OCR Interpretation


Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, June 26, 1874, Image 3

Image and text provided by University of Maryland, College Park, MD

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83016118/1874-06-26/ed-1/seq-3/

What is OCR?


Thumbnail for

Stadt Baltimore.
Nevorstevende Zätularfeier ewer
etsch-a,eritanisenkirchen
Gemeinde in Baltimore.
Die Annalen Baltimore' weifen schon in
der ersten Hälfte des achtzehntenJahrhunderts
deutsche Namen auf, und vor Kundert Jah
ren bildeten die Deutschen unserer Stadt be
reits eine anichnlichc Kolonie, die sich zu zwei
verschiedenen Kirchengemeinden zusammen ge
than hat; eine dieser Gemeinden hat sich mit
der Zeit ganz amerikanisirt und ihren deut
schen Charakter vollständig geopfert, eine an
dere dagegen hat mit der richtigen Erkennt
niß des für den Deutsch Amerikaner passenden
Wesen neben der englischen Sprache auch die
deutsche festgehalten und sie-ist im Laufe der
Zeit zn einer kinderreichen Mutter geworden,
und die verschiedenen Filialen werden im
Herbste dieses Jahres das
diläum der Gründung der Ltterbein-Ge
meinde mitfeiern. Der all-chrwürdige Ban
der Ottcrbein-Kirche an der konway-, nahe
Sharpslraße. wird jetzt für die bevorstehende
Jubiläumsfeier gründlich renovirt und ver
schönert. Derselbe hat ein gutes Stück der
Geschichte unserer Stadt mit angesehen, drei
Mcnfcheualler haben an der Gestaltung dessel
ben gearbeitet, und die Gemeinde gehört nt
zu den ältesten unserer Stadt. Die Gemeinde
wurde im Herbste des Jahres 1774 von dem
Ehrw. Wilhelm Otterbein als „Teutsch-
Kvangelifche Reform Gemeinde" gegründet.
Das Grundstück wurde von dem Helden des
Revolntionskricgcs, Oberst John Eager Ho
ward, für den Bau der Kirche, des Pfarrhau
ses und Bcgräbnißplatzcs gekauft und um
faßl etwa einen Viertel Acker, zwischen Con
way-, Sharp , und Pcrrystraßc gelegen. Zu
jener Zeit hieß die ganze Gegend „Howard's
Hill." Dasselbe ist mit einer Mauer um
schlossen, welche der Zahn der Zeit bedenk
lich benagt hat, und welche an verschiedenen
Stellen dicht von Ephcuranken umzogen ist.
Pfarrer Otlerbein traf am 4. Mai 1774
in Baltimore ein und begann sofort eifrig für
die Organisation der betreffenden Gemeinde
zn wirken; in sehr kurzer Zeit war ein primi
tives Belhaus aus Hol; errichttt, abcr bald
darauf wurde der Bau der heule noch stehen
den Kirche begonnen. Die Sakristei dersel
ben bewahrt cm Schriftstück vom 26. Dez.
1786 auf: dasselbe ist eine Rechnungsablage
des Pfarrers Ottcrbein an die Gemeinde; die
selbe lanret:
L ?. a.
N'N'i 1,121 1 4
vi'.... Z4g 13 1
Unter dieser Rechnung hat Otterbein eigen
händig bemerkt: „Diese Schuld thettweise' be
zahlt, den Rest der Gemeinde geschenkt. W.
Otterbetti. 14. Dczbr. 1788."'
Otterbcin ist der Stifter der weitverzweig
ten Sekte: „Die Vereinigten Brüder in khri
sto," welche gegenwärtig drei Kirchen, eine
Kapelle und eine Mission in dieser Stadt Hai;
als Bischof der Sekte fungirt zur Zeit der
Ehrw. D. Edwards. Die erwähnten Kir
chen sind: die Otterbcin Kirche an Conway-,
nahe Sharpstraße, Pastor I. Dörkson; die
Otterbcin-Kapelle, Ecke von Scott- und St.
Peterstraße, Pastor C. T. Slear; die Kirche
an der Ecke von Fulton- und Lombardstraße,
Pastor Nehemiah Allmann; die Salem-Mis
sioii an der Ecke von Rclreat- und Francis-
Straße; endlich die Kirche an der Ecke von
George- und Brnnesiraße, Pastor I. A.
Sand. Der Gottesdienst in diesen Kirchen
wird heilte noch in deutscher und englischer
Sprache geführt. Tic Salem-Mission in der
Nähe des „Druid - Hill-Parks" fort morgen,
Sonntag, eingeweiht werden.
Die Bischöfe der deutsch-evangelischen Re
form Kirche werden nur auf vier Jahre er
wählt und nicht wie bei anderen Sellen aus
Lebenszeit. Die Mutterkirche an der Con
waystraßc ist unabhängig und steht nicht un
ter der Jurisdiktion der Konferenz. Die Pre
digerstelle wird jedoch von den Per. Brüdern
in khristo aus den Reihen der Prediger der
Sekte besetzt, die Gemeinde hat sich jedoch
das Recht vorbehalten, ihre Prediger zu wäh
le. Die Mutterlirche hatte bisher folgende
Prediger: Wm. Olierbein von 1774—18k5;
A. Schäfser von 1815—1816; der Ehrw. Hr.
Schneider, Schwiegervater des Hrn.W.Niim
fcn, von 1816—1823; Bischof Ncwcomcrvon
1823—1827; Hr. Hofsman von 1827—1830;
Bischof Kumler von 1830-1834; Hr. Krack
von 1834—1838; Hr. Hermann von 1838—
1841; Bischof Russell von 1841 —1844; Hr.
Miller von 1814—1847; Bischof Russell von
1847—1850; Bischof Jakob Erb von 1850—
1857 ; Dr. Emerlein von 1857 —1860; Hr.J.
A. Sand von 1860—1866; Hr. Schneider
von 1866—1869; Hr.N.Attman (ein getauf,
ter Israelit) von 1369—1372; und seitdem
Hr. Jakob Dörkson. Das Grab des Ehrw.
Wm. Otlerbein befindet sich neben der Kirche
und die Inschrift ans dem Lcichenstein ist noch
deutlich sichtbar. Olierbein kam ans Holland
nach den Ver. Staaten. Hr. G H. Pagets
besitzt noch eine Kopie der Bestallung Otter
bcin's.
Die Glocken der Kirche, bekannt wegen
ihres reinen Klanges, wurden 1788 mßremen
gegossen.
Bei der Jubelfeier im Herbste werden Ver
treter der Konferenz aus allen Staaten der
Union anwesend fein.
Abfahrt des Dampfers „Ohio."
Der Dampfer „Ohio," Capt. P. Hesse,
trat Sonnabend Nachmittag Punkt 2 Uhr
feine Rückfahrt vonLocnst-Point über Soulh
ampton nach Bremerhaven mit 12 Cajitten-
und 47 Zwischendecks Passagieren an. In der
Kajüte fahren I. H. Thieß, Fraukarl Cafpari,
Frl. Fannie Kas'pari, Frl. Louise Todt, Pa
stor A. X. Valente und I. C. Eichmann
au?Baltiinore, Frau S. Thomann nebst Kind
aus Washington und Joseph Kahn nebst Kin
dern aus St. Josephs, Mo.
Tie auf K 105.546.69 gewerihcte Ladung
umfaßt folgende Frachtgüter: 136 Oxhofle
Maryländcr und Ohio'er Blätter-Taback, 16
Oxhofte Virginicr Tabacks-RipPcu,43Kisten
favrizirten Tabacks, 21 Oxhofle Keittucky'cr
Tabacksstrips, 3 Kisten Kentucky'er Blätter-
Taback, 239 Oxhofte Maryländer, 154 Ox
hofte Maryländcr und Ohio'er, 155 Oxhofle
Ohio'er und 67 Oxhofte Virginier Taback, 2
Fässer Whiskey, 12 ttückfässer Onercirron,
: Partie Faßdauben, 1500 Kisten Stärke, 20
halbe Fässer Waizcnmehl, 25 Kolli Gußstücke
und 9026 Säcke Waizcn.
Ankunft des Dpfrs. „Nürnberg."
Der Dampfer „Nürnberg," Capt. A. Jä
ger, ging am 3. Juni von Bremen, am 6.
von Southamplon ab, passirle noch am sel
bigen Tage die Ncedles, traf am Freitage
früh 8 Uhr am Kap Henry ein und erreichte
Samstag Abend die Quarantaine. Sonn
tag früh legte er an seiner Werfte auf Lo
cnst-Point an. Während der ganzen Reise
halte er mit Westwinden und hochgehender
See zu kämpfen. EL wurde während der
Reise ein Kind geboren, und alle Passagiere
kamen wohl und munter hier an. Die Ein
wanderer kamen meistens aus Oestreich, Po
len, Mähren, Böhmen, Elsaß und Lothrin
gen. Sechszehn der Passagv waren Bürger
der Bereinigten Staaten. Dke Meisten rei
sten Sonnlag Nachmittag mit der „Bal
timore-Ohio-Bahn" nach dem Westen ab.
Zahlreicher Besuch wurde gestern dem ange
kommenen Dampfer abgestattet.
Die „Nürnberg" brachte II Cajüten Pas
sagiere, wovon folgende 9 in Bremerhaven
sich einschifften: Frl. Flora Stellmann, Frl.
Annina Stellmanii, Eduard A. Prior, Frau
Bertha Prior, Frl. Nclly Pnor, Frl. Mar
tha Schürmann und Frl. Marie Ax aus
Baltimore, Karl ans Merseburg und
Frl. Louise Klomann aus Hannover. In
Southampton gingen die H.H. W. C. Pen
nington und Henry Thompson an Bord.
Im Zwischendeck kamen 275 Passagiere
(215 Erwachsene, 43 Kinder u. 17 Saugt.),
und zwar August Döhrcr aus Washington,
D. E., Friedrich Stützet aus Baltimore und
folgende Einwanderer:
Henrich, Royinhild; Manc Weber, Lieblos; hone
biubenstein. Polen; Marlin Hibck, Josefa Hrbet,
und Brosch mit gamilic, Boh
ilamiiie, Hessen; Carl SchlewsN mir sfamiiic', Ferdi
nand, Pajchke, Pommern; Johanne Gotting und
Daniel Gotting, Hannoccr; Johann WanouS mit
Böhmen; Eduard Puss, Ernst Thiermann
BrandenburgsAugustc Pau! Poh? Jo
seph Pohl, Schienen; Barbara Ehristcl mit Ztinocrn,
Wilhelm und Caroline Mewcs und
Eaiviinc Bcnh, Pommer; Barbara Heinlein und
Eckse osch mit Famttie, Pc-
Monning und Joganne Monnmg, Oldenburg; Bo
vert Beim, Aie.ervavern; Johann Schüller mit
Familie, Andreas Schüller mit Familie; Francitca
Math. LiHardt. Jg-
Die Pius-Feier in dcnkatholi
schen Kirchen. Der 29. Jahrestag der
Erhebung Pius IX. aus den päpstlichen
Sluht wurde Sonntag in allen katholischen
Kirchen mit großer Feierlichkeit begangen.
Außergewöhnlich war die Feier in allcu
dcittscheii KiräM, in welchen das Vellen und
die Schicksale des hl. Vaters ausschließlich
da? Tacma der Predigten bildeten. DieAl
iaee und andere Platze m den Kirchen waren
jll Ehrcn des Tages geschmgckvoll dekorirt,
namentlich die Hochaltäre glänzend erleuchtet.
Die Feier in den englischcnKircheu unterschied
flch mit Ausnahme der St. Ignatius Kirche
dadurch, daß keine Leviienämter gehalten
wurden. In der St. AlphonsuSkirche, dein
ältesten hiesigen deuiicken katholischen Gottes
hanfe, wurde voin Hochw. I'. Tjchenhens ein
Levitenamt gehalten, wobei die Hochw.Patres
Schcsslcr und Krcin a'sistirten. Der Hochw.
