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Der Deutsche correspondent. (Baltimore, Md.) 1848-1918, June 12, 1874, Image 1

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3V. Jahrgang.
Uebersicht der wichtigen Ereignisse.
Z-ie Tage sind gekommen, in denen das
wichtigste Ercigniß die Nachricht bildet, daß
hier oder dort die fabelhafte Secschlange gese
hen wordendenn bei 00 oder wo Grad
'in schatten ereignet sich kaum Etwas, als
gelegentlich ein Sonnenstich; die hohe Politik,
wclcksc die Zeitungen mir demJntcressantesten,
demstofse für die edle Kauiicgießerei versorgt,
fluchtet sich in die Bäder und in die Berge:
die niedere Politik hält sich an kiihleGcträukc;
.Pandel und Wandel liegen still und nur Fä
cher, Fliegen und MoSguitos sind in bestän
diger Bewegung.
Ter vonarcst,
welcher sich den ganzen Winter hindurch mii
nutzlosen Zänkereien die Zeit vertrieben und
das Land gelangweilt hat, macht jetzt den
Kehrans und sucht so rasch, als möglich, aus
dem heißen Washington davouzugclangen.
Tie Berwilliguiigs Bills sind angenommen,
die RegiernngSmaschieiie ist also für ein wci.
tercs Jahr geschmiert. Bei diesen Berivilli
gilngcn spielten die Herren das alte Stück
chen auf, daß das, was die Comite'n in einer
Aiiwandliiug gewissenhafter Sparsamkeit ge
strichen halten, in der Plenarsitzung zu dop
pelter Höhe unter dem Deckmantel von Amen
dements wieder eingeführt, resp, eingeschmug
gelt wurde; mit anderen Worten, füricden ge
sparten Cent wurde ein Dollar zum Fenster
hinaus geworfen. Die Civil-Bcrwilligung
ist höher, die Indianer-Berwilllgung gleich
falls, die vermischten Berwilllgüiigen haben
unzählige Zusätze erhalten, von denen das Co
mite für Mittel und Wege sich nicht träumen
ließ und das Militär wird, ebenso wie das
dent'che, nicht vermindert. Die Bill über
Abschaffung der Angebcrgcbühren ist vorge
stern vom scnale und die Bill über Berth'ei
lang der Genfer Entschädigungssumme gestern
vom Rcpräsentanlciibause angenommen wor
den. Tic Civil RechtS-Bill erhielt am letz
ten Montag ihre Beruhigung; sie wnrde vom
Repräseiitantciihause zu den Akren gelegt und
die Ergebnisse der bevorstehenden Congreß
wahlen werden die Herren schwerlich danach
lüstern machen, sie wieder aufzunehmen. Die
Tage der Regcrgesetzgebung sind augenschein
llch für lange Zeit vorüber.
Dasselbe kann man übrigens nicht von den
behaupten, welche sich in bunter Reihe heran
drängen. Die Corruptiou der herrschenden
Partei gleicht der Hyder, kaum ist ein Kopf
abgeschlagen, so stehen zehn andere an der
Stelle; kaum daß eine Gaunerbande enthüllt
-st, sind bereits die Gerüchte über die andere
'M Umlaufe und die Untersuchungen nehmen
gar kein Ende. Jetzt soll auch das saubere
Syndikatsgejchästcheii unter die Lupe gebracht
werden und man prophezeit von vorneherein
rincn unerhörte Skandal, zumal hohe und
höchste Personen an den Profiten dieses
Schwindels bethciligt gewesen sein sollen.
Das Repräsentantenhaus hat in den letzteren
Tagen zwei Territorien des Landes - New-
Mexiko und Colorado - die Aussicht gestellt,
als Staaten in die llniov aufgenommen zu
werden, die betreffenden Bills passirten mit
bedeutender Majorität, werden aber voraus
sichtlich im Senate auf Widerstand stoßen,
denn es ist notorisch, daß die seßhafte Bevöl
kerung keines einzigen dieser Gebiete eine
Staatcnbildnng rechtfertigt. Diesem Staa
tenfabriziren, mir um Stimmen im Bundes,
senate zu erlangen, sollte nachdrücklich eine
Grenze gesetzt werden. Ob 37 oder 30 Sterne
bei der <säkularfcier die amerikanische Flagge
schmücken, das macht die Union nicht größer
und nicht geringer, wohl aber verächtlicher
wird sie dadurch, wenn Leute vom Schlage ei
nes Sargent, eines Mitchell, eines Nye, ei
nes Clayton und Oorsey im Biindessenate
sitzen.
-i. Ainanzminisier,
Gen. Bristow, ist von der Presse fast zu sehr
gelobt worden, als daß wir nicht befürchten
sollten, er werde vielen Erwartungen nicht
entsprechen luid sich im Laufe der Zeit als ein
höchst mittelmäßiger und vielleicht sogar ichlech-
tcr Flnanzminister entpuppen. Bis jetzt hat
rr sich allerdings vortrefflich gehalten; mit ei
nem Fleiße, der bisher unerhört war, hat er
sich den Geschäften seines Amtes gewidmet,
mit einer Gründlichkeit, die in Anbetracht des
inngenmäßiaeit Leichtsinnes, mir welchem Hr.
Richardson se,n Amt versah, förmlich wohl
that, hat er alle Rechnungen geprüft, sür die
seine Unterschrift vcrlangi wurde; er schaffte
prompt zahlreiche Sinccuren ab und gedenkt,
verschiedene Bureaus zu consolidire'n. ES
sollte uns übrigens nickt wundern, wenn ihm
Plötzlich bei die,ein Reorganisation?- und Rci
nignngswerke der höhere Befehl zukäme, des
grausamen Spiels genug sein zu lassen, denn
die abgesetzten und bedrohten Ärippcnbeißcr
werden jedenfalls Alles ausbicteii, um ihre
Existenz zu retten. Wir fürchten, daß der
ouitselfrige Manu sehr rasch die Flügel sin
ken lassen wird.
Tas neue Kabel
Zwilchen Europa und Amerika, das erste, wel
ches direkt bis zur amerikanischen Küste führt,
wurde dieser Tage durch den Dampfer „Fa
raday" vollendet. Dadurch ist ein neues Ver
vtiidungsglied zwischen der alten und der
iieiien Welt entstanden, nnd die erste Folge
wird jedenfalls ein Billigcrwerdcn der Depe
scheu sein; auch dürfte sich die Zahl der Ka
beldepeschcn in den amerikanischen Blättern
bedeutend mehre; daß die vier existtrenden
iliilerjeeischen Telegraphen auch einen Einfluß
aus die schläfrige europäische Presse ausüben
werden, läßt sich jedoch nicht voraussehen; für
diese in Amerika heute noch ebenso ein mibe,
kaiintes Land, als in den Tagen, in denen
der geistige Verkehr noch dnrchßriefe auf Pak
lct Schissen vermittelt wurde.
Vuropa.
Frankreich cht man wieder einmal am
Vorabende wichtiger Ereignisse und McMa
hon, welcher sich noch vor vier Wochen im Bc
wliytsein des gesicherten Septennats wiegte,
hcu ohne Zweifel jetzt die Ueberzeugung ge
wonnen, das; bei den Franzosen Nichts 'sicher
ist, als der Wechsel. Die französische Regie
ruiig ist seit dem Tage von Scdan ein Provi
sorium, dessen Beseitigung schon verschiedene
Male nahe bevorstand; es wurde der Reihe
nach von der Commune, von der blauen Re
publik, von dem absoluten Gottesgnaden
thume, von der constilutioncllen Monarchie
und von den Bonapartisten bedroht; Com
mune, Gottcsgiiadenthuiii und Bürgerkönig
thnm sind jetzt unmöglich geworden, der
Kamps liegt deshalb zwischen der Republik
und dem Kaiserreiche und alle Aussichten sind
vorhanden, daß Letzteres Sieger bleiben wird,
denn die Nationalversammlung hat, ohne zu
wollen, Alles gethan, um dem Kaiserreiche
den Weg zu ebnen. McMahon ist äugen
schcinlich nicht im Stande, das Septennat zu
organistren; dieses erhellt besonders aus der
vorgestrigen Abstimmung über den Vorschlag,
das Stimmrecht ans Leute im Alter von 25
Jahre, als die jüngsten der Stimmbcrechtiq
ten. zu beschränke!,. Dieser Antrag wurde
mit ziemlich bedeutender Majorität vcrwor
seit. Die Imperialisten, resp. Bonapartisten,
fühlen mit jedem Tage mehr, daß sie Herren
der Situation sind; sie benehmen sich dem
entsprechend. Vorgestern wurde Gambetta
auf dem Wege nach Versailles von den Im
perialisten gröblich insuttirt, einer derselben
versuchte sogar, ihn zu mißhandeln. Die
Linke hat jetzt die Auflösung, resp. Vertagung
der Nationalversammlung beantragt, und
sobald dieselbe von dem linken Centrum Suc
ciirs erhält, wird cS um das McMahonat ge
schehen sein.
In Wien tagt zur Zeit ein Congrcß von
Aerzten, um Maßregeln gegen das fernere
Einschleppen der Cholera zu ergreifen und
Ansichten über die Behandlung von Cholera
kranken auszutauschen; es ist zu bedauern,
daß Amerika in jener Versammlung nicht ver
treten ist.
In ciiilgen Wochen soll in Belgien ein
Völkerrechts - Congreß lagen, um weitere
Schritte zur Förderung des SchiedsgerichtS-
Prinzips zn thun. Die aus das internatio
nale Recht bezüglichen Gesetze sollen geprüft
nnd codifizirt werden.
Die Berichte ans England und aus den
übrigen Staaten des Conlinents waren, wie
gewöhnlich, sehr uninteressant; nicht einmal der
kneg in Spanien vermag noch irgend welche
Theilnahme zu wecken.
Abwickelung der Geschäfte des
Kongresses.
Es hat nicht den Anschein, als ob der Eon
grcß seine Sitzung über den kürzlich festgesetz
ten Termin (22. Juni) hinaus verlängern
werde, es bleiben ihm also, falls er nicht Lust
hat, amSonntag auch zu arbeiten, nur noch
zehn Arbeitstage. In dieser Zeit wird es
nicht möglich sein, die vielen wichtigen Maß
regeln zu erledigen, welche zwischen den bei
de Häusern in der Schwebe sind.
Die Etat Bills sind wie immer bis vor
Thorschluß verschleppt worden. Von zwölf
solcher Bills waren bis vorgestern nur dreier
ledigt, nämlich die Etat Bills für die Flotte,
für die Militär-Akademie und für die Fvrti
fikationen. Sechs andere waren in den Hän
den von Confercnz-AuSschttssen; zwei waren
im Hause, aber noch nicht im Senate durch
bcrathen, und eine der wichtigsten und ge
fährlichsten, die „Omnibus-Bill", war im
Hause noch gar nicht aufgenommen. Diese
Verschleppung kann nicht ohne die gewöhnli
chen Folgen bleiben, und es wäre sehr zu be
dauern, wenn dadurch in der cilften Stunde
die anerteniieilswerthcn Anstrengungen
Ausschusses für Bewilligungen, die Ansgu
ben einzuschränken, mehr oder weniger veiei
tclt würden.
Zu den vielen Maßregeln, die keine Aus
schuv zu vertragen scheinen, ist vorgestern eine
neue gekommen, die von der Spezial Unter
snchniigs-Ausschuß vorgelegte Bill zur Reor
ganisation der Regierung des Distrikts Co
lumbia. Ohne dag wir uns ein Urtheil über
die noch nicht geprüfte Bill erlauben möchten,
würden wir es als den größten Skandal die
ser Sitzung betrachten, wenn sie geschlossen
würde, ohne daß in der Regierung des Di
strikts eine Reform verheißende Aenderung
vorgenommen würde.
Für die Zollamts-Reform-Bill haben sich
die Aussichten gebessert, indem der Senat sie
in Angriff genommen und vorläufig eine der
Reform günstige Stimmung bewiesen ksitt.
Er hat iogar sich gegen Wiedereiiischaltuiig
des im Hause gestrichenen Paragraphen in
Betreff der Inspektion der Bücher nnd Pa
piere der Importeure entschieden; mehr kön
nen die Letzteren nicht verlangen und viele von
ihnen haben nicht einmal so viel verlangt.
