8? Comp, hielten
heute Morgen eine Versammlung, zu welcher
sich ein zahlreiches Publikum, einschließlich
einer Anzahl Damen, eingefunden hatten.
Terßegistrator, Hr. JosephMason, eröffnete
die Versammlung und verlas den Befehl des
Gerichtshofes, durch welchen Hr. Edwin M.
Lewis zum Empfänger ernannt und mit sei
nen Pflichten bekannt gemacht wird. Ter
Registrator verlas auch die Antworten der
einzelnen Mitglieder der Firma auf die Fra
gen, welche vom Empfänger in Bezug auf die
Ueberlragnng von Eigenthum an Freunde
oder Verwandte gestellt waren.
Tie Ankündigung des Hrn. George C. Tho
mos, eines der Mitglieder der Firma, daß
seine Frau, welcher er 100 werthvolle Aktien
gegeben, diesen Betrag zum Besten der Gläu
biger zurückgegeben hätte, rief lebhaften Bei
fall hervor. Ter Empfänger Lewis berichtete,
Hr. Thomas habe vor mehreren Jahren die
Prämie einer Lcbensversicheruiigs-Police von
slv,ooo, zu Gunsten seiner Fran, voll ans
bezahlt. Hr. Thomas habe jetzt die Police
canzellirt und den in §2OO bestehenden Ge
winn dem Empfänger Übermacht.
Tie Antworten älter Mitglieder der Firma
wurden verlesen; e-Z waren wenigstens 1000
Personen anwesend, und Alle zeigten eine dem
Handlnngshausc freundliche Gesinnung. Als
deshalb cmcr der Gläubiger unliebsame Acn
Berungcn über die Art und Weise, wie die
Mitglieder der Firma für ihre Familien
gesorgt hätten, laut werden ließ, wurde er
ausgepfiffen, und zahlreiche Rufe; „Werft ihn
hinaus!" wurden vernommen. Ter Gesammt
bctrag der von der Firma abgeschlossenen
Uebereinkommcn ist noch nicht auftunimirt
worden.
Nachdem der Registrator verschiedene Do
kumente und Berichte verlesen hatte, wurde
ein Vorschlag eingebracht, die Regulirnng der
Masse einem Kurator und einem Comite der
Gläubiger zu übergeben, nach dem 43. Ab
schnitt des Bankeroltgcsetzcs. Gegen diesen
Vorschlag hatte keiner der Gläubiger etwas
einzuwenden. Terßegistrator beantragte dann
die Ernennung eines Kurators und der Mit
glieder des Comite'?. Hr. Edwin Vi. Lewis,
der gegenwärtig vom Gerichte ernannte Em
pfänger der Masse, war der einzige für den
Posten eines Kurators aufgestellte Candidai.
Verschiedeue Herren wurden als Comite-
Mitglieder vorgeschlagen. Da die Abstim
mung eine langwierige Sache ist, so vertagte
der Registrator die Versammlung, indem er
anzeigte, die Abstimmung würde während des
Nachmittags begonnen und morgen beendet
werden.
„TLrikc" nd kein Gnde.
Philadelphia, 15. Jan. Durch den
Aussland der Teppichweber zu kcnsinglon
sind ungefähr 1200 Menschen arbeitslos ge
worden, und es ist keine Aussicht vorhanden,
daß derselbe bald sein Ende erreichen wird.
Von Seiten der Ausstehenden sind gegen solche
Arbeiter, welche zu dem herabgesetzten Lohne
arbeiten, zahlreiche Exzesse verübt worden, so
daß der Verein der Tcppichsabrikaitten für die
Verhaftung der Unruhestifter eine Belohnung
ausgesetzt hat.
Gin v cri) ängnisivolsier tSev urtstag.
