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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, March 27, 1874, Image 1

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Der Deutsche CorreWubent.
3V. Jahraanll.
Die m-dcene Presse nd ihre
Aufgabe.
Z " „Westliche Post" sagt, indem sie ihren
Itter die Baltimorer Erlebnisse des Grase.,
„Gros" reiste am Sonnabend
Abend mit der „iLt.LouiS-Terre-Haiiie-Eisen.
N.'.' °°" °b nd traf am Montag in
.) . "n. Er begab sich dorr wahrschein.
.Zum Agenten „-Associirlen
Pres e. stellte sich diesem als „Dr." Paul
schöppe vor und theilte ihm mit, daß er Bal
tlmore icit Jahren nicht verlassen habe. Na
türlich wurde dieses sofort in die weite Welt
hmauStelcgraphirt. Dadurch hatte er
aber dieAufmerksamkcitderßal
timorerGch ei mpolizi sten aufsich
gelenkt, welcheihnge st er n verhaf
te t e n nnd bei semer Durchsuchung Papiere
saiiden, die jetzt klar und unwiderruflich be
weisen, daß „Graft Schulenburg und der
deutsche Zuchrhaussträsling Paul Schöppe und
der des Giftmordes verdächtige „Dr." Paul
Schöppe ein und dieselbe Persönlichkeit sind."
Tic Frau Tante in st. Louis begehl in
dieser Voraussetzung einen kleinen Irrthum,
mdem die Geheimpolizei an der ganzen
schöppe-Affaire ziemlich unschuldig ist, und
wenn es auf diese ankäme, schwindelte das
vielgewandteJndividnnm, das. wie der irrende
4. i>vstclis mit Fug und Recht als „erfindungs
reich" bezeichnet werden darf, wahrscheinlich
noch heute unbclästigt weiter, im Westen als
Graf Hans v. d. Schlllenbnra-Asscbura und
mi Osten als Dr. Paul Schöppe.
Ein ganz anderer Faktor hat diesmal der
Carriere des berüchtigten Gesellen nnd seines
sauberen Vaiers ein Ende gemacht, es war
soweit man einer menschlichen Einrlchlunq
ohne Blasphemie göttliche Eigenschaften bei
legen darf - die allmächtige und allqcqen
wärtige Presse.
Eben so wenig, als es im Westen die Poli
zei war, welche, wie das Verhäugniß, den
Spuren der Verbrecher folgte, sondern die
Berichterstatter zweier deutschen Zeitungen aus
Chicago spielten zur Abwechslung einmal
Geheimpolizei, eben so wenig war sie es in
unserer Stadt; auch hier war es wieder die
Vrcsse und, wir sagen es mitStolz, die deutsche
Presse, welche denßurschen nicht nur entlarvte,
sondern auch der Gerechtigkeit überliefern
hals.
Tie Polizei würde viel Zeit gebraucht ha
ben, m der langen Kette der Verbrechen dieser
beiden Menschen Glied auf Glied herbeizu
suchcii, wenn ihr nicht die Presse die Arbeit
abgenommen und dieselbe allein besorgt
hätte.
Die Polizei hatte in dem ganzen FalleNichts
weiter zu thun, als sich über die von den Zei
tungen gemachten Enthüllungen zu ver
wundern und nebenbei die von der Presse in
spirirlcn, gegen den Verbrecher zn ergreifenden
Maßregeln auszuführen. Das Verfahren
gegen Schöppe war am Ende nicht ganz legal,
aber wenn jemals der Zweck die Mittel ge
heiligt hat, so geschah es in diesem außer
ordentlichen Falle. Wäre Schöppe nicht zu
derselben Stunde, in welcher Hr. H. Tieck
und ein Berichterstatter unseres Blattes seine
Verhaftung ermöglichten, festgenommen wor
den, so wäre er jetzt weit von hier und schwin
delte im Süden, Ostm, oder Südwesten des
Landes unbehelligt weiter. Die Berichte ans
dem Westen haben den gewagten Schritt nach
lräglich vollkommen gerechtfertigt. Während
es am letzten Freitag gar keine gesetzliche Klage
gegen ihn gab, denn em "comuwu im mäli-!"
zu sein, ijl unter den Gesetzen Maryland'?
nicht strafbar, liegen jetzt die haltbarsten An
klagen zu Dutzenden vor, und da in Folge der
gemachten Enthüllungen das fromme Mit
leiden nicht noch einmal den Arm der Gercch
tigkeit lähmen kann, so wird der saubere Ge
selle bald da sein, wo er schon längst Hinge
hörle und wo er bereit in Deutschland heimlich
ivar, im Zuchthansc.
Nichi die Polizei Hai dieses fertig gebracht,
sondern die Presse, die m ihrem proieusühii
lichcn Berufe sich in diesem Landetäglich mehr
entwickelt.
Wie Hermeias, der mythologische Typus
des ächten ZeiliiiigSmeuschen, hat der moderne
Journalist, oder seine Schöpfung, die heutige
Tagespreise, die heterogensten Pflichten und
Verrichtungen zu erfüllen. Wie jener mil
geflügelten Sohlen das ganze Weltall der
griechischen Olympier im Nu durchflog, um
ihre Gedanken, Wünsche und Befehle bekannt
zu machen, so sendet die Presse der neuen Zeil
ihre Berichte über die Thaten der Erdengöttcr,
vom Kaiser und Präsidenten bis zum Raub
mörder, Brandstifter und Fälscher, mit Blit
zes und Windeseile über die bewohnte Erde;
wie der fabelhafte Götterbote „unsterbtichen
Göttern und sterblichen Menschen" als treuer
Diener und weiser Berather zur Seite stand,
so die moderne Presse; auch sie reicht inaiichcm
irrenden Dulder das Kräurlein „Moly" und
bewahrt ihn vor Unheil, auch sie würgt einen
taujeiidäugigeii Argus dieCorruplion und
die Lüge; sie ist dem Kausmanne bchülflich,
Gewinne zu machen, sie hilft dem Gelehrten
und Forscher bei neuen Entdeckungen, und
wie der alle, viclgewandleGötterbote bei seiner
vielseitigen Geschäftigkeit noch Abends die
Seelen der Abgeschiedenen in das Reich der
Schatten vor den Todtenrichter führte, so ist
es auch die Presse, welche heute den Verstor
benen die gebührende Erwähnung vor semcu
Richtern, den Ueberlebendcii, zu Theil werden
läßt.
-Noch vor 25 Jahren war die Presse das
unbeachtete Werkzeug der gesellschaftlichen
Einrichtungen, ihre Dienste wurden kaum be
sehen, viel weniger gewürdigt; sie war ab
häiigig von Politik, von der Justiz, von der
Gemeinde und der Kirche; hpute steht sie als
maßgebender Faktor im Weltgctriebc da, sie
zeigt der Politik und Diplomatie Wege und
Ziele, sie arbeitet der Rechtspflege wirksam
il die Hände, fördert das Gemeiuwohl aus
eigenen Beweggründen uud nicht selten mit
eigenen Mittel, und wenn sie tner oder dort
etwas eigenmächtig auftritt und die Befug
nisse der einen oder anderen gesellschaftlichen
Jiistilution usurpirt, so muß man ihr das zu
Gute halten, denn es geschieht zum Besten des
Publikums.
Unser Stolz ist es. daß die deutsch-ameri
kanische Presse in dieser Emanzipation der
Journalistik nicht zurückbleibt: und daß sie,
wie ihre anglo-amerikanische Schwester, ans
der Höhe der Zeit steht, hat sie erst dieser Tage
in dem Falle der beiden Schöppe bewiesen,
die ganz allein durch die deutsch-amerikanische
Presse verfolgt und schließlich entlarvt wur
den.
Tie Untersuchung der Transaktio
nen des Washingtoner „Di
strtkts-Sti geb."
Raum und Zeit haben uns verhindert, den
Untersuchungen über die Transaktionen des
Washingtoner „Distrikt? - Ringes" durch ein
Comite des Congreffcs treu als Berichterstat
ter zu folgen; wir müssen uns daraus
schränken, nur gelegentlich auf die Resultate
derselben zurückzukommen; diese Resultate
sind ganz so, wie man, in Folge des Gebah
rens einer von dem „Ring" getauften Presse
erwarten, resp, befürchten mußte.
Schon als die Verbesserungen und Ver
schönerungen im Gange waren und noch Nie
mand eine Ahnung davon hatte, daß bei der
Sache banditenmäßig gestohlen wurde, mußte
es auffallen, daß die Commission für öffent
liche Werke ihre verschönernde Sorgfalt nicht
sowohl den dicht - bevölkerten Stadttheilen
widmete, fondern den werthlofen Wüsten, mix
„Miners Camp." -c., wo früher ein Menich
vei hellem Tage sich scheute, hinzugehen. Wäh
rend die in den dicht bebauten Gegenden ge
machten Verschönerungen meistemheils auf
Rechnung der Grundbesitzer ausgeführt wur
den, trug die Stadt, resp. dleDistr:kts-Regie
ruug, die Kosten der Straßenbauten, Anlagen
und Nivellirungen in den entlegenen Ouar
liieren, in denen sich die Neger größtemheils
als „IquatterS" angesiedelt und ihre Bret
terbuden aufgeschlagen hatten. Die Folge da
von war, daß der Grundbesitz in jener Ge
gend, der früher geschenkt noch zu theuer war,
plötzlich ungeheuer im Werthe stieg. Der
ganze Grundbesitz aber geHörle nominell den
HH. Kilbourne K Latta. Da diese Firma
anerkanntermaßen die Agentin des „Ringes"
ist, so würden die Mitglieder auf den Zcu
genstand gerufen. Hr. Latta, der sehr wenig
Lust hatte, miltheiljam zu werden, gestand
endlich doch zu, daß das betreffende Grund
cigenthum von seiner Firma in trzi" ge
yalten werde, daß er jedoch unter keiner Be
dingung sagen werde, wer der geheimnißvolle
Eigenthümer sn. Er war recht gern decktt,
unter Eid auszusagen, daß kein Mitglied der
Distrikts-Rcgierung unter den Eigenthümern
ei, aber weiter wollte er nicht gehen. DaS
Comite drohte diesem mannhaiten Zeugen
mit Einsperrung, bis er zahm werde uns ge
stehe, und Hr. Latta wird sich wahrscheinlich
einsperren lassen.
Verdächtig ist das Benehmen der „Ring-"
Organe, m denen auch der „Wash. Star"
gehört. Diese journalistischen Vertheidiger
uüd Zuhälter der Eorruption erhoben scfort,
als da Comite Miene machte, den würdigen
HH Kilbourne und Latta Daumenschrauben
anzulegen, ein verdächtige Geheul über mit
telalterliche Gewalt. Dtt Handlung der un
bekannten Eigenthümer dieses bedeutenden
Areals, welches ohne Zweifel für ein Bnttcr
brod angekauft und dann auf Kosten de Di
strikt und der Steuerzahler verschönert wur
de, und Mt einen hohen Werth erreicht hckt,
jade sie sich anonym hinter einer Firma, die
al ihr ' tröste" auftritt, verstecken, wird
U gefchSstliche Vorficht hingestellt, und e
wird angedeutet, daß dft wirklichen Eigen
thümer jedenfalls da Licht nicht u scheuen
brauchten und sicher an die Oeffentlichkeit tre
ten würden, sobald sie es ohne Gefahr, von
der feindlichen auswärtigen Presse, welche al
lenthalben Eorruption wittere, verdächtigt zu
werden, wagen könnten. Dem Hrn. Latta
wird jedoch gerathen, sicki ruhig einsperren
zu lassen, und den Inquisitoren Trotz zu bie
ten.
Hr. Latta wird diesen Wink ohne Zweifel
befolgen. Man wird ihn einsperren, bis sich
der Congreß vertagt, hohe, sehr hohe und
möglicherweise allerhöchste Herren werden sich
taglich im "coal uu>r"—dem Eapitolgesäng
nijft—nach seinem Befinden erkundigen, oder
erkundigen lassen; gewisse Geistliche, deren
Besuch am wenigsten verdächtig erscheint, wer
den kommen, um dem Verlassenen die Trö
stung der Religion zu bieten, und sie werden
ihm eine verständliche Predigt ballen über den
schönen Text: „Sei getreu bis in den Tod,
so wirst Du die Krone des Lebens erben."
