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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, May 22, 1874, Image 2

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Der Teutsche Korrespondent.
Baltimore, 22. Mai t 74.
Battimore nd Philadelphia.
Ein interessanter ergleich
Der Quartal - Statistik dcs Schatzamtes
über den Handel der verschiedenen Hafenstädte
entnehmen wir folgende Zahlen und Angaben
über den Hasenverkehr der beiden Nachbar
städtc Baltimore und Philadelphia: Im Mo
nate Dezember des letzten Jahres betrug der
Tonncngehalt der eingelaufenen fremden Fahr
zeuge in Philadelphia 31,665, in Baltimore
38,232; aus fremden Häfen angekommener
Dampser: in Philadelphia 9937, in Balti
more 14,833; von Küstenfahrern: in Phila
delphia 52,246 und in Baltimore 105,615.
Im ganzen Jahre 1873 betrug der Gesammt
import: in Philadelphia §26,820,896, in
Baltimore §31,319,033. Unter den Einsuhr
artikeln beider Städte spielt der cubaniiche
Zucker eine wichtigeßolle: Philadelphia sühne
im Ganzen für §313,350 cm, Baltimore für
§403,659. Der Kaffee-Import Baltiniore's
von Brasilien erreichte den Werth von §724,.
962, der unierer Nachbarstadt Philadelphia
betrug nur §48,655. Im letzten Quartal be
trug die Einwanderung in Philadelphia Isio
Perionen; in derselben Zeit wanderten in
Baltimore 2236 Personen, meistens Deut
schc, ein.
Tie Einwanderungs-Statistik der beiden
Städte über die letzten fünfzig Jahre ist von
großem Interesse. Von 1820—1830 landete
in Philadelphia 20,423 und in Baltimore
16,663 Einwanderer; in den dreißiger Jahren
kamen dagegen 60,135 in Baltimore und nur
35,534 m Philadelphia an; in der fünften
Dekade dieses Jahrhunderts war das Ver
hältniß ziemlich gleich: in den fünszigcr Jah
ren gewann Philadelphia einen bedeutenden
Boriprung, seitdem ist es jedoch entschieden
zurückgegangen; von 1860—1870 landeten in
Philadelphia nur 22,000 und in Baltimore
69,000 Personen. Während der letzten fünf
zig Jahre wanderten 347,391 Personen in
Baltimore und 266,321 in Philadelphia ein.
Die Statistik über den Monat Januar die
ses Jahres gibt folgenden Ausweis:
Einsuhr. Ausiuhr.
B altiin orc 51 MI, 5>5 §2,7K,:!t
Philadelphia I,tK>Eäoi 2,584,207
Man sieht aus obigen Zahlen, daß die Vi°
lanz in der letzteren Zeit immer auf Seiter.
Baltimore's war.
Ein Hospital für Wöchnerinnen.
Ob Findclhciuscr für große Städte noth
wendig sind, diese Frage ist noch immer eine
offene; dagegen ist es allgemein anerkannt,
daß ein Hospital für Wöchnerinnen in jeder
großen Stadt cm dringenves Bedürfniß ist.
Trotzdem hat man viel später daran gedacht,
diesem dringenden Bedürfnisse abzuhelfen,
als man für Einrichtung von Findclhäuscrn
sorgte. Letztere sind bekanntlich schon über
100 Jahre alt und verbreiteten sich vonFrank
reich aus allgemein, wurden sogar in vielen
Ländern als Staats- uns Eommunal-Insti
tute eingerichtet. Verhältnißmäßig viel spä
ter dachte man daran, daß Wöchnerinnen
Hospitäler weit nothwendiger, weit humaner
seien und die Sittlichkeit weit mehr förderten,
als die Findcthäuser, welche höchstens ein
Verbrechen verhindern, um dafür loVergehcn
und Unsittlichkeiten zu fördern. Es ist für
unsere, an humanistischen Instituten und
Einrichtungen aller Art so reichen Stadt keine
Ehre, daß erst jetzt die Begründung einer
solchen Anstatt zur Thatsache geworben ist,
aber erfreulich ist es dennoch, daß endlich dem
längst gefühlten Bedürfnisse abgeholfen wird.
Die letzte Gesetzgebung hat nämlich noch vor
Thorschluß eineVerwillignng von §20,000 ge
macht, um das Baltimorer ' ttollexe m
setzen, ein Hospital Wöchnerinnen zu er
richten.
Die medizinische Fachschrist "Laltiwore
Nil KurAevu" bemerkt cditoriell
über diese Thatsache:
„Die Armen unserer Stadt haben wenig noth
wendigere Bedürfnisse, als gerade ein solches
Institut. Daß in einer so großen Stadt das
Armenhaus der einzige Ort ist, um arme
Frauen, welche nahrungs- nnd obdachlos ih
rer schweren Stunde entgegen sehen, aufzu
nehmen, ist eine Anomalie nnd eine Grau
samkeit. Wie viel Kinder sind nicht schon in
Ermangelung eines solchen Instituts ermor
det worden, wie viel Frauen unrettbar unter
gegangen; die Bevölkerung würde erschrecken
und sich entsetzen, wenn ihr die Statistik der
Verbrechen und eine Schilderung der Noth
und dcs Elends, welche in Folge dieses Man
gels eintreten, vorgelegt werben könnte. Der
Werth eines solchen Hospitals für eine Klinik
ist an und für sich schon sehr groß. Verhält
nißmäßig ein sehr geringer Prozentsatz ame
rikanischcrGraduirten hat Gelegenheit gehabt,
einen praktischen Fall von Geburtshülfe zu
sehen, bis die jungen Leute dann als Aerzte
Plötzlich in einer solchenAngeleqenhcit gerufen
wurden, und in wenig anderenFällcii herrscht
so viel Nothwendigkeit praktischer Erfahrung
vor. Die Anstalt beabsichtigt auch eine Heb
ammenschule zu begründen."
Die §20,000 der Gesetzgebung sind selbst
verständlich kaum genügend, die Primitive
Einrichtung zu bestrciten'nnd das Nothwen
digste für Erhaltung der Anstalt während der
nächsten zwei Jahre zn beschaffen. Das
Beste wird die Privatwohlthätiakeit an der
Einrichtung und Unterhaltung dieses Jnsti
tuts thiln müssen, und es steht zu hoffen, daß
dasselbe an allen Baltimorern, welche die
Mittel haben, Etwas zum allgemeinen Be
sten beizusteuern, liberale Patrone findet.
Die Gesetzgebung hat den Anstoß gegeben, es
gilt jetzt, daß die Bürger die Sache in die
.Hand nehmen und das Institut zur Thatsache
machen. Besonders sollte dasselbe von den
Deutschen rege unterstützt werden, denn wie
manche arme deutsche Frau ist nicht bisher
.nnler den Umständen, denen das Institut die
nen soll, in's Armenhans geschickt worden,
und wie manche Frau wird in Zukunft Gele
genheit erhallen, die Männer und Frauen zn
-segnen, welche im Genie unseres humanen
Zeitalters diese Anstalt in's Leben riefen und
einrichteten.
Katastropssc in Massachusetts.
Tie Ueberschwemmung im unteren Missij
.sippithale mochte noch so furchtbar und ver
heerend sein, es war ein Ereignis), auf welches
die Betroffenen gefaßt sein mußten, das ihnen
sogar mehrere Tage vorher angekündigt wurde.
Wie anders war es am Samstage in Massa
chusetts. Die Bewohner der betriebsamen
Fabrikorte Williamsburg, Lceds, Skinners
ville :c. befanden sich an der Arbeit, als plötz
lich das Reservoir oberhalb Williamsburg
seine Dämme durchbrach und die verheerenden
Wassermassen durch das Thal wälzte, im Nu
den Gewinn ganzer Generationen vernichtend
nnd an zweihundert Menschen in's Verderben
reißend. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel
traf dieser Schlag, und trotzdem nicht unver
schuldet. Schon seit Jahr und Tag wußte
man, daß die Dämme des Reservoirs schad
haft waren, daß bei einigermaßen starkem
Wasservorrathe da? Waffer bindurchfickerte,
aber es fiel den Herren Aktionären nicht ein,
Geld oder Zeit an eine Reparatur zu ver
schwenden und die Behörden konnten sich nicht
auf den Standpunkt erheben, eine durchgän
gige Reparatur zu erzwinge. So kam denn
das Unglück. Eine Katastrophe schlimmer
als der Untergang eines Ozeandampfers,
furchtbarer als die Brände von Chicago und
Boston. Auch hier finden wir auf dem Grunde
das amerikanische Nationallasier den Leicht
sinn. Die nördlichen Blätter fordern strenge
Bestrafung der Eigenthümer des unseligen
Werkes; das wird kaum durchführbar sein;
die Presse des Landes kann aber auch hier ein
gutes Werk thun, indem sie alle schadhaften
Werte derart unnachsichtlich an den Pranger
stellt und jede leichtsinnige Arbeit, durch welche
Menschenleben in Gefahr kommen können,
als Das bezeichnet, was sie ist. Bisher hat
leider die Presse meist das Gegentheil gethan.
Jede leichtsinnig gebaute Menschcnfalle wurde
von willigen Reportern als ein großes öffent
liches Werk gepriesen, jede schlechte Verkehrs
linie mit gestickten Kesseln, unvollkommenen
Rettungsapparaten, als ausgezeichnet empfoh
len, bis der Krach kam. Der „N.-P. Herald"
hat wohl recht, wenn er sagt: „Wir müssen
lernen, rechtschaffene Arbeit zu machen," und
er hätte nur hinzusetzen müssen: „Tie ameri
kanische Presse muß lernen, schlechte gemein
schädliche Einrichtungen rechtschaffen bloß zu
stellen." Dann werden solche Katastrophen
seltener werden.
Ucber die Auswanderung aus dem
Deutschen Reiche
nach Nordamerika veröffentlicht die „Nord
deutsche Allgemeine Zeitung" folgende Sta
tistik: „Nach einer von dem'kaiscrUchen statisli
lchen Amre aufgestellten Uebersicht über die
Auswanderung nach den Ver. Staaten von
Nordamerika m den lahren 1832—187 Z wa
rm daselbst in dem Jahre 1832 10,142 Deut
sche eingewandert. Diese Zahl ist bis zum
auf Personen gestiegen.
Diese Steigerung war nicht ohne Unterbre
chung. Sic wich in verschiedenen lahren aus
mannigtache Ursachen, unier Anderem auch
in Folge des Krieges in Nordamerika, erheb
lich zurück. Solche Rückgänge zeigen beson
ders die Jahre 1833,1835, ,838, ,841. 1855
1865, 1870. Den Höhepunkt hatte die Ein-
Wanderung ,m Jahre 1854 mit 215,000 Per'-
sonen erreicht. Tic Auswandernngslisten'
welche sich au? die Häien von Bremen und
Hamburg beziehen, weisen entschieden kleinere
Zahlen von Auswanderern nach, als die arne
nkanischen EmwanderungSlisten.
So steht Z. B. der hohen Einwanderiiiiq
Während des Jahres 1854 nur eine Answan
derungszahl von 36,817 Personen gegenüber.
Die Differenz zwischen den von hier auswan
dernden und in Nordamerika einwandernden
Deutschen läßt sich mir dadurch erklären, daß
ein großer Theil der deutschen Auswanderer
seinen Weg über nicht deutsche Häsen genom
men hat. In dem letzten Tezeninm hat sich
diese Differenz wesentlich verringert und es
darf hieraus gefolgert werden, daß die Aus
wanderung sich immer mehr den deutschen
Häsen zuwendet.
" Bis zum Jahre 1845 beschäftigte Bremen
sich von den deutschen Häfen allein mit der
Auswanderung; in 1864 begann Hamburg
eine lebhaste Concurreiiz zu entwickeln, wenn
schon die Bremer Auswanderung tininer die
zahlreichere blieb. Die Auswanderung ans
Deutschland nach Amerika belies sich jn dein
Jahrzehnt 1821—'80 auf 8000 Personen.
1831—'40 aus 177,000 Personen, 1841—'50
auf 458,000 Personen, 1851—'60 auf 1,180 -
000 Personen, 1861—'71 auf 270,000 Per
sonen. Die GesainmtauSwanderulig aus den
deutschen Häfen beträgt hiernach von 1821 bis
1372 incl. 3,040,000 Personen, von welchen
2,630.000 ihren Weg nach Nordamerika
nahmen.
Welcher Verlust an Arbeitskraft und Kapi
tal mit der Auswanderung verbunden ist. läßt
sich ungefähr ermessen, wenn man erwäqt,
daß die Auswanderer vorzugsweise kräftige
Männer im produktiven Alter sind und daß
nach ungefähren Schätzungen das von den
Auswanderern mitgenommene Vermögen zu
etwa 100 bis 110 Thlr. pro Kops anzuschla
gen sein mag. Es würde das für Deutsch
land einen Kapitalverlust von mehr als 300
bis 450 Mill. Thlrn. ergeben."
MacMahon und Serrano.
Die beiden Regentschaften West-Europa's,
Frankreich und Spanien, Republiken darf
man nicht wohl sagen befinden sich wieder
einmal gleichzeitig in einem Zustande der
Krisis. Jn Frankreich führte die Frage, ob
das Wahlgesetz vor dem Munizipalgesetze
aufgenommen werden solle, in der National-
Versammlung die Krisis herbei. Ter Herzog
de Broglie hatte dieselbe zur Cabinctssrage ge
macht nnd die Regierung wurde mit einer
Majorität von 64 überstimmt, worauf das
Ministerium sofort abdankte. Wäre das Mi
nisterium in dieser Frage erfolgreich gewesen,
so würde der Premier sofort die Errichtung
einer zweiten Kammer, resp, eines Oberhau
ses, beantragt haben; dieses ist dieselbe Klippe,
an welcher Thiers scheiterte, nnd MacMahon
hat sie trotz des ihm zugesicherten SeptenatS
noch nicht umschifft.