A. Petri hielt die Festprcdigt. Der Kirchen
chor fang unter Leitung des Hrn. I. Schiffer
Mozart'S 12. Messe und ein Osfertoriiim von
Schaffard. Der „St. Aloysius-Jünglings-"
und der „St. Aloysius-Jungfranen-Verein"
feierten, da es zugleich der Aloysius Tag war,
ihr Stiftungsfest und Patrocinium. Beide
Vereine communizirtcn Morgens 7 Uhr
während der dritten Messe; sie wohnten um
10 Uhr deren Hochamte bei.
In der St. Michaelis-Kirche wurde vom
Hochw. ?. Kroncnberg unter Assistenz der
Hochw. Patres Urban, Zimmer und Berger
ein Levitenamt abgehalten. Die Festpredigt
hielt der Hochw. 8. Joseph Kern. Der Kir
chcnchor unter Leitung des Hrn. I. W.
Schmidt, sang Schasfard'sMesse inO, "Veni,
sxnr'lv szüiilu-" von I. W. Schmidt und als
Offertoriuni „Memorare" von Lambitotte.
In der St. Jakobu Kirche auf der Ecke der
Eager- und Aisquithstraße wurde ebenfalls
ein Levitenamt gehalten. Am Hochaltare
ftingirlen die Hochw. Rektor I. Hespelcin als
Kelebraitt, B. Hölscher als Diakon und I.
Dufold als Subdiakon. Der Hochw. 8. B.
Hölscher hielt die Festpredigt. Der Kirchen-
Chor unter Leitung des Hrn. I. Dotterivcich
saug Hammel's Messe und ein Offertorium
von Rossini. Morgens 7 Uhr communizirlcn
(als am St. Atoysins-Tage) 200. Jünglinge
der Gemeinde, welche sämmtlich um 10 Uhr
dem Hochamte beiwohnten.
In der Kreuz-Kirche auf Föderal-Hill wurde
vom Hochw. Vater Bogtmann ein Hochamt
nebst Predigt gehalten. Der musikalische
Theil der Feier wurde vom Äirchenchore un
ter Leitung des Hrn. F. Bopp vorgetragen.
In der Kirche der 14 hl. Nothhelfer hielt
der Hochw. 8. Meinrad ein Hochamt und
auch die Predigt. Der Kirchen-Chor unter
Leitung des Organisten Hrn. Janssen lieferte
treffliche Mnsikvorträgc.
In der St. Weiizeslaus-Kirchc wurde vom
Hochw. Baker Vacula ein Hochamt nebst
Predigt in czechischer Sprache gehalten. Ter
Kirchen-Chor sang Farmer' Messe und
Solopiecen.
In der St. Jgnatins-Kirchc, Ecke der Ma
dison- und Calverr-Straße, schloß Morgens
Zll Uhr eine Noveua zu Ehren des hl. Aloy
sius mit feierlichem Levttenamte. Am Hoch
altare fungirtcn die Hochw. Patres Kelln,
Denny und Whitesord. Der Hochw. 8. I.
Sonnn hielt die Festpredigt. Der Kirchen
chor fang Haydn's Messe Nr. 3, "Vvoi,
sanele spirttui," von Dietsch und als Offer
torinm "Ivo verum" von Kreutzer.
Ein schöner Zug der Feier war die allge
meine Dekoration der Wohnhäuser, worin die
Bewohner der Altstadt und Fells' Point sich
besonders hervorthaten. Auch der westliche
Stadttheil schloß sich hierbei bemcrklich an.
Viele Häuser waren mit Laubgewindeii,
Blumen, päpstlichen und Ver. Staälcn-Fah
nen an der Fronte förmlich bedeckt.
Erzbischof Bayley verließ Sonn
abend früh unsere Stadt und begab sich nach
der St. Louis Kirche zu Clarksville in How
ard-Eonnty, wo er Sonntag frühen Uhr
43 Personen firmte; Bater Gnffin celebrirte
das Hochamt, wobei der Erzbischos predigte.
Den Sonntag - Nachmittag und -Abend ver
brachte er im St. Charles' Vorbereitungs
Kolleg in Howard Kounty. Gestern früh be
suchte er die St. Marien Kirche auf Dougho
regan-Manor neben dem Kolleg und firmte
36 Personen. Beide Äirchsprcnget werden
vom Hochw. Hugh F. Grifft, einem der äl
testen Priester der Diözese, verwaltet; nach
dem er eine Reihe von Jahren amSt.Sulpiz-
Seminare inßallimore thälig gewesen, wurde
er an's St. Charles' Kolleg, 6 Meilen von
Ellicott - City, wo er noch wohnt, versetzt.
Kirchliches. Es erhellt heute, daß
aus der neulichen Versammlung der Bischöfe
der Provinz st. Louis der Antrag hervor
ging, die Diözesen Milwankie, Wisc., und
Santa Fe, Neu-Mexiko, in Erzbisthümer
umzuwandeln und die bisherige Diözesen
Chicago und St. Paul durch die Diözesen
Peoria, Jll., und St. Cloud, Minn., zn
verdoppeln. Es wird ebenfalls angeregt, die
Diözese Philadelphia zu einem ErzbiSlhume
zu machen. Als Erzbischöfe für die neuen
Diözesen werden die Hochw'stcn Dr. Henni
(Milwankie,) Dr. Lamy (Santa Fe,) und
Dr. Wood (Philadelphia,) genannt.
P o st a m t l i ch es. Vorige Woche wur
den in Friendship in Anne Arnndel - Konnty
I. R. Richards und zn Riverton in Wico
mico-Couty Wm. I. Darby zu Postmeistern
ernannt, und zu Tanncry in karroll Eounty
ein neues Postamt mit James S. Bär als
Postmeister errichtet.
Polizisten für Baltimorc-Eonn
t y.—Die Eounty-Eommissäre für Baltimore
Eouitty hielten am Mittwoch eine Sitzung
und theilten jenen Landstrich des CouiityS,
welcher an Baltimore grenzt, in fünf Bezirke.
Sie ernannten für diese fünf Bezirke 13 Po
lizisten, die entweder beritten oder zu Fuß
ihre Pflichten verschen sollen. Nachstehend
lassen wir die einzelnen Ernennungen folgen:
Erster Polizei-Bezirk- -I. F. Pignett, be
ritten; Martin Hcdian, beritten; Alexander
Dunca, zu Fuß.
Zweiter Bezirk—William Pole, beritten;
George Chambers, in Fuß.
Dritter Bezirk-Joseph R. Knight, berit
ten; Perry Knight, zu Fuß.
Vierter Bezirk—William B- Lytlc, berit
ten; Patrick I. Roach und George Daytor,
zu Fuß.
Fünfter Bezirk—Achilles Ford, beritten;
George Brickossskey und Frank Wettihold, zu
Fnß.
Der erste Bezirk wird von einer Linie ein
geschlossen, die an der Verlängerung der
Franklinslraße beginnt und über Gwynn's
Fälle nach der Franklin No rd läuft. In die
sem Bezirke liegen die Viehivaagcn, Ealver
ton, Wittens' Fabrik, die „Besserungsanstalt
für jugendliche Taugcnickuss", Mount Olivct-
und London Park-Eemetery, Stiefel's Brau
erei, die „St. Mary's Jnonstne Schule" :c.
Der zweite Bezirk grenzt an den ersten und
erstreckt sich bis an die alte Liberty-Road.
Derselbe umsaßt das alte Armenhaus-Grund
stück, die fünf Mühlen an der Franklin-
Ehanssec, Highland-Park, die Rcistersrowner
Chaussee, Elifton, Mannt Royal-Rcscrvoir
-c. Der dritte Bezirk liegt zwischen dem
zweiten und den Jones' Fällen. Zu diesem
Landstriche gehören die Momtt Bernon-Müh
ten, Woodbcrry und Hampden, die Falls-
Road, das Drei Meilen-Haus nn der Rei
sterstowner Road :c. Der vierte Bezirk geht
bis zu einer zwischen derHarford- und Bctair-
Road gezogenen Linie und umschließt Hoss
mann'S Brauerei, die EharlcSstraßen Avenue,
die Pcabody-Heighls, Gilsord, Waverly,
Hall's Springs :c. Der fünfte Bezirk läuft
bis zum Ufer und hat die Belair-Road, High
landtoivn und Eanlon aufzuweiten.
Mordprozeß in Wor c e stcr - C o.—
Der Prozeß gegen Peter L. Davis wegen Er
mordung des Henry Brittingham im Novem
ber letzten Jahres nahm am Mittwoch Mor
gen in Snowhill, Worcestcr-Conitty, seinen
Anfang. Die kurze Geschichte der angeblichen
Mordthat ist, wie folgt: Der Angeklagte und
sein Opfer Henry Brittingham waren an ei
nem Novcmberabcndc im Jahre 1373 in einer
politischen Versammlung bei Eampbelltown
zugegen. Als die Versammlung ihr Ende
erreicht, bestiegen Davis und Brittingham
ihre Pferde und ritten in Begleitung einiger
Anderer die Whaleyville-Road entlang bis zu
der Stelle, wo die Straße sich theilt. An
dieser Stelle wünschten sich Davis und Brit
tingham gute Nacht und schieden. Eine halbe
Stunde später wurde das Pferd des Letzteren
herrenlos auf der Whateyvillc Road gefunden.
Man fing es ein und begann nach seinem
Herrn zu suchen. Endlich, nachdem man
schon lange vergebens gesucht, wurde Britting
ham auf der genannten Straße gefunden. Er
lag in einem Graben und war mit schrecklich
aussehenden Wunden bedeckt. In bewußt
losem Zustande wurde er ausgehoben, aus ei
nen Wagen gelegt und nach seiner Wohnung
gefahren, wo er zwei Tage daraus starb. Sein
Bewußtsein war während die>cr beiden Tage
nicht wieder zurückgekehrt. Der Verdacht des
Mordes lenkte sich aus Davis und dieser
wurde gefänglich eingezogen.
Bci'm Beginne des Prozesses am Mittwoch
war die Anktagebehördc durch den Anwalt T.
Howard Moore und den Achtb. Henry Page
vertreten. Einhundertnnd fünf und zwanzig
Zeugen wurden anfgcrufeu und obgleich deren
Aussagen sehr belastend gegen den Angeklag
ten mären, so hegten die Richter Franklin und
Jrvin doch Zweifel an der Schuld des Ange
klagten und sprachen ihn frei. Als Vertheidi
ger des Letzteren fungirtcn die HH. G. W.
Pnrnell und I. H. Handy.
Eine gch il ze Familie eingesackt.
Bei'm spielen in Port-Straße, nahe den
Maschinen Werkstätten von James Murray
kSohn, kam mehreren kleinen Knaben Sonn
tag Nachmittag ein sonderbar aussehendes
Thier zu Gesichte, das in den zu genanntem
Etablissement gehörigen Hofe bei ihrem An
blicke den Rückzug antrat. Der Spur noch
gehend, fanden sie zu ihrer Freude in einem
alten Dampfkessel ein weibliches Opossum
(Beutelratte) patriarchalisch eingerichtet und
mit der Pflege von acht niedlichen Opossüm
chen beschäftigt. Es währte nicht lange, so
hörte ein Neger aus der Nachbarschaft von der
überraschenden Entdeckung, flugs erschien er
mit einem Sacke und schleppte die ganze Fa.
inilie triumphirend heim.
