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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, July 03, 1874, Image 1

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Dcr Deutsche Correswnbent.
30. Jahrgang.
Ueberficht der wichtiastcn
Nisse.
Der Sommer hat jetzt in jeder Beziehung
eine Rechte geltend gemacht; die ersten Tage
der verstoßenen Woche brachten eine furcht-
Iwre Hitze, und wer die Stadl verlassen konnte,
ging. Halb Washington isi anSaesiogc.
Kaum hatte sich der Congreß verlagt, so mächte
der Präsident eine Reise nach West Virginien
uni eine alte Tante zu besuchen. An den ver
jchiedenen Bahnhöfen, welche er passirtc, ver
sammelten sich die Virginia'cr in hellen Hän
fen; sogar der berüchtigte McCausland firß
es sich nicht nehmen, eine Rede an den Besie
ge der Conföderation zu halte, und man ist
jetzt geneigt, dieser kleinen, privaten Spritz
tour einige politische Bedeutungen beizu
legen.
Ter dritte?crmü
wird eben von den politischen Windmachern
bereits allentbalde in den Vordergrund ge
drängt. Es ist deshalb erfreulich, daß Män
ner von polttischer "Bedeutung, wie Gonv.
.Kemper vn Virginien, bereits rechtzeitig in
dieser Frage Stellung nehmen. Gouverneur
Kemper hat ein Schrc.ben veröffeiittichl, in
welchem er sagt, daß cr prinzipiell gegen den
dritte Termin ist: cr ist aber dafür, wen
aus diese Weise allein die Gesellschaft des
Südens gerettet werden kann. Da ist nun
Ziemlich zweideutig, man weiß aber wenig.
ttcnS, wie man mu dem guten Manne daran
-st. Wir meinen, dtt Rettung der Gesellschaft
-n den Ver. Staaten sei noch keine dringende
Nothwendigkeit.
Der dritte Termin scheint anch mit der Ab
lehnung des Hrn. E. Hale in Verbindung zu
fteaeii. DieserglücklickciuugeMensch, Schmie
gersohn des reichen Brozzcn Senator Chand
er, rechte Hand des Sprechers Blainc und
Günstling des Ptässidenlcn Graut, balle An
sangs das Amt des GeneralvostMssters an
genommen, plötzlich aber lehnt cr es ab,
wahrscheinlich aus Freundschaft für Hrn.
Washington wurden dieser Tage die
<Knl<i,ri>r„ngs Beschlüsse
de? Congresses durchgeführt, indem man Hun
derte von Angestellte der verichicdcncn De
partements entließ. Diese offiziellen Hiiirich
ningen führte die peinlichsten Scenen her
bei; ein Kanzlist wurde wahnsinnig, sechs
Frauenzimmer fielen in Ohnmacht und man
befürchtet noch verschiedene Selbstmorde. So
nnangenehm solche Vorgänge berühren, so
muß man sie doch entschieden billigen, denn
nnzweiselhaft waren die verschiedenen Depar
tements durch Anstellung von Drahtziehern-c.
überfüllt und zahlreiche Peri'ontn bezogen Ge
halte, ohne daß sie für dieselben zu arbeilen
brauchten. Freilich ist es noch sehr die Frage,
ob der Blitz die Rechten getroffen hat. ob
man nicht vielmehr die einslußreiiben Müßig
gänger behielt und die fleißigen Leute entließ.
Nur in Fall, daß der Rechte entlassen wurde
st uns bisher zu Ohren gekommen. Bisher
bezog nämlich der Kutscher des Gen. "Babeock
das Gehalt eines schatzantts-Clcrks; dieser
Funktionär ist jetzt ans den Zahluiigslistcn
gestrichen worden. Bravo!
Die kleine Politik
regt sich gegenwärtig allenthalben. In ver
ichicdeiie Staaten finden Nominations Ver
saininlungeu und Slams Conventionen statt.
Bemerkenswerlh ist es, daß die prominentesten
Vertreter des Staates Massackuilctiöeiiie Wie
sernominauon abgelehnt haben; man glaubt,
daß dadurch der Staat vollständig unter Con
lrolc der Bntler'schen Clique komme wird.
In deutschen .Kreisen hat das
Ssspgkrseft in Elevelnnv, Lhio.
einige ".ussinerksamkcit erregt, welches in der
verflossenen Wocde stattfand. Dasselbe hat,
was Clcveland anbelangt, alle Erwartungen
übertroffen, aber im Nebligen das Rcsuilat
ller sangerfeste gehabt: ein Defizit von
020.000 Nils Mißvergnügen der Sänger.
Dieser eye Fchlschlag hat wieder gezeigt, daß
solche idealen deutschen Jnstltulioncn ailf dem
Vrakli'jchen Boden der Ver. Staaten keine
Wurzel schlagen. Nachdem die westlichen
Sänger sich im Jahre 1877 noch cinmak in
LouisviUe bla—musiri haben, werden sie den
säiigerfestdujel gerne ausgeben, wie daS die
östlichen schon seit einigen Jahren getban
haben.
Ueber die Ziele und Zwecke der
Universal-AUia;
welche augenblicklich wegen des bevorstehenden
Brüsseler Cougrcsscs die allgemeine AuinUrk
samkeit ans sich lenkt, dürste folgende Mit-
Heilungen nicht unerwunickt kommen. Die
Griiildsätzc der Universal Allianz bestehen nach
dem Programme derselben in der Wahrung
der ans dein Boden des Gesetzes stehenden In
teressen der Familie, der Arbeit, des Eigen
thums und in der Förderung des regelmäßi
geil Fortschrittes der Civilisation; und es ist
sstnit ihr Zweck, allen gewaltsamen sozialen
Störungen durch die moralische und naturge
mäße Lösung sozialer Fragen vorzubeugen,
sie umfaßt eine Menge von Zweigvcreinen
an Europa, deren jeder eine Anzahl boher
kirchlicher Würdenträger, Prinzen königlicher
Familien, hoher StaatswürdenEaqer, zahl
reiche Mitglieder der Aristokre.fte und Gelchr
""d der vcrschiedd'uen philaniropisckicii
Geiellschafien, soww hervorragender Mitqlie
der der Handelten ,n sich schließt. Gestützt
aus die wJ'klhälige und moralische Unter
stNtzui'.g aster Klassen der hohen europäischen
begann die Universal Allianz ihre
T hätigkeit und richtete zunächst dieselbe größ
tcntheils auf die Berathung und Vorbereitung
der Mittel zu einer beabsichtigten divlomali
'chen Zusammenkunft, deren Zweck darin be
stehen sollte, über die Behandlung der Kriegs
gefangenen bindende internationale Regeln
festzustellen. Zu diesem Zwecke arbeitete das
Exekutiv Comite, unter Zuhülfenahme aller
Militärischen Reglements der verschiedenen
europäischen Armee', ein umfassendes, auf
die Behandlung der Kriegsgefangenen sich be
ziehendes Reglement aus, welches bei der ge
nannten diplomatischen Zusammenkunft als
Grundlage dienen sollte. In Folge der Ue
bersciidung des Schriftstückes richtete Fürst
Gortschatofs an den Fürsten Orloff, kaiserlich
russischen Gesandten in Paris, ein Schreiben,
datirt von St. Petersburg I6;i8 April dieses
Jahres, welches den Zweck Halle, den Grafen
de Houdctor, Präsidenten des Comite's der
..Universal Allianz zur Verbesserung des Loo
es der Kriegsgefangenen," zu unterrichten,
dag der Kaiser von Rußland das Projekt der
..Universal Allianz" mit um so lebhafterer
Befriedigung aufnehme, als dasselbe ganz den
Gcsühlcn der Menschlichkeit, von welchen Sc.
Majestät stets b.seelt war, entspreche. Zu
derselben Zeit, als dieses Projekt dem Czarcn
durch den Grasen de Houdelot mitgetheilt
wurde, hatte das kaiserliche Cabinet bereits
rm ähnliches in demselben Geiste verfaßtes,
aber ans einem allgemeineren Plane basirtes
Projekt, die gcsamnucn Verhältnisse in Kriegs-
Zeiten umfassend, in Angriff genommen.
In Folge einer Unterredung, welche zwischen
dem Fürsten Gorljchakoff und dein Grafen de
Houdetol in Stuttgart am 7. Mai d. I.
stattfand, wurde festgesetzt, daß die beiden
Projekte gleichzeitig einer Versammlung von
Spezial-Bevollmächtigten zur Prüfung vor
gelegt würden, um die Basis eines Reglements
zn bilden, welches aus gcmcinsame Vcrständi
guug aller civilisirten Staaten hm, durch gc
naue Feststellung der Rechte und Pflichten der
Regierungen und Armee' in Kriegszeiten
dazu dienen würde, so viel als möglich die
Schrecknisse internationaler Conflikte zu ver
mindern.—"Als geeignetster Ort wurde Brüssel
gewählt.
