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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, February 20, 1874, Beilage zu Nr. 8, Image 5

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Teutsche Corrcspoudcut.
Umor, SO. DedruaT tL74.
rstcht der wichtigste ltretg.
iffe.
Temperen; - Epidemie greift immer
im sich und die Hoffnung der Bcwoh
i Ottens, daß sie verschont bleiben
, schwindet täglich mehr. Man könnte
>e Bemerkung machen, daß sich die
gegen Osten rascher verbreitet, als
Üestcn; denn während in den größeren
des Westens noch eine gewisse An
uiig herricht, bereiten sich die frommen
der östlichen Städte eifrig vor,
ser iu das Vergnügen hinein zustürzen
i Kamps mit dem Drachen j>n beach
tn Boston nnd New-Äork. in kleineren
n des Staates in Penn
en ulld West-Birgknien ist die Weiber
bereits zum Ausbruche gekommen, in
igton, Philadelphia und Baltimore
Z und über kurz oder lang können wir
rgichgen haben, den Kreuzzng in un
paßen zn sehen. Weder Reden noch
den scheint gegen diese geistige Krank
helsen, sie muß sich eben austoben.
ie Männer von derselben ebenfalls an
werben, kann man recht deutlich in
: gesetzgebenden Körpern sehen; der
sscnal, der jedenfalls etwas Besseres
l hätte, zankt sich gegenwärtig über
'inperenzmaßregel. Senator Bucking
>er Vorsitzer icdcr Washingtoner Tem
'ersammlung äußerte in einer dieser
en, daß der Congrcß vollkommen bc
sei, unter dem 14. Amendement jedes
zu erlassen, welches dazu diene könne,
irgern des Landes den iAnl'.ß irdischer
fligkeit zu sichern; —der Genuß irdi
lückseligkeit wird nun nach der Ansicht
zmmcn Buckingham gerade herbciae
wenn nian den Genuß geistiger Ge
verbiercu Es ist traurig,'wahrzuneh
'aß solche Schwachköpfe die Geschicke
rossen Station bestimmen. Wenntüch-
Utc im Congrcssc den Ton angäben,
vürdi man sich schon längst über die
vollen Eonseguenzen dieser Weibcrtoll
ir geworden sein nnd derselben in der
'der anderen Weise gesteuert haben.
sammten Jnlandstener Einnahmen der
ung betragen etwa 114,000,000, da
mmen 52,099,371.73 aufSpiritnoscn,
6,303.0! ausTaback nnd 39,324,937.84
alzgetränke; diese drei von den Tem
ern verpönten Posten bringen allein
0,612.71 ein, während alle anderen
rten Artikel nur 318,264,843.38 ab
. Angenommen die Temperenzlersetzen
rrücktc Idee durch—ein Erfolg an den
igcns selbst nicht glauben die Folge
e,n, daß die Regierung den größten
etwa 60—75 Proz. ihrer Revenuen
t. Wie will sie den enormen Ausfall
' —95,000,000 in ihrem Blldgcr decken ?
t aber gar kein Gedanke daran, daß die
jemals durchgesetzt wird; warum er
?ie Bundesregierung, daß ihren Revc
öunderttauscnde und Millionen entzo
nden, bloß allein, um einigen fanati-
Renschen, die bei der Sache Riä'lS zu
en, aber Viel zu gewinnen haben
io Lewis läßt sich dafür, daß er in den
adren allenthalben den Kreuzzug gegen
irlhe orgamsirt, sehr gut bezahlen'-
sillen zu lassen? Wenn die Sache bloß
rmloser 'ülk wäre, könnte ipan sich die
chon gefallen lassen, „denn Spaß muß
aber sie ist eineLebensfrage für dicßun
lernng, für Staats, und Munizipal
ltungen und eine Existenzfrage fürTau
von fleißigen, gcsetzlicbenden, ehrbaren
rn. Der Intoleranz gegenüber hört i
ildnng und Nachsicht ans, eine Tugend !
!. Eine Regierung, welche cinGcwerbe
ucr t , hat die heilige Pflicht, dieStcu
er in dcrAnSübung desselben zu schützen,
deren Falle wird die Steuer zum T r i -
ind zur Erpressung. Der Staat Obio
im vorigen Jahre an Jnlandsleuern '
51,309, davon kamen auf die von den >
crenzlcrn in die Acht erklärten Artikel
03,022 und auf alle anderen steucrpstlch-
Acgcnständc nur 347,387. Schwerlich
zas laufende Fiskaljahr einen solchen
eis liefern. Ter Congreß hätte auf
g des Eomile's für Mittel und Wege
Schritte thun müssen, um dieser Toll
l steuern.
Tic VZcschgebiing unsere Staates
ch in der verflossenen Woche auch nicht
. ders mit Ruhm bedeckt. Am letzten
:age wurde die Bill, welche den Barbie
rbictet, an Sonntagen ihre Geschäfts
osien zu halten, mit überwältigender
>rirär im Unterhaus? angenommen, eine
t der Svaltung, welche über diese Frage
den Barbieren selbst obwaltete. Die
il-Option" Bill ist von dem Spezial
oerenz - Comite günstig cinbcrichtet und
Comite tür Mittel und Wege überwiesen
en. Dieses wird allerdings ungünstig
lcn, wer aber bürgt uns dafür, daß die
nicht dennoch früher oder später zur An
te gebracht wird ? Vor der Hand wollen
ins da-' t trösten, daß dic Staatskasse
Steuer eeustall nicht aushallen kann,
lnicrika wird schließlich Alles möglich.
Der Vivitvienst ves Kandcs
ine neue Reform erfahren. Jetzt will man
rncnittingcn, ähnlich der Besetzung von
llenstellen, den verschiedenen Congrcß
liedern übertragen. Dann können nur
Hänser sofort ein permanentes Comite
Untersuchung von Stcllcnschacher cr-
e- N.ästocnt hat endlich dieMilttär Com
on ttir Untersuchung der Umeischleise des
men General Howard ernannt. Die
aner werden allenthalben wieder un
g, wahrscheinlich dauert cs aber nur so
e bis die verschiedenen Indianer-Bills
mommen sind. Ans Cuba dauert der
g fort. Auf den Sandwichs-Inseln
zer König Lunalilo gestorben.
ur die Berichte aus Teutschland
en in der verflossenen Woche von allge
:icm Interesse. Der Bischof von 'Metz,
'Mitglied des Reichstags, verlangte dieser
ie einen Tollmeticher, was ihm lelbstver
dlich abgeschlagen wurde. Der elsässer
'ittirte Jatch hielt eine wüthende Rede gc-
Teutschland, welche von den übrigen
chsbotcn mit Staunen und Grausen ver
imen wurde.
,nEng 1 aiid sind endlich dieParlameittS
>len beendigt; die Eouservativen haben
er 600 Stimmen eine Majorität von 46,
z bereits andeutet, daß die Herrlichkeit der
:ies nicht lange dauern wird.
r>er Kaiser vonOestreich ist jetzt inR nß
d zn Besuch. Die Conickturalpolitiker
europäischen Presse sind infolge dessen mit
edensversicherungen äußerst freigebig. Wer
dachtet hat, wie wenig während der letzten
Jahre die persönlichen Gesinnungen eines
'narchen Einfluß auf Krieg und Frieden
ren, der wir am Besten wissen, was von
sem albernen Friedensjubcl zu halten ist.
Der in der neuen deutschen Literatur so viel
nngenc und im Allgemeinen so wenig be
ulte Sultan vonDarfur hat mit den Cgyp
n Krieg angefangen, wahrscheinlich, um
l in geeigneter Weise bei der Civilisation
introduziren.
Die Traatsgcschgebung.
Die E inw a n d er u ngsfra ge und !'
eGesetzgebung. Die Thal,ache,daß '
c Staat Maryland mehr als je von der '
ropäischen Einwanderung ignorirt wird,
acht sich in der Bevölkerung allenthalben
hlbar, und dieses Gefüyl findet in der Ge
zgebung lebhaften Ausdruck. Zu den zwei
reits eingereichten Bills von Hrn. Groh
, Unterhause und Hrn. Carle im Senate
seilte Senator Stevens noch eine dritte,
jährend die Bills der HH. Groh und Carle
is Hauptgewicht auf die ausländische Agi
tion legen, verlegt die Bill des Hrn. Ste
ens das Schwergewicht in den Staat selbst,
yne dabei die auswärtige Agitation ganz zu
:rnacylässigen. Das einfache Mittel, einem
lgenten G.legcnheit zu gevcn, aufxoucn VcS
Staates eine Spritztour zu machen, eine Zeit- :
rng gemüthlich in Bremen zu leben und dann
ach Maryland zurückzukehren, zieht nicht
uehr; Senator Carle's Bill hat zu viel au
-ößig- Züge und wird schwerlich Gesetz wer
en. Die Eolonialzeitcn, in denen man Leute
ür die Ucberfahrtslosten ans so und so lange
n eine Art Sklaverei verkauft, lassen sich nicht
vieder zurückzaudern, und anders kann man
>as in der Bill angedeutete System nicht ver
letzen. Der Correspondent des „American"
chreibt über dieselbe: „Tie Verfügungen der
Bill find noch nichlgenügend bekannt, um be
-eils mit Sicherheit aus die Stimmung der
Mitglieder der Gesetzgebung über dieselbe
schließen zu können; in engeren Kreisen
haben dieselben jedoch bereits eine scharfe Kri
tik erfahren. Thatsächlich will die Bill, daß
der Staat ein Einwandcrer-Mäkler-Geschäft
eröffnen soll, und die ganzeßill wird als lästig
und unnussührbar nicht mit besonders gün
stigen Augen angesehen. Besonderen 'Anstoß
aber erregt es, daß dieselbe der Corruplion
einen weiten Spielraum eröffnet, daß sie große
Ausgaben mit sich bringt, ohne dem Staate
irgend einen entsprechenden Nutzen zuzusichern,
und daß sie wahrscheinlich nur eine Klasse von
Einwanderern herbeiziehen wird, die bisher
nicht als die schätzbarste und witnscheiisiver
lheste angesehen wurde. Man hat gefunden,
daß deutsche Einwanderer die fleißigsten sind,
und am schnellsten emporkommen." Senator
Stevens' Einwandcrungs-Bill lautet:
Abschn. 1. „Sei von der Gesetzgebung von
Maryland verordnet, daß der Gouverneur
des Staates, der Präsident der Staars-Acker
bau- und Gewert Gesellschaft von Maryland
und drei andere Bürger des Staates welche
vom Gouverneur zu ernennen sind und zwei
Jahre lang zn dienen haben eine Einwan
derungs-Coinmission bilden sollen zum Zwecke,
die nöthigen Schritte zu thun, um die Ein-
Wanderung nach dem Staate Maryland zu
lenken.
Abschn. 2. Sei verordn t, daß die Ein
waaderungs-Commtsiion eine oder mehrere
intelligente Personen beauftragen ,011, um
solche Informationen im Staaie zu sammeln,
welche geeignet 'ein könne, Kapital und tlei
he beizn ziehen;
lchenswerth erachtet, xublizirt werden: diesel
ben sollend verkäuflichen Länder, deren
Vozüge und Läge, sowie die Priise genau dar--
Pix u Maryland L-zahtien Arbeits
lohn qpgehen, sich über hre Ackerbau-, Indu
strie-, Mmeral- und andere HüsssouelleU des
Staates, die Eisenbahn- .lud Schiffsverbin
dungen, Märkte Schulen und Kirchen rc. oer
breiten Die Commission hat besagte Person
od Personen zu ernennen, die Druck und
Berbreitungskosten der Dokumente zu be
streiten aus dem Fond für wtlchcn in Rach
stehendem Verfügungen getroffen find.
Abschn. 3 Sei ferner verordn, daß sich
die Commission am —in Baktimüre und
künftig zu einer Zeit und all einem Orte, wie
der Gouverneur bestimmen mag, versammeln
sott. Das Haupt-Büreau ist jedoch in Bal
t'Ntdre. Die Commission darf gleichfalls
Comite'n in jedem County des Staates und
in der Stadt Baltimore ernennen, um Sta
tistiken und andere Information zu sammein.
Die Commission soll eine Person ernennen,
die als Sekretär und Schatzmeister zu fun
giren hat, ferner einen oder mehrere Agenten,
welche die Landungsplätze besuchen sollen,
deren Salair ist von der Commission zu be
stimmen. Die Commission ist ermächtigt, alle
Vakanzen zu füllen.
Abschn. 4. Sei verordnet, daß die Einwan
dcrungs-Commission in verschiedenen Cvun
ty'ö des Staates und in der Stadt Baltimore
Listen auslegen soll, um von solchen Personen
und Corvoralionen, welche durch die Ein
wanderung speziellen Vortheil erwarten.Sub
scriptionen und andere Hülfe zu erhalt!. Das
auf diese Weise erlangte Geld soll im Inte
resse und zur Förderung der Einwanderung
verwendet werden.
! Äbjchn. 5. Sei verordnet, daß die Summe
von hierdurch verwill'gt werde, zu dem
Zwecke, die Ideen dieses Gesetzes auszuführen.
Alle Zahlungen sind auf geschriebene Anwei
sung des Gouverneurs zu leisten, und ist die
Commission kür dieselben verantwortlich.
Abjchn. 6. Sei oerordnet, daß die Com
mission jährlich, oder mehrere Male des Jah
res, je nachdem sie e wünschenSwcrth findet,
Berichte über ihr Wirken publiziren soll, und
der Gesetzgebung alle zwei Jahre ausführlich
über die Resultate, welche unter dieser Akte
erreicht wurden, Bericht zu erstatten hat.
