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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, March 20, 1874, Image 1

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30. Jahrgang.
SchSppe-THulenburg.
Die Dcpe,che über Pi Schöppe's Carriere
im Westen, welche am Montag Morgen in
den Balttmarer Blättern erschien, hat begreif
licher Weise in allen Kreisen unserer Stadt
Dröges Aussehen gemacht. Im Lause des
Tages traf dann auch das Chicago'cr Blatt
mit dem in der Depesche erwähnten Artikel
ein, und Letzterer wurde von uns sofort für
die Publikation vorbereitet. Die Sache rief
das Interesse eines Jeden wach, welcher jenen
Artikel las, und es mußte allerdings auffal
len, daß kein Ortsname genannt war, wo der
alte Schöppe als Pastor sungirt haben sollte
und daß die „Presse" den Schöppe im Nebel
verschwinden läßt. Da ferner keines der nörd
lichen und östlichen Blätter die betreffende
Depesche erhielt, da endlich Schöppe's Prozeß
nm die Erbschaft des Frl. steinecke dieser
Tage zur Verhandlung kommt, so erhielt die
Vermuthung eines in jeder Beziehung un
eigennützigen Freundes von P. Schöppe, daß
die ganze Angelegenheit vielleicht zur Beein
flussung des Prozesses, in welchem es sich um
§60,000 oder mehr handelt, im Westen fabri
zirt sein könne, einigen Grund, zumal kein
anderes Chicago'cr Blatt vom Sonnabende
ein Wort über die Sache brachte. Dessen
ungeachtet würde der betreffende Artikel am
Dienstag publizirt worden sein, wenn uns
nicht eine eigenthümliche Ueberraschung ge
worden wäre. Am Montag Abend gegen 9
Uhr erschien ein frischer innger Mann im Re
daktionslokale dieses Blattes; er hielt ein
Exemplar der „Sun" in der Hand und fragte
in ziemlich aufgeregter Weise nach Hrn. Luv
te. Der betreffende He wurde ihm gezeigt,
der Fremde schritt um den Tisch herum und
wandte sich an einen Anderen mit der Bemer
kung:'„Sie find's?" Dieser zeigte nochmals
auf Hrn. Lübkerl, woraus der Fremde sagte:
„Aber meine Herren, kennen Sie mich denn
nicht?" Alle vier Anwesenden blickten ihn
an und sagten sämmtlich: „Nein!" „Ich
bin der Dr. Schöppe!" Unser Erstaunen
war nicht gering. „Dann kommen Sie ge
rade recht," sagte der Schreiber dieses und
räumte ihm einen Platz ein. „Ja, ich möchte
Sie auf den kleinen Artikel in der „Sun" auf
merksam machen," erwiderte Schöppe, der
augenscheinlich den „Correspondenten" vom
Montag Morgen noch gar nicht gelesen hatte.
Wir ließen ihm die Correktnr des Chicago'
Artikels abziehen und beobachteten ihn wäh
rend des Leicns genau. Er las die Sache auf
merksam durch; jeder fingirten Entrüstung
enthielt er sich, nur dann und wann sagte er:
„Das ist ja schändlich das ist doch zu ge
mein." „Die Sache geht sicher von hier aus."
Wir alle waren fast überzeugt, daß hier ein
Irrthum vorliege. Aus die Frage, wo er
herkomme, nannte er Philadelphia; als man
ihn fragte, wo er sich seit den letzten Monaten
aufgehalten, bezeichnete er einen kleinen Ort in
nahe Ottawa, Canada, bat aber gleich, daß
man vorläufig davon abstehen müsse, den ge
anen Namen zu erfahren, indem er in dem
Oertchen eine gute medizinische Praxis habe,
die sofort ruinirt werden würde, wenn man
in Erfahrung bringe, daß er in solche Schwu
litäten gerathen und mit dem wegen Giftmor
des prozessirlen Schöppe identisch sei. Ob
wohl diese Erklärung etwas zweifelhaft war,
so hielten wir sie doch für genügend, wenig
stens vorläufig den Chicago' Artikel zurück
zuhalten, nnd ein Mitarbeiter dieses Blattes
begleitete ihn sogar nach dem Bureau der
„Assoc. Presse," wo es ihm gelang, den Agen
ten zu bewegen, eine Berichttgnn'g der Chica
go'cr Depesche so zu telegraphiren.
Dienstag erschien schöppe bei deni Heraus
geber dieses Bialtes und bat um fernere Ver
zögerung der ihn berührenden Publikation,
was ihm, wenn auch mit Widerstreben, ge
währt wurde, denn Hr. Raine hatte die Ueber
zeugung gewonnen, daß an der Sache Etwas
faul sei. Wir müssen noch bemerken, daß bei
seinem Besuche am Montag Abend der Schrei
b auf den zufällig vor ihm liegenden „St.
Louis Courier" zeigte und ihn wagte, ob er
das Blatt kenne. „Nein nie im Leben ge
sehen!" war die unbefangene Antwort, und
doch erinnerten wir uns dunkel bei dem Ver
kaufe der „Missouri-Staatszcitung," deren
Personal den „Courier" begründete, den Na
inen Sch Ulenburg unter den Reportern
gelesen zu haben.
Unsere Mittmochs-Wechselblätt aus St.
Louis und Ch cago brachten endlich Licht in
die Sache. Ans den Artikeln der „Westl.
Post" und des „Westen" schöpften wir die
sichere Ueberzeugung, daß der Artikel der
„Freien Presse" die volle Wahrheit enthielt,
und einer unser Berichterstatter ging sofort
daran, den gefährlichen Verbrecher zu ent
larven.
Schöppe Schulenburg macht den Eindruck
eines zerstreuten, lebenslustigen, harmlosen
Menschen; Niemand würde in ihm einen ge
riebenen Verbrecher vermuthen, dazu ist er'zu
sorglos und unbefangen; nur das Auge ha'
etwas UnstäteS; die zahlreichen Widersprüche,
in die er sich allerdings verwickelt, scheinen
mehr der Confusion eines Mannes zu ent
springen, der, in eine fatale Situation ge
bracht, seine Aeußerungen im Bewußtsein der
Unschuld nicht allzuscharf controlirl. Gerade
dieses für einen Verbrecher so seltene Beneh
men macht ihn gefährlich, denn dadurch hat er
augenscheinlich die Meisten, welche ihm ge
fällig waren und sich für ihn inleressirtcn, ge
täuscht.
Der Chicago'er „Freien Presse" gebührt
aller Credit für die Blosstellung dieses Bur
schen; durch diese That hat sich das noch junge
Blatt eine Stellung unter denjenigen Zeitun
gen des Landes errungen, welche ihren Beruf
kennen und verstehen. Der große Roman
Schöppe ist letzt augenscheinlich m sein letztes
Stadium getreten, das noch interessanter zu
werden verspricht, als der Prozeß in Earliste.
Die Ztaatsgcsetzgebung.
Noch immer gehen Petitionen in Befür
wortung des Vorschlages ein, der Ca 10 ns
viller Bahn-Compagnie die Benut
zung feuerloser Lokomotiven zn erlauben. In
New-Orleans, wo dieselben eingeführt sind,
geben sie allgemeine Befriedigung.
Zwei weitere neue Banken sollen in's
Leben treten: Die „City Bank of Baltimore"
mit I. W. Davis, Philipp S. Chappell, I.
Frecman Raisin, E. K. Cooper, Geo. Colion,
E. P. Stevens und A. S. Gorma als In
corporatorcn, 5100,000 —K 500.000 Capital,
und die „Citizens' Bank von AnnapoliS" mit
W. H. Tuck, I. Andrews, W. H. Gorma,
M. Bannon und Levin Woolford als Jncor
poratoren, H50,000—§200,000 Capital.
Gouverneur Groome fiel, als er am
Donnerstage am Tische faß, plötzlich ohnmäch
tig zu Boden. Er war jedoch am Freitage
wieder wohlauf und munter. Die Strapazen
des Amtes waren ohne Zweifel die Vcranlaf.
jung des plötzlickicu Unwohlseins.
.Hr. Staylor hat eine Bill vorgelegt, welche
alle Arbeitgeber nöthigt, wöchentlich den
Lohn ihrer Angestellten zu zahlen.
Unterlassung bedingt eine Strafe von 10 Pro
zent des Lohnes und das Recht der Klage vor
einem Friedensrichter.
Die Debatte über die „Local-Option" Bill
im Unterhause und die schlicßliche Verwer
fung der Maßregel gab, wie bereits angedeu
tet wurde, zu den aufregendsten Scenen An
laß, welche bis jetzt im Untcrhausc, überhaupt
in der Gesetzgebung, vorgekommen sind. Tie
Waage stand Änsangs so im Gleichgewicht,
Saß eine Zeillang jede Bewegung ans beiden
Seiten mit dem größten Interesse überwacht
wurde. Im Laus der Debatte hielt Hr.
Cotlon von St. Mary's County, welcher den
Antrag stellte, sein County von den Wirkun
gen der Bill auszunehmen, eine vortreffliche
Rede, welche von den Gallcrie'n nnd der
Lobby wiederhott enthusiastisch apptaudirt
ward, so daß der Sprecher wiederholt Ruhe
gebieten mußte.
Der Redner las speziell den Predigern den
Text. Er sei dagegen, daß die Prediger des
Evangeliums den ihnen zustehenden Wir
kungskreis überschreiten und in die Gesetzge
bung als Lobbyisten kommen, um dort ans
die Annahme spezieller Gesetze hinzuarbeiten.'
Es sei eine Schmach, daß solche 'Agitatoren es
gewagt, seinem Collegen Petitionen ans den
Tisch zu legen von Leuten, welche nichr das
geringste Interesse in St. Mary's County !
hätten.
Er sei vollkommen im Stande, die Inte
ressen seiner Constituenten zu wahren und kein
politisirender Wanderpaster brauche zwischen
ihn und seine Wähler zu treten. Er sei spe
ziell aus diesem Grunde gegen die ganze Be
wegung.
Hr. Stewart von Baltimore war der Füh
rer der Opposition und hielt die Hauptrede,
welche wir bereits in den Verhandlungen mit
getheilt haben.
Der Führer der „Local Option"-Lcute war
und ist Hr. Seth von Talbot-County. Aber
schon bei'm Beginn der Debatte zeigte
daß mehr Enthusiasmus auf Seiten der Op
position herrschte, als unter den Wasserhclden.
Zuerst platzten die Geister wegen eines
Antrags aufeinander, die Bill auf unbe
stimmte Zeil zu verschieben; 35 stimmten da
gegen und 34 dafür; ."er Autrag wurde ver
worfen. Den zweiten Stürm rief der Antrag
hervor, die Bill bis zum 6. Apr.'.' in verschie
ben und d'cser wurde angenommen. >?ötort
wurde eine Wiederinbelrachtnahme des vorhe
rigen Votums beschlossen. Die Freunde der
Bill beschlossen eine Verzögerung und bean
tragten wiederholt die Vertagung, damit die
Bill zu einer beliebigen Zeil der Sitzung wie
der ausgerufen werden könnte, denn am 6.
April sei wenig Hoffnung für die Maßregel.
Ordnungsfragen und andere parlamenta
rische Manöver wollten nicht verfangen, denn
der Sprecher, obgleich ein Freund der Bill,
erkannte und erklärte dieselben als unzulässig
und seine Entscheidungen wurden stets auf
recht erhalten.
Zu einer Zeit, als Hr. Brace versuchte,
einen Namensaufruf durchzusetzen, wurde
die Geduld des Sprechers thatsächlich auf
eine harte Probe gestellt. Die Mitglieder
waren fast sämmtlich außerhalb ihrer Plätze,
das wogte hin und her, Anträge überstürzten
sich und kreuzten sich wie das Bombardement
einer Sternschanze. Schließlich gelang es,
die Ruhe wieder herzustellen und gegen Ii
Uhr kam endlich der Antrag zur Abstimmung;
das Votum wurde in Wiederbcrathung gezo
gen und die Bill mit 40 gegen 25 Stimmen
auf unbestimmte Frist verichoben. Der An
napoliser Corrcspondent der „Sun" und des
„American" schreibt: „Die Niederlage der
Bill ist in hohem Grade nicht sowohl der
Stärke der Opposition zuzuschreiben, als dem
Mangel an Takt und der Lauwärme ihrer
Freunde. Hr. Seth, der Vorsitzer des Tem
pcrenz Comite's, warnte die Freunde derßill,
dieselbe nicht gegen Ende der Woche aufzuru
fen, indem viele Freunde der Maßregel ab
wesend sein würden. Die Leute ließen sich
Nlchr rathen und die 'Niederlage blieb nicht
aus. Obgleich die Sache im Hause gründlich
todt ist, so kann doch der Senat dieselbe Bill
annehmen und sie dann dcmHause zuschicken."