Aus Deutschland wird über die Con
serenz der Bischöse in Fulda berichtet, daß
man beabsichtige, der Reichsregiernng Ver
gleichsvorschläge zu machen. Wir glauben
wohl, daß man ans beiden Seiten des langen
Haders müde ist.
In Frankreich ist die Republik vorläu
fig wieder aus eine Zeit lang befestigt; die
Bonapartisten arbeiten jedoch, wie die Bieber,
und die Resultate ihrer Agitation werden sich
bei den nächsten Wahlen zeigen.
Das Dreißiger-Comite der National Ver
sammlung hat die Versasiungs-Bill von Casi
mir Perier verworfen; von diesem Hm mite
hat demnach die Republik "Nichts zn hoffen.—
Frankreich hat endlich nach langem Schwan
keii und Zögern den Postvcrlrag mit den Per.
Staaten bestätigt.
In Spanien war die letzte Woche wie
der einmal eine außerordentlich creigiiißrciche.
Nachdem es dem Marschall Concha gelungen
war, Bilbao zn entsetze, waren die Karlisten
in Navarra ziemlich in die Enge getrieben.
Ihr Hauptstützpunkl war die kleine Stadt
Estella an der Ega und dieser wurde von dem
siegreichen Eoncha bedroht. Am letzten Sams
tag fiel der greise Marschall und diese Nach
richt rief unter den Karlisten große Freude,
unter den Alfonsisten aber ebenso große Be
stürzung hervor. Der Bruder des gefallenen
Heerführers, welcher zur Zeit General Capi
tal, von Euba ist, ließ soso nach Empfang
der Todesnachricht die Krone von dem Ban
ner, welches über dem Palaste des General-
Capitäns weht, entfernen, um dadurch anzu
deuten, daß das Königthum in Spanien
Nichts ferner mehr zn hoffen habe.
Engkandist zur Zeit mit der Regulirnng
des öffentlichen Gottesdienstes, also Kirchen
gesetzgebnng, in bester Form beschäftigt.
Die Arbeiter-Ausstäilde find in den drei
Königreichen seit einigen Jahren förmlich in
Permanen; erklärt. Seit lahren hat Eng
land keine Pause in diesem Ausstands-Unwe
jtn erlebt, und das Elend unter den Arbci
lern, weiche' nur mit Mühe noch von den
Unionen, deren Kassen erschöpft sind, erhalten
werden tonnen, wird immer jammervoller.
Auch vie Bergleute von Nord Wales, welche
seit drei Monaten wegen einer Löhnherab
j setzung von I2z Prozent ausstehen, fanden
g sich in steigende' Roth und schickten eine Dc
c putativ a den Ex Munster Gladstonec um
.l dessen Rath und Fürsprache ;n erlange.
, ! Die Rathschläge und Wakitiliigen, welche die
. i ser liberale Hfitälsmann den Arbeitern er
e tlieittc, ftir deren Interessen er sich stcls leb
> ! hast iiitrressirtc und thätig war. sind vün all
gemeinem Interesse. Sc fti'oette die Arbeiter
- nicht ihre AstLs.andcs halber, sondern weil
sie jeden Vergleich ablehnten, blos weil vier
i Arbeiter, die nicht zu ihrer Union aebMfi
- in den Minen beschäftigt wurden, deren Ent
t lassung sie verlanglen. Gladstone sprach, wie
' ! svlgk! „Ahr habt ein unantastbares Recht,
> tckc Arbeit einzustellen, wenn Ihr der Ansicht
! seid, daß sie nicht genügend bezahlt wird. Aver
! diese vier Leute halten ein ebenso vnzweisel
' ! Haftes Recht als Ihr, mit den angebotenen
Lohnsätzen zufrieden zn sein. Wenn es ,e in
! England so weit kommen sollte, daß die
> Mehrzahl der Minderheit die Freiheit ihrer
' j Meinung wehren zu können glaub, bann
! würde es am allcrgerabenstrst sein, diesem
> i Lande so bald als Möglich dcn Rücken zu keh
> ! reu. Diese vier Männer haben, wie ich höre,
' nichts Schlimmeres gethan, als daß sie für
' Lohnsätze arbeiten, die Euch zu gering Ichei
> eil. Weil sie dies thun, verlangt Ihr gebie
lerisch ihre Entlassung, widngcnfaüSJHr nicht
zur "Arbeit zurückkehren wollt. Welches "Recht
habt Ihr zn solcher Forderung? Aus Eurer
Uebcrzahl könnt Ihr es nimmermehr ableiten,
dem, d,c Freiheit, welche das rngliiche Voik
für sich erobert und seit vielen Menschenge
schlechtern fcstgebatten haft gehört dem Einzel
nen so gut, wie der Masse. Einem Jeden
>nnß es freigestellt bleiben, den Werth seiner
Arbeit zn bemessen und den Lohn anzuneh
men, dcn er für den entsprechenden hilft. Mich
persönlich bcriihrt diese Angelegenheit zwar
nicht. 'Aber da die bezügliche Bcrgwerksge
selischaft mich um meine Ansicht gebeten hat,
erklär ich hier offen, daß sie gemein und ehr
los gehandelt haben würde, wenn sie die vier
Männer entlassen hätte, und spreche überdies
den Glauben aus, daß sie durch einen solchen
Schritt anch Eure Achtung verwirkt hätte.
ErnNigt doch gefälligst Eure Lage. Ihr seit
vortrefflich organisirt, und wenn Euer Tage
werk auch ein schweres ist. sx wird es doch
vortrefflich bezahlt, besser als die meisten an
dern, besser als es Euch selbst vor wenigen
-Mdr!! möglich geschienen. Hütet Euch, die
Moralische Kraft Eurer Lage durch nnberech
tlgtc Ucbergrisse in die Rechte Anderer zu zer
störe. Vor Allem werdet Euch klar über Eure
Pflichten. Wohl hat der Reiche über fein
Vcrvstichtungen gegen die Armcm wchi haben
die "Arbeitgeber übn- ibre Beziehungen ;v den
"Arbeitern noch gm Vieles zu lernen, aber
ganz dasselbe gilt anch von Letzteren gegenüber
den Meister und ihren eigenen Genossen.
Jeder Versuch, gleichen Lohnsatz für ich!eckte
und gute "Arbeiter zu erzwingen, oder einem
Jeden das Maß seiner "Arbeit vorzuschreiben,
oder Frauen Nnd nicht ganz ansgewachsenc
! Kinder von der Arbeit zn verdränaem ist ein
Fehlgriff gewesen und c> bgianbc, der sich
! bitter rächen würde." Schließlich erinnerte
Gladstonc seine Zuhörer daran, daß sie durch
unbillige Fordernugcn Denen Waffen in die
Hände geben würden, die einer Ausvchiiung
! des Wahlrechtes in den Grasschofien entgegen
sind, und entließ sie mit der' Bitte, sich das
! Gesagte zu Herren ,n nehmen.
> TS.S neue Preßgesetz i, Deutsch
land.
s Mittwoch trat in Teutschland das ncuePress
gesetz in Kraft, welches verschiedene wichtige
! und ftir die deutsche Publizistik wahrscheinlich
revofittionäre Aenderungen macht, besonders, >
die im preußischen Staate lästige Stempel
steuer aufhebt.
Wer jedoch annehmen wollte, daß diese
Aenderungen sofort eintreten werden, daß es !
nur dieses Gesetzes bedurfte, daß nur der Weg-
fall einer drückenden Steuer öihig war, uiii i
die deutsche Presse zu einer der Journalistik !
auoerer Rationen ebenbürtigen Institution zu >
erheben, der würde sich sehr täuschen. Einae- l
wurzelt Anschauungen nnd alte Gewohnhei- !
ien Werden niemals mit einem Schlage geän- :
: den. Tic dcntichen Zeitungen werden um -
> eine Kleinigkeit billiger werden, ob sie aber -
ioft-rk anders und besser werden, möchten wir
sehr bezweifeln. Wir sind weit davon ent- i
sernt, den Journalisten resp, den Hcrausge- >
bcrn allein die Schuld beizumesse, daß die l
Tagespresie in Deutschland mit sehr wenigen, '
an den Flngcrn einer Hand herzuzählenden !
