OCR Interpretation


Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, May 29, 1874, Image 1

Image and text provided by University of Maryland, College Park, MD

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83016118/1874-05-29/ed-1/seq-1/

What is OCR?


Thumbnail for

39. Jahrgang.
Nebersicht der wichtigsten
Greigniffe.
Politik macht sich das Bett sür den
-Sommerschlas, die Politiker dagegen werden
in der heißen Sommerzeit wenig Ruhe er
halten, denn wichtige Wahlen stehen vor der
Thür, Wahlen, in denen die künftige Präsi
dentenwahl bereits ihre Schatten vorauSwer
sen wird; da heißt es arbeiten. Die erste
Wahl dieses Sommers findet am nächsten
Montag in Oregon statt, dann folgt 'Nord-
Carolina im August, Maine im September,
die Mittelstaaten im Oktober, bis im No
vember dann die Hanplcrndte für den 44.
Congreß geschnitten wird; wir sind neugierig,
wie dieselbe ausfällt.
Daß eine Congreßwahl vor der Thüre steht,
kann der scharfe Beobachter der täglichen Con
greßvcrhaiidlnngen bei jeder Abstimmung
schen. Tie kleinen Seelen und Nützlichkcils-
Polttiker drücken sich um jede Abstimmung
herum in der cS gilt, entschieden Stellung zii
nehmen und eine Meinung zu äußern, eben,
weil sie der Volksslinimung zu Hause nicht
trauen. Viele, welche noch vor einigen Jah
ren mit dem radikalen Schooßkinde, dem
Neger, durch Dick und Dünn gingen, sind
Plötzlich kopfscheu geworden; jetzt, da es für
sie gilt, das Gebäude zu krönen, fangen sie
an zu fürchten und zn zittern, was daraus
werden möchte.
DieEivil-Rechts-Bi
hat, obgleich sie der Senat annahm, heute im
Hause weniger Aussicht, als vor Wochen und
Monaten. Die Annahme durch den Senat
war ein Fühler nnd die Herren sind erstaunt
darüber, wie kühl sich die ihnen bisher treu
ergebene Parteipresse verhält, wie widerhaa
rig sich die öffentliche Meinung zu der ganzen
Maßregel stellt. Das Volk ist überzeugt, daß
der Neger vorläufig Alles hat, was zuni Leben
und zur Glückseligkeit nöthig ist; er ist frei
und besitzt das Stimmrecht und sobald sich die
Majorität der Wollköpfe im Staate und in
der Gesellschaft die Stellung errungen hat,
auf der man sie nicht mehr ignorircn kann,
dann werden die sozialen Rechte von selbst
kommen. Jeder Staat setzt genügende Sum
men sür Erziehung und Bildung der Neger
aus und dabei sollte es vorläufig sein Bewen
den haben. Diese Civilrcchts-Bill mag im
Prinzipe vollkommen richtig sein, aber gar
Manches, was in der Theorie gut ist, läßt sich
in der Praxis nicht ohne große Schwierigkei
ten durchführen. Die Negersrage steht aber
heute durchaus nicht mehr in dem Stadium,
in welcher eine soziale Revolution gerechtfer
tigt wäre, nnd nichts weniger, als eine soziale
Revolution würde die Schillfrage für die süd
lichen Staaten bedeuten.
Die Neger nnd die Indianer.
Eine Civilrechtssrage eigenthümlicher Art
kam vorgestern im Repräsentauteuhanje zur
Verhandlung. Beiden Hänsern liegt eine Bill
vor, den Negern unter den Choctaw- und
Ehickasaw'Jndianerii gleiche Rechte mit den
Indianern zu ertheilen. Die Indianer fan
den Plötzlich im Haufe einen Vorkämpfer, an
den man nicht leicht gedacht haben würde,
nemlich Hrn. Shanks von Indiana, welcher
doch die ganze Zeit her unter den Negrophilen
eine hervorragende Stelle beanspruchte.
Shanks proteslirte energisch gegen die Bill, er
sagte, dieselbe zwinge den Indianern eine
Classe von Leuten auf, welche dieselbe durch
aus nicht wünschten; die Bill verletze den
Vertrag von 1866, welcher oen Indianern im
Jndianergebiete gestatte, ihre Angelegenhei
ten selbst zu controlircn. Wenn man be
denkt, daß Shanks unter dcnErstcn war,aH es
galt, dem Zieger im Süden das Heft in die
Hand zu geben, so muß seine obige Aeuße
rung als sehr unlogisch bezeichnet werden.
Dieses ist jedoch das Zeichen der Zeit, daß
gerade die, welche die Negcranbetnng am
Eifrigsten betrieben, bange werden und schließ
lich vor den Folgen zittern.
Das Repräsentantenhaus arbeitet mit allen
Kräften daran, die Union mit zwei neuen
Staaten zu beglücken, damit das Sternen
banner bei der Säkiilarfeier seine 39 Sterne
zählt, also drei Mal so viel, wie vor 100 Jah
ren. Das mag ganz hübsch und patriotisch
sein, aber wir sehen gar nichl ein, welchen
praktischen Nutzen diese Spielerei gewährt.
Ein zwölfjähriger Junge, welchem man ein
Mädckien antraut, wird dadurch noch lange
kein Mann, diese Ehe wäre höchstens ein wi
dernatürliches Verhältniß, eben so unnatür
lich würde cS sein, wenn man die Territorien
New Mexiko und Colorado mit ihrer migra
torifchen Mischtings-Bevölkeruiig von viel
leicht 80,000 Seelen, von denen in keinem
Territorium 40,000 feste, stabile Wohnplätze
haben, als vollbercchligle Staaten in die
Union aufnehmen wollte. Nevada hat hcrttc
noch nicht halb so viel Einwohner, wie in ei
nem der alten Staaten nöthig sind, um einen
Repräsentanten in den Congreß zu wählen,
dessen ungeachtet üben feit 10 Jahren seine
beiden Senatoren denselben Einfluß aus, als
die Senatoren des volkreichen Staates New-
Ljork. Wenn man absolut neue Staaten
haben muß, um das Sternenbanner zu
jchmückeii, dann theile man Texas, Teiinessee,
Pennfylvanieii oder 'New-Kork, aber jene
„Squalter" lasse man vorerst, wo sie sind:
diese Leute sind viel besser- d'ran niilcr einer
Tcrritorial-Regicruiig, als wenn ihnen die
Maschinerie einer Staats - Regierung über
antwortet wird. Wie man hört, herrscht un
ter den soliden Elementen jener Territorien
auch gar kein Verlangen nach einer Staais-
Einrichtung, sondern das Geschrei gehl nur
von einigen verbummelten Subjekten in
Santa-Fe und Denver aus, welche gerne
Gouverneur, Staalssetrctär, Senatoren und
Repräsentanten werden wollen.
Das Gesetz, unter welchem die berüchtig
ten
Tanborn-Vontrarte
abgeschlossen wurden, ist vorgestern im Unter-
Hause einstimmig aiinullirt worden. Butter
sagte kein Wort, nur Kellogg von Connecti
cut war frech genug, die Corruption zu ver
theidigen, hatte aber so wenig Erfolg, daß es
noch nicht einmal ein Mitglied der Mühe
verth hielt, feine Behauplungenzukorrigiren,
oder zu widerlegen.
Tic Untersuchung dc Tistrikts-Ringe
endigte vorgestern mit der vollständigen Ueber
führung der Diebe. Das Comite wird in den
nächsten zehn Tagen Bericht erstatten und
wahrscheinlich die interimistische Verwaltung
des Distrikts durch eine Commission cmpfch
len. Die Diebe werden erst durch den nach
sten Congreß zur Verantwortung gezogen wer
den können.
Suropa.
Die europäischen Ereignisse der letzten
Woche lassen sich wieder einmal sehr kurz zu
sammenfassen. Die Königin von England
hat am Montag ihren Geburtstag gefeiert
und John Bull war bei dieser Gelegenheit
loyaler als je.
Bismarck läßt sich einen Vollbart wachsen
und die deutschen Bierphilister, welche den
rasirten Bismarck in Oel oder Stahlstich in
der guten Stube hängen haben, gcratden in
Folge dieser Nachricht in gelinde Verzweif
lung.
Frankreich hat noch immer Minislerkrisis,
und Italien hat ebenfalls eine erhalten.
Spanien hat wieder ein Ministerium, aber
man fürchtet, daß es nicht lange dauern wird.
Sagasta und zwei andere Minister wollen die
Hohenzollern - Candidatur auf's Nene anre
gen. Gerüchte von einem bevorstehenden
zweiten Kriege zwischen Teutschland und
Frankreich sind deshalb nicht selten. Die
Weltgeschichte ist jedoch keine Spieldose, welche
ein Stück zwei Mal spielt. Die uugewöhn
lich zahlreichen „amtlichen Ankündigungen,"
welche uns das Kabel in der letzten Woche
mittheilte, können unsere Leser nicht interes
siren.
Die Jahrcssitzuug des deut
schen katyot. „Gentral-Percins."
Rochester, R.-2)., 24. Mai. Schon
gestern trafen eine Menge Delegaten zur hier
heute zusammengetretenen Convention des
„Deutschen Katholischen Central - Vereines
der Ver. Staaten" ein. Darunter waren auch
die HH. Christian Bitter, I. A. Ostendorf,
Chr. Kreuzer, Redakteur der„Kath.Volks;tg.,"
I. Meid, Jakob Groh und I. T. Fetscb von
Baltimore, die Seitens des Hrn. Brandt,
Redakteur des „Volksblattes," und Anderer
warm begrüßt wurden. Tie Dekorationen
vor und in dem "Vounx Keu's Olirislinu Ls
sc,iiatlvn-"Gebäude, worin die Sitzungen
stattfinden, Blumenkränze, junge Tannen
bäume, Guirlanden, Ehrenpforten :c. verset
zen die Nachbarschaft der Versamniluiigshalle
in ein förmliches Feenreich. Gestern schauten
wir mit Bangen den nächsienTageii entgegen,
denn des Himmels Schleusten gössen ihre
Wasserströme auf uns hernieder, und befürch
tete man allgemein, daß das Fest „verregnen"
werde; heute jedoch ist der Himmel klar und
heiter, und die gehegten Befürchtungen sind
gänzlich geschwunden.
Heute Morgen zogen die Delegaten des
Vereins nach der Kirche, wo eine feierliche
Hochmesse stattfand. Nachmittags organisirie
sich die Convention unter Vorsitz des Präst
dentens Hrn. Heinrich Spnnnhorst von St.
Louis. Ter Nest desNachnuttags und Abends
war gesellschaftlicher Unterhaltung gewidmet.
Morgen früh beginnen die eigentlichen Ge
schäfte der Convention. Im Ganzen sind
über 300 Vereine vertreten.
Rochester, N.-A., 25. Mai. Dem
feierlichen Hochamte, welches gestern Morgen
nach informeller Eröffnung der 19. Jahrcsfil
zung in der „St. Peter-Pauls Kirche" statt
land, wohnten 160—180 auswärtige Delega
ten bei. Vordem Kirchenbefnche.faiid der offi-
zielle Empfang der Gäste im "Vounp stlen's
Mayor Geo. G. Claikjoii in englische? und
Hrn. Rudolph Bay in deutscher Sprache statt.
Heute Morgen fand der Empfang der aus
verschiedenen Orten derNachbarschaftund ent
ferntcren Städten herbeigekommenen Vereine
und eine Fcstparade statt. Letztere bestand
ans nenn Divisionen mit 42 Gesellschaften
(darunter 4 von Syracuse, 14 von Buffalo,
22 von Rochcster, 1 von Utica, 1 von Dans
ville n. s. w.) Im Zuge befanden sich acht
Mtlsikcorps und unzählige Banner, Fahnen
:c. Der Zug umfaßte 4000—5000 Personen
und eine Menge Baronchen. Chef-Marschall
mar Col. Geo. L. Begy. Die Baltimorcr
und andere auswärtigen Abgeordneten zur
Convention marschirten in der 1. Division
und Hutten als Eskorte die „deutsche kath.
Union," die „St. Joseph's " und „St. Pa
tricks Wohlthätigkeils - Gesellschaften." Viele
Häuser waren mit Guirlanden nnd Fahnen
geschmückt. Vor dem Gcrichts-Gcbäuoe hiel
ten Mayor und Stadtrath Revue über die P
arade. Gegen Mittag töj'te sich der Zug,
nachdem er durch die Stadt gezogen, auf und
Nachmittags um 4 Uhr fand die erste reget
mäßige Geschäfts Versammlung unter Borfitz
des Hrn. Spannhorst statt.