Um die Bill zum Widerrufe dcr Gesctz-Be
stimmnngcn, unter denen Sanborn und Ge-
ihr Unwesen trieben, hat sich dagegen
der Sein bis dahin nichts bekümmert. Diese
Bill gehört kaum weniger als die zwei vorer
wähnten, zn den Akten der Buße und Rene,
ohne welche die Leiter der Nationalregierung
keinen Anspruch ans eine Modifikation des
Berdammungs-Urtheils über ihr Treiben
haben.
Der Eonfcreiiz.Ausschuß beider Häuser über
die sogenannte Currency Bill hat sich festge
fahren, ohne Aussicht auf Erlösung. Die
Vertreter beider Häuser wären wohl geneigt,
eine Instatious Maßregel zu Stande zu brin
gen; darüber, wie weit man den Instationi
sftn zu Liebe gehen könne, würden sie sich wohl
einige, aber eine solche Einigung wäre
wcrthlos. Ihre Aufgabe ist, eine Maßregel
zn erfinden, die nichl zum Boraus jeden Ge
danken an eine Genehmigung seitens des
Präsidenten ausschließt. Nach dem neuesten
Manifest des Letzteren ist jene Aufgabe un-
Confcreiizler haben nach den neuesten Berich
ten in der That daraus verzichtet. Das Auf
treten des Präsidenten ist ohnehin füx die
Congreß-Mehrhett eine Quelle des ärgsten
Verdrusses und der peinlichsten Verlegenheit;
sie wird sich also hüten, den Präsidenten zu
cniem neuen Baarzahlungs-Manifcst zn pro
vociren.
Eine andere Ursache von Verlegenheiten für
die republikanische Partei, die Eivil-Rechts-
Bill, wird ebenfalls ans die lange Bank ge
schoben werden; das Hans hat sie vorgestern
sür diese Session definitiv beseitigt. Auf der
andern Seite ist von der Amnestie-Bill, die
im Dezember das Haus passirt hat, ebenfalls
keine Rede im Senat. Dieser betrachtet es
als das Berniächtniß Snmner's, daß er zur
Amnestie nicht ja sagen dürfe, ohne daß die
Neger ihre Civil-Rechte haben. Inzwischen
haben von den paar Hundert Rebellen, die
unter den bestehenden Gesetzen noch ausge
schlössen bleiben, in dieser Session wieder eine
Anzahl Spezial Amnestie erhalte und die
Bill hat eigentlich keinen erheblichen prakti
schen Werth mehr.
Die Erledigung der „Alabama"-Forderun
gcn scheint auch wieder nicht zu Stande zu
kommen, und eS ficht immcrmehr darnach ans,
als ob diese Angelegenheit ein Scitcnstück zn
den berüchtigten „französischen Spoliationen"
gäbe. Das neue Bankerott Gesetz gehört
Zu den Maßregeln, über deren Schissbruch
höchstens Jay Cooke und ähnliche Abenteurer,
nebst ihrem Anwalt Termainc, zu klagen ha
ben. — Die Frage der inneren Verbessern,
gen ist an der erzwungenen Sparsamkeit des
Congresses gescheitert. Doch ist im Hause am
vorigen Freitag noch eine Bill durchgesetzt
worden, welche den Bau eines Canals im
Misstssippi-Delta bezweckt. Ueber die wissen
schafllichen Probleme ist das Haus dabei mit
souveräner Verachtung hinweggegangen und
hat es insbesondere das Vcrticsungsprojekl
des Ingenieurs Eads, des Erbauers der Mis
sissippi Brücke bei St. LouiS, schnöde behan
delt, worüber dessen Freunde und Verehrer
höchst entrüstet sein werden. Die Frage wird
übrigens weiter ventilirt werden, der Senat
wird die Bill ruhig liegen lassen und die
New-Orlcanser vorläufig ihrem Schicksale
überlassen. Die Abneigung des Congresses,
sich in irgend Etwas zu mischen, wobei Loui
siana im Spiele ist, tritt immer stärker zu
Tage. Louisiana ist für die republikanische
Partei eine der schweren Lasten, die sie gerne
abladen möchte. Die Session läuft ab, ohne
daß in Betreff der vakanten Sitze Louisiana's
in beiden Häusern Beschluß erfolgt, Alles
bleibt IM Status yuo, und Louisiana mag im
nächsten Herbst eine zweite Auslage des Skan
dals von 1872 veranstalten.
Die Zulassung von Colorado und Ncw-
Mexiko, welche dem Hause so wenig Skrupeln
machte, wird im Senat auf crnslereErwäguiig
stoßen und ist für diese Session nicht mehr zu
erwarten. Die Senatoren fangen an, betreffs
ihrer Würde besorgt zu werden, wenn dieselbe
durch Crcirung solcher Bogus-Staaren zu
einem so leichten Preis wird.
Für die Utah-Frage isi noch weniger Zeit.
Die Haus-Bill hat im Allgemeinen eine so
ungünstige Beurtheilung erfahren, sie ist juri
stisch so unhaltbar, daß die großen juristischen
Lichter im Senat es nicht wagen werden, sie
hinnilterzuwllrgcn. Schon bei dem Ver
tagnngsbeschluß, der vor einigen Wochen an
genommen wurde, war es klar, daß die Leiter
des Congresses den vielen schwierigen Pro
blcmen, die sich ihnen präseiittrlen, durchzu
gehen wünschten. So wird es denn auch ge
schehen. Die wenigen Tage, die bis zum
festgesetzten Termine bleiben, müssen den
Budget-Gesetzen gewidmet werden und der
Congrcß wird mit einer halbwegs gewissen
haften Erledigung derselben vollauf zu thun
haben. Was die Probleme betrifft, so wird
ihre Lösung wohl weniger derSchlnß-Session
dieses Congresses, als künftigen Conzresscn
vorbehalten bleiben.
Dir Situation in stzrankreich.
Die Situation m Versailles ist zur Stunde
sehr gefährlich. Die Bewegimg zu Gunsten
einer Auflösung der National-Versammlung
dauert fort und gewinnt an Bedeutung durch
die Thatsache, daß Thiers, sowie eine große
Anzahl von Depntirten des linken Centrums
sich derselben angeschlossen haben.
Ein franz. Republikaner in New Kork sieht
die Lage der Dinge in Frankreich zur Stunde
als sehr gefährlich an. „Die zweite Lesung der
Bill in der franz. National Versammlung
schreibt er —, welche das neue Wahlgesetz re
gulirt, und wodurch sofort 2 —3,vöv,vo
Stimmgeber ans den Listen gestrichen werden,
sollte die Herzen aller Derjenigen, welche dem
Kaiserreiche trcugeblieben sind, mit über
schwänglicher Freude erfülli haben. DiePas
strung dieser Bill mit einer solchen Majorität
ist gleichbedeutend mit der Annahme, und die
selbe gibt dem jungen 'Napoleon den einzigen
Trumpf in die Hand, welcher in seinen Kar
ten noch vermißt wurde. Als vor 24 lahren
dieNalioitalversammlimg, von demselben eng
herzigen und conservativeil Geiste geleitet, wie
gegenwärtig, beschloß, 2,, Stimmgc
bcr zn cnlrcchten, sagte Thiers in dem Palais
Bourbon „Das Kaiserreich ist gemacht," und'
man braucht heute nicht einmal ein Staats
mann zu sein, um dieselben Folgen, welche
die Slimm-Entrechtuiig damals hatte, vor
auszusehen."
Der französische Republikaner machte aller
dings auf die Vortheile aufmerksam, welche
der dritte vor dem vierten Napoleon voraus
hatte, aber erinnert an folgende Thatsachen:
1.. daß zur Stunde 5 aller französischen Ver
waltnngs-Beamten alte Diener des Kaiser
reiches sind, welchen sie ihr Emporkommen
zu danken haben; 2., daß der Herzog de Brog
lie, als er vor sechs Monaten die republika
nischen Maircs in ganz Frankreich absetzte,
dieselben durch Commissäre ersetzte, welche be
reits vor dem Sturze des Kaiserreiches dien
ten; 3., daß mit Ausnahme eines halben
Dutzend alle Generale der Armee Bonapar
tisten sind, und endlich, daß trotz der schreck
lichcn Folgen des Jahres 187 das französische
Volk nicht leicht vergißt, daß es unter Napo
leon litt zwanzig Jahre lang einen nie dace
weseucn industriellen nnd commerziellenWoh!
stand genoß, dessen es sich gerade jetzt in den
Tagen der Krisis nnd der permanenten Stag
nation recht lehhaft erinnert.
Wenn der Franzose sagt unser repnbli
kanischcr Gewährsmann weiter —, sich jener
Zeiten blühenden Wohlstandes erinnert nnd
dieselbe mit der gegenwärtige Geichüftsstag-
Nation vergleicht, welche ihre Ursache in dein
radikalen Unvermögen der Pscudo-Republi
kaner hat, dann kann er nicht umhin, als auf
die Idee zu kommen, daß das Kaiserreich sehr
gut war. Man prüfe die Gesinnungen des
stanz. Volkes, speziell in den Industriestädten,
und man wird überall dieselben Ansichten
finden. Der französische Arbei.cr, ohne Zwei
fel der beste Republikaner, wird immer sagen:
„'Napoleon und sein ganzer Anhang waren
ohne Zweifel große Schurken und nicht den
Strick werth, um sie zu hänge, aber dennoch
hatte Jeder unter seiner Regierung genügend
Arbeit, während letzt der Hunger an alleThü
rcn klopft; außerdem hat der Franzose unter
der jetzigen Republik weit weniger persönliche
Freiheit, als unter dem Kaiserreiche. Gebt
uns irgend Etwas, möglicherweise ein viertes
Kaiserreich, nur befreit uns von diesen uner
träglichcn Zuständen."
Das ist die gegenwärtige Stimmung in
Frankreich. Beseitigung des Provisoriums
um jeden Preis ist die Losung. Was hat
dann Aussicht, an die Stelle zu treten V Nicht
das GotteSgnadenlhilin nuter Henry V.,cben
sowcMg eine constilnlioiietlc Monarchie unter
Ludwig Philipp il ; jeder denkende Franzose
hat es längst eingesehen, daß der Kampf zw-
- schen der Republik und dem Kaiserreiche liegt.
- Die Republik ist seit 1370 aber in der Achtung
- der Franzosen durchaus nicht gestiegen, indem
! man ihr alle Fehler, welche die verkappten
> Monarchisten in ihrem Namen begingen, zur
- Last legt, so ist denn der Junge von Chiscl
l hurst, über dessen Zukunft noch vor drei Jah
' ren alle Welt spottete nnd lachte, der wirk
liche Mann der Zukunft. Wie lange? kann
allerdings Niemand sagen, denn Jedermann
! weiß, daß bei den Franzosen Nichts lange
dauert.
Deportation von ~Pupcrs und
Verbrechern nach Amerika.
Bekanntlich war es in frühern Zeiten der
Brauch, daß europäische Regierungen und
Gemeinden solche Personen, die ihnen wegen
ihrer Hlllflosigkcit zur Last fielen oder die ein
Verbrechen begangen hatten, ganz einfach nach
Amerika schickten. Dieser Unfug hat bis in
die ncneste Zeit hinein bestanden und scheint
auch jetzt noch hie und da wieder anszntau
chen. Aus einer soeben bekannt gewordenen
Mittheilung des Staatssekretärs geht hervor,
daß dieser Gegenstand eine nichts weniger, als
angenehme Correspondcnz zwischen der Ver.
Staaten-Regierung nnd einigen auswärtigen
Behörden veranlaßt hat.
Am 22. März 1869 wurde Hr. Bancroft,
Gesandter der Ver. Staaten in Berlin, benach
richtigt, daß das Staatsdepartement eine
mchtoffiziellc Mittheilung erhalten habe, nach
welcher eine israelitische Gesellschaft im Be
griffe jtehe, alle armen und hlllfsbedürftigen
Israeliten nach Amerika zn senden. Hr.
Bancroft erwiederte, daß er dies nicht glaube
und daß seines Wissens von dort aus keine
Elmgranten nach Amerika befördert worden
ieien, die nicht den Willen und die Befähi
gung haben, zu arbeiten.
lB7l übermittelte Hr. Rublce,
Gejandter der Ver. Staaten in Bern, dem
eine zwischen ihm nnd
dem jchweiz. Bundcsrathc gepflogene Corre-
Ipondenz, ans welcher hervorging, daß eine
Gememdebchörde des Cantons Aargau hülf
>o,e, schwachsinnige und sonst untaugliche
Personen ans Gemeindckostcn nach Amerika
schicken wollte. Hrn. Rublee gelang es, daß
die eines unheilbaren Idioten ver
hmderr wurde. Ter Präsident des schweize
rischen BundcsratheS sprach in warmen Wor
ten seiiic Mißbilligung über diesen eben so
ungerechten, als unmenschlichen Versuch aus.