Abschn. 7. Sei verordnet, daß die Bill so
fort nach ihrer Annahme Gesetzeskraft erhal
ten soll."
Indem wir ns vorlävsig eines ausführ
licheren Comweittars über diese dritte Jmmi
grations-Maßregel enthalten, bemerken wir
nur, dass sie verschiedene praktischere Mast
regeln enthält, als Senator Earle's Bill. Die
Thatsache, daß der Gouverneur Borsitzer der
Commission wird, sichert derselben Achtung
und Beachtung im Staate und außerhalb
desselben. Das Vertrauen zu der Behörde
wird noch erhöht, indem der Präsident der
StaalS-Ackerbau-Gescllschaft derselben ange
hört; die drei übrigen Mitglieder würden dann
wohl aus der Stadt Baltimore, vom östlichen
und westlichen Ufer der Bai zu wählen fein.
Die Unter-Eomlte'n in den verschiedenenThei
lcn des Staates würden der Agitation Leben
verleihen und zur Thätigkeit anspornen, durch
dieselben würde die Commission beständig
über kle Nothwendigkeiten und Borgänge in
den verschiedenen Couuties auf dem Laufen
den erhalten werden. Um dem Staate Kosten
zu ersparen, wird die Mithülfe und Unter-
Nützung solcher Personen und Corporationen
in Anspruch genommen, welche bei der Ein
wanderung besonders interessirt sind und von
derselben Vortheil erwarten. Wie uns ein
Herr, welcher seit Jahren der Einwanderungs
frage seine Aufmerksamkeit widmet, und wel
cher an der von Senator Stevens unterbrei
teten Maßregel großen Antheil nimmt, mit
theilt, werden die Gesammtkosten für den
Staat 512,000—§13,000 nicht übersteigen.
Die Mitglieder der Commission erhalten selbst
verständlich kein Salair, und diese Thaljache
wird viel dazu beitragen, daß nur solche Bür
ger die Aemter suchen, welche außerdem, daß
ste thatsächliches Interesse für die Sache haben,
durch ihre sociale Stellung im Stande sind,
der Commission die Achtung zu sichern, welche
sie besitzen muß, uui erfolgreich wirken zu
können.
! Die „L ocal-O Ptio n" -Bi ll der
Staats -Tempercnzgcsellschast.
Wie wir berichtet haben, ist die „Local-Op
tion"-Bill der StaatS-Temperenz-Gesellschaft
von dem speziellen Tempcrenz-Comite gün
stig einberichtet worden und liegt jetzt dem
Comite für Mittel und Wege vor. Dieselbe
verfügt, daß dic Stimmgeber jeder Ward der
Stadl Baltimore und jedes County's im
Staate alle drei Jahre darüber abstimmen
sollen, ob Lizensen für den Verkauf von Spi
rituosen ausgegeben werden sollen. Die Bill
verfügt ferner, daß es nach dem l. Januar
1875 nicht mehr gesetzlich sein soll, Malzge
tränke, Rebengewächse und spirituöse Ge
tränke, oder Mischlingen mit solchen Geträn
ken, in denen Spirituosen eine Haupt-Ingre
dienz bilden, zu verkaufen, ausgenommen
solche, welche für medizinischen Gebrauch prä
parier sind; die Strafe ist beim ersten Berge-
Yen 2V —50 und beim zweiten Vergehen 50
—5OO und 10—30 Tage Haft. Tie Bill
schreibt sHacr vor, day in der Novem
ber-We Hz.'.lle drei Jahre Stimmzettel mit
den Wo7ldf6i.?oi- lieease" und "Hx-iinst li
ee>li-!e" xio-R-i den werden sollen. In solchen
Wards ö!>-r Counties, in denen die Bevöl
kerung sür Lizensertheilung stimmt, sollen die,
welche darum nachsuchen, Conzessionen erhal
ten. In denjenigen Wards und Countie's,
welche gegen Lizensen stimmen, sollen keine
Conzessionen ertheilt werden, außer aus das
spezielle Gesuch von 12 respektablen Bürgern.
Der Berkauf von Spirituosen zu medizini
schen Zwecken soll durch dieses Gesetz nicht be
hindert werden.— Die Gegner des Tem
pcrenzzwanges, welche ohne Zweifel dic große
Mehrheit der Bevölkerung des Staates bil
den, haben sich bis jetzt den Tcmperenz-Be
strebungen gegenüber außerordentlich ruhig
verhalten; bis jetzt ist den „Local-Oplion"-
Petitionen, welckie täglich beim Dutzend ein
gereicht werden, erst eine entgegengestellt wor
den.
Ter ncucGouvcrneur desStaa>
tes, der Achtb. JameS B. Groome von Ce
eil-Coniitli, trisit zur ZeilVorkehrungen, nach
der Staätshauptstadt überzusiedeln. Herr
Groome ist unverheiralhet und seine 'Mutter,
sowie eine jüngere Schwester werden deshalb
die Honneurs machen.
D as Gesetz über Handel S-Li;en
s e n.—Tic von Hrn. Greenfield eingereichte
Lizcns-Bill verfügt, daß während der Monate
März, April und Mai und bei dem Verkauf
sogen. Haushalt'Arlikcl keine Conzession für
den Verkauf von Ackerbau-Produkten, Werk
zeugen, Düngmitlcln, Austern oder Fischen
erforderlich sein soll, so lange die Fabrikan
ten selbst dic Verkäufer sind; ebensowenig bei
dem Verkaufe von Backwerk, Dünnbier' und
Aepfelwein, wenn der Verkäufer gleichzeitig
der Fabrikant ist. Die Exemprion soll jedoch
nicht aus den Verkauf von Lagerbier oder auf
die Brauer Bezug haben. Tie Applikanten
um Lizensen sollen unter Eid angeben, wie
groß der Vorrath von Waaren ist, welcher
während der Saison oder im Lause des Jah
res verkauft werden soll. Niemand, der im
Besitze einer Lizcns unter diese. Akte ist, soll
nach Proben, Karten, Cirkularen verkaufen,
es sei denn, daß eine spezielle Applikation ge
macht wird. Dieselben haben außer dem
Betrage der Lizcns bei dem Lizens-Beamten
die Summe von §3OO zu deponiren und aus
ihre Verkäufe bis zu 30,000 eine Steuer von
1 Prozent zu zahlen; sind dic Verkäufe ge
ringer als 30,000, so erhält derßelr. von den
§3OO so viel Proz. zurück, als der Ausfall be
trägt. Sollte jedoch der Betrag auch weniger
sein, als die Lizensjumme deckt, so ist von
dieser kein Abzug zu machen. Wenn der Li
zcnsbesitzcr nicht binnen 3V Tagen abrechnet,
so fließt das Depositum von 300 in den
Staatsschatz. Solche Kaufleute oder Händ
ler, deren Waarenlager—Kaffee und Zucker I
ausgenommen—den Werth von 500,000 l
übersteigt, sollen sür ihre Lizcns §lOOO zah
len, was ihnen das Recht gibt, nach Proben,
Mustern und in irgend einer Weise zu ver
laufen. Niemand soll erlauben, daß Leute,
welche nicht in seinem Dienste stehen, unter
seinem Namen verkaufen. Verletzungen der
Lizensattc werden mit von §4OO
—6OO belegt; die Hälfte fällt dem Angeber
zu. Irgend eiue conzessionirte Person kann
im ganzen Staate verlausen, wenn dieselbe
eine Bescheinigung besitzt, daß das Depositum
von §3OO gebührend gemacht worden ist.
D i e Todesstrafe. Die letzten Hin
richtungen im Staate haben äußerst abschrek
kend gewirkt, nicht nur ist man gegen öffent
liche Hinrichtungen, sondern gegen die Todes
strase überhaupt. Von Westminster liegen
Petitionen um Abschaffung der öffentlichen
Hinrichtungen vor, die Quäker verlangen da
gegen die Abschaffung der Todesstrafe über
haupt.
Die Temperenzler wollen im Staate
ein eigenes Blatt gründen, das ihre Sache
vertreten soll.
Ein Comite von Apothekern er
schien vorgestern vor dem Comite für Mittet
und Wege, um eine Verwilligung für die
Maryländer pharmaceutische Lehranstalt zu
befürworten, als Sprecher des Comite's sun
girten die HH. F. Hassc'ncamp u. C. Dohme.
Di e Lootsen - Bill. Das Justiz-
Comite des Senats Höne am Freitag Abend
abermals eine Delegation von Lootsen und
von Mitgliedern des Handels-DirektoriumS.
Hr. James McClure hielt eine längere Rede
zur Vertheidigung der Lootsen und gegen An
nahme der vorliegenden Bill. Die Lootsen
verdienten unter dem alten Gesetze nicht mehr
als 1270 pro Jahr und Einige derselben seien
oft 60 Tage auf dem Wasser gewesen, ohne
mehr als 36 zn verdienen. Hr. Poe sprach
sür die Prüflings Commission und zu Gun
sten des neuen Gesetzes. Capt. Greggs sagte,
seit 1840 seien seines Wissens sechs Schiffe
an den Vorgebirgen der Chesapeale Bai gc
strandet, aber Alle nur deshalb, weil sie die
Lootsengebührcn zn ersparen versuchten. Das
Comite'wird am Dienstag eine weitere Vcr
iamnttung anberaumen.
Feuer im Kapital. Am Donners
tag Abend spät entdeckte Capt. I. Sands,
einer der Wächter des Kapitals, Feuer in dem
! zur Seuatshalle sührendcnCorridor; die Mat
: lm des Fußbodens waren durch ein Streich
hölzchen oder eine weggeworfene brennende
Cigarre in Brand gerathen und dieFnßviclen
: brqnmen lichterloh. .Ohne diese rechtzeitige
! Entdeckung würde vielleicht großer Schaden
1 qttchehe nd dä ehrwüWck hlfksrtfche x
viogljchrtWse -ganz. zkMrt worden
seine ' - - '
j Die östliche ÄcAwaäge von Bal
timore,-- Htc Äakthews von Bultimore-
Cvnnty hat eiue Bill im Delegatenhauje ein
gebracht, welche die Verlegung der östlichen
Heuwaage von der Monnmeutstraße, wo die
selbe durch das Geleise der „Rördl. Central-
Bahn" beengt ist, nach einem anderen Punkte
stnd zwar in die Rühe der Aork- UndHarford-
Road bezweckt nd beantragt, dieselbe sv ein
zurichten, daß gleichzeitig Schlachtvieh, wel
che av dem County herbeigetriebcn wird,
do'ri gewogen werden kann.
Die gesetzlichen Feiertage und
das Wechsclrecht. Die Bill, welche
verfügt, daß protestirbare Wechsel, die au
Montagen fällig werden, an denen ein gesetz
licher Feiertag, der auf den Sonnlag fiel, ge
feiert wird, schon am Samstag vorher bezahlt
werden müssen, ist Gesetz geworden.
Die Austerngesetze. Unter den ver
schiedenen Vorschlägen über das Austern In
teresse des Staates ist einer der Bewohner von
von Talbot - Co., welcher verlangt, daß ein
Gesetz gemacht werde welches allen Nichlbür
gern jenes County's verbietet, darunter auch
wichen, die nocb nicht ein Jahr im County ge
wohnt haben, in den Gewässern des County's
Austern mit scrapers zu fangen. Oreckxinx
soll nur Fahrzeugen unter 10 Tonnen gestattet
sein und für dieseoPrivilegium sollendieFahr
zeuge HZ.SO pro Tonne au die County Kasse
zahlen. EiUeGegenpelilion liegt aus demselben
County vor.
Die Schließung der Barbierstu
ben. Die von Hrn. Gill eingereichte Bill,
das Offenhalten der Barbierstuben an Sonn
tagen zu verbieten, wurde heute mit 43 gegen
4 Stimmen im linterhause angenommen;
dagegen stimmten nur die HH. I. Groh, die
beiden Hamilton'S und Wier. Hr. Cooper,
der erst kurz vorher eine Petition der Balti
morer Barbiere einreichte, in welcher gegen
diese Bill protestirt wird, stimmte mit der
Majorität.
DaSGesctz über das Tragen ver -
borgener Waffcu. Hr. Sraylor hat
einen Gesetzentwurf vorgelegt, welcher ver
fügt, daß alle Personen in der Stadt Balti
more, welche des Tragens verborgener Waf
fen, wie Pistolen, Dolchen, Schlachtmessern,
Bleischlingen, Todtschlägcrn, Nastrniessern,
überführt werden, vor den ersten besten Frie
densrichter zu führen und von diesem um
83 —lO zu strafen sind. Das gegenwärtig
bestehende Gesetz verlangt, daß alle Verhafte
ten nach dem Stationshause gebracht wer
den müssen.
Erkenntnisse von Friedensrich
tern betreffend. Im Senate brachte
Hr. Brattan eine Bill ein, den 67. Abschnitt
des 57. Artikels des Staatsgesetzes in Betreff
der Vollstreckung von Friedensrichter-Erkcnut
nissen abzuändern. Dieselbe verfügt, daß so
fort nach der Entscheidung eines Friedensrich
ters der AktUar den Spruch eintragen und
dem Kläger eine Abschrift des Bescheides zu
stellen soll. Das Erkenntniß soll nach der Ein
tragung de Klägern, zugestellt und von Stund
an als 'lwn" auf dem Eigenthum: des Be
klagten haften, gerade als ob die Entschei
dung von dem Kreisgerichte erfolgt sei.