Die Freunde des Tcmperenzzwanges sind
noch keineswegs entmuthigt. Hr. Seth
brachte gestern eine neue Tempcrenz-Bill im
Unterhause ein. Dieselbe ist nicht prohibitiv
in ihrem Wesen, sondern es wird vorgeschla
gen, den Spirituosenhandel zu rcguliren. Die
Conzesfion für den Kleinverkauf, resp. Aus
schank von Spirituosen wird von §lB anf<sy
erhöht. Perjonen, welche Spirituosen zu
verkaufen wünschen, haben bei'm Kreisgerichte
um eine Conzesfion nachzusuchen und ihr Ge
such muß von drei Grundbesitzern im County
und sechs in der Stadt Baltimore indossirl
sein. Diese Gesuche sind zu publiziren und
wenn Einsprache dagegen erhoben wird, so
muß die Conzesfion verweigert werden.
Kin Betiallung.'-Zusah im Betreff der An
neratiou de Euuntqs a die Stadt Bal-
Hr. Mcrryman hat eine Bill eingebracht,
den 7. Abichn. des IS. Artikels der Verfassung
zu amcndiren und das Justiz-Comite des
Hauses hat bereits günstig über dieselbe be
richtet. Der Gesetzentwurf schreibt vor, daß
mit Zustimmung von 3j5 beider Häuser der
Gesetzgebung der Bevölkerung des Staates
am 2. Nov. 1875 ein neuer Abschnitt zu dem
Art. Is der Staatsverfassung, weicher die
Bildung neuer Counties vorschreibt, zur Ab
stimmung unterbreitet werden und im Falle
der Ratiffzirung als Adjchn. 7 der Connitu
kion des Staates einverleibt werden soll. Der
betreffende Abschnitt lautet folgendermaßen:
„Die Staatsgejetzgebunz kann alle Gesetze
annehmen, welche nothwendig sind, um Bal
timore-County der Stadt Baltimore einzu
verleiben und beide zu einer politischen Cor-
poration zu genauen; im Falle eine gesetzliche
Mehrheit der Stiinmgebcr des Connlys und
der Stadt dieses wümchl; es sei zcdoch
hergesehen, das; die RcpräsentationSdasis und
die richterliche.ilreiseiiilheilung dadurch nicht
gestört werde."
i?l Gesetz über Auszahlung von Arbeits-
Hr Staylor von Baltimore hat im Hause
eine Bill eingebracht, welche verfügt, daß Ar
beitsgeber ihren Arbeitern, wenn es dieselben
verlangen und kein geschriebener Contrakt vor
liegt, wöchentlich ihre Löhne auszahlen müs
sen. Die Strafe für Nichteinhalten dieser
Vorschrift ist ein Zuschlag von 10 Proz. für
jede Woche, welche die Lohnzahlung verzögert
wird. Diese Strafe muß infolge eines durch
einen Friedensrichter zu erlangenden Spru
ches bezahlt werden.
Marpianscr Portraits für Sic UnabhSngig
leitsyakte.
Im Senate brachte Hr. Stevens vorgestern
eine Bill ein, H5OO für den Ankauf von drei
Portraits der Maryiänder Gouverneure Tho
mas Sloue, William Paca und Thomas
Johnston zu vcr,villigen, um diese Bilder vor
Beginn der Weltausstellung im Saale der
UnabhängigkeilShalle anzubringen. Stone
und Paca waren Mitunrcrzeichner der Unab
hängigkeit? Erklärung, außerdem war Gou
verneur Stone Derjenige, welcher den General
Washington zuerst für die Stelle des Gene
ralissimus der Rcvolutionsarmee im Conti
nental Congresse in Vorschlag brachte.
tSiiie nene SajuloiS.
Dr. Hodson von Soinerset-Connty hat eine
wichtige Bill im Unterhause eingebracht, wel
che jetzt zur dritten Lesung vorliegt. Die Bill
verfügt, daß eine Slaatsstener von 20 Cents
pro KlOO steuerbaren Eigenthums umgelegt
werde zur Unterstützung der freien öffentlichen
Schulen und der Staats-Normalschule. Die
aus diese Weise erhobene Summe ist vom
Staatsschatzmelster pro rts an die Schulde-
Hörden der Stadt Baltimore und der verschie
denen Countics zu vertheilen.
Tcr projcttirtc Schisjstanal zwischen der
sSqesapeate- und Tclaware-Bai.
Hr. Carle legte dem Senate vorgestern
Morgen eine Petition im Betreff der projek
tiven Vermessung eines Schiffskaiials zmi?
fchen der Chesapcake- und Delaware-Bai vor.
Die Petenten, sämmtlich Baltimorer Kauf
leute, geben ihre Zufriedenheit mit der einge
leiteten Bewegung zu erkennen und verlangen,
daß ein Gesetz angenommen werde, um eine
gründliche Vermessung anzuordnen, damit die
Ausführbarkeit des Projektes dargcthan und
ein Kostenüberschlag ermittelt werde. Die
Petenten führen an, daß die Wichtigkeit dieses
Werkes für Baltimore niclirüberschätzt werden
kann; daß durch die Verkürzung der Route
von Baltimore nach dem Ozean wenigstens
fährlicheKüstenschifssahrt vermieden wird, und
daß dieser Kanal dem Handel Baltimore s
ungeheure Bortheile bringen muß, daß aber
die Verbesserung noch lange nicht gemacht
werden wird, wenn sie dem Congresse allein
überlassen bleibt. Die Petition wurde mit
allen Unterschriften ausführlich verlesen und
dann an das Comite für Mittel und Wege
verwiesen.
Goldreserve in den Naiionalbanken.
Die gemeinichaftlicheii Beschlüsse der Ge
sctzgebung Maryland', die Vertreter des
Staates im Eongresse zu instruiren, resp, zu
ersuchen, die Annahme eines Gesetzes im Eon
gresse durchzusetzen, welches die Nationalban
ten anhält, die von der Regierung ihnen auf
die Boilddcpositen gezahlten Goldzinfen künf
tig als Reserve zurückzuhalten, damit der
Weg zur Wiederaufnahme der Hartgeldzah
lung geebnet werde, wurden vorgestern im
Unterhause mit 12 gegen 6 Stimmen angc
nomine.
Tie Bcrwaltung der städtischen Parts.
Im Umerhause wnroe vorgestern McCos
kcr's Bill über Verwaltung der städtischen
Parks augenoii.men. Dieselbe verfügt, daß
sowohl für den Druid Hill-, als auch für den
Patterson-Park spezielle Direktoren angestellt
werden. Die Bill tritt am 1. Juni in Kraft.
Tie Vertyctdigilng der Regiftrtrungo-
Die Bill in Betreff der obigen Angelegen
heit lag vorgestern dem Senate abermals vor.
Hr. FieldS beantragte, das Votum wieder in
Betracht zn ziehen, wodurch das Amendement
angenommen wurde, welches den Gouverneur
auf die Ernennung eines Vertheidigers be
schränkt. Das Amendement wurde verwor
fen. Es sind künftig zwei Vertheidiger für
jeden Fall zu ernennen, deren Gebühren ans
je §2OO normirt sind.
Srncnnnngcu des Gouverneurs.
Der Gouverneur hat wieder verschiedene
Ernennungen gemacht; außer einigen County-
Registratoren und Friedensrichtern, die fol
genden Urkunden-Commissiire: Emil B. Mo
rell von New-Sjork für Frankreich; Thomas
Kitbert, Alex. Nones, Harold A. Bayley,
James Taylor und Joseph B. Nones für die
Stadl New-'Z)ork; H. E. Hainemarfh und
Henry Phillips für Philadelphia.
Tie BerwtlNaungs-Bill.
Die VerwilligungS-Bill ist dem Untcrhausc
emberichlet worden. Für die Gencral-Ad
jutantur der Miliz sind §2OOO ausgesetzt; für
den Nüstmeister in Easton 5300; diese Summe
ist aus der Verwilligung von 510,000 zur Un
terstützung der Miliz zu decken; der Contin
gcnt-Fond der Exekutive ist mir 57500 bc
dacht; der Schatz-Departements - Fond mit
§2000; die Drucklostcn des Controleursamtes
mit §2000; die Bibliothek §500; für Vernich
rung der Bibliothek 52500; für Anzeigen der
Namen von Versicherung? Agenten 5500; Hei
zung und Beleuchtung veröffentlichen Bauten
55000; für den Commissär des Landamtes
5100; Briefmarken für die Exekutive, das
Schatz-Departement,daSLandamr, den Sekre
tär des Senats und den Chef-Clerk des Hau
fes 52000; für die Schreiber des Controleurs
und Reife,pesen §1500; für Schreibmaterial
des Bibliothekars §150; für hie Counticsund
die Stadt Baltimore zu Schulzweckey §460,-
000; Frcischulcn für Negerkindcr §50,000;
Taubstummen-Asyl 535,000; Maryland-In
stitut für Förderung der Kunstgewerke 53000;
die Normalfchiile für Neger 52060; dem
Sekretär des Senats §3OO- dem Chef-Clerk
de? Hauses §300; für Einband jt? Gesetze,
Dokumente :c. dieser Gesetzgebungssitzniig
K 3000; für Verbreitung der Gesetze, Journale
und Dokumente 5150; füx Bezahlung der
Mitglieder der Gesetzgebung. Tag,gelber und
Meueä"eldcr 5150,000; für jedes Mitglied
des Stcucr-'ÄPp-'UatioiisgcrichtcS §5O; dem
Stadtregistrator von §300; dem
Maryländer Staatszuchthaufe Verbesse
rungen 51200; Unterhaltung dieicr
510,000; dem Besserungshaufe für verwahr
loste Kinder 515,000: dem Blindenasyl §15,-
000; dem Blindenasyl für Farbige 510,000.
Die vermischten Berwilligungen treffen Vor
kehrungen für Bezahlung der Interessen ;c.
Dte ohlenSl-NiS.
Die Kohlcnöl-Bill des Hrn. Blake wurde
am Montag Abend, wesentlich amcndirt, vom
Senate angenommen. Dieselbe widerruft die
Akte von 1870 —'72 und verfügt, daß Fabri
kanten von Lenchtöl aus Petroleum angehal
ten werden sollen, einen Artikel in den Markt
zu bringen, welcher die Probe von 110 Grad
Fahrenhcit aushält, ehe er in Brand gcräth.
Dieses ist durch gewisse Probe-Methoden in
Erfahrung zu bringen. Die Ocltässer müssen
Namen und Adresse, resp. Fabrik, des
Fabrikanten tragen. Großhändler, welche
Oel unter der vorschriftsmäßigen Güte ver
kaufen, sind mit KlOOO Geldbuße oder 2 lah.
Ren Haft zu bestrafen. Kleinhändler, welche
das Gesetz verletzen, setzen sich einer Consis
kakion de Artikels aus und sind mit
zu bestrafen, von welcher Summe der Angeber
die Hälfte erhält. Jeder Käufer von schlech
tem Oel kann den Verkäufer um den doppel
ten Betrag des Kaufgeldcs verklagen. Un
glücksfälle :c. setzen den Verkäufer einer Klage
wegen Mißverhalte.is ans und ist derselbe
nach Ueberführung mit HSOV— HIOOO zu be
strafen. einer Beschlagnahme von
Oel soll die Sache einem Inspektor überwie
sen werden, dessen Spruch als endgültig zu
bettachten ist. Ein Inspektor, welcher falsche
Berichte macht, setzt sich einer Strafe von 8500
bis GIOOV aus.
Die Temperenz-Frage im Con
greffe.