Die Erhöhung des Papiergeld-Um,
laufes. Der Sieg der „lufla,
tionistcn.—Morton u. Schurz.
Der Wortlaut der im Unter
Hause pasfirten il.
Die Ritter vom „Grecnback" haben dieMon
tags-Dedatle gewonnen. „Inflation" hat im
Repräsentantenhanse einen Sieg errungen und
zwar mit einer Leichtigkeit, welche selbst An
gesichts der lang bestehenden traurigen Pcr-
Ipcktlve in dieser Frage überraschen muß.
Hinter zwei Bollwerken wollten dft Gegner der
„Inflation" sich verschanzen und ar Schritt
für schritt weiche. Aus beiden Schanzen
sind sie so zu sagen im Handumdrehen gewor
fen worden. Die Bill, nm welche es sich
handelte, war die, welche die ganze Grcenback-
Reserve zur permanenten Cirkulation der
Schatzamtsnotcn schlägt, dadurch der Cirku
lation ein Volumen von 400 Millionen ge
bend. Es war verabredet, daß die Opposi
tion zuerst für das Beschränken der Cirkula
tion auf 356 Millionen eintrete, was wenn
zum Congreßbeschlusse erhoben —das Zurück
ziehen des, ungesetzlicher Weise ausgegebenen
Theiles der Reserve, 26 Millionen, bewirkt
hätte. War die nicht zu erreichen, dann
sollte nur so weit nachgegeben werden, als
zum Sanktioniren der erfolgten willkürlichen
Emission zener 26 Millionen nothwendig; ein
Volumen von 382 Millionen sollte als Lom
promiß geboren werden. So geschah es
auch. Aber die andere Parte, fühlte sich zu
mächtig, um auf ein Compromiß einzugehen.
Die ganze Reserve wollte sie haben; und der
Beschluß des Hauses gab sie ihr.
Daß dft Bill nach einigen Amendements
auch im Senate pasürcn wird, ist schon heute
anzunehmen. Ist eine Befürchtung vorhan
den, so besteht diese darin, daß der Senat noch
weiter, als das Unterhaus gehen wird. Se
nator Contling rief vorgestern aus: „Ge
schehe, was wolle, wenn nur b a ld etwas ge
schieht!" Und bei der „Inflation" wird es
bleiben.
Es ist einleuchtend, daß Demagogenwitz
und Unverstand mit der Maßnahme Hand in
Hand gehen. Den um „mehr Geld" Schreien
den wird das Danaergeschenk hingeworfen;
die nöthige Steucrerhöhimg unterbleibt eben
so, wie die ohne Steuercrhöyung doppelt noth
wendig werdende Herabsetzung der Ausgaben;
und die Anschläge auf die Biindescasie, die
der Subsieien bedürfenden Projekte werde
einander drängen, als stehe alle Tage eine
neue Reserve zur Verfügung. Von unmora
lischen Motiven getragen wird diese Maßregel
demoralisireiid weiter wirken.—lm Congrcsse
allein ist sie nur als der Vorläufer einer Fluth
mchlsiiiitzigeii GesctzgebenS zu betrachten
der verderbliche Wirkungen, die ihr auf volks
wirthschaftllchcm Gebiete folgen müssen, gar
nicht zu gedenken.
-Nachjolgend bringen wir einen Auszug der
vorgestrigen Senats - Debatte, worin auch
Schurz iviedcr eine Rolle spielte:
Morton sagte, es seien in Bezug auf die
Finanzen drei Parteien im Senate. Dieje
nigen, die sofortige Schritte zur Wiederein
führung der Speziezahlungen begünstigen;
Diejenigen, die da glauben, daß gar nichts
gethan werden sollte, und Diejenigen, welche
glauben, daß irgend eine Vermehrung des
Couranls nothwendig sei, um den Anforde
rungcn der Geschäfte entsprechen zu können, die
entstehen würden, sobald man das Bankwesen
freigebe!! und dem Westen und Süden solche
Banken erlauben wird, welche deren lokale
Bedürfnisse erfordern, und baß, gleichviel ob
wir zur Spcziczahlnng zurückkehren, oder ob
der Couraitt vermehn wird oder nicht, die
Wohlthaten des Nalionalbankshstems gleich
heitlich unter tie Staaten vertheilt werden
sollten. Jeder Vorschlag, der die wirkliche
Beschaffenheit des Landes außer Bettacht
läßt, ist trügerisch und unheilvoll. Denjeni
gen, die aus der baldigen Wiederaufnahme der
Speziezahlungen bestehen, liegt es ob, zu
zeigen, wie das gethan werden kann. Um
die Svcziezahliiiigen aufrecht erhalten zu tön
neu, sollten 400,000,000 gemünztes Geld im
Lande lein. Die höchste Schätzung des jetzt
im Lande befindliche! Betrages ist nicht mehr
als 150,00(1,000. Niemand hat gezeigt, wo
die sonst noch nothwendigen §250,000,000
herkommen sollen-c. Man tadelt den Fi
nanzsekretär, weil er 27,000,000 von den
44,000,000 Reserve verausgabt hat. Diese
Emission sollte bis zum Gesammtbetraze von
§4OO,OAI,OVV hinauf legal erklärt werden.
Eine Vermehrung des Courants, um den An
forderungcn der vermehrten Geschäfte zu ent
sprechen, sei keine „Inflation" im vernünfü
geren Sinne des Wortes. Gerade so gut
könnte man von der „Inflation" der Bevölke
rung reden. Wenn der Courant im Jahre
1870 nicht zu groß war, dann muß er jetzt zu
gering sein -c. Die Politik der meisterhaften
Unthätigkeit des Hrn. Boutwell ist Conttak
tion in einer anderen Rechnung, sie geht lang,
iam aber unabwendbar,-wie in der Geschichte
von dem eisernen Sarge, in den man einen
lebendigen Jüngling gelegt hatte, und der,
weil er fortwährend wuchs, endlich in einen
Zustand des Druckes und der Qual gerieth,
der mit dem Tode endigte. Der Courant ist
das Instrument der Geschäfte und sollte mit
denselben sich vermehren. Das Volk ist nicht
für den Courant gemacht, sondern der Courant
für das Volk. Er verlange weiter keine Ver
mehrung, als diejenige, die das Freibankwe
stn gewähren wird, dieselbe wird durch das
Gesetz der Nachsrage und der Licserungsfähig
keil regiert werden. Nach der Repartttion
sind die Ncu-England-Staaten zu weniger
als 40,000,000 Nalionalbaiik - Courant be
rechtigt, und unter Verletzung des Gesetze
haben sie 110,000,000 empfangen. Andere
Slaaien empfingen um >0,000,000 mehr,
als ihnen nach der Repartition zukommt. ES
würden §40,000,000 erforderlich sein, um die
Vertheilung aus der Basis von 1865 auszu
gleichen. Zieht man da Wachsthum des
Nordwestens in Betracht, dann würden jetzt
20 Millionen mehr erforderlich sein. Senator
Morton sucht weitläufig auseinander zu setzen,
daß „Inflation" und Eittwerlhung des Cou
rant zwei verschiedene Dinge seien und daß
eine ge'unde „Inflation" nicht nothwendiger
wcise die Entwcrthung nach sich zieht; dann
suchte er zu beweisen, daß man, um zur Spe
ziezahlung zurückzukehren, nicht genug Gold
auszutreiben vermag, daß, wenn man keine
Nalioualschuld hätte, oder wenn man die
Zinsen derselben ni Conrant zahlen dürste,
man die Zölle in Courant erheben könnte,
und daß alsdann keine Entwenhung desselben
entstehen würde. So lange aber die Impor
teure jährlich 170,000,000 Gold haben müs
sen, wird ßk! Agio für Gold zu bezahlen
sein. Senator Schurz bat behauptet, daß
da Volk des Westens und des Südens durch
die Etabliruilg von Nalionalbanken nur ver
lieren, weshalb es besser wäre, wenn e dem
Osten alle Nationalbanken lassen würde.
Tie heißt jener Bevölkerung faktisch jagen,
daß es nicht weiß, was für dieselbe gut ist:c.
Schür; las aus früheren Reden de Sena
tors Morton vor, in denen derselbe seine An.
sichren zu Gunsten derSpezie-Zahlungen zum
Ausdruck brachte und die Unmöglichkeit des
Freibaukwejcii ohne Spczie Zahlungen dar
zuthun suchte. Er, Schurz, jagte, die finan
zielle Djsknision hat bereits die Aufmerksam
keit der auslölldischen Presse erregt, und wenn
iolche Courant-Ausdjähungs-Vorschläge, wie
sie hier gemacht wurden, zu Gesetzen erhoben
werden sollten, dann würden wir zum Geläch
ter der ganzen Welt werden. Er fragte Hrn.
Mono um seine Meinung jjber che Legali
tät der 44 Millionen Dollars-Reserve,
Morton sagte, man hegt einigeZwcisel über
die Sache, seiner Ansicht nach hat jedoch der
SUxetär, sowie dasGesey fleht, die Besuzniß,
sie zu emittiren.
Schur; cilirlc au cjncr Rede deSenators
Morton einige Stellen und i-emerfte, daß der
Senator vor einiger Zeit ihn, Schurz, beschul
digt habe, als„Foreigncr" gar wenig von den
siiiaiizicllenßcdürsnijsen dieses Landes zu der
stehen. Er, Schurz, wünsche zu wissen, wo
der Senator geboren worden sxi, er, der vor
dreiJahren ähnlicheAnsichten, wie er, Schurz,
zum Ausdruck brachte. Er, Schurz, dehaupre,
daß chcGeschästsmittclpulllte des Landes jetzt
von Geld stttykn und daß ausleihbares Geld
im Uederflusse vorhandtn sei. Das Angebot
übersteigt das Verlangen und nicht das Ver
langen das Angebot. Es sei mehr Geld in
den Bänke, yls gegen gute Sicherheil jeder
Zeit angelegt werden ksnji. Leute, die kein
Geld erhalten können, haben eben leinen Cre
dit. Die Geschäfte des Landes fühlen lang
iam ihren Weg au demTnebsande der Krisis
aus den schien Bpden der legitimen Unter
nehmungen.
Morton sagte, Senator Schur; scheine ja
sehr bewandert in seinen, Morton's, Reden
ttl sein. Er sei wahrhaft erstaunt über die
Aehnlichkeit der Jdre'n des Senators mit de
nen gewesen, die er, Morton, voreimgenJah
ren ausgedrückt habe. Er habe seine alten
Reden noch einmal durchgesehen und jetzt finde
er auf einmal aus, wo Senator Schürz all'
ftineldee'n her hat, er hat sie sich nämlich au
den alten Reden angeeignet, die er, Morton,
gehalten hat. Freilich sind sie etwas anders
vorgetragen worden, indessen habe er dagegen
nichts emzuwenden, da er wirklich glaube,
daß, wenn sein Freund eine Rede ans jener
Seile halten will, er mchtsßefftres thun könne,
als seine, Morton's, alte Reden zu nehmen.
Der Senator habe ihn angeschuldigt, seine
Meinungen zu wechseln ; es ist wahr, er habe
seine Meinung in wichtigen Fragen geändert.
Senator Schurz scheint ebenfalls in einigen
Fragen seine Meinung geändert zn haben.
Es ist noch nicht lange, da war er noch in vol
ler Harmonie mit der republikanischen Partei,
aber er fiel mit ihr aus und that Alles, was
er konnte, um sie zu sprengen. Er hatte in
dessen das vollkommene Recht, dies zn thun.
Schurz: Aber der Senator von Indiana
änderte jederzeit seine Meinungen zum
Schlimmen. Ich ändert- sie zun. Bessern.
(Gelächter.)
Morton sagte, Herr Schurz hat auch in
einem anderen Falle die Farbe gewechselt.
Einmal, als er iin DieiisteAndrew Johnson'S
stand, nnd nach dem Süden geschickt wurde,
um über den Zustand der Angelegenheiten zu
Perichten, da hegte er Ansichten, die ganz ver
schieden do benen waren, die er jettt zum
Ausdruck bringt.
Schurz sagte, die fundamentalenPrinzipftn
der republikanischen Plattform sind Spezie-
Zahlung und Civildienst-Reform, und er sei
zu Gunsten von Beiden. (Gelächter.)
Morton sagte, was die Civildienft Reform
betrifft, hatte er ein Wort zu sagen. Nachdem
General Grant die Sache aufgenommen und
in praktische Operation gesetzt hat, hatte der
Senator von Missouri nichts mehr zu sagen."
