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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, March 20, 1874, Image 2

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Ter Teutsche Correspouacut.
Baltimore, SV. März 174.
Das freie Maryland. Cin nner
schütterltchcr Fels in der Zsem,
perenzWoge.
Das Unterhaus der Gesetzgebung hat sich in
der verflossenen Woche mit Ruhm bedeckt; zu
erst hat es die Zumuthung, das Lizensgesctz
in drakonischer Weise zu verschärfen, zurückge
wiesen uno dann hat es die „Locat-Option".
Bill, welche für Maryland zur brennenden
Frage geworden war, kaltgestellt; was in
Anbetracht des Tcmperenz-Ortans, welcher
zur Zeit über das Land fegt, und dessen Wucht
auch die Staaten mit den freisinnigsten Be
völkerungSelementcn erlegen sind, ein großer,
fast unerwarteter Erfolg ist. Die vierzig
Männer, deren Stimmen am Freitag Abend
esdurchsetzteii,daßdievondcnhervorraaeiidsten
Männern einer gewissen Sekte verfaßte, von
frommen Weibern aus allen Theilen des
Staates befürwortete, durch fromme Gesänge
verherrlichte und durch christliche Drohungen
unterstützte Bill ans unbestimmte Zeit verscho
ben wurde, haben, außerdem, daß sie sich die
Achtung jedes rechtlich denkenden Menschen
erworben, indem sie dem religiösen Wahnsinn
und dem frommen Fanatismus kühn entge
gengetreten, dem Staate Maryland zu dem
Ruhme verhdlfen, der einzige Staat in der
Union zu sein, an dem sich diese Tcmpercilz
siurzfluth erfolgreich gebrochen hat.
Die Gründe für diese Erscheinung sind ver
schiedener Natur. Wenn wir nur Parteigänger
wären, so würden wir hier behaupten: diese
Teinperenzmaßrcgclii wurden verworfen, weil
die Gesetzgebung des Staates demokratisck, ist,
und man würde uns kaum widerlegen können,
denn thatsächlich versuchte man von gewissen
Seiten, eine Parteimaßregel aus denselben zu
machen und die Demokraten, deren Majori
täten bei der letzten Wahl nur knapp waren,
mit der Opposition zu bedrohen. Einine De
,Straten mögen sogar dadurch eingeschüchtert
worden sein, denn unter den 2ö Stimmen,
welche für die „Locol-Option" abgegeben
wurden, waren l 2 Stimmen von Demokra
ten, darunter 2 Vertreter von Baltimore, die
HH. Greenfield und Loanc. Dagegen stimm
ten aber dreizehn Republikaner für
und nur vier die HH. Turner von
Calvert, Lancaster Wier und Wack gegen
die Tcmper enz - Bill und die fehlenden
Republikan-n würden, wenn sie anwesend ge
wesen wären, sämmtlich dafür gestimmt ha
ben, so daß bei einem schwachen Hause die
Gefahr der Annahme ziemlich nahe gelegen
hätte.
Indem wir den 36 Demokraten allen Credit
dafür geben, den Staat vor der „Local-Op
tion"-Maßregel bewahrt zu haben, müssen
wir doch noch einen Schritt weiter gehen und
noch ein anderes Argument zur Geltung brin
gen. Wir dürfen nämlich kühn und mit ei
nem gewissen Stolze behaupten, daß es das
eingewanderte Element war, dessen Einfluß
die Drohungen der schwarzen Herren para
lisirte. Man bewies den Herren, welche viel
leicht anders disponirt waren, klar und deutlich,
daß sie durch eine passive Haltung mchr gewin
neu, als sie durch den Zorn der frommen Reve
rends verlieren würden, und wir harten die Ge
nugthuung, bei der Abstimmung zu sehen, daß
unsere Argumente über die Stimmcnmacht des
Adaptiv Bürgerthums recht wohl beachtet
worden sind. Tie von den Temperenzlern
schon in der Freitagsfltzuug ausgesprengten
und Sonntag von verschiedenen Herren wieder
holten Beschuldigungen, daß von Seiten der
Gegner corrupte Mittel angewendet worden
seien, sind abgeschmackt: noch niemals ist ein
Kampf anständiger in den Hallen einer Ge
setzgebung geführt worden, als dieser. Die
Abstimmung war mehr als jemals der volle
und treue Ausdruck der öffentlichen Mei
nung.
Wir sind vollkommen mit den Freunden
der Maßregel einverstanden, daß es nothwen
dig geworden ist, der Unmcißigkeit und Trunk
sucht entgegen zu arbeiten und wir gehören zu
den Letzten, welche einen Stein auf den über
zeuguilgstreuen Temperenzler werfen würden.
Aber wir sind dagegen, cine Reform durch die
Gesetzgebung erreichen zu wollen, die ihre
Maßregeln allgemein machen muß und des
halb Nichts erreicht. Wir sind speziell gegen
diese Tempereiizbcwcgung, weit sie nicht
ehrlich gemeint, sondern nur das Agitations
miltel einer gewissen kirchlichen Sekte ist, das
Netz, um Kirchcnmitgliedcr und Seelen zu
sangen, denn am Boden dieser ganzen Bewe
gung kriecht das puritanische'Muckerthum.
Wir sind nicht dem europäischen Tyrannen
druck eiitlaufen, um uns hier unter einen noch
unerträglicheren Glaubens- und Gewisseiis
druck zu ducken; wir verlangen nur die in der
Bundesverfassung gewährleistete Gewissens
freiheit, zu glauben, was wir Lust haben und
werden deshalb, als Journalisten, so weit es
in unseren Kräften steht, jeden Versuch einer
Sekte, die Oberhand in diesem Lande zu er
langen, schroff bekämpfen. Dieser Versuch
mag sich nun hinter einer Bewegung zur
schablonenhaften Mäßigkeit, vulgo Schein-
Heiligkeit, oder zur Einführung einer Staats
kirche verstecken. Im klebrigen wird von uns
xcde Religionsgemeinde mit gleicher Achtung
und, wie der Leser täglich aus unserm Blatte
ersieht, mir aller nur wünschenswerthen
Berücksichtigung behandelt. Eine Mäßigkcits
Bewegung ohne diesen muckerisch-puritanischen
Hintergrund würde ans unsere bereitwillige
Unterstützung rechnen dürfen. In Bezug
auf die beiden verworfenen Maßregeln aber
freuen wir uns herzlich, daß die Lache eine
solche Wendung genommen hat und jeder neue
Versuch, den Staat unter der Maske der Tem
perenz zu „puritanisiren," wird von uns mit
demselben Eiser bekämpft werden.
Sumner t,d die Eingewanderten
Es wäre Unrecht, wenn die deutsche Presse
bei m Hinscheiden Snmner's nicht eines Pör
ings erwähnte, durch den er sich den Adaptiv
Bürgern besonders werth geinacht hat wir
meine seine Freiheit vom Nativismus. Bei
einem Manne von so umfassendem Wissen und
so gründlicher Kenntniß fremder Länder und
Volker möchte man jagen verstand sich
dies von ,elbst. Aber wir kennen hochstehende
Amerikaner, welchen ebenfalls alle Mittel zu
Gebote gestauten haben, um Vergleiche niit
andern Völkern anzustellen, und bei denen
nicht davon die Rede sein kann, daß sie an
eine angeborene oder anerzogene Supcrioritüt
des Amerikaners glauben, und die dennoch
dem Eingewanderten mit Mißgunst und
chrosthelt entgegentreten; ja, es gibt Ame
rikaner, welche den Eingewanderten hassen,
nicht weil sie aus ihn herabsehen, sondern weil
sie seine Superiorität empfinden, worauf erst
neulich im Senate der Ver. Staaten ein
Exempel geliefert worden ist. So engherzig
Sumner in mancher Hinsicht war, in diesem
Punkte war er vornrtheilslos und hochhcrriq.
Die Deutsch-Amerikaner hatten Ursache,
ihm im Jahre 187 wegen seincrParleinahmc
für Frankreich zu grollen, und wir haben bc
rcits daraus hingewiesen, daß er durch seine
Sympathie für den hohlen Namen der Re
publik seinen Mangel an Verständniß für das
Wesen einer solchen bewies. Jene Partei
nähme hat er indeß durch sein Verhalten in
der Waffenschachersrage so ziemlich wieder gut
gemacht, und überhaupt lag seiner Partei
nähme für Frankreich durchaus nicht, wie
sonst bei den Amerikanern, Vorliebe für Fran
zosen und Abneigung gegen Teutsche, resp.
Bevorzugung des französischen vor dem dcut-
Ichen Weien zu Grunde. Wodurch Sumner
sich die Eingewanderten besonders vcrpflichic
te, das war sein Verhalten gegenüber dem be
rüchtigten „MassachuscttS-Amendemeut" im
Jahre 1859. Es handelte sich damals um ei
nen Zusah zur Verfassung seines Hciinaths-
Staates, wonach der Bürger erst zwei Jahre
nach Erlangung des Bürgerrechts wahlbe
rechtigt werden sollte. Damals kämpfte Snni
ncr gegen Wilson, Banks und andere promi
nente Führer seiner Partei gegen diese Maß
regel und ncf Schurz herbei, der durch seine
Reden gegen den Vorschlag zu dessen Verwer
fung beitrug. Sein Benehmen gegen Schurz
stach besonders gegen das der meisten anderen
Senatoren ab, die in ihm stets den Eindring
ling anfeindeten. Das einseitige Streben
Snmner's mag ihn nicht haben dazu gelan
gen lassen, seine Würdigung des Werthes der
Einwanderung anderweitig zu bethätigen,
und seine Verachtung jeder Art demagogischer
Künste, sowie die Exklusivität seines Wesens
brachten ihn wenig in Eontakt mit den ein
gewanderten Bürger. Aber es ist gewiß, daß
diese unter den eingeborenen politischen Füh
rern keinen aufzuweisen hatten, der freier von
Vcrurtheilcn gegen sie war und bei seinen A
nsichten über den Werth eines jeden Bürgers
und Einwohners die Geburt weniger in Be
tracht zog. Bei seiner philosophischen und
weltmännischen Durchbildung mußte er ohne
hin über Muckerrhum, Tcmpercnzthum und
ähnliche Absurditäten, welche Eingeborene
und Eingewanderte in Eollision bringen, er
haben sein. (Stsztg.)
Die Debatte im Ttaatssenate über
das Wnchergesetz. Senator
Stevens' Rede.
In der Donnerstags Senitssitzung unserer
Gesetzgebung bildete die Debatte über den
Borschlag des Hrn. Stevens, die Wuchergc
setze des Staates zu amendiren, das Haupt
thema der Debatte. Der Gesetzentwurs hat
die festzusetzende Jntcressenratc vorläufig offen
gelassen und Herr Phclps beantragte, „zehn
Pro;." einzufügen, damit der Abschnitt fol
gendermaßen laute: „Eontrakte können zu ir
qend einer l Pro;.nicht übersteigenden Zins
rite abgeschlossen werden."
Hr. Tuck beantragte, 8 Pro;, einzufügen,
doch vorläufig handelte es sich um den Antrag
des Hrn. Phelps.
Hr. Stevens, der Verfasser und Protektor
der vorliegenden Bill, erhob sich und hielt fol
gende Rede:
Hr. Präsident! Interesse oder Zins bedeu
tet nack> der Erklärung der besten Autoritäten
„die Zahlung, welche der Borger dem Ver
leiher einer Geldsumme für deren Gebrauch
zu'agt." Wucher war in früheren Zeiten jede
I iterefsenzahlung. welche für den Gebrauch
ei,er Geldsumme gemacht wurde; heut zu
Dage bedeutet das Wort die Zahlung uuge
jttzlicher Interessen.
In alten Zeiten herrschte ein starkes Vorur
k'l'il gegen die Annahme von Interessen über
haupt, dieses kam von einer Mißdeutung der
zn mischen Gesetze. Die erste Erwähnung des
Wuchers finden wir in der Bibel, 2. Mose 22,
25i „Wenn Dn Geld leihest meinem Volke
das arm bei Dir ist, so sollst Du thu nicht zu'
Schaden dringen und keinen Wucher aus ihn
treiben." Und im 5. Buche 23, is und 20
heißt es: „Tu sollst an Deinem Bruher nicht
wuchcrnzc.,aber Fremde magstD wuchern,
aus daß Dich der Herr segne." Ties es Gesell
wuldc von Mösts ungefähr 145Y Jahre vor
unserer Zeitrechnung gegeben. I jenen Ta
gen wohnte der Mensch nicht in Palästen, es
gab keine Hypotheken, Loupon Bonds, oder
Bank Aktien, soudcru die Leute wohnten in
Zelten und ihr Eigenthum bestand größten
theils au Schaf- und Rinderheerdcn und
Moses war der Ansicht, da die Silber- und
Goldseckcl sich nicht, wie das Biel, nährten
und auf natürliche Weise vermehrten, so sei
es von dem „Israeliten ohne Falsch" ungc
recht, von seinem Bruder fürcinGelddanlcyen
irgendeinen weiteren Seckel zu verlangen,
welcher dem Borger zum Ankaufe von Scha
fen und Rindern dienen könnte. Aus dem
selben Grunde könnte Jemand heute behaup
ten, daß Niemand Miethe fordern dürfe,
denn Häuser und Schiffe vermehren sich auch
nicht auf natürlichem Wege und erzeugen als
„lebendige Junge" wie die obenerwähnten
Säugethierc höchstens Ratten. Moses ver
bot jedoch nicht, von Fremde, uemlich von
den Aiilmoilitern, Jebusitern -c. Zinsen zu
nehmen. Ii: demselben Capitel, in welchem
der Wucher verdammt wird, ist auch gesagt:
„Tie Zauberinnen sollst Du nicht leben lassen"
und ferner: „Den Göttern sollst Dn nicht
fluchen und die Obersten Deines Volkes nicht
lästern." Wie oft ist diese lellterc Verbot in
uliscren Tagen nicht übertreten worden!
