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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, February 27, 1874, Beilage zu Nr. 9, Image 5

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Beilage zu Nr. T.
TerTcuts-Korrespondent.
Baltimo 27 Fcbrnar 174.
Übersicht der wichtigsten
Ereignisse.
Die letzte Woche war im Bezug auf beach
tenswerthe Ereignisse nur eine Durch'chnittS--
wochc. Für
Snaland
hat sich die altenglische Schifferregcl wieder
einmal bewahrheitet, daß günstige Winde ge
wöhii .ch Vorboten schwerer Stürme sind.
Tie Nachrichten über den Krieg gegen die
Aschantesen waren die ganze Zeit sehr günstig,
nach denselben war der Frieden mit der schwar
zen Ma,cstäl vollständig gesichert, und die
britischen Truppen wollten nur ~r törma
ihren Triumphzug in Coomassie halten und
dann sicgbekränzt nach Altengland znvückkeb--
ren.-i.ie Sache kam anders. Die letzten Po-
Berichte von einer mörderischen
schlackst, in welcher die Engländer nicht ge
siegt haben, d. h. mit anderen Worten, in
welcher sie geschlagen wurden. Sir Garnet
icheint nach dieser zweifelhaften
Schlacht noch einmal alle Kräfte aufgerafft zn
baden, denn seine letz Depesche ist aus
Coomassie datirt. Die Hauptstadt des Fein
des wäre demnach genommen. Was bedeutet
aber die Einnahme v.on ein Paar laufend Rc
gerhülleil in einem uncivilisirten Lande? So
lange der König gefallen oder gefangen
ist, sind diese "Gegner nicht schachmatt. Wir
snrcbten, d'.e neue Freude, welche gestern in
London 'herrschte, wird sehr bald wieder gc
trübt werden, (siehe neuer Depeschen.)
Disraeli hat setzt sein Neues Cabinet fertig
gezimmert, es besteht aus 12 Mitgliedern,
wahrend Gladstonr deren 15 hakte, was bei
dem in National-Angelegenheilen ungeheuer
sparsamen John Bull einen günstigen Ein
druck machen muß. Die Tones haben übn
geiis iwl Parlamente nur eine überwiegende
inid keine Zweidrittel-Majorität: aus den
Stimmenztthlnngen erhellt, daß bei der letz
ten Wahl lausende von Stimmgebern sich der
Ausübung ihres Wahlrechtes enthielten: die
ses waren selbstverständlich Liberale, welche
in den künftigen Wahlen jedenfalls wieder 5
auf ihrem Posten sein werden.
VoiiJittcresse wird bieHaltung der „Home- !
RulerS" sein, welche im nächsten Parlamente
zum ersten Male als geschlossene Partei ans-!
treten. Irland hat deren 57- 58 gewählt, !
da aber die Selbstrcgicrnng der Jrländer auch
in England Freunde bm. glaubt Hr. Isaak
Butts, daß im Parlamente 85 Stimmen da
für disponiocl fein werden; diese 85 Stim
men können tzereits durch gutes Manövriren
und durch Comproinisie bedeutende Eonzes- j
sionen Erzwingen. Gladstone will sich an
.geblich gm,; von der Politik zurückziehen; das
muß man übrigens erst sehen, ehe man es >
glauben kann.
Im deutschen Reichstage scheint es in der
verflossenen Woche stürmisch hergegangen zu
sein. Tie französischen Abgeordneten aus
Elsaß-Lothringen begannen gleich bei Eröff
nung der Sitzung in dcr erbittertsten und ge
reiztesten Weise auszusprechen, daß sie die'An
nexalion mcht billigen: einige Tage später
wurde denn auch berichtet, daß sie sich in cor-
I>n' bis aus den Bischof von Strcißburg zu
rückgezogen haben. Was diesen Rücktritt spe
ziell veranlaßte, ist noch ni.nl klar; möglicher
Weise war es ein Wink nur dem preußischen
Korporalsstocke, für den. allerdings die Pioben
der Redefreiheit, weiche die Muß-Teutschen
in dem neuen Hause am Tönhofsplatzc zum
Besten gaben, ein Greuel und ein Schrecken
gewesen sein müssen. Bischof Rasch, welcher
die Eitiverleibnng dcr Provinzen anerkaunie,
ist von seinen sraiizöstsch-gcsinnten Constitu
ntcn aufgefordert worden, sein Mandat nie)
i>erzulegcn.
Der Reichstag beschäftigt sich jetzt mit der
neuen Preßgcsetzvorlage. Dieselbe ist im Ver
gleiche zu derjenigen, welche zuletzt vorlag,
eine Verbesserung durch Hans Büllhorn. Der
neue Entwurf bestätigt die bisherigen Cau
tioncn, Conzessions - Entziehungen. Besteue
rungen, nameittlich die Zeitungs-, kalcnder-
und dagegen und dicSlraf-
BestimiiiuiigciifiirPießvcrgehen mit Festung
shast bis zu ülahren sehr geschärft nnd außer
dem noch der Verfasser, der Herausgeber, der
Redakteur, der Verleger, der Drucker und
der Verbreiter mit dcr Strafe des Thäters bei
irgend einem Prcßvergehen belegt. 'Nun möch
ten wir doch scheu, was eigentlich besser an
diesem 'Gesetzentwürfe ist. In dem, welcher
nn vorigen vorlag, war doch noch die
Zo'.luiigsstcuer nachgelassen. Jetzt sollen die
Zeitungen nicht nur Stenern zahlen, sondern
die Strafen sind auch noch verschärst. Wahr
haft drakonisch ist dcr Paragraph 21. welcher
folgendermaßen lautet: „Begründet der In-
Hall einer Druckschrift den Thatbestand einer
strafbaren Handlung, so sind: 1) der Verfas
ser, 2) der Redakteur oder Heransgeber, 3)
der Verleger, 4) dcr Drucker, 5) der Verbreiter
mit der Strctte des Thäters zu belegen, ohne
daß es eines Beweises ihrer' Mitschuld bedarf.
Ist die Veröffentlichung ohne den Willen des
Versassers geschehen, so trifft statt seiner den
Redakteur oder Herausgeber die Verantwort
lichkeit. Es kann jedoch jede der in obiger
Reihenfolge nachnchendcn Personell die Straf
Verfolgung von sich abwenden, wenn sie eine
der ihr in der Rcthcusolgc vorhergehenden
Personell bei ihrer ersten gerichtlichen Vernetz
mung oder innerhalb -24 Stunden nach der
selben nachweist, und der Nachgewiesene in
dem Bereiche der richterlichen Gewalt eines
deutsch 11 Bi'.ndeöstaatcS ist." Solche Zu
stände in der intelligentesten Nation der Welt
sind eil'. PaSquill ans die Intelligenz.
McMahoii scheint in die Fußtapfcn feines !
würdigen Vorgängers zn treten, denn er hat j
in der letzteren Zeit eine bedeutende Schwei! !
kung gegen die Linke gemacht, und es ist mög-!
lich, daß die Herren Franzosen sehr bald wie- !
der eine MiiiistcrkristS, wenn nicht gar etwas !
ganz Anderes erleben. Thiers hat ein Schrei !
den an einen Tcpulinen der Linken gerichtet,
in welchem er sagt, daß er zu der Ueberzeu
gung gekommen sei, daß die Republik die ein
zige Rcgierungssorm sei, welche er in Frank-!
reich für möglich halte. Plan wird sich crin
iieni, daß der gute Mann der Reihe nach Al
les für möglich und gut gehalten hat, die
Bourbonen, die Orleanisten, dießonaparte's,
die blaue und die rothe Republik. Solche
Aeußerungen verlieren nach und nach ihr Ge- i
wicht. Die Franzosen scheinen noch nicht
genug zu haben an der Communistenvcrfol-
äung und wollen jetzt noch dem schwarzen
Tepuiinen Blonconrt von Guadaloupe den
Prozeß machen.- Eine Weltausstellung wol
len sie auch wieder haben, vielleicht um die
Prügel auszustellen, die sie bei ihrem Spa
ziergange nach Berlin bekamen.
Eastelar hat die karlisten gewaltig unter
schätzt; dieses zeigt sich jetzt, wo ><serrcmo.
Ernst macht, mit denselben auszuräumen.
Tic letzte Woche brachte eine Reihe wichtiger
Niederlagen der republikanischen Armee.
Bekanntlich wurde vor mehreren Wochen
ebenfalls über Beendigung des Krieges der
Holländer gegen die Atchincsen berichtet. Der
Krieg war wie der in Südafrika ebenfalls
nicht' zu Ende, sondern fing erst recht au und
dauert noch heute fort. Die Ehance des Er
folges waren sogar neuerdings wieder auf
Seite der Atchinefen.
Der Eongreß ist jetzt nahezu drei Monate in
Sitzung nnd hat außer Widerrufung der Ge
halts Bill noch keine einzige wichtige Maß
regel erledigt. Die Finanzsrage schwebt noch
immer, kürzlich errangen die Mehrer des
Papiergeldes im Senate einen bedeutenden
Sieg, indem das Finanz-Comite instrnirt
wurde, eine Bill einzudringen, das Eouraitt-
Bolumen auf 8400,000,000 zn erhöhen.
Die Dicnstags-Redc des Senators Schurz
hat einen gewaltigen Eindruck gemacht, und
es ist wohl möglich, daß die Abstimmung über
Shcrman's Beschluß, der jetzt endlich erledigt
werden sollte, ein günstigeres Resultat er
gibt.
Auch über die Tempercnzfrage hat sich der
deutsche Senator vernehmen lassen und den
Herren einige eindringliche Wahrheiten ge
sagt. T.cßetse.iche
dauert fort und hat jetzt den Osten glücklich
erreicht. Washington, Baltimore und New-
Jork warten täglich der Tinge, die da kom
men sollen. Tic Briefträger und so geschäftig,
wie am Earncvalstage, um den Wirthen die
WarnnngSkartcn und Briese obicnrcrComite's
zuzutragen, nd wenn das Wetter wärmer
wird und die Trottoirs trockener werden, wird
ja wohl der Bet Skandal hier losgehen. Im
Westen, besonders in Ohio und Indiana, ist
derselbe noch in voller Blüthe.
Tie Sescygeviliift
unseres Staates hat endlich das Beschlag
nahmegejev angenommen und dadurch gezeigt,
daß sie mit den Wünschen und Bedürfnissen
des armen Mannes sympalhisirt. Tie Tcin
pcrcnz-Bill ruht noch im kühlen Schooße des
Eomite's für Mittel und Wege. Dasselbe
verspricht den täglich drängenden Wasser
freunden zwar beständig, daß es günstig be
richten will, kommt aber, wie es scheint, nicht
recht voni Platze. Verschiedene kleine „Local-
Option"-Gcsetze für spezielle Lokalitäten sind
unterdessen Gesetz geworden.
Ter Gesetzgebung liegt jetzt eine Einkom
mensteuer-Bill vor, nach welcher jedes Ein
kommen über 83000 besteuert werden soll.
Wie man in Maryland ans die Idee kommen
kann, eine so unpopuläre Steuer einführen zu
wollen, ist uns vorläufig noch unbegreiflich:
augenscheinlich aber wird die Bill leinen Er
folg haben.
Die sonstigen Ereignisse bedürfen keines
EommentarS.
Tie Temperenzler und Sen.Schurz.
Die Bill, welche die Ernennung einer
Commission zur Untersuchung des Handels in
Spirituosen verfügt, wurde am Mittwoch
iin Senate der Ver. Staaten aufgenommen.
Senator Schurz sagte, diele Bill habe weit
mehr im Auge, als nur eine einfache Unter
suchung, sie mische sich entschieden in Angele
genheiten, welche ausschließlich der Staats.
Polizei zuständen: ks gäbe noch viele Sachen,
welche bann ebensowohl durch den Eongreß
untersucht werden könnten. Z. B. das Ha
z, rrdspiel, diese lasterhafte Gewohnheit, deren
/
/
i Resultate eben so schlimm seien, al die de
unmäßigen Trinkens. Dann könne man
die Prachtiiebe der Damen unlersuchen,
welche gar oft Bankbeamte u. A. dazu getrie
ben habe, das in sie gesetzte Vertrauen zu
mißbrauchen; der Congreß könne gletchkallS
Untersuchungen über die Wirkungen heißer
Soda aus die Gesellschaft anstellen lassen,
kurzum, es gäbe nichis, was nicht untersucht
werden könne und schließlich müsse man ein
National-SanitätS- und MoraUtäts-Bnreau
errichten. Für ihn gebe es Nichts Abstoßen
deres, als einen betrunkenen Mann, es müßte
denn gar ein betrunkenes Frauenzimmer sein,
> aber er sei überzeugt, daß alle Zwangs- und
Prohibitiv-Maßregeln nur dazu dienten, die
Uebclständc, welche der Genuß berauschender
Gckänke im Gefolge habe, zu verwehren, an
statt dieselben zu vermindern. Er sei dafür,
dem Volke mehr harmlose und unterhaltende
Vergnügungen ZU verschaffen, die von beiden
Geschlechtern gemeinschaftlich genoffen werden
kSnnlen, dieses werde den Männern die Lei
denschast für starke Getränke am Ersten abge
wöhnen. Da er die Bill für einen Eingriff
in die Jurisdiktion des Staate halte, da er
ferner die beabsichtigte Gesetzgebung nicht für
angemessen hatte, io müsse er gegen die Bill
stimmen.
Frelinghuywi sprach über das Laster der
Unmäßigkeit und hielt es fr vollkommen an
gemessen, man daß eine solche Bill annehme.