Der Text der vorgestern im Uiiterhause
mit 168 gegen 77 St. anqenommeiien Bill
lautet:
. „Eine Bill zur Fixirung des Betrages der
Legal -reiider-Noteii auf 400,000,000.
Da die bestehende Ungewißheit darüber, ob
der Bettag der Legal-Tender-Noten, der jetzt
nach dem Gesetz m allgemeine: Cirkulation
erhalten werden darf, §356,000,000 oder
§400,000,000 sei, nur dazu geeignet ist, die
Geschäfte des Landes zu derangiren und die
Werthe ungewiß zu machen, so wird deshalb
verordnet: Daß die Bestimmimgen des Ge
setzes, die vor dem Erlaß des Gesetzes vom
12. April 1866 existirten, betitelt: ein Gesetz
zur Amendirung eines Gesetzes, das Mittel
und Wege zur Unterhaltung der Regierung
verordnet, und das am 3. März 1365 sanktto
nirt worden ist, hiermit als zu Kraft beste
hend erklärt werden, so daß sie den Bettag der
Legal-Tendcr-Noten der Ver. Staaten, der in
allgemeiner Cirkulation zu erhalten ist, zu
400,000,000 autorisiren, und der Gesamwt
betrag der emittirten oder zu emittirenden
Bimdesttesornoten soll niemals 400,000,000
übersteigen."
De chronische Erscheinung.
2>wei krankhafte Züge gehen regelmäßig
durch das sonst so kräftige amerikaniicheLeben.
Einer derselben ist der Zug der Beschränkt
heit; <el es die Beschränktheit, welche ach
den oberflächlichstenEfsektcn in derSittenrcform
hascht und sich darin gefällt, die Menschheit
mit einem glänzenden Morallack anzupinseln,
unbekümmert um den inneren Kern der Sitt
lichkeit;—sei es die Beschränktheit, welche sich
in der Selbstgenügsamkeit und Selbstbewun
derung gefällt, allen fremden Einflüssen ab
hold, so veredeind dieselben auch wirken könn
ten. und darum bei jeder gegebenen Gelegen
heil in Nativismus ausartend. —Ter andere
dieser krankhaften Züge äußert sich in dem,
nur zu oft den Boden des Reellen verlassen
den Hange zu raschem Erfolge; sei es der
Erfolg im Erwerben materieller Güter, wel
cher den Finanzschwindel in jeglicher Gestalt,
das Abenteurern, die Corrumion im Ge
schäfts- und politischen Leben erzeugt:—sei es
der Erfolg, nach welchem die Ehrsucht strebt,
dem Götzen Egoismus opfernd, uneingedcnk
der allgemeinen Interessen und stets bereit,
der Entartung de politischen Körpers Vor
schub zu leisten;—rasche Erfolge, welche schon
längst die hektische Nöthe auf das Antlitz der
Nation getrieben hätten, wenn sie nicht immer
frisches Blut aus anderen Culturländern an
sich Zöge.
Diese zwei krankhaften Züge erben sich ne
den einander fort, bald mehr, bald weniger
sichtbar, je nachdem die Gestaltung der Ereig
nisse ihrer Emwickelung förderlich ist. Der
gesunden Kraft im hiesigen Volksleben wer
den sie besonders gefährlich, wenn sie sich ver
einigen, wenn dieje Beschränktheit und dieser
Hang sich zusammenthun zu einer Bewegung
gegen lichte Anschauung und reelles Streben.
Angesichts großer, erschütternder Ereignisse
gelingt diese unheilschwangere Allianz nicht.
Wenn aber langes, ermüdendes Ringen die
entgegengesetzten Bestrebungen auf die Probe
stellt, wenn die verderblichen Einflüsse nicht
mächtig packen, sondern schleichend wirken,
dann pflegt die Allianz zu gelingen.—Daß
sich jetzt etwas Achnliches vollzieht, daran
fehlt es uns sicherlich nicht an Anzeichen. —
Um es in's Poiltische zu übersetzen und kurz
auszudrücken: Die Elemente für eine naki
ll i st i s ch-p uritanischeCorruptionS-
Partei bilden sich heraus.—Noch hat man
jedes dieser Elemente einzeln zu bekämpfen;
ist da? Ankämpfen fruchtlos, werden sie mäch
tiger, dann werden sie sich auch bald zusam
menfinden. (Stsztg.)
Der eue östreichische Gesandte in
Washington.
Die vielbesprochene Ernennung des wäh.
rend der Wiener Weltausstellung so vielge
nannten Barons v. Schwartz-Senborn zum
östreichischen Gesandten in Washington ist
endlich offiziell angezeigt. Dr.Wilh.Schwartz
wurde im Jahre 1816 in Wien geboren, und
nachdem er seine Studien vollendet, zum Se
kretär der Industrie-Gesellschaft ernannt, wel
ches Amt er bis zum Jahre 1843 bekleidete.
Von jener Zeit bis zur Gegenwart hat er an
allen größeren Industrie Ausstellungen in
hervorragender Weise Antheil genommen und
zwei grogc Weltausstellungen organisiren und
leiten helfen, die Pariser und die Londoner
und eine die Wiener selbstständig gclci.
ttt. Sein Eifer und feine außerordentliche
Sachkenntniß fanden allgemein Anerkennung,
und im Jahre 1862 mutzte er den Kelch aus
trinken, der in monarchischen Ländern jedem
ausgezeichneten bürgerlichenMannc, wie jedem
schlauen Höflinge und sogar mancher vorsich
tigen Eourtisane gereicht wird, er wurde vom
Kaiser Franz Joseph in den Adelsstand er
hoben.
Als die Idee, eine Weltausstellung in Wien
zu halten, zuerst veiitilirt wurde, wohnte Ba
ron v. Schwartz in Paris, sobald jedoch das
Projekt Form und Gestalt gewann, eilte er
nach seiner Vaterstadt und bot seine Dienste
an, die bereitwilligst acceptirt wurden. Was
er für die Wiener Weltausstellung gethan hat,
ist noch Allen frisch im Gedächtniß. Baron v.
Schwartz-Scnborn wird als Mann von ra
scher Fassungsgabe, klarem Verständnisse,
schnellem aber treffendem Urtheile und gleich
zeitig von hoher Bildung und einem seinen
Benehmen geschildert.
Die Nationalität der Verbrecher
in New-York.
Dft „N. Y. Times" stellt eine interessante
statistische Tabelle auf über die Nationalität
der Verbrecher in der Stadt New-York seit
1860 bis zum Jahre 1872, als auf einen
Zeitraum von zwölf Jahren. Diese Tabelle
stellt ein äußerst günstiges Resultat für das
deutsche Element ans und muß die Amerika
ner überzeugen, daß die deutsche Einwande
rung ein werthvolles Element für die Verei
nigten Staaten ist und zwar sowohl in sittli
cher als in ökonomischer Hinsicht. Dagegen
tritt das irländische Element als ein sittlich
total verkommenes aus, indem es uiit.r allen
fremdgeboreneii Verbrechern mehr als drei
Viertheile liefert. Uebrigens gesteht die
„Times" offen zu, daß die schweren Verbre
cher zum überwiegenden Theile aus gebor
neu Amerikanern bestehen, während die leich
ten Vergehen von Trunkenheit und öffentli
cher Ruhestörung nur auf das schnldeonto
der Fremdgeboreucn kommen.
Nach der Tabelle sinp während jenen 12
Jahren 889,544 Ärretftnngcn iy New-York
erfolgt und davon 503,082 Pcrsciicn in das
Stadlgefängniß und 18,762 in das Zuchthaus
abgeliefert worden.
Die geboruen Amerikaner liefern hierzu
3ljBo Prozent, die in Irland Gebornen
50z52 Prozent, vie in Deutschland Gebornen
16 Prozent.
Was nun aber die weiblichen Verbrechen be
trifft, so gibt jene statistische Liste folgendes in
teressante Resultat: „Die gejammte Zahl
der weiblichen Verbrechen innerhalb des oben
genannten 12-jährigcn Zeitraumes beträgt
266,812. Hiervon kommen auf gebornc
Amerikanerinnen 27j8l Prozent, auf geborne
Jrländerinnen 42Z85 Prozent und auf ge
borne Deutsche weiblichen Geschlecht nur
7184 Prozent."
Dieze Tabelle jfi das stärkste und beste Ar
gumenl gegen alle Angriffe, die, namentlich
in neuerer Zeit bei der herrschenden Tempe
renzwuth, von den Amerikanern gegen das
deutsche Element und gegen das Lagerbier
wie gegen die deutsche soziale Sitte erhoben
werden. (lourn.)
Baltimore. Md., Freitag, den 27 März MZI
Briefe ans Elsaß-Lothringen.
Die ledige Optionsangelegeiibeil, welche so
! viele Unannehmlichkeiten im Gefolge hatte,
i macht uns im Reichslandc immer noch zu
) schaffen. Bekanntlich erstreckte sich nämlich di-
Qptionsfrage in Frankreich a.is sämmtliche
Elsaß-Lothnnger, gleichviel, ob solche als eh
renhafte Vaterlandsvertheidiger einen Platz
in der Armee einnahmen, oder als Verbrecher
! irgend welcher Art in den Gefängnissen Frank
z reich's eine strafe abzubüßen hatten. In der
Hoffnung durch die Wahl der deutschen Natto
lialität eine Milderung, wenn nicht gar einen
völligen Erlaß der Straft zu erlangen, mach
! ten natürlich dft Elsaß-Lorhringer der icvtge
! nannten Kategorie zahlreicher als jede andere
! Klasse von Leuten von der gewährten Option
j sreiheit Gebrauch und verlangten an Deutsch
! Land ausgelieftrr zn werden. In Folge des
sen kommen mitfastjedcm
portschiffe von den Sttaftolonle'u in Guiana
und Neu-Caledonien starke Abtheilungen die
ser nicht gerade willkommenen, nunmehr deut
scheu Staatsangehörigen über Bclfort im El
saß an. Dieselben werden dann zunächst nach
der großen Gesangenanstalt in Enhisheim ab
geliefert, woselbst die Feststellung der von ih
nen noch zu verbüßenden Strafen erfolgt.
Zum großen Theil sind es politische Verbre
cher, die, wenn sonst kein weiteres Vergehen
vorliegt, demnächst entlassen werden müssen.
Die Dcportirten haben auf den französischen
Strafcolonie'n.wcnn ihre eigentliche Strafzeit
imGefängniß daselbst abgelaufen ist, noch wei
tere 5 Jahre in Guiana oder Neu-Caledonien
zu verbleiben, ehe sie ihre volle Freiheit wie
dererlangen, um als Ackerbauer an der Cul
tur des Landes mitzuarbeiten. Sie können
dann Heirathen oder, was häufiger geschieht,
durch wilde Ehe eine Familie gründen.
Auch von dieser Classe der Gesungenen wer
den viele Personen, beziehnngsweiseFamilien,
au Deutschland ausgeliefert. Nun sind die
Dcportirten aber durchweg in einem so Physisch
und moralisch verwahrlosten Zustande, daß eö
beunruhigend im höchsten Maße ist, wenn
man diesen Zuwachs Deutschland' bctrach
let, der früher oder später in Freiheit gesetzt,
nichts anderes als ein thateiidurstiger Suc
ciirs der Internationale werden wird. Um
' die Bildung von Spitzbuben- und Räuber
banden, an Ort und Stelle gleich, zn vermei
den, läßt man aus Ansuchen der Justizbehör
den von den zu entlassenden Sträflingen zwar
nur alle 3 Tage ei nc n gehen; auch schützt
man Alt-Deutschland nach Möglichkeit vor
dieser Rotte Cora, indem man die Leute com
seqnent nur nach ihremHeimathsort nnd zwar
per Schub entläßt; —es läßt sich aber doch
nicht vermeiden, dag nach und nach durch diese
im Lande umherstreichenden demoralisirten
Menschen eine Unsicherheit der Person und
des Eigenthums hier überhand nimmt, wie
sie größer nicht in der bevölkertsten Stadt un
seres europäischen Continents gegenwärtig ist.