Ausnahmen, eine so untergeordnete Stellung i
im Leben einnimmt; da Publikum trägt
ebenso sehr Schuld. Dem Engländer und l
"Amerikaner ist die Zeitung das tägliche Brot, :
den Deutschen ist sie ein Luxus, den cr größ l
teiilhcils nicht zu Hause, sondern in der Bier- ,
Halle, oder im Kaffeehause sucht. In Deutsch- :
land gibt es sehr reiche Leute, welche keine
tägliche Zeitung im Hause halten, in Eng >
land und "Amerika findet man nur wenig Ar
me, resp. Unbemittelte, die nicht trotzdem re
gclmäßig ihr tägliches Blatt beziehen. Die
ser eine Unterschied erklärt "Alles. Mehr als
4 EtS. (dcn Preis von „Tribune" „Herald"
und „?!.-?). Staalsztg.") kostet auch in >
Deutschland das thcncrsteßlatt nickt und trotz-
dem erscheint in ganz Deutschland kein Blatt, <
welches an dem Orte seiner Publikation eine :
Verbreitung genießt, wie irgend eins der ge- >
nannten drei Blätter in New-York. Tie !
Ursache dieser Erscheinung ist: amerikanische >
Blätter befriedigen ein materielles Bedürfniß, '
deutsche Journale entsprechen mir- einer ge
wissen geistigen Idee. SoUaiigc deshalb die
deutsche Presse keinen Regenerator siiioet, so
lange ihr kein Bcnnett oder Grecley entlieht, '
welcher es vermag, ein Blatt zu schassen, das !
mehr als ein politisches Journal, oder ein
Prcis-Courant ist, ein Blatt, das wie ein >
treuer Spiegel die Geschichte des vorhergehen- >
den Tages rcflekiirt, werden alle Preßgcsetze l
Nichts nützen. Das neue deutsche Prcßgesetz '
kann deshalb nur mittelbar gute Folgen hm >
den. Jetzt, nachdem die Stempelsteuer auf- :
gehoben,'der Bertrieb einer Zeitung also er
leichtert ist, zetzt kann der Regenerator und
Umgestalter des deutschen Zeitungswesens, :
wenn ein solcher für Deutschland überhaupt !
schon geboren ist was wir nemlick noch sehr !
bezweifeln - - sein Resormwerk beginneii; bis
her wäre es kaum möglich gewesen. Diese
Reform wird sich aber erst dann erfolgreich >
durchführen lassen, wenn die in dem neuen "
Gesetze verschärfte Bejchlagiiahmebestimmung >
ebenfalls gefallen ist; so wie die Sache jetzt l
steht, hat man dcn Hemmschuh hinten abge- >
nomine und vorne angelegt. Die Presse in >
Deutschland ist seit 25 Jahren freier gewor- >
den, aber „Tic, welche drucken lassen," sind !
mehr beschränkt, als je.
1 Marschall Concha.
-s er spanische Marschall Mannet de la Co
cha hat vorgestern seine lange wechselreiche und
mit wenig Ausnahmen ruhmvolle Carriere
vor Eslella auf würdige Weise zum "Abschluß
gebracht, indem er an der Spitze seiner Ar
mee bei Erstürmung eines Vorwerkes fiel.
Wer so lange Soldat gewesen, wie Concha,
der muß es gewissermaßen für eine Gunst des
Schicksals ansehen, einen solchen Tod zu sin
den, speziell in Spanien, wo andere tapfcrx
Männer schon ganz anders geendet haben, als
ans dem Felde der Ehre. Gen. Concha hat
deshalb ein ehrenvolleres Ende genommen,
als er noch vor zehn oder zwölf Jahren erwar
ten konnte. Die letzten Monate haben seinen
Namen in ganz Spanien mit Ruhm bedeckt,
er ist bisher der Einzige gewesen, welcher wäh
rend der letzten Jahre einige namhafte Er
folge gegen die Karlisten errungen hat und
gerade, als er seinen Feldzug mit Erfolg krö
nen wollte, übenaschte ihn der Tod.
Eoncha wurde 1794 in Madrid geboren
und trat frühzeitig in den Militärdienst; er
nahm an den Kriegen gegen Frankreich nuter
Napoleon und gegen die aufständischen Co
lonie'n von Süd-Amerika theil. Sein cr'lcr
großer Ersolg als Heerführer war jedoch die
Cinnahme von Oporlo, im Jahre 1847, wel
che That ihm den Titel Marquis dcl Dnero
einbrachte. Später wurde er wegen seiner
Betheiligung an einer jener zahlreichen spani
schen Palastrevolutionen des Landes verwie
sen, dann wieder zurückgerufen und zuin Gc
iieral- Inspektor der Cavallerie ernannt; die
Militärrevolulion in Barcelona ivurdc durch
ihn unterdrückt. Im Jahre 1864 schloß er
sich den Liberalen an und wurde abermals
ausgewiesen, 1868 kehrte er zurück und nahm
au dem Sturze Jjabclla's lebhaften Antheil,
doch erst kürzlich gelang es ihm. in den Vor
dergrund zu treten. Sein Plan ging dahin,
die Karlisten durch eine lebendige Mauer von
130,000 Mann einzuschließen und sie dann zu
vernichten. Hoffentlich findet Serrano rech
bald einen General, welcher der Mann ist, die
sen Plan auszuführen.
Der Mnnn im Monde.
Es klingt paradox, ist aber dessen ungeach
tet wahr, daß der Manu im Monde, trotzdem
er unsere Erde nie betreten und viel tausend
Meilen von derselben entfernt ist, den Ruhm
genießt, die bekannteste Figur auf der ganzen
Erde zu sein. Seit undenklichen Zeilen
wurde er von allen Erdtheilcnans beobachtet
auf den eisigen Fjorden Norwegen' und
Finnland's, ans den SteppenSibiricn's und
den Sandwüsten Asrila's, in denPrairien des
nordaincrikanischen Westen und den Pam
pas Patagonieii's, unter den Palmen Indi
en', in den Bananeithainen Westindicn's,
in den Fichtenwäldern Orcgon's und unter
den Acpselbäumcn des lieben deutschen Vater
landes ist der mythische Manil im Monde
j gleich sehr bekannt und die Literatur aller
Culturvökkcr hat sich sehr steißig mit ihm be
schäftigt, siehe Clauren, Börne, Hauff, Wil
kie Collins, Hugo, Dante, Puschkin, Sal
le!, Tegner, Rückert, Lulhcr, Claudius,
:e. -c.
Allerdings ist es schon geraume Zeit her,
daß die Astronomie den Mann im Monde in
das Reich der Fabel verwiesen hat, aber was
wissen denn die Astronomen? Gar nichts
wissen sie.
Die Herren löjinc „ich! einmal,agen, wo
raus ?ie Sömiensleckcii bestehen; über die
Grundstoffe, welche den Kopf eines Cometen
bilden,sind sie gleichfalls noch nichteiuig; über
die Natur eines Cometenjchwanzes und von
den "Ringen des Saturn habe sie keine Idee.
Sie mögen tausendmal dcmonslriren, der
Maüil im Monde sei eigentlich ein großes
Gebirge, sie mögen die einzelnen Berge mcs
sen und benennen wir lassen ihnen da?
kindliche Vergnügen, wir behalten unseren
Mann im Monde, bon dem alte Frauen so
schaufilich schöne Geschichten zn erzählen
wissen.
Aber wo ist derselbe plötzlich hingekommen?
Aufmerksame Beobachter werden ibn seit ge
raumer Zeit vcraebii ch suchen! da, wo cr bis
her stand, erblickt mäu einen hellen Raum,
aber von den bekannten Contourcu i>l keine
Sstür mehr zu scheu. Dagegen bemerkt man
im Monde verschiedene helle excentrische Rin
ge. resp. Ellipsen, welche man früher nicht
iah.
Neck vor acht Tagen brachte der „N. Z.
Herald" eine llntcrrednng seines Reporters
mit dem Mann im Monde über den zu
wartenden Cometen, als wir in der nächsten
Nacht nach der familiären Figur sahen, war
dieselbe verschwunden; der gute Mann hat
sich wahrscheinlich des Unsinns geschämt, wel
chen ihn der Mann im „Herald" angedichtet,
kurzum, er ist nicht mehr.
