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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, February 06, 1874, Image 3

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Die Letzte und Beste.
Die neue
leicht laufende
Howe'sche
Nähmaschine
wird ntn
guten den Käufern convenirenden
Bedingungen verkauft
Nr. 38, Nord-CharleSilr.. Baltimore.
Agenten in jedem County.
<Avriiz-t1 undApiitji.dMte.w.Z.p.s
Ein Familien - Artikel.
Agenten verdienen §12.5(1 täglich, §75
die Woche.
Eine ganz neue
9t ii h - M a s ch i n e
zum Hausgebrauch?,
nur fünf Dollars
Knop'floch^ArbeUer,
der am 27. Juni 1871 valentirt wurde.
Diese Maschine erlnelt tB7ll auk de,
Auvftellungen de ~American
Institut"
„Marylaad Znftituts" die erste
Prämie
E >ft ine dewunderungswiirtig und elegant ae<
dau.e NShmaichin. s,?r ff ° mi. ien j?r d. i t
nallenlheiienco.nvlt:gedraucht dtegcradea u q e n.
Ipivi, c Nadel, d,c sich ,cidst mli -(wirr
versorgt; hat direkte auirechie positive B e
Sireckuu. zieht selbdas Peug wc.°
. cwt Tie geht mittels
Na es und ans eine, tische, -- a, ,eichrev
und "auschloS, wie alle guten
werihgeschgtzten Maschinen; Hai ein P a l en i h am.
°"daS Rad an der unrechten Drehung hinde?Ü
van der epuic. Sie mach!
?"tenst>ch. den srinnen ued
2Ä. '""v k"ni. raich, dauerhast, je und
dich,. S,e verrichicl alle Arien .drit, seine und
ar v d e. vom Samdrick ' i zum dicken Tuche oder
°Ue Sotten ,-swirn. 5 iele
Maschine Ist ichw e r geb a n t um ihr S t-tr k e zu
v-i eih.n; alle Theile reder Maschine iind mir Ma
?cy l r'. eri e einander gleich gemacht und schon o-
Leicht i.izt stch's lirnen. Ai ihr zu
allezeit veriaglich und eine prakti iche, wissen,
iw änliche, mechaniiche Er sindung dei
dedeutend eradgeschtem Preise.
billige ffamilien.Nish Ma
W'ne. Pn Ihr irr zuerst und alleinig der Vernich, eine
,a n ' °"iä>ichc und d.llige N.ivmaichine
ürachisteo",! Ädr augerft niedriger Preis
Sta, dcnzuxana .ch, tth.c Einsachbeit
'u allen Leistungen gejchjcki,
edeanll.e i Vorzüge ste. woimmer sie im
u> ' allgemein n Lieblinge niachen und
ra-che Nach,rage naa, >h hervorruttn.
ovle leiste ui.d Ist Aue, was an ihr gerühmt
lhren Glbrauch Denjenigen, welch eine
1..„ zu billigem Prei'c wün.
schen, mit Vergnügen und zuversichtlich emviehlen.
a au H B Zamcton,
Vevlone, Will-Tountv, 811.
i'dcn Maschine: .Masse st.-..Nr. 1.-
da ch besonderen Echc.n aas sag, Jahre g. rantirr. mit
a^" com viel, einsa-tiegt.ch der
-> ~4 holenden Nadel, in e-ner
Solzkille verpackt "dt per Exvr.st nach >r
n/a Dveil des Landes gegen Emviaag
des srei von weiteren -Härder! gen nbgelirierl
käns Dollar. Mit icder Maschine schicken
tteren .stnopfw N.b'ett " palen-
Erfin'iingen der
.'! "vkvch und sicher, daß ein ,nd mit
ma^7r^m'S7att'u^!'ch'^'
Besoatteßtdni,gi,ge und Exl ra.Vortheile
,? g'Niinncn. Larendesiver u. s. w.,
welche in allen Agenturen c.r chrcn und
?° m au, Umstellung u,
zum Verkaufe hallen wollen. Gewandte A,en
unentgeltlich. Agenten werden ohne Ertra-
N ü d.Ve? m!" n!,.' '°usgest°iiel, Proben von
Näherei, Damvtzlete mit Beschreibung. Bedin
u- l- w, werden
rei zugeschickt. Wir oerich-ck.n auch
> Act-rvau.Gerarksckiast-n
der neuesten Patrnic und Vtidesscrungen sür ffeld u
Eiiliivaioren,
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Laniardeit norhigen etile!.
Auswahl. Alles uttt
lelst Vostanwcisung, Banlanweisang oder üxvreü ad.
sc! aus unsere Gewh- und in voUiom
wird di.ese.ang all' unserer Waaren
k-üea verantworll'che Firma, wclche die
1. am " bcn Niedrigsten Preisen vertäun, und
"""" " -
li°d wir nicht
Bestellungen richte man an
. Zccome B. Hudson <somv
e°--lnn°age.
Gcschmackooll^Drähtarbei
tru und Draht-Ziiune
tt omv.,
Nord. Howard-Straße,
Drabt.Züune für Pegwbntßplay-, Bot-
Ä"?' vecroqttter, afize. steuerichir.
Draht u. f. w.; ferner eiserne Kctt-
Ecllees, Stühle u. f. n, jz wird Deutsch
rochen. cDtt.jg.iZMre.,
-<rmpfwaare . f. v.
abe stets einen completenßorrath von Vor.
Unterhemden,
? eigener Fabrik, welche ich
den Pendler und ndein iu de billigsten Presse
Z>te hdchste aorpretse werden für Wolle geiebe.
Hopse xdMalz,
und Roggen-Malz
Defttllatcure aa Hand, und da vir unsti
U Kft-aM '-Um Z'--"-
ovd Ritsert.
Moldau am Fuße der Sutawstr/'jNo.LS°j^mwr
Kenuard ä- Oudeslnys,
Rr. ftl, t?zci,ai>ge-Plaee,
- . , 6°!missionärc
sur dtn erkauf von Butter, äse und westlichen Pro.
II w'/ Eonfignationen.
Knochelnnlhü
Landlculk, weicht ihren eigenen Dünger mach
wollen, sollten nur animal isch cs Pho sp d a
und t-m mineralisches Phosphat lausen.
°">ma.lsche Pb°S
z. B. Nufsell,
Nr. R 6, Bowlev'Werfte,
t >uz..lJ,W> Baltimoie, Pjd.
Düngmittel!
Das einzige deutsche Haus in der Stadt:
Joh. C. Hachtel öd Comp.,
der Goueli- und Seeondraste.
Sackt!' ° ° "
Dünger au
ler i nochenmedl. ainii sPottalch.n Zoda, sei-
' Guano und Düngmitteln
achtungsvoll erbeten.
ov!l>ci>ssi
und
Leber-Lnvigorator
MZM kurlrt
2Po?'Pste. Leber - ranktzeit,,.
steldsucht, Gaklrnkranthrt.
opsschmerjen und
Vrrftopsung.
Diese ist eine ganz aus Beaetabilien
bereitete Arznei, u. wenn irgend etwa
. bis jetzt Entdecktes obige rankheiren
lurirr. so ist es Miller's Dyspepfin.
Man bemerke, daß wir es nicht als Uni
versalinitiel empfehlen, sondern nur für
die obenb-inerkten Krankheiten.
Es istungefähr seit 2 Jahren vordem
Publikum, und infolge der zahlreichen
freiwilligen Zeugnisse können wires als
unübertrcfsbar empfehlen. Wir haben
sis' noch von dem ersten Falle zu hören,
>n welchem eS nicht gewirlt hätte. Wer
die verschiedenen Bittere und andere
Ersuche dicks n> ha.
dcrWirkiaintcil desselben überzeug?, daß
wir willig das Geld zurückerstatten,
wenn es keine Wirkung hat. Wir find
gut genug bekannt hier in Baltimore,
daß wir dieses Anerbieten mit der Ab
sicht machen, um es auszuführen. Ben
sucht eS, und nach dem Gebrauche einer
Flasche werdet Ihr mit einem wohibe
WM ,„.s da,seid,
-- sFirma Davis ä- Millcr.j
WWW Baltimore, Md.
Peel Kl pro Flasche der
Flaschen fü,KS.
.-Zu haben bet allen Troguiften und
ZSpothctern. sSeptZK.l2Mtc,sp.td!wi
HteieZadnsymerzen mehr!
Zahnschmerzen sidcr Art, selbst wenn die Zäh,
hohl und angefteckt sind, werden ,ür die Dauer durch
den berühmten Jüdischen Eriralt- beseitigt.
Derselbe ha sich bereit eine Weltrubm erworben
and ist cht zu haben S 25 und öv Sts. die Flasche bei
?. HaUeneamp, sttr. 75. Hann,große;
Z. Ghl, Ecke Eharles- und Mont-omervfr.j
Karl E. vraest, Ecke Suior und
. i,ta. Nr. 28, Pennl.-Aoenuei
le. Gteindos Nr. 446, Wft-Balt>Uiorestr.s
Z. aumgärtner, Ecke Prall, und Prrftdentstraße,
. Karl Eckender Boston- und Ehester!.;
ort. IISS, Süd^Broadwain
. Richter, Nr. 199, Frcderick.Avenu und
. Richter, Ha?. Niederlage Rr. .Rae.
Brada.
Tinhnndrrt Dollar bezahlen wir Jedem, welch,
achwris't, daß nur die allergeringste Menge tor
phium -der Opium In H. Richiess oelolor.
bin o?rap, wie diese bei allen andern der Fallt
enthalten ist.
Mint, gebt nur ihn Euren Kindern, dann werdet
ihr ste dehailt-, derselbe erleichtert da Zahnen on
tsdt ihnen in, gesunde Echlas. - Jeder ipoiheke,
hat Sootdtn, L/rnp ans Vager: rei 25 Seat r
altinwre. .
Stadt Baltimore.
Eine historische Erinnerung.
Bei Gelegenheit der am Donnerstag Abend
in der „Eoncordia" zur Förderung der Phi
ladelphias Weltausstellung stattgesuudenen
Versammlung erinnerte Senator Bayard von
Delaware daran, daß einstmal auch in Ma
ryland da Volk die Zerstörung einer Ladung
Dhee vornahm, die unter dem odiösen engli
schen (3 Pence) Steuer-Gesetze eingeführt wer
den sollte. Es war bei Aindmill-Point am
Zusammenflüsse des Severn - Flusses und
Spa-Baches (nicht St. Mary's - Flusse, wie
der Senator sagte), wo am IS. Okt. 1774 die
mit Thee beladene Brigg „Peggy Stewart"
vor Anker lag. Der Ort ist zur Zeit als Jeff
rey' Point bekannt und befindet sich amFuße
der Duke- und Gloucesterstr. in Annapolis.
Auf die Kunde von der Ankunft der Brigg
entstand in Annapolis große Aufregung und
wenn auch in einer öffentlichen Versammlung
von der Verbrennung des Thee's abgerathen
wurde, so beschloß doch eine Anzahl Einwoh
ner, die Ladung zu zerstören und ihrem Ent
schlüsse Nachdruck zu geben, daß die britische
Regierung nicht länger da Recht der Besteue
rung der Eolomen für den Schatz de König
haben solle. Charles Earroll of Earrollton
mahnte den Befehlshaber der Brigg, die Ver.
brennung des Thee's selbst vorzunehmen und
die>er erklärte ych, wohlSchlimmeresvon dem
aufgebrachten Volke befürchtend, bereit, diele
zu thun. Ein Hr. Stewart begab sich in
Begleitung der Consignatäre Thos.Williams
K Co. von Annapolis an Bord des bei Wind
mill-Poiiil auf dein Strande liegenden Fahr
zeuges und dort setzte bald darauf der Capitän
unter Anwesenheit einer großen Menschen
menge selbst die Brigg in Brand, diebald mit
ihrer Ladung zerstört wurde. Dieses Er
eigniss in der Geschichte Maryland' hätte
längst unserem Volke Gelegenheitgeben sollen,
dem Bostoner Beispiele zu folgen und den
Jahrestag in angemessener Weise zu begehen.
Wie der 18. Dezbr. 1773 ein Gedenktag der
Bürger Massachusetts', ist es ebensowohl der
IS. Oktober 1774 für die Einwohner Mary
land'.