Sein spanischer College, Marschall Scr
rano, hat eben erst eine Minislerkrisis über
wunden und soll im Begriffe stehen, dem Don
Alphonso die Krone anzubieten. Alphonso ist
jetzt 17 Jahre alt und wurde zu einer Zeit ge
boren, in welcher Serrano der erste Günstling
Jsabcllen'S war, woraus man bei der bekann
ten Leichtfertigkeit dieser Dame allerhand
schließen könnte. Die Thronbesteigung dieses
Prinzen würde den ehrgeizigen Alten zum
lebenslänglichen Regenten machen. Man
darf aber nicht vergessen, daß die Karlistcn
nach wie vor in Rechnung zu bringen sind
und daß auch die Republikaner einen mäch
tigen Anhang im Lande haben. Alphonso
von Asturien auf dem spanischen Throne
würde nur eine neue Revolution für Spanien
bedeuten, ebenso wie Napoleon IV. als Kaiser
Frankreich's sein Waterloo oder Sedan fin
den würde. Aber Beide werden ohne Zweisel
vorübergehend zur Herrschaft gelangen, dafür
bürgen die beiden Marschälle MacMahon
lind Serrano.
Tie Zustände in Arkansas —Schar
mNtzel, Räubereien und Meu
chelmord.
l5. Mai. Nach einer
Spezial-Depesche aus Little-Rock, Art., wer
den daselbst mit großer Spannung Nachrich
ten aus Washington erwartet.
Hülfs-Bundes-Marschall Richards, welcher
von King White's Truppen verwundet wurde
und nachher floh, ist gestern in Little-Rock an
gekommen.
Die Baxter'schen fingen gestern Brooks'
Pferde und Wagen mit seiner Tochter und
dem Kutscher. Der Kutscher wurde, weil er
bewaffnet war, festgehalten.
Oberst King White und seine Cavallerie re
cognoözirten gestern Nachmittag die Gegend
südlich vom Capitol. Drei Compagnie'n
wurden vom Capitol aus gegen dieselbe ge
schickt. Um 4 Uhr fand ein Zusammenstoß
statt, bei welchem mehrere Schüsse gewechselt
wurden. Während White sich auf dem Rück
zug befand, feuerte einer seiner Leute aus ei
nige Neger und tödtele dabei zufällig einen
Mann, Namens George Hilton, durch einen
Schuß in den Unterleib.
Das Haus und die Ställe dcs Scheriffs in
Faulkner- County sind von den Baxter'schen
geplündert worden, während dcrEigcnthümer
in der Stadt war. Eine alte farbige Frau
ivurde dabei erschossen.
Am Mittwoch Abend wurde Hlllss - Con
stabler James Jenkins, welcher am andern
Ufer des Flusses wohnt, von vier Baxter'schen
an die Thür seines Hauses gerufen. Als er
heraustrat, erhielt er zwei Schüsse in die
rechte Seite und wurde so schwer verwundet,
daß er jetzt wahrscheinlich schon todt ist.
Gutachten des Gcnerat-Anwalts.
Washington, 15. Mai. General-
Anwalt Williams, vom Präsidenten aufge
fordert, ein Gutachten abzugeben, ob Brooks
oder Barter rechtmäßiger Gouverneur von
Arkansas sei, hat heutesolches ln großer Au
sführlichkeit gethan. Nachdem er sich auf die
Wahlgesetze bezogen, sggt er, die Stimmen
bei der in Frage stehenden Wahl seien nach
den gesetzlichen Verfügungen gezählt und er
klärt, daß Baxter in aller Form Rechtens ge
wählt worden sei. Das Wahlgesetz sage, bei
bestrittenen Wahlen solle die Frage in gesetz
lich vorgeschriebener Weise von beiden Häu
sern der Gesetzgebung entschieden werden".
Brooks nun habe, da er die Wahl Baxter's
angefochten, seinen Fall der Gesetzgebung un
terbreitet, doch sei mit 63 gegen 9 Stimmen
gegen ihn entschieden worden. Der General
Anwalt habe sich dann an das Obergericht
desStaates gewandt, daß es untersuchen solle,
ob Baxter berechtigt sei, das Amt eines Gou
verneurs, von dem Brooks sagte, daß er es
usiirpirt habe, zu bekleiden. Jener Gerichts
hof indeß habe es abgelehnt, in dieser Frage
eine Entscheidung abzugeben, und zwar mit
dem Bedeuten, daß nach der Versassung und
den Gesetzen des Staates nur der Gesetzge
bung in solchen Fällen die Jurisdiktion zu
stehe.
Brooks habe angeführt, bei der Wahl habe
er mehr als 45,000, und Baxter weniger als
30,000 Stimmen erhalten; habe bei dem Be
zirks-Gericht von Pnlaski einen Prozeß gegen
Baxter angestrengt, und dieses Gericht habe
sich trotz eines von Baxter erhobenen Protestes
für Brooks entschieden.
Letzterer habe sein weiteres Verfahren sofort
nach diesem Urtheil eingerichtet und mit be
waffneter Macht von den Negierungsgebäuden
Besitz ergriffen. Baxter's Anwalt habe bei
besagtem Gericht gegen das Urtheil desselben
Einwand erhoben, sei aber mit diesem Ein
wand nicht durchgedrungen. Brooks behaupte,
wenn ein Streit wegen der Besetzung des
Gouverneurs - Amtes von der Gesetzgebung
entschieden worden sei, so stehe dem Besiegten
das Recht zu, von Neuem an die Gerichts
höfe zu appellircn, so daß die Verfügung Be
treffs der Jurisdiktion der Gesetzgebung null
und nichtig werde.
Er, der General-Anwalt, sei sich, wenn er
die Frage lediglich im Lichte der Verfassung
betrachte, sehr klar, daß die Gerichtshöfe des
Staates einen Streit über das Gouverneurs-
Amt nicht entscheiden könnten, sondern daß
die Gesetzgebung in solwen Fällen da einzig
zuständige Tribunal sei, und in dieser Ansicht
stimmten rlchterlichcAutoritätcn mit ihm über
ein. In der Argumentation für Brooks werde
angeführt, die Entscheidung des Bezirksge
richts von Pnlaski sei sowohl für den Präsi
denten als für Baxter bindend, so lauge die
selbe nicht umgestoßen sei; wo aber zwei ent
gegensetzte Eliftcheidiliigcn abgegeben würden,
wie in diesem Falle, da habe sich der Präsi
denk für denjenigen zu entscheiden, welcher
nach der Verfassung und den Gesetzen des
Staates der rechtmäßig Erwählte sei. Die
Gesetzgebung habe sich für Baxter, das Be
zirksgencht für Brooks entschieden. Nähme
man die Bestimmung der Verfassung, welche
erkläre, daß angefochtene Wahlen durch dieGe
jetzgebling entschieden wekdcn sollen, so müsse
Baxter anerkannt werden. Zum Schluß sagt
der General-Anwalt: „Ich glaube, es würde
unheilvolle Folgen haben, ivenn man nicht
dem Verfahren, durch welches Brooks sich in's
Amt eingesetzt Hut, jetzt ein Ende machen
wollte. Vor Kamps und Blutvergießen würde
man in Zukunft in keinem Staate der Union
licher scin. Die ,etzt herrschenden Zustände
sind in keiner Weiie zu rechtfertigen und nach
meiner Meinung muß Elishu Baxter als der
rechtmäßig erwählte oberste Beamte desStaa
tes Arkansas anerkannt werden."
Der General-Postmeister wird an den Post
meister von Little Rock einen Befehl abschicken,
alle an den Gouverneur von Arkansas adres
strten Postsachen an Baxter abzuliefern.
Arier anerkannt. Proklamation des
Präsiventen.
Washington, 15. Mai. Folgendes
ist der Wortlaut der Proklamation des Präsi
denten, welche bezüglich der Arkansas-Frage
nach Litlle-Rock telegraphirt worden ist:
„Proklamation des Präsidenten der Ver.
Staaten von Amerika!
Da gewisse Unruhestifter nnd Tumulliian.
ten unter dem Boraeben, daß Elisha Baxter
der gegenwärtige oberste Beamte in Arkansas
nicht gesetzmäßig gewählt sei. vereinigt haben,
um seine und der übrigen Behörden Autori
tät mit Waffengewalt zu bekämpfen;
Und da besagter Elisha Baxter von der Ge
setzgebung als in allerForm Rechtens gewähl
ter Gouverneur erklärt worden ist und seit
langer Zeit die Funktionen dieses Amtes, in
welches er den Gesetzen und der Verfassung
des Staates gemäß eingesetzt worden, erfüllt
hat und von den Bürgern als der rechtmäßige
oberste Beamte betrachtet werden muß;
Und da es in dcrVersassung der Ver. Staa
ten verfügt ist, daß die Ver. Staaten auf eiu
Gesuch der Gesetzgebung oder der obersten Be
Hörde, wenn die Gesetzgebung nicht zusam
menbcrufen werden kann, jeden Staat der
Union gegen innere Gewaltthätigkeiten schür
zen sollen;
Und da besagter Elisha Baxter nach dem
4. Abichintt des 4. Artikels der Versassiina
der Ver. Staaten und nach den in Ueberein
Nimmnng damit passirten Gesetzen sich an
mich gewandt hat, um besagten Staar und
die Burger desselben vor inneren Gewaltthä
tigkeiten zu schützen: und da die Gesetzgebung
des besagten Staates in Folge eines Aufrufs
des besagten Elisha Baxter am li. ds Mts
im Capital in Extra Sitzung zusammniqe
lreten >,t und beide Häuser durch einen verei
nigten Beschluß mich ebenfalls ersucht haben
den taat vor inner::, Gewaltthätigkeiten zu
Ichutzeii; " '
Und da in den Gesetzen der Per. Staaten
verfugt ist, daß in allen Fällen einer Insur
rektion in irgend einem Staate, oder in ä-il
len, wo die Gesetze des Staates beeinträcl tiat
werden, es dem Präsidenten in Folge eines
Gesuches von Stitsn der Gesetzgebung des be.
sagten Staates, oder von Seiten der obersten s
Behörde, wenn die Gesetzgebung nicht zusam
mcnberufen werden kann, gesetzlich erlaubt i
sein soll, zur Unterdrückung des Ausstandes
oder zur Aufrechthaltung der Gesetze über ei
nen solchen Theil der Land- und Seemacht
zu verfügen, als ihm nöthig scheint;
Und da das Gesuch gestellt worden ist, daß,
wenn nach dem Urtheil des Präsidenten die
Verwendung von Militär zu obigem Zwecke
nöthig erscheint, er durch eine Proklamation
den besagten Insurgenten befehlen soll, aus
einanderzugehen und sich innerhalb einer
festgesetzten Zeit nach Hanse zu begeben;
so erlasse ich, Ulysses S. Grant,Präsident
der Ver. Staaten, hiermit die Proklamation
und befehle allen Tumultuanteii und Unruhe
stiftern, innerhalb 10 Tage von dieiemDatum
an auseinanderzugehen und sich friedlich nach
Hause zu begeben, und sich von jetzt an der
gesetzlichen Autorität dcs besagten obersten
Staats - Beamten und der übrigen Behörden
des besagten Staates zn unterwerfen, und ich
bitte alle guten Bürger um ihre Hülfe und
Mitwirkung, um das Gesetz und den Frieden
aufrecht zu halten.
Zur Beglaubigung des Obigen habe ich
meine Unterschrist gegeben und das Siegel der
Ver. Staaten hinzufügen lassen. So gesche
hei, in der Stadl Washington, den 15. Mai,
im Jahre unseres Herrn 1874, und im 98.
Jahre der Unabhängigkeit der Ver. Staaten.
U. S. Grant.
Für den Präsidenten:
Hamilton Fish, Staats-Sekretär."
Wie eS in Little-Rock aussieht.—Zsreuve über
Sie Proklamation de Präsidenten
Little-Rock, 15. Mai. Die Züge
gehen jetzt wieder regelmäßig, ohne von poli
tischen Ruhestörern belästigt zu werden.
Zwei Baxter'sche feuerten heute Mittag von
der gegenüberliegenden Seite des Flusses in
das'Eavitol, aus welchem dann nngesähr 100
Schüsse fielen. Es wurde Niemand ver
wundet.
Als der Inhalt der Proklamation dcs Prä
sidenten bekannt wurde, entstand die ungezü
geltste Aufregung, und eine solche Freude ist
in Little Rock noch nie erlebt worden. Schaa
ren von Männern, Frauen und Kindern Wim
meln auf den Straßen, die Geschäftshäuser
werden wieder geöffnet, Flaggen wehen und
Musik ertönt. Hunderte von Menschen be
suchen Baxter's Hauptquartier, um ihm Glück
zu wünschen.
Washington, 13. Mai. Capt. Rose
telegraphirt aus Little-Rock, Art., an den
diesigen General - Adjutanten, daß daselbst
Alles ruhig sei. Beide Parteien haben eine
Uebereinkunft getroffen, ihre Truppen zu ent
lassen.