Röchest er, N.-N-, 26. Mai. — Der
gestrige Abend und heutige Tag waren auS
schließlich den Geschäften der Convention ge
widmet. Verschiedene wichtige, der Erledi
gung harrende Fragen riefen lebhafte Debat
ten hervor. Eines der hervorragendsten
Mitglieder der Convention ist der durch seine
Einwandcrungs - Bestrebungen wohlbekannte
Pfarrer Schwcnniacr von Cincinnati.
Roche st c r, 2k". Mai. Nachfolgend ge
ben wir im Detail die Zahl der in der Con
vention direkt vertretenen Vereine: Buffalo
13, Cincinnati 13, Cummonsvilte, Ohio,
Storr-Township, Ohio, Rcading, Ohio,
Whceling, West-Virg., Minster, Ohio, New-
Haven, Conn., Highland, Wisc., Scranton,
Pa., New-Albany, Ind..Detroit, Mich.,
Fliilay, Ohio, Bcllville, Jll., Wappakuetta,
Ohio, Madison, Wisc., Süd Erie, Pcnns.,
Anson, Jll., Wilkesbarre, Penns., Lacrosse,
Wisc., Grand-Rapids, Wisc., Carondetet,
Miss., Toledo, Obio, Springficld, Ohio,
Jronloii, Ohio, Janesville, O. Kansas,
Mo., Wyandot, Kansas, St. Charles, Mo.,
Fond du Lac, Wisc., Laporte, Ind., Aurora,
Ind., Pickwah, 0., Bcllcvuc, Ind., Galena,
Jll., Muscatine, Ind., Wabash, Mttin.,
Warcrtown, Wisc., Pottsvillc, Pcnns., Sl.
Mary's, Penns., Chillicothc, 0., Avpleton,
Wisc., East-New-2)ork, Oswcgo, N.-N-,
Honcsdalc, Penns., Barton, Wisc., Lawren
ceburg, Ind., Mahony-City, Pcnns., Mara
thon-City, Wisc., Poughkeepsie, N.-'I., St.
Paul, Minn., Springficld, Jll., Rcwaskum,
Wisc., Indianapolis, Ind., Richmond.Jnd.,
Williamsport, Penns., Wilkesbarre, Penns.,
Madison, Ind., Hostings, Minn., Schenec
rady, N.-N., Newark, O.,Chicopee, Minn.,
Norwalk, 0., Pomeroh, 0.. Dunkirk, N.-
N-, Dnbuglie, lowa, Jefferjon, Ind., Loui
siana, Ky., Fort Wayne, Ind., Leavenworth,
Kansas, Gardenville, N.-N-, und andere je
1, Philadelphia 3, Chicago 9, Lonisville 8,
Washington 1, Baltimore 4, St. Lon S
l, Milwaukce 9, New-Nork 12 n. s. w., zu
sammen 195; außerdem sind noch 45 Vereine
durch Delegaten anderer Vereine vertreten, so
daß im Ganzen 230 Gesellschaften sich bethei
ligcn. 27 neue Vereine sind aufgenommen
worden, sodaß nunmehr die „Central - Ver
eins "Organisation 257 Vereine umfaßt.
Zu den Empfangsfeierlichkeiten des ersten
Tages ist noch nachzutragen, daß außer dem
die Delegaten begrüßenden Mayor der Stadt
und Hrii. Rudolph Vay noch PfarrcrSchwen
nigcr von Eincimiati eine 'Anrede hielt. Der
Letztere bemerkte, daß die Delegaten Deutsche
und Katholiken seien, sich aber schmeichelten,
Keinem der Mitbürger ihres Adoptivvaterlan
des an Liebe sür dieses nachstehen. „In der
That, je bessere Katholiken wir sind, desto bes
sere Bürger werden wir sein." Die beste Ga
rantie liege darin, daß man treu der heiligen
religiösen Ueberzeugung und durchdrungen
von den Anforderungen, welche die ernste
Weltlage gebieterisch stellt, als ehrliche Bür
ger handle. Und unumstößlich sicher sei es,
daß je mchr Jen'/md jcine Religion liebt, um
so mehr nnd um so feuriger er sein Vaterland
liebe. Die Religion lehre und befehle, die
heiligsten Güter des Menschen über Alles,
über das eigene Selbst zu setzen, und diese
höchsten Güter sind ja Religion nnd Vater
land.
Die Hochmesse am Sonntag celebrirte der
Hochw'ste Bischof McOuaid und die Festpre
digl hielt dcr Hochw. Hr. Pascalar von dcr
Sl. MichacliSkirche in Rochester.
Rochester, 26. Mai. In der gestrigen
Sitzung wurde von Präsident Spannhorst
eine längere Ansprache gehalten und Comite'ii
für Statuten (Constitution), Resolutionen,
Drucksachen, Beschwerden, für Erwägung dcr
Berichte des Schatzmeisters und für Amendi
ruilg der Constitution eingesetzt.
Des Nachmittags hielt der Hochw'ste Bi
schof McOuaid in dem „Catholic-Justitttte"
eine Ansprache an die Delegaten. Dcr Red
ner gedachte besonders der Schulfrage. Im
klebrigen hob cr hervor, wie sehr das einige
Zusammenwirken der Vereine geeignet sei, die
mancherlei Schwierigkeiten, welche sich bieten,
zu überwinden, und oie hohen Aufgaben, die
mau sich gestellt, zu fördern und zu lösen.
Seine Worte wurden mit großem Beifall auf
genommen.
Roche st er, N.-Z)., 27. Mai. In der
gestrigen Sitzung wurden diverse Routine-
Angelegenheiten erledigt. Hochw. Dr. Brun
ncr hielt eine kräftige und sehr beifällig auf
genommene Rede über das in Milwaukee be
stehende Lehrer-Seminar von „der Heiligen
Familie."
Es wurde eine von dcm Hochw'sten Bischof
McOuaid redigirtc Depesche an ese. Heilig
kett Pius IX. verlesen und gutgeheißen. Es
wird in derselben dem Papste tiefe Verehrung
und Anhänglichkeit ausgedrückt und um sei
nen apostolischen Segen für die Union, alle
ihre Mitglieder und deren Familien nachge
sucht.
Einer Empfehlung, wodurch ein offizielles
Bereinsorgan („Vereinbotc") geschaffen wer
den soll, wurde durch Beschluß zugestimmt.
Verschiedene neue Vereine wurden in den
„Centtal Verein" aufgenommen.
TasExekntiv-Comite wurde beauftragt,eine
neue Constitution zu entwerfen.
Des Nachmittags wurden die Beamten für
das laufende Jahr gewählt. Folgende Her
ren gingen aus der Wahl hervor: H. Spann
horst, Präsident; Joseph Schulte, erster Vice
Präsident. In das Exekutiv-Comite wurden
gewählt: Joh. Herting aus Chicago, Joseph
Phillips aus Milwaukee, F. A. Grever aus
Ciiicimiati, A. Häger aus Buffalo, Urban
Stengel ans Louisville. Ferner zum corre
spondirenden Sekretär. Vater Schwennigcr,
zum Protokollführer Franz Hcfler, zumSchatz
mcister Chr. Springmcier.
Nach Vornahme der Beamtenwahl vertagte
sich die Versammlung.
R ochestcr, 27. Mai. Der „Central -
Verein" hat sich heute Abend nach Annahme
einer ncuenVcrfassung cngültig vertagt.
R o ch e st e r, N.-')j., 27. Mai.—Pfarrer
Schwennigcr von Ciiicimiati hat eine be
merkenswert he Rede gehalten, dcr wir Fol
gendeS entnehmen:
„Lassen Sic mich aus die Beantwortung der Frage
eingehen, ..was ist, was will der..Central-Berein?"
Ter ..Central-Bercin" ist die Bereinigung von sol
chen Vereinen, welche nur praktische Katholiken zu
Mitgliedern habeil sollen, und welche sich in Armuth
und Nrauthcil gegenseitig Was solgl
likeu umschliejjt. 2.
nicht an, allgemeine katholische Interessen in einer
ivo^h r Hm cbsi(^ o dieses g^samnitc^
selbst abhängt. 4. Das „Cmircrcn sur kawottsche
Interessen" kann daher nur so verstanden werden,
ß alle^i^l^d^r^ i ft e s nd^s,^ c weil
ra.- Versammlung '.bork
Piltsburg wurde aus Anregung eines Delegaten
von Baltimore, nämlich des rn. Christian Bitter,
> der Beschluß gefaßt, dcr ..Central-Vcrcin" sollte sich
! ten waren sehr ungehalten Uder
halten im Prinzip iechr. Ans der nächstsolgeadcn
General-Versammlung in New-Zarl drohte gerade
! diese Einwanderungssrag- einen Riß in den großen
Bund zn dringen. Sic wisse, meine Herren, daß
damals eine Versöhnung dcr sich entgegenstehende
Elemente dadurch kerbeigeslihrt wurde, daß i ei
nem Eatwurse die Angelegenheit nicht als Veretns
sache, sondern als allgemein katholische Sache ausae
saßr, und daher die Betheiligung dcr aiigejchlossenen
Vereine als eine durchaus srciwillwe bezeichnet
wurde. Tie betreffenden Paragraphen lauten
.4. Daß dcr ..Central - Verein" die Auswände
rnngsjranc nicht als Vercinssrage, sondern als ka
tholilchc Frage betrachtet.
2. Daß der ..Centrai - Verein weder seine eigene
Kaye noch d,e Kaycn der Vokal-Vereine im tta
teicffe dcr benannte.! Frage in Anspruch nehmen las
sen darf. > , >
2. Es will und kann daher der ..Central - Verein"
nur anregend wirken, dainit die einwandernden
Katholiken bei ihrer LandungjSchuh und Hülse fin-
Meine Herzen! Sie sehen, daß hier das Prinzip
durchaus icsigeqalten worden ist. Im 15. Paragraph
jenes Programmes, welches von der New - Porter
angenommen wurde, wird
15. Das Central - Coiite"'oll im Namen des
..Ccntral-VcreiiiS" einen Ausrus an ds- Katholiken
Amerika's richten, damit die Katholiken srciwilliae
Beiträge an das Central-Comttc einsenden, zumßc
stea einer so großen und wichtigen Anqeleqenveik.
als die Auswanderung ist."
Dieser darauf hin, die sämmtli
si-en, weil ja der ..Cemral-Pereu" mi'erkanuie'/"aß
es nicht seine eigene häusliche Angelegenheit sei,
und daß er nur a,liegend wirken könne. Nun frage
ich Sie, meine Herren, welche Früchte haben jene
Beschlüsse getragen ? Ich bitte Sie, l-ffen Sie mich
hier die ngcsHininkte Wahrheit sagen; nur die
Wahrheit wird uns zum Siege j'lhren, wenn sie auch
Hütt zu hören ist. Meine Herren! Ich erkenne die
große Mühe an, welche sich unsere Vertrauensmän
ner, namentlich Joseph Köible und Christian Bitter,
gegeben haben; ich erkenne es um so mehr an, da
diese ihre unsägliche Mühe nicht nur nicht gewürdigt
worden ist, sondern da wenigstens der Hr. Kölblc
decken tonnte ans den
Früchte nscrer Beschlüsse" w)
antworten: Sehr geringe! Sehr traurige! Zunächst
hat un,er lä. Paragraph, der das Interesse der Ka
tholiken wecken sollte, gar kein Echo gefunden. Nicht
ein Cent ist an freiwilligen Gaben von jenen Katho
liken eingegangen, welche nicht zu unserem Bunde
gehören. Warum nicht? Ich komme aus diesen Puiitt
nachher zurück, für jebt will ich nur eine Thatsache
constatlreii: Unser Ruf ist lautlos verhallt.-Welche
Einfluß hat es fär die Entwickelung der Vereine ge-
Herren, cs thut mir weh, wen man
eine Wunde tupst, aber die Wahrficil muß heraus,
eitden, wir dleEinwandcruiigsf:agc in unser Be
reich gezogen haben, scheint es mir, liegt dieselbe
wie eine unverdauliche peise dem „Central-Ver-
Einigc Älcreine) wctthc e!s" Annah
men, deklagten sich auf jeder Generalversammlung,
dag andere Bereine sich um die Ausführung der ge
faßten Beschlüsse nicht kümmerten. Meine Serien!