Noch ein Veto des Gouverneurs
- Gouv. Whyte hat die Bill in Betreff der
neuen Maßregeln für Versichcrungsmäkler
mit feinem Veto belegt. In der Botschaft,
we.chc seine Einwände und Ausstellungen ent
hält, sagt er, dass der Titel der Bill: „Eine
Akte zur Annnllirnng des in der Januar
Sitzung 1863 erlassenen Gesetzes, Kap. 209
über Versicherungsmäkler und zur Erneuerung
desselben" weit richtiger lauten würde: „Eine
Akte zur Zerstörung des Versicherungswesens
in der Baltimore.' Das augenschein
liche Objekt, welches die Bill im Auge hat,
scheint die Uebcrtragung der Conzessionser
theilnng von dem Beamten, der jetzt für das
Versicherungswesen eingesetzt ist, an eine an
dere Behörde. Ich kann nicht einsehen, wel
cher Vortheil aus der Veränderung für den
Staat entspricht, sehe aber recht wohl die dem
Versicherungswesen ans dieser ilkte erwach
senden Nachtheile. Wenn die beschränkenden
Gewalten dieser Bill Gesetzeskraft erhielten,
dann wäre es mit den Geschäften der Vcr
sicherungsmäkler vorbei, denn die Kaufleute
und anderen Geschäftstreibcnden in diesem
Staate, welche Versicherungen suchten, wür
den gezwungen sein, mit den Versicherungsge
sellschaften und Agenturen ihre Contrakte per
sönlich abzuschließen, und es ist sehr wohl be
kannt, daß die hiesigen Compagnie'n nicht
genug Kapital besitzen, um solche Gesetzgebung
zu rechtfertigen. Ein Versichernngsmäkler ist
der Agent der Versicherten und unterscheidet
sich auf diese Weise von den Agenten auswär
tiger Compagnie'n; als solcher schützt crKaus
lcuie und Fabrikanten, besonders Zücker Im
porteure und Raffineriebesiber gegen geringe
Raten vor großen Verlusten, eine Versiche
rung, die unsere Compagnie'n wegenMangels
an Kapitals gar nicht übernehmen könnten.
In diesem Staate befinden sich nur zwei See-
Versicherungs-Compagnie'n, deren Gesammt-
Kapital §335,000 nicht übersteigt, während
manchmal ein einziges Schiff' mit seiner
Fracht diesen ganzen Betrag übersteigt; es
ist deshalb kaum anzunehmen, daß die Ge
setzgebung beabsichtigt, zu erklären, daß kein
Kaufmann in diesem Staate einen Mäkler an
stellen darf, um seine Risiko's auswärtigen
Versicherungsgesellschaften zu übertragen; es
kann nicht in der Absicht der Gesetzgebung
liegen, das Versicherungswesen so zu beschrän
ken, daß unsere Baltimore? Kaufleute verhin
dert sein würden, ihre Schiffe und Frachten
nach Belieben in jenen fremden Compagnie'n
zu versichern. Wenn meine Ansicbten richtig
sind, dann sollte diese Bill um keinen Preis
Gesetz werden; sollte ich im Irrthume sein, so
würde es edoch angemessen sein, wenn der
Titel genau besagte, was in der Bill beab
sichtigt wird."
Der Wahl streit Brooke gegen
W hittieo m b. Bei der letzten Wahl des
Aktuars für das Kreisgericht von Prince
George's Eoumy siegle Robert S. Whitti
comb über seinen Gegcncandidatcn Henry
Brooke mit einer Majorität von sieben Stim
men. Brooke stritt die Wahl an und beide
Theile ließen Zeugen ciliren, daß ungesetzliche
Stimmen abgegeben wurden, daß Zuchthäus
ler mitgcstimmt und daß andere Unregel
mäßigkeiten vorgekommen seien. Whitticomb
ist im Anne und das Appellationsgericht hat
dcni Brooke einen MandamnS verweigert,
weshalb die Sache jetzt m der Gesetzgebung
zum 'Austrag gebracht werden soll.
„Local-O Ptiou" Petitionen.
Dic zahlreichen Petitionen um „Locctt-Oplion"
ans allen Theilen des Staates tragen bis jelzr
im Ganzen 18,17,7 Unterschriften. Wie viel
Namen darunter gemacht und „gefixt" sind,
ist noch nicht ansgesundcn worden. Tie
Gegner dieser hirnverbrannten Maßregel ha
ben sich bisher gar nicht gerührt, cS liegen der
Gesetzgebung nur wenig Gegenpelirionen vor.
Die Austerngesetzeßis jetzt lie
gen der Gesetzgebung zwei Bills vor, welche
das Austern-Interesse des Staates berühren,
Beide wurden im Hause eingereicht, Eine
von Hrn. Seth und die Andere von Hrn.
Johnson. Tas Spezial-Comite hat beschlos
sen, keine derselben speziell zu befürworten,
sondern ans den guten Paragraphen in Bei
den einen neuen Geiclzvorschtag zusammenzu
stellen und denselben einzuberichten.
DieAemterjäger strömten dieser Tage
in hellen Haufen nach Annapolis, denn heute
wird der Gouverneur die Ernennungen sür
Tabacks-Jnspektoren und andere Aemter ein
schicken.
Die Bill über Abänderung des
Beschlagnahme-Gesetzes, welche Die
nstag mit 34 gegen 28 im Unterhause ver
worfen worden war, wurde, nachdem man
Mittwoch dieses Volum in Wicderberathung
gezogen hatte, mit 44 gegen 27 Stimmen an
genommen. Dafür stimmten die HH.Hines,
Bond, Colton, Robinson, Nutwell, Bird,
Lancastcr, HawkinS, Buchanan, Mcrryman,
Valliant, Sudler, Etchison, Robey, Kemp,
Pruitt, Dawjon, T. H. Hamilton, Cooper,
C. R. Hamilton, MeWilliams, Foster, Ste
wart von der Stadt Baltimore, McAlcese,
Gill, Hart, Loane, Greenfield, McColgan,
Hang, Joyce, Fenton, Stake, Clark, Wat
kinS, Wack, Waters, Vander-
Bcdsworth und West (44). Dagegen" d?e
HH. Merritt, Henkle, Keech, Matthews,
Seth, Coulbourn, Duer, Gordy, Johnson,
Hodson, Latchford, Thompson, Merrill, Mil
ler, Lamar, Annan, Lee, Riley, McCosker,
Staylor, Berry, Freancr, Grimcs, Park,
Brace, Gatt und Leonard, 27 Stimmen.
Die Ernennungen des Gouver
neurs.- Vorgestern erwartete man bereits,
daß der Gouverneur seine Zwcijahrs-Erneii
nuiigen einschicken werde, sah sich aber darin
theilweise getäuscht, indem nur die 'Namen
der Friedensrichter für dieEonnties Calvertu.
Frederick vor den Senat gelangten. Die fol
gendcn Friedensrichter für Fredcrick-Coiiuth
wurden bestätigt: 1. Bezirk, Ezra Michael,
I. V. Williams, Jonathan Keller; 2., Wm.
Higgins, Wm. B. Nelson, Christian H. Eck
stein, Robert Stokes, James I. English,
Wm. Mahony, Godfrcq Koontz, Samuel P.
Hasner; 3., ts zra Minnick, Joshua Corrick,
Edward L. Hcrring; 4., Henry Bowersock,
Henry Eaton, Amon T. Morris, Henry I.
Krise: 5., Michael C. Adclsperger, Henry
Stokes, James Knaufs; lt., John Moers,
John A. Wilson; Jsaac Davis, Lonis R.
Harding, Conrad P. Esterday; 8., Hierom
nuS Brcnnerson, John E. Unkefer, B. W.
Burgeß, Sidncy Sappington: 0., Joel Hall,
John Thomas, John T. Smith, John
Schultz; !<>., John Galt, Wm. Creager, Hi
ram A. Wolfe; il., Randolph G. Barrick,
George M. Shaw; Jacob H. Bowers, Geo.
W. Shanks; 12., Joieph Goodman, Ezra V.
Karn, Jas. M. Beecks, John Neid: I:'., Jo
sephus Long, John B. Slimniel; 14., W. H.
Latin, Thomas Johnson; !.>., Calain V.
Firor, Frederick White: 16., John Vi. Brau
denburg, Jas. W. VNorgau: 17., Daniel E.
Buckley,Thomas Jones: >B., 'Nathan Clary,
!hornlon Pool. Frederick S. Elary. Visita
toren des St. John's Lirerary Instituts
George R. Tennis, Edward Shrivcr, Joh
Ritchie. Bifttatorcn des Damenseminars
Wm. I. Roß, Thos. M. Wolf. Eoroncr,
Jsaac Tlttow. Ocssentticher Noiar, Henry
Williams, Wm. Watsh (Frederick City,-.
Staatszeugmeister-, Lawrence I. Brengle.
Die Agitation für die äk u
tarje > cr, - Vorgestellt Abend fand in der
Halle de Hauses eine Versammlung statt,
t um das Znleressc für die vrojektirte Säkular
fei Ulitex den Mitgliedern der Staatsacsetz
äevttng zü agitiren. Präsident Carroll von
dem Senat führte den Borsch- Gen. Hawley
von Connecticut, Gouv. McTormick von
Arizona. Oberst Botcler von West-Birginien
hielten Reden, außerdem waren noch die HH.
I. H. B. Latrobe und Ä. H. Corner vom
Baltimorer Comite anwesend.
Die Erweiterung der Stadt
gren z eü. — Das Spezial - Comite über
Ausdehnung der Stadtgrenzen hielt vorgestern
eine weitere Versammlung, in welcher Hr.
Gill eine Bill unterbreitete, die verfügt, daß
in der nächsten Congreßwahl die Bewohner
des zu anncktirenden Gebiets darüber abstim
men sollen, ob sie zur Stadt zu gehören wün
schen, oder nicht. Hr. Fostcr beantragte, die
Bill am folgenden Tage günstig cinzubcrich
ten, die Baltimorer Delegation befürwortete
jedoch eine Verzögerung. Schließlich wurde
ein Vorschlag des Hrn. Keech angenommen,
daß die Bill einfach cinberichtet werde. Eine
bedeuteudcDelegationaus Baltimorc-County,
bestehend aus den HH. R. R. Boarman, C.
Bahn Slingluff, Georg Carman, Thomas
Moore und Ex-Scherisf Robinson, war in
Annapolis in Verbindung mit dieser Sache
anwesend.
Die Ver willigung für das
Taubstummen-Institut in Frcderick
von §125,000 ist trotz einer lebhaften Oppo
sition in beiden Häusern angenommen worden
und wird ohne Zweifel die Unterschrist des
Gouverneurs erhalten.
Gouv. Whyte scheint ein spezielles
Vergnügen darin zu finden, Bcto-Botschastcn
zuschreiben; wenn er feinen vollen Termin
ausdiente, könnte er wohl eben so viel Veto's
zusammenrechnen, als seine berühmten Calle
gen in dieser Branche, die Präsidenten A.
Jackjon und A. Johnson.
Die Petition des ' Lolleßw
ok Uliarmaov." Diese Anstalt hat bei der
Gesetzgebung eine Petition eingereicht um
eine Verwilligung von 815,000, damit sie in
den Stand gesetzt werde, die nöthigen Ge
bäude für das Institut und das mit demselben
verbundene Laboratorium errichten oder an
kaufen zu können. Die in derTenkschrift an
gegebenen Gründe, warum der Staat dem
Institute seine Hülse zu Theil werden lassen
sollte, sind sehr einleuchtend; dieselben lauten,
wiesoigt: 1., die Anstalt ist arm und hat
keine weiteren Revcnüeu als die Beiträge der
Mitglieder, welche kaum genügen, das Jiisti
tut in der sparsamsten Weise ausrecht zu er
halten; 2., der Zweck unseres Gesuches ist,
damit wir in den Stand gesetzt werden, dem
Publikum besser dienen zu können; 3., die
Gesetzgeber, sowie die Bürger des Staates
kennen die große Wichtigkeit einer gründlichen
Vorbildung für unseren Stand; 4. glauben
wir, daß kein llnterrichtszweig nützlicher für
das Publikum ist, als der, welcher auf ein
Geschäft vorbereitet, das so großen Einfluß
auf Leben und Gesundheit der Bevölkerung
ausübt; 5. sind wir überzeugt, daß die Ver
willigung für unsere Schule durch das Gute,
welches durch dieselbe erzielt werden wird, dem
Staate reichlich ersetzt wird; 6. sind wir be
strebt, ähnliche Anstalten in unseren Nachbar
städtcn keinen Vortheil über uns erlangen zu
lassen; 7. glauben wir endlich, daß durch diese
Anstalt eine unabhängige Staats-Antorität
über analytische Chemie geschaffen werden
wird, deren Mangel in den letzten Jahren sich
so schmerzlich fühlbar machte. Die Petition
ist von den HH. John T. Hancock, A. W.
Duke, Ferdinand Hasscncamp, N. Hynson
Jennings, L. Tohme und M. W. Donavin
unterzeichnet. Die Anstalt wurde im Jahre
1841 gegründet, seitdem hat dieselbe eine
Schule für Pharmacie nnd analytische Chemie
zugefügt erhalten; letztere leitet der tüchtige
deutsche Chemiker, Prof. Wm. Simons
Ein fetter Prozeß. Vor dem Ap
pellationSgerichte des Staates schwebt zur
Zeit der Prozeß des Staates Maryland gegen
die „Cnmbcrland-Penns.-Bahn-Compagnie."