Im Nov. 1871 wurde Gen. Schenck, Ge-
London, vom Departemente be
nachrichtigt, daß eine Liverpooler Gesellschaft
arme Kinder nach Amerika spcdire, und er
wurde beauftragt, die Angelegenheit zn nnrcr
mchen. Er antwortete, daß er bereits mit
Lord Granville darüber unterhandelt habe
und daß die Abfindung suspendirt worden
sei. Im Dezember 1871 und im Januar 1872
iiistruirte das Departement den Gen. Schenck
hinsichtlich dreier Personen, die aus der Ge
fangenschaft entlassen und nach Amerika ge
schickt worden, und im lakre 1373 wurde er
benachrichtigt, daß andere britische Verbrecher
nach diesem Lande deportirt worden seien.
Im August 1873 meldete Gen. Schenck dem
Siaats-Sckrctär: „Ich denke nicht, daß die
von Lord Granville erhaltenen Noten genü
gen, und glaube, daß die Ver. Staaten zn
eincr entschiedeneren Zusicherung Seitens der
Regierung Ihrer Majestät bezüglich der Be
leitigung der Uebelstünde, über die ich Klage
geführt, berechtigt seien." Das Departement
war der nämlichen Ansicht und iiistruirte den
Munster, energische Vorstellungen bei der brit.
Regierung zu machen.
Bon Euba her wurden die Ver. Staaten
mit alten hülstosen Weibern bcdachi, als ob sie
deren nicht schon genug hätten. Vier dersel
ben wurden, wie es scheint, im Jahre 1872
verbannt und siebenzig andere sollten folgen.
Admiral Polo wurde sofort vom Departemente
davon benachrichtigt. Er antwortete, die vier
alten Damen seien nahe verwandt mil dem
ImurgentenführerGarcia Jnguez und was in
Bezug auf die anderen siebenzig Weiber und
Kinder gesagt werde, sei ein bloßes Gerücht.
Daß neun griechische Verbrecher vom Justiz
minister in Freiheit gesetzt und nach New-
Orleans gesandt werden seien, wurde in der
Eorrcspondenz in Abrede gestellt.
Im Oktober 1872 machte Hr. Bancroft die
'Regierung des Großherzogs von Hessen auf
die in deutschen Zeitungen veröffentlichte
Nachricht aufmerksam, daß ein Verbrecher,
Namens Johann Staufs, der wegen Mord',
Brandstiftung und Raub lebenslängliche
Zuchthausstrafe iintcr derßedingmig,
daß er nach Amerika auswandere, begnadigt
wurde. Die Thalsache wurde zugestanden,
aber die Regierung gab die Versicherung, daß
dieses nie mehr geichchen werde. Eine andere
Nachricht, nach welcher zwei deutsche Verbre
cher nach Amerika deportirt worden sein soll
ten, schien ohne Begründung zu sein.
Zn Folge einer Beschwerde, welche der
Staatslekretür im Dezember 1872 an die ita
lieniiche Regierung richtete, dankte der italie
nische Minister der auswärtigen Angelegen
heilen dem amerikanischen Gesandten Hrn.
Marsh für seine Bemühungen, die durch Pri
vatagentcn begangenen Betrügereien anfzn
decken nnd legte seiiier>Antwort an den Staats
sekretär ein Cirkular vom Minister des Innern
bei, welches an alle Präfektcn des Königreichs
geschickt wurde, in der Absicht,' „daß die un
moralischen Spekulationen der Agenten unv
die ungesetzliche Emigratton verhindert werde."
Vergangenen April überreichte Graf Eorti,
der italienische evesandte in Washington, dem
Departemente die Abschrift eines neuen Ge
setzes, welches die Absicht ausspricht, jede un
geeignete Auswanderung, namentlich von
Kindern, zn verhüten. (N.-Sj. Stsztg.)
f Theodor L'Arrongc.
Der auch in Amerika bekannte Theater-Di
rektor Theodor L'Arrongc ist am 2. Mai in
Uckerrath, einem im Siegthal gelegenen Dorfe,
sechs Meilen von Köln, wo crcin kleines Land
giitbesaß, in seinem 62. Lebensjahre gestorben.
L'Arronge stammte ans Hamburg, sein Fa
milienname war Aaron, und wurde er wegen
seines kleinen, drolligen Persönlichkeit „Äa
ronche" genannt, woraus der Träger dieses
Diminutivs, als er in die Bnhiieiiwelt trat,
sich den französisch klingenden Namen L'Ar
ronge beilegte. L"A. war ursprünglich ein
israelitischer Schriftgclehrler, Eantor m einer
großen Gemeinde des Glaubens seiner Bor
väter und nanim eine gründliche, musikalische
Bildung sein eigen. Dreißig Jahre alt, ging
er zur Bühne über, und da seine Acußerlich
keit ihn schon auf das Gebiet wies, auf wel
chem er am Wirksamsten sich hervorthun konnte
das des Komischen, hatte der Novize keine be.
sonderen durchzumachen.
Auf dem Felde der niederen Komik suchte L'A.
in den 4V Jahren seinen Rivalen und der äl
teren Generation Berlin's wird die Komiker
trias am weiland Königstädlischcn Theater
Grobeckcr, L'Arronge und Ediniiller, noch in
lebhafter Erinnerung sein. Jüngere Elemente
verdrängten dann die alten biederen, gemnth.
lichcn Komiker der Königsstadt. Noch in,
Jahre 184 war L'A. der Liebling der Berli
ner am Alexanderplatze und Umgegend. An
fangs der fünfziger Jahre, als das Agiren
schon etwas körperliche Belästigung mit sich
bkachre, hatte L'A. sich aus einem Darsteller
in einen Prinzipal metamorphosirt und steht
als solcher wegen seiner Fähigkeit, Umsicht
und Kenntniß der Bühncnverhältnisse, aber
auch wegen seiner schneidigen Rücksichtslosig
keit, die viele seiner Untergebenen für Grob
heit und Tyrannei auslegten, in gemischter
Erinnerung. In den Städten Tanzig, Brom
berg, Posen, Düsseldorf, Mainz Aachen und
Köln genoß er des wohlverdienten Ruft'S, ein
tüch!iger„verftäiidig sparsamer und auch wie
der, wenn es sein mußte, z. B. bei Herstellung
kostspieliger Opern, liberaler Theaterdirigenl
gewesen zu sein. 'Nachdem er im Jahre 1867,
Frühjahr und Herbst,-im New-'2)orkcr Stadt
lhcatcr und auch in der hiesigen „Eoncordia"
sehr erfolgreiche Gastspiele abgewickelt hatte,
kehrte er nach Köln zurück und übernahm,
wenn Ref.- nicht irrt, das Stadtthcatcr in
Mainz, bis ihm später die Leitung des Thea
ters in Ems übertragen wurde. Hier hatte
er einen Wirkungskreis, welcher ihm Gelegen
heit bot, durch ebenso energische, als kunst
sinnige Führung der Bühne die Aufmerksam
keit des deutschen Kaisers ans sich zu ziehen,
welcher bekanntlich in Ems alljährlich zur
Kur weilt. Bei einer solchen Gelegenheit war
es auch, als L'A. cm Brillantring als Aner
kennung seiner Verdienste um Hebung der
Emscr Bühne vom Kaiser durch den Geheimen
Cnbinetsrath Bork überreicht wurde. In sei
ner Eigenschaft als darstellender Bühnenkünst
ler war L'A. in seinen späteren lahren nur
noch ans dem Gebiete der niederen Komik
wirksam und auch da nur mit Zuhülfenahme
von Mitteln, welche eben nur ans diesem Felde
statuirt werden können. Jedenfalls stand sein
Dircktorialtalent weit über dem der Darstel
lniig. L'Arronge hinterläßt mehrere Söhne
ans erster Ehe; jcine zweite Gattin ist die
frühere Opernsänger! Snry aus Tanzig.
Die Vcrmögeiisvcrhällnisse werden mit Recht
für geordnet gehalten, da L'A. stets Sinn für
geordnete Verhältnisse in alle Lagen des Le
bcns gehabt. Ob indeß die vor einiger Zeit
mitgetheilte 'Nachricht wahr ist, daß ihm'ein
Lottericgewiiiil von zehntausend Thalern zu
gefallen, kann Ref. nicht verbürgen) (Jonrn.)
Ter Sekretär des Innern soll bcadsichtigen,
an Stelle der vor einigen Tagen abgedankten
In di an er- Frie de ns -Eom in iss ion
eine neue z ernennen, welche gänzlich an?
Oiiäkcrn besteht; dieselbe soll vermehrte Ge
walten erhallen und wird man bald sehen,
wie weit die frommen Männer mit den Rolh
häuten kommen.
Baltimore, Md., Freitag, den 12. Juni M-l.
Tages-Neuigkeiten.
Die Annahme des Cönserenzberich
tes überdie Pcn sions- B i Il s wird
die Pensionsausgabcn um einige Hunderttau
sende erhöhen. Eine dieser Bills erhöht die
Pensionen von 69l Invaliden von K 31 .25 ans
H5O die andere bewilligt einar
migen Soldaten dasselbe, was Invaliden er
hallen, welche ein Bein verloren haben, nem
lich H 24 pro Monat.
Die Dhatsachiy daß der neüe Finanz
Mlnl st c r Gen. Bristow ein alter Freund
des Gen. Schurz ist und demselben bei seiner
Ankunft in Washington sofort einen Besuch
machte, läßt einige Blätter die Vermuthung
aussprechen, daß demnächst eine Aussöhnung
zwischen dem Präsidenten und dem deutschen
Senator stattfinden dürfte. DaS ist ziemlich
weit hergeholt. Die Feindschaft zwischen
Schurz und Grantist weniger eine Person
liche, als eine prinzipielle und derartige Klüfte
zwischen zwei Persönlichkeiten kann nicht leicht
ein guter Frcunv überbrücken.
In Lcmp's Brauerei zu St. Lonis hat
sich vor einigen Tagen der deutsche Schuhma
cher Karl Bode aus Hessen - Kassel erschossen.
Der Mann litt am Säuferwahnsinn.
Der Bundesschatz meist er Spin
ne r überreichte dem neuen Finanz-Minister
Hrn. Bristow seine Resignation mit der Er
klärung, daß er während seiner Amtsdauer
bei jeder Veränderung desFinanzministcriums
seine Resignation offerirl habe. Hr. Bristow
befolgte jedoch den Brauch seiner Vorgänger,
die Resignation nicht anzunehmen.
In Ciiicinnati wurde am letzten Son
ntag die snnge Frau Vandenberg durch Expto
sion einer Kohlenöllawpe tödtlich verletzt.
Die junge Frau,kaum 16.Z Jabre alt, war äst
am vorhergehenden Dienstag mitihremManiic
getraut worden und hatte am Sonntage ihre
Freunde und Verwandten zn einer kleinen
Festlichkeit in ihr Haus geladen. Da ihr das
Feuer ans dem Heerde nicht gut genug
brannte, so griff sie zur Kohleiiölkanne nnd
das Unglück geschah. Das Haus der Freude
war im Nu in ein Tranerhans umgewandelt
und vier Personen, welche die brennenden
Kleider der unglücklichen Frau löschten, er
hielten außerdem noch arge Brandwunden.
Daß der Besicger khiwa 's, General
Kaufmann, in Ungnade gefallen ist, haben wir
bereits früher berichtet. Die Enthüllungen
über die heillose Paschawirthschaft in Türke
stan haben den Rücktritt des glorreichen Bc
sicgcrs von Khiwa zur Folge gehabt. Einst
weilen das ist in 'Rußland so üblich hal
er zwar nur einen dreimonatlichen Urlaub er
halten, allein diesem folgt wohl sich:r die de
finitive Enthebung von dem Posten des Ge
neral Gouverneurs von Turkcstan.
Ein Schwefelbcrg ist ncunhnndcrt
Meilen westlich von Omaha entdeckt worden.