Schon feit Jahren haben die Temperenzler
unter den Congreßmitgliedern eifrig Propa
ganda gemacht und die „Congreß-Tempcrenz-
Gesellfchast" ist bereits eine ziemlich alte In
stitution. Manchmal kam auch ein förmlicher
Temperenzrappcl über dieHcrrcnLaiidcSvätcr;
wir erinnern nur an die sporadischeßckehrung
des kürzlich verstorbenen Senators Hates von
Illinois, der unter Thränen mit obligatem
Schlucks begleitet zählte, daß er Ääty
und den Kindern versprochen habe, sich künftig
nicht mehr zu betrinken; was ihn aber nicht
abhielt, noch gar manchmal den„Wohlbckann
ten" mit nach Hause zu bringen; wir erinnern
an das schauerliche Wimmern des eben
falls seligen Senators Grimes nnd an die
gloriöse Unterbrechung einer Seuatssitzung
durch den immer schwankenden Saulsburp,
welcher ausrief: "tto/s Ist us Inevo onotlwr
swile" u. s. w. Aber erst in dieser Sitzung
hat man versucht, den Congreß zum Tempe
renzgesetzgeber zu machen. Unsere Leser ken
nen die im Senate eingebrachte Bill, eine
Commission zur Untersuchung des Spirituo
senhandels zu ernennen.
Hr.L.Schade, Herausgeber des„Scntincl,"
ließ bekanntlich durch Senator Logan eine
ähnliche Bill mit spezieller Berücksichtigung
der dadurch berührten materiellen Interessen
einreichen, die besonders von Senator Bayard
in einer vortrefflichen Rede unterstützt wurde;
er halte die Genugthuung, die wesentlichen
Punkte seiner Bill dem vorliegenden und vom
Senate angenommenen Entwürfe einverleibt
zn sehen. Folgender Passus desselben ist der
Vorlage des Hrn. Schade entnommen.
„ Ferner ist zu ermitteln, ob dasUcbel
der Trunkenheit durch denConsum von Malz
getrauten zu-oder abgenommen hat; ob der
Gebrauch von Opium als ein Stimulations
mitrel nnd Ersatz für Alkoholgeträuke infolge
der Tempereiizgcsctzc allgemeiner geworden ist
und ob die öffentliche Moral durch diese Ge
setze gehoben worden ist. Es soll ferner tue
Pflicht der besagten Commission sein, Aus
kunft zu erlangen, ob das Uebel der Trunken
heit in demselben oder gar höheren Grade in
anderen civilisirten Ländern herrscht nnd ob
jene fremden Nationen, welche für die mäßig
sten im Gebrauche stimulirender Getränte gel
ten, durch Prohibitivgcjetzc mäßig geworden
sind; ferner in welchem Grade dicProhibitiv-
Gcjetzgebung die Bereitung und den Consnm
von Spirituosen und Malzgetränken beein
flußt hat."
Ferner hat Hr. Schade es durchgesetzt, daß
der Präsident wenigstens einen Nichttempe
renzler in die Commission ernennen muß,
es sind ihm überhaupt keine schranken ge
setzt, wenn er nur Nichttemperenzler ernennt.
Die Bill liegt jetzt dem Repräsentanten
Hause vor, in welchem sie übrigens geringe
Aussicht auf Erfolg haben soll.
Der dunkle Ehrenmann Tammis.
Wie wir ans dem „Wash. Sentinel" er
sehen, ist der Neger Sammis von Florida, !
welcher den deutschen Journalisten Klauprecht
als amerikanischer Eonsnl in Stuttgart ab
lös'te, auf Betreiben des Comite's für aus
wärtige Angelegenheiten im Senate, thatjöch
lich suSpcndirt worden.
Das heißt man wieder einmal den Stall
zugeschlossen, nachocm die Kuh gestohlen ist;
oder, wie der Franzose sich feiner ausdrückt,
Wenn Hr. Fish die Geschichte der Schwin
deleien dieses hoffnungsvollen dunklen Jüng
lings, wie sie zur Zeit der Ernennung im
„Sentinel" und anderen Blättern publizirt
wurden, genau gelesen, so hätte er der Station
und dein Deutschlhum diese Schmach ersparen
können.
. ,
Die Pftiladelphia'er Weltaus
stellung.
Das Projekt, im großen Jubeljahre 1876 in
Philadelphia, dem Geburtsorte der amerika
nischen Unabhängigkeit, eine Weltausstellung
abzuhalten, verdient gewiß alle Unterstützung;
als aber die corrupte Cameron-Clique sich an
stellte, diese Unterstützung nach Kräften aus
zubeuten, als Camerou bei der Philadel
phia'er Sladtwahl bereits andeutete, daß
ungeheure Summen zu verwalten seien, wurde
auch mancher Freund über den Charakter des
Unternehmens zweifelhaft und der Senat hat
am Ende ganz wohl daran gethan, daß erden
Versuch, den Nationalschatz zum Besten dieses
Unternehmens von vorne herein um etwelche
Millionen abzuzapfen, zurückwies.
Wenn es den Herren in Philadelphia Ernst
ist mit ihrer Ausstellung, so müssen sie vor
allen Dingen ihre Schultern an die Achse
stemmen und versuchen, vorwärts zu kommen,
sie müssen zeigen, daß sie selbst Vertrauen zu
dem Unternehmen haben und daß es sich vor
der Hand nicht darum handelt, die Millionen
der Bundesregierung und die ohne Zweifel
reichen Beiträge der einzelnen Staaten von
einem Dutzend pennsylvanischer Schlauberger
verputzen zu lassen.
Dieses haben nun die Philadclphia'cr auch
recht wohl eingesehen und gestern in der „Jn
depcndence Hall" eine enthusiastische Massen
versammlung abgehalten, tu welcher beschlos
sen wurde, das Projekt nicht fallen zu lassen,
sondern außer den K 1 ,000,000 der Bürger
Philadelphia's, den K 500,000 der verschiede
nen Eisenbahn-Comp., den K 500.000 von der
Stadtregieruug und den H 1,000,000 des
Staates Peniifplvanien, welche Summen be
reits gezeichnet sind, noch weitere
K1,000,W0 aufzubringen und die Stadt zu
veranlassen, gleichfalls noch K 1,000,000 zu
verwiltigcn.
So ist's recht, Ihr Herren ! Wenn man
sieht, daß es Euch heiliger Ernst ist um die
Sache, dann wird die Hülse und Unterstützung
anderer Staaten und aller Compagnie n,
welche bei einem solchen Unternehmen intcrcf
sirt sind, nicht fehlen. Und wenn dann schließ
lich noch ein kleines Defizit von einigen Mil
lionen zu decken sein sollte (denn ohiie Defizit
keine Gemüthlichteil im 19. Jahrhundert, vi.U-
Sänger- uns Turnerseste), dann wird sogar
die Bundesregierung nicht hartherzig genug
sein, ihre Hülse zu versage. Aber die Zu
muihilng, den pennsylvaniichen Meistern in
teres die Mittel zu piekings anst stsaliugs zu
liefern, war etwas zu stark.
Präsident Manuel Carlos Ccspe-
des von Euba.
Der erste Präsident der cubanischen Re
publik Manuel Carlos Cespedes ist verrathen
und ermordet woroen. Irgend ein Ueberläu
fer zn Spanien zeigte seinen Aufenthaltsort
an, und spanische Soldaten überfielen ihn.
Seine Begleiter retteten sich, er selbst war
nicht so glücklich, sondern siel, den Revolver
auf seine Angreiser abfeuernd, von Kugeln
durchbohrt, nieder.
Er war die Seele des cubanischen Auf
standcs und der Erste gewesen, der thatsächlich
gegen die spanische Tyrannei vorgegangen
war. Geboren ILIB, lebte er i. I. 1868 als
Advokat zu Bayamo, einer Stadt im südöst
lichen Theile Cuba's. Auch als Großgrund
besitzer von bedeutendem Einflüsse, erließ er
am 10. Oktober 1868 eine feurige Proklama
tion an die Eubaner, in der er zur Losrcißung
von Spanien und zur Erklärung einer cuba
nischen Republik aufforderte. Damals stan
den ihm nur 160 entschlossene Männer zur
Seite, deren Zahl sich ahcr bald mehrte, so
daß er bereits am 26. Oktober bei Las Tunas
den Spaniern das erste Gefecht liefern könnte.
Seitdem hat er die Revolution geleitet und
an allen ihren Wechsclfällcn Antheil genom
men. Am 29. Mai 1871 hatte er den
Schmerz, daß fein Sohn Oskar, den die
Feinde gefangen genommen hatten, erschossen
wurde. Cr selbst sollte einem gleichen Schick
sal nicht entgehen, doch starb er, indem er für
fein Leben focht. Der vor einiger Zeit erfolgte
Rücktritt vom Präsidium war lediglich in
AeinstngSstcrfchjcbeiihciten mir den übrigen
Führern derZniyrrekliou begrstndct, an der
Makellosigkeit fernes Charakters ward nie ge
zweifelt. Weyjgcx glücklich als Washington,
nim."' " lum enliaiufcheis
Kampse doch eine Tlchsng cjn, ipie
Washington zu dem nnsrigen uiw
Baltimore. Md., Freitag, den 20. März 1874.
Büchern der Geschichte wird ihm der Ruhm
ertheilt werden, den er lebend nicht mehr ge
nießen konnte.
Die vonapartistische Demonstra
tion in Chiselhurst.
Tie bonaparristische Demonstration, welche
soeben in Chiselhurst bei Gelegenheit der Voll
jährigkcitscrklärung des Sohnes Napoleon's
iil. stattgefunden hat, muß die französischen
Republikaner ebensowohl wie dieOrleanistcn
etwas nachdenklich stimmen. Es sind kaum
drei Jahre vergangen, seitdem die auch jetzt
noch tagende Nationalversammlung die Ab
setzung Napoleon's I. und seiner Dynastie
aussprach und es nicht dulden wollte, daß die
wenigen Freunde, die dem gestürzten Kai'er
geblieben, auch nur ein Wort der Vertheidi
gung für ihn äußerten und jetzt haben dießo
iiapartisten jchon wieder solchen Einfluß errun
gen, daß Herr Rouhcr es wagen darf, in ei
nem für die Oeffentllchkeit bestimmten Briefe
aus nicht vorauszusehende Ereignisse hinzu
deuten, die Plötzlich der Republik ein Ende
machen könnten und daß über 6000 Franzo
sen, diesen Ereignissen schon vorgreifend, nach
Chiselhurst pilgern und dort dem iungenPrin
zeil ihre Huldigung als dem künstigen Herr
scher Frankreich's darbringen.
Monate schon voraus war von einem bona
parlistischcn Ausschuß die Einladung an die
Franzosen erlassen worden, daß man an dem
Tage, an welchem der „kaiserliche" Prinz in's
19. Lebensjahr trete und er der „kaiserlichen"
Constitution gemäß die Volljährigkeit erlange,
zn ihm reisen möge, um ihm als Dank für die
Vergangenheit und Vertrauen für die Zukunft
die Huldigung darzubringen und obwohl die
Legitimisten und Orleanisten in die Regierung
drangen, gegen diese Anmaßung einzuschrei
ten, obwohl schließlich auch der Minister des
Innern eine Ordre an die Präfekten erlassen
hatte, worin er sie aufsorderte, die Demon
stration zu verhindern, so scheint doch dies der
Reise nur noch mehr Reiz verliehen zu haben,
denn die Zahl der Franzosen, die sich nach
Chiselhurst begeben haben, ist diesmal wenig
stens sechsmal größer gewesen, als zur Zeit
des Leichenbegängnisses Napoleon's lII.Nnd
man kann daraus ersehen, wie sehr die Partei
der Bonapartisten in dem einen Jahre wieder
gewachsen ist.
Die Hauptursache liegt wohl in den unbe
friedigenden Zuständen Frankreich'S und in
den Parleiwirren, die die Bonapartisten sich
schnell zu Nutzen zu machen verstanden haben.