Ein wissenschaftlich gebildeter Herr meint,
das Mondgebirg sei nifolgeeincr vulkanischen
Thätigkeit gesunken; dann ließen sich freilich
auch die gelben Ringe erklären, die sind dem
alten Trabanten ohne Zweifel angelegt wor
den, damit er nicht in Stücke fällt. Im
merhin sind die Vorgänge auf dem Monde
neuerdings bemerkenswcrth und wir wundeui
uns, daß dieAstronomcn noch keine Theoriefil
darüber aufgestellt haben; dieselben scheinen
aber jetzt zu sehr mit dem neuen Cometen
und dem Durchgänge der Venus beschäftigt
zu seiii f unterdessen hat sich unser alter Be
kannter, der vielbesprochene Mann im Monde,
ganz unbemerkt seitwärts in die Büsche ge
schlagen-.
Dachauer Banken in New Uork.
Nicht nur in Bayern giebt es von Habgier
bis zur Dummheit Menschen und
Spitzcder, die pi'H dieser Dummheit Nutzen
üchcn, Auch in New ?jort giebt es deren.
Da bilden drei oder mer, ,',Siitärticier" ohne
Fonds eine Firma, miethen ein Lckal, das sie
prachtvoll mit feinen Pulten, Ladentischen u.
Geldschränken ausstatten; in großen goldenen
Leitern ließt man ans den prächtigen Spiegel
scheiden: „Schusterte, Nimmwasdukriegcn
kannst se Co., Bank. Jiikasio i'üd Wechsel
gcschäst." In eingeglaste Ställen sitzen die
Clerks sind heucheln eineemsige Geschäftigkeil;
die Prinzipale haben ihre Privat - Office und
sind nur für 'Auserwählte zn sprechen. Um
Kunden anzulocken, macht man die halsbre
cherischsten fiiianziellenKunststücke. Kommt ein
Mann und will einen Wechsel aus einen Platz
in Deutschland kaufen, so giebt man ihm für
sein Geld einen Preis, den er in keinem soli
den Geschäfte bekommen kann. Die Firma
hat Verlust dabei, aber was thut das? Der
mit einem so hohen Prämium Beglückte ist
eine lebendige EmpfehlnngSkarte für die Fir
ma; überall erzählt er herum, wie gut man
bei Schusterte, Nimmwasdukriegenkannst S-
Co. bedient wird. Einer nach dem Anderen
geht hin, kauft Wechsel oder deponirt Geld,
für das ihm hohe Interessen versprochen wer
den. Das Geschäft geht wie geschmiert, so
lange Depositoren kommen, mit deren Deposi
ten die Defizits früherer Transaktionen zu
gestopft werden können. DieHcrren der Firma
leben unterdeß in Saus und Braus. Man
wohnt in den fashionabelstcn Stadtthcilen in.
kostbar möblirten und ausgestatteten Hänsern.
Alan ist Habitue in der Oper, die Gattin hält
sich vier Kammerzofen und kann vor "Noblesse
nicht niesen. Das ist sehr schön, so lange es
dauert. Aber es dauert nie sehr lauge. Die
Geschichte bekommt ans die eine oder andere
Weise ein Loch, das sich nicht mehr zustopfen
läßt, und ist erst et n solcher unheilbarer Riß
da, dann folgen die anderen der Natur der
Sache nach mit rapider Schnelligkeit. Eines
schönen Tages finden die Depositoren das fa
mose Geschästskokal geschlossen und einen Zet
tcl an der Thüre mit dn lakonischeiiJnschrift;
„Zahlungsunfähig in Folge von Verlusten in
Weslindieii."
So wird in "New ?)ork gcspitzcdert und gc
dachaucrt! (Journ.)
Die Wasserscheu in New-Uort und
Umgehend.
Die Hundefrage ist in New-?)ork und den
Nnchbarslädteu seil geraumer Zeil agitirt und
ventilirt worden. "Nachdem "der Stadtrat!,
von Ncw-?jorl eine außerordentlich strenge
Huildcverorbnuiig erlassen, begann die Jagd
auf diese, aus dem Buch des Lebens gestriche
neu Vierfüßler, täglich wurden hunderte ein
gesungen und ertränkt oder erstickt und zwar
nur, um die schreckliche Krankheit Wasser
scheu zu verhindern.
Merkwürdigerweise ist aber diese Krankheit
in den letzteren Tagen weit häufiger vorgc
kommen, als zu Zeiten, in denen die Hunde
während des sommers unbeschränkte Freiheit
genossen; c liegen jetzt drei kurz hintereinan
der vorgekommenen Fälle von Wasserscheu,
welche tödtlichen Verlaus hatten, vor, ohne
daß bis jetzt constatirt werden konnte, daß
auch nur eines der Opser von eine n tollen
Hunde gebissen worden ist, von einem sagt
man sogar, daß es überhaupt mckil gebissen
wurde.
Den Tod des Hnudclicbliabers MeEormick
haben wir bereits kurz berichtet. McCormick
war von einem Hunde leicht in die Hand ge
bissen worden. "Anfangs beachtete er die
kleine Wunde nicht; bei der immerwährenden
Besprechung der Wasserscheu in den großen
Journalen begann er schließlich besorgt zu
werden. Täglich wuchs seine Angst und seine
Gesichtszüge zeigten dieselbe ganz unvcrkenii
bar. sein Bruder bemerkte dies und ricth,
einen Arzt herbeizuholen, woraus der Patient
laut lachte und die Wnude für eine Bagatelle
erklärte. Schließlich wnrdc gleichwohl der
Hausarzt der Familie, Dr. Hadden, herbei
gerufen und das Erste, was dieser an ietnem
Patienten bemerkte, war der unsäglich äugst,
liche Gesichtsansdruck desselben. Trotzdem
in dem Zimmer ein sehr Helles Gaslicht
brannte, waren die Pupillen des Kranken so
sehr erweitert, daß man die Iris nur als
schwachenßand erkennen tonnte. Die Diagnose
ans Wasserscheu wurde von dem behandelnden
Arzte natürlich sofort gestellt und die Tokio
rcn Hammond, Hamilton und Lcavitt wur
den zur Behandlung beigezogcn. Es ent
wickelte sich bei dem Kranken rascki ein äußerst
quälender Speichelfluß, dessen Hauptqnclle
man in der Unterkiefer-Speicheldrüse gefun
den haben will. Der Puls, welcher Anfangs
72 Schläge in der Minute zählte, stieg niiier
dem Einfluß der heftigen Gemülhserrcgung
rasch auf 120 und kurz vor dein Tode ans 160
Schläge. Die meditameittärc Behandlung
bestand in der einmaligen subkutanen Ein
spritznlig von Ij6 Gran "Atropin, einer fünf
mal so grogcn Dosis, als sie gewöhnlich gege
ben zu werden pflegt. Der Speichelfluß ließ
hierauf nach und machte allmälig einer quä
lenden Trockenheit im Munde und Halse des
Patienten Platz. McCormickklagte: „Ich bin
so trocken, gebt mir einen Schluck Wasser, mir
ist, als hätte ich Ziegelinehl imMnndc." Die
Pupillen blieben nach wie vor erweitert, ob
wohl fünf Gran Morphin subkutan iiijlztrt
worden waren. Das Morphin wurde jedoch
entweder nicht mehr rejorbirt oder kam aus
unbekannten Ursachen nicht mehr zur Wirkung.
Nunmehrtraten heftigeKrämpfeein, durch wel
che der Alhmnngsprozeg, der in der kamps
sreien Zeit ganz normal war, zeitweilig un
terbrochen wurde, wodurch der Kranke mehr
mals in die Gefahr des Erstickens gcrielh; die
Körper-Temperatur wurde sorgfältig beobach
tet; ihre größte Höhe war 116 Gr., sie sank
allmälig aus 109 Gr., 108 Gr., 105 Gr., und
unmittelbar vor dem Tode, der nnter den hef
tigsten Convulsioueu Donnerstag Abend ge
gen 5 Uhr eintrat, auf 104 Gr.
Aus dem Krankheitsverlanse geht hervor,
daß das eingespritzte Morphin mcht mehr zur
Wirkung kam, denn eine Vcrlangsamnng des
Pulses und ein rasches Sinken der Körper-
Temperatur hätte sonst beobachtet werben
müssen. Es ist z bedauern, daß keine Spek
rral-Analyse des Blutes vorgenommen wur
de, um die Frage zu entscheiden, ob das Mor
phin resorbirt worden ist oder nicht.
Es ist im Volke die "Ansicht verbreitet, daß
wuth-krankc Menschen schließlich wie die
Hunde bellen. Dieser Irrthum verdankt, au
ßer der erregten Phantasie, seine Entstehung
dem Umstände, daß die Kranken bei der Un
möglichkeit, den reichlich abgesonderten Spei
chcl zu schlucken, denselben mit weit vorgeitreck
tem Kopse unter einem eigenthümlich heiseren
Kehl Tone aus dem Munde zu schlendern su
chen. Das Gleiche wurde bei Hrn. MeEor
mick beobachtet.