Fünfzehn Prozent Beimischung andcrerStoffe
abgerechnet, besteht derselbe vollständig aus
dem reinen Mineral, und man glaubt, wenn
dasselbe erst einmal in den Handel gekommen
ist, werde dadurch das Jahrhunderte alte
sizilianische Monopol niedergebrochen werden.
Für Zeitungen werden in der Stadt
Ncw-Uork neun Millionen, für Theater
sieben und sür religiöse Zwecke drei Millionen
Dollars ausgegeben. Kirchen giebt es 470,
Schenken 843 in 'New Jork. Die Ausgaben
für geistige Getränke berechnet man für das
Jahr ans 50 Millionen.
Ans vielen Gegenden des Landes, und be
sonders Connecticut, Wisconsin, New-Pork,
vom Onondaga-Sec, Illinois, West-Virgi
nie u.s.w., kommt Kunde über große, durch
den Sonntags- nnd MontagS-
Sturm angerichtete Verheerun
gen. In Connecticut brachen mehrere Däm
me, in Beloit, WiSc., zertrümmerie der Blitz
zwei Thürme, im Onondago-See kenterte ein
Boot und zwei Knaben ertranken, in Kemp
villc, Canada, wurden viele Häuser entdachl
und an manchen Punkten sind die Eisenbahn
geleise arg beschädigt worden; bei Marlins
bürg, West - Virginien, litten die Felder sehr
schwer.
Em angeblicher Abkömmling des
Generals Washington, James R.
Washington, der bei dem Seifenfabrikanten
Francis Dan, Nr. 75, Murraystraße, New
2)ork, als Laufbursche beschäftigt ist, hatte
mit dem Buchhalter der Firma, JosephPfohl,
Nr. 255, Hudsonstraße, Streit und schoß die
sen in das rechte Bein. Der Vorfall wurde
bis vorgestern geheim gehauen, doch da sich
der Znstand des Manms verschlimmerte,
wurde Washington in die Tombs geschickt,
um den Verlauf der Wunde abzuwarten.
Laura koch, Marykcys und Lizzicßarrocks
leiteten bei'mkrcisgerichte inlacksonvllle,
Jll., Klage gegen den Wirth Ernst Wiede
mcier ein. Sic behaupten, daß ihre Männer
in Folge des Genusses von bei dem Verklag
ten gekauften Spirituosen unordentlich und
liederlich geworden seien und verlangen des
halb K3V Schadenersatz, sich hierbei auf das
StaatS-Temperenzgesctz stützend.
Eine Kohleuöl-Qnelle ist am 15. Mai von
Hrn. Si mo ii Haag, einem in LancSvillc,
Harrison County, Ind., wohnenden deutschen
Katholiken in seinem „Spring" unter dem
Hause entdeckt worden. Dicscibe liefert bis
jetzt ungefähr 1 Barrel Ocl pro Tag und ist
Aussicht vorhanden, daß man mit der Zeit
durch etwas Mühe noch mehr gewinnen kann.
Die Flüssigkeit besteht, so viel bis jetzt ermit
tclt werden konnte, ans ungefähr zwei Thei
len kohlcnöl und einem Theile Quellwasftr,
welches sich nach kurzer Zeit setzt und das
reine Ocl oben läßt. Diese unerwartete Eni
dcckimg wird ftir die Bewohner von LancS
villc und die Umgegend von großem Nutzen
sein.
Als Mittel gegen die Folgen des Bisses
toller Hunde nennt ein Texancr eine
starke Abkochung in Milch von Wurzeln der
i'MiiillX'og. ckoc-niürn, dem Patienten so lange
verabreicht, bis sich Schlaf einstellt. Das
Mittel soll bereits in den vorgerückten Sta
dien der Wasserscheu mit Erfolg angewandt
worden sein.
Für das Mannheimer M onu me n t
der im Jahre 1849 standrechtlich erschossenen
deutschen Revolutionäre hat ein St. Louiser
Comite, bestehend aus den HH. F. Hecker, E.
Prätorins, A. Hammer, C. Tänzer, W.
Stängel, G. Schneider, C. Lüdeking, PH.
Weigel, Dr. Castelhun und Joh. Barth, einen
entsprechenden Beitrag eingesandt n. wünscht,
daß an dem Denkmale folgende Botivtasel
angebracht werde:
Der neue amerikanische Gesandt
bei'm deutschen R c i ch e, Hr. I. Ban
eroft Davis, ist, wenn wir nicht irren, ein
naher Verwandter des bisherigen amerikani
schen Geschäftsträgers in Berlin, Hrn. Ban--
crost. Davis war seit Jahren im Staats
dienste nnd hat besonders bei'm Genfer
Schiedsgerichte der ameritanischen Regierung
geleistet; außerdem war er
Hülfs Staatssekretär; er ist ein tüchtiger Kopf
und außerdem cm freund der Deutschen.
Die Wahl scheint demnach von Seiten des
Hrn. Grant keine schlechte zu sein.
'Nach langer Berathung haben sich endlich
die leitenden Geister der herrschenden Partei
in beiden Häusern des Congresses zur Vor
läge einer Bill verständigt, die gewissermaßen
als Compromiß in der Finanz-, resp.
Couraut-Frage des Landes betrach
tet wird. Die neue Bill, die bereits vor
gestern vom Eonserenz-Comite im Senate
eingereicht wurde, ;,beschränkt" den Papier
geld-Umlauf auf 5382,000,000, schreibt die
Noten Einzeichnung vor, bis der Betrag
schließlich auf,300,000,000 ermäßigt wird,
nnd stellt die endliche Umwandlung der Na
lionalschnld in 5-prozeutige Obligationen in
Aussicht. Eine genane Durchsicht der Bill
überzeugt uns, daß die „Juflationistcn" noch
in,mer zu siegen gedenken; bleibt sich Graut
comeguent, so wird er die neue Bill, falls sie
Yassiren sollte, ebensowohl wft die ursprüng
liche Papiergcldmehrungs-Vorlage mit seinem
Velo belegen.
Das Unterhaus des Congresse
hat etwas Vernünftiges gethan, indem es so
wohl Pinchback als Sheridan als liichtbcrcch.
tigt zu Eongreßsitzcn von stousiana erklärt
hat.
Bemerkenswerth ist es, daß im 5. Eon
greß.Bezirke Maryland'?, zurzeit
durch den Republikaner Alberl vertreten,"der
wohlbekannte Benjamin G. Harris als Can
dida! aufgetreten ist und erklärt hat, daß er
als Gegner der 14. und 15. Amendements der
Constitution in die Schranken treten werde.
Werde er erwählt, so würde sein erster Antrag
im Congresse dahin lauten, sofort alle von
Farbigen eingenommenen Sitze durch Weiße
ausfüllen zu lassen. Gleichzeitig erklär? er,
daß er für keinen einstmaligen Anhänger Gree
lcy s stimmen werde. Er lHarns) stehe zur
Partei des weißen Mannes und werde mit
ihr siegen oder fallen.
Von Philadelphia, New-lork, Washing
ton-c. werden eine Menge Todes- und Er
kranknngsfällc in Folge des Sonnen
stiches gemeldet.
Von Ottowa, Canada, verlautet, daß
das einzige Hemmuiß zum Abschlüsse eines
Reciprozitäts-Vertrages mit den Per. St
darin beruhe, daß Letztere nicht geneigt seiend
eanadische -Fahrzeuge zum Küsteiidienste znzu'
lassen.
In Indiana at sich die Groß Loge der
„Odd - Fellowö für die Bestrebungen der
Heulweiber erklärt.
In 811 ffa l 0 R.-?)., suckle Ernst Butt
ner den Tod im Wasser und fand ihn. D<st
Mann hat schon früher drei erfolglose Selbst
mordsvcrsuche gemacht.
Das Geschäft inC aliso r n i e r
Weinen nimmt von Jahr zu Jahr bedeu
tendere Dimcnsioncn an und wird es den
Freunden dieses lieblichen Gewächses ange
nehm sein, zn vernehmen, daß hcner den
Weinbauern daselbst allen Nachrichten zufolge
eine günstige Ernte bcvorstebt. Man erwar
tet einen Ertrag von 10 Millionen Gallonen.
Die Reben sind im Allgemeinen och in der
Entwicklung zurück, doch dürste dieser Um
stand von Bortheil sein, da der lange und
warme Sommer Californicn s in den Trau
ben einen so reichen Zuckerstoff entwickest, daß
es schwierig ist, aus demselben einen leichten
Wein herzustellen. Um diesem Uebclstandc
abzuhelfen, haben viele der Winzer die Trau
ben schon verarbeitet, che sie vollständig zur
Reife gelangt waren, doch läßt sich dasselbe
Resuliat vielleicht dadurch crziejen, indem
man die Zeit zur Entwicklung der Traube
künstlich verkürzt.
Die Frage der Verringerung des A rmec.
B e st andes darf man, so weit es die gegen
wärtige Congreß-Sitzung anbetrifft, als erle
digt betrachten: Es bleibt bei'm Alten. Aehn
lich wird es wohl mit einer Menge anderer,
Anfangs mit so viel Ostentativ versprochener
SparsämkcitS-Maßregeln gehen.
Ueber die Vertheiln ng der G e n f e r
Schiedsgerichts-Gelder scheint man
nn Congresse noch zu keinem Verständnisse gc
kommen zn sein. Der Senat erklärt, der im
Unterhause passirlen Bill nicht beistimmen zu
wollen, so lange die Assckuraiiz-Compagiiie'n
von der Zahlung ausgeschlossen bleiben. Am
Ende wird die ganze Geschichte bis zur näch
sten Sitzung verschleppt.
Von M orris t 0 w n, N. ?)-- hört man,
daß der letzte Sturm dort große Verheerungen
angestiftet hat. Der Hagel zertrümmerte die
Fenster, zerstörte die Bäume, lödtcte viele
Hühner und richtete großen Schaden auf den
Feldern an.
Die Bill über Abschaffung derAn
g ebergeb ii h re n im Zolldicnste wurde
vorgestern nach längerer Debatte im Bundes-
Senaie angenommen, nur der fünfte Abschnitt
der Original-Bill wurde in amendirler Forin
wieder eingeschaltet. Dieser Abschnitt verfügt,
daß in gewöhnlichen Prozessen Criminäl
sälle ausgeschlossen der 'Anwalt der Re
gierung, welcher weiß, daß er ans den Bü
chern nnd Papieren eines Kaufmannes einen
Beweis liefern kann, eine Requisition zur
Hcrbeischafsung des betreffenden Buches und
Dokumentes erlassen darf. Dieser Abschnitt
wurde am Dienstag im Hause gestrichen, trotz
dem das Comite sür Mittel und Wege den
selben empfohlen hatte; erst Senator Wright
setzte es durch, daß derselbe wieder hergestellt
wurde.
Das Bnndcss cfta tza m t hat folgende
wichtige Entscheidungen in HMsachen gege
ben: Opium, das Produkt Pcrsim's, ist
einem UnterscheidungSzolle von 1 Prozent
all vnl. unterworfen; indem Persien östlich
vom Cap der guten Hoffnung liegt.— Pfeifen
imo Flöten fürkindcr werden uiuer dicSpiel-
Waaren gerechnet und zahlen 5 Prozent -ni
vnl. Zoll; baumwollene und gestrickte Bän
der, welche zu Schuh und Otieftlstrippen
verwendet werden, sind unter dem Gesetze vom
2. März 1867 zn verzollen, Gewebte wollene
Piano- und Tijchbeäcn zahlen 5 Cents pro
Psmid und 25 Cents >u! V!.; Miniaturthe
aier zc, gedruckte Karten und andere mecha
nische Knnstsachen zahlen 35 Pro;, all v.-ck.,
ein für den Gebrauch einer Kirche npirorttcr
Gegenstand, welcher nicht speziell zollfrei wird,
ist zn verzollen; Herbarien können zoll
frei nponirt werden; Seiden Sergen, wel
che, lrotzdem sie eine lleine Baninwollen-Vei
Mischung haben, unter die Seidcnwaaren ge
rechnet werden, zahlen 6 Prozent ock vol.,
freie Güter, welche den Theil eines Importes
bilden, können ohne Prüfung und ohne Ab
schätzung an ihren Bestimmungsort geschickt
werden.