Viele von ihnen hatten sich früher den anderen
monarchischen Parteien zugewandt. Der Re
slanrationsversuch im vergangenen Herbst
schein! jedoch das letzte Aufflackern der mo
narchischen Kraft gewesen zu sein und da der
Gras von Chambord unmöglich geworden und
die Prinzen des Hauses Orleans es nicht ver:
standen haben, sich Sympathic'n zu erwer
ben, so haben sich die Hoffnungen vieler von
denen, die um jeden Preis wieder einenThron
in Frankreich aufgerichtet sehen möchten, dem
jungen Sohne Napoleon's zugewandt, und
unicr der großen Masse ist die Sehnsucht nach
dem Kaiserthume durch den Vergleich der gu
ten Zeiten, deren man sich unter ihm erfreute,
mit der gegenwärtigen Nahrungslosigkeit und
Steuerlast und dem allgemeinen Druck, der
aus dein Volke liegt, wieder erweckt worden.
Auffallend ist dabei, daß auch in England
die Meinung um sich greift, daß das Hans
Bonaparte wieder zur Herrschaft inFrankreich
berufen sei und das vielleicht in gar nicht sehr
ferner Zeit. So erging sich neulich die „Times"
in der Weissagung einer möglichen kaiserlichen
Restauration, und der osteniatiöscn Aufmerk
samkeit, weiche die Königin Victoria der
Wittwe Napoteon's und deren söhn zuThcil
werden läßt, liegt mehr oder weniger auch et
was wie eine polmichcßercchniiiig zu Grunde,
indem sie meint, daß Freundlichkeiten, welche
sie jetzt erzeigt, später gute Früchte tragen
könnten. Die Lage ist eben wieder eine solche
in Frankreich, daß von der Entscheidung des
Heeres Alles im Grunde abhängt und da die
Bonaparlcs noch viele Sympathie' in demsel
ben besitzen, daselbstderMarschallMcMahon
für den Fall, daß die Einsetzung einer perma
nenten Regierung nothwendig werden sollte,
den jungen Napoleon allen anderen Präten
denten vorziehen soll, überdies die Force der
boiiapartistijchcii Partei in Verschwörungen
nnd plötzlichen Ucberrumpelnngen besteht, so
wäre es wohl möglich, daß sie die gegenwär
tige Noth und die verzagte Stimmung, die
in Frankreich vorherrscht, für besonders geeig
net halten, um durch einen militärischen
Staatsstreich die Dinge in ihrem Interesse
rasch zur Entscheidung zu bringen.
Gerüchte, daß so etwas im Werke sei, sind
im Umlauf nnd auch die Antwort, welche der
junge Napoleon ans die an ihn gerichtete An
spräche ertheilthat, lautet fast so, als ob er
den Augenblick nahe glaubt, wo man ihn auf
den Thron rufen werde. Trotz des Vertrau
ens, äußerte er, welches die Loyalität des
Marschalls MacMahon einflöße, habe sich die
öffentliche Meinung mit unwiderstehlicher Ge
walt zn Gunsten des Plebiscits erklärt und er
sei bereit, dessen Entscheidung anzunehmen.
Man sieht in diesen Worten wieder die Keck
heit, mit der die Bonapartisten stets ihre be
sonderen Wünsche und Anschauungen der
öffentlichen Meinung aufbürden, denn bis
jetzt hat die öffentliche Meinung in Frankreich
an's Plebiscit gar nicht gedacht, wohl aber hat
sie immer und immer wieder sich zu Gunsten
der Republik ausgesprochen; da ihr jedoch das
nichts geholfen, so meinen die Bonapariisten,
sie werde sich ihnen schon fügsam zeigen, so
bald sie nur im Ernst nnd mit Kraft denGriff
nach der Gewalt gemacht.
Sie würden sich indessen doch wohl täu
schen, wenn sie den gegenwärtigen Augenblick
bereits sllr's Zuschlagen günstig hielten. Mar
schall MacMahonmöchtc ihnen vielleicht nicht
hinderlich sein, denn er soll an seiner gegen
wärtigen Stellung wenig Gefallen finden und
vom Heer würde ein Theil der Ausrufung des
Kaiserreichs gewiß mit Freuden zustimmen,
ein anderer Theil aber würde jedenfalls sich
für die Republik erklären und da alle Wahlen
bisher den Beweis der Vorliebe des Bolls für
das republikanische Princip geliefert haben, so
kann man unmöglich glauben, daß die Fran
zosen sich so ohne Weiteres wieder eineStaats
sorm aufzwingen lassen werden, die Schuld
ist an allem ihren gegenwärtigen Unglück.
Eine ernste Gefahr droht aber offenbar der
Republik und die republikanische Partei thäte
gut, sich die Warnung zu Herzen zu nehmen,
die die Chiselhursler Demonstration für sie
enthält. (Stsztg.)
Ein neuer Vulkan.
Die Voranssagungen des berühmten G o
logen und neuerdings viel citirten „Erdbc
ben-Theoretikns" Prof. Falb, daß die zweite
Hälfte des Monats Marz sich speziell in den
Bcr. Staaten durch Erdcrfchütterungen be
mcrbar machen werde, beginnt sich zu erfül
len, denn unsere heutigen Nachrichten melden,
daß ein bisher ganz unschuldig aussehender
Berg in Nord Carolina sich über Nacht als
ein Vulkan entpuppt hat nnd Furcht und
Schrecken in der Umgegend verbreitet. Bis
jetzt sind nur einige Häuser durch die Erschüt
terungen zerstört worden und man sieht bestän
big Rauch aufsteigen. Da nach dem Sprüch
worte, wo Rauch aufsteigt, auch Feuer ist,
so erwartet man täglich den Ausbruch. Tie
merkwürdige Erscheinung, plötzlich in einer
Bergkette, welche wäh-end der ganzen hislori
scheu Periode unserer Erde frei von vulkani
scher Thätigkeit war, einen Vulkan zu er
blicken, läßt sich nur mit dem unglaublichen
Phänomen vergleichen, welches Humboldt be
schreibt. In der Nacht des 29. Septembers
1759 stieg ans einer flachen Ebene Mexiko's
ein conischer Kegel 1683 Fuß hoch empor und
die aus feinem Inneren hervorbrechenden
Feuergarben erhellten die ganze Gegend. Ter
Vulkan Jorullo, welcher kaum 125 Jahre alt
ist, steht heute noch und lst vielleicht der ein
zige in neuerer Zeit über Nacht aus der Erde
emporgewachsene Berg. So wunderbar die
von Humboldt geschilderte Erscheinung nun
auch ist, so wird sie doch durch die Thatfache
erklärlich, daß die vulkanische Thätigkeit, die
auf der westl. Hälfte unserer Hemisphäre von
den öden steppen Patagonien'S und den An
fängen der chilenischen Anden sich über Peru,
Central-Amcrika, Mexiko, Californien, Ore
gon bis an die nebelumhüllten Ufer von
Britisch - Columbia erstreckt, noch nie
mals aufgehört hat. Dagegen war die
Ost-Küste der Ver. Staaten während der gan
zen historischen Zeit von vulkanischer Thätig
keit gänzlich stet. Wenn auch constattrt ist,
daß die ganze Bergkette der Allcghanies von
Alabama bis Maine durch vulkanische Aktion
entstanden ist, so würde es doch wohl keinem
unserer Geologen eingefallen fein, zu vermu
then, daß diese Bergkette durch das innere
Feuer in unseren Tagen auf's Neue beunru
higt werden könnte. Mit Spannung warten
wir, was unsere Gelehrten über diese uner
wartete Bescheerung zu sagen haben. Die
Regierung würde vielleicht wohl daran thun,
wenn sie den Professor Falb herkommen ließe,
damit derselbe die bedrohten (Hegenden recht
zeitig warnen kann; es wäre ein schlechtes
Vergnügen, wenn eines Morgens der „Fede
rst Hill" von dem man augenscheinlich
nicht recht weiß, was man damit anfangen
soll von Pluto in den Rang der feuerspei
enden Berge erhoben wäre und die Stadl
Mit seiner Laya und feinem Aschenregen über
schüttete.
Hit Katastrophe im Mittelmeer.
Der aufgeklärte Vice-König von Egypten
haj Pech Mjt leinen Reformen. Vor etwa
drei Jahren war es ihm gelungen, den all-
der EgYPter nach Mekta
lzu veranlassen, den Weg zu Wasser auf dem
Sucz-Ctmal zu mache, als die furchtbare
Katastrophe im Hafen von Alexandria Schrek
ken und Entsetzen unter den Pilgern verbrei
tete. Seitdem schlug der Zug den alten, öden
Landweg durch die arabische Wüste wieder ein
und Leichen bildeten die Mcilenzeichen auf der
Route welche dasMachmal nahm. Vielleicht
kamen aus dem Zuge durch die Wüste doppelt
so viel Menschen um, als bei irgend einer der
beiden Katastrophen zur See, aber es war
nicht so erschütternd, wenn hier und dort Ei
ner verschmachtend liegen blieb; man war da
ran gewöhnt, seil den Tagen des Propheten
hatten alli-ihrlichHunderte von Moslim ihren
Glaubenseifer mit dem Leben bezahlt. Noch
einmal gelang es dem weisen JSmael, die
Pilger zu veranlassen, seinen Suez-Canal zu
benutzen und abermals ereignete sich eine furcht
bare Katastrophe. Wie das Kabel berichtet,
wurden 117 Pilger während eines Sturmes
vom Deck des Dampfers „Laconia" in'SMit
telmccr gespült, wo sie crrrauken. Dieses zweite
Unglück wird die Muselmänner veranlassen,
auch serner den alten Landweg beizubehalten
und den Tod welchen nun einmal die Pil
gcrzüge nach Mekka unvermeidlich im Gefolge
haben—-homopathisch zu genießen. Wenn drei
hundert Perjonen in Zeit von drei Monaten
dem Elima, der Hitze, der Entbehrung und
den Ausschweifungen nach und nach erliegen,
so macht das allerdings keinen so furchtbaren
Eindruck, als wenn hundert ans eincnSchlag
ertrinken.
Militärische Pensionen nnd Gut
haben.
Washington, 17. März 1874. In
der Verfolgung von Ansprüchen bezüglich
gebliebener oder angeblich gebliebener-Deut
lchen im diesseitigen Militärdienste ergeben
sich oftJdentitäts- undVcrschollenhcitSfragen,
die für mehr als cinePcrson von Interesse sind,
und deren Veröffentlichung daher allgemein
interessant, für die Angehörigen ein Werk der
Humanität, und behufs der Lösung vielleicht
in Ihrem weitverbreiteten Blatte zum Ziele
führend ist, wobei auch andere viclgelejenc oder
betreffende Lokal-Blätter zu Hülse kommen
dürften. Kein Zweifel ist, daß manche Per
sonen in den Vcr. Staaten ans hinreichenden
Privatgründcu absichtlich für ihre Ange
hörigen in Deutschland (namentlich mitunter
ihre hinterlassenen Ehehälften) verschollen sind
und denselben eine falsche Fährte hinterlassen
haben. Auch diese erreicht mitunter die Ne
mesis durch die Zeitnngi Ich führe die fol
genden Fälle an:
Ein gewisser Bernhard Schneider
aus Allenberg oder Altenbnrg (Stadt oder
Herzogthum, oder vielleicht gar Oldenburg),
ist im hiesigen Dienste im Jahre 1334 gestor
ben. Er hinterließ ein Guthaben und einen
Vater, Namens Friedrich. Es fragt sich nun,
wo dieser wohnt oder wohnte.
Louis Lüders aus Hannover wurde
im Oktober 1862 zu James College, Ind.,
aus dem Cavalleriedienst der regulären Armee
entlassen und soll wieder unter die Frei
willigen gegangen sein. Die Wittwe hat
bisher vergebens sein Schicksal zu ermitteln
gejuckt.
Gottlieb Stiefel, der eine Wittwe
in Württemberg hinterläßt, die einen Schwie
gersohn, Namens August Beckmann, in Ber
lin, Renssclaer-Eo., N. 2)., harte, soll in
Co. I, 125. N.-2)., (vielleicht unter ange
nommenen Namen?) geblieben sein; der
Name ist aber in dieser Compagnie nicht zu
finden.