Schrecklicher Unfall. Samstag
Abend um Uhr ereignete sich auf Locus!-
Point ein schrecklicher Unfall. Ein Schwede,
Namens Martin Longborg, Nr. '202, Süd-
Annstr., wohnhaft, als Schissözimmermann
an einer Brücke der „Baltimore-Ohio-Bahn"
naheMount-Elare Depot beschäftigt, versuchte
nahe Elart's SchissSbanhofc, aus dem Nach
hausewege zur Fähre aus Locust-Point begrif
fen, auf einen Kohleiizug zu springen, wobei
er unglücklicher Weise stürzte und unter die
Räder fiel. Mehrere Räder gingen dem Un
glücklichen grade über den Miitelkörper, und
er wurde aus der Stelle gclödlet. Man zog
den furchtbar zugerichteten 'Mann sogleich von
dein Schienenwege, eine leichte Bewegung der
rechlenHand u ar Alles, was man uoai wahr
ahm. Die Leiche wurde nach Morutt Elare-
Depot gebracht und dort in einen hübschen
von der „Baltimore Ohio-Bahn-Compagnie"
beschafften Sarg gelegt. Eine Koroners-Jnry
trat gestern früh um 9Uhr zusammen und gab
ein auf „zufälligen Tod" lautendes Verdikt.
Die Leiche wnrde um Ii Uhr nach der Woh
nung an Süd Aniistr. gebracht und wird von
dort ans heute von dcr..khosen FricndS-Loge,
Nr. 21, Pythias-Ritter," zur Erde bestattet
iverden. Der Verstorbene war ungefähr 27
Jahre alt, ansSchivcden gebürtig und hinter
läßt keine Familie. Die Eltern leben noch
in Schweden.
Ueber Bord gefallen und cr
truiike n.—Der 19 jährige Farbige Charles,
welcher an Bord der Schaluppe „Dread
nanght" von hierMatroscndieiiste that, wurde
am Mittwoch im Magothy-Flnsse über Bord
gespült. Es wehte eine starke Brise und die
Wellen gingen sehr hoch, so daß er trotz der
äußersten Anstrengungen des Kapitäns Abel
Smith ertrank. Die Schaluppe kehrte gestern
Morgen hierher zurück.
Erlrinken eines deutschen Kna
be n.—Freitag Vormittag gegen 10 Uhr ging
der 8-jährigc Howard Stesse, Sohn des an
Millington Laue, nahe der Frederick-Road,
wohnhaften Zimmermannes Georg Stesse,
mit zwei anderen Knaben, den resp. 6 und 3
Jahre alten Söhnen des Nachbars A. Perry,
zum Baden in Gwynn's Fällen. Er hatte
sich entkleidet und wollte einen Schmetterling
sangen, da glitt er am Ufer ans, fiel in'ö
Wasser und ertrank, da er des Schwimmens
unkundig war. Abends 8 Uhr zog man die
Leiche aus dem Wasser, aber Richter Lehmann
hielt keine Todtenschau. Nachdem ihr Kame
rad verunglückt war, versteckten die beiden
anderen Knaben seine Kleider in einem Zaune
und liefen heim; einer derselben war noch am
Tage vorher wegen Schwimmens im Strome
von den Eltern bestraft worden. Dies ist das
ziveite Kind, das Hrn. Stesse durch plötzlichen
Tod entrissen worden. Letzten sominer ver
lor er ein 8 Monate altes Töchterchen, dessen
Kleider sich unversehens entzündet hatten.
Vallimorer St erbc -Tabc l l c.
Verflossene Woche wurden 141 Personen, 68
männlichen und 73 weiblichen Geschlechts,
worunter 27 Farbige und 6 Todtgeborene,
aus Baltimore beerdigt; 9 weniger, denn in
der Vorwoche, resp. 15, 55, i und 16
weniger, als in den Parallelwoche von 1373,
'72, 71 nild 70, aber resp. 7, 36, 32 und 25
mehr, als in den corrcjpondircnden Wochen
von 1869, '6B, '67 n. '66.
Ttaats-Gesetze.
Passirt in der Sitzung der Staats-
Gesetzgebung t 74.
Amtliche Bekanntmachung.
~ , apitelsss.
uc vertrag UN g von Land an die
Ber. Staats von Amerika.
Ein Gesetz
zur Aenderung der Gerichtsbarkeit der Ber
einigten Staaten von Amerika über die von
den Vereinigten Staaten in Prince George's
Eounty geeigneten Ländereien und welche zur
Zeit das Fort Washington bilden, und ferner
über alle Ländereien, die, nebenan gelegen, in
Zukunft den Vereinigten Staaten für Mili
tär- und Navy-Zwecke übertragen werden
sollen.
1. Abschnitt. Sei es verfügt durch die
Gesetzgebung von Maryland, daß sie Ge
richtsbarkeit und Controlc über jenen Theil
der von den Vereinigten Staaten geeigicten
Ländereien, welche das Fort Washington im
Eouitty Prince George's bilden, und die Ge
richtsbarkeit und Controle über die hiernach
beschriebenen Ländereien oder eines Theiles
derselben in besagtem Eouitty, und aller Was
ser- und anderen Rechte, welche später durch
rechtmäßig ausgefertigte und von den Verei
igten Staaten beglaubigte und eingetragene
Ucbertragungs-Urknnde erlangt werden sollte,
hiermit den V-r. Staaten für Militär- und
Naval-Zwecke cedirt werden; die besagte Aen
derung, soweit sie das Land anbetrifft, wel
ches später übertragen werden sollte, soll in
Kraft treten, sobald die Uebcrtragnng stattge
funden hat; die der Art mit zu übertragenden
Ländereien beginnen bei einem mit "tt. di. I."
bezeichneten Granitsieine, der ans der Süd
seite des Weges, welcher von Fort Washing
ton nach Piscataway führt und ungefähr neun
Perches von besagter Wege gelegen ist, läuft
von dort nördlich acht und-dreißig Grade vier
Minuten, westlich vicr-nno-snnszig und ein
mid fünfzigstel-hunderi PcrcheS nach einem
"11.K." markirten Steine; sodann nördlich
vier-unb-dreißig Grade dreißig Minnteii, öst
lich vierzig Perches nach einein Pfahle; so
dann nördlich zwei und-sechszig Grade drei
ßig Minuten, östlich vierzig Perches nach
einem Pfahle; sodann nördlich acht-nnd-vier
zig Grade fünf-nnd-vierzig Minuten, östlich
acht und zwanzig Perches nach einem Pfahle;
sodann nördlich fünf-uild neunzig Grade fünf
nnd-vierzig Minitten, östlich z'.vanzjg Perches
nach einem Pfahle; sodann nördlich fünf
nnd achtzig Grade zwei Minuten, östlich sie
ben-und-vierzig Perches und drci-uiid-drcißig
und einhunderistel Perch nach einem Pfahle;
sodann nördlich sechs-und-fünfzig Grade sic
ben-und vierzig Minuten, östlich sechs Per
ches und acht nnd-achizig einhnndcrtstel Perch
nach einem Pfahl und Steine; sodann südlich
ein-und-achtzig Grade neun Minuten, östlich
zwei-und achtzig Perches und zwei-und-achi
zig cinhiindertstcl Perch nach einem Pfahle;
dann südlich drei nnd-zwanzig Grade acht
Mumien, westlich drcihundcri-scchs-und-fcch
zig Perches und scchs-und-achtzig einhundert
fiel Perch nach einem Pfahle; dann nördlich
sechs und - siebzig Grade dreißig Minuten,
westlich acht Perches nach einem Pfahle; so
dann nördlich achi-nnd-scchzig Grade cin-und
fünfzig Minuten, westlich zwanzig Perches
nach einem Pfahle; dann nördlich fechs-und
fünfzig Grade, westlich vier Perches; sodann
nördlich acht nnd-drcißlg Grade dreißig Mi
nuten, westlich sechs Perches nach einem
Pfahle; sodann nördlich vier und-zwan,zig
Grade dreißig Mumien, westlich sieben Per
cheS nach einem Pfahle; dann nördlich dreißig
Minuten, westlich zwanzig Perches und fünf
zig cinhnndcrtstei Perch nach einem Pfahl;
dann nördlich IN Grade, westlich 20 Perches
nach einem Pfahle; dann nördlich acht-niid
fünfzig Grade, westlich zwei Perches nach
einem Pfahle; dann nördlich zwei und drei
ßig Grade 30 Minuten, westlich zwei-nnd
fllnfzig Perches nach einem Prahle; dann
nördlich drei-imd-scchzig Grade dreißig Mi
nuten, westlich zwei unv dreißig Perches nach
einem Pfahle; dann südlich sechs-imd-fünfzig
Grade 30 Mumien, westlich neunzehn Per
ches und süns-imd-zwanzig cinhimderrstel
Perch nach einem Pfahl; dann nördlich neun
Grade cin-nnd-dreißig Minuten, östlich vicr
und-dreißig Perches und fünfzig emhnndert
stet Perch nach einem Steine, markiri "tt.
e.;" dann nördlich drei-und vierzig Grade
ein-iuld-dreißlg Mumien, östlich zwei-und
fünfzig Perches nach einem Steine, markirt
"tt. e-.;" dann nördlich vier und-sünfzig
Grade sechs Minuten, östlich acht-und-zwan
zig Perches und achtzig cinhundcrtstet Perch
nach einem Steine, markirl "tt. K.;" dann
nördlich achtzehn Grade vier-nnd-zwanzig
Minuten, westlich dreizehn Perches und fünf
zig emhunderlslct Perch nach einem Steine,
markiri "11. 8.;" dann nördlich zwanzig
Grade cin-und-zwanzig Minuten, östlich sie
ben Perches und zwei-und-achtzig einhundert
stcl Perch nach einem Steine, inarkirt 8.
I.;" das Ganze umfaßt zwci-hundert nnd
ncun-nnd achlzig Acker und sieben-nnd-zwan.
zig Perchcö Land, sei dasselbe mm mehr oder
weniger, und bildet zwei Grundstücke, Theile
von Warburton-Manor, beschrieben und über
tragen diiisch Urkunde von John Johnson und
Thomas S. Alexander, Cnratoren, an Wil
liam Kerkey und rekordct in dem Landamte
von Prince George's Eounty, Liber I. B.
8., Nr. 4, Seite achthundcrt-und-fechs u. s.
w.; voransgcsyt wird jedoch, daß diese
Cedirimg und Gerichtsbarkeit nur unter der
ausdrücklichen Bedingung gewährt wird, daß
der Staat eure mit der der Vereinigten Staa
ten übereinstimmende Gerichtsbarkeit in und
über besagte, so cedirte Ländereien und besag
tes Gebier behält, soweit es alles Civil- und
solches Kriminal - Verfahren anbetrifft, als
unter der Autorität des Staates gegen irgend
eine Person oder Personen wegen außerhalb
der besagten, so ccdirtcn Ländereien begange
nen Verbrechen, und um die Festnahme so
Angeklagter zu ermöglichen, sodaß solch'
Kriminal Verfahren, resp, erwachsene Arre
tur in derselben Art und Weise bewerkstelligt
werden kann, als ov besagte Cedirimg und
Gewährleistung niemals gemacht oder bcwil
ligt sein sollte; ausgenommen jedoch, daß
durch solche crnninclle Versolgimg das
Grund- und persönliche Besitzthnm der Ver
einigten Staaten innerhalb des besagten ce
>"irten Gebietes nicht beeinträchtigt wird.
2. Abschnitt. Und sei es verfügt, daß
die besagten Ländereien, über welche diesrs
Gesetz Gerichtsbarkeit gewährt, sowie alles
persönliche Bcsstzlhum, welches hiernach in
nerhalb der Grenzen derselben von den Verei
nigten Staaten, oder irgend einem Beamten
oder Agenten der Vereinigten Staaten geeig
net wird, von allen Sienern und Abschätzun
gen, welche zn irgend einer Zeit und so lange
das Gebiet im Besitze der Vereinigten Staa
ten bleibt und sür die ausgeführten Zwecke
benutzt wird, unter der Autorität des "Staa
tes aüfcrtcgi werden, befreit bleiben soll.