Die Stadt verlangt von der Compagnie §lB,-
488.10 und 10 Proz. Strafgelder für nicht
bezahlte Tonnengcbühr, welche durch die Akte
von 1872, Kap. 274, auferlegt werden.
Die Erweiterung der Ttadtgrcnzen i
Wir warnten zur Zeit der Trennung des
Countys Baltimore in Stadt und County >
vor den Folgen, die einstmals diese, sowieso c
nur im Interesse von politischen Aspiranten e
vorgenommene Maßnahme haben würde.
Stadt und County als Gemeinwesen machten z
ganz gute Fortschritte, die Steuern waren :
richtig repartirt, und spezielle Gerichtstribu- :
uale, Gefängnisse, Schulbebörden n. s. w. s
überflüssig. Aber dic Politiker und andere x
Interessen setzten eine Trennung durch und >
heute haben wir Ursache, die Folgen zu bc- t
klagen. Das County entging den Lasten der c
Stadt und sicherte sich thatsächlich alle Bor >
theile des Munizipalwcsens, soweit es wenig- j
stens den bei Weitem werthvollsten Theil des >
Countys innerhalb des Bereichs von 2—3 i
Meilen vom Weichbilde der Stadt Baltimore s
anbetrifft. Unsere städtischen Geldmagnaten :
fanden es bald in ihrem Interesse, sich Land- i
Wohnungen anzuschaffen, ihr hiesiges Bür- ,
gcrrechl zu quittiren und ihrebeweglichc.Habc, j
ihren Aktien-Reichthum und andere Einnah >
mcquellen von der Besteuerung zu befreien, l
Und Baltimore- County, gewissermaßen das :
Pflegekind Baltimore's, kam dabei so gut >
weg, daß es heute mit einem Federstriche die j
Steuerfreiheit verkündigen könnte. Die Coun s
ty-Kasse hat einen Fond von §70,000 und i
mehr, und wenn das County noch Steuern >
erhebt, so geschieht dieses nur zum Scheine j
und um die Schwarzseher und vielleicht auch s
noch andere Leute zufrieden zu stellen, die be- >
fürchten, daß es früher oder später doch wieder
an Moneten fehlen möchte. I
Die Stadt aber hat heute ihr liberales Vor >
gehen zu büßen. Wasser, Gas, Polizei,
Tchnlen, u. s. w. kosten viel, viel Geld, wie >
überhaupt Alles hier zu Lande nach einer er
stcn gewichtigen Ziffer einer Menge Nullen
bedarf, damit Niemand zu kurz komme. Nun ,
möchte man gern einen Theil des Countys
Baltimore wiederhaben, aber die Nachbarn j
wollen nicht. Ter 'Appell an ihre Liberalität ,
hat bis dahin Nichts gefruchtet und in An- z
napolis haben es die Couittylcutc nur zu ,
wohl verstanden, ihre Interessen mit denen der s
anderen Countys zu verbinden und jeden An- j
trag, dic Frage des WiedcranschlnsscS der be- >
nachbarten Theile des Countys an die Stadt :
zn hintertreiben. Wiederholt antjchambriren j
die Vertreter der Stadt in Annapolis, daß
man doch ein Einsehen haben möge; sie sor
dcrn den Stolz der Solone Maryland's her
aus und weisen daraus hin, daß die Einen ,
gnng Baltimore's, welches früher dic dritte j
Stadt der Union war, diese bereits zur sechs- >
tcn gemacht hat und bald zur sieb:men und ;
achten machen würde, aber dort unten ani Sc ,
vernslnsse und in den heiligen Hallen der Ge- >
setzgebung kennt man keine Rücksichten und :
rechnet den Baltimorern vor, daß zwischen ,
§1.63 und 60-70 Cts. pro 100 eingewaliiger >
Unterschied sei. Wolle man absolut annek s
tiren, so möge man das ganze County neh- ,
men und eine stufenweise Steuer einführen,
ein Vorschlag, der unpraktisch und gerade des- ,
halb unausführbar ist, Alles, was die County-
Hcrren vorgesehen haben. Und doch ist das i
Betragen von Baltimore-Connty ein ungchö- >
riges und unbilliges.
Es genießt, besonders innerhalb der un
mittelbaren Nachbarschaft, alle Vortheile des ,
Gemeinwesens, ohne dessen Lasten zn tragen.
Unsere Geldmagnatcn ziehen ans ihren Ge
schäften in der Stadl riesige Revenüen und
der Unbemittelte und minder Wohlhabende
muß dafür dic Haut zn Markte tragen. Aber
es giebt zur Zeit leider leine Repressalien, um
die Ersteren zur Raison zu bringen. Aller-,
dings können wir ihnen Gas, Wasser, Lösch
Mannschaft, Polizei ze. vorenthalten, ihnen
die öffentlichen Schulen verschließen und ahn
lichc Privilegien versagen, aber Gas, Wasser
und Schulen können die County - Leute leicht
ersetzen, die Vorenthaltnng des polizeilichen
Schutzes wird in Frage gestellt, da faktisch die
Polizei ein staatlichesJnstitut ist, und Brände
im County sind für die Stadt ebenso gefähr
lich, als sür unsere Nachbarn selbst. Man
lacht sich also in's Fäustchen und spottet un
screr Ohnmacht. Soll das so bleiben? Soll
die einmal begangene Sünde der Trennung
sich ewig rächen ? Baltimore ist die Metropole
des Staates, ihr Wachsthum, ihr Gedeihen
werfen ein lebendiges und Helles Licht über
den ganzen Staat, ihr Fortschritt äußert eine
segnende Wirkung aus das ganze, mit dem
Namen Maryland bekannte Gemeinwesen.
Kleinliche Selbstsucht sollte davor in den Hin
ler , Gerechtigkeit und Billigkeit in den Vor
dergrund treten. Die Gesetzgebung Passire
einen "Luakliox Aal," welcher die Bürgerin
den anzuschließenden Theilen des Ccu'nty's
ermächtigt, über die Frage abzustimmen. Tie
Mehrzahl der von der Letzteren betroffenen
Bürger, und besonders der Mittel- und Ar
bciterstand, sind dafür, da sie die Vortheile
des Munizipalwcsenserkennen, aberdieMag
natcn des Geldbeutels, welche sich diese Vor
theile durch ihren Reichthum sichern können
und bedeutende -summen ersparen, indem sie
ihre bewegliche Habe der städtischen Besteu
rung entziehen, sind dagegen. So steht es
augenblicklich um die Frage der Erweiterung
der Stadtgrenzeii. Der kleine Bürger schiil
sich nach städtischem Schutze, der große kann
bequem ohne denselben fertig werden. Er
baut Wasser- und Gaswerke,' wenn ihn die
Stadt nicht versehen will; ererrichtetSchuicu,
oder schickt die Kinder in Colleges; er hält sich
Wächter seines Besitzthums und beschafft
Spritzen zur Löschung von Bränden und das
kostet ihm weniger, als wenn er von seinen
Millionen hohe städtische Stenern zn zahlen
hat. Der Fluch der bösen That der einst
maligen Trennung von Stadt und Count
rächt sich bitter. Wollen die Herren inAnna
polie ein Einseh-n haben, daß eine Acnde
rung geboten ist? Oder wollen sie es darauf
ankommen lassen, daß Baltimore ans Mittel
sinnt, um es den Gegnern des Anschlusses
suhlen zu lassen, daß ihre Opposition Folgen
herbeiführen muß. dic eben so schwer zu bc
siegen sein dürsten, als heute anscheinend der
Aiiichlnß bewerkstelligt werden kann.
Tages Neuigkeiten.
Präsident Grant hat soeben das Kriegsgc
richt ernannt, welches ain 3. Mär; zur Abur
thettung des „Freedmen's Bttrcan" -G e n e
rals O. O- Howard m Washington
zusammentreten soll. Gen. Sherman ist
Präses des Gerichts. Tie gegen Howard an
hängigen Beschuldigungen sind tandestnndig
und nicht ohne Interesse sieht man dem Re
sultate de Prozesse entgegen. Daß die
Ncgrophilen alle Mögliche versuchen wer
den, um Howard weißzuwaschen, kann man
stillschweigend von Mehreren annehmen.
Der Finanz-Wirrwarr ist im Eon
gresse von feiner Lösung so entfernt, als je.
Es fehlt thatsächlich an Staatsmännern, die
Licht und Erlösung in die Sache bringen
können.
Einen ehr guten Gesetzesvorschlag hat Hr.
Dawes im Congresie eingebracht. Der
selbe hebt alle Belohnungen für Revenüe-
und Zollamtsspitzcl ans und macht dem Miß
brauche ein Ende, ganze Waarenfendungen
zu confiszircn, weiln nur ein Artikel derselben
in der Faktur zu niedrig angegeben worden
ist. Bisher passirte es für §lOOO
Waaren dem Fiskus und den Spitzeln verfie
len, wenn nur ein Artikel, kaum §5O werth,
in der Faktur falsch verzeichnet war.
JayCookesiCo's. Schuldscheine wer
den jetzt an verschiedenen Orten zu 35 Cts.
pro §l aufgekauft.
In der ersten, vorgestern in Philadel
phia stattgesundcneii Versammlung des Da
men-Exekmiv-Comite's der Säkularfeier wur
den §34,340 als das Resultat der bisherigen
Sammlungen angezeigt.
Congreßmann O Briden von Maryland
erwirbt sich hier viele Freunde durch feine
Bemühungen,den Eougrcß zu veranlassen, die
Verlegung des Naval - Asylums von Phila
delphia nach Annapolis herbeizuführen. Ad
miral Porter begünstigt Hrn. O'Brien's
Antrag.
InNew - Nork dauert der Ausstand der
Kappenmacher, mit wenig Aussicht auf Er
folg, weiter. Tic Ciganeumacher kehren
ohne Lohnerhöhung an die Arbeit zurück.
In denSParbankcnNew -?) ork 's
hat sich per allgemeine Nothstand soweit noch
nicht dunst eine Abnahme der eingelegten Gel
der bemerkbar gemacht. Wenn auch ein Theil
I der früheren Depositoren ihre Einlagen zurück
gezogen haben, so ist dagegen die Zahl deinen
yinzügekominenen eine ungleich größere, als
sie seit langer Zeit gewesen; so wurden in ei
ner derselben seit Januar 1390 neue Conti er
öffnet und nur 338 abgeschlossen. Ein fast
gleiches Verhältniß zeigt sich bei allen anderen
Sparbanken.
In der Gefctzgeb nn g von Pen n
sy loanien ist schon mehrfach die Aushe
bung des heillosen dein Staate Pennsylvanien
aufgebürdeten „Local-Option"-Deinpcrciizge
sctzes in Anregung gebracht worden. Gegen
über dem mächtigen Einflüsse des Demveren;-
Elements wagte jedoch die Gesetzgebung ein
selbstständiges Vorgeben in der Angelegenheit
nicht nnd versteckte sich einstweilen hinter der
Behauptung, daß die Befngniß zum Wider
ruf des Gefctzcs nach den Bestimmungen der
neuen Staatsverfassung zweifelhaft sei. Man
beschloß daher, vor fever weiteren Verhand
lung in der Sache das Gutachten des Gcne
ralanwalts von Pennsylvanien über diese
Rechtsfrage einzuholen. Dieses Gutachten
hat der Geiicralanwalt der Gesetzgebung nun
mehr eingesandt, und dasselbe ist dahin aus
gefallen, daß die neue Verfassung dem Wider
rufe keinerlei Hinderniß in den Weg stellt.
General McClellan schreibt zur
Zeit für „Harper's Monthly" eine Reihe von
Artikeln über die verschiedenen Armee-Orga
nisationen der ganzen Welt.
Im Betreff der Untersuchung des
Justiz-Departements erfährt man,
daß der Antrag des congressionellen Comite's,
Zeugen vorladen zu lassen, bei den Radikalen
des Unterhauses, mit dem Sprecher an der
Spitze, auf Widerstand stößt. Es fei das
eine unerhörte Beleidigung des Gencral-Än
walts Williams und nicht zulässig. Hr.
Speer von Penns., Demokrat, hat demzufolge
resignirt. Tie von Williams vorgelegten Pa
piere genügten ihm nicht, um den Diebereien
im Justiz - Departement aus den Grund zu
kommen.
Im Congresse ist der Vorschlag gemacht
worden, im Interesse der Ersparnis alle
Pension s-A genturen abzuschaffen und
die Pensionen durch Anweisung aus den Un
terschatzmeister oder RcgicrungS-Bauken aus
zahlen zu lassen.
Alex. H. Stevens leidet an der Nie
ren-Neuralgie.
In New - Nork nimmt der Enthusias
mus zur Unterstützung der Armen eher zu, als
ab. Neun Gesellschaften haben nicht weniger
als K154M4.5S vertheilt.
Die Temperenz lcr erklären dasFabri
ziren, Ausschenken oder Trinken von Vier,
Wein, Whiskey zc. für eine Sünde und ein
Verbrechen, das Verfolgung und Strafe nach
sich ziehen sollte. Und doch legt der Congreß
einen schweren Eingangszoll auf solche Ge
tränke, schwere Inland Steuer auf Bier und
Whiskey, und läßt sich von Wirthen und Li
quorhändlcrn eine namhafte Gewerbesteuer
bezahlen. Thatsächlich bilden die Abgaben
den Hauptposten der Bundcs-Einnahmen.