St. Louis, Mo., 18. Mai. Richter
McClure und Oberst Oliver, der Scherisf von
Pulaski-County, sind heute auf ihrem Wege
nach Washington hier angekommen. Nichter
McClure sagt, alle Angaben, auf welche der
General - Anwalt Williams sein Gutachten
basire, seien von einem Ende bis zum anderen
fassch.^
Dinge in Little-Rock sagt Hr. cS
sei kaum eine merkliche Veränderung einge
treten. Brooks werde die Waffen vor den
Baxtcr'schen nicbt strecken, sondern sich nur
den Bundestruppcn ergeben. Brooks werde
als rechtmäßiger Gouverneur auch ferner von
dem Staats-Auditenr, dem Schatzmeister und
dem General-Anwalt des Staates, überhaupt
von allen Exekntiv-Beaintcn, mit Ausnahme
des Staatssekretärs Johnson, anerkannt wer
den, und wenn Hr. Williams trotz dieser
Thatsachen dem Staate einen Gouverneur
anfoktroyiren könne, so höre damit für Arkan
sas die republikanisch- Regierungsform auf.
Die Angelegenheit werde dem Congresse un
terbreit werden.
Little-Rock. Ark., 13. Mai. Die
Gesetzgebung von Arkansas wird sich am 23.
d. M. sins clw vertagen.
Zahlreiche Anhänger von Brooks und meh
rere Compagnie' Baxter'scher sind heute von
hier nach Hause gegangen, und nach den
jetzigen Anzeichen zuschließen, werden morgen
sämmtliche Brooks'schcn abziehen.
Furcktbare Ueberschwemmung in
Massachusetts. Mr eine Mil
lion Dollars Beflhtynm zer
stört. Eiohnndertundzwan
ztg Menschen umgekommen.
Boston, 16. Mai. Heute Morgen
wurde Williainsburg, Mass., von einer ver
heerenden Ueberschwemmung, welche zahlreiche
Opfer an Menschenleben forderte, heimge
sucht. Der Bruch des Reservoirs war die
Ursache der Katastrophe.
New - Haven, Conn., 16. Mai. Drei
große, oberhalbWilliamsburg,Mass., gelegene
Reservoirs, welche erbaut waren, um die
Fabriken von Willinmsburg, Leeds- und Hay
denville mit Wasser zu speisen, gaben heute
früh nach, und der ungeheure Wasserschwall
riß Alles mit sich fort. Die obigen Ort
schaften wurden fast gänzlich zerstört, und
selbst Gebäude, wie die ungeheure, aus Back
steinen errichtete Fabrik von Hayden, Gere K
Comp., konnten der Macht des Elements nicht
hinreichenden Widerstand leisten. Viele Men
schen haben ihr Leben verloren, indeß kann
die Zahl bis jetzt noch nicht angegeben wer
den, wird sich aber aus wenigstens 100 be
laufen.
Florence, Mass., 16. Mai. Das
Reservoir oberhalb Williamsburg ist heute
Morgen geborsten, und das Wasser hat aus
seinem Wege fast alle Wohnhäuser zerstört.
Biete Menschen sind umgekommen, aber die
Aufregung ist so groß, daß es bis jetzt unmög
lich ist, die Zahl der Opfer genau anzugc
> bcn.
In LecdS wurden eine Seidenweberei und
eine Knopflochfabrik weggespielt.
Der Stations - Agent der „N.-H.-K N.-
Eisenbahn" ist mit seiner Frau ertrunken.
An demselben Ort riß der Wasscrschwall zahl
reiche Menschen mit sich fort. Das Wasser
fällt setzt. Mehrere Leichen trieben abwärts,
aber der Strom war so reißend, daß dieselben
nicht zu erreichen waren.
Haydenville, Mass., 16. Mai. Ein
großes, etwa 4 Meilen nördlich von hier ge
legenes Wasser-Reservoir ist heute Morgen
um 8 Uhr geborsten. Das Wasser ergoß sich
die Hügel herab und riß Alles mit sich fort.
Es traf den südöstlichen Theil von Williams
burg, etwa zwei Meilen nördlich von hier,
wo es zahlreiche Wohnhäuser umriß, nahm
dann seinen Weg nach Skinnersville; wo es
Hrn. Skinncr's Seidenwebereien, sein Wohn
haus und die Arbeiterwohnungen zerstörte.
Die große Mcssingsabrik der HH. Hayden,
Gere 6 Comp, wurde in einem Augenblicke
fortgerissen. Große Steine und schwere Ma
schinen wurden in rasender Geschwindigkeit
vom Strom dahingerissen und stark gebaute
Häuser zertrümmert, ohne daß die Einwohner
auch nur eine Ahnung von dem über sie he
reinbrechenden Unglück gehabt hätten.
Ter Schwall traf dann das Dorf LeedS,
wo zahlreiche Werkstätten, Wohnhäuser und
andere Gebäude dem Erdboden gleich gemacht
wurden.
Der Verlust an Menschenleben ist groß, da
in manchen Fällen ganze Familien über die
Dämme gespült wurden und rettungslos ver
loren waren.
In den Trümmern am Ufer sind bis jetzt
23 Leichen gefunden worden. Ganze Gevierte
von Tcnement - Häusern mit Frauen nnd
Kindern wurden vom Strom fortgerissen und
die Einwohner waren dem Tode geweiht.
Es werden immer mehr Leichen gebracht und
in der Kirche niedergelegt. Die meisten der
selben können identifizirt werden.
Springfield, Mass., 16. Mai. Es
laufen traurige Berichte über den Bruch des
Reservoirs zu Goshen, Hampshire-County,
ein. Der Verlust an Eigenthum bcläuft sich
aus Hunderttausende von Dollars. Wie viele
Menschen umgekommen sind, läßt sich noch
nicht sagen. Unter den in Williamsburg Er
trunkenen ist die Frau des Hrn. H. C. Frost.
In Leeds befanden sich Capt. Baughn nnd
Frau Ouigley mit Tochter in einem der sort
gespülten Häuser und ertranken. In Florence
sind weit mehr Menschen umgekommen. Die
Etablissements der „Monotouck-Silk-Comp."
und der „Florence -Mannsacturing - Comp."
sind um §25,000 beschädigt. Ter Schaffner
E. M. Chandler, welcher unmittelbar vor der
Katastrophe die Bahn mit seinem Zuge pas
sirte, verlor Frau und Kind. Auch der In
genieur Roberts, welcher mit dem nächsten
Zuge hätte abfahren sollen, hat den Verlust
seiner Familie zu beklagen. Zu Haydenville
verlor Hr. Samuel Miller seine Frau und
drei Kinder.
Das Reservoir zu Goshen bedeckte einen
Flächenraum von 150 Ackern und hatte eine
durchschnittliche Tiefe von 80 Fuß.
Es diente dazu, in Zeiten der Dürre die
Fabriken zu Williainsburg, Haydenville und
Florence zu speisen. Es wurde vor etwa 12
lahren gebaut, um die am Mill-River, wel
cher einer der unberechenbarsten Flüsse ist, ge
legenen Fabriken stets mit Wasser versorgen
zu können. Es war Eigenthum einer Gesell
schast von Kapitalisten, welche schon bei ver
schiedenen Gelegenheiten ein Unglück befürch
teten. Im vorigen Jahre wurde es mit gro
ßem Kostcnaufwandc ausgebessert und würde
seitdem für verhältnißmäßig sicher gehalten,
wenn man auch wußte, daß es einen Leck
hatte.
Ein soeben von Northampton eingelaufenes
Telegramm gibt die Zahl der bei der Ueber
schwemmung Umgekommenen aus 60 an.
In Leeds sind 12 Häuser und ein Theil der
Seidenweberei zertrümmert worden.
In Haydenville und Leeds sind diejenigen
Häuser welche von der Fluth verschont ge
blieben, in Beinhäuser und Hospitäler ver
wandelt worden. Bis 2 Uhr waren 27 Lei
chen aufgesunden.
Diebe aus Florence plündern die Koffer der
Fabrik-Mädchen zu Leeds.
B o st on, 16. Mai. Vom Achtb. Ste
phen M. Crosby aus Williainsburg, welcher
zetzt in Boston weilt, geht uns Folgendes zu:
„Die von der Katastrophe betroffenen Ort
schaften sind Williamsburg, Haydenville,
Leeds nnd Florence, sämmtlich am Mill-
River, einem Nebenflüsse des Connecticut, ae
legen.
Im Dorfe Williainsburg theilt sich der
Mill-River in zwei Arme, deren einer von
Goshen kommt. An diesem Arme liegen zwei
große Reservoirs. Die Dämme und Mauern
dieselben, von geschickten, tüchtigen Ingenieu
ren nach den neuesten Verbesserungen nufge
führt, waren äußerst solide, nnd wäh .md des
letzten Jahres wurden große Summen ver-
ausgabt, um dieselben völlig sicher zu ma
chen.
Das in den Fabriken läng dem Mill-Ri
ver angelegte Kapital rcpräscntirt die Summe
von §5,000,000, und die Bevölkerung, welche
durch diese Katastrophe entweder direkt oder
indirekt betroffen ist, mag 500 Seelen zählen.
Boston, 16. Mai. Hier eingelaufene
Depeschen melden, daß 120 Personen ihren
Tod gesunden haben und Besitzthum im
Werthe von §1,000,000 zerstört worden ist.
Boston, 17. Mai. Die Name der
Williamsburgcr Opfer sind folgende: Frau
Sarah Bartlett und Kind, Frau John Doo
nie, Frau Spieren Bartlett, Frau Jercmiah
Ward, Frau Electa Knight, Henry Birming
ham, Lillie B. Mary und Carrie Birming
ham, Frau Elbridge Kingsley und zwei Kin
der, Alexander Roberts, Frau und zwei Kin
der, Mary Ann McGec, Dr. E. M. John
son und drei Kinder, (Frau Johnson wurde
gerettet, verlor aber in Folge des erschüttern
den Unglücks den Verstand), E. C. Hubbard
und Tochter, Frau Emma Wood und Kind,
Frau George E. Lamb mit Neffen und Toch
ter, Frau E. M- Chandler und Tochter, Ma
jor William H.Adams, T. I. Hitchcock, Frau
Mary Agnes Scully und zwei kleine Kinder
und ihre Mutter Fran Mary Breman, Willie
Tilton, Frau William Snow, Frau William
D. AdamS und Sohn, Michael Burke und
drei Enkel.
Haydenville zählt folgende Todte: Boby
Hayden, der ileine söhn des Capt. James
Hayden, und Eli Bryant, der Bater der Frau
Hayden, Frau Norris, Fran Johanna Wil
liams und Tochter, Hr. Keplingcr, Edward
Meckler und seine ganze Familie, Frau Mar
sher und Tochter, Francis Broadlear, Sam.
Miller und drei Kinder, Frau John Wilson
und drei Kmder, Frau Jessen, Tochter und
zwei kleine Kinder, Frau Mays und Tochter
und deren drei kleine Kinder, und Stephen
Kelby sammt Frau und Tochter.
In Leeds kamen um: Capt. I. T. Vaughn,
die Frls. Mary Woodward, Annie und Grace
Coogan, Ralph Jsham, Hr. Dunning, Frau
Bromette und fünf Kinder, Frau EllenTeme
sey, Andrew Temesey, Nellie Temesey, Annie
Fitzgerald, Hr. Patrick, Frau Dunlca, ein
Kind, Namens Clansey, Alexander Lancer,
Charles Patrick, Frau Jane Coogan, Frl.
Julia Patrick, Frau C. Hanon und drei Kin
der, Frau Sarah I. Lyn und Kind, Frl.
Evetine Sherwood, Arthur Sharp, Frau
Hurley, Frau James Tirmesy und zwei Kin
der, Frau Fitzgerald und Fanny Fitzgcrald.
Bis jetzt sind 50 bis 60 Leichen aufgefunden
worden, welche theilweise furchtbar verstüm
melt sind.
Weiter Einzelnheiten über die schreckliche
Katastroptze in Massachusetts.
Springficld, 17. Mai. Da Wil
liamsburger Reservoir, welches ein Gebiet
von mehr als 100 Ackern bedeckt, durchbrach
am Samstag Morgen seine Dämme und die
ungeheure Wassermasse strömte durch das enge
Thal in die betriebsamen Städte Williams
burg, Leeds, Florence und Northampton
Meadows, wo der ström sich in den Con
necticut-Fluß ergoß. Der reißende Strom
rauschte mit unwiderstehlicher Gewalt durch
Williamsburg und im Nu waren verschiedene
Fabriken und Wohnhäuser zerstört und ein
schrecklicher Verlust an Leben und Eigenthum
verursacht. Die weiter unten im Thale gele
genen Dörfer litten gleichfalls sehr, doch nicht
in dem Verhältnisse, wie Williainsburg.
Die neuesten Berichte ergeben, daß im
Ganzen 144 Menschen umkamen, welcher Ver
tust sich folgendermaßen auf die drei Ort
schaften vertheilt: Williamsburg 60,
Lceds 49, Haydensville 35. Diese Zahlen
beziehen sich nur aus das, was man genau
weiß; die Leichen allsr Umgekommenen sind
noch nicht gesunden und beständig treiben Lei
chen an's Land.
Jn WllliamSburg wurden folgende Perso
nen vermißt: Frau Kingston, S. Bartlett,
Viola B. Collyer, F. I. Hitchcock, Wm. H.
Adams, die Wittwe Snow, Willie Tilton,
Frau Wm. Curtis, R. I. Lanchone, Frau
E. W. Chandler und Tochter, Jercmiah
Ward, Wittwe Knight, Frau P. Haallcy u.
zwei Kinder, Frau Brennan, Alex. Roberts,
Frau und zwei Kinder, Mary Anne McGec,
Frau G. E. Harris, E. C. Hubbard, Frau
M. Wool und Kind, Mich. Burke und drei
Kinder von James Burke, Frcdcrick Bird,
James Stephens, Frau W. D. Adams und
deren Sohn Willie, Frau E. Downing und
Tochter, Wittwe Downing, Henry Birming
ham, Frau und drei Kinder, Frau E. S.
