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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, April 10, 1874, Image 4

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Ein unaussprechlicher Pathos, jast
Feierlichkeit lag in seinem Tone, und sein
seines, edles Antlitz sah bager und lei
dend aus. Es gehörte nicht viel dazu,
meine uv Jvlm's Gefühle zu Gunsten
des „armen Schauspielers" zu stimmen.
Ueberd.es baltcn wir in letzter Zeit eisrig
im Shakespeare gelesen, und dieses erste
Bekanntwerden mit dem großen Dichter
machte ja beinahe alle jungen Leute zu be
geisterten Schwärmern sür die Tragödie.
Sie spielten Ihre Rolle vorzüglich
begann John von Neue. alle Zuhörer
hielten Sic sür einen Methodisten - Pre
diger.
Und dennoch mischte ich nichts von
theologischen Dogmen hinein, ich blieb
einlach bei den allgemeinen Regeln der
Moral. That ich das nicht?
John bejahte dies, sragte aber weiter,
wodurch er auf diesen Einsall gekommen
Tie Erinnerung der Thaisache brachte j
mich darauf, daß einst, unter gleich de- j
drängten Umständen, dasselbe heitere!
Spiel hier vor fahren gespielt wurde, -
und zwar von Jodn Philipp nein, ick
will den Name des größten, gefeiertsten
Schauspielers und des feinsten, gebildet
sten Mannes, desien sich unsere englische
Bühne je rühmen kennte, jetzt nennen --
John Philipp stemble.
Bei diesen Worten entblößte er sem
Haupt mit einer Miene der größten Ehr
erbietung. Auch wir hatten von diesem
ausgezeichneten Künstler gehört, besonders
John. Ich bemerkte mehr und mehr, wie
mein Freund von dem Zauber, der in deni
Wesen und Benehmen des Herrn Eharles
lag, gefesselt wurdet und es nahm mich
nicht Wunder. Eine reichere, vielseitigere
Begabung, mehr Geist und Talent habe
ich nie in einem Menschen gesunden. Er
ging vom Ernst zum Scherz, von dem
Tiejen und Würdigen zum Fröhlichen
über, doch in jeder Stimmung zeigte er
sied edel und stand als ein Künstler, ein
Gslcbrter und ein seiner Weltmann vor!
uns. 'Niemals waren John und ich ei-!
nein so lutcressciiilcii, anziehenden Charat- j
er begegne!, dcSbalb wohl war die Macht, i
welche er über uns gewann, um so grö j
Ber. Ick sage un 5 , denn obgleich ich !
stets lobn's Sck'iftie folgte, so lbat ich
eS dennoch mit freiem Willen.
Der Nachmittag schwand dahin, indes
sen wir noch mit unseren beiden Gefähr
ten in ticiem Gespräche am Nandc des
Baches saßen. Herr Charles Halle sc in
Gcslckft in dem knblcn Wasser erfrischt und )
seine vom Gebe wunden Füße in dem
Bache gebadet; und nachher hatten wir
ihm und seinem Begleiter, dcn er 2)ates
nannte, von unserem Brot und Käse an
geboten. Cr schien gestärkt und gekräftigt,
und indem er aussprang, ries er srviftch:
Jetzt bin ick kerul, dcn Kamps zu be
ginnen, selbst mil dem „Thaue von Fise,"
den heute einer der Johnsons giebt, ein
Mann, sechs Fuß groß und zwei Ceniner
schwer. Welche Zeit mag es sein, Herr
Halisar?
„Herr Halisar" (wie es mich jreulc, ihn
zum ersten Male „Herr" genannt zu ho
ren) balle zum großen Leidwesen keine
Taschenuhr unter der Zahl seiner irdischen
Besitzthümer, und gestand sreimnlhig den
Mangelein: aber er konnte dennoch aus
dem Stande der Sonne die Tagesstunde
berechnen: und sein Ausspruch, daß es
vier Uhr sei, erwies sich als rickftig.
Tann isl cs Zeit zum Ausbruch. Wol
len Sie uns nicht begleiten, meine jungen
Herren? Cs wäre wahrlich ein Jammer,
wenn Sie einen 10 bohen Genuß einbüß
ten, wie die Anssubrung des Macbeth mit
ich will nicht sagen, meine.' geringen
Persönlichkeit doch mit der göttlichen
Siddons. Eine wunderbare Frau; eine
großartige Künstlerin! Shakespeare selbst
möchte, glaube ich, gern das Clysium dcr
laisen, um sich an ihrem Spiele zu weisen.
Werden Sie uns bcgleften?
John machte wieder jene schmerzlich ver
neinende Bewegung, die er schon zwei
oder drci Mal als Antwort aus den Vor
schlag des Schauspielers gegeben, wenn er
nns die Fahrt nach Coltham so lockend
darstellte und versicherte, daß wir um Mit
ternacht zu Hause sein könnten.
Phineas, was meinst Du zu dem Al
len? sragie John, als wir aus der Land
straße standen und nach dem Postwagen
ausschauten. Ich besitze Geld nnd
wir haben so wenig Vergnügen wir
iönntcn Deinen Vater von unserem Vor
babcn benachrichügen lassen. Glaubst
Du. cs würde ein Unrecht sein?
Icb war mir nicht klar darüber: nnd
selbst och in dieser Sti.nde wenn ich
die Frage schlicht und gerade vor
mich binslclle, vermag ich nicht zu
entscheiden, ob cs ein wirtliches, schwe
res Unrecht, eine Sünde war, die uns so
lockend winkte Da ich nun stets gewohnt
gewesen, mcm Recht oder Unrecht aus
„David'S" Augen zu lesen, so gab ich leine
Antwort.
Wir warteten bei der grünen Hecke zur
Seite der Ltraj e einige Minuten. Herr
Charles gab es aus, uns zu überreden,
und obgleich er ein Wenig stiller wurde,
so hatte er doch ein zu gutes Herz, um leicht
beleidigt oder gckräntt zu sein.
Tie Unlcrhaüiing wurde jetzt nur zwi
schen uns Beiden gesuhlt. John ahm
keinen Tbeil daran und ging mit schnellen
Schritten aus und ab, acbtloS die sriichen,
grünen Blätter der Sträucher abpflückend.
Als der Postwagen sichtbar wurde,
war ich noch vollkommen im Unklaren dar
über, was wir lbun winden.
Der Wagen kam näber - der Kutscher
wurde angerufen und hielt still. Herr
EhaileS nahm mit herzlichem Handjchüt
teln Abschied von uns nnd stieg aus, in
dem er das Fahrgeld sür sich und seinen
Kameraden mir den gesammelten Wohl
lhäligkeitS-Psennigkn bezahlte; das Zäh
len des kleinen Geldes rief eine Verzöge
rung und viele spaßhaste Bemerkungen
hervor, die ebenso harmlos gegeben als
ausgenommen wurden.
Plötzlich legte Job seine Hände ans
meine Schulten! und indem seine Augen
mich fast durchbohrten, wobei ich sein er
regtes Antlitz bemerkte, sagte er schnell:
Phineas, bist Du ermüdet?
Nicht im Geringsten.
Würdest Tu kräftig genug sei, die
Fahrt nach Coltham zu machen? Könnte
es Dir auch gewiß niä't schaden? Möchtest
Du es thun?
Alle diese kurzen, hastigen Fragen be
antwortete ich in der gleichen Weise beja
hend . Es war ja genug sür mich, das; er
so ersichtlich die Fahn wünschte.
Es ist ja nur dieses eine Mal Dein
Valer würde uns das seltene Vergnüge
kaum verbieten, und er ist zu sehr in der
Lohgerberei beschäftigt, er kann nicht vor
Mitternachl nach Hause kommen. Zn die
ser Zeit werden auch wir zurückkehren
Pbineas, komm ! Wir fabrcn!
Bravo, bravo! rift Herr EhaileS, in
dem er sich berausbeugte, mir beim Aus
steigen behüislich zu sein. Schweigend
folgte loän. Ter Würfel war gefallen,
ein nie gehabter Genuß winkte uns. Den
usch siel cs mir aus, daß mein Freund für
eine tauge Zeit ganz still und schweigend
an meiner Seite saß.
Obgleich Coltham uns so nahe lag. war
ich dock nur ein einzige) Mal in meinem
Leben dort gewesen John Halisar kannte
die Stadt besser, da er neben seinem
Dienst als Bucksührer auch noch mit dem
Ankaus vieler Gesckäslsmaterialien von
meinem Vater betrani wurde und somit
weit in der Gegend nmberkain. Cs be
lnstigte und ersienle mich, zu sehen, als
wir vor einem Gastdause, mit dem vielsa
genden Zeicken „de Vließes" geziert, hiel
ten, wie John so bekannt war nnd ganz
den Herrn machte. Sein Benehmen war
frei, ungezwungen und dock würdevoll
und der Auswärlcr bediente ihn mit Ehr
erbietung. Er hatte seinen Platz in der
Welt wenigstens unserer kleinen Welt
sich errungen nnd staut dort fest wie ein
M nn. Zck überliest ihm alle Anordiiun
gen, lag still aus dem Soplm, zu deine
mich geführt, und beobachtete sein Thun
Zuweilen schien es mir, als wenn eine ge
wisse Unruhe aus seinen Blicken sprach,
doch sein Benehmen war sest und sicher
wie immer.
Herr Charles halte uns verlassen, nach
dem wir verabredet, uns aus dem Hose
desjKoffeebauses zu treffen, wo sich damals
das Thealer befand.
Es ist ei armseliges Gebäude, nickst
viel besser als eine Scheuer! sagte lobn,
indem er in seinem Aus- und Abgehen
innehielt, um mir die Kissen zurechtzulegen.
Man sollte ein neues Theater bauen, jetzt,
wo Eoltham so in Ausnahme kommt. Ich
wünschte avobl, ich könnte Dich aus die
Promenade jähren, Phineas, wo sich täg
lich die seine Welt versammelt! Toch Da
! mußt Dich ausruhen.
Ich stimmte ihm bei, denn ich suhlte
mich erschöpst.
Es wird Dir gewiß einen hohen Ge
nuß gewähre, Frau SiddonS zu sehen,
über die wir so ost gesprochen haben? Sie
ist nicht mehr in der ersten Jugendblüthe,
doch aber noch blendend, wie Herr Charles
sagt. Ihr erstes Austreten sand hier ir
Eoltbam auf derselben Bühne statt; ?)-ttes
sab sie damals. Ob wohl Dein Valer sie
! jemals gesehen hat, Phineas?
Mein Bater, John? Er würde um tci
i neu Preis der Welt ein Schauspielhaus
! besuchen,
i Warum nicht?
Nein, John, Tu brauchst nicht so er
schreckt auftrieben. Tu werbt ja, ich ge
höre nickt zu der Gemeinde, deshalb er
strecken sich ihre Verbote nicht auf mich.
Das ilt wohl wahr und dennoch er
schritt wieder durch dasZimmer, aber seine
fröhliche Sorglosigkeit war ganz ver
schwunden. Wenn ich allein wäre be
gann er nach kurzem Schweigen dann
hätte mir Aiemand einen Vorwurf zu ma
chen, denn ein Vergnügen, das keine
Sünde ist, habe ich ja das Recht, zu ge
nießen; uns wenn man dieses Recht mir
abspräche, da ich noch so jung bin und ei
nen Herrn über m r habe wohl, so
würde ich die Folgen meines freien Ems
jchlusses tragen, sagte er, stolz das Haupi
emporrichtend. Tech einen Anderen zur
Theilnahme bewogen zu haben Phi
neas, willst Tu nach Hause zurückkehren?
Ich bin bereit, Dich zu begleiten, rics er
plötzlick, vor mir stehen bleibend
Eifrig und ernstlich widersprach ich die
i sein Ansinnen, ich sagte ihm, ick wäre
> überzeug!, wir thäten nichts Böses, und
! das war auch meine Meinung. Ich hat
i rhu, so herzlich, froh und heiter zu sein,
! und seinen Festlag zn genicßen, dass es mir
endlich gelang, seine trüben Gedanken z
verscheuchen, und wir in fröhlichster, erreg
icr Stimmung unseren Weg nach dem
Theater antraten.
Es war wirtlich ein schlechtes, armselr
' ges Gebäude, wenig besser als eine
! Scheune, und stand in einer Seitengasse,
! welche in die Hauptstraße mündete. Tic-
ser enge Weg war vollgepfropft mit Zbea
! terbcsuchern aller Stände, die sich in rei
, che, glänzenden Eguipagcn, einfacher
I Miethwagen und Säns'.en, mcistcntheil-i
j aber zu Fuß nach dem Schauspielhanc
begaben; es war ein Tran en, Slrßen
Schreien und pärmeu in der kleinen Gasse
welches mich ganz bestürzt mackle.
O, Föhn, sei vorsichtig! rics ich fast be
täubt, mich an seinen Arm hängend.
Acngsrige Tick nickt! Ich bin groß unl
stark genug, und stehe jedem Gedränge
j Hatte Dich fest an mied, Phineas!
Wen ich eine Frau gewesen wäre, n!
