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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, February 27, 1874, Image 1

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39. Jahrgang!
Ter Wege Vermehrung
oder Contrattion des Papier
geldes im Senate.
Am ersten Tage des 43. Congresses brachte
Senator Sherman, der Vorsitzer de Finanz-
Comite's, einenßeschluß ein, welcher die ganze
Zeit her auf der Tagesordnung stand und
euie eigenthümliche Gruppirung unter den
Senatoren hervorgerufen hat. Die Frageist,
?otz der Papier-Couranl des Landes vermehrt
vder beschränkt werden? Im Allgemeinen
sind der Osten und die Mittelstaalen für Con
ttaktion, während der Süden nnd Westen für
Vermehrung resp. Ausblähung des Courant
Volumens ichwärmeu; natürlich keine Regel
ohne Ausnahme; denn die eifrigsten und
gleichzeitig bedeutendsten Borkämpfer der
Conttaktion sind ebensowohl Vertreter des
Westens, als die Champion: der Courantver
mehrung; die Ersteren sind Sherman von
Ohio und Schurz von Missouri, Letztere sind
Morton von Indiana und Ferro von Michi
gan, denen sich noch Merrimon von Nord-
Carolina zugesellt hat.
Senator Schurz hat Dienstag zum zweiten
Male über die brennende Frage des Tages
gesprochen und gezeigt, daß er noch sie alte
Gemalt über den Congreß nud sogar dic Gal
lerie'n besitzt. Die Propvettihungen verschie
dener radikaler Editoren, daß mir dem Miß
erfolge von 1872 der deutsche Senator seine
Rolle ausgespielt habe, ist gänzlich zu Schan
den geworden. Die beiden Gelegenheiten,
bei denen er sich im 43. Eongresse vemerklich
gemacht, haben es bewiesen; diesclbcnzeigten,
daß Schurz noch immer im Stande ist, den
Congreß und mit ihm das Land zu kessel-.
Jedenfalls hatte er vorgestern das zahlreich! e
Publikum, welches bisher während diesir
Sitzung zusammengeströmt war. m irgend
ein Cougreßmitglied zu hören. Nahezu drei
Stunden nahm der Senator die Aufmerksam
keil seiner Zuhörer in Anspruch und seine Be
redsamkeit übte ihren früheren Zauber ans.
Seine Beweise und Argumente des großen
Unheils, welches ein uneinlösbarer Couraiii
unter den verschiedenen Nationen der Erde,
von der chinesischen vor labrhllnderten, bis
zur französischen m der Neuzeit, angerichtcl
hat, waren geradezu umfassend und erschö
pfend. Die Wirkung dieser Rede wird sich
bei der endlichen Abstimmung über die vor
liegende Frage jedenfalls fühlbar machen und
die Freunde der Courant-Vcrmehrung, welche
in her vorigen Woche bei einer nntcrgeordne
len Abstimmung einen Sieg errangen und
seitdem in der Hoffnung lebten, ihre Pläne
mit Leichtigkeit durchzusetzen, fangen an, zn
zweifeln. Senator Morton erwiderte zwar
nach Kräften ans die einzelnen Punkte des
deutschen Senators, wurde aber in der übli
chen Weise, welche er im 42. Congresse zur
Genüge kennen gelernt hat, heimgeschickt und
man ist sehr geneigt zu glauben, daß die drei
oder vier Senatoren, welche mehr der Conve
nienz halber, als aus innerer Ueberzeugung
mit den "liitlalwnttl!," stiminten, denselben
untreu werden und daß Shcrman's Bill,
welche die Transfcrirung von H25,0v0,'<
in National-Banknolcn verfügt, trotz des
ominvsenErfolgeS der „Mehrer de papierenen
Reiches" schließlich ohne weitere Instruktion
an das Finanz-Comite verwiesen wird.
Die Deutschen, tm Auslande ud
vezonders n de Vcr. Staaten.
Tas coSzuopolitische Streben dcrDeutschcn,
ihr wel'.l.msaffendcs Dichten und Trachten,
das in früheren Perioden von Poeten besun
ittn, von Philosophen analysirt und von kurz
sichtigen Spöttern verhöhnt wurde, wird jetzt
auf dem realen Boden des Handels und Ver
kehrs, sowie auf dem Gebiet der Industrie eine
greifbare, unwiderlegliche Wabrheit. Eng
tische Blätter fangen an, von den eminenten
Erfolgen zu berichten, welche der deuticheHan
dcl in Ostasien errungen hat. In Ehina'und
im indischen Archipel, wo einst das britttche
Handelsmonopol unumschränkt herrschte, ha
den sich in den letzten Jahren so viele promi
nente deutsche Handelsfirmen und Kaufleute
festgesetzt, daß die englische Presse ihre Be
sorgiiisse für den britischen Handel nicht mehr
verschweigen kann. „Die Deutschen," sagt
die „Liverpool Expreß," „haben ganz sachte
den Handel in verschiedenen Waaren nicht nur
über den ganzen indischen Archipel verbreitet
und monopolisirt, sondern sie setzen sich auch
außerordentlich rasch in den Besetz desKüsten
Handels längs der Küsten von China." Was
man ganz besonders und nicht ohne Grund
bemrckner, ist der Umstand, daß die Deutschen
ihre Schiffe zu geringeren Kosten verwalten
und führen können, als die Engländer, und
daß sie aus diesem Grunde die Frachten wohl
feiler transporriren werden. Wir lesen sogar
in dem eben cilftten Blatte: „Die deutsche
Regierung hat sich als so weitreichend und
weitsichtig erwiesen. daß Holland nach und nach
cm Theil des großen deutschen Reiches wer
den kann." In diesem Falle würde sich
4. eutzchlanö den Schlüssel zu der Straße
von M.alacca sichern und so in den Besitz
de großen Verkehrsweges zwischen den ost
mdüchen Besitzungen England's und China
kommen.
Mögen nun diese Besorgnisse derEngländcr i
vorläufig noch übertrieben fein, so läßt sich !
doch nicht leugnen, daß der deutsche Handel in j
Ost-Asien feit wenigen Jahren erstaunend- ,
werthe Fortschritte gemacht hat. John Bull Z
forscht bereits dentlriachen nach, warum feine
stammverwandten Concurrentcn folcheEnolgc
erzielen. Ein Ex-Präsident der Liverpooler j
Handelskammer sagt es mit dürren Worten, !
daß die deutschen Kaufleute den englischen
überlegen seien, aus dem einfachen Grunde,
„weil sie sich mit großer Hingabe auch um die
Details kümmern." TicS ist es gerade, was
der eiiglifchekanfmann verschmähl. TerDeul
sche erkennt imDciail, im Einzelnen, imklci
nen die Ursache und den Zusammenhang des
Großen und Ganzen. Wir sind diesem gründ
lichen dcntfckien Zuge oft begegnet, namcnt- i
lich auch im deutsch französischen Kriege. Ter
deutsche Offizier kannte alle Wege und Stege,
alle Flüsse und Bäche, alle Brücken nndFähr- !
reu des feindlichen Landes; er konnte Karten 5
zeichnen und wußte mit Zirkel und Wage
wohl umzugehen; kurz, er hatte sich durch
taufend mühsame und langweilige Einzeln
heilen mit ächl deutscher Geduld lind Gründ
lichkeit durchgearbeitet, und diese bewunderns
würdige Delailkentttniß, verbunden mit der
affenartigen Geschwindigkeit der Truppcnbe- !
wegungen verschaffte dem deutschen Namen !
unsterblichen Sicgcsruhm. Etwas Achnli !
chcs spielt sich jetzt auf dem friedlich-nGebictc Z
des Handels und Verkehrs ab, und es werden !
in den chinesischen und oslindifchen Gewässern >
dcutfchcSiege errungen, auf die man einst nicht !
minder stolz fem mag, als auf die Schlachten
von Weißenburg und Gravelotte.
„Was die Deutschen thun," sagt unser Ge
währsmann, „das thun sierecht. Die englische
Jugend ist sprichwörtlich rasch im Lernen, die
deutsche ist weniger rasch, dafür aber gründli
cher, und sie verachtet nicht jene scheinbar klein. !
lichen Dinge, über die ein englischer Schüler !
sich geringschätzig hinwegsetzt." Es würde uns
zu weit führen, wollten wir allcLobeserhebun- >
gen der englischen Presse über deutscheGründ
lichkeit, Energie, Sparsamkeit und Geschäfts
tüchtigteit citiren. Diese Anerkennung des!
deutschen Wesens seitens der euglifchenßlätter !
hat auch in anglo-amcrikanifchen Zeitungen !
cm lebhaftes Echo gefunden. So bemerkt die !
hiesige „Shippmg List" in einem Artikel über !
die deutschen Handclserfolgc: „Wir sehen es
gerade hier in New-Uork, wo das deutsche
Element im Geschäftewefcn mit jedem Jahre
rasch zunimmt, was der deutsche Fleiß zu
Stande bringt. Die Deutschen sind in der
Regel tüchtige und energische Kaufleute, be
kannt durch ihre Rechtschaffenhett und Ehr
lichkett, und überdies sparsamer, als die ame
rikanischen Kaufleute. Deutsche Clerks wer
den von amerikanischen Handelshäusern im
mer häusiger gesucht, aus dem einsachenGrun
tc, weil sie bei gleicher Befähigung geringere
Ansprüche machen, besonders aber, weil sie den
Details des Geschäfts mehr Aufmerksamkeit
widmen. Man fängt an. ganz allgemein anzu
erkennen, daß die technische Bildung der Deut
schen in Bezug auf Handel und Verkehr die
derEngländcr weit übertrifft, und dieLetztcren
sind gezwungen, zu gestehen, daß sie kein
Schill-System besitzen, welches mit den hohen
Handelsschulen in Deutschland verglichen wer
den kann. Tie deutfchenÄaufleute sind gründ
lich gebildet in modernen Sprachen lind in
der Nationalökonomie, mtt einem Worl, sie
sind für den Haiidelsbcrnf vollständig vorbe
reitet. In dieser Beziehung dürsten wir zu
nnferm großen Nutzen dem deutschen Beispiel
folgen." Das klingt außerordentlich ermu
thigcnd für die Erhaltung und Ausbreitung
des deutschen Welens in Amerika. Wir ha
ben hier innerhalb der letzten zehnlahre zahl
reiche und mächtige deutsche Gefchäftsfirmen
entstehen sehen und wir wissen, daß viele
Branchen der Industrie und des Handels fast
ausschließlich in den Händen der Deutschen
liegen. Der deutsche Arbeiter wird überall
gesucht und vorgezogen, wo man intelligente
und pflichtgetreue Leute braucht. Bradlaugh
hat es rühmend anerkannt, daß sie in Folge
ihrer überlegenen Bildung und ihrer größern
Sparsamkeit den englischen und irländi
schen Arbeiter in diesem Lande über
stllgeln. Und da die Deutschen im Allgemei
nen jenen urdcutichen idealenZng sich bewahrt
haben, der sie an das Familienleben und an
die höchsten sittlichen Güter des Menschenge
schlecht fesselt, so ist nicht zu befürchten, daß
ihr Streben auf dem Gebiet der Industrie
und des Handels in ein engherziges Krämcr
lhum ausarte. Es wird zugestanden, daß es
die in Deutschland oder in deutschen Schulen
vorbereiteten Schüler an den hiesigen Hoch-
schulen sind, welche den ersten Rang einneh
wen. Deutsche Architekten fangen an, die
Pläne für die großen Werke der Baukunst zu
liefern. Deussche Musik und deutscher Ge
sang ergötzt in diesem Lande weit und breit
das empfängliche Ohr. Ucberblickk man diese
u. viele andere Errungenschaften der deutschen
Thatkraft ans amerikanischem Boden, und be.
denkt man. daß die Zeit der Entwicklung des
deutschen Wesens in diesem Lande eine ver
hältmßmäßig kurze ist, so können wir be
züglich derSlellung der Deutschen in dem viel
gestalkigen Bevölkerungs-Aggregat der Ver.
Staaten getrost in die Zukunft blicken.
(Stsztg.)
Die Hinan,frage im Bundes - Se
nate. Rede des srn. Schurz.