Noch mehr über militärische Pen
sionen und läntftaben.
s Aus Washington heißt es: „Es besteht
! eine Ungleichheit in der Beziehung der Pen-
fionen, indem einige vom Datum des Todes
! oder der Entlassung dcSSoldatcn ab datiren,
s anderere vom Datum der endgültigen Ein
! gäbe des Anspruches. Dieser Unterschied
! beruht lediglich auf dem Umstand, ob der bc
! treffende Anspruch binnen fünf Jahren cin-
gegeben wurde. Wo dieses nicht geschah, ist
ein Anspruch auf rückständige Zahlung ein
für allemal nicht zulässig. Das Gesetz läßt
keine DiScretion zu und Ausnahmen im
! Wege der Milde oder dergleichen sind
nicht zulässig. Ausnahmen von allgemeinen
Gesetzen kann überhaupt nur die gejctzge
bende Macht, d- i. der Eongrcß, statuiren,
der Präsident namentlich, der vom Aus
lande her oft aus Unverstand mit Gnadenge
suchen behelligt wird, kann in die Gesetze nicht
eingreifen und nicht Gnade für Recht ergchen
lassen. Auch stehen demselben keine össcntli
chcn Fonds für mildthätige Zwecke zur Tis.
Position. Dies sollte wohl verstanden sein
Angesichts der vielen absurden Bittschriften
u. Bettelbriefe, womit derselbe nicht allein aus
dem Jnlande, sondern auch ans Europa behel
ligt wird, u. Deutsche namcutlich sollten es ih
rersür unwürdig halten, bei fremdenNalioncii
betteln zu gehen und dabei einen gänzlichen
Unverstand unseres RegierungSsysteuls und
! der republikanischen Staats - Einrichtung an
den Tag zu legen.
Fragen, diehäufig gestellt werden, find in
dem Folgenden beantwortet: Eine Mutter
kann pensionirt werden, auch wenn der Sohn
unehelich war. Die Wiederverheirathung
einer Wittwe oder von der Unterstützung des
Sohnes abhängig gewesenen Mutter beraubt
sie nicht des Anspruches auf Pensionirung bis
zum Datum derWicderverheiralhung, ob nun
der Anspruch vorher oder nachher eingereicht
wurde. Im Falle desTodes eines Pensionärs
ist die etwaigerückständigcPension nur an die
hinterlassene Wittwe oder Kinder unter 18
Jahren zahlbar, und ist in deren Abwesenheit
gänzlich verfallen, mit Ausnahme der noth
wendigen KrankheitS- und Bcgräbnißkosten,
zahlbar gegen Rechnungsbelege der die kosten
bestreitenden Pension.—Die Pension für Er
blindung auf bcidcnAugenimTienstc,oder auf
einer, nachdem das andere blind war für
Verlust beider Hände oder beider Füße —und
für sonstige gänzliche Abhängigkeit von der
beständigen persönlichen Hüffe" einer andern
Person beträgt tztzlZ per Monat. Für
Taubheit aus beiden Ohren 813. Für den
Verlust eines Auges Hl für Soldaten und
Unteroffiziere und die Hälfte einer vollen Pen
sion für Offiziere.
Für die Eingabe von PensionSgcsuchen ist
kciueFrist gefetzt; die für die Eingabe vonAn
sprüchcn auf die nachträgliche Prämie unter
Akt vom 25. Juli 1888 ist mildem lcbtenJa
nuar abgelaufen, wenn der Congreß sie nicht
ausdehnt.
Amputation über dem Knie, so daß ein künst
liche Bein nicht anwendbar ist, berechtigt zu
H 24 Pension per Monat.
Verstümmelte Offiziere sowohl wie Solda
ten sind alle 5 Jahre zu künstlichen Gliedern
oder Bruchbändern, oder zu deren Geldes
werthe berechtigt.
Wenn um ein Bruchband nachgesucht wird,
sollte die 'Art, welche man wünscht, bezeichnet
werden. Das 'Kommon svwis trug--" wird
für das beste geHallen."
Zur Geschichte der Stadt Wa
shington. i
Tie Stadt Washington ist eine der jüngsten j
Städte des Ostens; Boston hatte bereits eine c
Geschichte, New-Jork war eine ansehnliche,
Philadelphia eine große und Baltimore eine z
werdende Handelsstadt, als an der Stelle, an :
welchen das großartigste Baumerk der neuen >
Welt sich erhebt, oder auf denen die Pracht- <
Paläste des Postamts, des >'6pe nsimts und 5
des Schatzamts stehen, vereint''- weiße An- >
siedler noch Mais und Taback pflanzten und j
es mögen noch Leute im Distrikte leben, deren <
Väter die Wigwams der Anacostias oder des i
Conogocheagne - Stammes gesehen haben. >
Nach letzterem Stamme wurde noch vor 100 j
lakren das Gebiet genannt, aus welchem die
Stadt heute steht. Die weißen Ansiedler
gründeten zwei Dörfer, von denen das eine >
Earrollsburg nnd das andere Hamburg hieß,
ein Beweis, daß die Mehrzahl dieser Ansiedler
Deutsche waren. Tie Idee, dort eine Stadt
zu gründen, ging von Gen. Washington aus
und am 23. Dezember 1788 cedirle der Staat
Maryland der Bundesregierung das nöthige
Gebiet; am 3. Dezember des folgenden Jah
res trat Birginien einsäst gleichgroßes Gebiet
an der anderen Seite des Potomac ab,
welches jedoch später wieder an Birginien
zurückfiel. Am 16. Juli 1790 verfügte der
damals in Philadelphia tagende Eongreß,
daß vom Jahre 180 an der Sitz der Regie
rung nach Washington verlegt werden solle.
Am 22. Jan. 1791 erließ Präsident Waihing
ton seine Proklamation, welche die Vermes
sung des eedirten Gebietes anordnete und am
15. 'April wurde dasselbe unter entsprechenden
Ceremonie' mit Grenzsteinen versehen. Maj.
L'Ensant, ein französischer Ingenieur, ent
warf unter Washington' Beihülse den Plan
der Stadt; der Präsident bezeichnete die Stel
len, wo das Kapital, das „Weiße Haus" und
andere nationale Bauten stehen sollten. Bis
zum Jahre 1791 hieß die Stadt „Federal
Eity," im Dezember jenes Jahres beschloß
der Eongreß, daß das Gebiet der Distrikt Co
lumbia heißen solle und die Stadt wurde zu
Ehren ihres Gründers Washington genannt.
'Am 13. Oktober 1792 begann der Bau des
„Weißen Hauses" unter Leitung des Archi
tekten James Haban. Der Grundstein des
Kapitals wurde am 18. September 1793 von
Gen. Washington mit maurcrijchen Ceremo
iiie'n gelegt, dessen 'Architekten waren seitdem
Hallet, Hadfield, Haban und Latrobe. Im
Jahre 1800 zog die Regierung nach Washing
ton nnd ani 27. Februar 1801 übernahm der
> Eongreß die Jurisdiktion über die Stadl
und das Gebiet; im folgenden Jahre wurden
' drei Eommissäre ernannt, welche die Stadt
! verwallnng zu leiten hatten; erst im Jahre
l 1820 erhielt die Stadt in der Person des Hrn.
! Robert Brent einen Bürgermeister. Washmg
! ton war so sehr davon überzeugt, daß die
! Stadt eine Zukunft habe, daß er in der Nähe
' des Kapitals vcrschiedcneHäuser errichten li:ß,
, von welchen einige heute noch stehen. Der
eleganten Stadt vo heute sieht man cS nicht
an, daß ihre Geschichte kaum über zwei Mcn
' schcnaltcr hinaus reicht.
TnqeS Neuigkeiten.
In der Episcopalcn Epiphany - Kirche zu
Washington hielt Gchülss-Bischos Pink
ney von Maryland am Sonntage eine Pre
digt gegen die ritualistischcnTcndenzcn, welche
sich in neuerer Zeit in die Kirchen - Gemein
schaft der Episcopalen eingeschlichen haben.
InNcw - lork wurde am Montage bei
Gelegenheit des Schulscblnsses im Gedränge
der Knaben, wovon jeder zuerst die Straße zu
erreichen strebte, der 7-iährige Geo. W. Long
dermaßen durch einen Stur; verletzt, daß er
am Freitage mit Tode abging.
Wm. P. Roß, der Häuptling der Che
rokesen-Nalion, hat soeben vor dem congres
sionellcn Territorial Comite eine Rede gegen
den Gcsetzes-Vorschlag gehalten, welcher das
Gebiet Ohlahoma in's Leben rufen soll. Der
Schluß der Rede lautet: „Zum Schlüsse
lassen Sie mir sagen, daß eine weise Richt
schnür in diesem, sowie in jedem anderen
Falle die der Gerechtigkeit sein sollte. Nur
noch wenige Indianer sind übrig geblieben.
Tie, welche sich im Indianer Gebiete befinden,
sind ruhig, friedlich, progressiv und freund
schaftlich gesinnt. Sie ersuchen einsach um
Ihren Schutz. Sie haben denselben vcrspro
chcii gewähren Sie ihn nun auch; und an
statt die Indianer in einigen Jahren auszu
rotten, werden dieselben sich in Blut, An
schauung, Bildung und hohen Aspirationen
mitJhrcn eigenen Nachkommt verschmelzen."
Ter alle Häuptling spricht da Worte, die
nicht unbeachtet bleiben sollten. Die jäm
merliche Politik, welche seil Jahren die „vä
terliche" Regierung gegen die Rothhäute ver
folgt, hat sich bitter gerächt und wird als ein
ewiger Schandfleck das Wappen der Ver. St.
verunzieren.
Als Beitrag zu der Vers ch wenvung ,
welche in den NegicrungS-Tepartemenls zu
Washington um sich gerufen hat, wird mitge
theilt, dag da? Schatzamt im letzten Jahre
auf Landcsrcchiiung 43,000 Straßenbahn-
Billerc benutzte. Rechnet man Pferde und
Wagen hinzu, die außerdem das Schatzamt
unterhält, so gehen allein für die Beförde
rungskosten viele Tausende d'rauf. Dazu
kommen auch andere sonderbare „Jtcms,"ais
da sind: ein Faß Mehl, H2OO für Zeitung-m
und Journale u. s. w. Ist es da zu verwun
dern, daß von dem für „unvorhergesehene
Ausgaben" angewiesenen Fond am Schlüsse
jedes Rechnungsjahrs kein Eent übrig ist?
Tie neue, zur Förderung der Pyiladel
phia'er Säkularfeterm Washington
gufgeiauchte Deputation verlangt nur die be
scheidene Summe von 7 Mttt. Tollars aus
der Landeskassc.
Der Bildhauer H. R. Brown, welcher be
reits tz3ö,ooo für die Scott's che Rei
te rstatue am Schneidepuilk der 18. Str.
und MaflachilsettS-Avenne erhalten hat. peti
tiouirt um weitere K28,V88 für seine Arbeit.
Er habe fünf Jahre an der Statue gearbeitet
und sich aus die Großmuth des Congresses
verlassen, daß man ihn nach der goldenen Re
gel: „Zeder Arbeiter ist seines Lohnes werth"
entschädigen werde.
Durch die Personal Aendernngen
i n d e n D e p a r t c m e n t s z u W a s h i ii g
t o n gedenkt man, im Ganzen eine Ersparmß
von SlBB>BBB bis DZBBBBB Pro Jahr erzielen
zn können.
Mit dem 1. Mai ivird das nunmehr 48
Jahre alte, wohlbekannte „Astor - Hou se"
in New-Bork geschlossen und das Gebäude
in Läden, Officen n. s. w. umgewandelt wer
den. Das Hotel behauptete bis zum heutigen
Tage seinen Ruf, aber die Eigner glauben,
durch seine Umwandlung eine größere Miethe,
als bisher, aus dem Gebäude ziehen zu kön
nen.
A prouos derßetsenche theilt ein Blatt
mit: „Die Mode wird sich auch bei den be
tenden Weibedn fühlbar machen. Eigene
„Bei-Anzüge" sind bereits von verschie
denen Seiten in Aussicht gestellt worden.
Sowie es "v-Ulliu sui," Reise-Anzüge,
Ball Kostüme und ">>artx ckir-szvs," Hoch
zeitskleider, Trauer-Anzüge, Rcitklcider n.
Dcrgk. gibt, wird es in Folge der jetzigen
Frauen-Campagne bald auch „Bet Anzüge"
geben."
In Brooklyn, R. 2)., ist unlängst der
deutsche Advokat und Journalist Dr. Adolph
Schaumann, aus Hannover gebürtig, seit
1859 in den Per. Staaten, mit Tode abge
gangen. Er diente als Offizier im letzten
Bürgerkriege, arbeitete abwechselnd an ver
schiedenen New-Aorker Blätter, an Schem's
„CoiiversationL-Lexikon" :c., und bekleidete
schließlich das Amt eines Notars, als ihn der
Tod nach vielen bittern Existenzkämpfen aus
dem Reiche der Lebenden forderte.
In der deutschen Presse gebührt bis
dahin der von dem Ehrw. Prof. C. F. Ban
jemer inSavanuah, Geo., rechgirten „Abend
zeitung" der zweifelhafte „Rnhm." für die
Bctseuche herausgekommen zu sein. Die
meisten kirchlichen Blätter, darunter der pro
testantische „Wcltdote" in Alleniown, die
„Kath. VolkSzeitung" in Baltimore n. a.,
verdammen die Bewegung als eine Profana
tion des Gebetes.
Die Beichiieidung der G o l d m ü n
zen scheint ein ziemlich einträgliches Geschäf
tchen ;n sein. <-eit dem ersten Januar sind in
der Münze zu Philadelphia Goldmünzen im
Werthe von 1,513,883 eingegangen, um neu
ausgeprägt zu werden. Bon ihnen warGold
im Betrage von Kit,9Bl abgeschnitten wor
den.