Seil Mo,es sein Gesell gab, find mehr als
drei. nud-dreißig Jahrhunderte verstrichen:
seiticncu Tagen haben sich Menschen ud
Dinge geändert und auch die Gesetze sind klci
neu Aellderniigcu unterworfen worden. Mau
dcnle sich den israelitischen Gesetzgeber ans
einem Pilllman'jchcn Palastwagen mit der
Schnelligkeir von K 0 Meilen per Stunde
durch die Welt fahren, oder wie er eine De
pcsche von den Känaniter erhält, oder man
denke sich, wie er sein Gctraide einem Spei
cher übergebt, der eine Million Büschel hälr.
Vor Jahriamenden hielt es der jüdische Ge
sctzgcber für ungerecht und sttndlich, einen
einzigen Seckel als Zins für ein Darlehn von
einem Israeliten zu nehmen und viele Jahn
später wurde es füt ein Verbrechen angesehen.
Interessen für den Gebrauch einer Geldsumme
zu berechne. In England unter Herrschaft
der Sacdsen wird noch bis zu den Tagen Ed
ward des Beten,icrs, um 1050 wenigGewicht
auf den Wucher gelegt. Während der Regie
rung Edward I. im 14. Jahrhundert dage
gen galt dcrWucher für ein gemeines, schänd
liches Vergehen. Durch das 11. und 111. Ge
setz Hernri, VII., in der letzteren Hälfte des
1. Jahrhunderts wurden Personen, welch
Zinsen berechneten, der Hälfte des Kapitals
verlustig erklärt. Mäkler, welche solche Eon
traktc abschlössen, wurden an den Prangci
gestellt, ein halbes Jahr eingesperrt und um
20 L gestraft. Jin Lause der Zeit begann
mau in England anders über den Werth des
Geldes zu denke. Hume, welcher seine Ge
schichte Englands vor 100 Jahren schrieb,
spricht von einem, unter Edward VI., 1ö52
erlassenen Geselle gegen den Wucher. „Dieses
Gesetz war ein Neverrcst alten Aberglaubens;
da es aber im praktischen Leben gänzlich un
anwendbar war und dem Handel und Wandel
großen Schaden zufügte, so wurde es durch
Elisabeth aufgehoben. Die gcnöhnlichcZins
rate, troll des obigen Gesetzes betrug zu jener
Zeit 14. Proz." Durch das 13. Gesetz der
Königin Elisabeth wurde die Jiitercssenratt
auf lii Pro;, festgesetzt. Gegenwärtig berrägi
die Zinsrate in England, wenn kein spezieller
Contrakl vorliegt, 5. Pro;, und auf Geld
summen nicht über 10 T und auf Wechsel von
nicht längerer Frist als 12 Monate, können
die Parteien contraktlich irgend eine Zinsrate
vereinbaren, so daß der Wucher thatsächlich
abgeschafft ist,
Nun laßt uns die Sache etwas näher in
Betracht ziehen und das Gesetz unseres Staa
tes als Grundlage nehmen. In Maryland
wurde unter der Königin Anna bestimmt, t>
Proz. als Zinsrate festzusetzen. Dieses Gesetz
wurde 20 Jahre vor der Ünadhängigkcitscr
klärung angenommen und erst am iti. Mär;
184 k widerrufen. Nach dem dainals erneu
erten Gc'ellc fiel die Hälfte der Strassumme
wegen Wucherzinsen dem Angebcrzu, wodurch
die schlechtesten Leidenschaften in dem Men
scheu genährt wurden. Diese Versuchung,
Unrecht zu thun, solle beseitigt werden. Nie
mand sollte nach den Gesetzen unseres Staa
tes dafür belohnt werden, daß er sein frei
williges Versprechen bricht. Ich behaupte
hier, daß Geld eine Waare ist; es wird er.
handelt, gekauft und vertäust, wie ein anderes
Gut. Es erhält seinen Werth von dem un
fehlbaren Prinzip des Vorraths und der Nach
frage. Warum existirt kein Gesell in diesem
Staate, welches einen Spekulanten verhin
dert. alle Lebensbedürfnisse aufzukaufen und
sie danu zuHuugcrpreijen wieder zu verkaufend
Im Gegentheile, weit davon entfernt, dieses
durch das Gesetz zu verbieten, betrachtet man
den erfolgreichen Spekulanten als einen sehr
klugen Mann, trotzdem er sein vielleicht ge
borgtcs Geld im Nu verdreifacht und die Ar
men zum Hungern zwingt. Der Eapitalist
dagegen, welcher ihm das Geld leiht, würde
durch unser Gesell, wenn er mehr, als k Pro;,
nehme, als Wucherer gcbrandmarkl werden.
Ist dieser Untcrjchlcd, welcher gegen den Ge
brauch des Geldes gemacht wird, nicht ab
surd ? Warum macht mau kein Gesetz, wel
ches einen höheren Profil als k Proz. an den
Bedürfnissen des täglichen Lebens verbietet ?
Würde ein solches Gesell nicht eben so vcr
nünslig und gerecht sein, als ein Wuchcrge
setz? Tie Antwort ist, Jemand hat das
Recht, auf seine Waaren so viel Profit zu
schlagen, als ihm beliebt, denn Niemand ist
gezwungen von ihm zu kaufen; da Hunderte
damit beschäftigt sind, dieselben Artikel zu
vtrkanscn, so herrscht allenthalben die Eon
currenz, welche die Lebensmittel billig macht.
Ist nicht dieselbe Regel auf den gcgenwärti
gen Stand des Geldmarktes anwendbar?
Das Kapital ist nicht länger in den Hände
einiger Juden, wie dieses vor Zeilen der Fall
in England war, als die strengen Wuchergc
setze erlassen wurden. Hunderte und Tau
sende von Leuten sind in der Stadt Baltimore
und im Staate Maryland beschäftigt, Geld
zu verleihen. Ein Mann, welcher Geld
braucht, ist nicht länger gezwungen, dasselbe
von einem gewisse Individuum zu leihen,
ebenso wenig, als er gezwungen ist, seine Le
bensbcdürfnisse bei einem gewissen Händler
einzukaufen, dessen Preise ihm nicht passen.
Macht das Geld im Staate frei und es wird
zu raisonablen Interessen zu haben sein, man
braucht jedenfalls leide exorbitanten Jnteres
senraten zu befürchten; es wird jedenfalls
nicht mehr bringen, als hdule täglich im
Staate in der Form von „Bonus," „Com
mission" zc. bezahlt wird. Unser gegenwär
Nges Wnchergesctz ist ein todter Buchstabe;
es vergeht lein Tag, au dem es nicht über
treten wird; seine Wirkung ist nur, das Geld
theurer zu machen, wegen des Risiko's, wel
ches der Kapitalist übernimmt; der Borger
aber hat den Nachtheil davon. Es wird eine
Zeit kommen, in welcher man sich darüber
wundern wird, daß dieses Gesetz, welches
Hume bereits vor 100 Jahren als einen Ueber
rcst alten Aberglaubens bezeichnete, erst ini
Jahre 1874 gefallen ist.
Hr. Präsident! Ich rede nicht den Shy
locls das Wort, aber ich sage hier: Unser Wu
chergesetz treibt das Kapital aus dem Staate.
Millionen sind von hiesigen Kapitalisten in
anderen Staaten angelegt. Warum stellt
man Maryland nicht mit anderen Staaten
auf gleiche Stufe; selbst Illinois hat uns
überflügelt. Geld sollte hier eben so frei sein,
als in Massachusetts und Okio "
Hr. Ficld sprach gegen die Bill, weil sie
gegen die Interessen der Ackerbauer des Staa
tes gerichtet fei. Es sei kein Landbaner im
Staate, welcher sechs Proz. bezahlen könne.
Sem Landgut sei vortrefflich im Stande und
werfe nicht mehr als 3 Proz. ab.
Senator suit fragte oenHerrn ober,wenn
er KIOMV hätte, diese Summe zu 6 Proz.
verleihen würde.
Hr. Ficld sagte, er würde allerdings neh
men, was er bekommen könne, doch das sei
kein Grund, daß man den Kapitalisten Gewalt
gebe, den Borger zu bedrücken.
Hr. Carle sagte, gerade der Borger solle
durch oie Bill geschützt werden.
Die HH. Blake, Williams und Billinqsley
lprachcn außerdem noch gegen die Bill.
Der neue franzöfische Prätendent.
Kein europäisches Land hat mehr Präten
denten, als Frankreich; man sollte annehmen
daß ,ie infolge ihrer Massenhaftigkeit nicht
besonders gesährlich sind; die mimosenhafte
Marichalls-Republtk schevnt aber alle sammt
und sonders für sehr gefährlich zu halten,denn
mau arbeitet von weiten der Gerichte der
Polizei und des Ministeriums mit allerMacht
gegen Diejenigen, welche vermittelst ihrer Ab
stammung einmal Anspruch erheben dürften
die Dornenkrone von Frankreich tragen, i
wollen. Erst vor 14 Tagen hat man'die
Nachkommen des unglücklichen Ludwig'sXVl
für Betrüger erklärt, trotzdem sehr vieleFram
zosen und Nicht-Franzosen an die Identität
des Potsdamer Uhrmachers Nauendorf mit
Ludwig XVII. glauben. Noch in der ver
flossenen Woche wurde in Paris der Verkauf
der Photographic des Grafen v. Chambord
verboten, und dieser Tage hat das Ministe
rium sogar ein Cirknlarschrciben.rcsp. ein ae
geharnischte Verbot in Betreff der heutigen
Feier in Chiselhurst erlassen.
Napolean Bonaparte, das Kind von
scdan, der Sohn des Mannes von Chjsel
hurst und der Großneffe des Helden von St
Helena,ward Montag ,8 Jahre alt und würde'
wenn ie Katastrophe von 1870 nicht ciuqe
treten wäre, heute unter ungeheuern Jubel
aller Franzose zum Kaiser als Napoleon l v
gekrönt werden.
Aus dem kaiserlichen Prinzen wurde be
kaniitliÄ durch den Sieg der Deutschen bei
Sedan ein Verbannter, dessen Exil sich bisher
der Oessentlichkcit ziemlich entzog. Man hörte
daß er in der Eadctrcnschule zu Woolwich
fleißig stiidirc, einmal von einem Eaincradeii
geohrfeigt wurde und kürzlich einem Herr
der ihm wegen seiner gründlichen Kenntnisse
in der Artillerie Complimente machte eine
recht treffende Antwort gab. Die Jnipcria
listen, deren es in Frankreich und außerhalb
der Grenzen dieser Schein-Republik genug
gibt, haben schon seit geraumer Zeit auf den
heutigen Tag, an welchem der junge Navo
leon seine Prätendentenrolle in oMm lormr
antritt, fleißig gerüstet und der Minister
Broglie hatte nichts Eiligeres zu thun, als
folgende Order an die Präsekten zu erlassen:
„Der Schritt, welchen man jetzt öffentlich
angekündigt, .hat einen schwer zu verkennenden
politischen Charakter. Die Wahl des Tage,
da der Sohn des letzten Kaifers in sein IS.
Jahr tritt, war (wie nian wenigstens glauben
kann) von dem Gedanken eingegeben, daß die
kaiserliche Verfassung an dieses Datum die
Großjährigkeir des Souveräns knüpft. Man
darf also in ihr eine indirekte Anerkennung
des Rechtes des kaiserlichen Prinzen, kraft
dieser Versassung über Frankreich zu Herr
schen, und einen Protest gegen die entgegen
gesetzten Entscheidungen der National-Ver
sammlnilg erblicken. Das in den Blättern
erschienene Cirkular enthält sich allerdings je
des Commenlars dieser Art, aber die öffent
liche Meinung wird immer geneigt sein, die
natürlichste Auslegung für die richtige zu hal
ten. Mit der Vollstreckung des Willens der
Nationalversammlung beauftragt, kann die
Negierung, wie Sie begreifen werden, keine
Kundgebung gestatten, welche der all' ihren
Dekreten schuldigen Achtung Eintrag thun
könnte. Sie werden also mit aller Wachsam
keit zu beobachten haben, welche Folge man
der in den Blättern erlassenen Einladung ge
den wird. Wenn sie in den Bemühungen, die
Zahl der Gäste, welche sich nach England be
geben sollen, zu verstärken, auch nur den ge
ringsten Versuch ertappen, die Rechtskraft der
souveränen Entscheidungen der Nationalver
sammlung in Zweifel zu ziehen, haben Sie
mich davon augenblicklich zu benachrichtigen,
damit ich dafür sorgen kann, daß die Strafe
dem Vergehen unimtteloar folge."
Durch dieses Verbot wird die Feier, welche
im anderen Falle eine bonaparlistifchc Faini
lienaffaire geblieben wäre, zu einer „Haupt
nnd Staats-Akiion" gestempelt und die ganze
Welt ist gespannt, welches Programm der
junge Prätendent heute den getreuen Franzo
sen verkünden wird.
Einen Vorsprung hat derselbe vor seinem
Vater, ein Putsch von Straßbnrg ist ihm er
spart, dieser Mühe haben ihn die Deutschen
überhoben, dagegen kann er zu jeder Zeit in
Boulognc - verhaftet werden.
Snmner's Leichenfeier.
Tie Keier itr Kapital. - Die Bor
gänge in der Senatshallc.
Der Präsident und sei Cabi
net. Ueberführung der Lciäie
nach Boston.