Schur; hatte am Dienstag das Wort und
sagte, das Verlangen Derjenigen, die eine
Vermehrung des Courants begünstigtest, sei,
nach den Instruktionen zu schließen, über die
sie sich am Freitag Lileinbartcn, bei Weitem
nicht so wett gegangen, als das ursprüngliche
VttkaUgen annehmen ließ. Er habe nicht
eher als bis ain Freitag, als die letzte Ab
stimmung stattfand, sich entschlossen, in der
Sache zum Senate zu sprechen, da er hoffte,
daß ans dem verwirrten Knäuel vSnVorschlä
gen Nichts angenommen werden würde, das
den besten Interessen des Landes gerade zu
schädlich sei. Aber welcher Anblick bietet si h
dem Beschauer hier, und in dieser zweit n
Hälfte des neunzehnten Jahrbnnderts? Ter
höchste gesetzgebende Körper der Republik de
baltirt alles Ernstes die Frage, ob man ,u
neuen Emissionen niicinlösbaren Courants
Zuflucht nehmen soll ? und es werden dafür
Gründe vorgebracht, die die civilisirte Welt
in Erstaunen setzen müssen. Auf der Flur
dieses Hauses ist wohlbedächtig dasAranineitt
vorgebracht worden, daß kostbare Metalle
nimmermehr zur WerthSiiorm gemacht wer
den könne,, weil sie nicht mehr den Produk
teil der Industrie gleichkommen. Gerade so
gut könnte man sagen, daß die Elle nimmer
mehr als Maßstab dienen könne, weil sie nicht
so lang wie ein Stück Tuch sei. Es ist ferner
behauptet worden, daß Oestreich, Italien und
andere europäische Länder sich zu einem Zu
stande der Prosperität durch eine groß: Pa
pier Cirkulation empor gehoben hätten. Er
aber wolle dagegen mir sagen, daß dieSlaals
männer jener Länder ihre besten Kräfte dem
Problem gewidmet haben, Mittel zu ersin
nen, um jenes Papiergeld los zu werden, und
daß dieselben den Argumenten, die hier vor
gebracht werden, mit verachtungsvollem Lä
cheln lauschen würden. Redner las aus
Marco Polo'S Reisen in China vor, um die
Wirkungen eines übertriebenen Papier-Cou
rants zu illustriren, und er bemerkte, die
Courantlieserung werde weder durch die Area
eines Lande?, die BevökkerungSmasie. oder
da ProdnktionS Quantum allein, sondern
durch alle jene Dinge zusammen genommen,
,regulirt. Die Stadt Boston bedarf mehr
Courayk, als alle Territorien der Ver. Staa
ken zusammen genommen, nnd der Staat
Rhode-Island bedarf mehr als das ganze In
nere von Afrika mit seinen darin wimmeln
den Millionen menschlicher Wesen. Es ist
behauptet worden, daß das Eonrant Volu
men England's größer als das uusrige sei,
' obgleich die Bevölkerung geringer als dicjc
! ige dieses Landes ist. Dies mag wahr sein,
aber die Zustände des Landes sind anders.
!In England ist die Zahl der Personen, die
Salaire empfangen, viel größer als in diesem
Lande und die Exporte jenes Landes sind drei
> mal so groß als die Amerika's. Obgleich die
- Bevölkerung des Ver. Königreichs nur 32,-
! OVVMO und die ittisrige 4tt,l)oY,iiW ist, und
obgleich die Löhne hier viel höher als dort
stehen, so ist dennoch der Gcsammtbetrag der
dort bezahlt werdenden Löhne größer, als der
jenige, der in diesem Lande bezahlt wird.
England ist das große Clearing - Honse der
Welt, und wenn es dort clngrößcresCourant-
Voliimen gibt, dann rührt dies von dem
Umstände her, daß die Natur der Sache es
verlangt. In Frankreich ist die Zahl der sa
larirteii Personen noch größer als in England
und viel größer als in den Ver. Staaten, nnd
deshalb paßt der Vergleich zwischen jenen
drei Ländern nicht, weil eben die Geschäflsbe
ziehungcn gänzlich verschieden sind. In den
GeichättS-Centren ist zur Zeit Geld im Ueber
fluß. Einige Herren behaupten, daß dicie
Gcldfülle durch die Beziige von der <44,000,-
000-Rcscrvc hervorgebracht worden sei. Bon
jenem Betrag ist etwas weniger alseine Mil
lion nach dem Süden und Westen gegangen,
beinahe das Ganze befindet sich in Boston,
New 2)ork und Philadelphia. Redner be
hanptcl, es wäre Geld genug allenthalben im
ganzen Lande in Folge der großen Ernte und
deshalb, weil durch den Zusammenbruch der
Spckulaltion und des Börsenspicls große
Geldsummen, die früher in solchen Spekula
tionen verwendet wurden, frei geworden sind,
und jetzt in den legitimen Geschäftswegen
erwendet werden. Es ist wahr, jene Speku
lationen und Börsenspiclercien sind bis zu ge
wissemGrade wieder in das Leben zurückgerufen
worden, doch werden dieselben jetzt von einer
verschiedenen Klasse von Männern geführt.
Sie werden noch mehr durch jedeßerniehrnng
der Emission von uneinlösbaremPapicr-Cou
rant belebt werden. In den legitimen Ge
schäften macht sich manchmal eine Knappheit
des Courants fühlbar, deshalb ist noch keine
Nothwendigkeit der Inflation vorhanden,und
es sei ein gründlicher Irrthum, anzunehmen,
daß dem ein wirklicher Mangel an Geld zu
Grunde liege. HerrSchurz setzte auseinander,
wie die Inflation jeder Zeit zuSpckularionen
und zum Spiele reizt.
Hr. Mcrrimon hat sich beklagt, daß in sei- !
nein Staate der Courant zu rar und der Zins- !
fuß zu hoch ist, was-Alles sehr wahr sein mag,
und was seine, des Redners, Sympathie mit
dem Volke jenes Staates herausfordert. Er
wolle Alles, was in seiner Macht steht, thun,
um demselben zu Helsen. Hr.Merrimon will
eine neue Lieferung von Legal-Tenders. An
genommen, man cmittirc ein- oder zweihun
dert Millionen Dollars iineinlösbaren Pa
pier-Couranls mehr; würde das Hülfe ge
währen ? Er glaube dies nicht. Es gibt zwei
Wege, auf welchen dieses Geld unter die Leute
gebracht werden würde. Entweder durch die
Bestreitung der Regierungs - Ausgaben, oder
durch den Ankauf von Bundesfchuldurkundcn
in der Stadt Niw-Uork. Natürlich würde
man zum letzten Mittel greifen, und die Con
fequenz würde sein, daß der additioncllc Cou
rantbeirag mitten in den Strudel der Speku
lation geworfen werden würde. Wie wurde
Nord-Carolina oder irgend ein anderer süd
licher Staat feinen Antheil an dieftm additio
nellcn Couranl bekommen ? kaust ihn Nord-
Carolina, dann muß eben jener Staat feine
Produkte auf dem Markte feil bieten, auf wel
chem der additionelle Courant ist, und der
Courant würde nach Nord-Carolina gehen,
gerade wie er jetzt dorthiy geht, und genau
nur in demselben Umfange, in welchem Pro
dukte dafür angeboten werden. Eine Ver
mehrung uncinlösbaren Papiergeldes, anstatt
größere Erleichterung den legitimen Geschäften
zu gewähren, würde nur die Bedürfnisse der
Geschäfte vermehren. Das Gold-Agio würde
steigen, alle Preise in die Höhe gehen, und ein
gröfzcrer Geldbetrag für den 'Austausch noth
wendig sein. Mau emittire mehr Papiergeld
und es würde sich ebenso langsam oder ebenso
wenig wie jetzt dahin wenden, wo Mangel
daran ist. Es könnte nicht ans den Canälen
der Spekulation in die Cauäle des legitimen
Geschäfts sorcirt werden. Die Senatoren,
welche glauben, neue Emissionen aus densel
ben Canälcn ferne halten zu können, in denen
sich die früheren Emissionen bergen, geben sich
einer kindischen Täuschung hin. Ein verwäs
sertes, uneinlösbares Papiergeld sei nicht das
Geld des Volkes, sondern das Geld der Spe
kulanten. So sei es immer gewesen und so
werde es bleiben. Je eher das amerikanische
Volk zum Bewußtsein dieser Thatsache komme,
desto besser werde es für die Ehre des Landes
sein. Er möchte dem Volke von Nord-Caro
lina gerne Helsen, aber er sei von der Ueber
zeugung durchdrungen, daß die Vermehrung
des Papiergeldes keine Abhülfe gewähre gegen
die Uebelstände, unter denen jenes leidet. Ter
Senator (Mcrrimon) habe gejagt, sein Polt
brauche mehr Geld. Das sei eine bektagens
wcrthe Täuschung; es braucht mehr Capital
und sollte den Unterschied zwischen Capital
und Papiergeld begreifen lernen. Das Volk
des Südens wie das Volk des ganzen Landes
habe einen verheerenden Krieg durchgemacht
und dabei sei das Capital, namentlich des
Südens, reduzirt worden. Das Zerstörungs
werk sei nach dem Krieg durch schlechte Regie
rungen in den südlichen Staaten sortgefcyt
worden und das Volk habe nun den 'Ausfall
zu ersetzen. Das könne nicht durch Zahlungs
ver'prechen geschehen. Das Volk müsse Ver
mögen schaffen durch Fleiß und Produktivi
tät, und es würde eine sehr kostbare Zeit ver
lieren und seine Energie vergeuden, wenn es
sich dabei auf künstliche Mittel verließe. Pa
Piergeldvermehrung würde den Ackerbau des
Südens und Westens noch mehr herunter
bringen und Ackerbau fei doch die Hauptqnellc
der Schaffung von Vermögen in diefen Lan
destheilcn. Ter Senator von Indiana habe
behauptet, die Organifation neuer Naiional
banken würde zu einer Vermehrung des Pa
piergeld-Umlaufs führen, indem die Banken
das Geld ausleihen würden und dieses in 30
oder 60 oder 90 Tagen in die Bank zurückslie
Ben müßte. Das fei unrichtig. Die Leute,
welche Banken gründen wollen, muffen die zu
hinterlegenden RcgierungSpaplere in New
Bork kaufen; eS würde <ll2O losten, um 1000
Dollars Noten zu bekomme. Da zum An
kauf jener Papiere nöthige Geld müsse aus
der heimischen Cirkulation genommen werden.
Man gebe die Eiablirung von Banken frei
und der Süden und Westen werden schlimmer
daran sein, als je. New-Sjork und Neu-Eng.
Land haben das Capital und da sie schon die
RegicrungSpapicre haben, so können sie in
Washington Geld haben so viel sie wollen,
ohne ihre Cirkulation zum Ankaus der Bonds
vermindern zu müssen. Das Freibank - Sy
stem wllrdenur dicPräponderanz New-York's
und Neu England's über den Süden und
Westen erhöhen. Dieses System würde ferner
eine unbeschränkte Banknoten. Emission be
schaffen, ohne ein prakiffches Einlösungs-
Systcm Cö mache wenig Unterschied, ob
Vcrwässerung des Papiergeldes durch Ver
mehrung der Banknoten öücr der Grecnbacks
geschehe: Beides würde die Preise aller Be
dürsnisse kinauskreiben und den Weg zu neuen
Krisen bahnen.
Er wolle nicht so verstanden sei, als ober
Freibanken überhaupt opponire, aber er wolle
ein Einlösungs-System damit verbunden wis
sen. Jede Vermehrung des Papiergeldes
würde den Zinösuß hinanslreiben und nicht
reduziren. Ein Freund in Europa habe ihm
neulich geschrieben, er wolle sich vom Geschäfte
zurückziehen und könne dreihunderttnusend
oder vicrbnnderttaiisend Tollars aus dem
Geschäft nehmen; ob er ihm dazu rathe, das
Geld in acht bis zehnprozentigen amerikani
schen Papieren auzulegen, und ob er lder
Freund) nicht die Vermehrung des Papiergel
des zu fürchten habe ? Ehe er l Schurz) dem
Manne antworte, möchte er die Ansicht des
Senators von Indiana wissen.
Morton: Er werde sie ihm später geben
Schurz: Als amerikanischer Bürger halte
er es für seine erste Pflicht, ehrlich zu sein und
er könne Niemandem rathen, Geld anzulegen,
Von dem er wisse, daß es cntwerlhct werden
Man stelle uns aber Baarzahlnng in
Aussicht und er werde seinem Freunde sagen:
„Schicke Dein Geld, rathe Temen Nachbarn,
das Ihre zu schicken, bringt zusammen, was
Ihr aufbringen könnt und legt es hier an!"
