OCR Interpretation


Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, February 06, 1874, Image 1

Image and text provided by University of Maryland, College Park, MD

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83016118/1874-02-06/ed-1/seq-1/

What is OCR?


Thumbnail for

''' ' -
Der DeutsW CorresponKent.
3V. Jahrgang.
Die BorstSdter und die Ttadt
o - schule.
k lich um Baltimore
herum außerhalb der stadigrcnzeu verjchie-
gebildet, die sammt und
>. Borstädten geworden
städtische Privilegien
genießen, ohne stadtische Steuern zu zahlen,
-den Versuchen der Stadt, ihre Grenzen zu
erweitern und die zahlreichen Borstädte, welche
gegenwärtig wie Parasiten an dem Sladt
korper hangen, die Wohlthaten desselben ge
nügen, ohne dessen Lasten zu tragen, zu Gue
dcrn des großen Ganzen zu machen, ist von den
Bewohnern dieser Borsrädte stets Wider
stand geleistet worden. Seit 58 Jahren hat
die Stadt ihre Grenzen nicht erweitert. Au
einer Provinzialstadt mit 0,000 Einwohnern
ist seitdem eine Metropole mit 300,000 Be
wohnern geworden, die äußeren Stadtgrcn
zcn, welche noch vor 20 und 30 Jahren trost
lose Einöden oder bebaute Felder waren, sind
von den Wogen des riesigen Häusermeeres
längst bedeckt und überschwemmt, und die ver
schiedenen blühenden Borstädte sind eben ein
sprechender Beweis für das deständige Wachs
lhum. Andere große Städte des Landes und
die wachsenden Metropolen Europa's haben
während des letzten halben Jahrhunderts ihre
, Grenzen wiederholt erweitert; London hat im
Lause der Zeit über 100 Dörser verschlungen,
.cew r)ork hat ganze Lluadratmeilen acqiii-
rirt, Boston hat verschiedene sclbstständige Ge- !
neinwesen in seinen Stadtverband aufgenom
men, Chicago und St. Louis haben sich durch
ganzer Borstädte und EountieS in
ihren stadiv-'rband einen höheren Rang in
der Reihenfolge der großen Städte des Landes
gesichert. Baltimore dagegen ist scheinbar
stehen geblieben; sie, die früher die vierte, dann
die fünfte größte Stadt des Landes war, ist
jetzt im Census die sechste, (obwohl der stadt
lathllche Bericht noch als die fünfte be
zeichnet.) Die großen Borstädte bilden
eigenthümliche
Erscheinung; hätte sich die Stadt in der
gleichen Weise ausdehnen können, wie
z. B. Chicago und St. Louis es thaten, so
würde das Berhältniß ein anderes sein und
Baltimore seinen Rang behauptet haben.
lese Rangfrage jst jedoch von untergeord
neter Bedeutung. Wiejener Schuljunge jagte:
oben, in Mitte, oder unten, es ist
überall in der Schule, wenn man nur keine
Prügel bekommt!" so kann unsere Stadt eben
fall denken. Aber das ist eben die Sache
sie bekommt die Prügel.
Baltimore muß den Herren Borstädtern ein
icucr - Departement unterhalten; wenn es
irgendwo an der Belair-Road, an der Frede
rick-Road, in Canlon oder sonstwo in der Rahe
der Stadtgrenzen brennt, eilt unser Feuer-
Departement zu Hülfe, und wenn es nicht
prompt zur Stelle ist, muß es sich noch von
den Herren Borstädtern tadeln lassen; die Gel
der zur Bezahlung dieser Feuerwehr müssen
jeooch die Glücklichen aufbringen, welche inner
halb der Stadtgrenzen wohnen. Tie meisten
dieser Borslädter leben ganz und gar von der
Stadt und durch die Stadt, ihre Kinder be
suchen städtische Schulen, und wenn irgend
eine Nothwendigkeit eintritt, rcquirircn sie
städtische Polizei, der tausend anderen Bor
iheile, welche ihnen die Stadt gewährt, nicht
zu gedenken. Aber gerade sie arbeilen am
Hartnäckigsten gegen jede Maßregel, die Stadt
grenzen auszudehnen, wie dieses aus den lau
senden Verhandlungen der Gesetzgebung täg
lich ersichtlich ist.
Gleichzeitig wird aber auch von Seiten die
ser Counly-Paliioten daran gearbeitet, immer
mehr in den unbeschränkten Genuß der städti
schen Privilegien zu gelangen. Der Bersnch,
es im Sradtrathe öurchzuietzen, den Landkin
deru die städtischen Schulen zu öffnen, gehört
in Kategorie. Derselbe ist zw vor der
Hand wieder trocken gelegt, doch wer bürgt
dafür, daß er nicht schon in nächster Kürze
wieder erneuert wird!
Bekanntlich war im Sladtrathe das ver.
einigte Comite beider Zweige über Schul
wesen inslruirt worden, eine Ordonnanz eiu
zuverichten, welche den Kindern Derer, die
außerhalb der Stadtgrenzen wohnen, das
Privilegiumeriheili, die städtischen Uittcrrichts
ewstallei, zu besuchen. Hr. Com, berichtete
vorgestern im Namen des betreffenden Comi
te's un ersten Zweige, „daß nach sorgfältiger
Erwägung des Blchlusses und seiner Folgen
das Comue zu dem Schlüsse gekommen sei,
daß derselbe nicht angenommen werden sollte.
Der Absch. 13, Art. 39 des Sladtgesetzes von
Baltimore, die Schulen betreffend, lautet:
„„Die öffentlichen Schulen von Baltimore sind
ausschließlich für den Unterricht derjenigen
Schüler offen, deren Eltern oder Vormünder
Bürgerund Einwohner von Baltimore find.""
Da Comite ist der Ansicht, daß es die Absicht
Derjenigen, welche jene Verordnung entwor
fen haben, war, daß dieselbe nach dem Buch
zSabeii befolgt werden sollte, aus dem vernünf
tigen Grunde, daß es ein offenbares Unrecht
vvare, wenn Bewohner der Umgegend von
Baltimore die Wohlthaten unseres Schul
syftems genössen, ohne daß sie etwas zur Er
hall ung der Schulen beitragen. Es ist eine
woh.Pekaiinte Thalsache, daß die öffentlichen
Schulen der Stadt Baltimore jährlich mehr
als eine halbe Million Dollars losten uns
daß diese Kosten aus der Besteuerung genom
men werden; es ist gleichfalls bekannt, oaß an
3000 Kinoer, deren Eltern im Counlh woh
nen, die städtischen Schulen besuchen, während
die Eltern nur Eouuty-Steuern zahlen. Ihr
Comite weiß z. 8., daß die Clifton-Schute
an der Reisterstown-Landstraße nicht überfüllt
ist, einfach, weil den Bewohnern jener Nach
barschaft nichts daran liegt, ihre Kinder in die
betreffende Schule zu schicken, da sie ohne wei
tere Kosten dieselben nach einer Stadtschule
sichicken können. Aus diesen und anderen
Gründen glaubt Ihr Comite,daß eine Verord
nutig, wie sie der betreffende Beschluß ver
langt, eine entschiedene Ungerechtigkeit gegen
die Steuerzahlung von Baltimore sein würde,
weshalb es achtungsvoll folgenden Beschluß
unterbreitet:
„„Beschlossen durch den Mayor und Stadt
rath von Baltimore: daß die Schul-Eommis
sioii hierdurch angewiesen werde, den 13. Absch.
des 9. An. des Stadtgesetzes von Baltimore
über S chulen streng durchzuführen, und daß
das Comite der ferneren Berathung dieser
Gelegenhcit überhoben werde."" Der Beschluß
wurde im c.' sten Zweige prompt angenommen.
Di Smal sind die Herren, welche auszogen,
Woll zu holen, geschoren nach Hause ge
koim. en.
Unsere Vettern vom Lande werden die Er
fahrung machen müssen, daß diejenigen Vor
theile die billigsten sind, für welche man an
ständig bezahlt, und wenn sie klug sind, so
geben sie ihre Opposition gegen Erweiterung j
der Stadtgrenzen rechtzeitig auf, denn nur sie
werden die Wohlthaten der Maßregel genießen
und zwar Wohlthaten, gegen welche die er
höhten Steuern in 'Nichts verschwinden.
Die Cumberländer „Daily Times"
iiver die Freisprechung des
jungen Resley.
ES ist von Interesse, was das Blatt des
ermordeten Journalisten Elary über die Frei
sprechung bes jungen I. M. Resley sagt;
wir lassen deshalb hier den betreffenden Arti
kel in wörtlicher Uebersetzung folgen:
„Seit dem Beginne des Prozesses von I.
M. Resley war es eine bekannte Thatjache,
Haß die emgefchworene Jury cineiiMlchen
trug, daß auch die leiseste HrMung
auf Recht und Gerechtigkeit ausgeschlossen
war, dennoch weigerten sich der Staatsan
walt sowohl, als auch der General - Anwalt,
aus Gründen, die nur den Freunden des An
geklagten näher bekannt sein werden, den
Prozeß aus diesem County zu verlegen.
Wir wagen zu behaupten, daß nirgends in
den Annalen amerikanischer Criminal-Justiz
ein Präcedenzfall gefunden werden kann iür
einen solchen Spruch in einem Falle, in wel
chem Nlchi der Schatten einer Vertheidigung
von dem Angeklagten oder seinen Freunden
geltend gemacht werden kann; denn selbst
wenn man Alles zugibt, was die augenschein
lich meineidigen Zeugen Keim und Pclerman
ZI beweisen suchten, so taun dadurch der!
Mv'rd nicht im Geringsten gerechtfertigt wer
ben; daß jedoch Keim und Pclerman aus
Dem Ze.'lgelistande meineidig wurden, wird
Niemand in dieser Stadt, ob er nun zu den
Geschworenen oder zu den Zuhörern des Pro
zesseS gehörte, in Abrede stellen oder auch nur
einen Augenblii.' bezweifelt haben. Der
Meineid dieser Leute war ja augenscheinlich,
daß nicht einmal der eryk Vertheidiger, Oberst
Marshall, in seinem PliZidoyer von ihren
Aussagen Notiz nahm und es von sich wies,
ein Argument aus dieselben zu basiren.
Dem schamlosen Verfahren wurde jedoch
die Krone aufgesetzt, als am Samstag Abend
die Geschworenen ihren Spruch abgaben, und,
mach ehe der Aktuar Zeit erhielt, denselben
einzutragen, der Angeklagte von seinen
Freunden und Bewunderern ergriffen und lm
Trumphe unter dem enthusiastischen Geschrei
und den Freuudeiisäiißeruiigcn, welche eher
zu dem Triumphzuge eine Helden, als zu
der Befreiung eines Verbrechers gepaßt haben
würden, davongetragen wurde. Eine Men
schenmenge von 2-300 Perjoneubcgleitete den
Freigesprochenen durch die Straßen nach der
Wohnung seines Vaters, und ihre Hurxahs
)ind Freuoenrusc belebten die stille Nacht. So
nd.'te die Farce eines Prozesses, welcher der
blutigen Tragödie, die sich am 27. Okl. 187 S
in diejer Offizin abspielte, folgte. Die Apo
.lhech'e de Fordes ist vollständig, und Alle
gaiiy-Coumy sich in der Ächtung aller
.anständigen Menden durch diesen Spruch
,jitr immer geschändet,"
Das Goldene Buch der euro
püische Aristokratie.
Der 111. Jahrgang des Gothaischcn Hof
kalenders ist erschienen. Was das Goldene
Buch für dieOligarchen der Republik Venedig
war, das ist derHofkalendcr oder, wie ihn die
Rococozeit getauft hat, der <io
S irlw" für die Monarchen und die hohe Ari
stokratie unserer Tage, und in wenigen Jahr
zehnten wird Dasselbe sein, was dasGoldene
Buch heule ist eine Mythe. lompor
Tie Zeiten ändern sich und die Welt schrei
tet fort. Den besten Beweis dafür liefert ge
rade der Hoskalender, trotzdem die von ihm
gewürdigten Persönlichkeiten streng conser
vativ sind.
