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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, February 13, 1874, Beilage zu Nr. 7, Image 5

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Beilage zu Nr. 7.
Der Teutsche Korrespondent.
Baltimore, IS. stevruar t 74.
Uebersicht der wichtigsten Crcig
_ nisse.
Die ganze Welt laborirt gegenwärtig an
Verbesserung der Finanzen; Amerika, Ena
land, Oestreich, Rußland, Frankreich, sogar
das nillliardengescgnete Deutschland leiden
alle unter einer gewissen Finanznorh, welche
avHusletten, und na-
iil überwältigender Majorität - in
allen Mandern thätig sind. Man könnte eine
Duiiioreske ersten Ranges ichreiben, wenn
man die verrückten Finanzpläne zusammen
stellen wurde, die in den letzten drei Monaten
das Licht der Welt erblickte. Da sind in
nnicrcm Kongresse vor allen Dingen die Bc
fürworter der Aufblähung, die das Land mit
Papiergeld überschwemmen wollen. Sie
operiren nach dem Grundsätze: Zwei von!
l-iiis geht nicht, borgt man Eins; um aber!
nicht in Verlegenheit zu kommen, borgt man!
lieber gleich Drei, denn man weiß nicht, wo
man's nöthig hat. Die Conlractionisten
wie das Wort so verführerisch klingt! —setzen '
den Hebel am anderen Ende an; sie meinen,!
wo man schmutziges Wasser auspumpt, da!
muß reines hineinfließen, bedenken aber nicht, j
daß Heuer alle Gewässer der Welt getrübt!
sind. Einer dieser Herren machte sogar den
an die Großthat desDhemisiocles erinnernden !
Vorschlag, alleGreenbacks, d. h. die Scheine,!
für die man, wenn sie auch nicht viel werth !
sind, noch immer Brot und Fleisch, Bier und !
Cigarren erhält ohne Gnade zu vcrbren- j
ncn, damit Silber und Gold im Lande El- >
lenbogenraum erhallen und ungehindert cir-!
Kuliren rönnen. Ein pemisylvanischer Bauer !
war dieser Tage im Eongressc naiv gcnna, zu !
fragen, wie lange Zeit es den Münzämtern !
nehmen werde, soviel Münzen zu prägen, >
um das Papiergeld beseitigen zu können. Der!
Mann hat wahrscheinlich geglaubt, daß in ei
nigen Wochen die nöthigenDoppel Adler,halbe
Adler, Trade-TollarS, QuarterS und Times
gemacht werde könne und dann das Millen
nium losgehen werde; er war sicher nicht we
nig enttäuscht, als dcrFinanzinininer berichte
te, daß derVorrath erst in vier Jahren beschafft
werden könne. Nachfahre! Ter hitzige Eon
tractionisl geht unterdessen zu der Partei der
Aufblähung über, Und die ganze Finanzfragc
ist doch so einfach. Schon vor actjtziglahren l
hat sie der „arme Richard" durch zwei ganz
einfache Sätze gclös't: „BezahleDcincSchnl
den und lebe so, daß Du läglich eine Klei
nigkeit erübrign." Unsere Regierung sollte
einmal nach dein Shsicin Franklin' wirlh.
ichaftcn nnd das des berühmlcn WilkinS Mi
cawber aufgebcm Auch Micawbcr bezahlte
manchmal seine Schulden, wenn er iicmlich
so glücklich war, doppelt so viel geborgt zu
bekommen, als er Lust hatte, zu bezahlen
und er hielt sich für einen grundehrlichen
Mann. Boutwell und Richardis,, haben
bisher nach Micawbcr'schen Ornndsätzen ge
wirkhsck,astet. Tic einzigen Grundsätze, welche
bei Nalioueu und Individuen Erfolg verspre
chen, sind Sparsamkeit und Einschränkung.
Nun macht man zur Zeit in Washington
alle Anstrengungen, sich einzuschränken und
zu sparen. Die armen Kanzlisten und Elerls
welche zu Löhnen von siuvo, HlSvv und
Kl4ot) in den Departements arbeiten,
werden zu Dutzenden entlassen, sogar der
Eongreß hat mit sauersüßer Miene den „Sa
larp Grab" fahren lassen, die Armee soll auf
10 Mann und ück Unteroffiziere reduzirt wer
den, aber es fallt denHerrcnSparmeiern nicht
ein, die hohen Salaire zu beschneiden, die
Gebühren, welche verschiedene Hafeii-Eollek
torcn und Fiskal Beamten zu den am Besten
salarirtcn SlaatSdiencrn der Well macheu,
abzuschaffen, es fällt ihnen nicht ein, den
Reichthum der Nation nicht ferner in die zahl
reichen Schlund- zu schütten, welche unter der
MaSke von öffentlichen Werken, von India
ner - Bcrwilligungcn, von Subsidien jeden
Eongreß angähnen und so kommt es, daß
Onkel Sam beständig sich fragt: „Wo bleibt
mein Geld?"
Der Congrcß fängt jetzt in seiner Tiigcnd
aitwandlung verschiedene Untersuchungen an.
Tic Sanborn'scheit Contrakte, das Jusiiz-
Departemcnt und das des Innern, die India
ner-Verwaltung, dcr Distrikt Columbia wer
den von verschiedenen Eomile's untersucht.
Leider wird dabei nicht viel heraus kommen.
Tie Äetjcuche
greift im Lande immer weiter nm sich. Die
Staaten Ohio und Indiana sind in die größ
te Aufregung versetzt, durch das abnorme
Verfahren der Frauen und Mädchen, welche
entichlosscn zu sein scheinen, in den kleinen
Städten und aus dem Lande jede Spur geisti
ger Getränke zu verrilgen. Es ist vergebens
gewesen, gegen dieses Verfahren zu prorcsti
rcii, in den meisten Orten, wo die Krankheit
ausbricht, stehen die Behörden aus Seiren der
Frauen; nur in Waynesboro' hatte der Bür
gerincister Dodson den Muth, den Polizei
marschall zu ülstriiircn, alle Frauenversamm
lungen auf den Straßen zu zerstreuen. In
Xenia, Ohio zählt diePantosselgardc 400 und
der Feldzug sollte ain Mittwoch eröffnet wer
den. Die Krankheit hat sich bereits nach
Kentucky und West Virginieil verbreitet und
droht jetzt auch in New-:')ork und Ncw-Jer
sey auszubrechen. Aus die Gesetzgebung un
seres Staates üben die Temperenzler einen
ungewöhnlich starken Druck aus, man glaubt
aber immer noch, daß sie nichl viel ausrichten
werden. Sogar in Waihingion hat sich eine
geheime „Waffergilde" gebildet, die iniSinne
führt, die westliche Kriegführung vermittelst
betender 'Amazonen dort zu inanguriren.
Schlimm und groß wie dasUebel ist, welches
zu solchen Zuständen und krankhaften Aus
schreitungen Anlaß gegeben hat, so tan doch
dem Laster der Trunksucht aus diese Weise
nicht gesteuert werden. Die Tugcndauswal
liing wird verfliegen, die Weiber werden nach
dieser rettenden That ihre bei dem Umherlau
sen zerrissenen Strümpfe stopfen und ihre bei
dem vielen Knieen schmutzig gewordenen Klei
der wasche, die Männer aber werden den
Paragraph 11 ihrer Statuten hervorsuchen
und Ban Pell wird niit dem Gelde, was er
durch Predigen verdient hat, eine neue Kneipe
eröffnen.
Die Bctseuche wird kein gutes Resultat ha-'
ben. Und doch könnten die Frauen so viel
dazu beitragen, der Trunksucht zu steuern und
wir werden hier nicht zum hundertsten Mal:
zu sagen brauchen, wodurch. Freilich, sie
haben Augen und sehen nicht, sie habenOhren
und hören nicht.
Tic Krangers
haben in Sl. Louis ihreNatioual Convention
geschlossen und ein vortreffliches Programm
erlassen, welches sich vorthcilhaft von den
glänzenden Allgemeinheiten politischer Platt
formen unterscheidet. Während des letzten
Jahres sind über 300 neue Logen orgamsirt
worden und der Orden besitzt ein Vermögen
von 50,000. Im Lause eines Jahres er
sparte dcrOrdcn seine!iMitgliedernB,ooo,ooo
durch Consum Vereine, Agenturen und Um
gehung der Zwischenhändler.
In Deutschland hat sich am 5. Febr.
der Reichstag wieder versammelt, welcher
diesmal Hrn. v. Forckenbeck zu seinem Präsi
denten erwählte. Die Opposition ist größer
als bisher und die Partei der Landräthe kann
sich nichl erklären, wie es gekommen ist, daß
sie in verschiedenen Kreisen, deren Wähler sie
in der Tasche zu haben glaubte, geschlagen
wurde. Die Ursache ist natürlich. In den
Gesellschaftskreisen, in denen der dcutschcLibe
ralismuS wuchert, hat man bisher mit sou
veräner Verachtung auf das sieucrzahlende
Volk, den Pleds, herabgesehen, mau war
verblendet genug, sich für die Nation zu hal
ten und zu glauben, man brauche nur das
Stichwort zu geben und der Pleps werde als
Chorus einfallen. Die Clerikalen und So
cial-Tieinokraten haben dagegen elwas von
den Amerikanern gelernt, nemlich, werStim
men haben will, muß sich darum bemühen und
weil sie das thaten, wozu die Landräthe und
die prädestinirten Reichsbolen zu stolz waren,
deshalb waren sie erfolgreich.
Die Kriegsgerüchte mehren sich in Deutsch
land, ohne daß eigentlich Grund für dieselben
vorhanden wäre. Schon seit einem Jahre
wird allenthalben gerüstet und neurdings ist
man besonders thätig, die westliche Grenze
zu befestigen. Es ist übrigens schwer zu glau
veii, daß Frankreich die bittereLehre von 1870
so bald vergessen haben sollte, um allein einem
übermächtigen Gegner gegenüber zu treten,
der außerdem alle anderen Großmächte zum
Freunde hat.
In England ist die Niederlage Glad
stone's jetzt vollständig und schon die nächste
Woche wird die Abdankung des liberalen Mi
nisteriums bringen. Disraeli, der „tom
mende Mann" soll sein Cabinet bereits gebil
det haben, wenigstens hat er sich in der letzte
renZeil mit allen hervorragenden Gesinnungs
genossen über kleinereTifferenzcn ausgesöhnt.
Der Krieg gegen die Achantescn ist in der
Hauptsache beendigt.
In Frankreich ist das Bürgcrmcister
gesetz von der Nationalversammlung ange
nommen und die Autonomie der Gemeinde
thatsächlich vernichtet worden. Büffet wurde
zum Präsidenten der Nationalversammlung
wiedererwähll. Die franz. Regierung mußte
dieser Tage auf Bismarck s Geheiß das nl
tramontane Blatt „L'Univers," dessen Re
dakteur Veuillot zur Zeit für den ersten Jour
nalistenFrantreich'S gilt, unterdrücken. Die
Franzosen sind darüber in ungeheure Wuth
gerathen und in allen Ländern hat dieses Ver
fahren des deutschen Kanzlers das größte
Aufsehen erregt.
In Oesterreich wurde fast gleichzeitig
das „Vaterland," ein Blatt ähnlicher Farbe,
unterdrückt, ob auch auf das Geheiß des deut
schen Kanzlers, weiß man noch nicht. Der
Kaifcrstaat steht jetzt im Begriff, das Concor
dat aufzuheben und die Civilehe einzuführen.
Der Kaiser von Oestreich ist nach Rußland zu
Besuch gcreis't.
In Jtal ien hat der Minister Scialvia
abgedankt. La Marmora hat von der Kam
mer Urlaub erhalten; anfangs glaubte man,
er werde nach Berlin gehen und einDuclt mit
Bismarck haben, es scheint aber icyt, als ob
er irgend einem Sturme aus dem Wege gehen
wollte.
Aus Spanien liegt Nichts von Beden
tung vor.
Die StaUgesetzgebug.
Die projektirte Freibrücke zwi
schen Anne-Arundel und Ballimore-County,
an der Stelle, an welcher jetzt Sweetzer's
Brücke unterhalb Elkridge-Landing den Pa-
tapseo kreuzt, hat während der letzten Tage
. zwischen den Delegationen von beiden Conn
ties im Unierhaiise zn warmen Debatten An
- laß gegeben; die betreffende Bill wurde end
lich vorgestern im Unterhause angenommen.
Dieselbe ermächtigt dieLommissäre von Anne
n Arundel-Countp, die Brücke für die Summe
von K 20,000 zu lausen und sie dem freienßer
ir kehr zu übergeben. Die Kosten derßeparatur
n sollen zu ! von Annc-Aruudcl- und zu j von
ie Balnmorc-Countp getragen werden.—Swcct
l. zcr's Brücke wurde vor nahezu einem halben
n Jahrhundert errichtet und erhielt 1834 von der
e Gesetzgebung einen Freibrief, nach welchem
n ein Brückenzoll bestimmt wurde, der heute
noch erhoben wird. Damals wurde der Pa.
n tapseo noch von Fahrzeugen mit bedeutendem
n Tiefgang befahren. Seitdem ist der Fluß
- versandet, die Userscilen der Brücke sind durch
t allmälige Ansschwcmmungen zu festemLaude
e geworden. Bor achtzehn lahren ging die
i Brücke an eine Aktiengesellschaft über, es
r! wurden 2g Aktien -s H4OO ausgegeben, die
l' selben haben aber jetzt den Werth von Kl4OO.
z Diese Werthsteigernug der Aktien hat ihre Ur
-' sachc in der Abnahme der Unterhaltungskosten
i! und besonders in der bedeutenden Zunahme
, j des Verkehrs. Fast der dritte Theil aller
i Gartenerzeugnisse, welche auf den Baltimorcr
, i Markt kommen, werden über diese Brücke
i! befördert; der Zoll ist infolge dessen eine
i! schwere Last für die Bauern im Anue-Arun
i! dcl-County, geworden, er beträgt jährlich
, i mehr, als alle anderen Steuern zusammen
i j genommen. Die Aktien sind größtentheils
>! in den Händen von Bürgern des County's
s und die Aktionäre sind bis auf zwei geneigt,
z zu Gunsten des Staates auszuverkaufen, zu
! mal eine freie Brücke den Werth des Landes
', bedeutend erhöhen würde. Die Brücke hat
11 übrigens auch noch während der letzten 8 Jahre
, Z bedeutende Summen gekoster, wie aus fol
! gender Rechnung erhellt:
! Wiederaufbau nach der Ucber
schwemmung von 1866 KL,617.43.
