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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, June 19, 1874, Image 1

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30. Jahrgang.
Uebtrstcht der wichtigste Ereig
nisse.
Der Congreß macht eben seinen KehranS
und zu dieser Zeit ist es immer nothwendig,
den Herren auf die Finger zu sehen; denn in
diesen letzten Tagen nnd stunden geschieht
gar Manches, was zn einer ruhigen Zeit sich
nicht ereignen könnte; der Eine versucht sein
Müthchen zu kühlen, ein Anderer thut einen
tiefen Griff in Onkel Sam's Tasche und
wirst, nne ein geschickler Taschendieb, seinen
Raub verschiedenen Freunden zn, mit denen
er dann, wenn die 'Aufregung vorüber ist,
brüderlich theilt, und dieZeitiingen haben ge
wöhnlich noch vier Wochen lang von den Pre
stioigitateurkünsten der Herren Achtbaren zu
erMlen.
Die Honorables- und die Presse.
Die Ver. Staaten sind das einzige Land
der Welt, welches eine tonangebende unab
hängige Presse hat, dieses ist aber erst seit
fünf Jahren dcr Fall. Jedes Volk hat am
Ende unabhängige Blätter und es hat auch
in diesem Lande schon seit Jahren solche Zei
tungen gegeben, aber sie waren nnd sind un
abhängig, weil sie „Niemand gedungen hat,"
weil es teineParrei der Mühe werth erachtete,
sie in ihren Dienst zn nehmen. Anders ist es
mit der gegenwärtigen unabhängigen Presse
der Union. Die großen Zeilungsgeschäfte
desLandes, und fast jeder solide Stadt hat ih
rer mehrere, haben in den scchözigcr Jahren
solche Fortschritte gemacht, daß sie es nicht
mehr der Mühe werth erachteten, das Mund
stück einer Partei zu sein, und seit 1870 hat
sich Eins dieser Blätter nach dem Andern von
der Partei-Tyrannei losgesagt; wenn es den
noch die Ansichten und Prinzipien einer Par
tei exponirte, so geschah dieses mit Unbefan
genheit und kritischer Unabhängigkeit; beide
Parteien, besonders aber die herrschende,
spürten es recht wohl, daß eine Kraft von ih
nen gewichen. Diese unabhängige Presse be
gann mit titanenhaftem Muthe und Ueber
mulhe alle Schäden bloszulegen, den Göttern
und Halbgöttern derPotitik wurde schonungs
los die Maske abgerissen, und das Volk, wel
ches die Colsax, Morton, Butler, Boutwell,
Wilson :c. so lange als höhere Wesen verehrt
hatte, erblickte in ihnen schwache Menschen
und Schürft. Niemals wurden so viel öf
fentliche Untersuchungen geführt, als seit 1870
in den Ber. Staaten, niemals wurden so viel
Reputationen vernichtet und Ruhmeskränze
zerpflückt, nnd hinter allen diesen stand als
Urheberin die unabhängige Presse. Kein
Wunder, daß die vermeintlichen Herren des
Landes, die Führer-Politiker der herrschenden
Partei, eine grenzenlose Wuth auf die unab
hängige Presse haben, die Presse, welche den
„Eredit-Mobilier" an's Licht zog, das Gene
ral-Order-Geschäft und den Waffenschacher
venftlirte, welche die Sanborn-Contrakte, das
Angcbergeschäst und den Distrikt-Ring blos
stellle, dic mit Argusaugcn alle Bewegungen
dieser moderncnGölter gegen die milchgebciide
Kuh Politik und Volksgunst überwacht, und
die keinen Bezwinger finden wird, weil sie
eben Argus und Merkur zugleich ist; kein
Wunder, daß man diese Presse in jeder mög
lichen Weise zu chikaniren sucht. Carpenter
und Conkling suchten kurz vor Thorschluß
eine Bill durchzusetzen, welche die größeren
Zeitungen des Landes beständigen Angriffen
von Seiten prozcßsüchiiger Politiker aussetzen
würde, und Sherman hat die Postamts-Bill
so amendirt,' daß nur große scst-ctablirle Ge
schäfte noch ferner eine ausmärtigeCirkulation
haben können. Doch selbst wenn beide Maß
regeln Gesetz werden sollten, so wird die Presse
doch bleiben, was sie ist, die Schutzwchr des
Publikums und die Schirmerin dcr öffentli
chen Kassen gegen große nnd kleine Diebe.
Von notliwendigcn Vtasircgeln
wurden die verschiedenen BerwittiguiigS-Bills
erledigt; wie viel Diebstähle in dcnseiden mit
untergelaufen sind, wird man allerdings erst
später anSfiiiden, das Gesetz über Angeber
gebührcn wurde widerruft, das Bankerott
gesetz amendirt und die Bill über Aufhebung
der Distriktsregicrung angenommen. Die
Finanz-Doktoren werden sich sputen müssen,
wenn sie noch rechtzeitig fertig werden wol
len.
Der Keyeimdienft des Schatzamtes,
welcher bisher wegen seiner Wirksamkeit bis
in die Puppen gepriesen wurde, scheint gleich
falls einer Untersuchung zu bedürfen, indem
sich herausgestellt hat, daß derselbe durchaus
eorrupt ist. Oberst Whitlcy, der Chcs dersel
ben, war ein ehemalige sklavenjäger und ist
ein treues Werkzeug Bntler's. In der Unter
juchuiig wird er wahrscheinlich angeben müs
sen, ans wessen Betreiben cr die Geldspinde
in Harrington's Bürcau sprengen und heran
den ließ.
Die Duaendmeier des Kongresses
haben auch wieder ein Gesetz gegen die Mor
monen erlassen. Wir meinen, man solle diese
Leute in Ruhe lassen. Was an ihrem Leben
unrecht ist, wird sich jetzt bei der beständigen
Berührung mir der Civilisation von selbst re
gnliren, solche Spezialgesetze haben gewöhn
lich nur Nebenzwecke; wenn die Herren abso
lut tugendhaft sein wollen, da sollten sie vor
ollen Dingen bei sich anfangen.
Tic Republikaner
der verschiedenen Staaten haben in den letzle
ren Tagen Staats - Conventionen gehalten,
in denen sich die Spaltung, welche unter den
Republikanern des Congresses eingetreten ist,
weiter vollzogen hat. Diese Conventionen
spiegelten eben die von den Congreßmitglie
der der verschiedenen Sektionen eingenom
mene Stellung treulich wieder. Die Repub
likaner von Vermont erklärten sich für Hart
geld, die von Illinois und Indiana für Pa
piergeldvermehruiig. In den beiden letzteren
Staaten haben dieJnstationistcn Logan, Mor
gan und Prati gesiegt; der Bruch zwischen ih
nen und dem Präsidenten ist jetzt fast unheil
bar.
Bermischtes.
Zwischen Grant nnd Gen. Sherman hat
sich eine kleine Wolke gelagert; der General ist
unzufrieden darüber, daß der Präsident und
der Kriegsminister die Dispositionen über die
Truppen treffen, ohne ihn zu fragen. Der
Indianerhäuptling Cochise, früher ein Feind,
später aber ein treuer Bundesgenosse der Re
gicrungetruppen, ist gcgenEnde der letzten W
oche in Arizona gestorben. Das neue Kabel
ist jetzt vollendet und wird Anfangs der näch
stcn Woche dem Gebrauch übergeben werden.
--- Trotz der gedrückten Zeiten finden noch be
ständig Ärbeiicrausstände statt, besonders in
New-Fort. Die Ausständigen ziehen zwar
regelmäßig den Kürzeren, aber das Hilst nicht
gegen Wiederholung. Die öffentliche Mei
nung, soweit dieselbe durch die tonangebende
Presse des Landes repräicntirt wird, ist zwar
allgemein gegen die „Sttikes," dieselben müs
sen aber doch einen tieferen Grund haben und
können weder allein das Werk der „Interna
tionale" noch des puren Mnthwillens sein.
Die Courant-Ansb'.ähung der sechszigerJahre
hatte allgemein eine Steigerung der Arbeits
löhne zur Folge; verschiedene Krisen führten
zn einer Conttattions-Tendenz, aber der Ar
beiter findet, daß die Kaufkraft des Geldes
nicht zunimmt, nur Lnxusgegenstände sind be
deutend im Preise gewichen, die nothwendi
gen Lebensbedürfnisse, die Miethen :c. sind
noch ebenso hoch, wie in den Jahren des Krie
ges. Dieses erklärt zum größten Theile die
Zähigkeit der Arbeiter, die Löhne zn behaup
ten, oder wo dieselben in den Tagen der Kri
sis reduzirl waren, sie wieder hinaufzuschrau
ben. Daß jedoch vei diesen „Slrikes" miinn
ter etwas Zunftzopf nnd Tyrannei mitspielt,
ist eben so klar.
In Europa sind gegenwärtig wieder ein
mal Aller Augen aus Frankreich gerichtet, ob
wohl es dort schon seit der Krisis des Septen
nats-Mlllisteriums bedenklich gährt, nnd man
seit mehreren Tagen bereits das umwäl
zende Erdbeben erwartete, so ist doch bisher
die Situation verhältnißmäßig unverändert
geblieben, der offene Ausbruch der Gährung
beschränkte sich vorläufig auf die Politiker der
Nationalversammlung, daSVolk hat sich ziem
lich passiv verhalten. Daß McMahon an die
sen Zuständen einen großen Theil der Schuld
trägt, ist klar. Sein bedenkliches Schwanken
von der Monarchie zu der Befestigung seiner
eigenen Herrschaft durch das Seplennat nnd
dann zu den Bonapartisten, hat diescnSturm,
in welchem drei Parteien untergehen müssen,
damit eine siegt, angesacht, aber gleichzeitig ist
dadurch auch der Abgrund aufgedeckt worden,
in welchem Frankreich zu stürzen drohte und
die Aussicht, daß sich die beiden Cenrrums
parteien vereinigen und noch in der letzten
Stunde der Nation die conscrvative Republik
als Rettungsanker empfehlen, ist noch nicht
gas; unmöglich. Wahrscheinlicher ist es je
doch, daß die Bonapartisten im Verein mit
den Republikanern die Auflösung der Natio
nalversammlung beschließen und an die Na
tion appelliren. Wer bei einem Plebiszite sie
gen würde, das ließe sich dann voraussehen.
In Deutlchlandhat der Lärm, welchen
der „Eulturkamps" im ganzen Reiche wäh
rend des Winters verursachte, neuerdings ei
nem zweiten Gründer-Skandal, der ebenfalls
von dem bösen Lasker enthüllt wurde, Platz
gemacht. Die an den Pranger gestellte höchste
Aristokratie speit zur Zeil Feuer und Flamme,
der Fürst v. Putbus hat ein Ehrengericht ver
langt, als ob durch solche Schnurpseifereien
im 13. Jahrhunderte, im Lichte einer Alles
belauschenden Presse noch ein Vergehen be
mäntelt werden könnte.
In O sti n d ien hungert das Volk trotz der
enormen Unterstützungen, welche die britische
Regierung dortH.nfließen läßt, noch immer
weiter und in letzterer Zeit ist es an verschie
denen Orten zu blutigen Aufständen gekom
men. Die Cholera, welche Angesichts der
furchtbaren Noth guter den Hindus besürch-
> tet werden mußte, ist jetzt in Durbungah aus
! gebrochen; aus jener Stadt werden Plötzlich
!40 Todesfälle gemeldet. Der grausame Wür
! Ger wird sehr bald seincßeise nach dem Aben
dlande antreten.
l Dcr Karlistenkrieg in Spanien dauert
! fort. Don Carlos soll kürzlich 18 Offiziere wc
! gen Jnsubordinarion haben hinrichten lassen.
Tics wäre entweder ein Zeichen aroßerSicher
heit, oder aber ein Ausbruch dcr Verzweiflung;
wir glauben fast, daß Letzteres der Fall ist.'
Der Ausstand in Algier dauert fort und die
Franzosen haben augenscheinlich einen schwe
ren Sland.
Eine wichtige Entscheidung in
Vankerott-Augelegenheiten.
Das Ver. Staaten Kreisgerichtszimmer in
Rlchmond.Virg., war vorletzten FreitagMor
gen von Mitgliedern des Barreaus aus allen
Theilen des Staates und von Geschäftsmän
nern aus der Stadt total angefüllt. Alle
waren begierig,die Entscheidung des Gerichts
hofes durch Bundesoberrichter Waite in zwei
anßerordenlich wichtigen Fällen zu vernehmen.