Bilkesbarrc, Penns., i-l. Jan. — Ter
23-jährige Clerk William Brown von hier
wurde vorgestern Aöeno zu Mincr Station,
au der „Lehigh-und Susquchanna-Bahn,"
von Lewis Stucker erstochen. Brown war
mit seiner Schwester ausgegangen, um in der
Familie Maxsield einer Geburtstagsfeier bei
zuwohnen. In einem benachbarten Hause
hatte sich eine rohe Gesellschaft zusammenge
funden, um zu tanzen. Ungefähr um 11 Uhr
kam Frank Stncker, ein Mitglied der Tanz
gesellichaft, in aufgeregtem Zustande zu seinen
Kameraden und erzählte, er sei von Jeman
dem beleidigt worden. Acht von der Gcsell
scllschasl machten sich sogleich auf den Weg
nach dem Hause, in welchem der Geburtstag
gefeiert wurde, schlugen die Thür ein, und der
junge Brown, welcher sich gegen dieselbe
stemmte, erhielt einen Stich in den Oberschen
kel, wodurch dicArterie geöffnet wurde, so daß !
er innerhalb weniger Minuten seinen Geist
ausgab. Die ganze Gesellschaft wurde gestern
Morgen verhaftet.
Als es sich bei dem Verhör herauSstclllc,
daß LewisSlttckerderThäter war. entschlüpfte
er, obwohl 2—300 Men'chcn imGerichissaale
versammelt waren, und suchte das Weile,
wurde jedoch wieder cingcfangcn und antwor
tete ans die Aeußerung eines seiner Freunde,
daß dieser Fluchtversuch zu seinem Nachtheile
spräche: „Freilich, ich snrchle jetzt auch, daß
man mich hängen wird." Ter Ermordete
war ein fleißiger junger Mann von guten
Sitten und der einzige Sohn einer Wittwe.
Verheerender Grubenbrand. —Ter
Vnsstttnd der Grntzcn-Brbcitcr.
Wilkesbairc, Peiim., l->. Jan.
In dem „Kiddcr-Schacht" der „Wittcsbarre-
Kohten- und Elicugcscllschan" wüthci seit 14
Tagen ein verheerender Brand, und dem
Feuer ist noch kein Einhalt gethan. Eine un
geheure Menge kohlen istj vernichtet worden,
und eine Anzahl Arbeiter, welche Löichver
suche machten, retteten mit genauer Noth das
Leben.
Fast alle kohlenwerkc der „WilkcSbarre-
Kohlcn und Elsengescllschaft" haben, angeb
lich wegen Reparaturen, die Arbeit einge
stellt. Ungefähr 1000 hiesige Arbcfter find
ohne Beschäftigung, und es icheint auch mit
, dem Ausstand vorläufig kein Ende nehmen zn
wollen, da das Comite der Arbeiter und der
Präydent der Gesellschaft sich über die Be
dingungen, unter welchen die Arbeit wieder
ausgenommen werden soll, nicht einigen
Em profcssivttcllcr vriefmarder
stiehlt 2,000 Briefe
Indianapolis, 14. Jan. Ans der
„Rock-Islailc-Eiscnbahn" wurden in neuester
Zeit viele Briefe vermißt, und die Geheim
polizei ließ sich die Entdeckung derselben an
gelegen sein. Der Postagent der Route, Na
mens Celles, wurde durm einen Lockbricf als
der Dieb enthüllt. Das darin enthaltene Geld
wurde nämlich in seinen Taschen gefunden
und er ha: seither gestanden, daß er in dieser
Sicbcscarriwe über zwei Jahre lang „gewirkt"
und dabei etwa 20,000 Briefe unterschlagen
habe. Von allen Agenten hatte man auf ihn
am allerwenigsten Verdacht geworfen. Er
wurde in Avoca verhaftet in "'egenwart seiner
Frau, die sich auf dem Zuge befand.
Näheres über sie Grmordung des
frühere Gesandten Stillwcil.