Gameron sagte, Hr. Schur; würde den
Credit des Landes durch eine solche Antwort
entwerthen. Real - Eigenthum nimmt fort
während im Werthe zu.
Schurz: Ja aber eine Annahme im
Werthe des Neal-EigenlhumS vermehrt nicht
den Werth der daraus lastenden Hypotheken,
wie jedes Kind weiß. (Beifall aus den Gal
lcrie'n. Der Vorsitzer drohte, daß, wenn jene
Demonstration sich wiederhole, er die Galle
rie'n räumen lassen werde.t
Schurz fuhr fort und sagte: Diejenigen, die
den Credit des Landes entwerthett, sind die,
welche die Vermehrung im Svstem des unein
lösbaren Papiergeldes befürworten, das von
dem Mcnschengeichlcchtc einmal über das an
deremal verdammt worden ist, und er wolle
nur den Senatoren sagen, daß Nichts gethan
werden könne, nmdenameriiauischen 'Namen
mehr emporzuheben, als die Abschaffung jenes
unehrlichen Systems. Wie kommt es, daß
Misere sechsprozentigen Bundes Obligationen
in Europa nicht gerade so gestiegen sind, wie
die europäischen Werthpapiere? Einfach des
halb, weil mau eben immer fürchtete, cS könne
eine Inflation des Courants stattfinden, und
er wisse gar wohl, worüber er spreche, denn er
habe es, während er im vorigen Sommer in
Europa war, huudertemal gehört.
Cameron sagte, der Senator mißtraue dem
Volke der Vcr. Staaten, aber er, Cameron,
glaube an dessen Ehrlichkeit.
Schur; erwiderte: Wenn der Senator von
P.'nnsylvanien sagt, er, Schurz, habe irgend
Etwas zum Discrcdit des amerikanischen
Volkes gesagt, dann hat er Etwas gesagt, das,
wie er wohl wissen müsse, nicht richtig sei.
Sherman sagte, weil der Werth unseres
Papiergeldes ein so unsicherer ist, müssen neun
Zehntel unserer Anlchen in Europa in ge
münzten, Gelde bezahlt werden.
Schurz sagte, dies sei wahr. Dann setzte
er auseinander, daß da, wo das auslcihbare
Capital groß ist, der Zinsfuß niedrig steht,
und wo das ausleihbare Capital gering ist,
der Zinsfuß hoch stehen würde. Er glaube,
daß die zur Heilung unserer Uebel von Denje
nigen, welche die Inflation begünstigen, vor
geschlagenen Curmitrel Quacksalber-Arzeneien
und gar Nichts werth sind. John Stuart
Mill, Adam Smilh, unser eigener Thomas
Jefferson, Hamilton und andere National-
Oekonomen sind bei Seite geworfen wordeu,
eine neue Schule ist hier auferstanden, die alle
Theorie' zum Kuckuck gehenlassen will. Er
wolle die Senatoren nur darauf aufmerksam
machen, daß, wenn sie die Theorie',, zum
Kuckuck gehen lassen, sie es mit dem Landes-
Credit gerade so machen. Tic reichen Leute
haben die Mittel, ihre eigenen Interessen zu
bewahren, es ist Verarme Mann, der von sei
nem täglichen Erwerb von der Hand zum
Mund lebt, der den Nachtheil;,! tragen haben
wird, und die Inflation des Landes Courants
würde gerade so viel sein, als die Armen eines
Theils ihres wohlerworbenen Eigenthums zu
berauben. Er stelle in Abrede, daß das ame
rikanische Volk nach der Inflation verlange.
Es könne zwar eine Zeit lang irre geführt
werden, aber es würde bald wieder zur Ver
nunft kommen. Er ermahne die Senatoren,
die zu Gunsten dieses Projekts für die Infla
tion sind, sich zu beeilen, ehe die öffentliche
Meinung sich gegen sie kehren wird. Wenn
irgend ein öffentlicher Mann hofft, auf dem
Inslations-Projekt in das „Weiße Hans" zu
reiten, dann täusche er sich sehr, denn die Sei
fenblase werde lange vor dem Jahre 187 K ge
platzt sein. Zum Schlüsse sagte er, er habe
länger gesprochen, als er beabsichligtc, und er
hoffe, seine Bemerkungen werden nicht ganz
ohne Einfluß auf die vorzunehmende Abstim
mung fein. In Hinsicht aus manche andere
Punkte reservirc er seine Ansichten, bis eine
reiflicher erwogene Bill berichtet werden wird.
Morton sagte, der Senator komme am
Schlüsse einer langen Tebatte mit einer sorg
fältig vorbereiteren und niedergeschriebenen
Rede vor den Senat. 'Natürlich könne Redner
nicht Punkt für Punkt darauf antworten, doch
glaube er, man könne die Rede als eine lieber
lreibung charaklerisircn. Er, Morton, stelle in
Abrede, daß er irgend welche Theorien bei Zeite
geworfen habe mit Ausnahme derjenigen, die
keine Anwendung auf unser Land finden. Tie
wohlfeilste aller politischen Gelehrsamkeit sei
die, welche man durch„Eiiitrichtcrung"crlagt.
Er habe Männer gekannt, die so unwissend
wie ein Roß waren, die aber drei oder vier
politische Reden sich eintrichterten, worauf sie
auf den Slump gingen und feurige Reden hiel
ten. Viele Doktrinen der alten Länder Eu
ropa'S eignen sich nicht für das uns'rige, da
wir sehr schnell wachsen und uns entfalten.
Senator Schurz scheint das Land nicht zu be
greifen, in dem er lebt, und er sei eben nur
Das, was man in Frankreich „einen poli
tischen Litcratcur" nennt. Der Senator irrt,
wenn er glaubt, daß andere Leute all' icne
Bücher uicbt eben so gut, wie er, gelesen ha
den. Freihandel, eiii geringes Courant-Vo
luincn, niedrige Arbeitslöhne und direkte Be
stcuerung gehen miteinander Hand in Hand.
Er verstehe nickt, welche Antwort der Sena
tor seinem Freunde in Europa hinsichtlich des
gesuchten 'Rathes gegeben hat wegen der drei
oder vierhnnderlTaüscnd Dollars, die derselbe
hier anlegen wollte.
Sckurz sagte, er habe noch nicht geantwortet,
er werde aber seinem Freunde sagen, daß, so
lange noch immer die Aussicht auf Inflation
vorherrscht, er warten möge; sobald aber
Schritte gethan werden, um zur Spcziezah
lung zurück zu kehren, dann möge er gelrost
sein Geld Berge hoch aufschichten und es her
über zu senden suchen.
Mortonr: Well sein Freund wird sehr
erleuchtet sein,wenn er dicseÄniwort bekommt.
Hr. Schurz schwebt in Ignoranz über daS
Land, in welchem er lebt und das ihm nur
Ehre angethan hat. Sowie die Geschäfte des
Landes zunehmen, in demselben Grade sollte
sich der Conrant vermehren. Ter Senator Hai
über die Reisen in China vorgelesen, um die
Uebel des Papier-ConrantS darznlhun. Jenes
Land war schon vor Tausend lahren fertig
und es wurde eine Mauer um dasselbe herum
gebaut. Würden die Doktrinen des Sena
tors die vorherrschenden werden, dann würde
auch dieses Land bald fertig sein. Er stelle in
Abrede, daß vom Conrant die Spekulation
entsteht, weil derselbe uneinlösbar ist. Die
größte Spekulation, die sich jemals ereignete,
hat in England und zwar ant einer Spezie-
Basis stattgefunden. Senator Schurz hat
auch ans der „Chicago Tribüne" vorgelesen,
um hier seine Ansichten zu bekräftigen. Ter
Senator scheint Vertrauen auf gewisse Zei
tungen zu setzen, und er hatte sich vor einiger
Zeit auf einige derselben verlassen, als er die
republikanische Partei zerbrechen wollte. Es
ging ihm wie den muthwilligen Jungen, die
ant Blasen schwimmen, dießlascn zerplatzten,
und dem Senator erging es schlecht. (Ge
lächter.)
Er, Morton, wolle einige Reformen im
Narioiwlbank Systeme, durch welche die Ban
ken gezwungen werden sollen, ihre Reserven
daheim zu behalten und dieselben nicht nach
New sffork zu senden. Unser Courant ist der
beste, den die Welt jemals ge'ehen hat. Red
ner behauptete, daß jetzt die Spezie Zahlung
nicht durchgeführt werden könne, da wir in
Europa circa dreizehnhundert Millionen
Tollars in Rcgierungsobligatioiien und vier
hundert Millionen Dollars in Eisenbahn-
und anderen Werihpapicren schuldig sind.
Die Zinsen jener Obligationen müffeu in
Gold bezahlt werden, wodurch dem Lande
jährlichiji!o,too,ooo bis K70,000,0tt0 einzogen
werden müsse. Rußland's Obligationen
sind in England, Deutschland und Franlreich,
und es muß jedes Jahr sein Gold abfließen
sehen, um seine Zinsen zu bezahlen. Das
Baltimores Md., Freitag, den 27. Februar 1874.
Resultat war, das Rußland die Speziczah
luiigcn seit lahren suspcndirte. So ist es
mit Oestreich, ebenso mit Italien, und alle
jene Länder sind jetzt im Zustande der Suipen
sion nnd müssen noch eine Zeitlang darin ver
harren. Unter dem gegenwärtigen Papier
Courant hat die Nation mehr prosperirl, als
sie jemals zuvor prosperirte, und das System
läßt gar wohl die Courant-Ausblähung zu.
wenn es nothlvcndig,st.
Jur Temperenz-Beweftung.
New ?) or k, 20. Die Grenzen,
die Spirituosenverkäufcr Krieg führen, erwei
tern sich In Mount Bernon werden Kegelbah
nen, Billardsälc und Spiel-Lokale ohne Unter
schied mit Andachtsübungen belagert. Wann
der Krieg nackx Cincinnati hinuntergeschickt
werden wird, weiß man noch nicht. Die
Wirthe der Stadl drohen, gegen die Damen
einschreiten und im Falle einer Invasion den
Wasserschlauch gebrauchen zu wollen.
Tie Brauer Cincinnati's haben gestern
Abend Berathungen gepflogen und die nächste
Woche ist als Zeitpunkt bestimmt worden,
um den Defensiv-Krieg zu beginnen. Sie
behaupten, daß ihr Geichäst durch die Bewe
gung außerordentlich leiden würde. An die
bis jetzt geschlossenen Wirthschaften haben die
Brauer Cinciiinati's täglich 000 Faß Bier
geliefert, und dieser Verlust ist größer, als daß
sie bei demselben die Hände in den Schoost
legen sollten. Auch in Springficlb haben
sich etwa 100 Brauer und Wirthe zum Wider
stand vereinigte
In Xcnia hat einer der eifrigsten Fürsprecher
der freien Rede und des freien Trinkens soeben
capitulirt. Phillips, so heißt er, halte ge
schworen, der Macht der Belerci nicht nach;
geben; gestern jedoch rollte er seine Fässer aus
die Straße nnd ließ den Inhalt derselben un
ter Lobgesang nnd Hallelujah der Damen in
den Rinnstein lausen.
Wenigstens 500 Damen machten gestern die
Straßen unsicher und veranlaßten Hnnderlc
von Einwohnern, den Vertrag zu unterzeich
neu. Ein aller Mann, welcher seit Jahren
ein starker Trinker war, rief aus, als er sich
ergab: „Es geht nimmer gut; ich kann nicht
mehr ablassen! Aber, um Gottes Willen,
retret die Jungen!" In den Srraßen ziehen
vier Abtheilungen von Betschwestern, je 50an
der Zahl, umher, während kleinere Abthei
lungen die Familien heimsuchen und sie zu
einem besseren Lebenswandel auffordern. Um
die Comödic effektvoller zu machen, sind auch
Truppen von kleinen Mädchen gebildet wor
den, welche die Srraßen, Temperen; - Lieder
singend, durchziehen. In Daylon ist gestern
Abend der Ansang gemacht worden.