Kingsley, Frau E. D. Kingsley und zwei
Kinder, Dr. E. M. Johnson mit Frau und
drei Kindern, Wittwe Johnson, Frank Mur
ray und Frau, John Alchison, Spencer Bart
lett und Frau, A. A. Schley, Frau A. E.
Lamb, Frank Train u. Frau—zuiammen 6t.
In Skinnersville, einem kleinen Orte un
terhalb Williamsburg, werden 4 Personen
vermißt.
Es ist gänzlich unmöglich, die Verluste zu
dctailliren. Außer den zerstörten Gebäuden
und beschädigten Brücken sind verschiedene
Straßen beschädigt und die Wielen auf ganze
Strecken durch Anschwemmungen unbrauch
bar gemacht. Der Gesammtoerlust wird eine
Million Dollars übersteigen und nahezu §2,-
000,000 erreichen.
Jn Williamsburg wurde die Mahlmühle
von Wm. A. Arnoniß zerstört, Verlust KlO,-
000; die Fabrik von H. L. James wurde im
Betrage von §20,000 beschädigt; Hrn. James
wurden außerdem Häuser und Scheunen im
Betrage von §40,000 zerstört.
In Skinnersville wurde Wm. Skinner's
Seidenspinnerei nebst 12 Wohnhäusern zer
stört. Verlust §130,000.
AI Haydensville wurden die Kupfermerke
von Hayden, Gere sc Camp., die Sparbank
und verschiedene Wohnungen fortgeschwemmt,
Verlust §250,000: Haydcn's Tabackssabrik,
Verlust §7000; Haydcn's Maschinenfabrik,
§5000; Häuser und Läden, §30,000; Gas
werke, §BOOO.
In Leeds wurde das Gebäude der Neotnk-
Scidensabrik zerstört, Verlust §25,000; Geo.
P. Warner's Knopssabrik, Verlust §100,000;
andere Häuser und Gebäude, §20,000.
Der Schaden, welchen Williainsburg an
Brücken, Straßen und Wiesenländereien er
litten hat, ist zur Zeit unberechenbar.
Jn Leeds werden 49 Personen vermißt.
Seit Jahren ist man wegen der Sicherheit
des Reservoirs im Zweifel gewesen. Der
Aufseher hat wiederholt ans diesen Zustand
aufmerksam gemacht, die Untersuchungs-Com
mijsion erstaltete aber immer günstige Be
richte.
Weitere Einzelnheiten über die
schreckliche Katastrophe in Mas
sachusetts.
Am Sonnabend, den 16. Mai, wurde das
Connecticut-River-Thal plötzlich, ohne vor
herige Warnung, von den Gewalten der Zer
störung ereilt und fünf Dörfer in, Staate
Massachusetts wurden fast total ruinirt. Als
am Freitag Abend die Sonne unterging, be
schienen ihre letzten Strahlen das schöne Mill-
River-Thal, das von Hunderten glücklicher
Familien bewohnt war, und in welchem die
regste Geschäftsthätigkeit herrschte. Noch ehe
sie am anderen Tage den Meridian erreichte,
war dies glückliche Thal in eine Wüstenei ver
wandelt. Die Greuel der Verheerung waren
auf den kurz zuvor noch so blühenden Fluren
ausgebreitet. Die Heimstätten glücklicher
Menschen und die großen industriellen Etablis
sements, in denen Hunderte von Arbeitern das
Brod für ihre Familien verdienten, waren
mit all' ihren Vorräthen nnd Maschinerie'
zerstört und von einer unerbittlichen Wasser
fluth hinweggefegt worden, nnd was noch
schlimmer ist, ein großer Theil der Menschen,
die jenes Thal bevölkerten, hat in jener jähen
Katastrophe das Leben verloren. Der hef
tige Regen, der den ganzen Freitag und die
daraus folgende Nacht andauerte, hatte ein
Plötzliches Steigen im Mill-River, eines der
Zuflüsse des Connecticut, verursacht. An den
Ufern des Mill-River liegen die Dörfer Wil
liamsburg, Skinnersville, Haydenville, Leeds
und Florence. Alle diese Dörfer waren bedeu
tende Fabrilorte. Der Fluß kommt ans dem
High Ridge-Mountain durch das Thal nnd
ergießt sich dann bei Mounl Tom, unterhalb
Northampton, in den Connecticut-River. Da
dieser Fluß den zahlreichen Fabriken des Mill-
Niver-Thales die Wasserkraft liefert, so wurde,
um die Gleichmäßigkeit dieser Wasserkraft re
guliren zu können, am Fuße des Gebirges ein
200 Fuß hoch über dem Thal erhabenes
Wasser-Reservoir angelegt. Dasselbe ist in den
lahren 1867 und 1868 gebaut worden und
war etwa eine Meile im Quadrat und 40 Fuß
tief. Dies Reservoir war schon seit den letz
ten fünf Tagen ungewöhnlich voll. Der
Damm,der die Wassermasse einschloß, war an
der Basis 25 Fuß dick und an beiden Seiten
mit Mauerwerk bedeckt. Den einzigen Aus
fluß des Wassers nach dem Mill River ver
mittelte eine eiserne drei Fuß im Durchmesser
hallende Röhre, die vermittelst einer Schraube
geöffnet und geschlossen werden konnte. Ties
Reservoir war das gemeinschaftliche Eigen
thum der Fabrikherren in den genannten Dör
fern, und dasselbe war, wie sich jetzt ergibt,
lehr nachlässig und unsicher gebaut worden.
Der Morgen brach düster und un
sr-.u ndlich an. Der Wächter am Reservoir
konnte, als er das Wasser den Reservoir-
Damm herabrieseln sah, nicht unterscheiden,
ob es Sickerwasscr oder Regenwasscr sei. Er
hielt es für Regenwasser und legte sich wieder
auf's Ohr. Eine halbe Stniide später besich
tigte er den Damm abermals, und min be
merkte er einen Riß im Damm, der sich zu
sehends unter dem herausquellenden Wasser
erweiterte. Jetzt erschrak der Mann, und er
fing an zu laufen, um die Bewohner vor der
ihnen drohenden Gefahr zu warnen. Ge
spornten Laufes rannte er nach dem Dorfe
Williainsburg, das nicht ganz zwei Meilen
von dem Reservoir ist, aber noch ehe er das
Dorf erreichen konnte, brach der Tainin Tic
Gewässer stürmten an ihm vorüber, und mir
genauer Noth rettete er das eigene Leben, in
dem er sich auf einen benachbartcnHügel fluch
te:e. Die Bewohner des Torfes Williams
bnrg saßen entweder bci'm Frühstück oder
schlummerten noch friedlich in ihren Betten,
als Morgens um 8 Uhr ein wild aiissch-ndcr
Reiter durch die Straßen sprengte, und um
heiserer Stimme den Leuten zuschrie, sie soll
ten ihr Leben retten, das Reservoir sei g-wro
che nnd der Wasserschwall tose bereit heran.
Das schaumbedeckte Thier des Reiters sank
zuiammen. Die Bewohner des Tones ver
mochten kaum zu fassen,was der Mann ihnen
mrlniidct, aber große Unheil ahnend,stürzten
sie au ihren Häusern. Leider hörten nicht
alle Bewohner des Dorfe den Alarmruft
wahrend man dem SchreckcnSboten ein ande
res Pferd verschaffte und währAid er davon
ritt, um den andern Dörfern seinen War
nilngsrus zu bringen, brachen die Finthen un
widersteblich mit verheerender Gewalt über
Williamsburg herein, und alte Frauen,
Greise, unschuldige Kinder und starke Männer
wurden von den Finthen überfallen, sie
wurden entweder von den Wogen mit fortge
nssen und ertranken,oder sie würden von ihren
einstürzenden Wohnhäusern zermalmt, die von
der Fluth mit unglaublicher Schnelligkeit un
terwühlt und zerstört wurden.
-Lie Fluth überfiel in wenigen Momenten
alsdann die Dörfer Skinncrville, Haydenville
und Leeds. Diejenigen, die die Annähernng
der Wassermasse in der Ferne iahen, glaub
ten, daß ein furchtbares Feuer über das Land
hinfege. Der Gischt desselben sah wie eine
schwarze Rauchwolke aus, und im Dorfe
Haydenville wurden daher einige Minuten
vor der verheerenden Fluth die Feuer-Alarm-
Glocken geläutet. Die reißende Fluth hatte
nun die Dörfer erreicht, und die Scenen der
Zerstörung, die sie anrichteten, sind unbe
ichrelblich. Die Hütten der armen Arbeiter,
wie die großen Fabrikgebäude stürzten zu
sammen, sie wurden weggerissen, und selbst
der Boden, auf dem sie standen, ivurde von
den wüthenden Flnthen aufgewühlt. Die
industriellen Interessen im Mill-River-Thalc
müssen in dem kurzen Zeiträume einer Stunde
einen Verlust von mindestens §1,500,000 er
litten haben. Manche der zerstörten Fabriken
wird vielleicht nie wieder ausgebaut werden.
Alle die großen Etablissements, und sehr
viele der kleineren Fabriken sind total hinweg
gefegt worden. Die großen, aus Backstein
oder Quadern erbauten Fabrikgebäude zcr
krllmmellen unter dem Anprall des Wassers,
als wären es lose Sandhausen gewesen, und
die hölzernen Gebäude waren einige Minuten
lang der Spielball der Gewässer, und wur
den dann zertrümmert. So grauenvoll war
der Anblick dieser wild cinhertosendcn Ge
wässer, daß Frauen vor Entsetzen ohnmächtig
auf der Straße niederfielen, und von der rei
ßenden Strömung mit fortgerissen wurden.
Das Unglück kam mit so rasender Schnellig
keit über die armen Bewohner jener Dörfer,
daß viele von ihnen die Geistesgegenwart ver
loren und von Punkten, an denen sie sicher
gewesen wären, geradezu dem Tode in den
Rachen rannten. Andere, dle zurückgeblie
ben waren, um ihre Lieben zu retten, gingen
selbst verloren. Dr. E. N. Johnson von
Williamsbnrg ergriff seine beiden Kinder,
und, von seiner Frau begleitet, eilte er nach
Anhöhe außerhalb des Dorfes. Ehe er
sie erreichte, schwanden ihm die Kräfte, und
er stand einige Augenblicke still, um auszu
ruhen. Unterdessen kam der Wasserschwall
heran, er konnte nicht mehr von der Stelle-,
seine Frau hätte sich retten können, aber sie
wollte in einem solchen Momente ihre Lieben
nicht verlassen, und die ganze Familie kam
um. Es wurden überhaupt sehr viele Fami
lien von den Fluthen weggerissen, und als
das Gewässer pch verlaufen hatte, sah man
Hunderte weinende und wehklagende Männer,
Frauen und Kinder, die wie wahnsinnig an
dem Flußbette auf- und abgingen, und nach
den Leichen ihrer vermißten Verwandten und
Freunde suchten. Das Wasser hatte zwanzig
Minuten mit voller Macht gewüthet, als
man das Fallen desselben bemerkte, seitdem
ist es fortwährend niedriger geworden, und
zur Zeit gänzlich verschwunden. Unter den
in Williamsbnrg zerstörten Hanptfabriken
befinden sich die der Knopssabrikanten O. G.
Spellman, Adams 6c Hitchcock's Getraide
mühle, eine große Gerberei, H. James' Wol
lenspinncrei, in der die Hälfte der Arbeiter
das Leben verloren hat. William Skinncr's
Seidenfabrik ist zerstört, doch sind die meisten
Arbeiter entkommen. Jn einem Miethhauje
waren zehn Frauen und Kinder, und sie alle
kamen um. Die Strömung riß das Haus
nieder und zerschmetterte es in Trümmer,
und die Bewohner wurden nicht eher wieder
gesehen, als bis man ihre Leichen aus dem
Wasser zog.
Was das Reservoir betrifft, so hatte man
seit den neun Jahren seiner Existenz stets ernste
Zweifel hinsichtlich der Sicherheit desselben
gehegt; nur in den letzten drei Jahren hatte
man sich in eine trügerische Sicherheit wiegen
lassen. Der Schlcußenausseher hat oftmals
seinen Prinzipalen seine Befürchtungen mit
getheilt, und sie ganz besonders aus den Punkt
ausmerlsam gemacht, an welchem sich der
Bruch ereignete. Wenn aber die Jnspicien
ten kamen nnd denßau besichtigten, dann fan
den sie Alles gut und berichteten, daß das Re
servoir sicher iei. Wichtiger als der Bericht
dcs Aussehers ist die Aussage dcs HerrnLcwis
Bodman, der sein Leben in Williamsbnrg
zugebracht hat und seit vielen Jahren mit den
Fabrik-Interessen des Ortes identificirl ist.