> In Verbindung hiermit ist die Anregung
wohl am Platze, daß Maryland bisher sei
ne historischen Gedenktage nur zu sehr ver
nachlässigt hat. Boston, Cincinnati, Chi
cago und jetzt Philadelphia verstehen es, die
selben besser zu verwerthen, Hunderttausende
von Menschen anzuziehen und dadurch dem
Patriotismus und den geschäftlichen In
teressen Rechnung zu tragen. Baltimore hat
in scinerMitte einen derrenommirtesten, wenn
nicht den ausgezeichnetsten musikalischen Or
ganisateur der Ber. Staaten Asger Ha
merik. Wie wäre es, wenn die Sälularseier
in Baltimore durch ein großes Mufikfest be
gangen würde? Die Kräfte sind leicht zu ge
winnen und zur Ausführung Nichts, als eine
liberale Geldverwilligung nothwendig, die
reichlich in die Taschen der Stadt zurückflie
ßen würde. Deutscher Seits wird es an
Mithülfe zu einem solchen Unternehme nicht
fehlen.
Der große Eisenbahn Krieg.
Tie Fahrpreise nach dem Westen, welche
vor einigen Wochen durch die Conkurrcnz der
„Baltimore - Ohio-Behn - Compagnie" und
der „Pennsylvanier Central - Bahn" nahezu
aus Null herunter gesunken waren, sind wäh
rend der letzten Tage allmälig gestiegen und
werden voraussichtlich sehr bald die alte Höhe
wieder erreicht haben. Man würde jedoch
s sehr weit fehlgehen, wenn man daraus schlie
l Ben wollte, daß der Eisenbahnkrieg damit bei-
gelegt und beendigt sei. Derselbe dauert
fort, und ohne daß es das Publikum augen
blicklich erfährt, werden von den kämpfenden
Parteien Schlachten geschlagen. Wie in
großen Bölkerkriegcn während eines Waffen
stillstandes oder während der Winterquartiere
der Ärmec'n die Diplomatie gewöhnlich um
so thätiger ist, so auch in diesem Kampfe der
beiden Monopole. Die Lust ist voller Ge
rüchte über große Combinationen und Pro
jekte. Tie „St. Louis Times" berichtet z.
8., daß die „Baltimore Ohio - Bahn" Con
trole über die „Ohio - Mississippi - Bahn"
erlangt und auf diese Weise eine ununterbro
chene eigene Linie von Baltimore bis St.
Louis erworben hat und daß bei der nächsten
Wahl Hr. Garrel! zum Präsidenten jener
Bahn erwählt werden wird.
Aber auch im Osten ist Garrett nicht
müßig, und wenn man den in New-York cir
kulirenden Gerüchten Glauben schenken darf,
so hat die „Baltimore - Ohio - Bahn" auch in
New - Jersey eine gute Requisition gemacht.
Wie berichtet wird, haben in den letzten Ta
gen verschiedene Konferenzen zwischen Be
amten der „Nord-Pcnnsylvanicr"-, der „Cen
tralbahn von New - Jersey" und der „Balti
more-Ohio-Bahn-Comp." in Philadelphia
startgefunden, welche zur Folge hatten, daß
der Bau einer neuen Linie unter dem freien
Eisenbahngesetze von New - Jersey beschlossen
wurde. Bekannte Philadclphicr und New-
Yorker Kapitalisten, sowie eine Anzahl reicher
Bürger von New-Jcrscy sind an dieser ueuen
Bahn interessier. Dieselbe wird in Philadel
phia au die „Pbiladclphia-Wilmington-Bal
timorcr-Bahn" au'ch'ießen, dann dicSchienen
der „Nord-Pcnusylvaiiier-Bahn bis Doyles
lown benutzen, von dort bis Flemington, N.-
1., laufen und über die Schienen der ..Ccn
tral-Bahn von New-Jersey" nach New-York
führen. Die projektirle Linie wird SO Mei
len laug sein. Diese Noute gibt der „Balti
more Ohio-Bahn" eine unabhängige Verbin
dung mir New-York.
Die Gegner der ..Baltimore-Ohio-Bahn"
sind jedoch gleichfalls nicht müßig. Tic
„Penusylvanra-Central-Bahn" steht bekannt
lich als Opponentin des jungen Riesen von
Baltimore nicht allein. Alle großen Fracht
linien, welche von New-York nach dem We
sten gehen, haben sich mit ihr zur Coucurrenz
gegen Baltimore verbunden. Wie berichtet
wird, hat in der verflossenen Woche eineCon
ferenz von Beamten der „Pennsylvania-," der
„Hudson-River," der „Ncw-Yorker Central-"
und der „Eric-Bahn" stattgefunden, in welcher
der Plan berathen wurde, das ganze Fracht-
Geschäft dieser Linien zu com'olidiren. Jede
Bahn soll die Betriebskosten und einen glei
chen Theil am Netto - Gewinne erhalten.
Wenn dieser Plan ausgeführt werden sollte,
so geschieht es ohne Zweifel nur, um der Cou
currenz der „Baltimore-Ohio-Bahn," welche
infolge ihrer günstigen Finanzlage und ande
rer Bortheile die westlichen Siapelprodukte
und Brodstoffe billiger an die Seeküste schaffen
kann, als ihre starkverschuldeten Rivalinnen,
begegnen zu können.-Wie der Leser sieht, ist
der große Eiscnbahnkrieg noch lange nicht zu
Ende, derselbe wird vielmehr jetzt erst recht
beginnen: die Monopole werden aber höchst
wahrscheinlich sehr bald aufhören, sich durch
Reduktion der Fahrpreise Coucurrenz zu
machen.
Baltimore'S Seehandel während
des Januars.
Ter Schiffsverkehr in unserem Hafen war
während des verflossenen Monats nicht im
Geringsten aestört und der Ausweis über An
kunft und Abfahrt von Seeschiffen ist infolge
dessen weit günstiger, atS im gleichen Monat
des Jahres 1873. Im Ganzen kamen im
Laufe des Monats 64 Fahrzeuge aus auslän
dischen Häfen hier an, 10 mehr, als im Ja
nuar 1873. Darunter waren 6 Dampfer, 1
Vollsckiff, 33 Barken, 21 Briggs und 3 Schoo
ner. Von diesen führten 29 die amerikanische,
12 die britische, 7 die deutsche, 6 die nor
wegische, 5 die russische und i die östreichische
Flagge. Sicbeiiundvierzia waren befrachtet
und siebenzehn kamen in Ballast. Dieselben
kamen au folgenden Ländern: 13 ans Eng
land, 4 aus Irland, 3 au Rio de Janeiro,
14 aus westindischen, 15 aus südamerikani
schen Häsen. 6 von Bremen und 4 von Italien,
Trotz dieses lebhaften Verkehrs haben die
Zollcinnahmen im Vergleiche mit denen des
Januar von 1873 abgenommen. An Zöllen
wurden im letzten Monat bezahlt 5416,082.-,
43, während im Januar vorigen Jahres
526,063.32 eingingen. Diese Abnahme in
den Zolleinnahmen darf wahrscheinlich auf
Rechnung der Finanzkrisis gesetzt werden.
Dieselbe hatte in allen Kreisen bedeutende Ein
schränkunaen zur Folge, die Importeure ließen
in Folge dessen ihre Waaren in den Bundes
magazlncn, bis die Nachfrage nach Luxusar
tikeln wieder zunimmt. Während de letzten
Monats klarirten von hier 91 Fahrzeuge für
fremde Häfen, 10 mehr, als im correspondiren
den Monate des vorigen Jahres. Darunter
waren 6 Dampfer, 3 Pollschiffc, 39 Barken,
19 Briggs und 24 Schooncr, Ihre Bestim
mungsorte waren: England 4, Jrlqnd 28,
Rio 7, West Indien 35, Deutschland 7 und
Süd-Amerika 10.
Der Import des Januars steH, günstig im
Vergleiche mit demselben Mona Vd'cs vorigen
Jahres. Die Zufuhr von Rangoon-Reis und
Rio-Kaffee war etwas geringer, gl im Ja
nuar 1873, dagegen wurde eine weit größere
Quantität von Zucker und Melasse aus Euba
und Demerara hier eingeführt. D-ie schlechte
Kassee-Erndte und das Steigen der Preise
wird den Ausfall des Kaffee-Imports leicht
erklären, die vermehrten Einfuhren westindi
scher Stapelproduktc find dagegen aus Rech
nung der in jenen Handelsplätzen herrschenden
GcldkrisiS zu schreiben. Die Pflanzer und
Kaufleute aus Euba sind durch die Geldklemme
gezwungen, zu irgend einem annehmbaren
Preise zu verlausen, und unsere Importeure
controliren durch den Ankauf der Handcls
papiere in Havanna und Demerara jetzt that
sächlich die Preise. So kommj es, däß jetzt
schon häufig Stapel in bedeutender Quantität
hier eintreffen, von denen man früher gewohnt
war, sie erst Ende Februar und im März in
den Jmporllistcn zu finden. In diesem Jahre
hat Baltimore die ersten Ladungen der neuen
Zuckererndte und die ersten Orangen und Ci
tronen, welche in den Ver. Staaten imporlirt
wurden, erhalten; gewiß ein günstiges Zeichen
für den Unternehmungsgeist unserer Kaufleute
Die hauptsächlichsten Importartikel waren-
Rw-Kaffee, 25,iik Säcke; Java-Kaffee, 20
Säcke; cubanischer Zucker, 1158 Oxhofte und
1285 Kisten; Tnncrara-Zucker, eis Oxhofte-
Melasse von Cuba, 1088 Oxhofte nnd 90
Tineen; von Temarara 73 Pnncheons: Salz
von Liverpool, 1933 TonucnundB630Säcke-
Düngsal; von Bremen, 1215 Donnen; Sali
von Turks-Jsland, 20,224 Bschl.; Guano
von Navnssa, 1115 Tonnen; italienische Ci.
, tronen 2624 Kisten.Apfelsinen, ll,sBBKisten
i Apfelsinen von Havanna, 83,200 Kisten; ?i
Faß Pflaumen; 107,695 CocoSnüss;
I Säcke Mandeln; 157 Kisten Spirituosen von
Liverpool; 14 Faß Wachholderichnap; 70
Faß Bier von Bremen; 122 Kisten stanz.
Champagner; 281 TonnenKnochcnmehl: 433
Faß Sodaasche; 1K.84S Kisten Blech; 60 Tier
cen Backpulver; 22S Ballen Felle; 346 Kisten
Steine; 61 Körbe Jrdcnwaarcn; 800 Säcke
Reis; 1656 Mulden Blei; ii7oPackete Waa
ren; 210 Tonnen Schwefel; S 2 Blöcke ital.
Marmor, und l 1,000 Havanno-Eigarreii.
Der Gerreidc-Exvort des letzten Monat
stand mit der Aussuhr vom Januar 1873 ziem
lich gleich. Der Export von Taback, Baum
wolle und Mehl war dagegen viel bedeuten
der; die Baumwolle-Ausfuhr war um 3420
Ballen größer. Der Werth des Exports
überstieg den der Aussuhr vom Januar 1873
um tzl,ooo,ooound betrug im Ganzen 82,755,-
SI7. Bremen erhält größtenteils Taback,
Irland und England sind unsere besten Knu
den für Brodstoffe, Teutschland erhält außer
dem sehr viel Roggen.
Der Küstcnhandel und die Zufuhr von Sta
pclproduktcn aus dem Süden waren in Folge
des milden Wetters sehr bedeutend, aus den
Carolina' und aus Louisiana hat sich die
Zufuhr von Baumwolle, Reis und Zucker
rohr im Vergleich zu derselben Periode des
vorigen Jahres fast verdoppelt.
Die Zufuhr von Brodstoffen aus dem Westen
ist in merkwürdiger Weise gestiegen, wie fol
gende Tabelle zeigt:
Monate. Walzen. Mais. Haier. Roqaen
San. 171 551,190 966,>4 79,i07 90,>U7
San. tS7Z 2,107 625,3,76 tZ7.7g> z.'itti
Zunahme >9S,OBZ ZIYM6 N.zV,
Dieses zeigt eine Gcsammtzunahme von
807,770 Büschel. Die Mehlzufuhr zeigt
eine Zunahme von 40,876 Faß im Vergleich
zum Januar 1873.
Ankunft des englischen Dampfers
„Canadian."