Ohne die Bier- und Whiskey - Steuer würde
der Bundesschatz in sechs Wochen bankerott
sein. Wenn das Brauen und Brennen, das
Ausschenken und Trinken von Bier, Whiskey
und Wein nun eine Sünde und ein Verbre
chen ist, so ist es klar, daß unsere Regierung
durch Süude und Verbrechen unterhalten
wird. Temperenzler, wenn sie keine Heuch
ler sein wollen, sollten daher sofort auf die
Abschaffung der Bier- und Whiskeysteucr hin
wirken. Die nächste zu lösende Frage wäre
die: wie soll dieser Ausfall an Steuern er
setzt werden und was soll man mit dem Korn
und mit der Gerste machen, diejetzt von Bren
nereien und Brauereien consunnrt werden?
Um solche wirthschastlichc Fragen kümmert
sich freilich der Fanatiker nicht; er schleudert
Steine, ohne ihre Wirkung zu berechnen.
In New Zjork ist ciii ungeheurer Luft
ballon aus Paris eingetroffen, aber nicht per
Luft, sondern zu Wasser, welcher nach San
Franzisco geschickt und dort zu wissenschaft
lichen Zwecken benützt werden soll.
In Moniloba wurde Niel, der bekannte
Insurgeutcnführer, mit überwältigender Ma
jorität in das canadische Parlament erwählt.
Trotz des sich täglich in den Debatten
des Eongresses wiederholenden Norh
schreics, daß endlich der Verschwendung und
dem Mißbrauche öffentlicher Gelder Einhalt
geschehen minsc, ist noch kein einziger prakti
scher Plan aufgetaucht, um eine Reform her
beizuführen. Hr. Dawes von Massachusetts
legte in einer soeben gehaltenen Rede auf's
Neue den Krebsschaden bloß, aber ein Ret
tungsmittcl vermochte er nicht vorzuschlagen.
Seit dem Kriege hat der Unfug mit jedem
Jahre größere Dimensionen angenommen und
jeder Zweig der Verwaltung protestirt heute
gegen die Einschränkungen, welche unsere kläg
lichen Finanzverhältnisse so dringend gebie
ten. Das Haupuibcl beruht in der indivi
duellen Verantwortlichkeit der Beamten, wel
che die öffentlichen Gelder mehr als ihr Pri
vat-Eigenthum, als das des Landes und des
Volkes betrachten. Wir haben kein Ministe
rium, das dem Lande verantwortlich ist und
jeder Betrug, jeder Unterschleif, jede Ber
schwendung fällt nur auf Unterbeamtcn zu
rück, die gemeiniglich unbestraft entkommen,
während die Steuerzahler den Ausfall aus
ihrer Tasche gut zu machen haben. In der
Verantwortlichkeit eines jeden Departements
Chefs beruht das alleinige Heilmittel. Rich
tig bcmcrkr ein Correspondent: „Trotz aller
Rügen über den Mißbrauch der öffentlichen
Gelder und der nenlichen Aufdeckung der
Handlungsweise des General-Anwaltes ist es
eine notorische Thatsache, daß die Familien
vieler Beamten (in Washington) sich nach wie
vor in Pracht - Equipagen, welche ans der
Landeskasse bezahlt werden, sonnen und allen
Beschwerden über ihre Unredlichkeit mit Hin
Weisung auf ihren Partei - Einfluß Hohn
lachen."
Das mit der Untersuchung des Ber. St.
Iu st iz - De p artcm ents betraute con
gressionelle Comite ist eifrigst an der Arbeit.
Bereits hat man große Unterschlcife in Ar
kansas, wobei auch mehrere dortige Rational-
Banken involvirt sind, entdeckt. Wäre nun
Hr. Williams, der Chef des Departements,
dafür verantwortlich, so hätte man einen Halt
Punkt zur Wiedererlangung der Gelder, oder
doch wenigstens zur Bestraninq des Jiiculpa
ten, so aber fällt die Responsibilität nur auf
die Häupter von Unterbcamten, denen es mir
Hülfe ihrer corruplen Helfershelfer ein Leich
tcs sein wird, ihren Hals aus der Schlinge zu
ziehen.
Die Aussichten der Phi l a de l p hi a'er
Säkularfcier werden täglich schlechter.
Wenn die Pennsylvanicr nicht selbst in die
Tasche greifen, so wird aus der Ausstellung
wohl Nichts werden. Das Land selbst hat
bis dahin auf den Hülseruf der Philadelphia'er
nur mit Achselzucken erwidert. Es heißt jetzt,
daß wenn der Congreß nicht mir wenigstens i
Mick. Dllrs. das Unternehmen auf die Beine
bringt, die ganze Geschichte in die Brüche ge
hen wird. Wo sind die 10 Mtll. Dllrs.,wo
mit Philadelphia im Falle der Roth selbst
die Ausstellung ans die Beine bringen
wollte?
In Louisiana sollen endlich am 27. d.
MtS. die nun schon sechs Monate wegen
Ruhestörung in mehreren Countics des Staa
teS in Haft befindlichen Personen prozessirt
werden. Bisher hatte man sich geweigert,
Caution für das gerichtliche Erscheinen der
Arrestanten anznnehme. Die Prozessirung
findet vor einem Ber. St. Gericht statt.
Im Congresse ist nun auch eine Untersu
chung des P o st-C on tr akt -W e s ens anH
geregt worden. Gar viele Contrakre sollen
ohne vorherige Anzeige abgeschlossen worden
sein. Besonders soll in den Territorien die
ganze Postbeförderuug eine höchst faule sein
und das Geld der Regierung in erheblichem
Umfange in die Taschen von Leuten fließen,
die faktisch keine Dienste dosiir verrichten.
Der Achib. A. H. Stevens liegt in Wa
shington schwer erkrankt darnieder.
In R e w ?) o r k hat die "'lraller' Union"
beschlossen, gegen die Polizei Cominissärc und
ihr Verfahren bei der Arbeiter Veriaiiimluiig
auf Tompkins' Square klagbar zu werden.
Bon Camden, R. 1., wird angezeigt,
daß ans der „Rew Jenen südlichen Bahn" die
Augefiellien auf's Reue ausstehen, nachdem
alle Regociationcn zur befriedigenden Erle
digung derMißhelligkcilcn zwiichen der Bah
! Verwaltung und den Angestellten fehlgeschla
gen sind.
s In Re w Po r k venebie vorgestern Ten
nis.ttelland dem Michael Barry nnen lödlll
i! chen Stich in die Lunge. Der Mörder cnt
i > kam. Der Mord war die Folge eines Sirei
-lies, dadurch entnandeu, daß elland den
>" Barry beschuldigte, verbotenen Umgang mit
sein Frau zu Pflegen. Frau Kelland war
de, der That zugegen, rief aber nicht eher die
Polizei herbey vis sie ihren Mann in Sicher
heit wähnte.
In Lincoln, 111., ist eine deutsche Loge
der Granzer in's Leben getreten.
Bon St. Louis wird angezeigt, daß
Graf de Veroux 40,000 Acker Land an der
„Atlantic - Pacific - Bahn" in Newton-Co.,
Missouri, gekauft hat, um dort eine franz.
Colonie in'S Leben zu rufen. 500 Franzosen
sind bereits unterwegs.
Die neueste Kunde von Washington
geht dahin, daß die Befürworter einer Auf
blähung des Courants "abeack" sind.
Senator Carpenter hat im Congresse eine
Bill eingereicht, um für jeden Stimmplatz iu
den Ber. Staaten einen Patentkastcn zur
Entgegennahme der Tickets zu belassen.
Der Kasten soll nur IS pro Stück kosten;
wenn man aber berechnet, daß einigeHuudcrt
tausend solcher Kästen nothwendig sind, so
kann man leicht die Bedeutung des "ckob"
ausrechnen, das Carpenter'Sßill dcmErfinder
zu sichern bezweckt.
Oberrichtcr Waite, Dienstag in Wash
ington eingetroffen, ist dort zur Zeit dcr„Lowe
des Tages." Tic Größen der Hauptstadt ma
chen ihm ihre Aufwartung und die einstmali
gen, zur Zeit ini Congresfc sitzenden Studen
ten des „Aale-College" wollen ihm zu Ehren
ein Diner veranstalten.
Der Unterhalt der Zollverwaltung in
Annapolis und Ost-Maryland kostete den
Ver. Staaten im letzten Rechnungsjahre
§6801.64, ohne daß dort auch nur ein Cent
eingenommen wurde.
Es heißt jetzt, dass eine Mehrheit des Ver.
Staaten-Senats-Comite's gegen die Bill ist,
welcher die Verlegung der ''C'icixevs' KaliomU
liunk" von Hagerstown nach Washington er
laubt.
In New-Orleans benutzt man mit Er
folg atmosphärische Lokomotiven zum Trans
porte der Stadlbahn-Waggons.
In Philadelphia will der besiegte Mc-
Clurc die Erwählung des Radikalen Stokcley
als Mayor bestreiten.
lieber eine Hälfte der inChicago errich
teten neuen Gebäude soll obnc Miether fein.
Der Hafcn-Collektor von Boston machte
mit zwei Unterbcamten im verflossenen Jahre
den hübschen Nebenverdienst von 850,(XX).
Kein Wunder, daß Ben Butler einem seiner
Satelliten das Amt zu verschaffen sucht.
In Jeffersonv ille, Ind., gelang es
den Temperen; Zelotinnen, Hrn. A. Walter
bung und Richter Dunham vom Eriminal
gericht zum Unterzeichnen des Gelübdes, nicht
wieder trinken zu wollen, zu bewegen. Es
versteht sich von selbst, daß ihnen das Wasser
trinken nicht untersagt ist.
In New-Ä) ort landeten 1873 270,516
Einwanderer, darunter 101,900 Teutsche.
Im Vergleiche zu 1872 hatte die deutsche Ein
Wanderung um 26,130 abgenommen. In
den letzten 10 Jahren landeten im Ganzen in
New-Ljork 2,332,577 Einwanderer, darunter
952,397 Deutsche.
Garrel G. Bantie von Paramus, welcher
sich am Samstag verheirathete, hat sich am
Sonntagein Paterson, N.-J., erhängt.
Die Ursache der That ist unbekannt. Als ihn
seine junge Frau am Sonnrag schreiben sah,
fragte sie ihn scherzhafter Weise, ob er sein
Testament aussetze, worauf er mit Ja antwor
tele, und so war es in der That.
Das „Herr g otts -Amend em cn t,"
von der weiland Pittsbnrgcr Convention in
Vorschlag gebracht, ist Dienstag in der resor-
Mirten Presbytcrianerkirche, Ecke 23. Strasse
und 8. Avenue, New-Aork, „ratifizirt" wor
den. Dr. Cheever, Dr. Cravcn und mehrere
Herren, welche Mitglieder der Pittsbnrger
Convention waren, hielten Reden, in welchen
sie die absolute Nothwendigkeit, den Herrgott
durch die Bundesverfassung anerkennen zu
lassen, darznthun suchten.—Es regt sich wieder
einmal allenthalben der Geist der Liberalität
und Gedankenfreiheit.
Während die Einfuhr in Folge der schwan
kenden Finanz-„Politik" des Congrcsses erheb
lich abgenommen, hat die Ausfuhr sich bedeu
tend günstiger gestaltet. So wurden allein
von atlantischen Häfen im Januar für 6 Mill.
DUrs. mehr Waaren exporlirt, als im Paral
lel Monate des letzten Jahres. Die Ausfuhr
Baltimore's erreichte im Januar §2,709,486
gegen §1,687,746 im Parallcl-Monatc des
letzten Jahres.
Ueber die Frage der „ Papier-Con
rant - Ausblähung " ist man jetzt soweit
im Congresse gediehen, daß die An- öder Ab
wesenheit von 2—3 Senatoren die Frage pro
oder eonira entscheiden dürste. Ein trauriger
Trost für die Freunde einer endlichen Rück
kehr zu einer gesunden Finanzbasis.
Mit 135 gegen 120 St. beschloß vorgestern
das Unterhaus dcs Co ngress es, daß
W. W. Wittshire prima, taeis zu einem Sitze
als Vertreter des 3. Distriktes von Arkansas
berechtigt sei. UebrigenS gab das Wahl-Co
mite zu, daß wenn man die Angelegenheit in
ihrer ganzen Tragwette hätte prüfen können,
jedenfalls Hr. T. M. Gunter als gesetzmäßig
erwählt erklärt worden sein würde. Tic mo
mentane Zulassung Wiltshire's gebe dem Co
mite dazu die Gewalt und das Resultat dürste
ungünstig für W. ausfallen. Des Pudels
Kern isft daß durch dieses Verfahren dem
Wittshire volle Zahlung als Congreßglied gc
sichert wird, einerlei, ob derselbe bleibt oder
nicht. Ein Antrag zur Reconsideration fiel mit
117 gegen 116 St. durch. 15 Congreßglieder,
darunter Wilson von Maryland, waren ab
wesend, und tragen die Schuld, daß doppelte
Congreßzahlung für den 3. D istrikt von Ar
kansas gewährt worden ist.
Wiederholt machten wir Mittheilung über
eine von Rußland nach den Ver. St. bevor
stehende Massen-Einwanderung von Men
no n i t en. Congreßglied Smith von Lancastcr,
Pennst, stellte unlängst dem betreff. Comite
eine Deputation seiner Constitneitten vor, die
im Namen von 45,000 russischen Glaubens
brüdern um eine Landschenkung zur 'Nieder
lassung in den Ver. St. nachsuchen. Von
Canada aus seien ihnen bereits 16 Townships
und 30 Reisegeld für jeden Ankömmling an
geboten worden, aber die russischen Mennoni
ren zögen die Ver. St. vor und ein Landstrich
in Idaho oder in einem andern westlichen Ge
biete würde annehmbarer sein. Tas Comite
des Unterhauses scheint den Mennoniten ge
wogen zu sein.