Beschlüsse fassen und dieselben nicht ausführen, heißt
>ovicl, als bekennen, daß man sich Ausgaben stellt,
welche man entweder nicht den Willen oder die rast
hat, zu losen. Im ersten Falle sind solche Beschlüsse
leere Nuffe ohne Kern, Schüsse in's Blaue. Streiche
in die Luft—ja, Heuchelei; im zweiten Falle sind sie
ein Zeichen von Selbstüberschätzung. Man hat viel
fach die Ansicht gehegt, daß ich ein großer Befürwor
ter der Einwanderungsfrage war. Meine Herren,
ich habe mich in New-Vork sür dieselbe vorzüglich
deßhalb irttercssirt, um die Gesahr einer Explosion
im Vereine abzuwenden; erst in zweiter Linie des
halb, weil es eine gute Sache war. Aver stets habe
ich die Ansicht ausgesprochen, daß der „iäcntralver
cin" diese Frage als eine unverdaulicheKoft, als einen
Ballast mit sich herumtrage. Das, meine Herren,
sage man, was man wolle, ist auch der Grund, der
tiefere Grund, warum wir nicht rcüssirt haben,
hatte Verein", einmal beschlossen
dieser Angelegenheit in icincHand ge
legt hatte, habe ich gethan, was in meinen Kräften
stand, aber meinen Bemühungen hat die Ueberzeu
gung die Schwingen gelähmt, daß wir etwas in die
Hand genommen haben, was an sich löblich, an sich
3itt,der zu schwer sür uns ist, es zu dewerkstel-
Eben dieselbe Bewandtnis, hat es mit der Grün
dung des Lehrerseminars. Eine herrliche, erhabene
meme'sen gründen Helsen; aber
nnd Pfarrschulen zu baiwn)
Sache.-Was aber sollen wir denn thun ? Ich über
las, e das der Generalversammlung. Sie mögen er
wägen und dann beschließen. Aber das sageich,
unsere Hauptausgabe, eine Lebensausgabc für den
Verein, und namentlich sür diese unsere IV. Gcneral
eriaminluug, sindeich darin, den großen „Ccntral-
Berein" aus eine solide Basis zu stellen, ihm seine
Existenz zu sichern. Wie? höre ich Jemanden sagen:
Ist dieses nicht die lg. General-Bersamnilung; exi
stirt denn der Verein nicht schon lange? Allerdings,
meine Herren! Ich bekenne es offen; vom ersten Ta
ge, als ich Kunde von der Existenz des „Central-
Bereins" erhielt, habe ich groxes Interesse für ihn
gehegt, weil ich seine Gründung, sein Dasein als
einen scgen für unsere Verhältnisse erachlc. Der
„Central-Verein" wurde gegründet, als eine Ba
stion, in welcher die katholischen Männer Schulz ge
gen die geheimen Gesellschaften finden sollte.,. Aber,
meine Herren! Nichts wird vollkommen geboren;
leichter ist gründen, als auf die Dauer lebenskräf
tig erhalten. Diese beiden Gedanken müssen
wir uns merken in Bezug auf den „Central-Ber-
Schwcr waren die Kämpfe, welche die Pioniere des
„Ecntral-BcretnS" zu kämpfen hatten. Ehre ihnen
,ur ihre Ausdauer. Aber Sie wissen auch, daß wir
uns nur mit Mühe aus dem Zustande anfänglicher
llnvoUkommenheit ein wenig herausgearbeitet ha
ben. Männer wie Amcnd, Hafner, Wicken,ann, Bal
dus und Andere, haben fest gestanden, wie die Ei
chen, wenn der Sturm in den Wipfeln erbrauset.
Als ein Wendepunkt eintrat, als einc iicueGcschäsiS
ordnung durchaus erforderlich erschien, da hat der Hr.
Phillipps mit Kraft und Entschiedenheit es dahin ge
bracht, daß eine geordnete Leitung der Geschüsic zur
größten Freude der Herren Delegaten möglich wur-
wir sind heute so wett gelangt, saß uuscre
dahinfließend Aber, meme üsentral-
Berein" steht nach meiner tiefste Ueberzeugung noch
nicht auf den rechten Füßen. Ich will mich näher er
klaren.
t. Der „Central-Verein" ist ein Conglomerat von
Vereinen, kein ciiihcitiiilier Organismus. Denn,
meine Herren, jeder Verein ist sozusagen ein abge
hauener Zwcig, welcher dem Central-Vnnde nur
angebunden, nicht eingepfropft ist.
S. Die Spezial-Verenie haben daher bis jetzt nicht
die rechte Stellung zum Ganzen eiiigeiiommcn; da
her die Klage, das; die Veschlüjse dcr General - Ver
sammlungen nichl ausgeführt wurde, dan jeder
Verein willkürlich handelt.
3. Tie pezial - Vereine haben vielfach nicht die
rechte -ielluna zu ihren Pfarr-Gcistlichen. Ich will
nicht untersuche, wo die Schuld liegt, es ist nicht
meine Sache; aber jedenfalls ist es ein Unrecht, wenn
ein Verein eine Constitution Hai, welche es den Prie
stern hie und da unmöglich oder doch schwer macht,
die Versammlungen zn besuchen u. f. w. Daher
wirken manche Pfarrer dcr Gemeinden, in welchen
angeschlossene Vereine bestehen, nicht mit uns. Da
ist auch einer der Gründe, wen halb unser Aufruf an
die Katholiken in'sgksamml so wenig Antlana fand.
Hätten die Priester insgesammt auf Seiten des
„Ceiiiral-VcreinS" gestanden, so wäre unser Ausrus,
sich sür die CinwandcrungSsache ,n iutcressiren, nicht
ohne Wirkung geblieben. Meine Herren, es ist
schwer, vielleicht unmöglich,es Allen recht zu machen,
aber hier mun Uedelstäiiden abgeholfen werden.
Aber wie? Da'-„muß" ist leicht gesagt, aber schwer
gethan. Freilich, ich weiß es. Aber es gibt einen
Weg, meine Herren, wenn wir diesen nicht bc-
I-ssHove vorhin behauptet: Unser Verein ist kein
einheitlicher Organismus. Meine Herren, darin
liegt seine Krankheit. Aber wie ist diese zu heben ?
CS gibt nur ein Mittel. Sollen alle angeschlossenen
Vereine einen einzigen großen Verein bilden, so
müssen alle Vereine eine einzige, gemein
i szi i i o n sti in ii oii haben und diese
Vereins." liegt der Hase im Pfeffer, meine
Meine Herren, ich bitte Sie inständig, lassen Sie
Ju/ ''ch bei Seite.
minarc vorläufig bei Seite und denttn Sie"darän,
den Grundstein zu einem soliden Gebäude zu le
gen.
weiß, es wird Schwierigkeiten Aber,
Verein' welcher sich weigert, nicht a/slalhoitt
scher Berein anerkannt. Nun ist alle Zchwierigteit
gehoben. Meine Herren, so lange Sie diesen Weg
nicht betreibt, habe ich keine Hoffnung für das Se
auszulprcchen, und habe meine
iwcrlaffe Ihnen die Prüfung dcr ausgesprochenen
Waö uns noth thut, ist ein Bildungsmittel unter
unS; ein Organ, in welchem wir uns einander näher
trewn, unsere wichtigen Angelegenheiten besprechen
schon zwei Zeitungen, welche ,'ür den Verein gegrün
det wurden, zu Grunde gegangen. Dem ist nicht so.
Der Verein hat noch iklemals ein eigenes Organ ge
habt. Tie sogenannte..Central-Zeitung" hat nur
den 'Namen vom ..Central-Verein" als Vollvogel ge
borgt. Meine Herren, ich wünsche nicht, daß die t 9.
General-Versammlung etwa einen Beschluß faßt, ein
VereinSblatt zu gründen. Nein, ich habe die cinzel-
T ieGeacralveriammlnng soll sich ichi damii besassen.
Aber sollte der..Vereinsbote" in'S vebcn treten, so
" ein er gut^st.
Gan sie erst vor wenigen lahren ihre Üiiion
Meten. Ich bin gewiß, daß wir uns nicht über
treffen lassen wollen. Meine Herren Delegaten! Ich
leine Adresse nach Teutschland.
Ter „.Central-Verein" unterzeichnete „eine
Adresse der deutschen katholischen Vereinsmit
glicder an ihre Glaubensbrüdcr in Deutsch
land." Die Adresse lautet folgendermaßen:
„Wir bewundern Eure Bischöfe und Priester,
die Euch das Banner der Wahrheit und des
Rechtes in diesem furchtbaren Geisteskampfc
so heldenmütig vorantragen! Wir bewundern
Eure Vertreter im Reichstage, die mit so un
erschrockenem Frcimulhc, mit so glänzender
Bcredtsamkeit Eure, unsere und der ganzen
Kirche heiligen Rechte vertheidigen. Wir
wünschen Euch Glück zu diesen Männern, um
die Ihr eine unbezwinglichc Phalanx
als Kämpfer der Kirche, als Vertheidiger der
heiligen Sache Gottes, der Menschheit und
der Freiheit geschaart steht! Ans Euch schaut
mit Stolz und Bewunderung die ganze katho
lische Welt! Auf Euch ruht mit hoffnungs
vollen Blicken das Auge unseres heiligen Va
ters Pius IX., der mit Euch duldet, kämpft
und mit Euch siegen wird!"
Tic Tcpcsche an den Papst.
Die Convention sandte folgendes Kabel-
Telegramm, dessen Entwurf mit großem Bei
fall- ausgenommen wurde, nach Rom:
„An Seine Heiligkeit Papst Pins IX. in
Rom, Italien. Der deutsche, römisch katho
lische Ccntralverein von den Ver. Staaten
Amerika's, auf seiner neunzehnten General-
Convention in Rochcster versammelt, ertaubt
sich, Eurer Heiligkeil die innigsten Gefühle
der tiefsten Ehrerbietung und unverbrüchlich
sten Treue hiermit auszudrücken, und um den
apostolischen Segen für den Verein, für dessen
Mitglieder und deren Familien zu bitten.
B. I. McQuaid, Bischof von Rochcster."
Rochester, 28. Mai. Der „Central-
Verein" bestimmte Cincinnati als nächsten
Versammlungsort (24. Mai 1875.)
Nachträgliches zu den Berhanvluiigcn,
('Neues Exekutiv - Comite und eine neue
Constitution.) Ein Beschluß von Bedeuiling,
der zur Annahme kam, betrifft die Creiriing
eines neuen Exekutiv - Comite's. Dasselbe
soll bestehen aus 7 Mitgliedern, nämlich dem
Präsidenten und dem Vereinssekretär ex offi
cio und weiteren 5 Personen, die aus einer
Zahl von zehn vom Präsidenten in Vorschlag
gebrachten Vereiiisniltgliedern gewählt wer
den. Gewählt wurden nachher: F. A. Gre
vel von Cliieinnati, Joseph Philipps von
Milwaukee, Johann Herting von Chicago,
Urban Stengel von Louisville, und A. Hoger
von New-Aork. Dieses Comite hat gleich
zeitig eine, in der üächsten lahressitzung vor
zulegende neue Constitution zn entwerfen, was
! also unfere gestrige Annahme, daß bereits eine
Baltimore. Md.. Freitag, den 29- Mai 1874.
solche angenommen worden sei, nicht be
stätigt.
(Die Lcbensversicherungs - Angelegenheit.)
Schon verschiedentlich war es in den Vereinen
zur Sprache gekommen, ob es nicht rathsam
sei, mit einer bestimmten Lebensversicherungs-
Gesellschaft in Bezug auf die verschiedenen
Vereinsmitglieder, die ihr Leben zu versichern
wünschen, ein Abkommen zu treffen. Wie
derholt kam diese Angelegenheit wieder zur
Sprache, wurde aber an das Exekutiv-Comite
verwiesen mit dem Auftrage, die Sache in
Erwägung zu ziehen bei der Ausarbeitung
der neuen Constitution, und im nächsten Jahre
darüber zu berichten.
(Der Vereins - Kaplan.) Wie bekannt,
spukte die Verxinskaplanstelle für den „Cen
tral-Bcrein" seit Langem in der Presse und
erregte die Gemüther sür und wieder. Dien
stag ist diese Angelegenheit begraben worden,
denn eine dahin zielende Empfehlung wurde
einstimmig verworfen.