Die Kinder einer solchen Dcporlirtenfaini
lie verbleiben beider Auslieferung an Deutsch
land zunächst der Mutter, welche sie in das
für sie bestimmte Gefängniß mitnimmt. Wird
der Mann frei, so werden dieselben auf einer
Bahnstation, wo Mann und Frau unter Es
korte von Gensdarmcn zu diesem Zwecke zu
sammentreffen, dem Barer übergeben, wäh
rend die Mutier, welche in der Regel wegen
irgend eines gemeinen Verbrechens eine län
gere Strafzeit zu verbüßen hat, in's Gefäng
niß zurücktraiispolirt wird. Wir sind leider
heute noch nicht im Stande, genaue Zahlen
der den Umsug diejer Verbrecher - Ueber
schwemmu.ig anzugeben, können jedoch ver
sichern, daß es nichr wenige sind, die nach der
Opnon Guiana und Ncu-Caledonieil init den
Bezirksgesängnissen vonElsaß-Lothringen ver
tauschen, abgesehen von den zahlreichen Aus
licftrungen von Gefangenen aus den übrigen
Strafanstalten Frankreich'.
Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß
Enhisheim eines der größten Gefängnisse ist,
welches wir in Deutschland haben. Die An
zahl derdaselbstinhastinenSttästingeschwankt
zwischen 600 und 700. Meistens sind es
solche Verbrecher, welche für mehrere Jahre
ihrer Freiheit für verlustig erklärt wurden.
Die Einzelhaft kommt nur in geringem Maß
stab zur Anwendung. Es werden vielmehr
besondere Industriezweige fabrikarttg durch
die Leute in großen Maschinen- und Arbeits
räumen ausgebildet und betrieben.
Enhisheim zeichnet sich in dieser Beziehung
durch dieFabnkation vonGoldtcistcn, in wirk
lich musterhafter Vollendung, Cocosmatten
und Bleisoldaten aus. Der letztgenannte
Induriezweig soll indessen, wie wir hören,
wahrscheinlich aus SaiiitätSrücksichlen, dem
nächst eingehen. Den Sträflingen, welche
sich mit dem Staat in den Arbeitsverdienst
theilen, ist hierdurch die Möglichkeit geboten,
wenigstens in einiger Weise auch während der
Haftzeit für ihre Familie zu sorgen.—ln den
übrigen Gefängnissen Elsaß -'Lothringen's
werden andere, nicht minder nützliche Arbei
ten durch die Gefangenen verrichtet. So be
steht zum Beispiel in dem Colmarer Bezirks
gesängniß die Hauptarbeit in Reinigung von
Rokleide, welche dann in den zahlreichen
Seibcnzeug- und Bandfabriken des Elsaßes
zur weiteren Verarbeitung kommt.—Natür
lich wird bei alle dem den persönlichen Fähig
keiten eines Gefangenen in der einen, wie in
der anderen Strafanstalt Rechnung getragen
und tüchtige Handwerker werden nach Mög
lichkeit immer in ihrem eigenen Fache be
schäftigt. Am Mißlichsten bleibt es für die
Gefänguißverwaltungen, stets die nicht unbe
deutende Anzahl veriirtheilter ungetreuer Be
amter nützlich zu beschäftigen, deren vor Kur
zem so viele gewesen sind, daß französische
Blätter zu dem Witze leider nichl ganz un
berechtigt waren, wonach ein Franzose den
Ändern frägt: „Wie gelangen wir am Leich
testen und Schnellsten wieder in den Besitz
von Elsaß-Lothringen?" Worauf Jener ant
wortet: „Man mache alle Deutschen zu Ein
nehmern und Cassenrendanten —dann reißen
sie von selbst aus." (Stsztg.)
Die Eisberge. Das Wetter im
Atlantic.
Alle Berichte der Schiffe, welche in den
letzten Wochen den nördlichen Theil des at
lantischen Oceans passirten, haben der unge
wöhnlichen frühzeitigen Wanderung großer
Eisfelder und massenhafter Eisberge ans dem
Norden des atlantischen Ozeans nach dessen
südlicheren Theilen Erwähnung gethan.
Schon am 11. März bemerkte man von St.
John aus große Eisschollen nach den Neu
fundland-Bänken treiben. Die „Calabria"
traf am 7. März Mengen von Eis unter dem
43. Grad nördlicher Breite und dem 50. Grad
westlicher Länge und an demselben Tage
machte die „Fnsia," obwohl über 100 Meilen
entfernt, die gleiche Wahrnehmung. Sogar
schon am 28. Februar mußte die „Idaho,"
weil von EiS eingeschlossen, ihre Maschine 2
Stunden stillstehen lassen.
Das plötzliche Hereinbrechen dicferEisberge
in die dunstgefchwängerte Region der wärme
ren Theile des atlantischen Ozeans möchte
den Schlüssel zu dein furchtbaren Orkane vom
27. Februar geben, in welchem so viele Schiffe
zu Grunde gingen. Man nimmt allgemein
an, daß die antarktischen Eisberge, welche
den Gürtel warmen Wassers östlich' vom Kap
Horn durchdringen, die heftigen Stürme der
höheren Grade südlicher Breite verursachen.
Die Einwirkung immenser Eismassen mit
ihrer weitgreifendeii Abkühlung der Alh
mosphäre, wie dies im Südosten Neusund
land's geschieht,bringt eine plötzliche und um
fangreiche Verdichtung der Dünste mit sich,
wovon ein schneller Barometerfall und hef
tige Wirbelwinde die Folge sind. Auch die
Schneestürme, von denen einige der beschädig
ten Schiffe berichten, erklären sich so.
McCllntock hat einen dieser Eiskolosse ge
messen. Er war 250 Fuß hoch, unterhalb des
Wassers der Bassins-Bai aber erstreckte er sich
bis in eine Tiefe von 500 Fuß. Nicht alle
diese Ungeheuer haben dies Volumen, aber
ein Schiff begegnet während seiner Fahrt nie
len Hunderten. Einen einzigen zu schmelzen,
abforbirt schon eine Unmasse Wärme und die
sie umringende Luft wie der Ozean in ihrem
Umkreise werden ourch sie in ihrer Tcmpcra
lur ganz beträchtlich herabscimmt. Für die
nächste Ze,t werden die Schiffs-Eapitäne un.
gewöhnlich vorsichtig sein müssen; die regulä
ren Acquinoclialstürme nahen heran u. wenn
sie mit den erörterten anßergewöhnlichcnT m
peratur - Veränderungen in Verbindung tre
ten. so wird für die schifffahrt eine sehr ge
fährliche Periode eintreten.
Die neuen 50 Cents-Noten, welche
auf her Vignette das Bild von Samuel Dex
ier, Schatz,ekretär in 101, trage, sin nach
gemacht worden. Die Straßen-Car-Con
dukreure berichten, daß ihnen täglich eine große
-Anzahl dieser Noten offerirt werden, ebenso
häufig kommen sie im Handel vor. Man
muß sich wundern, daß eine solch'
schlechte Fälschung cirkuliren kann. Tie
Fälschung kann nur unwissende Pcr'onen
täuschen, denn die Arbeit ist so schlecht, daß sie
augenblicklich auffällt. Das Portrait Dcxter's
ist sehr schlecht nachgemacht, und hat wenig
Aehnlichkeit mit dem Portrait auf den ächten
Noten. Das Papier der falschen Note ist
ebenso dick und gut als das der guten Noten
jedoch ohne die farbigen Seidenfäden, welche
wie Haare in das Papier eingearbeitet sind,
und welch' geheimer Prozeß nur derßegierung
bekannt ist. Verschiedene grüne Streifen aus
der Rückseite der falschen Noten zeigen, daß
man versuchte, diesem Ucbelstand abzuhelfen
dieselben find aber nur ein Zeichen, daß die
Noten nachgemacht find.
Telegraphische Tepescheu.
Europäische Äabelberichte.
Berlin, 20. März. DaS Neichstags-
Comlte hat zum zweiten Male dagegen ge
stimmt, die Stärke des stehenden Heeres auf
400,000 festzustellen.
Berlin, 22. März. Die Generäle der
Armee machten dem Kaiser heute ihre Auf
wartung, um ihm zn icincm 77. Geburtslage
zu graluliren. Tcv Kaiser erwiderte auf die
Gratulationsadresse, daß cinc Crisis über der
Armee schwebe; e: fti jedoch einschlösse, deren
Stärke ausrecht zn erhallen und dadurch den
Feieden von Europa zn sichern.
Oestreich.
Wie n, 20. März. - Der Kaiser hat die
Resignation des ungarischen Ministeriums
angenommen und Hrn. Bilto zum Präsiden
tcn des neuen Mmislcrraths ernannt.
Wien, 22. März. Die Ernennung des
Barons Schwarz-Zanborii zum östreichischen
Gesandten in Washington ttt offiziell ange
zeigt morden.
Oestreich-Ungar.
Pesth, 21. Marz. Das neue ungarische
Ministerium besteht ans iolgendcn Mitglie
dern: Billo Ministerpräsident; Ghyczy Fi
naiizminister; Bartal Handelsministcr; La
pary Minister des Innern, und Panier Un
terrichtsmmister.
London, 20. —Die „Daily
News" sagt, aus guter Quelle er'ahre man,
daß Tisracli eine baldig? Entlassung der
noch gefangenen Feiner beantragen werde.
Von der schottischen Küste werden heftige
Stürme und Unglücksfälle zur See gemel
det.
London, 2V. März. General Wolse
ley ist heute Abend in Portömouth angekom
men.
Der Lord-Mayor von London wird dem
General Wolscley bei jeinerAnkunft Hierselbst
cm Bankett geben.
Lord Salisbury, Sekretär für Indien, kün
digt eine neue -Anleihe für Indien zum Be
trage von 50 Millionen Dollars an, wovon
15 Millionen sofort nothwendig sind.
Das Wasser in der Themse stieg heute sehr
schnell, floß über die Dämme und über
schwemmte die angrenzenden Straßen und
Speicher. Putney war überschwemmt und
mehrere Personen waren in Gefahr, zu er
trinken.
London, 20. März. In der heutigm
Sitzung des Unterhauses zeigte Hr. Disraeli
an, daß die Regierung aus Vertagung vom
31. März bis zum 13. April antragen werde.
Er versprach, daß der Budget-Entwurf am
16. April fertig sein sollte.
Dr. Butt brachte zu der vorgeschlagenen
Ansprache ein Amendemeni ein, in welchem
die Unzufriedenheit Irland's mit der gegen
wärtigen N-gicrungsform betont und erklärt
wird, es sei die Pflicht des Parlaments, aus
sofortige Mittel zur Abhülfe der Unzufrieden
heit zu sinnen. Die Art und Weise, wie Ir
land regiert werde, basi.-e ans Mißtrauen.
Dr. Butt sagte, die Jrländcr verlangten,
in ihren eigenen Angelegenheiten selbst sie
Entscheidung zu haben, während sie Reichs
a'nijelegenheiteii dem Parlament überließen.
Das Volt verlange vom Premier-Minister
nicht ohne Weiteres die "bomo e!o," son
dern eine vollständige Versöhiinngs-Politik.
Ter Mayor von Dublin unterstützte das
Amendement; Newdegate und Gladstone wa
ren gegen dasselbe. Hr. Glavstone sagte, eine
solche der gesetzlichen Autorität,
wie das Amendement sie vorschlage, sei nicht
durchführbar, da es keine Autorität gäbe,
welche entscheiden könne, wo die Angelegen
heiten anfingen, speziell ans Irland Bezug zu
haben. Bei der schlicßlichen Äbilimmimg
wurde das Amendement verworfen.
London, 20. März. Eine Deputation
der „Vereinigten Handelskammern" machte
heute dem Loro Derby, Minister des Auswär
tigen, ihre Aufwartung und beleuchtete die
Vortheile, welche daraus entspringen würden,
wenn eine internationale Convention berufen
würde, um die Patent-Gesetze aller Länder
mit denen Groß-Britannien's und der Ver.
Staaten anzufangen zu alsimiliren.
Lord Derlei) erwiderte, daß eine solche
Assimilation wünschenswerth sei.
Lord John Manners, General Postmeister,
ist in'S Parlament wiedergewählt worden.
London, 20. März. DaS 23. Infan
terie-Regiment, "Iloval IVelsli 1->is!lesr."
welches gestern von der Goldküste mit dem
Trnppen'schiff „Tamar" im Hafen von Poris
mouth ankam, landete heute Morgen in Ge
genwart einer ungeheuern Menschenmenge.