überdies die Frau, weiche er liebte, ß
hättelolm nickt mit zartcrerßesorgniß übe
mir wachen und schonender Mit meine
Schwache umgehen tonnen; die physisch
Schwache, die mich selbst demüthigte um
mich vielleicht in mancher Menschen Auge!
verächtlich machte Mnnoch durch de
Himmels Hand aus mich gelegt war u
als solch schweres Verhängniß von Johl
mit rührendem, zarten Mitleid behandcl
wurde.
DasGedränge wurde immer dichter und
gefahrdrohender. Ich schaute zum Himmel
empor und mein Blick blieb a den Hügeln
hajlen, welche die Stadt umkiänzten. Wie
grün und still sie in dem rosigen Lichte des
Juni-Abends dalagen, und wie innig ich
wünschte, glücklich wieder daheim inNcrlon
Burn zu sei!
Jetzt kam ein leichtes Wogen in die ge
schlossenen Massen, eine Sänfte wollte
! hindurck dringen, wenigstens wurde dei
> vergebliche Versuch gemacht. Es entstand
! ein Zai'.tcn und Nausen, einer der Träger
j wurde verletzt und nievergeworsen. Ei
! nige waren empört darüber, Andere be
j trachteten den Vorsall als eine Erhöhung
! der Lustbarkeit. Als die Verwirrung den
höchsten Grad erreicht, lehnte eine Dame
ihr Haupt aus der Sänfte und sah mit
lreundftchcn nnd dennoch gebietenden
Blick nmbcr.
Sie hatie ein bedeutendes Angesicht,
ras einmal cischaut, nie wieder zu ver
gessen war. Nicht klein von Form, die
Linien sogar etwas scharf und die Farbe
bleich, war cs dennoch höchst interessant.
Eine gebogene Nase, schwellende, leiden
schaftliche Lippen und plächtige, dunkle
Augen vollendeten den charaktervollen
Ausdruck. Sie sprach, und die Stimme
stand im E'nklange mit diesem Antlitz.
Lieben Leute, bitte, laßt mick hindurch,
ich bin Sarah Siddons!
Tie Menge wich augenblicklich ausein
ander und stieß ein Freudengeschrei aus,
das wobl durch die Stadt ertönen mußte
Ein augenblickliches Schweigen trat ein,
während die Tame sieb dankend verbeugte
und lächelte. O, dieses zauberisch süße
Lächeln! Tann wurde der Vorhang der
Sänfte niedergelassen, während immer
von Neuem das Jauchzen erklang.
Jetzt ist es Zeit, Halle Tich nur sest an
mich! slüstene John mir zu, während er
vorwärts sprang und mich nach sich zog.
In der nächsten Minute hatte er die
Stange der Sänfte ergrissen, welche den
vcrwundelen Träger entglitten war, und
ehe ich recht begriff, was eigentlich geschah
standen wir Beide sicher im inneren Ein
gange des Tbealers.
Frau Sidoons stieg aus und wandte
sich um, die Träger zu bezahlen - So ein
fach dieses Thun, mit einer solchen un
nachahmlichen Anmuth und Hoheit führte
sie cs aus, daß sie sür mich erhaben über
jedes menschliche Wesen stand, das ich bis
jetzt erschaut bettle. Tie hohe, majestäti-
Gestalt, die edlen Bewegungen, die
Tone ihrer reichen, klangvollen Stimme
machten sie selbst in diesem engen Gange,
welchen ein trübes, flackerndes Talgliebt
erleuchtete, zn einer wahrhaften Königin
im Reiche der dramatischen Kunst, wenig
stens erschien sie unseren bewundernden
Blicken so.
Der eine der Träger war von ihr be
zahlt, iibcrleichlich, wie cS aus seinen
Danksagungen hervorging, und jetz: wandle
sie sich zu Job Halisar.
Ich bcdanre, junger Plann, daß üb
Ihnen so viel Mühe nnd Umstände ver
ursacht habe. Hier ist eine geringe Ent
schädigung dafür.
Er nahm das Geld, wählte eine kleine
Silbermünze daraus und gab das Uebrige
mit einer Verbeugung und den Worten
zurück:
Ties eine Geldstück will ich behalten,
Madame, als ein Zeichen, daß ich einst
die Ebre hatte, der Frau Sarah Siddons
einen Dienst zu erwiesen.
Sie richtete ibre herrlichen, dunklen
Augen auj John Halisar, d-sien männlich
bescheidenes Wesen den günstigsten Ein
druck aus sie machen mußte, und der mir
! jetzt vorkam, wie ein junger Ritter, der ei
ner Fürstin seine Huldigung darbrachte.
Scharf und sest blickte sie ihn an, und in
dem sie sich mit ernster Würde verbeugte,
sagte sie:
Ich danke Ihnen, mein Herr.
Dan schrill sie in ihrer stolzen Schön
heit dahin.
Eine Grze Zeit daraus suchte uns einer
der Tbeaterdicner aus und führte uns
„aus Frau Sarah Tiddon's Geheiß" zu
den bellen Platzen, welche im ganzen
Hause zu finden waren.
O, cs war ein glorreicher Abend? Noch
jetzt, nach diesem langen Zwischenräume,
stießt bei der Erinnerung mein alles Blut
frischer und wärmer durch meine Adern.
Ja, eS svar ein glorreicher, unvergeßlicher
Abend!
Ehe der Vorhang ausgezogen wurde,
hatten wir Zeit, das ui>S gänzlich neue
Schauspiel z betrachten, welches das In
nere des Theateis unseren staunende
Blicken bot. Obgleich das Haus armse
lig und klein, so hatte sich dennoch die
ganze feine Well von Eollham doit ver
sammelt. Coltham, welches damals, von
sürsllicher Seite her begünstigt, selbst mit i
Bath in Moden, Thorheit und Lurus
wellnseite. Welch'ein blcndendec Glanz
von Diamanten, mir Perlen und Flittern
gestickter Aufsätze, welch' ein Wogen und
Wallen kostbarer Federn!
Fn den Anzügen der Damen benschte
die größte Berfchictenbeil, die aus dem
klebergange, in welchem die Mode damals
begriffen war, bervorging. Die allen
Damen hingen mit d.r größten Beharr
lichkeit an ihren weiten, stattlichen Seiden
ibcken mit den langen Le bchen und den
hübschen, anständigen Vousfanten darüber,
während die jugendlichen Schönen zu dem
leichten Flitterstaat der neuen sranzösi'chen
Mode übergingen und in klaren, durchsich
tigen Mousielinkleidern mit kcnzen Taillen
und engen Röcken erschienen. Von dieser
Mode hat e schon Jael gesprochen, indem
sie wuthentbrannt daiübcr heifiel; denn
obgleich Jack eine Suäterin war, so ver
mochte sie denncch nicht den ihc angeboie
neu Hang zur Ausschmückung „des Flei:
sches" ganz zu besiegen, und behielt stets
ei zwar unterdrücktes, doch tiefes Inte
resse jür Alles, was sich darauf bezag.
John und ich stimmten diesmal voll
kommen mit ihrer Ansicht überein, daß es
wirtlich schmerzlich war, zarte vornehme
englische Jungfrauen in dieser Weise be
kleidet, oder besser unbellcioet zu sehen,
nach der Mode, welche unsere Feinde jen
seits des sianals ausgebracht. Diese nn
giüchicbe Nation, welche j tzt aus dem
niedrigsten Standpunkt, sowohl in der Po
litik, als in der Religion und allgemeinen
Sittlichkeit steht, und in der schon damals
die Unsitte herrschte, daß hochge'oor.nc
Damen umhergingen, gleich heidnischen
Göttinnen geschmückt, mit entblößten Ar
men, nackten, mit Candabu bekleideten
Füßen und trotzdem nichts von der reinen
Einfachheit der alten Welt gewannen, son-
I dein nur die äußere Würde der neuen
! Zeit verloren.
Das ttcucßcgistvil'gcsetL.
Das Registrirgcseb des Staates ig ui der
lebten Sin nag der Gesetzgebung wesentlich
verändert worden; wir wollen hier Vre Abän
dernngcn kurz ansühren; Die Registrarorcu
haben künftig am ersten Montage im Scp
lcmvcr, nicht aber wie bisher am dritten Mon
tage ihre Sivnngen ;n beginnen; sie haben
I<> Tage vorher ihre Sitzungen anzuzeigen
und nicht, wie bisher, 20 Tage. Auster den
Rainen Derjenigen, welche gestorben oder um
gezogen sind, haben sie ferner auch noch die
Rainen aller Richtciiiwobner und in der Ward
Richtsiiininbcrcchiigtc zu streichen.
Wenn eine Perwn, die bereits vorher im
Staate registrin war, sich melden sollte, so
inust der Registraror ein Ecnisikat über die
frühere Registrirung verlangen. Die Rcgi
strirlisten sind ein Mal von zwei Zcimngen >n
Palriniorc darunter einer deutschen! zu vcr
össcnilicheii, welche von dem Mahor nd dem
Sladtregiswalor zii bestiminen sind, in jedem
Eonnty ist die Vinc von einem Platte zn ver
öffentlichen. .fiüftig sind nur die Rainen
der transicrirten, verstorbenen, disanalisizir
ten, nmgezogencn uiidncnregistrinen Stiniin
gelier zu vcrösseiitlichcn. Auch sollen diese
Rainen auf Plalatc verösienllicht werden, ein
Drittel dicscr Platalc ioll Deutsch iein. Die
Sitzungen zur Eorrettur der Visten beginnen
künftig am erste Moulage im Sktoben Die
corrigirten visten sind iii der oben angegebenen
Wciie zu vcrö'fenllichcu. Copien dieser Vi neu
sind an den Schcrifs und den Elcrl des Sil
periorgerichtes an oder vor dein ersten Man
rage im Rovembcr zu übergeben. Die Siaai'
anwältc der vcrichicdciicn Eonntics und der
Auwalt der Rcgistrawrc in Patlimore sollen
bei jeder Perbandlnng über eine Appellation
gegen die Entscheidung der Wahlrichlcr znge
gen sein und die Sache der Registraioren füh
ren. Ricniand soll iii einer Ward, oder einem
Wahl Distrikte als Stiinnigcber registrin
werde, der nicht wenigstens ein labr im
Staate und sechs Monate vor der bevorstehen
den Wahl im dem Wahl Distrille gewohnt
hat.
Sofort nach 'Ausschreibung einer nenei
Wahl, oder einer Spczialwahi, Staatswah
len ausgenommen, soll der Clerk des Gericht
den Registratoren die Bücher überliefern nn
diese haben in der Stadt Baltimore dre
Tage, in dcn Eounlies zwei Tage Sitzum
zu halten, um neue Stimmgcbcr zn registri
ren und die Listen zu eorrigireii, auch ist di
Zeit nnd der Orr dieser Sitzung in einer Zei
tung im Lande und drei Blättern in Balli
niore, darunter einem deutschen, bekannt z
machen.
In den Baltimore:' Stimmgebcrlisien ist
die Hausnummer und Straße jedem Namen
hinzuzufügen. Die Baltimore,' Registratoren
erhalten künftig ein Salmr von je 500 pro
Jahr, anstatt t pro Tag und ihre norchven
digen Tienstkoslen: Bücher, Schreibmaterial,
Feuerung und Miethe werden nicht vergütet.
Die Registratoren sollen jährlich ein Mitglied
des Baltimorer 'Advokatenstandes erwählen,
weicher sie als Anwalt in allen Fällen zn ver
treten hat und dafür 5-500 lahrcsgehal: er
hatten soll.
Tie Vertheiln dcsStaats-Schnl-
Fonds.
Ter Staats-Schnl Fond wurde in dem am
81. Mär; zn Ende gebenden Quartale folgen
dermaßen vertheilt: Baltimore
044.94; All-ghaiiy Connty H 8000.44; Anne
Aruude! EonntyKBo74.B7;Balli!iiorc HO2OZ
-05; Calvcrt 51865.42: Caroline H 1508.23;
Carroll 8764.34: Cccil 8860.78; Charles
52340.17; Torchcsttr 2980.68 ; Frcderick
6508.40: Garrctt 1357.22; Hanord 8294-
86; Howard Kl 978.02; kent 52457.60 :Monk
gomcry 58190.00; Prince George's 82045-
52; Queen 'Anne's 52802.80; St. Mary's
52137.02 ; Somerset 58736.80 ; Talliot
8184.29; Washington 1785.58: Wicomico
2464.32: Wsrccster 58881.66. Zusammen
5103,783.18.
Tie Negerichulen im Staate erhielten wäh
rend derselben Zeil folgende Silmmcn: Stadt
Baltimore 2353.73; Alleghany Couitt>>s76-
95; Anne Anindcl 867.69; Baltimore-Co.
558.43: Eatverl 444.41; Caroline 5893.51;
Carroll 5148.58; Cccil 276.65; Charles
5746.77; TorchestcrsB4.B2; Fredericks>6
65; Harsord 5402.52; Howard 5248.90 ;kenr
5-564.66 ; Moittgomery 532.05 ; Prince
George's 734.13; Queen Anne'S 507.31 ;
St. Mary'S 584.81; Son'.crsct 567.78;
Dalboi 475.61 : Washington I02.l!>: Wi
comico 863.40; Worccstcr 158.21. Zusam
men 12,50.