Die inSt. Louis erscheinende „Amerika"
sagt im Betreff des Temperenz - Krenzzuges:
„Diese„Epidemie'n" werden ebenso rasch wie
der verschwinden, als sie entstanden sind.
Derartige Auswüchse haben sich schon häufig
an dem Freiheitsbanme der Republik gezeigt,
ohne daß dieser dadurch sonderlich schaden ge
nommen hätte."
Wieder ist einkuklux, Elijah Harden,
der im Albany'cr Zuchthause saß, von dem
Präsidenten begnadigt worden.
Der General-Bnndes-Änwalt hat soeben
zwei crwähnens werthe Entschei
dungen gegeben. Ale, welches wegen
Nichtzahlung der Abgaben durch Prozeß ci
nesSlaatsgerichts mirßcschlag belegt worden
ist, kann nicht wegen Umgehung der Ber.
Staaten - Steuer-Gesetze saisirt werden, so
lange es sich unter Staatsbcichlag befindet.
Ohne Zweifel ist dicie Ale Entscheidung ans
Waaren im Allgemeinen anwendbar. Fer
ner sagt der Staatsanwalt, daß die zchnpro
zentlgc Abgabe für die Cirkulation des Pa
Piergeldes von Staatsbanken auf alle Bank
institute, die Noten ausgeben, Auwendung
findet.
In New-lork tagte vorgestern die "La
tkcilic: 'lA>tal Union" des Staates
New-lork. Die "Union" zählt 5000 Mit
glieder. Einstimmig passine ein Beschluß
gegen den Wciberkreuzzug, und die kirchliche
Lehre als das einzige Heilmittel der Trunken
heit erklärt.
Wie aus Washingtoner Berichten erhellt,
kostete der „Virginiu s"-es chwindel di
rekt den Ver. Staaten 8500,000. Dabei sind
selbstverständlich die außerordentlichen Aus
gaben in den Navy - Jards nicht mitgerech
net.
InAug u il a, Ale., ist dießill wegen Ab
schaffnng derTodeSstrase vom Unterhaus: ver
worfen worden.
In den P hlladclp hi a'erSchnhsabrikcn
haben die 't-aster-." die Arbeit eingestellt.
Nach Eintritt der Krisis wurden ihnen 5 Cts.
pro Paar weniger gezahlt, welchen 'Abzug
sie sich jetzt nicht mehr gefallen lassen wol
len. x:
Der StaatSgesetzgebung von N e w -'Jork
liegt ein SchulzwangS-Gesetz vor. Dasselbe
schreibt vor, daß alle Eltern, Vormünder oder
andere Personen, welche Kinder im 'Alter von
acht bis fünfzehn Jahren unter sich haben,
dieselben anhalten sollen, wenigstens vierzehn
Wochen lang per Jahr eine öffentliche oder
Privatschulc zu besuchen, oder zu Hause von
eompetenten Lehrern nnterrichrcn znl äffen.
DasGesetz schreibt ferner vor,daß IcinArbeitge
ber Kinder anstellen soll, die nicht Zeugniß
solchen Schulbesuches beibringen. Kinder
armer Leute sollen in den öffentlichen Schulen
frei unterrichtet und mit Büchern versehen
werden. Uebcrtretnngcn ziehen Strafen nach
sich, die in den Schnlsond stießen.
Vor etwa einem Monate starb plötzlich die
Frau des N. M. Egbert in der Nähe von
P rinccton in Kentucky, und zwar unter
etwas verdächtigen Umständen. Kur; nachher
entfernte sich Egbert in Gesellschaft einer jun
gen Frauensperson Namens 'Alice Carter,
nnd eines kleinen 'Mädchens, dessen Vormund
Egbert ist, ans der Gegend. Man verfolgte
ihn jedoch nnd er nnd Fräulein Carter wurden
in der 'Nähe von Vlandville in Gemäßheit
eines Vcrhastsbesehls arretirt, der sie beschul
digt, die Frau Egbert vergiftet zu haben.
Äus L o il d o n wird der Tod des bekamt
teil englischen Novellisten und Dramalikus
Ehs.Shirley Brooks gemeldet. Ter Genannte
war 1816 geboren und wendete sich bald der
schriftstellerischen Thätigkeit zn. Er war Bc
nchterstatter der „Morning Chrvnicle" in dem
Uiitcrhause und machte für dieses Blatt meh
rere Rei'en nach dem Orient nnd Rußland.
Er schrieb über dieselben ein Buch und war
ein thäliger Mitarbeiter des berühmten Witz
blattes „Punch." 1870 übernahm er die Re
daktion dieses Blattes. Er schrieb außer
dem viele Novellen, die großen Beifall fan
den.
Seit vielen lahren entstehen vielerlei Ver
wickelungen und Verlegenheiten ans den un
zulänglichen und mangelhaften Gesetzen und
Regulationen hinsichtttch der Expralri
ation und der Erwähl ung der Na
tionalität von Seiten der cinzel
nenlndividuen. Während des deutsch
französischen Krieges ereigneten sich vielcFälle,
die den verschiedenen Regierungen große Ver
drießlichkeiten bereiteten und weitläufige diplo
matische Correfpondenzen veranlaßten. Der
Präsident hat in feiner letzten Botschaft die
Aufmerksamkeit des Congresses auf dicscSache
gelenkt und denselben eingeladen, zu desinireu,
waun und wie die Expatriation bewerkstelligt
werden kann; durch Gefetz den Status der
amerikanischen Frauen zu regulircn, die Aus
länder Heirathen; den Status der Kiuoer fest
zustellen, die im Auslande von amerikanischen
Eltern geboren werden, welche mehr oder min
der permanent im 'Auslande wohnen, und Re
gulationen zu machen, um andere ähnliche
Punkte festzustellen, die der Eongreß für räih
lich erachtet. Im Hinblick auf diese Umstände
und nach reiflicher Berathung mit dem Prä
sidenten und Staatsdepartemente, hat der ge
wesene Gciicralanwalt Hoar sich entschlossen,
eine Bill zn entwerfen, um die in dieser Sache
seither begangenen Irrthümer zu berichtigen
und um den bestehenden Mängeln abzuhelfen.
Das Eouzepl dieses Gesetzentwurfes ist bereits
dem entsprechenden Eougreß-Comite vorgelegt
worden.
Die Pferde- n dßi n d ers cu ch eist
in Ba!er-Co., Oregon, ausgebrochen und
greift rasch um sich.
In New-Jork fand Sonntag die 90.
Jahrcs-Versaiiimlung der dortigen „deutschen >
Gesellschaft" statt. 'Aus dem Berichte des
Schatzmeisters erhellt, daß der kasscnbestand
am I.Zan. 1874 813,000 erreichte. Während
des vergangenen Jahres wurden 89268.76 an
arme Einwanderer gezahlt, wodurch 5033
Personen Hülse gewährt worden ist. Die Gc
sammleinuahmcn der Gesellschaft belicsen sich
auf 827,765, die Ausgaben auf 14,712.29,
so daß, wie oben bereits angedeutet, ein Ueber
schuß von 813,053.51 verbleibt. Das Ver
mögen der Gesellschaft hat einen Werth von
854,700 und während des vergangenen Jah
res landeten 101,900 deutsche Einwanderer in
Ncw-lork. —Der „Liedcrkranz" machte aber
mals der Gesellschaft zum neuen Jahre ein
Geschenk von 8500. 'Als Präsident wurde
Hr. S. Kauffmann wicderermählt.
Es ist bemerkenswert!), daß der Eon
gre ß, der nun bereits drei Monate in
Sitzung ist, mit Ausnahme der Aufhebung
des Salär - Diebstahls - Gesetzes, noch keine
einzige Frage von Bedeutung erledigt hat.
Der Tunnel-Unternehmer Adolph Sn
tro ist wieder in Washington eingetroffen.
Zn der „Lobby" des Capitals rief sein Er
scheinen nicht geringe Sensation hervor.
Dem Congresse liegt ein Gesetz zur Incor-
Als werden I. W. Thompson,
W. G. Metzerott, S. Bacon, Wm. Stickney,
A. H. Kcrr, Wm. B. Todd, I. H. Baxter,
A. B. Stoughton und Wm. Thompson ge
nannt. Das Aktien Kapital, je 8100 per
'Aktie, soll nicht weniger als 8100,000 nd
nicht mehr als 8>,000,'100 betragen und die
Compagnie die Aulhorisation haben, Dampf
und andere Fahrten zwischen Washington,
! Georgetown, Alexandria und New-lork, ein
l schließlich der Häfen am Powmac und der
Chejapcatc - Bai nebn ihren 'Nebenflüssen, zu
machen, und den Kiistcnhandel im AUgcinci-
ncn zu betreiben.
Hr. Woov von New- or k Hai im
Congresse ein Gesetz vorgelegt, welches beab
sichtigt, der Bertheilung von Strafgeldern an
die Zollhausbeamten ern Ende zu machen.
Alle Strafen sollen in Zulnntl ganz in die
Kasse der Negierung fliegen. Auch schlägt
Hr. Wood vor, den Zoll aus Weine, i Fäs
sern imporlirt, aus 48 Cts. per Gallone, in
oder ganzen Flaschen ans tzl.lw per
doppeltes und einfaches Dutzend zu ermäßi
gen.
Im Betreff der zu Gunsten der russischen
Mennonilen im Congreffe gestellten An
träge erfährt man jetzt, daß nur darum nach
gesucht wird, eine oder mehrere Abtheilungen
der öffentlichen Domäne vom Verkaufe zurück,
zuziehen und sie ans siins Jahre zu den bis
herigen Bedingungen für die Einwanderer zu
reserviren.
In Washington liegen ausführliche
Mittheilungen über den Versuch, den japanc
fischen Staatssekretär Jmakura durch sei
nen Aufenthalt in den Ver. St. wohl be
kannt—meuchlerisch zn ermorden, vor. Es er
hellt, daß Jwakura ans dem Wege vom kai
serlichen Palaste nach seiner Wohnung im
Wagen eingeschlafen war, als er plötzlich von
15—28 Leuten überfallen wurde und einen
Schwerlich in den Rücken erhielt. Er sprang
ans dem Wagen, wobei er siel, sich jedoch
schnell wieder aufraffte und über eine Mauer
zn entfliehe versuch. Dabei erhielt er noch
einen Stich, gelangte aber glücklich über die
Mauer. Ader hier stürzte er nochmals und
rollte einen 88 Fuß hohen Abhang hinab in
den unten vorbciführenden Fluß. Er wäre
ohne Zweifel ertrunken, wenn er nicht die
Geistesgegenwart gehabt hätte, sich am
Strauchwerke über Wasser zn halten. Schließ
lich wurde er von Beamten feines Haushal
tes, die zu seiner Aufsuchung abgeschickt wor
den waren, gerettet. Der kiltscher hatte
gleichfalls durch die Meuchelmörder schlimme
Verletzungen erhalten und der Wagen war
von Schwertstichen durchlöchert worden.
Jwakura liegt in bedenklichem Zustande dar
nieder. Die Thäter sollen von politischen
Geanern gemiethete Leute gewesen sein.
Auch dem Congreffe liegt jetzt ein Gesetz
zur Abschaffung der Todesstrafe
vor.
Ter neue Handels Dollar soll in
Kurzem auch nach England geschielt werden.
Der Streit um die Ve r. Sr. - Scna
torS - Stelle in Alabama Sykes
und Spencer beanspruchen Beide den Sin
wird wahrscheinlich dadurch erledigt werden,
daß man der Gesetzgebung des betreffenden
Staates eine Neuwahl anheimstellt.
In Washington ist der Antrag gestellt
worden, die Navy Hard nach Alcxandria zu
verlegen.
In der Gesetzgebung von Louisiana ist
ein Gesetz eingebracht worden, welches den
Verkauf von Spirituosen an Minderjährige
mit SlOV—lOOO Strafe belegt.
In Bufsalo , N.-N-, fand am Montage
eine „Protest-Versammlung gegen die Versol
gnng der Katholiken in Deutschland" statt.
Bischof Ryan, die HH. Rohr, Wicckmaiin
und A. waren die Redner.
Trotz der Entscheidung des Obergerichts
von M a ssachnsctts , daß Damen berech
tigt seien, Sitze im Schul-Dirckrorinm einzu
nehmen, sind die Bostoncr Herren >o unga
lant, ihnen doch den Zutritt zu verweigern.
Die Antragstellerinnen wollenictzt vor Gericht
klagbar werden.
Die in der Gesetzgebung von New-lork
vorgeschlagene Erhöh ung des Einwan
dcrer-K opfgeld es von H 1.50 auf H 2.00
hat einen energischen Protest Seitens der da
durch berührten Dampfschiff - Compagnie'
hervorgerufen. Sic klagen, daß ihre Ausga
ben ohnehin schon sehr bedeutend sind, und
daß in Folge der Arbeits- und Vcrprovianti
rnngskosten im New-Aorker Hafen jede Reise
ungefähr KlO kostet. Der Reingewinn der
Compagnie'n fei nicht so groß, wie behauptet
würde, und meistens zum Baue neuer
Dampfer verwandt worden, wodurch der
Emigration und deut Waaren-Export größere
Vortheile geboren würden. In dem Proteste
heißt es ferner: die den Dampfschifffahrts
Compagnie' in New - Jork aufgebürdeten
Lasten seien viel größer, als in irgend einem
anderen amerikanischen Hafen, indem die
Ausgaben in Philadelphia, Boston und Bal
imore nur ein Trittheil derjenigen in New-
Jork betragen, was eine Ersparniß von wc
nigstcns Klee? per Reise ergibt. Hierzu
kommen noch die niedrigen Kohlcnpreisc in
den genannten Häfen, so daß sich die betref
fenden Ersparnisse auf ungefähr K 3333 belau
fen. In Canada sind die Ausgaben noch ge
ringer und die Ersparnisse natürlich größer.