Eine neue Drehseitc 1867 368.78.
1868 2,067.23.
Beschädigung durch die Ucber
schwemmung im Juli 1868.... 4,073.26.
Theilwcisc fortgerissen im Oktbr.
186 S 1,033.03.
Reparatur im Jan. 1873.. . 506.17.
Neubau im Novbr. 1873 3,708.8.
Summa 1i5, 920.76.
Wenn die Bill im Senate angenommen
wird, dann muß Anne-Arundel-Eounty die
Brücke bezahlen und T zum Unterhalt dersel
ben beitragen, das vierte Viertel der Untcr
! Haltungskosten hat Balltiniorc - County zu
tragen.
Inspektion der Lenchtöle, Ue
! der die von Hrn. Blake imSenat eingebrachte
> Bill, welche die Inspektion der stcuchtöle vor
i schreibt, lauten die Urtheile der Presse nicht
besonders günstig. Ter „American" meint,
dieselbe sollte in der vorliegenden Fassung
nicht angenommen werden und monvirt dieses
folgendermaßen: „Alle Inspektionen sind
mehr oder weniger drückend nd werden ge
wöhnlich nur beibehalten, weil sie Gelegcn
hcit bieten, politische Werkzeuge zu versorgen.
Die vorliegende Bill verfügt, einen Oel-
Jnspcktor für jede Ward der Stadt und für
jcdcsEouulh im Staate zu ernennen und diese
Inspektoren sollen das Recht haben, so viel
Untcriiispektoren zu ernennen, als sie für
nothwendig erachten. Dieses gibt dem In
spektor eine Gewalt, die er nicht haben
sollte. Es wird ein gewaltiger Druck auf
ihn ausgeübt werden, so viel Gehülfen zu er
nennen, als nur placirbar sind. Die wirk
samste Verfügung eines InspektionsgesetzcS
ist ausgelassen, ncmlich die, daß Diejenigen,
welche durch eine Explosion zu Sckiaden kom
men, das Recht haben sollen, den Verkäufer
des gefährlichen Ocles um Schadenersatz zu
verklagen."
Die Austcrn Revcnue ist, wie ans
einem Berichte des Staats-Controleurs her
vorgehl, sehr bedeutend. Tie 7:12 conzcssio
nirten Austerusahrzeuge zahlten zusammen
für Üizcnfen 5>'.4,159.4. Die meisten Au
sternboote hat SomerseiEounty, neinlich 337,
welche Lizcusen zahlten, so
dann kommt die Stadt Baltimore mit 261
Fahrzeugen, welche H 21,717.89 zahlten. Tor
chester Eounty hat 91 Fahrzeuge, Calvert,
Talbot und Wicomico Eountp je 11, Anne-
Arundel und Sr. Mausts je 4 und Caroline
und Queen Anne's je i.—-Der Gesetzgebung
liegen zwei Bills zur Rcgnlirung des Au
sternfanges vor, die eine verfügt, daß die
Bay Eonulteö behufs der Ueberwachung in
9 und die Andere, daß sie in 8 Distrikte ein
getheilt werden, im klebrigen sind die Ver
fügungen gleich.
Ein Comite, welches im Interesse der gro
ßen Eiumnch - Etablisscments"in
Baltimore vertritt, bestehend aus den
HH. Wni. Nnmjcn, Joseph Brinkley, G.
Drakeleu und Oberst E. Willens, hatte vor
gestern Abend eine Unterredung mil dem Co
mite überAckerbau und verlangte die Annahme
eines Gesetzes über den Verkauf von Früchten
und Gemüsen in der Stadt Baltimore. Die
Herren befürworten eine Akte, „daß künftig
alle Früchte und Gemüse, welche jetzt nach
-n Maße vertanit werden, künftig nach dem
gewichte verkauft werden sollen, Erbsen aus
genommen. Zuwiderhandelnd, sollen in eine
Strafe von §lo—loo versallen." (Wir theil
ten hierüber schon früher Näheres mit.)
Rheder nlid L 0 0 lse 11. Seit eini
gen Jahren sind hier Versuche gemacht wor
den, eine Aenderung der Maryländer Pilolen
gcsctzc herbeizuführen; dieselben wurden jedoch
immer aus dem einen oder anderen Grunde
niedcrgcstimmt. Tie alten Anstrengungen,
resp, die alten Kämpfe werden in der gegen
wärtigen Gesetzgebung erneuert. Das Han
dcls-Direktorium der Stadt hat jetzt die Sache
in die Hand genommen und folgende Amende
ments dcs Gesetzes empfohlen: „Keine Person
soll eine LizenS als Lootse erster Klasse erhal
ten, welche nicht die gehörige Zeit gedient und
die nothwendige Prüfung bestanden hat." 2.
Die Ptüsntigs-Commission soll Gewalt erhal
ten, die Regeln sür die conzessionirten Lootsen
zu entwerfen, und dieselben durch Auferlegung
entsprechender Strafen durchzuführen; die
Strafe soll für jedes Lcrgeheniso nicht über
steigen ; alle Strafgelder sollen in einen Fond
fließen, der zum Besten kranker, dieiistunsähi
ger Lootsen zn verwerthen ist. 3. Alle auSlän
dischen Fahrzeuge und solche Fahrzeuge, welche
ans fremden Häsen hier eintreffen, alle Fahr
zeuge, welche ein Register haben, die Küsten
fahrer ausgenommen, sollen einen conzessio
nirten Lootsen an Bord nehmen, oder wenn sie
sich dessen weigern, sollen sie das Lootsengcld
zahlen, welches demjenigen Lootsen zu Gute
kommen soll, der zuerst das Fahrzeug spricht
und seine Dienste anbietet; vorausgesetzt, daß
solche Dienste 15 Meilen südlich oder östlich
von Kap Henry oder in solcher Entfernung,
daß das Leuchthaus am Kap nicht vom Deck
dcs Schisses aus gesehen werden kann. 4. Die
Piloten haben die: Boote außerhalb den Kaps,
fünfzehn Meilen nördlich, fünfzehn Mei
len östlich und fünfzehn Meilen südlich vom
Lcnchthanje, zn unterhalten; serner soll in der
Nähe des Kaps ein Hülfsboot bereit gehalten
werden."
Dieses ist ein kurzer Auszug der Amende
ments, welche das Handels-Direktorium ver
langt, und es steht zu hoffen, daß die Frage
endlich erledigt werde.
V er w i l l i g u n g f ü r N e g e rsch n le n.
Senator Billingsley's Bill, welche vcr
fügt, Gelder zum Unterhalte der Negerschulen
zu verwilligcn, legt dar, daß die bisherige
Verwilligung von 50,000 nicht ausgereicht
hat, und daß es die Pflicht dcs Staates sei,
die Vortheile einer freien Schule allen zn
Theil werden zu lassen. Die Bill verfügt,
daß der Staat künftig §lOO,OOO verwillige,
welche Summen untcrAnweisnng desStaa'cs-
Controlcurs pro Rate der schwarzen Bevölke
rung mitsr die Stadt und die Eounties zu
vertheilen ist.
Tie Banvcreins Bill des Senates
bcichäftigte vorgestern das Unterhaus sehr an
gelegentlich. Dieselbe verfügt bekanntlich, daß
die Bau-Vereine, Land-Conipaguic'n :c. fer
ner keine 'Noten nichr ausgeben dürfen. Ein
Amendement wurde gestellt, daß die Bill auf
Montgomery-, Allegauy- und Kent-Co. kerne
Wirkung haben soll, demselben wurde jedoch
von den HH.McEolgau und Greenfield eifrig
opponirt. Hr. Joyce befürwortete die Bill
und sprach von den zahlreichen Ungerechtig
keiten und Betrügereien, welche von einigen
dieser Compagnie n degangen worden feien,
und dem großen Drucke, welchen sie unter
Prätention von Wohlthaten auf die ärmeren
Klassen ausübten. Hr. Kcech verlas einSchrei
ben von einem Balrimorer Baumeister, in
welchem dargelegt wurde, daß die Noten we
nig mehr als gesetzliche Zinsen trügen. Hr.
Greenfield gab zu, daß von einigen Vereinen
die ihnen übertrageneu Rechte und Gewalten
mißbraucht worden feien, er konnte jedoch mchl
sehen, wie die vorliegende Bill das abstellen
könne. Tie Maßregel wird wahrscheinlich am
Freitage in der einen oder anderen Weife Er
ledigung finden.
Fromme Barbiere. Hr. Gill über
reichte vorgestern im Dclegatenhause eine Pe
tition von 103 Barbieren und Gehülfen um
ein Gesetz, welches das Schließen der Bar
bicrstubcn ain Sonntage vorschreibt. Eine
dahinzielende Bill liegt bereits zur dritten
Verlesung vor; der Abschnitt, welcher ver
fügt, die Hälfte der Strafe dem Angeber zu
zusprechen, wurde jedoch gestrichen.
Die Austcrn - Dlstrikte. Die neue
auf den Auslernfang bezügliche Bill des Hrn.
theilt die Austern jährenden Gewässer
des Staates in 7 Distrikte ein, nämlich 1.,
Somerset und Wicomico; 2.,Dorchester; 3.,
Talbot; 4., Kent und Queen Anne'S; 5.,
Anne Arunoel; 0., Calvert, und 7. St.
Mary's Coulily. Jeder Distrikt soll von ei
ner armirten Schaluppe überwacht werden.
Die Offiziere dieser Flotille sollen an jedem
Orre innerhalb des Staates und zu jeder
Zeit berechtigt sein, Verhaftungen vorzuneh
men.
Ein T h e a t e r g e s e tz. Hr. Loane
brachte vorgestern im Hause eine Bill ein,
welche verfügt, daß kein Sitz in einem Thea
ler, einer Eonzcrthalle, einem Borlesersaale
oder in einem anderen Erholungsplatze als
„verkauft," „belegt" oder „reseroirt" bezeich
net werden dars, der nicht thatsächlich vor
Eröffnung der Kasse verkauft wurde, und daß
jeder aufwiese Weise ohne den obigen Grund
i- belegte sitz dem Direktor oder Pächter des
>, Thealers eine Srrafe von SS zuziehen soll,
s Die Bill wurde einem Spezial Comite, be
i- stehend au den HH. Loane, Hart, Fenton,
e C. R. Hamilton und Brace, überwiesen.
>- Ernennung eines Tabacks-Jn
>- sp ektors und Amtsaii t r i t t des
- neuen S taa t S sch ntzmcist er S. Der
l. Gouverneur hat Hrn. I. A. Pricc von Char-
Tabacks-Jisspeltor an Stelle
e des zum Staatsschatzmeistcr erwählten B.
-- Comptoir ernannt; der Termin dauert jedoch
r nur bis zum I. März. Hr. Compton wuroe
a vorgestern von dem Gouverneur für sein
- neues Amt verpflichtet und stellte H 200.000
.1 Bürgschaft. Ter bisherige Beamte, Hr. I.
r W.Davis, überlieferte seinem Nachfolger die
r Staatskasse, welche zur Zeit die Summe von
e Hl 70,413.60 enthielt. Hr. Compton hat die
. bisherigen Sekretäre und Buchhalter wieder
l ernannt. Der erste Buchhalter, Hr. Camden,
) bekleidet das Amt nahezu 4l) Jahre.
1 Die Einwanderung. - Eine Balti
e morer Delegation, als deren Sprecher Oberst
e F. Raine fungirte, erschien vorgestern vor dem
z Haus-Comite über Einwanderung und hatte
- ciiw längere Unterredung mit demselben.
Senator Earle's Einwände
- rung s-Bi 11. Gestern brachte Hr. Carle
l im Senat seine Bill über Beförderung der
e Einwanderung ein. Dieselbe bezweckt, die
c Einwanderung ausEngland, Schottland und
: anderen europäiscycnLändcrn nach dem Staate
: Maryland zu lenken und verfügt, daß zwei
: Aemter geschaffen werden: ein Auswande
- rnngs-Büreau in England und ein Einwan
j dcrer-Büreau in Baltimore. Die Agenten
sind von dcm Gouverneur zu ernennen und
, ihre Amtszeit soll drei Jahre dauern. Ter
! Agent im Auslande hat in irgend einer eng
lischen Hafenstadt ein Bureau zu errichten, für
welches ihm 52400 für Miethe und Dienst
kosten verwilligt werden. Er soll versuchen,
aus den Landdistriktcn England's nndSchotl
land's Männer im 'Alter von 16—10 Jahren
zum Auswandern zu bewegen; er soll Vorle
sungen halten und Pamphlete verbreiten und
ist ermächtigt, mit einer Dampserlinic Con
trakte zur Beförderung der von ihm gewonne
nen Auswanderer abzuschließen. Sein Sa
lair soll lährlich G3OOO betragen, außerdem
soll cr 2H Prozent von den Fahrpreisen der
von ihm abgeschickren Leute erhalten. Jeder
aus diese Weise geworbene Emigrant hat eine
Parole zu unterzeichnen, daß er wenigstens
ein Jahr bei der Person bleiben will, welche
ihn zuerst miethete, und daß cr drei Jahre in
Maryland verweilen will. (Unausführbar
und nnpraktisck. Die Red.) Das Werk des
Dr.Higgins über die Hülsöqucllcii von Mary
land soll in 15,000 Exemplaren gedruckt und
Verbreiter werden; der Agent soll ferner solche
Karten :c. verbreiten, welche geeignet sind,
seine Pläne zu fördcn.