Washington, 13. März. Senator
Sumner's Leiche wurde um 411 Uhr von der
Wohnung des Verstorbenen nach dem Kapitol
gebracht und in der großen Rotunde aus dem
Katafalk aufgestellt, auf welchem auch die
Särge von Thad. Stevens und Präs. Lincoln
ruhten. Das Gesicht hat die natürliche Farbe
etwas verloren, ist aber sonst ziemlich unver
ändert. Tausende strömten hinzu, um einen
letzten Blick aus den Todten zu werfen. Kurz
vor zwölf Uhr wurde der Sarg in die Seiiats
halle getragen. Die Gallcric'n waren nicht
im Stande, die Zuschauer zu fassen-uiid Viele
mußten umkehren.
Tie Feier im Senate.
-Ter Senat wurde durch ein kurzes Gebet
des Dr. Snndcrlaud eröffnet. Nachdem das
Journal verlesen war, wurde Vertagung bis
zum Dienstag beschlossen.
Die Senatshallc ist in Trauer drapirt; auf
Sumner's Pulte lag ein machtvoller Strauß
von weißen Rosen. Aus dem Flur bemerkte
man die Mitglieder des diplomatischen Corps.
Die Mitglieder des Hanfes traten gegen 41 Uhr
ein und erhielten Sitze zur Rechten der Präsi
dentcnbühne; in der Nähe der Letzteren ah
men die Richter des Oberbundcs-Gerichteö
Platz. Der Präsident und die Mitglieder des
Cabinets traten 10 Minuten später als die
Mitglieder des Repräsentantenhauses ein, ge
folgt von dem Sergeanten-at-Arms und den
Trägern. Der Sarg war mit Blumen
bedeckt, doch unter dem Glasdeckel das
Gesicht zu sehen. Der Trauergottesdienst be
gann um 42 Uhr und wurde von den Kaplä
nen beider Häuser geleitet. Während desselben
wurden Viele der Anwesenden zn Thränen ge
rührt; besonders waren viele Damen sehr er
griffen, aber auch mancher College des Ver
storbenen wischte sich die Thränen aus den
Augen. Sofort nach Beendigung der Feier
wurde der Sarg nach dem Bahnhofe gebracht
und durch einen Spczialzng nach dem Norden
befördert.
Hierauf zogen sich die Mitglieder des Han
fes, die Richter und die Exekutive zurück und
der Senat wurde bis zum nächsten Dienstag
vertagt.
Borbercitnngen zur LciÄcnfcicr
Chartes Sumner's.
Bostozz, 13. März. Auf Ansuchen der
Freunde des Hrn. Sunmer ist beschlossen wor
den, die Leichenfeier am Montag Nachmittag
44 Uhr in der „Doric-Hall" des Capitals ab
zuhalten. Das Comite der Stadt Boston
wird an die Staatsgrenze gehen, um die Lei
che in Empfang zunehme, am Samstag mit
derselben zurückkehren und sie in'ö Capital
bringen, wo sie bis zur Bestattung stehen blei
ben wird. Die Leichenfeier wird kurz und
einfach sein.
Das Comite der städtischen Behörden Bo
ston's hic>t heute Morgen mit einem verei
nigten Comite beider Häuser der Gesetzgebung
eme Confcrcnz, in welcher beschlossen wurde,
die Leiche Sumner's bei ihrer Ankunft in
Boston nach „Faneuil-Hall" zu bringen; letz
tere Halle und die Säle des Capitals werden
in Traner drapirt sein. Am Montag Abend
wird eine Obduktion der Leiche stattfinden.
Bost o n, 13. März. — Der Gouverneur
hat der Staatspolizei befohlen, den Leichnam
Senator Sumner's Morgen Nachmittag in
Empfang zu nehmen und nach dem Capital
zu cskortiren, wo Major Lewis Gaul mit ei
mm Detachcmcnt der „Shaw-Garde" bis zur
Stunde der Bestattung als Leichenwache fuii
gircn wird. Tie näheren Freunde des Ver
storbenen waren zu Ansang entschieden gegen
eine militärische Schaustellung, als dem fried
lichen Sinne des Senators widersprechend, da
aber in der „Doric-Hall" eine Wache noth
wendig war, so hielt man es für passend, far
bige Soldaten, welche zuerst ihre Dienste an
boten, auszuwählen.
Die sterblichen Ueberreste Charles
Sumner's auf dem Wege nach
Boston.
Philadelphia, 13. März. Ein Ex.
tra-Zug mit den sterblichen Uebcrresten Se
nator Sumner's passirte Havre de Grace
heute Abend um 13 Minuten nach 5 Uhr und
Wilmuigton um 33 Minuten nach 6 Uhr. In
> Wilmington hielt der Zug an, um den Mit
gliedern des die Leiche begleitenden Comite's
eine Gelegenheit zu geben, sich zu erfrischen.
Am Bahnhofe hatte sich eine große Menschen
menge versammelt. Ter Zug kam 48 Uhr in
Philadelphia an.
Der Zug bestand im Ganzen aus vier
Waggons. Der Waggon, in welchem der
Sarg war, wurde geöffnet, so daß man den
Letzteren in Augenschein nehmen konnte. Da
jedoch die Zeit der Ankunft des Zuges nicht
bekannt war, so hatte sich keine Menge ver
sammelt, und nur die Eisenbahn-Beamten
waren zugegen. Eine Deputation farbiger
Bürger, welche in Wilmington den Sarg mit
Kränzen schmücken wollte, kam zu spät: die
Blumen wurden deshalb direkt nach Boston
abgeschickt. Die Waggons und die Lokomo
tive waren in Trauer drapirt.
Tie Ankunft in Boston.
New-lork, 14. Jan. Der Sarg,
welcher die Leiche Sumncr's birgt, lag in
einem nnlackirtcn, durch Eisenbänder zusam
mengehaltenen hölzernen Gehäuse. —Ohne
Gepränge und irgend welchen feierlichen
Empfang fand das Uedcrtragcn der Leiche
nach dem New-lorker User statt. Ein Wa
ge der „U. S. Mail-Transfer-Co.", gezo
gen von einem Schimmel, brachte den Sarg
vermittelst der DeSbrosses-Street-Fähre nach
New-'Jork, den kürzesten Weg nach dem
„Fisth Avenue-Hotel" einschlagend. Fünf
zig Polizisten, befehligt von Capt. Leary vom
2K. Bezirk, schritten vor und neben dem Wa
gen einher, während die Delegationen in
fünfzehn Wagen folgten. Neugierige hatten
sich nur wenige eingefunden, und die Polizei
brauchte sich nirgends den Weg zu bahnen
Kur; nach 12 Uhr Nachts langte der
am „Ftsth - Avenue - Hotel" an. Der Sara
wurde sofort von den farbigen Capitols-Po
lizisten nach einem im ersteil Stockwerk gele
genen Parlor getragen und hier nahe der
Wand auf den Boden gesetzt. Die Delega
tionen kamen übercin, sich heute Morgen
ein Viertel vor neun Uhr am Sarge zu ver
sammeln und Punkt neun Uhr nack, dem
„Grand - Central - Depot" abzufahren. Sie
zogen sich hierauf Einer nach dem Anderen
zurück, lim wenige Minuten später im Spei
sesaale ihr Nachtessen einzunehmen,
Wächtern der Leiche wurden zwölf Polizisten
vom 2K. Bezirke commandirl, welche sich je
sechs Mann stundenweise ablösen sollten
„kni „Fisth-Avenue-Hotcl" sand sich auch eine
Delegation des „Alpha-Clubs" von Brook-
Ihn, einer Gesellschaft von Farbigen, und eine
Delegation des Exekutiv - Comite's des
MUnion - League - Clubs" ein und begleiteten
die Leiche nach dem Parlor. Letztere Gesell
schaft wird sich heute Vormittag um S Uhr in
ihrem Clubhause versammeln, um nach dem
„Fifrk Avenue-Hotel" hinüber zu gehen und
sich dem Zuge nach dem Bahnhofe anzuschlie
ßen. Eine Anzahl der Mitglieder wird auch
dem Leichenbegängnisse in Boston beiwohnen.
Als Couriere dcs Zuges fungiren der Scr
gecmt-at-Arms und der Bote des Senats.
New- I ort. 14. März. Die sterbli
chen Uebcrreste Senator Sumner's wurden
heute Morgen vom „Fisth-Avenue-Hotel"
nach dem in der 42. Straße gelegenen
„Grand - Central - Bahnhof" gebracht. Bei
dem Hotel harten sich nur wenige Menschen
eingefunden, da es überhaupt nicht bekannt
geworden war, daß man die Leiche nach dem
Hotel transportirt hatte. Auch am Bahnhof
war die Volksmenge gering. Ter Sarg
wurde sofort in den für denselben bestimmten -
Waggon getragen und der Zug setzte sich bald
nach 10 Uhr langsam in Bewegung.
Hartford, Comi., 14. März. Ter
Sarg, welcher die Leiche Sumncr's nach
Boston bringt, kam heute Nachmittag uni 2
Uhr hier an und machte einen Aufenthalt von
etwa 5 Minuten. Der Sarg wurde, unmit
telbar ehe der Zug ankam, geöffnet; die
Leiche hatte sich durchaus nicht verändert.
Springfield, Mass., 14. März.—
Der Zug nnt der Leiche Sumner's kam heute !
Nachmittag um 5 Minuten nach 3 Uhr hier
au. Bald nach der Ankunft verfammelte sich
um Bahnhofe eine ungeheure Mcnfchcn
menge, einschließlich der hervorragendsten
Bürger der Stadt und des Countys. Bei
der Ankunft des Zuges stellte Oberst Palfrey
vom Stabe des Gouverneurs das Comite
des CongresseS dem Comite der Gesetzgebung
von Mayachnsetts vor. Senator Hayes au
Boston hielt eine kurze Rede, auf welche Se
nator Anthony von Rhode-Island mit eini
gen passenden Worten erwiderte. Der Zug
machte hier einen Aufenthalt von einer halben
Stunde.
W orcester, Mass., 14. März. — Der
Zug mit der Leiche Senator Sumner'S traf
hente Nachmittag um 46 Uhr hier ein und
machte einen Ausenthalt von etwa 10 Minu
ten. Ungefähr 3000 Menschen hatten sich
am Bahnhof! versammelt. Alle Glocken
läuteten- Flaggen wehten halbmast und der
Bahnhos war in Trauer drapirt. Eine De
pntation farbiger Bürger bestieg den Zug
und begleitet die Leiche nach Boston.
Boston, 14. März. Tie Leiche des
Achtb. Charles Snmner ist heute Abend um
7 Uhr hier angekommen. Eine Menschen
menge von 10,030 Köpfen erwartete die An
kunft des Zuges am Bahnhofe. Eine aus
dem Mayor, den Aldermen, Mitgliedern der
Gesetzgebung und der Handelskammer beste
hendes Ecmite empfing die Leiche, welche von
einem Detacheinent des ersten Cavallcric-
Regimcnts und 60 Polizisten nach dem Ka
pitol gebracht wurde, wo sie in der feierlich
drapirtcn „Doric - Halle" bis zum Montag
Nachmittag bleiben wird.
Senator Anthony hielt cine kurze Rede,
welche vom Gouverneur Washburn erwidert
wurde. „Fanenil Hall" hat selten einen so
feierlichen Anblick gewährt als heute. An
derthalb Stunden vor dem Beginn der Feier
lichkeit füllten sich die Gallerie'nnnd Balköne
mtt Damen, und als die Thüren zur Halle
geöffnet wurden, strömten die Menschen hin
ein, bis der letzte Platz gefüllt war. Unter
den Anwesenden waren der Vice-Präsidenl
Wilson und eine große Anzahl hervorragen
der Persönlichkeiten. Die Leichenfeier wird
in der „King's Chapel" gehalten werden.
Vice-Präsident Wilson schreibt über den
Verstorbenen: „Tie Freiheil hat in Charles
Sumiicr einen treuen Kämpfer, das Land
einen wahren Patrioten und reinen Staats
mann, die republikanischen Institutionen in
der ganzen Welt einen aufrichligcn, warmen
Freund verloren. Er hatte gelebt, um Zeuge
der Abschaffung der Sklaverei und des
Triumphs der Union zu sein. Prüfungen,
Täuschungen und Krankheit suchten ihn
heim, aber mir seine vertrauten Freunde
wußten, wie männlich er seine Leiden trug.
Die wohl-begründete Besorgniß, daß er nicht
ferner im Stande sein möchte, der Republik
zu dienen, war mit keiner Todesfurcht gc
paart. Es ist noch kein Jahr verflossen, als
ich ihn einmal besuchte und ihm ricty, der
ihm so nöthigen Ruhe zu Pflegen. Er ant
wortete mir, daß, wenn seine Civilrechts-Bill
durchginge, kein Besucher ihm willkommener
sein würde, als der Tod. Es war ihm
nicht vergönnt, seinen Zweck erreicht zu sehen,
und die Aufgab; wird ein Anderer zu erfüllen
haben."
Auch Charles Francis Adams hat an das
hiesige Comite einen Brief geschrieben, in
welchem er den Verdiensten des Verstorbenen
die labendste Anerkennung zollt.
Ncw Nork, 15. März. farbige Bür
ger werden heute Abend eine Versammlung
halten, um ihrer Trauer über den Tod Char
les Sumner's Ausdruck zu geben. Die far
bigen Bürger von Newark, N. J., haben
Resolutionen in demselben Sinne ange
nommen.
Trauer um Tumner in der Kirche.