Ein anderer interessanter Fall ist der von
Carl F.Ackermann, der eine Wittwe zu
Eisleben hinterläßt. Derselbe wohnte früher
in Bellevue, Jackson-Cs., Iowa; Emil Claus
sen dortselbst berichtete im August 1363 an die
Frau und Töchter dessen in Comp. K des 31.
lowa' Volontär-Regimcnles bei Vicksburg
erfolgten Tod, wurde Administrator von
Charles F. Ackermann und starb später in
Davenport. Nun findet sich aber auf der ge
nannten Rolle kein Charles F. Ackermann,
sondern ein Charles F. Jockcrmann, dieser
ist als 30 Jahre alt (zur Zeit des Todes in
1863) bezeichnet, während Ackermann 54
Jahre alt war (folglich ganz natürlich bei
der Enrollirung ein jüngeres Alter fingirt
hatte).
Obgleich die Identität von Ackermann und
Jockermann moralisch nicht zu bezweifeln ist,
bedarf es doch des formellen Beweises,
und dazu finden sich unter seinen gewesenen
Kameraden und Bekannten, namentlich in
Jackson-Co., lowa, gewiß noch Gewährs
männer.
Eine seltsame Bewandtniß hat es mit dem
Falle eines gewissen Robert Fiedler,
Müller aus dem Aubaltischen; dieser kam im
Jahre 1864 auf dem Dampfer „Bellona" von
Antwerpen nach Boston mit Andern, die als
Substituten importirt wurden. Er hinterließ
zwei unmündige Kinder in Deutschland. Sein
einziger nnd letzter Brief ist vor Petersburg,
Va., vom 15. September 1864 datirt, worin
er meldet, daß er in der Cavallcrie bei Co. G,
2. Dlv., v. Armee-Corps, unter Gen. Burn
side diene, daß er seit dem 24. August Sol
dat sei, 14 Tage auf Gallop'ö Island bei
Boston einexcrzirt worden fei und von Camp
Distribution bei Alexandria aus über City
Point zum Regiment marschirt sei, jetzt aber
Robert Carberg heiße. Eine beigelegre auf
Gallop's Island aufgenommene Photogra
phie stellt ihn und einen Kameraden, Eduard
Herz ans Staßsurt, in Cavallcrie-Umform
dar. Er berichtet zugleich, daß eine Schlacht
bevorstehe und bemerkt: „Eine Antwort von
Euch kann ick nicht gleich verlangen, Ihr müßt
warten bis Ausgang November, bis dahin,
wenn ich noch lebe, sind wir im Wintcrqnar
tierc."
Seitdem ist derselbe gänzlich verschollen,
und der Name Robert Larberg sindet sich we
der in Co. G, noch einer anderen Compagnie
irgend eines Cavallerie - Regimentes vom
Staate Massachusetts. Dagegen ist ein Lo
renz Larberg als Substitut für Georg D.
Feimo zu Boston am 25. Juli 1864 cinge
schworen, am 6. September 1864 in Co.
G, 35. Mass. Pols. (Ins.), eingereiht, am
30. September 1864 gefangengenommen, am
2. Juni 1865 zur Co. G, 29. Mass., ttbcr
mit dieser Compagnie am 29. Juli 1365 als
ausgemustert vermerkt.
Die Lösung dieses Räthsels ist natürlich von
dem größten Interesse für die Hinterbliebenen
Kinder.
Heinrich Ludwig Heine mann
ans Berndorf, Fürstenth. Waldeck, soll als
Soldat in Comp. M des 5. M. S. M. Ca
valry Reg. im Jahre 1864 zu Salem bei
Rolla, Bio., gestorben fein. So berichtet u.
A. Hr. Fr. G. Schlüter zu Jackson, Cape
Giradeau-Co., Mo. Dagegen berichtet vr.
Albert Sigel, Gen.-AdMant des Staates
Missouri, daß der Soldat Henry G. Heinc
mann am 19. April 1863 zu Rolla, Mo, ge
storben fei. Die Identität des Heinr. Lud
wig H. mit dem als Henry G. Heinemami
eingetragenen Soldaten muß nachgewiesen
werden.
Etwaige Anschlüsse über die Obigen bitet
man an den Unterzeichneten direkt gelangen
zu lassen. Alfred Schllcking.
Neuigkeiten
Tie Wahl eines Nachfolgers für den ver
storbenen Senator Suinll c r beschäftigt in
erheblichem Grade die politischen Kreise
Washington'?. Als hervorragendste Candi
daten werden E. R. Hoar und Tawes ge
nannt. Dem Gen. Butler giebt man keine
Chance, aber wohl hält man es für möglich,
daß der alte Fuchs sich mit Tawes verbinden
wird, um des Letzteren Einfluß zu feiner
(Butlcr'S) Erwählung für das Gouverneurs-
Amt zu sichern.
Es ist nicht wahrscheinlich, daß vom gegen
wärtigen Congrcsse Endgültiges über die
Verlegung, resp. Aufhebung des Pikcs
viller Arsenals beschlossen werden wird.
Das Senats-Comite hat sich gegen eine
Per inchrung der Geld- Order-
Biirean s ausgesprochen. Zur Zeit seien
3069 in Operation und 392 hätten durch
schnittlich nicht mehr als 20—50 Anweisungen
pro Quartal ausgegeben. Tie damit ver
bundenen Ausgaben seien sehr groß und vor
der Hand keine Aussicht da, daß eine Ver
mehrung der O ffice, oder gar eine Ausdeh
nnllg derselben auf sämmtliche 30,000 Post
ämter des Landes der RegierungS-Casse von
Nutzen sein würde,
Im Unterhause des Congrcsscs stoßt die
Scnats-811l zur Ernennung einer Liquor-
Commission auf Widerstand. Vor der
Hand beschränkt sich das Justiz - Comite auf
die Erklärung, daß, wenn man auch nichts
gegen die vorgeschlagene Unlcrfuchnng habe,
doch dem Congrcsse nicht die Macht zustehe,
Prohibitiv-Gesetze für alle Staaten zn erlas
sen. Solche Macht könne der Congreß allein
im Distrikte Columbia und den Territorien
ausüben.
Es wird nunmehr als ausgemacht bctrach
tet, daß der Congreß oie Zollamts - G e -
setze wesentlich amendiren und besonders
das erbärmliche Denunzianten - System be
schränken wird.
Seit dem i. Januar 1873 sind 40 Million
neu Dollars inGold aus den Münzen der
Ver. St. hervorgegangen, wodurch die Gold
prägung aus 150 Mill. Tsirs. erhöht worden
ist. Mau sieht im Lause hiesesJahres bedeu
tender Thätigkeil eutgegenlund baui auf große
Erträge der Gold-Minen.
Hr. Mich euer hat die Wiederanstellung
im Amte der „todten Briefe" zu Washing
tön, aus welchem man ihn ungerechter Weise
! vertrieb, abgelehnt.
Das Obergericht der Ver. St. ent
schied vorgestern in der Appell - Klage der
llisui-itaceCt,." gegen Scavcr
dag die Compagnie für keine Ässeknranz hast
bar, im Aalle ein Mann, der bei der Gesell
Ichast versichert sei, seinen Tod durch soraloses
Aahren (retNlozz ckeiv'me) herbeiführe. Der
Wortlaut und Geist der Police heben in selchen
Fallen ausdrücklich die Verantwortlichkeit der
Compagine auf.
Nicht ohne Spannnng sieht man der Enl
scheidung des Ver. St.-Obergcrichts über die
Verantwortlichkeit der nördlichen Ase
ku r anz -Ge sellsch a s t en entgegen, d'e
vor und nach dem Kriege Agenturen im Sü
den hatten und sich bisher geweigert haben,
wahrend des Krieges entstandene Verluste zu
zahlen. Die Entscheidung involvirt eine oroße
Summe. °
, SenatorW. P. Whyte hat sich rechtzei
tig einen seyet im Ver. St. Senate, den der
.Gx-Gouverncur bekanntlich im März 1875
bezieht, gesichert. Er wird den Sessel des
ausscheidenden Senators Lewis von Virai
nien einnehmen. Er hätte wohl den Sessel
leines Vorgängers, des Hrn. W. F. Hainil.
ton, vorgezogen, aber dieser halte denselben
bereits an einem anderen neuen Senator ver
geben.
Es erhellt, daß Su inner bis zum Le
bensende im Ver. St.-Senate denselben ses
el einnahm, auf dem er einstmals saß, als er
von dem Heißsporne Brooks von Süd-Caro
lina gröblich insultirt wurde. Im Ganzen
füllte der Senator den Sessel 22 Jahre lang.
Auch d,e Stühle, ans denen einstmals Clay,
Webster, Calhoun, Benton zc. saßen, stehen
noch im Senate. Nur Hr. Basiert, der Ge
hülfs-Thüraufseher, kennt die Sessel und man
hält die Thalsache möglichst geheim, um die
historische!! Reliquien vor Üevergriffen der
Hurlofitäten>Zciger zu schützen.
Der greise Politiker F. P. Blair liegt in
Folge einer schweren Erkältung kraiik in
Wa,hington darnieder. Der alte Blair ist so
.ziemlich der einzige Uebcrlebcnde aus der -seit
der politischen Riesen der ersten Hälfte dieses
Jahrhunderts.
Die S tadt Frederick, Md., hat durch
Hrn. Lowndcs im Congresse eine Bill vorle
gen lassen, worin eine Verwilligung von
8300,000 zur Deckung der 1864 durch die Cou
föderirtcn erlittenen Verluste nachgesucht wird.
Gen. Early sei am 9. Juli 1864 in Frederick
eingezogen und habe die Stadt um 8200,000
gcbrandschatzt. Das loyale Frcderick, welches
nachher der Pflege der Verwun
deten der Schlachtfelder von Äntictam, Mo
nocacy und GetlySburg trug, habe wohl ein
'Recht, eine Schadloshaltung für die im Lan
dcsinteresse erlittenen Verluste nachzusuchen
und vertraue auf den Congreß, daß dieser die
werde beantragte Verwilligung machen
Theologe Renan
hall Bismarck'S kirchliche Polm'k für einen
Fehlichlag. Der Versasser des "Vic-ckockosus"
-OlömarÄ üi du 6c Dcux
Kcmckos" bitter an.
Frauenzimmern zu verbieten, geistige Ge
tränke in Wirthschaften zu verkaufen, ist in
der Legislatur von Eatifornien bean
tragt.
In Mississippi hat ein Hr. Galc bei
der Gesetzgebung eine Bittschrift eingereicht,
dag man ihm erlauben möge, sich zu hängen.
Es wurde indeß gegen sein Ansinnen berich
tet, und der Mann erklärt jetzt, daß er denn
wohl oder übcl weiter leben müsse, denn er
wolle den Gesetzen und der Legislatur seines
Staates unter keinen Umständen in'S Gesichr
schlagen.
Bacz, der gewesene Präsident der Repub
lik -san Domingo hält sich noch im „Brevoort-
Honse" zu New-lork auf. Er befindet sich
traft einer Entscheidung dcsßichterSDoiiohuc
wieder ans freiem Fuß. da er nach Ansicht die
scS Richters für Akte, die er als Präsident der
genannten Republik gethan, Bürgern der
Ver.Staciten gegenüber nicht hastbar gemacht
werden kann. Der Kläger gedenkt die Frage
uor das Obcrgericht zu bringen.
In E h i cago erschoß amSonntagAbend
Emil Hirsch seinen Bruder Johannes znfä!
liger Weise.
Die Peruaner können mit vollenHcrzcn
in den Ausruf des berühmten Guanolicdcs
„Gott Euch, Ihr wackeren Vögel" ein
stimmen; denn abermals hat man dort neue,
reiche Guanolager entdeckt, diesmal sogar aus
dem festen Lande. Eine Commission, welche
die Regierung ernannt harte, um sich von
Oualität und Quantität dieses Guano zu
überzeugen, berichtete, daß sie genug Guano
angetroffen hätte, um die ganze srrmdcSchuld
Peru's, welche sich auf 36,000,000 Pftind
Sterling belause, abzuzahlen. An cinemOrte,
genannt Pavcllon de Pica, wird die Quanti
tät guten Guanos auf 6 Millionen Tonnen
geschätzt; 2 Millionen befinden sich zu Point
Lobas nnd weitere 2 Millionen an anderen
Orten. Tie Commission will Anzeichen ge
funden haben, welche darauf hindeuten, daß
die früheren irdischen Bewohner Peru's die
Guanolager ausgebeutet hatten.