Der englische, zur Allan'schen Linie gehö
rige Dampfer „Canadian," Capt. McKenzie,
traf gestern Nachmittag 5 Uhr von Liverpool
über Halifax, N.-Sch., an seiner Werste zu
Locust-Point ein.
JahreSfitznng der Ver. St.-Grotz-
Loge des L. U. B.
Die Ver.Staaten Großloge des „Perbesser
tcn Ordens der Unabhängigen Brüder" hielt
Montag ihre Jahresfitzung in der „Druiden-
Halle" an Gay', Ecke der Fayettestr. Bon
den vcrschiedenenßahnhöfen wurden die frem
den Brüder durch Conme'n abgeholt: von da
marschirtcn Alle unterFührung des Oberbnn
deSmeisters Ernst Zimmermann, welchem die
Oberbeamten, das General-Comite und An
derr folgten, nach dem Lokale des Hrn. Karl
Bauer an Hillenstraßc, wo Alle eine freund
liche Aufnahme fanden. Nachdem ein Herz
und Magen stärkender Imbiß eingenommen
war, begab man sich nach demVersammlungs-
Lokale. ImGanzeu trafen gegen 30 auswär
tige Brüder hier ein. Die Sitzung begann
nm 9 Uhr Vormittag. Es wurden K Ex-
Großmeister und 4 Deputirte in die Großloge
aufgenommen. Nach dem Berichte des Bun
des-Schriftmeisters Georg Kroner zählt der
Orden lk Logen in den Ver. Staaten: im
Staate Pennsnlvanien ist er stärker, als in
Maryland. Es befinden sich Logen in Phi
ladelphia, Reading, Uork. In Washington,
D. C., ist die älteste Loge dieses Ordens, wel
cher jetzt 2800 Mitglieder zählt und ein Kapi
tal von 38,000 befitzt. Aufgenommen wur
den im verflossenen Jahre drei neue Logen
nebst einer Frauen-Loge in Jork, Pa., welche
sämmtlich unter der Gerichtsbarkeit der Groß.
Loge der Ver. Staaten stehen.
Während des letzten Jahres wurden 300
neue Brüder aufgenommen und 2t) rief der
Tod hinweg. ISO Waisenkinder und 20V
kranke Brüder erhielten Unterhalt, resp. Un
terstützung. An Sterbegeld wurden §3OOO,
an Krankengeld 600 bezahlt. Das Kapital
betrug zu Anfang de Jahres §41,000; es
wurden an Sterbe- und Krankengeld 3600
ausbezahlt, somit verbleiben 3S,iX)O in der
Kasse.
Der Bericht des Oberbundesmeistcrs Ernst
Zimmermann lautete ebenfalls sehr günstig,
alle Logen desßundes befinden sich in blühen '
dem Zustande, und es ist alle Hoffnung vor.
Handen, daß der Orden sich von Jahr zu Jahr
erweitert und mit sicherem Schrine dem ihm
vorgesteckten Ziele entgegengeht. ,
Die Beamtenwahl hatte solgendeSßesnltat:
Georg Kroner von der „Jackson-Loge Nr. 16" ?
in Baltimore Ober-Bundcsmcister; E.Klein- "
kinder von der „Jean Paul-Loge Nr. 6" in .
Philadelphia Unter-Bundesmeister: L. Gct-
termann von der „Jackson-Loge Nr. 16" in
Baltimore Bundespriester: C. Reddemann ,
von der „Columbia-Loge Nr. 13" in Balti- °
more Bundes-Ceremomenmeister; Thomas -
Hörner von der „Wm. Penn-Loge Nr. 1" in ?
Uork, Pa., Bundes-Schrislmeister; L. Riepe c
von der „Columbia-Loge Nr. 13" in Balti
more Bundes-Schabmelster: C. Gabel Bun- !
de - Marschall, Georg Schmidt Bundes-
Herold, H. Reddemann Bundes-Kastellan, I. <
Dauterich Bundes-Portier und C. Zimincr
mann Bundeswächtcr.
Derdiesjährigeund dervorhcr
gehende Winter. Mit Ausnahme ei
niger Tage war der diesjährige Winter bisher
ein höchst milder und steht im strengsten Eon
trastc mit seinem Vorgänger Der 30. Januar
1873 war der kälteste Tag, welchen die Be
wohner unter unserem Breitengrade seil vie
len lahren erlebten. In Baltimore stand
das Thermometer an jenem Tage aus lNGrad
unter Null, in Lutherville, Baliimorc-Countu,
auf 20 Grad unter Null, auf Mount Wash
ingtoii, Ballimore-Counly, auf 22 Grad un
ter Null und bci'm Relay-Housc an der„Bal
timore-Ohio-Eisenbahn" sogar auf 24 Grad
unter Null. Aus einem Orte New-Hamp
ihire's wurde berichtet, daß das Thermometer
bis auf 42 Grad unter Null herabgesunken
sei. An jedem Tage brachten die Zeitungen
Gerichte über Personen, welche der stillte zum
Opfer gefallen waren.
DicKunstausstcll u n g i in T i c n st e
ZcrWohlihätigkeir. —Es war Sani
lag beinahe Mitternacht geworden, als die
Besucher den Waffensaal des 5. Regiments
-erließen und die erlöschenden Gasflammen
roch einen letzten Schimmer über die zu Ende
lehendeKunstausstellung verbreiteten. Der
Besuch war am letzten Tage noch zahlreicher,
ils an den vorhergehenden Tagen, und es un
erllegt keinem Zweifel, daß das Interressc an
er Ausstellung nicht gelähmt worden wäre,
venn man dieselbe noch eine Woche lang forl
>eführt hätte. Man erwartete Anfangs, daß
>ie Brutto-Einnahmen nicht mehr, als z,'>ovo
-etragen würden; anstatt Dessen sind sie auf
14,000 gestiegen. Rechnet man hiervon die
lothwendigen Ausgaben ab, die sich auf um
>esähr SWOO belaufen, so bleibt ein Betrag
wn K12,0v0 übrig, der dem „Vereine znrVer
icsserung der Lage der Armen" und dem
,Frauen-Hlllfs-Vereine"zurVertheilung unter
>ie hiesigen Armen überwiesen werden wird.
Eine werthvolle Erfindung.
Hr. Adolph Pfaff, in Nr. 126, Aisquitystr.,
wohnhaft, hat eine Maschine erfunden, welche
Fett u. s. w. in Kubikwürsel von verschiede
ner Größe schneidet und sich besonders für
Metzger zum Fettschneiden Behufs Ausko
chens und Wurstmachens eignet. Die Ma
schine kann in verschiedener Größe mit mehr
oder weniger Messern angefertigt werden, ,e
nach dem Geschäfte und Zwecke, für welche sie
benutzt werden soll. Zum Beispiel macht
eine Maschine von 16 Messern im Durch
ichnitte von 18 Zoll mir einem Abschneide
messer bei jeder Umdrehung zu 6 Zoll 64
Schnitte von 3 Zoll Länge, somit 8 Mal 3
Mal 8---512 Kubikwürsel. Dieselbe Ma
schine kann in einer Stunde je nach der Ge
schwindigkeit, mit der sie in Bewegung ge
letzt wird, 4 bis 3 Kessel von 12 Gallonen
voll Fett in Kubikwürsel schneiden. Ter Er
finder bürgt dafür, daß dieselbe Fett, Fleisch,
schwarten und Flechsen von beliebiger Ticke
schneidet, durch Dampf-, Pferde- oder Hand
kraft m Bewegung gesetzt werden und ieder
Arbeiter sie in Gang bringen kann.
Italienischer Marmor und die
Steinbrüche von Carrara. Die
Brigg „OnoleSka" traf am Dienstag Abend
Mit 04 Blöcken italienischen Marmor von
Genua hier ein. Die Marmorblöcke stam
men sämmtlich aus den Steinbrüchen von
Carrara, wo bekanntlich der schönste und beste
Marmor gefunden >v,rd. Carrara liegt, rings
von Hügeln umgeben, an der Avenza, wo
sich diese ln's Miltclmeer ergießt. In den
Hügeln befinden sich 30 Steinbrüche- der
Marmor, welcher aus sieben dieser Brüche ge
nommen wird, dient ausschließlich zur Anfer
tigung von Statuen. Die Bevölkerung Car
rara's zählt 600 Menschen, von denen nahe
zu 1000 die Bildhauerkunst betreiben. Die
Marmorblöcke werden aus den Steinbrüchen
mittelst von Ochsen gezogener Karren nach
dem kleinen Hafen der Stadl geschafft, wo
Mansie auf kleine Fahrzeuge ladet und nach
Genua verschifft. Der Werth des Marmors,
welcher im vergangenen Jahre von Genua
ans nach allen Theilen der Welt versandt
wurde, übersteigt die Summe von H4.0V0,-
000,
Ein neues Zeitung s-Gebäu de.
Der „American" zeigt an, daß seine Eig
ner, dieHH. E. C. Fusion K Sohn, das
„Colvin-Gebäude," Ecke der Baltimore- und
Southstraße, zur Zeit im Besitze der „Westl.
Union-Telegraphen. C 0.," und das hinter
demselben an southstraße gelegene Haus der
„Baltimore - Kohlen - Co." angekauft haben
und dort in Kurzem den Bau eines Hauses
für den „American" beginnen werden. Das
erlangte Grundstück ist 55 Fuß an der Balri
morestraße breit nnd erstreckt sich 61 Fuß an
der Southstraße. Was die HH. Fusion -
Sohn für das Grundstück bezahlten, verlautet
nicht. Wir wjsnschen unsern Collegen Glück
zu dcmAnkauft einesGrundstijckes, das jeden
Talls zu einem der werthvollsten der Stadt
gehört.
Udderzook. Udderzook hofft noch im
mer auf einen neuen Prozeß. Er hat einen
I guten Appetit, schläft ruhig und iein Körper
gewinnt an Umfang. Diejenigen, welche ihn
zu der That veranlaßt haben, kümmern sich
nicht mehr I!M ihn, doch sein Weih hält treu
bei ihm aus und besucht ihn fast täglich.
j Der Antrag auf einen neuen Prozeß wird
in den nächsten Tagen im Ober - Appella
tions-Gcrichte in Pennsylvanicn erörtert wer
den. Inzwischen sollen Udderzook' Mittel
ausgeaangen sein und e steht dahin, ob ihn
nicht schließlich seine Advokaten im Stiche
lassen werden. Gerüchte über ein Gcständniß
Udderzook', da für manche Personen höchst
qrovirend sein dürfte, find abermals im Um.
lauft,
Berichte au dem Inuer de
Staate.
(Brand einer Kirche.) Die Neger-Metho
dlsten-Kirche m Oxsord-Neck, Talbot-Conntq,
brannte am letzten Montage nieder.
(Die „Drum Pointer Bahn.") In der
letzten Versammlung der „Drum Pointer Ei
senbahn-Compagnie" wurde ein Beschluß ge
faßt, die Arbeiten an der von Brooklyn nach
dem Verbindungspunktc mit der Amiapoliser
Bahn führenden Strecke in Angriff zu neh
men, sobald das Wegerccht gesichert ist.
(Einweihung.) Die neue deutsche Kirche
an der Philadelphia' Chaussee, nahe Mag
nolia, wird Sonntag, den I. Februar, eingc
weiht werden.
(Brand.) In dem Hause des Hrn Ed
ward lohnS, nahe Rock-Hall, an der Phila
delphia' Chaussee, brach amSonnabend vo
riger Woche ein Feuer aus, welches jedoch mit
leichter Mühe gelöscht wurde.
(Diebe auf der Eisenbahn.) Am Sonn
abend, den 24. Januar, bemerkte Capt. Nce
warn, der Schaffner eines Auges der „Bal
timore-Ohio-Bahn," in der Nähe von ElliZ
cott-City zwei Männer, welche in einen Ge
päckwagen stiegen und offenbar die Absicht
hegten, denselben zu berauben. Der Schaffner
eilte hinzu, verschloß den Wagen und der Aug
fuhr nach Fredenck ab. Daselbst angelangt,
wurden die Diebe der Polizei überliefert und
nach einem Verhör vor Richter English dem
Verfahren der Großgeschworencu überwiesen.