Ii A>or zehn Jahren machte ein deutscher Narr
:- in den Ver. Staaten den blutdürstigen Vor
i- schlag, einen Preis auf jedes gekrönte Haupt
l- zu setzen; derselbe wurde zur Ehre des gesun
d den Menschenverstandes nicht ausgeführt,
s denn, trotzdem eine Anzahl deutscher Editoren
dafür schwärmte, fehlte es Erstens an den
Ii nöthigen Preisen und Zweitens an Solchen,
I- welche Lust halten, sie zu verdienen. Der gute
d Mann hat schwerlich den Golhaischen Hof
n kalender aufmerksam gelesen, sonst würde ihm
c die große Lehre der Natur und der Geschichte
n klar geworden sein, daß alles Bestehende den
, Keim der Vernichtung in sich trägt, auch die
- conservative europäische Aristokratie.
- Seit Menschengedenken hat dieselbe einen
- gegenseitigen Vernichtungskrieg geführt und
> dieser hat ihie Reihen mehr gelichtet, als alle
i Revolutionen und demokratischen Attentate;
i welche Lücken er allein während der letzten
i fünfzehn Jahre gerissen, ist recht klar im Hof
e kalender zu ersehen. Die Starken haben die
l schwächeren vernichtet, Diejenigen, welche
t nicht im Stande waren, ihre Unabhängigkeit
° zu behaupten, haben bei Stärkeren schütz ge
- sucht. Europa zählte noch vor 185 b sechs
l undfünfzig unabhängige Staaten, heute zählt
e es nur noch fünfzehn; die Miniaturstätchen
e Liechtenstein, Monaco, San Marino und An
: dorra und die Tributärstaaten Rumänien,
Serbien und Montenegro nicht gerechnet.
> Die fünfzehn unabhängigen Staaten Eu
ropa'S sind: Rußland, Deutschland, Frank
reich, Oestreich-Ungarn, England, Italien,
Spanien, Türkei, Schweden n. Norwegen,
Belgien, Portugal, Holland. Schweiz, Däne
mark und Griechenland. Einige derselben
sind aus kleineren halb-unabhängigen Staa
ten zusammengesetzt. Das deutsche Reich,
welches noch vor acht Jahren 36 Staaten
zählte, ist auf 26 reduzirt worden, in wenigen
Jahren werden alle auf vier oder sechs zusam
mengeschmolzen sein, und ebensowenig, als
man heute noch von dem mächtigen Herrscher
von Pfalz-Zweibrücken spricht, außer, daß
man vielleicht die schauerliche Geschichte er- <
zählt, wie derselbe vom Schloßfenster aus, i
seiner Maitresse zum Spaß, einen Schiefer- !
decker vom nahen Thurme schoß, ebensowenig s
wird man un 20. Jahrhundert von einem
Herzoge von Meiningen, einem Fürsten von i
Anhalt, einem Großherzog von Darmstadt
oder sonstigen Größen wissen, deren Genealo- <
gic noch heute den Hofkalendcr beschäftigt. t
Der älteste Souverän Europa's ist Papst s
Pius IX., 82 Jahre alt, dann folgt sein Geg- s
ncr Kaiser Wilhelm von Deutschland mit 77 r
Jahren. Fürst Günther von Schwarzburg t
hat die süße Gewohnheit desDaseins 72Jahre e
lang getragen, der jüngste deutsche Fürst ist c
König Ludwig von Bayern, 28 Jahre, der
jüngste europäische ist Fürst Milan von Ser- v
bicu, 19 Jahre alt. Europa zählt zur Zeit z
5 Republiken, drei wirkliche, längst etablirtc t
Schweiz, San Marino in Italien und 5
Andorra in Spanien— und zweiScheinrepub- d
likcn Frankreich und Spanien. u
Die Zahl der Souveräne wurde auch im h
letzten Jahre vermindert und die der Präten- f,
deuten vermehrt. Gestorben sind der Exkaiser
Napoleon, der ExHerzog Karl von Braun- b
schweig und der regicrendeKönig von Sachsen. jc
Außerdem ist der Tod noch in den Fürsten- h
Häusern von Rußland, Preußen, Oestreich,
Württemberg und Portugal eingekehrt. Die ei
Wittwe des Kaisers Pedro I. von Brasilien ti
starb am 26. Januar in Lissabon, 61 Jahre d
alt; sie war eine Tochter des Herzogs von sc
Lcuchtenbcrg und eine Enkelin der Kaiserin
Josephine. Die Wittwe des KaisersFran; Z. st
von Oestreich starb 81 Jahre alt am 9. Febr. Zi
in Wien. Des Königs Wilhelm von Würt
temberg Wittwe, Königin Pauline, starb anz „
10. März, 73 Jahre alt, in Württemberg, n
Preußen verlor 2 KönigSwittwen, die Fürstin ft
vonLiegnitz, Gemahlin Friedrich Wilhelm 111. n
und Königin Elisabeth, Gemahlin Friedrich dl
Wilhelm V. l-
Eine große Anzahl von Ex-Souveränen
leben noch von aller Welt vergessen in ihren
Schmollwinkeln, und wenn sie der Hoskalen
dcr nicht erwähnte, würde man ihrer gar nicht
mehr gedenken. Zn nennen sind: Kaiser Fer
dinand von Oestreich, 70 Jahre alt, in Prag,
König Amadeus von Spanien in Italien,
Kaiserin Eugenie in England, König Georg
von Hannover in Hietzing bei Wien, Kurfürst
Friedrich Wilhelm von Hessen in Horziz bei
Prag, Herzog Adolph von Nassau in Frank
furt, Ferdinand von Portugal, Ex-Königin
Aabellu von Spanien, Ex-Kaiserin Charlotte
von Mexiko in Miramare, Ex-Herzog Robert
von Parma, Großfürst Ferdinand von Tos
kana, Franz 11. von Neapel und die Wittwe
des Ex-Königs Otto von Griechenland.
Der Hoskalendcr zählt aber nicht nur die
Monarchen und Souveräne, sondern auch die
Ex-Souveräne und Staudcsherren auf, die
souveränen Grafen und all' das kleine aristo
kratische Ungeziefer, nur die Barone und der
niedere Adel sind aus dem goldenen Buche
ausgeschlossei'.. Wie viel Mitglieder der Fa
milien, welche der Hoskalender zum Zwecke der
Referenz für standesgemäße Heirathen präser
virt, elend und von Gott verlassen in der
Fremde irren, in Amerika Komödie oder
„Barkeeper" spielen die gewöhnliche Be
schäftigung der hohen Aristokratie in diesem
plebejischen Lande oder wie viel wegen
nicht ritterlicher Künste auf der Festung oder
im Zuchlhausc sitzen, steht nicht in dem sonst
so genauen Almanach. Immerhin stehen
aber noch genug in diesem Buche, die durch
eigenes Verdienst sonst nirgends stehen wür
den, und wenn auf irgend eine Klasse, so ist
auf die hohe und höchste Gesellschaft des Hos
kalenders das Bibelwort anwendbar: „Sie
säen nicht, sie erndten nicht und der himm
lische Pater ernährt sie doch."
Kostspieligkeit des Bankcrott-
Äerfayrens.
Der Ver. St.-Senat passtrte vor einiger
Zeit den Beschluß, den Generalanwalt um
Auskunft zu ersuchen, wie groß durchschnittlich
die Kosten und Ausgaben im Bankerott-Ver
fahren seien, welche den Ver. St.-Gcrichtshö
sen vorliegen. Da keine Regulation und kein
Gesetz existircu, welche es den betrefsendenße
amten zur Pflicht machen, ein spezielleSConto
für Kosten zu halten, so war die Sammlung
des Materials für die Ertheilung correkter
Information keine leichte Aufgabe, und dars
der Bericht des Gencralanwalts wohl kaum
Anspruch auf Genauigteit machen. Indessen
läßt sich annehmen, daß die an ihn gesandten
Berichte die Kosten eher zu niedrig, als zu hoch
angeben. Hr. Williams berichtete, daß vom
2. März 1367 bis Ende des Jahres 1872
58,618 Anträge auf Bankerotlerklärungen re
gistrirt wurden und daß davon 15,421 Fälle
noch jetzt nicht abgewunden sind. Die Gebüh
ren und Ausgaben während des erwähnten
Zeitraumes deliefen sich auf 84,821,784, was
die Kosten durchschnittlich auf HBIS für jeden
Fall bringt, wobei jedoch zu erwägen ist, daß
dieselben in den 15,421 nicht beendeten Fällen
noch fortwährend anwachsen. Diese Zahlen
geben indessen kein anschauliches Bild, da
nicht mitgetheilt ist, welche Summe in dem
gleichen Zeitraume zur Pertheilung unter du
Gläubiger kam. Es ist da per wichtigst!
Punkt, da glaubwürdig versichert wird, Hai
in manchen Fällen au; Gebühren und Koste
mehr daryuf ging, als die Gläubiger erhiel
ten. Einem solchen Uebelstande sollte durch
Amendirung des Bankeipstgesetzes sofort ab'
geholfen werden, denn derselbe hat mehr, alt
alles Andere dazu beigetragen, das Gesetz,
! welches ein sehr weiseist, verhaßt zu machen.
! Dasselbe enthält zwar einzelne Härten, indem
es der Mehrheit der Gläubiger in Anzahl
und Betrag der Forderungen— dem einzelne
Gläubiger gegenüber, welcher vielleicht nu,
eine geringe Forderung hat, zu wenig Recht!
gib; aber Das läßt sich ebenfalls durch ge.
hörige Amendirung ändern.
Der große Nutzen des Gesetzes ist mehr eir
negativer, als ein ppsiljper; es mahnt durcl
einen Schrecken Geschäftsleute zu größere,
Porsicht; es macht alle Ueberttagunaey -inj
Manöver, durch welche Bankerotteure denkst
wenantheil an derßankerottmasse für sich ode,
ihre Familien zu retten Pflegten, null unl
nichtig, und cs hat unzweifelhaft viele Ban
kcrotte verhütet, Pjan möge es jetzt so än
Peru, daß es den unverschuldet jn Unglück ge
komwcucnSchuldner nicht zu hartmttnjmm'
daß ferner die Perlheilung derßankerötimass
weniger kostspielig gemacht wird, und all
Opposition dagegen wird aufhören,
TageS Neuigkeiten.
Im Songresse liegt ein Gesetz zur Reor
ga ilij also is desStaats-Departc
ments vor. Bisher ksste.te das Departc
ment nur 584,800, unter dem neuen Gesetz
würde es 8102,600 in Anspruch nehmen. Ul
die Mehrausgabe zu decken, wird die E,
Neuerung der 85-Steuerssir Pässe, von denc
allzährlich circa VOOO ausgtgeben, vprgejchlc
gen.
Da congressionelle, mit der Einbringung
von Vorschlägen zur Verminderung
der Ausgaben betraute Comite schnüf
felt fleißig weiter. Da Comite glaubt, daß
da Unterhaus selbst mit weit geringern Ko
sten unterhalten werden könne. So gebe es
für fast jede Thür des Kapital zwei Hüter,
wovon Einer die Thür öffnet, der Andere
dieselbe schließt. Auch der Schatzamtssekre
tär ist vorgeladen worden, um Auskunft über
die riesigen Expreß- und andern Kosten des
Departements zu geben. Man nimmt an,
daß manche Ausgaben für Privatzwecke ge
macht, aber aus der Landeskasse gedeckt wer
den. Wenn es der Congreß ernstlich meint,
so kann er mit Leichtigkeit den Etat um viele
Millionen vermindern.
Die Finanzfrage ist vom Conqresse
nach wie vor nngelös't. Borgestern erschien
Hr. Amasa Walker von Massachusetts vor
dem conarcssionellen Comite und hielt eine
längere Rede gegen irgend welche weitcreAuf
blähnng des Conrants. Unter den bestehen
den Finanzverhältnissen seien die Export-und
Ackerbau-Interessen schon sowieso bedeutend
genug geschädigt worden. Die Baumwollen-
Manufaktur koste seit 1860 5,6 Prozent mehr,
aber der Arbeiter habe dabei nicht gewonnen,
da seit 1860 der Lebensunterhalt um 75 Pro
zent gestiegen sei. Die Folge des erhöhten
Preises der Waaren aber habe unsern Baum
wollen-Handel mit China gänzlich in die
Hände der Engländer gespielt. Neu - Eng
land würde es lieber sehen, daß alle Schutz
zölle aufgehoben würden, als daß dem Lande
noch länger ein Normal-Geldumlauf vorent
halten werde. Hr. W. begünstigte schließlich
Plan zur Ausgabe von 3-zährigen
Notni, die Zinsen-Zinsen tragen, um für Le
gal-Tenders umgetauscht zu werden.