Vom 1. Juli 1862 bis zum 30. November
1873 sollen aus Straf- und andern
Geldern in die Taschen des Hasen-Einneh
mers von New-chork nicht weniger als §407,
243.07, in die des Naval Offizier §324,058.
64, in die des Surveyors 301,213.61 und
in die anderer Zollamis-Angestellren verhält
ittßmäßig evcnso große Summen geflossen
sein. Wenn man zn obigen Beträgen noch
das regelmäßige Salär der Beamten schlägt,
so kann man daraus entnehmen, wie schwer
das Voll für die Bürcaukratie des Landes
blechen muß.
InGalena, Jll., starb letzte Woche Joh.
G. Potts, einer der ältesten Odd-Fcllows in
den Ver. St. Er trat 1825 zur ersten in
Philadelphia gegründeten Loge, wurde 1820
Meister der Großloge von Penittylvanien und
1836, gemeinschaftlich mit Geo. M. Tallas,
auf Befehl der Staatsgesetzgebung als Mit
glied einer geheimen Gesellschaft verhaftet.
Er ging 1833 nach Galcna und war mehrere
Jahre Gchülss-Groß-Sire des nordwestlichen
Distriktes der Ver St.
Die bereits gebrachte Nachricht, daß eine
Wallfahrt amerikanischer Katho
liken nach Rom projektirt wird, findet
in den N.-A. Blättern vollkommene Bcstä
tigung. So hat der Erzbischof von New
Port dazu seine Einwilligung gegeben, und
das ~N.-?). Catholic Review" sagt: „Von
'Anfang an stützten sich unsere Befürchtungen
für eine erfolgreiche Ausführung auf die
Schwierigkeit, eine geeignete und hervor
ragende katholische Orgainiation zn veran
lassen, sich den ernsten und verantwortlichen
Pflichten der Leitung eines solchen Unterneh
mens zn unterziehen und die kirchlichen Bc
Hörden zu überzeugen, daß ein so wichtiges
Vorhaben so ausgeführt werden könne, um
den Katholiken Amerika's zur Ehre zu gerei
chen und jene Resultate zu erzielen, welche in
frommer Weise die Unternehmer in's Auge
faßten. Dieses ist nunmehr geschehen." Des
Wettern sagt das „Review," daß die ' Vslkv
li-- Union" von Newpje Leitung der
Sache übernommen lind Erkundigung im
! Lande eine aufmunternde Antwort ergeben
habe. Demzufolge sind jetzt die Vorberei
tungen im Werke und, wie verlautet, soll
schon Mine Mai die Wallfahrt nach Rom
zur Ausführung kommen.
In Charlcston, S.-C., kamen vor eini
gen Tagen 200 Einwanderer anfeinem Dam
pfer an; darunter 80 Deutsche, 20 Franzosen,
20 Schweden und 80 Jrländer, Schotten und
Engländer. Es war eine schwere Arbeit, allen
diesen Leuten Plätze zn verschaffen, sie zu sor
tiren und unterzubringen, aber in 10—12
Stunden war Alles besorgt. Die Deutschen
und Franzosen waren in demselben Gasthause
einquartiert, wo sie, nachdem sie gegessen und
getrunken, ihre Nationallieder sangen. Auf
einem großen Holzhaufen im Hofe saßen die
Deutschen und sangen die „Wacht am Rhein,"
während ans einem gegenüberliegenden Holz-
Hausen die Franzosen die „Marseillaise" sau
gen, wobei Alles friedlich abging, obgleich
viele darunter waren, die sich im letzten Kriege
feindlich gegenüberstanden. ,So bemerkte ein
junger Franzose, der ziemlich gut Teutsch
sprach: „O, ich habe das Teutsche vom Kai
ser Wilhelm gelernt, ich war sechs Monate
Gefangener in Deutschland."
Bei der vorgestrigen Senats Debatte über
die Finanzsrage waren Loga, Morton
und Ferry sür, Schurz, Sherman und Scott
gegen die Eonranl-Ausblähung. Hr. Schur;
bemerkte, daß alle großen Leitungen des Van
des gegen die Ausblähung seien. Tas brachte
Hrn. Logan aus die Beine, der sich dahin
äußerte, daß es ganz gleichgültig iei, was die
Wettlingen sagten. Die abschwellende Frage
betreise die Bedürfnisse und Rechte des Volkes
n. s. w. Tb Ehrcu-Logan wohl ohne die
Hülse der Zeitungen Heine im Vcr. St. Se
uale siven würde?
Pitlshurg hat uns ein neue? Opfer
der „Rebellen A rchivc n" geliefert. F.
R. Guthrie, soeben demokratischer MauorS
Eandisal, hat seine Niederlage allein einem
Briese Sanders' ;u verdanken, worin dieier
mittheilt, daß G. 1861 sich an emer sezessio
lntti'chen Eoitteren; der H.H. Davis. Beeckiii
ridge, Floyd u. A. llelhettigre.
Telegraphische Depeschen.
Europäische Kabelberichte.
Ttkchand.
Berlin, 18. Febr. Der Bischof von
Metz, Reichstagsmitglied, bat heule den Prä
sidenten, daß ihm ein Dolmetscher beigegeben
werde. Seine Bitte wurde abgeschlagen.
Der von einem clsäfser Devutirteil einge
brachte Vorschlag, man möchte dem Elsaß und
Lothringen überlassen, durch eine Volksab
stimmung über ihre Nationalität zu entschei
den, wurde mit ungeheurer Majorität vcr
warfen.
Berlin, 18. Febr. — Während einer De
batte, welche in der heutigen Reichstags-
Sitzung über den Vorschlag geführt wurde,
der Provinz Elsaß Lothringen ein Plebiszit
zu gestatten, unterstützte der eljässische Dcpu
tirte Hr. Jatsch diesen Vorschlag durch eine
heftige Rede. Im Verlaufe der Rede sagte
er, Deutschland habe die Prinzipien verletzt,
welche für alle eivilisirtcn Nationen bindend
sein sollten. Seiner Ansicht nach sei die An
nexion von Seiten Deutschland's ungesetzlich.
Er sagte; „Wir sind hierher gesandt worden,
nm unsere Liebe zum französischen Vaterlande
zu erklären,und Ihre Gewaltthat hindert uns,
Sie als unsere Brüder zu betrachten.
Schwei,.
Bern, 18. Febr. Eine Amerikanerin,
Frl. Brewood, hat das gefährliche Unter
nehmen ausgeführt, den Gipfel der Jungfrau
zu ersteigen.
London, 18. Fesr. Hr. Disracli kam
heute Mittag hier an und begab sich sogleich
nach dem Rcsidenzschioß. Große Volksmas
sen versammelten sich an allen Stationen,
welche er passirte.
London, 18. Febr. Alle ParlamentS
wahlcn, ausgenommen eine in Wexford, sind
gehalten worden. Im klnterhaufe werden 348
Conservative und 302 Liberale und Anhänger
der „Home-Rnle"-Partei sitzen.
London, 18. Febr. Obgleich die Rui
nen des Pantechnikums, welches am Freitag
Abend abbrannte, noch rauchen, haben die
Vcrsichernngs-Gesellschaften in den Trüm
mern schon 'Nachforschungen anstellen lassen,
und zahlreiche Pokale und Juwelen, welche
in dem Gebäude aufbewahrt wurden, find un
versehrt geborgen worden. Tausende von Zu
schauern sehen der Arbeit zu. Es heißt, eine
der durch die Fencrsbrnnst betroffenen Vcrsi
cherungs - Gesellschaften werde ihre Verluste
nicht decken können.
L on d o n, 18. Febr. Das Befinden des
Erzbischofs von Canterbnry ist besser.
Zu Lecds brannte gestern eine große Baum
woll-Spinncrct ab. Der Verlust wird auf
§350,000 geschätzt. Ans Tundce und Shiclds
laufen Berichte über große Feucrsbrünste ein.
Tie indische Regierung tclegraphirt, daß
jetzt reichliche Vorräthe vorhanden seien, um
der Hungersnoth zu steuern.
London, 19. Febr.—Tie „Times" mcl
det, der Earl of Derby werde Staats-Tekrc
tär des 'Auswärtigen und der Marquis of
Salisbury Staatssekretär inr Indien werden.
Es ist wahrscheinlich, daß Hr.Disraeli heute
Abend das neue 'Ministerium vollzählich ha
ben wird.
Es heißt, dem Marquis von Wcstminster
solle der Herzogstilcl verliehen werden.
London, 19. Febr. Hr. Disracli wird
morgen nach Windsor gehen und der Königin
die Liste der Mitglieder des neuen Ministe
rinms vorlegen. Die Königin wird am Sam
stag einen Staatsralh halten, bei welcher Ge
legenheit die Resignation Gladstone's und
seiner Collegen förmlich angenommen und
die Amtssicgel dem neuen Mmisterium über
geben werden.
Gladstone hat der Königin den Vorschlag
gemacht, Charles Read, früheres Parlaments
Mitglied für Hackncy, zum Ritter zu schla
gen.
Paris, 19. Febr. Hiesige Blätter
bringen ausführlich die vom General Moltke
ini Reichstag über die Armee-Angelegenheit
gehaltene Rede und betonen, daß die Situa
tion ernst sei.
Krieg zwischen Vgftpten und Tarsur.
London, 18. Febr. —Eine Depesche vom
14. Febr. ans khartoum berichtet, daß der
Sultan von Darfur in das egyptische Gebiet
einfiel und eine Anzahl Personen zu Skla
ven machte. Der egyptische Gouverneur
Zabia Bey rückte ihm entgegen und schlug
ihn, der Großvezier von Darfur und viele
Häuptlinge fielen, und vier Kanonen wurden
Inland-Depeschen.
Die Geld-Eirkulation europäischer
Mächte.
Washington, 18. Febr. In Folge
vielfacher 'Anfragen an den Che? des statisti
schen Büreau's, wie viel Geld in den euro
päischen Staaten, namentlich in England,
Frankreich und Deutschland im Umlauf sei,
sind die veröffentlichten amtlichen Statistiken
untersucht worden. Das Ergebniß dieser Un
tersuchung ist folgendes: Am Schluß des
Jahres 1872 waren in dem vereinigten König
reich von Großbritannien und Irland an ge
prägtem und Papiergeld Ki 11,239,000, ober
K56,4"j,540 Golb in Umlauf. In Frank
reich ei.inline am Schluß des letzten Jahres
6,047,727,206 Francs, oder 1,200,545,411
Gold. Das deutsche Volk hat 785,594,504
Thaler oder §557,772,008 Gold in Händen.
Die deutsche 'Regierung hat in den letzten
zwei Jahren etwa 334,00",000 Thaler in
Gold prägen lassen.
Ter Bundesdampfcr „Dictator."
Washington, 10. Febr. Tie amt
liche' Nachricht von der Ankunft des „Dicta
tor" in Key-West ist hier eingetroffen. Ter
Dnnipier ist unbeschädigt.
Die Hraucu wollen keine Steuern
zahle.
Wore est cr, Mass., 10. Febr. Stephen
und Abbie Kelly Foster, Fr!. Sarah Wall
und Frl. Marielta Flagg weigerten sich,
Steuern zu zahlen, wett Damen nicht stimm
berechtigt seien. Ihr Eigenthum wird mar
gen zum Verkauf angezeigt werden. Heute
wird hier eine Versammlung abgehallen, um
gegen das Gese zu vroicstiren. Tie Ge
schwister Smith aus Glastonbnry waren heute
'Morgen hier und hielten Reden.
EntsckicidttUtt eines langwierigen
Prozesses.
Pro vi de nee, N. J., 10. Febr. Im
Bnndesbczirts Gericht gab Richter Clissord
heute in dem Prozesse der Frau JameS gegen
die „Atlantic Delain Comp." eine Enrschci
düng ab, durch welche die sich auf 688,000
belauseuccu Ansprüche der Klägerin als gültig
anerkannt werden. Ter Prozeß schwebt seit
15 Jahren und wird nun möglicherweise vor
das Ober Bundesgericht gehen.
Zuchthaus ans Lebenszeit.
Bnsfalo, N. ch., IN. Febr. Michael
McKeon, welcher seine Frau ermordete, ist zn
lebenslänglicher Zuchthausstrafe venirthettt
worden.
Zum Tode vcrurtheilt.
Alban h, 3k.-ch., IN. Febr. Tie Ge
schworenen im Falle Löwcnstein's, des Mör
dcr's Weston's, gaben heute ihr Verdikt ab,
welches aus Mord im ersten Grade lautet.
Löwcnslein soll am 10. April gehängt wer
den.
fälsche? verhaftet.
New-chork, 13. Febr. —Stephen Ray
mond, welcher mit einer Anzahl Anderer im
vorigen Sommer in Wallstraße und anderen
Gegenden gefälschte Werthpapiere umsetzte, ist
in Begleitung eines Geheimpolizisten von
England hier angekommen und in den Tombs
abgestiegen. Tu Bande setzte gefälschte Ob
ligationen der „Central," „Bnssalo-" und
„Eriebahn" zum Betrage von über 500,000
in Umlauf und stand im Begriffe, den Marti
durch einen großartigen Betrag ebenfalls gc
sälschter Obligationen der „Western Union
Telegraph Comp." unsicher zu machen, als
sie entdeckt wurde. Dr. Alvah Blaisdell, der
sich dadurch, daß sein Name mit dem Cun
ningham Burdell Morde in Verbindung ge
bracht wurde, einen traurigen Ruhm erwor
bcn hat, und welcher, weil er Whiskey-Destil
lation ohne Couzcssion betrieb, einen unfrei
willigen 'Aufenthalt in Sing - Sing nehmen
mußte, ist ebenfalls verhaktet worden. Es
soll ein großer Theil der gefälschten Obliga
tionen in seinem Hause angefertigt worden
sein. .