Anderson, Ind., 14. Jan. Oberst
phomas N. Stillmcll, welcher gestern Nach
mittag von John E. Corwin erschossen wurde,
war sc.t Jahren ein hervorragender Politiker
dicies Ortes, hatte zu wiederholten Malen in
der Gesetzgebung und im Congreß einen Sitz
gehabt, und war unter Präsident Johnson s
Verwaltung Gesandter in Venezuela. Seit
seiner Rückkehr aus Süd Amerika hatte er
lebhaften Antheil am Bankgeschäft genom
men und war Präsident der hiesigen „First-
National-Bank." In Folge der letzten Geld
krisis stellte die Bank ihre Zahlungen ein, und
wegen gewisser Unregelmäßigkeiten sahen sich
die Groizgeschworenen veranlaßt, gegen Srill
well, als Präsidenten, und A. B. Kline, als
Kassirer, Anklage wegen Unterschlcifs zu erhe
ben. Dies kränkte Stillwell so sehr, daß seine
Freunde ihm riethen, einen Ausflug auf's
Land zu machen. Bei seiner Rückkehr zeigte
man ihm gewisse Artikel in den Blättern des
Staates, welche ihn in große Aufregung ver
setzten. Er ging sofort in das Comptoir von
John E. Corwin, mit welchem er seit langer
Zeil auf gespanntem Fuße gelebt hatte, und
beschuldigte denselben, daß er der Urheber der
gegen ihn erhobenen Anklagen sei. Es war
kaum zu einem Wortwechsel gekommen, als
Stillmcll einen Revolver zog und, indem er
sagte: „Wir wollen jetzt mit einander abrech
nen," Corwin in die Weiche schoß, ohne ihn
tödtlich zu verwunden, da die Kugel an eini
gen Schlüsseln und Silbermünzcn, welche er
in der Tasche trug, abprallte und so ihre Kraft
verlor. Der Verwundete ergriff jetzt seinen
Gegner, hielt ihn in Armeslänge von sich
entfernt und feuerte zwei Schüsse auf ihn ab.
Beide Kugeln drangen in der Nähe des rech
ten Ohres in den Kopf ein und führten au
genblicklichen Tod herbei. Corwin überlie
ferte sich sofort dem Gericht.
Diese Tragödie hat in Anderson eine allge
mein gedrückte Stimmung hervorgerufen, da
die beiden Bclheiligten eine hohe gesellschaft
liche Stellung einnahmen. Tie Stadt ver
liert in Stillwell einen ihrer thäligsten und
energischsten Bürger, indem derselbe während
der letzten Jahre mehr als irgend ein anderer
Bürger zum materiellen Wohl des Ortes bei
getragen hat. Er hinterläßt eine Fran und
sechs Kinder, welche durch eine aus §55,000
lautende Lebensversicherungs-Potice vor Nah
ruugs-Sorgcn geschützt sind.
Blutthaten eitler teranischen
Bande in NenMcxiko.
St. Louis, 14. Jan. Der „Repu
bliean" hat eine Correspondcnz vom 7. Jan.
aus 2anta-Fe, Neu-Mexiko, welche über eine
Reihe von Blutthaten berichtet, die sich im
Laufe des letzreu Monats in Lincoln-County
ereigneten. Es erhellt, daß am l. Dezbr.
eine -Abtheilung tcxanischer Desperado'S in
dem Städtchen Placitcs ein übetberüchligles
HanS besuchte und bort einen Krawall veran
laßte, wobei Messer und Revolver in Requi
sition kamen. Der Eonstabier des Ortes,
Juan Martin, schritt gegen die Ruhestörer
ein, woraus ihn dieselben niederschössen; die
Begleiter des Eonstablers erwiderten das
Feuer und tödtcten drei von den Gesellen, die
anderen flohen, kehrten aber drei Tage später
in die Gegend zurück und erschossen zwei An
siedler. Einen Tag später begab sich Schcriff
Miller mit 20 Mann nach der Hcralosßanche,
um die Strolche zn verhaften, diese traten
ihm jedoch 50 Mann stark wohibewaffncr ent
gegen und der Scherifs mußte fliehen.
'Als einige Tage später in dem Hause des
Isidor Patros eine Hochzeil stattfand, erschien
dieselbe Bande, umzingelte das Haus,sprengte
die Thüre und begann auf die versammelten
Gäste zu schießen. Sechs Männer blieben
ans der Stelle todt und vier Frauen wurden
schwer verwundet. Die Mörder flohen so
dann in ihren Schlupfwinkel, wo sie noch
jetzt dem Gesetz Trotz bieten.
Selbstmord einer Schauspielerin.
San Franzi sco, Cal., 15. Jan.
Frau Luln Torrcnce, Schauspielerin am „Ca
lisornia - Theater," nahm sich gestern Abend
durch einen Schuß in's Herz dasLeben. Häus
licher Kummer war die Ursache.
Nachrichten ans Mcriko.