Im Verlaufe einer sich nun entspinnenden
Discnssion über das Wesen der Krankheit und
ihrer Heil Mittel, waren sie anwesenden
Aerzte wie gewöhnlich sehr verschiedener Mei
nung ; darin alier waren sie alle einig, daß die
Baltimore. Md.. Freitag, den A- Juli 1874.
viel gerühmte Behandlung Wuth Kranker
durch russiscke Dampf-Bäder, welche von fran
zösischen Aerzten aus's Lebhafteste empfohlen
wird, absolut keinen Werth hat und die Leiden
des Kranken nitnöthlg verlängert. Dr. Ha
milton erzählte, dß er mit den hervorragen
sten Aerzten der Pariser Fakultät über die
Wasser-Scheu gesprochen und da ein-' der
selben entdeckt habe, daß bei m Beginne der
Krankheii, sowohl bei'm Menschen, als bei'm
Hunde sich eine kleine Pustel unter der Zunge
bilde, durch deren Zerstörung cr die Krankheit
zu innren hoffe. Allein hieran ist weder e<-
was Neues, nach etwas Wahles; denn diese
Geschichte ist unter dem Namen der ranuM-
Geschwulst längst in der deutschen und engli
schen Fach.Lilerattir bekannt und gehört, wie
so manche andere Entdeckung, in das Reich
der Fabel.
Nach Schluß der lebhaften Debatte wurde
zur Sektion geschritten, zu deren Vornahme
sich eben Dr. Croß, Assistent des Dr. Ham
mond, anschickte, als der Leichenbeschauer Dr.
Keßler und Dr. Leo erschienen und dieselbe
sofort auszufühlen begannen. Bei biescl
Sektion sind die "Aerzte zu der Ansicht ge
langt, daß die Hundswnth nicht eine Blut
vergiftung, sondern eine Krankheit des "Ner
vcnsystems ist und daß auch der B'ß eines
nicht tollen Kunde diese Krankheit hervor
bringen kann, denn der Hund, an dessen Bisse
McCormick starb, ist nicht toll und lebt heute
noch. Derselbe gehört einem Milchhändler
und hat zu gleicher Zeit mehrere andere Per
joncn gellisscir, die darnach nicht krank gewor
den sind. Einige Aerzte sind stets der Ansicht
gewesen, daß die Krankheit überhaupt nur ans
Furcht nach dem Bisse eines HtiiideS entstehe;
doch dies ist auch nicht immer der Fall, wie
man bei kleinen Kindern zur Genüge wahr
nehmen kann. Bei Kindern von 2 bis 3 lah
reu ist es nicht wohl möglich, daß sie sich nach
dem Bisse eines kleinen Hundes, besonders
wenn die Wunde unbedeutend ist und schnell
heilt, fürchten sollten, die Wasserscheu zu be
kommen. Denftoch bemerkt man bei ihncn
in den ersten Stadien der Krankheit, daß sie
von Hunden träumen und fortwährend die
merkwürdigsten Geschichten von Hunden erfin
den und erzählen. Kürzlich starb in New
York ein dreijähriges Kind au der wahren
Hundswuth nd dennoch war ihm nie von
dieser Krankheit erzählt worden. Die Furcht
vor derselben lind das fortwährende Denken
und Sprechen von Hunden ist demnach nicht
die Urjache zur Krankheit, sondern ein Symp
tom derselben.
Der zweite Fall dieser Art, welcher größe
res Aussehen machte, war ber de Schriftsetzers
RodeM Enfwistlc, dessen Tod gestern in un
seren New-Norkcr Depeschen berichtet wurde.
Entwislle war am 17. Mai von einem "Neu
fundländerhnnde gebissen worden. Derselbe
zeigte keine Kvmptome der Wasserscheu. Je
ner Hund war während des "Abends von vie
len Personen in einer Wirthichast geneckt wor
den und hatte sich hinter den Schenktisch gc
flüchtet, wohin Entwistle ihm algte ünd ihn
mißverstand die Absicht und biß Entwistle in
zu beruhige versuchte. Der Hund indessen
die Wange. Die Wunde wurde von Dr. T.
C. Knox verbunden und heilte. Am Montag
Morgen kam Entwistle zu dem Doktor und
sagte ihm, daß er an der Wasserscheu leide.
Der Doktor suchte ihm die Idee auszureden,
gab ihm etwas Medizin und schickte ihn nach
Hanse. Nachmittags wurde er kränker und
war nicht im Stande, Branntwein zn trin
ken. Dr. Finncll wurde ebenfalls gerufen,
und dieser versuchte ihn etwas Wasser zu ge
den, döch Entwistle wurde sofort von Kräm
Pfen befallen. Ilm Dienstag Rachiniilag
wurde er nach dem Bclleviie Hospital geschickt,
wo Warden Breuna es für gerathen hielt,
ihn in seine Zelle zu bringe.
Die Hospitalärzte Dr. John I. Erane, Dr.
Lewis A. Sayre, Dr. A. L. Loomis, Dr.
Austin Flint, Dr. E. G. Jancway und Dr.
L. M. Markoe untersuchten den Kranken und
kamen zu der Ansicht, daß er nicht an der
Wasserscheu leide, sondern sich das nur ein
bilde, und daß die Furcht vor dieser Krank
heil ihn bis zum Wahnsinn getrieben und
zum Theil auch die Symptome der Hiinds
ivuth hervorgebracht habe. Sie wurden in
dieser Ansicht bestärkt, als der Kranke, aller
dings nach vielem Zureden und mit offen
barem Widerwillen, etwasWasser trank. Mau
glaubte, daß, wenn es gelingen sollte, die
Nerven zu beruhigen, die Genesung sicher sein
würde. Man spritzte ihm deshalb auch von
Zeit zu Zeit Morphin unter die Hanl und
veranlaßte ihn auch, etwas Medizin zu neh
inen. Gegen Abend wurde er unruhig und
gegen Mitternacht so rasend, daß man ihm
die Zwangsjacke anlegen mußte. Er glaubte
fortwährend, daß ein Mann im Fenstcr'ständc,
um ihn zu erschießen, und daß Hunde bestän
big aus seinem Bette herumsprängen. Er litt
offenbar entsetzlich bis kurz vor seinem Tode.
Die Aerzte des Hospitals zweifeln jetzt nicht
mehr daran, daß der Verstorbene an der Was
serscheu litt.
Entwistle war 45 Jahre alt und außeror
deutlich nervös. Nähere Erkundigungen er
gaben, daß seine Collcgen uiivcrsländig genug
waren, ihn beständig zu necken und zu fragen,
wann die Wasserscheu bei ihm zum "Ausbruch
kommen werde.
Ein dritter ähnlicher Fall wnrdc vorgestern
aus East-Orange, N.-J., berichtet. Dort starb
ein Mann, Mineiis "AmeS, augenscheinlich
an der Wasserscheu. Seine Familie konnte
sich nicht erinnern, daß er jemals von einem
Hunde gebissen worden sei.
Soviel über diese drei merkwürdigen Fälle.
Es will uns sast bcdünken, als ob die bcstän
dige "Agitation der Hundcsrage im Publikum
und in der Presse sehr viel mit diesen bctla
gcnswerthcn Resultaten zn thun hätte. In
diesem Falle wäre die Schlußsolgerung des
Dr. Hainmond vollkommen plausibel. Diese
sagt nämlich, gestützt ans die Ergebnisse der
SeklionMcCormick's: „In ihrer Entwickelung
ist die Wasserscheu eine "Art Gehirnkrankhcit
und dieses muß für immer den Versuche der
Charlatane ein Ende machen, welche vermci
neu, durch äußerliche örtliche Behandlung
der wunden Stelle den Kranken retten zu kön>
neu." Ww möchten hier aber hinzufüge,
daß die örtliche Behandlung durch Ansbren
neu der Wunde:c.nicht zu verachten ist; selbst
wenn dieselbe weiter keinen Zweck hat, so
dient sie znr Beruhigung des Patienten, wel
cher meint, daß er nun vor allen schlimmen
Folgen sicher sei, seine Einbildung wird nicht
serner beunruhigt, denn wie uns die drei an
geführten Fälle lehren, hatte dicEinbildungs
krcnt großen Antheil an den oben berichteten
schrecklichen Resultaten.
Obst-Grndtc.