Montreal, Can., 20. Febr. Der Be
richt des Comite's der „Ouebec Tempcrance
und Prohibttion Lcague," welche gegenwärtig
hier tagt, empfiehlt, daß die Prediger wenig
stens zwei Mal im Jahre die Tcmpercnz zum
Gegenstand ihrer Reden machen, daß die Ge
meinden Behufs Erörterung dieses Gegen
standes so oft, als möglich, Versammlungen
halten, daß in allen Schulhäuscrn der Pro
vinz zu demselben Zwecke öffentliche Ver
sammlungen gehalten werden; daß die ver
schiedenen Sekten in gemeinschaftlichen Zu
sammenkünften Ändachtsübungen hatten und
den Segen des Himmels sür die gute
Sache erflehen, mid daß alle Lehrer an Sonn
tagsschulcn veranlaßt werden, ihren Schülern
die Grundsätze der Tempcrenz einzuprägen.
Ein Depntirter gab den Versammelten die
Versicherung, er habe aus zuverlässiger Quelle
erfahren, daß die Regierung der Domainc
bci'm Zusammentritt des Parlaments die
Sache der Berücksichtigung unterziehen werde.
New -Lj 0 rk, 22. Februar. Die hiesi
gen Wirthe wollen zur Wahrung ihrer Rechte
als Bürger und Steuerzahler ein Schutz und
Trutz - Bündniß schließen. Tie erklären in
ihren Beschlüssen, daß sich Dem, was die Na
lux bringt und die menschliche Industrie
schafft, das Gesetz nicht hindernd in den Weg
stellen dürfe; daß jegliche 'Nahrung, einerlei
ob in festem oder flüssigem Zustande genossen,
bis zu einem gewissen Grade giftig sei; daß
die Politik des Prohlbitiv - Gesetzes mit der
Erklärung der Rechte des Staates und mit
der Bundes-Verfasftlng in Widerspruch stände;
trotz alledem trieben jetzt Fanatismus und
Aufwiegelei ungestört ihr Weien.
Aus State-Island benutzten die Frauen
die Abwesenheit eines Wirthes, um in dessen
Lokal mit der obligaten Andachtsübung den
Krieg gegen den Whiskey auszunehmen.
Ehrw. Henry Ward Beecher verkündete am
Freitag Abend seiner Gemeinde, die Energie,
mit welcher im Westen der Krieg gegen den
Trunk geführt werde, sei in der Geschichte ohne
Gleichen. Er nannte das Trinken die Pest
im Haushalte; es sei ein Uebel, welches dem
Gesetze Hohn spräche; jetzt aber habe sich nuter
sichtlicher Hülfe Gottes ein moralischer Orkan
gegen dasselbe erhoben.
In der Stadt New - Jork werden die Bet
fahrten gegen die Wirthschaften noch heute be
ginnen.
New-Ijort, 22. Februar. Tie „Tri
nity-kirche" nimmt den krieg gegen die Spi
ritnosen-Händler aus. Viele Mitglieder der
selben, namentlich Frauen, haben sich bei den
Kirchen - Borstehern dagegen ausgesprochen,
Kirchen - Eigenthum an Leute zu vcrmiethen,
welche geistige Getränke verkaufen, und es ist
beschlossen worden, den Mieth -Eontrakt mit
denselben nicht wieder zu erneuern. Demnach
werden zahlreiche Wirthe, deren Lokale sich
zahlreichen Zuspruchs erfreuen, am l. Mai
ziehen müssen. Auch die weiblichen Milglie
der der bischöflichen Methodisten-Kirche spüren
nach, ob 'Mitglieder der Kirche ihre Häufer
etwa an Wirthe vermielhct haben, und wer
den, wie die „Triniry - Kirche," gegen dies
„schändliche" Gewerbe einschreiten.
Während der letzten Woche habe 3000
Frauen den Leitern der Temperenz-Vetwirth
schaff ihre Dienste angeboten, um gegen den
König Alkohol zu kämpfen. Dieselben gehö
ren „allen Confefsionen und Sekten" an. Von
dem glühendsten Eifer beseelt, verlangen sie
weiter nichts, als daß ihnen ihr Feld ange
wiesen werde, und erklären ihre Bereitwillig
keit, zu beginnen, sobald das Zeichen gegeben
werde. Auch die evangelischen Geistlichen der
Stadl wollen sich berathen, wie die ganze Be
wegung zu organisiren fei, damit sie nicht in
wilden Fanatismus ausarte. Die Leiter thun
mit ihren Plänen gar geheimnißvotl, und zu
erfahren, was ihre Absicht fei, ist sehr schwer:
sie wünschen eben nicht, daß die Wirthe von
den gegen sie vorliegenden Plänen im Voraus
unterrichtet werden.
Die „Damen" n. ihre Freunde sind sich des
sen wohl bewußt, daß die Stadl New - Ljork
ein von Ohio gäuzlich verschiedenes Schlacht
feld bietet. Sie werden in den Wirthschaften
keine 'Ändachtsübungen halten, wenn sie nicht
ausdrücklich dazu eingeladen werden. Sie
werden ihre Arbeit mit dem Gesetz völlig har
monircn lassen. Zwei oder drei derselben wer
den in aller Stille die einzelnen Wirthe bc
suchen und dieselben auffordern,von ihrem Ge
schüft abzulassen. Herren, welche die Bcwe
gung leiten, werden sich zu den Polizei-Com
missären und dem Bezirks - Anwalt begeben
und sich die Namen Derjenigen erbitten,
welche in übcl-berüchiigtenHäusern Spirituo
scn verkaufen. Sie werden dann alle diejeni
gen Kirchen-Mitglieder besuchen, in deren
Häusern Wirthschaften sind, und die Eigen-
auffordern, die Sünder auszutrei
ben. Sollte es nothwendig erscheinen, so
werden sie ein Vcrzeichniß aller Kirchen-Mit
glieder aufnehmen, welche Häuser der Art
besitzen.
Es giebt, beiläufig bemerkt, in der Stadt
New -Ljork 8403 Wirthschaften, welche Eon
zcssicn haben. Man schätzt, daß jährlich
P 38 —68 000,000 für Spirituosen ausgegeben
werden. Während des Jahres 1873 fanden
in Folge von Trunkenheil und unordentlichen
Betragens 60,185 Verhaftungen statt. Von
51,466 dem Gefängniß überwiesenen Indivi
ducn waren 30,507 Trunkenbolde.
New - Zork, 22. Februar. Der Dem- !
percnz Kreuzzug wurde heute Abend von einer j
Bersammlung in der Kirche der „StrangerS" !
und in der 17. Baplislcnkirche eröffnet. Beide !
Häuser waren sehr gut besucht. Tie Geistli j
cheu, welche als Redner funqirten, ermahnten j
zur Energie und Ausdauer. Obgleich man
sich bewußt isi, daß die Bewegung allenthal-
den aus bedeutende Opposition stoßen wird,
glaubt man doch an den endlichen Erfolg.
Pitts bürg, 22. Febr. Die hiesigen !
Damen rüsten zu einem Feldzug gegen die >
Wirthe und Schnapshändler. Morgen soll !
der letzte KnegSrath gehalten werden.
Loüisville, Kp., 22. Februar. Die!
Damen von Icffersonville, Ind., haben am !
Freitag ohne viel Erfolg mehrere Wirthfchaf- i
ten mit ihrem Besuch gestraft. Morgen
kommt Ncw-Albany an die Reihe.
Milwaukce, Ä15c.,21. Februar—Tic
Temperenzler unseres Staates sind in die
höchste Aufregung versetzt durch den Borschlag
des Gouverneurs Taylor zur Modifikation
des strengen Temperenzgesetzes. In der y'e
gislatur wurde ein Antrag eingebracht, das
Gesetz aufzuheben, durch welches Wirthe für
den von Betrunkenen angerichteten Schaden
haftbar gemacht werden. Unter den Muckern
männlichen und weiblichen Geschlechts herrscht
in Folge dessen Heulen und Zähnellappern,
denn es hat den Anschein, als ob trotz ihrer
Bemühungen diesmal das Mnckerthnui eine
Schlappe erleiden werde.
Montreal, 21. Februar. Die Tem
perenzler in Eanada scheinen durch das Be
tragen der Heulwcibcr in de Per. Staaten
ebenfalls zu frischer Energie bewogen worden
zu fein. Die „Quebec Temperen; und Pro
ytbitions - Leagne" hielt in Montreal eine
! Sitzung, um die Intervention Gottes und die
i der Regierung zn Gunsten ihrer Sache an
zurufen.
Cincinnati, Ohio, 21. Februar. — In
! HillSboro'hat heule Richter Steele den Be
! fehl zurückgenommen, der den Weibern ver
l bietet, Gebete vor der Tunn'schen Apotheke
! herzuplappern, und zwar aus dem Grunde.
! weil lohnston, der Eigenthümer des Gebäu
! des, ungeeigneter Weise dem Tunn als Klä
j ger in der Sache zugesellt worden ist. Eine
, ipezielle Depesche sagt, daß die Kläger an ein
höheres Gericht appcllirt und bereits einen
! neuen EinhaltSbcfehl gegen den Unfug der
! Weiber erwirkt haben. Eine Depesche von
Zcnia derichtet, daß bis heute Abend fünf
Salons geschloffen worden sind. Heute kam
ein Salonwirth Keller heraus und
! schwang eine weiße Flagge zum Zeichen seiner
! Unterwerfung. Jede solche Capirulation gibt
! zu einem Jubiläum Veranlassung. In Oxford
! sind beinahe alle Geschäsrsplätze geschlossen.
! In Dayton organisirtcn sich heute die Weiber
! ebenfalls, um sofort zum Werke zu schreiten.
Cincinnati, 22. Febr. Eine Spe
! zial-Depeschc von Umon-City meldet, daß die
i Tempercnzbewegung die Schließung aller bis
j aus zwei Wirthschaften zur Folge gehabt hat.
! In Mannt Vernon, 0., sind ebenfalls
! mehrere Schenken geschlossen morden.
! Colum b u S, 22. Febr. Die heutige
! BctversammlungderTempcreiizversaininlung
war die größte während der ganzen Woche.
Washington, 23. Febr. Die con-
gräßlichen Temperenzler haberii gestern be
i schloffen, am nächsten Samstag den Krieg gegen
i die Wirthschaften zu beginnen.
Washington, 23. Febr. Bei einem
Wirthe in der C-Straße wurde heute Morgen
eine Postkarte folgenden Inhalts abgegeben:
„Washington, T. C., 22. Febr., 1874.
Mein Herr! Sic werden hierdurch in Kennt
niß gesetzt, daß ich mich morgen 'Nachmittag
um 4 Uhr mit einer Anzahl Damen in Ihrer
Restauration einstellen und Andachtsübiiiigcn
halten werde, um Sie und Ihre Familie zu
bekehren und Sie zu veranlassen, Ihr nichts
würdiges Gewerbe auszugeben und alle Tri
ker von Ihrem Hauie fern zu halten. Frau
E. Caffrev."
Eincinnati, 23. Febr. —Depeschen aus
allen Theilen des Staates Ohio berichten
über Temverenz-Maffcnversammlungen und
allgemeine Rührigkeit. Die Wirthe in Hills,
boro' drohen den Damen, den Verkauf von
Spirituosen wieder auszunehmen, sich jedoch
streng nach dem Gesetze zu richten.
In Findlcy begannen die Frauen hcme ihre
Thätigkeit
Jersey Eir y, 24. Febr. Die Tcmpe
rcnzler hielten gestern Abend in der Westend
Methodisten Kirche eine Versammlung ab.
ES hatten sich icdoch verschiedene Redner, ans
deren Erscheinen sich die Wasser-Frommen ge
spitzt, nicht eingefunden, und machte sich des
halb unter ihnen eine gewisse Niedcrgcschla
genheit geltend. Was ioll die Heerde ihnn,
wenn die-Hirten sie verlassen ? Ueber die Ab
Haltung von Slraßcii-Sing-Sings zur Ve
kehrung der Wirthe ist man noch zu keinem
Entschlüsse gekommen. Den Frauen sehlt der
Muth dazu. Eine nächstens abzuhaltende
Bet-Convention soll darin Aenderung schassen
und die Frauen mir wässeriger Begeisterung
sür das edle Werk erfüllen. Ucbrigens sind
die Herren Temperen; Demagogen über die
Art und Weise, wie den Wirthen zu Leibe gc
gangen werden soll, noch nicht einig; denn
sie erwarten von Letzteren elnensganz entschic
denen Widerstand.