Bor dem Senats Comite über Wahlen stand
vorgestern Senator Mitchell von Orc
g a, um wegen der verschiedenen gegen ihn
: orliegendenÄnklagen vernommen zu werden;
speziell wurde sein Privatleben von verschie
denen Gegnern angegriffen. Der Senator
legte eine Anzahl Dokumente vor über den in
den Beschuldigungen berührten ,zainilienskan
dal. Er zeigte, daß er zur Zeit, als er seine
zweite Frau gcheirathct, die besten Ursachen
gehabt habe, zu glauben, daß seine erste Fran
gestorben sei; er gab zu, daß er seinen Namen
von Hippie inMitchcll umgeändert habe. Das
Comite verlas die vorliegenden Dokumente
nnd kam zn der Ansicht, daß das Privat- und
Familienleben des Senators nicht Gegenstand
der Untersuchung sei. Was die Anklagen be
treffe über die unrechtmäßige Erwählung des
Senators, so bildete dieselbe leinen Grund
sür eine nähere Untersuchung, und das Co
mite verlangte gestern, der näheren Untersu
chung dieser Angeiegenheit überhoben zu wer
den.
Das Senats-Comite über Revolnti'
onS - Ansprüche hat beschlossen, eineßill
cinzubcrichtcn, welche dem Großenkel deSPrä
sidcnten Monroe, Hrn. Snml. S. Gouver
neur, die Halste der Obcrst-Lieittcnants-Gagc
zuspricht, welche Monroe vom Staate Vir
ginien ans dem Revolutionskriege zn fordern
yat. Im Jahre 1779 passirte nämlich in der
virginischen Gesetzgebung ein Gesetz, welches
allen Offizieren der Linie des Staates für
ihre Lebenszeit halbe Gage zusicherte. James
Monroe war Oberst-Lieutenant eines virgi
nischen Regimentes, da er eine bedeutende po
litische Rolle spielte und im Jahre 1816 zum
Präsidenten der Ver. Staaten erwählt wurde,
so erhob er niemals Ansprüche. Unterdessen
hat der Eongrcß die Kriegsschulden und Ver
bindlichkeiten der Staaten ans den Rcvoln
tionskriegen übernommen. Der Enkel wird
jetzt endlich den Betrag erhalt:. Dasselbe
Comite hat ferner beschlossen, eine Bill cinzu
berichten, den Pensions-Commissär anzuwei
sen, ausznfinden, wie viel General Rochefer
mais zu fordern hat. R. kam alsjungcrMann
mit Lasayette nach den Ver. Staaten: da er
von Haus aus sehr reich war, so verköstigte er
sich selbst und beanspruchte nie Bezahlung.
Seine Nachkommen sind jetzt gänzlich ver
armt, und es wäre ein Akt der Dankbarkeit
von den Ver. Staaten, wenn man den Enkeln
zahlte, was der Großvater großmüthig aus
schlug. . -
Fast gleichzeitig sind in Mcchanicsbnrg,
Penns.,' Indianapolis,lnd., und Spring
field, Jll., Farmer nnd Grängcr-
Conventionen in Sitzung. Aus den
Verhandlungen erhellt, daß der geheime Cha
rakter der Gesellschaften auf cutschicdcueiiWi
dcrsvruch stößt und die Forderung laut wird,
in Zukunft nicht länger das Tageslicht zn
scheuen. Wir haben von Anfang an ange
nommen, daß durch eine gehnme politische
Bewegung, die immer nnd immer wieder an
die dunklen Tage des Nichtwiffcrthjlins crin
ucn, nichts GutcS erzielt, sondern nur eine
Entfremdung gegen die ganze Bewegung
wachgerufen werden kann.
Als Resultat einer durch die „Amerikanische
Gesellschaft der Ingenieure" (in New stjort)
angestellten Untersuchung wird uns nunmehr
mitgetheilt, daß der neulichc D a m in b r u ch
in Massachusetts allein der größten
Sorglosigkeit des Aufsehers und der That
sache zuzuschreiben, daß der Damm selbst von
gänzlich untüchtigen und unerfahrenen Perso
ucn gebaut worden sei.
Ein St. Petersburger Corrcspondcnt des
Londoner „Standard" meldet, daß unlängst
auf der Wolga bei Gelegenheit einer tollen
Wettfahrt zwischen den Tpfrn. „Belisa
riuS" und „Provorny," um sich in den sta
dungSplätzen gegenseitnz die Passagiere abzu
jagen, der Kessel des erstgenannten Dampfers
barst. Fünf Menschen, darunter der Eigen
thümer des Dampfers, wurden auf der Stelle
getödtct, achtzig, wovon gleichfalls eilf kurz
nachher starben, mehr oder weniger schwer
verwundet, während fünfzehn, die in der
Verzweiflung in's Wasser sprangen, ertra
kcn.
Man hört wieder einmal ans dem vielbe
sprochencn Gra ni K i rch ipiclein st o n i
slan a, wo vor einiger Zeit blutige kämpfe
zwischen den Weißen und Farbigen stattfan
den. Das Bundesgericht hat nunmehr drei
Personen, Cruitshank, Hadnot und Irwin,
welche sich an den Unruhen betheiligten, der
„Verschwörung gegen die öffentliche Ruhe"
schuldig befunden, so aber gleichzeitig der
Gnade des Gerichts empfohlen. Die übrigen
Angeklagten wurden freigesprochen.
Das Philadelphia'er „Büllclin" hat Nä
heres über die junge Amerikanerin
ausgefunden, welche in der nculichen Dia
manten-Gefchichte in St. Petersburg eine so
hervorragende Rolle spielte. Die Schöne
heißt „Miß Fcciiix" und ist die Tochter eines
einstmals Hervorragenden, aber längst mit
Tode abgegangenen Predigers in Philadel
phia. keine besondere Tugendheldin, war
sie bereits zwei Male verheirathet.. Ihr erster
Geniahl starb plötzlich in Virginicn und ihr
zweiter, ein bekannter New-chorker, trennte
Letzteren führte sie sodann ein tolles Leben in
Amerika, kehrte aber später nach Europa zu
rück, fing den 12 Jahre jüugcrn Neffen des
Czarcn in ihr Netz und erhielt von ihm die
kostbaren Diamanten der Großfürstin Con
stantinc und Wechsel zum Betrage Awn 5
Mill. Frs. Ehe die Geschichte an'S sticht
kam, war die elegante Amerikanerin mit ihrer
Beute bcrejtö in Sicherheit. Ter arme Ni
kolans Constantinowitsch aber hat jetzt für
seine Thorheit zu büßen, und sich die Ungnade
des Czaren nnd noch mehr die der um ihre
Diamanten gekommenen Großfürstin zuge
zogen. '
Vor einigen Tagen brachte der Telegraph
von Chicago die Nachricht, daß der dor
tige Bischof Foley den Priester Terry, der sich
vor dem Zorne des Prälaien nach Ottowa.
Canada, geflüchtet, des Amtes entsetzt, weil
vmelbe das erste Blich Moses als hloßeTich
timg und keine thatsächliche Wahrheil bezeick
habe. Es erhellt nunmehr, daß die ganze
Geichichte eine leere Erfindung der seniatio
nellen Chicago'cr Presse ist." Der Priester
habe weder eine solche Vorlesung ge
halten, wie ihm die Chicago'cr Presse unter
geichoben, noch der Bischof irgend Etwas von
einer Vorlesung überhaupt gewußt, als er
neuerdings den Priester nach einem größeren
S-irkungskreise versetzte. Die hiesige „Sun"
widmet der Geschichte eine längere Bespre
chung und tadelt es, daß durch solche Wind
beuteleien nicht nur der Ruf von Individuen,
wndern auch der Kirche überhaupt vcrnn
glimpft werde, ganz abgesehen davon, daß
durch solche Berläumdnngen der Moral, die
grade in der Presse ihre wärmsten Vcrthei
diger haben sollte, in's Gesicht geschlagen
werde. , a
Das t r a n r i g st e Bei sp i c l eines
Renegaten bietet der bekannte Th.
Nag dar, der sür Harpcr's „Jllustrirtc Zei-
zeichnet. Derselbe ist ein geborener
-deutscher, entblödet sich aber nicht, in der
letzten Nummer jenes Blattes das ganze hie
sige dentjche Element ans's Gröblichste zu be
leidigen, indem er zugleich vor dem bigotte
sten Nalivisiiius auf dem Bauche kriech!. Er
hat da ein Bild geliefert, das eine Straße in
Cincinnati darstell?. Ans einein Schilde steht:
Lagerbier." Polizisten und
Bürger sind als Schweine dargestellt und
unter ihnen zwei Francngestalten mit Gebet
Büchern. Die Unterschrift des Bildes aber
heißt: „Juwelen unter den Schweinen."
In New - Nork erhängte sich gestern
Adolph Bogcr, als Porter bei Pickhardt sc
Andrcsscn angestellt. Bogcrmachteeincm jun
gen Mädchen den Hos, das ihm aber in den
letzten Tagen die kalte Schulter zeigte. Vor
gestern Abend begab er sich nach dem Mäd
chen und verlangte schiießliche Antwort auf
seine Bewerbung. Tiesclke fiel verneinend
aus und gestern Morgen beging 8., beiläufig
erst 27 Jahre alt, Selbstmord.
Auch von New --Ö a v cn, Eon., kommt
nachträglich Meldung über Verheerungen,
die dort der Montags Sturm angestiftet hat.
15—16 Dämme wurden in New-Haveii, Sa
lisbury, Falls'Villagc :c. weggeschwemmt,
bei Norfolk zwei Brücken, eine Scidenfabrik
und eine Eiscnschmelze zerstört. W. H. Bor
num in New Häven allein erleidet einen Ver
lnst von 520, und in demselben Verhält
nisse haben Andere gelitten.
Die neue Regierung deS Di
st r i k t s E o lu m b i a wird, wie wir schon
vor mehreren Tagen als wahrscheinlich be
richteten, nach der Hansbill aus einer Com
Mission von drei Mitgliedern, die vom Präsi
oeiiten zu ernennen und vom Senate zu be
stätigen sind, bestehen. Diese Commission
bildet die Exekutive, während ein Armee In
genieur die Leitung der öffentlichen Verbesse
rungen erhält. Nene Verbesserungen außer
den angefangenen werden jedoch nicht vorge
nommen. Tie zu erhebenden Stenern be
tragen für Washington 3 Prozent, für Geor
gctown 2I Prozent und für den Landdistrikt
Prozent des abgeschätzten Werthes. Die
Distrikts Legislatur, das Gonveriicnrsamr
und die damit verbundenen Aemter werden
aufgehoben und die Gehalte aller Beamten
um 2 Prozent verringert. Zwei Senatoren
und zwei Repräsentanten sollen ein Comite
bilden, um im nächsten Congresse eine Bill
zur Reorganisation des Distrikts Gonvcrnc
ments vorzulegen, so daß die gegenwärtige
exekutive Commission nur temporär ist.
Wie sehr die deutschen Einwände
rervoiidenAmeri k a n e r n g e r i ii g
gesch ätz twcrdcii, ersieht man ans der
Rede des BniideSsenators Pratt von Indiana,
welcher keineswegs einen sehr schmeichelhaften
Vergleich zwischen den Deutschen und Negern
macht; er sagte nämlich: „Es scheint mir fett
sam, oas; Leute, die sich gegen die sogenannte
„Gleichstellung" der 'Neger mil der weißen
Vevöllerung aussprechen, sich niemals gegen
die Gleichberechtigung von ausländisch- sind
inländisch-geborenen aiiierikanischeii Bürgern
äußern, gleichviel, ob der vom Ausland her
über Gekommene dumm und unwissend, arm,
oder ein Verbrecher ist; gleichviel, od er un
sere Gesetze kennt und vielleicht nickit einmal
spricht. Mit den zahlreichen
europäischen Einwanderern, die in unseren
Seehäfen alljährlich den Boden unseres Lau
des betreten, halten unsere farbigen Bcvöl
kcruiigsclemenft in jeder Hinsicht einen für sie
günstigen Vergleich aus."
Montag 'Nachmittag ereignete sich in Mör
lein's Brauerei zn Cinci n n a t i ein
schrecklicher Unglücksfall. Herr Mörlein ließ
nämlich in seiner Brauerei 'Reparaturen vor
nehmen, zu welchen, Zwecke Gerüste aufge
schlagen wurden. Ein Zimmermann, Na
mens Heinrich Schmoll, befand sich auf einem
der Gerüste und arbeitete. Plötzlich gab das
Ouerbrett nach und brach zusammen, und
Schmoll fiel etwa 45 Fuß tief auf den ge
pflasterten Boden herab. Die Verletzungen,
welche er erhielt, sind so schwer, daß er densel
ben wahrscheinlich erliegen wird. Er brach
den linken Arm, zwei Rippen und einen Fi
gcr. Am Kopfe erlitt er drei große klaffende
Wunden, auch hat er innere Verletzungen da
vongetragen. Tie Aerzte halten die Vftedcr-
Herstellung des Verunglückten für kaum mög
lich. Schmoll wohnt in Ncwpon, wo er Fran
und zwei Kinder hat.