Der Congreß scheint entschlossen, eine
abermalige sorgsame Untersuchung der An
gelegenheiten des Distrikts Co
lumbia vorzunehmen. Manche glauben,
daß nicht viel dabei herauskommen wird.
Häufig hörte man die Bemerkung, daß
Soldaten der regulären Armee in Washing
ton und anderwärts als Boten, Kutscher,
Aufwärter und sogar Bediente von hoch ste
henden Beamten verwendet werden und
faktisch die Leute in Benachtheiligung der
Landeskasse für Privatzwecke benutzen. Bis
her wurden alle solche Bemerkungen gewöhn
lich auf Rechnung der Partei-Malice geschrie
ben und von der Majorität der herrschenden
Gewalt zum Schweigen gebracht. Nun liegt
aber eine dahin gehende Aeußerung aus dem >
Munde eines unverfälschten Republikaners i
selbst vor. Hr. Wheeler von New-York sagte l
nämlich vorgestern im Congresse, daß man >
mit Leichtigkeit die Armee auf 25,000 Mann i
verringern könne, wem, jene Soldaten, die
für jene hochstehende Beamte Dienste besorg- >
ten und nur bei Paraden gebraucht werden, <
zum legitimen Dienste au die Grenze ge- >
schickt würden. Hr. Wheeler meinte, daß in
Washington allein 1000 Mann der Art be- !
nutzt würden. i
Das Unterhaus des CongresseS hat ein ,
Gesetz Passirt, welches die Verlegung der„Ci
tizen's National-Bank" von Hagerstown, f
Md., als „First-National - Bank" nach Wa- c
shlngtonerlaubt. Alle Vertreter Maryland's i
waren dafür. Wie verlautet, wird die Hägers i
towner Bank die „First National" der Coole's f
ersetzen u. ihrCapital von 50,000 auf §2OO.- d
000 bringen. v
Im Senate von New-Jersey wurde d
vorgestern ein Beschluß angenommen, dem- k
zufolge der Staat die Mittel für die Errich
tung öffentlicher Schulen zu beschaffen hat. st
Im Unterhause wurde eine Bill eingebracht, ü
die National-Garde des Staates auszuheben d
und dafür zu sorgen, daß alle Waffen inner- g
halb 60 Tagen im Staats - Arsenale abgelie- h
fert würden. 5
Im Senate von New-Jersey wurde
beschlossen, daß der Staat 10,000 Aktien von
je 810 für die Säkular-Feier zu übernehmen
habe.
Der Staat Mississippi, welcherzu
erst durch einen Neger im Bundessenate ver
treten war, hat abermals einen Schwarzen,
den Schcriff B. H, Bruce, in den Senat ge
schickt. "
Das Geschwader bei Key-West, Fla.,
hat Befehl erhalten, sich in drei Divisionen
zu theilen und im Golfe zu kreuzen.
In New-York wurde ein weiblicher
„Jack Sbeppard," Jane Poole, aus io Jahre
in s Zuchthaus geschickt. Sie wurde ergrif
fen, als sie in Gemeinschaft mit einigen Män
nern einen Herrn angriff und währcndLetztere
denselben festhielten, die Taschen dcö Opfers
leerte.
In New-York ist schließlich nach 60-
tägiger Haft James Delos Ccntre, der cor
rupte Zeuge im Stokes-Prozesse, auf freien
Fug gesetzt worden.
In St. Louis endigte die Voruntersu
chung gegen den Mordgesellen Ben. I. Cro
nenbolo damit, daß der Angeklagte den Groß
geschworenen überwiesen wurde. Seine Hoff
nung, gegen Bürgschaft freigelassen zu wer
den, ging nicht in Erfüllung. Eine derartige
Freilassung wäre auch gar zu skandalös ge
wesen. Auf den Arm seiner Braut gestützt,
verließ der Mörder den Gerichtssaal. Da die
Großgcschworenen des Crimincilgerichtes ihre
Sitzung noch nicht beendet haben, so ist Aus
sicht vorhanden, daß sie den Fall sofort in Er
wägung ziehen und dem Criminalgerichte
übergeben werden.
In einer Versammlung der S te u erz a h
lervonCharleston-County, S. C.
welche gestern gehalten wurde, um Deputirte
für die Convention der Staats-Steuerzahler
zn wählen, wurden energische Beschlüsse an
genommen, welche sich namentlich gegen die
herrschende Corruption und gegen den „Ring-"
Schwindel richteten, und durch welche alle
Bürger Süd-Carolina's aufgefordert werden,
mit allen Kräften dahin zu wirken, daß dem
Staate eine redliche und gerechte Regierung
gegeben werde.
Die bei Gab's Hill, Missouri, auf
r einem Zuge der „Cairo-Fultoner Bahn" aus-
N geplünderten Passagiere kamen am Sonntag
n Morgen in Littlc Rock, Ark., an. Der Mu
ss berhanptmann heißt Greenwood, und die
> Baute ist aus Missouri,
st Aus dem Wege von Ost-St. Louis
rench-Village, Missouri, wurde
der Deutsche Andreas Eßmaun, der mit 580-
tzioo ausgefahren war, um Saat-W aizcn zu
kaufen, von Bösewichten überfallen, beraubt
und ermordet. Bis dahin hat man vergeb
lich auf die Mörder gefahndet.
Von New-York wird angezeigt, daß
!r dort eine Menge falscher 82- und 85-Noten
n auf die „First National-," „NinthNational ,"
h „Marine - National-," „National of Com
c- merce-" und andere Banken in Umlauf qe
>- setzt worden find.
Ueber die Convention des Ordens der
. ~B' nai B'ri th," welche soeben in Chi
" cago tagte, meldet ein dortiges Blatt: „Die
ü Delegaten zur Convention desOrdens „B'nai
-f haben sich in einer Beziehung wenig
ostenS vortheilhaft von den Delegaten zu an
deren Conventionen unterschieden. Sie ha
n ben, oft im Schweiße ihres Angesichtes,
" sechs Tage lang vonMorgens bis Abends ge
ss arbeitet, ohne Unterbrechung und ohne sich
" Zeit zum Essen zu gönnen. Die Meister
/ schaft und Unparteilichkeit, mit welcher Hr.
Simon Wolf von Washington, selbst in den
r schwierigsten und aufgeregtcstenTebatten, den
' Vorsitz zu führen verstand,und seinem freund
" lichcn Entgegenkommen ist es zuzuschreiben,
° daß kein Mißton die Verhandlungen störte
und sie so schnell und ergiebig zu Ende ge
o führt wurden, trotzdem die Geister oft genug
" auf einander platzten."
" In Philadelphia ist plötzlich der ka
ntholische Priester Kelly von der „St. Malachi
je Kirche" mit Tode abgegangen. Am Sonn
tage war er noch wohlauf und munter.
In Cincinnati wurden soeben drei
j, Taschendiebe in derCathedrale festgenommen,
als sie eben einen Raubzug auf die Taschen
H der Kirchenbesucher projektirten.
z- Ein Eisenbahnzug von Ne w-Or
s leans nach Mobile, welcher eine Schau
spielergesellschaft beförderte, machte die Strecke
i. von 141 Meilen vorgestern Abend in der un
ii glaublich kurzen Zeit von 2 Stunden 52 Mi
jl nuten.
Ii Jesferson Davis, der an der Herz
,r Wassersucht leidet, reis'te am 25. v. Mts. in
te dem Dampfer „Alabama" von New-Orleans
e- nach Europa av. Seine Frau wohnt inzwi
schen bei ihrer Mutter, Mab. Stamps, in
n New-OrleanS.
ch Die von der „N.-Y. Tribüne" Prophezeihte
cr Enthüllung nationaler und mu
ld nizipaler Corruption hat sich in
ö- Wyhlaefallen aufgelöst. Mehrere der Do
er küine'che, tzie als Beweis dienen sollten, Ha
id ben sich alt Käischuiwen erwiesen und die
n- „Tribüne" wird deshalb Yen Mstssd halten,
n- Hoffentlich ist die Gesinnullgsänderung der
e- „Tribüne" keinem "ölc.Nmilt"-Einfiussezu
ck, zuschreiben.
sse In der Gesetzgebung von Illinois pas-
Ile sirte soehen eiy vssetz, welches die Milchfäl
schling strafbar mächt. Die Strafe lautet auf
1-jäbrigc Haft und 850? Geldbuße.'
Die Kappenmache'r New-York'S,
wnchc zpz- Zejt ausstehen, haben sich durch
Umlailssschrttbe an i,hr,e Collegcu in Phila
e- delphia, Boston, Baltimore e. gespendet und
tc- zur Bildung einer „Central-Umon der Kap
he penmachcr" aufgefordert,
st" Jy Toledo, Ohio, gaben die Mitglie
er- der des Barreyup dem neuen Oberbundes
-tn Richter Waije am DlenSag Abend ein Ban
> kett. ES heißt, Hr. Watte werde am 12. d.
j MtK, nach Washington abreisen.
Baltimore. Md., Freitag, den 6. Februar 1874.
In New-Uork hat man noch andere
<2-, §lO- und §2O-Fälschungen auf Natio
nal-Banken in Lockport, N.-2)., Plainfield,
N.-J., Rome, N.-Y., Peekskill, N.-Y,, und
Poughkccpsie, N.-Y., entdeckt.
Der Ausstand der Arbeiter auf
der „New-York-OSwego-Midland-Bahn" ist
zu Ende.
Der Schauspieler Florence hat den
Washingtoner Correspondenten der ''X. - V.
Lpiiit nt Ihmes," Geo. H. Butler, wegen
einer beleidigenden Kritik gefordert.
In New-Frankfort, Missouri, ist
der Postmeister, ein Deutscher, Namen H.
T. Schmidt, ermordet worden, wie au dem
nachstehenden an den BundcSmarschall Frän
kel in Lexington gerichtetenßriefe hervorgeht:
„New-Frankfort, Saline-County, Mo., den
IS. Januar 1874. Ver. St. Gehülfs-Mar
schall M. Fränkel, Lexington, Mo. Ihren
Brief vom 13. d. Mt. habe ich erhalten und
zu erwidern, daß das erwähnte Affidavit
nicht mehr nothwendig ist. Eine Bande von
Strolchen und Kehlabschneidern haben in der
Nacht vom 17. zum 18. d. MtS. den Post
meister Heinrich T. Schmidt in seiner Office
meuchlerisch ermordet. Er wurde am Mor
gen des 18., mit mehrerenWuuden im Kopfe,
todt gefunden. Dies ist eine sehr traurige
Angelegenheit, die ganze Nachbarschaft ist in
der größten Aufregung uno hat sich zur Ver
folguna der Mörder aufgemacht. Achtungs
vollst WUH. Koch, öffentlicher Notar."
Die Stadt San FranziSco ist die
> drittgrößte Handelsstadt der Ver. Staaten;
sie imporriA jMrttch für 539,000,000 Waa
ren und beläuft sich ihr Export auf dieselbe
Summe. New-York exportirt jäkrlich für
313,000,000 Waaren, New - Orleans für
5104,000,000, Philadelphia für 34,000,000,
Savannah für 32,000,000 und Boston für
27,000,000. New-York importirt jährlich
für 426,000,000, Boston für 68,000,000,
Baltimore für 29,000,000 und Philadelphia
für §25,000,000.
Jn der Nähe von Leavenworth, Kan
sas, brachen am 29. v. Mts. zwei deutsche
Jäger, Namens Heinrich Jerstedt und Ju
lius Scifsarlh, durch's Eis eines Flusses,
über welche sie fahren wollten und ertran-
In Gray's Mühle, Marathon - Co.,
Wisc., fand gestern Nachmittag eine Dampf
kessel-Explosion statt, die drei Menschen das
Leben kostete, zwei verwundete nnd das Ge
bäude total zerstörte. Der Ingenieur Lynne
ward durch die Seitenmauer des Maschinen
raumes und durch einen Haufen vier Fuß
langen Holzes geschlendert. Sein Körper
war auseinandergerissen und der obere Theil
mehrere Ruthen entfernt aufgefunden.