(AuS der Rede des Bischofs McQuaid von Roche
ster an die Delegaten.) „Ich werde als Bischof, als
llnicrikaMschcr ju Ihnen spr
öder wie vttl diese Kirche in jener
chcn hatte. Es war einst eine Zeit, wo ein Kathoiil
als ein Gegenstand der Bcrachlung angesehen wur
gewanti. Heutziitagc ist gcmz Anderes) ein
Katholik ju sei, unsere Verhältnisse haben sich nach
und
Kirche. Ich suhle mich gedrungen, Ihnen meinen
herzlichsten Dank auszusprechen, daß ich sie hier ver
iammett sehe, denn ich suhle, daß es in ihrer Macht
liegt, die Ehre, sär das Wohl und Gedei
eine Taä>e? welche nur der Kirche und den Priestern
zn überlassen sei. Ich verneine Dieses. Ich behaupte
im Gegeittheil, dag dießeligion nicht blos Sache der
sich weiter erstrecke soll; daß sie auch
gehört. Ich weiß wohl, in der Kirche ist ein Sanl-
adxr ich Weißbuch, daß es w
ttainilie ist)und den Gott dazu'bestimmt hat, gleich
sam ein Stellvertreter Gottes zu sein. Demnach kann
es
Christi ist sür alle Menschen alle
stinintt. Diese Kirche ist aus der ganzen Erde „Ta
(Eine Rüge.) Präsident Spannhorst rügte
es in einer Rede, daß durch die Auslassungen
einiger Zeitungen der ersprießliche Fortgang
des Vereins geschädigt worden sei. Es herr
sche, wie es scheint, eine gewisse Eifersucht un
ter den Blättern. So wären z. B. die Mit
theilungen des exekutiven Comite's an die
Vereine bezüglich Vorschläge, welche mög
licher Weise in der Generalversammlung zur
Berathung gelangen möchten, der Mißdeu
tv.ig nicht entgangen, als ob damit eine Pres
sion hätte ausgeübt werden sollen.
(Das Protokoll.) Das Protokoll der 18.
General-Versammlung wurde angenommen
und der Rcchenschafts-Bcricht des Schatzmei
sters genehmigt. Die Ausgaben beliefen sich
auf H 647, so daß sich bei einer Einnahme von
Pll5B ein Kassenbestand von H5ll ergibt.
(Die Comite'.) Im Comite zur Amen
dirung der Constitution saß Hr. Th. Fetsch
von Baltimore.
(Ter 73. Paragraph der Constitution bei
behalten.) Ein Antrag zur Aenderung dieses
Paragraphen fiel nach erheblicher Debatte
durch. Der Paragraph lautet:
K 73. Jeder angeschlossene Verein verpflich
tet sich, solche Mitglieder, die von einem Orte
nach einem andern Orte auswandern und dort
einem angeschlossenen Vereine beizutreten
wünschen, und sich durch ihre Karte als recht
mäßige Mitglieder ausweisen, ohne besonderes
Eintrittsgeld aufzunehmen. Ein solches adop
tirtes Mitglied kann so lange, als es von sei
nem Stammvercinc noch Unterstützung zn
ziehen berechtigt ist, keine Unterstützung von
dem neuen Vereine beansp.ruchen. "Wünscht
ein Mitglied bei seinem Stammvercinc nach
dcr Constitution feines Stammvcreines zn
bleiben, jo kann es bleiben.
(Eine Eollckte.) Es wurde auch eine Col
lekte veranstaltet, deren erheblicher Ertrag dem
Papste überfandl werden soll, und vertagte
sich hierauf die Versammlung um 52 Uhr nach
Cincinnati, wo sie nächstes Jahr am selben
Tage (Pfingsten) wieder zusammentreten soll.
Tages-Neuigkeitcn.
Ein Reverend Dr. Patterson in
San Franzisco ist auf eine ganz neue
Lösung der Tempercnzfrage verfallen. Dcr
Mann schlägt alles Ernstes vor, daß Onkel
Sani in eigener Person das ganze Liquorgc
schäft des Landes monopotisiren und sich selbst
„hinter die Bar" stellen und verzapfen soll.
Er meint: „Laßt die Regierung dcr Ver.
Staaten das ganze „Liquor".Gefchäft, Fa
brikation, Jmporlalion, Wholesale und Re
tail, ttn ihre eigene Hand nehmen und zum
strikten Monopol machen, gerade wie sie die
Post, das Münz- und Kriegswesen in die
Hand nahm. Dadurch würde —oh über den
klugen Pastor —das Einkommen des Bundes
verdoppelt, da aller Gewinn daraus in feine
Hände fiele. Die Regierung soll alle Detail
preise herabsetzen, um den Schmuggel zu ver
hindern, so daß die Trinker für Regicrungs
vier zu 3 Cents per Glas, statt fürWirthsbicr
zu 5 Cents stimmen. Die Regierung soll den
Schnapps rein und echt verkaufen, frei von
Strychiiin, Fuselöl und allen andern Giften.
Sie soll in jeder Stadt und in jedem Torfe
alle geistigen Getränke nur an einem einzigen
Platze verkaufen, so daß Jeder, Vertrinken
will, offen hingehen muß. Jeder muß, was
er kauft, mit nach Hause nehmen; in der Re
gierungskneipe wird nur verkauft und nicht
getrunken. Die Verkäufer dürfen keine Pro
zente erhalten, damit sie Niemand zum Trin
ten verführen, sondern sie müssen gerade
wie dcr Präsident und andere LandcS
iteantte mit festen Gehalten bezahlt werden.
Wer dann noch heimlich „Liquor" verkauft,
muß unbarmherzig wie ein Seeräuber oder
Falschmünzer bestraft werden. Ist dies ge
ichehen, dann verschwinden Taufende von
Plätzen, in denen die Trinker in Versuchung
geführt werden, und da man dann Alle er
kennen und aus einem Platze haben wird,
so kaun man ihnen desto sicherer mit jenen
Lehren dcr Religion und Moral beikommcn,
welche ganz allein der Trunksucht steuern."
Dr. Klmba! l, der bekannte Brooklyner
Kanzelreduer, wurde am Sonntag Morgen,
während er die Geschichte der Kirche, in wel
cher er eben predigte, besprach, von einem
Schlaganfalle betroffen und liegt augenblick
lich schwer erkrank darnieder.
Politijcke Kniffe kommen wie im
Großen, so auch im Kleinen vor. Der neueste
wird aus Richmond, Indiana, berichtet. Der
Freibrief dcr Stadt schreibt vor, daß im Falle
der Stimmengleichheit bei Ernennung von
Stadibeamleii (welche dem Stadtratyc zu
steht,) der Mayor die Entscheidung geben soll.
Der Stadtrath besteht gegenwärtig aus fünf
Republikanern und füiis Demokraten; der
Mayor ist Demokrat. Die Demokraten mäch
ten gerne einen Parteifreund an die Stelle
des jetzigen republikanischen Feuermarschalls
fetzen; die Republikaner dagegen möchten den
Letzteren im Amte belassen. Nun stimmen
die Republikaner für allerhand beliebige Can
didalen, aber so, daß ihre fünf Stimmen
niemals vereinigt sind; die Folge ist, daß
keine Wahl zu Stande kommt, daß aber auch
niemals Stimmengleichheit eintritt, der Ma
yor also ieine Entscheidung geben kann und
der alte Beamte bleibt. Die letzte Stimmerci
dauerte von 5 Uhr Abends bis 2 Uhr Mor
gens, wobei sich die Siadtväter blos hie und
da zu dem Lunch eines benachbarten Wirthes
vertagten. Natürlich wurde kein Resultat
erzielt; der Bierwirth aber betet zu feinem
Schöpfer, daß das Stimmen und „zum-
Lunch vertagen" bis an sein seliges Ende
währe.
Ein wahnsinniger Kerl kam kürzlich nach
Detroit, Mich., und kaufe den Gemüse
weibern auf dem Markte alle ihre Vorräthe
zu irgend einem Preise, den sie forderten, ab.
Zwei Huigeschäfte kaufte er fast ganz aus,
und bei einem Juwelier bestellte er goldene
Uhren und Diamanten. Alle Waaren sollten
zum Dampfer „Dove" gebracht werden, der
dieselben nach Amhertsburg, der Hcimarh des
Kaustustigen, bringen würde. Diejenigen,
welche es thaten, fanden dann erst aus, daß
sie es mit einem wahnsinnigen Härinq zu
thu hatten.
Das „JamcStown-Journal" berichtet, daß
kürzlich in West-Ellerh, Chautauqua-
Counth, N.-A., zwei Verhciräthungen
stattfanden, bei welcher keine von den vier
glücklichen Personen das Alter von 18 Jahren
erreicht hatte. Der eine Bräutigam war ein
gewisser Brown, ein Junge von 17 Jahren,
welcher mit einem halbreifen Mädchen ge
traut wurde, während seine vierzehnjährige
Schwester mit einem Knaben von entsprechen
dem Alter verbunden wurde. Der Vater der
Gcsckiwister, William Brown, hatte zu diesen
Heirathen siine Einwilligung gegeben.
Hr. I. Smith Hornaus, Herausgeber des
„N ew - Aorkßankers' Magazine"
!." kaufmännischen und Finanzkreisen
wohl bekannt, ist nach kurzer Krankheit qe
starben. Hr. Homa, hatte vor Kurzem seine
> goldene Hochzeit gefeiert.
Henri Rochefort wird von seinen
New - Porter Gesinnungsgenossen, von dem
französischen „RevolutionS-Berein" nnd den
Internationalen zn seinem Empfange eine
große Ovation in den „Germaiua-Assembly
Rooms" bereitet werden. Es soll ein Fest
essen mit 1800 Gedecken stattfinden. Rockie
sort wird noch vor Ende der Woche in New-
Pork crwaltet.
Vor mehreren Tagen kam in Cincin
nati ein junger Mann,' Namens Hermann
Senkamp.nach dem „Good Samaritan Hosvi
tal" nnd suchte um Aufnahme nach wegen ei
nes Geschwüres, mit dem er behaftet war. Es
zeigte sich in der Folge, daß eine Operation
noihwendig sei und ging Dr. Dawson mit
Hülfe des gewöhnlichen Aisistenten daran, den
Mann zu chloroformiren und hatte gerade mit
der Operation angefangen, als er entdeckte,
daß der Mann im Sterben lag. Alle mögli
chen WiederbclebnngS - Versuche wurden ge
macht, aber vergebens. Künstliches Athmen
wurde während beinahe einer stunde herbei-
geführt, aber mußte schließlich aufgegeben
werden. Es war dem Patienten nur wenig
Chloroform gegeben worden, und er war noch
nicht gänzlich unter dem Einfluß des Betäu
bungsmittels, als er starb. Der Coroner hielt
am Nachmittag einen Jnqnest und dasVcrdikl
lautete den Umständen gemäß. Dr. Dawson
wurde von aller Schuld freigesprochen.
Das Wahl-Comite des Reprä
sentantenhauses vernahm vorgestern
Belle Kimball, Tochter Heber Kimball's, Ael
testen der Mormonen Kirche. Sie sagte, daß
der Congreß-Delezat Cannon im Jahre 1865
seine vierte Frau gcheiralhet hat. Cannon
habe, begleitet von seinen Frauen Nummer
Eins uns 'Nummer Vier eine combinirte Pre
diger- und Hochzcits-Rcife gemacht, aber der
Frau 'Nummer Vier haben seine meisten Auf
merkiamkciten allein gegolten. Zeugin konnte
nicht jagen, ob die andern Frauen noch leben
oder nicht. Der Zweck der Vernehmung war,
die Polygamie Cannon's festzustellen. Die
Anklage wegen der Polygamie war erhoben
worden, um ihn in Gemäßheit des Anti-Po
lygamie-Gesetzes zu cinim Sitz im Haufe
als Delegat von Utah als unqualisizirt erklä
ren zu können.
Aus allen Theilen des Landes liegen dem
Cougresse Petiti o n c u vor, das Gesetz
aufzuheben, welches Kirchcncigclithuni imDi
striktc Columbia von dcr Besteuerung aus
nimmt. Die Petenten machen geltend, daß
diese Befreiung von der Steuer einer direkten
Vcrwilligung zur Aufrechihaltung und Un
terstützung dcr Kirchen gleichkomme, was eine
Verletzung des ersten Amendements der Con
stitution ist, welches verfügt, „daß der Con
greß kein Gesetz überEinführung einerSlaalS
rcligion erlassen soll." Ferner verweisen
die Petenten auf die Thatsache, daß sich dcr
Werth des Kircheneigcnthiims von IBsy bis
1870 vervierfacht hat, während in derselben
Zeit die Zahl der Kirchenmitglieder sich kaum
verdoppelte. Solche rasche Vermehrung von
Reichthümern in todter Hand fei eine Gefahr
für die bürgerliche und religiöse Freiheit des
Landes. Dcr Congreß wird nicht umhin kön
nen, diesen zahlreichen Petitionen Beachtung
zu scheuten.