Die N e w - 2) orkcr wollen einen ehrlichen
Mayors-Candidateii ausstellen und sehen sich
zu diescmZwecke unter den prominenten Deut
'chen um. Mit' dein Mayors-Amte werden
in Verbindung gebracht die HH. Oswald Ot
lendorffcr, Herausgeber der „Stszlg.," Franz
Sigel, Sigismund kaiismaim und Ex-Gon
vernenr Salomon von Wisconsin. Oltcn
dorffer scheint die meiste Aussicht zu haben.
Ter neue deutsche Botschafter für
Frankreich, Fürst Hohenlohe Schillmgssürst,
wurde ani 23. Mai von dem Präsidenten der
französischen Republik, MacMahon, in feier
licher Audienz empfangen und dessen Beglan
bigungSschrcibcn entgegengenommen. Fürst
Hohenlohe hob in seiner Ansprache hervor, der
vculsche Kaiser habe, indem er ihm eine so
hohe Stellung übertragen, ibm empfohlen,
der Ansrstchterhaltung und Weiterentwicklung
der guten Beziehungen zwischen Deutschland
und Frankreich seine ganze Sorgfalt zuzu
wenden. Er bitte den Marschall MacMahon,
sich überzeugt zu halten, daß alle seine Be
mühungen daraus gerichtet sein würden, das
gute Einvernehmen, welches gegenwärtig
zwischen den beiden Regierungen obwalte,
auch fernerhin aufrecht zu erhalten. Der
Marschall-Präsident gab in seiner Erwiedc
ruiig ebenfalls den freundschaftlichsten Vcr
sick'crungcn Ausdruck und beglückwünschte sich,
daß die Wahl des Kaisers aus einen so ausge
zeichnete Mann, wie den Fürsten Hohenlohe,
gefallen sei. Diese Audienz ist die erste der
artige Feierlichkeit seil dem Sturze des Kaiser
reiches gewesen.
Der Austritt der Ein c i n:i a tier
Tnrngcnieinde aus dem „Nord
amerika n i s ch e n T u r n e r b u n d c"ivird
gemeldet. Zn den Pechvögeln, die nicht nur
selbst Pech haben, sondern auch Andere in'S
Pech führen, gehört der Literat und Turner
Rappaport. Vor ungefähr einem Jahre wurde
derseibc verschiedener Ursachen halber aus der
Ciiiciniiaiicr „Turngeiiieiildc" ausgestoßen.
Er beklagte sich dann bei der kürzlich abgehal
tenen Tagsatzmig des „TurnerbniidcS" in
Rochestcr, und die Dagsatznng nahm ihn in
Schutz. Darüber große Erbitterung in der
„Turiigemeinde" zu Cincinnati. Dieselbe be
schloß am letzten 'Montage mit 3l gegen 2
Stimmen, aus dem „Nordamerikaiiischen
Turnerbnndc" auszutreten. Sollte dieser Be
schluß der Sache des DurnwesenS schaden, so
wäre es sehr zu bedauern. Dieser Entschluß
der obigen Gemeinde, welche zu den ältesten
und einflußreichsten des Landes gehört, wird
ohne Zweifel überall großes Aussehen verur
sachen, und sieht man mit Spannung der
Wirkung dieses Beschlusses entgegen.
In New - stjorthat sich unter der Parole:
„Schutz den Grünen!" eine deutsche Gesell
schaft zum Schutze der Eiiiwandercr ge
bildet.
Tic „N.-A. Stsztg." von gestern erzählt:
„„Heute begraben sie Einen, der wohl wenigen
politisch aktiven Demschcn New chork's ein
Unbekannter war. An g nst Tan tpho e us
(Freiherr von) ist von langem schmerzlichen
Leiden durch den Tod erlös't. —Mit welchem
Eifer er namentlich in politisch reger Zeil
durch das lebentigc Wort sür die erkorene
Sache zn wirken ptlegte, ist sozusagen stadt
bekannt. In den Organisationen, denen er
sich anschloß immer mit ehrlicher, ganzer
Hingebung zählte er in der Regel zn den
thätigsten Mitgliedern. Es steckte in dem
Manne manche, nicht ganz entwickelte Fähig
keit. Biel Rosen hat ihm sein Erdcnwallen
nicht gebracht. Er ist Einer von Denen, an
deren frisch aufgeworfenem Grabe die besten
Freunde sagen: „Wohl ihm!""
Im Sauferasyl von RingS-County,
N-.-U., befinden sich lt Patienten irischer
Nationalität, 86 Anglo Amerikaner, Eng
länder, !i ans den briiischen Provinzen, 6 ans
Schottland und 3 De u tsch c. Tie kleine
Noliz ist der Beachtung der Deutschenhasser
und Temperenzler bestens cmpsohlen.
In Chicago erschoß sich der Deutsche
Julius Spengler.
Telegraphische Tepeschen.
Europäisch? Mbclbcrichte.
, Oestreich,
W i ö n. 6. Inni. Das katholische Epi
skopat Böhmen's hat beschlossen, dem neuen
kirchengcsctze Widerstand zn jcistcn. Die
Passive Opposition hat bereits begonnen, in
dem vakante Vikariate ohne Einwilligung der
Regierung neu besetzt worden sind.
W i c n, 8. Juni. Am 15. d. Mts.
wird hier eine internationale Eonserenz zu
sammentreten, nm sich über Mittel zu bera
then, die Ausbreitung Cholera zn verhü
ten, und um die Ursachen der Krankheit auf
zuklären. Alle enropäftchen Mächte haben
Zugesagt, die Eonscrenz zu beschicken.
, ik. Juni. Der internationale
SanitätS Congrcß hat sich bis zum 7. Juni
1375 vertagt.
London, 4. Inni. lesserion Davis
ist gestern mit dem Dampfer „Adriatic" von
Liverpool nach New -York abgereist.
London, 5. Juni. Im Unterhause
wurde gestern Abend mit 16! gegen l26Stim
men der Vorschlag der Regierung angenom
men, daß die Wirthshäuser in der Stadt an
Wochentagen von Morgens 7 Uhr bis (A Uhr
Nachts offen sein dürfen; in Ortschaften,
welche mehr als 25 Einwohner zählen,
sollen die Wirthshäuser von 7 Uhr Morgens
bis kl Uhr 'Abends, nnd in Ortschaften von
weniger als 25 Einwohnern von 6 Uhr
Morgens bis ly Uhr Abends geöffnet sein.
Während des Abends tagte Hr. Disracli, er
wolle Veranlassung nehmen, die irrige An
nähme zn berichtigen, daß diese Sitzung von
kurzer Dauer sein werde. Sieben Bills von
anßcrordenUlchcr Wichtigkeit seien dein Par
lamente ;n nutervreileii. Dies würde sehr
bald geschehen, nnd wenn die Mitglieder die
.-Zeit vertändelten, so werde diese 'Sitzung, statt
kurz zn sein, eine ungewöhnlich lange wer
den.
Londo n, 6. Juni.—Alfred Lockwood und
W. R. HyneS, Beide von 'New Port, fuhren
gestern in Sydenham spazieren. Plötzlich
wurden die Pferde scheu und gingen durch,
wobei beide Herren aus dem Wagen gewor
sen wurden. Herr Lockwood wurde so "schwer
verletzt, daß er bald daraus starb.
London, 8. Inni. —Es scheint, das;
der Earl os Ljarborough gern Einen nimmt;
am letzten Dienstag traf der Onäslor des
OberhauftS den edtcn Grasen sternhagelbe
trunken an und sührie ihn in ein Privatzim
mer. Als der Beamte später nach seinem
Patienten sehen wollte, fand er ihn nicht
mehr in dem Zimmer, und seitdem ist er spur
los verschwunden.
London, 8. Inni. Der Papst hat
durch ein Mandat die Smiode von Dublin
zusammeiibernfen, welche die Lage der katho
Uten in Irland erwägen soll.
London, 8. Inni. —Hr. DiSracli sagt,
dem Parlnmenle würden nicht weniger als
17 wichtige Bills vorgelegt werden, und er
ermahnt die Mitglieder, fleißig zu sein, nm
eine verlängerte Sitzung zu verhüten.
In Newüham, Cambridgeshire, hat heute
eine verheerende Fenersbriiiist gewüthet. Elf
Familien sind obdachlos geworden.
London, 9. Juni. Ter Herzog von
Coiinaughl erschien gestern Abend zum ersten
Handlungen Tbeil.
Lo ii i> o ii, 9. Juni.— Ten von Paris ein
getroffenen Nachrichten zufolge beabsichtigt
die französische Regierung, die Auslieferung
des tzjomniuiustcn Rochesort und seiner Ge
Nossen zn verlangen unter dem Vorwande, daß
die von ihm verübten Verbrechen nichl als
„politische" betrachtet werden dürfen, sondern
als solche, welche nach dem internationalen
Rechte die Auslieferung deö Delinanenleu als
zulässig und geboren erscheinen lassen.
P aris, 6. Inni. Das linke Centrum
hat die Iniiialivc ergrifft und eine Pro
klamation zur definitiven Ver
kündigung der Republik oder eine
A uslös uii g der N ational Ver
sa in nil ung verlangt! Il Dcpntirte
stimmen diesem Programme bei nnd es ist
keine weitere Aussicht zur Aussöhnung der
L o i> d o ii, 3. Mai. Der Pariser Eorre
spondent des „Standard" meldet: „Das
Manifest des linke Centrums, welches ver
langt, daß entweder die Republik erklärt
werde, oder die National-Bersammlnng sich
auslöse, hat eine Aufregung hervorgerufen,
wie sie seil dem Tturze Thiers'nicht cxistirt
hat.
Man glaubt allgemein, daß die Auflösung
der National-Versammliing durch dies Mani
fest beschleunigt werde, ohne Paß die Aussich
ten aus die Herstellung einer definitiven Re
gicnlngSfonn wüchsen.
P a r i s, 8. Juni. Die Stimmung in
Veriaillcs ist sehr gedrückt..
Der Vorschlag iiir die Auflösung der Na
tional Versammlung ist von 125 Deputirten,
welche bosscn, daß auch die >95 Mitglieder des
linken Centrums ihre Unterschrift hergeben
werden, unterzeichne: worden. Der Vorschlag
zur Auslösung wird der Kam'ner bei nächster
Gelegenheit vorgelegt werden. Das linkcCen
lrum ist entschlossen, in der Frage, ob Re
publik oder Auflösung, eine Entscheidung her
bcizufllhren,- nnd zwar vor der im August
stattfindenden Vertagung.
Pari S, v. li. Der Erzbischof Lau
driot von Rheims ist gestorben.
Paris, 9. Inni. In der National
Versammlung verlas Hr. Girard, Tepntirtcr
von Nievre und Mitglied der Linken, cm
Dokument, welches nach seiner Auslage wäh
rend der letzten Wahl im Departement von
Nievre in Umlauf gesetzt worden war.
Dasselbe ersucht bonapartistischc Beamte,
alle Stellen, welche sie zn vergeben haben, an
abgegangene Offiziere zn übertragen, welche
die Wahl des bsnapartistischcn Candidaten
Bonrgoing begünstige!!, und sngt hinzu, daß
der Finanz-Minister der Regierung ein Per.
zcichniß dieser Beamten zugestellt habe.
Hr. Girard verlangte eine ehrliche Unter
suchung dieser Angelegenheit. Hr. Ronhcr
behauptete, von der Existenz diclcS Doku
menlsNichlS zu wissen, und ließ durchfühlen,
daß dasselbe erdichtet sei.
P a ri s, l. Inni. —Gestern gab der ame
rikanische Gesandte Washburiic i Ehren des
Herzogs von Eargeö ein großes Essen. Unter
den Gästen befanden sich die Gesandten Eng
land's, Rußland's, Demschlaiid's und ande
rer Staaten, ferner Ex Gouverneur Wash
biirne von Wisconsin, I. N. Jones, Ver.