Das erste Urtheil bezog sich auf den Fall des
Bankerottenrs Daniel Dcckett. Im Nachfol
genden fassen wir das Wesentliche dieses Ur
lheils zusammen:
Herr Waite sagte: „Durch Art. X I. der
Constitution von Birginlen, angenommen im
Jahr 1869, war jedes Familienoberhaupt be
rechtigt, neben den schon damals von der Be
steuerung und von der Beschlagnahme für
Hausmiethe ausgenommenen Artikeln, an
Grund und beweglichem Eigenthum bis zum
Betrag von §2OOO, das für eine vor- oder
nachher contrahirte schuld ausgegeben wurde,
frei nach Besteuerung und vom Zwangsver
kaus:c. zu behalten. Auch kann das betref
fende Eigenthum von ihm selbst ausgewählt
werden. Durch eine Akte dcr General.Assem
dly, approbirt am 27 Juni 1870, erhielt die
se Bestimmung Gesetzeskraft. Unter dem ur
sprünglichen Bankerottgesetz war solches Ei
genthum von der Abtretung ausgenommen,
das unter den Gesetzen des Staates, in dem
das Bankerottversahren begonnen wurde, von
der Besteuerung und dem Zivangsverkauf
ausgenommen war,und zwar bis zu eincmße
trag, welcher die StaatS-Exemptionsgesctze,
die im Jahr 1864 in Kraft waren, nicht über
schritt. Durch eine Zusatzbestimmung vom
8. Juni 1872 wurde diese Bestimmung in der
Weise abgeändert, daß der Bankerottem: durch
die Exemptionen unter den Gesetzen, welche
im Jahr 1371 in Kraft waren, begünstigt
wurde. Im Jahr 1872 entschied das Appel
lations-Gericht von Virginien cinmütlftg.daß
die bezügliche Bestimmung der Constitution
und das ihr Rechtskrast verleihende Statut,
soweit sie sich auf eingegangene Conttakte
oder auf schulden beziehen, die vor ihrer A
nnahme contrahirt wurden, eine Verletzung
der Constitution dcr Ver. Staaten enthalte
und deshalb ungültig seien. Am 3. März
1873 erließ der Congreß ein anderes Gesetz,
welche erilärt, daß die Exemptionen, welche
durch im Jahre 1871 existirenden Staatenge
seve gestattet waren, gegen solche Schulden
nicht gültig seien, welche vor oder nach dcr
Annahme lolcher Staatsconstitution und Ge
setze contrahirt wurden.
Es handelt sich zunächst darum, ob dasGc
jetz vom Jahrc 1873, insofern es in dcrAdmi
nistration des Bankerottgcsctzes den Excmp
tionsgesetzen eines Staates Geltung zu ver
schaffen sucht, die von derjenigen, welche durch
den Staat selbst gegeben ist, sich unterscheidet,
constilutioncll ist. DerCongreß ist ermächtigt,
übereinstimmende Bankerottgcjetze für die
Ver. Staaten zu erlassen." Um conslutionell
zn sein, muß ein Bankerottgcsctz übercinstim
inend sein, und seine Vorschriften müssen für
alle Staaten zugleich gelten. Wenn es vor
schreibt, daß ineincmstaat das vom Zwang
sverkauf ausaenommene Eigenthum auch von
dcr Abtretung ausgenommen sei, so muß
dies für alle Staaten gelten. Wenn cr ver
fügt, daß gewisse Arten des Eigenthums in
einem gewissen Ort unter dem tsesetz nicht
zur Tilgung der Schulden verwendet werden
müssen, so muß die nämliche Bestimmung sich
auch auf andere Orte bezichen. Es ist ganz in
Ordnung, die Wirkung des Bankerottgesctzes
ans solches Eigenthum zn beschränken, welches
ein anderes legales Verjähren erreichen kann.
Das Gesetz von 1872 nimmt von der 'Abtre
tung nicht nur solches Eigenthum ans,
welches kraft dcr ExcmptionSgesetze ausge
nommen war, sondern noch mehr dazu. Es
schreibt nicht vor, daß die existirenden Exemp
tionsgcsctze unter dem Bankerottgesctze wirk
sam lein sollen, sondern daß in jedem Staate
das in solchen Gesetzen spezifizirteEigenthum,
ob es nun wirklich kraft derselben eximirt
sei, oder nicht, ausgenommen sei. Mit einem
Wort, es erklärt, daß eine andere Exemptioii
inVirginien und eine andere inPennjylvanien
stattfinde. Es ist also unconstftntionell u. ans
diesem Grunde ungültig. Es ändert die
zwischcnCreditorcn nnd Debitoren bestehenden
Rechte. Solche durch dieConstitntion bestätigte
Aenderungen müssen in ihrer Wirkung über
einstimmend sein. Dies ist nicht der Fall.
Die Folge davon ist, daß das Gesetz von 1872
unverändert bleibt, obgleich im Jahre 1873
ein Amendement versucht wurde.
Die Stadtväter iu Stuuapolis und
dicPotizei-Bill.
Während der letzten Legislatur - Sitzung
wurden bekanntlich verschiedene Gesetzgeber
und Lobbyisten von Taschendieben und ande
ren Langfingern in Annapolis beraubt. Die
Bestohlcnen schtte'nzwar tt'atc-K! I'c-liee! aber
es half nichts, der einzige Polizeidiener von
Annapolis war taub nnd betrieb außerdem
sein Gewerbe, hörte also nicht, daß sich irgend
Jemand in der allen, treuen Stadt in Noth
befand. Die bestohlenen Lycurge dachten
deshalb, das muß anders werden, sie gingen
in's Capital und machten ein Gesetz, daß An
napolis künftig wie Baltimore, eine Staats-
Polizeimacht erhalten solle. Die Stadtväter
von Annapolis, sei es, daß der taube Polizist
der Stadt mit ihnen verwandt oder verschwä
gert war, oder sei es, daß sie die vermehrten
Ausgaben fürchteten, strengten alle Kräfte an,
um die Annahme der Polizei-Bill zu verhin
dern. Die bestohlenen Gesetzgeber aber er
kannten ihre Pflicht, und sowohl das Haus,
als auch der Senat thaten dieselbe mit Eifer.
Bor einigen Wochen machte man Anstalt, die
neue Polizei in Annapolis zn organisiren,
aber man hatte ohne den Stadtrath gerechnet.
Kaum hatte der Gouverneur, wie es im Ge
setze vorgeschrieben war, die Polizei-Commii
säre ernannt, so verlangte der Stadtrath von
dem Gerichte cinenMandarnus gegen dieselben,
auf den Grund, daß die bettestende Akte nie
mals regelmäßig von beiden Häusern der Ge
setzgebung angenommen worden sei. Die Pe
tenten umden Mandamus machen geltend, daß
die Bill, welche vom Senat angenommen wur
de, eine untergeschobene war, daß die Origina
l des Dclegatenhauses auf dem Wege nach
der Senatskammer entweder gestohlen wurde
oder verloren ging nnd die vorliegende Bill
niemals vom Hanse angenommen oder gebil
ligt worden sei. Die Original Bill, welche
verloren ging oder gestohlen wurde, wird dann
von den Petenten ganz naiv ihrem Gesuche
beigeschlossen.
Die HH. Stadtväter erklären, dieselbe sei
ihnen am 14. Mai von einem Unbekannten
anonym durch die Post zugeschickt worden.
Diese Sache ist kühl. Daß die Herren Stadt
vätcr in den Verdacht kommen können, um
den Diebstahl dieser Bill gewußt zu haben,
daran scheinen sie gar nicht zu denken; nun
aber verlangen sie auf Grund der gestohlenen
Bill cinc Entscheidung zu ihren Gunsten.
Der Spruch des Gerichtes wird nunmehr
wahrscheinlich zu Gunsten der Munizipalre
gicrnng vonAnnapolis ausfallen; aber gleich
zeitig sollte doch eineUnterjuchung angeordnet
werden; wahrscheinlich weisen die Bücher und
Quittungen der Stadtverwaltung nach, wer
den Lohn für die anonym zugesandte Bill er
halten hat. Der Prozeß wird am 25. Juni
verhandelt werden.
Tie anglo - amerikanische Presse
nnd vir Ginwanderung.
Gegenüber den vielfachen Auswüchsen und
Ausbrüchen des Nrchtswissctthums in der
amerikanischen Presse ist es wohlihuend wenn
gegenwärtig tonaugcbende Blätter ans die Be
deutung der europäischen Einwanderung hin
weisen. Der hiesige „American" sagt: „In
allen Stücken, welche auf linieren gesellschaft
lichen, moralischen, politischen nni> religiösen
Charakter, sowie aus unsere nationale Be
slimmung Bezug haben, bildet die Einwande
rung aus srcmdeu Ländern ein einflußreiches,
formgebendes Element. Nur Wenige, selbst
von Denen, welche über die Entwickelung und
Gestaltung unserer 'Nation tiefer nachdenken,
wissen und merken, welch' einen bedeutenden
Theil unserer Bevölkerung die Ausländer und
ihre Nachkommen in erster und zweiter Gene
ration ausmachen; noch weniger Amerikaner
haben je darüber nachgedacht, welche Verän
derungen diese Bevölkerungszuflüsse herbei
führen. Einige wichtigen und verläßlichen
Statistiken über diejeAugelegenheit sind neuer
dings von der „New-Aork-Times" gesammelt
worden und dieselben sind speziell werlhvoll
in Bezug auf die frühere Einwanderung,
über welche unsere Kcmiliiisse bisher vage und
ungenau waren. Aus Regieruiigs- und Pri
vatgucllcn wird dargethan, daß bis zum Jahre
1813 jährlich im Durchschnitte 7000 Einwan
derer in den Vcr. Staaten landeten. Von
1806 bis 1816 war die Einwanderung in
Folge unserer Verwickelungen mit Frankreich
und England fast gänzlich eingestellt, dagegen
landeten im Jahre 1817 im Ganzen 22,000
Personen, mehr als doppelt so viel, als m
irgend einem vorhergehenden Jahre. Bon
1820 —1330 betrug die Durchschnitts Einwan
derung jährlich 12,650; von 1830—1840
durchschnittlich 53,888; von 1840—1850 jähr
lich 143,734; von 1850—1860 282,456; von
1860—1870 336,526 und von 1870—1874
durchschnittlich 338,526; macht zusammen
8,779,174. Die Tabelle, welche zu lang ist,
um hier vollständig wieder gegeben werden
zu können, zeigt nicht nur, welcher bedeutende
Prozentsatz unserer Bevölkerung fremden Ur
sprunges ist, sondern sie thut auch dar, wie
das irische und germanische Element sich auf
dem großen Gebiete der amerikanischen Union
vertheilt. Wenn ein Deutscher nach den öst
lichen Fabrikstaaten geht, dann kann man
sicher sein, daß dreizehn Jrländcr ihren Weg
dorthin nehmen; dagegen gehen drei Deutsche
gegen einen Jrländer nach den Ackerbaustaa
ten dcs Westens. Keine von beiden Natio
nalitäten scheint die früheren Sklavcnstaaten
besonders zu lieben, denn weniger, als 44
Proz. Jrländcr und nur 6 Pro;. Deutsche ha
ben das Land südlich vom Potomac und vom
Ohio zn ihrer Hcimath erwählt. Das deutsche
Element wird om meisten von den neuen
Ackerbaustaatcn dcS Nordwestens angezogen,
so daß dieselben sehr leicht germanisirt werden
können. Bis zum Jahre 1873 betrug die
deutsche Einwanderung 3,028,559 und die
irische 2,905,231 Köpfe. D, s deutsche Ele
ment geimnnt beständig. Im Jahre 1873
waren unter 459,303 Einwanderern nur 77,-
344 Jrländer, während die Deutschen 192,093
Köpft zählten. Die Deutschen wachsen hier
so zahlreich an, daß die germanische Rasse
unv ihr Einfluß in diesem Lande vorherr
schend zu werden drohen. Die Deutschen sind
übrigens eine der besten Rassen auf diesem
Planeten und der deutsche Zuwachs zu der
amerikanischen Nation verdient Aufmunte
rung. Dic Teutschen brauchen das Land und
das Land gebraucht sie und unter ihren Nach
kommen dürfen wir künstig die besten Bürger
dieser Republik suchen."