Sämmtliche Bahn-Compagnie'n in Il
linois haben beschlossen, die Zahlung der
Steuern in der Art, wie sie vom Staatsrath
aufgelegt sind, zu verweigern.
Von Brooklyn, N.-Y., wird gemeldet,
daß der Essig-Fabrikant A. G. Schweickert
mit Hinterlassung von 520,000 Schulden
„französischen Abschied" genommen hat.
Im gegenwärtigen Congresse befinden sich
fünfzehn,mAuslande geboreneMit-
glieder. Im Senat: Carl Schurz und der
neue Senator von Nevada. Hr. Jone, Per
in Wales geboren wurde. Im Hause sitzen
fünf Jrländcr, vier Schotten, zwei Englän
der (darunter der Mormonen-DelegatCannon
von Utah), ein Canadier und ein Mexikaner,
der aber den Nichts weniger, als spanisch
klingenden Namen „Buckner" führt.
Das Kabel meldete dieser Tage aus Co n
stantlnovel den Tod des Ramis Pascha
im hohen Alter. Nur Wenige werden wissen,
daß dieser Würdenträger der Roßschweife ei
gentlich eiu Deutscher war und Schmenzler
hieß. Derselbe war preußischer Artillerie-
Offizier und begab sich mit dem jetzigen Feld
marschall v. Moltke vor 40 Jahren nach der
Türkei, um als Jnstruktorin die türkische Ar
mee einzutreten, in welcher er mit der Zeit
zum Pascha emporstieg. Schwenzler starb
von Türken und Christen hochgeachtet.
Telegraphische Depeschen.
Europäische Äabelberichte.
Teutschland.
Berlin, 30. Jan. —lndem die „Nord
deutsche Allg. Ztg." auf die Sympathien an
spielt, welche sich in Belgien für die deutschen
Clerikalen kundgeben, sagt dieselbe, jede Re
gierung sei verpflichtet, die Neigung ihrer Un
terthanen, an revolutionären Versuchen gegen
befreundete Mächte theilzunehmen, im Zaume
u halten.
Paris, 2. Febr. Im Elsaß find mit
ungeheurer Ma>orität französische Candidaten
für den Reichstag gewählt worden.
Berlin, 3. Febr. Eine Depesche aus
Posen meldet, daß Erzbischof LedochowSki
heute auf Befehl der deutschen Behörden ver
haftet und nach dem Gefängnisse in Frankfurt
a. d. O. abgeführt worden sei.
Berlin, 3. Febr. Der gestern verhaf
tete Erzbischof LedochowSki ist nach Ostrowo,
Pro. Posen, gebracht worden, um in Ueber
einstimmung mit dem Urtheilsspruche des
Gerichts in das dortigeGefängniß zu wandern.
London, 4. Febr. Nach einer Spe
zial-Depesche ausßerlin an die „DailyNews"
sind beunruhigende Gerüchte Betreffs der Be
ziehungen zwischen Deutschland und Frank
reich ini Umlauf.
Professor Anderson, der bekannte Verschwö
rer, ist gestorben.
Breinerhaven, 3. Febr.—Die britische
Barke „George Bell," Capitän Rose, lief ge
stern an der Mündung der Weser aus den
Strand und mußte wegen des furchtbaren
Wellenganges aufgegeben werden, da man
jeden Augenblick befurchten mußte, sie werde
in Trümmer gehen. Einige Zeit darnach, als
der Sturm sich etwas gelegt, gelang es, sie
wieder flottzumachen; das Fahrzeug war
aber so stark beschädigt, daß man cs auf das
Ufer auflaufen lassen mußte, um cs vor dem
Versinken zu bewahren.
Während des rasenden Orkanes wurde die
Einfahrt in das Frische Haff bci Pillau durch
treibenden Sand bis auf einen engen Canal
von mittelmäßiger Tiefe abgeschlossen, und
können große Seeschiffe jetzt nicht ohneGefahr
dort einlausen. Die Ladungen der Fahrzeuge,
welche nach Königsberg, Elbing :c. bestimmt
sind, müssen verringert werden, will man kei
nen Unfall gewärti^n.
London, 22. Jan. Mehrere der in hie
siger Stadt aufgestellten Candidaten hielten
gestern Abend Reden an ihre Constituenten.
Baron Rothschild sagte, daß seiner Ansicht
nach Hrn. Gladstone' versprochene Steuerer
mäßigung eine Verminderung der Einnahmen
um L 9,000,000 ergeben würde. Er empfahl,
daß das Defizit durch ein System von Lizen
sen für alle Handeltreibende gedeckt werde.
Hr. Goshen erklärte sich gegen „Home Rule"
und für die Erhaltung der zetzigen Beziehun
gen zu den Colonie'n. Er hoffte, daß der
Krieg gegen die Aschanti's nicht mehr als eine
Million Pfund kosten würde, begünstigte die
Aufbesserung der Lage der arbeitenden Klas
sen durch Erziehung und Aufhebung drücken
der Steuern, doch sei er dagegen, daß die Re
gierung in Zeiten der Arbeitslosigkeit den Ar
beitern Beschäftigung gebe, weil unter solcher
Unterstützung der Geist der Unabhängiglcit
leide.
Hr. William A. Smith, conjervativer Can
didat sur Westmlnster, sprach ebenfalls in eine
öffentlichen Versammlung, und sagte, daß er
bei einem Besuche der Vereinigten Staaten
Gelegenheit gehabt habe, zu bemerken, daß
demokratische Institutionen das Volt corrum
piren.
London, 31. Jan.-Die von Hrn. Glad
stone vor 30,000 Menschen zu Grecnwich ge
haltene Rede fand heftigen Widerspruch,
doch verhielt sich die Menge im Allgemeinen
ruhig.
An mehreren Orten wurden von Vertretern
der verschiedenen Parteien Reden gehalten, die
dazu dienten, die Parteien einander nä
hern. und in Grecnwich fürchtete man selbst,
daß Unruhen aasbrechen würden. ES heißt,
der Premier werde am Montage zu New-Croß
wiederum eine Rede halten.
London, 31. Jan.—Trotz des Umstän
de, daß das Gerücht, Gladstone sei, weil er
sich nicht um die Wiederwahl beworben habe,
vor das königliche hohe Gericht geladen wor
den, für falsch erklärt wird, publizirt die heu
tige „Times" einen Brief, in welchem es
heißt, daß dem Premier eine solche Vorladung
vor der Auflösung des Parlaments zugegan
gen sei. Hr. Gladstone vertheidigte sich heute
Nachmittag in einer zu Grecnwich gehaltenen
Rede gegen verschiedene wider ,hn erhobene
Anklagen. Auch Hr. Disracli hielt zu Alqs
bury vor einem zahlreichen Publikum eine
Rede, in welcher er sagte, die Auflösung des
Parlaments sei ein All schwarzen Verrath.
Er sprach sich gegen die vorgeschlagenen Fi
nanz-Operationen aüs und sagte, daß Volk
sei in kostspielige Kriege verwicketl worden und
habe schimpfliche Verträge eingegangen, weil
die Regierung sich nicht genügend um die aus
wärtige Politik bekümmert hatte.
London, 1. Febr. Die Stimmplätze
wurden gestern,n Gutlford, Chalbam, Rid
dertnlnster, Mailstone, Andover und North-
Lcicestershirc eröffnet. Die Conservativen wa
zen-siearuch und erwählten ihre Candidaten
in Gemeinden, welche nych ,m letzten Par
lamente liberale Vertreter hatten. Die Abe
len siegten nur in Barnstaple. In Chatham
wurde der conservative Candida, Contre-Ad
miral Elliot, mit 669 Stimmen Mehrheit er
wählt. In der letzten Wahl hatte sein Geg-
ner Otway 1364 Stimmen Mehrheit. Der
Liberale Ocslow wurde in Guilford mit ver
mehrter Majorität wieder erwählt. Wäh
rend der Woche haben 48 Wahlen stattgefun
den, es wurden 20 Liberale und 28 Conser
vative erwählt.
London, 1. Febr.- Die Liberalen ha
ben inMaidstone gesiegt, indem sie ihre beiden
Candidaten durchgebracht haben. In Bewdly,
Worcestershire, sind Conservative und in dem
Städtchen Carlow, Irland, ist der Candidat
der „Home Rule-Partei" gewählt worden.
London, 2. Febr.—Während der letzten
Woche sind 56 Parlamentsmitglieder gewählt
worden, darunter 25 Liberale und 31 Conser
vative. In Guildford wurde am Samstag
der conservative Densell Onslow gewählt.
Es wird als sicher angenommen, daß der sehr
Achtb. Robert Lowe von der Londoner Uni
versität einstimmig aewählr werden wird.
BaronMayer de Rothschild, früheres Par
laments-Mitglied für Hvthe, ist sehr krank.
Baron Reuter erklärt das Gerücht, er habe
den Schah von Persien um eine Frist von 6
Monaten gebeten, bis er die kontraktlich über
nommene Arbeit beginne, für falsch. Erbe
hauptet, die Arbeit sei selbst vor der auSbe
dungcnen Zeit begonnen worden und schreite
auch vorwärts.
London, 2. Febr. Baron Mayer de
Rothschild's Aerzte kündigen heute Nachmit
tag an, daß da Befinden des Patienten sich
bessert.
Personen getödte"u^°viel?-ni>e
London, 3. Febr. 4 Uhr Morgens.—Der
Fußboden in einer Fabrik zu Bnry, Lanca
shire, en welcher die Liberalen gestern eine Ver
sammlung halten wollten, brach zusammen,
und eine große Anzahl Menschen stürzte in das
untere Stockwerk hinunter. Sechs Personen
wurden getödtet und viele andere gefährlich
verletzt.
London, 4. Febr. In Cheltenham ist
ein conscrvativer Candidat gewählt worden.
In der Stadt Oxford wurden der sehr
Achtb. Edward Cardwell und Vernon Har
court wiedcrerwählt. Aus Wolverhampton,
Dudley, Nottingham und anderen Orten wer
den zahlreiche aufgeregte Scenen gemeldet.
London, 4. Febr. Hr. McDonald,
ein Arbeiter, ist als Candidat der Arbeiter in
Staffordshire erwählt worden. Tie Bergleute
bestritten die durch die Wahl herbeigeführten
Ausgaben.
London, 4. Febr. Nach den bis jetzt
eingelaufenen Berichten über die Wahl der
neuen Parlamentsmitglieder haben die Libc
ralen je einen Sitz in Bath, Durham, Poole
und Worcester, und 2 Sitze in Boston gewon
nen. Die Conservativen gemannen je einen
Sitz in Burg, St. Edmunds, Colchtster,
Grantham, Horsham, Plymoulh, Windsor
und Portsmouth, und je 2 Sitze ia Cam
bridge, Exeter und Wigan. John Laird, libe
ral-conservativ, ist für Birkenhead mit einer
Majorität von 2000 Stimmen wiedercrwählt
worden. Grant Tust, der Untcr-Staatssekre
tär für Indien, wird Edinburg vertreten. Der
sehr Achtb. James Stansfield, radikal, ist
für Halifax, und William Henry Gladstone,
ein Sohn des Premiers, liberal-comervativ,
für Whitney erwählt worden. Beide waren
Mitglieder des letzten Parlaments.
Bis heute Morgen waren 108 Liberale und
141 Conservative gewählt worden. Conferva
tive Blätter jubeln über das Resultat der
Wahlen.
Für Newry ist der liberale, für Stasford
der conservative Candidat gewählt worden.
London, 4. Febr. —Die Gattin des Pro
fessors Fawcett wurde heute bei einem Spa
zierritte vom Pferde geworfen und lebensge
fährlich verletzt.
Das Vollschiff „Fairwind" von Pensacola,
welches heute in Penarth-Roads angekommen
ist, bringt die Mannschaft des im Golf von
Florida gescheiterten amerikanischen Dampfers
„Barao de Tiffe."
London,. Febr. Berichte über gestrige
Wahlen zeigen, daß 15 Conservative und 10
Liberale in 16 Wahlkreisen ohne Opposition
gewählt wurden.