In Reading, Pa., stieg John Shearer
am Samstag in einem Luftballon auf, um
auf einem Trapez Vorstellungen zu geben.
Shearer war in Tricots gekleidet; ein Sturm
kam und nöthigte den Aeronantcn höher zu
steigen, und dieser wäre beinahe erfroren.
Das neue Ministerium MeMa
il on's wird in Paris allgemein das „Mi
nisterium der unmöglichen Programme" ge
nannt.
Während des letzten Jahres starben au dcr
Wasserscheu in den Ver. Staaten 63 und
in der Stadt New-Sjork vier Persone.i. Pro
fessor Russell zeigte vor einer in New-Uork
tagenden wissenschafilicheii Gesellschaft,"daß
es absurd fei, den Hunden nur im Sommer
Mautkörbe anzulegen, da aus den Statisti
ken hervorgehe, daß die Wasserscheu im Som
mer nicht mehr vorkomme, als im Winlcr.
Der veranschlagte Werth sämmtlicher ö f
fe iitl i cher Schul geh äud ein Ohio
nebst den Grundstücken bcläufl sich auf etwa
17H Millionen Dollars. Im Laufe des leh
ren Jahres wurde etwas über eine Million
für neue Schulhäufer verausgabt. Die Zahl
der angestellten Lehrer betrug 21,899. Durch
fchnittlich wurden die öffentlichen Schulen im
Staate'.äglich von 407,917 Schülern besucht.
Tie Gefammtausgaben für den Unterhalt der
Schulen betrugen beinahe 75 Millionen Dol
lars. Die Zahl der schulfähigen Kinder zwi
scheu 6 und 16 Jahren betrug 754,733, die
Zahl der uiivcrhcirathcleii Schulfähigen zwi
schen 16 und 21 Jahren 236,965—zusammen
991,708, eine schöne Armee sür die Zukunft!
Wir entnehmen diese Angaben dem Jahres
berichte des StaatS-Schut-Commissärs Har
vcy.
Das Lcichenbegängniß des Prof. Peter
Engel mann in Milwaukee war eines
der größten, die je dort stattfanden. Der
Trauerzug, in welchem sich Turner, Sänger
und andere Vereine, sowie Privatpersonen
befanden, war beinahe anderthalb Meilen
lang.
Am letzten Sonntag hielt der bekannte is
raelitische Kanzelredner I. M. Wijc
von Cincinnati einen Vortrag in Pittsbnrg
zum Besten des projektirten israelitischen' N
ational - College's. Tie Subseriptionen für
diese Stiftung strömen reichlich von allen
Seiten herbei.
Am letzten Samstag Abend machten einige
radikale Raufbolde in Manchester, Va.,
den Versuch, den Mayor, des Ortes Dr. L.
R. Chiles zu ermorden. Dr. Chiles saß auf
der Beraiidah seines Hauses, als ein gewisser
Hazlctine in Begleitung mehrerer anderer an
rüchiger Subjekte auf ihn eindrang und ver
suchte, ihn über dieVerandah zuwerfen. Meh
rere Herren eilten dem bedrängten Bürger
meister zu Hülse und retteten ihn.
Die Aktien dcr „N. - ?). Tribüne" sind
erheblich im Preise gesunken. Früher wur
den sie mit 900 Prozent Aufschlag gern ge
kaust, d. h. für eine Aktie im Neniiwenh von
HlOOO zahlte man gern H 10,000; aber in letz
ter Woche wurden drei Stück zu 825,000 aus
geboten, ohiieeiiicn Käufer zu finden. Neben
den „schlechten Zeiten" ist der Umstand an je
nem Preisfall schuld, daß die „Tribüne" sich
ein großes neuesHauS baut, das wie die meisten
derartigen Gebäude sich schlecht bezahlen wird.
Mir Ausnahme der „Chicago Tribüne" ha
ben fast alle Blätter, welche eigne Häuser bau
ten, schlechte Geschäfte damit gemacht. Die
„Chicago Times," das „Chicago Evening
Journal", und die „Jllinoiser Slaatszeitung"
besitzen in ihren Häusern Elephanten, welche
ganz oder theilweife den Gewinn auffressen,
den das Geschäft sonst abwerfe würde.
Eine Zeitung in Tennesfce enthält die
curiose Angabe, daß ein Plann in jener Ge
gend eine Wanze in einer Flasche aufbewahrt
habe, welche auf einem Bette gefunden wurde,
in welchem General Jackson geschlafen habe.
Wieder etwas für Barnum!
In beiden Hänsern der Ge s c tzg c.b un g
von SN assachusctts ist jetzt ein Gesetz
angenommen, welches die durch Vollstreckung
des Temperenzgesctzcs und durch Getränkc-
Confiskationcn so berüchtigt und verhaßt ge
wordenen Staats-Constablcr abschafft.
Bei Bonncl-Carret-Point, in der
Nähe von New Orleans, steht vor dem Mis
sissippi - Teiche ein alter, mächtiger Pecan-
Baiim.von dessen Früchten der Besitzer dessel
ben, Bernard de Mariny, früher alljährlich
einige Säcke an Louis Philipp, seinem frühe
ren Gast, zu senden pflegte. Der Baum grüut
und blüht noch jeden Lenz und trägt im
Herbst der süßen Früchte die Fülle. Dcr
König aber und sein Gaslsrcund sind lange
todt; der eine starb in der Verbannung, dcr
andere in Armuth, nachdem er durch den letz
ten Krieg um sein ganzes fürstliches Ver
mögen gekommen.
Als Beweis für die Macht deS dc ut
schenLiedeS berichtet die „N. P. Staats-
Zeitling:" „Richter Thomas Eames, ein
Jrländer, ist Mitglied von nicht weniger als
vier deutscheu Gesangvereinen. Natürlich
bringt man ihm hie und da kurze Ständchen,
auf welche lange Sitzungen bei Champagner
und Old-Rye zu folgen pflegen." '
Das Jnflatiousfieber scheint im
Westen sehr rasch abzunehmen. Ter „In
dianapolis Sentincl," Hendrick's Organ,
welches in der Hauptstadt des Staates er
scheint, dcr ganz besonders sür Jnslation zu
schwärmen schien, zeigt in einem Artikel, wie
rasch die öffentliche Meinung sich in dieser
Beziehung geändert Hai. Es heißt darin
wörtlich: „Von allen, die früher für die In
flation eingenommen waren, giebt es kein
Dutzend prominenter Männer, welche sich jetzt
noch dafür aussprechen. Die Zeitungen,
welche energisch für Inflation kämpften, ver
halten sich zetzt ganz ruhig, und viele sangen
an, sich für die Rückkehr zur Spezic Zahlung
zu interefsiren."
Die Exporteure von Havanna,
welche Waaren nach den Ver. Staaten schik
kcn, bringen ihren Kunden die ihnen selbst vom
General - Capitän Concha auferlegte Ein
kommen-Steuer von zehn Prozent in
Rechnung. Dies ist ein eigenthümlich ein
faches Verfahren; weder die Havanncser Ex
porteure, Bkvohncr der Insel verlie
ren dabei, sondern die Amerikaner bezahlen
auf diese Weise die Einkommen-Steuer der
Cubancr.
Der „N or d -Amerika ni s che Tur
nerbund" hat beschlossen, seine nächsleTag
fatzung in New-Utm, Minn., abzuhalten; da.s
nächste Turnfest dagegen findet in Newchorl
statt.
Telegraphische Tepescheu.
Europäische Äabelbcrichte.
Teutschland,
Darmstadt, 24. Mai. Die Prinzessin
Alice von England, die Gemahlin des Prin
zcn Ludwig von Hessen-Darmstadl, ist von ei
ner Tochter entbunden worden.
Lo nd on, 23. Mai.— Bismarck hat ans
keinem Gute Varzin einen leichten Rückfall
gehabt.
<sogreft der Ält - Katholiken.
Köln, 28. Mai. Die erste Versamm
lung der allkatholtschen Synode ist gegenwär
tig in Bonn in Sitzung. Achtzig Delegaten
find anwesend und Bischof RcinkcnS der
Vorsitzende.
Schweiz.
London, 22. Mai. Die jungen Ame
rikaner, welche kürzlich in der Nähe von Lau
saune iin Genfer See ertranken, hießen Wm.
Woodbury, John Crane und James Crane.
New - N or k, 22. Mai. William
Woodbury, einer der im Genfer See ertrun
kenen amerikanischen Studenten, war der
söhn des verstorbenen Generals Woodbury.
England.
London, 22. Mai. Die Gräfin von
Aberdeen Haider „Amerikanischen Seemanns-
Gesellschaft" zu Boston zum Ankaufe von
Büchern 1600 Übermacht.
London, 22. Mai. Eben jetzt, 43
Uhr, haben wir ein starkes Gewitter, von
Regen begleitet. Ties ist nach einer länge
ren Dürre der erste Regen.
Die Firma Oppenheim 6r Schräder ist
bankerott. Die Passiva betragen tz 3,000,000.
London, 26.Mai.-UeberLondon-und
Midland - County segle gestern ein heftiges
Gewitter. Es wurden mehrere Menschen
vom Blitze erschlagen und der Saat bedeu
tender Schaden gethan.
London, 27. Mai. Die amtliche An
kündigung von der Erhebung des Prinzen
Arthur zum Herzog von Connaught ist in der
heurigen „Gazette" enthalten.
London, 27. Mai. Nach Depeschen
aus Calcntra wird das Elend in Ost-Jiidicn
in Folge der Hungersnoth immer größer. Fast
drei Millionen Menschen sind aus Unterstüt
zung von Seiten der Negierung angewiesen.
London, 28. Mai. Vom nächsten
Montag an wird ans der „Midland-Bahn"
zwischen London, Lceds, Sheffield und Brad
ford ein Milternachlszug von Pullmann'
schen Palast Waggons fahren.
Aehnliche Waggons werden direkt von hier
nach Liverpool gehen, sobald die „Midland
Bahn" den Verkehr bis zu letzterer Stadt er
öffnet hat.
ArankrciA.
L o li do li, 22. Mai. Eine Spezial-De-
Pcsche aus Paris an den „Telegraph" meldet,
daß Fürst Metternich, und nicht der Herzog
von Montebello in dein Duelle leicht verwun
det wurde.
Paris, 22. Mai. Das neue Ministe
rium ist folgendermaßen zusammengesetzt:
Kriegsminister und Vice-Präsident des Raths,
General Eissey; Minister des Auswärtigen,
Decazes; Minister des Inneren, Fonrion;
Finanzmiiiister, Magnc- Minister für öffent
liche Arbeiten, Eugene Calliaux; HandetSmi
nister, Louis Grivart; CultnSminister, Vi
comte von Eurmont; Justizministcr, Adrien
Tailhand.
Paris, 22. Mai. Der Maranis von
Montaignac ist zum Marine-Minister er
nannt worden.
Paris, 23. Mai.— Fürst Clavis Hohen
lohe, der neue deutsche Gesandte sür Frank
reich, hat dem Präsidenten MacMahon heute
feine Beglaubigungsschreiben überreicht. Die
gegenseitigen Begrüßungsreden enthielten die
freundschaftlichsten Versicherungen.
Pari s, 24. Mai. Ex-Präsident Thiers
empfing heute eine Deputation aus dem De
partement der Girondc. In Erwiderung der
an ihn gehaltenen Ansprache sagte kr, die Mo
uarchie, wegen deren Richt - Unterstützung er
gestürzt worden, fei unmöglich. Die einzige
Regieruiigsform, welche Frankreich den Frie
den sichern könne, fei diejenige der conscrvati
ven Republik. Er hoffe, die National-Vcr
sammlung werde nach den neuesten Erfahr
gen zugestehen, daß es nothwendig fei, das
Land zum obersten Schiedsrichter zu machen.
Wenn dieselbe in ihren Sitzungen verharre,
während sie machtlos fei, ein definitives ZK
s'ultat zn erzielen, so überschreite sie die Gren
zen dcr Vernunft. Unfähig, eine Regierung
zu bilden, habe die Majorität die Mittel und
das Recht verloren, überhaupt zu regieren.
Im Departement Nievrc wurde heute eine
Wahl vorgenommen, um einen vakanreii -sitz
in dcr Nationalversammlung wieder zu befet
zen. Dcr republikanische Candisat wurde mit
großer Majorität gewählt.