. Santa Anna.
Auch Mexiko hat jetzt seine allgemeine poli
tische Amnestie. Nur das Scheusal Mar
guez, der blutigste unter den mexikanischen
Generälen des „Kaisers" Maximilian, ist noch
von derselben ausgeschlossen, aber in seiner
Hcimath Puebla gibt man sich große Mühe,
auch seine Begnadigung herbeizuführen.
Der hervorragendste der in Folge der Am
nestie nach Mexiko zurückgekehrten Verbann
ten oder Flüchtlinge ist der greise Santa Anna.
Er wohnt jetzt in ziemlich bescheidener Weise
in der Hauptstadt Mexiko.
Trotz serner 76 oder 78 Jahre und seiner be
kannten Verstümmelung ist cr körperlich noch
ziemlich rüstig. Der Correspoudent eines ca
lifornischen Blattes, welcher sich ihm in der
Stadt Mexiko vorstellen ließ, beschreibt ihn
folgendermaßen:
„Ich hatte ihn aus der Höhe seiner Macht
in den fünfziger Jahren gesehen, als es ihm
beinahe gelungen wäre, sich eine Krone auf's
Haupt zu setzen, als sich die Straßen der
Hauptstadl Mexiko füllten, wenn „Seine
Hoheit" mit starker Eskorte auf ihnen erschien,
und jetzt fand ich Don Antonio Lope; als
schlichten alten Mann, ohne Ehrgeiz (?) m-it
einem Gesicht voll Runzeln, aber trotz seines
künstlichen Beines noch ziemlich aufrecht ein
hergehend. Obgleich er den Achtzigcn nahe
ist, ist sein noch schwarzes, wenn auch spärli
ches Haar nnd ftin ganzes Aussehen das
eines Sechszigers. Er empfing mich und
einige andere Gäste ohne jede Ceremonie, lud
uns zum Sitzen ein und sagte:
„Ich bin nach Mexiko zurückgekehrt, weil
mein Geburtsland zu viel Anziehungskraft
für mich hat. Wenn man mich in der Fremde
fragte: Warum sehnst Du Dich nach deinen
undankbaren Landsleutcn? so antwortete ich:
Ich will begraben sein, wo mein verlorener
Fuß ruht. Es ist mir aber jetzt, als wäre ich
nach einem fremden Lande gekommen. Schon
in Vera Cruz erhielt ich, nachdem ich dort
an's Land gestiegen, bei jeder meiner Fragen
nach einem alten Freunde stets die Aniwort:
todt! Eine ganze Generation ist über mich
hingegangen, und wie der Sana der Wüste
haben sich dic Jahre aus mein Haupt gehäuft.
Ich traf aus der Straße einen Weißbart, der
mein Pathchen war und den ich im Arme
hielt, als cr im Jahre 1320 gelauft wurde.
Ich bin allen Parteien entfremdet, habe ker
nen Ehrgeiz mehr, wundere mich über Alles,
was ich in diesem Lande sehe, aber ich hoffe,
einen Ruheplatz hier zu finden."
Der catifornische Eorrespondent glaubt an
die Bctheuerungen des Alten üb:r seinen ent
schlafenen Ehrgeiz. Sie sind zedoch mit Vor
ficht aufzunehmen. Denn der Humliug, wel
che er mit seinem einst bei der Beschießung
von Vera Cruz durch dicF-ranzosen verlorenen
Fuße treibt, sieht ganz w aus, als wolle er
sich den Mexikanern wieder als „'National
heid" in Erinnerung bringen. Cr ließ sich
kürzlich von der Frau eines alten Wasftngc
fährten feierlich einen in einem hübschen Käst
chen verpackten einbalsamirten mumienhaften
Fuß überreichen, welchen cr für den seinigen
ausgiebt, und welchen diese treue Frau wäh
rend der Zeit seiner Verbannung aufbewahrt
haben soll, nm ihm denselben nach seiner
Rückkehr zuzustellen.
seinen Besuchern erzählt cr, daß er noch
nicht an's Sterben denke, daß sein Verstand
noch klar, sein Gedächtniß noch treu sei und
daß cr seine Selbstbiographie, von welcher er
bereits 34 Bogen fertig habe, ganz ans dem
Kopfe, ohne Hülse von Dolnmenten schreibe.
Tages-ÄtLuigkeiten
Im Bu n dessenat e kam vergestern eine
Bill zur Sprache, die, wenn sie Gesetz werden
sollte, ein Schlag gegen die Preßsreiheit des
Landes sein würde. Dieselbe verfügt nämlich,
daß in irgend einem Bundesgericht: eine
Klage anhängig gemacht werden kann, wenn
der Verklagte in dem betreffenden Gerichts
kreise einen Agenten oder einen Vertreter hat.
Nack diesem Gesetze könnte ein Baltimorer
Kaufmann in Florida verklagt werden, sobald
einer seiner Handelsreisenden sich in jenen
Staat wagt. Die Bill wurde besonders von
Carpenter nnd Conkling mit großem Eiser
vertheidigt. Die Spitze der Maßregel richtet
sich gegen die großen Zeitungen des Landes;
man will die Zeitnngs-HcränSgeber, welche
in Washington Correspondenten halten, ans
diese Weise vor Washingtoner Gerichten zur
Rechenschaft ziehen für das, was in Ncw-
Fork, Chicago oder San Franzisco pnblizirt
wurde. Ein Amendement des Senators
Bayard, daß dieses nicht auf Eriminal- oder
Libellklagen Bezug haben soll, wurde nieder
gestimmt. Wenn die Herren das durchsetzen,
dann können die großen Zeitungen in Wash
ington ihre Büreans dreist schließen, denn un
ter diesem Gesetze dürfte kaum ein Tag ver
gehen, an welchem nicht irgend ein gekränkter
Eongreßmann einen Zeitungs-Eorrcspondeii
ten verhaften ließe, um aus seinem Prinzi
pal eine Schadenersatzsumme herauszuschla
gen.
Die Wahl-Campagne dieses Som
mers ist vorgestern durch die drei republikani
schen Staats-Eonventionen in Vermont, Jl
linois und Indiana formell eröffnet worden.
Die Stellung, welche die Partei in der Fi
nanzsrage genommen hat, war vorauszu
sehen. Vermont erklärte sich für Hartgeld,
Illinois nnd Indiana für „Papier ohne
Ende." Die beiden letzteren Staaten machen
zwar dem Präsidenten noch allerlei Compli
mente, aber das bedeutet Nichts; im Ganzen
zeigen sie deutlich genug, daß sie recht wohl
geneigt sind, mit ihm zu brechen. In In
diana liebäugeln die Republikaner mit den
„Grangers." Die Hanplfrage ist jetzt, wie
die Republikaner der beiden Staaten nach
dem Massenabsalle der Teutschen fahren wer
den. Wir glauben, schlecht.
Das Eonscrenz-Comite über die C 0 u -
rant - Bill hat sich gestern Nachmittag ge
einigt und eine neue Bill cinbcrichtet. Tie
selbe beschränkt das Eourant Volnuicn ans
K 382,000,00, schreibt die Freigabe der Re
serve ctuf die Cirkulation außer den vorgeschrie
benen 5 Proz. vor und verfügt, daß H 55,000,-
000 Cirkulation nach dem Süden nnd Westen
transferirt und selbstverständlich dem Osten
Ar kaii sas-W i rren spielen jetzt
in Washington weiter. Die feindlichen Brü
der Brooks und Baxter sind mit ihrem An
hange in der Bundeshauptstadt anwesend, nm
sich untersuchen zn lassen.
Die Ei v ilrc ch t s - B i l l wurde gestern
abermals bei Seile gelegt, trotz der energi
schen Reden, welche die schwarzen nnd gelben
„Honorables" dieser Tage in Baltimore hiel
ten, in denen sie den Untergang der Welt
voraussagten, wenn diese Maßregel nicht
durchgesetzt werde.
Das Repräsentantenhaus hat in
der Angelegenheit des Distrikts Columbia
prompt seine Schuldigkeit gethan, indem es
vorgestern die von dein Untcrsnchungs-Comite
einberichtcte Bill annahm. Shephcrd befand
sich während der Verhandlungen auf deni
Flur des Hauses nnd mußte von Hrn. Wil
son sehr unangenehme Dinge hören; auch die
„Memorialistcn" waren anwesend und mach
ten ziemlich lange Gesichter, als die Bill ohne
Amendements angenommen wurde, denn die
in derselben festgesetzte Steucrrate ist den
Herren augenscheinlich zu hoch. Das Ver
fahren des Senats, ver vorgestern den Lieute
nanl Hoxie als Eivil-Jngenienr des Distrikts
bestätigte, hat die Befürchtung aufkommen
lassen daß der Senat nicht so prompt im Be
tteff der Disttikts-Regierung Händeln möchte
und derselben vielleicht eine Gnadenfrist gc
währt. Dieses wäre einfach eine Schmach,
aber auf Schmach mehr oder weniger
Baltimore, Md., Freitag, den 19- Juni 1874.
kommt es den Herren längst nicht mehr an.
Der Nachfolger des Hrn. Bancrofl Davis
als H ü l s s st a a t s s e k r e t ä r, Hr. John L.
Cadwallader, stammt aus einer alten pennsyl
vanischen Familie; sein Großvater, Gcn.Ead
wallader, focht mit Washington im Rcvolu
lionslricgc, sein Vater ist ein reicher Grund
besitzer. Der neue Hülfs-Staatssekretär ist
ein tüchtiger Jurist und da er sehr reich sein
soll, so wird man wohl von ibm nicht über so
zweifelhafte Transaktionen hören, wie von
verschiedeneu seiner Vorgänger.
Der Einbrecher Michael HayeS, wel
cher bekanntlich an dem Einbrüche in Har
rington's Bürean bctheiligt war, aber in je
er Nacht entfloh und seitdem nirgends ge
funden werden konnte, hat dem Washing
toner „Ring" abermals einen sehr unange
nehmen streich gespielt. Borgestern Morgen
lras der Advokat Thomas P. somerville von
New-Nork in Washington ein mit einem an
geblich von Hayes beschworenen Affidavit, in
welchem der Einbrecher sagt, Columbus Ale
xander habe ihm §>ooo versprochen, wenn er
den Einbruch begehen wolle, und daß cr auf
diese Verlockung hin das Geschäft gemacht
habe. Daö Affidavit wanderte sofort in dic
Druckerei des „Star" und dieser publizirte es
vorgestern, als eine weitere „erstaunliche Ent
hüllung". Wenn nun der Salramenter
Hayes unsichtbar geblieben wäre, so würden
vielleicht doch Einige durch diesen neuen
Schachzng des „Ringes" düpirt worden sein;
so aber mußte dieser Unglücksmensch zufällig
an demselben Tage nach Washington kom
men, und während der „Star" sein angeb
liches Affidavit Publizirte, stand Hayes vor
dem Distrikts-Comite und sagte unter Eid ge
rade das Gegentheil von dem aus, als was
in seinem Affidavit gesagt war. Seine Aus
sagen implizirten den Gouverneur Shephcrd,
Hrn. Harrington, Oberst Whiteley und dessen
Assistenten als die Anstifter des Einbruchs.
Das Affidavit erklärt er als gefälscht; er sagt,
Somerville habe ihn veranlaßt, seinen Na
inen auf einen weißen Bogen zuschreiben und
habe dann denselben nach Belieben ausgefüllt.
Als Hayes das Comite-Zimmer verließ,
wurde er auf Betreiben Harrington's verhas
tet. Hayes war außerordentlich gefaßt und
meinte, die Herren würden sich sehr täuschen,
wcnn sie glaubten, man könne irgend Etwas
mit ihm ansangen.
Für das am 4. März erledigte Senats
renamt vonNevada sind nicht weniger
als sechs Millionäre als Candidaten im Felde,
nämlich: der reiche Mincnbesitzer Sharon,
der Tunnelbauer sutro, der japanesische Ex-
Gesandte De Long, dcr unverwüstliche Aem
lerjäger Jim Nye, der CongreßmannKendall
und der „ehrliche" Senator Stewart, welcher
Letztere wünscht, wiedererwählt zu werden.