New -2jork, 24. Febr. Der Wciber
lrcuzzug Hai gestern seuienÄnfang genommen;
mehrere Frauen haben Wirthe lii der oberen
Stadt besucht, sind von diesen artig ausge
nommen worden und haben schließlich weichen
müssen, ohne eine Unterschrift erlangt zu
haben. Frau Vcrmnhl, welche an der spitze
der kampflustigen Frauen steht, berief aus ge
stern Mittag eine Versammlung in die Schule
in der 12. Straße, nicht weit vom Broadway.
Dort wurde dann Klage geführt über D.
DeemS, den Pastor der „Chürch os lhe Siran
gerS," welcher sich einigermaßen liberal den
Forderungen der extremen Partei gegenüber
gezeigt hatte. Hr. McMullcn beschwichtigte
indeß das drohende Ungewilter, indem er den
Frauen klar machte, daß gerade Dr. Deems
mehr sür die Sache der Temperen; gethan
habe, als irgend eni anwesendes Mitglied.
Von Seilen der Verwaltung der Trinity-
Kirche wird der Bericht, daß sie beschloffen
habe, ihr Eigenthum nicht mehr dazu herzu
geben, daßWirthschaflen aus und in demselben
betrieben werden, dahin berichtet, daß ein sol
cher Beschluß schon seit Jahren existtrc: daß
aber Mielhsverträgc existiren, welche nicht zu
umgehen seien. Bei Ablaut dieser Miethsver
träge werden jedenfalls neue Verträge nur
unter der Bedingung abgeschlossen werden,daß
ans dem betreffenden Eigenthum keine Spitt
tuosen verkauft werden dürfen. In dieser
Verbindung ist das Studium eines Tempc
renz-GesetzcS, welches im Jahre 169 v inMaiiic
erlassen wurde, interessant. In dem betreffen
den Gesetze heißt es, unter Androhung schwe
rer Strafen, daß kein Wirth clnerPerson mehr
als cm „Gill" soll verlausen dürfen.
E0 lu mbu S, 0., 24. Febr. — In vielen
Kirchen wurde gestern über den Kreuzzng der
Weiber gepredigt. Einige Prediger sprachen
sich günstig über das Beten aus öffentlicher
Straße aus, während Andere meinten, daß
die Sänscr zuerst in s Gebet genommen wer
den sollten. Der katholische Bischof Rose
naus empfahl eine größere Thätigkeit inner
halb der Kirche und meinte, daß das Beten
aus der traßc eine Verletzung der Privat
rechte sei und überhaupt nichts Gutes wirken
könnte.
Eincinnati, 24. Febr. Ter Tewpc- j
renz-Hnmbug scheint glücklich den Climax er
reicht zu haben und wird jedenfalls schon bald
glücklich im Herrn entschlafen sein. Der oberste
Simplex Tio Lewis hat in Eolnmbns schmäh
licheS Fiasco gemach' und selbst die hiesige
„Gazelte," das Hauptorgan der Wassersim
plcx, kann sich böser Ahnungen, daß die
Geschichte doch aus die Dauer schief gehen
möchte, nicht einschlagen. lii den kleineren
Städtchen haben die Weiber stets Erfolg, aber
so wie etwas größere Städte au die Reihe
kommen, ist der ganze Zauber gebrochen, der
künstlich erzeugte Enthusiasmus wird durch
die Menge in's Lächerliche gezogen und ver
liert fegliche Bedeutung. 'Auch hier haben
einige Wirthe bereits schriftliche Ankündigun
gen erhalten, daß die Weiber sich auch dem
nächst einfinden würden, doch werden diese
Briese wohl ant einen schlechten Witz zurück
zuführen sein.
Eolumbus, 0., 24. Febr. Heure
Mittag trat hier eine Staats Demvereuz-
Convenlion zusammen, welche von etwa 100
Delegaten aus allen Theilen des Staates
besucht war. Dio Lewis führte den Vorsitz.
Etwa 50 Damen, welche an dem Krcuzziig in
verschiedenen Städten eifrig betheiligt gewe
sen waren, nahmen Platz auf der Plattform.
I. C. Van Pelt, d-r bekehrte Wirth, hielt
eine eonfufc Rede. Eine Depesche von Lan
casicr meldete, daß dort 1000 Frauen den
Kriegspsad betreten. Ein Brief der Schwester
des Senators Therman zeigte an. daß diese
Dame mit der Bewegung sympaihlsire.
Je fsers on vi lt e, Ind., 24. Febr. —
Die Frauen fahren in ihren Bestrebungen,
den Spirilnosenhandel zu unterdrücken, fort.
Heute Morgen wurden acht Wirthschaften
von 50 Frauen heimgesucht, dieselben landen
aber nur an zwei Plätzen Eingang. Bis ictzt
j sind alle Wirthe standhaft geblieben.
Zchil'd i
Ter vielfach in unfern Blättern besprochene
Etupps, alias Karl Bogt, der muth
maßliche Mörder des MarauiS Bianca in
Brüssel, befindet sich noch immer in New 'chork
in Haft. Abermals ist ein Gesuch um feine
Freigabe abschlägig befchiedeii worden. Bogt
wurde, bekanntlich nach Erledigung der Ans
liefcrungsverhandiungen, die für ihn günstig
ausfielen, von der Eriminalanklage entbun
den, jedoch sofort wieder verhaftet auf eine
Eivilklage der Frau Etcphanie Duval de
Boliev, Verwandten des ermordeten Marquis
Bianco in Brüssel, um die Herausgabe von
Kl 1,000 zu erzwingen, die den Werth der da
mals von Bogt angeblich geraubten EtaatS
papiere repräsentiren. Der Richter begrün
dete feinen abschlägigen Bescheid damit, daß
das Affidavit, auf Grund dessen der BerhaftS
bcfehl erlassen worden, wahr, also auch die
Bewilligung desselben legal gewesen sei. Ter
Nichlor ist ferner der Ansicht, daß der bloße
Antrag des Anwalts des Verklagten, F. E.
Bowen, gleichbedeutend sei mit dem persön
lichen Erscheinen desselben, und daß dieser,
anstatt der beiden früheren, für den Verklag
len zu plaidiren das Recht habe.
Telegraphische Tepescheu.
(Europäische.kabelberichte.
Pari s, 22. Febr.-Die elsaß-lothringischeii
Dcputirten haben sich ans dem Reichstage
zurückgezogen und sind nach Straßburg zu
rückgekehrt.
Paris, 23. Febr. Die Bürger Straß
burgs verlangen, daß der Bischös Roß seinen
sitz im Reichstage ausgebe, weil er den Frank
surter Vertrag als güllig anerkannt hat.
vi Paris, 23. Febr.
Qneber und 6 andere Reichstagsmilglieder
für Elsaß-Lothringen haben ein Mannest er
lassen, in welchem sie den Bischof Roß tadeln,
weil er den Frankfurter Vertrag als rechts
kräftig anerkennt.
Haag, 23. Febr. Während des letzten
Gefechts haben die holländischen Truppen ein
wichtiges Fort in Achecn erobert und 200 der
Vertheidiger desselben getödtet. Die Holländer
verloren nur 6 Todle und 56 Verwundete.
P enang, 23. Febr. Zwischen den hol
ländischen Truppen und den Atchinesen ist in
der Nähe des Forts ketogpandoewa ein zwei
tes hitziges Treffen geliefert worden. Tic
holländischen Truppen nahmen das Fort ein
und machten viele Gefangene. Die Atchinesen
verlöten zahlreiche Todte und Verwundete.
L 0 11 d 0 11, 20. Febr. Die Nachmittags
Ausgabe der „Times" bringt die Mitglieder
des nencn Ministeriums: sehr Achtb. Ben
jamin Tisraeli, Erster Lord des Schatzamts;
Baron Cairns, Lord-Hochkanzler: Earl of
Derby, Slaats-Sckretär des Auswärtigen:
Herzog von Richmond, Staats-Kriegssekre
lär; Marquis von Salisbnry, SlaatS-Sc
krerär für Indien : Earl of Carnarvon,
Slams - Sekretär für die Eolonic'n: Sehr
Achtb. George Ward Hunt, Staats-Sekrelär
des Innern; Sehr Achtb, Gathornc Hardy,
Erster Lord der Admiralität; Sehr Achtb. Sir
Slafford Northcothe, Schatz Kanzler.
Tie „Times" sagt weiter, Lord Lemox werde
Commissär der öffentlichen Bauten; Capt.
Stanley, Unter - Staats - Äriegsfckrclär der
Admiralität, und Lord Hamilton Uittcr-Sc
kretär des Acußern.
London ist heule in dichtem Nebel einae
hüllt.
L 0 nd on, 20. Febr. Hr. Scheuet, der
amerikanische Gesandte, und Hr. A. G. Cal
teil, Spcziai Agent der Vcr. Staaten in Eu
ropa, werden morgen mit dem Dpfr. „Abyf
sinia" nach New-chork abgehen. Hr. schenck
wird wahrscheinlich drei Monate lang abwc
sendfcin; fcincFamiiie bleibt hier. Hr.Moran,
der Gesandlschafts-Sekretär, wird interimi
stifch die Geschäfte des Hrn. Schcnck über
nehmen.
London, 20. Febr. Hr. Tisraeli halte
heute Nachmittag 3 Uhr eine Unterredung mit
der Königin.
Heute wurden nicht weniger als drei Bahn
Unfälle berichtet; ein schottischer Postzng stieß
bei Presto mit einem Frachtznge zusammen
und 15 Personen wurden verletzt. Zwei sind
seitdem gestorben.
Der Sehr 'Achtb. E. Cardwell, Gladstone's
Kriegsminister, soll in den Pairsstand erhoben
werden, unter dem Titel Viscounl Riving
loii.
Heule wurde der Kabeldampfer „Faraday,"
5000 Tonnen Last, in Newcastle vom Stapel
gelassen.
London, 22. Febr. Daß Tisraeli die
Zahl der Cabinets-Mttglieder auf 12 bc
schränkt hat, wird von der Presse allgemein
gebilligt. Gladstone's Cabinel zählte 15 Mil
gliedcr.
Sir Charles Edward Trevclyan wird zum
Baronct erhoben werden.
Parkcnhain, englischer Gefandtfchafrs-
Sckrctär in Washington, und Hr. Watfon,
englischer Gefandtfchafts Sekretär in Kopen
hagen werden ihre Stellungen tauschen.
Folgende weitere Ernennungen werden ge
meidet: Lord Sandon, Vice - Präsident des
Raths; Lord George Charles Leiinot, Kom
missär für öffentliche Arbeiten und Bauten:
Smith, Parlaments - Mitglied sür Westmin
ster, Finanz-Sekretär des Schatzamts.
London, 21. Febr. In Cape Coast
Castle ist am 23. Januar eine Depesche einge
laufen. welche meldet, daß Coomassie, die
Hauptstadt der AschantiS, kapitulier habe und
der König und seine Familie zu Gefangenen
gemacht worden seien.
Londo n, 22. Febr. Es wird berichtet,
daß Hr. Gladstonc beschlossen hat, nicht fer
ner aktiven 'Antheil an den Parlamentsver
haiidluiigen zu nehme. Ter „Observer"
spricht jedoch die Hoffnung aus, daß dieser
Entschluß nicht entscheidend sein möge.
Es herrschen augenblicklich viele Muth
maßungen darüber, wer Gladstone's Nach
folger als Führer der künftigen Opposition
sein wird.
Der amerikanische Gesandte Schcnck reiste
am Samstag mit dem Dampfer „Äbyffinia"
von hier ab.
London, 23. Febr. —Der bekannte lonr
nalist und Schauspiel-Dichter Charles Shir
leq Brooks ist gestorben. Er war bis zu sei
nem Tode Redakteur des Londoner „Punch."
Londo ii, 23. Febr. Es heißt, daß sich
das Parlament bei seinem Zusammentritte
sogleich bis zum 12. März wieder vertagen
werde, damit denjenigen Mitgliedern, welche
von Tisraeli ein Amt angenommen haben,
Gelegenheit gegeben werde, an ihre Consti
luenten Behufs Wiederwahl 'Ansprachen zu
halten. Tic Thronrede wird erst bei der im
März erfolgenden Wiedereröffnung verlesen
werden. Der Sehr Achtb. Sir William Ro
bert Scymour Fitzgerald wird wahrscheinlich
zum Unrer Staatssekretär für Indien ernannt
werden.
Londo ii, 23. Febr. Hart Duke ist zum
Patronage-Sekrelär des Schatzamtes ernannt
! worden.
London, 23. Februar. Daskriegs
i Ministerium hat keine Nachricht erhallen, daß
mit den AschantiS Friede geschlossen sei.