InWashingron haben Leute, die vor
geben, aus 8 Pfd. Milch 7K Pfd. Butler ma
chen zu können, ein Patent erhalten. Ein
Corrcspondcnt bezeichnet den mockuz opm-amli
als einen Humbug. Es erhellt, daß man zu
vor ein Pfund Butter und das Gelbe zweier
Eier in das Buttersaß thut und sodann die
Milch hineinschüttet. Dadurch gerinnt der
Inhalt des Fasses, und die Butlermasse, aber
nicht das Gewicht, ist fertig. r-x>?
Hr. Cox von New - Zork reichte Montag
im Congresse einen gemeinschaftlichen Beschluß
ein, wornach 200 ausrangirte Kanonen zum
Zwecke der Anfertigung einer Colossal
statuc des verstorbenen Admiral
Fchrragut bewilligt werden sollen. Die
Statue soll in „Farragut - Square" in Wa
shington oder irgend einem anderen Platz, der
vom Marinesekretär bestimmt werden Mag,
aufgestellt werden.
Joshua B. Smith, dem von Senator
Sumncrsein Gemälde "Kii-non-otihsKl-cvo",
testamentarisch vermacht wurde, ist ein farbi
ges Mitglied der Legislatur von Massachu
setts, welches Cambridge repräsentirt. Herr
Smith wurde von Gouv. Washburn nach
Washington geschickt, um dem Senator
Sumner anzuzeigen, daß das Tadclsvotum
von der Legislatur zurückgenommen worden
sei.
In der Freitags-Sitzung der Handelskam
mer inRichm 0 nd, Birg., gab sich lebhafte
Opposition gegen die Verlängerung der „Bal-
Icy-Eifenbahn" kund. Die Gesetzgeber werden
in deutlich abgefaßten Beschlüssen ausgefor
dert, allen Plänen dieser und anderer Eiicn
bahngejeUfchaften, welche den Handel und
Verkehr Richmond's in andere Bahnen zu
lenken beabsichtigen, mit Entschiedenheit cnt
gegenzutreten. Die Absicht der „Valley-
Bahn" fei, den Handel Baltimore, zum Scha
den der virginifchen Städte nnd der im Be
triebe befindlichen Bahnen, in die Hände zu
spielen.
Der Erzbischof von San Franzisco
mahnt vor dem Anschlüsse an den Orden der
Ter Gouverneur von 'lst a i 11 eist ein fana
tischer Temperenzler und droht mit der Ver
haftung des Schcriffs vonKnox-Eounly, falls
er nicht das Prohibttiv-Gefetz sirenger an
führe.
In Berlin soll große Noth herrschen.
Im letzten Winter fanden nicht weniger als
13,831 unbeschäftigte Männer und 739 grauen
Zuflucht in den Armenhäusern.
InVenedigist eine englische TageSzei
tung unter dem Namen „Vcnice Mail" er
schienen.
Von Harrisburg, Pa., wird gemeldet,
daß am letzten Donnerstage der Ehrw. Dr. T.
S. McNcil von Shippensburg, Pa., Prcdi
ger der „Ver. Brüder in Christo," auf dem
Wege zur Conferenz in West-Virginien bei'm
Kreuzen des Ohio-Flusses zu GaUipolis, 0.,
durch das Umschlagen eines Bootes in's Was
ser fiel und erlrank. Gleichzeitig sollen auch
andere, zur Zeil in demselben Boote befind
liche Personen das Leben verloren haben.
Da auck der Bischof-Edwards und der Predi
ger Fleckingcr in Gesellschaft des Hrn. Mc-
Ncil rcis'ten, so hegt man wegen ihres Schick
sals die schlimmsten Befürchtungen. Der
Ehrw. McN.il war in Harrisburg auch als
Medizincnhänbler wohl bekannt.
Ein Correjpondenl des „Cincinnati Com
mercial" warnt das amerikanische Publikum
vor a n s E n g l a n d i m p 0 r t i r t e n G r 0-
eerieii. Er meint, feit Erlaß der Parla
meiitsakle, welche den Berkauf gefälschter
Nahrungsmittel in England untersagt und
eine chemische Untersuchung derselben anord
net, fei eine massenhafte Exponation solcher
Artikel nach den Ver. Staaten in's Werk ge
fetzt worden. Insbesondere fei dies bezüglich
des Thees, des WeinS und der Bulter der
Fall. London, Liverpool und Manchester
hätten Millionen Pfunde solcher Artikel für
uns aufgestapelt, in denen Themseschwamm,
Eifenslanb, Sägcspähne, Kalk, Steinstaub
n. f. w. stark repräfentirt seien.
Je ff erfon Davis ist dieser Tage in
Liverpool angelangt. E? hat aus Gesund
heitsrücksichten eine längere Seereise antreten
müssen.
Jin Unterhaufe der Gesetzgebung von Vir
ginien würben von dem Farbigen Syphax
beantragte Beileidsbefchlüff e für
! S n m n e r getafelt.
> In' C at? kill, N.A., wurde am letzten
Samstag Joseph Waltz, der der Ermordung
des Hermann Hülcher, des Icheerenschleifcrs
von Albany, angeklagt war, schuldig befun
den und von Richter Westbrook verurtheilt,
am ersten Mai gehängt zu werden.
Telegraphische Tepeschek.
SurspLischs Kabelberichte.
Berlin, 1t — Ter Vorschlag der
Regierung, die stärke des Heercö in Arie
deilszeiien auf 401,659 Mann zu fixircn, ist
un Reichstag durchgefallen. Die National-
Liberalen beabsichtigen, ein Minimum von
360,000 Mann vorzuschlagen.
Berlin, 16. März.. Dem Gerücht,
Pri; Friedrich Carl werde im nüchstenSom
mer eine Reise um die Well mache, wird
widersprochen.
Berti, !7. März. Die „Neue Preu
ßische Kreuz-Zeitung" giebt zu verstehen, daß
der Reichstag aufgelöst werden wird, wenn
er auf seiner Weigerung besteht, die Stärke
des Heeres auf 400,000 Mann festzusetzen,
wie die Regierung cS verlaugt.
Oestreich. '
Wie n, 17. Marz. Die im Neichsrath
sitzenden römisch-katholischen Bischöfe drohen,
ihre Sitze aufzugeben, wenn daraus bestanden
wird, daß die Gesetzvorjchläge in Bezug auf
kirchliche Angelegenheiten durchgehen.
l5. März. In hiesiger
Stadt treten das Nervenficber und die Blat
tern epidemisch auf und verursachen eine un
gemeine Sterblichkeit.
Eine große Anzahl Personen sind dienn
Seuchen bereits zum Opfer gefallen und brei
ten sich jene immer mehr aus.
London, 13. März. Hr. Gladstone
hat seine Anhänger aufgefornert, bei dcrWie
der - Eröffnung des Parlaments zugegen zu
sein. Zugleich hat er an den Earl Granville
einen Brief geschrieben, in welchem er sagt:
„Während ich mich dieser Pflicht entledige,
halte ich es außerdem für nothwendig, das zn
erklären, was ich in einem Rundschreiben mit
Rücksicht auf meine persönliche Stellung nicht
füglich bringen konnte. Aus mehreren per
sönlichen Gründen konnte eine unbegrenzte
Ausdehnung aktiver politischer Dienste nicht
in meiner Absicht liegen. Ich wünsche, daß
meine politischen Freunde es deutlich verste
hen, daß ich mir in meinem Alter die völlige
Freiheit sichern muß, mich in nicht fernerZeit
von den Verantwortlichkeiten, welche die Fiih.
rerschast einer politischen Partei mit sich bringt,
entbunden zu sehen. Die Ruhe, welche niir
noth thut, wird mich verhindern, während der
gegenwärtigen Sitzung anders als gelegent
lich im Unterhase zu erscheinen.
Ich wünschte, vor dem Beginn der Sitzung
für das Jahr 1875 zn überlegen, ob es von
Vortheil sein könnte, daß ich" meine Dienste
der liberalen Partei eine Zeitlang zur Tis-
Position stelle, oder ob ich dann verlangen
sollte, der bis jetzt erfüllten Pflichten enthoben
zu sein. Sollten jedoch vernünftige Gründe
vorliegen, zu glauben, daß, statt des von mir
angegebenen Weges, die Partei, welche mich
im Allgemeinen unterstützt, wünscht, ich
möchte sofort die Stellung eines unabhängi.
gen Mitgliedes einzunehmen, so würde ich be
reit sein, Solches zu thun; andern Falls
würde mein 'Nachfolger von meiner Seite
immer der freudigsten Unterstützung sicher sein
können."
L ondon, 13. März. Liberale Blätter
widmen dem verstorbenen Charles Sumner
die ehrendsten Nachrufe.
London, 13. März. Die heutige
„Times" sagt in einem Leitartikel: „So
lauge Hr. Gladstone im Unterhaus bleibt, ist
er der einzig mögliche Führer der Opposition?
Partei. Jeder wahre Anhänger der liberalen
Partei wird Hrn. Gtadstonc's Führerschaft!
in d->r Form, wie er sie selbst vorschreibt, an
nehmen."
Die „Dailey News" sagt: „Hrn. Glad
stonc's Name ist ein Bollwert der Kraft. Tie
gesammtc liberale Partei sieht ihn als ihr na
türliches Haupt an. Jeder Andere würde nur
der Führer einerFraklion sein."
London, 13. März. —In der regelmäßi
gen Halbjahrs - Versammlung der Direktoren
der Bank von England wurde angekündigt,
daß die Gesammt - Ausgaben für den Prozeß
der beiden Bidwclls und MacTonnel, welche
den Betrug au die Bank verübten, sich aus
L 46.000 belaufen.
London, 14. März. Tic verwittwete
Herzogin von Richmond ist gestorben.
Die Gräfin Lrnnnow, die Gemahlin des
russischen Gesandten, ist gestern Abend im
hiesigen Gcsandtschastshotel gestorben.
London, 18. März. Der heute in
Hyde Park zu Gunsten der Fenier-Amnestic
abgehaltenen Versammlung wohnten wenig
stcns 20,000 Menschen bei. Tie Ruhe wurde
durchaus nicht gestört.
London, 15. März. —T ie aus dem Krieg
gegen die Asckanris zurückkehrenden „High
landers" sind zu St. Vincent gelandet.
London, 16. März. Die „Fenian
Amnestie Association" hat beschlossen, der
Königin Petitionen zur Begnadigung dcr Ge
sangeuen vorzulegen.
Die Depeschen" der „Times" melden, daß
der erste Minister des Königs der Aschantescn
und dessen General - Capitän als Gefangene
nach Cap-Coaft-Custle gebracht worden sind.
Tic Frier in t4ljiscll>urst.
LonVon, 15. März. Eine ungeheuere
Anzahl französischer Besucher ist hier einge
troffen. Bereits sind über 5000 Eintritts
karten zu der Feier in Ehiselhurst ausgegeben
worden.
Unter den unzähligen Geschenken, welche
eingetroffen sind, waren folgende von der Kö
nigin Viktoria: Eine Fahne, ein Strumpf
baudordcii und eine Klipferplatle mit entspre
chender Inschrift ftir den Sarkophag des Kai
sers.
In Paris befürchtet man eine Demonstra
tion. Die Aenderung des Wahlgesetzes und
die Noth unter den Arbeitern hat eine günstige
Stimmung für den Imperialismus erzeugt.
London, 16. März. In Ehiselhurst
hatte sich heule eine große Menge Franzosen
eingefunden, um den 18. Geburtstag des
Prinzen Louis Napoleon zu feiern. Es wur
den über 6000 Einlaßkarten ausgegeben, und
zwar nur an Franzosen. Morgens wurde
Messe und Dankgottesdienst gehalten, worauf
der Herzog von Padua im Namen der anwe
senden Franzosen eine Ansprache an dcn Prin
zcn hielt und ihm zu seinen, Eintritt in die
Großjährigkcit gratnlirte. Ter Prinz dankte
seine!! Landslculen für das treue Andenken,
welches sie dem verstorbenen Kaiser bewahr
ten, und sagke zum Schluß: „Trotz des Ver
trauens, welches eine Folge der Lonalität
MacMahon's ist, spricht sich die öffentliche
Meinung immer und immer wieder zu Gun
sten eines Plebiszits ans. Ich bin bereit,
das Resultat desselben zu vernehmen."