Ter Baltimorer Agent hat ein Bureau ans
Locust-Point zn eröffnen, für welches ihm
vierteljährlich KSOO als Dicustkosien verwilligl
werden, sein Salair beträgt S2SVO. Perso
nen, welche Einwanderer zu cngagiren wün
schen, haben sofort 4lProzent derUcbersahris
kosten zu zahlen und sich für den fliest durch
Noten verbindlich zu inachen; ferner müssen
sie die engagirten Leute kostenfrei nach ihren
Plätzen befördern. Ter Baltimorer Agent
hat für die ihm zufließenden Gelder 820,000
Bnrgschafi zu stellen.
Die Bill über Ernennung der
Zuchthaus-Direktoren wurde gestern
zum zweiten Male verlesen. Dieselbe ver
'ügt, daß alle zwei Jahre 6 Direktoren er
staunt werden sollen, zwei für 6, zwei für 4
und zwei für 2 Jahre.
Die Sta ats - Sanitäts - Com
mission.—Dr. P. F. PhelpS berichtete
vorgestern imSenate dießill ein, eineStaats-
Saniläts Behörde zu creiren; dieser Bericht
weicht wesentlich von der durch Prof. N. R.
Smith gemachten Vorlage ab. Die Bill, wie
sie das Comite zustutzte, verfügt, daß der
Gouverneur eine Behörde von fünf Aerzten
ernennen soll; ein Mitglied dieser Behörde
soll stets in dem wcstlichenTheile desStames,
ein anderes stets auf dem „Eastern Shore,"
ein drittes auf dcm Wcstnfcr derßai wohnen.
Tie Behörde sollSaiiitätsstatisilken sammeln,
alle Vierteljahr eine Sitzung halten und einen
Sekretär anstellen, dessen Gehalt ans KISOO
festgesetzt ist. Tie Gcsammtausgabcn der
Behörde sollen jährlich K3OOO nicht über- !
steigen.
Testament-Gesetze. Herr
Stevens hat im Senate eine Bill vorgebracht,
welcher die Testamentgesetze des Staates um
gestaltet. Das neue Gesetz schlägt vor, dem
Waisengerichtc das Recht zu geben, alle An
spräche zwischen Mündeln," Vormündern,
Erben :c. abzuurtheilen und seinen Dekreten
Geltung zu verschaffen. Will eine Person
ein Kind advptircn, so hat das Waisengcricht
die Gewalt, ein Dekret zn erlassen, welches
die Wirkung haben soll, dem Avoptivkinde
KindcSrcchle zu sichern, so daß es erbberechtigt
wird.
Das Ves ch la gn a h ine- Ge s etz, wel
ches von Hrn. Fenton beantragt worden ist,
war gestern im Unterhause Gegenstand einer
längeren Debatte. Hr. Parts beantragte
zwar, dasselbe ans unbestimmte Zeit zn ver
schieben, doch es hat augenscheinlich zu viel
Freunde und wurde für heute abermals auf
die Tagesordnung gestellt. Die bisherigen
Debatten zeigen, daß die Gesetzgebung imt
der Arbciterbevölkerung dcs Staates sympa
thistrt. Es ist kein Grund vorhanden, warum
nicht ein Arbeiter dieselben Vortheile unter
dem Gesetze genießen soll, welche dem Eigcn
thumsbesitzcr gewährleistet sind. Letzterer hat
nach dcmGesetze S loofrci von Beschlagnahme,
während dem 'Arbeiter nur 10 seines Lohnes
gestattet sind.
D i e Wuch er -Bi l l des Senators Ste
vens verfügt, daß in Fällen, in denen kein
spezieller Contratt vorliegt, 6 Proz. als ge
setzliches Interesse gelten sollen, aber in an
deren Fällen soll irgend eine Zinsrate bis
zu Prozent vereinbart werden können.
Das Programm der „ttrangers."
Die National Convention der „Granzers,"
welche soeben in St. Louis tagte, har in fol
genden Beschlüssen der amerikanischen Nation
ihr Programm vorgelegt:
1. Durch das starte, treue Band der Agri
cultur vereinigt, haben wir gegenseitig be
schlossen, für das Beste unseres' Ordens, un
sereS Vaterlandes und der Menschheit zu ar
beiten.
2. Herzlich iiidossiren wir das Motto: „In
wesentlichen Dingen Einheit, in unwesent
lichen Tingen Freiheit, in allen Dingen Wohl
thätigkeil."
3. Wir werden uns bestreben, unsere Sache
zu fördern, indem wir arbeiten, um folgende
Ziele zu erreichen: Eine bessere, höhere Mann
hasligteil und Weiblichkeit unter uns zu ent
wickeln, die Bequemlichkeit und die Behag
lichkeit unserer Heimstätten zu erhöhen und
unsere Anhänglichkeit an unseren Beruf zu
kräftigen, um das gegenseitige Einverständnis
und die Cooperation zu nähren, unsere Gesetze
unverletzt zu erhalten, einander zur Arbeit
aufzumuntern, um das Kommen der guten
Zeit zu beschleunigen, unsere individuellen
und cooperativen Ausgaben zu reducircn,
weniger zu kaufen und mehr zu produciren,
damit unsere Farmen jelbstcrhalteiid werden
mögen;nitsere Feldsrüchtc zu vermaniiichfacheii
und nicht mehr auszusäen, als wir cullivircn
können; um das Gewicht unserer Exporte zu
condeiisiren, weniger im Bushet und mehr
ans dem Hufe und an Wolle zn verkaufen,
unser Werk in ein System zu bringen und die
Wahrscheinlichkeiten iiitelligentcrmaßen zu be
rechnen; das Credit-System, das Hypotheken-
System, das Modc-Tyslem und jedes andere
System zu dcSavouiren, das zur Verschwen
dung uns zum Bankerott führt.
4. Wir wünschen Produzenten und Con
sumenten, Farmer und Fabrikanten in die
möglich freundlichsten Beziehungen zu brin
gen. Deshalb müssen wir eine große Zahl
von Mittelmännern ab'chafsen; nicht daß wir
unfreundlich gegen sie sind, sondern weil wir
sie nicht nöthig haben. Ihr Ueberschnß und
ihre Erpressungen verkümmern unsern Prosit.
Wir führen keinen Angriffskrieg gegen andere
Interessen, im Gegentheil, alle unsere Hand
lungen und Bestrebungen sind nicht nur, so
weit es Geschäfte anbelangt, zum Besten der
Produzenten und Eonsuinentcii, sondern auch
für alle andern Interessen, die oazu dienen
sollen, die zwei Paneien in raschen und öko
nomischen Eontakt zu bringen. Wir oppo
nircn den ausschweifenden Salaircn, dem
hohen Zinsfüße und dem cxorbilanten Pro
zentsatz der Profite im Handel, da dieselben
unsere Lasten sehr stark vermehren, und in
keinem gehörigen Verhältniß zn dem Profit
der Producenten stehen. Wir wünschen blos
Selbstschutz und den Schutz aller wahren In
teressen, die durch legitime Transactionen,
legitimen Handel und legitimen Profit darge
boten werden. Wir werden die Sache der
Erziehung unter nnS und für unsere Kinder
durch alle gerechten Mittel in unserer Macht
befördern.
5. erklärt, daß die National-Staats- oder
subordinirke Grange keine politische oder Par
tei-Organisation Fl, keine politische Conven
tionen halten, keine politische Eandioaten no
miniren, ja, nicht einmal deren Verdienste in
den Versammlungen des Ordens diskuriren
darf; dennoch liegt es in den Prinzipien des
Ordens, die ganze politische Atmosphäre zu
reinigen und eines jeden Grangcrs Pflicht ist,
als amerikanischer Bürger Alles zu thun, was
er legitimer Weise thun kann, um die Hand
lungen der politischen Partei, der er angehört,
zum Guten zu beeinflussen, keine Bestechung
und Kniffe zu dulden, darauf zu sehen, dag
nur gute und treue Männer nominirl und ge.
wählt werden ?c. Meinungsverschiedenheit
ist kein Verbrechen, und in der Wahrheit kann
man nur durch die Verschiedenheit der Mei
nungen Fortschritte machen, der Fehler liegt
nur in der Bitterkeit der Eontroverie. Wir
glauben, daß der Sektionalismus, wie sich's
gebührt, todt und mit der Vergangenheit be
graben ist. Unser Werk ist für die Gegenwart
und die Zukunft unserer Agrikultur - Brüder
schaft, und für ihre Zwecke. Wir erkennen
weder Nord noch Süd, weder Ost noch West
an. Es ist jedem Patron als sein Recht eines
freien Mannes vorbehalten, sich mit irgend ei
ner Partei zu verbinden, die am besten seine
Prinzipien ausführt.
0. Tic nnsrige ist ganz besonders eine Far
mers-Jnstitution; wir können nicht allein
unsere Reihen aufnehmen, viele werden durch
: die Natur nuserer Organisation ausgcschlos
> sen, nichl weil sie etwa wissenschaftliche oder
gelehrte Männer, Künstler, Techniker oder
Arbeiter sind, sondern weil sie nicht ein hin
länglich direktes Interesse am Ackerbau und
der Viehzucht, oder weil sie irgend ein Inte
resse in Conflikt mit unscrcii Zwecken haben.
Wir aber rufen alle Bürger uin ihre herzliche
Mitwirkung an, damit sie uns in unseren Be
mühungen zur Reform unterstützen, so daß
wir endlich aus unserer Mitte die letzte Spur
der Tyrannei und der Corruption vertilgen
mögen:c.
7. Es soll unser beständiges Prinzip sein,
irgend einem bedrückten und leidenden Mit
glied? unserer Brüderschaft durch die in unse
rer Macht stehenden Mitm" Ht helfen. End -
lich proklamiren wir, daß es mit zu Miseren
Zwecken gehört, eine gehörige Würdigung der
Fähigkeiten und der Sphäre der Frauen ein
zuprägen, wie dies durch deren Zulassung zur
Mitgliedschaft und zu Stellungen ini Orden
angedeutet ist."
Nicht ohne Spannung sieht man der Wir
kung entgegen, welche dieses Programm auf
das Publikum, und besonders die Politiker,
haben wird.
TaqeS-Nsuigkxiten
In den Plätzen in Ohio, in denen jetzt
die Gebet- und Singversammlungen von
Frauen gegen geistige Getränke vor sich gehen,
werden jetzt förmlich bestimmte Tage ange
setzt, an denen alle Geschäfte, ja, sogar das
Postamt, geschlossen wird, damit die Ein
wohner an Bctversammlungen thcilnehmen
können. In Greenfield waren ani Freitag
alle Geschäfte, alle Schulen und die Post
geschlossen. In Logan sollen am nächsten
Dienstag alle Geschäfte geschlossen werden.
Es soll uns nur wundern, wie lange dieser
Wahnsinn anhalten wird. In Lancaslcr,
Obio, zeichneten die Bürgerin einer am Don
nerstagabend abgehaltenen Temperen; Con
vention die Summe von §3OOO, dcr Mayor
Blanke allein gab 1000.
Mit der Sommer-Universität ans
dcr Penikese-Insel ist es bereits am Ende.
Es fehlt anGeld außer so vielem Anderen.
Der Sohn des berühmten Gründers dcr An
stalt, Hr. Alexander Agassttz, tritt, ganz
einem Stubengelehrten gleich, mit eineni un
ausführbaren Plane hervor, um die Schule
in Zukunft aufrecht zn erhalten. Er verlangt,
daß jeder Staat in der Union zwei Schüler
nach Penikese schicken und dafür die Summe
von §350 auswerfen solle. Wenn er üver
eine Lobby geböte, die er einige Jahre lang
nach den 37 Sitzen dcr verschiedenen Staats
legislatnren schicken könnte, so möchte dieser
Plan vielleicht durchgehen. Unter den gegen
wärtigenUmständen wird er abwarten müssen,
ob nicht ein anderer Krösus, gleich Hrn. An
derson von New-lork, dcr Anstalt cineSchen
kung macht.
Gründlich abgefertigt wird der Gouver
neur Wo od son von Miss onri, der sich
einsallen läßt, auf den Sitz im Bmidessenare
zu spekulireii, den zur Zeit Schurz einnimmt.
Ein Missonrier Blatt schreibt darüber: „Ter
Gouverneur möchte in die Fußrapscn des Se
nators Schurz treten und nimmt zn diesem
Zweck bereits in aller Stille das Maß von
dessen Stieseln." Dazu meint der „St. Loui
ser Globe," ein Admimstrationsblatt: „Tie
Stiefel von Schurz mögen dem Gouver
neur passen, aber wenn wir nicht sehr irren,
so würde ihm der Hn I von Schurz viel zu
weit kein." Ein kräftigeres Eomplimeut
konnte unser Landsmann von einem un
versöhnlichen Gegner kaum erhalten.
Gegen den 0 bersten Richter von Io
w a, Eole, liegt folgende schwere Anklage vor,
welche hoffentlich zu seinem „Jmpeachmcnt"
führt: ES sind in Des Maines und Umge
gend Aüzeige-Zcttel vertheilt worden, ans de
nen angekündigt wird: §loo,ooo in Prämien,
eine Gelegenheit, sein Glück zu machen. 1.
Prämie §lO,OO0 — 2. Prämie: eine Farm
ZI! §9OOO 3., 4., 5., 6. und bis zur 50.