Paris. 26. Mai. Hr. Bourgong, neu
erwähltes Parlaments-Mitglicd für das De
partement Nievre, ist nach Ehifclhurst gegan
gen, um der Ex-Kaiserin Eugenie feine Hul
digung darzubringen.
Paris, 23. Mai.— Die Nakioiialvcr
fammlung trat heule wieder zusammen, aber
die Verhandlungen botenNichts vonJnteresse.
Prinz Naswjeon ist nach England gegangen.
ES heißt, dießonapartisten werden ihren Op
erationen bei der nächsten Wahl einen bedcu
tend weiteren Umfang geben. Sie bcabsich
ligen, die Candidatur des Herzogs vonPadua
für das Departement dcr Seine und Oise,
diejenige- des Herzogs von Mouchy für das
Departement derOife, nnd diejenige desPrin
zeii Napoleon und des Herzogs von Masseiia
für das Departement der see-Alpen zu sör
ceen.
London, 22. Mai. Eine Depesche aus
Bayonne meldet, daß unter den Karlisten und
Republikanern um den Besitz der Höhen von
Bilbao täglich Kämpfe stattgefunden haben.
DieKarlistensollen mehrere Vortheile errungen
haben.
Madrid, 22. Mai. General Concha
ist in Vittoria eingerückt.
Äantander, 22. Mai. —Die Kar
listen habe ein Detachement von Volontären
in der Nähe hiesiger Stadt überrumpelt.
Nach den letzten Berichten haben die Repub
likaner tapfer Stand gehalten und schließlich
Unterstützung bekommen. Die Aufregung
über die Affaire ist hier groß, da die Gefähr
deten ausschließlich Einwohner von Saittan
der waren.
P arijS, 28. Mai. Die Blätter „LeS
Tebats" nud„L'Univcrs" bestätigen die Mel
dung, daß die Candidatur des Prinzen von
Hohenzollern für den spanischen Thron erneu
eri werde. Ton Carlos soll den General
Elia nach Versailles geschickt haben, uin die
französische Regierung von dieser Bewegung
in Kenntniß zu setzen.
Bayonne, 28. Mai. Die Karlisten,
unter persönlichem Commando von Don
Carlos, stehen 8 Meilen südöstlich von San
Sebastian vor Hernani, Provinz Guipnzcoa.
Madrid, 28. Mai. Dem Admiral
Topcte ist dcr spanische Gesandtschaftsposten
in Paris angeboten worden; cr hat indeß ab
gelehnt.
In General Concha's Heer ist die Ruhr
ausgebrochen und macht viele Soldaten
dienstunfähig.
Londo n, 29. Mai. Es wird gcuicl
dct, daß die Karlisten 20 Krupp'sche Stahl-
Kanonen erhalten haben und ihre Truppen
zusammenziehen.
Pariser Depeschen an die „Times" bezeich
nen die Geschichte von dcr Candidatur des
HohcnzoUern'jchenPrinzen für den spanischen
Thron als lächerlich.
L oi. Do ii, 29. Mai. Eine Depesche an
dc „Standard" meldet, General Concha habe
die Höhen in der Näbe von Artaban und die
nach Blscaya führenden Wege besetzt. Tie
Armee Don Carlos' habe Durango verlassen
und sich nach Guipnzcoa zurückgezogen.
Paris, 28. Mai. Das „Journal des
Tebats" und das „Journal de Paris" sa
gen, die spanische Krone sei zuerst dem Herzog
von Montpensicr angeboten worden; derselbe
habe aber abgelehnt. Dann habe man an
gefangen, einen deutschen jPrinzen als Can
didaten auszustellen.
Italic.
Rom, 24. Mai. Ju Folge des Um
standeS, daß dasParlament eine vom Finaiiz
minlster vorgeschlagene Maßregel verworfen
hat, ist eine Ministerkrisis ausgebrochen.
Rom, 25. Mai. —Der König hat die
Entlassung der Minister nicht angenommen.
Dieselben werden im Amte bleiben, und
neue Finanz - Maßregeln einführen. Das
Parlament wird sich nächstens vertagen.
Rom, 26. Mai. Tie italienische Re
gierung hat heute in der Deputirlen-Kammcr
eine zweite Niederlage erlitten.
R o m, 24. Mai. Der Papst leidet an
Erkältung und Fieber. Audienzen im Vati
kan finden jetzt nicht statt.
Wien, 28. Mai. Die „Neue Freie
Presse" hat die Nachricht erhallen, daß der
Zustand des Papstes sehr prekär sei. Im
Vatikan herrscht große Aufregung, und man
furchtet daselbst sehr für Se. Heiligkeit,
ustland.
London, 27. Mai.— Es hat sich heraus
gestellt, daß Nikolaus, der Sohn des Groß
fürsten Constantin, die seiner Mutter gehö
renden Diamanten einer schönen Amerika
ncrin, Frl. Phönix, zum Geschenk
gemacht hat. Die mit dem Diebstahle ver
knüpften Umstände, verbunden mit der That
sache, daß der hohe Spitzbube bei seinenßaii
gliiers große Summen deponirt hatte, um,
wie er sagte, in seinem Alter nicht darben zu
müssen, haben zu dem Glauben geführt, daß
' er wahnsinnig (?) fei.
Inland-Depeschen.
Ter diebische Dtstrikt-lsolnmbia-
Ming und Adolpi Ging. Die
Schürten spielen die Tugendhaf
ten und beantragen die Abset
zung von Gtttß. Der Präsident
ist sofort dazu bereit.
Washington, 25. Mai. Die vier
Matadoren des , Distrikt-Columbia Rings,
Alexander R. Shevhard, H. A. Willird,
James A. Magruder und I. B. Blake hiel
ten heute eine Bcrsamminng und richteten
folgendes Schreiben an den Präsidenten
Graut.
„Geehrter Herr! In Betracht der vielen
falschen Darstellungen und irrrhümlichen An
gaben über die eorrekten Vermessungen, welche
die Commission über öffentliche Werke vor
nehmen ließ und damit die Wahrheit festge
stellt werde, haben wir die Ehre, Sie zu er
suchen, den Kriegsminister anzuweisen, einen
Ingenieur der Armee anzuweisen, alle unter
der Commission für öffentliche Werke getha
nen Arbeilen auf's 'Neue zu vermessen."
Tie Commission faßte sodann folgende Be
schlüsse:
l Indem Adolph Eluß in seinen Aussagen
am 22. d. M. zugegeben, daß er Meineid be
gangen hat, so sei
beschlossen, daß wir ihn nicht als einen g
eigneten Mann ansehen können, das Inge
meurs Departement dieser Commission zu ver
walten.
Beschlossen, daß in Anbetracht der That
fache, daß seitMonaten die Geschäfte derCom
mission unter der Leitung dieses Mannes ver
nachlässigt worden sind, die Order vom 26.
Dezbr. 1872, welche Adolph Eluß ersucht,
das Ingenieur-Departement zu übernehmen,
hierdurch widerrufen ist.
Beschlossen, daß eine Abschrist dieser Be
schlüsse dem Präsidenten der Ver. Staaten
übertäubt werde.
Das Ring Organ „Washington Star" bc
richtet an der Spitze des Blattes:
„'Nominalion des Nachfolgers für Hrn.
Clnß. Der Präsident widerrief heute die
Ernennung des Hrn. Clnß als Mitglied der
Commission für öffentliche Werke und über
sandte dem Senate den 'Namen des Hrn.
Richard L. Hichard als dessen Nachfolger.
Eine Ugolino - (Scschichtc ans dem
fernen Westen.
Washingto n, 26. Mai. Der Agent
von der Los Pinos Indianer Agentur in Co
lorado berichtet dem Commissär der India
ner-Angelegenheiten die Umstände, unter de
neu neulich fünf Männer, während sie auf der
Utc-Jndiauer-Rcfervation waren, ihr Leben
verloren haben. Einer von Sechsen wurde
bei seiner Ankunft in der Agentur befragt,
was ans seinen Gefährten geworden sei. Er
sagte, sie seien wahrscheinlich vor Hunger und
Kälte gestorben, da sie ihn seinem Schicksal
überlassen haben. Seine Füße seien ihm er
froren. Nachdem man genauer ingnirirte,
ergaben sich verdächtige Umstände. Der
'Mann, Namens Packer, gestand endlich unter
Eid, daß nachdem eine andere jener fünf Per
sonen von den Uebrigcn getödiet morden war,
er selbst den letzten übrig gebliebenen Mann
umgebracht habe, und zwar blos 20 Pfeilen
von der Agentur entfernt. Er behauptete,
daß blos die ersten der beiden Opfer verhun
gert seien, und diese beiden Leichen wurden
zuerst aufgegessen, ehe die klebrigen daran
gingen, einen anderen zu schlachten. Packer
wurde dem Civil-Gericht übergeben, das die
Sache regelmäßig untersuchen und dem Gesetz
gemäß mit ihm verfahren soll.
Das Finanz-Ministerinm.
Was hinglon, 28. Mai. Das Ge
rücht, General Bristow werde der 'Nachfolger
des Hrn. Richardson werden, gewinnt feste
ren Boden. Der Präsident soll Ersterem den
Posten angeboten haben, und es heißt, cr
warte jetzt nur ans die Antwort desselben.
Hrn. Richardfoii'S einzige Erwiderung aus
zahlreiche Anfragen ist die, daß cr nach eige
item Gutdünken zurücktreten werde. Heilte
Nachmittag war das Gerücht im Ilmlause,
der Präsident habe dem Senate heule Nach
mittag den Namen des Nachfolgers des Hrn.
Richardson zugesandt; dies beruht jedoch auf
einem Irrthum.
Die Katastrophe i Massachu
setts
ZB oston, 22. Mai. Das vom Mayor
ernannte Mill - River - Comite ist heute von
dem Schauplatz dcr Katastrophe zurückgekehrt
und berichtet, daß die Berichte über die Bc
dränguiß der von der Ucberfchwcmmung Le
troffeucu in keiner Weife übertrieben sind.
Spriugficld, Mass., 22. Mai.
Eine sorgfältige Untersuchung hat ergeben,
daß am verwichenen Samstag 138 Personen
durch die Ueberschwcmmung ihren Tod gc
funden haben. Alle Leichen, mit der Aus
nahme von vierzehn, sind aufgefunden und
ideittifizirt worden; und ein weiteres Suchen
ist ausgegeben worden, da man annimmt, daß
die nicht gefundenen Leichen den Connecticut
Flnß hinahgetrieben sind.
Die bis zetzt eingelaufenen Beiträge zur
Unterstützung der Nothleidendcn repräfcniiren
die Summe von S6SMO. Das Hülfs Comite
s meldet, es feien 700 Personen hütssbedürfiig
und 8100,000 seien erforderlich, um der 'Noth
zu steuern.
Die Trümmer werden fortgeräumt und die
Neubauten werden nächstens in Angriff ge
nommeu werden.
N o t h a m p t o ii, Mass., 25. Mai.
Tie Leiche John Atkinfou's, eines dcr Opfer
der Ueberschwemmuiig wurde durch mehrere
Zeugen heute Morgen idcnlisizirt.
Ter Thorschließer George Cheney sagte
aus, daß cr am Sonnabend Morgen nni 6
Uhr bei dein Damm gewesen sei und nichts
Auffälliges bemerkt habe. Er fei dann zum
Frühstück gegangen und habe, als er fort
ging, gesehen, daß die Erdwälle nachgegeben
hätten. Er fei hinunter gelaufen uiid habe
das Thor geöffnet. Das Wasser iei in klei
neu Strömen hervorgequollen und ein bedcu
teuder Erdrutsch habe stattgefunden. Er fei
zu Pferde gestiegen und iu's Torf gesprengt,
wo er die Gefahr gemeldet habe.
Cheney sagte weiter aus, er fei feit 2 t lah
reu Thorschließer gewesen; cr habe währeuo
der ganzen Zeit immer kleine StrömeWasscrs
durchsickern sehen und auch zu Hrn. Dimock,
einem Miigkicde der Refervoir-Gcfellschaft,
mehrfach darüber gesprochen. Hr. Dimock
habe erwiedert, er glaube, cs sci weitcrAichls,
als eine Quelle. Er habe häufig zu Hrn.
Spellmaii, dem Sekretär der Reservoir Ge
sellschaft über diese Ströme gesprochen. Bor
einem Jahre habe eiuErdrutfch stattgefunden,
welcher niemals ausgebesserl worden fei. Kei
er der Eigenthümer habe in Zeiten der Ge
fahr den Tamm besucht. .Hr. Dimock habe
dcufekbeil im letzten Jahre einer Inspektion
unterworfen.