Hr.Disraeli sagte gestern in einer Versamm
lung in Newport Pagnell, daß Gladstone's
Politik in Bezug auf Irland keinen günstigen
Erfolg gehabt habe. Statt Frieden zu schaffen,
habe die Politik des Premiers die Unruhen
nur vermehrt. Er fügte hinzu, Hr. Lowe hätte
seinen Sitz im Parlament dem Londoner Uni
vcrsitätsbczirk zn verdanken. Während der
Versammlung wurden die Fenster der Halle
von d'raußen ttimultuireiidemPöbcl mit Stei
nen eingeworfen.
Zu Dudley, Worcestershire, entstand eine
Schlägerei zwischen Jrländern undßergleuten.
Eine Anzahl Häuser wurden ausgeplündert
und viel Eigenthum zerstört.
Paris, l.Fe^r.—DieZeitung „L'Union"
von Paris sagt, daß kürzlich Fürst Bismarck
bei der britischen Regierung Beschwerde über
die Haltung der clerikalen Presse und der kath.
Bischöfe in England erhoben und eine ent
muthigende Antwort erhalten habe.
London, 1. Febr.—Dem Gerüchte, Bis
marck habe bezüglich der Haltung der clerika
len Presse und der römisch-katholischen Bi
schöfe ein Schreiben an die englische Regie
rung gesandt, wird widersprochen.
Paris, 2. Febr. Die Artikel der
„Norddeutschen Zeitung," welche auf eine Be
schränkung der Kirchensreiheit und der ultra
montanen Presse in Frankreich und Belgien
dringen, haben in Versailles bedeutende Sen
sation hervorgerufen.
Paris, 3. Febr. Das Büdget-Comite
wird eine Verwilligung von 300,000 Francs
empfehlen, um den während der letzten Tage
der Herrschaft der Commüne an öffentlichen
Gebäuden, die Tnilerien und das Palais-
Royal eingeschlossen, angerichteten Schaden
wieder auszubessern.
Ausruhr drr spanychen ..Rothen" tn Oran. Algier.
London, 5. Febr.—Unter 1200 in Oran,
Algier, internirten Jntransigenten entstand
gestern ein Aufruhr. Mehrere derselben wur
den verwundet. Es werden morgen zwei
spanischeHregattcn erwartet, um die Aufwieg
ler nach Spanien zurückzuführen.
. Spanien
Madrid, 2. Febr. Spanien hat seine
Gesandten von Paris, Wien und anderen
europäischen Höfen vorläufig zurückberufen.
Bayoline, 4. Febr. General Torre
garroy ist Nachfolger des Generals Elia als
Stabschef des Don Carlos. Elio leidet an
Rheumatismus.
Ruflland.
London, 3. Febr. Eine Spezial-De
vcsche aus St. Petersburg an die „Daily
News" meldet, daß Rußland es abgelehnt
habe, die im Jahre 1876 in Philadelphia zu
veranstaltende Welt-Ausstellung zu beschicken
und zwar, weil selbige ein Privat-Uiitcrneh
m-n sei.
Türkei.
Constantinopel, 2. Febr. Gestern
Abend wurden durch eine Feuersbrunst über
100 Häuser zerstört, einschließlich der Residenz
des Groß-Veziers.
Bon er Goldküste.
London, 4. Febr. Nach den letzten
Nachrichten von der Goldküste haben die
Aschantis einen deutschen Missionär freigege
ben und mit Vorschlägen wegen eines Vertra
ges zu Sir Garnet Wolscley gesandt.
Zwölshundert englische Soldaten stehen
einen Tagemarsch von Coomassie, der Haupt
stadt der Aschantis, entfernt. Bis jetzt ist
ihrem Vorrücken kein Hinderniß in den Weg
gelegt worden. Der Gesundheitszustand ist
sehr günstig.
Znland-Depeschen.
Aus der Bundeshauptstadt.
Washington, 3. Febr. Die Regie
rung des Distrikts Columbia behauptet, die
Bundesregierung schulde ihr für Verbesserun
gen der Straßen in der Nähe öffentlicher Ge
bäude etwa Million Dollars. Da die Un
tersuchung über diesen Gegenstand voraus
sichtlich länge Zeit beanspruchen wird, so wer
den nicht nur die Regierung des Distrikts und
die Contraktoren, welche die öffentlichen Ar
beiten geliefert haben und jetzt auf ihre Be
zahlung warten, in ihren Interessen geschä
digt werden, sondern es wird diese Verwicke
lung auf den Handel und dcnGcschäftsbetricb
im Allgemeinen emen ungünstigen Einfluß
ausüben.
Gen. Sarney über die Indianer.
Washington, 4. Febr. Gen. Har
ney, dessen Name einst ein Schrecken der In
dianer war, der aber lange Zeit in stiller Zn
rückgezogenheit gelebt hat, stand heute vor
dem Haus-Connte über Indianer Angelegen
heiten und wurde über die Behandlung der
Rothhäute befragt. Er war der Ansicht,
wenn man die Indianer anständig behandle,
so werde man keine Schwierigkeiten mit ihnen
haben. Es seien ihm mir zwei Fälle vorge
kommen, in denen die Indianer Verträge ver
letzt hätten, und in diesen Fällen hätte man
die Indianer entschuldigen müssen, denn die
Verträge seien von längst verstorbenen Häupt
lingen abgeschlossen gewesen. Nur dieSchnapS.
Verkäufer und betrügerische Agenten demora
lisirken die Indianer; er würbe sie Alle auf
knüpfen oder erschoß'. lassen.
Die Agitation der Temperenzler in
Massachusetts und Ohio.
B o'st'o n, 2. Wbr. Eine neue Tempe
renz-Agltation hat begonnen, nämlich das
Besuchen der Wirthschäften durch Schaarcn
von Betbrüdern und -Schwestern, welche ben
klnsug der Weider in Ohio nachahmen sollen.
Etwa zwanzig Pfarrer, die der Sraats-Tem-
Pmnj-Alllanz angehören, haben dazu den
Anstoß hielten einen Conven
dlsputirten sehr viel, an welchem
Punkte die ersten Experimente gemacht werden
sollen Boston. Chelsea, Bnghton und an
dere Orte wurden vorgeschlagen. Der ehr
würdige Hr. Wilson von Briahton, jetztPfar
rer in der 19. Ward in Boston, schlug vor,
m jener Ward die ersten Schritte zu thun
Sie sei, sagten Ehrwürden, schrecklich von
Schnapshandlern heimgesucht, als irqend ein
anderer Platz im Staate Massachusetts. Es
als 1000 Branntweinkneipcn dort
Em Tina se, dort günstig, nämlich alle die
Pfamr stehen wie ein Mann auf Seiten
der Temperenz und werden ihren Einfluß da
für aufbieten. Dr. Lewis protestirte dagegen,
da die Bewegung sich nicht auf gewisse Stra
soll' Gemeinden beschränken
Lange Debatten pflogen die heiligen Män
ner Über den geeigneten Anfangspunkt ihrer
Operationen, und endlich beschlossen sie War
cefler mit ihrem ersten Versuche zur Bekeh
ning der sündigen Menschen jener Stadt zur
Frömmigkeit und Enthaltsamkeit zu beqlük
ken. Ein Comite von Fünfen wurde ernannt,
mit Dr. Lewis an der Spitze, das nach Wor
ccster gehen und in jener Stadt dießewegung
in Gang setzen soll. Nachdem das Coiiiit
ernannt war, sagte Dr. Lewis, er sei ein vor
sichtiger Mann und getraue sich nicht nach
Worccster zu gehen, wenn er nicht wenigstens
Zehn tüchtige Bcihelfer mit dorthin nehmen
kann. Er beantrage daher die Zahl der Mit
glieder selneS Comites aus Zehn zu erhöhen.
Man that ihm den Gefallen und der Conven
tikcl brach dann auf.
Cincinnati, 2. Febr. Der Fcldzuq
A A?"en des südlichen Ohio gegen die
gewinnt an Stärke. Em deut
lcher Wirth, in Franklin, Marren - Couuty.
welcher einen Ball abhalten wollte, während
die Frauen vor seinem Hanse sangen und be
teten, stand von dem Plane ab und zog an's
entgegengesetzte Ende der Stadt.
Aus Waynesville, Warren-County, wird
gemeldet, daß selbst die rohesten Männer dem
Eindruck nicht widerstehen können, welchen
die in Kälte und Schneegestöber knieenden
Tamen auf sie machen, und mehrere Wirthe
haben ihre Lokale geschlossen. Temperenz-
Bersammlungen mit enthusiastischen Reden,
Andachtsübungen auf den Trottoirs, Bemchc
in den Wirthschaften, Colonialwaarenhand
lungen nnd Apotheken, um den Gästen sofort
das Evangelium zu predigen Alles wird
anfgcboten, um dem Whiskey-Geschäft den
Garaus zumachen.
Z Tode gefallen.
Bost o n, 2. Febr. Hr. H. W. Palmcr,
Mitglied der Firma Palmer, Jacobs 3c Co.,
Manufakturwaaren-Händler inTremont-Str.,
siel heute in dem Keller seines Geschäftslokals
von einer Trittleiter und verletzte sich so ge
fährlich, daß er zwei Stunden später starb.
Matrosen ertrunken.
Boston, 2. Febr. Der Schooner „S.
I. Allen" kam am Samstag von den westli
chen Banken im Hafen von G.oucester an.
Patrick Lynch und John McJntyre, zwei Ma
trosen, waren ertrunken, da das Boot, in wel
chem sie ausgefahren waren, um Angeln zu
legen, kenterte.
Kaltes Wetter in Neu - England.
Boston, 2. Febr. Um 7 Uhr heute
Morgen schwankte das Thermometer zwischen
Null und 3 Grad über Null.
P ortl an d, 2. Febr. Depeschen ans
verschiedenen Theilen des Staates melden,
daß das Wetter allenthalben außerordentlich
kalt ist; das Thermometer zeigt an ciniacu
Orten 40 Grad unter Null.
Concord, N.-H., 2. Febr. Heute ist
der kälteile Tag des diesjährigen Winters.
Das Thermometer stand heute Morgen zu
Lancaster auf 46, zu Canaan auf 36, zu Cta
remont auf 22, zu Franklin auf 30,Mercdith
Villaae auf 32, zu Lake Village auf 32, zu
Bradford auf 30 und hier auf 24 Grad unter
Null. Die Temperatur wird jetzt milder.
Das Barometer steht ungewöhnlich hoch.
Feuer in Guildsord, Me. Eine
Familie zu Tode verbrannt.
Bangor, Me., 4. Febr.— Jsaac Wharss's
Haus zu Guildsord brannte heute Morgen nie
der. Er selbst, seine Frau und sein Sohn ka
men in den Flammen um.
Einsturz eines Kohleschuppeus.—
Eine Person getödtet und meh
rere Andere verletzt.
Boston, 4. Febr. Heute Vormittag
stürzte an Craft's Werfte, in Süd-Boston, in
Folge der auf dem Dache liegenden Schnee
masse ein Kohlenschuppen gerade in dem Au
genblicke ein, als ein Schickten rückwärts in
denselben hineingeschoben wurde. Bartholo
men) Crane wurde getödtet, Dennis Clughliii
tödtlich Andere leichter verletzt.
Zum Feuer in Millville, R.-J.
Providence, N.-J., 4. Febr. —Unter
den Trümmern der in Millville niedergebrann
ten Wollspinnerei wurden heute menschliche
Gebeine gefunden, vermuthlich Ueberrcste von
Knott Pritchard, welcher seit dem Feuer ver
mißt wird.
Die Ucberschwemmuug im Staate
New-York.
OSwego, N.-Y., 4. Febr Die Ue
bcrschwemmnng setzt in Fulton ihr zerstören
des Werk fort. Fünf Häuser sind aus ihrem
Fundament gehoben und würden in den Fluß
getrieben sein, wenn nicht Bäume im Wege
gestanden hätten. Die Gewalt des Stromes
war sehr stark. Jn den Werkstätten vonTay
lor 6-Gebrüder stand das Wasser 4 Fuß hoch.
Jn den Papiermühlen hat die Arbeit einge
stellt werden müssen.
Eisenbahn-Diebe cingefangen.
Albany, N.-Y., 2. Februar. Polizi
sten von Madison-Counly haben eine Diebs
bande nigefangcit, deren Mitglieder es sich
zum Gewerbe gemacht hatten, Waaren aus
den Waggons der „Midland"- und „Central-
Bahn" zu stehlen. Drei Angestellte der Bah
nen, Henry Ashtenaw, Alexander Harringtoii
und Lake sollen in den Fall verwickelt sein.