Die daraus folgende große Zunahme des
Dampfer-Verkehrs nach Quebec und Mon
treal verdient die Aufmerksamkeit der Legis
latur. Die Petenten halten die fortwährend
sich vermehrenden Ausgaben der Emigrati
ons-Comiuission für übertrieben und sprechen
die Meinung aus, daß kein triftiger Grund
dafür vorhanden sei.
In Spring field, Long-Island, N.-U.,
entstand vorgestern ein Streit zwischen den
Befehlshabern zweier Kähne, Wm. Bennett
und Chs. Sprague, der damit endigte, daß
Bcnnctt einen lebensgefährlichen Schuß in
den Unterleib erhielt. Sprague wurde ver
haftet. Ein Liebesvcrhältniß wird als Ur
fache des Streites angegeben.
Nahe La ncaster, Penns., beging der 82
Jahre alte Abraham Steiner Selbstmord, in
dem er sich erhängte.
In Boykins, Va., beging W. G. At
kinson von Northampton Co., N.-C., Selbst
mord. Er stieg auf einen Baum, legte sich
eine Zugkctte um den Hals, befestigte das
Endc'an einem dicken Zweige und sprang so
dann hinab. Als man die Leiche freimachte,
fand man, daß das Genick des Unglücklichen
gebrochen war. Häusliche Mißhelligkeiten
werden als Grund der That angegeben.
In 'Appleton, Wisc., stellte sich am
Abend des letzten Dienstags der deutsche Arzt
Hermann Micske vor das in seiner Office
hängende Bild feiner noch in Deutschland bc
findlichen aus seiner Frau und zwei Kindern
bestehenden Familie und jagte sich aus einer
großen Rciterpistole eine Kugel durch den
Kopf; sie zerriß ihm den Schädel fürchterlich,
so daß der Tod beinahe augenblicklich einge
treten sein muß. Der Doktor war seit eini
ger Zeit trübsinnig und zwar, wie man glaubt,
deshalb, weil seine Frau sich nicht bewegen
lassen wollte, ihm mit den Rindern uachAine
rika zu folgen.
In der Nacht des 18. Nov. 1873 wurde in
New - Cauaan , Conn., eine Frau Sellack
ermordet und die Leiche verbrannt. Ein ge
wisser Geo. Hallock wurde zwei Male als der
Mörder prozessirt, aber schließlich als unschnl
dig entlassen. Soeben ist nunmehr in Sandy
Hook ein Mevgcrknccht, 'Namens H. Willis,
als der That verdächtig und in dessen Besitz
man eine goldene Uhr, welche der Verstürbe
ncn gehörte, gefunden haben will, verhaftet
und nach Danbury gebracht worden. Der
Staat hatte eine Belohnung von H2OOO auf
die Aussindigmachuug des Verbrechers gesetzt.
Die Gemeinde und die Freimaurer-Loge hat
ten ebenfalls Summen dafür ausgesetzt, und
diese Belohnungen reizten die Geheimpoli
, zisten an, allenthalben ein wachsames Auge
! auf alle Anzeichen zu haben, welche aus die
! Spur des Mörders leiten können. Ob nun
! Willis der Mörder ist, muß die weitereUnter
suchung aufklären.
DieLungensenche ist in den letzten Ta
gen mit großer Heftigkeit unter dem Schlacht
vieh von Essex- und Union-County, N.-1.,
aufgetreten und droht, sich über den ganzen
Staat auszubreiten. Die Krankheit soll von
Maryland eingeschleppt worden sein. Es
heißt, daß viele Fleischer sich nicht entblöden,
die kranken Thiere in regelmäßiger Weise zu
schlachten und das Fleisch derselben auf den
Markt zu bringen.
Am Abend des 18. d. MtS. endete freiwillig
sein Dasein in Nord- O m a h a, 'Nebraska,
Johann Nüßlcin durch eine Dosis Strychnin,
die er vermuthlich in einem Anfalle von tem
porärem Wahnsinn zu sich genommen. Der
Verstorbene war in Württemberg geboren und
kam in 1865 nach hier. Er hinterläßt eine
Frau und 8 Kinder und war in den letzten
Jahren dem Trünke ergeben.
Vor einigen Tagen fand man in Trini
dad, Colorado, eine Nymphe mit zerschmet
tertem Schädel auf der Straße liegen. Es
wurden mehrere Verdächtige und darunter ein
Kerl, Namens Mike Henson von Arkansas,
verhaftet. Letzterer bekannte bei der Vorun
tersuchung im Friedensrichtern!!, daß er den
Mord begangen habe. Als man ihn nun
nach dem Gefängnisse zurückbringen wollte,
wurde er den Beamten entrissen, die Straße
hiuabgcschleift und am Flußnfer an einem
Baume aufgehängt. Fast alle Männer der
Stadt und eine Anzahl mexikanischer Weiber
waren Zeugen des Schauspiels. Ja, drei
Wetbcr legten Henson den Strick um den
Hals und zogen ihn, dessen Hände gebunden
waren, in die Höhe. Er mochte eine halbe
Minute gebaumelt haben, da bekam er die
Hände frei und zog sich, über sich greifend, an
dem Strick in die Höhe. Man ließ ihn nun
herab, band ihm nochmals die Hände und zog
ihn wieder hinauf, ihn so lange hängen las
! send, bis er todt war.
Auch Trents n,N.-1., begehtseine„Cen
tcnnial Tea Party." Dieselbe wurde gcstein
Abend mit Reden, welche sich auf die "Wich
tigkeit dieser Feier bezogen, in Taylor's
> Opernhaus feierlich begangen,
j In lowa-City in lowa wies dieser
Tage die Lehrerin Fräulein Smith ein halbes
i Dutzend Schüler wegen flegelhaften Betragens
aus der Schule. Mützen, Röcke und Mäntel
wurden den Verbannten nachgeichlcudcrt, die
, Thüre ward vci-riczelt und die Lehrerin postirie
sich innerhalb derselben mit einigen Getreuen,
j Ter Tag war grimmig kalt. Entweder in die
! Schulstube eindringen oder heimgehen die
ausgewiesenen Schüler entschieden sich für's
Erstere. Der Knabe Orr wurde von ihnen
zum Hauptmann gewählt und man bereitete
, sich zum Einbruch durch das Fenster vor.
An der Spitze seiner Truppe fliegt der Kapi
! tän zum Sturm Allen voran. Von den Be
lagerten 'wird sechsmal die Sturmcolonne
zurückgeschlagen, und schillernd in Regenbö
genfarben zieht sie sich endlich zurück, um
i frische Kraft zu schöpfen. Diesen Moment bc
nutzt die Lehrerin, um womöglich Verstärkung
in der Perion des Direktors herbeizurufen.
Ein kleiner Junge wird von ihr durch das
Fenster geschickt, aber der Bote gehr zu den,
Feinde über und damit schwindet dieHosinung
aui Entiatz. Unterdessen war die angreifende
! Partei nicht müßig gewesen; sie bereitete sich
auf einen lebten Sturm vor : und siehe, der
Führer besteigt die Fensterbrüstung und mit
lautem Zub:,rufe pflanzt er sein Banner auf.
Ten Nest kann man sich denken, wenn man je
eine ächte Landschule gesehen hat.
j Der Whiskeq Rri eg hat Greenoillr,
Denn., Andrew Johnson's Heimaih. erreicht.
Nach einer auf Nachweise imßundes
stenramte gestützten Berechnung
in der New-?)orker „Eveniua Post" wurden
im Jahre 1878 in den Vcr. Staaten für gei
stige Getränke solgendeSummen verausgabt:
Für gebrannte Getränke, theils im Inland
erzeugt, theils aus dein Anstand ausgeführt
s 1,344 ,888,888: für gebraute und gcgoh
rcne Getränke tzl23,888,888: für importirte
Weine Sl5,888,'88; für im Inland erzeugte
Weine 55,880,880. Im Staate Acw-Bork
sollen in demselben Jahre für geistige "Ge
lränke ausgegeben worden sein
in Pennsylvanien K 152,883,495, in Ohio
5151,734,875, in Illinois 8119,933,945.
Dann kommt Calisornien mit 859,924,098,
Indiana mit 857,418.890, Missouri mit
854,827,855. In demselben Jahre gab es in
den Ber. Staaten 148,888 conz'essionir
Wirthschaften, und man berechnet, daß diesel
ben zusammen s,BW,BBB regelmäßige Kunden
hatten. Die in nein Jahre in "den Per.
Staaten getrunkenen geistigen Getränke wür
den einen vier Fuß tiefen, vieizehil Fuß brcl
.enu. 88 Meilen langen Kanal füllen. Im
Ganzen waren in jenem Jahre im Getränke
geschäst 588,888Pcrioncn belchäftigl; 56,863
davon befaßten sich in der Erzeugung
und dem Verkauf von 5,885,833 Faß Bier.
Es ist Angesichts solcher Zahlen, die seit
dem Jahre 1878 sich eher vermehrt als ver
mindert haben, gewiß nicht übertrieben, wenn
die „Chicago Tribüne" den Tcmperenzvet
teln prophezeit, daß die Spirituosen aus dem
jetzigen Verzwcistnngskampfe schließlich als
Sieger hervorgehen werden.
lii New 2) orkist ein Ladendiencr, wel
cher seine Stelle verloren hat, ans die origi
ncllc Idee verfallen, gegen eine entsprechende
Vergütung die in den Läden gehaltenen Katzen
täglich zu füttern; er hat bereits 38 Kunden
und macht ein ganz gutes Geschäft. Für eine
aristokratische „Puß" wird ihm wöchentlich Hl
Kostgeld gezahlt.
Graf Vcrvins' Colon! e.— Graf Vcr
vins, ein französischcr Edelmann, hat kürzlich
von der „Lltlanlic-Pacifie-Bahngesellschaft"
48,888 Acker Land in Ncwton-Countq im
südwestlichen Missouri, zwischen denOrtschas--
len Ncoscho und Sencca, an der Grenze des
Indianer - Territoriums, käuflich erworben.
Tic Ländcrcien befinden sich in den fruchtbar
slen Theilen des Staates. Gras Vervins
wünscht seinen ausgedehnten Grundbesitz so
bald wie möglich zn bevölkern, und macht
ans diesem Grunde Ansiedlern sehr vorthcil
hastc und liberale 'Anerbieten. Er macht den
Vorschlag, Farmen von je 188 Ackern an Fa
milien zu sehr billigen Preisen verkaufen zu
wollen und diekaussumme ist in kleinen jähr
lichen Raten ohne Zinsen zn bezahlen. Fer
ner verspricht er Ansiedlern Getraide für' Au
ssaat und Ackerbaugerälhsckiaften für das erste
Jahr unentgeltlich stellen zu wollen. Dann
will er 5880 Acker Land für Weidezwecke aller
Ansiedler sür die Dauer von fünsJahrcn rcser
viren und sosort eine Mühle, eineSägemllhle,
eine Schule und eine Kirche, sowie eine allge
meine Grocene auf eigcnekostcn erbauen und
einrichten lassen. Zwanzig Handwerker, ein
Doktor, ein Thierarzt und ein Geistlicher
wurden von ihm engagirt und werden in
Bälde nach ihrem Bestimmungsorte abgehen.
Das Unternehmen des Grafen Vervins ist in
dcrThat ein großartiges zu nennen und zwei
felsohne wird die Colon in nicht ferner Zeit
dichtbevölkert in voller Blüthe stehen.
Es vergeht fast kein Tag, an dem sich nicht
irgend wo ein schreckliches Unglück
durch Kohlenöl ereignet. Vorgestern Abend
wollte die in Grandslr., New-Nork, wohnende
Frau Buckho, eine Deutsche, ihre Kerosenc-
Lampe anzünden und schüttete dabei einige
Tropfen Oet aus den heißen Ofen. Zischend
fuhr das in Brand gesetzte Oel empor und
verursach die Explosion der Lampe. Einen
Augenblick später stand die Frau in Fiam
men. Laut aufschreiend, halb wahnsinnig
vor Schmerz, lief die Unglückliche ans die
Straße —eine lebendige Feuersäule. Anstatt
ihr. Linderung zu bringen, vermehrte der Wind
nur ihre Qualen. Fast bewnßrlos stürzte s
endlich in einen 'Morast und löschte so die
Flammen. Mit Mühe wurde sie, eine un
förmliche Masse gerösteten Fleisches, daraus
hervorgezogen, bereits so gut wie todt. Um
vjcr Uhr Morgens hörte ihr Her; zn schlagen
auf.
Der gewesene Stadtschatzmcistcr Gage von
Chicago hat 'Arrangements getroffen, um
der Stadt K 220,000 in baarcm Gelde zu über
weisen und Sicherheit für die Zahlung der
ihm bereits zur Last fallenden Zinsen zn ge
ben, die nach dem Buche des Comptrollers ych
aus H 133,00 belansen. Auch hat er Bürg
schaft für die städtischen Gelder herbeiznbrin
gen, die er im Betrage von circa H 150,000 in
gebrochenen Banken dcponirt hat. Wenn er
aus solche Art die Stadt für die durch seine
Mißverwaltimg erlittenen Verluste schadlos
zu halten vermag, dann wird vielleicht die ge
gen ihn obschwcvende Eriminaluntersuchung
niedergeschlagen werden, die erhoben worden
ist, weil er unterlassen hat, Amtsgcldcr nn
Betrage von 8500,000, die der Stadt gehören,
an dieselbe abzuliefern.
Den ausstehenden Eigarrcnmachcrn in
New I 0 rk hat sich die Ueberzeugung auf
gedrängt, daß der 'Nutzen der „Strikcs" selbst
im besten Falle ein höchst Problemalischer ist.