(Brände in Montgomery-Counly.) Die
Mühle des Hrn. Thomas Milford ui der
Nähe von Poolesville, Montgomery-County,
wurde an einem Tage voriger Woche durch
Feuer zerstört. Der Verlust beläuff sich auf
etwa P2OOO.
(Weiteres über den Brand i Queen
Annes County.) Wie wir bereits vor eini
gen Tagen mittheilten, gingen am Sonntage
voriger Woche die Ställe, das Wohnhaus
und mehrere andere Gebäulichkeiten in der
Nähe der Cemreville-Werfte gelegen und dem
George Frazier gehörend, in Flammen aus.
Ferner berichteten wir, daß die 600 Fuß von
Frazier's Besitzthum gelegenen Ställe und
Scheunen des Hrn. Elijah B. Green am scl
den Tage niederbrannten. Nachträglich wird
gemeldet, daß Hr. Green bei dein Brande
mehr als 1200 Scheffel Getraide, seine sammt
lichen landwirthschaftlichen Geräthe, einen
Wagen und sieben Pferde verlor. Sein Ver
lust beträgt mehr als tzZVWund ist nicht durch
Versicherung gedeckt. Frazier's Verlust wird
auf 800 angegeben. Es waltet kein Zwei
fel ob, daß Frazier's Eigenthum durch eine
böswillige Hand in Flammeu gesetzt wurde.
Aller Wahrscheinlichkeit nach, war auch das
Feuer, welches die Ställe uud Scheunen des
Hrn. Green zerstörte, das Werk eines Brand
stifters; es ist jedoch auch die Möglichkeit vor
handen, daß Funken, welche aus den brennen
den Gebäuden Frazier's ausstiegen, nach dem
Landgute des Hrn. Green flogen und daiclbst
Unheil und Verderben anrichteten.
(Aus Baltimore-County.) Im 11. Be
zirke von Baltimore-County organisirte sich
vor einigen Tagen ein Bauern-Verein durch
die Wahl nachstehender Beamten: Dr. Walter
T. Allendar, Präsident; William Gambrill,
Sekretär; I. Milke, Schatzmeister; E. F.
Raphel, I. B. Bowcrman und W. H. Mer
ritt, Exekutiv-Comite.
(Das freie Umherlaufen des Viehes.)
Mehrere Einwohner des 1., 2. und 3. Wahl
bezirks von Baltimore-County hielten am
Donnerstage in der Nähe von Powhattan eine
VersammluiH ab, in welcher beschlossen wur
de, eine Petition an die Gesetzgebung zu rich
ten und bei derselben um den Erlaß eines Ge
setzes nachzusuchen, welche das freie Umher
laufen des Viehes verbietet.
(Aus Cumberland.) Am Freitag Mor
gen trafen die englischen Banquiers S. Endl
cott Peabody, I. Pierporte Morgan, Francis
Peabody und Loveritt Salonstall in Beglei
tung mehrerer Beamten der „Baltimore-Ohio-
Bahn" hier ein. Dieselben kehrten aus dem
Westen zurück, welchen sie durchreifst hatten
mit der Absicht, die Verlänaerungs-Linien der
„Baltimore-Ohio-Bahn" in Augenschein zu
nehmen und eine große Anzahl Aktien für die
projektirlen Verlängerungen an sich zu brin
gen.
(Literarische und musikalische Unterhal
tung in Waverly.) In der höheren Schule
zu Waverly, Baltimore County, fand am
Freirage eine musikalische Unterhaltung statt.
(Ableben einer betagten Negerin.) Am
17. Januar starb in Harford-County eine alte
Negerin, Namens Lindy Johnson. Sie war
im Jahre 17K1 in Abingdon, Harford-County,
geboren und gehörte dem Capl. Carlisle, wel
cher ihr später die Freiheit schenkte. Mehrere
Jahre lebte Lindy Johnson in Nr. 192, Dal
lasstraßc, Baltimore, kehrte aber 180 S nach
Harfocd-County zurück, wo sie seither bei ih
rem EnkellJohn H. Wilson lebte. Ihr Ge
dächtniß blieb bis zum Tode klar.
(Speztal-Vericht des „Deutschen Eorrespondente,")
Dcr Mordprozeh in Cumber
land, Allegany-Connty.
Cumberland, 29. Jan. Bel'm Heu
tigcn Verhöre wurden außer den Zeugen, de
ren Aussagen bereits mitgetheilt sind, noch
folgende vernommen:
Henry I. Johnson, Redakteur der „Daily
News": „Sah Hrn. Clary, als er ,n Där
nell's Atelier auf dem Fußboden lag. AIS
ich in das Gebäude dcr „Times" trat, kam
Jemand auf mich zu und sagte mir, daßClary
mich zu sehen wünsche. Clary ergriff meine
Hand und sagte mit gebrochener Stimme:
„Johnson, lassen Sie meinem Andenken Ge
rcchttgkcit widerfahren." Als ich antwortete:
„Gewiß, Lloyd!" sagte Dr. Doughcrty:
„Vater Brennan kommt, entfernen Sie sich."
Ich verlies darauf das Atelier."
Dr. C. H. Ohr: „Clary kann sein Pistol
nicht mehr gezogen haben, nachdem er den tödt
lichenSchuß erhallen, Letzterer mußte ihm jede
willkührliche Bewegung rauben. Auch kann
Clary zwischen dem ersten nnd dem zweiten
Schusse nicht gesagt haben: „Gieb mir eine
Gelegenheit, mich zu vertheidigen!" da sein
stimmorgan durch den Schuß gelähmt wor
den."
Bei'm Kreuzverhör: „Dcrselbcschnß wür
de aus alle Personen eine ähnliche Wirkung
haben, wenn auch in verschiedener Weise.
Em feiger Mensch würde gleich zu Boden fin.
keil, während ein muthigcr versuchen würde,sich
ausrecht zu erhalten. Clary besaß Mutb.
aber er war nach dem ersten Schusse nicht
mehr sähig, Widerstand zu leisten. Ein
Schuß durch die Stimmbänder raubt dem Ve
rwunderen noch nicht die Kraft, sich verständ
lich zu machen, aber das Stimmorgan wird
für einen Augenblick gelähmt werden. Meine
Ansicht ist durch Erfahrung begründet."
Vierter Tag.
Cnmberland, 30. Januar. Der Ge
richlssaal war heute Morgen bei'm Beginn
der Verhandlungen bis aus den letzten Platz
gefüllt,em Beweis, daß die Bevölkerung Cum
bcrland's das regste Interesse an dem Pro
zesse nimmt und dem Ansganae desselben mit
großer Spannung entgegensteht. Ter Ange
klagte wurde gegen 9 Uhr in den Saal ge
führt. In semer Begleitung befanden sich
sein Vater und sein Bruder. Nach Eröfss
nung des Gerichtshofes ward das Verhör der
Entlastungszeugen fortgesetzt und nachstehende
Zeugen vernommen:
Jakob Reinolds: „Ging in Gemeinschaft
mit Bradley und Hrn. Horace Resley, dem
Vater des Angeklagten, nach Ferguson L
Couzen's Restauration. Als wir in das Lo
kal eintraten, sagte Bradley: „Wenn der alte
H den Mund austhut, so werde ich
ihn niederschießen."
Tie Anklagebehörde erhob Einwand gegen
diese Aussage, und der Gerichtshof erklärte
dieselbe für nicht zulässig.
Johann S. Keim: „Wohne in Piedmont,
befand mich aber an dem Tage, wo die Af
faire sich zutrug, zufällig in Cnmberland.
Ging zu Hrn. Clary, um mit demselben Be
hufs Anfertigung von Drucksachen zu reden,
und während ich mich bei ihm aufhielt, sah
lch, wie er ein Pistol hervorzog und dasselbe
auf Resley richtete. Gleich darauf hörte ich
zwei Schüsse. Verließ das Gebäude, nach
dem Resley fortgegangen war, und fuhr mit
dem nächsten Bahnzuge nach Piedmont."
Bei'm Kreuzverhör: „Als ich Clary den
Zweck meines Kommens mittheilte, sagte er
zu mir: „Gehen Sie in die Druckerei, ich
werde gleich bei Ihnen sein." Ehe ich aber in
die Druckerei gelangte, wurde meine Aufmerk
samkeit durch ein lanlgeführtes Gespräch aus
Clary gelenkt. Er zog ein Pistol hervor und
richtete es auf Resley. Er wollte eS abfeuern,
aber die Waffe versagte. Eine Sekunde spä
tcr sielen zwei Schüsse. Ich sah Clarn strau
cheln, gewahrte aber kein Blut."
Wilhelm Petermann: „Kam au den Hof
raum des Gebäudes und hörte Jemand sagen:
„Haben sie den Artikel gegen meinen Vater
geschrieben?" Resley antwortete: „Verlas,
sen Sie das Zimmer, Sie H !" Da
bei sah ich, daß er ein Pistol hervorzog und
dayclbe auf Resley rickitete. Lcvterer schoß
jodanil zwei Mal aus Clary."
Beim'-Kleuzverhör: „ReSley ging, nach
dem er seinen Revolver abgefeuert, hastig die
Treppe hinunter," George W. Hoover: „Hielt
mich in der Druckerei aus, als ich zwei Schüsse
vernahm. Nachdem ich gehört, daß Clary
g-ichoffen sei, holte ich Dr. Dougherty herbei
Gmg dann in Darnell'S Atelier, wo Clary
auf dem Fußboden lag. Fand daselbst ein
Piflol, wickelte es in eine Zeitung und behielt
dasselbe, bis die Leichenschau beendet war.
Alsdann händigte ich dasselbe Hrn. Bradlev
ein."
Hiermit schloß da Verhör der Entlastung,
engen. Die Auklaaebehörde rief sodann noch
folgende Zeugen ~ um verschiedene Aussa
gen. welche die Vertheidign!, vorgebracht, zu
widerlegen:
Daniel Bradley: „Erhielt ein Pistol von
Hoover nnd gab dasselbe später Hrn. Broyd
rick. Die Thür, die nach dem Hofraumt
verschlossen. Das Pistol war mit
Blut befleckt? ich wischte die Flecken ab, Ich
war zu der Zeit, als die Astasie sich zutrug
berausch:." '
Thomas F. McCardell: „Die Thüre
welche von dem Hofraiimc in das Gebäude
der „Time" sühn, war verschlossen. Als
ich die Schüsse vernahm, halte ich keine Ah
nung von Dem, was geschehen war "
John Broydrick: „Hr. Bradley händiatc
mir das Pistol vor drei Wochen ein Ich
wickelte e in ein Stück Papier, und e blieb
bis vor einer Stunde in meinem Befitze "
Staatsanwalt Reed begann hierauf mit
! dem Schlußpwdoyerftsr d,e Anklagebehdrve
Er bemerkte, dag ihn, ine schwere Pflicht
obliege, da er an den Angeklagten und dessen
Pater durch die Bande der Freundschaft ge
fesselt sei. Läugnen ließe sich jedoch nicht,
daß Resley den Vorsatz gefaßt hatte, Elan,
r zu todten, und diesen Vorsatz ausgeführt habe
l- und zwar in einer höchst feigen, erncs Man
nes unwürdigen Weise. Die Rede des Hrn
h Recd wahrte länger, als eine Stunde. Räch
r dem er geendet, folgte Hr. McHenry von
- Seiten der Vertheidigung. Man erwarter
daß der Fall den Geschworenen morgen zur
e Entscheidung übergeben wird.
Freisprechung des Angeklagten.
Eumberland.Zl. Jan.—Der Gerichts
saal war heute Morgen in allen Theilen ge
füllt und unter den Anwesenden befanden sich
auch eine große Anzahl Damen. Neber den
Ausgang des Prozesses herrschen die verschie
densten Meinungen. Sollte der Angeklagte
, freigesprochen werden, so können möglicher
. Weise vcrhängnißvollere Folgen eintreten. In
. Frostburg, wo die Familie des Ermordeten
, wohnt, ist die Meinung eine sehr erregte und
? wie es heißt, haben mehrere Freunde Clarn's
. die Absicht kund gethan, Resley zu erschießen.