'Alle diese Candidaten sind Millionäre und
verstehen besonders die Kunst, „ihr Geld dort
anzulegen, wo es am meisten gut thut". Als
sich im vorigen Jahre der reiche Jones um die
senatorcnwürde bewarb, flössen die Moneten
in Strömen, und Jones selbst erklärte mit
liebenswürdiger Offenherzigkeit, daß er seine
Erwählung nur dem Einflüsse seines Geldes
zu danken habe. Wie wird das erst diesmal
werden, da sich sechs Millionäre nm das Amt
streiten!
Gouverneur Dix v 0 n New -A0 r k hat
in einer Auseinandersetzung an das „Syra
cuse Journal" erklärt, daß er das Local-Op
tion Gesetz mit dem Bcto belegt habe, nicht
weil er gegen die Temperen; sei, sondern viel
mehr weil das betreffende Gesetz kein Locat-
Option-Gejctz sei. Gouverneur Dix verweist
mit großer Genugthuung auf seine Tempe
rcnz-Bcrordnungcn während seiner militari
scheu Carriere.
Das Denkmal Horace Grecley's,
welches aus Typenmetall ans dem Grabe des
großen Journalisten errichtet werden soll, wird
letzt sicher vollendet werden.
JamesGordon Bennett, jun., der
Herausgeber des „N.-N- Herald" hat alle
Collegien und Universitäten zu einem, am
17. Juli in Saratoga stattzufindenden Fnß
rennen eingeladen. Die Rennen umfassen:
Erstens 100 Uards im Schnelllaufe, Zwei
tcns eine Meile do., Drittens drei Meilen do.,
Viertens 7 Meilen Dauermarsch, Fünftens
120 Aards Springrenncn. Für §2OOO Sil
berzeug und goloene Medaillen sind als
Preise ausgesetzt.
In der Irren-Anstalt zu Toronto, Ca
nada, sind die Blattern ausgebrochen und
haben bereits 4 Opfer gefordert. In der An
stalt befinden sich 600 Patienten.
Tie Huligersn oth in Indleu hat
riesige Proportionen angenommen. England
muß jetzt 34 Millionen Menschen bis zur
nächsten Erndte ernähren. Dic Regierung
thut, wie man hört, muthig ihre Pflicht und
sühnt dadurch viel Unrecht, welches früher nn
ter der Herrschaft der Engländer in Ostindien
begangen wurde.
Der ungarischeDoktorU h l ina-B agnick
wurde vorgestern wegen des Versuchs, die
„Merchant's Life Insurance Comp." zu be
schwindeln, indem er anstatt derLouiseGerms,
welche cr für todt ausgab, einen Sarg voll
Backsteine begraben ließ, auf 18 Monate in
Haft geschickt. Dieses ist verhältnißmäßig
eine gelinde Strafe, welche die Versuchung,
auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege
reich zu werden, kaum abschrecken dürfte.
Der Fond für ein Suinner - Dcnkinal
belauft sich nach Nachrichten aus Boston jetzt
auf 5i6,000; derselbe soll indeß aus §50,000
erhöht werden, um ein würdiges Monument
herstellen zu können.
Die neuerdings wieder vielbesprochene
dritte Partei, mit welcher man die Jll
- - Senatoren Morton und Logan in
Verbindung brachte, scheint trotz aller De
mentis kein leerer Wahn zu sein. Loganist
schon seit mehreren Tagen in Springfield,
Jlft, und dcr Bruch zwiichcn ihm und Grant
scheint täglich weiier zu werden. Jcve dritte
Partei, an deren Spitze Morton nnd Logan
steht, trägt das Todeszeichen an der Stirne.
Eine vom Justiz-Ausschuß des Repräsen
tantenhauses vorgenommene Untersu
chung über das Treib en der B u 11-
de sbcam t e n im westlichen Distrikte von
Arkansas hat einen heillosen Znstand der
Dinge aufgedeckt, so daß das Comite desCon
grcsses, welches sie vorgenommen hat, kein
anderes Mittel weiß, als daß man den gan
zen Distrikt abschafft. Aus den weitläufigen
Beweisausnahmen geht hervor, daß die Ko
stenrechnung des Marschalls Britto in dem
Jahre, das mit dem 30. Juni 1871 abschloß,
§137,953 betrug, im folgenden Jahre unter
seinem Nachfolger Roots §321,653, im näch
sten, meist wieder unter Britton, §266,447.
Darin sind die Zahlungen an Clerks-Distrikt-
Anwälte und Commiffäre, die auch noch über
§25,000 betragen, gar noch nicht eingerechnet.
Um die Schamlosigkeit, mit welcher die
Spießgesellen Clayton's und Poker-Jack'S
hier gestohlen haben, zu begreifen, muß man
obige Zahlen gegen die Gcsammtkosteii dcr
Bundesgerichte im Staate Arkansas während
der Jahre 1853,1859 und 1860 halten: die
selben waren, resp. §27,000, §19,000 und
§16,000! Was den Nichter selbst betrifft, so
weist ihm der Bericht nach, daß Angeklagte
gegen Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt wür
den, nachdem sie von einer Jury bereits eines
Capital-Verbrechens schuldig befunden wor
den waren, und daß dann die Vcrnrtheilung
Seitens des Richters niemals erfolgte; daß
während das Gesetz dem Richter dic Prüfung
der Marschallsrechnungen ausdrücklich zur
Pflicht macht, dieser Musterrichler seinem
Marschau die Rechnungsformnlare in dlanco
unterzeichnete. Alle Entschuldigungen dcs
Richters werden für lahm und unzureichend
erklärt. Kein Wunder, daß dem Comite für
einen solchen 'Augiasstall gar kerne Reinigung
ktröglich erscheint, sondern daß es vorschlägt,
den ganzen Stall einzureißen.
Das Problem, Kanalboote durch
Dampfer fortbewegen zulassen,
ohne daß der Kanal beschädigt wird, ist auf
zufriedenstellende Weise gelöst worden. Der
Staat New-'lork hatte einen Preis von §loo,-
000 ausgesetzt, welche Summe durch den
Gouverneur dem Erfinder des neuen Kanal-
Dampfbootcs zugeiprochen worden ist.
Das Gerücht von einer Anerkennung der
Cll baner als Kriegführende taucht
wieder auf. Es heißt, daß dcr Präsident zur
Zeit dcr Wirren wegen des „Virginins" eine
dahin lautende Proklamation verfaßte, wel
che jedoch in Folge dcr Beilegung teuer An
gelegenheit durch das Protokoll zurückgehal
ten wurde. Die Zögerung der Spanier, ih
ren Verpflichtungen nachzukommen, vor Al
lem aber die mehrfachen Erfolge dcr Cnbaner
sollen den Präsidenten veranlaßt haben, seine
Meinung zn ändern.
Dcr Bnlidessenat hat ein gutes Werk
gethan, welches nicht unbeachtet bleiben darf.
Bisher wurden zahlreiche Partcibläitchen aus
dcr Bundeskassc iubvcnirt, indem man den
selben die Eongrcßgesepe zur Publikation
übergab. Aus diese Weise wurde jährlich
eine halbe Million verplempert, chne daß das
Land den geringsten Nutzen davon hatte. Diese
summe ist vom Senate aus der neuen Ver
willignngs-Bill gestrichen worden.
Präsident Grant beabsichtigt, nach
der Vertagung des Congresses den White
Sulphur Springs in West - Virginien einen
Besuch abzustatten und daselbst einige Zeit zu
Verweilen.
Zmlüdlicheu und westlichen Kentucky sind
die Aussichten auf eine gute Erndte in Folge
anhaltender Dürre bedeutend geschwunden.
Taback wird kaum den dritten Theil des ge
wöhnlichen Ertrages liefern.
B.Gratz Brown, Grecley's Leidensge
nosse in der Eampagne vonjlB72, ist fromm
geworden.
Telegraphische Tepescheit.
Europäische Äabelberichte.
Ber li n, 12. Juni. Ter Bundesrat!)
hat durch Abstimmung beschlossen, das neue
preußische Gesetz bezüglich Geburten, Todes
fälle und Heirathcn durch alle Staaten des
deutschen Reiches Anwendung finden zu las
sen.
Ss Berlin, 13. Jünft — Baron August
von der Heydt, früher Finaiizminister Prcu
Ben's, ist mit Tode abgegangen.
B crliii, 13. Jnni. Der Bundesrath
hat angeordnet, daß das neue preußische Ge
setz, durch welches die Führung eines Civil
standsrcgisters verordnet wird, auf alle Staa
ten des deutschen Reiches Anwendung finde.
Alle Geburten, Todesfälle und Heirathcn sind
demnach hinfort bei der Civilbehorde anzu
melden. Die bayerijchenMitglieder des Raths
stimmten mit dcr Majorität. Die Vertreter
Sachsen'S stimmten nftt dcr Minorität, die
nur aus dem vierten Theil der anwesenden
Mitglieder bestand.
London, 15. Jnni. —Eine halbofsiziellc
Depesche von Berlin dementirt die aui letzten
Freilag ausgeschickte Depesche, daß der Bun
tesrath beschlossen habe, das neue preußische
Gesetz über Führung dcs Eivilstandsregisters
in allen deutschen Staaten einzuführen. Es
wird vielmehr berichtet, daß der Bnndcsrath
die Bill aus dem Grund? verworfen habe,
weil die einzelnen Paragraphen derselben nicht
mit den Gesetzen der verschiedenen Staaten
im Einklänge seien. Dcr Bnndcsrath be
schloß jedoch, den' Reichskanzler aufzufordern,
ein neues Gesetz vorzulegen, dessen Verfü
gungen dann auf alle Staaten des Reiches
anwendbar sein sollen.
London, 16. Jnni.— Sir Charles Fox,
der berühmte englische Civil - Ingenieur, ist
gestorben.
London, 16. Juni. Das Ascoi Ren
nen hat heute begonnen und der „Coventry,"
der „Leolinns" und der „Organist" haben die
drei ersten Preise gewonnen.
L 0 n d on, 17. Juni. —Die Nachricht von
dem Rücktritt des Herzogs von Bisaccia be
stätigt sich.
London, 18. Jnni. Der vermißte
Earl of Narborongh ist wieder gefunden wor
den. Er ist durch cinc gefährliche Krankheit
ans dcr Insel Jersey aufgehalten worden nnd
heute in Begleitung einer Anzahl Freunde
und Polizisten nach Hondon abgercis't.
iNochcsort's Ankunft.
Qn eenst 0 w n, 16. Jnni. Als der
Dampfer „Parihia" heute Morgen hier an
kam, versammelte sich ein zahlreich-r, un
ruhiger Bolkshanfe am Dock, um Rochefort
landen zu sehen. Bei seinem Erscheinen er
kannte ihn die Menge sofort und empfing ihn
mit Geheul und Verwünschungen.
Hätten dic Polizisten ihn nicht geschützt, so
wäre er von dem wüthenden Haufen wahr
scheinlich gelyncht worden, welcher ihm mit
ununterbrochenem Lärmen nnd Schreien bis
zum „Qncen's Hotel" folgte. Von dort eS
lortirte ihn die Polizei an den Bahnhof, zn
zu welchem nurPassagiere zugelassen wurden.
Seine Ankunft in Cork war nicht bekannt
geworden; so passirtc cr nnbemerkr durch die
Stadt uns ging mit dem nächsten Zuge nach
Dublin, von wo ans cr nach London weiter
reisen wird.
London, 13. Jnni. —Rochcfort wurde in
Dublin erkannt und von der Menge anSae
pfiffcn.
London, 19. Juni, 5 Uhr Morgens.
Nochesort ist gestern Abend hier angekommen.
Bei seiner Ankunft am Euston-Bahnhoft fand
keinerlei Demonstration statt.
ArankreiÄ.
Paris, 12. Juni. Graf St. Croix er
klärte den Polizisten, nachdem er gestern
Abend, weil er Hrn. Gambetta geschlagen
hatte, verhaftet worden war, es sei seine Ab
sicht gewesen, ein Duell herbeizuführen. Dex
Gras war früher Zuaven - Offizier. Gam
betta's Gesicht trägt noch die Spuren des
Schlages. Außer dem Grasen St. Croix
wurden während des TumultS noch mehrere
andere Personen verhaftet.
Paris, 12. Juni. Der „Monitenr"
macht England für das Entkommen Noche
sort's und seiner Gefährten verantwortlich
und erklärt, die englische Regierung müsse
eine Untersuchung einleiten, ob ein englischer
Unterthan durch Beihülfe zur Flucht nicht et
wa das Völkerrecht verletzt habe.