'lt - A l5 Mehrere hiesige und
den den Tod Sumner's als ein Un iiick für das Land.
traurigc Ercigniß ,uin Hauptgegenstmrd
In allen Kirchen Reu - England S haben die Prediger
dem Verstorbenen ehrende Rachruse gewidmet. Seil dem
Tode des Präsidenten Lincoln ist die Mäste teS Bolls
durch icinen Todessall i solchem Grade bewegt worden
Vollsmeepc umgeben und wenigstens 50,0 ö Menschen
waren im Lause des Tages in Doric Halle um cine
btztin Blick aus den Sarg zu Wersen. Die Leiche war so
Senator Sumner's Testament.
tclbar ehe er nach Europa ging, eigenhändig sein Teiia
ment. Er vermach! alle icme Manuscrirtc und Bries.
Eopir - Bücher den HH. Henry W. Longfellow, Fran
cis E Balch und Edward L. Piercc als Euratoreu: alle
seine Bücher und Autographen der Bibliothek des Har
vard-College; seine Bronze-Statüen seinen langjähri
gn Freunden Henry W. Longfellow und Dr Samuel
G Howe. Das Kunst-Museum der Stadt Boston er
hall seme Gemälde und Kupferstiche, ausgenommen das
! Freunde Hrn. Joshua B. Smith aus Bostouvermacht
Frau Hannah Richmond Jacobs, die einzige noch le
bende Schwester seiner Muller. erhält einen lahrcsge
halt von tsou Er vermacht Legate von je tAIVV den
Töchtern des Hrn. Henry W. Longsellow, den Töchtern
Dr. Samuel G Howes' und den Töchtern d,s Hin I.
F. Turne aus Philadelphia, welche, lagt er: „-ch bitte,
dieselbe als ein Zeichen der Tanlbartcil anzunehmen für
die Freundschaft, welche mir ihre Eltern erwie en haben.
Das Testament verfügt, daß der Reit seines Vermögens
in zwei gleich-Theile getheilt werde. Tie eine Halste
belomml seine in San Franzisco, Cal., wohnende
Schwester, Frau Julia Hastiugs, die andere gebt an den
Presidenten und du übrigen Direktoren des Harvard
barlcit gemacht worden. Daß ich gerade
b-rüllsichtige, in die Folge des Umstände. d ich mein
ganzes Leben lang viele Bücher beim hab und. da ich
selbst wenige dengc, aus öjsenlliche Bidliothelcn und die
lkwgcn "stiner Freunds angewiesen war, so daß ich
wurde. Hr Kraiicis E.'Boich und'Bostom ftsth"
sclreiär lc§ omite's des Auswärtigen im Senate, als
Hr Suinner Vorsthender dieses Comile's war. wird
zum alleinig,,, Tcstamcnts.Vdllstrclrer bestimmt, Hrn.
Ter Temperenz-Kreuzz,g.
Das lebet in Pennsqlvanien und Indiana.
Harrisburg, Penns., 12.März.—Das
Interesse an der Temperenz-Bewegung ist im
Zunehmen begriffen. Der Besuch der Damen
bei den Geistlichen hatte zur Folge, daß die
meisten der Letzteren bei der heute Abend ab
gehaltenen Versammlung zugegen waren.
Dankgcbete über den Erfolg der Damen stie
gen zum Himmel. Die täglichen Versamm-
Hingen werden fortgesetzt.
Harriöbur g, 13. März. Das In
teresse an der Tenipercnz-Bewegung nimmt
hier beständig zu. Das Damen-Comite, wel
ches den Geistlichen und Redakteuren einen
Besuch machte, um sich die Mitwirkung der
selben zu sichern, statteten über seinen Erfolg
in der heute Nachmittag abgehaltenen Ver
sammlung einen günstigen Bericht ab. Mor
gen wird in Dr. Robinson's Kirche eine Ver
sammlung gehalten werden, um dem Unter
nehmen eine bestimmtere Forni zu geben. Es
werden Comite' von Damen jeder Kirche er
nannt werden, um in ihren resp. Bezirken
Unterzeichner für den Pakt zu werben, und
Hauseigenthümer zu veranlassen, ihre Häuser
nicht weiter an Wirthe zu vermiethen.
Will lamsport, Penns., 13. März. --
Die Wciber-Temperenz-Bewegung, welche
hier am 23. v. Mls. begann, ~t in vollem
Gange. Es sind 1100 Weiber an der Arbeit.
Drei ungeheure Massenversammlungen sind
gehalten worden und die Besuche in Hotels
und Wirthschaften nehmen kein Ende. Tic
ganze Stadt ist Bewegung. Trinker unter
zeichnen den Pakt, und die Wirthe kommen
den Frauenzimmern säst in allcnFällen fteund
tlch entgegen.
Jesfersonville, Ind., 13. März.—
Hier kamen die betenden Weiber auch vor den
Salon von John Little an Spring-Str., wo
Frau Little bereits kampsgerüstet dastand und
sosorl die Anführerin der Heulerbande mit
einem Faustschlag zu Boden schmetterte und
dazu eine eindringliche Rede hielt, in welcher
sie die Weiber ermahnte, nach Hans- zu gehen
und sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu
bekümmern. Die Weiber beteten vor diesem
Salon zwei volle Stunden und wurden erst
durch zwei volle Eimer Waffer, die aus dem
2. Stockwerke heratströmten, zum Rück:na
veranlaßt.
Lafayette, Ind., 12. März. Die
Tempcrenzaufregung dauert fort. DieCounti,-
Commissäre verweigerten heule sechs Apptt
kanten die erwünschten Conzessionen. Eine
Petition an den Congrcß cirkulirt hier, den
AmlSeid, welchen die Bundes-Beamten zu
leisten haben, so zu amendiren, daß sich die
selben gleichzeitig verpflichten, während ihres
Termins keine geistigen Gelränke zu trinken.
Paterson, N.-J., 13. März. Die hie
sigen Temperenzler halten Versammlungen
und bereiten einen Angriff ans die Wirthschaf
ten vor.
- pbi a, 13. März. - In der
i.j. hat stch ein deutscher Verein gegen
die Temperenzler gebildet. Nächste Woche
soll eineMassenversammlung stattfinden. Auch
wwd der Widerruf des SonntagsgcfetzeS agj-
Cincinnati, 13. März. Eine Jr
länderin, die in der Nähe von Millord, Clcr
mont-County, Ohio, einen Salon hält, wurde
dieser Tage von den Bctweibern heimgesucht
Die resolute Jrländerin wies ihnen di<> Thür
worauf sie sich vor die Thüre postirten und
ihren Singsang begannen. Jetzt wurde aber
die Jrländerin wüthend und rief ihnen im
entschiedensten Lorkdialekt diese Worte zu
„lhr miscrabclen Geschöpfe. Ihr wollt mich
beleidigen, indem Ihr mir Eure Religion auf
dringt, die nicht meine Religion ist. Wie wür
det Ihr es lieben, wenn wir Katholiken vor
Euren Thüren singen und Niesse lesen woll
ten ?"
j —ln Springfield führte der Weiberkrieg
am Samstag zu einer Prügelei, die eine Zeit
lang sehr blutrg zu werden drohte. "Ein
Reisender für ein Liquorqeschäft in Dayton
wurde verhaftet und um §25 nebst Kosten be.
straft, weil er sich dem Polizisten widersetzt
hatte. In der 'Nähe des Städtchens Sinkiim
, Springs, nicht weit von Hlllsboro', versuch
ten die übergeschnappten Weiber einen Wagen
abzufangen, der Troguen und L'quöre für
Tnnri'S Apotheke enthielt. Eine Betladn
wurde durch die Deichsel des Wagens über
den Haufen geworfen und Dunn nun mit
schrecklicher Rache bedroht. Ein verrückter
Tcmperenzpastor hielt eine Rede und sprach
den Wunsch aus, „Gott möge Dunn vor dem
nächsten Morgm zu Boden schmettern und ihn
untersten Hölle senden." (Sehr christ
.. ungeheurer Jubel, unbän
dlgcr Enthußasmlis und Glockengeläute,
den Wirth, Namens JenkinS, erge-
- Sunbury, Delaware-Connty, kauf
tm die Weiber den letzten Salon aus und
ließen die Getränke in die Gosse laufen. Jede
A dem Fäßlcin einen Fußtritt,
zz März. Eine Anzahl
methodistischer Frauenzimmer haben gestern
mir einem Temperenz-Heulzug
den Anfang gemacht, bis jetzt aber nichts er
zielt, als recht niilicbensmürdige Bemerkun
dcn Wirthe und des trinkenden
Publikums. Manche von Jenen erboten sich,
ihre Lokale zu verkaufen, und nannten sehr
anständige Preise, die, wenn erlangt, ihnen
ein sorgenfreies Leben mit oder ohne Tempe
renz gewährleisten würden.
Ciiiciiliiatj. >3. März.Erzbischos
Purecll änßerte sich folgendermaßen: „Die
Vorschrift Gottes heißt: Trinke, aber mäßig,
und kannst Du nichtßmit Mäßigkeit trinken,
dann trinke gar nicht. Vor einigen Jahren
ersuchten drei oder vier protestantischePrediger
den Erzbischos um seine Mitwirkung in der
Anterdrückilng der Schnappökncipeii. Er gab
thuen zur Antwort, er würde, wenn es sich
darum handelte, striktes Verbot, oder Lizen
siriing einzuführen, sich dafür aussprechen,
jenen Verkäufern möglichst hohe Lizenzgebüh
ren aufzulegen, und ohne Gnade alle Buden
zu schließen, wo schlechterStosf an Minorenne,
Drunkeiibolde, männliche oder weibliche, die
eine Pest der Gesellschaft, eine Bürde der Fa
milie, und die besten Anwälte des Teusels
sind, verkauft wird. Das halte er für das
beste Mittel zur Abwehr des beklagenswerthen
Uebels. Dadurch würden vielleicht die 3000
-'--pii-aLula eliUz" in unserer Stadt NM 2000
verringert wcriKn, diese Krater der Hölle, die
unserer Stadt mit ewigem Verderben drohen,
und der Stadtverwaltung würden dadurch
zum großen Theil, wenn nicht vollständig die
fär öS Arbeitshaus und andere
städtischen Anstalten gedeckt werden, für die
jetzt anständige und nüchterne Bürger sgemci
ner Weise zu zahlen gezwungen sind."
New-Äjork, 13. März. In ganz
Brooklyn wird heute für die Sache der Tem
peren; gefastet und gebetet. In einer Ver
sammlung, welche gestern Abend in der am
Hanson-Platze gelegenen Methodisten-Kirche
abgehalten wurde, trat Dio Lewis als Redner
aus und erwarb sich durch seine Leistung don
nernden Beifall. Er rief die Männer ans,
welche an christlicheFrauen und das begonnene
Werk glaubten, und Hunderte meldeten sich.
Er rief die Frauen aus, welche glaubten, daß
Umnäßigkeit ein Fluch sei, und welche bereit
wären, zu Helsen, das Land von dem Fluch zu
befreien, abermals traten Alle vor. Er rief
endlich alle Männer und Frauen an, welche
bereit wären, mit vereinten Kräften das Werk
zu fördern, und die ganze Stenge erhob sich
und heulte und schrie, daß die Wände zitter
ten.
Ci nclnnati, Ohio, 13. März.—L. D.
Campbell von Builer-Co. brachte heute m der
Constiturioils-Conventioii folgendeVorschläge
ein, über die das Volk gesondert abstimmen
soll:
1. Berauschende Getränke sollen in diesem
Staate weder sabrizirt noch verkauft werden.
2. Berauschende Getränke können in dem
Staatejblcs inOuantitäten von nicht weniger
als einer Gallone aus eine Licenz sabrizirt
und verkauft werden, die in solcher Manier
und unter solchen Bedingungen gewährt wer
den darf, welche die General-Asiembly durch
Gesetz verordnet.
3. Berauschende Getränke können im Staat
in Quantitäten von weniger als einer Gal
lone auf Licciiscn verkauft werden, ine in sol
cher Manier und unter solchen Bedingungen
zu bewilligen sind,welche dieGeneral-Assembly
durch Gesetz verordnen mag.
Der Borschlag, der die größte Anzahl aller
gegebenen Stimmen erhält, soll zu einem
Theil der Constitution erhoben werden. Soll
ten alle drei Vorschläge eine Majorität der
Stimmen erhalten, dann soll derjenige, der
die größte Zahl der gutheißenden Stimmen
erhält, einen Theil der Constitution bilden.
Der Vorschlag wurde einmal gelesen und
zum Druck beordert.
Cleve land, Ohio, 14. März. Die
Tempcrenz-Beweguiig in hiesiger Stadt hat
gestern Morgen eine bestimmtere Gestalt ange
nommen. Die Damen hielten Versammlun
gen in einer der Hanptkirchen, beteten und
sangen, machten sich dann zu Paaren auf den
Weg, um an das Bekehrungswerk zu gehen,
und waren glücklich genug, für ihren Verlrag
zahlreiche Unterschriften zu finden. Der An
ariff auf die Wirthschaften wird in der näch
sten Woche erfolgen. In den benachbarten
Ortschaften seyen die Damen mit Eifer das
begonnene Werk fort.
Coluinbus, Ohio, 14. März.- Heute
durchzogen 156 Damen in langer Reihe die
Stadt und machten die Notnndc des Kapitals
zum Ziel ihrer Prozession. Die Gesetzgebung
war nichr versammelt. Mehrere Colonial
waaren-Händler haben den Verkauf von Spi
rituosen eingestellt.
Evansville, Ind., 14. März.— Etwa
50 Damen hielten heute in der an der Wall
nntstraße gelegenen Kirche eine Berathung
und beschlossen, am nächsten Dienstag eine
Tempcrenz-Massen-Versammlmig zu halten.