' falls er freigesprochen werden sollte. Aus
' sicherer Quelle vernehmen wir, daß am Ton
> nerstag Abend zwei Männer inFrauenkleidern
' in das Hans de Scheriffs, welches an das Gefängniß
Gefängniß stößt, schlichen, aber verscheucht
wurden, che sie noch idcntifizirt werden konn
' teil. Mau glaubt, daß die Beiden keinen an
dern Zweck verfolgten, als dem Angeklagten
das Leben zu nehmen. Hr. Horace RcSlcn,
' der Vater des Angeklagten, hat mehrereßriefe
s erhalten, worin Drohungen ausgestoßen wer
" den. Dem Wahrspruche der Geschworenen
wird mit einer kaum zu schildernden Span
nung entgegen gesehen.
Der Gerichtshof wurde heute Vormittag um
' !> Uhr erösfn:t. Hr. W. M. Price begann
: mit seinem Schlußplaidoyer für die Verrhei-
gung und suchte aus dem Verhör der Entla
stungszeugen nachzuweisen, daß der Ange
! klagte angegriffen wurde und sich nur seines
Lebens wehrte. Hr. James Schley folgte und
hielt eine Ansprache, welche eine Stunde in
Anspruch nahm. Auch er stellte die Theorie
der Selbstvertheidigniig auf. Oberst Charles
Marshall von Baltimore hielt sodann das
letzte Plaidoycr von Seiten der Vertheidi
gung. Er sagte zu den Geschworenen, daß
er keinen Versuch machen würde, ihnen Sym
pathie für den Angeklagten einzuflößen, da er
keinen Werth auf einen Wahlspruch lege, den
die Sympathie eingegeben habe. Er ver
lange mir, daß sie den Aussagen der Zeugen
Rechnung trügen und aus diesen gehe hervor,
daß der Angeklagte in Selbstvertheidigung ge
handelt. Elary habe kurz vor seinem Tode
gesagt: „Ich glaube, ich zog das Pistol zu
früh." Schon hieraus erhelle, daß Elary den
ersten Anariff gemacht. Als ReSley gefragt:
„Haben Sie den Artikel geschrieben?" habe
Elary sofort das Pistol gezogen. Wenn dies
nicht der Fall gewesen wäre, so hätte er nicht
sagen können: „Ich glaube, ich zog das Pi
stol zu früh." Dr. Dougherty's Zeugniß,
dag Elary gleich nach dem ersten Schusse, wel
chen er erhalten, gesagt: „Geben Sie mir
Zeit!" werde durch Dr. Ohr widerlegt, indem
dieser behaupte, daß ein Schuß durch die
Stimmbänder die Letzteren lähme und die
I Aast zum Sprechen, wenn auch nur für eine
Weile, beraube. Es sei nicht daran zu zwei,
feln, daß Elary, gleich nachdem er von Resley
gefragt worden, sein Pistol hervorgezogen und
auf den Angeklagten gezielt habe; die Waffe
habe jedoch versagt. Der Vertheidiger schloß
mit folgenden Worten: „Blicken Sie auch
auf das Betragen des Mannes, welchem ein
Mord zur Last gelegt wird. Als er die '
Schüsse abgefeuert hatte, verließ er das Ge- >
bäude mit dem Glauben, daß er den Mann s
welcher ihm nach dem Leben getrachtet, nur
eine gefährliche Wunde beigebracht habe, denn >
kaum hatte er die Straße erreicht, io rief er '
an: „Ich bin zu jeder Zeit bereit, Elary Ge- '
nugthnung zu geben." Die letzten Worte des <
Sterbenden aber: „Ich glaube, ich zog das s
Pistol zu früh," schienen von Gott einge- j
geben zu sein, indem sie ein Helles Licht auf :
die vorhergehenden, in Dunkelheit gehüllten ,
Ereignisse werfen." Die Rede des Hrn. '
Marshall währte eine Stunde und zwanzig k
Minuten und machte einen tiefen Eindruck l
aus die Geschworenen.
Das Schlußplaidoyer für die Anklagebe
hörde hielt Gcneralamvalt Syester. Nach
stehend lassen wir seine Rede in, Anszuqe fol
gen:
„Ich habe stets für die Familie des Ermor
deten die größte Sympathie gehegt, auch An
dere waren der Familie zugethan, heute aber
scheint es, als sc, nur der Angeklagte Gegen
stand des allgemeinen Mitgefühls und jene
bedauernswerthe Familie ganz vergessen. Die
Vertheidigung ignorirt gänzlich Hrn. Broy
derick's Aussage, weil dieser Zeuge behaupter,
daß ein Mord vorliegt. Und ein solcher liegt
in derThat vor.TreiuiidzwanzigGroßgcsckwo
rcne von Allegany - County zagten, daß es
ein Mord sei, und gewiß hegten dieseGeschwo
rencn kein feindseliges Gefühl gegen den An
geklagten, Wenn man von Aussagen, wie
denen des Hrn. Broydcrick, absieht, so greift
man die Prinzipien unserer Republik, welche
uns Schutz und Sicherheit gewähren, gera
dezu an und gefährdet dieselben. Die An
klage lautet auf Mord, u. Sie, meine Herren'
können jetzt den Angeklagten des Mordes im
erste, des Mordes im zweiten Grade, des
Todtschlags oder nicht schuldig stndcn. Es
ist nicht schwer, die Absichten und Zwecke ken
neu zu lernen, welche den Menschen bei der
Ausführung eines Vorhabens leiten, aber es
gibt trotzdem mehr als tausend Wege, die
Triebfedern zu erforschen, ohne dem Betreffen
den in'S Her; zu blicken. Es läßt sich nicht
bestreiten, daß ReSley feindselige Absichten
gegen Clary hegte. Letzterer mag genug Ver
anlassung gehabt haben, eine tödtliche Waffe
bei sich zu tragen.
Ward nicht Clary schon einmal von seinem
Mörder auf den Kops geschlagen und mußte
er nicht einen zweiten Angriff befürchten?
Wenn Rcsley wußte, daß Clary Drohungen
gegen ihn ausgestoßen, so hatte er och nicht
das Recht ihn auszusuchen und die Affaire
herbeizuführen.
Clary that Alles, was ein Mann unter
wichen Umständen thun konnte; er jagte zu
Hrn. Cuizon: „Ich wünsche ReSien nicht zu
sehen, da ich Nichts mit ihm zu thun haben
will." Verließ ver Angeklagte nicht den ge
raden Weg, indem er zu Clary kam und den.
selben angriff? Den einzigen Grund, welchen
der Angeklagte als Ursache seiner That an
giebt, besteht darin, daß der Ermordete einen
Artikel gegen seinen Vater geschrieben, und
doch hat Rcsley selbst eingestanden, daß er
den Artikel nie gelesen. Glanben Sie denn
nicht, meine Herren !, daß Rcsley sich zu dem
Ermordeten begab, um ihn zu tödten oder ihm
ein Leid anzuthun? Wenn der Angeklagte
von einer Triebfeder geleitet wurde, so war
dieselbe eine feindselige, und die Waffe, welche
er in Händen hatte, beweis't, daß er die Ab
sicht hatte, Clary zu tödten. Ich habe den
Ermordeten aber ich weiß, daß
er sich auf dem Schlachtfelde als ein tapferer
Mann bewiesen hat. Sein Andenken sollte
zu theuer sein, als daß es mit einer Frei
sprechung des Angeklagten ohne Weiteres er
lösche. Ein tapferer und mnthiger Mann
erwirbt sich Freunde, aber auch viele Feinde;
was mich anbetrifft, so habe ich keine Achtung
vor einem Manne, der nicht zu jeder Stunde
bereit dcr Tapferkeit abzulegen.
Geben Sie keinen Wahrspruch ab, meine
Herren!, welcher das Gesetz mit Füßen tritt
und das Grab des Ermordeten mit Schmach
und Schande bedeckt. Die Aussagen der Zeu
gen Reim und Petcrmann sind unwahrschein
lich, und wenn Ersterer aussagt, daß er sah,
wie Clary den Hahn des Pistols spannte, so
ist dieser Behauptung nicht der geringste Glau
be beizumessen, indem es dem Zeugen un
möglich war, dieses aus der Entfernung, in
welcher er stand, ; sehen. Clary fragte den
Angeklagten: „Wollen Sie mir Zeil geben?"
und Letzterer antwortete: „Nein, ich will Sie
tödten." Glauben Sie, daß der sterbende
Mann log, daß er mit einer Lüge aus der
Welt scheiden wollte? Ter Ermordete sagte
ferner aus, ehe seine Lippen sich für immer
schloffen, daß er sein Pistol erst dann hervor
gezogen, nachdem er bereits die tödtliche
Wunde empfangen. Wollen Sie, weil die
Vertheidigung dagegen streitet, auch diese Aus
sage für eine Lüge erklären? Ziehen Sie alle
Zeugenaussagen zusammen und geben Sie
dann Ihren Wahrspruch ab, bedenken St
eider dabei, daß es in Ihrer Hand liegt, Ruhe
und Sicherheit zu befestigen, daß Sie aber
auch andererseits Mord und Todtschlag zu
häusigen Ereignissen zu machen vermögen!"
Die Ansprache war entschieden die beste
unter allen Plaidoyers. Nachdem der Gcne
ralamvalt geendet, wurde der Fall den Ge
schworenen übergeben, und Letztere zogen sich
zurück.
Cum der land, 31. Jan. Tie Ge
schworenen gaben beute m dem Prozesse gegen
I. Rcsley wegen Ermordung des W. Eläry,
Redakteurs der „Times," einen Wahrspruch
ab, der auf „nickt schuldig" lautete. Das!
zahlreich anwesende Publikum wurde durch
den Wahrspruck in großen Enthusiasmus ver
letzt. Rcsley ward sofort entlassen und von
der Menge unter cnthusiastisckcu Hockrnffn
nach seiner Wohnung geleitet.
Die Convention des Ordens der
B'nai B'rtth tßundessöhne).
Chicago,Jll., 29. Ja. Es brachte
heute A. E. Frankland eine Resolution ein,
die auch einhellig angcnoinmen wurde, und
die das Säkularseier Comite anwcij't, einen
Plan zur Enthüllung einer als Denkmal der
Philadelphia'er Ausstellung zu errichtenden
Statue auszuführen.
Comite der Berichte erstattete Bericht
über die Sache der Hetlnstii,, „,,d
sie wird allen Großloge zur Annahme'Lm
pfohlen; der Vorschlag zur Errichtung eine-
General-Institutes wurde jedoch abgelehnt.
Hrn. Frankland wurden Resolutionen des
Distrikts Nr. 2 in Anerkennung seiner Ver
dienste und seines Verhaltens' während der
Gelbfieber-Periode in Memphis überreicht
Eine Reihe schmeichelhafter Resolutionen
für den ehrwürdigen Max samfeld in Mein
phts wurden gefaßt.
Die Convention hielt dann geheime Sidnna
bezüglich des Rituals.
Päff! Pässe! >
zur Reift ,n's
tzftftdee Bstvlr mor'efir. und P,,0,-venu
Karin von Schweden.
Novelle von Wilhelm Jensen.
lForlselzung.)
Tie Frage, die sie lange hervorzubrin
gen versuchte, lag in den letzten Worten
versteckt; doch der, dem sie galt, schien sie
i nicht zu beachten. Er fragte nur halb
spöttisch:
Tu hast guten Muth, Rose von Troll
hätta. Kennst Du solchen Mann? Weißt
Tu seinen Namen?
Es flog trotzig um Karin's Mundwinkel.
> Und wüßte ich auch nur einen Einzigen,
es hat schon manchmal ein Mann, der ein
Mann war, sein Volk von Knechtschaft er
rettet. Ja —fuhr sie mit gesteigertem
Unmuthe wie herausfordernd grade in
die durchdringend aus sie gerichteten Augen
des jungen Mannes blickend fort ver
traute ich aus keinen andern Arm in der
Welt als auf den Gustav Erichson's
Sie hielt erschreckt inne, denn ibr Ge
fährte lachte so gell und schneidend auf, daß
es rundherum von den Felsen zurückhallte.
Kennst Du Gustav Erichson, Karin Sten
bock? fragte er.