Paris, 12. Juni. In der heutigen
Sitzung der National-Versammlung wurde
die zweite Lesung der Muiuzipal-Wahlbill
geschlossen. Tie weiteren Verhandlungen be
zogen sich namentlich ans die stattgehabten
unruhigen Auftritte und auf die Frage, wel
chcs Verfahren die Regierung einzuschlagen
gedenke, falls die Bonapartisten sich den Be
schtüssen der 'National-Versammlung nicht
unterwerfen sollten. Hr. Fourton versicherte
die Kammer, daß das Ministerium entschlos
sen sei, den Präsidenten MacMahon zn un
terstütze. Hr. Bethmond beantragte ein Miß
tranens-Votum gegen die Regierung, welches
mit 377 gegen 326 stimmen verworsen wurde.
Als die Mitglieder der National-Versamm
lung nach Paris zurückkehrten, hatte sich am
Bahnhofe wiederum cinc große Menschen
menge versammelt, doch wurden weitere Ruhe
störungen verhütet.
Tie Unruhen tn Parts. Verhaftungen.
Zeitungen verboten.
Paris, 12. Jnni. —Die Szenen von ge
stern wiederholten sich heute am westlichen
Bahnhofe bei Abgang des Zuges, welcher
die Parlamentö-Mitgliedcr nach Versailles
bringen sollte. Große BolkShauftn hatten
sich versammelt nnd die Deputirten wurden
entweder beleidigt oder mit Jubel begrüßt.
Tie Polizisten trieben dieTumultuanten zum
zweiten Male auseinander, und zwölf der
Aergsten wurden verhaftet, von denen vier
indeß später wieder in Freiheit gesetzt wur
den. Die Demonstration nahm einen so dro
henden Charakter an, daß cinc Abtheilung
Truppen nach dem Bahnhofe beordert wurde,
um die Ruhe ausrecht zu hallen.
Armand Adam, ein Bruder des Deputir
ten gleichen Namens, nnd Spnller, ein Bru
der des Herausgebers der „Republique Frau
oaije," eines radikalen republikanischen Blat
tes, waren unter den Verhafteten. Die Re
gierung hat die Veröffentlichung von „Le
Pays," bonapartistisch, „L: Rappel," radi
kal republikanisch, nnd „Le Dix-Neuvieme
Siecke," conservativ - republikanisch, wegen
heftiger Angriffe aus die von der gegenwärti
gen Regierung eingeschlagene Politik auf 14
Tage verboten.
Paul de Eassagnac, der Redakteur des
„Pays," bringt in der heutigen Ausgabe des
Blattes eine Ermiderung aus die Forderung
Schölcher's und Tesftlin's, welche von den
Republikanern beauftragt waren, wegen sei
nes gegen die Mitglieder der Linken gerichte
ten Artikels Genugthuung zu verlangen. Er
sagt, er griff Gambetta und andere Depntirte
an, aber nicht Elemenceau, welcher Letztere
deshalb auch keine Genugthuung fordern
könne. Wolle übrigens Clemencean einen
persönlichen Kampf, so könne er denselben ha
ben. Eassagnac sagt, er wünsche besonders
mit Gambetta einen Kampf und nenn Mit
arbeiter des „PayS" seien bereit, mit neun
republikanischen Deputaten den Kampf aus
zunehmen.
Ausregung aus den Boulevards.brennt
tu Pari.
London, 13. Juni.— Eine Depesche aus
Paris meldet: „Die Boulevards wimmeln
von Menschen und alle Kaffeehäuser sind von
aufgeregten Gästen überfüllt.
Im nördlichen stadttheile ist eine große
Feuersbrnnst ausgebrochen. Der Güterbahn
hof der Nordbahn steht in Flammen. Die
gejammte Feuerwehr ist ans den Beinen.
Tausende von Polizisten eilen der Brand
stätte zu und Truppen bewegen sich in dersel
ben Richtung. Das Feuer brach gestern
Abend um 1 Uhr aus."
Die Zustande in Paris. Tie Verschwörung
der Bonavartiste. Tt. tlroix vor Ge
richt. Der Angriff aus Gainbetta.
Tie 'Nobiiisirung der Armee.
P aris, 13. Juni. Wie verlautet, steht
das heftige Austreten der Bonapartisten mit
einer Verschwörung in Verbindung, die nichts
mehr und nichis weniger, als eine Auslösung
der National-Versammlung und einen Appell
an das Land vermittelst des Plebiscits im
Auge hat.
Pari s, 13. Juni. Tic von der Regie
rung getroffenen Maßregeln, um eine Wie
derholung der Donnerstags- und Freitags
Scenen am westlichen Bahnhofe (nach Ver
sailles) zu verhindern, haben sich als wirk
sam erwiesen. Als heute Mittag der Bahn
zug mit den Deputieren abging, war keine
weitere Aufregung bemerkbar.
Ddr Graf St. Croix wurde heute vor das
Polizeigcrichl gestellt, um sich wegen seines
Angriffes auf Gambetta zu verantworten.
Die Untersuchung dauerte mehrere stunden
und endigte damit, daß der enragirte Bona
partist zu 6-monatlicher Hast und zur Zah
lung von 200 Franken Strafe nebst Kosten
vernrtheiltwurde. St. Eroix wies die ihm an
gebotene legale Hülse ab. 'Noch andere Ru
hestörer des Tonnerstags wurden verschieden
auf eine Woche bis zu einem Monate inhaf
tirl.
Paris, 13. Juni. Eine halb-amtliche
Note protestirt gegen die Zeitungsberichte über
die Vorfälle der lehren Tage. Dieselben seien
bösartiger und provocirender Statur, geeig
net, Haß zu nähren und Ruhestörungen hcr
vorzurusen. Es wird die Hoffnung ausge.
sprachen, daß die Regierung durch strenge
Maßnahmen dic Ruhe und Ordnung sichern
werde. "
Paris, 13. Juni. Gen. de Cissey.
Kriegsministern. Vicc-Präsidentdes Staats
rathes, hat ein Gesetz eingebracht, welches ge
wisse Vorschriften zur Mobilisirnng der Ar
mee dem allenfallsigen Ausbruche eines Arie
gcs anpaßt.
Paris, 13. Juni. Die Nachricht von
dem Brande des nördlichen Bahnhofes war
eine Ente. Es brannte nur in einem, nahe
dem Bahnhofe gelegenen Bauholzhofc.
Paris, 14. Juni. DaS große interna
tionale Wettrennen für den großen Pariser
Preis fand heute statt. Sieger war das eng
lische Hengstfüllen „Trent". 'Nr. 2, 3 nnd'4
waren das französische Stntfüllen „saltar
dle", das englische Hengstsüllen „Tomahawl"
und das französische Hengstfüllen „Nicville".
Paris, 14. Jnni.—Eine von dem linken
Centrum entworfene BersassungS-Brll wird
der 'National-Versammlung morgen unter
breitet und die Annahme derselben dringend
empfohlen werden. Ob zwischen oem linken
und dem rechten Centrum eine Einigung er
zielt worden ist, läßt sich vor der Abstimmung
über die Bill nicht sagen. Tie gemäßigte
Linke wird die Annahme der Bill befürworten,
weil sie sich eine schutzwchr gegen die Bona
partisten zn sichern wünscht.
Tie Stimmung in Paris. —?in Tue bevor
stcyend.— Poiizci-Mastreqcln.
Paris, 14. Juni. Alle Welt sieht dcr
morgigen Sitzung der National - Versgium
lung mit Spannung entgegen.
Clemencean hat Eassagnac wegen ehren
rühriger Aeußerungen zum zweiten Male gc
fordert und ein Duell zwischen 10 republika
nischen und 10 bonapartistischen Deputirten
vorgeschlagen. Eassagnac hat verächtlich er
widert, daß cr sich nur mit Gambetta schl
gen werde, und daß bonapartistüche Depn
tirte keine Herausforderung annehmen könn
ten.
Die Regierung hat Maßregeln getroffen,
bonapartistische und radikale Agitation in
den Battacken zn unterdrücken. Die Polizei
hat das „Cafe de l'Opera" am Boulevard
Haußmann geschlossen, weil es derßersainm
lungSplatz der Bonapartisten war.
London, 15. Juni. Der Pariser Cor
respoudent der „Times" telegraphirt, daß die
stimmen für und gegen die Verfassungs-Bill
des Unken Centrums tn der heutigen Sitzung
der National - Versammlung nngesähr gleich
zahlreich sein werden. Enthalten sich die bis
letzt unentschiedenen 50—60 Mitglieder der
Rechtender Abstimmung, dann wird die Linke
siegen.
Paris, 15. Juni. Dic von dem linken
Centrum entworfene VerfassungS-Bill wurde
der National-Versammlung heute unterbreitet
und die Dringlichkeit derselben mit 345 gegen
341 Stimmen angenommen.
Paris, 15. Jnni. Der Sitzungssaal
der 'National-Versammlung war heute ge
drängt voll von Deputirten und Publikum.
Casimir berichtete die Berfassnngs-Bill ein
und stellte den Antrag, daß eine Berathung
derselben für dringend erklärt werde. Er sagte,
das Land verlange, daß dieser provisorische
Zustand ein Ende nehme. Er drang aus ver
eintes Borgchen gegen Bonapartisten nnd
Demagogen. Der Redner wurde von der
Rechien häufig unterbrochen, während die
Linie ihm taut applaudirte. Laboulayc un
terstützte den Antrag der Dringlichkeit, indem
er sagte, die letzten Ereignisse hätten bewie
sen, daß ein provisorischer Zustand gefährlich
sei. Die Monarchie sei unmöglich. Das
Kaiserreich würde zur Unterdrückung Frank
reich's führen. Die republikanische Regie
rungsform sei dic einzig einpfehlensmerthc,
und die Herstellung derselben würde dem Lande
das Selbstvertrauen wieder geben.
Generat Changarnier vom rechten Centrum
und Hr. Nauol Duval von der Rechten spra
chen gegen den Antrag. Hr. De Kerdrel von
der Rechten gab den Mitgliedern zu bedenken,
daß Marschall MacMahon, wcnn dic Majo
ritat der National-Versammlung sich ändere,
es für seine Pflicht halten könne, sein Amt
niederzulegen.
Der Antrag der Dringlichkeit wurde dann
mit 345 gegen 341 Stimmen an ,cnommen.
Alle Minister stimmten freilich nur in ih
rer Eigenschaft als Mitglieder der National-
Versammlung gegen denselben. Die Bill
wurde darauf dem Dreißiger-Comite überge
ben.
Hr. de la Rochefoucauld berichtete folgen
den Beschluß ein: „Die National-Versamm
lung erklärt, daß die RegicrnngSform Frank
reich's die Monarchie ist, und daß der Thron
dem Haupte des Hauses Frankreich zukommt
Marschall Mac Mahon kann den Titel eines
Reichsverwesers annehmen, u. die nationalen
Institutionen sollen durch Einigung zwischen
dem König nnd den Vertretern der 'Nation
bestimmt werden." 'Nach Verlesung Vieles
Beschlusses herrschte große Aufregung, und
Rochefoucauld stellte den Antrag, denselben
dem Dreißiger-Comite zu überweisen. Der
Antrag wurde verworfen. Die 'National-
Versammlung vertagte sich dann bis morgen.
Di: bonapartistischen Deputirten hielten
vor der Sitzung der 'National-Versammlung
eine Eonferenz, in wetcher sie zu dem Schluß
kamen, daß es nutzlos sein werde, gegen das
linke Centrum einen Gegenvorschlag einzu
bringen.
London, 16. Juni.—Depeschen ans Pa
ris bringen das Gerücht, der Wald von Fon
tainebleau siehe in Flammen.
London, 16. Jnni.—Eine Pariser Spc
zial-Desiesche an die „TimcS" enthält folgende
weiteren Einzelnheiten über die gestrige Sit
ziing der National-Versammlung: „Hr. Lam
bert De Sainte Croix, von allen Mitgliedern
des rechten Centrums unterstützt, unterbreitete
eine Bill, welche verfügt, daß 'MacMahon in
seinen Bollmachten mit dem Titel eines Prä
sidenten der Republik bestätigt werde, daß
eine zweite Kammer gebildet werde, daß Mac
Mahon das Recht übertragen werde, beide
Kammern aufzulösen, und daß sein 'Nachfol
ger von beiden Kammern gemeinsam ernannt
werde."