Der Mayor und die städtischen Corporaiionen
gingen ihnen entgegen; sie wurden mit einer
Rede begrüßt und mir einer Negiinents-Ziege
beschenkt, zum Ersatz für diejenige, welcde in
Cape Coast-Castlc starb.
Nachdem die BegrüßungS-Feierlichkcit vor
über war, marschirre das Regiment nach dem
Bahnhose, wo dasselbe vor der 'Abreise ein
Mahl einnahm. Tie ganze Marschroute von
der Schiffsbrücke bis zum Baynhose war
prächtig dekorirl, und die Soldaien wurden
von einer begeisterten Menge mir fortwähren
dem Hurrah begrüßt. Die Truppen trugen
dieselbe Uniform, in welcher sie den Feldzug
mitmachten. Das Wetter war herrlich. Der
Danipser „Sarmatian," welcher die „High
landers" bringt, wird morgen landen.
London, 20. März. DaS Steigen der
die Folge einer außerordentlich
hohen Flitty längs der ganzen östlichen Küste
von England. Jpswich, Yarmoulh und Hull
wurden theilweise überschwemmt.
London, 21. März. — Im Unterhause
zeigte Hr. Anderson heute an, daß er am
Montag -die Regierung fragen werde, ob sie
Willens sei, mtt der Regierung der Ver.
Staaken zu coopcrircn, um die O zean-Rouren
für Segelschisse zu bestimmen.
hohe Steigen der Fluth
in der Themse richtete an den Ufern großen
Schaden an. Lambeth und Notherhitye wa
ren überschwemmt, Adzugs-Kanäle wurden
durch das Wasser zerstört, und in vielen Häu
sern brachen die Fußböden aus. In Wapping
waren die unteren Stockwerke der Häuser mit
Wasser gefüllt, und die Geschäfte an den
Wersten ruhten. Zahlreiche Familien waren
genöthigt, ihre Häuser zu räumen. Mehrere
Kinder und eine Anzahl Pserde ertranken. Im
Arsenal von Woolwich stellen die Hecrdfeuer
der Kanonen-und Gewehrfabriken unter Was
ser, ii. dieVorralhshäiiser sind überschwemmt.
Eine weitere Fluthanfstauung wird heute er
wartet, und hohe Dämme sind aufgeworsen
worden, um die User zu schützen.
London, 20. März.— Tisracli weigerte
sich heule, eineDelegalion zu empsangen, wel
che ihn um Freilassung der eingekerkerten Fe
iner ersuchen wollte.
Lon do n, 21. März. — SirGarnet Wol
jeley schiffte sich heule Morgen m Porlsmouth
aus; er wird heute Nachmittag hier eintreffen.
An ver Waterloo Station ist eine ungeheure
Menichenmenge versammelt, um ihn willkom
men zu heißen.
(Später.)— Sir Garnet Woljeley traf heute
Nachmittag in London ein. Als er an der
Waterloo-Station ausstieg, wurde er von der
Menschenmenge mir enthusiastischen Hochru
fen bedacht.
Im Uittcrhaufe wurde heute Nachmittag
die Bill angenommen, §4,000,000 für die
Kosten des Ajhanti-Kriegcs zu verwilligen.
London, 23. März. Die „Post" deu
tet an, daß der Gen. Wolseley wahrscheinlich
zum General-Major erhoben weroeu und eine
Pension von §7soojährlich erhalten wird.
London, 23. März. 70 Journalisten
machten am Samstage einen Ausslug in den
(hier jetzt eingeführten) Pullman'schcii Palast-
Waggons auf der „Midland - Eiienbahu."
Die Zeitungen sind heute mit Lobeserhebun
gen über die Pracht, Bequemlichkeit sc. der
Pilllman'schciiWaggoiis angefüllt. Tie Lon
doner „Times" sagt: „Alles paßt nett zu
sammen un '-arbeitet glatt. Das Auge fällt
auf mechanische Borrichtungen, welche den
Ersinduiigsgcm danhun, den wir gewohnt
sinv, als amerikanisch anzuerkennen. Nun
mehr, da Pullman's Waggons den Ozean
gekreuzt haben, werden sich dieselben nicht bloß
auf England beschränken."
London, 23. März. Die zurückgekehr
ten Hochländer landeten heute mit dem Dpfr.
„Sarmatian" in Porismouth, und eine Fest
lichkeit fand ihnen zu Ehren Mit.
London, 23. März. Zehntausend
Menschen waren heute herbeigeströmt, um Sic
Landung der Hochländer miianzufehen. In
deni Gedränge ereigneten sich mehrere Un
glücksfälle. Die Königin hat befohlen, daß
am Freitag im Hyde-Park eine Revue aller
von ver Expedition zurückgekehrten Truppen
stattfinden soll.
London, 24. März. Tic Gebr. Sie
mens zeigen an, daß ihr neuer Dampfer „Fa
raday,"welcher für den Zweck der Kabellegnng
gebaut wurde, am 15. April beginnen wird,
das Kabel an Bord zu nehmen, welches nach
den Ver. Staaten gelegt werden soll.
Aden, 24. -März. Der Dinpsr. „Cal
cutta," welcher Dr. Livinzstone's Leiche an
Bord hat, ist hier eingetroffen.
London, 24. März. Tie Königin
wird nächsten Montag bei Windsor Revue
über die aus dem Ashanti-Kriege zurückge
kehrten Truppen abhalten.
Hr. Tisracli hat sich bereit erklärt, eine
Deputation von 70 irischen Parlamentsmil
gliedern zu empfangen, welche sich für Frei
lassung der gefangenen Femer bei ihm ver
wenden wollen.
.. Frankreich.
Paris, 20. März. Mitglieder der äu
yernen Linken hielten heule zu Versailles eine
Veriammlimg. Es wurde beschlossen, bei
; der Eingabe der neuen Wahl-Bill zn Verlan
gen, daß das gegenwä.tige Gesetz in Kraft
bleiben solle und daß die Aalionalvenamtn
lung sich am 28. Juni auflöse.
4, er Herzog von Padua und andere promi
nente Persönlichkeiten, welche an der neulichen
Demoiisttation ,n Chiselhurst Theil nahmen,
sind von ihren resp. Aemtern, welche sie unter
der gegenwärtigen Regierung inne hal.cn.
abgesetzt worden.
Paris, 23. März. In der National
vmammluiig wurde heute ein Protest vorqe
legt, in welchem die Auflösung derselben ver
lanat wird. Derselbe war von Gambetta,
Rollin, Lacour, Peyrat nnd Barvdet unlcr
zeichnet.
Bayonne, 23. März. T ie Behörden
haben den Cure von Santa Cruz über die
Grenze gebracht.
Paris, 24. März. Die National-Vcr
,'aiiimlung hat beschlossen, sich am 23. März
bis zum 2. Mai zu vertagen.
Eine Deputation von Royalistcn wird dem
nächst den Grasen Chambord besuchen und ei
nen letzten Versuch machen, um eine Wieder
herstellung der Monarchie herbeizuführen.
Spanien.
London, 20. März. Der hiesige karli
jtnche Militär-Agent hat von der Karlisten.
Junta in Bayonne folgende Depesche crhal
ten: „General Patacios meldet, er habe die
republikanischen Truppen unter Collejo in
der Nähe von Minagnilla mit großem Ber
lujie geschlagen und befinde sich mit einer
Heeres-Abtheilung von 12,000 Mann aus
dem Marsche in der Richtung nach Madrid."
Minlagnilla ist ein Dorf in der Provinz
Cuenca, 44 Meilen südwestlich von der Stadt
Cuenca.
Madrid, 20. März. Der Presse ist
durch Cabinets-Qrdre besohlen worden, nur
amtliche Äriegsnachrichtcn zu veröffentlichen.
Bayonne, 20. März. Die Karlisten
haben eins der äußeren Forts von Bilbao
eingenommen. Vierzig Mann von der Gar
nison sind gefangen genommen worden. Die
Insurgenten setzen das Bombardement der
Stadt fort.
Madrid, 22. März, Em Dekret ist
veröffentlicht worden, welches die Errichtung
einer Nationalbank verfügt; derselben ist das
Monopol zugestanden, Noten auszugeben, und
sie dar? alle anderen Banken des Landes ent
weder unter ihrer Aegide vereinigen, oder sus
pendiren. Die neue Bank verpflichtet sich,
der Regierung 120 Millionen Peseta's zu
leihen.
Don Carlos ist von einem Mädchen
entbunden worden.
2l. Mai. Der Cure von
canra-Cruz wurde von franz. Offizieren an
der spanischen Grenze verhaftet und hierher
gebracht.
La don, 23. März. Eine Sp-zialde
vesche des „Standard" meldet, daß die erste
Bewegnng der Regierungstruppen, Bilbao
vom -Wasser ans zn entsetzen, fehlschlug. Es
war unmöglich, eine Landung zu bewcrkslcl
ligen, und die Flotte kehrte nach Santander
zurück.
London, 23. März. „Hour" erhielt
eine Depesche von Spanien, nach welcher im
Lager Serrano's ein Munittonswagen in die
Luft geflogen ist, wobei fünfzig Mann theils
gcrödtet, theils verwundet wurden.
New-York, 23. März. Eine Spe
zial-Depeschc des „Herald" meldet, daß die
Regierung beabsichtigt, den Gen. Burriel in
-Anerkennung semer vortrefflichen Dienste auf
Euba zum Fcldmarichall zu ernennen. Jose
Conchas, der Nachfolger Jovellar's, ist sowohl
General-Capital, von Cuba als auch von
Porto-Rico.
Bayonnc, 24. März. Tie Äarlisten
werfen Brandkugeln in die Stadt Bilbao,
welche schreckliche Verheerungen anrichten.
Ganze Straßenrcihen stehen in Flammen.
4as letzte Gefecht vor der Stadt hatte die
Besetzung der Vorstadt Albia durch die Kar
lislen zur Folge.
Rom, 23. März. Heute feiert König
Viktor Emanuel den 25. Jahrestag seiner
Thronbesteigung als König von Sardinien,
welche Feier im ganzen Königreiche Italien
mttbegangen wird.
Der Papst hat angedeutet, daß im nächsten
Consistorium der Erzdischof Manning und
neun andere Erzbischöse zu Cardinälcn er
nannt werden sollen.
Der König empfing heute über 3000 Per
fönen aus allen Theilen des Königreiches.
Venosta, der Minister des Auswärtigen,
legte eine Grarulationsadressc der amerikani
schen und britischen Bewohner Italien's vor.
Znland-TePcschen.
Aus der Bundeshauptstadt.
Was hin gto n, 23. März.—Die Steuer-
Einnahmen haben sich innerhalb der letzten
zwei Wochen, besonders in den Distrittcn
Ohio und Indiana, sehr vermindert, und die
Ursache ist der Weidcrkrcnzzilg gegen diönig
Alkohol, der jetzt dort im Gange ist. Tie
Großhändler verschieben ihre Ankäufe von
den Branntweinbrennereien in Folge desßct
weibcr - Unfuges. Eine oder zwei Brannt
weinbrennereien haben ihre Operationen
gänzlich eingestellt, da sie nicht im Stande
waren, die crzeuglen Spirituosen - Borräthe
zu verkaufen. Die Einnahmen ans den
Steuern belausen sich für das gegenwärtige
Etatsjahr aus beinahe §71,000,000, und der
Comnnssär glaubt, daß sie bis zum Ende des
Jahres den veranschlagten Betrag, nämlich
100,000,000, erreichen werden, da die Li
cenztaxc, die im Mai und Juni zu zahlen ist,
circa §8,>100,000 einbringen dürfte. Die
Einnahmen ans dieser Quelle waren im vori
gen Jahre §5,016,904 von Detail-Spiritno
scnhändlcrn; §781,663 von Spirituosen-
Großhändlern; 1,500,000 von Tabacks
händlern. Die Einnahmen aus allen Quellen
in den letzten drei Quartalen waren §27,500-
000 per Quartal; man erwartet jedoch nicht,
daß sie im nächsten Quartal dieser Proportion
entsprechen werden, wenn man nicht die im
Mai und Juni fällig werdenden Licenztaxen
hinzurechnet. Vielleicht erreichen sie 20,00(1-
00, und wenn man die §3,000,000, die man
für den Rest dieses Monats veranschlagt, und
die oben erwähnte spezielle Taxe dazu rechnet,
dann vielleicht gehen doch noch die §lOO,OOO
- ein, die für das Etatsjahr veranschlagt
worden sind. Eine andere Ursache der Ver
minderung der Einnahme ist die Unsicherheit,
in welche die ganze Nation durch das Ver
sahren des Congreffcs gesetzt worden ist. Nie
mand kann errathen, mit welcher thörichten
Flnanzgcberci und welchen Steuern der Con
greß das Land heimsuchen wird, und welche
unheilvolle Wirkungen dem Handel und dem
Berkehr entstehen werden, wenn die unreifen
Finanzansichten zur Geltung gelangen sollten,
die seit drei Monaten zum Skandal der Welt
im Bundcssenat oerfochten wcreen.