! Londo n, 23. Febr. Sir MichaelHickS
Beach ist zum Chef-Sekretär für Irland und
Sir Henry Sclvin Zbbeljon zum Unter Se
kretär des Innern ernannt worden.
London, 24. Febr. Sir Chartes Ad
derly wird Präsident der Handelskammer. !
Sir John Packinglon ist unter dem Tirel
eines Barons Hamilton in den PairSstaiid z
i erhoben worden. Sir Barlle Freie hat ge-
SternAbend in einerVcrsammlnng der.,tönigl.
geographischen Gesellschaft" seine Ueberzcn
gung ausgesprochen, daß die Nachricht von
dem Tode Livingstone's wahr sei. Ans Hrn.
Gladstone's Vorschlag hat die Königin den
Kindern Livingstone's eine Pension vönPlooo
ausgesetzt.
L o II d o ii, 24. Febr. Der „Globe" sagt,
die Nachricht, daß Charles Adderly Präsident
! der Handelskammer werden würde, sei vcr
früht.
London, 24. Febr. Sir John Karslake
ist zum General - Anwalt und Sir Richard
Baggally zum General - Solicitor ernannt
worden. Hr. Tisraeli unterbreitete heute der
Königin eine Liste der kleineren Ernennungen.
Paris, 20. Ter Minister des
Innern hat ein Rundschreiben au die Prä
fetten gesandt, in welchem dieselben angcwie
scn werden, auf diejenigen Vürger, welche
nach Chifelhurst reifen, um dem kaiserlichen
Prinzen bei seinem Eintritte in die Großzäh
rigkeir ihrcHuldignng zu bringen, scharf' Acht
zu haben.
New-2)ort. 23. Febr. Ein Bericht
ans Paris meldet, daß der Gouverneur von
Paris bei der National - Versammlung um
Erlaubniß nachgesucht hat, den Monsigncur
Mclvil Bloncoun, Depulirten für Gnada
lonpe, wegen Betheiligung an den Handlun
! gen der Commune zu verfolgen. Melvüßlon
- court ist der einzige Neger in der Vcrsamm
! lung und gehört zii den Radikalen der äußer
! sten Linken ; er war Hülss-Kriegsminister un
ier Cluseret. Es ist wahrscheinlich, daß Bio
court nach England flüchtet.
Paris, 24. Febr. —Ex-Präsident Thiers
sagt in einem Schreiben an den republikani
schen Kandidaten des Departements Vicnne
für die Nationalversammlung, das; es seine
feststehende Ueberzeugung geworden, daß eine
Republik die einzig mögliche Regicruiigsform
Frankreich s sei.
Spanien.
M adrid, 22. Febr. —ln Biscaya habe
seit einigen Tagen erbitterte kämpfe stattge
runden. Gen. Dorregaray hielt mit 25,000
! Karliften die Höhen von Somorostro beseht.
Die Republikaner habe den ersten Höhenzug
' unter bedeutenden Verlusten genommen. Die
Verwundeten wurden nach Santantcr gc-
I bracht. Die Flotte ist von letzterem Haren
abgegangen, um Portugualetc zu bombardi
reu, welches gleichzeitig von der Landscite an
gegriffen werden soll.
' ! "(Zpäter.) Tie Flotte fuhr am Freitag ii
! den Fluß cm und fand Portugualetc gc
- räumt.
Baqonne, 22. Febr. Tie Karlister
- haben die Stadt Vinaro; in Valencia ange
z griffen.
Baqonne, 23. Febr. Tic spanische
e Flotte, welche den Bilbao-Fluß nach Portu
r galete aufwärts fuhr, hat in Folge eines hes
e > iigen Sturmes wieder in stechen müssen
. > General Rivers, welcher sich der Stadt zi
- ! Lande näherte, hat sich, weil ihm der Beistan!
5 j der Flotte fehlte, zurückgezogen.
l ! M adrid, 24. Febr. General Sickte
verabschiedete sich gestern von Scrrano.
Der „Epoca" ist wegen Vergehens gegen
das Preßgesctz eine Geldbuße auferlegt wor
den.
Bay onn c, 22. Febr. Tie Garnison !
von Vinarez, 200 Mann stark, ergab sich!
heute den Karlisicii.
Ron, 22. Febr. Tas „Popolo Ro-!
mano" sagt, Cardinal Antonelli hat ein Cir-
knlarschretben an alle Bischöfe gerichtet, in j
welchem er sie auffordert, nach Rom zu kom
men, da sie der Papst vor seinem Tode zu
sehen wünsche.
Rom, 23. Febr. DaS Gerücht, Car
dinal 'Antonelli habe die Bischöfe Vürch ein
Rundschreiben eingeladen, den Papst vor sei Z
nein Tode zu besuchen, erweis't sich als falsch, i
RutzlanS.
St. Petersburg, 22. Febr. Ter
Kaiser von Oestreich reiste heute 'Abend von
hier nach Moskau ab.
Sl. PelerS burg, 24. Febr.—Der ame
rikanische Gesandte le'well gab gestern Abend
zu Ehren von Washington's Geburtstage ein
großes Fest, welchem alle Diplomaten und
eine große Anzahl von Amerikanern beiwohn !
tcn.
Die Insurrektion in Japan.
London, 22. Febr. Depeichen von >
Nagasaki melden, daß der 'Aufstand rasch um
sich greift und die Situation kritisch ist. Die
Insurgenten ziehen gegen die Stadt und wa
ren so nahe, daß die Änsländer bereits Bor
bereitungcn zur Flucht trafen. >
Asien. Tic Hunoers.rotl, in Indien-
L 0 ll d 0 11, 23. Febr.—Eine Speziol-Te
pcsche aus Calcntta an die „Times" meldet,
daß in den Bezirken von Tirhoat und Bogli
ooor in Bengalen 250,000 'Menschen keine
Nahrung haben, und daß 500,000 Menschen
Hungers gestorben sein würden, wenn die
Regierung nicht Hülse geleistet hätte.
N c w-?j 0 rk, 24. Febr. Eine Spezutt-
Dcpcschc aus London bringt folgende Beschrci
bimg der HimaerSnolh m Indien: „'Mangel
und 'Noth herrschen weit und breit längs des
Fußes des Himalaya Gebirges im Bezirk von !
Nepaul und umfassen die ganze Länderstreckc
zwischen Oude nno Tarjcelmg. Die Gegen
den, in welchen die Hungersnoth aiiftttit, in
von Eisenbahnen und Verkehrswegen weit'
entfernt und schwer zu erreichen. Fünizig
Bezirke außer TevaS, mir einer Geiammtbc
völkcrung von 26,000,000 Seelen, laufen Gc
fahr, von allen Schrecknissen einer Hungers
noth heimgesucht zu werden. Das ist'noch
nicht 'Alles, da 12 andere Bezirke, welche 14, i
000,000 Einwohner zählen und fast ganz ohne
Verkehrsstraßen sind, m gleicher Gcfahrschwe z
ben. Die Kults und Arbeiter leiden am!
Meisten, da alle 'Arbeit in den Reisicldcr
ausgehört Hai.
Tic Regierung halte, che die Noth ans-
brach, die Vollendung dreier öffenttichen 'Ar
betten im Auge: l) die Bewässerung von ka >
näleii; 2l dei! Bau einer Ei'eubahn im nörd
lichen Bengalen, und 3) die Eindeichung des !
Flusses Giindiiik. 'An den Kanälen waren!
32,00 Arbeiter beschäftigt, denen ihr Lohn !
gezahlt wurde, und weiche ihre Lebensmittel !
aus benachbarten Regierungs Niederlagen!
bezogen. Tie Regierung Hai nngehenic Vor >
rüthe aufhäufen lassen, welche bis zum Mai
reichen sollen. Tie Berechnung ist ant frü
herc, ähnliche Ereignisse basirt: es erscheint
jedoch zweifelhaft, ob die Hülfe sich in allen
Fällen als wirksam envciicn wird, da es
Thatsache in, daß bei einer früheren Hungers
noth zahlreiche Personen starben, ohne um!
Hülfe zu bitten. Der gegenwärtig heimge
suchte Theil des Landes ist bei Weitem entle
gener und der Transport mft Schwierigkeiten
verknüpft, weil es an Futter sür das Zucht
vieh fehlt. Weder die Regierung, noch die
Bevölkerung kann augenblicklich mit Sicher
heit angeben, wie groß die eigentliche -Noth
ist, oder wie verheerend die Wirtungen dcrscl
ben sein werden. Tie Regierung fühlt übrigens
die ganze Schwere ihrer Verantwortlichkeit
und har alles Mögliche gethan, um der 'Noth
zu steuern: was aber die Regierung aw Mei
sten fürchtet, ist der Mangel an Eisenbahnen
und sonstigen Verkehrsmitteln, welcher es so
schwer macht. Hülfe zu leisten."
Afrika.
Aden, 23. Febr. Hr. Tlllon, ein Mir
glied der von Dr. Livingstone geleiteten Er
sorschungs - Expedition, hat Selbstmord be
gangen.
Die sterblichen Uederreste Livingstone's wur
den bis zum 20. d. M. in Zanzibar erwartet.
Die Camcron-Expcoiilon wird sich nach Njiji
begeben, um des Verstorbenen Rachlaß in
Empfang zu nehmen.
Australien.
Melbourne, 24. Aus dem von
London hier eingetroffenen Dpfr. „Mongol"
war eine Krankheit ausgebrochen; 67 Perso
nen erkrankten und 16 starben.
Zn!aud-Tepeschen.
Chinesischer Besuch im „Weißen
Hanse."
Washington, 24. Febr. Unter den
Heuligen Besuchern des „Weißen Hauses" war
Ehiußau Piu, der chinesische Kommissär sür
Erziehungswesen. Derselbe wurde dem Prä
sidcntcn vom Sekretär Fish vorgestellt, und
die Eonversation wurde mittelst eines Dol
metschers geführt. Es war ein reiner Höf
lichkettsbewch ohne alle politische Bedeutung.
Ter Kommissär drückte seine Freude darüber
ans, daß ihm die Ehre zu Theil geworden
sei, dem obersten Beamten einer großen Na
tion vorgestellt zu werden und erwähnte des
lebhaften Interesses, welches das amerika
nische und das chinesische Volk für das Erzie
huugswcseii hegten. Der Präsident sprach in
seiner Erwiderung die Hoffnung aus, daß der
Verkehr zwischen China und den Vcr. Sraa
tcn lebhafter und allgemeiner werden möchte.
Ter Kommftffär wird nächstens nach Euba
gehen, um über den Kmi Handel Etwas zu
erfahren.
Tie Mordthaten zu Halifar.
V ost o li, in. Febr. - Nachdem die Vei
chenschan-Geschworencii die mit den Mord l
lhaicn verknüpften näheren Umstände inner I
sucht hatten, gaben dieselbcn,henle zu Bridge s
watcr ein Versilt, durch welches Everett!
Eturlevani, der v'rostnefse der Ermordelen,
des Verbrechens bcschutdigl wird.
Temperen,lcr, welche nicht von vcr
Weivertoilpeit angesteckt sind.
New ch ort, IN. Febr. Tie dritte
Jahre? Eonvention der „Vietropolitan Total j
.'lbitinenz Union von iltew tßorl" i'and Heine j
! hier statt i dieselbe zablt in New chorl allem
>ooo Mitglieder. Es wurden Beschlüsse an
l genominen, in denen man ausspricht, das; !
man kein Vertrauen zu der Frauenbewegung j
habe, indem dieselbe nur von der öffentlichen j
Äusregung abhängig iei: die Geieilschait cm
pfiehlt vielmehr rcligiö'e Vecinslussnug als
das einzige Rettungsmiiiel. s
ZT er Polizei-Mord in New-Uork.
New Vork, itt. Febr. Es hcrrichl
hier allgemeine Erbitterung darüber, daß Me
Namara am Tonntag Morgen von einem
Geheimpolizisten erschossen wurde. Tuper
iuteiident NUitsell antwortete ans an ihn er
gangene Ülnirage i „Ich weiß Vienig davon;
der gefährliche Zustand des PräsidentenTmiih
hatte mich so aufgeregt, daß ich dem Fall we
nig Auimertiamkcii ichcnkie. Tie Polizisten
hatten das Recht, die Thüre zu erbrechen,
wenn sie glaubten, daß das von ihnen ge
suchte Individuum sich in einem der Limmer
befände, r'aye war angenicheiulich w vcr ,
wirrt und erregt, daß er seiuePislolc abfeuerte, i
weil er nicht wußte, was er Bestens thun I
könnte. Statt der Pistole hätte er seine Keule l
gebrauchen sollen. 'Außerdem versäumten die
Polizisten, ihre Schilder zu tragen, und Das !
war sehr unrecht."