Der Krieg im Staats - Kriegs - De
partemente von Maryland.
Maryland ist ein äußerst friedfertiger Staat,
und soweit die Bürger desselben und ihre
ebenfalls friedfertigen Nachbarn in Btztrachr
komme, brauchtcistwir keine 'Miliz zu halten.
Da aber auch bei uns der alle Spruch gilt,
daß man im Frieden zum Kriege gerüstet sein
muß, so hallen wir uns bekanmlich ein Bnr
gerheer, etwa von der Größe der Armee des
Fürsten von Waldeck. Ter Befehlshaber die
icr Maryländcr Armee ist der Gouverneur, der
jedoch durch den General Adjutanten vertreten
wird. Dieses hochwichtige 'Amt eines Gene
rals und Kriegsministers von Manstand be
kleidete bisher General Mcßlair. Gonver
neur Groonic, der bei seinem Amtsantritte
ohnehin nicht viel Aemter metir zn besetzen
tand, weil bereits sein Vorgänger itm dieser
Mühe überhoben Halle, ernannte in General
Bond einen neuen General-Adnilantrii. Da
aber der bisherige Bcamie das Ami nicht gm
willig räumte, so entstand ein kleiner .Krieg
zwischen den beiden Herren, der bisher mit
allen Mitteln, welche Strategie und Taltik
an die Hand gaben, geführt wurde. AmDienS
läge schickte Gen. Mcßlair nach dem Post
amtc, um die Postsachen seines 'Amtes zu
holen; sein Opponent war ihm aber bereits
zuvorgekommen. Gen. Mcßlair erließ jetzt
einen Geucralbcschl an den Postmeister, und
dieser wandle sich nach Washington um Aus
tunsr, von wo er die Weisung erhielt, die
Postsachen dem Beamten auszuliefern, wcl
chcr die Ancrieiinnng des fnngircude Gou
verneurs habe, die Briefe wuidcii infolge
Dessen an Gen. Bond ausgeliefert. Mau
vermuthet, daß dieser kleine krieg um das
Staats Kriegs Departement demnächst zu
einer Krisis kommt, wenn der Controleur des
Staates zn entscheiden hat, wer von den bei
den Helden zu oem Gehalte berechtigt ist.
Wir sind überzeugt, daß dieses den Annapo
liser Theekessel Slnrm gründlich bcschwichlj
gen wird.
Der Schluß der Sitzung des
Delegateuhauses.
Wenn auch zur Stunde der Vertagung sich
der Mitglieder eine ungewöhnliche Fröhlichkeit
! bemächtigte, so gelang es dem Sprecher doch,
j die Ordnung vollständig aufrecht zu crballeii.
! Sprecher HincS schloß die Sitzung mit folgen
! der Rede:
' „Meine Herren vom Telegatenhanie! Tie
j Feil ist ackommen, in welcher wir nach der
! Vorichrist unserer Berfaisiiiig gehalten sind,
! unscreArbciten zu schließen, und ich kann die
! sen Augenblick nicht vorübergehen lassen, ohne
! Ihnen meinen hcrzlichstenTant auszusprechen
! ssir die Güte und Nachsicht, welche mir das
Haus während der ganzen Sitzung hat zu
Theil werden lassen. Z.hne jegliche legisla
tive Erfahrung ans diesen Posten berufen, be
durfte es Ihrer Nachsicht umsomehr, und ich
habe sie in hohem Grade empfangen. Die
Freundfchast, welche mir von Ihnen Allen er
wiesen worden ist, ivird in meinen Erinneru
ngen der grünen Oase gleichen, und wenn im
mcrich dieser Stundengedenke, wird sich meine
Erinnerung erheitern. Ich zweifle nicht, daß
wir uns Alle in der schönsten Freiindschaft und
mit Gefühlen gegenseitiger Achtung trennen.
Unser Wirken liegt jetzt der Bevölkerung des
Staates vor und dieser sind wir jetzt Rechen
schaft schuldig; obgleich wir manchmal vcr
schiedencr Ansicht wartn, so glaube ich doch,
daß Jeder zugestehen muß, daß Jeder seine
rechljchasfeue, ehrliche Ueberzeugung venochl.
Ich niuß Ihnen gratuliren zu der Energie
und dem Eiter, den Sie hier in alten Dingen
gezeigt haben,
Wir trennen uns setzt, meine Herren, und
ich bin sicher, daß nur uns nur ungern von
einander trennen, und das; Jeder mic Pergnm
gen an diesen Winter deuten wird. Für die
schmeichelhaften Aeiigerungen der Anetten
nnng meines Wirkens nehmen Sie meinen
Dank, obgleich ich vielleicht eine solche Auer
kennung uichr in dieser Weise verdiente, so bin
ich doch stolz, sagen; können, das; ich meine
Pflicht treu erfüll! habe, nnpatteilich und im
besten INierene des Staates. Jetzt, meine
Herren, erkläre ich dieses Haus ohne einen be
' stimmten Tag der Wiederoersammlung ver
I lagt."
Ter Werth der deutschen Thaler
und <Klden im Aollamtc.
Ueber den zollamtlichen Werth ausländ,
scher Münzen hat Gencralanwatt Williams
uitrer'm 81. März d. I. an den Finanzsekrc
tär Richardson folgendes Gutachten ergehen
lassen:
„Sir! Ihre Mittheilung vom IN. d. M., s
welcher ein an Sic gerichteter Brief des Munt
Direktors beitag, in welchem er eiueSchävung
des Werthes des deutschen Thaters inio Gut i
dens. in dem Gelde der Wer. Staaten ans ;
gedrückt, angibt, welche Schätzung er in Gc- '
inäßhcu der Regel für die Werthbestimmnng s
der ausländischen Münzen, wie sie durch Ge
fetz vom :!. März 1878, Eapircl Bt>B, vorgc
schrieben ist, gemacht hat, legt meiner Erwä- j
gung folgende Frage vor:
„,,Tb der Finanz - Sekretär nach dem er
wähnten Gesetz befugt ist, den Werth des
deutschen Thalers nnd'Gnldens in dein Gelde
der Per. L taatcii zu irgend einer Zeit vor dem
l >. Januar künftigen Jahres anzukündigen,
i damit die Fakturen der Padnngen, die an
! kommen und deren Werlh in jenen! Eonranr
s ausgedrückt ist, in Gemäßheil nur der Ansle
gnng rednzirt werden können, die das Justiz-
Tepartcment und das Finanz Tcpariemenl
jeneni Gesetz gegeten hat?""
In Perbiuduug mit dieser Frage sagen Sie,
! daß die Proklamation vom l. Januar >B7B,
i die der Finanzsekrctär in Gemäßhcit der Be
z stimmnngen jenes Gesetzes erlassen hat, de
j Werth der Mark, die neue Geld-Einheit für
das deutsche Reich, enthält, aber nickt den des
s Thalers und des Guldens, während der
j Werth des größeren Theiles der deutschen
! Fakturen, die in dieses pand kommen, noch
immer in Thalern ausgedrückt wird, und daß
die Thaler-Rechnnng bis jetzt noch nicht durch
dir der Mark ersetz! wordenTst.
Tic erste Sektion des erwähnten Gesetzes
! vom 8. März 187:. erklärt, daß dem Werthe
j der fremden Münzen, wie er in dem Gelde
! der Per. Slaaieii ausgedrückt wird, derjenige
s des reinen Metalts solcher Münzen zur Ron
s dienen soll. Tiefe Beiordnung beabsichtigt,
wie ich bereits in einem am 8. Januar d. I.
- an Sic gerichtetem Gutachren bemerkt habe,
atle srühcrhin in Kraft gewesenen Gesetze aus
zuheben, die in der 'Absicht erlassen wurden,
die Raten zu ermitteln, zn welchen ausländ!-
sche Münzen im Zollhaus geschätzt werden
sollen, wenn die für eingeführte Handclsgü'
! ter zahlbaren Zölle berechnet werden; jedoch
! war die 'Absicht, lene Bestimmungen in einem
! fpecifizirten Modus zu ersetzen. Dieser Rio
diis erscheint in derselben Sektion und besteht
! darin: „Ter Münzdirekior hat jährlich den
! Werth der in Eirtiilanoi! befindlichen uor
! malinästtgcn Münzen der verschiedenen Ra
s nouen der Wett zu schätzen," ni d der Finanz
sriulär hat solchen W.rth am I. luinar zn
! vcrlündigeii. r. hiic einen solchen Plan für
j die anlorilariveFeftneUung niibPertündigung
I des Wertas der ausländischen Mauzen in
I Gcmäßhci! der neuen Regel, würde die Tpe
l ratio der tzelzteren init großen Schwierigkei
! reu verniivst sein. Tiefe Maßregel ist eine,
: j die die öfseutlichen und Privat-Inlercst'cn an
j geht, und da die petztereii achltzeiiig durch
> irgend welche Ungewißheit berührt werden
l j würde'.!, die durch eine Abweichung von dem
j Buchstaben des Gesetzes entstehen tonnte, so
! erscheint es mir als wesentlich, daß die Er
! sordcrnisse desselben ans das Pünktlichste be
: j folgt werden. Daher ioltle die im Gesetz de
i ! ugnirte bewndere Zeil für die durch den Fi
i : nanzsclretar zu erfüllende Pflicht der Erlas
' sung einer Proklamation nicht mir als eine
! Weisung, sondern auch als eine Beschränkung
i seiner Autorität betrachtet werden. Er ist
i antorisiri und beordert, zur angedeuteten Zeit
i und zu keiner anderen, die Proklamation zn
machen. Betrachtet man die Sache in diesem
l Pichl, dann fühle ich mich gezwungen, die mir
! vorgelegte Frage verneinend zu beantworten,
i! Hinsichtlich des dargestellten rcetlen Falles
- führt die erlangte Schlußfolgerung zu fol
z gendcm Resultat: Ter Werth des Tha
z lers und des GuldeuS in Bezug auf
i die Berechnung im Zollhausc ist derjenige,
z der durch die Gesetze festgestellt ist, die vor dein
- Gesetze vom ü. März 1875 in Kraft waren,
e bis die Proklamation im Einklänge mit den
. Erfordernissen jenes Gesetzes gemacht seilt
- wird; was >cvl nicht, sondern erst am Ersten
> des nächsten Januar gethan werden kann.
Geo. H, Williams, General Anwalt."
Tie Zttständc ruf Santo Tomii,zo.
Ans Santo Domingo kommt die gestern
bereits von uns mitgetheilte Nachricht, daß
die neuen Machthaber den von Bae; mit der
„Samana - Bai - Gesellschaft" abgeschlossenen
Vertrag annullirt haben. Bei den dortigen
Zuständen mußte man ans eine solche Eveu
tuaUtät immer gefaßt sein. Tic amerika-n
scheu Spekulanten, die sich auf die Sache ein
gelassen, haben diese Eveittualiläl auch weis
lich in'S Auge gefaßt nnd in dem Vertrage
festgesetzt, daß' die Etablissements der Com
pagnie luttcr dem gemeinsamen Schutz der
Regierungen von Amerika und Santo Do
mingo stehen und die Compagnie den Schutz
einer jeden von diesen Regierungen jederzeit
anrufen rönne. Natürlich war dies eine Un
verschämtheit, aber so ganz dumm war cs
nicht, denn hinter diesen Spekulanten stand
der Babeock'sche Ning, welcherdie direkte An
nexioii vergeblich betrieben hatte und jetzt auf
diesem Uniweg zum Ziele kommen wolle. Tie
Umtriebe zurSanltion dieses Vertrages durch
die diesseitige Regierung waren inzwischen
fruchtlos und die ce?amana-Bai Spekulanten
können sich also natürlich nicht auf jene Ver
tragSbesiimmung berufen, wenn sie jetzt den
Schutz der amentanischeii Regierung anrufen.
Sie werden sich begnügen müssen, in ihrer
Eigenschaft als aincrilamsche Bürger Schutz
für ihr Eigenthum in Washington zu Verlan
gen, und der Santo Tomingo Ring wird
jedenfalls Anstrengungen machen, um jenen
Anspruch zur Geltung zu-bringe. Tie ganze
Geschichte war von vornherein darauf ange
legt, die amerikanische Regierung in einen
Streit mit der von Santo Domingo zu vcrwit
kein und die Santo Toiningo-Frage in irgend
einer Forin wieder auf's Tapet zu bringen.
In Hinsicht darauf hätte der Congreß die un
verschämten Spekulanten gleich bci'm Be
kanittwcrden des Vertrages dcsavoniren >0!
len, wie wir es damals verlangten. Auch
jetzt sollte er sich beeilen, den Gelüsten der
Herren Gram und Fish zur Comproimluniiig
der amerikanischen Regierung in dieser Ange
lcgeiihcii einen Riegel vorzuschieben.
Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir, daß
soeben aus dem literarischen Nachlasse des
Senators Snmner das Tonzept einer Rede
publizirt worden ist, welche Suinncr nach iei
iicr Absetzung a!S Vorsitzer des Ausschusses
für aiisivärtlgeAiigelegenhcileil halten wollte,
aber aus Ersuchen anderer republikanischer
Senatoren unterdrückte, die damals Sinnner
in seinem Kampf gegen d>e Adniimstra:ioii
unterstützen, aber die Vcrsöhnungs Brücke
noch mchi abbrechen wollten. Besonders
wichtig ist die Rede nicht und sie bewein nichts
Neues, als alicmalls— in Hinsicht aui ihre
Unterdrückung die damalige Timiditäl der
Ireiilidc Sumncr's. Der Letztere erzählt,
daß Gram über die Opposition Lumner's
gcgcnden Samo Domingo Plan surchlbar er
bvst gewesen sei und ihn habe wissen lassen,
daß er ihn „zur Verantwortung ziehen würde,
falls er nicht Präsident wäre": und daß Bad
cock ihm mi! körperlicher Züchiignng gedroht
und der Präsident denselben, rrotzdeni ihm
dies mitgetheilt worden, in feinen Diensten
dehnlien habe. Fish habe sich fast die Beine
abgelaufen und sich'heiser geschwatzt, um ihn
für den Sramo Domingo-Ptan Zugewinnen;
Argliincm habe ir keines dafür vorbringen
tonnen, als den Willen des Präsidenten und
die Danlbarkeil, welche die repiiblilamfche
Partei Gram schulde, indem nur dieser sie vor
einer 'Niederlage bewahrt habe. Als Snm
er nicht nachgab, rächten sich Graut und Fish
zunächst durch die Absetzung von Sumner's
Freund Morlcy (Gesandter in Londo), und
in seiner dem Senate nbcrschicklen Motivi
rung dieser Absetzung erging sich Fish inAus
fallen und Lügen über Suinner, woram die
'er dem Staats - Sekretär die Freundschaft
kündigte nnd allen nichtamtliche
mir ihm abbrach.
Tic Glanbwürdigkcil von Sumner's An
gaben kann nichr in Zweifel gezogen wer
den. Seine Behandlung durch die Herren
Graut und Fish und aus Gram'S Geheiß
durch den Senal ist eine der schmählich
sten Episoden in der amerikanischen Geschichte
und steht der Mißhandlung Sil!m:c' 's durch
Brooks und dem miserablen Benehmen des
Repräsentantenhauses bei jener Gelegenheit
ebenbürtig zur Seite. (N. 2). Stsztg.)
tstine deutsche Zndignatious-Ver
sammlung in Ncw-Bovk.
In der Stadl N'w-2)ork besteht eine staat
lich- Einwandcrungs - Behörde, der auch die
Präsidenten der dortigen deutschen nnd irischen
Gesellschaft beigegeben sind. Die Behörde
beaufsichtigt das ganze Einwanderuitgswesen,
die Landungsplätze und -Depots, die Hospi
täler n. st w. In Anbetracht der Thatsache,
daß die Mehrzahl der Einwanderer der hiess
gen Sprache nicht kundig ist, war bisher
eine 'Menge der Beamten, welche die Com
mission zu ernennen hat, dentsche Avoptiv
bürger. Neuerdings hat nun die Mehrheil
der von der republikanischen Staats Regie
rung eingesetzten Behörde die alten Beamten
beinahe sämnitlich abgesetzt, und die dagegen
erhobenen Proteste sind mit Hohn abgewiesen
worden. Man ließ den deutsche!: und irischen
Mitgliedern der Behörde wissen, daß man
auch ohne sie fertig werden könne. Das rief
namentlich im deutschen Publikum große Er
bttrerung hervor, und am Montag Abend iand
im „Coyper-Institute!' eine riesige Protest-
Versammlung statt, in welcher die HH. st aus
mann, Er Gouverneur Salomen, Rupcrti,
Dr steßler, Ottendorffer, Wallach n. A. Re.
den hielte Aus Antrag des Hrn. Wilh
siihrlc Hr. Bijsingcr de Ponitz
Tic Beschlüsse laiuen:
.t'n Erwägung, dast die EiuwonderungS-Eom
die Einwanderer ;u beschützen und denselben mit Rats,
und Vu>,e beisustehen:
"EN Erwägung, dast die für diese Zwecke ersorderli
wen Mittel nickt von dem -tonte, sondern von den
Emwaiiderercin selbst geliefert werden, und dost des
halb die Einwanderungs-Eommissivn nIS ein vhi
lantropischcs und nicht als ein politische Znstili t
betrachtet werden sollte:
Erwägung, dost eine graste Antahl der hier
cintresfcndcn Einwanderer weder der Landessprache
kundig, noch mit den hiesigen -itten und Gebräuchen
vertraut
stellen, welche ihre vcrsteheii 'und mit ihren
bitten und Gewohnheiten vertraut sind;
„In Erwägung. dost, um diesen Zweck;u erreichen,
die Legislatur, welche die EinwaudcrungS-Conrmis-
der Naiionclitöten,
gleichen^ picchtc der übrigen
in davon > >e Achorren 'cd Ltoatcs'tem dent
schen Elemente eine weitere Vertretung i oer Ein
wou cruagz-Eommisston, durch die Ernennung von
einem oder mehreren Mitgliedern deutsckcr Abkunft,
gewohrien;
N"' von 1Z77 da.z?
Gicichdcrcäiüziing in eer
Iton bcrauin uns ?tm deutschen Elemente die früher
weitere Vertretung in derselben entzogen
Zn Cr,vogiing, dag die in Folge dieser Abände
rungen cuigeiet-.c Cinirnnderuiigd-Coinmission fest
ane deuiichipiechende Bcninte enilnssen und ie Ein
lgruche des ji.ösidsitteii „Deutschen tÄcsetlschast,"
bei tast leder Gelegenheit, inlssachtet hat;
„An Crwngung, daß die Abänderungen de-Ge
setzes und die in Folge derselben ergriffenen Äassre
getn i direkte,ii -niderirruche mit dem Geiste und
l D
Im Lause deS Abends wurde'auch ein Brief
des Senators Schur; vorgelesen, worin er sich
mir dem Zwecke der Versammlung vollkom
men einverstanden erklärte und es bedauerte,
Laß er, durch amtliche Geschäfte abgchalren,
derselben nicht beiwobnen tonne.
Hr. Kaufmann, der bekannte Präsioent der
„Teutschen Gesellschaft," bemeritc: „Seit
dem die Majoriiär der Commissäre freie Hand
bekommen dal, sind fast alle dcntfchen Bcam
teil in „Castle Garden" nnd ant Ward's Is
land abgesetzt worden, und die, die wichtige
Stellungen einnehmen, sprechen alle blos
j Englisch. Der Cyefclerk auf Ward's Island,
j ein Deutscher, mußte einem amerikanischen
! Parteigänger der Eommift'imi Platz mack en.
! Ter einzige Dcnliche in der Postablhcilnng
j in „Castle Garden" ist entlassen worden. Der
j Snpeiinlci'.dent von „Castle Garden" ist ein
j Amerikaner und versteht kein Wort Deutsch.
! Der Hütt Z ilperinlendriii Caniator, der nun
l bis sechs Sprachen spricht, und der Denlichc
j Poser, dem das Lesen der Postadressen oblag,
ssuo entfernt worden. Ein Irländcr, der 25
Jahre lang Verwalter der Vorrärhe auf
'Ward'S Island gewesen und sein Amt stets
zur Zufriedenheit verwaltet harte, sollte cur
lassen werden, um einem Günstling Platz zu
niachen. Ich hatte den Mnlh, für ihn einzu
treten, drang aber nicht durch. Das war der
erste Strauß, den ich um der Mehrheit der
Commission hatte."
Cx Gouverneur Solomon bemerkte: „Tic
ganze weiße Bevölkerung Amerika'S besteht
ans Eingewanderten ans Europa; die Ge
schichte der Einwanderung lehrt uns aber,
daß, wenn mil 1790 alle Eniwandermig auf
einmal aufgehört hätte, so leblen im Gebiete
der Ver. Staaten höchstens 10 Millionen
Weiße stall der 40 Millionen, die sich jetzt in
dieses Gebiet theilen. Würden die Deutschen
fehlen, so entstünde eine bedeutende Lücke nicht
nur in der Bevölkerung Ncw-2>ort's,sondern
namentlich auch in der Bevölkerung der west
lichen Städte, Chicago, Louisvillc, St. Louis,
Cineinuaii nnd aller westlichen Staaten. Bei
der Frage der Einwanderung, die uns hier
beschäftigt, bandelt es sich also auch darum,
daß die Zukunft des Landes und die Ver
gangenheit Schritt hatten. Fünf Siebentel
aller Einwanderer landen in New-Nork, und
der Staat New?>ort hat daher von allen
Staaten der Union zunächst das größte In
teresse au einer humanen Behandlung der
Landenden. Vor 1847 trieb sich an den Lan
dungsplätzen in 'New Port ein so gemeines
Gannergesindel herum, und der Emigrant
ward fast als oogclffei angesehen. In jenem
Jahre schuf die Legislatur die Eiuwaude
rui'.gs-Commission und bahnte damit eine be
deutende Besserung der Zustände an. Seit
dem zahlte jeder Landende l oder 14, 2 oder 25
Dollars au den Kosten seiner Ausnahme und
hat daher natürlicherweise auch ein Recht, or
dentlich verpflegt zn werden. Da die Ein-
Wanderung bedeutend stieg, so zog sie auch die
'Augen der habgierigen Politiker aus sich, die
sich einen so fetten Bissen, wie die jährlich
cinbezahlle halbe Million, nicht entschlüpfen
lassen konnten. 1867 waren noch zwei Deutsche
in oer Commission, jetzt leiner mehr. Nicht
als Deutsche wollen wir, daß das Deutsch
lhum in derCommiisiou vertreten sei, sondern
geben uns zufrieden, wenn mau Amerikaner
findet, die genügend Dent'ch verstehen, des
deutschen Dialektes mächtig sind und die deut
scheu Verhältnisse kennen, denn die Hauptsache
ist ja, daß sich die Einwanderer in „Castle-
Garden" verständlich machen können."
Hr. Ottcndorfser sagte: „Die Veranlas
snng, welche uns hier zusammenführt der
Versuch, die Leitung derEniwanderungs An
gclcgcnhcilen zum Spieldall ehrgeiziger, selbst
süchtiger Politiker zu machen, ist allerdings
geeignet, die rieffte Entrüstung wachzurufen,
denn der Schurke, der seiner verstorbenen
Großmutter den Penny stahl, mit der ihre
Augenlicdcr zugehalten wurden, hat sich kaum
einer schmählicheren Handlung schuldig ge
macht, als Diejenigen, welch: die von den
armen Einwanderern zu ihren, Schübe erho
benen Kopfgelder zur Befriedigung politischer
Pläne verwenden. Und doch ist diese Erfchei
nmtg keine vereinzelte. Sie ist der Sprosse
eines Stammes, der nach allen Richtungen
'eine Wurzeln treibt, sie ist eine der Blü
then des eingebildeten, lächerlichen Schollen
ritter'hums, das unter der 'Anmaßung, den
Geist des amerikanischen Volkes zn repräsen
tiren, sich überall hervordrängt und den Ruhm
und die Ehre der Vereinigten Staaten zu be
sudeln sucht, oer Ausfluß des finsteren
Geistes, der die Zukunfl unseres Volkes in
die Zwangsjacke engherziger Vorurtheile ein
klammern möchte, jenes Geistes, der im
Erziehnngsrathc, in der Legislalnr, im Evn
grcsse, beinahe ans allen Gebieten unseres
öffentlichen Lebens sich geltend zn machen
sucht, und unter dem Vorwanöe, die Intercs
sen des Landes zn wahren, dem Eigennütze
ehrgeiziger nnd oir auch corrnpter Personen
zu sröhnen such!, jenes Geistes, dessen sich
die polnischen Parteien zur Ausführung ihrer
Pläne bedienen, jenes Geistes, der behaup
lel, daß vierhundert Millionen gedruckter Lü
ge der Well in s Gesicht zn schlendern, eine
Manifestation politischer Weisheit sei,-wel
cher sich vermißt, Alles verhöhnen nnd vcrach
ien zu können, was nicht in seinen Kram
paßt; welcher die ans den Erfahrungen
aller Zeilen und aller Völker als richtig bc
slätigten Wahrheilen zn mißachten welcher
die Naturgesetze zu corrigiren und den gefun
den Menschenverstand verlachen zu können
glaiibk, wenn dieselben nicht nach feiner Piene
tanzen wollen."
Die Beschlüsse und Auszüge der Reden er
klären zur Genüge, worum es sich handelte.