Wir bescheinigen hiermit, daß das Obige
eine getreue und vollständige Abschrift eines
von der Gesetzgebung von Maryland in der
Januar-Sitzung 1374 passirten Gesetzes ist.
Slugnstns (assawaq,
Senats-Sekreiär;
Milto N. Kidd.
erster Sckreär des Unterhauses.
Genehmigt den 11. April 1374. (135,Kt,4)
kapitel ZNS.
Vorschriften für incorporirte
Gin tSeset
zum Widerruf des 16. Abschnitts des Kapitels
vierhunderlundfcchsundzwanzig, passirt in
der Januarsitznng achrzchuhunokriundsiebzig,
betitelt ein Gesetz, Vorschriften sür incorpo
rirte Compapnie'n im Staate Maryland zu
treffen, und dasselbe in folgender Weife auf's
Nene zn verfügen:
i. Ab > chnitt. Sei es verfügt von der
Gesetzgebung von Maryland, daß der >O. Ab
schnitt des Kapitels vicrhlmde>miidiechsund
l zwanzig, pmsiii in der Jaimnrsiizung acht
zehilhimoeriundsiebzig, betitelt em Ges/tz,
! Vorschriften für incorporirte kompagnie'n in.
Staate Maryland zu treffen, hiermit wider
rufen und der besagte 16. Abschnitt in folgen
der Weise auf's Neue verfügt werde:
16. A bfch nitt. Und fei es verfügt,
daß es in Zukunft für derartige Corporatio
nen gesetzlich fein soll, sobald der Bau einer
derartigen Landstraße es nöthig machen sollte,
eine andere Straße oder einen Fluß zu schnei
den, der Lauf der Straße oder des Flusses
geändert werde, vorausgesetzt, daß der Fluß
kein schiffbarer ist; und soll es ferner für eine
derartige Korporation oder für irgend eine
Eisenbahn Compagnie, welche zuvor unter
einem allgemeinen oder besonderen Gesetz iii
corporirt wurde und deren Bahnen irgend
eine Straße kreuzen, gesetzlich fein, die be
sagte Straße mittelst einer Brücke über ihre
Schienengelcise, oder mittelst eines Tunnels
oder Einschnitts unter den Schienen hindurch
zuführen. Und um solche Kreuzung zu be
werkstelligen, kann die besagte Korporation
die Richtung der besagten Straße abändern:
und um die für eine solche Veränderung noth
wendigen Ländereien zu erlangen, steht der
besagten Korporation das Recht zn, in der
selben Weise zu verfahren, als wenn sie Län
dereien für ihre Bahn erwerben will; aber
die besagte Corporation soll, ohne unnöthigen
Aufschub bei der Veränderung der Richtung
der Straße oder des Flusses, nicht den Ver
kehr auf der Straße oder dem Flusse schädi
gen; falls Letzteres geschieht, soll die Corpo
ration für den entstehenden Schaden verant
wortlich gehalten werden.
2. A b schnitt. Und fei es ferner verord
net, daß dieses Gefetz vom Tage seiner An
nahme in Kraft trete.
Wir bescheinigen hiermit, daß das Vor.
stehende eine getreue und perfekte Abschrift
eines in der Januar Sitzung 1874 der Ge
setzgebung von Maryland passirten Gesetzes
ist.
Augusttts Gassaway.
Sekretär des Senats;
Milton Y. Kidd,
Erster Clerk des Dclegaten-Hauses.
Genehmigt den 1. April 1874. (134,6t,4)
Kapitel 0.
Um Rechnungen zu adjustircn
und abzumachen.
Ein Gesetz,
um das Gesetz der Gesetzgeoung von 1872,
Kapitel 196, betitelt: „Ein Gesetz, den Kon
troleur des Schatz-AmteS zu autorisiren, fäl
lige Rechnungen von Einnehmern, ScheriffS,
Clerks, Negistratoren und anderen Empfän
gern von öffentlichen Geldern, in Fällen, wo
die Schuld vor und einschließlich 1369 con
trabirt ist, zu verändern, durch die Aushebung
des i. Abschnittes besagten Gesetzes und Wie
dereinsetzung desselben mit Hinzufügungen.
k. Abschnitt. Und sei es verordnet,
durch die Gesetzgebung, daß der k. Abschnitt
des 196. Kapitels der Gesetze der Gesetzge
bung von 1372, betitelt: Ein Gesetz, den
Controleur des Schatzamtes zu autorisiren,
die Rechnungen, welche Einnehmer, Sche
rifss, Negistratoren und andere Einnehmer
öffentlicher Gelder, in Fällen, wo die Schuld
vor oder einschließlich des Jahres 1869 ge
macht, zu adjustiren und abzuschließen, fei
und ist hiermit aufgehoben und wieder eingc
fetzt, um wie folgt zu lesen.
1. Der Controleur des Schatz-Amtes ist
hiermit autorisirt und angewiesen, die An
sprüchc des Staates gegen alle Einnehmer,
Scheriffs, Clerks, Negistratoren und andere
Einnehmer öffentlicher Gelder und ihre Bürg
schaften in allen Fällen, in welchen besagte
Ansprüche früher als oder einschließlich des
Jahres 1871 entstanden, und wo besagte An
sprüche jetzt in Form von Rechtserkenntnissen
oder anderweitig vorhanden sind, für den
Zweck der schließlichen Abmachung solcher
Fälle, dieselben auszugleichen, indem die aus
gelaufenen Zinsen oder einen Theil derselben,
oder irgend einen Theil der Hauptschuld nach
zulassen, wenn dieses nach seinem Ermessen
im Interesse des Staates liegt; und soll der
selbe, nachdem der Betrag festgestellt und im
Staatsschätze einbezahlt ist, den besagten Par
teien und Bürgschaften die nöthigen Quit
tungen geben: vorausgesetzt jedoch,
daß sowohl der derzeitige Gouverneur, als
auch der Schatzmeister schriftlich solche Nach
lassnng genehmigen, ehe sie in Kraft treten,
und fernerhin vorausgesetzt, daß keine Quit
tung in Folge dieses Gesetzes kräftig sein soll,
che die dadurch begünstigten Parteien die
Sporteln des Staats-Anwaltes, welche die
Klage in Händen hat, sowie alle Sporteln
des Clerks oder ScheriffS bezahlt haben.
2. Abschnit t. Und sei es verordnet, daß
dieses Gesetz vom Tage seiner Annahme in
Kraft trete.
Wir bescheinigen hiermit, daß Vorstehen
des eine getreue und perfekte Abschritt eines
von der Gesetzgebung von Maryland in der
Januar Sitzung 1874 passirten Gesetzes ist.
Augusttts Gassaway,
VenaiS-Sekretär;
Milton N. Kidd,
erster Sekretär des linier Haufes.
Genehmigt den 13. Febr. 1874. (136,6t,4)
Kapitel 4t.
Die Ausnahme und Bestattung
von Leichen.
Gin Gesetz,
um eine Summe Geldes für de Zweck der
Ausnahme der Ueberreste von Maryländer
Soldaten in der Armee der früheren consöde
rirten Staaten und die Wttderbestattung in
„Loudon-Park-Kemetcry," sowie das Grab
einzuschließen und zu arrangircu.
1. Abschnitt. Sei es verordnet durch
die Gesetzgebung von Maryland, daß die
Summe von fünftausend Dollars von ir
gend noch nicht anderweitig appropriirlen
Geldern im Staats-Schatze an Fredcnck M.
Eotston, Schatzmeister der Gesellschaft der
Armee und Seemacht der cousöderirten Staa
ten, im Staate Maryland ausbezahlt werde,
um nach der Diskretion der besagten Gesell
schaft in der Ausnahme der Uebcrreste der
Soldaten von Maryland, welche in der con
söderirten Staaten-Armee gefallen sind, und
in der Wiederbestattung in dem Platze, als
der „Eonfödcrirte Platz" in „London-Park-
Ecmctery" nahe der Stadt Baltimore be
kannt, und in Einschließung, Vergrößerung
oder anderweitiger Verschönerung' desselben
gebraucht zu werden.
2. Abschnitt. Und sei es verordnet,
daß dieses Gesetz vom Tage seiner Passiruilg
Wir bescheinigen hiermit, daß Vorstehendes
eine getreue und perfekte Abschrist eines durch
die Gesetzgebung von Maryland iu der Ja
uuar-Sitzuug 1874 passirten Gesetzes ist.
Augustus Gassawa),
Sekretär des Senates.
Milton U. idd,
Erster Clerk des Dclegaten-Hauses.
Genehmigt den 11. April 1874. (134,6t3)
Kapttet 4SN.
Der Staat Virgin ien v. die
„Chcsapeake - Ohio-Kanal-
Eompa gnie."
Ein Gesetz,
um ein Gesetz zu widerrufen, passirt in der
Januar-Sitzung achtzehnhundert und sieben
zig, Kapitel ncnnundfiinfzig, betitelt: einGe
setz, den Gcncralanwalt anzuweisen, daß er
veranlasse, daß der Staat Maryland zum
Theilhaber gemacht werde an einer nun nn
Kreisgerichte der Stadt Baltimore anhängi
gen Streitsache betitelt: „Der Staat Virgi
nien versus die „Chesapeake-Ohio-Kanal-
Coinpagnie" u. A."
I. Ab s chnit t. Sei es verordnet von
der Gesetzgebung von Maryland, daß das
Gesetz, passirt iu der Januar-Sitzung von
1870, Kapitel ucunundfilufzig, betitelt: ein
Gesetz, den General - Staars-Anwatl anzu
weisen, daß er veranlasse, daß der StaatMa
ryland zum Theilhaber gemacht werde an ei>
ner nun im Äreisgerichle der Stadt Balti
more anhängigen Streitfrage, betitelt: „Der
Staat Birgiinen vs. die „Khesapeake-Ohio-
Kanal-Compagnie" u. A." hiermit widerru
fen wird ; unt e r dcr Be ding u n g, daß
dieses Gesetz auf bereits anhängige Fälle keine
Anwendung finde.
2. Abschnitt. Und sei es verfügt, daß
dieses Gesetz vom Tage seiner Passirung an
in Kraft trete.
Wir bescheinigen hiermit, daß Vorstehen
des eine gelreue und pcrsekre Abschrift eine
von der Gesetzgebung von Maryland in der
Januar.Sitzung 1874 passirten Gesetzes ist.
Auyustue Gassaway,
svenatS-Sekretär;
Milton A. .idd,
erster Unterhaus-Sekretär.
Genehmigt den 11. April 1874. (>36,6t2)
Einheimische Waaren für de
Hausgebranch
hiesigen Fabrik - Gesellschaft.
zu Habritpreisen
und aus die besten Bedingungen.
Zcdcs Aamilienstaupt
und in der That Jedermann, Jung wie Alt, sollte
sur unsere Preisliste, neuen Plan u. s. w. schicken.
Alle Waaren werden untere, u. 0.
geschickt
sogleich nach Empfang des Auftrages, und lönncn
vor der Bezahlung durchgesehen werden.
Wir brauchen einen Agenten, um Aufträge
zn sammeln und Waaren abzuliefern in jeder
Nachbarschaft. - Man adressiie - "
Aldcn, Hall äc Comp.,
. Nr. K, Nord-Howardstrake.
A?rNZ4,:iMie,w> Baltimore.
lchrotsliutc,Revolver
siir'illustrtrte Ttt
Uisikprii liu Korsix,''
vittskurxli, l'u.
(Juni',.iMtk,W>
Geschmackvolle Trahtarbei
lrn und Draht-Zäune.
Dufur Ll omv.,
Nr. Nord . H owa G'd- Stra Be,
w.' Siede,
mcn gewebte Trabt u. f. w.; ferner eiserne Bet,
stellen SetlecS, Stühle u. f. w. wird Tiu sch
s Garn,
<?trpswaarea . f. .