Selbstmord.
New-Pork, 18. Febr. Ter Wächter
Nikolaus A. Schwelsch wurde heute Abend
mit einer Schußwunde in der rechten Brust
im Hosraumc der „Hndson-Rivcr-Bahn," am
Fuße der West 30. Straße, gefunden. Er
starb kurze Zeit, nachdem er in's Stalions
haus gebracht worden war.
Ein Polizist wandert in's Zucht
haus.
New - Ljork, 18. Febr. —ln den Gene
ral-Assijen wurde der Polizist Slattcrh heute
zu 74 Jahren Zuchthaus verurtheill, weil er
einen ehrenwenhen Bürger angegriffen hatte
in der Absicht, ihn zu todten. Statten, mar
betrunken, als er das Verbrechen beging, er
schlug den Kläger in fürchterlicher Weise und
würde ihn gelobtet haben, wenn nicht ein
vatrouiUircuder Polizist dazwischen gekommeu
wäre.
Zum Attien-Börsen-Zchwindcl.
R c w - ?> o r k, IN. Febr. A. D. E.
MeKau, ein Aktien Spetulant, von dem es
hieß, er habe bei dem am Dienstag vennchleu
Schwindel au der AklienbZrse 850.000 ge ,
wounen, erschien heure vor dem leitenden!
Comite und bchaiivtele, nr §7OOO gemacht >
zu hallen. Er sagt, er habe vor 2 Monaten i
einen anonymen Blies bekommen, in welchem !
er den Rath erhalten habe, sein baarc? Geld
sür Spekulattoiiei! in Bereitschaft in balt.'n:
und au denistsiorgeu, an welchem diögefliüch
>en Briese au die Börse geschult seien, seien
bei ihm zwei Briese abgeliefert worden,welche
! iim aiisiorderten, ohne Verzug aus der „St.
l Richolas-Bank" vorzusprechen. Er sei hin
! gegangen und habe einen lungen Mann ge
! Nossen, welcher ihn von der beabsichtigten
Vermehrung der Aliien der ..Voenerullnioii "
! und „Toielv , Wabaih nndWestern Comp."
j unterrichtete und vorgab, an Hrn. Wheelock
s adressiere, von den Viundemen dei genannten
! Coinvagnie'ii geschriebene Briese gesehen zu
habent Hr. '.bieKay >ci dann an die Börse
geeilt, habe seinem Mäkler einen nnbedevten
dea Auftrag gegeben und ander Austräge,
welche sich auf ungefähr 7000 bcliefen, ge
geben, als er gesehen, daß die Briefe abae
gcben wurden. in dem leitenden Comite
jetzt behülftich, den Fälscher aufzuspüren.
VermischteDepcschen aus
In sind drei Jndi
vlduen, welche ?n dem Verdachte stehen, in die
Ermordung der Wittwe Dilles verwickelt zu
fein, verhaftet worden.
Bae; von San Tomingo
,st nach Washington abgereist.
New - No r k 19. Febr. - John E. Sim
nions' welcher N.cholas W. Turyea tödtete
und des Todtichlags im dritten Grade schul
dig befunden wurde, ist heute zu 34 Jahren
Zuchthaus,träfe bei harter Arbeit, iu Sinq-
verurtheilt worden.
DanielKcUy, einer der inaskirten Diebe,
welche den Raub zu Neu-Rochelle begingen,
ist nach kurzem Prozesse zu 20-jähriger Zucht
hauSftraic bei harrer Arbeit vernnheilt worden.
ic sterblichen Ueberreste des in Theater
neigen wohlbekannten A. H. Davcnpon wur
den Heine Nachmittag auf dem Greenwood-
Cemetery bestattet. Unter dem zahlreichen
Gefolge befanden sich hiesige nnd Brooklyncr
Schauspieler nnd Schauspielerinnen nnd Mit
glieder der New-Sjorkcr Loge der „Odd-Fel
lows, Nr. 330." " v
Die kaiserlich-chinesische Commission,
welche ernannt ist, um den Zustand der Kulis
aus Euba zu untersuchen, kam heute von Wa-
Ihington hier an und wird in einigen Tagen
nach Euba Weiterreisen. Unter den Herren ist
auch ein Deutscher, Alfred Huber, Zöll-Com
missär von Tientsin.
Die Wahlen in Pffitadclptia.
Philadelphia, 18. Febr. Stokelev
wurde mit einer Majorität von 10,860 Stim
men zum Mayor erwählt. Der Stadt-Pro
knrator erhielt eine Majorität von 12,518
und der Steuer Einiiehmcrvon 13,966 Stim
men.
Die Sektion der siamesischen
Zwillinge.
Phila d cl p hia, 17. Februar.—Gestern
begannen die Aerzte, die mit der Sektion der
Leichen der siamesischen Zwillinge beschäftigt
find, mit dem interessantesten Theil ihrer Auf
gäbe. Tie Eingeweide, Herz, Leber, Lunge
und die Berdanungsorganc waren bei beiden
vollständig ausgebildet und selbstthätig. Das
Brustbein ist bei beiden gekrümmt uiid durch
ein Gelenk in der Art des Ellnbogcns verbun
den, so daß ihnen eine thcilweise Bewegung
um die Verbindungsstelle möglich war. Nach
dem man die das Bindeglied bedeckende Hanl
gelöst hatte, zeigte es sich, daß eine Operation
zur Trennung der Zwillinge wahrscheinlich
den Tod beider zur Folge gehabt hätte, denn
die Blutgefäße des Unterleibs verzweigen sich
bei beiden in das Bindeglied und bilden dort
Adcrbündel, die mit einander in Verbindung
stehen. Zwei dieser Bündel gehören dem
Systeme Ehang's und eines dein Eng's au,
liegen aber derart, daß ein Schnitt durch das
Bindeglied alle drei hätte durchschneiden niüs
sen. Die Aerzte haben die Sektion noch nicht
beendet und werden nach Vollendung dersel
den den eingehenden Bericht in dem „Medi
cal-Journal" veröffentlichen.
Philadelphia, 18. Febr. Bor we
nigstenS 200 Medizinern wurde heute Abend
der Bericht über die Sektion der siamesischen
Zwillinge erstattet. Die Leichen der Zwillinge
waren auf einem Tische am oberen Ende des
Saales der medizinischen Fakultät ausgestellt.
Die Gypsabdrückc waren zur Haud uns wur
den nebst photographischen Bildern ndZeich
uungeu vom Dr. Pancoast-gebraucht, um sei
neu Bericht zu erläutern. Auch an den Leichen
erklärte Dr. Pancoast zahlreiche Punkte des
Berichts. Die versammelten Gelehrten bcknn
beten das lebhafteste Interesse während der
Bemerkungen, die Dr. Pancoast über gewisse
physiologische Eigenthümlichkeiten machte.
Namentliches Interesse cr-rcgte Das, was Dr.
Pancoast den fettigen Strang nannte, welcher
sich von der Schleimhaut des Magens fast
bis an das verbindende Glied erstreckte. Ab
normitäten am Nabel und an der Leber jeder
Leiche und sonstige anatomische Wunder hat
ten sich ans der Sektion ergeben. Obwohl
der wichtigere Theil der Sektion gemacht ist,
ist dieselbe doch noch nicht ganz beendet. Das
Herzfell und ohne Zweifel auch das Herz wer
den morgen sczirt.
Jutvclen-Di obstat l.
Philadelphia, 18. Februar. Heute
Abend spät machte Hr. John Brennan, Nr.
13, Süd 8. Strasse, bei der Eentral-Station
die Anzeige, daß in seinem Laden Waaren im
Werthe von 820,000 gestohlen worden seien.
Er verliest den Laden um 9 Uhr, und bei sei
uer innerhalb einer Stunde erfolgten Rück
kehr war der Raub begangen. Unter den ge
stohlenen Artikeln sind werthvolle Diamanten
und Uhren. Eine Untersuchung ergab, dass
das Fenster mit einem Meißel erbrochen war.
Tie Diebe waren am Hintergebäude über ein
Geländer gestiegen und hatten auf diese Weise
die Thür erreicht.
Tlrbciter-Strike.
Philadelphia; 10. Febr. In den
Baumwollspinnereien von Porter zn
Kensington haben 500 Mann, welche ei>." Er
höhung des Lohnes um 15Prozentvcrlnik ~
die Arbeit niedergelegt. c
Philadelphia, 10. Febr. Tie A.oei
lcr der Baumwollspinnereien zn Kcnsington
stehen aus, und die Etablissements von Por
ter 3- Dickey, James Song Bruder, John
Dallas K Bruder, Joseph Wclsh K Sohn,
Thornton K Smith, Irwin K Stinson und
andere große Spinnereien sind geschlossen.
Wenigstens 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen
feiern. Die Frauen behaupten, daß sie vor
der Krisis durchschnittlich dic Woche 5 6
Dollars verdient hätten, dieser Lohn aber um
15 Prozent reduzier sei. Sie könnten bei der
jetzigen Bezahlung nicht sür die nöthigsten
Bedürfnisse sorgen, während die 'Arbeitgeber
gerade so hohe Preise für ihre Waare bekä
inen, als vor der Krisis, und sehr wohl im
Stande seien, ihnen den Lohn wieder zu er
höhen. Letztere tagen, mit Eintritt des Früh
lings würden sie im Stande sein, den alten
Lohn wieder zn zahlen; im ttebrigen bekämen
sie nicht so hohe Preise bezahlt, als vor der
Krisis. Die 'Arbeiter werden morgen früh
eine Versammlung halten.
Tic meisten der Ausstehenden sind Frauen;
dieselben sollen nach getroffenem Uebcrein
kommen von einer Spinnerei zur anderen gc
gangen 'ein, um ihre Collcginncn zn vcrän
lassen, sich ihnen anzuschließen,
Ter Zcmpcrenz-ztreuzzug in Ohio.
Cincinnati, Ohio, 18. Febr. Am
Dienstag wird in Columbus noch eine große
Tempercnz Masienvcliammlnng gehalten und
saun der Fetdzug nach einem geregelten Plan
eröffnet werden.
Dic Wirthe in Httlsboro' sind gesternAbend
übereingekommen, ihre Rechte von 'Advokaten
vertheidigen zu lassen und mit den 'Männer
derjenigen Damen, welche zum Temperen;
Comite gehören, keinen Verkehr zu pflegen.
Tas Interesse des Krieges koiizeittrirt sich
jetzt in und um Springfield. Die Brauer
Spirituosen Händler und Destillateure schei
ncn insofern nachgeben zu wollen, als sie sich
geeinigt haben, den Verlans bci'in Glase ans
geben zu wollen. Tie Damen bestehen jedoch
darauf, daß der Handel gänzlich eingestellt
werde. Nur eine Wirthschaft in der Stadt
hat ihre Thüren den Betschwestern geöffnet,
dieselben sind häufigen Beleidigungen ausge
setzt, lassen sich Pdoch von ihrem Unternehmen
nicht zurückschrecken.
Columbus, Ohio, 18. Febr. Tem
peren; bildet das Tagesgespräch. In Dio
Lewis, von dem die Anhänger der neuen Be
wcgung sich so viel versprachen, sehen sie sich
jetzt getäuscht. Die hiesigen Wirthe trium
phiren darüber, daß der Enthusiasmus, wel
chem die Damen hier begegnen, so unbcdeu
lend ist.
Toledo, Ohio, 18. Febr. Tie hiesigen
Damen halten fast allabendlich Versamm
lungen, um Vorbereitungen für ihren Angriff
aus die Wirthschaften zn tresten. Doch sind
auch die Wirthe nicht müßig, sondern ver
einigen sich zu gemelusamem Widerstände.
Sie haben versucht, den Polizeiches zu über
reden, daß er die Damen als Friedensstörer
verhafte: dieser jedoch hat erwidert, nicht wei
ter einschreiten zu wollen, als das Gesetz es
von ihm verlange. Ter erste Sturm wird in
der nächsten Woche erwartet.
Cincinnati, 18. Febr. Tie Staats-
Grange hat zu Zenia durch einen Beschluß
die Tempercnz-Bewegung indossirt und wird
dieselbe unterstützen. In McConnellsville
begannen heute 14V Frauen den Kampf mit
Beten und Singen.
Cincinnati, Ohio, 10. Febr. An die
hiesigen Freunde der Temperen; Bewegung
zn Columbus ist ein Ausruf erlassen, sich der
selben anzuschließen.
Die Steuerzahler von Süd-Earo
lina.
Colnmbns, 18. Febr. Tie Conven
tion der Steuerzahler ist noch in Sitzung.
Das Comite wird morgen die Beschlüsse ein
berichtcn. Die Slaarsgrange ist ebenfalls
hier in Sitzung.
Zwei Deutsche in einem Stein
bruche getödtet.
Cincinnati, 18. Febr. In einem
Steinbruche zu Tcgua, Ohio, wurden gestern
zwei deutsche Arbeiter durch den Einsturz eines
Erdwalls getödtet.
feindliches Rcncontre.