Die Aussichten für die Pfirsich - Erndtc i
Maryland und Delaware sind zwar sehr ge
ring; aber der Markt wird nichtsdestoweniger
reichlich mit diesen Früchten versehen sein. Es
sind alle Anzeichen vorhanden, daß alle Obst
arten, von den Erdbeeren, die jetzt den Markt
füllen, bis zn den Quitten, welche zuletzt auf
den Markt kommen, im Ueberslnsse vorhanden
sein werden. Die Delaware Pfirsiche wird al
lerdings nicht mehr, als den zehnten Theil
einer -!-!irchschnittSerndte ausmachen. Tage
gen hat Rcw-Jersey die besten Aussichten, eine
reichlichere Erndte guter und gesunder Pfir
siche zu liefern.
ES muß constatirt werden, daß, wenn die
Ernste in Margland und Delaware beginnt,
die Pfirsiche in großen Quantitäten aus den
Markt kommen die
Hoffnung aus
Allein dies wird Es
werden vorzugsweise die frühen Pfirsicharlc
auf dem Markte erscheinen, weil diese vom
Frost verschont geblieben sind, während alle
spätern Sorten vernichtet wurden. Merk
würdigerweise sind es stets die frühesten Sor
ten, welche am spätesten blühen, und daher
kommt es, daß diese verschont wurden, wäh
rend die übrigen zu Grunde gingen.
Die Obslzüchter-Association von Delaware
schätzt die erste Erndte auf 600,000 Körbe,
was der Wahrheit ziemlich nahe kommen mag.
Die Brombecr-Erndte in Delaware uiid
Maryland ist vielversprechend. Innerhalb ei
ner Woche oder zehn Tagen werden die Bee
ren auf dem Markte crfcheiiicn. Tie wilde
"Brombeere von Maryland befindet sich schon
jetzt aus dem Markt.
Die Johannisbeeren stehen ausgezeichnet
Nicht minder günstig lauten die Berichte
über die Himbeeren Erndtc.
Birnen stehen nicht besonders günstig. Man
spricht von einer sehr geringen Erndte, und
Liebhaber dieses Obstes mögen sich auf theuere
Birnen gefaßt machen. Dagegen sind die
Acpsel überall gerathen. Pflaumen und Trau
ben werden im Ueberflusse auf den Markt
kommen; Alles in "Allem ist dies ein vorUia-
lichcs Obstjahr.
Die Washingtoner „M emoriali.
sten" haben beschlossen, die criminelle Per
solgugdesDistrllls-„Ninges" bis zum Herbste
zn verschieben, nachdem eine neue Anklage-
Behörde (Grand-Jury) ernannt und eiiige
schworen ist. Sobald die neuen Commissärc
ihre Funktionen antreten, werden die „Me
morialisten" von ihnen verlangen, daß alle
prominenten Beamten der oisherlgenDisiriktö
Regelung, Ches-Clerts -c. abgesetzt werden,
damit keine weiteren Fälschungen der Bncher
und Belege vorgenommen werden können.
Diese Unlerbcamten waren nämlich während
der Untersuchung außerordentlich fleißig und
rührig, Berichte und Belege zu liefern, um
die Sache des „Ringes" zu stützen und die
meisleis dicicr Schriftstücke sind jeitocm als
falsch erkannt worden.
Tages Neuigkeiten.
Dieser EngenHale versteht sich auf das
UeberrasckeN i erst.niinim cr da Generalpost
nieisteraml an, geilern läßt er sich von jeineiü
Vorgänger im Amte in die Cabiiietssitzuiig
einführen, wird von den anwesenden Mini
ster als e"sr College begrüßt, und Hann
lehnt cr das Amt ab - aus Gesundheitsrück
sichten. Jetzt wird das Congreßmilglied I.
P. Packer von Penns. mit dem erledigten
Amte in Verbindung gebracht.
Während gestern Nackist > ttc> g dft
„Assoc..Prcsse" berichtete, daß der Präsident
eine neue Ernennung für das Generalpost
amt gemacht habe, aber dcn Namen nicht
nennen werde, biZ cr erfahren, ob der Bettes
sende das Amt annehme oder nicht, ging in
Wafhinglön baü Gerücht, daß G.cniii W'
Schoficid von Pennsylvanien der Glückliche
sei.—Gen.-Postmeister Creswell versah gestern
das Amt nach wie vor.
Der Bericht des Senats-Comiic's über den
Coiitingcnt-Fo n d,welcher am letztcnTage
d-r Sitzung erstattet würde gibt interessante
Aufschlüsse über die bisherige Verwendung
dieser Geldet. Aus alten Tagen werden ver
schiedene Rechnungen herangezogen: NM zn
zeigen, daß unsere heutigen Senatoren cigent
lich doch bessere Menschen sind. So liegt aus
dem Jahre 4852 eine "Rechnung über 84566
vor, von dem damaligen Wirthe des „Me
tropolitaii-Hotkls" für 13 Tage Beköstigung
Kmnith's und seiner Begleiter- Mehr als j
dieser Summe war ftir Weine, Spiritikösen
und KiikscheijiNlcsye angesetzt: Eine. sehr
sonderbare Ncchnntig wird ans der Sitzung
im Winter 1809 bis 1810 an's Licht gezogen:
In jener Sitzung brauchten nenilich unsere
würdigen puiios euMeripti für H 333 Shrup ;
da nebe dieser Nccbnüng ailw gleichzeitig
! eine Rechnung über Caraffen und Gläser
liegt, so bedarf es keines besonderen Scharf
sinnes, zu vermuthen; daß jener Snriip aus
Korn:c. gebrannt war. Wir können nun
ich einsehen, warum gegenwärtig diese a>
ten Sacken aufgestöbert werden; will man da
mit sagen, daß unsere heutigen Senatoren
besser sind? Das glaubt Niemand. Jene
allen Herren von 1810 mit den Perrücken und
Zöpfen, wclcke aus Rechnung, des Vaterlan
des ihre,, . Switchell" tranken öder ihren
„Smtlc" nahmen, hatten weder goldene
Zahnstocher, die auf Kosten der Nation ange
schafft waren, noch „Salary" Grab-Geld in
den Taschen und ihre Hände waren rein von
„Credii-Mobilicr" und anderen corruptcn
Geldern. . . , .
Präsident Äraüt hat den Achtb. Btttör
Barriitger von Nord-Carolina zum ame
rikanischen Milgliede' des vom Bize König
von Egypten eingesetzten Obergerichtes für
internationale Angelegenheiten ernannt. Bar
ringer war vor dem Bürgerkriege Eongreß-
Milgtied, während des Krieges consöderirter
General und schloß sich dann den Unionisien
seines Staate an
Passe losten wieder 85, resp. G 6
und mc hr. Mit dem heutigen Tage tritt
das alte Gesetz (laut Versügnug des letzten
Congresses) wieder in Kraft, wonach Pässe
in's "Ausland imStaatsdcpartementc zu Wa
shington mit 85 bezahlt werden müssen. Rech
net man dazu noch Notariats - Eid und Be
sorgung, so kostet ein Paß in Zukunft wieder
ZS und darüber. Die Notare berechnen so
gar 57.50—?>O. ES gehl Nichts über die
Errungenschaften der republikanischen Landcs
verwaltung.
Einer der besten Abschnitte der neuen C o n
rant Bill ist die Verfügung über Einlö
sung resp. Ersetzung des abgerissenen Cou
rants. Bis jetzt sind übrigens die Gelehr
ten noch nicht einig darüber, ob die Bill eine
Contraktions- oder Jnflatwnsmaßregel ist,
man wird wahrscheinlich das Züchtige treffm,
wenn man die Wahrheit in der Mitte sucht.
Die Bestimmung, daß der Westen eine große
Papicr-Geldcirkulation erhalten solle, die dem
Osten abgenommen werden muß, ist ein tod
ter Buchstabe, weil im Westen zur Errichtung
neuer Banken nicht die nöthigen Fonds sind;
eine lokale Contraktion im Osten wird deshalb
nicht sehr zu fürchten sein.
Die „N.-U. Times" sagt in Uebereinstim
mung mit diesen Ansichten: „Die Verhinde
rung des Gebrauches der von den HH. Bout
wcll und Richardson in höchst, sonderbarer
Weise mit dem Namen „Reserve" bezeichneten
Summe besreic die geschäftlichen Berechnun
gen von der Unsicherheit, welche ihnen ange
haftet, so lange sich der Finanzminister eine
Macht angemaßt habe, die er besser niemals
beansprucht hätte." „Tie Abschaffung der Na
tionalbank-Zieserven," fährt sie fort „und
die Einlösung der Banknoten durch Vermit
lclung des Staatsschatzes in neu und Niemand
kann die Wirkung dieser Bestimmungen vor
hersagen. Jedoch kann dieselbe nicht sehr
schwer in die Wagschalc fallen und das Land
wird eine Befriedigung darüber empfinden,
daß die Finauzfrage endlich dem Congreß
ans den Händen genommen ist. Das Steigen
aller Effekten spricht hierfür. Wir hoffen ans
eine Besserung desGeschäfts, wenn nicht mehr
im Sommer, so doch im Herbste."