Prämie: Land, Banplätze ec. zu namhaften
Preisen. Um die Loose an den Mann zu brin
gen, werden Chromos verkauft, jedes Ehromo
hat seine Nummer und ist von M. A. Penny
sc Co. in Des Maines unterzeichnet, die auch
den Vertrieb haben. Nun stellt es sich aber
heraus, daß beinahe sämmtliche zu verspielende
Ackcrstücke, Bauplätze ec. dem edlen Obcrrich
ler gehören und daß dieselben in der Lotterie
zn einem Preise veranschlagt sind, der zehn
mal den wirklichen Werth übersteigt, so
daß, wenn alle Loose verkauft werden, ein
Profitchen von 50 bis 60 Tausend Dollars
herauskommt. Ja, Richter Cole hat dasLand
nur durch j. g. Taxtitel, in welchen er eifrig
speknlirl, erlangt. Wer in seiner Lotterie ein
Stück Land gewinnt, erhält kein Eigenthum,
sondern bloßen Besitz mit wahrscheinlicher
Zugabc eines Prozesses und mit bester Aus
ficht, dasselbe dem Eigenthümer zurückerstat
ten zu müssen.
Der deutj ch cR e i chs ta g hat, wie eine
Kabeldepesche der „American Preß Associa
tion" berichtet, diesmal Hrn. v. Forkenbeck
zu seinem Präsidenten erwählt. Derselbe ge
hört der national-liberalen Partei an, war
drei Jahre hintereinander Präsident dcs preu
ßischen Abgeordnetenhauses und ist ein von
allen Parteien hochgeachteter Mann von emi
nenten Fähigkeiten. Diese Wahl beweist,
daß die national-liberale Partei unter den
jetzigen Umständen das Bedürfniß gefühlt hat,
sich mehr der Fortschrittspartei zu nähern und
daher den der „altliberalen" Fraktion ange
hörenden, also weiter rechts stehenden, frühe
ren Präsidenten Simson diesmal fallen zu
lassen. Für Forkenbcck hat ohne Zweifel auch
die Fortschrittspartei gestimmt.
Williamsportln Peims. ist ein großer C e n
tr a l p n n k t s n r d a s H 0 l z g e s ch ä s t i in
Staate Penns ylvä 11 ie 11 und es wur
den von dort ans dem Flusse und mit der Ei
senbahn im Jahre 1873 243,402,488 FnßHolz
verschifft, 45,000,000 Fuß mehr, als im Jahre
1872. Die Holzhändler Williamspon's fan
gen in diesem Jahre ihr Geschäft mit etwa
227,000,000 Fuß Holz an, welches auf Lager
ist, das sind 72,000,000 Fuß mehr, als im
Ansänge von 1873. Innerhalb der letzten 12
Jahre wurden 1,000,000,000 Block Holz ge
hauen-was etwa 2,000,000,000 Fuß Holz
ausmacht. Dies zeigt zur Genüge die Wich
tigkeit von.Williamsporl sür den Holzhandel.
Ueber die schon telegraphisch gemeldete e r -
schütter n beträchtliche Brand scene
in Evansville, Ind., entnehmen wir dem dor
tigen „Demokrat" nochFolgendes: „Als Ehri
fttan Mehr sah, daß zwar seine Frau und
seine beiden jüngsten Kinder gerettet waren,
aber seine drei anderen Kinder vermißt wur
den, stürztcersich mitdemßnfe: „meincKindcr!
meine Kinder!" in dieGlulhmassenndeiltcdi:
halbverkohlten Treppen, von denen einige hin
ter ihm krachend zusammenbrachen, hinauf.
Schon glaubte man, daß die kühne That ihm
gelungen, daß er im nächsten Augenblicke mit
den geretteten Kindern aus dem Flammenge
wiihl austauchen werde, als plötzlich unter ei
nem lauten Knall die Stützbalken des Daches
zusammenbrachen unddennochnicht verbräm:
ten Theil des Fachwerkes mil sich hinabrissen.
Vergebens ertönte es von hundert Lippen:
„Christ! Christ!" Mehr antwortete nicht.
Er lag begraben unter dem glühenden Schutt-
Hansen. Sobald die Feuerwehr der Flammen
Meister geworden, machte sich die inzwischen
herbeigeeilte Menge daran, die wild über ein
ander gcthürmten Balken hinwegzuräumen,
um die Leichen des Christian Mehr und seiner
drei Kinder auszusuchen. Es war ein entsetz
licher Anblick, welcher sich nach einigen Minu
ten den Augen der Suchenden darbot. Unter
einem Haufen der verkohlten Treppenstufen
lag der halbverbrannte Leichnam des Vaters,
mit jedem Arm eines seiner Kinder an die
Brust drückend. Ungefähr zwei Fuß von die
ser Gruppe lag das dritteKind, die zehnjährige
Tochter Caroline, in eine verkohlte Masse
verwandelt. Ihre in den Armen dcs Vatcrs
gefundenen mil umgekommenen Geschwister
waren ein zchnjährigesMädchen und ein fünf
jähriger Knabe."
Wenn man dem „San Franzi sc 0
Bülletl 11" Glauben schenken darf, so trci
ben sich in den Gebirgszügen Calisoriiien'S
200 bis 300 Rechtlose herum, die nur von
Raub und Diebstahl leben. Von Zeit zu
Zeit brechen sie aus ihrcnSchlupfwiitleln her
vor und plündern cinzelnePersonen oder ganze
kleinere Ortschaften aus. Ihre Verstecke sind
so abgelegen und von Natur befestigt, daß je
der Versuch, sie mit den gewöhnlichen polizeili
chen Kräften verhaften zn wollen, scheitern
würde.
Hr. P. T. Barnnm, der bekannte amerika
Nische „Raritäten mann," ist Behufs
Ankaufs neuer Merkwürdigkeiten nachJtalien
abgereist. In London hat er bei seinen An
käufen schon sehr bedeutende Summen ver- j
ausgabt. Mit dem Dampfer „France" sind !
bereits verschiedene sehr wcrlhvolle Raritäten, !
Rennpferde, Hirsche n. s. w., alle für „Bar
num's New - Jorker Hippodrom" bestimmt,
nach New 2)ork abgegangen.
Tie Neger inEol n m b i a, S.-C., haben !
eine Versammlung gehalten, in der sie eine !
Petition an die Legislatur annahmen: „diese !
möge die Einwanderung verhindern, da sich j
Arbeitskräfte genug im Staate befänden."
—„Nun,"—schreibt die „Stsztg."—„inNcw-
Uork gibt es Weiße uud sogar Teutonen, die
ganz, wie jene Neger, denken. Haben selbst
einmal eine Zuschrift von dcut'chen Arbeitern,
desselben Inhalts, empfangen."
In Philadelphia ist der bekannte Pa
tent-Medizinmann Dr. I. H. Schenck gestor
ben; er winde 03 Jahre alt und hat 40 Jahre
lang in Philadelphia gewohnt, wo er ein be
deutendes Vermögen erwarb. Vor einigen
Jahren ließ er an der Ecke der 0. n. Archnr.
ein prachtvolles Magazin errichten; er sollte
jedoch den herrlichen Ban nicht sehen. Ter
Doktor war bereits auf einem Auge blind und
an dem Tage, als das Dach fertig gedeckt war
und er es in Augenschein nehmen wollte, er
blindcte er auch auf dem anderen Auge.
In Philadelphia wurde gestern eine
Versammlung der Vorsitzenden und Mitglie
der der Comite'n für die Säcularfeier gehal
ten, in welcher berichtet wurde, daß man noch
einer Million Tollars bedürfe, um den Bau
der Ausstellungsgebäude in Angriff zu neh
men. Man hofft, diese Summe innerhalb
weniger Wochen beschaffen zu können.
Ein Mörder aus Arkansas wurde vor
gestern in Leominster, Mass., verhaftet. G.
A. Wilkins harte nämlich am 10. Febr. 1872
den Joseph H. Burnett in Calhorn: County,
Ark., erschossen; er wurde damals verhaftet;
es gelang ihm jedoch, gegen Bürgschaft frei
zukommen, worauf er sich drückte und feine
Bürgen im Sticheließ. Merkwürdiger Weise
wurde er gerade am Datum feines Verbre
chens, zwer Jahre später festgenommen.
Monitor „Ajax" hat sich in dem
Sturme am letzten Sonntage vortrefflich be
währ!; in der Nachl des 3. rissen dicSchlepp
taue, welche den Monitor mit den, Begleit
schiffe „Ossipee" verbanden, und beide Fahr
zeuge fanden sich erst am folgenden Morgen
wieder.
In New - Orleans hat die Londoner
Bankier-Firma Gedr. Stern, welche für drei
Millionen Dollars Levec-Bonds im Besitz
hat, eine Inhibition gegen das Fmidirungs-
Gefev beantragt.
i Daß Äcw -2) or t brutale Polizisten hat,
! ist eine allbekannte Thatsache. Hier ist eine
! neue Bestätigung dafür. David Helms cr
j schien vorgestern vor Richter Smith und er
hob Klage, daß in der Nacht um i I l Uhr, als
er am Depot, Ecke 132. Straße und 4. Ave.,
auf einen Zug oer „'New vaven-Eiscnbahn"
wartete, der Polizist Slattery vom 12. Bezirk
ihn ohne jede Veranlassung oder Erklärung
angegriffen uns durch einen Knüppelschlag zu
Boden gestreckt habe. Als er aufzustehen ver
suchte, wurde er wieder geschlagen und erhielt
cr. während er am Boden lag, mehrere Knllp
pelschlägP über die Arme, Schnlrern und
Brust. Der Polizist soll dann den wehrlosen
Mann bei'.n Kragen gefaßt und durch 132.
Straße zur S. Avenue geschleppt haben. Vor
dem Haufe des Eduard A. Wcidenfcld hielt
der Polizist, der außer 'Athem gerathen war,
stille. Hr. Weidenfelo, der am Fenster stand,
rief: „UniGorteswillen, schlagen Sie den Mann
nicht todt!" Jetzt erschien der Aufseher Har
ley, den dasjämmerckcheHülferufen dcsHelms
herbeigelockt hatte, und als er Slattery zur
Rede stellte, crtläne dieser, daß cr Helms in's
Stationshaus in 12s. Straßennd Lerington-
Ävcune bringen wolle. Der Aufseher sah so
gleich, daß der Polizist betrunken war und
brachre ihn und Holmes m's StatwnShauS,
wo der Polizeiarzt Siemen die Wunden des
armen Mannes verband. Am folgenden Tage
rcslgnirte Slattery als Polizist. ' Nach Ver
nehmung des Hrn. Weioenfeld und des Auf
sehers wurde Slattery in Ermangelung von
K3OOO Bürgschaft in die Tombö geschickt. Er
behauptet, Hrn. Helms als dcsEinbnichS ver
dächtig verhaftet zn haben.
Im Senat von M affach usetts ist die
Bill, wonach Frauen oder Kinder unter iL
Jahren für keine Fabrik mehr als 60 Stun
den wöchentlich arbeiten dürfen, der drillen
Lesung überwiesen worden.
In Älcxandri a, Va., ist der dortige
Postmeister, Hr. N. V. Trist, aeflcrn Morgen
im Aller von 74 Jahren gestorben. Dcr Ver
storbene war während der Verwaltung des
Präsidenten Pott unter Marcy Ober Clerk
im Bureau des Staatssekretärs und seit dem
Kriege Postmeister in Alexandria.
Der franz. Dichter Viktor Hugo hat in
letzterer Zeit viel Unglück in semer Familie
gehabt und dieselbe ist auf eine förmlich tra
gische Weise rednzirt worden. Zuerst ertrank
seine Tochter mit ihrem Manne bei einer Ver
gnügungsfahrt, dann starb sein Sohn Char
les, Francois Hugo wurde kürzlich begraben
uno von der Familie des greisen Dichters lebt
nur noch eine Tochter.
Eine englische Zeitung New-L)ork'S
macht ans die große Einwanderung Ventscyer
Bankrotteure, Schwindler und Tcsaicanien
aufmerksam, welche die letzte Finanzkrisis in
Deutschland nach Amerika getrieben hat.
„Ter Wächter," das Hauvrorgan der deut
scheu Geheimpolizei, behauptet, daß ungefähr
!<WO solcher Personen in den letzten Monaten
von Deutschland nach den Bereinigten Staa
ten geflohen sind, und daß 'Neunzehntel der
selben sich in 'New-Uork befinden. Das Blatt
gibt eine genaue Beschreibung der hervorra
gendsten dieser Schwindler. Unter ihnen be
findet sich ein gewisser Adolph Stavenhagen,
ein Regiermigsrath von Stettin. Derselbe ist
ein Mann von 50 Jahren mit grauen Haaren
und einem schwarzen Maat ans der linken
Wange. Er eignete sich §50,000 von den
Regicruitgsgcldern an und lieh sich von Pri
vatpcrsonen mittelst gefälschter Wechsel noch
weitere Ki 40,000. Er soll jetzt stiller Com
Pagnon in einem deutschen Hause in New-
Ljork sein und einen andern Namen angenom
men haben. Ein Anderer dieser Flüchtigen
ist der größte Zündholzsabukant in Deutzch
tand, Johann Louis Stiebe! in Berlin, der
die königliche Tiscontogesellschast um §400,-
000 betrog. Er soll jetzt iin großartigen Style
in New-2)ort wohnen und da er nicht cknsge-
Ittsert werden kann, frei umhergehen.
In Herr mann, Missouri, starb dieser
Tage Pastor Friedrich Handhausen im zwci
ittivachtzigsten Jahre, Milarbeiter des Herr
manner „Votlsblattes." Er war seil 1840
in Amerika.
Bedeutende Aenderungen sollen in dem Z n
stände der Arm c c gemacht werden. So
gedenkt das Militär Comite, die Aufhebung
von fünf Infanterie-, zwei Cavallerie- und
einem Arrillerie-Reglinente zn empfehlen.
Nachdem nunmehr die Armee Verwilli
gnngs-Bill erledigt, will Hr. Davis sofort
seine Gesetzvorlage zur A u shebnng ge -
wis s er S tein pe! stc ner 11 im Congresse
zur Sprache bringen. Voraussichtlich wird
dieses zu einer eingehenden Debatte über die
Finanz- und Steuer-Zustände des Landes
überhaupt führen.