Cincinnati, 18. Febr. —ln der 4.
Straße spielte sich heure eine eigenthümlich:
Szene ab, deren Hauptakioreii der Bau In.
i jvekror A. B. Äullett und der Achtb. Henry
I Zteßler waren. Zießler war vom Präsidenten
i zum Postmeister in Cincinnati ernannt, die
s Nomination aber aus irgend einem Grunde
! zurückgezogen worden. Als er Mittlen aus
Schuld jener Thatsache bei: Müllen ver
! wahrte sich gegen diese Beschuldigung, woraus
i lleßler ihn einen Dieb nannte. Mittlen am
worleie dadurch, das; er .stejzlcr n--.cn TäNac
in'o verjevle, woran dieser ilin dein
Tchopie fasste und ihn zicinlich nnsansistins'ie.
Ter Xainvi endete, ohne das, die Turner
irgend weiche Wunden davontrugen.
Tranrige zum Karneval.
in cin n aii, 18. Februar. Während
der gestrigen Prr>;ejstvn durch
den dcuuchen The der Tiudt wurde der 12
jährige deuliche jinade U'eorg Iddeudeiiuer von
nnem uiädlnlen Zheunei iner dekZugcs durch
einen Stich tödtlich verwundet. Der Knabe
stand, während der Zug passirte, auf dem
Trottoir. nm sich an den bunten Kostümen zu
weiden.
Blutißer Mord.
Dave port, lowa, 19. Febr. Frau
Elizabeth Brawlce, die Gattin eines wohlha
bcndcn Formet in Davenport-Couuty, wurde
gestern Abend in Ihrem Hause durch einen
doppelten Schuß ermordet. Man hat keine
Spur von dem Mörder.
Arevelthat eines Negers.
St. Louis, Mo., 17. Febr. Der Ne
ger Charles Carter schändete am Samstagein
der Nähe von St. Charles, Mo., eine alte
deutsche Frau, Namens Si.ahler. Der Wicht
wurde arrctirt, und als er sein Verbrechen be
kannt hatte, wurden Seitens der Bürger ver
zweifelte Anstrengungen gemackir, ihn zu lyn
chcn. Der Polizei gelang es jedoch, den Ver
brecher in ein Gefängniß zu bringen.
Arge Zustände in Missouri.
S t. L ouis, Mo., 19. Febr. Der Gc
setzlosigkeit in Lincoln-Connty, über welche
vor einigen Wochen berichtet wurde, ist noch
nicht abgeholfen. Während der letzten 10
Tage sind 7 Morde begangen worden. Die
Banditen drohen in einem Briese, einige der
prominentesten Persönlichkeiten des Coünty's
zu ermorden. Zahlreiche Farmer haben ihre
Gehöfte verlassen und andere werden ihrem
Beispiel folgen.
Gesunkener Schleppdampfer.
Denn.. 19. Febr. Ter
Schleppdampfer „Mowhawk," welcher mit 5
LichterschiffenimSchlepptauvonNew-Orleans
nach St. Louis unterwegs war, ist in der
Nähe der Insel Sixty Six am Dienstag Mor
gen gesunken. Verlust an Menschenleben ist
nicht zu beklagen, doch das Boot ist verloren.
Die Lichter wurden geborgen. Der Werth
des „Mowhawk" wird aus §30,000 geschätzt;
der Dampfer war in Cincinnali und Whccling
für §20,000 versichert.
Unfälle zur See.
Vi deutscht Schiff gescheitert. - (sine Bot
schaft au vem Mcercsgrav. Ter letzte
Gruft eines versinkende.
Savannah, Geo., 15. Febr. An der
Küste von Georgia wurde eine verkorkte Flasche
ausgefischt, worin ein Schreiben nachstehenden
Inhalts lag: „Auf hoher See, am 4. Oktober
am Bord des Bootes „Mcra." Vier von der
Mannschaft der deutschen Barke „Petersen,"
die auf der Fahrt von Bremerhaven nach
Ncw-Orlcans am 20. Sepr. gescheitert ist,
waren seil vierzehn Tagen ohne Wasser. Tie
Lebensmittel sind nun auch ausgegangen.
Drei davon, A. Hahn, Dietrich Vetter und
James Peicrs, sind nun, wie die übrige
Mannschaft der Barke, todt, der Vierte, Jo
scph Gölte, der einzige Ucberlebende, über
liebt Gegenwärtiges den Wellen. Ich habe
keine Hoffnung ans Rettung und bitte nur zu
Gott es möge meine Fraii, Bcatrice Gölte,
Tuncrvillc (?), Stettin, Nord-Deutschland,
mein Schicksal erfahren. - Ich bin kaum im
Stande, zu schreiben. Gott stehe mir bei'.
Joseph Glitte."
Mord ntor Spieler.
Atlanta, Ga., 19. Febr. Heute Nach,
mittag erichoß Maines Ehissolm den Penn Bc
dett während eines Wortwechsels. Beide wa
reu Svieler von Profession.
Tie Thompson'schc Tragödie
Chicago, 18. Febr. Die Leicheuschan-
Geschworenen gaben heute den Wahrsprnch,
dag die drei Binder Thonipion's, welche am
Samstag in ihres BaterS Wohnung todt ge
sunden wurden, an den Wirkungen des einem
Ofen entstroniteu Gases starben.
Verdaftung eines Mörders.
Akchi! on, Kansas, 19. Febr. —I. W.
McNutr, welcher in die Ermordung Scaver s
zu Wichita, Kam'as, verwickelt ist, wurde am
Dienstag in Missouri ergrisseu und gestern
nach Wichita gebracht. Er hat ein Gestand
nist abgelegt. Die Mörder begingen die
Gräuelthat, um sich K5OO ans eine Lebcns
vcrsichernngS-Poliee McNutt's zu verschaffen,
wenn die deiche des Ermordeten für die,cnigc
Mcßutt'S gehalten würde. Ter Mörder ge
steht, er und Winne, sein Mitschuldiger, Här
ten Seaver von Kansas Eity songelockt, ihn
durch Üaudaniim betäubt, Stricke fest um sci
ncn Körper gebunden, seine Kleider mit kcro
sin getränkt und dann das Haus in Brand
gesteckt, wobei dann der unglückliche Blaun zu
einer unsörmlichen Masse verbrannt sei. Die
Einwohner Wichita's befinden sich in grostcr
Aufregung, und es ist Gefahr vorhanden, das;
an den Mördern Lynch-Justi; geübt werde.
Die Bets-uckie in Nebraska.
Omaha, 18. Febr. —Aus Lincoln wurde
berichtet, das; die Temperen; Bewegung der
Frauen gestern ihren Ansaug nahm. Dreißig
Betschwestern suchten die verschiedenen Wirth
schaftcu heim. In einer derselben war die
Zahl so groß, daß der Fußboden hinunter
brach und mehrere Personen verletzt wurden.
Tod des Gr-Vnndes-scnators
Wigfatl.
Galvcston, Texas, 19. Febr. Lewis
T. Wigsall, früher ein hervorragender Bun
des-Senator aus dem Siaarc Texas, und
später General in der consöderirten Armee,
ist heute Nachmittag eines plötzlichen Todes
gestorben.
Nach dem Kriege liest er sich in Baltimore
nieder, wo er vm mchi canger Zeit Mitglied
des Barrcaus wurde.
Der Aufstand auf Euba.
N e w - 2> o r k, 19. Febr. Eapl. Morton,
von dnn von Havanna angekommenen Tani
pfer „Äorrv Castle," berichtet, daß eine spa
nische Triipvcn-Abthciliitzg von IWo Mann
am I. Februar in einem Treffen von den In
surgenlcn geschlagen worden sei und VON
Todte, Verwundere und Gegangene verloren
habe.
Nachrichten, welche Enpt. Nonon für
glaubwürdig hält, meldeten, dag oie Spanier
in allen Gefechten geschlagen seien.
N cw- 3j o rk, 10. Feb., (Ein Dieb er
schössen.) Als der Nachwachtcr Carl Augu
stin gestern '.Morgen gegen J3 Uhr an der
Wohnung des Hrn. E. Ä. Daly, Nr. 66, St.
Marks'Place, vorüberging, Höne er Geräusch
im Hose. Da in der Nachbarschaft in letzter
Zeil mehrsachD icbstählc vorgekommen waren,
beschloß Angustin, der Sache auf den Grund
zu kommen. Cr irat in den Hof, fand aber
'Niemanden : daraus öiinclc er das große Hnh
nerhaus, zündele ein Lichl an und sah nun
einen 'Mann, welcher eine Anzahl Hühner in
einen Sack gefleckt hatte. Cs entspann sich
zwischen dem Nachivächrcr und dem Diebe ein
Handgemenge: Augnstin zog einen Revolver
uns feuerte ans den Dieb, welcher schwer ver
wundet niedersank. Der Verwundete wurde
nach dem Stalionshanie gebracht, Ivo er an
gab, William Roberls zn heißen und in 'Nr.
244, Walerstraße, 'New Port, zu woynen.
Roberts starb gestern Morgen im Hospitale.
Eine Leichen-Uüicnnchnng fand ichr stakt.
Nachdem der Polizcimpenimndeiit von der
Sachlage benachrichtigt war, entließ er den
'Nachtwächter Augu st in.
G chei in nißvollc rVi ord in Nc w
3j or k. —Ueber dic Ermordung des deutschen
Nachlwäckslcrs im Bahnhofe der „Hudson Ri
ver Eisenbahn" berichte: die „Draatsztg." sol
gendcrmaßcn: „An der Nordiette der söge
nannten „Emigrant chard" befindet sich euic
Reihe Mielhshänser, deren Fenster nach der
„Emigrant chard" liegen. Aus Letzterer wer
den jeden Abend die Frachlzügc abgelassen
und ist für dieselben ein eigener Wächter an
gestellt, dessen Hauptauigäbe es ist, Diebe,
welche die Frackttwagen ausplündern, fern zn
halten. Bis gestern wurde dieser Posten von
Nikolaus A. Schweich, einem 34-jährigen vcr
heirathclcn Teutschen, bekleidet. Schweich
war gestcrnAbend aus scincmPostcn und hatte
nur seinen Knüppel als Schulzwaffc bei sich.
Bald nachdem der um <Z Uhr abgehende Emi
granlenzug abgefahren war, ging dcr Condnt
teur James Lane durch den Hoi, in welchem
der sogenannte Line Frachtzug zum Abfahren
bereit stand. Er sah etwa I2t> Fuß von der
10. 'Avenue entfernt einen dunklen Gegenstand
auf den Schienen liegen und iand, daß es ein
Mann war, der ans seine Hände gcsiükt, sich
in knieeiider Stellung befand. Lane hob den
Mann, der, wie es schien, ohnmächtig war,
auf und erschrak nicht wenig, als er eine war
me Flüssigkeit an seinen Handen white, die
sich als Blut erwies. Polizist Locr, der in
der 'Nähe war, und mehrere Arbeiter eilten
herbei, und nun erkannte man in dem Manne
den Wächter Schweich. Ein Loch in derßrnsi
gegend des Ucberzichers des Mannes erklärte
'Alles. Man brachte den' Mann, der bewußt
los mar, in das Stationshaus, wohin Poli
zeiarzt Osbornc beschieoen ward. Ehe der
'Arzt erschien, war der Mann eine Leiche. An
sangS glaubte man, daß ein Selbstmord vor
liege, aber die Körpcrgegend, in welcher die
Wunde war, die rechte Brust, dicht über der
Brustwarze, verscheuchte diese Ansicht jedoch
sehr bald.
Capitän McEtwaine und seine Geheimpo
lizistcn sahen nun ein, daß nichts Geringeres
als ein Mord vorliege, der durch Näuberyano
veranlaßt wurde. Jede Nacht wird dasFrachi-
Depot von einer Bande innger Diebe untta
gen, und man vermuthet, daß Schweich die
Diebe bei der Arbeit überraschte, und daß
diese, als sie sich cutdeckt iahen, ihm die tödr
lichc Kugel in die Brust jagten. Eine Frau,
die in einem der obenerwähnten Micthhäusce
ivolint, will einen Pistolenschuß gehört und
geseheil haben, wie ein Mann über den Hann
des Hoies sprang und so durch die 3t. Straß:
entkam. James Gallagher, der Nachlwächtc.
im allen Passagierdepot, will ebenfalls eine i
Schuß gehört haben, sah aber Niemand in
i der 'Nähe. Tie Polizei, obgleich sie bereits
! NM 8 Uhr im Besitz der Nacbrichr war, mel
! dclc den Vorfall erst um l t Uhr dem dienst
thuenden Inspektor McDermalt, welcher so
> fort dic Geheimpolizei anwies, alle möglichen
! Mittel zur Entdeckung des Raubmörders z i
s ergreifen. Der Verstorbene, dessen Bruder ui
! der 'Nähe decDepots einen Cigarrenladen hal
l! soll, wie es heißt, ein ichr braver, aber euer
! gi'chcr Manu gewesen iein. Mau vermuthet,
daß er sich am innern Cnde der „Emigrant-
Ljard" befand, wo seine ralerne gesunden
ward, und er in aller Eile ans die Ticbe zn
ging, die eben einen Wagen zu onnen versuch
lein Einer der Burschen sencrle sein Pttiol
ain den Mann al> und verivundetc ihn. Es
wurde leine Blasse in der iliähe genrnden,
>va<! als ivcilercr 'Beweis gegen die Tlieoii.
eines Hctbstmordcs geltend gemacht wird."

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