Das OberbnndeSgericht entschied heute
wieder eine Anzahl Rechtsfällc, darunter war
jedoch keiner von nationaler Bedeutung.
vine Eisenbahnbrücke zerstört.
Portla >id , Me . 22. März. Etwa
325 Fuß der interimistischen Holzbrücke der
„Maine-Centtal-Bahn" bei Eollege-Rapids
wurden gestern vom Eise fortgerissen. Ein
Pfeiler der an zenem Punkte im Ban begrif
fenen Hängebrücke wurde ebenfalls zerstört
und es ist wahrscheinlich, daß die Arbeiten an
derselben bis zum Eintritt der warmen Jah
reszeit ausgesetzt werden müssen.
Verurtheilung eines meineidigen
<sotraktors.
Buffalo, N.-Y., 23. März. John
Ortncr, der Straßen-Eontraktor, welcher in
verflossener Woche des Meineids überführt
wurde, indem er Rechnungen über Arbeiten,
die niemals gethan worden waren, als corrclt
beschwor, wurde heute Nachmittag zu drei
jähriger Zuchthaushaft verunheilt.
Ein höllischer Versuch, einen Bahn
zng Z zerstören.
Bing h a mp l on, N.-Y., 23. März
Der gestern Abend um l l Uhr hier fällige Ex
preßzug der „Erie-Bahn" wurde nahe unse
rem Orte von den Schienen geschleudert und
einige Waggons erheblich beschädigt. Böse
wichte hatten einen Hausen hölzerner Schie
nen - Schwellen über den Bahnweg gelegt.
Der Zug collidirte mit denselben "lind die
Folge davon war die Zerstörung mehrcrerWag
gons. Einige Passagiere erhielten bedeutende
Verletzungen.
Der Ausstand auf der,, Eri
c
Newark, N.-J., 23. März. Die aus.
stehenden -Arbeiter haben sich bis dahin keiner
Uebergriffe gegen die heute Morgen angestell
ten 500 neuen Leute schuldig gemacht. Mög
licher Weise sind sie durch die Nachricht eing'c
schüchtert worden, daß das 4. N.-J. Regiment
und das 1. Infanterie - Bataillon in ihren
Waffenjälen auf den Befehl warten im Falle
von Ruhestörungen einzuschreiten.
New-York, 23. März. —Ehe heute
Morgen die „Erie-Bahn-Eomp." neue Arbei
ter anstellte, erbot sie sich, die ausstSndigciz
Leute zu beschäftigen; ihr Vorschlag wurde je
doch zurückgewiesen,
Wahrscheinlich in Mord.
Newark, N.J., 23. März. Cdas.S.
Kroa wurde Herne Morgen tob! im „Raviue-
Cut," Jersey-City, gesunden. Ptan vermu
thet, daß der Mann ermordet worden ist. Er
spielte bis heute früh in einer benachbarten
Wirthschaft anen und soll dort mit Jeman
dem Streit gehabt habep.
Große Massenversammlung der
New - Yorker „Eontrakti-nisten "
N e w -York, 24. März Heute Abend
fand eine Massenversammlung in der großen
Halle des „Coopcr Jiistitiits" statt, um den
Ansichten der hiesigen Kaufleute über die Na
ttviial-Finanzen Ausdruck zn geben und ge
gen das Zögern des Congresses, dft über diese
Angelegenheit vorliegenden Bills zu erledi
> gen, Protest zn erheben. Die Halle war dicht
gefüllt, und auf der Plattform saßen die pro
minentesten Kaufleute nnd Bürger. Wm.
Culten Bryaiit führte den Vorsitz.
Eine Reihe von Beschlüssen gegen Cou
! rani-Vermehrung wurde vorgelegt' nnd nnge-
nonimen. sodann wurde ein Schreiben
von Charles Francis Adams, der versprochen
! Halle anwesend zu sein, aber am Erscheinen
verhindert war, vorgeleftn.
Der Netter des Dampfers .Penn
sylvania nnd die Dpfr.-Eomp.
Pyiladclp h ja. 23. März.—Die Ant
wort auf den Anspruch des Capt. Brady auf
Rcttungsgcbühr, weil er den Dampfer „Penn
sylvania" sicher in den Hasen geführt hat, ist
von den Anwälten der Compagnie entworfen
worden und wird in einigen Tagen dem Ge
richte vorgelegt werden. Die Vertheidigung
wird geltcnd machen, daß, während Brady
nur seine Pflicht that, indem er das gefährdete
Jahrzcug retteie, er auch noch den Capitäns
rang nsurpirte, als die Gefahr vorüber war,
indem doch der 3. Offizier vollkommen fähig
war, das Schiff zu führen.
Fansttampf zwischen Waljusin.
igen.
Philadelphia, 23. März. Am letz
ten Donnerstag gingen mehrere Pflegebefoh
lene des Kirkbnde-Jnenhaufts, Montgomery-
Connty, Pa., im Hose der Anstalt spazieren,
als plötzlich Justus W. Acuff die anderen auf
sorderte, mit ihm zu boxen. Seine Gefährten
fielen über ihn her und prügelten ihn fast zu
Tode.
Kam un' Leben.
Harris bürg, Pa., 23. März. Am
gestrigen Morgen war Joseph Valliguette be
schäftigt, im Slimemahoiuiig-Ercck Baum
klötze aufziistap-ln, als plötzlich der Hause zu
sammenbrach und V. zu Tode gequetscht
wurde.
Ei junger Mörder.
Detroit, Mich., 23.März. Am Sam
stage begaben sich vier Knaben, von denen der
älteste mcht mehr als 17 Jahre alt war, nuf
die Jagd. Nahe dem Old-Fort geriethen zwei
der Knaben, der eine 15, der andere 16 Jahre
alt, mit einander in Streit. Eine Prügelei
war die Folge. Dem jüngsten der Beiden,
Joh. Falvey, gelang es, sich von seinem Geg
ner los zn reißen, eine Flinte zu ergreifen, die
Mündung derselben gegen die Briist des an
dern Knaben, Richard McEvoy, zu richten
und diesen zu erschießen. Der Schuß riß
thatsächlich das Herz aus der Brust und legte
dasselbe, einen schrecklichen Anblick darbietend,
dem Auge bloß.
Explosion eines Schleppdampfers
; auf dem Mississippi. - Verlust
- von Menschenleben.
M emphis, 2 t. März. Eii e Spezial-
Depesche von Helena, Art., meldet: „Ter
Schleppdampfer „Crescent-City," von Ncw-
QrleanS nach St. LouiS bestimmt, mit 5
Frachtkähnen, einer Holzbarge und einem
Handelsboote im Tau, flog heute Morgen 49
Uhr in der Nähe der Montezuma Insel in die
Lust. Der Dampfer wurde in Atome zer
splittert. Tie Boote wurden durch Feuer zer
stört. Folgende Personen kamen m's Le
den: James Dawson, Capt.-. H. Geßler,
Steuermann; I. Osttoder, Lootse, nebst
Fran; Wm. Munsy, Lootse; Dan. Mittle,
Wächter; ein imbekauutcr Cajütenjimge und
3 als Heizer beschäftigte Reger.
Verletzt und verwundet wurden folgende
Personen: G. Vau Honton, Lootse; Patrick
Bacon, zweiter Maschinist; Wm. Dünn,
Koch; Peter Hall, Eigenthümer des Handels
booies. Hall's Familie, welche sich aus dem
Boote befand, ist gerettet.
Der Dampser „Phil. Allen" befand sich -u
-fällig in der Nähe und that -Alles, um die ge
fährdeten Personen zu retten.
Ter Schleppdampfer „CreScent-Lity" ge
hörte der Mississippi Valley-Transporr-Co.'
und wurde an' 70,000 geschätzt.
M e m p h i s, 24. März. Die Ankunft
des Dampscrs „Vhil. Allen," welcher die
Ueberlcbendcn des Dampfers „Crcseent City"
bringt, wird hier sehnlichst erwartet. Capt.
Gooo, der hiesige Agent der Linie, trifft alle
Vorbereitungen zur Anfnalmie oer Verwnn
dctcn.
John Qstrodcr und dessen Frau, welche
verunglückten, haben sechs Kinder.
Tic Grinordung eines Richters
durch eine Advokaten.
Littleßoct, Ark., 22. März. Eine
Depesche von Foreft-City in -Arkansas sagt,
daß Richicr John W. Fox, vom 11. Justiz
dislrikt, gestern Vormittag von dcmAdvokalen
I. N. Aldridge, mit einer Doppelflinte lödt
lich verwundet worden und daß er noch im
Laufe des Nachmittags gestorben sei. Richter
Fox war aus dem Wege von seinem Hotel
nach dem Poslamle, als Aldridge ans einer
Apotheke heraustrat und ausrief: „Jetzt, Rich
ter Fox!" und sein Gewehr aus ihn abfeuerte.
Richter Fox sank mit demAuffchrci zußodeu:
„O Gott, ich bin des Todes!" Aldridge seu
erte nun auch seinen zweiten Laus auf den
bereits gefallenen Nichter Fox ab und dann
überlieferte er sich dem Schcriff. Welcher
Zwist Anlaß zu dieser Mordthat gegeben hat,
ist nicht bekannt; wahrscheinlich hat Richter
Fox vom Nichterstuhle herab Bemerkungen
gemacht, die dem Aldridge nicht gefallen
haben.
Bränve.
Hartford, Conn., 23. März. Heute
Morgen 49 Uhr brach in der Kuppel des Ge
bäudes der „Aetna-Cittlery Works" in New-
Britain derFirmaFrary e- Clark gehörig, Feuer
aus. Das Gebäude, welches 200 Fuß ianq,
35 Fuß breil und vier Stockwerke hoch wär
und außerdem zwei Seitenflügel hatte, wurde
rasch zerstört. Der Verlust beträgt 800,000;
die Versicherung wird sich auf 450,000 be
laufen, welche Summe sich auf 58 Gesell
schaften vertheilt. Die hiesigen Compagnie'n
verlieren im Ganzen 45,000. Die Firma
beschäftigte 500 Personen. Man vermuthet,
daß das Feuer das Werk eines Brandstifters
war.
Indlaliapolis, 23. März. —Der Ge
sammtverlusi bei dem gestrigen Brande be
trägt 300,000, während die Versicherung sich
auf 75,000 belauft.
Chicago, 21. März.- In Elgin, Jll.,
brach heute Feuer aus, welches Füller'S Re
siaiiranon und den angrenzenden Therman-
Block einäscherte. Der Verlust beträgt unge
fähr §150,000.
P oug h teeps i e, 23. Novbr.—DasVan
Renssellaer-Mansion am Hudson, in der Nähe
von New-Hamburg, wurde heute Morgen
durch Feuer zerstört) Dasselbe geHörle dem
„Tammany" - Courraklor I. H. Jiigcrsoll.
Verlust 100,000.
. Jersey-Cily, N.-J., 24. März.
Heute Morgen kurz vor 2 Uhr brach in Peter
Christie's Mehl- und Futter-Laden, Nr. 57,
Newark-Aveuue,Feuer aus, welches innerhalb
weniger Minuten das ganze Gebäude ein
hüllte und, da ein starker Wind wehte, es sehr
bald in cincnAschenhanfeii verwandelte. Meh
rere Pferde kamen um's Leben. Das Feuer
erstreckte sich gleichfalls nach Wm. Taylor's
nebeiiangelegener Besen- und Bürstensabrik,
nach D. F. Sinilh's Bruders Eiscnwaa
ren- und Armstrong Sr Bruders Schuhgeschäft,
nach Luhmann's Bicrsalon u. f. w. Der Ver
tust erreicht §50,000 —60,000 und ist nur theil
weise versichert.