Hr. John W. Garrett, dcr Präsident
der „Baltimore - Ohio - Bahn - Compagnie,"
hat, trotzdem er hauptsächlich ans Gejund
hcirs - Rücksichten Europa besucht, dennoch
Zeil gefunden, die Interessen dcr Bahn, wel
che er bisher mit so großer Thätigkeit verwal
tete, im Ange zu hatten. Praktischen Beleg
hierfür liefen die soeben durch die Bankiers
J.S.Morgau s- Co. in London für die Bahn
bewerkstelligte Anleihe von 5,000,000 Pfd.
St. (825,000,000). TaßHr.Garrett dabei per
sönlich thätig war, liegt klar amTnge. Gleich
salls aber erblicken wir darin den erfreulichen
Beweis, daß es mit dem Gesundheitszustände
des Hrn. Garrctt gut aussieht, da voraussicht
lich die Ncgociirniig der Anleihe in erheblichem
Grade seine geistige und physische Thätigkeit
in Anspruch genommen haben muß. Die
Anleihe basin ans Obligationen von je 200
Pfd. St., welche vom i. Fcbr. d. I. an 6
Prozent Goldzinsen tragen und 1910 einlös
bar sind. Die Anleihe ist durch Hypothek auf
die Bahn von Baltimore nach Wheeiing (379
M.,) nach Point-os-Rocks (42 M.) und das
BeiriebSmatcrial, den Grundbesitz:c. gedeckt.
Ein Tilgnngssond von 18,000 Pfd. St. wird
halbjährlich zur Deckung dcr Schuld bei Seite
gesetzt. Ter Absatz der Obligationen erfolgte
zu 98? oder 193 Pfd. St. pro 200. Durch
diese Anleihe wird cS der „Baltimorc-Ohio-
Bahn" ermöglicht, alle in Aussicht genomme
nen Projekte durchzuführen — eine Thatsache,
die für Baltimore von der größten Bedeutung
ist. Daß zn dieser erfolgreichen Ncgociatton
wesentlich die sorgsame Verwaltung der Bahn
beigetragen, wird wohl Niemand abzustreiten
wagen. Während die größten Bahn-Corpora
tionen in der letzten Krisis nahe daran waren,
den Hals zu brechen, und selbst die „Pennsyl
vania-Bahn" ihre Dividenden:c. nur durch
Zahlniigsvcrsprcchen decken konnte, bezahlte
die „Baltimore Ohio - Bahn-Gesellschaft"
baar Dividenden und Zinsen, ihre Obli
gationen und Aktien hielten sich scst im Markte
uno dcr Umsicht der Verwaltung, ihrer Spar
samkeit und Redlichkeit wurde ein Lob gezollt,
das der Bahn sofort den ersten Rang in 'Ame
rika gegeben und ihr die Taschen der bedäch
tigen und klugen Financiers der alten Welt
geöffnet hat. Weil über den Betrag der 25,-
000,000 hinaus ist der Credit der „Baltimore'
Ohio-Bahn" ans dem Weltmärkte gestiegen.
Die nenliche Inspektion dcr Bahn dnrchNcw
chockcr und Londoner Kapitalisten stand mit
der essektnirtcn Anleihe in Verbindung.
Ein neues Abendblatt, "3 !>o IVusiiinjricm
Miiuiiio," soll am Montage in der Bundes
hauptstadt herauskommen.
Dem Senate des Eongresses liegt ein von
Hrn. Logan eingereichtes Gesetz vor, wornach
alle Land- il 11 d Sec -O; fizicre, die
45 Jahre im Dienste waren und 62 Jahre alt
sind, pcnsionirl werden sollen. Pasiin das
Gesetz, so scheiden eine Menge Ossiziere ans
dem aktiven Dienste, und die Beförderung
jüngerer Leute steht in Aussicht.
Es stellt sich jetzt heraus, daß die Unter
schleife des „Tanimany-RingcS" in New-
Slork 23 NNitl. TllrS. übersteigen.
Das ~N.-2). P'.iec Current" will wissen,
daß cincAnzahl hervorragender englische r
Fabrik- Eigenthümer im Begriffe
sieht, ihre Geschäfte nach dem Lande der Zu
kunft den Ver. Staaten zu verlegen.
In S 0 u t h-W i n d!> a m und anderen
benachbarten Orten Eonnccticut's grassiren
die Blattern dermaßen, daß die „Ncw-Lon
don-Nord-Bahn" ihre Anhaltsplätze verän
dert hat. In Tonth Windham giebt es in
jedem Hause Blatternkranke, und die Ge
schäfte stehen gänzlich still. Das Kind einer
Frau von Mhslic soll die Pest eingeschleppt
haben.
AlexanderT.Hamilton, welcher als Schatz
meister von Jersey City Uiiterichleis be
gangen, ist in Brownsville,Texas, festgenom
men worden. Geheimpolizisten sind unter
wegs, um ihn nach Jersey-City abzuholen.
Das Begrädniß des in Ottaw a, Ean.,
verstorbenen katholischen Bischofs Gnlgnes
fand gestern statt. Eine ungeheure Volks
menge begleitete den Zug. Tie Leiche, welche
eine sitzende Stellung einnahm, war mit dem
vollen bischöflichen Ornate angethan und wur
de in einer offenen Bahre von acht Priestern
getragen. Tie Trauermusik wurde von zehn
MnsikcorpS geliefert.
James Gordon Bc nnctt, der Eig
ner des „Herald," hat allein §50,000 für die
Oesfuung von Suppen Häusern gezeichnet.
Tic N.-V.Blätter sind mit Schilderungen des
Nothstandes in Ncw-Äfork angefüllt.
Trotz Feucrund Finanzkrisis bleibt Bosto n
der Hauptmartt für Wolle. Bei'm
Beginne des neuen Jabrcs waren folgende
Borräthe vorhanden: Einheimische Wolle
7,382,000 Pfund; ausländische 1,207,050
Pfund. Mehr, als die Hälft: der vorräthigen
Schurwolle ist in den Händen von zwei Fic-
überdies kleinere Vorrälhe an Bord
der schifte haben und einige Lieferungen aus
dem Innern erwarten. Auch wird behauptet,
daß ungefähr die Hälfte der in Ealifornien er
zeugten Wolle auf dem Bostoner Markte ver
kaust wurde. Ter Gejammtimport einheimi
scher Wolle im Hafen von Boston im Jahre
1870 beträgt §221,159 Ballen, 00,448 Ballen
mehr, als im Jahre 1872.
Kaum hab e n f i ch—meldet das „Louis
villcr Vollsblait" die Gräber über den
x.psern der Familiensehde geschlossen, welche
jüngst mitten im Gerichtsfanle zwischen den
Familien Thompson und Williams ausge
führt ward, als wir schon wieder über eme
andere blutige Fehde zu berichten haben. Aus
Danville wird unter'm 27. Januar gemeldet:
„Eine alte Fehde zwischen den Napiers, Moo
res und Rays aus dem Cascy-Couiity gipfelte
am Montag in einem Straßenkampfe zn Li
berth, dem County - Gcrichtsfitze. Fünfund
dreißig Schüsse wurden gewechselt. Leroy
Napier ward gctödtct und fein Bruder James
schwer verwundet. Woods, der Town-Mar
schall, brach, wahrscheinlich bei'm Bersuche,
schlichtend einzuschreiten, ein Bein. Die Rahs
kamen unbeschädigt davon. Große Aufregung
Herrschtin der Gegend über diesen blutigen Fa
milienanftritr."
Der Bnndes scn at hat jetzt das Wort
"stationäre," unter welchem von amerikani
schen Gesetzgebungen so viel Schwindel ge
trieben wurde, dahin dcsinirt, daß unter ihm
nur folgende Gegenstände zu verstehen seien:
Tinte, Federn, Papier, Bricfcouvcrts, Blei
stifte und Kleister. Von goldenen Zahusto
chern, vollen Champagner und Cognacsla
schen und tausend anderen Tingen, die bis
jetzt unter dem Schleier von „Büreaubedürf
nissen" angeschafft wurden, wird also, wenn
es auf den Bundcssenat ankommt, in diesem
Zusammenhange keine Rede mehr sein.
Der neue Bundes-Senator A.
K. Bruce vom St aate Mis s i ssip p i
ist ein Neger, welcher noch vordem Kriege ein
Sklave und nach dem Kriege ein Wärter auf
einem Dampfschiffe und zuletzt in der Legis
latur jenes Staates Sergeant war. Tics ist
in der That eine stauncnswcrthe Carriere, in
einer weltberühmten Republik innerhalb eines
Zeitraumes von >0 lahren sich vom verachte
ten rechtlosen Sklaven zum Bundcs-Senator
hinaufzuschwingen. Allerdings hatte Bruce
während des Krieges aus innerem Triebe nach
Vervollkommnung das Collcgium Oberlin in
Ohio wenige Jahre besucht und sich daselbst
gebildet.
In der gesetzgebenden Versammlung zn
Albany, N.-A., wurde heute Abend der
Vorschlag verworfen, allen Acadcmic'n, wel
che unter der Lontrole religiöser Gesellschaften
standen, oder in welche die Aufnahme nur
nach Ablegnng eines religiösen Bekenntnisses
stattfinden könnte, die Staatsvcrwilligungen
zu entziehen.
Von Mi d d letown, Pa., wird gemel
det, daß die Neger Rosentine nndMoody we
gen Beraubung und Ermordung des Abra
ham Behm zum Tode vcrurthcilt worden sind.
R. hat seitdem das Verbrechen gestanden und
erklärt, daß er sowohl, wieMoody, durch einen
Genossen, Namens Preston, zu der That be
redet worden seien.
Ueber das Tem pc ren z lerw es en in
Massachusetts liegen intcrefsanle Dtil
theilungen vor. Die Legislatur besteht in die
sem Jahre ihrer Mehrzahl nach bekanntlich
nicht aus Temperenzlern, aber wenn sie ein
Licenscgesctz beschließen sollte, so würde das
vom Gouverneur mit seinem Bcto belegt wer
den und die AntiProhibitionislen haben keine
Zweidrittel - Majorität, um die Maßregel
gegen ein Belo durchzudringen. Ex-
Eonstable Jokes, der erste Ehes der Staats
eoustabler, der wirklich Etwas ausrichtete,
war vor der Legislatur und erklärte, daß er
von der Idee der Prostitution geheilt sei und
glaube, daß durch dieselbe nichtSGntcs gewirkt
werde. Er sagte, daßeralSCHefconstablerdas
Prohibitionsgcsetz durchgeführt habe, wo er
von der öffentlichen Meinung unterstützt wur
de. Die Eonstabler seien durchaus fähige Leu
te gewesen, aber die Pflicht der Ausführung
des Liquorgesetzes wirke demoralisireiid auf
sie. Wäre er noch einmal Ehef der Polizei, so
würde er verlangen, daß mehr Leute ange
stellt werden, aber nicht zu dem Zwecke, das
Liguorgcsetz durchzuführen, obgleich er ein
praktischer Prohibilionist sei. Das erwähnte
Gesetz müsse von den Lokalbchöroen durchge
führt werden, denn sie würden es nur in sol
chen Orten thun, wo das Bolk sie unterstützt.
Die Abrei se vo nle ff. Da vi s nach
Europa soll in hohem Grade durch den Um
stand beschleunigt worden sein, daß demnächst
General Joseph C. Johnston's Buch über den
Krieg erscheine" wird. Die Freunde von Da
vis bewogen Johnstou wohl dazu, Ein Kapi
tal auszulassen; aber er ist immer noch
erbarmungslos genug in Bloßstellung der
Unfähigkeit des Herrn'Davis — und in Bloß
stellung von noch Schlimmerem. Der nun
von allen Seilen bedrängte arme Jeff ist denn
am v. M. mit dem Dampscr „State of
Alabama" von Rew-OrleanS nach Liverpool
abgesegelt, da er „von seinem Arzt den Rath
zu einer Seereise" erhielt. Als Krankheit wird
Herzwassersncht angegeben, an deren Stelle
man aber nach Allem wohl höhere Herzbe
klemmung nndHcrzensangst annehmen dürste.
Telegraphische Tepeschen.
Europäische Äabelberichte.
Deutschland
Berlin, 12. Febr. —Die Regierung hat
Befehle erlassen, die ArmirungS-Arbcitcn dcs
deutschen Heeres mit Nachdruck zu betreiben.
Die gesammte Jnsanieric wird die „Manser-
Büchse" und die Cavallerie das „Chcisscpot"
bekommen. In Straßbnrg sind 10,000, in
Metz 40,000 Arbeiter mit der Anfertigung
von Massen beschäftigt.
Oestreich.
Wien, 12. Fcbr. Ter Kaiser Franz
Joseph ist gestern Abend von hier nach St.
Petersburg abgereist, um dem Kaiser von
Rußland einen Besuch abzustatten.
London, 12. Febr. Man zerbricht sich
hier den Kopf darüber, ob Disraeli oder der
Carl os Derby Premier werden wird.
London, 12. Febr. Der Sturm, wel
cher gestern an der südwestlichen Küste Ir
land's wüthete, hat auch heute noch nicht
nachgelassen und ist von Schnee begleitet. Die
deutsche Barke „Hercules" ist gescheitert; elf
Matrosen sind ertrunken.
Bon der Koldküstc.
London, 12. Febr. Der die Aschanti
Expedition begleitende Correspondent der
„Times" sagt in seiner Depesche, in welcher er
die glückliche Beendigung dcs Krieges meldet,
Sir Garnet Wolseley habe sür sich und seine
weißen Truppen Vorbereitungen getroffen,
am 1. Mär; von der Goldküste nach England
abzusegeln.
Arankr ch
Paris, 12. Febr. Der „Washington-
Club" gab gestern dem früheren hiesigen ame
rikanischen General - Consul, Hrn. John
Mercdith Read, jun., ein Diner. Hr. Read
steht im Begriff, auf seinen neuen Gcsandt
schafts-Posten nach Athen abzureisen. Ächlb.