Derselbe böse Geist, der sich im Westen noch
hinter der Temperenzlerci versteckt, tritt in
New Pork offener ani; hat er doch mit Hülfe
der rcpnblitanischen Partei die Gewalt in den
Händen und braucht sich nicht länger zu geni
ren. Wir prophezcihteii dieses, als auch das
deutsche 'Adoptivbürgerthnm ans die Unglück
liche Allianz mit den sog. „Reformern" ein
ging, um eine Bande Spitzbuben, die sich in
der demokratischen Partei eingenistet hatten,
loszuwerden. Die wahre Reform mußte da
mals von Innen, aber nicht von Außen cr-
folgen. Aber der Zwist in den eigenen Rei
hen, der geflissentlich zwischen den verschiede
nen Elementen der Einwanderung genährte
Haß (zu dem auch einige New-'Dorker deutsche
Zeitungen in kurzsichtiger Weise die Hand
boten) vereitelte alle Mahnungen weitergehen
der Männer und heute, wo dicrepublikaniich
i nativistische Macht obenauf ist, dürfte die Auf
gäbe eine ungleich schwerere fein, sie wieder
abzuschütteln. Die Zeit rückt täglich näher,
wo manche wichtige, für die Zukunft der Ein
wanderung inhaltschwere Fragen entschieden
werden müssen, und genug Grund ist vorhan
den, rechtzeitig die mannigfaltigen Interessen
zu amalgaiiiirei! und sich fester, als je, und olme
Eifersüchteleien sn he;; eigemn Reihen, der
Thatsache zu fügen, daß in dem stampfe der
Parteien wir uns jener anschließen müssen,
die Angehörigkeit den
sichersten Schutz gewährt. In Maryland sind
lange nicht die Uebclstäiide zu beklagen, welche
in den meisten Staaten des Nordens nndWc
stcnS die fremdgcborene Bevölkerung behelli
gen. Aber es hat dazu auch manches Straußes
bedurft, sonst wären wir hier vielleicht längst
in dieselbe Patsche gerathen, wie in jenen
Staaten, wo man blind einer mit allerlei
Weltverbesserungs-Pläncn und FortschrittS-
Wieorie'u das Adoplivbürgertlium tödexnhcn
Partey'o'.gte, um nachher wie cs sogar
Hrn. schürz in offener Sitzung des Bundes,
renales geschehen mit der Weisung abge
funden zu werden, daß man als „Foreign"
das Land nicht verstehe, indem man lebe,
und deshalb das Maul halten müsse.
7 Wilhelm von Kanlvaä.
jrabcl meidet aus München, daß dort
der berühmte deutsche Maler W. v. ltanlbach
an der Cholera gestorben ist. Der >iünftlei ,
wurde am lö. Oktober l8i)ö zu Arolsen, Für-!
Mithum Waldeck, geboren, Rachsem er seine!
äugend unter ziemlich ungünstigen häuslichen
Perhältuissc verlebt haitc, ging er mit 17
Zähren nach Düsseldorf, wo er unter Eorne
lins seine Studien begann und sich vorersi eng
nn dessen Richlnug anschloß. Durch Eorne
lins kam er unch München und malte daselbst
in des HosgarlenS sechs symbo
ilsche Figuren, darunter die der „Bavaria,"
und die bayerischen Ströme, sowie das Decken
gemälde „Apollo unter den Mnjen" im
Odcon. Zu gleicher Zeit (1828—2 b) schuf er
sein berühmtes „Narrenhaus," zu welchem er
in der Irrenanstalt in Düsseldorf das Mate
rial gesammelt hatte. Diesen Werken folgte
eine Serie von 18 Wandbildern zur Fabel
von Amor und Psyche, im Palaste des Her
zogs Max in München, Szenen aus Klop
stock, Göthe u. s. w. im Königsbau, sodann
1837 eines seiner bekanntesten Werke, „Die
Hnnnenschlachi," die er sür den Grafen Rae
zyiisky in kolossalen Dimcnsioneu, braun in
braun, ausführte. Im Winter 1837 —3B
schuf er seine zweite große Eomposition, „Tie
Zerstörung Jerusalem's," welche er auf Ver
anlassung König Ludwig's von Bayern, eben
falls in kolossalen Dimensionen, sür die neue
Pinakothek in Ocl malte. 18-lö erhielt K.
den Auftrag, das Treppenhaus des neuen
Museums in Berlin auszumalen. Er wählte
als Gegenstände sechs Szenen welthistorischen
Inhalts, die er in eben so vielen Hanptge
mälden darstellte: 1) „Sprachverwirrung
bei'm Thurnibau zu Babel;" 2) „Homer;"
3) „Die Zerstörung Jerusalem'S;" s) „Di?
Hniinenschlacht," die beiden Letztgenannten
Wiederholungen der schon erwähnien Eompo
silionen; 5) „Die Kreuzfahrer in Jerusalem
anlangend;" 8) „Das Zeitalter der Neforma
tion," Werke, welche durch den Streifen und
Pilaster getrennt sind, in denen man symbo
tische Darstellungen der Geschichte der einzel
lien Völker findet. Dazu kommen noch die
Figuren der Sage, Geschichte, Dichtkunst,
Wissenschast, Baukunst, Bildnerei, Malerei
und Kupferstecher,.'!, während sich über den
Bildern ein ArabeSkenfrieS hinziehi, in dessen
Ranken eine lustige Kinderschaar die ganze
Weltgeschichte parodiri. Eine andere bedeu
tende monumeiiiale'Arbeit K.'s ist der Eyllns
von Fresken an der Außenwand der neuen
Pinakothek, die „Entwickelung der neueren
Kunstgeschichte" darstellend. Von größeren
Einzelgemälden sind noch zu nennen: „Die
Schlacht bei Salamis," für das Maximilia
iicum ausgeführt; „Ttto >. in der Grus:
Karl's des Großen," Fresko im Germanischen
Museum zu Nürnberg; und in neuester Zeit
„Der Ketzerrichter Don Pedro d'Arbucz," ein
Bild, das durch seine tendenziöse Anjiassunq
und durch sein Erscheinen, gerade zur Zeil des
Sekumenischen Coneils, eine leidenschaftliche
Eontroversc hervorrieft Am bekanntesten ist
K. dem großen Publikum, außer durch die
Nachbildungen der Treppenhansgemälde in
Stich und Photographie, durch seine zahlrei
chen Illustrationen zu Dichtern und darunter
namentlich durch den „Reinecke Fuchs" und
die Schiller- und Göthe Gallerie geworden,
Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß dieic
Illustrationen unter allen modernen Kunst
werten die weiteste Verbreitung gefunden ha
ben. Bei unendlich reicher Erfindungsgabe,
hohem Schönheitssinn und einer glänzenden
Technik gingen K doch manche Eigenschaften
ab, welche man bei einem Künstler von so
weitreichendem Rufe wohl erwarten sollte.
Seine Gestalten sind oft gedunsen nnd mark
los, der 'Ausdruck der Gesichter starr und ver
zerrt, die Geberden gezwungen und thearra
lisch.
Berichte.
Die Militär Commission des Deut
scheu Reichstags nahm am 13. Mär;
die erste Lesung der vier ersten Paragraphen
des Militärgesetzes vor und lehnte K I Be
treffs Fixirnng der Fricdenspräsenz Ziffer von
401,6.50 Mann mir allen gegen 4 Stimmen
ab. Dafür stimmten nur die Conservativen
nnd die Freicoiiservativ-'n. Die 2 und 8
wurden mit 16 Stimmen der National Libe
ralen, Eonservativen und Frcieonse'.vativen
gegen die Stimmen der Fortschrittspartei nnd
des Centrums angenommen. Bei derTisens
sioii des §1 war ein Antrag des Centrums,
wonach die zweijährige Dienstzeit die Grund
lage der Friedciispräsenzslärke bilden soll, ab
gelehnt worden. Für den 'Antrag stimmte nur
das Centrum. Ein von Bethusy-Huc einge
brachte Antrag, die dauernde FriedenSpräsenz
stärke von 885,000 anstatt 401,650 Mann zn
bewilligen, wurde mit allen Stimmen gegen
die der Eonservativen und der Freiconserva
tiven abgelehnt. Die National-Liberalen so:
dertcn die Regierung aus, sich über die Zu
laistgkeit dcrMinimalzisscrvon 860,000 Mann
bis zur zweiten Lesung zn erklären. Ein den
§ 2 modifizireiidcr, vom Abgeordneten Riaj
tcr (Fortschritt) eingebrachter 'Antrag wurde
mit allen Stimmen gegen die des Centrums
und der Fortschrittspartei abgelehnt. Seitens
der National-Liberalen wurden erklär, sie
würden bei der zweiten Lesung einen Com-
Promißvorschlag einbringen, doch dahin, daß
eine Maximalziffer der Friedenspräsenzsiärle
neben einer geringern Turchschnittsziffer fest
gesetzt werde, sobald die Regierung zn einer
Verständigung bereit fti. Tie 'Absätze 2 und
3 von Paragraph 4 wurden unverändert ange
nommen, bei Absatz 1 beschlossen, daß statt „3
Teconde-LientenaittS per Compagnie, Esca
dron oder Batterie" gesetzt werde „2 oder 8;"
bei 'Absatz 4 hinzugefügt werde, „Generale
sollen nicht außer Reihe und Glied geführt
werden," und daß bei Absatz 5 ferner hinzu
fügt werde: „Aenderungen des Fnedensstail
des bei Offizier-, 'Arzt- und Beamtenslellcn
sind jährlich durch den Etat nachzuweisen." —
Diese Vorgänge in der Militär-Commission
des Deutschen Reichstages sind zweifellos die
Veranlassung gewesen zu jener Kabel Depe
sche, die ihrer Zeit eine Verwerfung des Mili
lärgesetzcs durch das deutsche Parlament mel
dcre. Dem Reichstage hatte das Gesetz zur
Debatte noch gar nicht vorgelegen. Nur Com.
miisieiiS-Berathungen darüber hatten statt
gesunde.
TaS Posener Appellations
geri cht vcrurtheilre den Weihbischof lauiö
zcwsti wegen des an den Religioustehrcr
Schröter gerichteten, mit Exkommimicattoii
drohenden Schreibens nach 8 47 des Straigc
setzbuches (Theilnahme au einer strafbaren
Handlung) zu 300 Thalern strafe, eventuell
zu zwei Monaten Gefängniß.
—(O ber-Schlesie n.) Die Cholera ge
winnt in einzelnen oberichiestschen Orten, so
u. a. in Lipine, Piosniti und Schwientoch
lowitz immer mehr an 'Ausdehnung. In
letzterem Orte kamen im Laufe der vor'gen
Woche zahlreiche Erkrankungsfälie vor, von
denen zwei Drittel einen lödtlichcn Ausgang
nahmen. Die Schulen sind vorläufig zur
Verhinderung einer Wctterverbreilung des
Contagiums geschlossen. Zur Cholera hat
sich leider auch der DyphnS gesellt, welcher in
den Arbeiterkreisen viele Opfer dahinrafft.
—(N eiss e, 8. März.) Am 3. d. M. ha
den nach der „Brest. Ztg." vordem Landrath
72 Herren ihren Anschluß an die' Altkatholiken
erklärt.
—E in er der rc ich ste Vi agnaren
Schlesien 's, der fiühereAbgeoi dnete Gras
Joh. Renard, ist am 7. März in Wien an den
Folgen einer Operation gestorben. Die Or
gane, die ihm Nachrufe widmen, betonen, daß
der „Spari und die Regierungspartei" einen
berben Verlust erlitten habe/den naineiulich
die „Sache der Vollblmzncht" rief empfinden
Eine hübsche Empfehlung für
einen gewissen Göhrke, der kürzlich aus
Deutschland eingetroffen ist, bringt die „Ber
liner GerichtSzciluug" von Ist. Februar in
folgender Notiz: „Bon dem Tuchfabrikanten
Göhrke (in Firma Göhrke Sc Saggau) ans
Brandenburg a. H., der wegen Unterschla
gillig von Domkafsengeideril und Wechsettäl
schnngcn verfolg, wird, sind, wie der „Fig."
mittheilt, Briese an dess'eiiGlänbigcr hicr iind
in Brandenburg eingelaufen, in denen er ih
nen aus Ncw-Pork ein Lebewohl zürnn, und
zwar mit der Bemerkung, die Dummen blü
hen dort ebenso, wie in Deutschland und wür
den dort auch nicht alle werden." Er sagt da
rin ferner, „ich gehe nach SanFranzisco, und
werde ich hier reich, und lacht mir das Glück,
so werde ich an meine Gläubiger auch —nichr
denken." Eine saubere Persönlichkeit!
(Dortmund, kl. März.) Tie hie
sige allkatholische Gemeinde hat gestern mit
einfacher Feier dcnGrniidslein zu ihrer Schule
auf dem sogenannten Landwehrhose gelegt.
Das Haus soll, provisorisch in Fachwerk er
baut, morgen schon gerichtet werden. Ein
Wohnhaus für den Lehrer, Garien und Spiel
platz sind dabei vorhanden.
—Am 8. d. starb zu Lü l> eck der als Mit
arbeiter an vielen belletristischen Zeitschriften
in weiten Kreisen bekannt gewordene Schritt
steiler Heinrich ALmus. Er schrieb einen
glatten Stil nnd wählte seine Srosfe gern
aus der lübeckischen Geschichte. Auch ein
Trauerspiel, „Erich XIV." hat er gedichter.