ES herrschte großer Enthusiasmus, und
„Camden Honse," die Wohnung der Ex-
Kaiserin nnd des Prinzen, war geschmackvoll
dekorirt. linier den hervorragendsten Gästen
befanden sich die HH. Ollivicr, Rouher und
der Herzog von Gramniont.
London, 17. März. Ter Herzog und
die Herzogin von Edinburg haben heute die
Ex Kaiserin Eugeme zu Chiselhurst besucht.
Hr. Dieracli und s>r Srafford Northeore
sind ohne Opposition wieder in's Parlament
gewählt worden.
London, 18. März. Es heißt, daß in
der bei'm Zusammentritte desParlamentö zu
haltenden Thronrede der Königin ein Vor
schlag enthalten sei, die Eintommensteucr
um 2 Pencc pro Pfund Sterling zu verrin
gern.
T<i,iflbrA. Bicrzcy Matrosen ertrunken.
London, 11. März. Der Dampfer
„QnecnElizabeth" ist ant dcrHLHe von Tarifa,
Spanien, gescheitert. Vierzehn Menschen
sind ertrunken.
Tr. Livlngstont's Leiche.
Londo n, 16. März. Sir Garnet Wol
seley wird nach 'Malta oder Oden geben, um
die Leiche Dr. Livingstonc's in Empfang zn
nehmen und nach England zn geleiten.
Land on, 16. llilä/z. Der Dampfer
„Laconia," welcher mit 278 Pilgern von
Mekka zurückkehrte, hatte zwischeuAlexandria,
Egypten, und Algier furchtbare Stürme zu
bestehen. Eine ungeheure Woge, welche das
Schiff traf, spülte 117 Pilger über Bord,
welche sämmtlich ertranken.
Frankreich.
Paris, 13. März. — Im Comite der Na
tional - Versammlung für das Wahlgesetz ist
von der Rechte ein Vorschlag gemacht wor
den, den französischen Colonic'u das Stimm
recht zu nehmen. Hr. Labonlayc machte
eifrige Gegenvorstellungen, indem er sagte, die
amerikanischen Colonic'u wären dem Mutter
lande dadurch entfremdet worden, daß man
ihnen dos Recht der Vertretung nahm. Die
Deputieren der Coloiiie'u hätten das Wahl
recht einstimmig gefordert.
*PariS, 15. März. „Le Pays" publi
zirt eine Correfpondenz, welche zeigt, daß die
Kaiserin Eugeme und ihr Sohn schließlich
alle Beziehungen mit dem Prinzen Napoleon
abgebrochen haben, weil er sich geweigert hat,
nächsten Montag Chlsclhnrst zu besuchen.
Paris, 16. März. - Hr, Kcratry hatte
heute vor der National-Versammlung in Be
zug auf die gegen Hrn. Gambetta erhobenen
Anklagen ein Verhör zu bestehen. Er sagte
aus, daß Hr. Gambetta, als er Mitglied der
Regierung gewesen, verweigert hätte, den
Brctagncru Waffen zu liefern, damit sie ge
schlagen würden und sväler unfähig seien, sich
gegen die Commune zu vertheidigen, deren
Machtstellung schon damals in's Äuge gefaßt
war.
Spanien.
Madrid, 15. März. Marschall Scrra
no steht mit 34,000 Soldaten und 90 Kano
nen den 35,000 Mann starken Karlislen gegen
über, während General Loma mit 8000 Mann
den Äachtrab des Feindes beunruhigt.
Bayonne, 16. März. —In der Provinz
Gcrona wurde eine Colonne republikanischer
Truppen, welche zum Entsatz nach Olot be
stimmt waren, von einer Abtheilung Karlisten
überfallen uns gesangen genommen.
Madrid, 16. März. — Der Karlistenfüh
rcr Tristany hat in Tarragona eine Nieder
lage erlitten. Es ist ein Gerücht im Umlauf,
die Karlisten hätten die Belagerung von Bit
bao aufgehoben.
Bayonne, 16. Mär;.—General SaballS
hat nach karlistischen Berichten eine unter dem
Beichle des Gen. NevillaS stehende Truppen
abthcilung von 25tX1 Mann gefangen genom
men.
Gibraltar, 16. März, Die Barke
„Jupiter" von New Aork hatte eine äußerst
stürmische Fahrt nnd verlor mehrere Matro
ien; auch der Capitän stürzte über Bord nnd
ertrank.
Italien.
N o m , 13. März. —Der Papst hat die öst
reichischen Bischöfe aufgefordert, all' ihren
Einfluß zu brauchen, uai zu verhindern, daß
die vorgeschlagenen Kirchcngesetzc angenom
mcn werden.
R o m, 14. März. —Der Brief des Papstes,
in welchem er die römisch-katholischen Biichöfe
Oestreich's auffordert, die kirchlichen Gcsetz
vorschlage im Neichsralh zu bekämpfen, ist
vom 7. d. Mts. datirt. Sc. Heiligkeit sagt,
die vorgeschlagenen Maßregeln seien darauf
berechnet, die Kirche zu knechten, und ergreift
zugleich die Gelegenheit, seinen Protest gegen
den Concordatbruch zu erneuern. Der Papst
hat auch an den Kaiser Franz Joseph geschrie
ben und ihn beschworen, die Kirche in seinem
Reiche zu beschützen.
Befürchtungen vor einem Ausbruch deS
Besuv.
Neapel, 13. März. Ein großer Theil
der Scitenwände des Kraters des Vesuv ist
eingesunken und verschwunden, so daß man
einige Befürchtungen vor einem Ausbruch hat.
London, 18. März. Eine Spezial-
Depesche an die „Daily News" meldet, daß
in Ähiwa Anarchie herrsche.
Die Hungersnot, in Indien.
Calcutta, 17. März. In Bengalen
ist das in Folge der Hunqersnoth eingetretene
Elend im Zunehmen begriffen, und viele Tau
sendevonEingeborenen sind aufllnterstütznug
von Seiten der Regierung angewiesen. Im
Bezirk Tirhoot haben innerhalb der letzten 10
Tage 100,000 verhungernde Menschen um
Hülfe gebeten.
Brasilie.
London, 15. März. Nachrichten ans
Rio Janeiro melden, daß der Bischof von
Pernanibuco wegen fortwährender Widersetz
lichkeit gegen die Gesetze zn 4 jähriger Gesang
nißstrafc vcrurthcilt sei.
Inland, Depeschen.
Sumner's Leichenfeier.
Boston, 16. März. Die Leichenfeier
Sumner's wurde heute Nachmittag um 4-1
Uhr in der „King's Chavcl" abgehalten. Von
„Doric Hall" setzte sich der von 4 schwarzen
Pferden gezogene Leichenwagen inßcwegung.
Der Leichenwagen wurde eslortirt von einer
Abtheilung berittener Consiabler. Es folgte
dann der lange Zug: Die Exekutiv-Behörden,
Mitglieder dcr Gesetzgebung, das Congrcß-
Comite, Bnndcs-Bcamle, städtische Behör
den und andere Körperschaften. Bahrtuch
träger waren Ex Gouverneur Claflui, Ex-
Gouverncnr Washbnrne, Ex-Obcr-Bnndes
richter Bigclow, Achtb. N.H. Banks, Achtb.
Robert E. Winthrop, Achtb. Charles Fron
eis Adams, John G. Whitticr und Ralph
Waldo Emerson.
Als der Sarg von dcr Halle die Treppe
hinuntergetragen wurde, ertönte der Trauer
Marsch aus dem Oratorium „Sanl." Dcr
Zug bewegte sich die Beaconstraße hinunter,
zwischen einer ungeheuren Bolksmasse hin
durch, so daß die Polizei zu thun hatte, die
Ordnung aus der Straße aufrecht zu halten.
Dem Mayor voran gingen 4 Männer, welche
ein großes, aus prachtvollen Blumen zujani
mengesetztes Kreuz trugen, ans welchem die
Inschrift angebracht war: „Ein Tribut sei
er Vaterstadt und seiner Heimalh." Blu
wen sind in unserer Stadt vielleicht kaum je
' inalS schöner zusammengestellt und
von der Menge vielleicht nie mehr bc
wunden worden.
In der Kirche angekommen, wurde die
Leiche vor dein Altar niedergesetzt. Nach ei
nein Orgel Präludium verlas Ehrw. Foote
mit zitternder Stimme das Wert des Z Ni
gers Johannes: „Ich bin die Auferstehung
und das Leben, sagt der Herr. Wer an mich
glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe:
und wer lebt und an mich glaubt, der soll
niemals sterben." Dann folgten die Worte
Hiob's: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt,
und daß er am jüngsten Tage auf die Erde
kommen wird. Wir haben Nichts auf die
Welt gebracht nnd können Nichts mitnehmen.
Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's ge
nommen, der Name des Herrn ser gelobt."
Dann folgte ein Gesang des Kirchenchors.
Ehrw. Foore verlas den 30. und 40. Psalm,
und der Ehor sang feierliche Gesänge. Nach
dem von Ehrw. Foote der Segen gesprochen
und ans der Orgel der Trauermarsch von
Mendelssohn gespielt war, setzte sich der Zug
von der Kirche aus langsam in Bewegung.
Bald nach 6 Uhr wurde Mounl-Aubnrn er
reicht. Am Grabe sprach Ehrw. Dr. Sun
derland das Vaterunser. Ein Chorgeiang
des „Apollo-Elub" folgte, und der Segen,
von Ehrw. Foote gesprochen, endete die erhe
bende Feier.
Trauer um Tumner in Canada.
Toronto, 16. März. Die hiesigen
Farbigen haben heute Nachmittag ihre Lokale
geschlossen und in der an der Chestnutstraßc
gelegenen Baptistenkirche eine Versammlung
gehalten, um Beschlüsse zu Ehren Sumner's
Selbstmord eines Kaufmannes.
Wvre ester, Mass., 16. März. Hr.
F. A. EldreS, ein hervorragender hiesiger
Geschäftsmann, beging am Samstag Mor
gen Selbstmord, indem er sich den Hals ab
schnitt. Er war fett mehreren Tagen krank
gewesen, und man glaubt, daß er die That in
einem Anfalle von Wahnsinn begangen habe.
Mord mit einer Kerostnöl-Lampc.
New -N 0 rk, 16. März. Owen Man
gan, Nr.2'oB, West 20. Str., wohnhaft, warf
am Saninag Abend eine brennende Kerosinöl
Lampe nach seiner Frau und verbrannte sie
dadurch so schrecklich, daß sie gestern ihren
Wunden erlegen ist. Manganist verhaftet
worden.
Selbstmord eines deutschen
Lehrers.
Ncw -?) 0 rk, ig. März. Gestern früh
wurde von der Oakstraßen-Polizeistation aus
im „Park-Hospital" Anzeige gemacht, daß im
„Hotel Maisch," Nr. 381, Pearlstr., sich ein
Teutscher vergiftet habe. Wenige Minuten
später kam Dr. McKnown mit einer Ambu
lan; in dem betreffenden Haufe an, wo er den
Mann in bewußtlosem Zustande vorfand: der
Tod trat ein, nachdem er eben in's Hospital
geschafft worden war. Der Name des Ver
storbenen war Carl Büsing. Er war etwa
26 Jahre alt und in Oldenburg, Deutschland,
geboren. In Deutschland war er Lehrer an
einer höheren Lehranstalt, trat während des
letzten deutsch-französischen Krieges als Vo
lontär in die Armee und avancirle zum Lieu
tenaut in einem Hufaren - Regimcnte. Nach
Beendigung des Krieges begab er sich nacb
Amerika. Hier hatte er mit großen Sorgen
und Entbehrungen zn kämpfen und fand end
lich Beschäftigung in der Steppdecken-Fabrik
der HH. Uhlig K Comp, in Pearl-, zwischen
Oak- und Doverstr., wo seine Arbeit mit 56
pro Woche bezahlt wurde. Er war von gro
ßer Intelligenz und sprach gutes Engliich.
Mord in cincr Wirthschaft.