Er kennt das Reservoir durch nnd durch. Er
hat einen Theil der Kosten desselben bezahlt,
als er noch Eigenthümer der Jamcs-Mühle
war, die er vor sechs Jahren an Herrn James
verkauft hat. Herr Bodman äußerte am
Samstag, daß die Eigenthümer mit dem Re
servoir nicht zufrieden waren, als es gebaut
wurde. Man fühlte damals, daß c's nicht
sicher sei. Herr Bodman begleitete den ge
wesenen Vice-Gonverncur Hayden, als das
Reservoir zumErstenmale gefüllt wurde. Es
war dies im Frühjahr 1866, und Beide fürch
teten damals, daß es gleich bei'in ersten Ver
such weggeschwemmt werden würde. Dasselbe
ließ jedoch bei jener Gelegenheit keinen bcsoii.
ders schwachen Punkt erkennen, nnd später
wurde es von Zeit zn Zeit verstärkt. Herr
Bodman fühlte sich jedoch in Hinsicht des Re
servoirs niemals recht behaglich, so lange er
Eigenthümer der Mühte und somit gemein
schaftlicher Eigenthümer desselben war. Seit
dem hat er an den Manufaktur Interessen
des Ortes einen solchen Antheil genommen,
der ihn veranlaßte, sich stets über den Zustand
des Reservoirs in genauer Kenntniß zu er
halten, und er sei zuletzt ganz zufrieden mit
demselben gewesen. Erst am Tage vor der
Katastrophe habe ihn Jemand gefragt, ob er
das Reservoir für sicher halte, und er habe
ohne Zögern geantwortet, dasselbe sei voll
kommen sicher. Herr Bodman hat in der
That diese Versicherung einem Ortseinwoh
ner gegeben, der, als hätte er eine Vorahnung
desschicksals, das ihn am Samstage ereilte,
gehabt, vor etwa einer Woche zu ihm kam,
und ihn fragte, ob Gefahr eines Reservoir
bcuches vorbanden sei. Alle Fabrikanten
haben seiner Ansicht beigestimmt, die alle Ur
sache hatten, um das Reservoir besorgt zu
sein, da von der Sicherheit desselben die Si
cherheit ihrer Etablissements abhing. Herr
Bodman sagte ferner, daß bei Herstellung des
Reservoirs das obere Drittel der Mauer nach
lässig gebaut wurde. Als der Contraktor jenen
Theil des Bauwerkes erreichte, war es Spät
herbst geworden. Der Ingenieur erkrankte u.
konnte den Ban nicht so beständig beaufsichti
gen, als es hätte geschehen sollen; der Con
traktor stellte das Werk in der größten Eilfer
tigkeit her, und kümmerte sich, wie Herr Bod
man sagt, wenig um die Qualität seinesWcr
kes. Wie unzufrieden aber auch Herr Bod
man und die übrigen Eigenthümer mit dem
Reservoir-Bau waren, so wurde derselbe doch
von dcnCornmissären des Hampshirc-Eounty
besichtigt und acceptirt. Die unmittelbare
Ursache des Unglücks, abgesehen von der
Schwäche des Dammes, wird stets ein Gegen
stand der Vermuthung bleiben. Von dem
ganzen Reservoir ist auch nicht ein Sechstel
stehen geblieben. Wenn man die Ruinen
betrachtet, muß man sich nur über die
Schwäche der Mauer, im Vergleich mit der
gewaltigen Waffcrmasse, die sie umschlossen
bat, verwundern. Alan hat behauptet, daß
diese Mauer an der Basis acht Fuß dick sei,
als man aber heute einen unversehrt geblie
benen Theil derselben maß, seblten noch drei
Zoll zur Dicke von sechs Fuß. Der Beschauer,
der von dem gegenüberliegenden Damm den
zerstörten Theil dcs Bauwerkes betrachtet,
kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß
überhaupt der ganze Bau zu schwach war,
um dem Druck einer so ungeheuren Wasser
masse widerstehen zu können, die jenes Reser
voir zu fassen hatte.
Als am Samstag Morgen um halb 8 Uhr
der Schlcußenwärtcr Georg Cheney auf
schaumbedeckieii und fast zu Tode gesagten
Pferde vor das Haus des Herrn Spellman
kam, der die Oberaufsicht über das Reservoir
führt, rief er denselben von seinem Frühstück
weg und erschreckte ihn mit der unheilvollen
Mähr: „Das Reservoir geht in Trümmer."
Spellman glaubte Cheney sei verrückt gewor
den, hatte er doch TagS zuvor mit ihm über
den Zustand des Reservoirs gesprochen und
Beide sind zur Schlußfolgerung gekommen,
daß für den bevorstehenden Sommer das
Reservoir sicher sei. Er glaubte daher der
schlimmen KundeCheney's nicht. Aber Che
ney wußte ihn gar bald zu überzeugen, daß
die größte Gefahr vorhanden sei, die weiter
unten wohnenden Leute zu warnen. Cheney's
Pferd war erschöpft und Spellman schickte ihn
nach dem Leihslall, wo die kostbaren Mo
mente vergeudet wurden, weil Cheney die un
gläubigen Leute erst überzeugen mußte, daß
seine Botschaft wahr sei. Endlich wurde ein
Pferd nnd ein frischer Mann herbeigeschafft,
um die flußabwärts Wohnenden von der Ge
fahr zu benachrichtigen.
Zahllos find die Berichte über die herzzer
reißenden Scenen, die sich ereigneten, als die
Fluth die Dörfer erreichte. Nur einer dersel
ben aus jener großen Masse sei hier erwähnt.
Als die Fluth Leeds ereilte, arbeitete Frau
Mary E. Harding, die Schwester des Fräu
leins Clark von hier, in der zweiten Etage der
Scidcnsabnk. Auf einmal erscholl der Alarm
und kaum war sie zur ebenen Erde herunter
gekommen, als man ihr zuschrie: „Lauft über
die Brücke!" Sie lies, wie selten eine Frau
noch gelaufen ist, und ihr folgte eine ganze
Schaar anderer Frauen und Mädchen. Bald
aber schrie inan ihr von allen Seiten zu
„Kommt zurück! Geht nicht hinüber!" aber
Frau Harding dachte, icvt ist's zu spät. Sie
war aus der Brücke und das Zurückgehen war
so gefährlich wie das Vorwärtsschreiten. Sic
rannte aus Leibeskräften, und kaum hatte sie
und vielleicht ein halbes Dutzend anderer
Frauenzimmer das andere User erreicht, als
eine ungeheure Masse Trümmerwerk krachend
aus die Brücke stieß und sie mit sechs oder sie
ben daraus befindlichen Mädchen, die nur ei
nige Augenblicke zu spät gekommen waren,
mit sich fortriß. Die Fran aber' lies nach dein
Roß'scheu Kramladen, während die anderen
Franenzimuier, die mit ihr über die Brücke
aekommeu waren, in das Speisehaus der
Frau Harding flüchteten. Sic passirte das
kleine Thor zunächst der Brückend ging
gerade durch das größere Thor unterhalb der
Stufen, die zu Laden führten, als daSWas
ser heranbrauste, das Thor wegriß und sie in
der 'nahe der unteren Treppe niederwarf.
Zum Glück standen zwei Männer am User,
die die Krau heraufzogen, und zwar keinen
Augenblick zn früh, denn in demselben Mo
ment wurden die Stufen weggerissen und die
drel Personen mußten weiter oben em llfer
Sicherheit suchen. Frau Harding ist die Ein.
zige yon den dreizehn Francnzimmer, die
versucht hatten, dießrückc zu passiren, die ge
rettet wurde. Einer ihrer Retter wurde aber
nachher von der Fluih weggerissen und verlor
das Leben. Frau Harding hat Alles, was sie
besag, verloren. Ihr Eigenthum bestand in
dem Speischaus, das die Fluth weggefegt
hat. Obgleich jene Frau durchaus durch
näßt und einigermaßen gequetscht war, ging
sie doch hinaus und brachte den Nachmittag
unter den Sterbenden und den Trostlosen zu,
die durch die Katastrophe ihrer Verwandten
und Freunde beraubt worden find. Erst als
die Nacht anbrach, machte sie sich mit einigen
verwandten aus den Weq nach der hiesigen
Stadt. Herr H. H. Tilton von Williams
burg trug seine hochbetagte Mutternach einem
Ork, der größere Sicherheit versprach; auf
dem Wege aber wurden sie von der herantoi
senden Fluth überfallen. Er mußte die Grei
sin loslassen, die von dem reißenden Strom
verschlungen wurde,währcndTilton einen etwa
15 hohen Baum am User umklammerte,
auf den er sich rettete, obgleich er in der Fluth
hin- und herwailkte, wie ein Rohr imWinde.
Die Herren Harmon und Rhodes, die in dem
selben Hause wohnten, liefen über die Straße
und retteten sich in ein anderes Haus, dessen
untere Etage bereits überstulhtt war. Es
standen aber einige Aepfelbäuine vor dem
Haus, an denen sich die Gewalt des Wassers
brach, so daß das Haus stehen blieb. Drei
Männer, I. Vi. Stephenson und zwei neue
Arbeiter, fürchteten, daß das SpeisehauS, in
welchem sie waren, sortgeschwemmt werden
könnte, und ungeachtet aller Abmahnungen
ihrer Mitarbeiter verließen sie das Haus und
erkletterten einen benachbarten Apfelbaum.
Der Apfelbaum aber wurde entwurzelt und
fiel in die Fluth und die drei Männer ertran
ken. DaS SpeisehauS aber blieb unbeschä
digt.
Bürger von Williainsburg haben am
Samstag Abend eine Gemeindeversammlung
gehalten und ein Comite ernannt, das Sub
jcrlptionen sammeln, sich der Hülstosen anneh
men und eine Hülfsniaiinschafl organisiren
soll, die nach den Vermißten zu forschen hat.
Northampton und die angrenzenden Gemein
den haben seitdem Lebensmittel, Kleider und
Geld gesendet, und es werden heute Beiträge
für die Nothleidenden in allen Kirchen inWeir-
Massachusetts gesammelt. Die Sammlungen
in den Kirchen von Springsield haben §2OOO
ergeben, und die Subscriptionen dürsten die
len Betrag aus §5OOO anschwellen.
Alle großen Gemeinden und Städte organi
siren Hülfsgescllschaften.
Ein weiterer Bericht.
Bon dem hohen Stein, und Erdwall, wel
cher sich in dcni Bette des Stromes in einer
Höhe von 40 Fuß erhob, steht weiter Nichts,
als der Steinwall, welchcr zu dem Damme
auf dem Boden des Flusses in rechtem Win
kel steht. Im Strombette selbst ist Nichts
stehen geblieben, und wo das Wasser jetzt
harmlos in seinem alten Laufe dahin
fließt, steht kein Stein mehr ans dem andern.
Bon dem ganzen Bau des Reservoirs steht
vielleicht noch der sechste Theil. Auf der
Höhe bktet sich dem Blicke das Bett des Re
servoirs in einer Ausdehnung von lii Ackern.
Die Strecke ist, wenn auch nach allen Seiten
hin Abhänge da find, verhcilttiißmcißig eben
und zum großen Theile mit den Stumpfen
d r Bäume bedeckt, welche dieselben vorher
schmückten. Unterhalb dcs Reservoirs ist der
Anblick sehr traurig. Die ungeheure Wasser
masse, welche Plötzlich frei wurde und sich das
enge Thal abwärts ergoß, hat eine so furcht
bare Verwüstung hervorgebracht, daß man
sich, ohne dieselbe gesehen zu haben, keinen
Begriff von derselben machen kann. Das
Flußbett hat seine Form verloren; Felsen aus
den Mauern des Reservoirs bedecken das Ufer,
und die Bäume, welche dasselbe umrahmten,
sind entweder gebrochen oder ganz entwurzelt
und verschwunden.
Collins Graves, ein Milchmann, welcher
im Leihstalle zu Williainsburg war, von wo
der Stallknecht Cheney die Kunde bekannt zu
machen wünschte, hat sich bei dieser Gelegen
heit durch seinen Muth besonders ausgc
zeichnet.
„Wenn der Damm bricht," sagte Graves,
nachdem ihm Cheney seine Geschichte brnch
stückweise erzählt hatte, „dann müssen die
Leute, um einem weiteren Unglücke vorbeugen
zu können, davon benachrichtigt werden."
Und fort eilte er in seinem Vehikel und rief:
„Flieht! flieht! das ist Alles, was Euch jetzt
übrig bleibt!" Welcher und Cheney hatten
indeß die Alarm-Glocke gezogen, um das Un
glück anzuzeigen, und Collins fuhr weiter
mit seiner Hiobsbotschaft. Er jagte unver
zttglich den Fabriken zu, um den Arbeitern,
welche vor dem Getöse in den Werkstätten
sonst Nichts hören könnten, eine Warnung
zukommen zn lassen.
Zu Skinnervitte traf der Unglücksbote fünf
Minuten vor dem Strome an, aber in Hay
densville blieben ihm nur zwei Minuten Zeit,
das Unheil zu verkünden. Tort mußte der
Brave, dessen Ruhm noch kommende Genera
tionen erzählen werden, bei dem Hotel Halt
machen. Er selbst nnd sein Pferd waren er
schöpft, und ein anderer Herald mußte es
übernehmen, die Schreckenskunde weiter zn
tragen. Graves konnie das Donnern und
Getöse der nahenden Fluth hören; da er selbst
sich aber von der unheilvollen Bedeutung der
selben keine richtige Vorstellung machte, so
machte er sich ans den Weg zurück nach Wil
liainsburg. Bei dem „Tugway" kam der
Schwall ihm entgegen, und nur seine heroi
sche Kaltblütigkeit gewährte ihm die Möglich
keit, sich und sein Roß in Sicherheit zu
bringen.
Neueres.
Springficld, Mass., 18. Mai.
Tausende von Menschen haben sich heule von
hier auf den Schauplatz des Unglücks bege
ben. Es ist den ganzen Tag nach Leichen ge
sucht worden, und diese traurige Arbeit wird
vielleicht noch wochenlang sortgesetzt werden
müssen. Die Wiesen sind dermaßen mit
Trümmern bedeckt,daß man fürchtet, es möch
ten sich unter denselben sehr viele Leichen be
finden. Heute sind zahlreiche Leichen aufge
funden worden, und die gestrige Schätzung,
daß die Zahl derselben sich auf 100 belaufe,
ist entschieden zu niedrig angeschlagen.