Verzweifelter Fluchtversuch von
Strafgefangene.
P a w lin g, R. P., 2:1. Febr.— Als heuic !
Biittag der Posttrain hier eintraf, erschien Hr. >
Green von Aalonah mit einem miiHaudfchel !
lcn gefesselten Gefangenen und erzählte fol !
gcnden Borfall. Scherns ZibeEarpenter ver
ließ mit zwei Gefangenen White Plains, de
reu jeder zu fünisährigerZuchthausstrafe ver
urtheilt ist, um sie in das in
Albany zu bringen. Als der Tram an To !
wer'SStatiou ankam, verschaffte sich einer der !
Gefangenen eine Haarnadel und schloß damit !
seine Handschellen am. Er eilte sofort nach I
der Thür des Bahuwagens nud es gelang !
ihm, auf die Platform hinauszukommen, und j
dann sprang er vom Bahnzugc herunter. !
Als Schcriff Earpcntcr den Fluchlvcr'uch je :
neS Gefangenen bemerkte, packte er mit der
, einen Hand den zurückgebliebenen Geiaugeneu !
und mit der anderen riß er an dem Glockenseil, !
' bis der Train zum Stillstand gebracht war: !
! hierauf übergab er seinen Gefangenen dem !
Hrn.Grccn, sprang vom Train herunter, und !
verfolgte den Flüchtling. Nach einer langen
Jagd gelaug es ihm, den Entflohenen wieder
zu fangen und er brachte ihn nach Pawling.
Der Train lief Mi Meilen pro Stunde, als
, der Gefangene heruilrersprang, und hatte der
selbe sehr schlimme Eontnsionen erlitten. Die
Gefangenen werden heule Nacht in Alban
, ankommen.
Eine alte Dame und ein Kind
verbrannt,
e Elmira, N. 2)., 24. Febr. Bei einer
- in Millporr, N. 2>., tamen gc
- stcrn Morgen eine alte Dame und ein .Kind
. in de Flammen um. Es wird Biaudstn
a I tung vermuthn.
d ! Der Ausstand der Weber in Ken.
fington, Pcuus.
s Philadelphia, 22. Febr. Die Ar
' beiter der BaumwoU- und Wollspinnereien
hielten heute Morgen eine Versammlung, wel
cher 500 Männer und Frauen beiwohnten.
ES wurden Beschlüsse angenommen, welche
sagen, daß der von den Arbeitgebern gezahlte
Lohn nicht ausreiche, um die nöthigsten Aus
gaben zu bestreiten, und daß die Arbeiter stand
hast bleiben wollen, dis ihre Forderungen be
willigt werden.
Hr. Black hielt eine Rede, in welcher er
sagte, die Weber könnten bei dem jetzigen Lohn
nur P 4—6 wöchentlich verdienen. Während
der Krisis hätten sie sich in da Unvermeid
liche gefugt; letzt jedoch, wo das Geschäft wie
der storirc, hätten sie ein Recht, zu fordern,
daß ihnen der frühere Lohn wieder gezahlt
werde.
schrecklicher Tod eines deutschen
. Jünglings.
Philadelphia, 23. Febr. Der 16-
jährige Sohn des in Nr. 711. Belgradc-Str.,
wohnhaften Bäckers Hrn. Philipp Oehlmann
kam heute Morgen auf eine traurige Weise
um sein Leben. Er war ein großer Freund
von gymnastischen Uebungen und pflegte,
nachdem er des Morgens uin 5 Uhr ausgestan
den, im Badezimmer zu turnen. Zu Zeilen
lhat er seinen Kopf in eine von der Decke her
abhängende lederne Schlinge und schaukelte
sich dann hin und her. Obgleich er mehrfach
gewarnt worden war, hatte er doch heule
Morgen dasselbe Experiment gemacht, und
als Hr. Oehlmann um 56 Uhr zufällig in's
Badezimmer ging, sah er die noch warme
Leiche seines Sohnes an dem ledernen Riemen
hängen. Tic Schlinge borte sich zusammen
gezogen und dem jungen Gehlmann augcn
'cheinlich die Kraft gefehlt, sich zu befreien.
Gutsprüngene Gesangcc.
Phil a dc l p hia, 24. Febr. --- Thoma
Nitro und Jonathan Rushorn, zwei Insai
scn des Aionigoincrn Coiinly-Gcsängniffes in
Norttstown, sind gestern Abend ani eigen
thümliche Weise entkommen. Die Zclle. in
welcher sie eingesperrt waren, liegt an dem
linken Eorridor des Gefängnisses. Tic Bret
ter des Fußbodens bedeckten denselben nicht
überall. Die Gefangenen nahmen dü kür
zercn Bretter heraus, doch ohne sie irgendwie
zu versehren, und begannen icvl zu graben.
Nachdem sie eine unter der ihrigen zgelegeue,
dunkle Zelle erreicht halten, gruben sie einen
Tunnel unter dem Hanprinndainenr des Ge
bäudcs und gelangten, nachdem sie auch einen
lt Fuß langen Gang an die Oberfläche
kergettellk hattcn, in den Hosranm nnd von
diesem ilt'c Freie. Bis >eitt hat man von
ihnen keine Spür. Beide büßten iür Dieb
stähle, und zwar Mira ans 6 Jahre.
Cine Hrau klagt iliren Man der
Vergiftung an.
Pi ttsb nrg, Penns., 23. Febr.—James
McMailigal winde geilern ans einen von sei
ner Frau crwiilicii Vcrhaftsbttebl zu Bloom
ville, Seneea Coiuity, O hio. verhastei. Sie
beschnldigi ihn, mehrfache Versuche gemach!
zu haben, sie zu vergiften, und zwar ein Mal,
indem er Sirychniii in ihren Kaffee lhai und
ein zweites Mal, indemer ihr Zuckerwaaien
gab, welches mit demselben Gift besprengt
war. Er betheuerte >einc Unschuld und er
klärt die Thatsache, daß sich Gilt an den Znk
lerwaaren befand, dadurch, saß er vor einiger
Zeit Strychiilii gelauft, um Ronen zu ver
giften, nnd dasselbe in der T asche nach Hause
getragen habe. Das Ehepaar ist erst kurze
Zeit vcrhciraihei.
Verhaftung ciiics Mörders.
Richmond, Va., 22. Febr. Win.
Jones, alias E. Lawrence, ein Neger, ist in
Charlottcuille von den hiesigen Gchcimpoli
zisten Knox und Wrcn verhaftet worden: der
selbe ist anacklagt, den Wni. C. Türkin in
Eulpcpper Conri House vor zwei Monaren
ermordet zu haben.
Jones war ein Ziichihaussträsling, der lue'
gen Eiiibriichs ui King William s Connly iiir
einen längeren Termin nach dem Staats
zilchthausc geschickt und von den Direktoren
als 'Arbeiter am Lewis Tunnel ausgemiethet
> wurde, wo er entfloh und bald daraus den
! lungeil Türkin ermordelc. 'Aus seine Vcrhas
! tnng war ein Preis von 600 ausgeübt.
Votts-Alst,z
Wil ming ton, N.-C.,23. Febr.—Steve
Lowry, der letzte Uebcrlebende der berüchtigten
Vcrbrecherbande von Robcfon-Conntn, ist in
dem oberen Theil des Eonnty'S von Patter
fon, Sittton und Holcombc, drei Bürgern,
er'chossen worden. Cr stimmte eben fein
Banjo, um einigen Fuhrleuten etwas vorzu
spielen, als er von 3 Kugeln getroffen todt zu
sammcnbrach. Seine Leiche ist jetzt in Lum
berton, dem Haupton von Robeson-County.
N e w - 'Z> 0 r k. 24. Febr. Eine Depesche
ons Moß Neck, Robeson-Eoultty,R.-C., mel
der: „Die jungen Männer, welche Steve
Lowry erschossen, mietheten einen karren und
fuhren mit der Leiche nach Lnmberton. Das
Ereigniß brachte in der Ortschaft eine große
Ausregung hervor, Gruppen sammelten sich
auf den Straßen, besprachen die Tragödie
und freuten sich über den Tod des letzten der
berüchtigten Verbrecher. Tie Leiche ward von
Kugeln und Schrot durchlöchert. Ter Kopf
war an mehreren Stellen von Kugeln durch
bohrt, und das Her; war dreifach getroffen.
Der Bösewicht war bis an die Zähne bewass
net; man fand an ihm eine Büchse, drei Pi
stolen und ein Messer, dessen Klinge wenig
stens 12 Zoll lang war. Er war etwa 28 bis
29 Jahre alr und soll ein seiger, verrärhenscher
Kerl gewesen sein."
Sluftauckien eines ermordet Ge
glaubten.
Loutsville, Ky., 24. Febr. George
Play von hier, welcher vor etwa 15 Monaten
mit 51500, sein Eigenthum eines kans
manncs, der hier Geschäfte machte, in New
2)ork verschwand und von seiner hier wohnen,
den Familie als todt betrauert wurde, ist in
Montreal, Ivo er unter einem falschen Namen
mit einer anderen Frau gelebt ha:, wieder aus
i getaucht.
Regen und UebersHwemmung im
Oftiotftalc.
Cincinnail, 22. Febr. Seit Freitag
Mittag hat es bedeutend geregnet. Der Ohio
ist 57 Fuß rief, und das Wasser steigt bcstän
dig. In Pittsbnrg har es seit 30 Stunden
beständig geregnet', die oberen Nebenflüsse des
Ohio sind bedeutend angeschwollen. Der
soildaucrnde Regen vermehrt die Befürchtung
einer großen Uebcrschwemmnng.
Cinc i un at i, 23. Febr. Klares, win
digeö und kühleres Wetter hat die Gefahr
einer verheerenden Ueberfchwennimug bcsei
iigl. Bootsleute, welche de Fluß herunter
kommen, berichten, daß auch das Wasser in
den Nebenflüssen sinkt.
Das Wasser im Muskingnm Hai seil lah
reu keine solche Höhe erreicht, wie jetzt.
Strvcitcr-Nnrnftcn uns Mord
in ttcntncky.
Cincin ii a t i, 24. Febr. SwiN'S Ei-
senwcrke in New von, Kn., eilten zur Zeit >
des Paniks im letzten Herbste die Arbeit ein !
und die Compagnie versvracki, innerhalb zwei
Monaten zu reduzirten Löhnen wieder arbei
teil zu lassen. Da dieArbeiier sich w.igertcn,
unter dieieu Bedingungen die Arbeit wieder
auszunehmen, so wurden Leute von Pittsbnrg
verschrieben, welch: bisher allen möglichen
Trohuiigen und Belästigungen ausgesetzt wa
reu. Juni Schutze dieser fremden 'Arbeiter
wurde der Dampier „'Alex. Swfti" in ein
kost und Logirhaus umgewandelt und iiiin
Polizisten mußten denselben und die Werke
beständig bewachen. Heute Nachmittag be
gaben sich 15 'Arbeiter unter dem Schutze von
vier Polizisten nach Covinglon: an der Ecke
von Elm und Brighionstraßc in Newpon
wurden sie von einem Pöbelhaiften angegrif
fen, einer der 'Arbeiter feuerte eincnSchuß ab,
welcher den 'Metzger Friedrich 80ß, der a!
unschuldiger Zuschauer in der Thüre stand,
todt niederstreckte. Tie Arbeiter flohen nach
Covington. Man befürchtet, daß beute
! Abend ein 'Aufruhr ausbrechen wird.
Drciffnndcrt Fischcrin Gcfatzr, zu
ertrinken.
Detroit. Mich., 23. Febr. Ter starke
Wind hat hcuic das Eis aus der 'Mündung
! des Saginaw Flusses die Bai hinab getrie
! den. Es heißt, es seien 300 Fischer auf dem
! Treibeis, welches nach den letzten Berichten 5
I Meilen vom Lande entkernt war. LR an fürch
! let, das Eis werde brechen, ehe für die Ret
! tung der Hülsloscn etwas geschehen kann.
Ginc chc^Situation.