Der Correspoudent der „Times" fügt hinzu:
„Das genaue Resultat der gestrigen Sitzung
ist nun, daß das Dreißiger-Comite den gebic
terischen Beseht erhalten hat, entweder das
Scpteunat ohne Proklamirung der Republik
zu organisiren, oder die definitive Republik
unter dem Präsidium MacMahon's zu erklä
ren. Es ist wahrscheinlich, dag die Commis
sion sich für das Scptennat entscheiden nnd
daß die 'National - Versammlung diese Eni
schcidnng gutheißen wird. Im entgegenge
setzten Falle wird die Majorität, welche bis
jetzt mit der Regierung ging, zum linken Cen
trilin übergehen, ein Umstand, welcher Mac-
Mahon in aller Wahrscheinlichkeit zum Rück
tritt bewegen würde. Die gestrigen Vor
gänge mögen immerhin den Rücktritt einiger
Minister zur Folge haben, eine vollständige
Cabinels-Krisis wird indeß nicht eintreten."
Während eines vor der Sitzung der Natio
nal Versammlung gehaltenen Ministerraths
suchten Generat Cissey und Andere den Prä
sidcnten zu bewegen, daß er die National
Versammlung an ihr Versprechen erinnere,
seine Vollmachten zu sichern, die Mehrzahl
der Minister sprach sich jedoch gegen einen sol
chen Schritt aus. Cissey, Magne, Grivart
und Dccazes stimmten für De la Rochefou
cauld's Vorschlag, seinen Be'chlnß bezüglich
der Wiederherstellung der Monarchie dem
Dreißiger Comite zu überweisen.
Die Deputirten Blanc, Ouinet, Pcyral
nnd D'Audissret Posqnier und 20 Mitglieder
des rechten Centrums enthielten sich der Ab
stimmung über Casimir Pcnere's Antrag für
die Dringlichkeit der Bcrsassungsbill des lin
ken Centrums.
Rochefoucauld hat, ehe er seinen Beschluß I
einberichtete, auf seinen Posten als englischer
Gesandter verzichtet.
Paris, 16. Juni.—Republikanische Blät
ler loben heule die Mitglieder des rechten so
wohl, als des linken Centrums der National-
Versammlung, weil sie gestern gegen die Wie
dcrhersteUung der Monarchie stimmien.
Die Blatter sagen, die gestrige Abstim
mung beweise die Unmöglichkeit der Monar
chie, wenn auch die Republik durch dieselbe
noch nicht proklamirt werde.
Orleanistische Blätter meinen, das Verhal
ten der 'National-Versammlung lasse die Si
ruation unverändert, drücken aber nichtsdesto
weniger den Glauben aus, daß MacMahon's
Stellung in Folge dieser Abstimmung be
festigt werde.
Paris, 16. Juni. Als das Protokoll
der gestrigen Verhandlungen in der heutigen
Sitzung der National-Versammlung verlesen
wurde, wurden von Seiten mehrerer Mitglie
der über fehlerhaften Bericht Betreffs der
Stimmenabgabe laute Klagen geführt. Ge
neral Cisiey und drei Andere behaupteten, zu
Gunsten des Vorschlags der Dringlichkeit der
Bill des linken Centrums gestimmt zu haben,
während ein Depurirter, welcher gegen den
Vorschlag gestimmt hatte, erklärte, daß sieben
Mitglieder, deren Namen als Vertheidiger
der Bill aufgeführt waren, bei der Abstim
mung überhaupt gar nicht zugegen gewesen
feiern Würden die im Protokoll enthaltenen
Fehler berichtigt, so würde sich herausstellen,
daß 339 Stimmen für nnd 310 Stimmen ge
gen den Antrag abgegeben worden seien, Hr.
Franclieu von der äußersten Rechten berichtete
den Vorschlag ein, die Abstimmung für un
gültig zu erklären. Büffet, der Präsident der
National-Versammlung, erklärte die Abstim
mung für gültig. Das rechte Centrum be
richtete einen Beschluß ein, in welchem die
Vollmachten des Präsidenten MacMahon
definirt werden. Der Beschluß wurde dem
Dreißiger-Comite überwiesen.
Paris, 16. Juni.— Alan glaubt, das
Dreißiger-Eomite werde erst nach etwa 14 Ta
gen über die demselben gestern überwiesenen
Bills berichten. Die Linke hat vor der Hand
ihre Agitation Zwecks 'Auflösung der Natio
nal-Versammlung fallen lassen, weil sie auf
die Proklamirung der Republik hofft. Zu
Präsidenten dcr Büreaux der National Ver
sammlung sind 8 Mitglieder der Rechten nnd
7 Mitglieder der Linken, darnnler Laboulayc,
Perier nno Say, ernannt worden. 'Außer
dem wurde ein ans 18 Mitgliedern dcr Linken
und 12 Mitgliedern der Rechten bestehendes
Comite ernannt, welchem schließlich der Be
ichluß Rochefoucauld's Bchnsö Restanration
der Monarchie überwiesen wurde; man hält
es indeß für ausgemacht, daß dcr Beschluß der
National-Versammlung nicht zur Diskussion
vorgelegt werden wird.
Der Brand in dem Walde von Fontainc
blean ist, nachdem cr denselben auf einem
Areal von 10 Ackern Landes zerstört hat, ge
löscht worden.
Land 0 n, 17. Jnni. Eine Pariser De
pesche an die „Times" meldet, daß vorläufige
schritte zn einer Einigung der beiden Cen
tren gethan worden seien und weitere noth
wendig folgen wurden. Die „Times" com
mentirt einen Artikel des "3orwrl ckes I>c-
Organs des linkenCenlr., indem sie die
durch das Kaiserreich heraufbeschworenen Be
sürchtnngen mit dem durch die Republik ein
geflößten Vertrauen vergleicht, wenn wahre
Conjervative sich zn einer loyalen Annahme
dieser Regiernngssorm versiehen.
P aris, 17. Jnni. —Exemplare des Ne
w „Herald," welche einen von Rochefort
bei seiner 'Ankunft in New ?)ork geschriebenen
Brief enthielten, sind wegen eines in demsel
ben gegen McMahon gerichteten Angriffs mit
Beschlag belegt worden.
P ar i s, 18. Jnni. Die Deputirten dcs
linken Centrums laden wiederum zu einer
Bereinigung mit dem rechten Centrum ein,
damit durch das Zusammcnwirken beider
Centren die republikanüche Regicrungssorm
befestigt werde. Das linke Centrum bietet
alle nöthigen verfassungsmäßigen Garantie'
nnd crklätt, daß das rechte Centrum, wenn es
die vorgeschlagene Einigung nicht annehme,
für die Möglichkeit einer Rückkehr zum Kai
serreiche verantwortlich sei.
Tie Regierung hat die Eigenthümer der
republikanischen Blätter „Le Figaro" und „La
France" verklagt, weil dieselben einen 'Artikel
von Henri Rochefort brachten. Tcr Jnsliz
Minister hat ein Gesetz erlassen, nach welchem
eine Commission ernannt werden soll, welche
sofort ein neues Prcßgesetz zu entwerfen
hat.
P ari s, 13. Juni. In dcr heutigen
Sitzung- ocr National - Versammlung wurde
eine Klausel in der Munizipal-Bill, welche
den bedeutendsten Steuerzahlern das Recht
ans Mitgliedschaft im Munizipat - Rathe
giebt, mit 373 gegen 325 Stimmen verwor
fen. Dic Linke, die Bonapartisten und ein
Theil des rechten Centrums stimmten mir der
Majorität, sie betrachteten die Klausel als
einen Versuch, das allgemeine stimmrecht
zn beschränken. Dies Resultat wird wahr
scheinlich das Schicksal der Bill besiegeln.
Die Kunde von der Abstimmung brachte be
deutende Sensation l>crvor.
Hr. Fourlon, der Minister des Inneren,
hak sich bereit erklärt, eine Beschränkung dcs
Rechts der Regierung, Maires ans 3 Jahre
zn ernennen, als ein Comproiniß anzunch
men.
Das Post - Comite hat einen Bericht zn
Gunsten eines PoslvcrtrageS mit Amerika an
gekommen. Tie National - Versammlung
ivird diesen Bericht wahrscheinlich nächstens
ohne weitere Diskussion bestätigen.
Das rechte Centrum unterhandelt mit der !
Rechten und einem Theile des linken Ccn
truiiiS, in der Hoffnung, eine neue Majorität !
zn bilden, deren Basis die vom Hrn. Lambert j
de Sainte Croix am 15. unterbreitete Bill
sein soll, nach welcher die Vollmachten Ma-
Mahon's bestätigt -Verden, eine zweite Kamc
mer gebildet und dem Präsidenten das Recht
übertragen wird, beide Kammern auszulösen,
sowie einer vereinigten Convention beider
Kammern das Recht eingeräumt wird, den
Nachsolger des Präsidenten zu ernennen. Die
Vcrbandlungen werden schwerlich von Erfolg
begleitet sein. Das linke Centrum hält sich
an die Verfügungen der Bill dcS Hrn. Casi
mir Pericr.
Hr. Dilsanrc beabsichtigt, wenn die Bill
Pcricr's zur Debatte kommt, den Devntirten
zu verstehen zu geben, daß 335 ihrer Collcgcn
darauf vorbereitet seien, die Auslösung der
'Nationalversammlung zu verlangen, falls die
Organisation der Republik verhindert werde.
Hr. Goulard ist sehr krank. Paul de Cas
sagnac hat am Montage vor dem Assisen-
Gerichte zn erscheinen, nm sicb gegen die An
klage zn vertheidigen, unter Bürgern gegen
seitigcn Haß hervorgerufen zu haben.
Das amerikanische Gtjchwader des Mit
tetmeeres wird in Toulon erwartet, nm
neuen Proviant cinznnchmcn.
Spernlatioucn im SinbiiS ans vcn Tod des
Papstes.
M adrid, 13. Der „Jmparcial"
sagt, daß im Falle des Ablebens des Papstes
die spanüche Regierung bei der Neuwahl das
Vorrecht des Bclo's, wie es früher dem Kö
nige von Castilien zugestanden wurde, bean
spruchen werde.
N 0 m, I I. Juni. Der italienische Se
nat hat sich vertagt. Am 22. d. Mts. wird
im Vatikan ein Consisrorium gehalten wer
den, bei welcher Chigi nnd Gnibcrte als Kar
dinäle förmlich installirt werden sollen.
New-Fork, 16. Jnni. Ein Brief ans
Rom vom 16. Mai meldet: „Die italieni
schen Freimaurer haben während der gegen
wattigen Woche ihre jährliche Beanitemvahl
für den Orden abgehalten. Aus dem Bericht
ergiebl sich, daß iiii Königreich etwa 80 Logen
existiren und daß die Zahl der Logen und die
Zahl der Mitglieder der einzelnen Logen be
ständig wächst. Die Feindseligkeit der Kirche
gegen den Orden scheint nur dazu beizntra
gen, denselben noch zu kräftigen. Man geht
in Rom mit dem Gedanken nm, einen großen
Freimaurer-Tempel zn bauen."
R 0 in, 17. Juni. Der Papst empfing
heute zahlreicheDeputationen, welche ihm zum
Jahrestage seines Rcgiernngs-AntritteS Glück
wünschten. Ter Tag wurde im Vatikan un
ter den gebräuchlichen Eercmonic'n begangen.
R 0 m , 13. Juni. Kardinal Antonelli
leidet stark an der Gichl und ist sehr schwach.
Rom, 13. Juni. Als am Dienstag
mehrere Kardinäle bei dem Papste Audienz
hatten, äußerte derselbe, von hohen polnischen
Persönlichkeiten seien Borschläge gemacht wor
den, eine Aussöhnung zwischen dem hl. Stuhl
und der italienischen Regierung herbeizufüh
ren. Er fügte hinzu, daß er in keinem Stücke
nachgeben werde, und daß jede Conzessioii
von seiner Seite der Kirche und der Gesell
schaft zum Rachtheil gereichen werde.
Tic Pilger.
Rom, 12. Juni.—Die amerikanischen >
Pilger und leitenden Mitglieder der „Gesell
schaff zur Förderung der katholischen Jnteres-!
sen in den Ver. Starten" hatten sich heute
in dem Palaste des Cardinals Borromco ver
sammelt. Der Cardinal hielt eine Anspra
che, in welcher cr die Pilger wegen ihres Ei
fers und ihres Muthes lobte: zugleich theilte
cr Mitgliedskarten der Gesellschaft aus.