Auch Elias Cheney, der Vater des Thor
fchkießcrs, macht 'Aussagen, welche mit eiui
gen dctaillirteu Angaben Das bestätigten,
ivas fein Sohn vorher bezeugt hatte.
Northamplon, Mass., 26. Mai.
Die Untersuchung wegen der Ursache des
Bruches des Reservoirs wurde hcure wieder
aufgenommen. Der Schreiber der Reser
voir - Gesellschaft sagte aus, es habe außer
dem Direktorium kein Comite cxistirt, dem
die Aufsicht über da? Reservoir obgelegen
hätte. Während der letzten zwei Jahre habe
das Williamsburger Reservoir gar keinen
Aufseher gehabt, und cr bezüglich dieses
Reservoirs kerne anderen Ausgaben zn ver
zeichnen gehabt, als das Satair für den Thor
fchließcr.
Tie Coittraktoreil Joel Bassen und E. B.
Wells sagten ans, sie hätten den Tamm ge
wissenhaft nach den Zeichnungen erbant.
Hr. William T. Elements ftigte aus, daß,
seitdem das Reservoir mit Wasser gefüllt
wurde, Letzteres an zwei Stellen durchsickerte.
Es fei, als der Erdwall gebaut wurde, be
kannt gewesen, daß sich Quellen unter dem
selben befänden; doch sei Nichts geschehen,
um den Damm gegen Schaden zu schützen.
Aus Fragen von Seilen der Geschworenen
antwortete Hr. Clements, er habe das gebro
chene Reservoir besucht, und seiner Meinung
nach sei bei dem Bau desselben der Eoutrakt
nicht lnne gehalten worden.
Northain p to n, '26. Mai. In der
Untersuchung von heute Nachmittag sagte Hr.
John R. Smith, ein Ingenieur ans Spring
field, aus, er habe den Tamm, nachdem die
Katastrophe stattgefunden, nuterfticht und ent
deckt, daß das Fundament in keiner Weise
sicher gelegt worden sei. Er erklärte dann,
wie ein solches Fundament beschaffen sein
müsse, und fügte hinzu, daß auch dieMatcria
lien nicht von der nöthigen Güte gewesen
seien.
Drei der Untersucher aus dem Couuth sag
ten aus, das Reservoir sei zu verschiedenen
Malen inspizirt, die Lecke seien eindeckt und
Befehle gegeben worden, die Wälle stärker zu
machen, und dieser Anordnung seien die Ti
rektoren ungesäumt nachgekommen.
Nort hampt o n, Mass., 23. Mai.
In der Untersuchung von heute Morgen
machte der Ingenieur Raymond eine weitläu
fige Aussage über die Schwäche deSDammes
und die Ursachen, welche den Bruch desselben
herbeigeführt hätten. Der Ingenieur Julius
Tin, welcher die Zeichnungen lieferte, fer
tigte dieselben nach Auftrag des Eomite's,
bestehend aus den HS. Elark, Dimock und
Clement, an. Die Herren sagten, sie ließen
die Mauer errichten, nicht um dem Reservoir
Stärke zu verleihen, sondern um das Wasser
' rein zu erhalten.
Tödtliche Ttech-Asiaire.
Boston, 25. Mai. Kit Robinson,'far
big, brachte der 17-jährigcn Farbigen Annie
M.Tollimer gestern Abend in einem Hause
an Southark-Place eine tödtliche Stichwunde
bei. Robinson wurde verhaftet.
Brutaler Mord in einen
Hospitale.
Boston, 26. Mai. Eine grausame
Mordthat wurde gestern, nachdem dieselbe
vor 10 Wochen gegangen war, an'S Licht ge
bracht. Am Sonntag Abend begann ein
Berichterstatter des „Daily Advertiser" eine
flüchtige Unterhaltung mit W. N. Svencer,
einem Manne, welcher im dritten Stations
hansc ein Unterkommen suchte, und dieser er
zählte ihm die Geschichte eines Mordes, wel
cher am 12. Mär; im Zwangs - ArbeitShansc
zu Bridgewater, Eonn., begangen wurde.
-4er Berichterstatter machte sich gestern auf
den Weg nach letzterem Orte, um den Su
perintendenten der 'Anstalt weiter zu befragen.
Dieser sagte, er habe vor einigen Tagen da
von reden hören, die Sache aber nicht weiter
untersucht. Ans Ansuchen des Berichterstat
ters wurde Eharles Clark, ein Insasse des
Arbeitshauses, gerufen, und dieser erzählte
dann ausführlich die mit dem Verbrechen
verknüpften Umstände. Das Opfer, Edward
Dolland, war ungefähr 60 Jahre alt, und
hatte weder eine Heimath, noch Freunde.
Während seines Aufenthaltes in dem Ar
beitshanse, weicher ein Jahr dauern sollte,
brach er den Schenkel nnd wurde in's Hoipi
tal gebracht, wo ihm nach Ablauf seiner
-Strafzeit erlaubt wurde, bis zu seiner Her
st.'llung zu bleiben. Ter Krankenwärter Da
niel Leary war ärgerlich darüber, daß er den
Alten, welcher des Gebrauchs seiner Beine
beraubt war, aus dem Bette und wieder m
dasselbe heben mußte, und gab ihm bei ver
schiedene n Gelegenheiten Fußtritte.
'Am 12. Mär; nun nahm Leary den Kran
ken aus dem Bette und warf ihn auf den
Fußboden, so daß der alte Mann schrie.
Darüber gericth der Wärter in Zorn und
sprang ihm mit aller Gewalt auf'die Brust.
Clark und Leary hoben ihn endlich wieder
aus, nachdem Leary dem Patienten noch
mehrere Fußtritte versetzt hatte, welche ihn
bewußtlos machlen und nach 5 Minuten sei
nen Tod herbeiführten. E wurde angciiom
inen, daß der Tod eine Folge des Schenkel
bruch s sei, da Niemand aus Furcht vor Miß
Hand lnngeii gewagt habe, den wahren Sach
verhalt anzugeben. Auch der Arzt wurde
nicht zum Jngneste herbeigerufen und wußte
Nichts von dem Vortalle.
Ei Deutsch-Amcritnncr vo de
Prenfte abgcfaftt.
Boslo ii, 2K. Mai. Adolph Donner,
der im hiesigen County ansägig war, wurde,
den hier eingetroffenen Nachrichten zufolge,
bei einem Besuche in Plauen in Sachsen von
den preußischen Behörden als preußischer Un
lcrthan, der seiner Militärpflicht nicht genügt
hat, rcklamirt und festgenommen. Seine hie
sigcii Freunde wollen sich nach Washington
wenden, um seine Freilassung zu erzielen.
Berftaftiittg des inutbmaftlichcn
Mörders der Hran Hawkes.
Boston, 27. Mai. Geheimpolizisten
haben I. Henry Costclly, den früheren Wirth
des „Hanover Hotels," verHaftel, weil er für
den Mörder der Frau Julia Hawkes gehalten
wird. Nach der Zeugenaussage muß ange
nommen werden, daß Raub die Ursache des
Verbrechens war. Als Costclly visitirt
wuide, fand man eine Kugel bei ihm, welche
an Größe derjenigen glich, welche der ermor
deten Frau ans dem Gehirn gezogen wurde.
Als er verhastet wurde, fragte Costclly nicht,
was gegen ihn vorliege, und sagte weiter
Nichts, als: „Ich denke, es ist Alles in Ord
nung." Er soll mit der Ermordeten auf sehr
vertrautem Fuße gestanden haben. Costellh
hat außerdem seiner früheren Haushälterin
seine Gunst zukommen lassen und soll beab
sichtigt habe, dieselbe zu hcirathen, worüber
dann wieder Frau Hawkes eifersüchtig gewc
sen sein soll. Von der „Union-Savings In
stilntion" wurden von der Ermordeten am 3.
'April 268 gezogen.
Ei geftcimniftvollcr Mord.
Wepmouth, Mass., 2',. Mai. Hier
und in den umliegenden Orten rief die Auf
sindung ejner Fraiienleiche im Fall-River die
größte Aufregung hervor. Der Kops dersel
den war mir einem weißrolhblaueu Stosse
fest umwickelt, der um den Hals mit einer
starken Schnur festgebunden wär; die Enden
dieser Schnur waren an-eui schweres Bügel
brett befestigt. Die Leiche wurde nach East-
Brittain gebracht und von Aerzten untersucht.
Auf der linken Seite des Kopfes zeigte sich
eine Schußwunde. Die Kugel wurde in dem
Hinterhaupts gefunden. Der Körper muß
etwa drei bis vier Tage gelegen haben, doch
ist seine Verwesung noch nicht so weit fortge
schritten, um die Jdcntifizirnng unmöglich zu
machen. Die Ermordete mag etwa 30 Jahre
all gewesen sein, Und das Gesicht hat ange
nehme Züge; nach diesen und der Kleidung
glaubt man, daß sie eine Deutsche gewesen
sei. Die Polizei entwickelt große Thätigkeit,
um dieses mysteriöse Verbrechen aufzuklären.
Boston, 26. Mai. Tie gestern im
Wasser in der 'Nähe von Weymouih-Landing
gefundene Leiche ist als diejenige der Julia
Hawkes, geboren in Sl. John, N.-Br., wo
ihr Mann starb, erkannt worden. Als sie
zuletzt lebend gesehen wurde, befand sie sich
auf dem Wege nach Boston, um von einer
dortigen Sparbank Geld zu erheben, und
man weiß, daß sie daselbst einen Freund
hatte, welcher von ihrer Absicht unterrichtet
war.
Ertrunken.
New ?) or k, 24. Mai. Zwei junge
Leute, Namens Georg 'Neubauer und Jakob
Berg machten gestern ans dem Genesee-Flusse
bei ' Nochester, N.-N., eine Bootfahrt. Das
Boot kenterte, und die Insassen ertranken.
ztatc Ttoddavd's Morsprozes;.
Brooklyn, N. N-, 27. Mai. —Der
Prozeß gegen Kate Stoddard, der Ermor
dnng Eharles Goodrich's beschuldigt, wird,
wie es heißt, in der zweiten Woche des Juni
seinen Ansang nehmen. Tie Vertheidigung
wird behaupten, die Beschuldigte sei wahn
sinnig. Kate selbst aber will davon 'Nichts
wissen und sagt, ehe sie einen solchen Verthci
digungsgrund zuließe, werde sie ihre Ver
theidigung selbst führen. Sie hat den
! Gouverneuren Lowe und Thompson gesagt,
! sie brauchten sich um ihren Fall nicht zu
! bekümmern; dieselben sind indeß vom Ge
s richtShose ernannt worden, nnd wollen siel
von der Beklagten nicht absetzen lassen.
Tödtlicher Hayrunsalt.
Zt cwar k, N. - Z., 28. Nkai. Als de
i Deutsche Elias Haase gestern mit seinem Ge
z schsisiswagen durch die Stadt fuhr, würd
sein Pserd Plötzlich scheu und ging durch
Haase wurde aus dem Wagen geschleudert
Xrüge mit Spirituosen, welche in dem M>
gen waren, fielen ihm aus den Kops und ze,
schmetterten ihm den Schädel dermaßen, da
er angenblicllich starb. Das Pserd würd
erheblich verletzt nnd der Wagen zcrtrüu
inert.
Mord in New-Icrsci).
N c w - ch o r k, 28. Mai. Am 18. -Mai
geriethen die beiden Farmer James D. De
vclin und Patrick Rpan in der Nähe von
Woodbridge, N.J., in Streit, wobei Tevc
lin einen stich in den Kops erhielt. Dcvcliu
ist gestern an der Wunde gestorben, und Npan
wird jetzt wegen Mordes prozessirt werden.
Schicsiaffairc in Pliladclpl)ia.
P hiladclphia, 27. Mai. Frl. I'izzie
Tamplin, l 9 Jahre alt, besuchte gestern Abend
die Frau Dagdmeper, welche in Nr. 24, N.-
11. Straße, ein Kosthans hält nnd wurde
überredet, die Nacht dort zuzubringen. Wäh
rend sie sich heute Morgen in dem Hanse zu
thun machte, erschien ein junger Mann, Na
mens Setter, welcher srühcr bei Frau Dagd
meper gewohnt hatte.