Die „N. ?). Tribüne" hat darauf ansmerk
sam gemacht, daß der dänische Dichter
Hans Christian "Andersen, welcher
jetzt hochbejahrt ist, in den dürftigsten Ver
hältnissen lebt, trotzdem seine zahlreichen
Werke sast in alle Cultursprachen übersetzt
worden sind. Es ist deshalb angeregt wor
den, daß die amerikanischen Kinder, denen
'Andersen's Märchen eine reiche Quelle des
Genusses und der Unterhaltung geworden
sind, eine Sammlung als Ehrengabe für den
Alten in Copcnhagen veranstalten.
Die Ernd teberich te aus fast allen
Theilen des Landes laulen günstig. Zn Vir
ginieii, den Carolina's, Louisiana, Calisor
nien und in den Getraidestaaten des Westens
stehen die Ecrualien vortrefflich; Californien
allein rechnet auf eine Weizenerndle von 30
Millionen Bushcls.
Die Sclbst m or dmaii i c, welche seit
einigen Wochen in New- .York und Umgegend
grassirte, ist jetzt auch nntcr den Deutschen in
Piitsbnrg ausgebrochen. "Am Sonnabend
versuchte sich ein Deutscher zu ertränken und
ein "Anderer zn vergiften: am Sonntage
schnitt sich der deutsche Schnhmachergeselle
! Georg Falkenstein, welcher augenscheinlich
am Säuferwahnsinn laborirte, den Hals ab.
In Lonisvikle, Ky., treibt zur Zeit
ein deutscher Schwindler, Baron v. Diehl,
sein Wesen. Derselbe verkauft Vertrauens
i seligen Landkaffern ihre Farmen zn enormen
Preisen ab und pumpt dann die Vettern im
Lande um Reisegeld an, damit er in Einem
uali, St. Louis :c. seine—Wechsel flüssig ma
chen kann.
Tie Besitzer von Kohlengruben zu
Slraitsville, Ohio, haben einen letz
ten, vergeblichen Versuch gemacht, weiße Ar
beiter zu den 'alten Preisen zu gewinnen.
Vom 4. Juli an werden deshalb nur farbige
"Arbeiter in den obigen Gruben beschäftigt
sein.
Ein Reger, 'Namens Blake, welcher ani
22. Juni ein weißes Mädchen schändete,
wurde gestern in Raleigh, N. E., vcrur
theilt, am 24. Juli den Tod am Galgen zu
sterben.
Der Ex Soldat Bosto n Co rb et t, wel
chcr den Präsidenten Mörder I. Wilkes Booth
in Garretl's Scheune in Virginien erschoß,
arbeitet jetzt in Philadelphia als Hutmacher.
An Sonntagen jungin er als Methodisten-
Prediger.
In N c w - "Y o r k beging am Montag ,
Morgen der Dcutiche Gustav Sellin, 62
Jahre alt, nntcr höchst eigenthümlichen Um
ständen Selbstmord. Sellin war ein leiden
schaftlicher Hundefrcuiid: ein betagter, graner,
zottiger Köler, dem er seil zwanzig Jahren
seine Zuneigung geschenkt, wurde im Haus
stande überflüssig und lästig. Sellin ward
von seiner Frau täglich aufgefordert, den
Hund durch Gift zu lösten, aber nie konnte er
es über sich gewinnen, dem treuen Hausthiere
das Leben zu verkürzen. Zu einem Nachbarn
soll er einmal geäußert haben, daß er sich eher
selbst, als den Hund aus der Welt schaffen
würde. Sellin hat Wort gehalten. Am
Montag Morgen um vier Uhr stand er leise
ans, ging in das Nebenzimmer und bereitete
sich den tödtlichen Trank, der für den Hund
bestimmt war. Bier Stunden später wurde
Sellin von seiner Frau in sterbendem Zu
stande gesunden und che ein Arzt gerufen wer
den konnte, war er unter gräßlichen Schmer
zen gestorben. In einem an seine Frau zu
rückgelassenen Briefe giebt Sellin als Grund
der That an, daß er seines Lcbsns müde sei,
da alle sich ihm entgegenstellenden Hindernisse
ihn muthlos gemacht haben. Er nehme das
Strychuin, welches für Ami (den Hund) be
stimmt war. Der Berstorbene hat sich frü
her in guten Pethältnissen befunden, gericth
aber durch ausschweifenden Lebenswandel,
dem er nach dem Tode seiner ersten Frau ver
fiel, in Schulden und kam soweit zurück, dag
er in Gebrüder Pctri's Reftektorfabrik eine
Stelle als Arbeiter annehmen mnßle. Dort
wurde er indeß auch vor Kurzem entlassen,
weil die Fabrikanten ihm nicht länger Be
schäftigung geben wollten. Dieser Umstand
und seine unglücklichen ehelichen Verhältnisse
mögen ihm dem steis ausgereglen Manne das
Leben zur Bürde gcmgchr haben.
Die republikanische Staats - Convention
von lowa trat gestern in Des Moines zu
sammen. Nachdem die Beamten gewählt
und ein Wahl-Ticket aufgestellt war, 'wurden
Beschlüsse angenommen, welche sich nament
lich aus die Errungenschaften der republika
: nischen Partei und die S/gnungen bezogen,
l welche dem Lande aus dein von der repübli-
kaiiischen Partei eingeichlageiienVerfahreil er
wachsen seien. Hierauf vertagte sich die Con
vention.
Die Einwanderung im Hafen von New-
Bork beträgt für die Zeit vom l. Januar
i- Juli 82j29l Personell: steht sonach um
fünfzig Prozent der des Vorjahres nack- De-
Grund der Abnahme wird wohl zumeist fil
der Besserung der Verhältnisse inEuropa und
in den nngünstlgenßer,ästen über die hiesigen
Zustände zu suchen sein. Von Irland sind in
der neneren Zeit viele junge Frauenzimmer
eingewandert, welche die hohen Löhne, die
Dienstboten bezahlt werden, anziehen; so
brachte einer der Liverpooler Dampfer in vo
rigcr Woche nahezu 500 ledige Mädchen nach
New-York.
Die deutsche Presse lst bereits in
sSlid - Amerika ziemlich gut vertrete; bis
jetzt sind folgende Blätter und Zeitschriften
bekannt: „Allgemeine deutscheZeitung," Rio
Janeiro, „Coloniezeilung," Blumenau
(sl. Catharina), „Deutsche Zeitnng," Porto
Alegre (Provinz Rio Grande), „Der Bote,"
an Leopold, „Dellt'che Nachrichten," Val
paraijo, „Deutsche Monatsschrift," Buenos
Ayrcs: ebendaselbst. D-c
neue „dcutiche Zeitung" vou Santa Fe märe
aljo die achte im Bunde.
Das in der Bank von England liegende
Vermögen von einem ehemaligen General
G o uver ii cur von Canada hinterlassen,
beläuft sich auf 16 Millionen. Eine der 16
"n ist'Frav netto F. Braun, Gattin des
Professors M. U. Brown vöii AÜ-tttta, a .
dsken mütterlicher Großvater der Erblasser
ist?'. Die Erbkbeilikng erfolgt in Montreal.
Ans Grund despreußifcheu Vereins
gesetzcs von 1850 find neuerdings in Preu
ßen massenhafte Haussuchungen bei den sozi
al-dcmokratiichcn Führern vorgenommen und
die saisirten Objekte der SlamS-'Anwaltschaft
überliefert worden. Nach dem Gesetz dürfen
derartige politische Vereine nicht unter einer
gemeinsamen Oberleitung stehen, keine ge
meiiisilmcit Ausschüsse hgocii. oder über ihre
politischen Zwecke gegenseitigen SchNftwech
jel führen.
Ans Cape Breton, N:-F., siel am
letzten Montag ein tiefer Schnee. Das ist
aügciiehnl: Wer Kütslmig wünscht, braucht
nur nach Britisch-Amerika zu gehen.
Die Washin g t o n e r „F r e ed m e ii' s
Bank," welche bekanntlich nach dem Ver
fahren des „Credit Mobilier" ihr Geld da
angelegt hat, „wo es am Meisten gut that,"
ohne besonders gute Geschäfte dabei gemacht
zu haben, hat gesterst di/ Bvve geschlossen.