Die Anwesenden drückten sich im Allgemeinen
zu Gunsten des Prohibitiv-Gcsetzes, aber ge
gen die Belagerung der Wirthschaften aus.
Jcfsersonvillc, Ind., 14. März.
Fünfzig Weiber, von einer großen Menschen
menge begleitet, waren heute Nachmittag zu
Gange; die Wogen der Aufregung gehen in
deß nicht mehr so hoch. Es wurden zahlreiche
Wirthschaften besucht, ohne daß ein einziger
Sünder bekehrt wurde. Die Wirthe werden
sich wahrscheinlich mit demGesuch.dießlockade
der Trottoirs zu verhindern, an die Polizei
wenden.
New -I 0 rk, 14. März. —Die deutschen
Wirthe der lO.Ward schließen gegen die Tem-
Perenz-Bewegung ein Schutz- und Trutz
bllndniß.
Mnöt würö-n^'/
Äsche sich nicht so zahlreich eingefunden hatten" aw
in früheren Fallen.
Cinci nnati, lö. März.—ln Hamilton und Za
neSvillc wurden gestern Abend Anti - Temperenz-
CttÄnnar/habc' Prediger in
zessionen zum Spirituosen-Vcrkausc, bis seht 17 im
Ganzen. DieWirthc sind äußerst erbittert und schwö
ren, sich bei der nächsten Wahl zu rächen.
Tages-Neuigkciten
! Im Staatsschatze von P e nns yl vanieit
' ist im Bergleiche zu der Einnahme, welche auf
Z k Mill. Dollars beziffert war, ein Dcffizit
von §1,303,000 für das lausende Rechnungs
' jähr vorhanden. Zur Deckung desselben will
man des Weitern Eisenbahn-Aktien, Kohlen
° und Schiffe besteuern.
Gouverneur Kemper von Virginicn hat das
' Geietz, welches der Stadt Petersburg
' einen neuen Freibrief verleiht, um dort die
> republikanischen Stadtbeamten los zu werden,
als uiiconstttutionell mit seinen. Veto belegt.
Der hiesigen „American" ist darüber ganz
entzückt, vergißt aber, daß einstmals die Re
- publikaner unter ähnlichen Umständen sich in
l Baltimore des Mayors Brown und der de
- mokratischcn Polizei entledigten.
Der luftige farbige Consut der Verei
nigten Staaten in Stuttgart,
Semmcs von Florida, ist suspendirt und
vorläufig versieht der Consul in Karlsruhe,
Joung, seine Geschäfte. lonng erscheint zwei
mal wöchentlich in Stuttgart, beglaubigt
Unterschriften, nimmt Eide ab :c. Semmes,
der Suspendirte, kann die Miethe und andere
Rechnungen nicht zahlen, und Joung, der
zweimal wöchentlich das Lokal 'benutzt und
Geld einnimmt, will sie nicht zahlen, so daß
es zu Klagen vor Gericht kommen wird.
Ein Diamant im Werthe von 50-,
000 ist gegenwärtig in New-lork zur schau
ausgestellt. Derselbe stammt aus Süd-Afrika,
geHort einem Herrn in Philadelphia und wog
ursprünglich 80 Karat. Er besaß eine acht
eckige Form und wurde von Isaak Hermann
so künstlich geschliffen, daß er jetzt K 4 Facetten
zeigt, durch deren jede die übrigen Facetten
sichtbar sind. Zu dieser Arbeit waren fünf
Monate erforderlich gewesen.
Durch die Blätter lief vor einiger Zeit eine
Erzählung, Äriegsftkretär Bcllnap habe
seiner Gattin einen kostbaren Diamanten
schmuck im Werthe von §lO,OOO geschentl.
In einem Briefe an den Richter Wilson in
lowa stellt Hr. Belkuap jetzt die ganze Ge
schichte als eine Erfindung hin, indem er sagt,
er sei nicht im Stande, auch nur den 20. Theil
der genannten Summe für Diamanten aus
zugeben. Die Erzählung klang gleich nicht
lehr Ein Beamter, der eine solche
summe bei Seite „gemacht" hatte denn
das war doch der sinn des Mothus wäre
auch sehr dumm, wenn er seine Sünden von
seiner Gattin ans diese Weise öffentlich zur
Schau stellen ließe.
Die Spanier haben den „Arapiles." wel
cher abermals der Reparatur bedarf, diesmal
von Havanna nach Martinique geschickt, um
ihn dort reparirt zu lassen.
Der „Strike" der Saffian-Leder - Arbeiter
in Ly n ii, Mass., dauert fort. Die Arbeit
geber wollen Niemanden beschäftigen, der ir
gend welchen Beitrag liefert, um die Ausste
henden zu unterstützen, und Letztere sind ent
schlossen, von ihrer Forderung nicht abzulas
>ett- Die Sache ist für Lyme von großer !
Wichtigkeit, da im vorigen Jahre in diesem >
Geschäft >2,500,000 umgesetzt wurden.
In Vernon, Eonn., ist Ch. Sharps, der '
Grfinder der berühmten Sharpe-Büchse, am Z
Btulsturz eines plötzlichen Todes gestorben. <
Er erreichte ein Alter von K 3 Jahren. c
Der „N orddentsche Llo >id" hat be- i
schlössen, seine westindische Linie eingehen zu i
lassen, trotzdem die Fahrt im letzten Jahre
30,000 Mark mehr einbrachte, als im Jahre t
1872. Die Kohlenpreise sind ncmlich beben- >
lend gestiegen, so daß die Linie im letzten Jahre r
allein 400,000 Mark mehr, als in früheren k
Jahren, kostete. Auch hat sie durch die „Pa- r
cific-Bahn" viel Fracht verloren.
In New- Ao r k betrachtet man die Er- Z
wählung des Hugh Gardner zum Polizei- L
Präsidenten als einen Sieg der Murphy-Re- Z
publikaner. d
Di efrauzö fische Deputation,
welche Hrn. Thiers Namens der Ncw-lorkcr l a
Älu ;'! der Hochachtung ein
Albuin überreiche hat,ist wieder zurückgekehrt.
Theers hat zu dieser Deputation die Worte
gesprochen: Franzosen in mehreren an
deren von den großen amerikanischen Städten
haben schon früher die Freundlichkeit gehabt,
mir Zeichen ihrer Achtung zu senden, und es
hat mich Das lief gerührt." In Bezug auf
Erreich jagte Thiers: „Wir müssen jctz
fortsetzen, — cni
V>err, das blos momentan unterbrochen wor
den ist und an dessen Erfolg wir nicht ver-
zweifeln dürfen. Die Parteien werden zuletzt
erkennen müssen, daß sie machtlos sind, und
werden es Frankreich überlassen müssen, sich
zu realeren wie ihm gefällt. Bereits hat
Frankreich AncrkennenSwerthcs geleistet. Es
muß dabei beharren und darf sich, belehrt
durch das Beispiel des schönen Landes, in
dem jetzt wohnen, nicht der Träumerei
hingeben, seine Ziele durch andere als die ge
eigneten Mittel erreichen zu können, weil sich
durch Gewaltmittel und llcberstürzung nichts
Dauerndes erreichen läßt. Das edle Beispiel
Washington's sollte unser Borbild sein."
Die Studenten der Medizin im
„Long-Jsland-Hospital" zu New?>ork sind
wegen Mangels an menschlichen Cadavern,
die sie bisher aus derMorguc in New Port
echielreii, sehr an ihren Studien gehindert.
Das anitätsraih von New-Ljork hat näiii
lich die fernere Ablieferung menschlicher Leich
name an Institute außerhalb des Eounty von
Ncw-Nork dem Morguc-Jnspcktor ausörück.
lich untersagt, und die hundert Studenten
lencs College können sich nicht entschließen,
die menschliche Anatomie an Schweinen oder
Ochsen zu studiren. Tic Professoren sind
durch ihren Anwalt bei Richter Pratt um
einen MandamnS eingekommen, dieEoroiicrs
sollten ihnen die nicht rcklamirten Leichname
wieder ausliesern. Die Verhandlung findet
demnächst statt.
Wiederholt verlautet, daßßancroft in
Dr. I. P. Thompson einen Nachfolger als
Vertreter in Berlin erhalten soll.
des Per. St.-Scnats hat
Hrn. Stewart von Nevada als Nachfolger
Boutwell'S im Borsitze des Distrikts - Unter
suchungs-Comite ernannt.
In Washington ist der Achtb. Nathan
sargent, früher Zollamts . Commissär und
zur Zeit Präsident der „Knaben Reform-
Schule," schwer erkrankt.
Es hieß Anfangs, daß kein Geistlicher zu
gegen war, als Snmner starb. Es wird
iinnmehr mitgetheilt, daß derSenats-Caplan
Äunderland in einem Nebenzimmer sür den
Sterbenden betete, da des Letzteren Zustand
den Zutritt zur Kammer nicht erlaubte. Ue
brigens war Sumncr kein regelmäßiger Kir
chenbesuchcr, obgleich er zu H'äuOgem dasGot
teshaus besuchte, besonders wenn dort hervor
ragende Unitarier predigten.
Man glaubt, daß schon am Freitage im
Unterhause des Congresscs ein Gesetz zur Za
hlung der rückständigen Salaire derSchnllehrer
imDl strikte Columbiapassirenwird. Ein
oahin zielender Gesetzentwurf des Vorsitzers
Eolton liegt bereits vor.
Eine sonderbare Blutgeschichtc
(bereits in dcrKnrzc telegraphisch mitgetheilt,)
wird von Macon, Geo., gemeldet. Gco. T.
Abell und Joh. S. Chcrry kamen in einer
schenke zusammen, als plötzlich ohne alle
Provokation der Erstere den Letzteren zu Bo
den schlug und ihm eine Rkvolvcrladung in
den Unterleib jagte. Hieraus scucrtc Abell
auf den gleichfalls anwesenden Dr. C. W.
Johnson, den er jedoch verfehlt . Zulcüt schoß
Abell aus sich selbst an und siel,' mit einer
Kugel in der Bruit, zu Boden. Cherrh und
Abell waren lurz nachher Leichen. Man
konnte sich Anfangs die That nicht erklären,
hat aber seitdem ausgesunden, daß in Folge
von Arbeitslosigkeit und Noth Abell Selbst
mord beschlossen hatte. Kur; vor seinem Tode
gericth er in den Besitz eines alten Exemplars
von Bunyan's „Pilgerreise" und wurde, als
er die schrecklich-! Schilderung der Reise durch
das Thal der Todten laö, so ergriffen, daß
er erklärte, die Reise nicht allein machen zu
wollen. Sherry und Johnson waren Beide
Freunde Abell'sund man nimmt nunmehr
an, daß er in geisteszcrrültctcmZustande, vcr
anlaßt durch das Lesen der „Pilgerreise," sich
die Gesellschaft der Genannten auf seiner
Reise in die andere Welt sichern wollte.
In Cincinnati stimmen alle Aerzte
dem Doktor Mussay bei, daß die dem dorti
gen Stadtrathe vorliegende Verordnung zur
Ausrottung des „sozialen Uebels" eine Thor
heit sei. Es sei ein Hohn ans die Civilisation,
nur davon zu sprechen.
In Utah steht es einem zum Tode verur
theilten Verbrecher frei, sich entweder erschie
Ben oder hängen zu lassen.
InMinnesota ist ein Gc'ev in Vor
schlag gebracht worden, welches den Maxi
mal-ZinSsiiß auf 12 Prozent festsetzt.
Während der „National-Rcpnblican" die
Niederlage der Republikaner in
New-Hampshire dem Eongreßgliede Dawes
in die Schuhe schiebt, sagt das „Journal:"
„D,e Niederlage der republikanischen Partei
in der Wahl in New-Hampshire hat diesclbe
ihrer Union mit den Prohibitionistcn zu ver
danken. Tic Republikaner waren gegen die
Abänderung desgegenwärtigenVcrbötgcietzes,
während die Demokraten eine Licenz-Planke
in ihrer Plattform hatten. Wenn die Repub
likaner mit den Temperenzlern gemeinschaft
liche Sache machen, werden sie wohl in den
meisten Staaten den Demokraten zum Siege
verHelsen."
Eine richterliche Entscheidung
ge gen di ebe ten de n Weiber ist soeben
erfolgt. Im Falle einesSpintiuosenhäiidlcrs,
Namens Morrow, in Warren-Eonnty.Thio,
welcher im Gerichte um eine Jnjunktion gegen
das Beten und Singen der Weiber vor leuier
Schenke nachsuchte, entschied Richter Smith,
daß nicht bloß ein Prozeß um Schadenersatz
anhängig gemacht werden könnte, sondern daß
auch ein Civilgericht sich verpflichtet sehen
würde, einen solchen Eingriff in die Rechte
Anderer zu verhindern. Morrow jedoch er
hielt keine Jnjunktion, weil er die betenden
und singenden Erpeditionen nicht aufgefordert
hatte, seinen Grund und Boden zu verlassen
und weil er sich nicht über persönliche Belästi
gung oder Schädigung seines Geschäftes be-
Ichwert hatte.
„Gretna Green" sür h e ira t h Slu st iq e
Knaben und Mädchen ist Pro vi
den ce in Rhode-Island, da die
Hklrathsgesetze dieses Staates keinerlei Be
stimmungen über das legale Alter des Braut-
Paares enthalten. Obwohl die in Providence
an Hymens Altar tretenden Bräute dem
staats-Registrirungsberichte zufolge in nur
seltenenFällen "srveet sixieen" erreicht haben,
befinden sich unter den Bräutigam's häufig
sehr ~alte Knaben," von denen nach dem dies,
kährigen Ehestands-Rcgisier der älteste ein
76-iahriger Jüngling ist. der sich eine 12-jäh
r,ge Jungfrau zur Gattin erkor.