Im Besitze der Diebe fand man große Men
gen gestohlener Waaren, außerdem 'Masken,
Diebeswerkzeuge und andere Gegenstände.
Der Prozess vöwenstein.
Albany, N.-Y., 2. Febr. Heute sollte
der Zeitungs-Berichterstatter Geo. Ferris für
die Anklage verhört werden; derselbe Harteden
Angeklagten in St. Catherines besucht. Auf
Antrag der Vertheidiger ward fast fein ganzes
Zeugniß ausgeschlossen. Den Rest des Tages
füllte das Verhör der Polizisten Malone lind
Falk, der Frau Cochrane und der Frau des
Ermordeten (Weston's) aus. Man hofft, den
Fall bis Samstag zu erledigen.
Selbstmord.
New-York, 3. Febr. Die 68jährige
Mary Sheridan, No. 10, Marionstr. wohn
haft, vergiftete sich gestern mittelst einer Dosis
Bittcrkleesalz. Gelegentlich der abgehaltenen
Todtenfchau erfuhr das Gesetz eine bittere
Censur, weil nicht mit Strenge darauf gehal
ten werde, Niemandem ohne ärztliche Beschei
nigung irgend welche Gifte zu verkaufen.
Elend einer jungen Frau.
N e w-Y ork, 3. Febr.—Eine junge Frau
und ihr Säugling wurden gestern, fast zu
Tode erfroren, in der Nähe der Eisenbahn-
Station zuWhite Plains, Westchestcr-Counly,
im Schnee gefunden; Beide waren besin
nungslos. Als der Mutter das Bewußtfein
zurückgekehrt war, erzählte sie eine traurige
Geschichte von ihrer Noth und ihren Leiden.
Sie ist die Tochter eines wohlhabenden Ncw-
Yorker Kaufmannes, heirathete jedoch gegen
den Willen ihres Vaters einen Kutscher. Ge
stern machte sie sich von Mount Kisco nach
New-York auf den Weg und würde, da sie
aller Mittel entblößt wär, in dem Schneege
stöber umgekommen sein, wennnicht rechtzeitig
Hülfe eingetroffen wäre. Ihr Mann ist vor
einiger Zeit gestorben, und'ihr Kind wird an
den Folgen des Mangels sterben.
Schiffbruch.—Schreckliches Schick
sal der Mannschaft.
New-York, 3. Febr. Ein aus Neu-
Süd-WalcS vom 20. Dezbr. datirtcr Brief
meldet: „Die Barke„Plato" ging vor einigen
Monaten mit einer Ladung Kohlen von hier
nach China, scheiterte jedoch an einer Klippe
nördlich von Neu-Caledonien. Die Mann
schaft rettete sich auf eins der Boote und lan
dete auf einer der Salomons-Jnfeln. Als sie
daselbst ankamen, wurden sie von den Einge
bornen erbarmungslos niedergemetzelt, Einen
ausgenommen. Dem Lctztern wurde das
Leben geschenkt, weil von den sechs Pfeilen,
welche ihn durchbohrten, keine edleren Theile
getroffen wurden, und die Eingeborenen dem
Aberglauben huldigten, daß ste ein Unglück
ereilen würde, wenn sie ihn jetzt noch töd
teten."
Falsche Banknoten.
New-York, 4. Febr. Es sind zahl
reiche falsche Banknoten in Umlauf, nament
lich 810-Noten der „First National Bank of
Lockport," N.-Y.; G2O-Notcn der „First Na
tional Bank of Plainfield," N.-J.; 510-
Noten der „Central National of Rome,"
N.-Y.; 510 Noten der „Flour City National
of Rochester," N.L.; 820-Noten der „West
chefler National Bank of Peekskill," N.-Y.,
Und 820-Noten der „City National Bank of
! Poughkcepsie," N.-Y. Alle Nofen sind vor
züglich gestochen ynd führen leicht zn Täü-
schlingen.'
Awanzig Jahre Zuchthaus.
New - York, 4. Febr. William CreS
wcll, alias Bill O'Connor,! ein berüchtigter
Einbrecher, wurde zu zwanzig lahren Zucht
hausstrafe be; harter Arbeit verurtheilt.
Gewerbsmäfiiger Diebstahl.
New-York,4. Febr. Samuel Conklin
und Charles H. Johnson wurden heute ver
haftet. Dieselben find angeklagt, ihren Prin
zipalen, Harris L- Comp., während der letzten
3 Jahre Handschuhe im Werthe von über
810,000 gestohlen zu haben
Zufällig erschossen.
Eape-May, N.-J., 4. Febr. Mat
thew Hall, ein bekannter Güter-Mäkler, er
schoß sich heute zufällig ans der Jagd. Sein
Tod erfolgte in wenigen Minuten.
Eisenbahn-Angestellte heben den
Verkehr aus der Bahn aus.
Mldlcrown, N.-J., 2. Febr. Ein
hundert Angestellte der „New-York-" und
„Oswego-Midland-Bah"haben Lokomotiven
an das Geleise gekettet, die Weichen festge
nagelt und das Geleise zu Summitville, 'l2
'Meilen nördlich von hier, ausgerissen. Sie
erklären, daß sie keinen Zug mehr Passiven
lassen werden, bis ihnen der rückständige Lohn
ausgezahlt worden ist.
Kingston, N.-Y., 2. Febr.—Die An
gestellten der „Midland-Bahn" zu Ellenville
haben, weil ihnen ihre fälligen Löhne nicht
ausgezahlt sind, die Arbeit niedergelegt uns
die Bahn daselbst mit Beschlag belegt. Sie
nageln die Weichen und Drehscheiben fest und
lassen keinen Zug Passiren.
Tödtlicher Ausgang.
Philadelphia, 3. Febr. Frau Eme
liiie Focht, deren Kleider am Sonntag in
Brand gerlcthen, ist heute den erlittenen Brand
wunden erlegen.
Der „KranklinTzävings^Aond."
P h l ladelphia, 4. Febr. - Den, Rich
ter Cadwalladcr wurde heute Morgen der Be
richt über die Verhältnisse des „Franklin-Sa-
Vings-Fond" vorgelegt. Die Depositen be
tragen 8308,285.79; Anleihen für den Ge
brauch der Gesellschaft H 148.147; angelegte
Gelder 8986,408.15; Kasse 8215.50; Ueber
schuß über die Passiva 834,409.
DieVertheidiguiigfür dcn„Savings-Fond"
berichtete, die Gesellschaft wünsche für ban
kerott erklärt zu werden, wenn das Gericht das
thun wolle. Der Richter erwiderte, wenn
nicht eine deutliche Antwort abgegeben werde,
daß der Bankerott zulässig sei, so müßte die
Gliche der von den Depositoren anhängig ge
machten Klage gemäß behandelt werden.
Da von einzelnen Depositoren behauptet
wurde, daß die Bewilligung ihrer Forderun
runqen abgeschlagen worden sei, um andere
Depositoren zu begünstigen, so wurden die
Rechnungen der Einzelnen untersucht, nni
festzustellen, ob diese Behauptung wahr sei
Die Vertheidigung gab auch zu, daß das
Kaufgcld de? Gebäudes und die Bezahlung
der Verbesserungen desselben zum größten >
Theil ans dem Fond der Gesellschaft beschafft !
worden sei; doch würde sich durch ein Kreuz
verhör ergeben, daß durch das abgegebene
Hauptzeugniß Nichts bewiesen worden sei,
was einen betrügerischen Charakter trage. Die !
Anklagebehörde wollte jedoch ein Kreuzverhör
nicht zugeben, bis sie ihr Verhör, welches mor- <
gen sortgesetzt werden wird, geschlossen habe, a
Ungefähr 1000 Gläubiger hatten sich heute i
Abend in einer Versammlung zusamiiicngc- .
funden; da aber der Raum zu knapp war, so i
mußte die Versammlung sich vertagen, nach-
dem ein Comite ernannt worden mar, welches l
dem Präsidenten des Instituts seine Aufwar- .
tilng zu machen hat, um über die wahre Lage :
desselben Erkundigungen einzuziehen. >
Versammlung der „Eisen- und '
Stahl-Association."
Phlladelphia, 4. Febr. Tie „Amc- '
rikanische Eisen- und Stahl-Aisociation" trat
heute unter Vorsitz des Hrn. Samuel S. Nee- '
ves zusammen. Der Sekretär, Hr. James -
M. Swark, legte einen Spezial-Bericht vor, !
aus welchem hervorging, daß die Mitglieder
des „Eisen- und Stahl-Instituts von Groß-
Brttanien" ihren Besuch bis zum Jahre 1876
aufschieben und dann dicGelegenhcit benutzen
würden, die Sammlung der amerikanischen
Eisenerze mit denjenigen England's zu ver
gleichen.
Die Akte von 1872, wonach der Einfuhr
zoll auf Eisen-und Stahlwaarrn um 10 Pro
zent erniedrigt wurde, erfuhr scharfen Tadel,
und es wurde als gebieterische Pflicht des
Congresses hingestellt, dieses Gesetz wieder
auszuheben. Der Regierung ginge dadurch
eine Einnahme von beiläufig 815,000,000
verloren, nnd diese Summe käme nicht etwa
den Consumentc, sonderndensrcmdenFabri
kanten zu Gute. Nach einer fünfmonatlichen
Krisis im Eiseiihandel sei von einem neuen
Ausblühen desselben noch wenig zu bemerken.
Aus dem Bericht des Sekretärs crgicbl sich
weiter, daß von 50 Schienen-Gießereien nur
17 in Thätigkeit sind und von 385 Schmelz
öfen 138 nicht gebraucht werden. Der Vor
ralh an Eisen betrügt 308,430 Tonnen und
12,522 Arbeiter sind unbeschäftigt. Die Zahl
der im ganzen Lande unbeschäftigten Arbeiter
wird auf 830,000 geschätzt.
Morgen wird Behufs vollständigerer Or
ganisation desVcreinL eine Massen-Versamm
lung der Eisen- und Stahl-Fabrikanten statt
finden.
Der Brand der Kohlengruben.
W i lkesb arre, Pa., 3. Febr. Das
Feuer in der „Empire-Kohlengrube" brach ge
stern im Hauptschacht, in welchem die Berg
leute arbeiteten, und wo man glaubte, daß
es gelöscht sei, aus und zwang alle Arbeiter
zum Rückzüge. Achtzehn derselben wurden,
von Gas und Schwefel halb erstickt, bewußt
los an die Oberfläche gebracht, erholten sich
jedoch unter ärztlicher Hülfe. Das Feuer
wüthet jetzt ärger, als zn irgend einer Zeit
während der sechs Wochen, welche es schon
gebrannt hat.
Zwei Mörder zum Tode
verurtheilt.
Harrisbnrg, Pa., 3. Febr. Lewis
Roscntine und John Woody, welche der Er
mordung des Farmers Behn schuldig befun
den wurden, find heute Morgen zum Tode
verurtheilt worden. Rojenkine bekennt sich
schuldig und wird wahrscheinlich ein umfas
sendes Gcstäiidniß ablegen. Woody besteht
aus seiner Unschuld.
Unwetters
Richmond, Va., 4. Febr. Ein Hagel
wetter hat hier enormen Schaden au Gebäu
den angerichtet; Bäume wurden entwurzelt
und viele Straßen sind durch dieselben für den
Verkehr zu Wagen gesperrt.
Furchtbare Feucrsbrunst.
Cleveland, Ohio, 31. Jan. Gestern
Abend um 7 Uhr brach im vierten Stock des
Kleidcrmagazins von Koch, Goldsmith, Jo
seph sc Coinp. in Watcrstraße Feuer aus. Die
Flammen theilten sich dem Nachbarhause,
welches I. M. Worthingtou sc Comp., Gros
sisten in Eifcnwaarcn, inne hatten, mit; das
Letztere ward gänzlich zerstört. Im Gebäude
der Firma Koch, Goldfmith, Joseph sc Comp,
drangen die Flammen nicht unterhalb des
zweiten Stockwerks, und obgleich bei Abgang
dieses Berichtes, Morgens 2 Uhr, noch sticht
gelöscht, befürchtet man doch keine weiteren
Verheerungen des Elementes. Der Verlust
der Firma Worthington sc Comp, beträgt
8300,000, versichert für 5175,000; Koch,
Goldsmith, Joseph sc Comp, verlieren über
200,000, sind ledoch voll versichert.