! Ich habe stet einen comptetenßorraih Bar-,
ktrumpswaaien, Jacken, Unterhemden,
Unterhofen u. I. w eigener ffabrit, welche ich
den H'indiil, uud Andern zu den billigsten Preise,
höchsten Bsarpreise w eben larWoll,
Louis Arth?,
j dir. IGF. GüdßrhMy und LS, Hanopersti,
(Z>ezblr.4,lJ,uw)
John Halifax, Gtnllcman.
Aus dem Englischen von Zophta Berena.
(Fortsetzung.)
Im Dezember des Jahres 1802 war
unsere Muriel geboren, und am 9. Fe
bruar wurde sie getauft. Wir speis'ten
in John's Hause, der gute Doktor mit sei
ner Frau, mein Vater und ich.
Es war das erste Mal seit zwanzig
Jahren, daß mein Vater eine Mahlzeit in
einem andern Hause, als dem seinigen,
einnahm. Wir hatten sein Kommen nicht
erwartet, da er bei der dringenden Einla
dung verneinend das Haupt schüttelte;
dock als wir uns gerade zu Tische gesetzt
hatten und Ursula mit gerötheten unv ei
nem zufriedenen, hausmutterlichen Lächeln
die kleine, saubere und geschmackvolle Ta
fel überschaute, entfuhr ihr ein Ausruf
der Ueberraschung und Ficude und in
der Thür erschien mein Vater.
Ja, da stand er: seine breile, kräftige
Gestalt nur leicht gebeugt, sein altes, kla
res Gesicht noch mit der Farbe der Ge
sundheit geschmückt, während die harten,
strengen Linien weicher waren unv die
durchdringenden Augen Milser als sonst
blickten.
Er trug seine Jesttagskleider, und ein
blendend weißes Tuch war sorgfältig um
seinen Hals geknüpft; in der einen Hand
hielt er den Ouäkerhut, in der anderen
seinen Stock, und ein halbbelustigtes Lä
cheln spielte um seinen ernsten Mund, da
er aus uns schaute. So stand er ver uns,
so ehe ich ihn stets vor mir, meinen alten,
lieben Valer!
Die jungen Eltern schienen ihn nicht ge
nug bewillkommnen zu können. Er sagte
nur:
John, ich danke Dir habe auch Du
Dank, Ursula! Dann setzte er sich neben
die Letztere, ohne einen Grund anzugeben,
weshalb er seinen Entschluß geändert habe
und nun doch gekommen sei.
Obgleich das Mittagessen nur einfach
war, obwohl die Tafel keinen Schmuck
halte, als einen großen Strauß von Lau
rustinus und weißen Christrosen —so
glaube ich dennoch kaum, das KönigGeorg
selbst je ein schmackhasteresMahl einnahm,
einem schöneren, edleren Feste beiwohnte.
Nachher reihten wir uns um das behag
liche Feuer, oder wir betrachteten am Fen
ster die dicht fallenden Schneeflocken.
Wunderbar, es hat in den ganzen zwei
Monaten nicht einmal geschneit, nicht seit
jenem Tage, da unser Töchterchen geboren
wurde, sagte John.
Gerade als ob sie gehört, es werde von
ihr gesprochen und als sei sie unzufrieden,
daß man sie so lange vergessen habe, so
stieß das kleine Mädchen einen leisen
Schrei aus, jene Laute, welche die ganze
Atmosphäre eines Hauses zu verändern
scheinen.
Mein Vater fuhr zusammen er hatte
John's Kind noch nicht gesehen und kein
Verlangen darnach ausgedrückt. Wir
wußten Alle, daß er kleine Kinder nicht
liebte. Von Neuem wurde der leise, kla
gende Ruf hörbar; Ursula stand auf und
und ging schnell hinaus. Ter Greis
blickte ihr mit einem seltsamen Gesichts
ausdruck nach, dann sprach er davon, nach
seinem Hause zurückzukehren.
Gehen Sie noch nicht, Sie dürfen uns
noch nicht verlassen! bat John herzlich und
dringend. Ursula möchte Ihnen so gern
unser Glück, unseren Stolz, unsere kleine
Tochter zeigen.
Mein Vater streckte seine Arme wie ab
wehrend aus, als wolle er das Kind sich
fernhalten oder eine Flulh schmerzlicher
Gedanken von sich scheuchen. Immer
noch tönte aus derKinderstubc die schwache
leise Stimme, aber die klagenden Laute
gingen in ein fröhliches, sanftes Girren
und Lallen über eine jede Mutter
kennt diesen unbeschreiblichen Ton.
Nach kurzer Zeit trat Ursula in das
Zimmer; in ihren Armen ruhte, weiß wie
eine Schneeflocke, ihre süße Winterblume,
ihr kleines, liebes Mädchen.
Abel Fleischer warf einen schnellen
Blick aus Mutter und Kind und schloß
dann seine Augen.
Ursula schien schmerzlich berührt zu sein
doch sie vergaß die Kränkung über die
allgemeine Bewunderung, welche ihr
Kleinod erreg'.c.
Sie kann wohl in dem Schneewehen ge
kommen sein, sie ist gerade so weich und
weiß wie Schnee, sagte Frau Zcssop.
Und so still und ruhig, sie schreit fast
niemals. Den halben Tag liegt sie in
ihrer Wiege, mit geschlossenen Augen unv
diesem saust girrcnocn Ton. So, jetzt hat
sie Ihr Kleid ergriffen; sab man jemals
ein zwei Monate altes Kind eine Sache so
fest ersassen? Ja, und sie tbnt es Alles
mit den süßen, kleinen Fingern, damit
fühlt sie stets umher. Ack, bitte, seien
Sie vorsichtig! ein vonvacssvoller Blick
der Mutter traf den Doktor, wett er die
Thür heftig zugeworfen, wobei die Kleine
zusammenzuckte und zitterte.
Ich hade niemals ein Kind gesehen,
das so empfänglich für jeden Laut ist,
sagte Jobn, inccm er zn dem kleinen
Mädchen sprach und es zu veruhigen ver
suchte. Mir scheint, als bemerkte sie
jetzt schon den Unterschied zwischen ihrer
Mutter Stimme und der meinigen; und
jedes plötzliche Geräusch erschreckt sie stets
in dieser Weise.
Sie muß wirklich ein wunderbar feines
Gehör haben, erwiderte der Doktor
ein Wenig gereizt.
Ursula fing kluger Weise ein anderes
Gespräch an, zeigteMuricl's lange, dunkle
Augenwimpern und begann dann über
die Farbe ihrer Augen zu spreche, dieses
fruchtbare, unerschöpfliche Thema für
Mütter und deren Freundinnen.
Ich finde, sie gleichen denen ihres Va
ters, ja, es sind entschieden John'S Au
gen. Wir haben nur nicht oft Gelegen
heit, darüber zu urtheilen, denn sie ist eine
so träge, kleine Dame, die selten ihre Au
gen öffnet, wir würden oft glauben, sie
schlafe, wenn sie nicht leise mit den weißen
Fingerchen herumspielte und dieses sanfte
Lallen ertönen ließe; und dann schreckt sie
plötzlich empor, gerade so wie jetzt; da
blickt sie auf! Komm' zum Fenster, meine
Schönheit, laß' Doktor Jcssop Deine lie
ben, braunen Guckäugelein sehen!
Es waren hübsche Augen von schöner
Form und Farbe, mit fangen, seinen
Wimpern, aber etwas Fremdes, Unge
wöhnliches lag in ihrem Ausdruck over
besser in dem Mangel an Ausdruck. Viele
sehr jungeKinder starren mit ihren runden
Augen planlos und verwundert umher,
abcr dies war kein Anstarren, es war ein
voller, klarer Blick, ein Blick ruhig und
leer ein unschcnder Blick.
Dokior Jessop's Aufmerksamkeit wurde
dadurch erregt. Ich sah den Ausdruck
verletzter Würde, der aus seinem Gesicht
geruht, sich in einen des Schreckens, der
Sorge verwandeln.
Nun, von wem bat sie die Augen, vom
Vater oder der Mutter? Ich hoffe, vvn
John; es würde besser für ihre Schönheit
sein. Nein, nur keine Eomplimentc, reine
Wahrheit!
Ich ich kann es nicht mehr recht un
terscheiden, bei Licht würde ich es besser
beurtheilen können.
Es soll Licht gebracht werden.
Nein nein! Ist es nicht besser, Frau
Halifax, wir verschieben die große Prü
fung bis zn einem anderen Tage? Ich
will morgen wiederkommen.
Obgleich Toklor Jessop sich bemühte,
scherzhaft zn sprechen, so war sein Wesen
doch ungewöhnlich ernst, fast ängstlich und
John bcmeikte es.
Gieb mir das Kind, liebe Ursula, und
laß uns Licht bringen!
Als sie dasZimmcr verlassen, trngJohn
seine kleine Tochter zum Fenster hin,"blickte
lange und forschend in ihr stilles
Antlitz und dann ans den Arzt.
Glauben Sie, Dokior Jessop nein
nein es ist nicht möglich daß
nicht Alles ist, wie es sein sollte mit den
Augen des Kindes?
Beim Hereinkommen hörte Ursula die
letzten Worte und rief schnell:
Was sagtest Tu von ihren Augen?
Niemand antwortete; wir waren Alle
bei'm Fenster versammelt. Die Kleine
lag auf dem Schooße desVaters, während
Doktor Jessop verjuckte, die weißen Au
genlider zu öffnen, welche sie ,o beharrlich
geschlossen hielt. Endlich stieß das Kino
einen leiien Wcheschrei aus die Mar
ter stürzte hinzu, und während sie ihren
Liebling fast wild an ihre Brust schloß,
rief sie heftig ans:
Niemand soll meinem Kinde ein Leid's
thun! Es ist Alles gut und recht mit sei
nen süßen, klaren Augen. Geh', John,
Du sollst es nicht berühren!
Liebe!
Ihre Heftigkeit schwand dahin; sie
wurde besänftigt durch das eine Wort, in
welches er sein ganzes Herz legte; still
lehnte ste sich an seine Schulter und suchte
ihre hervorbrechenden Thränen zu unter
drücken.
Es war so schrecklich der bloße Ge
danke wäre kaum auszudenken. O, mein
John, laß sie ihre Augen nicht wieder be
trachten!
Nur noch ein einziges Mal, mein Lieb
ling, damit wir ganzberuhigt sein können.
Phineas, gieb mir das Licht!
Die Worte obwohl innig, und durch
Selbstbeherrschung gefaßt und beruhigend
klingend sprachen doch einen festen
Willen aus.
Ursula widerstand nicht länger und ließ
ihn Muriel nehmen. Von ihres Vaters
schmeichelnder, kosender Stimme beschwich
tigt, öffnete sie vie Augen voll und weit.
Doktor Jcsj p suhr mit dem brennentcn
Lichte daran vorüber einmal zwei
mal jetzt so nahe, daß das Licht bei
nahe ihr Gesicht berührte, doch keine Wi
mper zuckte die Augen blickten voll und
ruhig; sie schloffen sich nicht vor dem blen
denden Strahle. Mit zitternder Hand,
wortlos, setzte er das Licht nieder.
Doktor! flüsterte der Vater, mit einem
wilden Schmerz sich gegen die Möglichkeit
nein, gegen die schrecklich? Gewißheit
sträubend. Er ergriff selbst das Licht, er
machte von Neuem den Versuch.
Sie sieht nicht das Geringste. Kann
sie kann sie blind sein?
Blind geboren.
Ja, diese süßen Kinderaugcn waren
lichllos vor ihnen schwebte eine ewige
Nacht. Es lag nichts Schmerzliches oder
Unnatürliches in ihrem Blick, nur jene
Leere des Ausdruckes, von der ich schon
vorhin gesprochen; ihre äußere Form und
Gestalt war vollkommen und regelrecht,
nur in dem feinsten, inneren Organismus
mußte etwas nicht geordnet sein, etwas
fehlen. Unsere Muriel hatte niemals se
hen können und würde es niemals lernen
in dieser Welt.