E. B. Washburnc, der amerikanische Ge
sandte, der Gesaiidtschasts-Sekrctär Wickham
Hossinau, der Nachfolger Read's Hr. A. S.
A. Torbert, und der Achtb. I. R. Partridge,
der amerikanische Gesandle in Brasilien, wel
cher jetzt Europa bereist, sowie mehrere andere
prominente Amerikaner waren anwesend und
hielten Reden.
Hr. Schneider, welcher unter dem verstorbe
nen Kaiser Präsident des gesetzgebenden Kör
pers war, hat einen Schlagansall gehabt.
Inland-Depeschen.
Gouverneur Kemper von Virgi
nicn im Weiften Sause.
Washington, 12. Febr. Gouver
neur Kemper von Virginien ist heute in G<-
fchäftsangelegenhciten in Washington und
staltete dem Präsidenten Graut einen Höflich
kcitsbesuch ab. Vor einiger Zeit hieß es,
Oberst Mosby habe eine Zusammenkunft
der beiden Herren vorher arrangirt; dem wi
derspricht jedoch Gouverneur Kemper auf das
Entschiedenste, er habe dein obersten Beamten
lediglich feine Achtung beweisen wollen, ohne
daß der Besuch eine politische Färbung haste.
Er drückte sich heule Astend über den ihm
vom Präsidenten zu Theil gewordenen
Empfang außerordentlich befriedigt ans. Ta
die Unterredung einen völlig privaten Cha
rakter halte, so kann über den Gegenstand
derselben nichts bestimmtes gesagt werden.
Der Gouverneur äußerte sich jedoch heute
Abend fchr frei: er und seine politischen
Freunde ständen auf einer breiten conserva
tiven Plattform, welche, wie er jagte, allen
Staaten als Gliedern der Union gleiche
Rechte gäbe, damit sie sich ihrer Pflichten
entledigen und völliger Friede und völlige
Aussöhnung rn Bezug auf alle Theile des
Landes geschaffen werden könnten. Er und
seine Freunde würden Jedermann unter
stützen, welcher zu der vom Gouverneur in
Umrissen angegebenen Plattform stände, die
auch von den Einwohnern Virginien's in
dofsirl würde; auf der anderen Seite jedoch
werde er als Gegner aller Derjenigen auftre
ten, welche die in derselben ausgedrückten
confervativen und harmonircnden Prinzipien
anfeindeten. Der Gouverneur wird morgen
nach Virginien zurückkehren.
Vcr, wciscltcr Nouvvcrsuck,.
New -A 0 rk , 12. Febr.—ln Grandstraße
machte ein gewisser Edward Smith einen ver
zweifelten Angriff aus Maria Huntington, der
er eine Uhr unv Kette zu entreißen und die
Taschen zu plündern versuchte. Als sie Wi
derstand leistete, schlug er sie nieder und biß
sie, indem er sich beniühte, ihr Geschrei zu
unterdrücken, in die Wange. Smith wurde
verhaftet.
Lincoln s Gebnrtstag.
Bufsal 0, N.-N-, 12. Febr. Der Ge
burtstag Lincolit's wurde hier heute Morgen,
in den öffentlichen Schulen gefeiert; heute
Abend begehen Bürger den Tag feierlich in
„st. James' Hall."
Tic siamesischen Zwillinge.
Philadelphia, 12 . Febr. Die Lei
chen der siamesischen Zwillinge sind aus dem
zinnernen Sarge, in welchem sie hieherge
stracht wurden, herausgenommen und liegen
jetzt auf dem Sezirtische in der medizinischen
Fakultär. Bon den Schultern bis an die
Mitte der Körper ist ein vollständiger Ghps
abdruck genommen worden. Der Abdruck
von der Büste ist noch nichr fertig. Von den
Gliedern, den Armen und dem Vcrbindungs
strang sind noch keine Abdrücke genommen
worden. Tie Leichen sind ganz nackend.
Schwämme, mit Karbolsäure gesättigt, liegen
ans den Gesichtern Beider und ein dünnes
leinenes Tuch bedeckt den Fleischstrang. Bis
heute Mittag war das Sezirmeffer noch nicht
in Anwendung gekommen. Oberhalb der
Kniee sind Injektionen gemacht worden, um
die Leichen zu erhalten, und keine derselben
verbreitet einen unangenehmen Geruch. Die
Leiche Chang's, welcher zuerst starb, hat eine
duukclbläulichc Farbe, Eng'S Leiche macht
! jedoch einen so natürlichen Eindruck, wie bei
! Lebzeiten. Vollständige Nachbildungen der
Glieder und des die Beiden verbindenden
Stranges werden wahrscheinlich Morgen ge
macht werden, wo vielleicht auch mit der Ob
duktion begonnen wird. Alles wird äußerst
geheim gehalten.
> Es herrscht die Ansicht, daß das vor zwei
lahren von den Londoner Aerzten abgegebene
Urtheil, der Druck des Stranges würde dem
Schwächeren der Beiden die Kraft nehmen,
das Blut also von dem Einen in den Anderen
hinüberfließen, richtig sei. Außerdem glaubt
man, daß das die Zwillinge verbindende
Glied nicht so eingeschrumpft sein könnte,
wenn nicht Arterien und sonstige Blutkanäle
in demselben enthalten wären. An der Ob
duktion werden zwei Chirurgen nuter Assistenz
zweier bedeutender 'Anatomen thcilnchmcn.
Prozeß Goleinan.
N i ch m o n d, Va., 12. Febr. Im hiesi
gen Polizeigericht wurde heute Morgen der
Mll W. D. Coleman's, welcher alsClerk des
Direktoriums der öffentlichen Arbeiten und
der Eommissäre des Tilgungsfonds Unter
fchleif beging, aufgenommen. Da jedoch der
Arzt berichtete, daß der Angeklagte nicht iin
Stande fei, zu erscheinen, so wurden die Pro
zcßverhaudlungen aufgeschoben.
Es ist ein vereinigtes Comite der Gesetz
gebung ernannt worden, um den im Comp
toir der Commissäre des Tilgungsfonds be
gangenen Untcrschlcif und alle mit demselben
verknüpften Umstände zu untersuchen. Das
Comite ist mit Vollmachten ausgerüstet, sich
für die Angelegenheit die nöthige Unterstützung
zu sichern.
Tie Operationen öerTemperenzler
gewinnen an Umfang.
SL ringficld, Ohio, 11. Febr. Un
sere Stadt, welche etwa 20,000 Einwohner
zählt, ist die größte, welche bis jetzt von den
Whiskey-Bekämpferinncn Ohio's angegriffen
wurde. Es war Viel über die Sache gebetet
worden, gestern jedoch beschlossen die Damen,
ihren Gebeten die That solgen zu lassen. Dr.
Dio Lewis und Van Pelt, der Bekehrte, hiel.
ten glühende Ansprachen an eine begeisterte
Menge, und die sromme Mutter Stewart kün
digte den Ansang der Operationen gegen meh
rere Wirthschaften an. Sollten Springsield
und Tema fallen, so sieht es um die Wirthe
in anderen Ortschaften schlecht ans, denn jene
beiden Studie sind bekannt wegen ihres Whis
key- und Bier-Cultus. Die Hauptmacht be
steht aus 400 Frauen und Jungfrauen, welche
in Untercomiie'n getheilt ist, und Dr. Lewis
prophezeit, daß der durstigste Mann in Tema
nach vier Wochen entweder Wasser trinken,
oder verschmachten wird.
Der Wirth Max Göpsert in Morrow muß
ein Her; von Stern haben, denn trotz der
rührendsten, inständigsten Bitten und fröm
migsten Gesänge dcr Damen, welche seine
Wirthschaft in großer Anzahl belagerten, blieb
er ungerührt. Doch werden es die Spiritn
osen-Händler jene Ortes nichl lange mehr
machen, wenn sie sich nicht energisch ihrer
Haut wehren, denn der Umsatz in geistigen
und Malz-Getränken hat während der letzten
14 Tage erstaunlich abgenommen.
In West-Jcfferson und London, Madison-
Counly; in Greenvillc und Canton, Stark-
Eounty; in Logan, Hocking-Connty; in Po
mcroy, Mcigs-Couitty, und vielen anderen
Orten Ohio's formtreu sich die Bataillone
und rüsten sich zu einem Fctdzug gegen Alles,
was Spiritus heißt. In einigen Fällen sind
sie siegreich, in anderen jedoch erleiden sie
schmähliche Niederlagen.
Die Damen von Riglcy, Brown-Connty,
suchten das benachbarte/hauptsächlich von
Deutschen bewohnte Torf Levanna heim,
konnten aber daselbst nichtßiel ausrichten. In
Waverly, Pike Eomtty, schlägt sich der Mayor
ans die Seite dcr Damen, geht in Begleitung
des Marschalls und anderer Herren in die
Wirthschaften und betet kniecnd inbrünstig sür
die Bekehrung der Whiskc Anhänger.
Indianapolis, Indiana, t i'. Febr.
Von Ohio ans ist der Krieg gegen die Wirth
schaften auch nach Indiana hcrübergejpielt
worden, und aus inehrereuOrten eingelaufene
Berichte melden, daß unsere Damen denen
Ohio'S an Eifer Nichts nachgeben.
In Shclbyville, einem bedeutenden, unge
fähr 25 Meilen südlich von hier gelegenen
Ort, ist der Krieg sei: einigen Tagen zum
offenen Ausbruch gekommen. Anfangs mach
ten die Damen einige Fortschritte, aber gegen
manche dcr Wirthe war absolut 'Nichts aus
zurichten. Letztere haben an die Damen ein
Schreiben erlassen, in welchem sie erklären,
daß sie, wenn die Belagerung der Häuser, die
Versperrung der TrottoirS und Thüren kein
Ende nehmen, aus Schadenersatz klagen wür
den. In ihrer freundlichen Antwort suchen
die Damen zu beweisen, daß sie, und nicht
die Wirthe, die Beeinträchtigten seien, also
von der Wahrung ihrer Rechte nicht abstehen
würden.
W 0 rccster, Mass., il. Febr.—Tic Aus
sührung des im Westen ausgeheckten Planes,
alle Wirthschaften auszuheben, wird in etwa !
10 Tagen auch hier versucht werden. Tic Bür
ger bereiten eine Massen-Versammlung vor,
in welcher sie ihren Operationsplan darlegen
werden. Mehrere Spirituosen-Händler in den
äußeren Sladtthcilcn haben ihre Schenken '
abgebrochen und ihren Vorrath in ihre Woh !
nungcn geschafft, ob ans Furcht vor den von
Seilen der Damen bevorstehenden Angriffen,
oder, weil sie ein Einschreiten der Polizei ver
muthen, läßt sich nicht angeben.
Athens, 0., 10. Febr. Seit der Er- !
mordung des Präsidenten Lincoln hat keine s
solche Bestürzung in unserem Städtchen ge
herrscht, wie in den letzten Tagen. Die Bür
ger stecken ans der Slraße die Köpfe zusammen '
und besprechen das Resultat dieses soeben hier
eröffneten Kreuzzuges der Weiber gegen die
Unmäßigkeit. Der feierliche Schall der Kir
chenglockeit, welche die Andächtigen zur Kirche
rufen, während ich dies schreibe, macht den '
ans einem benachbarten Salon tönenden
Gesang der Weiber um so eindrücklicher. Der
Erfolg dieser Bewegung läßt sich ans dem '
entschlossenen Austreten der Frauen leicht
voraussagen.
Ripley, 0., 10. Febr. Die Weiber
sind hier in der Stadt mit ihrer Arbeit bei
nahe zu Ende und haben nun die Salons in
der Umgegend in Angriff genommen, und, wie
eS scheint, mit ziemlich gutem Erfolge. Sie
haben jedoch kein großes Zulraucn zu den
ihnen gemachten Versprechen und werden in
dem „löblichen Werk" fortfahren, bis sie die
Früchie reisen sehen. Seitdem der Verkauf
der Spirituosen hier nnrersrüctt worden ist,
hegt man Besorgniß, daß diejenigen, denen
nach einem Schluck „gebrannten" Wassers ge
lüstet, sich die Mühe nicht verdrießen lassen
werden, die entfernteren Quellen aufzusuchen,
und bereits hat man eine regelmäßige Fahr
gelegenheit eingerichtet, damit die Freunde des
Geistigen sich fern vom Städtchen laben kön
nen. Wie weit die Berscrkerwuth der fanati
schen Temperenzlertnnen geht, kaun man aus
dem Umstände schließen, daß sogar die Aerzte
haben geloben müssen, den Kranken Spirituo
sen nur in dringenden Fällen zu verschrei
ben. Die Massenversammlungen dauern fort.
Tie Tcmpereiijier in Ohio durch nnlton's
BriNc.
Hr. C. C. Fulton hat aus seiner Reise nach
dem Südwesten das Ohio-Thal berührt, und
giebt von den Eindrücken, welche er von dem
Krieg der Weiber gegen den Whiskey cmpsan
gcn, in einer Correspondcnz eine interessante
Schilderung, im Wesentlichen folgenden In
halts:
„Cincin n a t i, 9. Fcbr. 1874. Tie
Frauen Ohio'S haben den Stier buchstäblich
bei den Hörnern gepackt und gehen in ihrem
Kampfe gegen die Wirthschaften mit einem
Eifer uns einer Energie zu Werke, welche in
der Geschichte ihres Gleichen sucht. Der Kriegs
schauplatz erstreckt sich über das ganze südliche
Ohio, Wesi-Virgiinen ist nicht mehr ruhig
und selbst in Kentucky, das wegen seines guten
Whiskey's bekannt ist, spukt es schon. Bon
der Eisenbahn aus sieht man an verschiedenen
Punkten Fahnen wehen mit der Inschrift:
„In dieiem Ort wird weder Whiskey, noch
Wein oder Bier verkauft." Also bezwungen!