Der durch die Feueröbrunst angerichtete
Schaden beziffert sich auf über 8500,000. Die
Kleiderhändler Koch, Goldsmith, Joseph sc
Comp, sind zu K 200,000, Adams sc Good
wlllin zu 8100,000 und die Eisenwaaren-
Händler Worthington sc Comp, zu ungefähr
550,000 versichert/Der sogenannte Worlhing-!
Ton-Block ist vollständig niedergebrannt, und
die nachstehenden Mauern müssen niederge
rissen werden.
Namenttily penniylvanijche Vcrslchcriingcii
sind betroffen und werden thcilwcije schwere
Verluste erleiden. Man glaubt, daß Brand
stiftuug vorliegt
Kcntttcky'crKttklttrc.
Louisville, K., 2. Fcbriiar. Der
Hülss-Marschall Wyall kam hier gesternAbend
mit fünf der in Henry - County verhafteten
Individuen an. Während er sie auf' dem
Dampfer hierher brachte, gelang es einem
derselben, Namens Wm, Smoot, welcher sich
in Bezug auf die Kuklux-Greuelthaten hervor
gethan haben soll, zu entkommen. Die Ver
haftungen machten dem Hülfs Marschall keine
Schwierigkeiten, da die Gefangenen keinen
Widerstand leisteten.
Mord u Kentuckft.
Louisville, Ky., 3. Febr. Eine
Spezial-Depesche an das „Courier-Journal '
meldet: „Am letzten Sonntag erschoß Fiel
drng Gillier den William King in Montgo
mery-County, Ky. Es heißt, es sei der Per
dacht gehegt worden, daß King zu Gillicr's
Mutter und Gillier zu King's Frau in einem
verbrecherischen Verhältnisse gestanden habe.
Dies habe unter den Beiden einen Streit her-
Mord endete."
Näheres über die Feuersvruust in
Memphis. Ter Brandstifter
eingefaugcn.
Memphis, Denn., 4. Febr. Die Ma
schinen-Werkstältender „Memphis-Lonisville-
Eisenbahn," welche gestern Abend durch Feuer
zerstört wurden, waren von einem früheren
Angestellten der Bahn. Namens John Mc
Carthy, per jetzt an der„Memphis-Charlcston-
Eiscnbahn" angestellt ist, in Brand gesteckt
worden. McCarthy trat in Begleitung eine
anderen Mannes in das Comptoir des Werk
führcrs, stellte sich betrynkcn, begann mit dem
Wächter Dennis Roach Streit, schlug ihn
mit einem Knittel nieder und zündete dann
ln>t einem Streichholz einen Haufen Papier
an, Da trat ein anderer Wächter, Ramens
! Lee Thomas, in das Zimmer, sah sogleich,
um was es sich handelte, und versetzte Mc-
Carthy mit seiner Keule einen Schlag über
den Kopf. McCarthy lief davon, wurde aber
vonThomaS verfolgt, welcher mehrere Schüsse
auf ihn abfeuerte, von denen einer ihn in die
>seite traf, wie die Frau, welche die Wunde
verband, berichtet. Bis heule früh mar Mc-
Carthy „och nicht eingefangen. DerGesammt
vcrlnst erreicht eine Summe von ungefähr
! si Zweihundert Menschen verlieren
j'hrc Beschädigung durch das Feuer; man
! Zlaubt indeß, daß die Werkstätten sofort wic-
der errichtet werden sollen.
McCarthy ist eingefangen
! von der Ergreifung Mc-
Carthy s beruht auf einem Irrthume.
Noch ein Kcüer in Memphis.
Biw - Baker s.
-oarton s Oelraffincrien, mit allen Maschi
"vv dem ganzen Vorrath, brannten heule
Abend nieder. Auch der nahe gelegene Bahn
hof der „Memphis-Charlestoner Bahn" sing
Heuer, wurde jedoch nur unbedeutend be
schädigt.
Baker k Barton's Verlust beträgt §15,000.
Ter Ursprung des Feuers ist nicht bekannt.
Anklagen gegen einenAichtcr.
Tenn., 4. Febr.—Eine Spe-
Zial-T-cpesche aus Jackson, Miss., an den
„Appeal" meldet, in beiden Häusern der Ge
scvgebung seien heute Anklagen gegen Richter
Charles C. Shacklcsord, vom elften Justtz
bezirk, erhoben worden. Derselbe wird be
schuldigt, seine Pflicht zu verletzen, den ober
sten Gerichtshof zu verspotten, von seinen Un
beamten Geld zu erpressen n. s. w. Man ist
zsvstcht, daß die Beschuldigungen nicht
viel Gewicht haben, obwohl große'Anstren
guugen gemacht werden, den Richter von sei
nem Posten zu entfernen. Die Angelegenheit
ist dem Comite für Rechtspflege beider Däuser
überwiesen.
Die Grangers.
Louis, 4. Febr. Die siebente
Jahrcssitzuiig der Grangers fand heute im
Hotel" hier statt. Zweinnddrcißig
Staaten waren vertreten; unter den Delega
ten waren dreißig Damen. Dndley Adams,
der Großmeister, hielt eine längere Rede über
den Orden, worauf die Berichte der Beamten
vorgelegt wurden. Die Verhandlungen wa
ren geheim.
Gefährliche Räuber verurtheilt.
Chicago, 30. Jan. Nicht der Räu
berhauptmann, sondern ein ganz ordinäres
Mitglied einer Räuberbande, Mike Jones,
alias McHcnry, wurde heute zn zehn Jahren
Gefängniß verurtheilt. Die Bande, der er an
gehörte, hatte ihr Augenmerk besonders aus
dle „Plttsburg-Fort-Wayne-" und „Chicago
Eisenbahn" u. dann auf die Waareiihäuser'dcr
genannten Städte gerichtet. Jones ist blos
20 Jahre alt und ist schon einmal im Zucht
haus zu Joliet gewesen. Die „Star Union
Line" hat durch diese Bande wenigstens 550,-
000 eingebüßt. Sie stahl dckrch ihre Diebes
gc,ellen verschiedene Frachtgüter und sandte
sie per Eisenbahn nach einem Central Punkt in
Indiana; da wurden die Waaren umgepackt
und in den Handel gebracht. Ein anderes
Mitglied der Bande war ein gewisser Barron,
alias Adam Brown, der sich besonders auf
Juwelen verlegte. Er ist ein sehr intelligenter
Mann, 36 Jahre alt und von seinen Manie
ren. Mehr als einmal in den Händen der Ju
stiz, wußte er sich immer wieder hcranszuwin
den und ist auch jetzt noch auf freiem Fuße.
Die Polizei macht aber ernstlich Jagd aus ihn.
Maitressc, eine frühere Bürgerssrau
von Pittsburg, Haidas ganze Treiben der
Bande verrathen.
Raffcrty züm viertel, Male zum
Tode verurtheilt.
Chicago, Jll., 2. Febr. Das Obcr
appellattoiis-Gerichi des Staates hat den A
utrag auf einen neuen Prozeß in Sachen des
Mörders Rafferty verworfen, und denselben
verurtheilt, am 27. Februar d. I. gehängt zu
werden. Dieser Fall ist ein sehr merkwürdi
ger in den Erimiiial-Annalcil von Illinois,
des verzweifelten Kampfes wegen, den Raf
ferty um sein Leben gerungen hat. Derselbe
hat ohne die geringste Veranlassung im Au
gust 1872 den Polizisten O'Mcara erschossen,
und er hatte drei Prozesse, cr wurde dreimal
schuldig befunden, und dreimal verurtheili.
Staats-Anwalt Reed sagt, daß die Hinrich
tung Rasserty's gerade soviel werth sei, als
eine Vermehrung der Polizcimacht um 200
Plann für einen Zeitraum von ftinf lahren.
Nach dem Gcldwerthc berechnet würde jene
Hinrichtung einer dem Staate erspart weiden
den Summe von 5i.000.000 gleichkommen.
Schicksal eines mnthmas-lichcn
Mörders.
Cairo, Jll., 4. Febr. Schcriff Irvm
sing heute den Farbigen White ein. welcher
nu Verdachte steht, am letzten Montage die
Frau Ryan in Carbondale ermordet zu ya
beu. Beide saßen zu Pferde, und als Irvin
den Neger des Verbrechens beschuldigte, trieb
dieser sein Pferd zu schnellerem Lause an.
Der Schcriff verfolgte ihn, als er aber sah,
daß cr den Flüchtling nicht einholen würde
und ihn durch Drohungen nicht bewegen
konnte, sein Pferd anzuhalten, schoß cr auf
ihn und verwundete ihn lebensgefährlich ge
rade unterhalb der Schulter.
Dampfkessel , Grptosion. Eine
Sägemühle zertrümmert und
zwei Arbeiter getödtet.
Milwaukee, WiSc., 2. Febr. In
Gray's Sägemühle. Marathon - Countn, ex
plodirte am Samstage ein Dampfkessel/wo
durch zwei Arbeiter, Ericson und Jsaacs, ih
ren Tod fanden. Die Sägemühle wurde voll
ständig zertrümmert.
Gin Postdieb für verrückt erklärt.
Councilßlnffs, lowa, 1. Febr.
Tie Geschworenen in dem Falle des Gouver
nements gegen den Postdieb Elijah Cowles
haben ihrcuÄahrspruch dahin abgegeben, daß
derselbe irrsinnig sei.
Wahl eines Bundes in
Kansas.
Topeka, Kansas, 2. Febr.—Ex-Gouver
neur James M. Harocy ist zum Bundes-Se
nator für Kansas erwählt worden. Hr. Har
veu ist ein eifriger Republikaner und ein auf
richter Freund aller praktischen Reform-Maß
regeln. Sein persönlicher Charakter ist tadel
los und seine Erwählung wird als einTrinmpf
der Ehrlichkeit und Grobheit der Politik des
Staates angeschen.
Mexikanische Grcnzilnruhen.— Die
Indianer rühren sich.
D enver, C 01.,3. Febr. Eine Depesche
aus Santa Fe meldet Folgendes: „Der„New-
Mexican" von gestern Abend berichtet, daß der
Schcriff und Aktuar von Lincoln-County ge
stern Abend hier ankamen, um mit dem Gou
verneur wegen der in jenem County herrschen
den Wirren zu conferircn. Sic berichten, daß
die Civilbehörden die Ordnung weder ausrecht
zu halten, noch die Unruhestifter der Gerechtig
keit zu überantworten im Stande sind. Fünf
wettere Personen sind getödtet worden, da
runter ein Mann und eine Frau, welche in
ihrem Bette ermordet wurden."
Eine Correspondeuz aus dem Fort Defiance
nicldct, daß die Navajoe-Jiidiancr und die in
der Nähe der nordwestlichen Grenze wohnen
den Mormonen sich bekriegen. Die Mormo
nen haben 3—4 Navajoes getödtet, und die
Indianer üben Wiedervergeltung. Man hegt
ernste Befürchtungen, daß im nächsten Früh
ling und Sommer Unruhen ausbrechen wer
den, da die Ute-Indianer den Navajoes ange
boten haben, sich mit ihnen in einem Kriege
gegen die Bergleute und Ansiedler in der Nähe
dcr „Dolores-" und „San Juan-Gruben" zu
vereinigen.
Nebertricbene Gerüchte.
salt-Lake-City, Utah, 4. Febr.-
Das Gerücht ans Ncu-Mexiko über Unruhen
zwischen Indianers, und Mormonen ist falsch.
Dasselbe entspringt ohne Zweifel einem Zu
sammenstoß einiger Bergleute mit Nava,oe-
Jndianern, in Graß-Valley, Utah, bei welchem
3 Indianer getödtet sein sollen.
nlusz-Piraten.
New - Orte ans, La., 3. Febr.-Wäh
rend der Dampfer „Ellen D," Eigenthum des
Hrn. Krause, bei Jordan's Landung, im
Boeuf-Rlvcr lag, kamen gut gekleidete, junge
Räuber an Bord, verbanden Hrn. Krause und
dessen Leuten, nachdem sie ihnen ihre Pistolen
entgegengehalten hatten, die Augen, raubten
denselben ihr Geld und alle ihre Werthsachen
und bcluden ihr Boot mit Gegenständen im
Werthe von 81500. Tic Piraten waren
Fremde und gehörten vermuthlich zu Coy'S
Bande der Missouri-Räuber.