(Aus der Pfalz.)l z.) Die Kühnlc'sche
Maschinenfabrik in Frankciithal brannte am
8. März aus, nur die ZGßenmancrn blieben
stehen. In Germesheim wurde der frühere
Ealeulator der israelitischen Gemeinde Laza
rns Meyer wegen Unterschlagung von 83
Gulden 83 Kreuzer zu 14 Tagen Gefängniß
verurtheilt. Tie Gas-Gesellschaft zu Kai
serslautern vertheilt 20 Prozenf Dividende
auf ihre alten Aktien.
Bischof Haneberq von Speyer wurde
in Kaiserslautern wegen Beleidigung des
Martinl'schcn Ehepaars am 8. März zu einer
Geldstrafe von 25 Thalern, resp, zu einer
zehntägigen Gesängnißstrafe verurtheilt.
—ln Baden scheint die Seitens der zwei
ten Kammer angeregte Revision der Staats
Verfassung aus Hindernisse zu stoßen Die
zweite Kammer halte sich von dem Wunsch
leiten lassen, die Selbstständigkeit des Landes
den veränderten Verhältnissen gemäß zu stär
ken und die Hoheit des denrschenßeiches durch
harmonische Einfügung und Ausbildung der
LanveSvcrsajsung rückhatlslos anzuerkennen.
Tie Zeit für riiie derartige Revision schien
ihr deshalb besonders günstig, weil zwischen
der Staatsregicrung und der VolkSvettreiung
gegenwärtig eine glückliche Eintracht besteht
und eine entschiedene feste Mehrheit im Sinne
der liberalen und nationalen Politik gesichert
in, und weil keinerlei ernste Gefahren die be >
sonnene Erwägung des Nöthigen und Zweck j
mäßigen stören. Das. Ministerium erklärte
sich mir dieser Anssassnng einverstanden, der
Bericht des betreffenden Ausschusses der ersten
Kammer, erstattet durch Gcheimrath Präses
sor Ncnaud von Heidelberg, spricht sich jetzt
aber mit großer Abneigung und in scindseli
gern Tone gegen die Bestrebungen ans.
—Eine neulich von Mannheim ausge
gangene Zeitungsnotiz erklärte das baireu
ihcr Unternehmen Richard Wagner's für
völlig gesichert. Diese Nachricht wird jetzt
von eben Vorther erläutert. Dem Unterneh
men sei ein so bedeutender Credit gewährt
worden, daß die festen Bestellungen zue Aus
führung der Dekorationen an Maler Hoff
mann in Wien und die Bühncneinrichtung
an Meister Brand in Tarinstadt gemacht wer
den konnten. Tie Arbeilen würden nun
emsig betrieben, um die Ausführung trotz
der Verzögerungen noch im Jahre 1875 zu
ermöglichen. Wir geben diese Mittheilung
nicht ohne Vorbehalt wieder. Der ganze
Plan scheint aus einer krankhaft überreizten
Phantasie entsprungen zu sein und erinnert
uns stark a die Mythe vom babylonischen
D hnrmbau. Ein Kunstwerk von echten Werthe
müßte, denken wir, sich auch ohne baireuthcr
Coulissen und Bühneneffekte bewahren kön
nen. Da das fabulöse Unternehmen einmal
begonnen ist, so wünschen wir ihm glücklichen
Fortgang. Aber was wir von näheren Be
kannten des Dichtercomponistcn hören, wirst
ein sehr zweifelhaftes iücht auf jene günstigen
Nachrichten.
—Ein französischer Bischof, Msgr.
Dupai loup von Orleans, war bisher der
Einzige, welcher in ferner Diözese das römi
sche Breviarinm nicht angenommen hatte.
Nun ist es ihm klar geworden, daß er sich
den Wünschen seines CieruS nicht länger mehr
widersetzen kann. Deshalb hat er die sür
seine Diözese nöthigen Zusätze und Anord
nungen der Coiigregatioir der Priester vorle
gen lassen, welche damit beschäftigt ist, die
selben zu prüfen und zn approbiren.
—(Tieß 0 n a p a rte shabeli e b e n
falls ihre Orleans.) Der Bruch zwi
scheu Chiselhurst und dem Prinzen Zervme !
Napoleon ist ein vollständiger. Prinz Jerome
gcberdct sich ganz als „Plön Plön Egalite." !
Andererseits berichtet das „Pays" von einem
Einladungsschreiben Lulu's an seinen Vet
ter. Einige Anhänger des Prinzen Jerome
Napoleon hatten nämlich vorgeschützt, dieser
könne nicht zum 16. März nach Chiselhurst
gehen, weil er keine Einladung erhallen hat
te. Hierauf soll der Sohn Naooleon'S 111.
folgendes Eiiftadnngsschreibtn aii Plon-Plon
gcnchier haben: „Hine große Anzahl von
Freunden wird sich zum 16. Mär; bei mir
einfinde! Ihr Platz ist an meiner Seite, ich
erwarte Me." Wie man sieht, geberdet sich
oer Cader von Woolwich bcreiis vollständig
als Familien Oberhaupt. Wem Gott ein
'Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. Das
„Pays" tcn.'tdie 'Antwort des Prinzenlerome
Napoleon nicht, doch weiß eS, daß dieser sich
iveigene. nach Chiselhurst zu kommen.
(Ober-Schlesien.) Die Cholera
gewinnt in einzelnen oberschlesischen Orten,
so n. a. in Lipine, Piosniti und Schwieitto
chlowitz immer mehr an Ausdehnung.
—ln Lippe De tm 01 d befindet sich die
Regierung infolge der Versassungswincii in
lausend Aengsten. Tic Finanzen snid in größ
ter Unordnung, und der Minister, von Flott
well, ein treuer Diener Serenissimi, durch
. das Defizit im Staatshanshalt bedrängt,
macht einen neuen, voraussichtlich wieder
vergeblichen Versuch, einen Landtag zusam
menzubriiigen. Das Land ist jedoch im
Bewußtsein seines guten Rechtes unbeug
sam und verlang: einen Landtag nach dein
! gesetzwidrig anftzchobeiien W.'chlgefiy von
184!.
-P r 0 scso r Hl, rt 1, der weltberühmte
Professor der patyologischen Anatomie an der
Universität in Wien, hat am 17. Mär; von
seinen Hörern 'Abschied genommen nno sich
ans immer vom Lchrantte zurückgezogen. Wie
wir aus Wiener Zcittingen entnehmen, mar
diese Abschiedsfeicr eine höchst citthnsiastische.
Am Abende desseibenTagesfand im Sophien-
Saale ein großer Fest Commers statt. Hyrtt
brachte nach dem „Salamander" ein "Vivül
aimüamM" ans. Es folgten dann noch meh
rere Reden von Seile der Studentenschaft.
Ten Schluß machte eine zweite Rede Hyrtt'S,
in welcher er in warmen Worten seines Va
terlandes Ungarn (Pynl ist in Eisenstadt ge
boren) gedachte und dadurch die Hände und
Kehlen der magyari'ch.it Studenten in fieber
hafte Thätigkeit brachte. Von 'Notabilitäten,
wie Munstern ?c., halte sich Niemand am
Commers belheiligt, denn Hyrtt lebte mil der
amtlichen Weil bekanntlich fast immer aus et
was gespanntem Fuße.
Das „N. W. Tgbt." berichtet: „Graf
Andrassc hat vor Wochen eine Weisung an den
östr e i ckns ch enßo!schaf t c r b e i ' mt>e i
ligc n S l u h l e abgehen lassen, in welcher
Zweck und Inhalt der confessionellcil Gesetze
des Näheren beleuchtet wurden. Oestreich liege
nichts ferner als die Absicht, die Interessen
der Kirche schädigen oder dieselbe in ihrer Frei
heit beschranken zu wollen. Ter Zweck der
coittessioncUen Gesetze bestehe vielmehr darin,
die Kirche in ihren historischen Rechten zu
schützen und ihr jenen Einfluß zu wahren, den
sie zur Lösung ihrer Ausgabe bedürfe. Nicht
in einer feittölichenGesinnuiig gegen die Kirche
hätten die consesnoilellen Gesetze ihren Ur
sprung, sondern in der Erkenntniß der Noth
wendigkeit, daß die durchÄufhebiuig dcs Con
cordats entstandene Lücke ans legislativem
Wege ausgefüllt werden müsse."
In Jerusalem war ein so harter
Winter, wie ieit langen Jahren nicht mehr.
Tie Berge waren ringsum mit tiefem Schnee
bedcckr. Dieses seltencSchauspielerregte Stau
nen und Ucderraschimg. -Tie Waisenkinder
des iNnM,,.-Klosters, welche zum ersten
Male eine solche Naturerscheinung sahen, rie
fen überrascht aus: „Die Bergeschmücken sich
in ein weißes Gewand zu unserer ersten heil.
Communion."
(Sangcrhans en.) Ein Mord, der
bereits im Jahre 1860 verübt worden, der
aber erst jetzt zur Sprache gekommen, macht
hier allgemeines Aufsehen. 'Am 25. October
1861 wurde in hiesiger Gegend in dcmGräslich
Stolberg Noßla'schcn Forst zwischen den Ort
schaffen Dietersdors und Uffrungen der Lcich
num eines bis jetzt unbekannten Mannes auf
gehängt gefunden. Tic Leiche war nur mit
einem Hemde und mit einem Paar Lcdcr
schnhcn bekleidet. Tie Muökeltheile des Kör
pers waren vertrocknet, so daß der Leichnam
einer Mumie gleich. Nach dem ärztlichenGul
achten hatte der Verstorbene seinen Tod bc
reirs im Winter 1860—61 gesunden. Tie ge
richtliche Berichtigung halte bei dem murinen
hasten Zustande des Körpers äußere Verlet
zung nicht wahrnehmen lassen, und lag kein
Grund vor. nn einem Selbnmordc mittelst
Erhängen zu zweifeln. Erst in neuerer Zeit
ist ermittelt worden, daß der Verstorbene nicht
durch Selbstmord um das Leben gekommen,
sondern von sremderyand erschossen und dann
aufgehängt worden ist. Tie bisherigen Rccher
chen sprechen dafür, daß der Verstorbene von
Wilddieben aus der Jagd, für einen Jäger ge-
Hallen, gelödtel und feine Leiche aufgehängl
worden ist. Säininrllche Sickerheilsbchörden
des Staate sind jetzt aufgefordert worden,
zur Entdeckung der Thäter nnd zur Jdenli
fizirmig des Ermordeten mitzuwirken, jedoch
wird bei der Länge der bereits darüber ver
laufencii Zeit schwerlich ein Erfolg zu erhof
sen fein.
Moskau.) Der toll gewordene Ele
phant des zoologischen Gartens Hierselbst, von
dein wir unseren Leiern vor ineyreren Wochen
erzählten, ist endlich, nachdem die Direktion
einen Preis von 800 Rubel aus seine Beiväl
ligung gesetzt, wieder angekettet und in seinen
Stall geiülm worden. Bei der Gelegenheit
bringt die „Moskau sche Zeitung" interessante
Enthüllungen über Zustände dieses Instituts.
Ter Moskauer zoologische Garren wurde vor
10 Jahren gegründet nnd Hai troydcm, daß
d-e kostbarsten Cxemplare kaiserliche Gescheute
sind, und daß er in die'em Jahre 15,'00 Ru
bcl Zuschüsse erhallen, bereits eine Schulden
last von 58,000 Rubel eonlrahiren müssen.
Der Bestand an lebendigem Inventar ver
ringe sich von Jahr zu Jahr, theils sterben
die Thiere, theils verkauft sie die Direktion.
Tie Sterblichkeit ist leicht zu erklären; es
wurde kürzlich z. B. entdeckt, daß in einer zur
Fütterung dcrWicderkauer bestimmten Quan
tität von 240 Ceittiiern 25 Centner Sand em
halien waren. Auf Anordnung der Direktion
wurden ferner 8 Bären zur Fütterung der an
deren Raubthicre geschlachtet. 5 koststarc, aus
Lültich bezogene Brieftauben sind von den
Rallen aurgesresscii worden. Der einzige Ja
guar des Gartens starb im Dezember an einer
zu früh geschlossenen Oscntlappe. Selbst die
Wölfe, die sich doch in den Vorstädten Mos
kaii's lustig henimtiimmelii, gedeihen im zoo
logischen Garten nicht, von dem ganzen Nu
delist nur noch ein trübseliges Exemplar
übrig. Ilm die übrigen Bestien vor einem ähn
lichen Schicksat zu bewahren, hat die Direk
tion 8 Löwen und Leoparden an den Londoner
zoologischen Garten verkauft.