Prinz LancUetli bewillkommnete die neuen
Mitglieder, nno Bischof Dwenger erwiderte
Worte des Dankes. Tie Pilger haben dem !
Papste §lOO,OOO in baarem Gelde und eine i
Kiste mit Goldklumpen aus amerikanischen
Bergwerken geschenkt. Sie werden Rom am i
20. ds. Bits, verlassen.
Rom, 13. Jnni. Der Papst hat den be !
rühmten italienischen ÄlterthilmSforscher.slg-
nor Nossi, dem man auf diesem Gebiete man
che ausgezeichnete schriftstellerische Leistungen
verdankt, beauftragt, die Pilger bei ihrem Be
suche der tausendjährigen Monumente nnd
Tempel zu begleiten und ihnen alle Erlau
lerungen zu geben, wozu sein tiefes Wissen
ihn befähigt.
N 0 m, 13. Jnni. Die Pilger haben dem
Cardinal Borromeo die Versicherung gegeben,
daß nach ihrer Rückkehr nach den Ver. Slam
tcn sie dicOrgaiiisation-von periodischen Wall
fahrten nach Rom anregen werdend Tie Pil- !
ger haben einen immensen Borralh von P Ho
lographien des Papstes eingelegt.
Die amerikanischen Pilger wohnten heute i
dem Hochamte in den Katakomben bei. Man-
, signor Franchi celebrirte.
N 0 m, 15. Jnni. - Die amerikanischen >
Pilger drucken sich über die ihnen hier gcwor- '
deneAusnahme sehr beffiedigt ans. Ter Papst
hat das vom,.Georgetown-College" übersandte
Banner, welches ocin Altar der hl. Jung
frau zu Lourdcs dargebracht werden soll, ein
gesegnet. Einige der Pilger gehen nach Be
nedig, uin dem gegenwärtig daselbst tagen
den kath. Congreß beizuwohnen.
R 0 m, 18. Jnni. Tie amerikanischen
Pilger sind, um Ruhe und Erholung zu su
chen, aus Rom fortgegangen. Einige sind
nach Venedig gercis't, Andere machen eine
Tour in die Gebirge Nord-Jtalien's.
Das brasilianische Kabel.
Lissabon. 16. Jnni. Ter Dampfer
„Africa" ist zurückgetchrt, nachdem er die Le
gnng des brasilianischen Kabels glücklich vol
lendel hat. Nachdem ein Versuch mit der
neuen Linie zu großer Befriedigung auSge
fallen, ist dassclber der „Brasilianischen Ka
bel - Gesellschaft" übergeben worden. Von
England über Lissabon nnd Madeira nach
St. Vincent, den Cap-Vcrdiichen Inseln, be
steht ans diese Welse eine ununterbrochene
telegraphische Verbindung.
Znland-Tepeschen.
Tic Arbeiterfrage in Massachn-
Vost 0 n, 18. Juni. In einer gestrigen
Versammlung des Central-Staats-Comilc's
her Arbeiter Reform-Partei wurde beschlossen,
für dieses Jahr keine Candidaten für Staats-
Aemter zu nomiiiircn. Außerdem wurde be
schlossen, für alle arbeitenden Classen, Män
ner, Frauen und Kinder einen Plan bezüglich
des Achtstllnden Gesetzes zn entwerfen und
Vasselbe im nächsten Herbst einem jeden Can
dioatcn vorzulegen, um zu erfahren, ob cr
dasselbe nnterstntzeii werde.
Eine traurige Vcrgiftungs - Ge
schichte.
Vrovidence, Rh.-1., 17. Juni.—
Vier bis fünf kleine Knaben sahen, als sie sich
gestern aus dem Wege zur schule befanden,
einen Doktorwagen neben dem Trottoir ste
hen nnd machten sich über den in demselben
stehenden Arziici-Äasten her. Einer derselben
ergrifs ungtückticherweise eine Flasche, welche
Gift enthielt, nnd vertheilte dasselbe unter
leine Kameraden. Ein 4-jähriger Knabe ist
lchon an den Wirkungen des Giftes gestorben
nnd andere sind gefährlich erkrankt.
Der neue Tampscr „itessing "
New A 0 rk, 16. Juni. —Der neue Dam
pfer „Lessing" von der Hamburger „Adler-
Linie," wurde gestern von einer großcnAnzahl
Personen in Augenschein genommen, welche
jämmtlich ihre höchste Befriedigung über die
splendide und zugleich zweckmäßige Ansstat
tnng des Schisses aussprachen. Der„Lelsing„
ist 375 Fuß lang, 40 Fuß tief, hat 3000 Pftr
derkrasl, einenGehalt von 3600 Tonnen, führt
8 Rettungsboote und ist mit den neuesten nnd
besten Maschinen versehen. Das Zwischen
deck der Dampfer der „Adler-Linie" befindet
sich dort, wo bei anderenDampsern diezweite
Cajütc liegt und ist vortrefflich erleuchtet nnd
ventilirt. Der Commandeur des „Leising"
ist Capt. A. F. Toosbuy.
VcrurtftcUung e,ncs Ncw-'Aorkers
in Sachsen.
Ncw -N 0 rk. 16. Juni. Der jugend
liche „Landlord" des tz 40,000 - TenementS
Nr. 25, Chrystiestr., Johann August Bräuer,
auch Halbe genannt, aber in hiesiger Stadt
besser bekannt als der immerfidele „Fritze,"
„Dampfwascher,Bleicher, Restaurateur, Kauf
mann, Lagerbierwirth und überhaupt Aller
wcltsfritze," wurde unlängst in seiner Vater
stadt Bautzen zn einer Geldbuße von baarcn
300 Thalern preuß. Eourant vcrurthcilt, weil
er sich den Segnungen des heimischen Mili
lärdienstes durch die Auswanderung nach
Amerika entzogen hatte und er's in unseliger
Verblendung für vortheilhaster hielt, Green
backs zu „machen," als den Kuhfuß zu tragen
und seinen patriotischen Pflichten zu genügen.
Fritze wird mit großer Kümmerniß von jenem
Atte einer unerbiltlichcu Justiz Kenntniß neh
men, sich vorläufig aber wohl mit dem Svrüch
worl trösten: „Die Nürnberger hängen Kei
nen u. s. w." Zum 'Nutzen nnd Frommen
aller Derer, welche in einer ähnlichen Lage
sind, wie cr, geben wir nachstehend, was wir
über die Affaire in einem Bautzener Blatte
finden: „Wer dem Eintritt in den Dienst des
stehenden Heeres oder der Flotte sich dadurch
zn entziehen sucht, daß cr ohne Erlaubniß
entweder das Bundesgebiet verläßt oder nach
erreichtem militärpflichtigen Alter sich außer
halb des Bundesgebietes aufhält, wird nach
H 140 des NeichssttasgcsctzbucheS mit einer
Geldbuße von 50 bis 1000 Thaler oder mit
Gefängniß von einem Monat bis zn einem
Jahre besttast. Das hiesige königliche Be
zirksgericht verhandelte unter Zuziehung der
Herren Oberlehrer Elsner, Knpftryammer
wcrksbesitzer 'Reinhardt, Dirctwr seeligcr
j und Rentier Miersch, als Gerichtsschöfsen,
drei wegen des abgedachten Vergehens ge
sührtc Untersuchungen. In allen drei Fällen
waren öie Angeklagten nicht erschienen. Der
Kaufmann Johann August Brauer, auch
Halbe genannt, ist am 23. Jnni 1849 in so
ritz geboren und hat später in Bautzen dic
Kaufmannschaft erlernt. Im Jahre 1868 be
gab er sich ohne Erlaubniß der zuständigen
Behörde von hier nach New-Zork, nm, ivic
sein als Zeuge vorgeladener früherer Vor
mund, Hr. tkaufinanil Wehte von hier, an
i gab, sein Glück jenseits des Ozeans zu suchen.
! Und nicht umsonst; denn nach Bräucr's eige
nen brieflichen Mittheilungen besitzt cr der
malen in New chock zwei für 39,000 Tollars
! crlanste G.undstückc, die cr nachher nicht un
! beträchtlich verbessert hat, nnd betreibt dort
eine Dampfwäsche und Bleicherei. 1869 bat
cr zunächst nm Entlassung ans dem sächsischen
Unterlhancnverbande, wurde, da dies nnzu
lässig war, bis zum Departements-Ersatz Ge
schäft des Jahres 1871 von der Anmeldung
! zur Stammrolle und der persönlichen Ge
stellung vor die Eriatzbehördcn entbunden,
auf sein fernerweites Gesuch nm Znrnckstel
lung aber 1871 abfällig beschiedcn und nun
mehr bedeutet, sich ungesäumt zur Musterung
persönlich zu gestellen. Dieser Aufforderung
! leistete cr jedoch eben so wenig Folge, wie der
j ihm am 12. Febr. d. I. bchändigten Vorla
> dnug zu der heutigen Hanptverhäiidliing, ob
> schon ihn auch der Zeiige Wehte, wie bereits
früher mehrfach, so zuletzt noch im Mär; >872
brieflich zur Rückkehr und Ableistung seiner
Militärpflicht veranlaßt halte. War sich
nun hiernach Bräuer nicht nur seiner Ber
pslichtnng zum Eintritt in den Dienst des
stehenden Heeres oder der Flotte bewußt ge
wesen nnd er trotz erreichten militärpflichtigen
'Alters ohne Erlaubniß freiwillig im Aus
lande verblieben, so mußte ihn auch der Ge
richtSyof dem Antrage der königlichen Staats
anwaltschaft entsprechend der Hinterziehung
der Militärpflicht für überführt erachten. Er
wurde deshalb am Schlüsse der Vcryandlung
zu 300 Thaler Geldbuße verurtbeilt."
Tödtliche Nnfäite auf dem Geleise.
N e w 2) 0r k, 16. Juni. Der 17 jäh
, rige McElron aus Brooklyn, welcher von
Hoboken, N. J., gekommen war, nm einige
Freunde zu besuchen, wollte gestern bei der
Willoivstraßc über das Eiseiibahllgeftift gc
Yen, alsein ankommender Zug ihn erfaßte
und aus das Geleise niederwarf. Ein Arm
und Bein wurden ihm buchstäblich abge
schnitten nnd sein Körper aus andere Weise
entsetzlich zugerichtet.
Georg Barone von Nr. 231, 6. Avenue,
gerieth gestern Abend unter die Räder eines
Waggons der Stadt-Pferdebahn und verlor
beide Beine. Er wird seinen Verletzungen
erliegen.
Zuchthaus auf Lebenszeit.
New-Fork, t 7. Jnni. Thomas
LowirdeS, wetcher am 8. Mär; seine Frau
ermordeie, wurde heute von den Geschwore
nen des Moides im zweiten Grade schuldig
bekunden und zu lebenslänglicher Zuchthaus
sinne vernrlheiir.
Tic Selbstmords Manie in Ncw-
Vork.
Nc w 0 rk, 18. Juni. —Am Dienstag
Abend trat der Teutsche Georg Resmasscn in
Nr. 110, Chathamstraße, ein und wünschte
Nachtquartier. Am folgenden Vormittag um
l t Uhr fand man ihn an den Folgen einer
Dosis Landauum sterbend in seinem Zimmer.
Nachgelassene Briefe beweisen, daß er seit
längerer Zeit Selbstmord beabsichtigt habe.
Er giebt in denselben an, im Süden gelebt
und drei Mal seine Habe durch Feuersbrünste
verloren zu haben, ohne im Stande gewesen
zu sein, die Versicherungssumme zu bekom
men.
Der 72-jährige Engländer James Ander
son zerschmetterte sich gestern Abend in Nr.
365, Hudsonstraße, durch einen Pistolenschuß
den Schädel. Er war früher ein wohlhaben
der Mann gewesen, halte aber vor etwa zwei
Jahren in Folge verfehlter Spekulationen sein
Vermögen verloren und diesen Verlust nicht
ertragen lönncn.
Tödtlicher 'Ausgang.
Philadelphia, 17. Juni. Frl. Eli j
zabeth P. Tamplin, welche vor etwa 14 Ta
gen von Charles Ljetter durch einen Pistolen !
schuß verwundet wurde, ist am Montag!