Der Aufstand aus Euba. - Gefan
gennahme nnd Einrichtung ei
nes spanischen Oberste.
New-York, 2. Februar. Hiesige Cu
baner haben mit der Post nähere Nachrichten
über die Gefangennahme und Eiichießung des
Obersten Montaner, eines ipanischei,Befehls
habers, crhattcn. Der Oberst pegiencle mit
einer Bedeckung von Manu einen Train,
welcher angegriffen und mit Beschlag belegt
wurde. Montaner ward gefangen genommen
und seine Truppen zerstreut. Mau brachte
ihn in das Hauptquartier des Gen. Gomez,
wo man ihm sagte, cr möge sich aus den Tod
vorbereiten; er wurde auch bald nachher er
schossen. Cs war bekannt, daß Montaner
cubanijchen Gefangenen gegenüber mit äußer
ster Streng verfahren war.
Es sind außerdem Nachrichten eingelaufen,
daß spanische Soldaten, welche in der Nähe
von Puerto Principe gefangen genommen
wurden, erschossen worden sind.
Nr. 6.
Havanna, 3. Febr. Das Panzerschiff
ist gestern hier angekommen.
Die hiesigen Lohnkutscher setzten heute Mor
gen einen „Strike" in's Werk. Berittene Po
lizisten patrouillirten in den Straßen und be
fahlen den Kutschern bei Gesängnißstrafe, an
ihre Arbeit zurückzukehren. Ter Strike ist zu
Ende.
j Die Differenzen mit den Cigarrenmachcrn
sind noch nicht beigelegt. Nur wenige der
i größeren Fabriken arbeiten, und zwar mit bc-
deutcndreduzirter Arbeitskraft.
Pauline Lucca will nicht mehr singen und
Jlnia diMurska singt nur noch, um dcmChore
i und dem Orchester Bezahlung zu sichern. Tie
Schlichtung der Opern-Schwierigkeiten ist
Rechtsgelehrten übergeben.
Die meisten Kausieute schließen ihre Ge
schäfte aus der Goldbasis ab.
Erdbeben in Eanada.
Ouebcc, 2. Febr. Gestern Nachmittag
wurde zu Father - Point ein heftiger Erdstoß
verspürt. Die Oefen und alle beweglichen
Gegenstände fti den Häusern des Dorfes gc
ricthen in'ö Schwanken. Der Stoß wurde
auch 10 Meiteu südlich von Onevec verspürt.
Derselbe Halle eine nördliche Richtung. Das
Thermometer stand hier beute Morgen ans
20 Grad unter Null.
Rimouski. 2. Febr. - Gest-'n Nach
mittag wurden hier zwei deutliche Erdstöße
verspürt.
Die Rösenvattm'sck,c 2luslitse
-n- rungs-Angelcgenheit.
Montrea l, Eanada, 3. Febr. Heute
wurden hier die Verhandlungen in der Rosen
baum'schen Angelegenheit sortgesetzt. Als die
Beweise des Herrn Allen, Gehülfs-Distrikls-
Anwalts von New-York eingebracht waren,
wurde Einwand gegen die Abschriften der in
New-York aufgenommenen Zeugen Aussagen
erhoben. Man wollte sie nicht als Beweise
in der Sache gelten lassen und Richter Rom
sey behielt sich den Punktzur Entscheidung vor,
die er morgen ergehen lassen wird. Fällt die
Entscheidung zu Gunsten der Anklage ans,
dann wird die Sache morgen zum Schluß
kommen, außerdem aber würde cs nothwendig
werden, Zeugen von New-York kommen zil
lassen.
Versuch, Kirchen in Brand zn
stecken.
H a milton, Ont., 3. Febr. Während
der letzten Nacht wurden 'Versuche gemacht,
mehrere Kirchen der Stadt in Brand zu stecken.
In der „Primitive Methodisten-," der „Wes
" YYd der „Centenary-Kirchc" wurden
Bücher, Polster und andere Gegenstände ans
gehaufr und in Brand gesteckt, ohne die Ge
bände viel zu beschädigen. Die„St. Audrcas-
Kirche" jedoch wurde fast gänzlich zerstört. Tie
Brandstifter machten auch einen erfolglosen
Versuch, das Comptoir des Holzhändlers Wil
liam Jork in Brand zu stecken.
Vermischte' Berichte.
New - York, 3. Febr.-(Für Ale-Con-
letzthin von denßrauern und
Malzern beschloyenc Erhöhung derAle-Prme
um 81-2 per Faß trat von gestern a in
Kraft, und die neuen Preise sollen ausrecht er
halten werden bis das Resultat der diesjäh
rigen Gersten-Erndle bckamii geworden ist.
New - York, 4. Febr. Hr. I. P Bär
der Agent der „Children's Aid Society,'"ainä
gestern mit 8o seiner Schüblinge nach dem
Weyen ab. wo er denselben ein Unterkommen
zu verschaffen gedenkt. Unter seiner Obhut be
fand ,ich u. A. die Familie Dorcnheim, be
stehend aus Vater, Mutter und 6 Kindern
deren jüngstes vor Kurzem verhaftet wurde'
weil es einen Laib Brod gestohlen hatte, um
vor dem Hungertod- zu schützen
der spanische Ex-Eolonial'
Munster, reiy heute mit dem Dampfer Ulms
stiiia" nach Europa ab.
' ~,-77 (Mehr Handgranaten gefunden.) Die
. tzotizei fand gestern früh in Chnrch-, nahe
, drei Handgranaten aus der
Straye liegen, welche nach demselben Modell,
wie die bei Tebnrby in Blecckcr Str. gefunde
nen Bomben, geformt sind. Allem Anschein
nach wurden dicielben vonihremEiacnthümcr
der Unannehmlichkeiten befürchtete, wcaae
worfen. ' '
l derßnttalität amcrikanischerSchiffS-
erzählten gestern drei norweaische
- Matrosen, die am Bord der amerikanischen
i Brlg „Sarah Emma" von Boston eine Reife
, nach St. Thomas und Rio gemacht, vor Bnn
, Shiclds eine haarsträubende
. Geschichte. An einem Samstag Abend in Rio
angekommen, wurden sie am nächsten Moraen
um 4 Uhr geweckt und gezwungen, das Schiff
zu reinigen und zu scheuern, ohne daß man
ihnen den ganzen Tag über Etwas zu essen
gab, als etwas Frühstück uni 8 Uhr. Der Ca
pitän und die beiden Steuerleute waren an
gegangen, von wo sie Abends betrunken
zurückkehrten. Als sich d,e Malrosen bei ihnen
über die erfahrene Behandlung und namentlich
auch darüber beschwerten, dag sie allein und
nicht auch die Matrosen amerikanischer Ratio
nalität zur Arbeit angehalten würden, fiel man
mit schweren Holzstücreu und Pistolen über ste
her und mißhandelte die Drei auf das Schau
dcrhatteste. Einer von ihnen, Walström mit
Namen, wurde dazu noch in das Bein geschos
sen. Sie blieben noch einige Tage am Bord
und gingen dann aus die Brigg „St. Uriula "
die sie mit nach Boston nahm. Von dort kamen
sie hierher, um Klage zu erheben. Es wur
den Haftbefehle gegen den Ccivitän ver„Sarah
Emma," Artlmr Carter, uns dessen Steuer
leute, die Brüder von ihm sind, erlassen. Tie
Brigg wird wohl nächstens bicr eintreffen.
der gestrigen Versammlung des
Wein- und - Vereins be
"Me-e das Comite, weiches in Washington
die Wunsche und Rathschläge des Vereins be
treffenden Ortes vorzulegen halte, daß sowohl
der Commissär der Jnlandsteuern. als der
Schatzamtssekretär und das Comite für Mit
tel und Wege ihre Vorstellungen sehr günstig
aufgenommen hätten. '
Schirmmacherinncii, meistens junge
Mädchen, wollen zur Abwechfcluiig nun auch
ein Mal „strikeu," um sich gegen die Zu
muthiliigen lhicr Arbeitgeber uiid eine Herab
setzung ihrer Arbeitslöhne zu schützen. '
(Einwanderung im Januar.) Im Ja
nuar landeten in Castle-Garden 2518 Perso
nen, gegen 6463 Personen in 1873.
(Die Brooklyner Höllenmaschine.) Ed
mund H. Haycs, welcher schon in anderen
Prozessen als Angeber figurtrte, wurde Mon
lag Abend auf Grund eines vom Richter
Morgan erlassenen Haftbefehls festgenom
men, um sich wegen angeblichen Meineide
ZU verantworten. Haycs bekräftigte in einem
Affidavit, daß W. F. G. Shanks, Lokal-
Redakteur der „Tribüne," und andere Brook
lyner Bürger dem Ex-Richier Morris eine
Höllenmaschine zugcseudel hätten. Haycs
welcher in Nr. 242, Ädams-Straßc, Brook
lyn, wohnt, wurde Montag Nacht daselbst
verhaftet, aber gestern gegen tz3ooo Büraschaft
entlasten, um vor den Gencral-Affiscn vro
zessirt zu werden.
Thurlow Wccd, der geriebene Staats
mann, ward vorgestern Abend in cmem Om
nibus im Broadway das Ovier eines ge
schickten Langfingers, der ihm in der geschmei
digsten, iinvcrfänalichsten Weise die Uhr aus
der Tasche zog, ohne daß der alte Herr auch
nur das Geringste davon merkte. Gestern
setzte er den Polizei - Superintendenten in
Kenntniß von seinem Abenteuer, das um so
unangenehmer, als die entwendete Uhr ein
geschätztes Andenken ist, das das Bildniß von
Herrn Thurlow's Frau und Tochter ein
schließt.
Tr au r i ges Wie derfi Ii den.-Vor 15
lahren reiste ein Hamburger Kaufmann M.
nach Valparaiso, um nachdem cr hier sallirt
hatte, dort sei Glück zu versuchen. Er hinter
ließ Weib und Kinder, kümmerte sich aber nie
wieder um, dieselben, sondern ließ die Briefe
seiner Frau allem Versprechen entgegen
gänzlich unbeantwortet. Ticse ntthrre sich küm
merlich, bis sie ein Viertel des großen Looses
in Lraunschweig gewann und ihre Kinder bes
ser erziehen lassen konnte. Der älteste, 27
Jahre alte Sohn erlernte die Handlung und
nahm Anfangs letzten wahres Stellung in ei
nem New-Yorker Hause. Vor etwa zwei Mo
naten, nachdem der söhn bereits verschiedene
Versuche gemacht hatte, den Aufenthalt seine
Pater zu ermitteln, wurde in New-York
Plötzlich ein noblcrGauncr gepackt, welcher da
selbst seit Jahren die größten Schwindeleien
ausgeführt harte und über dessen Bcrhastuna
in mehreren Zeitungen referin wurde. Wie
erschrak der jungeMann, als er seinen eigenen
Namen las, der nach genauer Feststellung
der Name seines Vaters war. Er eilte iosorc
zu dem Untersuchungsrichter; dasWiedcrschen
war ein erschütterndes. Der Sohn konnte nur
ver'prccheu, für seinen Vaier demnächst sorgen
zu wollen wenn Letzterer die drei Jahre
! Zuchlkaus, zu denen er verurtheilt ist, abge
büßt habe.
Bersten von H e i z - Ap parat en.—
DerHeißwasser-Apparat im Tiefgeichoß des
HruscS Nr. 158, Parl-Place, New-York da
Hr. Gunnison bewohnt, cxplodirte Montag
Morgen, und ward der gesamime Inhalt der
unteren Räume zerstört. Der FrühstückStisch,
welchen die Familie soeben verlassen hatte,
wurde umgeworfen, der Kochofen zertrüm
mert und nebenbei durch das dem Kessel cnt
! strömende Wasser viel Schaden angerichtet.
' Personen wurden nicht verletzt. -7- Gleiche
! Schicksal wurde von dem Kessel in dem Hause
I von Joh. Blink, Nr. 191, Bergenstt'aße, an
! gerichtet. Die durch die Exvlpston hcrumgc
> worsencn glühenden Kohlen verursachten einet!
Brand, der jedoch bald gelö ch wurde,

xml | txt