Etwas vom europäischen Ztra
kos ch.—Nachgerade werden schon die Astro
nomen auf den Impresario Sleaioich eifer
süchtig, denn dieser eindeckt noch mehr Sterne,
als der kundigste Astronom am Pariser „Ob
servatoire." In der jüngsten Zeit debütirt er
mit einem neuen Stern, mit Fräulein Beloc
ca, welcher sonore italienische Kunstname in
das ehrliche Deutsch („Schöngans"; ükerfcvt,
von seinem Zauber yerlieren durste. Er
spielte diese Sängerin als Rivalin der Parti
aus und erreichte init ihr im „Barbier" voll
kommen seinen Zweck. Ter Enthusiasmus
war im „Thealre Italien" ein rasender. Als
Impresario, der sein Handwerk ausgelernt
hat, schonte er seinen Stern und ließ ihn nicht
allabendlich leuchten. Das Publikum darf
nicht verwöhnt werden: plötzlich hieß es, die
reizende Sängerin sei bedenklich erkrankt;
Strakosch brauchte noch das Mitleid als
Suecurs für seine Neclame. Man gab den
neuen Stern schon verloren; da ließ er ihn
wieder in der „Eenerentola" aufblitzen, und
der Enthusiasmus steigerte sich stach der
Eklipse für Frl. Belocca maßlos. Kaum ge
wonnen und sichtbar, muß sie wieder vom
Firmament verschwinden, denn ""Z'S Neue
wird ihreEri'.aiikuiia7Ns.>.nlournä!eiigemel
bet- A'.'.ch HP niatyorle das Pcrsteckensspie'
len aus und sozusagen in der Neeonvalescenz
kam der Stern in der „Semiraimde" in SeHtt
Anläßlich dieser Oper kann in Erinnerung ge
bracht werden, daß sie diebestimmendeUnache
für Rossini war, Italien zu verlassen. Sie
wurde während des Earnevals 182? zum er
stcnmale in der Fcnice in Venedig gegeben
und siel mit Eklat durch. Rossini, ver als
Orchester Dirigent am Piano saß, hatte den
ersten Anfall dieses Fiascos auszuhalten;
man begnügte sich in der Furia nicht damit,
ihn mit Zischen, Pfeif-n und Gejohle zu mar
kern, sondern man warf ihm noch derbe Eon
fetti an den Kopf, Das war dem „Schwan
von P-esaro" zu viel; er nahm die Post nach
Paris und schwur, nie mehr eine Note für
seine undankbaren Landslcute schreiben zu
wollen. Der erste Rache-Akt, den er wegen
dieser Niederlage an seiner Heimaih nahm,
war „Wilhelm Dell."
Vermischte Berichte.
Gen. Butler hat als Vorsitzer des lu
stiz-Comite's imEongressc daraus angetragen,
daß in Zukunft alle Beamte (den Präsidenten
und Vice - Präsidenten ausgenommen) vom
Tiensre suspcndirt werden sollen, so lange An
klagen gegen sie schweben. Es beziehr sich die
ser Antrag speziell ans die Buiidesnchtcr Bu
sieed von Alabama, Durell von tzonisiana und
Störy von Arkansas, die „impeacht" werden
sollen.
Wenn Schüler über den Tod eines Mit
schlllers trauern, so ist das schön und gut.
Aber ein Zeichen der widerlichen aine
rikaui scheu Frühreife der Kinder'
ist es, wenn Schuljungen über den Tod einer
Mitschülerin Trauerbeichlüsse in den Blättern
veröffentlichen. Das geschah dieser Tage in
St. Joseph, Mo. Im dortigen „Journal"
standen derartige Beschlüsse, in welchen es
heißt: „Ta es dem allmächtigen Gott in
seiner Weisheit gefallen hat, unsere werthe
und geschätzte Freundin und Mitschülerin
Annie Fowler von dieser Erde nach dem Rei
che der Herrlichkeit abzuberufen, so bleibt uns
nur übrig zu sagen: „Gott hat sie gegeben,
Gott hat sie genommen, der Name des Herrn
sei gepriesen" u. s. w. Weiter unten heißt es
in den Beschlüssen: „Beschlossen, daß mir in
! diesem ernsten Ercigniß den Willen des All
mächtigen erkennen; daß es seine Hand war,
die uns von unserer geliebten und geschätzten
Mitschülerin trennte. Beschlossen, daß wir
durch den Tod von Annie Fvwlcr eine Punkt
liche, ehrenwerthe und pflichtgetreneSchülerin
der tzincoln Schule verloren haben, die von
ihren pehrern und Mitschülern geliebt war."
Ferner beschließen die BengelS, den Sitz der
verstorbenen Mitschülerin mit Trauerflor zn
schmücken, ihr Andenken ans ewig im Ge
dächtniß zu bewahren und endlich eine Ab
schrisl der Beschlüsse in der Schule aufzube
wahren, eine andere aber der Mutter der Per
storbeucn und eine dritte dem „Journal" zn
> übersenden.
Bismarck hat alle in neuerer Zeil über
ihn gebrachte Mittheilungen, soweil sie sich
ans gewisse Besuche von „Interviewers" be
ziehen, als Windbeuteleien erklärt. lii die
Kategorie der „Lüge" stellt Hr. Bismarck
ganz besonders die Mittheilung des Ungarn
lolai, daß er die Franzosen mir den „kupfer
farbigen Indianern" verglichen babc. El
l Londoner Correipoudenl der „2t. 2j. World"
meint inzwischen, daß doch Altes' wahr sei:
! „Tic einfache Thalsache ist, daß Fürst Bis
! marck nach Tuche Diiigcsagi midlhui, welche
! er kaum geneigt sein wird, am nächsten Mor
i gen zuzugeben. !n ein vt-riws. Gemeinig
! ttch nach Tische zeigt sich ein Mann im richii
D>c erste P 0 stknlschc n Linie in den
Ver. Staaten wurde gleich nach dem Schlüsse
j des RevottitionskriegeS von Capr. L. Peaie
von Boston und Hrn. Cvans, Eigner des
! „Indian-Queen Hotel" in Baliimore, errich
! tet. Tie Post snbr zwischen Boston nnd Sa
vannah, Gco.
InElmira, N. schnitt sich der 55
Jahre alte Michael C. Maloney den Hals ab.
Maloney setzte sich gelassen ans einen Sinhl,
stellte einen Eimer zwischen die Beine und
schnitt sich sadanii, mit dem Kopfe über den
Eimer gebückt, den Hals ab. M. war früher
Spirilnosenhändier in Albany, sehr wvhlha
bcnd und angesehen. In irgend einer Weise
verlor er seine Habe und kam nach Elmira,
wo er total verarmte. Der Mann hinterläßt
Frau und drei Kinder.
In W 0 rchcstc r, Mass., wurde LoniS E.
Granzer unter der Anklage verschiedener in
Boston, Philadelphia, Baltimore nnd New
Ljork vcriiblerTchwilidcleicii verHaftel. Gran
ger war früher bei der „Far West Mining K
Tunnel Co." in Liltle Cotlonwood, Utah,
angestellt. Cr wurde dort unlängst entlas
sen, wovon man ini Osten, wo Granger nicht
bekannt war, Nichts wußte. Erborgte darauf
hin Gelder zn bedenlcndem Betrage, bis er
bci'm Kragen genommen wurde. Granger ist
mit einer Tochter Brigham Nonng's verehe
licht, huldigt jedoch nicht der' Vielweiberei.
Aus dem Ver. Staate 11 Schatz
amte sind wieder einmal mehrere Enlschei
dnngen in Erklärung der vielen zweifelhaften
Punkte des Dans - Gesetzes hervorgegangen.
So sollen Kartoffeln, einerlei ob sie zur An?
Saat imporlirt werden, oder nicht, eimrTtcncr
von 15 Cents pro Bu'ckiel unterworfen sein.
Halsbänder, ans Glasperlen mil Metall
klammern:c. bestehend, und als Zierralh ver
wendbar, sollen nicht als ächte oder falsche
luwelcnewaaren besteuert werden, sondern
einer vck-vMvrew-Abgabe von 50 Prozent,
umcr Abzug von I 0 Prozent, wie das Gesetz
vom 3. Juni 1864 cS vorschreibt, unlerwor
sen sein. Kohlensäure, weiß cryslall'.sirt, in
Pftindslascheii verpackt und für den medizini
sehen Gebrauch bestimmt, ist, wie alle andern
Säuren, die ärztlichen Zwecken dienen, nach
dem Gesetze vom 2. Mär; 1861 einem Zolle
von 10 Prozent unterworfen. Der Herr Se
kretär hat ferner entschieden, daß Waaren, die
aus Ländern am mittelländischem Meere oder
westlich davon gelegenen Orten bezogen wer
den, keinem unlerschcidcndcii Zolle nnlerzogen
werden dürfen. Es wäre wohl Zeit, daß das
Schatzamt einen Leitfaden zu den Tarn-Ge
setzen veröffentlichte, um den widerstreitenden
Deutungen der Erster ein Ende zu machen
und den Spitzeln nnd Harpyen, welche die
Importeure ausplündern, das Handwerk zu
legen.
Am 15. Mai letzten Jahres kam die erste
P 0 stal - k arte in s Publikum. BIS zum
1. ds. Mts. waren bereits U>o,otto,oot> nbge
setzt und ersichtlich sind noch l,oott,w> kar
ten erforderlich, um den Bedars des ersten
Jahres zu befriedigen. Tie 15 Großsiädle
der Union cousilmirteli 40,MM,01m, darunter
New - Ljork l IP, Boston 5, Washington I
Million u. s. w.
Seit langer Zeit schwebte vor dem Ober
blindes Gerichte die Frage, ob Lebensvcr
sicheru 11 gs - G csel! s chaften gegen die
Inhaber von Policen im Süden, die wäh
rend des Krieges das Prämium nicht zahlten,
aber nach wiedergekehrtem Frieden aiit'sßciie
Zahlung anboten, Verpslichiiingen besäßen.
Die Sache gelangte in dem Prozesse Hainil
kon'S gegen die „N. SjAKbenS-Versichcriings-
Gejellichasl," welcher von einem Bnndesge
richte in Tennessee gegen den klüger enischic
den war, vor das Obcrbnudesgencht. Vor
gestern nun hat das Letztere nitt Stimme
gleichhen ein Gutachten abgegeben, das, wenn
keine abermalige Erwägung stattfindet, die
vorkriegszeillichen Policen mi Süden annnl
lin. Tie Entscheidung wird wol jedem vor
nrlheilsfreien Beobachter als ein großes Un
recht erscheinen.
In New-Aort erreichte der Nuttatz von
Btiimen vom Gründonnerstage bis C stersonn
lag reichlich den Werth von 5125,000. Wer
nicht rechtzeitig den Blumenhändlern seinen
Auftrag gab, konnte nicht einmal ein kleines
Bouqucl mehr bekommen. Lilien, gewöhn
tich 1-5 EcmS pro Stück, stiegen ans 75 Eis.
Ein Florist verkaufte allein 5000 Lilien in
nerhaib einer Woche. Am Samstag Abend
waren für Geld und gute Worte weder Ea
melieii, Rosen, Veilchen -c. mehr zu haben.
Die Dekorationen mancher Kirchen kosteten
am Ostcrsoniilage 5> 800—51600.
Den Nagel auf den Kopf trifft
folgender Brief an ein „inflationistisch" ge
sinntes Eongreßmirglied: „Sie sind, wie ich
ersehe, zu Gunsten von mehr Geld. Ich habe
einige Dollars in der Tasche, welche ich gern
'ftntiati.ck" haben möchte; doch habe ich auch
einige Schulden und die würde ich lieber
'siilira< wä'' sehen. Wenn Ihr Herren vom
Eongrcss'e es fertig bringen könnt, Erstere zu
vermehren und Letztere zu vermindern, so
wird sich meine Bilanz grade ausgleichen."
Wie bedeutend der Käsehandel Uli
ca'S, N. 2)., ist, kann man aus der Mit
theilung entnehmen, daß im letzten Jahre >B,
466,380 Pfd., ?1,405,065 werth, abgesetzt
wurden.
Im Widerspruche zu anderen Angaben
meldet der größte Whiskcybrenncr
in den Ver. St., Hr. Brooks uz Curein
nati, daß trotz des Temperen;-Krcuzzuqs der
Umsatz in den letzten beiden Monaten öedeu
tend den der Parallel-Pcriode des letzten lah
ren überstieg. Gleichzeitig verlautet jedoch,
haß die Ale- und Bierbrauer, und besonders
die Letzteren bedeutend gelitten haben, und
giebt das auf's Neue der Bcrmulhungßaum,
daß es den politischen Prohibilionisten ipcft
mehr um die Verfolgung de? fremden Ele
m-ntcs, als die Vcrbzmzzng dcrMäßigkciizii
thun ist
Prinz Friedrich Karl v. Preußen
will die Welt Hinreisen. Seine 'Reiseroute
geht durch Rußland und Sibirien nach Ja
paii, China, den Per. St. u. i. w. Em
preuß. Kriegsschiff soll ihn. schließlich von
New-Aork nach Depischiaiid zurückbringen.
Ter Import von Champagner
nach den Per. Staaten hat in Folge
der schlechten Zeiten abgenommen. Im Jahre!
1872 wurden 237,623 Dutzend Flaschen ein
geführt, im Jahr: 1878 nzi, 24>7,250Tutzcnd.