Statt, wie die männlichen Temperenzler,
sich damit zu begnügen, Versammlungen zu
halten, Beschlüsse zu fassen, welche den Ver
kauf von Spirituosen verbieten, oder gegen
das Gesetz handeliioe Wirthe zu dcimnzircn,
gehen sie direkt in die Wirthschaften hin, hal
ten aus der Straße Audachtsiibnngen mit
Singen und Velen und verfolgen die Taktik, die
Dienste männlicher Redncr'mir ;n brauchen,
wenn dieselben srüher Trunkenbolde ivarcn
uud von ihnen bekehrt sind. Jeder Ort licscrt
sein eigenes Contiugcnt dieser eigenthümlichen
Streiierinnen, welche fast ausschließlich den
besseren Klassen angehören.
Die Waffen, deren sich die Damen bedienen,
um Prosclytcn zu machen, sind freundliche
Ueberredung, Gesang und Gebet, und zwar
in so gewinnender, so überzeugender uud un
widerstehlicher Weise, daß die Bekehrten sich
täglich mehren. Manche Wirthe haben ihre
Fässer auf die Straße gerollt und denselben
eigenhändig den Boden ausgeschlagen; aber
All: werden für ihre materiellen Verluste ent
schädigt, da die Damen über reiche Hülfs
qucllcn gebieten.
Am Sonutag Abend besuchte ich mit mei
nem Freund Halstead vom „Commercial" den
Theil Eincinnati'ö, welcher unter dem Na
men „über den Rhein" bekannt und fast aus
schließlich von Teutschen bewohnt ist. Hun
derte von Wirthschaften und Eonzertlokalen
waren offen, Männer, Frauen und Kinder
saßen um die Tische, lauschten der Conzert
musik, aßen und tranken und genossen ein in
tensives Vergnügen; aber überall herrschte die
größte Ordnung. Welch' reiches Feld für
die Bekehrcrinnen, die sich mit ihrer Thätig
keit bis jetzt auf die kleineren Ortschaften be
schränkt haben!"
Hr. Fulton schließt: „Ter Mangel Cincin
nati's an guten Hotels ist seit einer Reihe von
Jahren sprüchwörtlich gewesen. Das „Bur
netl-House" wird noch für das beste gehalten,
obgleich es vor 50 Jahren erbaut ist und seit
her nie irgend welche Neuerungen erfahren
hat. Es Fl 'chläsrig, düster uud feierlich, wie
ein altes Schloß, und würde in New-'Zork,
ja selbst in Baltimore für ein Hotel dritten
Ranges gelten. Der Tisch entspricht der Um
gebung, und das Beefsteak ist fast ebemo ehr
würdig, wie das Ameublemcnt. Jetzt schrei
tet ein neues Hotel, das den Namen „Grand-
Hotel" tragen wird, rasch seiner Vollendung
entgegen; die HH. Gilmour K Söhne vom
„Eutaw-House" ui Baltimore übernehmen
die Leitung desselben, und die Einwohner
Cincinnati's haben alle Ursache, sich zu dieser
j Requisition zn gratnliren."
NcrAischtc Berichte-
Philadelphia, 12. Febr.—(Versuchter
Schwindel.) Einer der frechsten Schwindel,
durch welcher seit langer Zeit die Leichtgläu
bigkeit und Gewinnsucht des Publikums aus
gebeutet worden, ist gestern durch einen Tsr.
William L. Wilson, Besitzer der „Moorehead
Elay Works," zur Kenntniß des MayorS ge
bracht worden. Dieser Herr hat nämlich zwei
gedruckte Cirkuläre von einer Firma Maynard
k Co., Händlern in öffentlichen Ländcreien,
Stocks zc. zu Magnolia, lowa, zugeschickt
erhalten, in welchem ihm mitgetheilt wird,
dag er in der von der Firma arrangirten Lot
terie Werthgegcnstäude, die zusammen S2OO
ausmachten, auf das Laos Nr. 142,113 ge
wonnen habe und daß gegen Einsendung von
3 Prozent des Werthes, also Hill ihm die ge
wonnenen Gegegcnstande zugesendet würden.
Das zweite Cirkular sagt, daß die Firma die
Lotterie'n aufgeben und nur noch eine am IS.
März d. I. veranstalten würde. Der Ge
winner könne für seinen Gewinn auch Tickets
erhalten. Da die Post-Verbindung mit
Magnolia unzureichend sei, die Firma die
H. Bancrost k Co., Nr. 143, La
Salle-Str., Chicago, zu ihren Finanz-Agen
ten ernannt und sollten die Gelder, sowie
Tickets, Cirkuläre:c. an diese Firma geschickt
werden. Hr. Wm. L. Wilson hat nie ein
Picket von diesem Schwindel-Conzern beses
sen, also ist es klar, daß hier eine freche
Schwindelei vorliegt. (Dem.)
Zur Charakteristik der New-Yorker
Hchtcls liefert eiu Londoner Tageblatt (der
„Standard") einen interessanten Beitrag.
Jenes Blatt behauptet, daß Diplomaten mit
Vorliebe das „Clarendon-Hotel" und „Bre
voorl-House" besuchen; Senat :en, Congreß
ttchstncr und andere Politiker gehen nach dem
„Fifrh -Avenue-Hotel;" Armee- und Flotten-
Offiziere nach dem „Evcrett-Houje;" Aankees
nach dem „Windsor-Hotel;" Philadelphicr
nach dem „St. James-Hotel;" „distinguirte"
Schriftsteller dem „Westminster-Hotel"
und englischcTourislcn nach dem„Brevoort,"
„Clarendon-" oder „Fifth - Avenue - Hotel."
Personen, welche nicht diesen bevorzugten
Klassen angehören, also „das gewöhnliche
Pack," bevölkern die anderen, vom „Stan
dard" nicht erwähnten Gasthäuser.
Welche gefährlichen Sendungen
mitunter dcr Post anvertraut werden, geht
aus folgender New-?)orker Zeitungsnotiz her
vor. Als am Samstag die südliche Post im
hiesigen Postamte sorlirt wurde, fanden die
Clerks zwei Stücke, deren Versendung eine
Verletzung dcr bestehenden Gesetze involvirt.
Das eine war ein etwa 3 Zoll langer Percus
sions-Bombcn-Zünder, der von Dalmer K
Deppercst, Savannah, Ga., an die Firma E.
Remington sc Sohn addrcssirt war, und das
andere ein von Philadelphia nach Harford,
Comi., bestimmtes Zimmermanns Stemm
eisen, dessen scharfes Ende mehrere Zoll aus
der Verpackung hervorragte. Das Letztere
war weniger gefährlich, die Patrone indessen
wurde von den Postbeamten mir heimlichem
Schauder betrachtet, und in dcrThat ericheint
es wunderbar, daß dieselbe aus dcr weiten
Reise von Savannah nach New - Uork, wäh
rend welcher sie doch genug gerüttelt und ge
schüttelt wurde, nichl explodin ist.
Vor ungefähr drei Wochen empfing G e -
ra l F. E. Sp 1 nner, Ver. Staaten-
Schatzmeister, ein Schreiben, in welchen! eine
coiisörderirte §2O-Notc eingeschlossen war und
um gefällige Information ersucht wurde, wo
die Einlösung dieser Note erfolgen würde.
General Spinner gab seinem Sekretär die
weniger elegante als derbe Weisung, er solle
dem Fragesteller schreiben, „er möge mit dieser
Note zum Teufel gehen," Dieser artige und
in leicht verständlicher Sprache abgefaßte
Brief wurde hieraus von General Spinner
unterzeichnet. Nach einigen Tagen traf eine
Antwort ein, in welcher sich dcr Schreiber
höflichst für gütige Information bcdanite und
erklärte, daß der Teufel die Note prompt ein
gelöst habe, weil er es für keine Pflicht hatte,
jede Empfehlung des Herrn Spinner, für den
er schon seit langer Zeit das beste Zimmer im
„Hotel du Diable" bereit halte, sofort zu be
rücksichtigen.
Jn Auburn, N.-2)., behauptet der Me
chaniker L. B. Hunt, ein lenkbareSLuftdamps
schiss erfunden und das schwierige Problem,
welches die Mechaniker seitJahren beichäslige,
glücklich gclös't zu haben. Seine Erfindung
ist dort zur Besichtigung ausgestellt. Tie
Gondel ist ans Holz, 30 Fuß lang, 8 Fuß
hoch und 8 Fuß breit und faßt 40 Personen.
Sie ist durch vier Drahtseile mit dem 20 Fuß
ober ihr befindlichen Maschinenräume ver
bunden. Die verwendete Dampfmaschine
arbeitet mit 30 Pserdekrast und setzt zwei Ey
linder in Bewegung, an deren jedem sich vier
12 Fuß lange und sechs bis nenn Fuß breite
Flügel befinden, die sich in verschiedcnenßich
tnugen bewegen und bei voller Dampfkraft
150 Umdrehungen in der Minute machen.
Zum Lenken des Luftschiffes dient ein horizon
taler Cylinder mir vier zehn Fuß langen Flü
geln, die sich rascher bewegen, als die beiden
andern. Dieser Apparat wird durch ein ei
sernes Ruder von dem Maschinenräume ans
in Bewegung gesetzt. Tie Herstellung dieses
Fahrzeugs kostete 12,000 und fl-gt derErfin
dcr nicht den mindesten Zwttsib , dass es ihm
gelungen sei, das langgeji -?är'orobttm, die
Lust nach allen beliebigen RuAstiigei: durch
schissen zu können, zii finden. Herr Hunt
baut jetzt ein kleines Luftschiff, mit welchem
er demnächst eine Probefahrt machen wird.
Ueber dm Evans'scheu Mord schreibt
die „N.-U. -stsztg": „In glü-klichcm Einver
nehmen lebte die Familie detjProspcr Evans
bis vor kurzer Zeil, als Prosper dem Trünke
verfiel, sein Geschäft vernachlässigte und in
Folge dessen in eine prekäre Lage gerieth.
Anstatt sich aufzuraffen und mnthig gegen
eine Leidenschaft anzukämpfen, welche ihn
immer tiefer in'S Verderben zn reißen drohte,
suchte er sein Mißgeschick in wilderem Toben,
tollerem Leben zu vergessen. Tie arme Frau
halte schon lange unter den Mißhandlungen
ihres betrunkenen Gatten schwer zu leiden,
sie trug aber die schweren Schicksalsschläge
mit bewundernswertster Geduld, anscyeinend
nur aus Liebe zu dem K-jährigen Knaben,
welcher der Ehe entsprossen. Dienstag Abend
kehrte Evans wie gewöhnlich betrunken heim
und auf's 'Neue entivannen sich Streitigkeiten,
weiche so laut wurden, daß die Nachbarn in
höchster' Aufregung herbeieilten; sie fanden
Fran EvanS, mit'ihrein Söhnchen, aus meh
reren Kopswunden blutend am Boden liegen.
Evans selbst aber hielt ein großes Tranchir
messer in der Hand und stieß sich dasselbe in
die Brust; er versuchte noch einmal sich eine
Stichwunde zu versetzen, wurde daran aber
von den herbeigeeilten Nachbarn verhindert.
Aus dem Boden fand man ein blutbeflecktes
Beil, mit welchem Evans die Schläge nach
Frau und Kind geführt hatte. Als er zum
Bewußtsein dessen kam, was geschehen war,
ergriff er das Messer und vernichte, seinem
elenden Dasein ein Ende zn machen und io
dem Schicksale, welches ihn zweifellos erwar
tet, zu entgehen. Die Wunden der Frau und
des Kindes sind so gefährlich, daß das Aus
kommen der Verletzten zweifelhaft erscheint.
Evans hat sich nur eine leichte Flcischwunde
beigebracht. Sämmtliche Verwundete wur
den in's Hospital gebracht. Evans schien zu
später Stunde noch nicht nüchtern geworden
zn sein. Er raste und tobic wie besessen und
versuchte zn wiederholten Malen den Verband
von der Wunde zu reißen."
InSt. L 0 uis ist der bekannte homöopa
thische Arzt Dr. I. Hactmann, ein thätiger
Loknlpolitiker, im Alter von 50 Jahren ge
storben; er war aus Königsberg gebürtig.
Am 25. Februar soll in Trent 0 n, N.-J.,
eine Feier zur Unterstützung des hunderkjäh
rigen Jubiläums - Projektes in Philadelphia
stattfinden, bei welcher ein Triumphbogen an
die Ocssentlichkcit gelangen wird, der 'chon
1798 bei dem Einzüge Washington's und
1824 bei dem Besuche Lafayette's gebraucht
wurde.