Mexiko , 5. Jan. vi?. Havanna. Der
Congrcß wird sich am 15. V. M. vertagen.
Gegen den Präsidenten Lcrdo de Tejade er
hebt sich eine starke Opposition. Man
glaubt, daß der Vorschlag in Bezug ans die
„Vera-Cruz Bahn" mit einer Majorität von
5 Stimmen durchgehen wird. Eine mexi
kanische Gesellschaft, welche Conzejsioil zum
Bau einer internationalen Bahn erhalten
hatte, kann die Arbeit wegen Mangels an
Geld und Credit nicht beginnen. Leon
Gnzeman hat die General Anwaltschaft ans
Gesundheitsrücksichten abgelehnt; auch er ist
ein Gegner Lerdo's. Tic Revolution in
Aucatan ist noch nicht unterdrückt. Prä
sident Lerdo hat die Gouverneure der einzelnen
Staaten zusammenbcrusen, um über Staats
angelcgcnheiten Berathungen zu Pflegen.
Tie Revolution in Sa Tomingo.
Havanna, 15. Jan. Nach spanischen
Berichten hal Oberst Esponda mit K5O Mann
den Insurgenten in der Nähe von Maloncs
ein Treffen geliefert, aus welchem er sich nach
einem etwa 7stnndigen Kamps vor der Ucbcr
machl der Feinde zurückziehen mußte.
Tic ganze Mannschaft eines Schif
fes am actben Fieber erkrankt
und demsctven thcittvcise er
legen.
Halifax, N.-S., 14. Jan. Der eng
lische Dampfer „Sphynx," welcher amSonn
tag von Zamaica hier ankam, brachte 101
Matrosen und Ossiziere der Fregatte „Abu
kir," alle mehr oder weniger vom gelben Fie
ber befallen. Neunzehn Matrosen starben zu
Kingston, Jamaica, am gelben Fieber, außer
dem Lieutenant Thompson, seiner Frau, dem
Sekretär des CapitänS, Hrn. Trew und Frau
Morien, der Frau des Schisssclerks. Tie
„Sphynx" verlor 2 Matrosen am gelben Fie
ber und ein Dritter ist seit seiner Ankunft hicr
selbst gestorben. Die übrigen fieberkranken
Matrosen sind in dos Hospital gebracht wor
den und gehen ihrer Genesung entgegen.
Vermischte Berichte.
New-Uork, 14. Jan. > Ein Justiz
flüchtiger.) Mit dem Dampfer „Hammonia"
traf ani Sonntag von Hamburg ein gewisser
Karl Valentin hier ein, der unmittelbar nach
seiner Landung aus Requisition des kais. deut
schen General-Consulals verhaftet wurde,weil
er wegen Wcchsclsälschung und Unterschlagung
von d'raußeu verfolgt wird. Tie Klageschrift
beschuldigt ihn, als Agent der HH. Moritz
Sastheim Se Louis Beckhoff von Elberfeld in !
Berlin 40,000 Thaler unterschlagen und
außerdem einen Wechsel über 105 Silbcrrubcl
gefälscht und als Zahlung angeboten zu
haben.
New - ?jork, 15. Jan. (Der Tu
mult auf Tompkins Square.)
Flammcr nahm gestern die Klagen der
einzelnen Polizisten gegen die am Dienstag
verhafteten Tuinultuanren zu Protokoll und
erklärte, daß er alle Personen, in deren Besitz
irgend welche Waffen gefunden wurden, den
General Assisen überweisen werde, während
alle diejenigen, die sich einer einfachen Ruhe
störung schuldig gemacht haben, vor denSpe
zial-Aisisen prozessirt werden sollen. Sowohl >
Sergeant Berghold wie iein 'Angreifer Chri
stiau Meyer sind nicht im Stande, da Bett
zu verlassen und konnte deshalb diese klage
noch nicht zur Verhandlung kommen.
Eine löchtergcscgnelcTam e.— z
Am 8. ds. langte in Detroit ein? von Ca
nada kommendcr'Vittwe an, die nicht weniger,
denn zehn Kinder hat und zwar sämmtlich
Mädchen! Das älteste istist Jahre alt, wäh
rend da jüngste noch nicht laufen kann! Tie
Fran ist ans dem Wege nach kent Connly
und sieht sich nach Farm - Land um, da sie
mit Hülse ihrer hossnuiigsvollen Mädchen
bebauen will! Also ein kleines „nonigreich
der Weiber."