Blind!
Tas Wort war leise gesprochen, fast
nur gehaucht worden, dennoch halte es die
Mutter gehört. Sie drängte Alle zur
Seite, nahm Muriel in die Arme und
schaute sie an mit verzweifeltem, ungläubi
gem Ausdruck. Tief senkten sich ihre Au
gen in die lichtlosen ihres Kindes, welche
niemals ihren Blick voll Seelenangst und
unendlicher Liebe wiederzuspiegeln ver
mochten. Arme, arme Mutter!
John! Jobn! o, John!
Ter Ausruf seines Namens steigerte
sich zu einem Hülseschrei, als müsse er
Beistand und Hülfe gewähren können.
Er trat zu ihr und nahm sie an sein Herz,
Mutler und Kind umschlossen seine Arme
Sie lehnte ihr Haupt an seine Schulter
und sagte unter strömenden Thränen:
O, John es ist zn hart, linier Lieb
ling, unser >üßes Kind blind!
Er antwortete nicht, er hielt sie nur fest
und dicht an seinem treuen Herzen. Als
sie elwaS ruhiger geworden, flüsterie er ihr
den Trost zn den einzigen Trost, wel
chen selbst er zu geben vermochte, daßGvtl
ihnen diese Trübsal geschickt.
Und ich glaube, es ist mehr ein Kum
mer sür Enck, denn sür das Herzenskind,
versicherte Frau Jessop. während sie ihre
Ihräncnvollen Augen trocknete. Die kleine
Muriel wird nicht vermissen, was sie nie
gekannt hat; sie kann doch ein glückliches
Kind sein. Seht, wie sie so lieblich lä
chelt!
Abcr die Mutler war noch unfähig, in
diesen Verheißungen einen Trost zu fin
den. Sie ging unruhig auf und nieder,
das Kind in ihren Arme wiegend, ihr
bitterer Schmerz machte sich nicht in Kla
gen, doch inThränenflnthen Lust, die nach
und nach ihren Herzensjammcr zu lindern
schienen; vielleicht auch weinte sie weniger
heftig, um das süß schlummernde Kind
nicht zu erwecken.
Ein Arm umfaßte sie und sührte sie
saust zn einem Stuhl; es war der meines
Vaters. Er setzte sich au ihre Scite, und
indem er ihre Hand nahm, sagte er liebe
voll:
Gräme Dich nicht, Ursula! Ich hatte
einen kleinen, blinocn Bruder; er mar
das glücklichste Wesen, das ich je gekannt
habe.
Mein Vater seufzte tics. Wir allen
waren erstaunt über die unendliche Weich
heit, ja Zärtlichkeit, welche über den Greis
gekommen.
Reiche mir einmal Dein Kind, Ursula!
Sie legte es aus seine Kniee. Mit ei
ner feierlichen Geberde berührte seineHand
das Haupt der schlafcndcnMuricl während !
er sprach:
Galt segne dieses Kind! Ja, und es!
wird gesegnet sein?
Diese Worte, welche mit der vollen Zu
versicht gesprochen wurden, mit denen die
sterbenden Patriarchen alter Zeilen ihre'
prophetischen Weissagungen unv Seg-!
Nungen erlheilten, erfaßten uns Alle mit
heiligem Schauer. Wir schauten ans die
kleine Mrrriel, als ob der Segen tchon
über sie gekommen sei, als ob die geheim
nißvolleMacht, welche ihrcAugen fürimmer
temLlchte verschlossen, sie zugleich geheiligt
habe, wie Einen, den Golles Hand be
rührt hat,
Jetzt, Kinder, muß ich nach Hause ge
hen, begann mein Vater nach einen: lan
gen, feierlichen Schweigen.
Sie hielten uns nrchl mehr zurück; es
war auch das Beste, daß die jungen El
tern sich jetzt selbst überlassen blieben.
Sie werden wieder zu uns kommen, lie
ber, theurer Freund! bat Ursula, indem
sie seine Hand innig und zärtlich ergriff,
welche er auf ihr lockiges Haupt gelegt,
einen Scgensspruch dabei flüsternd.
Vielleicht doch wer kann im Voraus
erwas bestimmen, wer ven nächsten Tag
sein nennen? Sei Deinem Manne ein gu
tes Weib, meine Tochter! Und Du, John,
behandle sie niemals hart, sei nachsichtig
mit ihren kleinen Schwächen! Bedenke,
daß sie noch jung ist sehr jung!
Wieder hob ein tiefer Seufzer die Brust
des Greises, und es war ersichtlich, daß er
an eine Andere dachte, als an Ursula.
Auf dem Heimwege sprach mein Vater
nur ein oder zwei Mal mit mir, und dann
von Dingen, welche mich fremd und selt
sam berührten, von Ereignissen, die vor
langerZcit geschehen waren; auch von mei
ner Kindheit redete er unv erzählte Aus
sprüche und kindliche Einfälle, welche von
mir herstammten und von denen ich nim
mer geglaubt, daß er sie beachtet, abcr
noch weniger, so treu im Gedächtniß be
wahrt hätte.
Als wir das Haus betraten, fragte ich
ihn, ob ich ihm bis zur Schlafenszeit Ge
scllschast leisten solle.
Nein -- nein! Tu siehst ermüdet auS,
geh'lieber gleich zu Bett; ich habe auch
noch einen Geschäftsbrief zu schreiben.
Nachdem ich ihm gute Nacht gewünscht,
rief er mich noch einmal zrirück.
Wie alt bist Du, Phineas, vier- oder
fünfundzwanzig Jahre?
Fünfundzwanzig, Vater.
Wie, schon so att?
Er legte seine Hand auf meine Schul
ter, seine Augen ruhten aus mir, mit ei
nem gütigen, ja zärtlichen Blick.
Du bist nur noch fchwächlich, mein lie
ber Junge, aber Du mußt Dich heraus
machen, damit Du ein so alter Mann wirst
wie Dein Vater. Gute Nacht! Eoit sei
mit Dir, mein Sohn!
Ich verließ ihn mit einem frohen, sogar
glücklichen Herzen. Niemals hatte ich
früher geglaubt, daß ich mich so gut mit
meinem Bater verstehen könnte, daß wir
einander so herzlich lieben würden.
Mitten in der Nacht kam Jael in meine
Schlafstube und ließ sich am Fußende mei
nes BelteS nieder, während ihre Augen
mit seltener Weiche und Innigkeit auf mir
ruhten. Ich war aus wunderbaren Träu
men erwacht, die mich in meine Kindheit
versetzt hatten, mir auch meinen Vater und
meine Mutter in ihre Jugendzeit zeigten.
Was Jael m r jetzt mittheilte nu>
nach und nach u id m>t großer Schonung,
in uuloen und zärtlichen Weile,
als wenn ich noch ein Kind und sie meine
Pflegerin sei schien mir Anfangs so un
möglich, daß ich glaubte, ichträume weiter.
Und dennoch war es kein Traum!
Nachdem Jael um zehn Uhr das Haus
gescvlossen hatte, war sie wie gewöhnlich
in die Thür des Wohnzimmers getreten,
um meinem Vater zu sagen, daß seine
Ruhestunde gekommen sei. Er hatte nickt
gcanlwoitet; mit dem Rücken gegen die
Thür gewandt, war er anscheinend mit
Schreiben beschäftigt gewesen. So ging
sie leise von dannen. Als sie nach einer
Halden Siunde wieoerkam, saß er noch in
derselben Stellung unbeweglich. Die
eine Hand stützte sein Haupt, die andere,
die Feder festhaltend, lag aus dem Tische.
Er schien aufmerksam das Geschriebene zu
überschauen, das also lautete:
Guter Freund!
Morgen werde ick
Hier war seine Hand erlahmt für
immer!
Mein theurer, unvergeßlicher Vater!
An diesem „Morgen" warst Du bei Gott!
Jweiundzwanzigstes Kapitel.
Wir waren zum Jahre 1812 gekommen.
Seil zehn Jahren datte ich, gepflegt, und
geliebt wie ein Bruoer in John's Hause
gelebt, wohin er mich an dem Begradniß
tage meines Vaters geführt, mit der herz
innigen Bitte, es jortan als meine Hei
mat!) zu betrachten. Bald wurde es klar
und ersichtlich, daß das Geschick, nein, die
Vorsehung, John von einerFesiel befreite,
von der er sich, so lange wie mein alter
Valer lebte, nie selbst frei gemacht haben
würde.
Es stellte sich heraus, daß der Ertrag,
welcher aus dem Betriebe der Lohgerberei
gezogen wurde, schon feit langer Zeit nur
dem Namen nach ein Vor heil war, daß
die Kosten die Einnahmen überstiegen, da
her es zur Nothwens gleit wurde, sie zu
verkaufen und das Geschäft nur ans die
Kornmühle zn beschränken.
In die er Krins starb Jael. Es war,
als wenn der Wechsel aller Verhältnisse
ihr alteS, mulhiges Herz bcack, das stets
jeder Neuerung so abhold gewesen. Wir
begruben sie zu den Füßen meiner Ellern,
die gute, redlickeJacl, welche uns so lange
Zeit treu gedient; und der Kirchbof in der
St. Mary-Straße umschloß jetzt Alle, wel
che mich vvn Kindheit an geliebt hatten,
Alle, die ich mit Recht mein eigen ge
nannt.
Meine gänzliche Verlassenheit müßte
mich überwältigt haben, wenn John und
Ursula nicht an meiner Seite gewesen,
wenn sie nickt einstimmig gebeten hätten:
Bruder! komm' heim mit uns!
Lange widerstand ich ihren Bitten. Es
schien mir nimmer ralhsam, daß eine
driitcPerson, und sei sie noch sogekiebt, be
ständig in dun Hause jungen Gatten weile
und somit in ihr inniges Toppelleben,
nein mehr noch, in die heiligeEinheit ihres
e?eins eine Störung bringe. Es war
mein Wunsch, zu versuchen, mir meinen
Unterhalt zn erwerben, und wenn das
nicht möglich war, so hoffte ich von dem
mir bleibenden, unbedeutenden Vermögen
zurückgezogen und eingeschränkt leben zu
können. Doch davon wollte Jobnhalisar
nichts hören. Und Ursula? Sie saß wie
immer eifrig nähend, während ihr Töchter
chen auf ihrem Schooße lag, dieAugenge
ichlosseii, kooch iiichlichlafenv. Ursula nahm
Hand, um mit dem süßen Kinderhändchen
zn spielen; die kleinen Finger ersaßleii die
meinen. Sehen Sie, Phineas, sie be
darf Ihrer auch, s i e will Sie nicht fort
lassen, sagte die junge Mutter leise. Blei
ben Sie um unseres Kindes willen!
Co blieb ich im Hause. —Vielleicht
kam es daher, daß ick mcl?r als seine an
deren Kinder, mehr als irgend clwas
aus Ercen Job ausgenommen
seine älteste Tochter, die kleine, blinde
Muriel lieble.
Er hatte jetzt mehrere Kinder. Das
dunkle, alle Haus, de: große, freundliche
Garten hallten von ihren Stimmen wieder
vom Morgen bis zum Abend. Der erste
und lauteste war stets Guy, der ein Jahr
nach Muriel geboren wurde. Er sah sei
ner Mutter sehr ähnlich, deren besonderer
Liebling er war. Nach ihm folgten Ed
win und Walter; aber Muriel blieb stets
„unsere Schwester," die einzige Tochter.
Könnte ich einen Namen finden, dieses
Kind zu beschreibe, so würde es nicht der
sein, welchen ihre glückliche Mutter ihr bei
der Geburl besiegte: Joy bedeutet Freude,
aber sie war mehr als nur eine Freude
sie war der verkörperte Friere.