Sprengung e > ncs Rings im fer >
neu Westen. Ter Telegraph meldetest
neulich, daß in Colorado Über die Abberufung
des Gouverneurs Elbert große Indignation
herrsche. Es scheint, daß diese Depesche von
einem mir der dortigen Corruption idenlifizir
ten Berichterstatter herrührt. Elbert und der
Eongreß - Delegat Ehasfcc standen an der
Spitze eines Rings, welcher das Vertrauen
des Präsidenten in solchem Grade gewonnen
hatte, daß er sogar die Empfehlung eines
„Fots" dieses Rings (Colorado - Canal-Bc
wässernngs-Gesellschaft) in feine letzte Jahrcs
botschaft aufnahm. Inzwischen aber kamen
Thatfachen über das Treiben des Colorado
Rings dem Präsidenten zu Ohren, welche
selbst diesem hartgesottenen, bekanntlich sogar
den klarsten überzeugendsten Argumenten und l
Beweisen zeitweilig unzugänglichen Herrn zu I
dick waren. Gouverneur Elvert und die ganze
Bande wurden abgesetzt und zwar ohne Wis
sen des Hrn. Delegaten Chaffce, der darov
in die größte Rage gcricth. Wie die
Kunde in Colorado aufgenommen wurde,
geht aus dem nachstehend bruchstückweise
mitgetheilten Artikel dcs deutschen „Colo
rado-Journal" hervor. Tiefe Zeitung begrüßt
den Wechsel unter den Ueberschriften: „Der
Ansang vom Ende."—„Der Rocky-Mountain-
Tiebsring gesprengt." Eine Order von
Washington." „Gouverneur Elbert uud
feine Adjutanten abgefetzt."— „General Mc-
Cook, Gouverneur von Colorado," folgender
maßen: „Wohl noch nie feit dem Bestehen
Denver's herrschte in dieser Stadl eine Aus- s
rcgung, die nur annähernd jener gleichkam, !
die sich am Dienstag Abend bei dem Empfange
der Freudenbotschaft bis in die entferntesten
Stadttheilc erstreckte. Elberl, Hall und Lcfsig
abgefetzt! General McCook, Colorado's Mc-
Cook, der Freund der Deutschen, der Liebling
derßewohner dieses Territoriums, zum Gou
verneur ernannt! Ja, wahrlich, der Jubel
über diese unerwartete Nachricht war unbe
schreiblich. Jeder wußte, Jeder fühlte, daß
damit eine Last vom Herzen des Volkes ge
nommen, daß der ehrliche Bürger nicht län
ger mehr unter der Herrschaft eines Diebs
ringes zu leiden haben werde, daß nnt einem
Worte eine neue Acra der Prosperität über
Colorado hereingebrochen. Vergeblich wur
den die verzweifeltsten Anstrengungen von den
Geschlagenen gemacht, um, wenn nicht die
öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu
stimmen, so doch wenigsten? das öffentlich
Mitleiden für sich in Anspruch zn nehmen.
Waagschaale gelegt und zu leiitzt befunden
morden."
Ein brutaler Prediger. Ehrw.
Reynolds, aus Mühlcnbcrg Eounty, Ky.,
wird wohl das Predigen jetzt ausgeben. Seine
Ansichten über die Pflichten eines Vaters sind
eigenthümlich. Er hat eine schöne junge
Tochter und verlangte von ihr, daß sie einen
reichen jungen Mann heirathcn solle. Das
junge Mädchen weigerte sich. Ehrw. Rey
nolds schlug sie dann, bis sie einwilligte;
aber an dem Abend, welcher zur Hochzeit be
stimmt war, schrieb sie an einen Herrn in der
Nachbarschaft und llagte ihm ihre verlassene
Lage. Die Nachbarn nahmen sie unter ihre
Obhut, und am nächsten Tage wurde ihr ein
Bormund vom Gerichte gegeben. Der Aus
übung seiner Vaier Pflichten nach dieser Rich
tung hin wäre denn Ehrw. Reynolds soweit
enthoben.
Eine deutsche Gesellschaft wurde
vorigen Montag in Lincoln, Nebraska, ge
gründet. Tie donige „Staatszeitnng" schreibt
darüber: „DicErfahrungen der im leytenJahre
aus Südrußlaud hier eingewanderten Deut
schen haben gelehrt, daß'die Bildung einer
deutschen Geicllschaft zum Schutze und zur
Beförderung der Einwanderung in Nebraska,
nach dem Muster der in New ?)ork, Philadel
phia, Baltimore und Ncw-Orlcans bestehen
den eine Nothwendigkeit ist. Weil man wuß
te, daß die Deutsch-Russen ohne Ausnahme
bemittelt waren, so wurden sie von Landspeku
lanten und Agenten verschiedener Bahnen auf
Schritt und Tritt verfolgt, und bei verschie
denen Einkäufen und Contraktcn über's Ohr
gehauen. Um nun den Hunderten und Tau
senden von deutschen Familien, welche vor
aussichtlich in diesem Jahre aus den östlichen
Staaten, aus Deutschland und hauptsächlich
aus Südrußland kommen werden, gleich von
Anfang an einen Anhaltspunkt zu gewähren,
und sie in allen vorkommenden Verhältnissen
niit Ralh und Thal zn unterstützen, versam
melten sich am letzten Montag in der Office der
„Nebraska Staatszeitung" eine Anzahl der
besten ansässigen Teutschen von hier, die ein
flußreichsten Deutsch-Russen von Clay County
und mehrere Amerikaner, worunter der Gou
verneur des Staates, R. W. Fnrnas,Staats
auditor Westou und verschiedene andere Her
ren, welche sich für die Einwanderer und den
guten Namen Nebraska's interessiren. Die
Gesellschaft wurde sofort mit Annahme einer
Constitution organisirt. Folgende sind die
Beamten und Direktoren der Gesellschaft: F.
W. Hohmami, Präsident, Otto Funke, Vice-
Präsident, H. A. König, Schatzmeister, Dr.
Renner, Sekretär; Gouv. F. W. Furnas, Pa
stor Regier, Joh. GroShanS, Heinrich Grieß,
George Ruß, Direktoren."
Der „C alifo n i a - D ein okr at" (San
Fraiizisco) vom 20. Januar berichtet: „Ge
stern ereignete sich eine so grauenvolle Tra
gödie, wie sie gewiß selten hier stattgefunden
hat. Etwa um drei Uhr Nachmittags wurde
die Aufmerksamkeit eines Kellners im Drouil
hot Hotel, 711 Eomincrcial Str., ans einGe
räusch in dem oberen Stockwerte gelenkt: als
er die Treppe hinaussah, erblickte er die Ge
stalt einer Frau über das Geländer lehnen,
deren Halse eine große Menge Blutes entström
te, das die Treppe hinabfloß. Sofort eilte er
aus die Straße und riet den Polizisten Mc-
Dermolr herbei: dericlbe lief eiligst die Treppe
hinauf und sah dort die Frau mit von Ohr zu
Ohr durchschnittener Kehle noch über das Ge
länder gelehitt, liegen und aus ihr den noch
lebenden, aber ebenfalls ans einer weitklaffen
den Halswunde blntenoen Körvcr eines Man
nes. Sofort hotte er nun einen 'Arzt, Dr. Ri
vers, herbei, der aber bei seiner Llnknnft das
Leben bereits aus den Körpern entflohen fand
Eoroncr Rice traf binnen Kurzem ein, und
ließ die Leiche nach der Morgne bringen. Tic
angestellten Untersuchungen ergaben, daß der
Name der Frau Annie Towers ist, Tochter
eines Pastors in Wisconsin; dieselbe war in
ihrer Heimath bereits einmal verheirathet.
hatte sich aber nach einer Ueberstedctnug nach
Nevada von ihrem Manne getrennt und ih
rem nunmehrigen Mörder, Randotph Mit
chell, czeheirathct, den sie jedoch kcyon nach kur
zer Zeit verließ, woraus sie hier in San Fraii
zisco in Scott's Saloon an Kearnep Straße
unter dem Namen „Francaiie" als Acllneriir
beschäftigt war.
Mitchell war zuletzt aIL Ingenieur in der
Navy-?)ard in Marc Island P.'chä'ttgt, hier
bereits am Sonnabend angekommen, um sei
ne Frau aufzusuchen, war aber wegen Trun
kenheit arrelirt und hatte die letzte Nacht in
der Callaboosc zugebracht, woselbst er in
Krämpfe verfiel, so daß er die Dienste eines
Arztes in Anspruch nehmen mußte. Gestern
Morgen hatte er bei seiner Entlassung durch
einen Polizisten erfahren, wo seine Frau sich
aushalle, und hatte dieselbe um 3 Uhr m halb
berauschtem Zustande aufgesucht. 'Allem 'An
scheine nach fand er sie vor dem Spiegel stehen
und schnitt ihr mit einem zu diesem Behufe
mitgebrachten Rasirmesser von hinten den
Hals durch. Tie überall, am Spiegel
und Wänden befindlichen Blulspnren be
zeugen, daß die Frau, nach dem Empfange
der Wunde, sich umwandte, und nach der
Thür eilte, dieselbe ausriß und sich über das
Geländer der Treppe lehnte; der Mann folgte
ihr, lehnte sich über den noch lebenden Körper
und schnitt sich ebenfalls die Kehle durch, in
welcher Stellung sie der Kellner und später
der Polizist fand. Bei Ankunft des Arztes
waren die bereits leblosen Gestalten vom Ge
länder heruntergesniitcii, und lagen überein
ander am Boden."
Ein Protest. Das „Frankfurter
Journal" hat neulich die Mittheilung gebracht,
daß die giftige gemeine Herbstzeitlose (Lolelli
ouill -tutiiiiiimle) in gewissen Gegenden
Deutschland's in eiiorinenOiiaiilitäten gesam
melt werde, und dabei insinuin, daß der
Saamc von dcn Bierbrauern statt dcsHopsenS
verbraucht wird. Ter „Amerikanische Bier
brauer"—das hiesige Organ dcs Bierbrauer-
Vereins in den Ver. Staaten verwahrt sich
nun dagegen,daß ein amcrikanischerßierbrauer
sein Produkt auf diese Weise verfälsche und
setzt einen Preis von sno Dollars für Jeden
ans, der in einem direkt ans einer amerikani
scheu Brauerei kommenden Biere jenen Stoff
finde. Die Redaktion muß wobl ihrer Sache
sicher fein und wird dadurch zur Beruhigung
amerikanischer Biertrinker beitragen. Könnte
jene doch den Letzteren auch die Versicherung
ertheilen, daß als Hopfen - Surrogat über
haupt keine schädlichen Stoffe verwendet wer
den, oder daß gar kein Surrogat für Hopfen
benützt wird!
In Verbindung mir dem neuen Pensi
on s - G cf e tz e für die Soldaten des Krie
ges von 1812 will man nunmehr den Tcsieid,
der Manche bisher verhinderte, Zahlung zu
erlangen, streichen.
Von dem Umfange des Viehhan
dels in den Ver. Staaten giebt die folgende
Tabelle der vorjährigen Zufuhren einen
Begriff:
Ncw-Zjorl .iwitU 1,26V,7t, >< > "'' 3/>67,dM
Chicag0....781.428 4,1.!,.,'' .'.,'ü0.512
Alban?. ..4U4,'dS7 l'vdi'2vv s'iinu'v?
PhiiadtlVh.t>i.',,!N 757,736 Ztt.At 1.7'i3.!Ni1
Tl. Louis. .280,773 80,370 98Z,4V7 I,ith,VN>
Boston 107,700 414 >2V ... , SSi,7)U
Lokalberichte aus Washington.
Washington, 9. Febr. Frl.Bertha
Gerolt, die Tochter des früheren preußischeir
Gesandten, welche kurz vor der 'Abreise ihrer
Familie den weißen Schleier im „Convent of
lye Visitation" nahm, hat am Samstag den
chwarzen Schleier genommen.
Heute Morgen wurde der bekannte Rc
surreittonist G. Ä. Christian, welcher im De
zember v. I. wegenEntweihiing vonGräberir
verhaftet und vor einigen Wochen prozefsirt
und schuldig befunden wurde, dem Richter
Cartler vorgeführt und auf ein Jahr in s
Gefängniß geschickt.
Der Neger Hamilton Tempel wurde
heute Morgen dem Gerichte vorgeführt, um
wegen Ermordung feines Stiefbruders Moses
Pollard prozcfsiri zu werden. Cr gestand zu.
daß er feinen Stiefbruder tödllich verwundet
habe, machte aber gellend, daß er keinen Mord
beabsichtigt, und daß ihn derselbe zuerst ge
schlagen und schwer gereizt habe. Richter
Cartter verurlheilte ihn zu 3 Jahren Zucht
haushaft.
Der Nachlaß der Frau Gen. Walbridge,
welche kürzlich starb, beträgt §120,000 und
geht auf ihre einzige Tochter Frau Helen P.
Phillips über, welche heute Vollmacht zur
Verwaltung desselben erhielt.
Washingto n, 10. Febr.—Welch' maß
loser Luxus in den sogenannten Negierungs
kreisen herrscht, davon zeugt folgende Beschrei
bung der Wohnung des Kriegssckretärs Bcl
knap, welche wir einer Correspondenz aus
Washington entnehmen:
„Das Haus ist neu und prachtvoll in allen
feinen Einrichtungen. Tie Wände der Par
lors sind in reichem Carmoisin und Gold ta
pezirt. Im vorderen Parior ist der Fußtcp
pich ein großes Schaustück in weiß, blau
weiß, um Rosen durchwirkr. Das nächste
Zimmer hat einen türkischen Teppich von
weichem Sammet. Tie Hallen und Speise
zimmer haben persische Teppiche. In den
Zimmern befinden sich alle Sorten von Mö
beln, als Sessel, Ottomanen und Sophas
von verschiedener Facon in Atlas, carmoisin
roth oder blau. Tie Häng oder Armleuchter
sind von Krystall, die Gardinen von schwerem
Atlas, die Tische mit Momik eingelegt, die
Schränke von 6ll>, die Wand' und Stand
uhren und Vasen von SevreS, im Bogenfen-
ster befindet sich ein Blumenkasten (Jardi
niere) mit Fächern von florentinischer Mosaik
welcher mit herrlichen blühenden Blumen
> prangt, während Bonauers von seltenen exo
tischen Gewachsen überall anzutreffen sind.
Frau Belknap hat während ihrer Reife in
Europa mit tadellosem Geschmack ihre Aus
wahl an Möbeln und Verzierungen getroffen
und ist jetzt von allen ihren Colleginnen am
feinsten und elegantesten eingerichtet. Dabei
! versteht sie es, sich prächtig und doch einfach
zu kleiden, und sie ist ohne Widerspruch die
- „Schöne" des Kabincts. Am lehren Mltt
- woch trug sie ein schwarzes Sesdcnkleid mit
, ! Verzierungen von perlgrauer i-reide, einen ,
: Kmlekragen von weißen Spitzen, welcher bis
- zur Taille reichte und einen Achatfchmuck im ,
i I Haar, und Abends trug sie ein schwarze
e l Sammctkleid mit kurzem Leib und kurzen Aer, I
i j meln."

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