Philadelphia, 2t. März. Heute
Morgen kurz vor I Uhr brannte Eramp ee
Söhne's große Maschinenwerkstätte in dem
von ihnen geeigneten Schisssöauhofe ab. Der
Verlust erreicht 175,000. Noch andere Werk
stätten der Firma erlitten Schaden. Der
Dampfer „Pennsylvania" und andere, an der
Werfte liegendeFahrzcnge wurden schnell nach
Ausbruch des Brandes m Sicherheit gebracht.
Tie Versicherung von Eramp sc Söhnen
beträgt 82,750; außerdem hättedie„Rcading-
Bahii-Eomp." Material im Scbiffsbanhose,
welches zu 47,000 versichert war. Große
Funken und brennende Holzstvcke wurden
vom Winde, der zur Zeit heftig wehte, nach
Manderson's Mills und anderen Gebäuden
auf Petly's Island getragen und dort für
§50,000 Schaden, bei einer Versicherung von
nur 3000, auzesliflcr. In Cramp's Bau
Hose wurden die Pistons des neuen Dampfers
„Indiana" gerettet, ss daß die Befürchtung
einer Verzögerung der Abfahrt des Schiffes
grundlos sind. Der Brand rief die größte
Aufregung in Philadelphia hervor, da man
die beiden Dampfer der neuen europäischen
Linie, „Pennsylvania" und „Indiana," für
gefährdet hielt.
Durch die Feuersl-runst in Cramp's Schiff
bauhofe werden 240 Mann außer Bcschäiti
gung gerathen. Eine große Anzahl eiserner
schiffe wurde dort reparirt, wären dieselben
von Holz gewesen, sie würden sicher zerstört
worden sein.
Ha rtsvrd, Conn., 2t. März. Tie
Werke der „Plams Manusacluring Comp."
in Plaiitsville, Southington, wurden heute
Morgen durch Feuer zerstört. Eines der (Ge
bäude wurde als Bahnhof benutzt. Verlust
§75,000, Berslchcrnng 50,000.
Boston, 24. März. Osiver Ditsons
wfupkallcnhandluug an der
wurde heute Abend durch Feuer zerstört. Ver
lust §75,000.
Vermischte Berichte.
März. —(Srlbslmord.)
Abend kam ein anständiger
I Mann m Pas „Vandyke-Hotcl," Eckeßowery
> und Bayardstraße, und nahm dort ein Zun!
vier. Er bat den Clerk, ihm ein Zimmer
astzuwelsen, in dem er schreiben könne. Das
geschah. Da er sich aber gestern nicht sehen
ließ, ließ der Wirth die Thüre erbrechen.
Dorr fand man den Gast todt ans dem Bette
lttgcn. -Neben ihm stand eine Flasche Mor
einem Tische lag ein an Frau
Maler, Nr. 97, 7. Straße, adressirter
Brief. Nachfragen mi Hause des Versterbe
mil ergaben, daß derselbe Buchhalter bei den
Papiersadnkanten Braunhold K Comp., -Nr.
97 und 99, LewiSstraße, war. Am Sonn
abend Nachmittag sagte Moser seiner Frau,
daß er nach Newark gehen wolle, nm eine
Rechnung einzuziehen. Sein Ausbleiben de
unruhigte seine Familie nicht, da sie glaub
ten, er würoe bei einem dortigen Freunde
ichernachten. Bis jetzt ist das Motiv des
Selbstmordes noch nichtermittett. Ter Ver
storbene war 50 Jahre alt und hinterläßt 4
kleine Kinder.
Noch ein Selbstmord.) John Ryan,
Nr. 227, West 3V. Str., schnitt sich gestern
mit einem Rasirmesser die Kehle ab und starb
bald nachher.
—(Ein dritter Selbstmord.) Gestern Nacht
um 52 Uhr erhängte sich der 62-jährige P.
Madigem, Nr. 183, Ost 104. Slraße, in
m er cm Seil am Fenstcrkrcu; seiner im 2.
Stock gelegenen Stube befestigte, und nachdem
er den Kopf in die Schlinge gesteckt halte, ans
dem Fenster sprang.
—(Noch mehr Selbstmord.) Ein 20-jäh
rigcr Sachse, -Namens Hermann Ebert, wel.
cher im Laubcr'schen Kosthanse, Nr. 8, Ma
rlonstraßc, wohnte, jagte sich gestern Nacht
nm 10 Uhr eine Kugel durch die rechte Seite
des Unterleibs. Der Unglückliche, welcher
vier Monate lang arbeitslos war und erst seit
wenigen Tagen in Nr. 15, Howardstr., be
schäftigt wurde, schrieb einen Brief an seine
G liebte, die in einem Kosthanse m Wcst-
Beoadway im Dienste steht. Die Wunde ist
unbedingt tödtlich.
—(Brooklyn. Mord.) Friedrich Sieg-
Milnd, der deutsche Bäcker, welcher durch einen
Stemwur-s schwer verletzt wurde, soll dem
Tode nahe sei n.—Jamcs Crom, welcher
den Stein geworfen, ist verhaftet; er behaup
tet, daß er auf dem Wege nach der St.
Paulskirche von Siegmund angegriffen war
den sei und daraus den Wurf gethan habe.
Für den verhafteten 15 jährigen Knaben wur
de am Sonnabende Bürgschaft im Betrage
von §lO,OOO angeboten. Der Coroner wei
gerte sich indeß, irgend welche Bürgschaft an
zunehmen.
Eine Perhaftung, welche an diejenige des
Prinzen von Armenien erinnert, ist
am 28. Februar in Berlin vorgekommen. In
der nobelsten Gegend der Stadt wohnte ein
Herr, der sich Hr. von u. General -Consul eines
großen Staates nannte. Er 'ührte ein sehr
luxuriöses Leben, gab und besuchte Diners,
bewohnte in einem der prächtigsten Häuser ein
Quartier, mtt einer Einrichlnug, die beinahe
50,000 Thaler gekostet hat. Jetzt soll sich mm
herausgestellt haben, daß der Verhaftete we
der von Adel, noch Geiieral-Consul, sondern
ein Glasergesellc aus Karlsbad ist. Man
glaubt, daß man es hier mit einem politischen
Hochstapler zn thun hat; den Grund zu seiner
endüäien Verhaftung soll zunächst eine Maje
stätsbeleidiguiig gegeben haben.
Dem General Shcrman wäre bei
öffentlichen Gelegenheiten <ehr die Schweig
sanikeit seineSWaffengesährlen Granl zn wün
schen; denn er plapvert da oft ganz gottslräi
lichen Unsinn. So sagte er z. B. diejer Tage
in einer Steve: „Die Russen sind die Yankees
der alten Welt: sie sind die Trager des Hirns,
der Muskeln, des Muthes, der Kunst und der
-Ausdauer Europa's, und obgleich sie scharf
regieren, thun sie es doch mit Gerechligkeil
uud Milde." Die Verehrung des russischen
KiiitteMhums ist freilich den meisten Amerika
nern in'S Blut übergegangen; aber so haar
sträubend dumm, wie der sonst geniale Sher
man, hat sie selbü der blödsinnigste amerikani
sche Schuhputzer des Czaren vis jetzt nicht de
gründet.
Was für Neuigkeiten man doch
zuweilen in und über -Amerika ans Deutsch
land erfährt. Neulich theillc uns Berlhold
Auerbach mit, daß die Schlacht bei Bunker's
Hjll in MassachussrttS in dem Sezession
kriege von 1861—1865 geschlagen worden sei!
Heule erfahren wir aus Paul Lindau s „Ge
genwart" (Nummer voin 28. Februar) das
izolaeiide:
„Nordamerika gilt noch immer für den freie
steii Staat; doch habendic Geistliche u
d o r t w e d e r d i c B c s n g ii i ß, s e l b e r z ii
wählen, noch sind sie wählbar in
die Vo! ks v crlrr lnn g. Das scheint uns
eine harte Beschränkung gegenüber den Pro
testanten, den Juden, den Seklirern, die keine
gegliederte Hierarchie haben, n. f. w."
Wenn Das am grünen Holze der besten
deutschen „Wochenschrift für Literatur, Kunst
und öffentliches Leben" geschieht, was soll man
vom dürren erwarten? Wahrlich, deutsche
Schriftsteller haben keine Ursache, über die
seichte Oberflächlichkeit und Unwissenheit un
serer Logans, Mortons, Qglesbys :c. zu
klagen, wenn auch sie ihr Defizit an Wissen
über ameritaiiischeDinae durch so kcckeZwangs
anlcihen bei ihrer Einbildungskraft decken.
Eine Patent-Vorrichtung zur
Vermeidung von S chi ff . Co l li
sio n eit. Herr C. Wacker, Nr. 388, Bow
cry, New-York, hat einen Apparat erfunden,
den er „Thip-Protector" nennt und der dazu
dienen soll, die Gefahren einer Collision zwi
scheu zwei Fahrzeugen zu vermindern. Ter
Apparat ist ani Besten mi: einer Crinoline zu
vergleichen, die, aus starken eisernen Stan
gen bestehend, den ganzen Schiffskörper um
giebt, von demselben drei Fuß absteht und
mit den Scilenwänden, dem Bug, dem Stern
und dem Kiel durch in geeigneten Zwischen
räumen angebrachte, starke Federn, welche die
selbe Form babeii, wie die bei einem moder
neu Wagen, verbunden sind und im Falle ei
ncr Collision oder eines SttandcnS des Schif
fes dazu dienen sollen, die Gewalt des An
pralles zu brechen. Tic Theorie des Appara
leSist einfach die, daß ein von einem Gitter
umgebener Gegenstand sicherer verwahrt ist,
als ein frei dastehender. Der Apparat hat je
doch auch noch den weiteren Zweck, bei einer
Sttaiidiliig des Schisses den Passagieren die
Erreichung des lifers und bei etwa vorkom
menden Bränden die Erreichung der Boote zu
erleichtern, da die einzelnen Stangen den Ge
fährdeten Gelegenheit bieten, am Schiffe ent
lang oder an demselben hinunter zu klettern.
Tie Erfindung des Hrn. Wacker, welche in
England und hier vatenlirl ist, darf jedenfalls
alseine interessante bezeichnet werden; über
den praktischen Werth derselben zu urlheilen,
müssen wir Sachverständigen überlassen.
Ancheine Bande. Die „Gefellschaft
ziirßeformation von jugendlichenVerbrcchern"
in New-York hat die Schließung des Liebha
bers-Thcatcrs der Zeitungsjungen durchge
etzl, indem sie dieselben angezeigt hat, Thea
ter zu spielen, ohne eine Licenz von §5OO her
ausgenommen zu habe. Wie man allgemein
hört, Halle gerade dieses Theater einen refor
mircnden Einfluß auf diese Knaben ausge
übt, und man kann deßhalb nicht begreifen,
wie vernünftige Männer, die sich öffentliche
Wohlthäter schimpfen lassen, einen so gemei
nen Streich begeben können. Wahrscheinlich
sind die Herren Direktoren der Anstalt zurße
formation von jugendlichen Verbrechern Mit
glieder einer schwarzen Bande, welche das
Heil der Menschhell nnr in einer puritanischen
Zwangsjacke sieht und um die lebensfrohe
Jugend die Stille des Grabes verbreiten will,
nur unterbrochen von ihrem genttödlenden,
heuchlerischen, rabenartigen Gekrächze. Deß
halb wollen sie diesen Knaben ein uuschuldi.
ges Vergnügen vorenthalten und veranlassen
dieselben, durch die Langweite einem noch ge
fährlicheren Zeitvertreib nachzugehen.
Schreckliche Folge eincs schlecht
tcn Spaßes. In Aetna, Fulton Co.,
Ohio, saß letzten Samstag der Farmer Mut
lcii mit seinem 17.jährigcn Nessen Flemmiiig !
in der Stube, und sie erzählten sich Geister- !
und Räubergeschichten, vermuthlich, um ein- j
ander „gruseln" zu machen. Als Multen
endlich sagle, er müsse ausgehen, schlich der
jimge Flcmming in den Hos, versteckte sich
hinler der Fcnz und brummte seinen Onkel
an, als derselbe vorbei ging. Müllen, wel
cher meinte, daß sein Nesse noch im Hanse sei,
zog ein Pistoi und feuerte nach der Stelle, wo
er ein böses Thier vermuthete. Er traf Flcm
ming in den HalS und tödiele ihn fast anaen
blicklich.
Schrecklicher Unglücksfall.