Halb ängstlich, halb gekränkt schüttelte
sie nur stumm den Kopf. Mit den Zäh
nen knirschend, sagte er nich einer Pause:
Siehst Tu, Du sprichst, was die Leute
reden; ich aber will Dir sagen, was Dein
Retler Schweden's ist. Er läuft wie ein
Hase vor den dänischen Doggen von Land
zu Land; er sieht Weiber und Kinder miß
handeln von den Knechten Ehristiern's und
verstopft sich die Ohren vor ihrem Geschrei:
er hört den Jammer seines Volkes und
hat keinen Trost für ihn als ohnmächtige
Flüche. Er ist ein feiger Schuft, der sich
Nachts in Gräben verkriecht, um sein kost
bares Leben nicht zu gefährden, ein Sper
ling, der dem Geier Rache schwört, der in
sein Nest gestoßen, und der erschrickt, wenn
er ein Eisen klirren hört, der unmännlich
zusammenfährt, wenn ein dürrer Zweig
iin Walde knackt
Er brach ab, gleichsam als ob er ein
Bild zu den letzten Worten geben wollte,
und drehte plötzlich mit aufmerksamen Au
gen den Kopf zurück. Ter Wind, der die
Wolken schneller heraufpeitschte, lies ihnen
voraus und rüttelte die Zweige des Busch
holzes mit vernehmlichem Knacken durch
einander; einzelne verirrte Tropfen began
nen mit eigenthümlich knisterndem Ton
auf das welke Laub zu fallen. Einige
Sekunden verharrte der junge Mann in
seiner horchenden Stellung, dann drehte
er sich rasch zu dem Mädchen zurück und
sagte:
Karin Stenbock, ich muß diese Nacht im
Hause Deines Vaters bleiben. Zürne
mir nicht, Du scheinst etwas auf Gustav
Erichson zuhatten; es war nicht so schlimm
gemeint, der Unmuth über sein Schicksal,
über sein Vaterland riß mich fort, nickt
über ihn selbst.
Ich kenne .hn nicht, das heißt, ich habe
ihn nie mit meinen Augen gesehen, ant
wortete sie ruhig, aber trotzdem glaube ich
ihn besser zu kennen, als Ihr.
Glaubst Du Mädchen? Mit meinen
Augen habe auch ich ihn niemals gesehen;
eS war immer irgend ein unüberwindli
ches Hinderniß im Wege, und ich fürchte
fast, dasselbe wird mich verfolgen, so lange
ich tebe. Aber gehört habe'ich ihn, von
ihm gehört, meine ich, hab' ich oft, und
Du magst wohl Recht haben. Nertbei
dige ihn nur, Rose von Trollhätta, viel
leicht kommt einmal die Stunde, wo er es
Dir vergelten kann, und bei Gott, wie ich
Gustav Erichson kenne, wäre er im Stande
Christiern von Dänemark die schwedische
Krone vom Kopse zu schlagen, nur um sie
Karin Stenbock vor die Füße zu legen, zum
Dank dafür, daß sie nicht an ihm gezwei
felt, als er sich selbst ausgab und vor die
Hunde warf. Und weil Du so von ihm
gesprochen, habe ich Dich gefragt, ob ich
heute bei euch übernachten kann, denn auch
ich bin verfolgt und von den dänischen
Doggen gehetzt, wie er, und was Du mir
Gutes thust, das thust Tu Einem, der die
Feinde Deines Volkes nicht weniger bis
in den Tod haßt, als Gustav Wasa.
Er sprach es mit Anmuth und mit edlem
Stolze, daß Karin ihm jetzt unwillkürlich
zum Gruße freiwillig die Hand bot.
Kommt! sagte sie, obwohl Ihr mir
Euren Namen nicht nennen wollt; wenn
Ihr einFeinv Dänemark's seid, so seid Ihr
in Gustav Stenbock's Hause willkommen.
Ein eigenthümliches Staunen lag noch
einmal in den Augen des Fremden.
Hat die schlimme Zeit Dich nicht vor
sichtiger gemacht, Karin? fragte er. Weißt
Du, wer ich bin? Wenn ich ein Spion
Christiern's wäre, um Dich und die Deinen
zu verderben? Und im besten Falle
Tu kennst die Drohung des Dänentönigs
wider die, welche einen von ihm Geächte
ten verbergen -- was liegt daran, wenn
ein namenloser Flüchtling mehr umkommt,
wo es sich um ein Unheil für Dein ganzes
Haus handeln kanu? Ich danke Dir für
Deinen Willen, Karin, abcr ich habe zu
manche Nacht unter dem Himmel geschla
fen, um mich vor einer mehr zu sürchlen.
Darumleb'wohl
Ihr mögt Gustav Erichson besser ken
nen, als ich, Gustav Stenbock kennt Ihr
jedenfalls schlicht, wenn Ihr denkt, ihn
könne Furcht bewegen, einem Freunde
Schweden's Schutz und Hec berge zu versa
gen, unterbrach Karin ihn ernsthaft. Was
Ihr aber zuvor gesprochen, p denke ich.
daß man durch Mißtrauen keinem Volke
die Freiheit zurückgewinnt und daß —.
Sie hielt einen Moment zögernd und sab
ihm voll in's Gesicht.
Was, Karin? fragte er.
Daß, wenn Eure Augen lögen, an
Schwedens Freiheit nichts verloren wäre,
vollendete sie einfach, daß man es fast se
hen konnte, wie es den jungen Mann mit
wundersam freudigem Schauer überfiel.
Er folgte ihr jetzt, ohne der Probe, auf die
er sie gestellt, mehr Erwähnung zu thun,
den Hügel hinan, von besten Höhe sie vor
hin der untergehenden Sonne nachgeblickt.
Im Westen war der Himmel noch blau
und ein golbheller Gürtel, wie ein Nord
licht zum Zenith heraufstrahlend, umschlang
dort den Horizont, während von Osten her
immer schwerere Woltenmasien sich nach
schoben, in denen es, eine Seltenheit für
den Norden um diese Jahreszeit, manch
mal mit bläulichem Schein flackernd hin
und her zuckte. Die Felsenhalde, welche
die Beiden erklommen, war nicht hoch,
aber ziemlich steil, und sie blieben aus
dem Gipfel einen Augenblick athemholend
sieben. Der Fremde blickte umher, man
sah gen Süd, Ost und West weit in's
dämmernde Land hinaus; nur nach Nor
den hemmten die jenseitigen höheren Berge
des TroUhätta die Aussicht.
Das Gewitter kommt von Stockholm
herüber, murmelte er zwischen den Zähnen,
ich wußte es vorher, die letzten Tage wa
ren zu heiter.
ist die Vergangenheit, dort liegt
Schweden's Zukunft, sagte das Mädchen
zuversichtlich, in den Goldzlanz des Westens
hinüberdeutend.
Er lächelte bitter: Aber sie sinkt vor uns
hinab und unser Tag ist vorüber, wenn sie
zurückkommt.
Sein Fuß stampft heftig aus die Erde
und sein Auge lief wild umher. Verflucht
sei Jeder,der so denkt, brach er ungestüm
ab, Jeder, der nicht sein Alles an die
Freiheit dieses Landes wagt! Verflucht
sei Deine Schönheit, Res vom Trollbätta,
wenn Du sie zuAnderem benutzest, als um
den Befreier Schweden's mit ihr zu beloh
nen!
Ein erster, lang hingestreckter Donner
rollte durch die zornigen Worte; Karin
schritt, Stirn und Wangen mit dunkeler
Nöthe überströmt, eilig auf der anderen
Seite die sanft abfallende Halde hinab.
Ihr Herz klopfte laut und ihre Hand zit
terte, daß der Falter, der noch immer mit
zusammengeklappten Flügeln friedlich aus
ihr gesessen, unruhig die Fühlhörner be
wegt. Schwere Tropfen schlugen dichter
um ne her; vor ihnen im Zwielicht lag
eine Gruppe dichter Bäume, Linden mit
schon völlig entblättertem Gezweig und
noch duukelbelaubte, hochästige Ulmen.
Zwischen ihnen hindurch blickte das Dach
eines alten schloßartigen Gebäudes.
Ist das Torpa? fragte der Fremde wie
der. Karin nickte stumm.
Und ist Brita Rosen, Deine Mutter, zu
Hause?
Sie bejahte abermals und schlug die
Augen verwundert zu ihm auf. Ihr scheint
uns zu kennen, und mich däucht, es wäre
billig, daß ich das Gleiche von Euch sagen
könnte, wenn ich Euch dein Schutze meines
Vaters anvertraue.
Du hast Recht, Karin; es war eine
Thorheit von mir, meinen unbedeutenden
Namen so lange zu verschweigen, antwor
tete er rasch. Ich heiße Gustav Folkung,
und wenn ich Dich um etwas noch bitten
darf, so führe mich nicht zu Deinen Eltern
und sage Niemandem, daß Du mich getrof
fen. Jchweiß, daß Eure Knechte um diese
Zeit nichts mehr auf dem Hofe zu schaffen
haben; laß mich unbemerkt in einen Stall
schlüpfen und die Nacht im Heu verbriin
gen.
Sie wiederholte den Namen „Gustav
Folkung" und fügte nachsinnend bei: Ich
habe von Euch gehört, Ihr seid ein Freund
Schweden's; es ist seltsam, daß Alle, die
es sind, Gustav heißen. Nein sie fuhr !
fast wie erschreckt aus ihren Gedanken ans j
nein, sagte sie nochmals, aber mit an
derem Ton und zu ihrem Begleiter gewen
det, so dürft Ihr dieNacht nicht zubringen, <
Herr Folkung. Ihr seht ermüdet aus und f
ein gutes Lager thut Euch noth; es gibt ,
andern Raum bei uns für einen Verfolg- j I
ten, denn es ist Niemand als meine Mut- j >
ter im Hause. !;
Tu hast Recht, Rose, ich bin müde, sie l 5
haben mich stark gehetzt in den letzten Ta- ! !
gen, und Schlaf thäte mir wohl, murmelte !
Folkung mehr für sich, als für seine Ge- f
fährtin. Ich mißtraue den Deinen nicht,
Kann, fuhr er lauter fort, doch ein Ge
heimniß liegt sicherer in einer Hand, als i
in zweien. Du kannst nicht lügen, Mäd- g
chen schwöre mir, daß Du mich Nie- c
mandem, unter keinen Umständen irgend
Jemandem, verrathen willst, und ich folge st
Dir, wohin Tu mich führst; denn Du hast i,
es gesagt: ich bin müde, recht müde. Mor
gen, eh' der Tag anbricht, habe ich Euch !si
verlassen. f,
Karin nickte mit dem Kopfe. Ich weiß !iZ
nicht, was für Gründe Ihr habt, doch ich ! ?
schulde Euch zu thun, was Ihr wollt, denn ! q
Fhr nabt mir das Leben gerettet und seid !
ein Feind unserer Feinde. Ich schwöre,
daß ich Euren Aufenthalt Niemandem ver
rathen will. Kommt!
Sie faßte unter dem tiefen Dunkel der
Ulmen, in das sie eingetreten, seine Hand
und zog ihn nach sich. Der Regen rauschte
jetzt in vollen Strömen aus die Bäume
und übertönte das Geräusch ihrer Schritte.
Karin ging stumm und in Nachdenken ver
tieft; es ist das einzig Sichere, murmelte sie <
zwischen den Lippen, doch nicht so leise,
daß er es nicht vernahm und fragte, was ,
sie gemeint. Sie erwiderte rasch, es sei s
nur ein Zimmer im Hause, das unter allen I
Umständen Niemand bei Nacht betrete <
dorthin werde sie ihn bringen. Nun lag ,
das langgestreckte Gebäude,' das sie vorher
aus der Ferne gesehen, dicht vor ihnen. <
Es war fast ganz in Dunkel gehüllt, nur !
aus dem Erdgeschoß und aus einem Ge
mach des ersten Stockwerks leuchtete der
Schein eines Lichtes. Das erstere brannte
in einer Stube dicht neben dem Hauptein
gang und man sah durch die Fenster die
derben Gesichter von Knechten und Mäg
den sich um die im Zugwind flackernde Oel
lampe bewegen.
Karin vermied das geöffnete Thor und
zog ihren Begleiter seitwärts, dem Anschein
nach durch einen Garten an die Rückwand
des Torpa'schen Schlosses. Hier heulte
der Ostwind stärker und peitschte mit voller
Wucht die schweren Tropsen an das Ge
mäuer, dennoch vernahm das feine Ohr
einer riesigen Dogge, die das Haus um
strich, den Schritt der Kommenden und
stieß ein dumpfe? Knurren aus, bis Karin
sie leise, gebieterisch heranrief. Nun
sprang der Hund freudig winselnd herzu,
doch er knurrte wieder, wie er die Näbe des
Fremden witterte.