Der „National-Rcpublican" in Washing
ton schreibt den Reden des Congrcßgliedes
Dawes von Massachusetts, in welchen er
am Vorabende der Wahl die republikanische
Partei „verunglimpfte," die Niederlage
in New - Hampshire zu. DaweS sei ein
Verräthcr und incom Petent, noch länger als
einer der Leiter der republikanischen Partei zu
fungiren.
In New - Havcn, Conn., wurde in der
Freitags Nacht Adams' Expreß Büreau durch
Austpeeiigcn der Spinde um § 15,000 in
Werthpapieren beraubt. Es befanden sich in
deß darunter nur SI2OO Baargcld.
JnWoodbridge, Canada, wurde Sam
stag früh die Geldspinde in den„Woodbrioqe-
Ackerbaugeräthschaften- und Maschinen-Wer
ken" aufgesprengt und daraus Werthpapiere
zum Betrage von §lOO,OOO gestohlen. Da
rauf setzten die Diebe das Gebäude in Brand
und dasselbe wurde beinahe ganz eingeäschert.
Der Verlust au Vorräthen und am Gebäude
erreicht SWO, OOO. Ueber 100 Menschen und
dadurch arbeitslos geworden. Man fahnden
aus die Thäter und, werden sie ergriffen, sc
' durste es ihnen bei der Ausregung des Volkes
schlimm crgelsen.
In PhiladelpHia hat man sich dahin
verständigt, das kostspielige Bankerott-Ver
fahren gegen den „Franklin-Savings-Fuud"
einzustellen und die auf Hsis,cX) geschabten
Aktiva unter die Crcditoren zu vertheilen.
Die Letztern kommen damit um 8344,(>t)0, den
Umfang des Defizits, zu kurz.
Jacks b oro', Texas, wird ein gro
Her der Grcnzindianer unter „Lone
Wolf" befürchtet.
In Port land, Oregon, fand eine Ver
sammlung start, um den Congreß zu ersuchen,
die „Portland-Dallas-Salt-Lake-Bahn-"Bill
Vahn sei von der grössten
Wichtigkeit, damit die bisherige Jsolirunq
eines großen Theiles des nordwestlichen Ge
bietes aufhöre.
Die Weiber Woodhull und Claflin
wurden Samstag in New-York aus die An
klage, in ihrem notorischen Blatte eine In-
Mrie auf Luther Challis publizirt zuhaben,
prozcssirt und wider alle Erwartung freige
sprochen. Richter Sutherland bezeichnete das
Verdikt als eines der empörendsten, vou wel
chen er jemals gehört habe. Tie Freigespro
chenen verließen „mit Thränen in den Äugen"
und unter Hochrufen ihres Anhanges den Ge
richtSsaal, wuAren aber gleich nachher au? eine
Civilklage Challis' hin wieder verhaftet uns
zur Erneuerung ihrer Caution angehallen.
Die in den „Bronze-Werken" zu Phila
delphia gegossene und für die „Soldaten-
Hcimath" in Washington bestimmte Statue
de? Gen. Scott ist fertig und wird nächstens
nach ihrem Bestimmungsorte abgehen. '
Beide Häuser der Gesetzgebung von M j s.
souri haben ehrende Beschlüsse für Snm
ner, Minore und Wigfall passirt.
In New Orleans fand ein Billard-
Wettspiel zwischen A. P. Rudolphe und Geo.
F. Slosson statt. Rudolphe gewann mitzog
gegen 227 Pointen. Rudolphe erbietet sich
ein Carambolespiel von 4<x>, 500 und 6W
Pointen mit einem Einsätze von
mir "-nv tioüs" zu entriren.
Nahe Lynch bnrg, Va., wurde der ans
dem Zuchthause entflohene Andreas Gnun
ergriffen. aber erst nach zwei ,'chlim- !
mcn Schüssen rn's Gesicht und in die Brust !
konnte man des Burschen, der sich verzweifelt
wehrte, habhast werden. >
weigerte sich loh. R. !
McLean vom „Enguircr," den Namen de
Einsenders eine Artikels in den, gegen R.
T. 'vconden, Wasser-Ingen,eur, stattfinden
den liisurien-Prozesse zu nennen und wurde
vegen Mipachtmig des Tribunals arretirt.
aber auf Parole wieder entlassen. MeSeau
erklärte, daß das Blatt sich fitr alle darin er
scheinenden Artikel verantwortlich halte, den
Namen eines „Einsenders" aber nie- und
nimmermehr auf dem Zwangsweise enthüllen
werde.
Der Ausstand der „Erlspi nc" in New
Nork ist Hu Ende. Man brachte einen Ver
gleich ;n Stande, dahin lautend, dass dicLeute
in Zukunft bci'm Stücke, anstatt bei m Tage
arbeiten. Tie Werkstätten haben die Anzahl
Zuschneider erheblich verringert. Die
! betrachten den Vergleich aIS einen
Sieg der Arbeiter und erklären, daß sie nie
mals wieder über acht Stunden pro Tag ar
beiten würden. Alle Werkstätten sind vollauf
! beschäftigt.
Der Ex - Scheriff Brennan von Ncw
! /)ork, welcher den Munizipaldieb Genet ent
? Ichlüpfen ließ, ist schwer erkrankt.
Georg Strö hle i n, ein in Williams
bnrg, N. 1., wohlbekannter Musiker, starb
> nach langerein beiden am Mittwoch Abend.
„ZU" "Ii ah, Georgia, macht die
, ..^chuvcn-Gesellschaft" gute Fortschritte, hat
! einen tpark erstanden und eine Schießhalle und
andere Gcbänlichkeiten errichtet. Zur Natio
nalseicr gedenkt die Gesellschaft eine Depnta
non nach Baltimore zu schicken.
Hr. Anthony I. Comstock, der Agent der
s „Nonug Mens' Christian Association" in
New - Aork, der sich durch sein Austreten
gegen die Versender objeöner Schriften durch
die Post bekannt gemacht hat und letzthin aus
Antrag des Dr. James Bryan in einer Civil
. klage wegen widerrechtlicher Freiheitsbcrau
' verhaftet wurde, hatte abermals das
> gleiche Schicksal und zwar auf eine gleiche
i Klage hin, die diesmal von Wm. I. Crcm
! war. Er mußte H5OO Bürg
schaft sur fein Erscheinen vor Gericht stellen.
Wir theilten unlängst mit, daß ein am c
! s'. st' Icher Bürgcr in Bayern zum Mi
l litardienstc angehalten wurde. Es liegen
darüber aus Bridgeport, Conu., folgende
i t-inzelnheitell vor: „Johann Bochmann, ein
s sr- ?,?. bou Bridgeport, Conn., welcher am
! o- car; 1371 ualuralisirt und am 1. April
! von der „Snperior-Court" dieses Staa
tes für stimmberechtigt erklärt wurde, reif'te
> ''v verflossenen Herbste zum Besuch nach sei
! nein Heiinathslande Bayern. Nach dreiwö-
chentlichcm Aufenthalte wurde derselbe, weil
er zur Zeit der Militär-Aushebung nicht an
wesend gewesen, verhaftet und länger als ei
i neu Monat im Gesängnisse gehalten, bis er
endlich in ein bayerisches Jnfanterie-Regi
ment eingereiht wurde. Er thut unfreiwilli
gen Militärdienst in der Festung Ingolstadt
und hat nach hier geschrieben, um Beweise
dafür zu erhalten, daß er Bürger der Ver.
floaten sei. Bochmann hat zwar seine Na
turalijations Papiere bei sich, aber die dorti
gen Behörden bezweifeln deren Acchtheit und
weigern sich, ihn als Ver. Staaten-Bürger
i anzuerkennen."
! Der Mulatte Pinchback ist auf's Neue
! von Ncw-Orlcans nach Washington untcr
i wegs, um seine Aufnahme in den Ver. Staa
! tcn-Scnat durchzusetzen.
Bildung einer Colonic aus
j sol daten im letzten Kricge werden
jetzt von einigen Logen der „Großen Armee
> der Republik" Anstrengungen gemacht, und
i zwar sollen die Niederlassungen entlang oer
! „Atchison.-, Topcla und Santa Fe - Eiscn
j bahn" gegrüiidel werden.
Von Clarksville, Ark., wird eine Hin
richtung gemeldet. <Mdney Wallace wurde
dort am Freitage gehängt. Er war erst 22
Jahre alt, halte aber bereits mehrere Morde
auf seinem Gewissen. Im Jahre 1871 ver
> suchte er Joseph Dukcy auf der Landstraße zu
i ermorden, als derselbe mit Dudley Turner
-nach Clarksville fuhr. Er wurde verhastet
i und des Angriffs mit der Absicht zu lödteu
! angeklagt. Es gelaug ihm jedoch, seine Ket
ten abzustreifen, aus einem Fenster der zweiten
Etage zu springen und zu entkommen. Im
Mär; 1873 versuchte er dann in Gemeinschaft
mit seinem Bruder George, Turner zu todten,
doch dieser erschoß dabei George und Sidncy
suchte sein Heil in der Flucht. Turner wurde
verhaftet, Hoch vom Richter Mears entlassen,
weil er in Selbstverthcidigung gehandelt hatte.
An demselben Tage wurde'ein alter Mann,
Namens Davis, der in feinem Zimmer saß,
durch das Fenster erschossen und man glaubt,
daß Tidney der Mörder ist. Er wurde später
verhaftet, aber kurz vor dem Zusammentritt
des Bezirksgerichts gelang es ihm wieder, zu
entkommen. Am 2v. August kam er wieder
nach Clarksville, trat in den Hof des Gerichts
gebäudcs und erschoß den Constabler Robert
Ward und eine Woche später den Richter
Mears, wahrscheinlich, weil derselbe Turner,
der George Wallace erschoß, freigelassen hatte.
Nach einigen Wochen wurde er cingeiangeu,
bald darauf prozessier, schuldig befunden und
zum Tode verurtheilt. Er schlief die letzte
Nachtsehr gut, aß am Morgen ein reich
liches Frühstück, ließ sich dann einen Barbier
kommen und rasircn, während er gleichmüthig
eine Cigarre rauchte. Um 10 Uhr zog er sich
UIN und bemerkte dabei, daß er vor der ver
sammelten Menge doch in anständiger Klei
dung erscheinen müsse. Dann sagte er dem
scheriff, daß er fertig sei und trat den Weg
zum Galgen an. Zwei Geistliche beteten für
ihn, er selbst erklärte, daß er Nichts zu sagen
habe, und ließ sich aufhängen. Das Geiiick
war ihm gebrochen, doch der Pulsschlaq
dauerte noch 20 Minilten. Nach 30 Minuten
wurde die Leiche hcruntcrgcschnitten und seiner
Mutter geschickt. Tas Weib hat ihre Kinder
zu richtigen Banditen erzogen. Zwei ihrer
Söhne leben noch und sie hat erklärt, daß sie
den Tod der beiden Brüder rächen sollten.
Schlecht sind in New - L)ork die
A ussich tHn für die Eisconsnmen
ten! Die Stürme, welche sich in Begleitung
des derzeitigen kalten Wetters einstellten, ha
ben alle Vortheile, welche das Letztere für eine
nachträgliche Eiscinsuhr gehabt haben würde,
vernichtet. Das Eis, welches die Teiche und
noch bedeckte, ist durch sie aufgebrochen
worden, und die Compagnie' haben alle
Thätigkeit für die diesjährige Saison einge
stellt. Sic haben sämmtlich nur ungefähr
die Hälfte der Vorräthe als letztes Jahr bei
Schluß der und ein Steigen der
Preise für nächsten Sommer wird als unans
blciblich betrachtet, obgleich ein eigentlicher
Mangel, wie er im Jahr 1870 eintrat, nicht
in Aussicht steht. Die Vorräthe vom letzten
Jahre sind nach den Aussagen der Gescll
schaftsbeamten nahezu aufgezehrt; was die
„Knickerbocker-Comp." in Maine und in
Sonthwlck und East-Hampton, Mass., und
die „Washington-Co." am Kcnnebec einge
legt Hat, soll nicht bedeutend sein.
DieHeirathen erreichten in N e w-P o r k
in den beiden ersten Monaten dieses Jahres
die anständige Zahl von 9300, abgesehen von
Dem, was in den anneklirten Distrikten von
Wepchester geleistet worden ist; indessen glaubt
mau, daß sehr viele Eheschließungen von den
Geistlichen nicht in vorschriftsmäßiger Weise
angemeldet worden sind, und jene Ziffer um
circa 1000 zu niedrig ist. Geburten wurden
tn dem nämlichen Zeitraum 21,000 reqistrirl.
DcrProzeutsatz der Eheschließungen übersteigt
den von London und Paris, sowie den der
meisten Seestädte, was nicht zu verwundern
ist, wenn man bedenkt, daß hierzulande Man
cher von der Grethe geht und die Anna nimmt,
u. s. w., bis er die Rechte gefunden hat, und
Frauenzimmer ähnlichenExperimcnten qleich
talls nicht abhold sind.
Zu den Curiositäteil der New-S)or
ler Justiz liefert die „Presse" folgenden
Beitrag: „Der gefährliche Geheimpolizist
der den armen McNamara in seiner
Behaumng erschossen, wurde thatsächlich
Donnerstag erst in Freiheit gesetzt. Mavcr,
der furchtbare „Internationale," von dem
mau nicht glaubt, er werde einen armen Ten
te! neben seiner geängstigleii Frau am häus
lichen Heerde niederfchließen, wohl aber, daß
er sähig wäre, unter 200 Polizisten mit sei
nem lodtbringcnden Hammer ein entsetzliches
Blutbad anzurichten, liegt krank und abge
magert m den Tombs, die leicht sein Grab
werden können. Der alte Mann Höflicher,
der sich herausnahm, den Knüttel eines Poli
zisten mit seinem Stocke abzuwehren, sitzt im
Zuchlhaui'e."