Staaten Gesandte in Brüssel n. A. Nur eine
Dame war zugegen, nämlich die Frau des
Gesandten Washburne.
Paris, l. Inni. In der National-
Versammlung wurde heute mit 318 gegen 337
Stimmen ein Amendement zur Muinzipalbill
angenommen, welches das Alter der Stimm
berechtigten auf 21 Jahre festsetzt.
Paris, i. Juni. Ter Eiscnbahnzug,
welcher die Depntirtcn heute Abend von Ver
sailles nach Paris brachte, war von einer
starken Eskorte begleitet, um die Bonapar
listen zn schützen, gegen welche von Seiten der
Freunde Gambelta's die Erbitterung groß ist.
Tie kaiserlich gesinnten Blätter enthalten hef
tige Angriffe gegen die stinke, und es berrschi
ein allgemeines Gefühl der Unbehaglichkeit.
P a-k i S, I. Juni. Als gestern Abend
Gambetta von Versailles in Paris ankam,
wurde er von verschiedenen Bonapartisten an
gehalten nnd herausgefordert, die anstößigen
Bemerkungen zu widcrholcd, welche er in der
National Versammlung gemacht haue.
Ein Dokument, ähnlich dem, welches Gi
rard in der Nationalversammlung vorlas, ist
in den Kasernen verbreitet worden.
P a li. Juni.—Hr. Schölcher und
Möns. Tegel! begaben sich heule nach dem
Bureau der Zeitung „ste Pays" im 'Namen
des Maire Clemenceau, welcher von den Rc
publikanern abgeordnet wurde, für einen hei
tigen Artikel in jener Zeitung Genugthuung
zu verlangen. Paul Cassagnac war gerade
abwesend, er hat aber seitdem angezeigt, daß
er morgen eine Erklärung geben wird.
Paris, 11. Juni. Eine große und am
geregte Volksmenge versammelte sich heute zur
Zeit der Abfahrt der Dcputirten am westlichen
Bahnhose. Gambetta wurde mit Hockrnien
begrüßt und ausgezischt. Die Polizei suchte
die Menge zu zerstreuen. Möns, stefevre, cm
Deputirler der stinken, wurde verhaftet, aber
später freigelassen. Ein Tumult entstand
und Gambetta wurde abermals iii'ullirt. Die
Polizei säuberte dann den Bahnhof und hielt
denselben während des' Nachmittags besetzt.
In der Nationalversammlung verlangte
Möns. Bare eine Untersuchung der anfrüh
rerischcu Vorgänge, welche die Regierung an
zuordnen versprach.
Bei der Rückkehr der Depntirten von Ver
sailles schlug der Gras W. Croix Hrn. Gam
betta mit einem Stock in's Gesicht, wurde
aber prompt verhaftet.
Tie Geschäfte der Nationalversammlung
wurden in Folge dieser aufrührerischen Vor
gänge sehr gehindert.
Der internationale IZongrcstlkln Brüssel.
st oli d o n, I. Juni. Die „Times"
veröffentlicht eine Depesche ans Berlin, welche
- sich über das wahrscheinliche Verfahren des
.im nächsten Monat j Brüssel znsammcntre
j tenden National - Congrcffes angiebi. Der
Correspondeul sagt, der Cougreii werde die
j anerkannten Gebränch: des Völkerrechts, so
> weit dieselben sich aus die kriegsführuug be
ziehen, codifiziren. In Form eines interna-
tionaleii Vertrages wird ein neuer Codex
verfaßt werden, welcher für die ganze civili
ürte Weit gültig sein soll. Ein dem Congrcß
zu uiltervreitender Vcrtrags-Enrwurf ist vor
bereitet worden. Derselbe .enthält 76 Elan
icln, welche über die Rechte nnd Verpflichtun
gen Ziriegsnhrender Bestimmungen enthalten.
Auch die Art der Waffen und die Behand
lung der Kriegsgefangenen wurden in dem
Eiitwnrj lpezisizirl.
London, ii. li. Im Unterhause
jagte heute der Unterslaatssekretär Hr. Bourke
>n o'vlgc einer Interpellation von John Si
iiion, der von ver russischen Regierung eilt
Oodex, welcher dem nächstens in
Brnjiel zusammemrclenden internationalen
Zsongreß vorgelegt werden soll, betreffe die
Ausübung der Mititär-Antoritäl in Feindes
land, den Unterschied zwischen Kämpfern und
Nichttkäiiipfirn, die verschiedenen Arten der
Kriegführung, die Repressalien und die Be
handlung der Gesangcncn. Hr. Bourke sagte,
die britische Regierung habe sick noch nicht
entschieden, ob sie Delegaten zu dem Congresse
Ich.ckcii wolle.
Bayon c, 10. Juni. Zwischen Cstclla
und dem Arga-Thale erwarten 25 Bataillone
Karlisten mit 12 Kanonen die Ankunft der
Republikaner, welche von Tasalla ans vor
rücken.
P a r is, 11. Juni. Eine Depesche von
der spanischen Grenze meldet, daß zahlreiche
Banden in den baskischen Provinzen gegen
Don Carlos revpttirten nnd von diesem ver
lausten. daß er Frieden machen solle. Ten
Carlos hat besohlen, die Rebellen nach ihrer
Gefangennahme zu erschießen.
Rom, 5. Juni. Der Papst war heute
Morgen im Stande, das Hochamt abzuhal
ren. und ging nachher in seine Bibliothek zu
rück. Er ist sehr schwach, aber das Fieber
hat ihn verlassen.
Rom, 6. Juni. —.Der italienische Senat
hat den Handelsvertrag mit Mexiko und den
Poslvertrag mit Brasilien bestätigt.
Rom, 8. Juni.—Die amerikanischen Pil
ger werden am nächsten Donnerstag bei dem
Papste Audienz haben.
R o m, 9. Juni. Die Pilger aus den
Ver. St., begleitet von 10 hier ansäßigcn
amerikanischen Katholiken, besuchten heute den
Vatikan nnd wurden vom Papste empfangen.
Bischof Dwcnger stellte die Pilger vor sind
sprach des Weitern „über die unwandelbare
Hingebung der Katholiken der Ver. St. an den
HI. Vater. Ehrlich die Freiheit liebend, ver
dammten sie aufrichtig die tyrannische Versal
gnng der Kirche durch Prahler, welche die
Freiheit verlängneten nnd Gott entfremdet
ftien." Nach dem Bischöfe iprach in ähnli
eher Weise Dr. Theard.
Der Papst erwiederte, „daß inmitten der
Finsterniß, welche die Well umgebe, dieser
Besuch ein Strahl des Lichtes sei. Tie Feinde
der hl. Kirche seien zahlreich. Es sei ein gro
Ber Trost, auf die neue Welt zn blicken, wo
der wahre Glaube sich so wunderbar entwik
tele, nm häufig die Errichtung neuer Diözc
sen nothwendig zn machen. Trotzdem herrsche
doch noch eine falsche Religion in einem gro
isi'ii Theile jenes Weltheils nnd man müsse
unablässig Gott anflehe, daß er Alle zum
wahren Glauben znrncksnhre."
Tic Pilger traten sodann Einer nach dem
Andern vor, kiißren die Hand des hl. Vaters
nnd übergaben ihm die von Amerika mitgc
brachten Geschenke.
Noch länger blieben die Pilger n Vatikan
und schieden schließlich, ttzff entrissen, vom hl.
Vaier. Wie verlautet, wollen die Pilger, che
sie Rom verlassen, dem Papste noch ein Al
bum, die Namen allcrPilgcr enthaltend, über
reichen.
Am Donnerstage cmpsingen Alle vom Pap
sie die hl. Commnnion.
Rom. li. Inni. Tie ainerikaiilschcii
Pilger machten heute dem Cardinal Voro
iiieo einen Besuch, welcher jedem eiucMedaille
überreichte, die vom Papste zum Gedächtniß
der amerikanischen Pilgerfahrt zn prägen be
lohlen wurde. Der Papst hat den berühmten
Archäologen Dignor Rossi angewiesen, den
Pilgern die Tempel und Alterthümer des al
ten Rom's zn zeigen.
Gleichzeitig wurde die Vergrößerung der
Gesellschaft zur Förderung des Katholizismus
in Amerika besprochen nnd dem Papste die
Präsidentschaft angeboten.
Akrika- Ter 'Ausstand in Aez.
L ondo 11, 8. Juni. Der Ausstand in
Fez ist unterdrückt worden. Die Truppen des
Sultans haben am 19. ds. Mts. eine heftige
Kanonade auf die Stadt eröffnet, durch welche
viele Hänser und Geschäftslokale zerstört wur
den. Die Truppen zogen später in die Stadt
ein und plünderten einen Theil derselben.
Neunzig Einwohner wurden getödtct. Die
Insurgenten streckten schließlich die Waffen,
und der Sultan hat Amnestie ertheilt.
Blutige Austritte. Die Hun
gersnot h.
London, 11. Juni. Eine Spezial-
Dcpcsche ans Ealcutta an die „Times" mel
det, daß in der Nähe von Tarjeeling cm
Volkshanft eilten Angriff ans Exporteure von
Nahrungsmitteln machte. Die Tumultan
ftn waren meistens uiivewassnet uns nahmen
die durch die Demonstration herbeigeführte
Aufregung wahr, um eine Anzahl von Läden
zu plündern. Mehrere derselben wurden ge
tödtct. Der Rcgiernngs - Eoimnissär hat
Truppen abgesandt, nm weitere Ruhestörun
gen zn verhüten. Der Correspondent der
„Times" lelcgraphiit ferner: „In Mozm
fcrvare, wo die Noth schon groß ist und noch
wächst, werden 2, Menschen von Sei
ten der Regierung unterstützt.
MkNld-Tepeschcn.
Ei neuer Gesandter nacki Berlin.
Bancroft Davis ernannt.
Washington, 1. Juni. Ter Präsi
dent übersandte heute dem Senate die Erneu
.ung des I. Bancroft Davis zum amerikani
schen Gesandten in Berlin.
Hr. Bancroft wird bis zur Ankunft seines
'Nachfolgers auf seinem Posten bleiben und
dann wahrscheinlich nach Washington ziehen,
wo er die Wohnung dcsEx Senators Hartem
gekauft hat.
Sumncr.
B o st o ii, l.Juni. —Tic Versteigerung
des nach Boston gebrachten Theiles der per
sönlichen Habe S iimncr's fand heute statt und
war zahlreich besucht. Die hauptsächlich aus
Porzellan-, Glas und andern Artikeln, Vasen
:e. bestehenden Sachen brachten gute Preise.
Der Sumucr Gedächtniß Fond erreicht
jetzt tzls,oou.
Mord und Brandstiftung.
R ntla nd, Vi., 1. Juni. Gestern
früh um 6 Uhr entdeckte man, daß das -Hans
einer Buhlcrm, Namens Annie Fricze, in
Brand gerathen sei. Dasselbe wurde von den
Flammen zerstört, aber unter dem chutt
wurde noch ein Theil des Körpers des vcrnn
glückten Weibes hervorgezogen, welcher deut
liche Spuren trug, daß, che sie verbrannte,
ein Mord an ihr verübt worden war. Es
war ihr die kehle abgeschnitten worden, auch
bemerkte man Stichwunden in der Brust. Es
war bekannt, daß sie Geld und Geschmeide im
Werthe von mehr, als HIV hatte; aber alles
Nachslichcns ungeachtet konnte man keine
Spur davon entdecken.
Explosion einer Schiffsladung Ni
tro-Glyccrin; tt Personen ver
unglückt.
Busfalo, N.-?)., 9. Juni. Ein mit
Nitro Glycerin bcladcner Schooncr, der
„Exile," ist auf dem Snpcrior-See in die
stuft geflogen. Sieben oder acht Personen,
welche sich an Bord befanden, kamen um'ö
Leben.
Explosion von Steinol ans einer
Eiscnvayn.
New bürg, N.-2)., .Juni. Bei
Grceiiwood explodirte gestern Abend aus der
„Ericbahn" ein mitStcmöl befrachtcterWagen
des Zuges Nr. 35. Der Eondntleur S. S.
Carcy wurde tödtllch verletzt.
Gin euer Planet.
R ochc st er, N.-ty., 9. Inni. Gestern
Nacht um 10 Uhr hat Lewis Swift von hier'
einen ncnen Planeten cutdeckt. Derselbe ist in
der 'Nähe der Brust des Sternbildes Girasse,
und ein recht glänzender Stern mit einem
Schweis, der einen halben Grad lang ist.