Abend im Hospital gestorben. Ter Arzi!
hatte einen Schein ausgestellt, daß der Tod !
in Folge eines Blutsturzes eingetreten sei und i
versichert, daß die Schußwunde geheilt sei. !
Als Coroner Brown in die Wohnung der s
Verstorbenen kam und fand, daß die Beslat- j
tung heute Nachmittag stattfinden sollte, ver
anlaßte er, daß dieselbe ausgeschoben würde,
bis die nothwendige >c>sl w>,>>„!>> Unters
chung stattgefunden. ?)etter wurde schon vor
dem Tode des Frl. Tamplin verhaftet und
ist noch im Gefängniß. Er behauptet, nicht
gewußt zuhaben, daß die Pistole geladen sei,
nnd Frl. Tamplin hat ausgesagt, sie sei
überzeugt, daß der Schuß unabsichtlich gefal
len sei. da zwischen ihr nnd Fetter immer das
beste Einvcrstäudu.ß geherrscht habe.
Verhaftung eines versüchtigeu
Individuums.
Philadelphia, 18-. Juni. Ein
Mann, welcher seinen 'Namen als Henry Rich
Tyson angab und eine Tasche mir §2300 in
Gold und Silbcrmünzen bei sich führte,
wurde heute 'Nachmittag am New-Forker
Bahnhof verhaftet, da er der Polizei wegen
seines eigenthümlichen Umherwanderns ver
dächtig vorgekonkmen war. Tyson sagt, er
sei von wo er eine Plantage be
sessen, am letzten Samstag in New-Forl an
gekommen und bis zum Mittwoch im „Astor-
Honje" geblieben. Dann sei er hierher abge
reist und habe sich ,1, einem Hotel in der
'Nähe desßahnhoses einqnartirt, aus welchem
cr heute Morgen durch ein Lärmen verscheucht
Nr. 25.
worden sei. Die Polizei hat sich vorläufig
Ein Erkttrsionszug verunglückt.
Mehrere Todte und zahlreiche
Verwundete.
Wilmington, N. C.,17. Juni.—Aus
der „Carolina Centralbahn" begegnete heute
Morgen einem Exkursionszuge, welcher von
mehreren hundert Touristen besetzt war, aus
seinem Wege nach Wilmingion ein bedauer
liches Unglück. 'Als derselbe sich 24 Meilen
diesseits silesville befand, eniglcis'ten die
Lokomotive, zwei slacheWaggons, der Gepäck
Waggon und ein Waggon zweiter Klasse. Der
Schaffner F. M. Woolen wurde unerheblich,
der Postbeamte Thomas Alderman schwer ver
letzt, drei Negee wurdeii getödtet und neun
verwundet. Es heißt, es seien auch 10—12
verwundet worden. Die bis jetzt eingelaufe
nen Berichte sind widersprechender Natur nnd
es ist unmöglich, verbnrgle Nachrichten über
den ganzen Uiinang des Unglücks zu bringen.
(später.)— Ein farbiger Heizer und zwei
farbige Bremser kamen um's Leben. Der
Ingenieur John Galvin, der Expreß Ag-nt
Thomas 'Alderman, der Post-Agent A. Sin
clair nnd George Huntley wurden schwer ver
letzt. James Cardle, I. M. Evans, Samt.
Burns, John Threadgill nnd A. John Bir
mingham erlitten schmerzliche Contusionen;
zahlreiche andere kamen mit leichten Verlet
zungcn davon.
Wilmington, N.C., 18. Juni.
Nach hier eingelaufenen Depeschen war das
gestrige Eisenbahn-Unglück die Folge furcht
barer Regengüsse. Innerhalb 3—4 stunden
fielen 6 Zoll Regen. Ter Durchlaß war in
guter Ordnung und scheint auch jetzt noch
nicht beschädigt zu sein. Dcr Regen fiel in
solchen Strömen, daß er den Durchlaß ver
stopfte, und das Wasser stieg so hoch, daß es
dic Böschung zum Weichen brachte. Die Bau
ten waren von 1860 —'67 gemacht worden
und hatten schon manchem Wetter Trotz ge
boten. Da die Schienen nicht mit der Bö
schung fortgetrieben wartn, so ahnte der La
komotivsührer nichts Arges, bis cr an die
schadhafte stelle gekommen war. Dcr Loko
motivführer Galvin ist seinen Verletzungen
erlegen, nnd seine Leiche ist heute Nachmittag
hier angekommen. Dic übrigen Verletzten
erholen sich.
Dreifacher Morv vc Lawrcuce
vurg, Ins.
Cincinnati, 16. Juni.—Spezial-De
peschen ans Lawrenccbnrg, Ind., melden, daß
zwei Meilen von dort heute eine entsetzliche
'.Nordthat entdeckt wurde. Frau Mary E.
Bradlcy und ihre beiden Töchter, im Alter
von 12 und 10 Jahren stehend, sind ermordet
und furchtbar verstummen gefunden worden.
Fran Bradtcy'S Leib war ausgeschlitzt, und
die Gesichter der Töchter waren zn einer un
förmlichen Masse geMagen: der Säugling
war leicht verwundet, nnd ein dreijähriger
Knabe wurde unversehrt in einem nahen Ge
holz gesunden. Die Familie war arm und
der Vater arbeitet aus einer Farm in Ohio.
Von den Mördern hat man bis jetzt keine
Spur.
Schreckliche Ginyutluutici! bezüg
liche des Vlntbaves bei Law
rencebllrg, Ind.
C r n c i n n a t i, 17. Juni. —I weiter
die Untersuchung fortschreitet, desto cnftetzli
chcr erscheinen die mildem bei Lawrenceburg,
Ind., begangenen Morde verbundenen Um
stände. Die Post Mortem Untersuchung hat
ergeben, daß Frau Bradlcq erst geschändet
und dann, um das Verbrechen nicht an'sLicht
kommen zn lassen, ermordet wurde. Die
Brüder William und Charles McDolc, Ver
wandte der Familie Bradle, sind verhaftet
worden. Cyarles wird wahrscheinlich ein
Alibi beweisen können. Gegen William hän
sen sich jedoch die Berdachisgrttnde. Seine
sticfet entsprechen genau den um das Haus
gesnndcnen Fußspuren. Er ist ein roher, nn
wissender Feld-Arbeiter.
Ter Religion - Unterricht in den
VotkSschttlen Oftio's.
Toledo, Ohio, 18. Juni. Jetzige
Anzeichen lassen daraus schließen, daß die
Frage, ob nnd wie die Bibtt in den Volks
schulen behandelt werden soll, den Gegenstand
interessanter Verhandtungen bilden werde.
In einer gestrigen Sitzung der Schnlbehörde
wurde folgender Beschluß eingedracht: „Das
Bibelleien, das Singen frommer Gesänge
nnd sonstige Neligionsübiingen sollen sortan
in denjenigen Schulen, welche unter der Eon
trole dieser Behörde stehen, nicht ferner statt
finden nnd werden hierdurch verboten." Ter
Beschluß blieb vorläufig unerledigt.
Dampfkessel - Grplösio. Zwei
Personen getödtet.
Toledo, Ohio, 18. Juni.— Der Dampf
kessel in Stevens sc Comp.'s Schubkarren
fabrik zn Colowater, Mich., explodirle heute.
Isaak Stevens, der Vater des Eigenthümer,
und der 16-jährige John Hudson'fanden ihren
augenblicklichen Tod. William Voorhees
wurde innerlich verletzt und wird wahrschcin
lich sterben. Bier andere Personen erlitten
mehr oder minder schwere Verletzungen, von
denen sie indeß genesen werden.
Dic Firma ist innerhalb der letzten Jahre
drei Mal abgebrannt, das letzte Mal am l.
April dS. 1., nnd hatte nach Beendigung des
Baues eben erst den Betrieb wieder anfge
nominell.
Nächtlicher '.leverfall.
L 0 nisville, Ky., 18. Juni. Gestern
Abend machten mehrere Neger mit steinen
einen Angriff auf das Hans eines gewissen
Johnson in der Nähe von ClarkSville, Ten.
Eine von Johnson's Töchtern feuerte ans die
Tumultnanten und erschoß cinc Negerin.
Das Mädchen selbst wurde von einem stein
am Kopf getroffen und so schwer verletzt, daß
sie wahrscheinlich sterben wird.
Tie Notlilcidcttdcn tn Louisiana
Weitere Sülfe ist nothwendig.
St. L 0 ni s, Mo., 16. Jnni. Doktor
King, der Agent des Gouverneurs Kellogg
voii Louisiana, nnd Mayor Wiltz von New-
Orleans haben sich heute an das hiesige Hülfs-
Comite für Louisiana und mehrere Kaufleute
die Nothleidendcn anzuregen. Ein Drittel
des Staates steht noch unter Wasser, und 70,-
—30,000 Menschen befinden sich in der dürf
tigsten Lage. Krankheiten grassiren in man
chen Gegenden, und wenn nicht Hülse geschafft
wird, so werden die Leiden, welche der Be
drängten während der Sommerinonate war
ten, aller Beschreibung spotten. Das Hülfs-
Coniltc leistete sofort wcircrc Beiträge, und
dieselben werden in nächster Zeit eine größere
Höhe erreichen.
siamesische Zwillinge von deut
schen Eltern.
Chicago, 16. Juni. Eine deutsche
Frau gebar letzten Samstag zwei gesunde und
wohl entwickelte Kinder, welche durch ein
Band, ähnlich dem der siamcsischenZwillinge,
verbunden waren. Sie wogen ltPsnnd und
würden ohne Zweifel ainLeben geblieben sein,
wenn die Hebamme ihr Geschäft besser ver
standen hätte.
Mysteriöser Mord in Louisiana.
Ncw-Orlc a n S, 18. Juni. Die
Leiche Pierre Lacomb s wnadc heute in einem
Snmpse hinter dem Stadtparke gefunden. Er
hatte eine Kugclwunde im Kopfe und eine
andere im Leib. Bis jetzt von der Polizei
aufgefundene Spuren deuten daraus hin, daß
er ermordet und sein Leichnam in den Sumpf
geworfen wurde.
tttUtpf zwischen zwei Zeitungs-
Rcdaktcuren.
San Franzisco, Cal., 16. Juni. —
In der hiesigen Post-Anstalt fand heute zwi
scheu Charles de Fonng, deni Redakteur des
„Chronicle," und B. F. Naphthalv. dem Re
dakleur der „Sun," eine Schicß-Afsaire statt.
Es wurden acht Schüsse gewechselt, ohne daß
einer der Beiden getroffen wurde. Eine Ku
gel traf einen Boten des „Western Union
Telegraphen Bürcaus" und brachte ihm eine
bedeutende Fleischwuude im Bein bei. De
Foung und Naphthaly wurden verhaftet.
Einwanderung von Ghincscn.
San Franzisco, Cal., 13. Juni.
Tie Dampfer „VancouverS" und „Lord of
the Jsleö" sind heute Abend hier angekom
men. Beide zusammen bringen 1558 chinesi
sche Einwanderer.
Verheerende Feuersvruust iu Te
marara, 'Wiest-Zudicn.
Demar ar a, 25. Mai. Unsere Stadt
wurde am 23. Mai von einer furchtbaren
Feuersbrnnst heimgesucht. Die Geschäftslo
lale und Waarenlager der HH. Ramsay, Hill
K Comp., Irving MacArthur 3- Comp, und
M. F. Camacho wurden ein Raub der
Flammen. Der Gesammtverlust wird aus
L> oo,ooo geschätzt, welcher indeß durch Bei
sichernng gedcckr ist. Da die übrigen Kaufleute
wohl assortiere Lager haben, so werden die
Preise m Folge des Brandes im Allgemeinen
nicht steigen.
Die Richter des Obcrgerichts
inlowa saugen an, zu Gunsten der Teni
perenzsrage zu „siunipe.i." d. h. sie bereden
das Volk, die Surals-TeipereuMfttze zu er
zwingttl. Es ist sonderbar, dag Oberrichrer
in stumpreden ihre Ansichten über Gesetze
aussprechen, über deren Cozistilntionalitäl sie
später möglicherweise zu entscheiden haben
werden. Dies ist vielleicht das erste Beispiel,
wo Richter der Snpremc Court ihre Meinung
auskramen, bevor sie d irum befragt, werden,
. und es sollte das letzte sein.

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