Denn nicht nur stehen ihre Kosten in argem
Mißverhältnis; zur erreichten Lohnerhöhung,
sondern diese selbst erweist sich meist schon in
ganz kurzer Zeit als illusorisch. In schlechten
Zeilen, wenn das Angebot der 'Arbeitskräfte
die Nachfrage übersteigt, wird sie rückgängig
gemacht, und in besseren Zeiten steigen die
Preise der Lebensmittel derart, daß die Kauf
kraft des erhöhten Lohnes eine geringere wird,
und vielleicht unter die des früheren Ver
dienstes sinkt. Es muß also abermals eine
Lohnerhöhung verlangt und, wenn nicht so
fort bewilligt, vermittels einer 'Arbeitsein
stellnng durchgesetzt werden, um von Neuem
zu erfahren, daß damit nicht viel erreicht wor
den ist. Obwohl dies den Arbeitern schon
oft gesagt worden, haben sie sich doch inimer
wieder zn neuen 'Ausständen veranlaßt gese
hen, weil sie das Radikalinittel zur Verbesse
rung ihrer Lage nicht benutzt, sich nicht in
Prodittiv-Genosienschaftcn vereinigt haben.
Ties sehen die Elgarrenmachcr, oder wenig
stens eine große Anzahl derselben, ein nnd
haben den Entschluß, von fetzt ab selbst zu
fabriziren, bethätigt. Die Gesellschaft zählt
gegenwärtig vier Hundert Mitglieder, die sich
zu je HlOO Einzahlung verpflichtet haben:
vorderhand ist indeß nur die erste Rate von
§lO entrichtet worden.
Telegraphische Tepeschea.
Europäische Kabe'bcrichte.
Londo n, 25. Febr. In einem Briese
an den Achtb. O. T. Rnssell dankt der deut
sche Kaiser der englischen Regierung siir die
Sympathie, welche sich siir Teutschland in
dessen Kamps gegen das Papstthum kundge
than hat.
London, 25. Febr. Ehrw. Thomas
Binney, Bersasser theologischer Werke, ist ge
stern Abend im Aller von 75 lahren mit Tode
abgegangen.
Loiido n, 25. Febr.— Man erwartet, daß
der Tichbornc-Prozeß am nächsten Samstag
den Geschworenen zur Entscheidung überge
ben wird.
London, 25. Febr.—Ter spanische Tpir.
„Marino," welcher im englischen Kauale das
Emigranlenschiss „Northsleer" in den Grund
segelte, daraus vomAdmiralitäts-Gericht con
fiszirt und sür eine nominelle Summe ver
laust wurde, hat jetzt den Namen „Huelva"
erhalten.
Land s n, 26. Februar.—Folgende Erneu
mingen für das neue Parlament werden amt
lich berichtet: Herzog von Abcrcom, Lord-
Statthalter von Irland; der sehr Achtb. Tho
mas Edward Taylor, Kanzler des Herzog
tyums Lancaster; Sir Eharlcs Bowyce Ad
derly, Präsident der Haudeiskammer: Achrb.
Algernon Fulke Egcrton, Marine - Sekretär
der Asmiraliläi: James Lowther, Untcr-Se
kretär für die Eolonie'ii.
London, 26. Febr. Im Lande und an
der Küste herrscht stürmisches Weiter. Tic te
legraphische Verbindung zwischen London und
verschiedenen anderen Plätzen ist unterbrochen
und zahlreiche Schlfisunfülle werden gemel
det.
Ein Tchiss mit Mann und Maus unter
gegangen.
London, 26. Febr. —Der „Brilliant" ist
in der 'Nahe von Harwick gescheitert. Alle an
Vord Befindlichen ertranken, Tie? ist wahr
scheinlich die Barke „Brilliant," welche am
20. Febr. von Philadelphia in Oueciislowii
ankam.
Noch ein Tchiffbruch.—Tic ganze Maunschast
Lolidon, 27. Febr. — Der gestrige Siurm
hat auf der See und aus dem Lande Schaden !
angerichtet. Der Sturm trat namentlich in
Liverpool, Edinbnrg und Shiclds bettig ant. l
Ter Schooncr „Emma Maria" strandete an
der schottischen Küste und die gefammte j
Maunschast ertrank. Dublin wurde gestern i
Ab eil von einem furchtbaren Gewitter hcimge- !
sucht.
Bon der violvküstc.
Loud o!!, 2st. Febr. —Es ist hier ein Be
rich! eingetroffen, zwischen den 'Aschantis und
den Truppen Sir Garnet Wolseley'? sei bei
Eoomasste eine blutige Schlacht geschlagen -
worden, welche einen ganzen Tag gewährt
habe und unentschieden geblieben sei. Ter
Verlust der englischen Truppen belauft sich
auf beinahe 300 Mann, einschließlich vieler
Offiziere. Tic „HighlaiiScrS" allein sollen
t.'X) Todte und Verwundete verloren haben.
Die Vcrstärkuiigötriippeii, deren Sir G rrnei
Wolseleu bedurfte, sollen Ist Meilen entfernt
gewefen sein.
London, 2st. Febr.—Nach wcilercnEin
i zclheiten über die zwischen den englischen
> Truppen und den Aschantis statlgesnndeneii
! Schlacht wehrten sich die Letzteren verzweifelt.
Tie Schlachr währte von 6 Uhr Morgens bis
:; Uhr rllachmitlags. Es wurden 17 englische
. Offiziere und Um englische Soldaten vcrwun
: det und gctödict. Der Verlust der cingebore
> neu Verbündeten ist undekaiint, wird aber
- als sehr bedeutend angegeben. Mau glaubt,
t daß sich eine weitere bedeutende Trnppenab
. theilnng der Aschantis Coomassie von Süd
: veften her nähern.
Außer den bereits berichteten Verlusten ist
, noch zu bemerken, daß die Fnsilie.-c stv Mann
. verlöre.
London, 25. Febr. Im Kriegsmini
stennm ist von der Schlacht, welche Sir Gar
net Woiscley den Aschaniis geliefert haben
soll, kein Bericht eingelaufen, an das Admi
raliläts-Büreau ist indeß eine nicht amtliche,
aber sehr umständliche Depesche gelangt. Dar
nach ist die Schlacht am 31. Jaiiuar bei
Acroinboo, und nicht bei Coomassie, wie frü
her berichtet wurde, geschlagen worden. Unter
den Gefallenen befinden sich Major Baird
und Capilän Buckle.
Der „Globe" sagt: „Wenn diese Nachrich
wahr ist, so hat die britischen Waffen ein gro
ßes Unglück heimgesucht, und das Einzige,
was Sir Garnet Wolscley übrig bleibt, ist,
einen sicheren Rückzug an die Küste zu be
werkstelligen."
Eine Spezial Depesche an den „Standard"
meldet, die Aschantis hätten die englischen
Truppen völlig eingeschlossen, seien aber um
Ende mit großem Verlust zurückgeschlagen
worden. Der Hauptchcf der Aschantis sei
gcsallen. Der König befehlige seine Armee
in Person und werde wahrscheinlich seinen
Angriff erneuern. Nach derselben Depesche
war der 5. Februar für einen Sturm auf
Coomassie bestimmt worden.
London, 28. Febr. Die genern über
den Krieg gegen die Aschantes m hier eingelaufe
nen Depeschen riefen große Aufregung "hervor.
Tic Befürchtungen, welche man für die Si
cherheit der Truppen Sir Garnet Wolselcy's
hegte, sind jedoch durch folgende, im Kriegs-
Ministerium eingetroffene Depeschen beseitigt
worden:
„Coomassie, 5. Febr. Gestern sind wir
nach fünftägigem hartem Kampf hier ange
kommen. Die Truppen haben Bcwunderns
wertheS geleistet. Wir haben nicht ganz 300
Plann verloren. Der König hat die Stadt
verlassen, befindet sich übrigens in der Nähe.
Er hat versprochen, heute zu mir zu kommen
und einen Friedensvertrag zu unterzeichnen.
Wir hoffen, morgen unsern Rückweg nach der
Küste antreten zu können. Die Verwundeten
erholen sich; im klebrigen ist der Gesundheits
zustand günstig. Wolscley."
V e r s a illes, 25. Febr. Als Ex-Präsi
dent Thiers heute in die National-Bersamm
lung trat, brachte ihm die Linke m Folge des
von ihm gestern veröffentlichten Briefes, in
welchem er seiner Ueberzeugung Ausdruck ver
leiht, daß die republikanische Regierungsform
die einzig mögliche für Frankreich sei, eine bc
geisterte Ovation.
P a r i s, 25. Febr. Man hat vorgeschla
gen, im Jahre 1875 abermals eine Weltaus
stellung zu halten.
Bayonnc, 25. Febr. Ein Gerücht
lagt, daß Gen. MorioncS vor Bilbao eine
furchtbare 'Niederlage erlitten hat und genö
thigt war, auf Santander zurückzufallen.
Nachrichten aus Japan.
London, 25. Febr. Soeben hier ein
getroffene Nachrichten aus Japan melden,daß
die über die Insurrektion in Nagasaki einge
laufenen Berichte übertrieben sind. Man hegt
keinerlei Befürchtungen, daß in der Stadt ein
allgemeiner Aufstand ausbrechen werde, und
die Fremden daselbst glauben nicht, daß ihnen
irgend welche Gefahr drohe. Die Regicrungs
trnppcn stellen die Ordnung in Nagasaki rasch
wieder her.
ZnLllndsTepeschen.
Botschaft des Präsidenten.
Washington, 25. Febr. Der Präsi
deut schickte heule dem Congreffe folgende Bot
schaff zu:
„An den Senat und das Repräsentanten
haus: Ich habe die Ehre, Ihnen hiermit den
Report der Säcularfeicr-Commission vor;
legen und einige Worte der Empfehlung bei
zufügen.
Es sind bis jetzt von drei Großmächten
Europa'S Weltausstellungen veranstaltet wor
den. Es scheint passend, daß der bundcrtstc
Jahrestag unserer Unabhängigkeit durch ein
Ereigmß bezeichnet werde, welches der Welt
das Wachsthum und den Fortschritt einer Na
tiou vor Augen führt, welche der Freiheit
huldigt und bei welcher der niederste wie der
höchste Bürger nach ihrem Ruhm nnd nach
ihrer Ehre strebt. Ein Fehlschlagen dieses
Unternehmens wäre beklagenswert!). Der Er
folg kann dadurch gesichert werden, daß die
öffentliche Meinung über die Wichtigkeit die
ser Angelegenheit aufgeklärt wird. Zu die
sem Zweck bedarf es meiner 'Ansicht nach der
Gesetzgebung durch den Eongreß, um die 'Aus
stellnng zugleich national und international
zn machen. Der Nutzen einer erfolgreichen
Wcttansstellung ist manuigsallig. Nolhwen
digerweije wird sie von Ausgaben begleitet
sein, die ihre Einnahmen übersteigen; allein
dies wird mehr als ausgewogen Zdurch die
Vortheile des Zusammenströme des Volkes
aus allen Theilen unseres Landes, durch die
Vereinigung der Völker verschiedener Natio
nalität, durch die Zusammenstellung unseres
Gewcrbesleißes, der Fortschritte in der Indu
strie, im Ackerbau, in Kunst, Wissenschaft,
Civilisation mit den Erfolgen des 'Auslandes.
Die Auswahl des Ortes für die 'Ausstellung
scheint mir eine passende zu sein, da hundert
Jahre vor dein für die Feier festgestellten Da
tum die llnabhängigkeitserklürung von dem
selben Punkte ausging. Wir haben in un
sercn verschiedenen Climatcn, Bodenarten,
Mineralien und in unserem Gewerbsslciß
Manches, was anderen 'Nationen von 'Nutzen
sein kann. Umgekehrt werden diese die Pro
dukte ihres eigenen Fleißes bringen und unser
Volk damit bekannt machen zu Nutz und
Frommen aller Velheiliglcn. Entweder ar
beite man ans einen completen Erfolg dieser
Weltausstellung hin oder erdrücke sie gleich m
der Kindheit, mit dem Bekenntniß unserer
Unfähigkeit, ihr den internationalen Eharaktcr
zn geben, nach welchem unsere Selbstachtung
hiustrcbt. Exccutiv-Palast, 25. Febr. 1874.
, U. S. Grant."
Tie Eliolcra in Buenos-'Ayres.
Washington, 26. Febr. —Im Schatz
amtS-Departemciit ist eine amtliche Mitthci
iniig eingelaufen, daß die Cholera in Buenos
Ayres herrscht. 'Am 29. Tczbr. wurden 4
Patienten in's Hospital geschickt, und am 3.
Dczbr. wurden schon 64 Fälle angemeldet.
Man glaubt, es fei die eigentliche asiatische
Cholera. Der amerikanische Gesandte halte
sich geweigert, auslaufenden Schiffen einen
Äaniläts-Klarirfchein auszustellen; in Folge
dessen hatten mehrere Schiffeden Hafen ohne
ein solches Papier verlassen.
Ter Temperenz-Krenzzug.
St. Louis, 23. Febr. —Zn Belleville,
Jll., hat die Betfeuche ihr Ende erreicht. Der
Hauptsührer der Frommen wurde als ein
arger Heuchler entlarvt. „Ties," so sagt der
„Stern des Westens," „ist die Historie des
ersten Wciber-Tcmpercnz- und Äiiownolhing-
KrenzzngS in St.-Elair-Eounty, im9s.Jahre
der Unabhäligigkeits-Erklärung der Vereinig
ten Staaten."
Boston, 24. Febr. —Tie hiesigen Blätter !
veröffentlichen eine Zuschrift des Papstes an !
die „Katy. Staats-Temperen;-Union in!