In Clncinnati besteht ein Flo
ra-Verein, der die Cultur der Blumen
verbreiten will. Auch einem in dortigen Zei
tungen erscheinenden Ausruf an Floristen,
Gönner, Blumen- und Garten Freunde ent
nehmen wir folgende schwungvolle Stelle:
„ES ist wohl Jeden klar, daß" die Blnmcn-
Cultur zur Veredlung und Verherrlichung des
menschlichen Leben nohtwcudia ist. Das
trübgestimmteGemüth erheitert sich, dcrAranke
fühlt sich erquickt, der Phlegmatiker wird be
geistert und derHypochvndn entzückt, dcrßösc
Nr. 3
wicht sogar zur Reue gerührt, und das Alles
bei m Anblick derßluinen, die mit dem freund
lichen Gesicht einen jeden Scbnldbcwußlcn zu
tragen scheinen, ob er die seelige Wonne der
Untcrschuld nicht gekannt. Jeder, der Gefühl
für die Schönheit der Narur in 'einem Innern
hegt, hat schon ot't bci'm Anblick einer blühen
den Lilie, Camelilk, Rose oder Viola, u. i.
w. sich sagen müssen: Wunderbar ist die
Göttin Flora!"
Auf der letzten Versammlung der „Lon
doner philologischen Gcsellichaft" hielt der
Ehrw. Isaak Taylor eine Vorlesung über
ctrli Skis che Zahlwörter. Er erklärte
daß der so lange gesuchte Schlüssel zur ctrus
kichen Sprache endlich gefunden worden ist.
ES sind nämlich zwei Würfel in einem Grabe
gefunden worden, deren sechs Flächen mit
Worten, statt der üblichen Augen bezeichne:
waren. Herr Taylor unterzog die sechs Wör
tcr einer eingehenden Prinnng und fand, daß
sie identisch eien mit den sechs ersten Einhei
ten, welche zu dem altaifchen Zweige der ln
ranischcn Sprachfamilie gehören. Mit Hülfe
dieses Schlüssels konnte leicht gezeigt werden
daß dic Grammatik wie dicVocabeln der 3000
eiruSkischen Inschriften ebenfalls aliaifch sind.
Die Worte welche Verwandtschaft bezeichnen,
die Pronomia, Participia und Tcttiiiationcn
entsprechen genau denen der tartarischen
EiämmeSiblrien'S. Tie etruSkifchcMytholo-'
gie ist im Wesentlichen mir der finnischen ver
wandt.
Europäische Berichte.
.Vom Bauern-König.) Es geht
uns, schreibt die „Köln. Ztg.", folgenderMit
tbcilnng zu, für welche wir zwar keine unbe
dingte Bürgschaft übernehmen, deren Quelle
uns aber Zutrauen genug einflößt, daß wir
ihr nicht den Weg in die Ocffentlichkcit ab
schneiden wollen: „Während der Dauer der
Wiener Welt-Ausstellung war zu verschiede
neu Malen die Meldung durch die Blätter
gegangen, daß der König von Bayern trotz
einer anfänglichen Ablehnung, der Einla
dung Kaiser Franz Joseph's Folge zu leisten,
sich dennoch entschlossen habe, seine Dommcr
srische mit den Anen des Praters zu vertäu,
scheu. Indeß folgte regelmäßig jeder dieser
Meldungen von München aus ein wohlkon
dilionirtes Dementi, so daß man sich schließe
lieh bei dem Gedanken beruhigte, daß der ju
gcndtiche Souverain in seinem Widerwillen
gegen offlziellcßepräsentation es dennoch vor
gezogen habe, auf die Besichtigung jenes
Cultur-Schauspiels zu verzichten, welches so
viel Krouenlräger, neben Hnnderttansenden
gewöhiUichcr Sterblicher, nach der Stadt an
der schönen blauen Donau gezogen.