Er war auch mit Frl. TampUn bekannt
und begann, dieselbe zu necken. Endlich zog
er einen scchsläufigen Revolver, zielte aus sie
und sagte mit einem le'ächeln: „Nehmen
Sie sich in Acht." Er schoß, die Kugel
drang in Frl. Tamplin's Stirne ein nnd
t blieb im Gaumen sitzen. Setter schien be
stürzt über Das, was er gethan, behauptet, er
habe den Revolver für nicht geladen gehalten,
und weiter Nichts, als einen Scher; machen
wollen. Er eilte sofort zu einem Arzt, wurde
aber unterwegs verhaftet.
Frl. Tamplin wurde verbunden nnd in
Will's Hospital gebracht. Sie erklärt, das
Unglück sei vollsiändig zufällig geschehen, da
sie mit Setter immer auf freundschaftlichem
Fuße gestanden und kein Grund vorgelegen
hätte, weshalb er wirklich ans sie hätte
schießen sollen.
Wahrscheinlicher Gattin - Mord.
Philadelphia. 23. Mai. Das erste
Stockwerk eines kleinen zweistöckigen Hanfes
in der Grcenstraße wurde von Simon August
Frauck und seiner Frau bewohnt. Sie soll I
früher ein ausschweifendes Leben geführt ha
bcn, und er war Inhaber eines übelberüch
tigten Hauses. Eifersucht gab Pcranlassung
zu häufigen Streitigkeiten, und bei mehreren
Gelegenheiten mußte ein Alderman die Diffe
renzen schlichten. Heilte früh stand Frau
Frauck vor dem Schenktische des Gastzimmers,
welches sammt einem kleinen Hinterzimmer
das ganze untere Stockwerk des Hauses ein
nahm. Franck selbst stand hinter dem
Schenktische, und unter Beiden war ein
Zank über das am Tage vorher eingenom
mene Geld ausgebrochen. Nachdem einige
Worte gefallen, ergrH Franck einen vierläusi--
Nr. 22.
gen Revolver nnd feuerte vier Schüsse ans
seine Frau ab. Der erste Schuß traf nicht.
Die übrigen drei Schüsse trafen, einer den
Kopf, der zweite in den Rücken und der
dritte in den fleischigen Theil des rechten Ar
mes. Frau Franck stürzte zu Boden, und
Sie Bewohnerinnen des oberen Stockwerkes
eilten die Treppe hinunter, um zu schen, was
es gäbe.
Der Mörder lies in den Hof, sprang und
kletterte über 2—3 Einfriedigungen, niid ge
langte endlich in den Hof der„Schüyenhalle,"
welche in Nr. 534, Nord-3. Straße, liegt.
Dort fiel er in eine 12 Fuß tiefe Grube, wo
er, am Kops nnd an den Armen verwundet,
gefunden und verhaftet wurde.
Frau Franck's Wunden wurden verbun
den; ihre Heilung scheint indeß außerdem
Bereiche der Möglichkeit zu liegen. Sie hat
eine 'Ante - Aussage gemacht und
ihren Mann als den Thäter bezeichnet.
Franck ist 35 Jahre alt, in Altcnsee, in der
preußischen Allmark, geboren, und führte an
dem bezeichneten Platze ein Prostitutions
Haus. Die Verwundete hieß Christiane Far
ber und war ans Backnang, Württemberg,
gebürtig.
Tödtliche Schicß-Älsiairc.
Columbia, Penns., 24. Mai. Julius
L. Schumann, cm Mitglied der pcnnsqlvani
fchen Gesetzgebung aus Lancaster-County,
wurde gestern Abend in Washington, Lanca
ster County, von Jakob Wittmer durch einen
Schuß tödtlich verwundet. Wittmer war be
rauscht und hatte gedroht, seine Frau zu er
schießen, als Schumann m Wittmer'S Haus
eintrat und intervenirtc. Die Kugel drang in
Schumann's Unterleib und blieb im Rück
grat stecken. Die Wunde wird für tödtlich
gehalten. Wittmer wurde verhaftet nnd nach
Lancaster in's Gefängniß gebracht.
Mord vci einem Tanzgelagc.
Easto n, Pa., 26. Mai. Marlin Cun
nttigham, ein Eisenbahn-Arbeiter, tödtete den
Farmer William Smith gelegentlich eines,
Tanzgclages am Pfingstmontage in dem 4
Meilen oberhalb hier gelegenen Ncwport.
Bergleute im Berufe umge
kommcn.
WilkeSbarre, Penns., 26. Mai.
Als Edward Scandlebcrry nnd Thomas
Frehtway gestern in den Schacht Nr. 2 der
alten „Baltimore Mine" hinabführen, riß das
Seil, und sie stürzten ans einer Höhe von
150 Fuß in die Diese hmunter. Scandlebeny
fand augenblicklich seinen Tod und Freht
way erhielt tödtliche Verletzungen.
Vcrljaftuna von Tempere;-
Weiber.
Piltsburg, Peniif., 24. Mai.— Gestern
wurden wieder elwa vierzig Temperenz.Wei
ber verhaftet, weil sie den Verkehr aus den
Trolioirs hemmten, sie wurden später gegen
Bürgschaft einlassen, um sich morgen zum
Verhöre zu stellen. Die Aufregung war groß
und Volkshauscn hatten sich um das sta
tionShaus gesammelt. Die Weiber sind trotz
des Einschreitens der Behörden cnschlossen,
ihr Werk fortzusetzen.
Pittsbnrg, Pelms., 25. Mai. —Die
Tempcrenz - Aufregung nimml zu. Gestern
und heute wurden mehrere große Massenver
sammlungen gehalten. In dem Falle der
33 am Samstage verhafteten Tame.i wurde
ein Verhör angesleUt, und die Argninenlation
wird morgen vor dem Mayor geschlossen
werden. In dcr „Zweiten Prcsbyteriaiier--
Kirchc" wurde nach der Vertagung des Ge
richtshofes eine ungeheure Massenversamm
lung gehalten. Tie Kirche war gedrängt
voll, und die allgemeinste Begeisterung
herrschte.
Pittsbnrg, Peiins., 26. Mai. —In
dem Falle dcr am Samstage verhafteten 33
Damen erhielt dcr Mayor heute Morgen ei
nen schriftlichen Befehl zur Einsendung dcr
Akten und wurde aiigewicjen, das Archiv
betreffs dcr früheren Fälle dem Common-
Plcas - Gerichte zu übermachcn, in welchem
am Donnerstage ein Verhör stattfinden wird.
Er wird Angesichts dieser Thatsachen nichts
Weiteres lhuii, bis von Teilen des Gerichts
hofes eine Entscheidung abgegeben ist.
Tvittmpt, vcr Tcmpcrcnzwciber in
Pittsbnrg.
Pittsburg, Pa., 28. Mai. Die in
dcr vorigen Woche verhafteten Temperen;
Weibe?wnrdcn heute verhört. Richter Stowe
stieß das Urtheil des ftingirenden Mayors um
und befahl, daß die erlegten Geldbuße den
Bestraften zurückerstattet würden. Die Da
men jubeln über ihren Sieg und halten jetzt
eine Versammlung, um über die weitere Aus
führung ihres Planes Beschlüsse zu fassen.
Vcrljckftcte Tclpcrenz-Wciber. "
Hillsburg, Ohio, 22. Mai. Tie
Krcuzzügleriunen kamen heute wieder in gro
ßer Anzahl zum Vorschein. Während sie vor
einer Wirthschaft ihicii Unsinn losließen,
wurden sie verhaftet und zwei der prominen
nsteil Damen zu einer Geldbuße von je 825
vcriirtheilt.
Ein Herr, welcher die Damen begleitete,
mußte 850 und die Kosten bezahlen. Tie
Vußcn wurden unter Protest bezahlt, und es
wird von den Betreffenden an eine höhere
Instanz apvellirt werden.
'Ausständige Bergleute als Tu
uultuauteu.
Eolumbiis, Ohio, 26. Mai. —Von ei
nem Besitzer großer Kohlenmincn zu Massi
lon ist heilte an den Gouverneur ein Tele
gramm eingelaufen, in welchem es heißt, die
Bergleute hätten gestern Abend nach einem
'langen Ausstände auf das Balkengerüst und
das Gebäude Schüsse abgefeuert, hätten das
Leben der Eigemhümer, der neuen Arbeiter
, und der Wachen bedroht und zwei Personen
erschossen. Da eine ernsthafte Ruhestörung
, befürchtet wurde, so wird dcr Gouverneur in
dem Telegramm gebeten, so bald als möglich
Hülfe zu senden. Man meint indcst, daß er
diesem Verlangen nichl eher nachkommen
werbe, als bis der Scheriff von Stark-Conittq
amtlich um Hülfe nachinchl.
Mord iu Tenncssce.
Nashville, Denn., 25. Mai. Dcr
Bundes - Hülfsmarschall W. D. Hildrcth
wurde am Freitag in der Nähe von Hills.
Koro', Coffee - Eoiinlh, von einem gewissen
Sanders, welcher der Mitschuld an Kuklux-
Verbrechen verdächtig war, erschossen.
Vorgäuge iu der Gesetzgebung von
Arkansas.
l Littlc-Ro ck, Art., 23. Mai.—Das Un
terhaus nahm heute mit 47 gegen neun Stim
! men Beschlüsse an. in welcher erklärt wird,
daß die Senatoren Dorsel, und Clayton ihren
Sitz im BundeSfeiiale durch Bestechung und
Eorruption erlangten, und daß, wenn diefel
- ben nicht innerhalb 10 Tagen aus dem Amte
e scheiden, dcr Bundesseiiat ersucht werden
. soll, ihre Wahl zu untersuchen und sie aus
; zustoßen.
'.vi. L. Stephenfon, einer dcr Richter vom
- Obcrgcrichr, des Staates, und Bezirksrichler
ß William H. H. Elayton, ein Bruder desßuii
e dcösenalors Elayton, sind zurückgetreten.
.Seur Rochesort.
Chicago, 28. Mai. Henri Rochesort
kam heute 'Nachmittag hier an und setzte zwei
Stunden später seine Reise nach Ncw-Uork
fort. Ein weiterer Emvkang von Seiten der
Communistc wurde ihm'nicht bereitet.
Eine Spezial - Tcpeiche an die „Evening
Post" enthält einen Bericht über eine Unter-
Haltung mit Rochesort in Omaha. Rochesort
schildert das Leben der Gefangenen, iiameut
lich der wegen gemeiner Verbrechen Bern
theilten, als geradezu entsetzlich.
Die Lage der politischen Gefangenen sei
schon erträglicher. Dieselben seien nicht ge
zwungcn zu arbeiten, und Diejenigen, denen
Geld zur Verfügung stände, dürften sich sogar
soviel Bequemlichkeiten für dasselbe schaffen,
als zn haben wären.
Ihm und einigen seiner Gefährten sei es
erlaubt worden, ein kleines Haus zu bauen,
wodurch ihre Lage bedeutend verbessert wor
den sei.
Ueber seine Flucht wollte er nur soviel sa
gen, daß er und seine Gefährten eine englische
Barke veranlaßt hätten, um die Küste zusah
reu. Sie seien dann an das Schiff geschwom
men, aber von 8 Uhr Abends bis nach Mit
ternacht im Wasser gewesen, che sie, fast ganz
erschöpft, von dem Schiff aufgenommen wur
den. Tie Aussichten für die Republikaner in
Frankreich hält Rochefort für sehr günstig und
glaubt, daß McMaho sich nicht drei Monate
lang mehr werde hallen können, indem er es
als eine Wahrscheinlichkeit hinstellt, daß
Thiers innerhalb dieser Zeit wieder an der
Spitze der Regierung stehen werde. Letzterem
läßt er wegen seiner unerichütterlichen Treue
mit welcher derselbe zur Republik steht, alle
! Gerechtigkeit widerfahren. Gambctta sei in
deß der beste Mann für die Republik.
Erkenntnisse nachher EiVil-Rechts
Bill.
New - O rleans, 23. Mai. Nichter
Lynch hat heute folgende Urtheile abgegeben:
Ter Farbige Joseph erhält von Bidwell,.dem
Eigenthümer der „Musik-Akademie," 1000
weil Letzterer Jenem den Zutritt verweigerte x
den Farbigen George Washington und Lew:
hat McCloskey je H 250 zn zahlen, weil cr
ihnen kein Soda-Wasser verkaufen wollte, und
O'Neill muß an den Farbigen Clermont
8250 entrichten, weil cr sich weigerte, densel
ben als Gast in seinem LokaleZix bedienen.
Hinrichtung in Kalifornien,
l San Franz lsco, Cal., 2.. Mai. >
- Thomas S. Chooley, der Mörder Henriz
! Forman's, ist heule zu Victoria gehängt
- worden.

xml | txt