Massachusetts." In dem Schreiben mahnt !
der Papst von der Trunkenheit ab und ver
bindet damit eine Reihe Rathschläge zur Ent
haltsamkeit. Er betont die Mäßigkeit unter
dem Einflüsse und den Lehren der Kirche, und
wünscht den Bestrebungen der „Union" den
besten Erfolg.
Worcester, Mass., 25. Febr. Eine
Anzahl eifriger Temperenzler und verschiedene
hiesige Geistliche hielten gestern eine Be
rathuna über die neue Bewegung gegen die
Spirituosen-Händler.
Alban y, N.-1., 25. Febr. Zn einer
heurigen Versammlung des Staals-Tempe
renz Comite's wurde ein Beschluß angenom
men, welcher die Gesetzgebung ersucht, eine
Prohibitiv-Bill anzunehmen, und erklärt, daß
die Mitglieder des Eomite's zuversichtlich er
warten, der Gouverneur Dix werde diese Bill
unterzeichnen. Es wurden Beschlüsse ange
nommen, durch welche die Freunde der Tem
pereuz aufgefordert werden, die Sache durch
jedes Mittel zu fördern, und durch welche den
edlen Frauen des Westens der göttliche Bei
stand aus ihrem Krcuzzug erbeten wird.
Nc w 2) or k, 25. Febr. Ein Comite
der "ttigmir Uealer-' l nie" hat von Albany
die Nachricht mitgebracht, daß das Accise-Ge
setz modisizirt, die Lizenzen von Kltt auf
! 4t) herabgesetzt und die spasmodischen Ver
suche zur Ausfertigung des Sonnragsgesetzes
aufhören sollen.
Philadelphia, 25. Febr. Bei der
Versammlung des „Radical Club" hielt Eli
zabcth Eady Stanton heute Nachmittag eine
lange Rede über die brennende Frage, den
Temperenz-Kreuzzug. Sie tadelte das Sin
gen und Beten und das TurchziehcndcrStra
gcn und sagte, das Einzige, wonach die
Frauen zu streben Härten, sei die Erwerbung
! des Stimmrechts. Hätten sie das errungen,
! io würde der übermäßige Genuß geistiger Ge
! tränke von selbst bedeutend abnehmen.
Ncw lork, 26. Febr. Eine Depesche
Piquä, Ohio, meldet, daß eine Menge,
welche sich vor einer Wirthschaft sammelte,
! um an dem Barkeeper, der gegen Damen be
j leidigend gewesen war, Rache zu nehmen, sich
zerstreute, ohne irgend welche Gcwaltthätig
! leiten zu begehen.
Pittsburg, 26. Febr. —Ter „Leader"
brachte Folgendes: „Einer unserer Berichtn'-
statter sprach heute bei Bischof Tamciicc vor,
um, wo möglich, dessen Ansichten über die
neue Bewegung der Temperenz-Ladies zn er
fahren. Ter würdigePrälat hielt damit auch
keineswegs zurück und antwortete aus die
Frage des Berichterstatters, ob er wohl so
gefällig sein wolle, ihm seine Meinung über
diesen Whiskcykrieg mitzutheilen, wie folgt:
! „Zch kann sagen, daß ich in dem Plane der
! Frauen, Salonwirthc durch Singen undße
! ren aus ihren Gcschäftsplätzen zu vertreiben,
keinen Unterschied scheu kann von einem
! „Mob," außer allenfalls, was die Waffen,
! die Wurfgeschosse anbetrifft. Der „Mob"
wendet Steine, die Ladies wendciiGebcle an,
! und wahrhastig, das Eine ist io gut ein
! „2Nob," wie das 'Andere. Hier haben Sa
! lomvirrhe ihre Steuern bezahlt und leben im
ter den Gesetze des Landes, und meine per
! sönlichc Meinung ist, daß Das, was sie
! Frauen vorhaben, Unrecht ist." 'Auf die
'weitere Frage: „Werden Zhre Geistlichen
> Schritte m der Sache thun?" antwortete der
s Bischof: „Gewiß, ich kann das nicht sagen,
j Wenn irgend einer der Geistlichen oder eine
der Frauen ihrer Gemeinden es für passend
! erachten, in dieser SacheNarren aus sich selbst
s zu machen, so steht ihnen das frei und sie mö-
gen thun, wie sie wollen." Außerdem er
klärte der Bischof noch, daß er nicht an den
Erfolg der Bewegung glaube: daß er eben
falls ein Cirkular von den Damen erhalten
habe mit dem Gesuche, ihre Versammlung be
kannten machen: allein da er am Sonnlag
viermal;n predige hatte, so habe er keine
Zeit gehabt, an solche Sachen zu denken.
Als zum Schlüsse der Berichterstatter noch die
Frage an den Prätaten richtete, ob er glaube,
daß hier eine Bewegung wirklich zn Stande
kommen werde, antwortete er: „Das kann
ich nicht sagen, iß es aber der Fall, so wird
es einen großen Spaß, einen regelmäßigen
Carneval absetzen, das kaun ich Sie versi
chern."
Cincili iiati, 25. Febr. Der Stadt
rath hat der Polizei gestern Abend besohlen,
die Verordnung bezngiich der Hindernisse auf
den Trottoffs streng durchzuführen. Die be
tenden Weiber werden sich also vor den Wirth
schaften nicht versammeln dunen. Eine ähn-
liche Verordnung ist in London erlassen wor
den. In Mount Vcrnon, MeComicllsvillc,
Bcllefontainc und Londonderry wird fortge
betet. In Lancaster und Delaware sind die
Weiber sehr thätig, aber es ist ihnen bis jetzt
noch nicht gelungen, die Wirthe verrückt zu
machen. In Eircleville hat man sich verge
bens bemüht, eine Temverenzbewegung in
Szene zu setzen. In Richmond, Ind., sind
188 Weiber an der Arbeit, aber obgleich sie
bereits mehrere Tage gebetet haben, ist doch
noch kein Wirth bekehrt worden.
In Ehristline, Ohio, hat der Pastor John
Jenner so lauge gebetet, bis er wahnsinnig
geworden ist. Gestern Abend durchschnitt er
sich die Kehle und ichlitzle sich den Bauch ans.
In der Legislatur wurde gestern der Antrag
gestellt, daß die Gesetzgeber den betenden Wei
bern zu dem bis jetzt erzielten Erfolge gratn
liren, aber eine Majorität fand derartige
Glückwünsche nicht für passend.
Dio Lewis will am nächsten Samstag in
New-S)ork eine Rede halten.
New-?)ork, 28. Febr. In der „St.
Michaelis Kirche" in Jersey - City, N. J.,
wurde heute 'Abend unter den 'Auspizien des
katholischen Vereins der gänzlichen Enthalt
samkcit eine Temperen;-Versammlung gchal
tcn. Ter Sehr Ehrw. Dean Byrne führte
den Vorfitz und die Sakristei war mit Geist
lichen gefüllt. Dreitausend Personen, von
denen viele den Verlrag unterschrieben, waren
anwesend.
stüegen mutnmäsitichcr Bcrgiftnttg
verhaftet, v
Portland, Me., 28. Febr. — H. Kim
ball, seine Frau und Stieftochter sind vcr
hastet worden, weil sie in dem Verdacht ste
hen, Josephine Freiich, welche in kimball'S
Wohnung heute Morgen todt in ihrem Bette
gefunden wurde, vergiftet zu haben.
(s'it furchtbares Nttglüerzurrechtcu
(Zeit abgewendet.
Rochester, N.-Py., 28. Febr. Heute
Morgen wurde von einem Unbekannten ein
Versuch gemacht, das Gebäude der öffentlichen
schule, Nr. 12, in Brand zu stecken. Das
Fester war unter der Treppe angelegt, jedoch
gelöscht, ehe Schaden angerichtet wurde. In
den oberen Zimmern waren3o> Kinder, denen,
chenn das Feuer um sich gegriffen hätte, kein
anderer Weg zur Rettung übrig geblieben
wäre, als zu den Fenstern hinansziispringen.
Mord aus Eifersucht.
N e w- I 0 r k, 25. Febr. Henke Nach
mittag erschoß ter Polizist John Doyle Frl.
Lawler, Nr. 83, Süd- 5. Avenue, wohnhaft.
Er soll äußerst eifersüchtig ans dieselbe gewe
sen sein, sich stark betrunken und in diesem
Zustande in ihrer Wohnung einen Streit her.
vorgerufen haben. Während des Streites zog
er einen Revolver und schoß sie dnrch den
Kops. Ter Mörder wurde zur Haft gebracht.
GciciNlitls!voller Tod.
N e w - I 0 rk, 25. Febr. John Bergen
und seine Frau Mary, welche seit einigen
Jahren in Nr. 124, Bandcwciter Straße, ein
ein kleines Zimmer bewohnten, waren Beide
dem Trünke ergeben und lebten häufig in Un
einigkeit. Gestern Abend wurde in dem Sla
rionshcmfe de? 4. Bezirks Anzeige gemacbl,
daß Bergen todt sei: er sei gegen den Ofen
gefallen und an den Folgen dieses Falles ge
storben.
Ter Fall wurde vom Eoroner untersucht,
und es wurden Gerüchte laut, daß die Frau
ihren Mann am Sonntage mit einer Axr er
schlagen habe. Sie bleibt jedoch dabei, daß
er in der Trunkenheit gegen den Ofen gestürzt
sei und ans diese Weise seinen Tod gefunden
habe.
Frauen, welche diesem Zimmer gegenüber
wohnen, sagen jedoch aus, daß Bergen und
feine Frau am Sonntag Morgen einen Streit
mit einander gehabt hätten, und daß aus dem
Zimmer die Rufe „Mord" und „Hülfe" her
vorgedrungen feien. Tic Untersuchung wird
fortgefetzt werden.
Flotten -Exerzitien in Florida-
Bai.
N e w -Jork, 26. Febr.—Depeschen ans
Florida-Bai melden, daß die gestrigen Excer
zitien der Kriegsflotille sich ans das Operiren
mit Torpedos bezogen. Eine Meile von der
Flotte entfernt, wurde ein Blockichiff vor
'Anker gelegt, und wahrend die eiiizelneii
Fahrzeuge an demselben vorbeifuhren, spreng
ten sie 14 unter demselben angebrachte Tor
pedos. Es war ein großartiges Schauspiel,
indem das Wasser in manchen Fällen in einer
dichten Säule doppelt io hoch, als der Groß
maß war, empor geschlendert wurde. Tic
Erschütterung war gewaltig, nnd alle an
Bord Befindlichen waren wie von einem clek
krischen Schlage getroffen. Eoimnodore Par
ker sagt, das Operiren mit Torpedos sei für
große Kriegsschiffe, welche keine Schnellfegler
seien, nicht rathsam. Die Flotille wird am
Samstag über die Torttigas-Inseln nachkey-
West abgehen. Am 9. Mär; werden durch
die Brandung an der Küste von Ken West
2500 Mann an'S Land gesetzt weiden.
Gewaltsame Befreiung von i'ier
Bankräuber und Flucht eines
Mörsers. Groszc Aufregung
in Delaware.
Ncw - C ast le, Tel., 25. Febr. Die
vier Bankräuber Lawton, Huribun, Caner
und Hope, zn zehn Jahren Zuchthaus-, und
Frazier, der Mörder, zur Todesstrafe vcrur
theilt, sind durch eine Bande Einbrecher be
freit worden. Die Bösewichte geriethen ver
mittelst mitgebrachter Leitern über die Gcfäng
nißmauer. 'Nachdem sie sich des Wardeins
bemächtigt hatten, öffneten siemitTiebSwerk
zeugen die Zellen und Fenster, um die Flucht
der Gefangenen zn erleichtern. Die Bande
der Befreier bestand aus 12 —15 Personen
und man nimmt an, daß sie in einem Rcinor
quem von Philadelphia hierherkamen nnd
auch in derselben Weife wieder New-Easile
verließen.
New Castl e, Tel., 25. Febr. Etwa !
um l Uhr heute früh hörte Israel Ridings, j
der Nachrwardein des Gefängnisses, ein leises
Geräusch im Gefängnißhofe und wurde, als!
er die Thür öffnete, von etwa einem Dutzend
Individuen ergriffen. Dieselben knebelten
ihn, legten ihm Handschellen an, banden ihm
die Füße und warfen ihn in den Kohlen
räum. Einer der Kerle drohte, ihn zu erste
chen, doch ein 'Anderer, bekannt unter dem
'Namen „Big Frank," legte sich in's Mittel.
Dann stiegen sie ans zwei kurzen Leitern, wel
che sie mitgebracht hatten, wieder über die
'Mauer uns nahmen den zn lebenslänglickier
Zuchthausstrafe vcrnrlheilten Mörder Alli
son's, E. Frazicr, mit.
Man nimmt an, daß sie auf elnem Schlepp
dampfer, welcher gestern Abend auf der Höhe
von Ncw-Easttc gesehen wurde, heute Morgen
jedoch verschwunden ist, hier ankamen. „Big
Frank" ist einer von den vor einiger Zeit Ge
peitschten: seine Freunde wollten ihn schon
befreien, ehe die Prügelstrafe an ihm vollzogen
wurde, doch hiesige Bürger vereitelten den
Plan.
Philadelphia, 25. Febr. Neuere
Berichte von New Castle bestätigen, daß die
Bande, welche die Gefangenen befreite, aus
zwölf Individuen bestand. Eine Belohnung
von 81000 ist vom Scheriffe ausgesetzt ivor
l den.