Jbrc Bewegungen waren leise, ruhig
und wunderbar barmoniscv, ibre Stimme
klang jaust und lieblich, jede Linie, jeder
Ausdruck ihres süßen Gesichtes war rein
und heiter. Ob sie durch das Haus
schwebte mit kaum hörbarem Schritt, ob
sie ar ibrcs Vaters Seite saß, eifrig mit
Stricken beschäftigt, leinen Erzählungen,
oder dem fröhlichen Lärmen der spielenden
Brüder lauschte, immer und unter allen
Verhältnissen blieb Muriel dieselbe. 'Nie
mand hat sie je ärgerlich, uiuuhig oder
traurig geseben. Die sanfte, duakleStille,
in der sie leblc, schien niemals durch die
Acngsle unv Sorg-n der Weit getrübt zu
werden. Sie war von den ersten Tagen
ihres Lebens ein Fciedensengel und als
solcher stand sie bei uns Allen in diesen
zehn schweren Jahren, da unser Haussland
viel zu kämpfen, viel zu crlragen halte,
an Noth und Entbehrungen. Wenn John
Abends nach Hause kam, abgestumpft und
ermattet, bis ia das Innerste erschöpft
von dem harten Kampfe' mit dem Leben,
von den Dcangsalen, mit welchen er zu
streiten Halle, dann schlich sich Muriel leise
zu ihm. er nahm sie aus die Kniee, sie ne
stelte ihr Köpfchen dicht an seine Brust,
und er war g stärkt und ennuthigt. Wenn
Ursula, wie eine treue, tüchtige Hausfrau,
Allem vorstand und nimmer die fleißigen
Hände ruhen ließ, um zu schassen und zu
ordnen, damit ihr Gatte es bei seiner
Heimkunft behaglich und lieblich fände am
eigenen Heerde und nicht merke, wie schwer
der Tag auch für sie gewesen sei, wenn
da ab und zu bei dem rastlosen Mühen ihre
Stimme etwas schärfer erklang, sobald sie
Muriel crbllckte, wuroe sie gleich wieder
sanft. Es war nicht anders möglich, man
konnte nur milde, freundliche Worte im
Beisein des blinden Kindes sprechen.
Tie Eltern würden erstaunt gkwescn!
sein, wenn irgend Jemand si: beklagt hätte >
ein blindes Kind zu haben. Ter Verlust !
ein VeUust nur sur sie, nicht für den
Liebling war nach und nach zur Ge
wohnheil geworden, es war, als könnte
es nicht anders sein, er hörte ans z. ver
wunden, der Segen abcr erblühie täglich
reu. „Ja, und sie wird geseg
net sein" hatte mein theurer Vater
gesagt; und seine Verheißung war erfüllt
worden. Von ihr, oder vurch sie halten
ihreEttern niemals den geringsten Schmerz
zu erdulden; selbst die Unfälle und Krank
heiten, welche alle Krnver betreffen unv
von denen den Knaben ihr naturgemäßes
Theil zufiel, gingen schonend an ihnen
vorüber; sie halte nichts dergleichen durch
zumachen, sie war niemals krank.
Des Frühlinges im Jahre iBZ2 ge
dachten wir lange in unserer Familie.
Das Scharlachsicber herrschte im Hause,
und wenn es, Gott sei gedankt, auch kein
Opfer forderte, jo war es dennoch eine
sorgenvolle, schwere Zeit. Als sie endlich
Alle wieder genesen waren und wir die
kleine, blasse Kinderschaar zu einem Gar
tenseite unter dem großen Birnbäume ver
sammelten, da blickten wir mit zitternder
Dankbarkeit uns an, als ob wir erst jetzt
recht die Getayr erkannten, in der unsere
Lieblinge gesebwebt.
Gott sei gedankt, daß Alles überstanden
ist! sagte John, indem er seinen Arm um
Ursula schlang und in ihr abgespanntes,
blasses Angesicht blickte, ans welchem lrotz
dem das alte Lächeln lag ihr glückliches
Mltthvolles Läche'n, welches niemals ganz
verscheucht wurde. Jetzt müssen wir aus
Erholung für Dich sinnen, Tu gute Mut
ter. Tu treues Weib.
Thorheit, John! Ich bin so gesund wie
möglich. Doktor Jessop hat mir erst heule
gejagt, ich hätte niemals jünger ausgese
hen; ich eine Famitienmuttcr, eine
Frau von dreißig Jahren. Reden Sie,
Onttl PhineaS, sehe ich so all aus?
Ich konnte nicht dasGegentheil behaup
ten, am wenigsten jetzt; doch sie trug es
anmlith g und sorglos und nicht nur John,
s ndcr auch ich sah eine höhere', edlere
Schönheit nbec sie eegoyen, die ttvtz der
blassen Wangen anziehcndec war, als alle
Jugendfrische. Glückliche Frau, die nicht
erschreckt war, alt zu werden!
Liebe John nannte sie gewöhnlich
„Liebe", indem dr das Wort als Anrede
gebrauchte, gerade als ob es ihr Tauf
name geweien wäre, der, wie in den mei
sten Familien, in denen Kinder sind, nach
und nach ausgegeben wurde, oder in die
allgemeine Benennung: „Mutter"
übergegangen war. Ich nannte sie stets
etwas feierlicher „die Mutter"— sie, wel
che die trcneste, edelste Verkörperung der
Mütterlichkeit war, die ich je kennen ge
lernt.
Liebe —begann ihr Mann von Neuem,
nach einem langen Blick in ihr bleiches
Ecftcht (o, John, das Deine war auch ver
ändert, aber an sich dachte er niemals)
sage, was Du lhun möchtcsl?Jetzt weiß ick,
was geschehen soll zum Besten der Kin
der, Ack, nun habe ich ihre schwache
teile getroffen sieb, Phineas, jetzt
giebt sie nach. Wir wollen auf drei Mo
nate nach Longsield zieben,
Longsield war das Utopien in unserer
Famitte, der Zielpunkt aller Wünsche, al
leS Sehnen von Alt und Jung. Wir
müssen eine reckt einfache Familie mit b -
schciocnen Ansprüchen gewesen sein, denn
oftses Longsield war ein kleines, schlichtes
Pächterhans, einige Meilen von Norton
Bury entfernt, in dem wir einmal Thee
getrunken hallen und seitdem slcls dort zu
leben wünschten. Denn wenn auch unsere
kleine Besitzung hübsch und behaglich war
io lag sie doch mitten in einer Stadt, und
unsere Kinder liebten, wie alle natürlich
erzogenen Kinder, die Freiheit des Land
lebens; sie sehnten sich nach Kornfeldern,
dusligen Wiesen mit Heuhaufen, schwärm
len sür Obstlesen, besonders sür das
Brombeeren- und Nüssepflücken, alles
Vergnügungen und Ncize, welche sie doch
nur selten genossen, wenn der Vater ein
mal einen ganzen langen Tag sich abmü
ßigen konnte, um zugleich der Gespiele
und Schützer, die Freude und der Stolz
ccr glücklichen, kleinen Schaar zu sein.
Hört, Kinder, der Vater sagt, wir sol
len ganze drei Monate in Longsield woh
nen.
Tie drei Knaben stießen einen Freuden
schrei aus.
Ich werde Schiffchen aus dem Flusse
schwimmen lassen, und jedes Pferd, das
ich greisen kann, werde ich reiten! Hnrrah!
hurrab! jauchzte Guy.
Und ich werde mich um die Enten und
die kleinen Hühner bekümmern und dem
Dreschen und Kornsieben zusehen, sagte
der ernste, prallische Edwin.
Und ich will ein „kleines, sneeweißes
Lämmsen zum 'pielen" haben, lispelte
Walter noch „das Kind", und als sol
ches verhätschelt und veizogen.
Aber was sagt meine Tochter?— fragte
der Vater, sich zn ihr wendend, denn er
jühlle auch die leiseste Berührung ihrer
weichen, seinen Finger, die jetzt gerade
über seine Arm strichen. Was will
Muriel in Longsield thun?
Muriel will den ganzen Tag im Freien
sitzen und die Vögel singen hören.
Das sollst Du, mein Segen! Er
nannte sie est „mein Segen" und ein sol
cher warsie für ihn.Wie sieauch jetzt wieder
beieinander saßen ihre zarte Wange ge
ichnt, ibr süßes Kinoergesichlchen mit
Jobn's Zügen im verkleinerten Maßstabe,
nur vielleicht das Haar etwas lichter, doch
ebenso weich gelockt- da sahen sie weni
ger wie Vater und Tochter aus, denn wie
nn Mann und sein guter Engel, der ihm
schützend zur Seite steht, der die sichtbare
Verkörperung der besten Hälfte seiner
Seele ist; und das war sie ihm, dies Kind
seiner Jugend, sein erstgeborenes, theuer
stes .
Da dieser Longsield - Plan nun einmal
gefaßt war, so begannen wir drei Aeltere
zu überlegen, in welcher Weise er am be
sten anszusi'hrcn sei. welche Einsck'ränkun
gen wir vielleicht noch machen müßten, da
mit die Kinder diesen Sommer wenn
möglich, jeden Sommer die Wonne ge
nießen konnten, auf dem Lande zu leben.
Diese häuslichen Berathungen waren nie
mals ein Schrecken sür uns, denn da es
leine Geheimnisse in unserem Zusammen
leben gab, so wurden auch sie öffentlich
abgchäften. Es war ein glückliches, ge
segnetes Haus; Vater und Mutter, obwohl
sie zuweilen verschiedener Ansicht waren,
hatten doch nur einen Gedanken, einen
Zweck, ein Ziel das Gute der Fami ie.
So war selbst in Zeil, da Dürftigkeit und
Sorge in unserem Hanshalte herrschte,
keine Bitterkeit in unserer Armuth gewe
sen; standhaft und sreudig waren wir ibr
entgegengetreten, zuweilen hatten wir so
gar darüber gescherzt und gelacht; sie
war uns eine Freundin gcworscn, eine
ttrenge, aber wohlmeinde Freundin, die
uns noch inniger zu einander geführt, die
uns Ertrage, Selbstständigkeit uud die
ckeste aller Lehren: Selbstverleugnung ge
lehrt Halle. Ich glaube, das ganze spä
tere Leben ist leichler und scgensvoller,
wenn man in seiner Jugend Noth und
Entbehrungen kennen gelernt hat.
Unsere VermögenSvcrhällinsse waren
j tzt im Steigen und eine kleine Erholung
forderte nicht mehr gar zu große Opfer.
Wir kamen darin übercin, daß der Besuch
in Longfi.ld gestattet werden und überdies
John ein Pscrd haben könne, um den lau
gen Weg zurückzulegen, ohne eine größere
Unbequemlichkeit, als daß wir Jenny
letzt Frau Jem Watkin's, aber immer noch
unsere Köchin in der Stadt zurückließen
und uns mir einer Dienerin begnügten.
Ein zweites Opser wurde freilich erst spä
ter bekannt; damals wußten wir nickt, daß
die Muller dem Anschaffen eines lang ver
sprochenen Seidcnllrides entsagte, dem
eisten, das sie nach ihrer Verheiralhung
kausen wollte, und das, um John zu über
raschen, dieselbe Farbe haben sollte wie je
nes historische, graue Gewand, welches er
bei seinem ersten Besuche in Endcrly in
der Küche hangen sah.
Wer brächte nicht mit Freuden jedes
Opser, sagte sie fröhlich, wenn die Kinder
dafür solche Festlage haben können und
ocr Vater den ganzen Sommer durch
grüne Felder und Wiese reiten kann. O,
wie ich wünsch:, wir könnten immer aus
dem Lande leben!