Indessen stellt sich nachträglich doch heraus
daß König Ludwig die Welt-Ausstellung ge
stehen und sich zu diesem Behufe etwa acht
Tage in Wien im allerstrengsten Jncognito
aufgehalten hat. Das Geheimniß war gut
bewahrt worden. Selbst die Diplomatie
hatte keine Ahnung davon und der königliche
Reisende wählte geschickt gerade jenen Au
genblick, in welchem die Aufmerksamkeit aller
Welt sich auf den Aufenthalt des deutschen
Kaisers m Wien conzcntirre. Es war um
die Mitte Oktobers. Einen trefflichen Ci
cerone hatte er sich in der Person eines Archi
tekten oder Ingenieurs besorgt, den er auch in
der Folge mit der Ausführung von mancher
lei Kaufordres beauftragte. Bei einem seiner
Besuche im Prater fügte es der Zufall, daß
die beiden fürstlichen Persönlichkeiten, der Kai
ser und der König, beinahe aufeinandergeprallt
wären, und daß nur eine schnelle Seitenbewe
gung, die König Ludwig gerade machte, einer
Erkennung vorbeugte. Die Thatsache läßt sich
nicht in Abrede sielten und selbst wenn ein
offizielles Dementi beliebt würde, möchte
dieß kaum beweisende Kraft haben, da eine
unbeabsichtigte Indiscretion den Schleier ge
lüstet, der über diesem Reiseabenteuer bisher
geschwebt."
—(Darm st ad t, 13. Dezbr.) Ein Frem
der, welcher mit eincrFrauensperson in einem
hiesigen Gasthause logirle, sollte gestern auf
Requisition der Nürnberger Polizei verhaftet
werden, da der Verdacht verschiedener schwerer
Diebstähle, namentlich auch der Betheiligung
an dem vor Kurzem in jener Stadt vorgekom
menen Uhrendiebstahl auf ihm ruhte. Das
Frauenzimmer suchte bci'm Herannahen der
Polizei das Weite, der Mann wußte allein
aufsein Zimmer zu kommen, woselbst erGift,
wahrscheinlich Eyankalium, nahm und kurze
Zeil darauf verschied. Man fand bei deinscl
den eine Uhr vor, welche die Nummer einer
der in Frankfurt entwendeten Uhren trägt.
Tie Identität des Selbstmörders ist bis jetzt
nicht festgestellt.
" —ln Monaco, wo cm Möns. Blaue
seil der Aufhebung der Spielbanken in Deutsch
land seine Residenz aufgeschlagen hat, erregt
ein mit dem Namen der „Malteser" allgemein
bezeichneter, in Wirklichkeit aber den Namen
Bngaja führender Hazardspieler großes Aus
sehen. Tag nmTag erscheint er mit unerschüt
terlicher Ruhe und Kaltblütigkeit am grünen
Tisch und fügt der Bank fast regelmäßig Ver
luste zu. Mit seinem enormen Glück imSpicla
verbindet er große Wohlthätigkeit; auf der
Insel Malta hat er humanitäre Institute er
richtet, deren Unterhalt ihm an 100,00
Francs jährlich kostet, und außerdem associirt
er die Armen gewissermaßen seinem Spiele
und spendet ihnen von jedem Gewinnste reich
liche Gaben.
(Rom, lk. Dczbr.) Die Erzählung
von der Unannehmlichkeit, die dem Grafen
von Arnim neulich bei m Diner im Hanse
Mac Mahon's begegnete ses war nämlich er
zählt, daß keine der Damen sich von dem deut
schen Gesandten zu Tische führen lassen woll
te), erinnert an einen ähnlichen Vonall, der
hier seiner Zeit viel reden machte. Tie han
delnden Personen waren diePrincipcssa Borg
hcse, eine Verwandte der Herzogin von Roche
fancould, und der preußische Gesandte am rö
mischen Hoke, Geh.-Rath Bunsen. Dieser
und seincFrau besuchten an dem gewöhnlichen
Empiangsabend den Salon des Princive
Borahcse. Als er eben abmhr, sagte mir ei
ner seiner Freunde: „Ich wollte, er wäre nichr
gegangen." Am nämlichen Tage war dieNach >
richt von der Verhaftung des Erzbischostt
Troste von Viichering eingetroffen; die ganze
mit dem Vatikan zusammenhängende Aristo
kratie gerieth in die höchste Aufregung nutz
Bunsen galt ihr für den Urheber des Unheils.