Sechzig Familien in Haydensville haben
heute um Unterstützung gebeten. Die von
Northampton eingelaufenen Fonds sind jetzt
erschöpft und es wird heute Abend eine Mas
senversammlung gehalten werden, um den
Nothleidenden dauernde Hülfe zu gewähren.
Hayden, Gere sc Comp., die Eigenthümer
der zerstörten Messtngsabriken, haben heute
Morgen mit dem Wiederaufbau beginnen las
sen, mußten aber wegen unablässigen Rcgens
die Arbeit wieder aufhören lassen. Sobald
das Wetter es erlaubt, wird die Arbeit wieder
aufgenommen werden, und es ist Hoffnung
vorhanden, daß der Schaden in drei Mona
ten ausgebessert sein wird.
Hr. H. L. James, Eigenthümer einerWoll
spinnerei, die arg beschädigt ivurde, strebt dar
nach, die Arbeit möglichst bald wieder auf
nehmen zn lassen. Auch die übrigen Ge
schäftsleute werden keine Zeit verlieren; aber
die Noth der Arbeiter bleibt immerhin groß.
TageS NeuigLxitcn.
Im Repräsentantenhause steigt man jetzt
unserem speziellen Laiidsmanne, dem Gcne
ralpostmeister Creßw e l l, auf's Le
der. Daß es bei der Verpachtung der Post-
Routen nicht sehr reinlich zugegangen ist, ha
ben wir bereits in der vorigen Woche aus
einem Berichte des Congreßmitgliedes Stonc
gezeigt. Dieser enthüllt, wie die Contrakte
vergeben wurden, wer sie erhielt:c. Das Co
mite schien auch geneigt zu sein, die Sache
dabei bewenden zu lassen; nun hat man aber
im Unterhause einen Beschluß beantragt, wel
cher 24 spczifizirte Beschuldigungen enthält,
und welcher, wenn nur die Hälfte derselben
erwiesen werden kann, den größten Betrug
enthüllen wird, der noch in irgend einem De
partemente praktizirt worden ist. Der Be
schluß weist das Comite an, zu untersuchen,
welche Prozente dem George Carle, früherem
Compagnon Creswell's im Advokaten-Ge
schäste, von den Post-Contraktoren bezahlt
worden sind, nnd welche Beträge besagter
Carle inWashingtoner Grundeigcnthum wäh
rend der letzten sechs Monate angelegt hat;
ferner, welche Prozente dem Joseph McKib
ben, Anwalt des sog. Postamts-„Ringes,"
bezahlt wurden, und welche Prosite der bis
herige Hülfspostineister Giles A. Smith aus
den betrügerischen Eonlraktcn bezogen hat.
Das gibt eine neue interessante Untersuchung,
gegen welche wahrscheinlich die Sanford-Con
trakte in Nichts verschwinden.
Das Staatsdepartement hat eben
falls seine „Unregelmäßigkeiten;" eine dersel
ben wurde am letzten Samstag in der Con
greßvcrhandluug enthüllt. Jn der diploma
tischen Vcrwilligniigsbill war ei Posten von
§57,500 eingeschaltet, um die brasilianische
Regierung für gewisse irrthümlich bezahlte
Gelder in entschädigen. Der Berichterstalter
der Bill, Hr. E. R. Hoar, suchte leicht über
diesenPosleii hinwegzukommen, Eldredge ver
langte jedoch eine nähere Erklärung, und un
ter Zögern wurde dieselbe gegeben. Es er
hellt. daß ein amerikanischer Schiffs-Capitän
in Verbindung mit dem Gesandten Wcbb die
brasilianische Regierung um 15,000 L. Stert,
betrogen hat, und daß das ameritanische Ca
bluet es für angemessen hält, die brasilianische
Negierung zu entschädigen. Daß sie es auch
für angemessen gehalten hat, den Betrüger
Wcbb von seinem Posten abzuberufen, davon
wird Nichts berichtet.
Der Versuch des Ge n. She rma u. das
Hauptquartier der Armee nach St. Louis zu
verlegen, stößt einfach auf Widerstand. Im
Rcpräsentantcnhause wurde dieser Tage ge-
daß der General, wenn er so gerne
in St. Louis wohne, ja nur abzudanken
brauche.
Die wetteren llittersuchungen der „Frccd
nie'ö Saviiigs- und Trnst-Com.
pagnie" habe ergeben, daß dieses Inslinit
in wahrhaft vcnchwenderischerWeisc dicspar
pscnniae dcrarmenNcgcran politische Freunde
„verliehen" hat; unter den Begünstigten sin-
de wir den unvermeidlichen General-Anwalt
Williams, den„Ring".ZournallstenMurtagh
George Mattingley ic.
Die Schulden der Stadt New-
York betragen §114.969,554, die Philadel
phia'S §58,364,171.63. Philadelphia hat
1092 Mann Polizei.
Die „Aetiia-Lebcns-Bersicherungs - Gescll
ichust von Hartford, Colin., verlor un
längst in Detroit, Mich., den Prozeß einer
Wittwe, die besagte Compagnie für §5OOO
Assekuranz aus das Leben ihres Mannes ver
klagt hatte, aber die Zahlung des Geldes aus
den Grund hin verweigerte, daß der Mann
Selbstmord begangen habe.
Jefferson Davis befindet sich zur
Zeit in London. Vor einigen Wochen besuchte
er eine Taubstummen-Anstalt und wurde von
Earl Granville als ein „ausgezeichneter Frem
der introduzirt, der sich mit der Art und Weise
ihrer Erziehung vertraut zu machen wünscht."
Berichte aus Georgia behaupten, daß durch
die lle be rs ch wemin u ng en die Bau m
>v olle n-Er dt c zum Betrage von 20
Prozeitt beschädigt worden sei.
In s t. Louis erhängte sich der 40 Jahre
alte schweizer Ulrich Althau?.
Carl Himmel in St. Lou i s beging
Selbstmord. Dazu machte ein englisches
Blatt den schlechten Witz, daß die Ursache
offenbar nicht „Gott im Himmel" gewesen sei.
Ein englischer Gelehrter will entdeckt Ha
ben, daß die Anwendung von GyPs die Kar
toffeln in einem höhen Grade vor der
Kartoffclkrankheit schützt.
„Lohengrin-Haar" nennt man seit dem
großen Erfolge der italienischen Wiedergabe
von Wagner's bekannter Oper den blon
den Hanptschimick, und die blauen Augen
heißen jetz: Augen der „Else von Brabant."ff
In Ohio gibt es 27 tägliche, 356wöchent
iche und 81 monatliche Zeitungen.
Nach einer Depescbe aus der Stadt
Mexiko hatten die Mörder des Ehrw.
Stephens, des amerikanischen Missionärs,
ihre strafe bis zum 8. d. Mts. noch nicht em
pfangen.
Der vielgenannte Landauer des Ober
buiidcsaiiwalls Williams wird wahrscheinlich
m der nächsten Präsidentenwahl eine ähnliche
Rolle spielen, wie die berühmten goldenen
Lössel des Hrn. Ogle in der Van Buren-Cam
pagne 1336. Ein westlicher Politiker soll das
famose Fuhrwerk gekauft haben und beabsich
tigen, während der Campagne in demselben,
mit 4 Pferden bespannt und Livree-Bedienten
besetzt, durch die westlichen Städte zu kutschi
ren, um den Farmern zu zeigen, wie man in
Wachingron „regiert."
Gebr. Fischer publizircn in Dayton,
Ohio, eine deutsche Monatsschrift, der katho
lischen Kirchenmusik in Amerika gewidmet.
Die E r n d t ea u s s l ch t e>l in lowa sind
ganz vortrefflich; ebenso günstige Berichte lie
gen aus dem Süden vor.
Beschluß derß alliinorer Unions-
Soldaten, die Coiisöderirten zu einer ge
meinschaftlichen Gräberschmücluiig einzuladen,
findet allenthalben groizsn Beifall. Während
noch vor sieben Jahren die von du, Consöde
rirten in unserer Stadt aiigccegic Feier von
den Hypcr-Loyalen als ein Sakrilegium eine
Entweihung und Verhöhnung der Union an
gesehen wurde, erbieten sich Die, welche wäh
rend des Bürgcrtriegcs ihre Loyalität durch
die That bewährt, selbst zur Belränzunq der
Gräber ihrer ehemaligen Feinde. Dieser Vor
schlag ist im Geiste innerer Zeit gemacht, in
demselben Geiste, welcher den einst unerbitt
lichen und unversöhnlichen Sumner vcran
laßte, die Austtlgung der Namen siegrcich-r
Schlachten aus den Regimentsfahiien zu be
antragen. Derselbe macht den Baltimorer
Beteranen alle Ehre und wird ohne Zwciiel
mit Freuden acceplirt werden.
Der bekannte Eherokcse Oberst Bou
dinot sprach vor dem Haus-Comite für Ter
ritorien zu Gunsten der Organisation de
Territoriums Oklahoma. Er sagte, daß den
Afrikanern in diesem Lande alle Rechie und
Freiheiten gegeben worden seien, deren sich
die Weißen erfreuen, und selbst im Eongrcssc
sehe man Vertreter der afrikanischen Race.
Ein Farbiger, der -noch gestern ein Sklave
war, leite die Verhandlungen der Vertreter
eines großen Staates über die Rechte der In
dianer, der ursprünglichen Eigenthümer die
ses Landes, die im Lande ihrer Geburt allein
als Unmündige behandelt werden.
Ueber die Gefangennahme des Räuber-
Hauptmanns Vasauez in Los Ange
los, Eal., wird weiter berichtet: „Die Beam
ten fanden ihn in dem Hause des Greck George
in Cayhuenga Lanon. Vasqne; war im
Bette und unbewafsner. Er sprang zum Fen
ster hinaus und die Männer feuerten aus ihn
und trafen ihn drei Mal. Eine Büchseiikugcl
durchbohrte seinen Rücken. Um 5 Uhr war
Vasquez sicher hinter Schloß und Riegel dcs
Gesängnisses. Seine Wunden sind nicht ge
fährlich. Das Gefängniß wird von Polizei
diencrn bewacht und Niemandem der Huiritt
zu dem Gefangenen gestattet."
Tie Passagepreise im Zwischen
decke haben bei einigen europäischen Dam
pfer Compagnie' eine weitere Herabsetzung
erfahren. Dle„Whtte-Star " und „Jiiman-
Liiie" haben ihre Preise ans §25 für die
Fahrt von New 2)ork nach Europa herabge
setzt und werden einstweilen bei diesem Preise
stehen bleiben. Tie „National-" und „Wil
liams sc Guion-Line" verkaufen die Blllcte
noch zum alten Preise, obwohl sie unter der
Hand cbenfalls billiger zu haben sein sollen.
Tie übrigen Gesellschaften spediren Zwischen
dcckspassagiere zu§23, und auch die im Voraus
bezahlten Plätze haben eine Preisherabsetzung
auf §27 erfahren.
In Cincinnati hat der Rath der Al
dermcn am Freitag die folgende Resolution
fast einstimmig angenommen: „Da Banden
von Weibern ungesetzlicher Weise die Seiten
wege vor den Wohn- nnd Geschäftshäusern
versperren, und durch ihre Handlungen böses
Blut erzeugen und die gifte Ordnung der
Stadt dadurch in Gefahr bringen, deshalb fei
es beschlossen, daß der Mayor hiermit instruirt
werde, solche Banden von Weibern aufzulö
sen und solches Herumlungern zn verhindern,
und dadurch die Gefahr eines Friedensbru
ches abzuwenden, die entstehen würde, wenn
das Treiben noch länger erlaubt werden
würde." Es geht überall mit den Kreuzfah
rerinnen aus die Neige.
Name Howard scheint in den Ver.
Staaten thatsächlich synonym mit „frommer
Spitzbube" zn fein. Der hervorragende christ
liche Bankier A. H. Howard aus Omro,
Wisc., ist plötzlich mit Hinterlassung eines
leeren Geldschrankes verduftet und hat sich als
ein ganz niederträchtigcrSchwiiidlcr entpuppt.
Die Aufregung feiner christlichen Mitbrüder
in Omro und Umgegend, welche er in der
schamlosesten Weise um Tausende von Tol
lars beschwindelte, ist ungeheuer. Viele, be
sonders Farmer, hat er um ihr ganzes Hab
und Gut betrogen. Da er ein recht „from
mer" Plann und ein Temperenzler war, ge
noß er dort in Omro, wo diese Eigenschaften
zu den Kardinaltugendcn zählen, unbedingtes
Vertrauen, io daß es ibm möglich wurde, mir
nahezu §60,000, meistens Depositengeldern,
zu entfliehen. Vielen Wittwen und Waisen
hat der Schurke den letzten Cent abgeschwin
delt. Aehnlich, wie der Sohn, betrog auch
der Vater Jra Howard, welcher ein Mahl
mühlengeschäfl betrieb, die Leute. Der alte
Spitzbube wurde am Mittwoch letzter Woche
wegen Unterschlagung auf eine Klage des
John A. Sumner in Winncconne verhaftet
und in Ermangelung von Bürgschaft in das
hiesige Gefängniß abgeliefert. Wie wir ver
nehmen, sind Detektives hinter dem „christ
lichen" Howard, jun., her. Hoffentlich wird
derselbe der verdienten Strafe nicht entgehen.
Die berühmte franz. Opernsängern, Mllc.
Tostee ist kürzlich in Paris gestorben.
Frl. Tostee war die erste Sängerin, welchen:
Amerika die Ossenbach'schen Heldinnen 'Ta
balle lloloim" und 'tt-cr Uciclwssa cka dorvl
sloin" zur Darstellung brachte.