Seine Bewegung ist langsam und gegen die
Erde gerichtet. (Dies scheint eher ein Eomek
als ein Planet zu sein. A. d. R.)
Verheerungen im Staate New
syort durch das Unwetter vom
Sonntag.
N e w-2) or k, l. Juni. Aus verschiede
neu Theilen des Staates sind eingehende Be
richte über den durch das Unwetter vom Sonn,
tag angerichteten Schaden cliigclanfin; Hm
gclichauer haben arg gewüthet. Die Treib
häuser und Gärten in der Nähe von Rochestcr
wurden schlimm zugerichtet. In Pillssord
wurde eine große Scheune vom Blitze getrof
fen und brannte nieder. In der Ortschaft
Chili wurde ein Mann vom Blitze betäubt,
und in Atbion wurden dreiKühe vom Blitze
gelobtet. Zwei Feuerkugeln explodirte aus
einem Marktplätze in Urica. In Hamilton
wurde die katholische Kirche vollständig zer
trümmert, eine andere Kirche verlor den
Thurm, welcher in einen angrenzenden Hos
räum stürzte, und die Fensterscheiben der
bischöflichen Kirche wurden sämmtlich zcrbro
che. Das Dach des Bahnhofes wurde vom
Sturme fortgerissen und zertrümmerte in sei
nem Fall ein anderes Gebäude. DerSchorn-
Nr. 2ä.
stein von Johnson's Gerberei wehte nm, und
Fensterscheiben im Werthe von Tausenden von
Dollars wurden zertrümmert. TaSDach des
Bahnhofes in Poolevllle wurde fortgerissen,
und an den Fensterscheiben, sowie auf den
Feldern und an den Obstbäumen durch Hagel
bedeutende W-Wüstungen angerichtet. Un
terhalb Albany wurden zwei Schleppdampfer
an's Ufer getrieben. Unterhalb Fort Schuy
ler wurde eine Scheune eingeäschert. Die
Straßen von Scheiiectady standen in Folge
der heftigen Regengüsse lies unter Wasser und
mehrere Gebäude wurden vom Blitze getros
sen. In der Ort'chaft Glen, Montgomery--
Eounly, wurde I. I. Faulkncr's Kornmühle
erheblich beschädigt und vier andere Gebäude
gänzlich zertrümmert. In Florida mähte der
Sturm eine Fichten - Anpflanzung, welche 7
Äcker Landes bedeckte und Eigenthum des Hrn.
Henry E. Pcltingill war, buchstäblich nieder.
Davis Blood's Hopfen Anlagen wurden zer
stört. Zwei Häuser des Hrn. Lody zn 'Mill-
Point wurden vom Blitze eingeäschert und eine
Scheune vier Fuß von ihrem ursprünglichen
Platze getragen.
Weitere Opfer de? "Selbstmord-
Manie.
Jersey-Eity, N.-1., 9. Juni. —
Fran Gorman, eine alte Dame von 73 lah
ren, stürzte sich gestern aus einem Fenster
ihrer Wohnung, Ecke der Hudson - Avenue
und Kossuthstraße, in eine Cisterne, ans wel
cher ihre Leiche später hervorgezogen wurde.
Man nimmt an, daß sie im Wahnsinne hau--
delte.
Catharine Ryan machte sich gestern von
ihrer Wohnung aus den Weg, um sich im
Hackensack Flnisc zn ertränken. Am Ufer traf
sie mehrere Fiichcr, denen sie ihre Absicht zn
erkennen gab. Dieselben erwiderten ihr, sie
möchte ihnen die Fische nicht verjagen, und
sich einen anderen Platz annncheu. Sie kain
anderen Stelle in den Fluß. 'lhr Leichnam
wurde später herausgefischt.
'New - ?>ork, 9. Juni. Hr. William
Corry, ein wohlhabender Comraktor, beging
Selbstmord, indem er sich mit einem Pisto
lenschnß den Zchädel zerschmetterte. Erhalte
schon früher Aeußerungen gethan, daß ihm
das Leben kein Vergnügen mehr bereite. -
Ginc weitere Grube - (Explosion.
Willcöbarre, Penns., 9. Inni. —
Als lameS Williams gestern 'Nachmittag in
den Stantort-Schacht der „Lehigh Wittes
barrer Kohieiigesellschasl" hinabstieg, ereignete
sich eine Gas Explosion, in Folge deren er
6 Fuß tief in den Abgrund stürzte. Das
Wasser steht im Schachte 25 Fug hoch, und
die Leiche des Vernnglifttteii ist noch nicht gc
ftindcn worden.
Selbstmord durch voudallum.
Wilminglo ii, Tel., 9. Juni. Am
Dienstag Abend kam eine etwa 6 jährige
Fran in das .Haus von Roben M. Gibion
und wünschte Onanier ftir die '.stacht. Am
folgenden Morgen Nagte sie über Nnwohljein
und schob eine beabsichiiglc Tour nach Lanea
er von einem Tage bis zum andern ani.
Als sie gestern zum Mittagessen gerufen wur
de, fand man sie ans ihrem liinmcr ladt. Sic
war an den Folgen einer Laudaiiiim - Vcrgis
tiuig gestorben', und in ihrer Reisetasche wur
de eine Flasche gesunden, welche ll Unzen
Laudaiini enthielt.
Was ist iu Oftio tos k Der Gou
verneur bietet die Miliz auf.
Colnmbns, 11. Inni. Der General
Adjutant hat jocben eine Depesche von dem
("onverneiir crbalten, wodurch er angewiesen
wird, die „Little Grcps" von Cineiniiali auf
znsordern, sich slüiidlich bereit zn hatten, um
nach Nelsonville zugehen. Tie nöthige Or
ocr wurde nm 3 Uhr vom General Adjutan
ten erlassen.
Eol mbns, 11. Inni. Das „State
Journal" hal Depeschen von '.stelisnville, daß
31' Neger, meist von Virginien, .'tentncly
und Tennessee, Heine Morgen vier Uhr dorr
eintrafen, wn 2l Polizisten ans Eolnmbns
begleitet. Die Leute begaben sich soiort nach
Longslrel's Minen, wo sie sofort bewaffnet
wurden und eine Postenkette ausgestellt war,
welche die Bergwerke ningab.
Niemand wurde von dieser Postenkette ein
gelassen, welcher nicht von dem Vergwerksbe
sitzer oder von der Polizei Erlaubniß hatte.
Drei Neger, welche gestern Abend den Zug
vermißten, fuhren heute in Begleitung des
Polizci-ChesS von Eolnmbns, I. 3t. Spen
ccr, nach Nelsonville. Als der Zug dort an
kam, versuchten mehrere 'Bergleute mit den
Negern zu sprechen, der Hug fuhr jedoch bis
zn den Bergwerken, wo der Polizei Chef nnd
die drei Neger ausstiegen.
Als sie den Waggon erließen, wurde von
der Plattform eines Bahnwageus auf sie ge
schossen. Der Scheriff, welcher sich in der
'Nähe befand, verhaftete den Mann, welcher
den Schuß abfeuerte. Vor 0K: Postenlette
waren über hundert Männer, Frauen und
Kinder versammelt, doch erhielt Niemand
Zutritt. "
Ter Anssland kam Riher, weil der Berg
werkbesitzcr S. D. Poston verlangte, daß das
Via aß, ach welchem die Arbeit der Bergleute
gemessen wird, um l Eubikzoll vergrößert
werde. Die Bergleute wollten dieses nicht
zngestcyeii, aber sie willigten ein, daß ihr
Lohn von H 3 auf H 2.87 rednzirt wer.de.
Tic Bcrgwcrksbcsitzer wollen Nichls m>t
den zur Union gehörigen Bergleuten zn thun
yaben. 'Nel'ouville ist ruhig.
Eine stcrieytlickic Niederlage der
temperenzlerisckic Gasscnwei
ter.
BncyrnS, Ohio, I. Juni. Eine
der Gasscn-Tempcrenzlerinüeii, eine gewisse
Fran Trimple, wurde soeben der Uebenrc
ttiiig der städtischen Ledinanz gegen den ten:-
perenzlcrischcn Straßennnfiig von einer Inn,
schuldig gesprochen und zn einer Geldbuße
von Hi-s,'sowie in die -'tosten, welche sich aus
circa HIB belaufen, vcrurthcilt. Tic Ge
währung eines neuen Prozesses wurde ihr
verweigert; es wird aber die Cassation des
Urtheils in der Suprcmc Court beantragt
werden, nnd hoffen die Heulweiber, daß sie
schließlich noch siegreich ans der Affaire her
vorgehen werden.
Gouverneur rvo,cö.
Eharle st o ii. l>. Juni. -Richter Graham
hat eine Entscheidung über die Frage abgege
ben, ob Gouv.Moses unter dem gewöhnlichen
Criinmalvcrsahren anznllagen und zn Prozcj
streu sei. Er ist der Ansicht, baß die angcbli
che Vergehen Amtshaiidlimgcn waren und
daß der Gouverneur deshalb nicht wegen gc
wöhnlicheiiDiebstahls prozcssirt werden köninw
Der Richter verfügte deshalb, die Anllage
niederzuschlagen.
Sambo will weder Ausruyr, noch
Ausstand.
Memphis, l. lum. Tie hiesigen
Farbigen dielten vorgestern Abend eine Mas
ienvcrsanimlniig, worin der neulich von einem
Theile der Presse erhobenen Anschuldigung,
Sic Farbigen beabsichtigten, sich für einen Aus
stand gegen die Weißen vorzubereiten, ent
schieden entgegeugelrelcn wurde: Ties sei .
ferne von ihnen, wohl aber scheine es, daß '
etliche .-seftimgem zur Förderung polnischer
Iwecke zwischen den beiden Raecn Zwietracht
säen wollten.
Erplosion einer Lokomotive.
Amanta, Ga., 1. Inni. Gestern
Morgen explodirte die Lokomotive des Bau
Zuges wäyreiid der Einnahme ihres Waffer
vorratheS, drei Meilen nördlich von TuliNH.
Der Heizer wurde aus der Stelle gelödtcl und
der Eoiidiikteur Adams allem Anscheine nach
tödtlich verwundet. Der Maschineiiführer
BaSkvillc entkam mit leichten Verbrühungen.
Es waren, wie die Untersuchung ergab, die
beiden Enden des Kessels gleichzeitig gebor
sten.
Die Zustände in 'Arkansas.
stitrle Rock, Ark., <!. Juni. Richter
Rice und Gcrichlselerk Prigmore von Jcsser
!on Eonnth, welche kürzlich wegen Bcrraths
verhaftet wurden, sind gegen je HIOOO Bürg
schast entlassen worden. Gen. King White
macht bekannt, daß er alle seine Trkippen
entlassen hat. In Pine Blnfs sind mehrere-
Personen wegen Bcrraths verhaftet worden.
Biclc Anhänger von Brooks sind entflohen.
Brooks selbst gehl frei umher.
Mord und Selbstmord aus Eifer
sucht.
T l. st oiiiS, Mo., 11. Juni. Als Io-
Hannes Pierre nnd eine Fran, welche ihn be
gleitete, gestern Morgen in leftersou Eil in
einen westwärts bestimmten fing steigen
wollten, stellte sich ihnen plötztichstcopold Hol
derle in den Weg und feuerte einen Pistolen
schuß auf Pierre ab, ohne ihn zu treffen.
Dann schoß er auf sie Fran und verwundete
sie lebensgefährlich und erschoß sich schließlich
selbst. Da das Frauenzimmer früher mit
ihm zusammengelebt hatte, so nimmt man
an, daß ihn Eifersucht zu dem Berbrechen
trieb.
Lynchjustiz in Louisiana.
Thrcveport, sta., I!. Juni. — E. stn
j cas, ein Neger, wurde heute wegen Belhcili
! gung an der Ermordung des I. Ellicoti ver
haftet; später holte ihn ein Vigilanz Eomitc
! aus dem Gefängnisse und knüpfte ihn an,
i Dieses ist die dritte Person, welche wegen die
! ses Mordes summarisch gehängt wurde.
Selbstmord eines gefangene
Strztes.
Salt stake-City, Utah, il. Inn>.
Dr. E. S. Eraiii, welcher, der Abortion ai -
g Klagt; seit mehreren Tagen im hiesig n
! Gefängnisse inhastirt war, hat sich gestellt
i erschoßen. ->

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