Als er mit seiner Dame in den Salon eintrat
und zur Begrüßung auf lue Principessa, eine
qeborene Rochesancould, losging, erhob diese
sich von ihrem Fauteuil und wandte ihm den
Rücken. Aller Augen richteten sich auf die
Gruppe, doch der gewandte Bunsen wußte den
Eclat schnell durch eine Seitenbewegung zn
zerstreiten und sich geschickt zu ennerncn. Tie
alte Principessa Börghese lebt noch heule, wie
der eingewurzelte ultraniontanc Haß widce
alles preußische Wesen in den Familicnßoche
! faucould und Borghese fortlebt.
Zeugen eines seltenen Auftrittes waren
umlängst "die Gaffer, welche um die Mittags
zeit den Elep h an le ii „R oge r" im Pa
riser „Jardin des Plantcs" umstanden. Die
Wärter hatten den Dickhäuter yinausgclassen,
um im Stalle eine Rattenhctze zu veranstal
ten, da die Zahl der Nager seit Kurzem in be
unruhigender Weise zugenommen hatte. Zu
allen Oeffnungen in dem S tallraumc stürzten
die vertriebenen Ratten heraus und slüchlcicir
sich im Freien hin- und hcrrenuend, in alle
möglichen Löcher. Roger war gerade daran,
den üblichen Segen von Kuchen und Sem
mein in Empfang zu nehmen, womit ihm rc-
gclmäßig daß Publikum aufwartet. lusr
halte er, diverse leckere Bissen vom Boden
aufzunehmen, den Rüssel gesenkt, da läßt es
sich eine der gehetzten Raten nr ihrer Todes
angst bcikommen, die Oeffnung am Ende des
lothrecht zur Erde nicdergeicnkten Rüssels für
die Mündung einer Tachröhrc zu hallen und
blitzschnell hiueinzuschlüpsen! Nun hätte man
„Roger" sehen sollen. Der ungeschlachtem
Gesell war ob dem Gekribbel in dem Nasen
anscitze außer sich. Wüthend warf er dcir
Rüssel empor, in die Luft, schlug damit wic
wahnsinnig um sich, wirbelte ihn herum wie
ein Tambour Major den großen Stock mit
dem Silberknopf, und stampfte dabei so heftig
mit den Füßen, daß der Boden dröhnte. Aber
all' das Toben war verlorene Mühe; dießattc
saß fest und behauptete unerschütterlich ihren
Sitz. Plötzlich erschien Roqcr wie limgc
wandelt. Ant den Wnthausöruch kolglc cum
stoischeßuhc. Langsam trat er an das Wasser
betten, bedächtig tauchte er den Rüssel hinein.
Was soll geschehen? Als Roger den Rüssel
recht voll genommen, streckt er ihn majestätim,
gegen Himmel. Daranf bläst er aus Leibes
krästen. Und mit dem dicken Wasscrstrahlc,
der dem Rüssel entführt, wird der kleine Ein
dringlmg hinausgcfnhrwcrtt, daß er senkrecht
hoch durch die Luit segelt. Ehe die Ratte,
au der Höhe auf dem Erdboden angelangt,
wieder zur Besinnung gekommen, befindet sia
sich unter dem Ricscusuße Roger'S und wird
zertreten. Ruhig setzt dann nuscr Dickhäuter
seine Nascharbeit fort, und die daulbare Ver
sommlung tischt ibin noch ein Mal so vier
Leckerbissen ans.
—ln H esse n T ar msia d i sind die ktei -
neu Herren trutzig und habe die Reform Ge
setze und besonders das Schul Gesetz, über
welche Regierung und zweuekcimmcr sich ver -
ständigt halten, so böie zugerichtet daß inr
nächsten Landtage wahrscheinlich eine gemein -
same Abstimmung bcidcrkammcrn stattfinde l
muß. Die erste Kammer erklärte sich „au i
Mißverständniß," wie neuerdings behaupt t
wird, für die Zulassung der ginsilichcn Orde-i
in den öffentlichen Schulen. Tie Regierung
ihrerseits zeigt amtlich an, daß sie den Buchvz
Rciniens in Hessen anerkannt habe.

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