Still, Björn, es ist ein Schwede, kein
Däne! befahl das Mädchen und die Dogge
schlug noch einmal einen leisen, bellenden
Ton an und kauerte sich neben ihrer Her
rin zufrieden nieder. Tie Letztere tastete
an der finsteren Wand und schob einen
schweren Riegel zurück; sie schloß
die geöffnete Hinterthür wieder von
Innen und führte ihren Schützling eine
lichtlose Treppe hinauf und durch schmale
Gänge, bis sie abermals an eine Tbür
kamen. Hier zog sie einen Schlüssel her
vor und öffnete. Es war eine andere
Luft, die Folkung aus dem Dunkel entgc
gendrang; etwas, das ihn, dem November
zum Trotz, wie Frühlingshauch anwehte,
warmund doch frisch und duftathmend wie
ein Sommermorgeu doch er hatte kaum
die Schwelle überschritten, als seine Führe
rin seine Hand losließ und hastig zuflü
sterte:
Licht darf ich Euch nicht bringen, es
würde Euch verrathen; auch Geräusch
dürst Ihr nicht machen, da das Wohnzim
mer meiner Mutter an dieses stößt. Sie
selbst ist äußerst feinhörig und außerdem
könnte von den Knechten oder Mägden je
mand zugegen sein. Mein Vater ist zu
einem benachbarten Freunde gefahren und
kehrt nicht vor morgen beim. Sobald ich
es unbemerkt kann, werde ich Euch Speise
bringen; schiebt den Riegel von Innen vor
und öffnet nicht, als wenn an die Thür ge
kratzt und „Gustav Wasa" gesagt wird.
Und dann, dort amFenster steht eine Ruhe
bank
Tie Sprecherin stöckle einen Moment
nein, verbesserte sie hastig, Ihr seid
erschöpft, hier zur Linken findet Ihr ein
Bett, legt Euch darauf und erholt Euch;
nur nur wenn Ihr Eure Schuhe aus
ziehen wolltet
Sie sprach die letzte Bitte elwas ver
wirrt und unzusammenhängend, doch ehe
Follung über den Sinn derselben nachge
dacht, hörte er, daß sich die Thür schloß.
Vergeßt den Riegel nicht, flüsterte es
noch einmal von d'raußen. Allein er ge
horchte nicht, sondern that das Gegentheil,
indem er unwillkürlich die Thür aufriß und
dem Mädchen in's Dunkel nachstarrte.
„Karin" rief er mit gedämpfter Stimme,
doch es kam keine Antwort, nur der Wind
pfiff mit gewaltigem Lustdruck durch den
finstern Gang herauf, weil das Fenster des
Gemaches, in dem er sich befand, geöffnet
war. Der kühle Zug brachte ihn zur Be
sinnung, er schloß die Thür und schob den
Riegel vor. Dann trat er an's Fenster,
deffen Höhlung sich mit mattem Grau von
der vollständigen Finsterniß, die ihn um
gab, abzeichnete. Er ließ sich den Regen
in's Gesicht schlagen und blickte hinaus.
Man konnre den Erdboden nicht mehr er
kennen, aber er berechnete aus der Zahl
der Treppenstufen, die er emporgestiegen,
wie tief derselbe sich unter seinem Stand
punkt befinden muffe. Darin unterbrach
ihn das fröhliche Gebell der Dogge, das
vom Garten heraufkam, und schwächer und
schwächer nach der Vorderseite des Hauses
zu verhallte und deutlich die Stelle bezeich
nete, wo sich das Mädchen, das den näm
lichen Rückweg eingeschlagen, befand.
Gustav Wasa, murmelte er vor sich bin,
die Rose von Trollhätta jagt, Gustav
Wasa sei das Losungswort. Sie hätte
sagen sollen, Gustav Erichson ist ein Narr,
der nicht weiß, was er thut, seitdem er die
Hand eines Mädchens in seinergesühlt.
Er trat geräuschlos vom Fenster zurück
und toteste untersuchend an den Wänden
des Zimmers entlang. Alles war stark
gebaut, gegen Wind und Wetterkälte zu
schützen; hohe, ausgeschnitzte Holzschxänke
standen in den Ecken, dann wieder Wand.
Nein, jetzt traf seine Hand abermals auf
Holz, doch glatt und ungeftircht, wie das
einer Thür. Zugleich drang durch einen
schmalen Spall ein Lichtschimmer hindurch
uud im selben Augenblick folgte der Klang
einer bekannten Stimme hinterd rein, daß
Folkung lauschend stehen biieb.
Guten Abend, Mutter, sagte Karin laut.
Die Angeredete erwiderte: Tu bist lange
ausgeblieben, Karin: ich glaube, es dun
kelt.
Tie Sprecherin mußte nicht nur schwach
stchlig, sie mußte sogar völlig blind sein.
Es ist Nacht, Mutter, antwortete das
Mädchen, und es stürmt. Ich war am
TroUhätta und habe dem letzten Schmetter
ling das Leben gerettet, Tu kennst ihn,
mit den rothen Sternen, der d'roben um
den Kinnakulle fliegt. Er wollte über den
Trollhätta und fiel hinein; da babe ich ihn
gerettet und er sitzt seitdem zahm und ruhig
aus meiner Hand. Er hat nicht gesagt,
daß er mir dankt, aber ich fühle, daß er
weiß, was er mir schulbet, und daß er mir
dankbar ist. Wenn es in seiner Macht
stände, würde er sein Leben wieder für mich
Komm, Du närrisches Ding,
setz dich dorthin auf die Blumen,
Gustav Folkung hörte jedes Wort durch
die Thür; es überlief ihn seltsam bei dem
lvnderbaren Tank, den Karin mit unbe
fangenem Ton an den Falter richtete, und
er vermochte, trotz seiner Müdigkeit, seinen
Standpunkt nicht zu verlassen. Er ver
nahm, wie die Alte seufzte und entgegnete:
Tu bist ein Kind und tändelst mit
Schmetterlingen. Tu hättest ihn lassen
sollen, wo er war, ihm wäre besser. Ich
suhle es in meinen Augen, es kommen
dose stürmische Tage über Schweden, die
viel Hinrassen werden, was sich bis heute
noch gerettet hat. Lies mir aus dem Buch,
Karin, aus dem ich Dir als Kind erzählt,
schlage d e zwölfte Seite aus und lies mir
von dem Sänger, dessen Harse die Helden
thaten seiner Vorväter pries und die seiner
Enkel nicht preisen konnte, Er war blind
und saß ani Trollhätta; da zerschellte er
seine Harse am Felsen und sprang hinab.
Der Lauscher hörte das Mädchen durch's
Zimmer schreiten; er tastete sich jetzt leise
an s Fenster zurück, doch im Dunklen streifte
leine Hand über einen Tisch und stieß an
einen Gegenstand, der herabrollte und mit
lautem Klirren zerbrach. Hastig eilte er!
weiter und schwang sich vorsichtig auf das
Bett, das ihnr seine Gefährtin gedeutet.
T rinnen unterbrach die Stimme der alten
Frau die begonnene Lectüre und sagte:
Ist Björn in D.inem Zimmer, Karin?
Ich hörte etwas fallen: laß Jngcborg ein
Licht nehmen und nachsehen.
. Tie bezeichnete Magd, die schweizsam
ui einem Winkel gesessen, stand aus und
griff nach einem Leuchter: Doch Karin
erhob sich mit ihr und sagte ruhig:
Bleib', Björn ist d'raußen.Mein Fenster
stobt offen und der Wsnd stürmt herein; !
ich brauche kein Licht.
Sie öffnete die Thür und lies; sie hinter !
sich offen stehen, während sie mit
so st ein Schritt auf das angeschuldigte
Fenster zuging und es geräuschvoll schloß.
Ter Schimmer einer schweren, kunstvoll
gearbeiteten Metalllampe fiel herein und
Folkung sah gerade auf das Gesicht der
alten Frau, die in einem Lehnstuhl am
Tische saß und in s Leere vor sich hinblickte.
Es war dieselbe Hobe, schön gewölbte Stirn
wie die ihrer Tochter, nur von tiefen Li
nien durchzogen und fast weißem, dicbtem
haar umlagert. Doch ihre Arme, nach
ser Tracht der Zeit beinahe bis zum Ell
bogen entblößt, waren noch voligerundet
rnd weiß; sie mußte jünger sein, als sie '
lussah und mußte, wenn sie aufstand, ei
nen stolzen und imponirenden Eindruck
nachen. Das Auge Folkung's vermochte !
ich nicht von ihr zu wende, er murmelte !
autlos zwischen den Lippen: Tu bist alt ,
zewordcn, Brita Stenbock; Du warst ein !
chönes Weib, als ich in Sten Sture's
Saus auf Deine Knie kletterte und die
Hnadenkette Johann's von Dänemark von j l
deinem Nacken zerrte. i
Er verstummle und sein Kops flog wie
von unsichtbarer Gewalt bewegt zur Seite.
Karin's Kleid streifte hart an ihm vorüber;
er konnte die Hano nicht bezwingen, sie
streckte sich aus und griff darnach, mn das
Mädchen zurückzuhalten. Er drückte den
Zipfel ihres Gewandes, den er gesaßt hatte,
an die Lippen und flüsterte ihren Namen.
Doch mit einem sickeren Ruck machte Ka
rin sich los und sagte in das andere Zim
mer znrückschrcitend, mit lachender Miene:
Der Sturm wird keine Tollheiten mehr
begehen. Sei nicht thöricht, Sturm, und
begieb dich zur Ruh'.
Sie drohte mit dem Finger scherzend zu
rück und schloß die Thür wieder. Frau
Stenbock hob den Kopf und sagte:
Tu bist kindisch heut' Abend, Karin
Wir haben vorhin schon Bekanntschast
geschlossen, der Sturm und ich, siel diese
sorglos ein; er ist ungethüm und übermü
thig, aber wenn ich die Hand auf ihn
lege, läßt er sich bändigen und wird still
und mild.
Tie alte Frau zuckte die Achseln: Hast
Du wieder mit Deinen Erdmännern im
Trollhätta geschwatzt und sprichst kindische
Dinge? Lies weiter! Der Sturm scheint
nicht recht auf Deine Befehle zu hören,
denn ich fühle an meiner Schulter, daß er
sich verstärkt. Ich wollte, Dein Vater
wäre heute Nacht zu Haus, oder wenigstens
Gustav
Folkung hörte nicht mehr, die Müdig
keit überwältigte ihn. Er lag im Halb
schlaf und stürmische Gedanken überwog
ten seine Stirn, aber dann legte sich plötz
lich Karin Stenbock's Hand darauf und sie
wallten auseinander und gingen zur Ruh.
D'raußen pfiff der Wind und ab und zu
beulte Björn mit langhin gezogenem Laut
gegen ihn aus. Der Schläfer preßte im
Traume das weiche Kissen gegen seine
Wange uud murmelte die Worte nach,
welche die alte Frau gesprochen: Ist Björn
in Deinem Zimmer, Karin?
Ein Schauer überlief die Glieder des
Träumenden Dein Zimmer. Karin?
wiederholte er und athmele tief aus.
Plötzlich fuhr er empor und starrte unge
wiß um sich. Das Dunkel, in dem er ein
geschlafen, war verschwunden und das Ge
mach hell erleuchtet. Wenigstens erschien
das Licht ihm im ersten Augenblick grell
und blendend; dann erkannte er, daß der
Mond, der zwi,chen zwei Wolken durchge
treten, es in's Fenster warf. Doch es war
nicht das Licht, das ihn geweckt; es war
ein Ton oder eine Verbindung von Tönen,
die sein Ohr getroffen. Ein Geräusch, wie
dumpfes Donnerrollen, war aus der Ferne
herangekommen, hatte sich mehr und mehr
verstärkt und war, scharf abgeschnitten,
verstummt.
Der heimliche Gast auf Schloß Torpa
horchte mit gespanntem Ohr. Statt des
Rollens vernahm er d'raußen das Gewie
her von Pferden, und eilige Männertritte
kamen über die Vordertrcppe herauf.