! BaqCiiy, Mich.. 23. Febr. Nach
richten sind hier eingetroffen, daß Heine Mor
gen 3 Uhr ini See eine mebrcre Meilen breite
Eisscholle östlich von der Mündung des Flus.
ses sich vom Uier losriß und in den See
hinaustrieb. Zur Zeil befanden sich an 300
Fischer mit mehreren Gespannen auf der >
Scholle. Das Eis ist solid und die Leute
sind mit Hütten, Feuerholz und Lebensmitteln
wohl versehen.
(Später.) Nachrichten von Saibcwaing
melden, daß bort .50 Manu von der Fischer
Partie gelandet sind. Andere Berichte zeigen
an, daß sich bereits über 200 Personen gerettet
haben und nur 2 ertrunken sind. Für die
klebrigen hegt man bis jetzt noch keine Be
fürchtungen.
Die V r vcitcr-Dcmonitration in
Indianapolis.
Indianapolis, 23. Febr. Gestern
haben die 'Arbeiter hier eine Masienversamm
lung gehalten und iolgcnde Beschlüsse gefaßt:
.. „Wir indossiren von Herzen die Maxime:
! „Leben und leben lassen," damit der Arbeiter
! dasselbe Recht haben mag, den Preis auf seine
! Arbeit zu setzen, das der Kaufmann hat, den
! Preis seiner Waaren zu bestimmen. Tie Zeil
> ist gekommen, in der die Arbeiter auf ihrem
Nr. 9.
Rechte bestehen sollten. Tic Zeit für eine
allgemeine Erhebung und Organisation aller
Industrie-Zweige ist oa, c der dieselben die
Ursache nmerer Erniedrigung dauiedcrtrcten
sollten. Wir haben jetzt die Waffen in nnsc
ren eigenen Händen ncmiich dieStiminzcttel
Wir verdammen die Monopole aller Art und
mir sordcril daß die Handels und Verkehrs
wcgc srci und unbehindert belassen werden,
damit die Farmer des Westens einen 'Markt
für ihre Produkte finden, und die übervoller
len Stätte zu geringerei .Postenpreiseernährt
werden können. So lange aber Monopole
bestehen, in keine lebendige Arbeit möglich,
sie ist todt. Wir billigen das System der
schiedsrichterlichen Entscheidungen, da es ein
Mittel zur Schlichtung derStreiligkciten zwi
schen den Bediensteten und den Arbeitgebern
ist, und wir verlangen das was recht ist in
einer positiven Manier. Wir oppouiren dem
Contraktsystem wie es in den Straf undCor
rections-Anstalten besteht, wir sind auch gegen
das System des Arbeiten über die rcgelmä
Bige Zeit, da es eine Ungerechtigkeit gegen die
Individuen, sowie gegen die Gewerbe ist, an
welchen die Arbeiter verwendet werden. Wir
fangen an einzusehen, wer unsere freunde,
und wer unsere Feinde sind, und wenn die
rjcit kommt, werden wir standhaft zu Denen
halten, die aufrichtig fnr uns sind. Wir sind
alle gleich am Stiinmkaften." "
Schreckliche tteständniff eine
Mörders.
Kansas Eily. Kansas, 2t. Febr.
McNntt, welcher im Dezember in Gemein
schalt mir Winner den Maler Savicrö zu
Wichita, Kansas, ermordete, hat ein Gcständ
iß seines Verbrechens abgelegt. Er lagt,
Winner habe ihn schon vor langer -Zeit in
Kansas City zu überreden gesucht, sein Mit
schuldiger an einer Reihe von Verbrechen zu
werden, und habe ihm seinen Plan detaillirt
Mcßull sollte sein Vebcn für sä>i versichern,
dann irgend Jeniaiiden todten und verbrennen
und dafür sorgen, daß die Veichesür die seinige
gehalre würde, damir das Geld gehoben
werden könne, Anfangs hätten sie beabsich
ligt, das Verbrechen In Kansas Eity zu bc
geben, yätren sich aber nächster entschlossen,
nach Wichiia zu gehen, in der Hoffnung, das;
sie nicht entdeckt würden. Da sie Maler Iva
ren, so hätten sie ein Geschäft zusammen an
gefangen und bald zahlreiche Kunden gehabt.
Die Ausführung istres verbrecherischen Vor
Habens sei dadurch aufgeschoben worden, weit
sie kein Opfer gefunden statten. Endlich sc
Winner all, Kan'as Eiln gegangen, stabe
dorr Saviers engagin und ihn nach Wichila
stinnntergeschickr. Ton hauen sie ihn be
trunken gciiiachl und istin dann Aerster ge
geben, bis er beiinnnngslos wurde. Tann
statte sie fein Genchl über ein Feuer gehalten,
dasselbe soweit verbrannt, bis es ichi mehr
zn erkennen geweien. nnd ihn dann auf ein
Inn Kostlenöl getränlies Vett gelegt. McNutt
habe dann mir einer Scheerc einen Schnitt
in Wiiilier's Arm gemacht, eine Ader in Sa
vier'S Arm geöffnet, etwa ein Onart Vlur
hcransgemnniiien und Winner niii demselben
Hause znrüctgelasi'en, > zu dem Glauben zn
veranlassen, daß Räuber dasselbe dort hätten
sallei! lassen. Er sei dann mit dem Zuge
über Aichison nach Missouri abgefahren. Win
ner habe dann das Gebäude in Vrand gesteckt
nnd nachher angegeben, er sei beraubt und
Meßntt beraub!,cd verbrannt worden.
Vranv auf einem Schiffe.
Re w Orleans, 28. Febr. Tic
Baumwollen Fracht in dein Schiffe „Jona -
than Chase" gerietst heute in Vrand und man
war gezwungen, das Schiff mit Wasser zu
füllen, wodurch l')c Valien Vanmwolle be
schädigt wurden.
Neuere Berichte von Cnva.
gegen das Hierherkommen der chinesi'cheit
Commission, iveü Amerikaner zu beneiden ge
hören. Da? Blalt gianble anfangs, die Com
Mission werde überhaupt nicht kommen: da sie
sich jedoch darin getäuscht häi, so fordert sie
den General Capirän ain, Vorsichtsmaßregelii
zu ergreifen: sie glaubt, daß die Änlis mir
der Sache in Verbindung flehen und bekürch
tet, dag die Anwesenheit der Commission Ilr
sache zu einer Ruhestörung geben wird. Rur
dieses Blatt hegt Befürchtungen. Die Ma>o
ritäl der Bevölkerung ist geneigt, die Com
Mission freundlich zu empfangen und hofft,
daß dieselbe dazu beiträgt, eine Veränderung
der gegenwärtigen Ärbcitervcrhäitnissc herbei
zuführen.
Mittel- >ni> uö-Äittlerika.
Streitkräfte von Salvador und Guatemala
fahren in ihren Bemühungen, den Provisor
scheu Präsidenten Tenor Ärias zn verdrängen
und an dessen Stelle Leiva zn setzen, fort.
Tenor Anas ist mit seinen Anhängern in der
HauptstadtComavagna eingeschlossen. Dicße
fehlshaber der allimen Truppen haben ihm
drei Tage Zeit zur Capilnlalion gegeben und
gedroht, nach dieser je rist sich der Stadl durch
Gewalt bemächtigen zn wollen. Tie Ant
wort Anas' ist nicht bekannt geworden. Am
6. dS. wurden die Operationen gegen die
Stadt begonnen, doch bis daw ohne Erfolg.
In R i e aragua herrscht gtcichfallsßuhe.
Tie nächste Präfidemenwaht findet im Okto
der statt.
C ost aRie a. Alte Tlreingteiten zwischen
Costa Riea und de andcrenSlaaten sind bei
gelegt worden. Generai Guardia in zu der
Coiifercnz abgereist, welche für die Präsiden
tc der central amenkaiuichen Staaten arran
girt wurde. Tie Cifenbahnbanlen schreiten
rüstig voriväris. Während des ganzen Mo
nais Januar herrschte ungewöhnlich gutes
Werter. Die Aassee Crndie wird auf lmi.ooci
O.nintcls geschätzt.
Am Abend des 2.7. Januar braäi in V i m a
unter den Soldaten der Barracken von t'a
FraneiSeo eine Meuterei ans. Ter Angriff
wurde aus das Pickel am Eingänge zn den
Barracken geinacht und Schüsse ivurden ge
wechselt. Räch einslündigem Aampfe streckten
die Meuterer die Waffen. Cs hatte im Todte
ad m) Verwundere gegeben.
Die „Paeine Slcam 'Ravigaiion Comp."
hat beschlossen, mit vier Dämmern eine k'inie
zwischen Callao und Tan Franziseo zn eröf?
aen.
Grvvcbe in La Guattr,:.
staGnau ra, n. Febr. Am >!. d. war
er eiit Crdbebeii, das stärkste seil Sem Jahre
112. Tie Menschen stürzten erschreckt ans
die Straßen, und der angerichtete Schaden
lst groß. Zahlreiche Personen wurde ver
Icyr'.
Lotatverichte ans Washington.
Washington, V!. Febr. iTod eines
öetannlen deutschen Bürgers. > Gestern Mer
gen um halb >c> Uhr starb .viiisiklehrcr Carl
W. Bergniaiiii, einer unserer betanntesten
nd geachletsten dentichen Bürger, im
stcbensjahre am Rervenichlag. Herr Berg
mann war lange Fahre hindurch Organist an
der Prcsbmcrianer Airche und im Damen
Seminar in Georgetown, sowie zeitweilig
Tirigeni der Gesangvereine „Arion" und
„Sängerbund." Cr war ein äußerst lüchn
ger Musiktehrcr und viele seiner Zöglinge
brachten es in der Tontnnst liiitcr seiner stei
lullg zu einer großen Virtuosität. Der Ver
norbene ivar in Alipolz ii> Hannover geboreil
niid tani im Fahre >6.72 nach Washington
Cr hinterläßt eine Wiiiwc und 7 schon er
wachjene Rinder. Sein ältester Sohn best
del sich seit letztem .Ulli ans der Bauschule i
Hannover. Hr. Bergmann stand bei Allen,
die ihn kannten, in der höchsten Achtung und
hinterläßt eine große Anzahl von freunden,
die seinen frühzeitigen Tod aufrichtig bc
trauern.
Vcrhcerciisc Bicr
zehn äuser thcilwcisc nicdcr
gebrauttt
W ashi ng lo i!, 2t. Febr.—Heute Mit
tag e i Uhr wurde vom Aasten Rr. an Alarm
gegeben. Cs brannte in der oberen Cragc
eines Hanfes an der I>. Straße, zwischen T.
und R Str. Rordwest. Tie Feuerivchr-
'Rr. l, 2 und -t ivaren rasch zur
Stelle, die Polizei zog einen Cordon und die
Spritzen begannen zu arbeiten. Sehr bald
wurde es klar, daß die ganze, i t Häuser zäh
lendc Reibe gefährdet war und die geiammie
Feuerwehr wurde anigeboicn, weicheres nach
einstündigcr, cnergi'chcr Arbeit gelang, die
Flammen zu löschen. Das Fcner einstand
durch einen stalrobe Ofen in dem Hanse der
FranTCampbelt, 'Rr. >627 und brach rasch
zum Däche durch, wo es sich über die ganze
Reihe verbreitete. Die Möbeln wurden rasch
aus den bedrohten Häusern entfernt. Bei
dieser hastigen Flucht der Bewohner ereigneten
sich die betannlcn Scenen der Aovnvsigteic
und Bestürzung, welche manchmal an's stä
cheriiche grenzen. Ter Geheimpolizist Me
Devin ging in ein von den Bewohnern ver
lasienes Haus, und saus aui dem Fußboden
eine Nolle Banknoten im Betrage von 5R>,
welche er dem Eigenthümer zurückgab. ?>
einzelnen Hänicr waren größtentheils Eigen
thum ihrer Bewohner, Frau Brown, Dr.
Winter, Hr. Dingman, Hr. Widdows, Hr.
Wheatlei,, Hr. Barnett, Frau Campbell, de
HH. Redinan, Collamore, Fefsup undHcnr >
Proktor. Fast alle haue Verluste, ipeziek
durch Wasser, sind aber größtriilheils verii
chcrl. Der Gc'am niveriusi wird ungefähr
7cuin betragen.
Sturz vorher, nmtl2 brai.mc es bereits an
der New . chork Ave ie. Die Flqyimeir
wurden jedoch rasch gelöscht.

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