Atlanta, Ga., verunglückte am
Sonnabend Wm. Salomon, ein alter geach
tcter Bürger, durch einen Stur; aus dem
Fensler.
InEhicago fuhr vor einigen Tagen
'der Schooner „Pimlico" mit 25,000 Büschel
Getraide befrachtet nach Europa ab; das
Fahrzeug gedenkt in Zeit von 6 Wochen in
Cork, Irland, zu landen. Dieses ist die
erste direkte Fahrt eines Schooncrs von Chi
cago über den Ozean.
Die Verurtheilung Schöppe's,
der jetzt in Joliet, 111., auf Staatskosten
Schuhmacherei sludirt, rumort noch immer
in der westlichen Presse. Der „Anzeiger des
sagt: „Wir bleiben dabei stehen,
daß der Schöppe'sche Fall in Chicago der ein
zige uns bekannte Fall ist, in welchem ein
Richter es auf sich genommen hat, einen ge
ständigen Verbrecher laufen zu lassen, um ihn
später fast ebenso willkürlich ohne neuen Pro
zeß in's Zuchthaus zu schicken. Das Erstere
ist nackte Willkür, welche ein Impeachment
nach sich ziehen sollte, das Letztere ist ein Ver
fahren von sehr zweifelhafter Berechtigung.
Daß die „Begnadigung" oder Nichtverurthei
liing und Freilassung von überführten Ver
brechern durch einen Eriminalrichter eine in
den Ver. Staaten zulässige, ja, gebräuchliche
Sache sei, stellen wir ganz entschieden in Ab
rede. Unsere strasjusti; ist schlecht genug,
aber so weil ist es denn doch noch nicht gekom
men, daß auch die Criminalrichter nachLaune
und Willkür überführte Verbrecher freilassen
oder thatsächlich begnadigen dürfen."
In Fall River, Mass., wurde am
Sonnabende der Neger Ehas. Fester, ein
Aiifwärter auf einein Dampfer der „Narra
qansel-Linic" auf die Anklage verhaftet, den
Versuch gemacht zu haben, ein lunges Mäd
chen zu schänden.
Tie neucnStaalSpapiere von Louisiana
stehen nahezu auf Pari: dieses ist ein günsti
ges Zeichen.
In Chicago wurde am Sonnabcnde
einGclraidcspeicher eingeweiht,welcher 1,500,-
i>oo Bnichct hätt.
Eine Depesche aus Georgia meldet,
daß Alexander H. Stephens abermals er
krankt ist und man daran zweifelt, ob er wie
der nach Washington zurückkehren wird.
Das P o st -C o mite des Repräsentan
tenhauses hat beschlossen, zn Gunsten einer
Vorausbczahtnng von Ii Cts. Porto pro
Pfnnd ftir Zeitungen und 3 Cents für Bü
cher, Magazine. einzubcrichten.
Seit in Hazlcton, Pa.,
der sechsjährige Sohn eines Hrn. Soltz ver
ichwunden. -c er Bater war mit dem Knaben
in ein Gcbolz gegangen, wo er ihn verließ,
um einige Sachen aus dem Hause zu holen,
besaht ihm ab, ans der Stelle zu bleiben,
wo er sich befand. Der Knabe ging indessen
fort, und Hr. Soltz suchte vergebens nach
ihm. Sobald der Verlust des Kindes bekannt
geworden war, machten sich gegen 1200 Män
ner und Knaben auf, um das Kind zu suchen,
ooch erst am Donnerstag Morgen fanden sie
es sieben Meilen von der stelle entfernt,
wo sein Vater ihn zurückgelassen habe. Der
Junge hatte schrecklich zu leiden gehabt.
Seine Füße waren, da er seine Schuhe verlo
ren hatte, furchtbar geschwollen und er konnte
in Folge einer gefährlichen Erkältung und
der übergroßen Mattigkeit keinen Laut her
vorbringen.
In der Convention derFrauen
st iin inr echtle r i n n e ii, welche am letzten
Freitage in New?)ork tagte, machte Frau
Elisabeth Phclps die Bemerkung: „Würden
die Frauen, wie sie jetzt im Großen und All
gemeine!! sind, aus ihrer Sklaverei befreit
werden, so würden sie (natürlich mit vielen
Ausnahmen) nicht anders austreten und sich
gebehrdcn, als alle anderen emanzipirten
Sie würden die plövlich er
rungene Freiheit wohl zu schätzen wissen, in
den meisten Fällen dieselbe überschätzen, in
allen jedoch derselben gegenüber, nur als
ichwache, der Hülfe und Unterstützung Sei
tens der Stärkeren bedürftige Wesen erschie
"kw Tie Frauen, so schloß Frau Phelps,
„haben noch viel zu lernen, ehe sie reis wer.
den für das Stimmrecht." —Diese Rede, in
der ein gutes Theil Wahrheit liegt, wurde
von den anderen starkgeistigen Damen mil ci-
der Entrüstung aufgenommen,
>a, Frau Phclps wurde gewissermaßen als
eine Hochverrätherin an der „guten Zache"
betrachtet; jedenfalls erscheint es anerkennens
werth, daß die Dame den Muth hatte, ihre
gesunden Ansichten so frei und offen aus
zusprechen, zumal sie wußte, daß sie zum
Theil mit fanatischen Eolleginneii zu rechten
hatte.
Im New- Z> or ke r „B ellevil e - H o
s P i t a t" liegt gegenwärtig ein irischer Kut
scher, Namens Lavalle, 26 Jahre alt, an ei
bcsondcrcn Symptomen begleitet ist. der
selbe soll von seinem Arbeilsherrn entlassen
worden sein, weil er sichj mit seinerletzigen
Frau trauen ließ, und bald daraus erkrankte
er in dieser Weise. Er liegt mit geschlosse
nen Augen, die Hände über die Brust gefal
ter, im Bett und bei obcrstächlichemAnblicken
könnte man ihn leicht für todt hatten. Sein
rasches Athmen und heftiges Zucken gewisser
Halsmuskeln, das Rollen der Augen unter
den Augenlidern, sein schwacher, alicr rascher
Puls, eine heckrothe Farbe der Wangen be
weisen icvoch zur Genüge, daß noch Leben da
ist. Er spricht niemals, bewegt sich selten,
kchrNäch aber nicht selten um und schläft aus
der Seite. Seine Nahrung, die aus einer
Mischung von Fleischbrühe, Milch, Eiern
und Whiskey besteht, wird ihm, da er die
Zähne stets fest zusammenbeißt, durch eine
Röhre in den Mund eingeflößt und Anfangs
wollte er sich nur durch seine Frau auf diese
Weise ernähren lassen. Er wird hie und da
mit galvanischen Strömen behandelt, die man
auf den Rückgrat wirken läßt. Lavalle's
Krankheit ist nicht für eigentliche Katalepsie
zu halten, wobei die Kranken diejenigen Kör
perstellnngen unwillkürlich beibehalten, die
man ihnen gibt, wenn sie auch noch so unbe
quem sind und doch scheint sie damit große
Verwandtschaft zu besitzen. Seine Pupillen
sind nicht erweiterungsfähig; sein Uebel scheint
von einer Affektion dcs Gehirnnervensystems
herzurühren und an seiner Erholung ist durch
aus nicht zu verzweifeln.
Zu Octacamuud, in der Präsident
schaft Madras, starb kürzlich ein Mahomeda
ner im Alter von hundert und drei
undvierzig Jahren. Seinem Leichen
begängnisse wohnten Personen aller Klassen
bei, und ward dasselbe für die ganze Ge
gend zu einer Feierlichkeit, wie sie nie gesehen
worden, iscin Grab befindet sich in einem
Garten vor der Stadl, welchen der alte
ülkann selbst sich zur letzten Ruhestätte auscr
sehen.
Cilicinnati will jetzt auch seinen z o o
logischen Garten haben, §77,150 sind
bereits von Pnvatleuten zu diesem Zwecke ge
zeichnet.
Die Philadelphia'er Turn-Ge
meinde feierte am 15. Mai das 25-jährige
Stiftungsfest de dortigen „Socicil-Demokr.
Turnvereins." Dr. G. Kellner hielt die Fest
rede; von den 9 Gründern leben noch die -yH.
E. Dcrcnm, W. Bcckel, G. F. Eludibert, F.
Hassold nnd Fr. Philipp in Philadelphia.
Von einem modernen Struwelpeter
erzählen Jowa'er Blätter folgende wunder
bare Geschichte: „Hr. Horn, früher einmal
Bürgermeister von Bloomfield in lowa, hat
voll schwärmerischer Verehrung und Zuver
sicht in seiner Jugend den Schwur geleistet,
sich nie rasiren und nie mehr sein Haar schnei
den zu lassen, bis W. H. Scward zum Prä
sidenten der Ver. Staaten gewählt worden
sei. Obwohl nun sein innigster Seelenwnnsch
nie inErsüllung kam,so hat er dochDas erreicht,
daß er selbst im kältesten Winter keines Pel
zes und keiner Unterkleider bedarf, um sich
vor Frost zn schützen. Auch verbrennt die
Sommersonnc ihm die Haut nie stark, indem
sein urivatdüppiger Haarwuchs zwischen ihm
und den Willeruiigseinstüsscn eine undurch
dringliche bildet."
Die ame ri kaiiiich e n P i l gri in in c,
welche Lourdes und Rom zn besuchen geden
ken, gingen am Samstage im Dpsr. „Pereire"
von New - Uork nach Brest, Frankreich, ab.
Tie ganze Gesellschaft, nahe an 100 Perjonen
umfassend, wohnte Morgens einer Hochmesse
in der St. Patricks - Ea'.hedrale bei, empfing
den Segen des Erzbischofcs und begab sich
sodann aus den zur Abfahrt bereit liegenden
Dampfer. Eine große Menschenmenge wohnte
sowohl dem Abschieds - Gottesdienste, als der
schließlichen Abreise bei. Auf dem Dampser
ist eine Kapelle errichtet worden, wo alltäglich
Messe und Gottesdienst stattfindet. Die Pil
grimme der Erz-Diözese Maryland sind fol
gende: Hochw. Ehas. Tamer, Hancock, Md.;
Dr. James P. Broidrick, Hancock, Md.;
Frl. Stephanie Raphel, Baltimore; Hr. D.
I. Murphy, Washington; M. Thos/Galli
gan, Washington; laS. Toomey, Washing
ton; Mab. S>. Whelan, Washington: Frl.
Ellen Whelan, Washington; Frl. Whelan,
Washington; Mad. L. E. Gannon, Wash
ington. Diözese Eric: A. Titz, Freyburg,
Pa.; Peter Hicker, East Brady, Pa. Tiö
zesc Richmond: Frau Clara Semmes Fitz
gerald, Birginien; Fran Eora Semmes Joe.-,
Va.; F. I. Joes, Va.; Eugene S. Ivcs,
Virginien. Diözese Philadelphia: Hochw.
James A. Brehony, Sr. Elair, Pa. Diö
zese Savannah: Hochw. William Ouinlan,
Brunswick, Ga.—Diözese Scranton: Hochw.
Thomas Brehony, FricndSville. Diözese
Wheeling: Hochw. James Meurer, Wythe
ville, Va. Diözese Wilmington, Tel.:
Hochw. B. I. Kelley, Wilmington; I. Je
rome Smith, Wilmington.
Wie verlautet, Hai die nach Europa zurück
gekehrte Sängerin NilSson in der letzten
Saison reine §BO,OOO gemacht. Strakosch
soll ihr für die nächste Saison §70,000 und
der Palll sogar §lOO,OOO geboten haben. Je
denfalls scheint Stralosch aus „gute Zeiten"
zu rechnen, um solche riesige Saläre für seine
Künstler herausschlagen zu können.
Bor der franz. National - Versammlung
schwebt ein Gesetz, welches die Tödtung eines
Menichen in einem Duelle als „Mord im
l. Grade" sircnbar macht und Duellanten
überhaupt der Prozessirung als Mordgesellen
überweist.
Der König der Fidschi-Jnseln hat
besagte Inseln sammt seinen dazu gehörigen
Unterthanen an England „abgetreten;" oder
mit anderen Worten „verkauft," just wie
man eine Farm nebst dazu gehörigen Maul
eseln, Kühen und Schafen verhandelt. Seine
Majestät (Cacabu heißt der Kerl) haben sich
ein Jahresgchalt von §15,000 onSbedungeii!
was für einen pciisionirtcn Menschenfresser-
König, dem es unter Umständen nicht darauf
ankommt, bis zum Halse hinauf barfuß zu
gehen, ein sehr anständiges Taschengeld ist. —
Das Königinnist doch noch nicht das schlech
teste Geschäft, zumal bei diesen schlechten Zei
ten, wo selbst das Pferdestehleii sich kaum noch
bezahlt.
I Deutschland hat jetzt auch seinen Peabo -
dp. Der verstorbene Rentier Classen hat der
Stadt Elbing ein Legat von 3000 Thalern
testamentarisch vermacht. Das geht jetzt durch
alle deutsche Zeitungen. Tie amerikanische
Presse müßte viel zu thun haben, wenn sie
solche Fälle rcgiftriren wollte.
In Albemarle, Va., wurde der Neger
Ambrose Johnson wegen Ermordung des Ne
gers Willis Smith zum Tode verurtheilt.
In Jersey-City biß das Acffchen eines
OrgeldreherS einen Knaben in die Hand, und
die Wunde wurde so gefährlich, daß die Hand
ampulirt werden mußte.
Der König von Dänemark bringt
seine hcirathssähigen Töchter alle gut unter.