Die Thür des großen Gemaches, in
welchem die beiden weiblichen Glieder des
Stenbock'schen Hauses am Tische saßen,
flog weit auf und eine breitschulterige,
reckenhaste Männergestalt trat rasch über
die Schwelle. Das ergrauende Haar flog
sturmverwildert um die entblößte, knochige
Stirn des Mannes, seine Lippen beweg
ten sich 'heftig, theils vor Ausregung,
theils wie es schien, vor Schmerz, den der
schnelle Gang, bei dem er den nachschlep
penden linken Fuß aus sein Schwert zu
stützen vergaß, ihm bereitete.
Der Mantel war auf derselben Seite
von seiner Schulter gefallen und über
diese blickte der blondumrahmte Kopf eines
jungen Manes, dessen Augen mit unruhi
gem Glanz Karin suchten.
Vater! rics diese aufprinqend. Es lag
etwas unliebsame Ueberraichung in ihrem
Tone, der sich jedoch bei dem nächsten
Blick, den sie über den Eintretenden warf,
in wirklichen Schreck verwandelte. Was
ist Dir geschehon, Vater?
Mir? Gustav Stenbock griff an seine
Kehle, als ob er dort etwas losringen
wolle, und versuchte zu sprechen. Doch
seine Brust keuchte nur und der Laut kam
nicht hervor.
Um Gott.'swillen, Gustav, was ist ge
schehen? wiederholte Karin, sich dem jun
gen Manne, der ihr entgegengeflogen, zu
wendend.
Auch dieser war athemlos, seine Klei
dung triefte von Regen; Wegschmutz und
Lehm hatten jeine hohen Reitstiefel bis
zum Knie mit einer starren Kruste überzo
gen. Er mochte kanm zwei Jahre älter
sein als Karin; man sah, der düstre Aus
druck, der beute Abend in seinen hellblauen
Augen lag, war diesen und seinen ganzen
offenen Zügen nicht natürlich. Doch auch
seine Hände zitterten vor Erregung und
seine Kniee wanlteu wie von Ucberanstrcn
gnng und Erschöpfung.
Eine sekundenlange Stille, in der Nie
mand antwortete, lag über dem Zimmer,
welche die Stimme der unter
brach. Sie hatte sich am Tisch ausgerich
tet und fragte, den Kops vorneigeud, laut:
Wer ist mit Stenbock gekommen? Ist
es Gustav Rosen?
Ja, Mutter, erwiderte Karin, die ihre
Stirn an die Brust des Genannten gelegt
und ihre Arme um seinen Nacken geworfen
hatte, während er heftig mit zärtlichem Un
gestüm ihr Augen und Schläfe küßte. Du
lebst, ja Tu lebst, murmelte er verworren.
Stenbock hatte seine durchnäßten Ober
kleider zu Boden geschleudert und winkte
dem Jüngling mit einer fast zornigen
.Handbewegung:
Sprich, Rosen. Sag' es ihnen ohne
Schonung, wie Du es mir gesagt.
Gustav Rosen machte sanft Karin's
Arme von sich los und trat auf Frau Sten
bock zu.
> Setzt Euch, Frau Tante, sagte er, ihre
> Hand fassend und sie in ihren Sessel zu
rückführend, ich bringe Euch einen Gruß
> von Ehristiern von Dänemark.
i Die Worte verhallten, in unheimlichem
- Ton gesprochen, in dem großen Zimmer.
Niemand antwortete etwas darauf. Die
i Thür, durch welche die beiden Männer her
eingekommen, stand geöffnet und die Ge
sichter der Knechte, die von unten ihrem
Herrn die Treppe herauf gefolgt, blickten
forschend herein. Doch alles war todten
still, nur Björn heulte d'raußen dumpf in
die Nacht hinaus und nur Bnta Stenbock
fragte scharf accentirt:
i Gustav Rose, Du willst in Stenbock's
! Magschaft eintreten; was zauderst Du?
l Stenbock's Weiber sind zu Männern ge
j worden, da Schweden's Männer sich wie
Weiber geberden. Was für Botschaft
bringst Tn von Ehristiern von Dänemark?
Sein Handschlag ist Verrath, und sein
Gruß ist Tod.
Ihr sagt es, Brita, entgegnete der
! Jüngling düster. Er faßte Karin's Hand,
! die ihm nachgeschritten und hielt sie kramps
hüll in der seinen. Ich bin gestern Abend
aus Stockholm geritten, fuhr er mit zit
ternden Lippen fort, am Wettersee traf
lch Deinen Vater, der dorthin wollte, von
wo ich kam
Die weißhaarige Frau flog abermals
von ihrem Sitze auf. Tu hattest uns ge
tauscht, Stenbock, Tu wolltest zu Ehristiern
von Dänemark? fragte sie hart.
Gustav Stenbock warf mit einem dum
pfen Fluch antwortlos sein Schwert auf
den Boden. Ter junge Mann fiel schnell
ein:
i Ich hatte es ihm gerathen, der ganze
! Adel war dem Gebote des Königs gefolgt,
und ich fürchtete, er werde es büßen, wenn
er nicht komme
Der ganze Adel Schweden's ist feig und
vcrrätherisch, brauste die Bl n)e zornig
aus.
Brita Stenbock, Ihr seid ungerecht und
werdet Eure Worte bereue, erwiderte der
Jüngling mit dumpfer Stimme. Die,
von Ihr redet, sind taub für Lob
und Tadel. Seit gestern Abend gibt es
keinen Adel dieses Landes mehr. Der
Mälar ist roth von seinem Blut wer in
mit dem dänischen König ge
trunken, hat das Bautet mit seinem Kops
bezahlt Ehristiern von Dänemark hat
den ganzen Adel Schweden's enthauptet!
Wer hatte es ausgestoßen? Ein gelles
schneidendes Lachen kam aus dem Winkel
des Zimmers, daß der Kopf des Sprechers
unwillkürlich suchend herumflog. Auch
Karin hatte die Stirn gewendet, ihre Hand
zitterte in der ihres Bräutigams, und ihr
Gesicht war plötzlich bleich geworden.
Wessen Antlitz war es nicht, nach den
letzten Worten, die Gustav Rosen gespro
chen? Auch Stenbock's Auge lief forschen
über die Anwesenden und über die Köpfe
der nach altem schwedischem Brauch bei
außerordentliche Vorkommnissen mit
ms Familien-Zimmer eindrängenden
Knechte.
Ist ein dänischer Verräther unter uns?
Der hat über Schweden's Untergang ge
lacht? fragte er, die granbuschigen Brauen
drohend zusammenziehend.
Niemand antwortete, nur Karin trab
vor und sagte: Es klang nur wie Lachen,
es war der Sturm, Vater.
Rosen blickte aus die Thür, die in da-Z
Zimmer des Mädchens führte. Mich
däucht, es kam von dort, entgegnete er:
was hast Du, Jngeborg?
Tie Magd halte ihre Augen ebenfalls
ängstlich aus die Thür gerichtet. Es war
schon ein verdächtiges Geräusch darinnen
eh' Ihr kamt, Herr Rosen; aber Fräulein
Katharina hatte Muth und ging hinein.
Ter Jüngling hatte sein Schwert gezo
gen und unwillkürlich einen Schritt gegen
die Thür gemacht, doch Karin vertrat ihm
den Weg.
Jnczcborg ist eine furchtsame Närrin,
die an Gespenster glaubt, sagte sie, seinen
Arm fassend, glaud mir, es war der
Wind
Sie drängle ihn sanft von der Thür zu
rück. Brita Stenbock war wie vom Blitz
getroffen auf ihren Stuhl zurückgefallen
und hatte, das Gesicht mit den Händen be
deckend, nichts von dem Zwischenfall ver
nommen. Doch jetzt erhob sie sich wieder,
ohne zu schwanken, mit eiskaltem Gesicht
und fragte mit sicherer Stimme:
Wer ist enthauptet worden, Gustav Ro
sen? Nenne mir die Namen.
Der junge Mann wandte sich um und
steckte das Schwert in die Scheide; man
sah, er war gewohnt, der Stimme der al
ten Frau zu gehorchen.
Fragt, wer entronnen ist, Frau Tante,
und es ist leicht, sie zu nennen, entgegnete
er, denn sie befinden sich in diesem Zim
mer, Euer Gatte und -- ich, setzte er nach
augenblicklichem Zögern hinzu.
Ilm Frau Steubock's Lippen flog ein ei
genthümliches Zucken. Tu warst mit in
Stockholm, Rosen; wie kommt es, daß Du
das Schicksal des schwedischen Adels nicht
getheilt?
Ich entkam durch einen glücklichen Zu
fall, versetzte der Jüngling verlegen und
mit leiserer Stimme. Er drehte den Kopf
ab, wie Karin's Augen ihn mit hastig
scheuem Blick, doch anders wie zuvor über
flog. Tie Hausherriil wiederholte seine
letzten Wörle tonlos zwischen den Lippen:
Durch einen glücklichen Zufall. Freue
Dich seiner, Karin, sonst läge Gustav Ro
sen's Kopf neben den Häuptern des tapfe
ren schwedischen Adels.
Der unwillige, zweifelnde Ausdruck, der
einen Moment in den Augen des Mäd
chens gelegen, schwand und sie legte schau
dernd den Kopf an die Brust ihres Ver
lobten. Brila Stenbock fuhr eisig fort:
lst niemand niemand, aus den
Schweden Hoffnung setzen kann, übrig ge
blieben, außer Stenbock und außer
Dir?
Ter Ton, in dem die letzten Worte bei
gefügt worden, war zu unverkennbar, als
daß er mit Schweigen beantwortet wer
den konnte. Stenbock, der bis jetzt in
düstere Gedanken versunken, schweigend
dagestanden, sah zornig aus und sagte:
Mich däucht, Brita, oaß jetzt, daß heute
nicht die Zeilist, altes Unrecht zu erneuen.
Tu sprichst sinnlos, Weib. Hat Gustav
Rosen Dich damit gekränkt, das er mich
gerettet? Hat er sich ein Verdienst um
Christiern von Dänemark dadurch erwor
ben, daß er ihn verhindert, meinen Kopf
zu den andern zu legen?
Mutter! hatte auch Karin mit stolzenr
Unmuth gesagt. Doch diese unterbrach sie
mit unverändeiter Miene und Stimme:
Ich habe Dich gefragt, Rosen, ob sonst
niemand dem Blutbade entronnen ist?
Der Jüngling mußte Gründe haben,
sich zu bezwingen, und der Hauptgrund
das schöne Mädchen sein, um dessen Hals
er seinen leise bebenden Arm schlang, denn
er versetzte ruhiger als die andern:
Ich glaube, daß Gustav Erichson dev
Einzige ist, der entkommen oder vielmehr
gar nicht nach Stockholm gegangen. Der
Fuchs witterte die Falle
Sprich' mit Achtung von Gustav Wasa,
Knabe! donnerte die alte Frau, daß Rosen
,'cheu verstummte. Doch ihre plötzliche
Heftigkeit legte sich schnell wieder. Gustav
Erichson, sagte sie langsam, er war ein
Kind, als er mich lehrte, was einer Schwe
din gezieme. So lange er lebt, ist nichts
verloren ist vielleicht gewonnen, fügte
sie leiser für sich hinzu.
Sie schlug ihre Lider aus und heftete
die ausdruckslosen Augensterne in die Rich
tung, aus der zuletzt die Stimme des
Jünglings erklungen.
Ich will Dich nicht kränken. Gustav Ro
sen, fuhr sie fort, Du warst ein Knabe bis
heut; jetzt ist Deine Stunde gekommen zw
zeigen, ob das Blut Deines VaterS, ob
das dänische Blut der Mutter in Deincir
Adern fließt.
Karin blickte ihren Geliebten sreudiz
an.
Gustav hüt ein so treues schwedisches
Herz, Mutter, wie Tu, ich, wie der Vater,
und wie Gustav Wasa, sagte sie. Aber
es ist zu spät, ihr solltet zur Ruhe gehen
und morgen überlegen, wa-Z ihr zu thun
habt.
Stenbock schüttelte den Kops: Morgen
kann es zu spät sein, Christiern ist rasch
wie die Pest. Auch Rosen stimmte ihm
bei: Ich weiß, daß ein Befehl ergangen
ist, im ganzen Lande Nachlese zu halten,
wo E.ner von denen, die in dem Nerzeich
niß des Barhiergesellen Slaghöi stehen

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