Das „Ciucinnatier Volksblatt" vom letzten
Sonntag berichtet-. „Ein Mann, Namens
Frank Kuhn, der in Emery's Lichlerfabrik
arbeitete, war gestern Morgen damit bcschäf.
tigr, ein Faß in den Keller der Fabrik zu rol
len, als seine mir Fett getränkte Schürze mit
einem brennenden Richte in Berührung kam
und augenblicklich Feuer fing. Kuhn scheint
, hierbei bieGeisteSgegenwart verloren zu haben,
rannte wie wahnsinnig in dem Gebäude hcr
um, während die Flammen an ihm empor
schlugen und ihm die Brust, Arme und Rücke
in schrecklicher Weise verbrannten. Man riß
ihm eudlich mit vieler Mühe die Kleider vom
Velde. Von den furchtbaren Schmerzen, die er
erduldete, kann man sich vielleicht einen kleinen
Begriff machen, wenn man erfährt, daß er vor
Nr. 13.
Schmerz mit den Zähnen seine Hände zer
fleischte und von den ihm zu Hülfe eilenden
Personen mit Gewalt davon abgehalten wer
den mußte. Man wickelte ihn m Stoffe ein,
die vorher mit Leinjainen-Qet getränkt wor
den waren, und brachte ihn nach dem „Cinein.
iiati-Hospital,"wo hoffentlich ein baldiger Tod
ihn von seinen surchlbarenLeideii erlösen wird.
Kuhn ist Metzger von Profession, 37 Jahre
all und wohnte mit seiner Fran und seinen
Kindern in Nr. 93, Hamilton-Noad."
Ter Mntlermörder W. Frccman in Jer
sey - Cil y, N.-J., ist mir gelinder Straft
davon gekommen. Bekanntlich schoß dieser
Unmensch seine Muller m Gegenwart seiner
Schwestern nieder, weil sie sich geweigert hatte,
ihm eine weitere größere Geldsumme zur
Fortsetzung seines lüderlichen Lebenswandels
zu geben. Die Geschworenen von Hudson-
Connty haben ihn mm am vorletzten Sam
stag nur des TodljchlagS schuldig befunden,
und er, welcher an den Galgen gehört, wur
de mir zn zehn Jahren Zuchthaus vern
theilt.
Eine merkwürdige Rettung wird
von Philadelphia derichrei. Das imaesähr
5 Monate alte Söhnchen von Herrn I. B.
Scallergood spielte vor einiger Zeit mit ei
nem Obstmesser und verschluckte dasselbe. So
fort angewandte ärztliche Hülfe erwies sich
als erfolglos. Nachdem das Kind eine Zeit
lang hesnge Schmerzen gelitten hatte, besserte
sich sein Znstand, obschon seine Geiundheir
stets sehr angegriffen blieb. Vor einigen Ta
gen nun ging das Messer durch die Gedärme
ab, nachdem es vier Monate m dem Magen
des Kindes gewesen war. Das Pfeffer ist 2K
Zoll lang, 5 Zoll dick und hatte 15 Zoll im
Umfang. Die -Aerzte betrachteten es schon
als eine große Merkwürdigkeit, daß der Knabe
noch 8 4.age lebte, nachdem er das Messer
verschluckt hatte.
Eine blutige Hochzeits Feier
wird von -New York gemeldet. Sonntag
früh um 2 Uhr wurde der in Nr. 411, 2.
Ave., wohnende John Murphy von Karl
Stctzel lebensgefährlich verwundet. Stehet
feierte am Sonnabend seine Hochzeit, bei wel
cher es etwas hoch herging. Dieses schien den
im Hause wohnenden Jrländern nicht zu be
hagen, und sie versuchten deshalb, die ver
sammeltcnHochzeitSgäste zu vertreiben. Oben
genannter Murphy drang mit mehreren Per
sonen in die Stube, in welcher die Gäste ver
sammelt waren, und als Murphy der Auffor
derung Stetzcl's, die Stube zu verlassen,nicht
Folge leistete, sprang Letzterer auf ihn zu und
versuchte, ihn gewaltsam zu entfernen. Der
Eindringling erhielt bei dem Handgemenge
emige Messerstiche, welche sehr bedeilklich sind.
Stetzel wurde verhaftet.
InOikoj h, Wisc), ist soeben das Testa
ment des kürzlich verstorbenen W. Durand
aufgefunden worden. Nach demselben soll der
sehr bedeutende Nachlaß zur Hälfte seinem
neunzehnjährigen Sohne und zur Hälfte der
Minna Howard in New York, feiner Nichte,
zufallen, jedoch unter der Bcgingung, daß der
Sohn die -Nichte heiralhet, bevor er majorenn
wird. Beide sind nun gegen die Hcirarh und
wollen die Gultigkcii dieser Klausel anfechten.
Frau Howard, die Mutter Miima's, wurde
ernst von Herrn Durand angebetet.
Col. W. W. Peice, oe^reime Brauervoii
New-York, der seit >869 in Warren County„
N.-Y., gewohnt Hai, ist seine drille Frau los
geworden. Der Colone! ist ungefähr 54 Jahre
all und allgemein beliebt. Vor 35 Jahren war
er ein armer Clerk in Birmingham. Englands
wo ein etwas älteres Franenziiumcr ihn ver
anlaßte, sie zn heiratheii. Racb einem Jahre
eindeckte er, daß seine Susanne ihm nichtganz
treu sei, und er verließ sie deshalb, kam nach
New-York und erhielt hier baldßc'chästigung.
Nachdem er ein kleines Vermögen erworben„
sehnte er sich wieder nach einer neuen Lebens
gefährtin und er ichrieb deshalb an Susanne,
daß sie zu einer Trennung ihre Zustimmung
gebe. Susanne hatte ebenfalls gesunden, dag
es nicht gut ist, daß der Mensch allein sei und
gab schriftlich ihr Versvrcchen, daß sie Price.
nie mehr belästigen wolle. Tarauf heirathete
sie Samuel Green in Birmingham und wurde
die Mutler von vier oder fünf Greenes. Price
heiratheie m, Jahre 843 -Miß Caroline Bar
ron in Brooklyn, sagte ihr aber nichts von
seiner früheren Heiraih. Die Ehe war eine
glückliche und mit mehreren Kinder gesegnet.
Der älteste Sohn, Walter, ist Compagnon.
seines Vo.tcrS. Der Colones fand sich einige
Jahre später zu seinem irischen Dienstmäd
chen, da mil körperlichen Reizen nicht gerade
gesegnet war, hingezogen und bevormglc sie
in etwas auffallender Weise. Inzwischen hörte
die Frau Nr. 2, oaß Price schon eine Frau,
in England hatte und sie trug deshalb daraus
an, daß ihre Heiralh für ungültig, ihre im
der aber für legitim erklärt würden. Das Ge
richt bewilligte den Antrag und Co!. Priee
hat seine ehemalige zweite Frau seitdem nichts
weniger als darben lassen. Der Colone! er
fuhr später, daß ieme erste Frau nach Austra
lien gegangen und dort gestorben sei. Er schia
le nun sein Dienstmädchen, Bridgct Fallon,
noch einem Erziehimgsinstitiil und heirathete:
sie einige Jahre später. Zwei taubstumme Kin
der wurden geboren, aber die Ehe mit Brid
gct, die sich Jetzt Consiance B. Vriee nannte,
war keine glückliche. Er zog im Jahre 186!
nach seiner neuen Prachttvohnimg am Lake
George und im Jahre 1871 machte die Frair
-Nr. 2 den Versuch, daß dasDckret, durch wel
ches ihre Ehe für nichtig erklärt wurde, wieder
aufgehoben werde, weil die Frau Nr. 1 zur
Zeit der zweiten Heirath nicht mehr am Leben,
war. Es wurde indessen eineCommission nach
England geschickt und in Birmmghain fand
man die Frau Nr. 1 als Frau Green mit ei
nem Schwärm von Kindern, so daß also der
-Antrag der Frau -Nr. 2 abgewiesen werden
mußte. Jetzt aber beantragte Col. Price bei'm
Gericht, daß die Ehe mit seiner Frau Nr. Z
für ungülttg erklärt werde, weil die Frau Nr.
1 noch lebe, daß aber die Kmder für legitim
erklärt werden. Rickttcr Landau erklärte nuir
am zweiten Diennag in diesem Monat, daß
dem Antrage des Colone! Folge zu geben,
sei, empfahl aber den beiderseiligenAnwälten,
sich über die Summe zu einigen, die der Fran
Nr. 3 jährlich für ihren Unterhalt zn zahlen
sei. Col. Price sagt indessen, daß Consiance
schon 36,000 von ihm erhalten habe und nicht
mehr gebrauche. Die Frage ist noch nicht ent
schieden. Der Colone! Price befindet sich
nun in einer eigenthümlichen Lage. Er hat
zwei Frauen, die ihm legitime Kinder geboren
haben, aber nichl seine legitimen Frauen sind,
und seine legittme Frau ist die Fran eines
andern Mannes.
InHackcnsack, N. 1., eryanqte sich der
65-jährige Adam Taub. Taub, verneine Frau,
vor drei Jahren verlor, wohnte seitdem allein
in dem Haufe und war wahrscheinlich lebens
müde geworden.
In N e w-Y o r k wurde am Montag Mor
gen die Leiche des John Heß in der 9. Ave
mit zerschmettertem Hirnfchädel gefunden.
Anfangs nahm man an, daß der Verstorbene
bettunken gewesen und gefallen sei. Es stellte
sich indeß heraus, daß er mit zwei Leuten
Streit gehabt und von dielen niedergeschla
gen worden war. Joh. Hufnagel wurde ver
haftet. Er gibt zu, daß er dem Heß zwei
Faustfck'läge versetz! Hai und sagt, er habe am
Samstag mit zwei Bekannten an der Ecke
von 67. Straße und 8. Avenue gestanden, als
Heß herankam und einen Bekannten Hufna
gel's und dann diesen selbst anfiel. Hufna
gel versetzte dem Heß zwei Fausijchläge, welche
denselben zu Boden streckten. Heß stand so
fort wieder auf und ging fort. Seither habe
Hufnagel nichts mehr von ihm gehört, bis
die Polizei feineLeiche fand. Hufnagel wurde
den Tombs überwiesen, während Leopold
Zoung, Karl Teuscher und Peter Rcbhol; in
Zeugenhait gesandt wurden.
Der „N. Y. Herald" bemerktlii Betreff de
z a h Ire i ch e il Brä n d e: „Man weiß nicht
ob der Hochwind der letzten Tage an den ver
hcereudcn Feuersbrünstei! Schuld ist, oder ob,
da der Winter seinem Ende entgegengeht und
sich die Gelegenheil zu erneuerter Haiidelsthä
tigkcit kund giebt, es nicht manchem unler
nehmuugSluliigen Manu eingefallen ist, daß
es sehr gut sein würde, die Versicherungs
summe m die Hänse zu bekommen. Boston,
Indianapolis, Hartford und emige andere
Orte haben vornehmlich durch Brände ae
litten."
Während die Bcts ch weste r n in Ohio
triumphircnd verkünden, daß es ihren „gott
gefälligen Anstrengungen" gelungen ist, den
Spirituosen Großhandel Cmeinu'att's bis da
hin um H-25st>00 im Verkehr zu rcduc-.ren,
berichtet der Zraalsschavmclsicr voii Ohio mit
kläglicher Miene, oaß die Einnahme an
Steuern ans dem Spirttuoftnhaudel in den
letzten zwei Monaten um 300.000 gesunken
sei. Wenn'S so fortgeht, können die Tenipc
renzdrachen bald über den Bankerott verschie
dener Staaten jubeln. Das mahnt an Na
poleon !. bekannten Spruch, der einer Dame„
die sich über das Laster des Rauchens be
schwerte, zur Antwort gab: „Ich will es so
fort abschaffen, wenn sie mir eine Tugen !>
! nachweisen, die dem Staate ebensoviel ab
wirft.
Der amerikanische Gesandte "zu Stock-
bolm theilt neuerdings mit, dag die schwedi
) sche Regierung 500,000 Kronen oder 133,
000 in Gold für Beschickung der Philadc!
s phia'crWcltausstellung angewiesen habe. Das
I beircffende Schreiben wurde in der Samstags
! Sitzung des Comite'S für auswärtige Ange
legenheiten in Washington verlesen.
Der Schauspieler" E. L. D"a v enport
liegt in Albanh schwer trank darnieder.

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