Dagmar ist Gemahlin desGroßfürslenThron
folgers von Rußland, Alexandra Kron-Prin
zesiin von Wales, und Thnra wird den künf
tigen König von Holland heirarhen.
Ter vielbesprochene nnd bereits von allen
Zeitungen in Artikeln commcnlirte russi
sche Skandal reduzirt sich darauf, daß
ein russischer Prinz, Namens Nikolaus (nicht
der Großfürst), seiner Mutter die Diamanten
stahl, um eine geliebte Tänzerin damit zu
schmücken. Der Kaiser soll beschlossen haben,
den verliebten Jungen streng bestrafen zu las
sen. Wird wohl drei Tage Stuben-Arrest er
halten !
Von einem Hunde, welcher sein Hunde
leb e n nicht länger ertragen wollte, erzählt
der „Belleviller Stern des Westens" folgende
rührende Geschichte: „So unglaublich es auch
icheinen mag, so ist es doch constatirte That
lache, daß am letzten Sonntag hier ein Hund
seinem Leben selbst ein Ende gemacht. Vor
einigen Wochen brachte ein Farmer eine Fuhre
Warzen nach der Hinktey'schen Mühle und
ließ einen großen, hübschen Hund daselbst zu
rück. Die Arbeiter der Mühle nahmen sich
des herrenlosen Hundes auf das Freundlichste
an und suchten ihn durch gute Behandlung
an zu fesseln. Alle Liebkosungen
und Schmeicheleien waren indeß bei dem
Hunde weggeworfen, der allem Anscheine nach
an Heunweh litt. A..i Su.üslagc nun sahen
einige Leute, wie der Hund nach dem Mühl-
Ahe seinen Weg nahm, bedächtig in das
Wäger watete und seinen Kopf unter das
Wasser hielt, bis er schließlich untersank."
Sir Henry Thompson, ein hervorra
acndtr englischer Arzt, jagt, daß alle
Männer, welche körperliche Arbeit verrichten,
in ihren Ruhestunden Unterhaltung und Auf
regung bedürfen, und wenn man die starken
Getränke den Arbeitern entziehe, müsse man
ihnen andere Unterhaltung und Aufregung
gewähren. Die Kaffeehäuser, Bibliotheken,
Lesezimmer, Bildergallcrie'n -c. sollten des
halb soiinkags offengehalten werden.
Ein Cincinnatier wurde neulich in Te,
xas verwundet, weiter in unverzeihli
cher Mißachtung aller Etiquette einen „Ge
neral" blos mit Herr angeredet hatte. Die
len empörte darob sich sofort das kriegerische
Blut, welches in seinen Adern braust, und
ein Revolvcrschuß brachte den Porkopolitaiier
zum Bewußtsein der Ehrerbietung, die er dem
Range eines „dapperen" Sohnes dcs Mars
Ichnldig ist.
Mayer von Roth
!. i'Uil Andenken an ihren verstor
benen Mann, den bekannten Banquier, ein
Aiyl tür Tchwiiidftichlige crrichlcn.—Ob auch
republikanische „Ergane" aus Amerika darin
ausgenommen werden?
- Nashville, Ten., ist der geachtete
deut! ch e Kaufmann Bernhard
Bcrnstein gestorben; derselbe stammte aus
Freudenberg, Wesiphalen, und wurde 42
Jahre alt.
In New ?) ork machte am Samstag ein
Zollhans Spitzel einen guten Fang. Er nahm
Edelsteine im Werthe von §to,ooo in Be
schlag, welche ein Passagier des Dampfers
„scotia," Namens Salomon Abrahams,
einzuschmuggeln versuchte. Abrahams ivurde
abgefaßt, während er ans einem Fähr-Boote
von Jersey-City hinüber fahren wollte. Unrcr
den eingeschmuggelten Artikeln befanden sich
ein Diamanlrmg im Werthe von §3OOO, eine
wcrthvollc Uhr, eine Broche, mir Diamanten
und Smaragden verziert, eine goldene, mit
Edelsteinen besetzte Spieldose ii. s. s. Die
Sachen wurden nach dem Zollhause geschasst,
woselbst die sachkundigen Spitzel sie für die
schönsten erklärten, die sie je abgefangen hät
ten. Der Eigenthümer soll ein Londoner
Psandhausbcsitzer, Namens Bamion, sein.
Die Frau dcs Mörders Eduard
S t o k es wurde in aller Stille in Folge eines
gegenseitigen Ucbcreilikommcns von" ihrem
Gemahl geschieden. Als Grund wurde, wie
es scheint, in den Gerichten „grausame Be
handlung" :c. vorgegeben, wogegen von Ste
tes öffentlich kein Einwand erhoben ward;
desto mehr aber stellt er privatim in Abrede,
daß er seine Fran, die Tochter eines sehr rei
chen Mannes, mit Namen Somhack, jemals
schlecht behandelt habe. Im Jahre 1871
schickte er sie nebst seinem zehnjährigen Töch
terchen Anna nach Frankreich, wo er sie auf
einem sehr gentiten Fuße er gab ihr §lOOO
pro Monat unterhielt. Drei Tage vor sei
ner Verhaftung wegen der Erschießung von
JamcS Fisk bekam er noch einen in zärtlichen
Ausdrücken abgefaßten Brief von ihr: später
aber ließ sie Nichts mehr von sich hören, als
durch den Mund ihres Rechlsbeistandes. und
hat sie ihren Mann bekanntlich nicht ein ein
ziges Mal während seiner Gefangenschaft be
sucht. Dies verletzte Stokes auf das Tieft'te
nnd mag die Ursache sein, daß er so leicht in
eine Scheidung willigte. Frau Stokes leb:
im Augenblicke, wie ihr geschiedener Mann
vermeint, mit ihrem kleinen Töchterchen in
New Jcrieq.
„Freddn," der jugendliche New - S)orkcr
„Temperenzspitzcl" und hoffnungsvolle' Sohn
der Frau Annie I. English, alias Jngraham,
ist noch immer verschwunden. Die verlassene
Frau hat am Samstag der Polizei ein Alst'
davit eingereicht, in welchem sie beschwört,
daß sie glaubt, „Frcddy" sei von den bösen
Wirthen entführt worden und werde jetzt ge
fangen gehalten.
Die böseLiebe hat in einer angesehenen
israelitischen Familie New-2)ork's großes Un
heil angerichtet. Joseph Rosenblatt, der in
einem Putzwaarengeschäste im Broadway an
gestellt war, ist sett einigen Wochen verschwun
den, und die Untersuchung hat ergeben, daß
er iingesähr §30,000, die seinem Vater und
seinem Schwager Moses Straßbnrger, einem
Kaufmanne in Maiden Lane, gehören, miige
nominen Hai. Gleichzeitig mit ihm ist ein
junges Mädchen verschwunden, mit welchem
Rosenblatt seit längerer Zeil in intimen Be
ziehungen stand. Es geht das Gerücht, daß
das Paar sich vor seiner Abreise trauen ließ
und sich zur Flucht überhaupt nur deshalb
entschloß, weil Rosenblatt's Eltern durchaus
nicht die Zustimmung zur Heirath ihres Soh
nes mit einer Christin geben wollten. Tie
sollen sich über das Verfahren ihres Sohnes
indessen schon getröstet haben. Ter Onkel
des jungen Mä.nneS, ein Hr. Straßbnrger,
indessen taun sich über den Verlust des Geldes
nicht beruhigen, wenn er sich auch über das
Verschwinden seines Neffen hinwegsetzen
könnte. Die Geheimpolizisten haben sich alle
mögliche Mühe gegeben, den Ausenthalt dcs
flüchtigen Paares auizufinden, haben aber
bis jetzt keinen Erfolg gehabt. Man bemühte
sich, die Sache geheim zu halten, aber ohne
Erfolg.
Näheres über den Temperen;-
Aufruhr in Cinciiinati Der
„Eine. Volksfreund" berichtet: „Tie Folgen
des Temperenzumuges werden immer bedroh
licher. Während einerseits die Wasserapostsl
nicht davon ablassen wollen, ihr Evangelium
auf den Straßen und in den Rinnsteinen zn
verkündigen, ist aus der andern Seile die Aus
regung, besonders unter den Deutschen, eine
so große geworden, daß es im Interesse der
öffentlichen Sicherheit jetzt dringend geboten
erscheint, die Behörden zu veranlasse, euer
gisch gegen den Schwindel und die Störung
der öffentlichen Ordnung einzuschreiten. Tic
überwiegende Majorität will von dem Dem
pcrenzwesen entschieden Nichts wissen. Es
folgt nun jetzt täglich den ausrückenden Wei
bern ein Mob, der theils von ihnen selbst
gemierhct ist, um sie vor etwaigen Angriffen
zu schützen, theils aus den rohesicn Klassen
unserer Bevölkerung besteht, die nur Lust am
Skandal haben und denen es gleichgültig ist,
wie derselbe hervorgerufen wird. So waren
die Szenen, die sich am Donnerstag nnd Frei
tag in der Freeman-Straße zutrugen, wirklich
empörend.
Die Vorgänge am Freitage waren ungefähr
folgende: Gegen drei Uhr Nachmittags
machte eine Schaar von ungefähr 19 Weibern
die Freeman-Straße, zwischen der Gest- nnd
Clark-Straße, unsicher. Es wurde zunächst
wieder der Wirthschaft von Bronsirup cin Bc
such abgestattet, und dann ging es von einem
Lokal zum andern. Eine ungeheure Masse
gab den Teniperenztcriniicii das Geleit nnd
schrie und johlte, sang und lachte durcheinan
der, daß von dem Gesang und Gebet derWas
sersraneii direkt nichts zu hören war. Be
sonders zwei dcntiche Frauen zeichneten sich
ans, indem sie laut schrieen, ihre Tücher
schwenkten, Bier tranken und ihren Gegnerin
neu die Gläser unter die Nase hielten. Mayor
Johnston nun, der anwesend war, ersuchte eine
der Frauen, sich etwas ruhiger zu verhalten,
doch diese antwortete: „Was dem Einen recht
ist, ist demAndcrn billig. Können jene singen,
kann ich schreien," und fügte dann noch einige
Schmeicheleien für den Mayor hinzu, die ge
rade nicht in irgend einem Eomplimentirbuch
stehen.
Da die „Dame" deutsch sprach, verstand
der Mayor natürlich Nichts von dem Gesag
ten und wandte sich zu den Betschwestern, um
diese zu ersuche, den Skandal nicht auf die
Spitze zu treiben, sondern lieber nach der
Kirche zurückzugehen. Die Teniverenziiärrin
nen aber erklärten, sie ständen in Gottes Hand,
der würde sie beschützen, und sie würden unter
keiner Bedingung von ihrem gottgefälligen
Unternehmen abstehen. Inzwischen steigerte
sich die Aufregung von Minute zu Minute,
und man hörte Rufe aus der Menge, wie:
„Schlagt den Mayor todt!" „Schlagt den
Schw d von Mayor zu Boden!" 'Nutei
dessen hatten die Temperenzlerinnen sich nach
dem nächsten Salon begeben, um dort ihr
Bekehrn:,gswerk fortzusetzen. Wenn diese
verrückten Frauenzimmer überhaupt einen
Funken von Versland hätten, würden sie sich
zurückgezogen und dadurch weiterer Aufre
gung vorgebengt haben. Leider waren nur
zwei Polizisten anwesend, und wir möchten
darin eine strafbare Nachlässigkeit erblicken,
denn nach den Donnerstag-Szenen war mit
Bestimmtheit vorauszusehen, daß es noch
mals zu unliebsamen Austriltcn kommen
würde.
Mayor lohnston und unser Berichterstat
ter, der sich dem Ersteren angeschlossen hatte,
gingen den Tempcrenznärrinnen nach, um
den Verlauf der Tinge zu beobachten. Da
Plötzlich wälzte sich ein Hansen von ungefähr
30 40 Männern heran, sich drängend und
stoßend, und ehe noch unser Berichterstatter
merkte, daß die Leute Böses im Schilde führ
ten, fühlte er sich plötzlich von hinten bei de
Armen gegriffen und auf den Mayor gcschleii.
dert. Dieser verlor natürlich das Gleichgewicht
und wurde nur durch einen nebenstehenden
Mann vor dem Fallen bewahrt. Unser Be
richterstatter drehte sich um und wollte sich
derartige Aufmerksamkeiten verbitten, aber in
demselben Augenblick empfing er auch schon
einen Schlag au? den Kopk. Hätte nun nicht
zufällig Jemand unsern Berichterstatter er
kannt nnd die aufgeregte Menge davon in
Kenntniß gesetzt, daß derselbe durchaus kein
Temperenzler sei, so wäre es ihm jedenfalls
übel ergangen. So kam er mit Znrücklassung
seines Taichentnchcs glücklich davon und Ma
yor und Reporter rettete sich auf die andere
Seite der Straße. Die Temperenzlerinncn
übrigens halten durch diesen Austritt denn
doch alle Lust zu weiteren Betübungen ver
loren und verdufteten mit einer gewissen Hur
tigkeit nach allen Seiten.
Freitag Abend übrigens sprach ein Herr im
Auttrage der belheiligten dcutschcnßürqcr des
Westendes auf unserer Office vor, um ,in Na
men derselben deren Bedauern mit dem Uli
lall auszusprechen. Die Menge hatte unseren
Berichterstatter für einen Melhodlstcnprcdiger
gehalten nnd deshalb hatte sich die sehr em
'chuldbare Anfregung gegen ihn gerichtet."
Hopse d Malz.
Gersten und RoaaevMais.
' W Herren von.uHzm
l,ch.°n d nw k.i.

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