P h i l a d c l p h i a, 25. Febr.— Eine Spe
zial-Tepesche ans Wilmingron, Tel., meldet:
„Als der Hülfs-Scherisf Griffin erwachte,
fand er die Zellenthüren und die Thüre zum
Gefängniß offen, und die Gefangenen waren
auf und davon. Ridings wurde, nachdem
man eine Zeitlang gesucht hatte, in gänzlich
hülfloser Lage im Keller gefunden. 'Als er
von seinen Fesseln und dem Knebel befreit
Muskeln der Kinnladen versagten den Dienst
und sein Zustand zeigte, daß er gestorben
wäre, wenn die Hülfe noch lange hätte aus
sich warten lassen. 'Man vermuthet, daß Fra
zier, welcher ein intelligenter Mann ist, den
Plan zur Flucht entwarf.
Während der letzten Wochen erschienen häu
fig fremde Fraueü in New Castle, und ans
einer derselben ruht namentlich der Verdacht,
daß sie den Verkehr zwischen den Gefangenen
und deren Verbündeten vermittelte. Sic
fragte bei mehreren Gelegenheiten nach den
Wohnungen von verschiedenen Familien, be
suchte jedoch diese nicht, sondern begab sich in
das Haus farbiger Leute, welche vermuthlich
bestochen wurden.
Frazier machie sich jeden Tag eine Siuiidc
lang Bewegung und hat wahrscheinlich die
Briese zwischen den beiden Zellen, in weichen
die Einbrecher saßen, befördert. Tic Letzteren
haben sich seil dem Anfang ihrer Hatt gilt be
tragen; sie aßen nicht die gewöhnliche Gesan
geneiikost, sondern Speise, welche vom Schc
risf geliefert wurde, und die sie selbst bezahl
ten.
Es ist eine Belohnung von HtOon aus die
Ergreifung derselben auSgesctzi. Es liegt
die Vermuthung nahe, daß die Verbündeten
der Gefangenen aus einem Schleppdampfer
von Philadelphia nach New Eastlc fuhren,
dort landeten und kurz nach Mitternacht in
die Stadt gingen.
Zwei solche Boote und augelonüneu und ,
eins derselben um "> Uhr wieder abgegangen.
? >e Befreier fanden in der rst'äbe desGeiäng
nisses zwei Keilern, welche gestern von Arbci
kern gebraucht morden waren. Nachdem die
Leitern zusaminengcbnnden waren, bildeten
sie eine einzige, welche lang genug war, um
mittels derselben die Mauern des Gefängniß
Hofes zu übersteigen. Nachdem T ics g'cichc
hen. wurden die Fenster zu den Zellen Law
ler'S und Hurlburi's erstiegen und aus ihrer
! Vage gehoben, so dag den B.ldm die Mag
s lichleit gegeben wurde, sich Tencn im Hofe
anzuschließen. Wahrscheinlich hat dann ent
weder Lawler ooer Hnrtburt das Unternehmen
geleitet."
Big Frank" eingefangcn.
Philadelphia. 28. Febr. Heute
Morgen um >8 Uhr trat ein Mann in eine
Wirthschaft ein, welcher von einem der Gäste
als „Big Frank" erkannt und gleich daraus
vom Eonstabler Baba verhastet wurde. Ter
Eitliprungene wurde vom Capl.Hcins identt
sizirt und vorläufig dem hiesigen Gefängnisse
überwiesen.
Phi la delp h i a, 28. Febr. Ein Bür
ger ans Wilmington, Del., ging, als er „Big
rank" erkannte, sosort in Alderman Jcn
ilings' Bürean und machte einem Eonstabler
Anzeige. Beide gingen nach der an der Ecke
der 18. und Sharswoodstraße gelegenen
Wirthschaft, wo der Bürger dem Polizisten
den Flüchtling bezeichnete. „Frank" leistete
durchaus keinen Widerstand, sondern ging ru
hig mit in's Stationshans, wo er von Ge
hcimpolizisten identifizirt wurde.
Er war in Begleitung eines Anderen, als
man ihn zuerst ans der "Straße sah: derselbe
ist doch entkommen. „Frank" sagt, sein
Gefährte habe mit dem Entrinnen aus dem
Gefängniß Nichts gemein. Er ist sehr blaß
und ängstigt sich, zurückzukehren, weil er
Lynchjustiz befürchte:. Im Slarionshaus
trank er eine ganze Pini Whiskey. Ueber die
Flucht ans dem Gefängniß sagt er nur so
viel, daß der Plan vorder arrangirl war, und
daß er und seine Genossen durch Frazier, wel
cher sich ffcmlich frei bewegen konnte, in fort
währender Verbindung mit einander standen.
Er bezeichnet die Vermuthung, daß man ein
Frauenzimmer mit der Flucht in Verbindung
bringen wollte, als ein Stück Roman, giebt
übrigens zn, daß Frauen bei ihnen gewesen
und und ihnen Whiskey gebracht haben. Er
meint, es sei ein Malheur, daß er nach Phi
ladelphia gekommen, doch er habe geglaubt,
daß man ihn dort zuletzt suchen werde. Er be
richtet serner, daß er mit seinen Genossen ans
einem Güterzuge in Philadelphia angekom
men sei, und daß sie sich in Wen Philadelphia
getrennt hätten, indem die andere Flüchtlinge
mit einem Frühzuge nach New-Port abgciah
ren seien. Er habe eine der oberen Brücken
überichrilteii und im nördlichen Siadttheile
übernachtet. Er tadcli seine Freunde, daß sie
ihn nirgends in Philadelphia hätten verbcr
gen können. „Frank" halte 9 bei sich, als
er verhastet wurde, und behauptet, dies sei
der Rest von den 15, welche er bei seiner
Flucht ans dem Gefängniß bekommen hätte.
Er sagt, jeder der Entsprungenen habe die
selbe Summe erhalten.
(Später.! Es verlautet ictzt, daß der
Mann, welcher in „Big Frank's" Gesellschaft
gesehen worden, che Letzterer wieder verhaftet
wnrde, Niemand anders gewesen sei, als Jim
Hope. Als der Coiislablcr Hand an „Frank"
legte, ging der Andere davon und ist seitdem
nicht mehr gesehen worden.
Die siamesischen Zwillinge.
Philadelphia, 25. Die zwcue
'Ausgabe der „Medical Times" berichtn, daß
die Obduktion der siamesischen Zwillinge am
Freitag fortgesetzt wurde und interessante
Enthüllungen brachte. Tie Acrzic fanden,
daß die beiden Lebern, von denen man an
nahm, daß sie mir durch Blutgefäße vcrbiin
den seien, wirklich nur einen Körper bildeten
da das parenchymatöse Gewebe sich ohne ll
terbrechnng von der einen zur andern erstreckte,
und die beiden Lebern, als man sie heraus
nahm und ans den Tisch legte, in der Thal
nur eine Masse bildeten. Tie sogenannte
Fortsetzung dcr Pfortadcr ist also Lebcrgewebe.
Man wird sich erinnern, daß die Vermuthung
ausgesprochen wurde, Ehang habe einen Le
bcrjack mehr als Eng. 'Als jedoch die Lebern
herausgenommen wurden, entdeckte man, daß
auch von Eng ein oberer Lebersack ausging,
so daß der Strang 4 Bauchfell-Säckeenthiel!.
Diese Entdeckungen zeigen, daß jeder Vcrsiicb,
die Zwillinge zn trennen, aller Wahrschein
lichten nach den Tod derselben zur Folge gc
habt haben würde.
Mysteriöser Fall.
Philadelphia, 26. Febr. Frau
Mary Walbot starb heule Morgen au den
Folgen eines Pistolenschusses, welcher, wie
man vermuthete, von ihrcmGatten abgefeuert
worden war. Vor ihrem Tode jedoch hat sie
denselben von aller Schuld freigesprochen.
Ableben cincsZHeleyrtctt.
Char le st 011, S.-E., 25. Febr. Der i
ehrwürdige lutherische Prediger Johann Bach
um!!, ansgezeichner als Naturforscher nnd
während seines ganzen Lebens ein Freund und
Mitarbeiter von Agassi', und Aiidnbon, ist
im 'Aller von 85Jahren gestorben. Das Lei
chenbegängniß wird morgen stattfinden.
Vcrliccrcndc Ucversckiwcminunge.
Memphis, Tcnu., 25. Febr. 'Alle
Ströme in diesem Staate und in Arkansas
stehen ans Fluth-Höhe und steigen noch fort
während. Die Eisenbahnen leiden anßeror
dentlich. Balkeiigerüste an der „Memphis
und Charleston-Bahii" sind in der 'Nähe von
Middlcton in einer Länge von 200 Fuß zer
stört. Aus der „Tenncffee-Bahn" wurde eine
Anzahl Brücken weggeschwemmt. Der Ver
lust an Vorräthen ist unberechenbar. Alle
Ströme in 'Arkansas sind aus den Ufern ge
treten.
Memphis, 25. Febr. Tic Bcfchädi
gnngen der „Mississippi Cenlralßahn" durch
Sie Uebcrichweminung sind bedeutender, als
man Anfangs angenommen hat. Von dem
Uftrdamin des Tallahatchie Flusses ist eine
400 Fuß lange Strecke hinweggcrissen. Die
Brücken sind gleichfalls beschädigt.
Letzte voffnnn.z der yulstoscn
Fischer.
Detroit, Mich., 25. Febr.— Die Fischer
auf dem Eise sind noch nicht alle gerettet.
Das Eis in 10 Meilen von der Küste sortgc
trieben und brichk. Da man ihnen auf keine
Weife zu Hülse kommen kann, so besteht ihre
einzige Hoffnung darin, daß die Schollen an
die Hanpnnaffc des Eises treiben. Die See
geht hoch, und die Schollen werden dem WA
iengaiige nicht mehr Stand halten können.
Tic Attti-Mottopott,tc, lowa s.
Des Mo ine's, 26. Febr.—Die
Staats Convention der Anli Monopolisten
trat gestern hier zusammen. Es waren 64
Eonniies durch li-tDcputtrtevertrclen. Wäh.
rend der Abend Sitzung wurde eiiiePlattfoein
angenommen, welche ini Wesentlichen fol
gende Beschlüsse enthält: Eine freie, repnbli
klinische Regierung biete den besten Schutz für
Leben und Eigenthum, und einfache, redlich
gehandhabte Gesetze würden am Ersten zum
Zweck führen. Eine politische Reform, ver
bnnden mil Ehrlichkeit, Sparsamkeit und
Unantaftbarkeit im amtlichen Leben, fei zn
empfehlen. Der drille Beschluß empfiehlt
eine Reform des Eivildienstes und sagt, Ehr
lichkeir und Fähigkeil allein gäben ei Anrecht
auf öffentliche Aemter. Nachdem der schütz
zöllnerifche Tarif angefochten, wird erklärt,
daß alle Eorporationen unter der Eontrole
entweder der Bundes , oder der Slaatsgcfetze
stehen sollten, je nachdem der Freibrief derlei !
ben von der Bundes- oder der Staats-Regie
rnng ausgestellt sei. Ein freies Bank System
unter Bnlidesgejetzen wird empfohlen. Ter
siebente und letzte Beschluß spricht sich gegen
fernere Landbcwillignngen an Eisenbahnen
aus und erklärt, das öffentliche Besitzthnm
müsse inr Ansiedler rescrviri werden. Schließ
lich werden alle Bürger ohne Unterschied des
Berufs und der politischen Ansichten eingela
den, zur Beseitigung der Uebel, von denen
das Land heimgesucht fei, beizutragen.
Tic Anklaacn gegen den Stadt
schatzmeister in San Franzisco.
S an Franzisc ö, 25. Febr. Gestern
berief Richter Stanley vom Eounttigencht die !
' Großgeschworenen in das Gerichtszimnier, und
wies sie an, eine Untersuchung darüber anzu
steilen, ob der Stadrschatzmcister Hubert mehr
als 8600,000 in der Bank von Ealit'ornien in
i Contravcniion der ausdrücklichen Beniniinnn
! gen des Siactts-Gefetzes, das eine solche Hand
! inng zur Felonie macht, dcponirl bat, und ob
! der Mayor OttS ein Milichuldiger an dieser
! Handlung sei. Di- Ansprache des Richters
war sehr )chari, nnd die Sache hat bereits viel
Aufsehen gemacht. Der Countti Richter ist
einer icner Beamten, die das Gcictz beaui
tragt, die Rechnungen des Stadlichaizinelsters
zu untersuchen, und er bemerkte in inner 'An
sprache, die ermittelten Thatsachen deuten a,
daß der Mayor moralische Begriffe hat, die so
sehr von feinen, des Richters, Begriffen über
Recht nnd Unrecht, abweichen, daß er feinen
Ruf dem Mayor nicht anvertrauen, noch mil
ihm die Verantwortlichkeit theilen kann, die
ihm das Gesetz auferlegt.
San Frauzisco, 2st. Febr. Gestern
Abend erschien Mayor Otis vor dem Rathe
der Snpervisorcn, und erbot sich von der
Stellung des Nalhsvräsidcntcn so lange zu
rückzutrclen, bis die von Richter Stamcy
wegen angeblich im Amte begangener Ueber
griffe erhobene Anklage, von dem Eollcginm
untersucht sein wird: der Mayor suchte sein
Verhalten zu rechtfertigen, und sagte, daß Rich
ter Stanley s Verfahren voreilig und lediglich
von kleinlicher Eifersüchtelei eingegeben sei.
Das Colleginm faßic einhellig z Gunsten des
Mayor? Otis und des Schatzmeisters Hubert
Bcrlranensbeschlüsse.
Nachrichten aus Havanna.
Havanna, 26. Febr. Tie „Gaceta"
veröffentlicht einen Befehl, durch welchen alle
Hanseigenthümer und Familienväter nnsgc
forden werden, den Behörden alle Namen von
Weißen und Schwarzen, welche in ihren Hau
fern wohnen und militärpflichtig sind, anzu
geben. Unterlassung? Bergchcn i > dieser Be
ziehung werden init Geldbußen bestraft, und
Solche, welche ein ungenaues Verzcichniß der
Hausbewohner abliesern, werden vor ein
Kriegsgericht gestellt werden.