Tie Pfirsichbäume in Maryla nd und
Delaware haben durch einen Sturm, der
mit starker Kälte verbunden war nnd sich bis
nach Seaford ausdehnte, bis setz noch keinen
Schaden gelitten, da sich kein Eis an den
Bäumen aeb'.loe, hat. Ein längeres An
. dgz,ejij deMälte würde freilich die mißlichsten
! Folgen haben. Im südlichen Theile vcr Halb
j insel stehen die Bäume zr. voller Blüthe und
die Blüthen sind sehr dicht) Nördlich von
I Tooer, Tel., blüht noch kein Baum. Die
Bäche nnd Flüsse entlang haben sie Bäume
an einigen Stellen durch den Frost Schaden
Helitttu.
Ueber die bereits telegraphisch gemeldete
Vernrtheilung des Bilchof s
vonPernambueo berichtet die „Ame
rican Mail " zu Rio de Janeiro in ihrer Aus
gabe vom 24. Februar: „Um zehn Uhr am
Morgen des 21. d. wurde vor dem „Supreme-
Tribnnal" der Prozeß wider den Bischof von
Pernambuco wieder aufgenommen. Ter An
geklagte erschien in Begleitung des hiesigen
Bischofs und desjenigen von Kansas, Ber.
5t., welch' letzterer nach Brasilien gekommen
ist, um für die armen katholischen Kirchen
seines Staates eine Kollekte zu veranstalten.
Der Gerichtssaal war mir Neugierigen aus
allen Klassen der Bevölkerung dicht gefüllt.
Ter Angeklagte, ein Mann von würdevoller
Erscheinung, trug unverkennbare Zeichen gro
ßer Niedergeschlagenheit. Nach Verlesung
der Anklageschrift frug der Vorsitzende des
Gerichtshofes den Bischof, ob das verlesene
Dokument Unrichtigkeiten cuthalle. Der Bi
schos erwiederte jedoch, seiner frühern Ant
wort: ' .st---- aiN'-iu Uu-si," getreu, die
Frage nicht. Eine lange Debatte folgte nun
über das Recht freiwilliger Bertheidiger, den
Gerichtshof zu Gunsten des Angeklagten zu
adressircn. Ter Präsident gab schließlich die
Entscheidung ab, da derGenchtshos diesßechl
bereits gewährt habe, so wolle er es aufrecht
erhalten, jedoch bitte er die freiwilligen Red
ner, sich in Anbetracht der späten Stunde kurz
zu fassen. Tie Senatoren Zacarias und
Eandidi Mendcs vertheidigten hierauf in pa
rhetischen Reden den angeklagten Bischof.
Nach Beendigung der Verteidigungsreden
wurden die Thüren des Gerichtsiaale ge
schlössen und eine geheime Sitzung begann.
Um 3.40 wurden die Thüren wieder geöffnet,
der Präsident sammelte die Zt.miiicn des
Richtcr-Eollegiiims und verkündete folgendes
Resultat: 6 verurthcilten den Bischof zu vier
lahren Gefängnißstrase bei harter' Arbeit; t
zu kurzer Gcfängnißstrafe kür daseinfache Ver
brechen deö Ungehorsams und I stimmte ftir
Umstoßung des ganzen Verfahrens oder Frei
sprechung des Bischofs. In Folge Dessen
wurde der Bischof von Pernambuco durch eine
große Majorität der Richter des Sbcrgerichts
von Brasilien eines Hohen Verbrechens gegen
die Gesetze de? Kaiserreiches schuldig befun
den und zu vier Jahren Gesängnißstrafe bei
harter Arbeil verurtheilt. Die Freunde des
Bischofes machen Anstrengungen, nni von
dem Kaiser Aenderung des Unheils in Ver
bannung zn erlangen."
Eine haarsträubende Mordthat
neb st L n u ch gcricht wird ans D fagc-Mif
sion in dtansaö berichtet. Vor etwa einem
Jahre hnraihete ein junger Mann, Namen
Pierce, die Tochter eines gewissen Amcnd
und zog in das Haus des letzteren, verließ
dasselbe aber vor xurzem wegen mancherlei
Neulich trafen sich nun die
Beiden und söhnte, wie Beobachter glaub
ten, sich Miteinander aus. Mir einem Male
icdoch zog Pieree einen Revolver und seucrle
unter einem Fluche auf seine Schwicgerva
ter, welcher noch eine kurze Strecke lies, dann
aber mitdemAusruse zusammenbrach: „Mein
Gott, reue mich!" Mau nahm ihn nun sofort
in cin Haus und trug Sorge für ihn, aber er
gab schon nach sechs Stunden den Geist aus
Als man Pieree dann verhaften wollte, such
teile er mir seinem Revolver um sich Heruni
und lies endlich nach dem nahen Gehölze, wo
er über den Fluß schwamm. Im Vanfe einer
halben Stunde brachte man nun cuie beivass
nele Mannhaft zusammen, welche sofort nach
jevle und ihn auch endlich festnahm, woraus
er vorläufig im Schulhanfe untergebracht
winde. Bald >cdoch sammelte sich ein Volks
Hause um das provisorische Gefängniß, nahm
den Verbrecher gewaltsam heraus und hangle
ihn am nächsten besten Baume aui.
Dem „Union College" in S che >1 ee ta dv,
N. 2)., wurde von einem Freund, desselben
eine Schenkung van si>,>>oo gemacht.
Lokalberichte ao LSastnn,zton.
22 a' hingt 0 li, 6. April. Das „Jour
nal" meldet: „Am Freirag 'Abens starb Capr.
'Adolph Becher, einer von den allen Achlnnd
Vierzigern, üver dessen Haupt lange Zeil ein
Damoklcsichwcrl in Gestalt eines TodeSur
thcils geschwebt halte, ach einer langen und
schmerzlichen Xranheii. In kirchheini Wär:
temberg)lBo4 gebore, genoß Becher eme gnie
Erziehung und erlernte die Buchhandlung.
Mitdeiineungcn, thalkräftigen jungenMamie
wuchs die Liebe für Sie Freiheit seines schönen
deutschen Vaterlandes, und so sehen wir ihn
als wnrtrembcrgischen Lieutenant ans dein
Hambacher Fest, an welchem sich bekanntlich
alle freisinnigen Männer Dcntschland's be
iheltigten. Sein Vaterland Schwaben be
lohnte ihn dafür mir fünf lahren Hohcnas
berg. Becher gründe:: später eine Buchhand
lung in Sttttlgart, wo er als Verleger von
wissenlschaftlichen Werken noch in gutem 'An
denken steht. Als das Sliirmjahr 1848 über
Deutschland hereinbrach, war Becher einer
der ersten, die mit den wnrtteiiibergischeiiFrcl
schaarcn üderden Schwarzwald zogen. Viele
hervorragende württembergische Republikaner
dienten unlcrderSchaarHaiiplinaiin Becher's.
Nachdem die Sache der Freiheil in Tenlsch
land verloren, war, flüchlere Becher nach der
Schweiz, wurde von da aber bald ousgcwic
sen und lam im Jahre 185 nach N.w 2)ort,
wo er eine Destilleric und ein Laboratorium
gründete. Bei'm 'Ausbruche des Bürgcrkrie
gcs finden wir Becher hier in Washington,
wo er zuerst eine Weihnhaiidliing anfing) >pä
ler aber in das Liqnorgcschätt der Herren
Mnhlcisen K Xaittnr lral. 'Als sich di.fiFirma
trennte, blieb Eapl. Becher im Geschäft des
Herrn Lander, welcher ihn wie seinen eigenen
Vater behandettc und ihm in seinem Atter
und während seiner langen Krankheit ein
treuer Freund und eine gnie Stütze war.
Gestern Morgen fand das Begräbniß, sür
welches Herr Länder ebenfalls gesorgt hatte,
statt, und viele Freunde und 'Bekannte beglei
leten den alten Frcihcit.'lämpscr nach der tetz
ten Ruhestätte auf dem deutschen Kirchhofe.
Am Grabe hielt Herr Hermann Kirchner eine
ergreifende Leichenrede, wodurch viele alte
Freunde des Verstorbenen zn Thränen ge
rührt wurden."
Washington, 7. April. Hr. Tr. F.
Kampf, der namhafte junge deutsche Agro -
nom, weicher im 'Auftrage der amers'..Re
gierung die Expedition zur Beobachtung des
Venns-Turchgangd begleiten wird, hat sich
auf die Aufforderung einer Anzahl geachteter
Seittscher Bürger bereit erklärt, drei Vorträge
über das wichtige Ereigniss zu hallen.
Das Unter Eonme des Distrikts Ans
schnsscs vom Repräsciitaiiteiihanse bestehend
aus den HH. Losiand, Eldredge und Harmer,
sollte gestern Morgen eine Versammlung ab
hallen, um die Ansichten der Freunde und der
Opponenten dcrMunroc und Lawrence Bills
in Bezug auf den Verkauf von berauschenden
Getränken im Distrikte Columbia anzuhören.
Ein aus den Geistlichen O. H. Disiany, E.
H. Gray, John Ehester, I. G. Bittler, F.
M. Bradley, Owen, Boker, Port, Noble.
Logan und Lillle bestehendes Comite hatte sich
schon frühzeitig eingefunden, um dem Hans
Comite die Hölle heiß zu machen. Hr. Mun
roe, der die Bill im Haufe einbrachte, war
ebenfalls anwesend, sowie auch U. S. Pain
ler, ein Temperenzler und Eorrcspoiidem der
„N.-2). Sun" nnd des ..Philadelphia In
qnirer." Als Repräsentanten des deittschZ
amerikanischen Repräsentativ - Comite'S wa
ren die HH. Simon Woli, Tr. I. Scholl.
Wilh. Burchard, A.Schmcdlie, G. Thomani!
und R. Säur erschienen. Hr. Schade, der
Redakteur des „Semmel," war ebenfalls an
wesend, um seine Gründe, wcßhalb keine Ge
setze zur Beschränkung oder Umerdrückung des
Handels in berauschenden Getränken cilaffen
werden sollten, anzugeben.
Ueber die interessanten und ziemlich aufge
regten Perhandlungen dieser Versammlung
berichtet das „Journal
„Tic Herren „Revcrends" waren allem An
scheine nach durch die Anwesenheit der deut
ichen Ann -Temperenzler höchst unangenehm
berührt und machten ihrem Unwillen aus ver
schiedene Weise Lust. Als um i l Uhr außer
dem Hrn. Losiand vom Haus - Comite 'Nie
mand erschienen und gemeldet worden war,
daß weder Hr. Eldredge noch Hr. Harmcr an
wesend sein könnten, kam mau überein, am
nächsten Freitag Morgen um w Uhr eine
weitere Sitzung zu halten, in welcher sowol l
die Befürworter als die Opponenten der be
treffenden Bills gehört werden sollten. Bevor
Hr. Losland sich enisernte, machte Hr. Wolf
einige Bemerkungen und sagte unter Ande
rem, daß er anwesend sei, weil ihm Hr. Eid
redge versprochen habe, daß die Gegenpartei
ebenfalls bcrücksichligl werden sollte. Er hoffe
indeß, dag Hr. Eldredge in der nächsten Per
iammlung anwesend sein könne. Solllc dies
aber ichl der Fall sein, so wäre er bereit,auch
fetzt gleich mil seiner Argumentation gegen die
bcabsichllglcn Prohibiliv-Gesetze zu beginnen
Hrn. U. . Paiuler schwoll hierüber
der Kamm ganz gcwaliig, und er wollte wis
sen. wen Hr. Wolf vertrete. Er hörte, daß
er als der „'Repräsentant des Lasters" anive
send sei, als Vertreter einer geheimen „Li
quor - Leugne," die dem Gesetze den Fehde-
Handschuh in's Gesicht wersen wolle.
Wols erwiderte, sichibar ei-regt: „Ich
habe Ihnen keine Aimvorr zu geben, aber dcnr
Eomite möchte ich mittheile, daß ich im Na
mer. einer großen Anzahl deutsch - amcrikaui
scher Bürger erscheine, deren soziale Rechte
und persönliche Freiheit durch Ausnahme Ge
setze beschränkt werden sollen und die al
Bürger das Recht beanspruchen, gehört zw
werden.'
Hr. Lostand sagte, er sei zwar ein Ab
stinenzler, glaube aber trotzdem, daß beide
Seiten der Frage gehört werden sollten. Hr.
Schade fragte dann den Hrn. Losiand, ob die
Opponenten des Gesetzes am Freitag gehört
würden und als er eine bejahende Amworl
erhielt, machte Einer von der anwesenden
Temperenzbande die Bemerkung, daß er
(Schade) und 'Andere die Trunkenheit und das
Laster vertheidigten, Wieste irgend ein anderes
Verbrechen vertheidigen würden.
Hr. Schade erwiderte daraus, daß die from
men Herren die bei civilisinen Nationen ge
bräuchlichen Höflichkeilsformen nicht außer
Acht lassen sollten,und cs stehe solchen Christen
schlecht an, Unwahrheiten zu sagen. Ter un
. permeidliche 11. S. Paiuler ergriff dann
nochmals das Won und sagte, Schade sei
hier, um das satanische Element zu repiäscii
tiren. woraus Hr. Schade nochmals cnviderle
und sagte, er halte sich selbst in Bezug aus die
Temperenzsrage für einen besseren 'Christen,
als Painter, wenigstens vergesse er nie die
Höflichkeit, die man von einem Gentleman,
erwartet."

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