Sandy Campbell und Billy Tracn kamen
am 18. Jannar in Key-West, Fla., aus
New-Nork an und hatten vor Kurzem mit
den Bewohnern des Hauses, in das sie sich
cinlogirt hatten, Streit, der zu ihrer Verhak
sl hellte sich hierauf heraus,
rxlct oer ans ent
flohenen maskirren Räuber sei. Er wird
nach Ncw-Uork gebracht werden.
In der neuesten Auflage des „Leitfadens
fnr den Unterricht des Infanteristen und Jä
gers g l. - ba y eri ich e n Arme e"
m am Tchlnssc des XVi,. Abschnittes, wel
cher von dem Verhalten der Mannschaften
des Pcurlanbrenstaiidcs handelt, folgendes
„Wort an die Männer des Benrlanbtenstan
des" gerichtet: „Gegenwärtig streiten sich zwei
Parteien um die Gunst der Massen. Tie
rothe Internationale (Communisten, Sozial
demokraten :c.) predigt den Umsturz der be
stehenden Ordnung und Äriegmcgen die Herr
schaft desEapitals, ordnet Strikes der Hand
werker an und erklärtdenArbeitcrstand fürun
terdrückt, während er nie freier war als jetzt.
Die schwarze Internationale (Ultramontane,
Patrioten) dagegen will das deutsche Reich
! umstürzen und an seine Stelle eine andere
'Mrschast setzen; dazn sollen die Franzosen !
! Schwarzen erklären die Kirche in !
i Gefahr, welcher doch nur durch ihr eigenes
I Gebühren Gefahr droht, und würden am lieb
sten einen Religionskrieg entzünden. Beider
> Ziele sind gleich staatsverbrechcrisch. Hüte
darum Jeder sich vor seinen Lockungen und
bleibe treu seinem Fahneneide."
Horatio G Hall, der am vorletzten Samstage in
Wallt gsord, Conn., von dem irrsinnigen
-chwcdcn Hohn Anderson in den ops geschossen
wurde, starb Freitag Morgen.
meldet; Frau Amalie Bernhard,22
schwerte Freitag in ihrer Wohnung, Nr. 7, Ost l.
Straße, eine Dosts Rattengift und starb bald nach
her. Man vermuthet, daß die längere Abwesenheit
ihres Gatten, derein Sandwngsreiscnder ist, sie um
Sclbstmorde tiicd. —Philipp Stein, Nr. N 2, Sus
soltstraßc, nahm in selbstmörderischer Absicht eine
starte Dosis Phosphor und wurde sterbend in'S sp.
Spital geschickt.
Der Senat der Gesctz a c b u g von virgi
di/P " brstjgen Debatte
lich weigerte, den neuen Freibriefsti'r di/Swdt'"Pe
tersburg zu unterschreiben, mit N gegen Ii! Stim
men aufrechterhalten. lii isonservative stimmten ge
gen, Conservatkve und g Republikaner für das
Bcto. Die Annahme des neuen Freibriefes würde
die Munizipalgewalt von Petersburg, die sich zur
cheit in den Händen der Repubttlaner befindet, den
zwischen in der ganzen Presse Birginien's gereizte Be
sprechung. °
Telegraphische Depeschen.
Aus Washington.
Washington, 13. März. -- Wie ver
lautet, hat Snmner sämmtliche seiner Kunst
schätze der Corcoran'schen Gallerie vermacht.
Das „Weiße Haus" und die Departe
ments waren heute verödet. Auch das How
ard'sche Untersuchnngs-Gericht war nur kurze
Zeit in Sitzung. Alles war zur Leichenfeier
nach dem Kapitale geströmt.
Der „GewissenS-Fond" des Schatzam
tes erhielt heule L3O ans Baltimore und H 35
aus Albany.
Boutwell, welcher zurücktrat,
hat Senator Stewart von Nevada als Nach
folger im Vorsitze dcsDistrikts UiitersuchungS-
Gerichts erhalten.
Es heißt jetzt, daß Senator Morton
nur an einem schlimmen Fuße leidet.
Das Schatzamt hat seinen Angestellten
heute einen halben Feiertag erlaubt, um der
Leichenfeier beiwohnen zu können.
Suinner hatte drei Brüder
und eine Schwester. Nur die Letztere, Mab.
Julia eines Marine-Hospital
Arztes in San Franzisco, ist noch am Leben.
Bekanntlich ehelichte Sninncr 1866 die Wittwe
'Alice Hoopcr, aber eine Trennung fand statt
und Hrail H. wurde mit des Senators Ein
willigung ven ihm im letzten Jahre geschie
den. Ihr Antrag, eine neue Ehe eingehen zu
dürfen, schwebte grade vor dem hiesigen Ober
gcncbtc, als Sninner mit Tode abging, lieber
die Ursache der Trennung lauten die Gerüchte
verschieden.
Von Rußland üvcr die Vcr. Staa
ten nach Sibirien der nächste
Weg!
Washington, 43. März. In New
?)ork ist eine Kiste angekommen, welche für
den Kriegs-Gouverneiir des östlichen Sibi
riens bestimmt ist. Dieselbe ist eine Sen
dung ihrer kaiserlichen Hoheiten, der Kinder
des Kaisers von Rußland und enthält Bücher
und Dokumente. Von New-lork ist nun
an den SchatzamtS-Sekretär das Gesuch ge
richtet, diese Kiste frei passtrcn zu lassen, und
da nach dem Gesetz vom 14. Znli 1870 einem
solchen dreien Tränsite Nichts entgegensteht,
so ist das Gesuch gewährt worden. DieKistc
wird von Ncw-Uork mit der Eisenbahn nach
San Franzisco gehen und von dort mit dein
Segelschiff „Tnngo.ir" nach Wladivostock,
Ost Sibirien, befördert weiden.
Ein neuer Riesen-Dämpfer.
Was h in gt o li, 13. März. Am näch
sten Mittwoch fMd der neue Dampfer der
„Pacific-Mail-Stcainship-Company," die
„City of Peking," zu Ehester, Penns., vom
Stapel laufen. Präsident Grant und sein
Cabinet, Senatoren und Dcpuürte und eine
Anzahl prominenter Herren von der Küste
bes stillen Ozeans sind eingeladen worden,
um Zeuge des Ereignisses zu sein.
Einbruch.
New-Häven, 15. März. — In das
Comptoir von „AdamS' Exprcß-Comp." ist
am Freitag Abend eingebrochen, die Gcld
spinde geöffnet und der Inhalt derselben ge
stohlen worden. Der Verlust ist unbekannt.
Die Stimmung der Bevölkerung
von Petersburg, Va., wegeu
des Veto's voubSonv. Kemper
Richmond, Va., 13. März. Die heu
tigen Zeitungen von Petersburg greisen den
Gouverneur in spalteiilcmgen Artikel! an.
Auch die „Landmarl" und der „Virginia"
führen cine scharfe Feder gegen den Gouver
neur. Der hiesige „Whig" und der„Enqu,rer"
tadeln das Veto, während der „Dcspatch" den
Gouverneur vertheidigt. Wenn der Freibrief
in Kraft getreten wäre, so w re die städtische
Verwaltung thatsächlich aus den Händen der
Republikaner in diejenigen der Comcrvati
ven übergegangen.
Ba., 13. März. Eine
Spezial-Depesche aus Petersburg an den
„Despatch" meldet: „Gouverneur Kemper ist
hier heute Abend in Gegenwart einer zahlrei
chen begeisterten Menschenmenge i ciknie ver
brannt worden. Das Effigiilm war mit ei
nem Zettel versehen, welcher die Aufschrift
trug: „I. L. Kemper, Gonverueur von Vir
ginien, verkaust an die Radikalen."
Plötzlicher Tod.
Cincinilati, 13. März. Der Achtb.
Edmund Smith aus Sidney, Mitglied der
Constttuantc "on Shclby, starb heute Abend
in seinem Kosthause eines plötzlichen Todes.
Er hatte den ganzen Tag seinen ui der
Constituante eingenommen. Außer ihm starb
seit Neujahr schon ein Mitglied der Constitn
ante. Man nimmt an, daß der Schlag ihn
rührte.
Kollision auf der „Baltimore-
Ohio-Vahn." Ein Mann ge>
tödtct.
Cincinnati, 13. März. Heute stieß
eine Negulir-Lokomotive der „Balto. - Ohio-
Bahn" mit der Lokomotive eines östlich
gehenden Frachtzugcs der „Atlantic - Grcat-
Westeru-Bahn" in der Nähe der Mainstr.-
zusammen. Tic letztere Lokomotive
Itürzte in's Wasser, die Brücke wurde zerstört,
ebenso die Negulir-Lokomotive und Tender
Der Lokomotivführer des Frachtzugcs,
James Meyers, kani nm's Leben, der Heizer
rettete sich durch einen kühnen Sprung. Wm.
Armstrong, der Lokomotivführer der Negulir-
Lokomotive, wudre verhaftet.
Weitere Opfer
Unglüikes.
Halifax, N. S., 13. März. Aus der
Drummond -Kohlengrube sind zwei weitere
Leichen an's Tageslicht gefördert worden-.bis
jevt im Ganzen sechezehn.
Die Distrikts-Untcrsttchnng.
Wash , n t on .13 Mär,. -In - Morgenblät.
t-rii wird folgende aclegenllich der Distrills. llnlcr
suchung an den Tag gelommcnc Order verössenilicht and
viel,och conimentiri:
Commission für öfl-ntliche Werte, Di'lritt Colum.
bm. Washmglon. den Ii Otlbr. 1871.
HH. Riley Clark! Sie werden hierdurch ersucht,
das Eigenthum de Oberbundesanwalis Williams zur
Zusriedenhelt der Frau Williams zu nidelliren und in
den stand zu sehen. Diese Arbeit mag ohne 'Nagern
begonnen und vollendet werden. Im Austrage der
Element Hill, General.
sehn'V"
tt i'o'bezahl/wur'cn" '°°Wr weitere
Zwei Eise,bähn - Arbeiter durch
einen Erdrutsch zermalmt.
Portland. Me , 13. März. Penr Jansen und
I. Boflröm, zwei schiyecnsiye Arveiter an de Eisenbahn
za Mount Erawsoro. erlitten am Donnerstag dadurch
augendUckiichm Tod. daß sie von einer Lawine
Zuchthaus auf Lebenszeit.
New-ftvrl. 13. März. Zum s E. tttna. der
te°Mv/e>/v/" udersübrl. wue.r
Erhöhung der Lagermicthe.
New-York, 14. März. Das „Board os Mre
NnderwrtterS" hat einen Beschluß angenommen, Per
Hans, Machs, Baumwolle in Balle, Heu/St'r?h und
andere
Bcschädtgung der Post des Dpfrs.
„Mose!."
Ebaischc Deserteure.
?!e w - ° rt, Leute, welche mit dem
„City os Meridä" hier angekommei/sind," zähtt "
daß die beiden Deserteure, welche, um dem Militär
dienste zu entgehen, sich aus einem nach hier bestiinm
worden seien. Tic Anhänger der Bartisi
in .Havanna waren über die Angelegenheit sehr cr-
Werteres über die Fencrsbrunftin
Panama.
New-York, 15. März. Blätter von Panama
enthalten wettere Berichte über die große Fcucrs-
ereignete sich bekanntlich am 10.
gange zum „Grand Hotel." Tos Hote!°wurde mich
von den Mammen ergriffen und brannte nieder Nur
sehr wenig wurde gerettet, und der Eigenthümer
wäre beinahe erstickt. Ein starker Wind trieb die
Mammen weiter, und mehrere große Gebäude wur
den ergriffen. Das Feuer wüthete 3 Stunden laug
als der Wind plötzlich umsprang, wodurch der süd
liche Ttadttheil gerettet wurde. Die Polizei und das
Militär, welche zum Löschen beordert wurden, wa
ren gar nicht zu gebrauchen; sie beiranke sich und be
gannen zu plündern. Abends spät tam eine Fcucr
wrttze von Aspinwall an, welche viel zur Rettung
der tadt beitrug. Die einzige Spritze Panama's
war nicht zu gebrauchen. Ter Verlust beträgt
E bis Zl,sisio,iM>, welcher größtentheils in London
versichert ist.
Schreckliches Familiendrama.
New-York, k 5. Marz. Heute Morsen ereig
nete flch in Brooklyn ein blutiges Famittcndrnma.
Em Namens Delancy, siel ohne ir
nüchtern mit einer Axt überfeine Frau her und rich
tete deren Kovf so z, daß derselbe nur eine form
lose Masse bildete. Der Mörder legte dann Hand an
sich selbst und trennte sich fast den Kops vomNumxse.
öln "icht mit dem rede davon kommen.
er erst aus die Sache aufmerksam wurde/is dasßlur
aus der Wunde seines Baters über ihn spritzte.
! Eutfvrunacne Verbrecher.
l Philadelphia. 14. März.-Ter Bantjilschcr
haymam nllns Eh-ulcs Carpcnicr. und der
eifern Abend au dem Gtsangniß von Tovl-itown
entidningcn. Sic öffneten die J-Ilciiibür mit Nach
schlüsseln, llittertcn an einem Tau, welches stc auS ihren
Betttüchern gemacht halten, über die Mauem und ge
wannen aus diese Wette das Krett. Sie iwcmenßu.
dcsgenoffc gehabt zu haben. Der Sch-riff von Buch z-
County hat für ihre Ergreifung eine Belohnung von
kLStt ausgesetzt.