Brooklyn, N.Z., 17. März. In der
deutschen Niederlassung Breslau, Suffolk-
County, L.-J., wurde am Sonntag Abend
ein brulaler Mord begangen. Aug.KeUmann
trat in berauschtem Zustande in Nikolaus
Heil'S Wirthschaft ein und verlangte eine
Flinte, welche er Heil zur Aufbewahrung ge
geben hatte. Als er im Besitz der Waffe war,
legte er sie aus 6 Männer an, welche bei'm
Kartenspiele saßen, und sagte ihnen, sie möch
ten sich in Acht nehmen. Er feuerte und die
Kugel durchbohrte Andreas Müller'S Kopf,
dessen augenblicklichen Tod herbeiführend.
Keitmann wurde sofort verhaftet. Ter Er
mordete war Brauer und ein ucrhältinßmäßig
wohlhabender Mann.
Ein ZetLnngs - Redakteur unter
dreikint,.nscnd Tollars Vüra
sciiaft gestellt.
! Cincinnati, 16. März. Hr. John
R. McLean, Redakteur des hiesigen „Enqui
rer," brachte, weit er unter der Anklage stand,
eine Schmälschrift veröffentlicht zuhaben, die
Nacht vom Samstag auf Sonntag und den
Sonntag selbst im Gefängnisse zu. Hunderte
von prominenten hiesigen Bürgern machten
gestern das Gefängniß zum Ziele ihrer Wan
derung, um Hrn. MeLean ihre Achtung zu
bezeugen, und wandten sich mit euiem Gesuch
um die Freilassung des Jnhastirtci, an den
Richter O'Connor vom AppeUationsgericht,
welcher sich indeß weigerte, ein auf einen
HadeaS-Corpus - Befehl basirtes Gesuch von
heute entgegen zu nehmen. Auch Richter
Nr. 12.
Watson vom Waisengericht gab abschlägigen
Bescheid, bis endlich um Mitternacht Richter
James Cox dem Hrn. McLcan ein Verhör
gewährte und ihn gegen eine Bürgschaft von
30,000 entließ. Hr. John Robinson unter
zeichnete sich heute Morgen als Bürge.
Mord und Selbstmord.
Louisville, Ky., 16. März. Henry
Maß und BarneyMolincamp, Schwäger und
Nachbarn in Lewis County, Ky., geriethen
mit einander in einen Wortwechsel, während
dessen Moß einePistole zog und Molincamp's
Frau durch einen Schuß tödtlich verwundete.
Mit einem zweiten Schusse zerschmetterte sich
Moß den Schädel.
Sin Vulkan in Nord-Sarolina.
Raleigh, N.-C., 16. März. -Es
herricht hier gegenwärtig die größteAufregung
über die erschreckende Entdeckung einer Erder-
schütterung mitten in einem Lande, welches,
soweit die Tradition zurückgeht, von der
gleichen Revolutionen Nichts wußte. Ter
im westlichen Theil dieses Staates gelegenen
Bald-Monntain befindet sich im Zustande
vulkanischer Eruption. Leute, welche kürz
lich hier angekommen sind, erzählen, daß die
am Fuße nnd an den Abhängen des Berges
gelegenen Farmhäujer und Hütten in Folge
der Erschütterung eingestürzt seien.
Zahlreiche Bewohner der bedrohten Gegend
find vor Furcht und Schrecken geflohen, um
vor den Verwüstungen, welche eine Folge des
bevorstehendcnAnsbruchs sein mögen, anders
wo Schutz zu suchen.
Ein dünner Dampf steigt von dem Gipfel
des Berges in die Höhe, und ein Ausbruch
von Feuer und Lava aus dem tiefen Jnneni
der Erde wird stündlich erwartet.
Ein dumpfes Rollen ist über der ganzen
Oberfläche des Berges hörbar, und der Schnee
schmilzt so schnell, als er füllt.
Heute Morgen kam ein Bote hier an, um
einen wissenschaftlich gebildeten Mann zu ver
anlassen, auf den Schauplatz der bevorstehen
den Begebenheit zu gehen und über die Na
tur-Ercignisse, welche sich zutragen mögen,
einen Bericht zn erstatten. Die Zeitungen
werden morgen Corrcspondenten abschicken.
Knoxville, Tenn., 17. März. Es ist
hier keine bestimmte Nachricht über die von
Raleigh aus berichtete vulkanische Erschütte
rung eingetroffen. Bon Ashville aus wird
gemeldet, dieselbe sei zwischen dort und Olk-
Fort verspürt worden, und nicht am Bald-
Mountain. Während der letzten 2 3 Wi
chen ist in jener Gegend häufiges Rollen'ver
spürt worden.
Salisbnry, N.C., 17. März.—Die
um den Bald-Mountain, McDowell-County,
wohnenden Leute sind seit einigen Tagen
durch ein Rumoren im Innern des Berges
in die größte Aufregung versetzt worden. Nach
einem ans wissenschaftlicher Quelle kommen
den Berichte gleicht das Rollen demjenigen,
mit welchem dcr Aetna vor einem nahen Aus
bruch sich vernehmen läßt. Leute, welche am
Fuß und in der Nähe des Berges wohnen,
sind durch das Phänomen so sehr erschreckt
worden, daß sie ihre Sachen zusammengepackt
haben und aus dcr gefährlichen Nachbarschaft
geflohen sind. In weitem Umkreise ist nicht
nur das unterirdische Rollen vernommen, son
dern auch eine Erdcrschütternng verspürt wor
den. An mehreren Orten, meilenweit vom
Berge entfernt, haben die Fenster in ihren
Rahmen geklirrt, sind die Schüsseln auf den
Regalen hin- und hergerollt und die ländli
chen Bewohner in die größte Bestürzung ver
setzt worden. Man glaubt, der jüngste Tag
sei gekommen. Ein Passagier eines westlichen
Zuges berichtet, es sei traurig anzusehen, wie
die unwissenden, abergläubischen Bewohner
des Landes in Entsetzen und Schrecken fliehen,
doch habe die Bestürzung ihren guten Grund.
Nach den letzten Nachrichten hat übrigen
noch kein Ausbruch von Feuer und Lava statt
gcsnndcn, obgleich gestern Morgen das unter
irdische Lärmen so groß war, daß es zu dem
Glaube veranlaßie, die Eruption sei schon
zur Thatsache geworden. Tic Aufregung im
ganzen weltlichen Theile des Staates ist nn->
geheuer, und zahlreiche Einwohner begeben
sich an Ort und Stelle, um Zeugen dieses
großartigen Naturfchauspieles zu sein.
Cin Damvfer verbrannt.
New- Orleans, 17. März. Der
Dampfer „Southwestern," welcher am Don
nerstag von hier mit zahlreichen Passagieren
nd 500 Tonnen Ladung nach Shreveport,
Denn., abging, ist am Sonntag Morgen ber
Colfax verbrannt. Der Werth des Schifies
und der Ladung, welche verloren sind, wird
auf H 30,000 geschätzt. Tie Versicherungs
summe beträgt Kl 0,00. Tie Passagiere ha
ben ihr Gepäck eingebüßt. Offiziere und
Mannschaft sind mit der „Marie Louise" hier
her zurückgekehrt.
Ueberschwcnrmte Plantagen.
Rew Orleans, 17. März. Am Frei
tag brach der Damm drei Meilen oberhalb
Lake-Providence auf eine Strecke von 700
Fuß. Gin Dutzend oder mehr große Planta
gen hinter Goodrich'S Landing sind über
schwemmt. Es wird berichtet, daß das Was
ser schon den Verkehr auf der „Bicksburg-
Shrcveport-Bahn" aufgehoben habeu.
Neuere Berichte aus Mexiko.
Mexiko, 10. März, vi Havanna. —Em
Volkshaufe hat sich am verwichencn Sonntag
in Ahualulco im Staate laltöco einer scheuß
lichen Gewaltthat schuldig gemacht. Des
Morgens hielt ein Priester eine glühende
Rede, in welcher crnamcntlich die Ausrottung
der Protestanten empfahl. Seine Gemeinde
wurde dadurch so erregt, daß sich am Abend
„Hoch leben die Priester!" in die Wohnung
des Ehrw. John Storrs eindrang, ihn ergriff,
ihm den Schädel zerschmetterte und seinen
Körper furchtbar verstümmelte. Das HanS
wurde geplündert und alle Wcrthsachen da
vongetragen. Nach langem Zögern wurde
endlich der Tumult von den Behörden des
Ortes unterdrückt. Die Regierung hat Trup
pen abgesandt, um ferneren Ruhestörungen
vorzubeugen. Es ist eine strenge Untersu
chung ini Gange und Verhastsbesehle gegen
alle Priester von Ahualulco sind ausgestellt
worden.
Ein Vollshaufe in Saguayo griff, ans
ähnliche Weise angestachelt, die dortige Gar
nison an, verbrannte die Archive und plün
derte die Häuser der Beamten.
Die Regierung von Jalisco hat neun voir
den Banditen verhaften lassen, welche die
Postkutsche in der Nähe von Guadalajara be
raubten nnd die HH. Wcstphal und Bartholy
ermordeten. C >' Theil der geraubten Gegen
stände war oä im Besiv der Gcsangenen.
Truppen siuo auf der nach Tan Luis Po.
tosi führenden Straße postirt, um den Reifen
den Sicherheit zu gewähren.
In Zacadecas sind Quecksilber - Grubcir
entdeckt worden.
Ter Ätufstattd attf Euba.
N e w-?j 0 rk, 16. März. Ein Brief aus
Havanna meldet, daß das erste nach Nnevitas
gesandte Det.chement von Volontären aus die
Insurgenten gestoßen und geschlagen worden
fei. Bei ihrer Ankunft in Nnevitas fanden
sie, daß die nach Puerto Principe führende
Eisenbahn aufgerissen fei, und sie versuchten,
den Cnbane/n angegriffen wurden und 25
Todte und 70 Vermundete verloren. Die
Ucbngcn zogen sich nach 'Nnevitas zurück.
Hiesige Eubaner haben Nachricht erhalten,
daß die Sklaven auf den Zucker - Plantagen
des Bezirks Mariel, ungefähr 25 Meilen von
Havanna entfernt, und diejenigen in der Um
gegend von Baiiia Honda im Aufstand de
griffen sind. Der Ausstand brach auf den
Plantagen I. Agnire's aus: die Anregung
zu demselben war namentlich von armen
Pflanzern ausgegangen, welche der Ansicht
sind, daß, wenn die Sklaven in ihrer Nach
barschaft sich erheben, die spanischen Behörden
sich genöthigt sehen werden, die Weißen zn
bewaffnen, um den Frieden Daheim aufrecht
zn halten, sie (die Pflanzer) also nicht nach
dem östlichen Tycile der Insel geschickt werden
können, um dort zu kämpfen. Der General
! Capitän hat Truppen ausmarschircn lassen
um den Ausstand zu unterdrücken.
Von den Sandwichs-Inseln.
San Franzisco. Cal., 18. März.
Der Dampfer „Mikado" bringt von Hono
lulu die Nachricht, Katakaka sei als Nachfol
ger Lunatilo'S zum König der Sandwichs.
Inseln erwählt worden. Die HandclSnach-,
richten sind von keiner Bedeutung.
Tie Wahl Kalakaka's gab zn einer Ruhe
störung Anlaß. Ein Bollshaufen machte
einen Angriff auf die RegierungSgcbäudc,
doch kamen Soldaten vom Bundes Dampfer
„Tuscarora" und anderen Schiffen an s Land
> und stellten die Ordnung wieder her. Es fand
s kein Blutvergießen statt.
S anFranzisc o, Cal.. 18. März.
Bis zum 8. März reichende Nachrichten aus
Honolulu melden, daß die von den Anhän
gern der Königin Emma herbeigeführte Ruhe
störung, als die Wahl Kalakala's bekannb
wurde, einen ernsteren Charakter hatte, als zw
Anfang berichtet wurde. Als ihre 'Niederlage
angekündigt wurde, griff ein Bolkshanfe das
Gebäude der Gesetzgebung an, prügelte nied
rere Mitglieder derselben, von denen später
einer starb, zertrümmerte die Sitze und Pulte
und steckte das Gebäude >n Brand, als die
amerikanischen und englischen Marinc-Sol
! Daten landeten und den Haufen auseinander
zagten. Das Leben des Königs ist noch nicht
! sicher. Hermann Wideme.r ist jetzt Minister
des Inneren und Richter Hartwell Gerzetal--
, Anwalt,

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