Ist es ein solcher Herzenswunsch von
Dir? Und John sah aus wie damals,
als er in den ersten Tagen seiner Ehe die
schönen, grauen Po.iny's betrachtete
als mochte er ihr Alles, das Schönste und
Beste, geben können. Nun wer weiß,
was die spätere Zeit noch bringt, sagte er
hoffnungsvoll.
Ja, wenn unser Schiff aus Indien
kommt, rief Ursula scherzend, „oder das
Geld eintrifft, welches Richard Brilhwood
so ungerechter Weise anhält und zu dessen
Auszahlung John Halisar nicht das Ge
setz anrusen will. Nein, theurer Mann,
sei unbesorgt, ich werde nicht mit Dir über
eine Deiner Grillen und Eigenheiten stiel
ten." Sie sprach mit innigem Stolz, wie
sie selbst dann noch tbat, wenn sie einmal
gegen John's kleine Grillen und dieses
übertriebene Zartgefühl zu Feld? zog.
„Vielleicht kommt noch eines Tages als
Lohn für unsere Enthaltsamkeit das ganze
Geld ein, wenn wir es gerade am wenig
sten erwarten. Dann sott John's Her '
zenswiinfch erfüllt und die Tuchfabrik mit
den Waltmühlen in Enderlu gekauft wer
den."
John lächelte fast wehmüthig. Iber
Mensch hat fein Steckenpferd, dies war
das feine und schon seit vielen Jahren.
Nicht nur, nm rin Vermögen zu erwerben, !
wünschte er sich dieses Besitzlbum, mehr
noch, um die Macht und den Einfluß, wel
chen er da über Viel gewönne, um das
weile Felo, Gutes zu thun, das sich ihm
dadurch eröffnete.
Nein, Liebe, ich werde niemals ein
„Patriarch des Tbales" sein, wie Phr
eas es stets nannte. Tie Taxusheckc ist
zu dicht für mich, ich komme nicht hindurch
ist's nicht so, Phineas?
Gewsß nicht! rief Ursula, der wir den
kleiuen Vorsall aus unserer Knabenzeil er
zählt hatten, nein, sie ist nicht zu dicht,
halb bist Tu schon durchgedrungen. Je
dermann in Norton Buly ehrt Dich.
Du hast schon Eft.flaß genug eilangt.
PhineaS, Sie hätten gisteui Abend in der
Versammlung sein sollen, man tonnte eine
Mecknad.'l fallen hören, iv still ad aus'
l mcrls.im l >,!> ine Alles, als Föhn zu n
> It.n der .lngvllagten und geg'N die Voll
j ziehung des harten Urtheiles sprach. Und
dieses Jauchzen, da er geendet hatte
o wie stolz ich war!
Aus den Beifall, Liebe?
Unsinn! aber auf den, welcher ihn
hervorgerufen. Ja, es machte mich stolz,
meinen Mann die Armen und Bedrückten
vertheidigen zu hören stolz, ihn hochge
ehrt und beliebt zu sehen, immer geachte
ter von Jahr zu Jabr bis
Bis endlich die Prophezeihung Ihres
Geburtsspruches sich erfüllt: „Ihr
Mann i st berühmt indenTho
re ir unders i tz e st bei den Ael -
testen des Landes.
Uisula lachte herzlich, als ich sie an ei
nen srübcren Scherz erinnerte, und gestand
zu, die Erfüllung würbe ihr nicht unange
nehm sei.
Und es wird dahin kommen; er ist
schon „bekannt in den Thoren", bekannt
und geehrt nah und fern. Bedenkt doch,
wie viele unserer Nachbarn John aufsu
chen, um durch ihn ihre Zwistigkett schlick
ten zu lassen, anstatt vor Gericht zu ge
hen; und wie viele Wilddiebe hat er schon
von ihrem unehrlichen
Unrechtmäßigen, verbesserte John,
Gut, unrechtmäßigen Thun und Trei
ben abgebracht und sie wieder zu anständi
gen, ehrlichen Männern gemacht. So
wohl die Reichen wie die Armen in der
Nachbarschaft erbitten seinen Rath und
folgen seinem Ausspruche, Ich bin fest
überzeugt, John ist so populär und hat
so großen Einfluß, wie viele Parlaments
mitglieder nicht haben.
Ein höchst beluiligtes Lächeln kräuselte
John's Lippen, doch sagte er nichts; wie
er überhaupt fast niemals über sich und
sein Thun sprach, selbst nicht in seinem
eigenen Hause. Ein großer Schmuck sei
nes Lebens und Wirkens war seine voll
kommene Anspruchlosigkcit, die Unbewußt
heil des Guten, was er that; es geschah
Alles, als könnte es durchaus nicht anders
sein.
Hört, das ist Muriel! sagte der Vater
nach einem kurzen Schweigen, da durch die
Stille Musik drang.
Ost schlich sich das Kind von uns, und
plötzlich hörten wir dann die süßen, har
monischen Töne von „Muriel's Stimme,"
wie einer das alte Klavier genannt hatte,
zu uns dringen; schon alsein ganz kleines
Kind suchte sie sich ihren Weg dahin und
laß die Finger auf denTastcn umherirren,
bis sie erst einzelne Harmonie'n, dannMe
lodie'n santen, die immer schöner und
wohlklingender wurden, durch da- feine
Ohr und die seltene Begabung geleitet,
welche die Blinden so oft für Musik be
sitzen.
Wie hübsch sie spielt? Ich wünschte, ich
könnte ihr eines jener neuen Instrumente
kauten, die man Fortepiano nennt.
Eine Ocgel würde ihr noch mekr zusa
gen. Tu hättest beute Morgen, in der
Abtei-Kirche, ihr Antlitz sehen sollen,
Jchn, es strahlte von einem himmlischen
Entzücken.
Sie hat aufgehört zuspielen. Guy!
laus hin und bringe Deine Schwester her!
rics der Vater, der sich stets nach seinem
Lieblinge sehnte,'!
Guy kehrte bald zurück, ganz erfüllt von
einer wunderbaren Begebenheit, die er,
sich fast überstürzend, erzählte. Im Ge
sellschaftszimmer befänden sich zwciHerren,
welche er niemals srüber gesehen der
eine habe so freundlich seine Locken ge
stteichelt. Es war ein so vornehmer,
großer Herr, noch viel größer, als der V
ater.
Das war die Wahrheit in Anbetracht
der Gestalt, die mit hellen Nankinbeinklei
dera, einem feinen blauen Tuchrocke mit
golrenen Knöpsen nno dem kostbarsten,
weiße Halsluche bekleidet war Gegen
diese „große" Persönlichkeit verbeugte sich
John mit iörinlicher Höflichkeit, wohinge
gen Ursala's Blick dieUeberraschung eines
Wicocrertcnncns zeigte,
Es ist so lange her, daß ich das Glück
hatte, Fräulein March zn sehen, daß ich
wohl annehmen muß, Frau Halisar hat
tick vergessen?
Nein, GrafLurmore; erlauben Sie mir,
Ihnen meinen Galten vorzustellen.
Mir schien, daß etwas von Fräulein
March's altem Wesen sich in der Mutter
milder, sanfter Miene ausdrückte, doch es
war ein Stolz, der einem Anderen galt als
ihr selbst; und sie hatte Ursache, stolz zn
sein, denn als die beiden Männer zusarn
incnsianden obgleich Graf Luxmore in
seiner Jugend schön gewesen war und man
von ihm sagte, er habe so seine Manieren
wie der Prinzregent selbst —da konnte
jede Frau ihr Haupt hoch erheben, indem
> sie John Halifax als: „mein Gatte" vor
stellte.
Von den beiden Herren schien sich der
Edelmann am wenigsten behaglich zu suh
len, denn wenn auch John'S und Ursula's
Begrüßung böslich war, so lag doch eine
entschiedene Kälte darin. Es war ersicht
lich, daß sie sich durch die Gegenwart des
Lird Luxmore durchaus nicht geehrt fan
den, und ich zweifle, daß nach den Gerüch
ten, welche über ihn im Umlaufe waren,
irgend ein rechtlicher, biederer Hausvater
sich den Besuch des Grasen zur Ehre an
gerechnet haben würde.
Aber der Letztere war wie gesagt unbe
schreiblich gcwantt und mellklug, er durch
brach die unbehaglich eisige Stimmung
mit einem Male, indem er sagte:
Es ist schon seit Jahren mein dringen
der Wunsch, Sie kennen zu lernen, Herr
Halifax, und meine Tochter ermuthigte
mich, hier so unangemeldet einzudringen.
Hieraus erfolgten höfliche Erkundigun
gen nach Lady Caroline Brithwood und
wir hörten, daß sie soeben von einer wei
ten Reise zurückgekehrt sei und Vater und
Bruder in ihrem Hause ihre Gäste wären.
Verzeihung! ich vergaß meinen Sohn
vorzustellen Lord Ravenel.
Der junge Mann verbeugte sich schwei
gend. Er mochte vielleicht achtzehn Jahre
alt sei, war von schlanker, hoher Gestalt
und hatte ein schmales, blasses Gesicht mit
großen, milden Augen. Er zog sich bald
wieder nach der Gartenthür zurück, wo er
stand, dem Spiele der Knaben zusah und
sich schüchtern bemühte, mit Muriel be
kannt zu werden.
Ich glaube, Ravenel hat Sie auch vor
Jahren gesehen, Frau Halifax. Als Kind
war er der Liebling und der Verzug sei
ner Schwester. Er hat jetzt gerade seine
Studien beendet in dem Kollegium von
St. Omer, hieß es nicht jo, William?
Ich war im katholischen Kollegium von
St. Omer, erwiderte der Gefragte.
Still was thut das! sagte der Vater
scharf. Glauben Sie nicht, Herr Halisar,
daß wir noch eine katholische Familie sind.
Ich hoffe, der nächstkcmmende Gras von
Lurmore wird den Eid leisten und seinen
Platz im Parlament einnehmen können,
gleichviel ob wir Emanzipation erhalten
oder nicht. Darf ich fragen, ob Sie die
Bill unterstützen?
John bejahte die Frage, und sprach da
bei seine Ansicht aus, die leider eine
lehr vereinzelt dastehende war daß voll
kommene Gewissens- und Glaubensfreiheit
herrschen müsse, daß alle Menschen von
ladellosem Lebenswandel den gleichen
Sckutz im Staate beanspruchen könnten,
und zum Dienste in demselben berechtigt
l seien, wie auch ihr religiöses Bekenntniß
lauten möge.
Herr Halisar, ich stimme Ihnen ganz
bei, ein tluger Mann erachtet jeden Glau
ben für gleich weitblos.
Ent'chuldrgcn Sie, Mylord, das war
das Letzte, was ich sagen wollte. Ich
balle jedes Men chcn Glaube für jo gehei
ligt, daß ich Niemand dasßecht zuerkenne,
denselben anzulasten; darüter hat er nur
seinem Schöpser Rechenschaft abzulegen.
Ganz richtig. Welch- Leichtigkeit und
Klarheit der Ausdrucksweise Ihr Herr Ge
mahl besitzt, Frau Halifax. Er muß
in der That, ich habe gehört, er ist einer
der ersten, öffentlichen Redner.
Ursula lächelte, wie eine glückliche Frau
bei dem Lobe ihres Mannes lächelt, John
aber erwiderte schnell.
Ich mache durchaus leine Anipiüche,
habe keinen Ehrgeiz in dieser Hinsicht.
Hin und wieder versuche ich Thatsache,
die reine, volle Wahrheit, oder was ich
als solche ansehe, dem Volke vorzufahren,
und zwar m einer klaren, verständlichen
Form, das ist Alkes.
Darin liegt abcr qe>..d.- iebr viel, mein
lieber Herr, das Volt dal nickt mehr Ver
>l..ii , als der Kops m.u.es Sieckes (ein
Geschenb jeinr Königlichen Hoheit, Frau

xml | txt