Das Sonntagsaesct; W PHila
delpliia.
Ph il ad clp h ia, 15. März —Da es nicht gc-
letzten Sonntag Spiri
hörden jetzt ihr Programm gewechselt/ .seul/nnir
bcn dw Polizei-Beamten instrutrt, leine Ber^astnn
die am Sonntage osicn halten, anzuzeigen
die flagranten Entweiher des Sonntags Haftbefehle
zu erwirken. Tiefes bedeutet wahr,chemisch, daß
ettenthitren offen gehalten werden dürfen.
Ter Maoor wird nicht gegen Barbiere, Ciqarren
hsndler, Konditoreien ic. einschreiten. Unter dem
bestehenden Gesetze wird das Offenhalten derartiger
Geschäfte nur mit ZI bestrafe
Geständnis eines ArevlerS
Einci n -ti, 13. März. Daniel Harvcv, ein
Theunchmer an dem nculichen „stritt" derJnae
ulkure an der „Pittsburg-. Eincinnati- und st.
Louiser Bahn,- hat sich heute schuldig bekannt, zu
Pcndttton einen eisernen Bolzen zwischen schiene
und schwelle befestigt zu haben, damit die 4une
entgleisen sollten. Er hat den Gerichtshof um ein
mildes Urtheil gebeten.
KSr hderitausend Dollars
Baumwolle verbrannt.
Rcw.Orleans. 15 Mir, - DasßoUlidlsf-Ml.
La w.lch!S z-i>u Ballen Baumwolle eladen Kot', ist
lytilwcise durch Feuer zerstört worden Der Sltaden
lann noch nicht angcaeden werden.
Krater.> Tas Fcuer tft zum zweiten Maie aukge.
""t Wasser cfulll. Ter an der
radng onsr>ch ele Schaden wir aui Inn.eM Loll. a.
die kosten der Reparaturen des Schisse
eiwa billigen werde.
Cisenbabn-Unfall,
k.? FranziSco, Cal., n. Marz. Ein aui
st° w^"" ""Mich gehenderZug
'i'icNen >neö,(genzwi,che„ Toano und Wells, 10
aedr°3.?. Orte, ais er über eine
' suhr, einen 30 Fu hohen lrisen
lebe einzige Person, welche
Canadn. °"lcyt wurde, ist Frau Moe aus
aus Washington.
> 1 " atp n. 13. März. Heute trat
kob des „Irländischen
kath. ZLohlthätigkeits-Verein der Vcr. St "
o," zusammen. Der Achtb.
9 St I. Gnsser von
oc . v als Sekretär. Unter
eu -r'/" befand sich auch Hr. .<5. S.
Bnckkg von Baltimore. Nach längerer Bc
fprechung wurde die Kopfsteuer pro 1874 ans
10 Cents festgefetzt. Die Anzahl de: Mit
gl.edcr erreicht 30,003. 750 für Eimvandc
rnngszwccke veriv.lligt. Daraus Vertagung
bis zum 13. H-klobcr, wo das Comite in
Baltimore zusammentrete wird. >,cb der
Elnwanderuiigs-Ailsschiiß hielt unter Vor ätz
des Richters Dwqcr von Dayton, Ohio eine
Versammlung, in welcher die Bildung von
Lokal-Comitc'n in den verschiedenen Staaten
und die Errichtung von Spezial-Direltionen
in Philadelphia, nt. Louis, Norfolk, Pvrlv
mouth, Baltimore, Louisville und tlansas-
City mitgetheilt wurde. Es wurde angezeigt,
dag die „Allen-" und „Philadelphia Dam.
Pfer-Lliiie" der „Union" die Agenturen ange
boten habe. DerHochw. Butler und Richter
Twpcr wurden mit dem Entwürfe einer
die Absichten des Eimvanvc
rungS-TTirektorinms betraut n. s w.
Gestern Abend wurde hier ein Diebstahl
infolge eines Diebstahls entdeckt, was sich
folgendermaßen zutrug: Ein-Neger erschien
im Hauptquartier der Polizei und zeigte an,
daß ,einem Bruder Alfred Toombs ein Reise
kosser gestohlen worden sei. Alfred hatte sei
nen öioffer gepackt, denselben aus das hinlere
Brett einer Kutsche geschnallt und war dann
vor der Thür der dunkelen Miß Bolee vorge
fahren, die zwar nicht sieben Jahre gesponnen,
aber trotzdem aus den lchmnckcn Freiersmann
gewartet. Die afrikanische Elite der Nach
varschaft war versammelt, als der schwarze
Geistliche eintrat, um die Trauung zn voll
ziehen. Sogar der Kutscher konnte der Neu
gierde nichi widerstehen und trat in das Haus
ein. Ein schlauer Dieb nahm unterdcsscii die
Gelegenheit wahr, schwang sich aus den Bock
und kutschirle davon. Als Sambo ToombS
mit seiner Neuvermählten ans die Straße
trat, um die Brautrcise zu beginnen, war
Kutsche und Koffer verschwunden. Die Po
lizei wurde nach allen Richtungen hin in Be
wegung gesetzt und fand endlich die Kutsche
und den Koffer, welcher erbrochen und halb
ansgepUindert war. Unter den noch vcrhan
deuen Sachen fand man ein Dutzend feiner
Messer und eine Partie Servietten, zwei
Nußknacker :c., welche Gegenstände sämmtlich
„Ärlington" bezeichnet waren. Hr. Roeßle
vom „Ärlington Hotel" identisizirle die Sa
chen als die scinigen und erinnerte sich, daß
T.ozmbs früher als Anfwcirter in seinen
-riensten gewe'en. Der Bräutigam wurde
verhaftet und erwartet jetzt ein Verhör.
Ein aller Mann, Namens John Mc-
Nainara, wurde an der H Straßen-Kreuzung
von einem Zuge der „Baltimorc-Ohio-Bahii"
überfahren und aus der Stelle gelöster.
Washington, den 15. März. Bor
einigen Tagen wurde berichtet, daß die Po-
Uzei an einem Tage die Leichen von drei Kin
dern gefunden habe; selbstverständlich wurde
seitdem weiter über deren Herkunft nachge
forscht und es ist gelungen, eine der unncilür
lichen Mütter zu verhaften. Dieselbe ist eine
vcrhcirarhetc Frau, Namens Elisabeth Glenn,
ungefähr 30Jahre alt, welche mit ihrem Kinde
bei ihren Eltern an der South-Larolina-Ave.
wohnt. Nachdem Dr. Hartigan vor der Lei
chenheschaiiers-lury constatiri halte, daß das
von dem Polizisten Lusby gefundene Kind ge
lebt hatte, und nachdem der Licut. Ansiin
verschiedene Verdachtsgrnnde gegen die Glenn
mitgetheilt, begab sich vcr Polizist Marks in
Begleitung des Leichenbeschaucrs nach dem
Pope'schen Hause, wo ihnen Frau Glenn an
der Thüre entgegentrat. Sie wurde gefragt,
ob sie in der Nacht ein Kind habe schreien hö
ren und verneinte es, dasßlut stieg ihr jedoch
in die Wangen und verrieth, daß sie eine Ent
deckung fürchtete; ihre Mutter, Frau Pope,
wollte gleichfalls nichts gehört haben, dagegen
machten mehrere in der Nachbarichast wohnen
den Negerinnen die positivsten Aussagen. Tr.
Hartigan untersuchte die im Verdacht stehende
Frau und fand, daß sie erst kürzlich Mutter
geworden sein muß. Der Lcichenbeschaner
ordnete ihre Verhaftung an und sie befindet
sich jetzt im Stadtgcsängnisie. Frau Glenn
hat ein Kind von etwa 4 Jahren und wurde
vor längerer Zeit von ihrem Manne verlas
sen.
Der SchatzamtS-Auditcur Allanßuther
ford hat den Oberst I. W. Forncy von der
„Phil. Preß" wegen Libells um Klo,ooo
Schadenersatz verklagt. Hr. Forney hatte in
seincmßlatte geschrieben: ..AllanNuthenord,
ein Cameroncr, ist in der Stadt. Ueberwachl
ihn." Als am Freilag Oberst Forney hier
ankam, um dem Leichenbegängniß Sumner's
beizuwohnen, gelang es schließlich einem Ge
richtsdiener, sich an ihn heranzumachen und
ihm den Haftbefehl zu überreichen; der Pro
zeß wird demnächst zur Verhandlung kom
men.
Gestern Morgen ereignete sich an dem
neuen Gebäude des Staats Departements ein
schrecklicher Unglücksfall. David Glaß, ein
Philadclphia'er Arbeiter der „Architekturat
Jron Works," stand auf einem Gerüste in der
Nähe dcs Daches, um Löcher in die Schiefer-
Platten zu bohren. Plötzlich verlor er da
Gleichgewicht und stürzte 80 Fuß tief. Als
die anderen Arbeiter herbeieilten, hauchte der
Unglückltche seinen Geist aus, das Blut drang
aus Mund und Rase, beide Beine waren ge
brochen und die Hirnschale verletzt. Der
Mann war 25 Jahre alt und unvcrhcira
thct.
Ei Washingtoner von einen
Bahnznge überfahren.
Eine schrecklickie Scene.
Wir theilten oben bereits mir, daß am
Freitag Abend gegen sechs Uhr ein Mann,
Namens McNamara, von einem Zuge der
„Baltimore Ohio. Bahn" in Washington
überfahren und auf der Stelle actödtet wurde.
Als der kurz nach k Uhr in Washington säl.
l'ge Zug sich der F-Slraße näherte, bemerkte
der Lokomoliv-Führer einen Mann, welcher
ruhig aus dem Geleise entlang ging und au
genscheinlich keine Ahnung davon hatte, daß
ein Bahnzug hinter ihm d'rein fuhr. Der
Lokomoiivsnhrer versuchte sowohl den Mann
von der drohenden Gefahr zu benachrichtigen,
als auch den Zug zum Stehen zu bringen.
Beides schlug jedoch fehl. Der Unglückliche
wurde von der Lokomotive zur Crde geschleu
dert und sämmtliche Räder auf der einen
Seite des Zuges braus'len über den am 80.
den liegenden Körper hinweg, denselben förm
ftck, zermalmend. Als der Zug endlich zum
Stehen gebracht war und man sich nach dem
Leichnam umschaute, sand man nur eine blu
tige Fleischmasse, welche mit einem menschli
chcn Körper nicht die geringste Aehnlichkcit
hatte. Kopf und Beine waren vom Rumpf
vollständig abgetrennt. Nachdem die ver
stümmelten Uebcrreste nach dem Bahnhofe ge
bracht waren, währte es nicht lange, bis der
Leichnam identinzirt wurde. Eine Frau,
Namens McNamara, drängte sich durch die
Menschenmenge, welche den Leichnam um
stand, und erkannte an den Kleidern, welche
in Fetzen um den Rumpf hingen, ihren Gat
ten John McNamara. Letzterer war ein an
der 2. und G-Straße wohnender Arbeiter,
der wenige Minuten vor dem Unfälle sein
Haus verlassen hatte, um seiner Tochter ein
Paar Schuhe zu kaufen. Er war ein fleißi
ger, nüchterner und rechtlicher Mann, der bei
Allen, die ihn kannten, m hoher Achtung
stand. Man nimmt an, daß der Sturm, der
zur Zeit dcs Unglücks herrschte, das Geräusch
überros le, welches das Herannahen des Vahn
znges verursachte. Am Sonnabend wurde
eine Leichenschau über den Verngtückten ab
gehalten. Der Wahlspruch der Geschworenen
lautete dahin, daß McNamara seinen Tod
auf dem Bahngeleise sand, daß aber der Loko
motivführer und der Schaffner dcs betreffen
den Zuges von jeder Schuld an dem Unfälle
frei zu sprechen seien.
Mordprozcss in Fredcrick, Md.
Fredcrick.Md., 14. März. DcrPro
zcß gegen den Neger Reuden Smith wegen
Ermordung seines achtjährigen Stiefsohnes
in der Nähe von Woodville, Fredcrick Countn
nahm vorgestern in Fredcrick vor den Richte, ,r
Lynch und Bowie seinen Anfang. Die An
klagebehörde war durch den Staatsanwalt,
Hrn.Milton G.Urucr.und die Vertheidigung
durch die HH. W. P. Maulsby, John C
Motter und A. Tyler vertreten. Nach
stehende Herren sungirtcu als Geschworene:
G. W. Wachtel, Daniel Ostertag,
„er, Ehristian Lautz, I. A. Horine, Gideon
Staleh, James P. Perry, E. A. C. Fox.
David H. Kolb, Eharlcs I. Lewis, A. I.
Wilcaxcn und I. Brunner. Nachdem
Bclastungö- und k Entlastungszeugen ver
nommen worden, hielt Hr. Uriier sein Plai.
doyer für die Auklagebehörde und sagte, daß
ein vorsätzlicher Mord vorliege und der Wahr.
svruch aus: „Schuldig des Mordes im ersten
Grade" lauten müsse.
Der Angeklagte ist 25 Jahre alt und sieht
sehr stupid aus. Aus den Zcugenaussaaen
geht hervor, daß Smith das Kind furchtbar
mißhandelte und wiederholt die Drohuna
ausstieß; es tödtcn zu wollen. Nachdem da
Kind todt war und man eine Untersuchuna
mit der deiche vornahm, fand man, daß die
selbe allenthalben mit Brauschen. Wunden
und Verletzungen bedeckt war. Um 7 Uhr 4t)
Minuten wurde der Fall den Geschworenen
zur Entlcheldnug übergeben, welche nach
stund.ger Abwesenheit das Urthe.l: „Schul,
dig des Mordes ,m 2. Grade" einbrachten

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