Gin Schaffner der..Valt imorc-T t,i
Bahn" verunglückt.
Eii in berlaiid , Md., 26. Febr. He iic
Morgen gericlh der Güierzng Schaffner Geis
ith, jiiii., als er bei tziirleioii, to Meilen
östlich von Wheeting, seinen Zug aus ein
> Zeiiengeleiic bringen wollte, nnt dem Fuße
! in einen sogcnaunteu Schiencnseoich, und ehe
er sich freimachen lomitc, wurde er üben ih.
i reu und aus der Stelle getöiuet. Ter jn ige
s Mann war 22 Jahre all, unvcrhe rathet und
! die einzige Stütze seiner verwinwetenMui er.
In New-?> o i k tagt cineEonvenlion r
j Beegwerls-Jngenicurc.
Stadt Baltimore.
Tic (Erweiterung der Grenze
Baltimore's.
In Folge eines von den HH.John Bacon,
Samuel Brady, R. A. Boarman, E. Bahn
Slingluis, Jcsse Slinglnsf, Eoliimbns Ship
lei, I. I. Bellotl, John Watkinö und I.
Bostel, ausgegangen Aufrufs, versammelten
sich gestern ungefähr 98 Bürger von Balti
more County in dem Gcrichlöhause zu Tow
soniown, ni Maßregeln Bet cffs der Erwei
terung der Grenzen Balrimore's zu treffen.
Ter Ächtb. John Wethered führ den Vorsitz,
während Hr. James H. Smith als Sekretär
mngirte. 'Nachdem der Vorsitzende über den
Zweck der Versammlung gesprochen ) atte
sag er, daß er gegen de Erweiruilgz
Sladtgrenzen sei. Hr. I. L. Ljcllot offerirte
einen Beschluß, welcher dahin ging, daß ein
Ausschuß von 28 Herren ernannt werde, wel
cher sich mit derValffmore Connty-Delegation
der Gesetzgepung in Verbindung setze und mir
derselben berathe, auf welche Weise man die
Erweiterung der Sladlgrenzen verhindern
könne. Hr. John T. B. Dorsey unterstützte
den Beschluß. Vor zwanzig Jahren, sagte
er, ici Baltimore Eounly von der Stadt "ge
trennt worden; jetzt wo es an Einwohnerzäht
angewachsen sei, ein Gerichtsgebäude, ein Ar
menhaus, ein Gefängniß und andere Bauten
habe ausführen lassen, wolle man es um zwei
Fünftel seiner Steuerbasis berauben. Fehle
aber erst dieser Theil, io werde ein anderer an
Howard-, noch ein anderer anCarroll-Comity
gehen, und was mit dcmßeste geschehen werde,
müsse man Gott überlassen. Ter Beschluß
des Hrn. Hcllott wnroe daraus einstimmig
angenommen.
Der Vorsitzende ernannte daraus nackssie
hende Herren als Mitglieder des Ausschusses:
I. Wcthered, I. T. Ensor, Eduard Stiefel,
R. R- Boarman, Dr. M. Merryman, John
I. Biddiwn, Geo. W. Dorsey, Francis
Cochranc, Oberst T. G. MeJurosh, I. F
E. Talbott, Jaiob Schambcrger, I. P.
Clarke, I. H. Smtth, James H. Moog, I.
I. zyellolr, Cvlnmbus I. Shipleq, Robert
Poole, I. G. Vatterwn, Carey MeCtclland,
James Mahool, Samuel I. Robinson, Henry
Sangermann und Richard A. Rcmarc.
Alte denkwürdige Fayncu.—
Zum Besten der „Panson-Meinorial Kirche"
zu Porttand, Maine, wird in diesen Tagen
I in sencr Stadt ein Gedächtniß Souper errich
r werden, bei welchem die Fahne der Per.
- sraan BNM „Cnterpriie" in ibreni Gcsechl
' mit der englischen Brigg „Boxer" am 13.
September I8!3 und die Fahne, welche vom
Force McHenris, bei der Belagerung desselben
durch die Engländer, weh, über der Tafel
ansgebrcitel werden sollen.
EinWirlh ano n in vo n der Ber
scuchc heimgesn ch l. Hr. Mitzel der
Eigenll,inner der starkfreqncniiricn Wirth
schaft an der Eutawstraße, gegenüber der
..Coneordia," erhielt gestern ein Schreiben, nr
welchem ihm mitgetheili wnrde, dass er heute
Morgen präzise 9 Uhr den Bei uch eines Da
men Comite's zu erwarten habe, welches ihn
mii Gebeten aus seiner Wirlhichait räuchern
werde, ialls er dieselbe nicht vorher schließe.
Hr. 'Mitzel begab sich nach Empfang des
Schreibens sosort zu Eapt. Lepson und er
suchte denselben, ihm einen Polizisten zur
Verfügung zu stellen, Sa einige Mitglieder
feiner Familie krank seien und bedenkliche Re
snllatc zn erwancn ständen, falls sein Lokal
zum Schauplatze eines aufregenden Ereignis
>es gemacht werde. Viele glauben, daß das
Schreiben, welches anonym gehalten ist, von
einem Spaßvogel ausgeht, während Andere
der Meinung sind, daß die frommen Damen
es wirklich darauf abgesehen haben, mit in
brünstigen Gebe Hrii. Mitzel zum Wasser
simpel zu bekehren und ihn zum Schließen ici
ner Winhschaii zn bewegen.
DieEonscrcz der „V er. Brii se '
i u Chri si o." —Am letzten Moulage ichloß
die 91. Sltznng der Pennsylvanier Canferen;
der „Ver. Binder in Christo" i.i Mechames
bürg, Pa. Tic nächste Sitzung der Consercii;
wird in LitllcStoivn, Aoäins Connty, Pa.,
abgehalten werden. Man beschloß, während
des laufenden Jahres eine Sonntagsschui
Coiiveiilion abzuhalten und ernannte die
Ehrw. W. B. Raber, C. T. Stearn und I.
H. iffonng als Mitglieder eines Eomire's, um
.-seil und Ort der Convention zn bestimmen.
Als Mitglieder des Comiic's, welches die
Arrangements für die Convention treffen soll,
wurden ans dem Aork-Bezirk die Ehrw. I.
Ä. Colpstock, C. T. Stearn, H. A. Schlichter
und I. A. Sands von Baltimore, W. B.
Raber und I. H. 'ffonng von Ljork, I. Bea
mcr von Shiremaiislown, I. R. .Hutchinson
von Tuncarnnon-Slalion. E.W. Koony von
Woodbnry.Station und G. W. Lightner von
West Fairview Station, W. H. Crammer aus
dem '.York Kreise, F. Grein ans dem Dover-
Kreise, A. Tripner aus dem LittleStown-
Kreise, F. I. Wallace ans dem Liverpool
kreiie, G. Bingham ans dem Vicksburg-
Krcise, A. H. Rice ans den: Manchester-
Kreise, D. R. Bnckholder aus dem Perry
Kreise, I. Garman aus dem Goldsboro'
Kreise, I. B. Jones ans dem Jefferson krciie
und A. Lackey ans dem Parklon-Kreis'e und
die Ehrw. I. C. Sniuh, S. A. Mo,ver, A.
G. Hnber, T. S. Wentz, W. Omen, I. T.
Sckäscr, W. O Dickson, W. O. Smiih, W.
T. Lower, VG l.nigley, W. H. Wagner, L.
A. Wickcy, I? ff. Weidler, G. W. Beatiy I.
Eroff und I. P. Anthony ans dem Eham
bersburger Bezirke ernanni.
Eiii c fai hl onab I e Ho ch ze i l.—Vor
lüstern Nachmittag fand in der Lcriiiglonstra
!en Synagoge die Trauung des Frl. Ella I.
Hlttmann, Tochter des Hrn. Joel Gntmaiin,
lud des Hrn. David Hutzlcr, Sohn des Hrn.
N. Hntzler, statt. Obgleich das Wetternichl
lüustig war, da unausgesetzt ein feiner näi
ender Schnee in kleinen Staubslocken durch
>ie Vilft wirbelte, so halten sich doch die hiesi
seil Israeli nicht abhalten lassen, der
Trauung zweier junger Leute beizuwohnen,
>ie den prominentesten hiesigen Familien an
sehörcn. Lange bevor die Tranungs Cere
nonic ibren Anfang nahm, harie sich d Sy
lagogc bereu? mit Hunderten von Damen
and Herren gefüllt, von denen Erstere in den
leganiesten Toiletten erschienen waren. Von
zer Decke herab hingen prächttge Guirlanden
and Binineii, während vor dem Altare zahl
läse aus weissen Roten gewundene kränze
und zwei in einander gc'chlnügeiie, ans Bin
men geformte Hände angebracht waren. Ein
köstlicher Duft drang durch alle Räume des
Tempels, der in seinem feiilichin kleide einen
erhabenen und doch zugleich freundlichen A
blick gewährte. Gegen 2 Uhr Nachmittags
erscholl der erste Ton der Orgel,ein feierlicher
Hochzeitsmarich erllang, die in den Tempel
führenden Thüren öst-ieten sich und das
Brautpaar, von den HH. A. I. Hnvlcr uns
Moses Pels und den Dame Esther Stein
iind Roia Hecht geführt, berral das Innere.
Tie Braut wurde von ihrer Mutter und der
Äurrer des Bräutigams, Letzterer dagegen
von seinem Vater Hrn. M Hutzlcr und Hrn.
Joel Gutinaii, den: Barer der Braut, de
gleiiei. Die >unge Dame rrng ein meißfcide
nes kleid, welches reich mir natürlichen Bin
men verzier! war. 'Als die Brautleute unter
einem Blumen Baldachin Plav genommen,
vollzog der Ehrw. Dr. Deutsch nach dem Ri
ins des reforminen Jndenthums die Trauung
i höchst feierlicher Weise. 'Nach Beendigung
der Ceremonie begaben sich die Nenverinähl
teil nach dem Hause des Hrn. Joel Gniinann
an der Lombard-, nahe Eurawstraße, wo sich
gegen Abend mehr als 588 Personen, darun
ter die angesehensten Bürger innerer Stadl,
einfanden" Tie anwesenden Damen waren
in die Prächtigsten Gewänder gehüllt und der
Glanz, Reichthum und Schimmer der allein,
halben sichtbar wnrde, erinnerte an die Bil
der ans „Tausend und eine Nachr." In dem
Empfangszimmer lagen die Gescheute ansge
breitet, deren Werth sich aus mehr als 7888
belicf. Goldvcrzierle Musilsoien, sechs große
Bronzcnhren, silberne Fruchlkörbeund silberne
Schüsseln, ein vergoldeter kartenlisch, getra
ge von einem Riner in voller Rüstung, und
hllnd.rr andere Gegenstände erblickte das
Auge, das schließlich von all' der Prachl und
all' den: Glanz völlig geblendet wurde. Un
ter den von Ncw-ffork cingerroffenen Hoch
zcitsgästcn befanden sich die HH. A. Mo:
geniha, s. Otrcnhel'.ner, I. Wäglcin und
Karl Branuhold.
Der „Staats Ackerban Verein"
hieU gestern in seinem Lolale an der Ecke
der Enlaw und Fayeitc Straße eine Ver
fammlung ab, in welcher Hr. O. Bowle Da
vis den Vorsitz führte. Der Zweck der Ver
sammlnng war, Maßregeln zn treffen, daß in
Zukunff die landwirthschasllichen 'AusslcUnn
gen der einzelnen Eountles nicht au demselben
Tage abgehalten werden, an welchem die
Slaats-Ackerban Ausstellung stattfindet. Da
die „Carroll Countu Gesellschaft" ihre 'Aus
stellung in diesem Jahre zur selben -Zeit bc
geht, während welcher die staais-Ackerban
l'tusstellnng abgehalten werden soll, so wurde
der Sekretär angewiesen, an die betreffende
Gesellschaft zn schreiben und sie um Verän
dernng der Zeil ihrer Anssicllnng zu ersuche.
Ein Vorschlag, die Staats-Ausstcllung in
diesem Jahre mii der von Fredenck Count
!zu vereinen, wurde verworfen. Hieraus veiP
lag man sich.
Todrlicher 'Ausgang. Friedrich
Lauierbach, welcher bei dem vorgestrigen Feuer
an der Canran Avenneiolch' gefährlichcßrand
wnnden erhielt, erlag denselben gestern Vor
mittag. Der Verstorbene war ans Bayern
gebünig und stand im 11 . Lebensjahre. Vor
2l Jahren kam er nach Amerika und Hai seil
her immer in Baltimore gewohnt. Er war
ein fleißiger nrebiamer Mann, dessen Tod sehr
zn betlageii ist. Außer einer trostlosen Wittwe
hiiiieiläßl er zwei Töchter, von denen die allere
>8 und die lüngere >8 Jahre all ist. Sein
Leichenbegängniß wird am Sonnabend von
! ieiner Wohnung Nr. 185, Peireestraße, an
! unter Theilnahme der ..Harmony-Logc der
s Odd Fellows" stattfinden,
s Bedauernswertste r Unia l l.
Während Hr. S. W. Gans, Rcanisirenr des
deuffcheii Theaters in der „Eoncordia," ge
stern in seiner Wohnung 'Nr. 118, German
Siraße, einen Torpedo, wie sie am voraestri
gen Abend bei der Anffnhrnng des „Boin
bardements von sirastburg" bcmitzl wurden,
aus seiner Taichc ziehen wollte, explodulc der
gefährliche Körper und die rechteHand des un
glücklichen ManeS wurde förmlich zerrriffen .
Dr. I. A. Gilliß ward herbeigerufen und lei
stete dem Verwundete den nöthigen Bei
x stand.

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