Die Direktoren glauben, daß sich die Aktiva
in Zeit von zwei lahten verwerthen lassen
und daß die Gläubiger 90 CtS. für den Dol
lar erhalten können. Wir glauben, daß die
ses Aberglaube ist.
Vorgestern Morgen wurden unter den Sub
alternen des Patent-Amtes eine Anzahl
gelbe Coüverle ausgetheilt, die das fatale
Ding enthielte, das man „die Dienstentlas
sung" nennt. Eines derselben wurde auch
einem Kaiizlislen, Namens Brain, zugestellt.
Kaum hatte er es empfangen, als er nach dem
Modellzimmer ging, sich einen Besenstiel ver
schaffte, auf welchen er ein Bayonett steckte;
dann kleidete er sich bis auf Hemd und Unter-
Haien aus, steckte seine Demission auf die
Spitze des BayonektS und rannte damit durch
die Halle, stürmte bald in jenes, bald wieder
in das andere Zimmer und stieß dabei unzü
sammenhängende Reden ans. Nlir nnter
großen Schwierigkeiten gelang es, den Ver
rückten in Gewahrsam zu nehmen und ihn
später der Obhut seiner Freunde zu übergeben.
Die unerwartete Dienstentlassung und die
Wirkungen der Hitze zusammen genommen,
mögen wohl in dem armen Schlucker einen
temporären Irrsinn erzeugt haben.
Eine Frau, welche dieser Tage in der Nähe
von Bangor, Me., starb, hatte bei Leb
zeiten große Angst, ihre Leiche möchte ausge
graben und von den Aerzten zn anatomischen
Studien benutzt werden. Sic bestimmte da
her H6O für einen Mann, der ihr Grab nach
ihrer Beerdigung einen Monat lang zu bewa
chen hat, und der Wächter ist nun jede Nacht
auf seinem Posten.
Bang or, Me,,ist gestern der General
Samuel T. Herjey von der republikanischen
Convention des 4 Bezirks durch Acclamation
zum Congreß wieder ernannt worden.
In der Nähe von Fonda, N. - Z., wur
den Richard Schuyler, Alfred Croß und
Schuyler Long gestern vom Blitze getroffen.
Schuyler wurde getödtet und die Änderen er
heblich verletzt.
Hr. Morton McMichael, der Redakteur des
„North-Americau" zu P hil adelp hi a, ist
gestern mit dem Dampfer „Pennshlvauia"
nach Europa abgereis't. Zahlreiche Freunde
gaben ihm das Geleite, wünschten ihm glück
liche Reise und sichere Heimkehr.
In Sa l t-L ak e - City, Utah, herrscht
bedeiltendeAufregung darüber, daß die„Union-
Pacific-Eisenbahiigesellschaft" aus der Strecke
zwischen Echo und Ogden die Fra fit auf Koh
len bedeutend erhöht hat. Es wird behauptet,
die Folge dieser Frachterhöhung werde eine
baldige Ausdehnung der „Utah-Südbahn"
nach den Kohlenlagern von San Pete-Valley
und die Erbauung einer enggeleisigcn Bahn
von Salt-Lake City nach Eoalville sein. In
zwischen werden die Kohlen per Axe hierher
befördert werden.
Nach einergcstrigenDepesche ans Spring
sicld, Ohio, beruht die Nachricht, Tiernan
und Thor hätten Farmer der dortigen Ge
gend mit Patentpflügen beschwindeln wollen,
aus Unwahrheit.
Jetzt haben sie in New-Aork das Vergnü
gen billiger Eisenba h n sahrlen
nach dem Westen; man fährt jetzt von New
?)or! nach Chicago für H 7; Lansing, Mich.,
H 5.75; Laporte, Ind., S 5; Wyandotte, Äan
sas, Hko; (früher H 35) und nach allen Punk
ten diesseits der Suspension-Brücke für H 3.
Der Direktion des Pariser Opern
Hauses hat ein Hr. Elias Winkel ans
Portland, Me., den Vorschlag gemacht, daß
er einen durch Dampf bewegten automatischen
Sänger herstellen will, welcher mit seiner
Stimme den weiten Raum des Hauses voll
ständig ausfüllen kann.
Der während de Bürgerkrieges vielge
nannte südliche GeneralG. P.T. Beau- !
regard reist dieser Tage von New - ?>ork
nach Süd-Amerika ab, indem ihm die argen
tinische Republik zum Civil - Ingenieur mit
H 20.000 Gehalt Pro Jahr cngagirt hat.
Auf dem Chip Oak Creek, einem Zu
flüsse desJamesslusseö ertranken am 24. Juni
sechs "Neger, 4 Männer und 2 Frauen, weil
das Boot, welches 11 Personen hielt, leck
wurde und unterging.
"Auch "New - 2)ork hat jetzt seinen ersolgrei
che Fall von Lamm blut - Trans su
jion auszuweisen. Die Operation wurde
von Dr. I. Hossmau an einem 25-jährigen
mit Tuberkulose behafteten Manne vollzogen.
Verschiedene prachtvolle Landsitze der F a
milic Coole, deren Mitglieder während
der nculichen Panik fallirten, werden näch
stens versteigert werden.
Unter den radikalen Führern soll
eine Bewegung im Gange sein, alle südlichen
Äricgsansprüche zu repudüren.
Em Reporter der „N. - S). Sun"
wurde in der Mittwochs-Racht in der 1. Ave
nue nahe 17. Str. von zwei Raubgescllcn an
gehalten und unter vorgehaltenem Revolver
um seine Uhr und sonstige Werthsachen gebe
ten. Statt deren zog er selbst ein kleines
Schießeisen tvid operirte damit in so nnzwei
deutigcr Weise, daß die beiden Rowdies in
Hast das Feld räumten.
Ueber die Heuschreckenplage n
M inncsola berichtet die "New-Ulm „Post":
„Schon bei Jbcria gewahrt man die Spuren
dieses verderblichen Insektes und je weiter
man nach Leavenworth hinkommt, desto mehr
in die Augen fallend sind sie. Man erblickt
Felder auf dieser Route, die total abgefressen
fmd. Diese Verwüstung geschieht in nnglanb
lich kurzer Zeit, sobald sich die egyptischen
Plagegeister im Garten oder Feld eingestellt
haben. Ob, und wann sie die Gegend ver
lassen, ist schwer vorauszusagen; bis jetzt
wimmelt es noch überall an den betroffenen
Plätzen von altem und jungem Ungeziefer,
wenn man auch hier und da die Wahrneh
mung machte, daß die ausgewachsenen Heu
schrecken davon fliegen."
Jakob Ebcrhardt, ein vermögender
Farmer, der vier Meilen nördlich von
scottsburg im County wohnte, ward am
Samstag Abend todt gesunden. Er hatte sich
mit einer Büchse das Gehirn ausgeblasen.
Eberhard war ein sehr angesehener und ge
achteter Bürger, und der einzige Grund, den
man für seinen Selbstmord angeben hört, war
der liederliche Lebenswandel seines Sohnes,
der nnter dem "Namen Lump Ebcrhardt be
kannt ist.
Mount Rainer im Washington-Ge
biet, ein alter, wie man glaubte, erloschener
Bulla, hat wieder zn brummen angefangen
und stößt dicke Rauchwolken aus.
Ein Neger in Kentucky stürzte 120 Fuß
tief einen Abgrund hinab, wurde aber glück
lich dadurch gerettet, daß er zuerst mit dem
Kopfe auffiel.
Man hat entdeckt, daß gefälschte Be
sch l e zur Ausstellung vou Zahlung Certi
sikatcn in Bezug auf die Besoldung der Poli
zeidicner und der Mitglieder des Fcuerdcpar
tements im Distrikte Columbia von einem
Individuum erlassen worden sind, 'das Zu
tritt zu den Contrasignationsstempclii des
Distrikts Comptrollcr-Amtes gehabt haben
muß. Dreizehn Monate Sold ist man den
Feuerleuten schuldig, und man glaubt, daß
fünfzig Prozent des Betrags aus solche ge
! fälschte Ordres ausbezahlt worden sind.
Telegraphische Depeschen.
Europäische Äabelberichte.
Berlin, Tic Fürstin
D'Onbrii, die Gemahlin des rnsstscken Ge
sandten für Preußen, ist gestern in Potsdam
ertrunken.
London, 29. Juni. Die in Fulda
versammelte katholischen Bischöse sollen ver
söhnliche Borschläge nach Berlin geschickt
haben.
Berlin, k.Zuli. Die „Norddeutsche
Zeitung" zollt Hrn. George Bancroft den
wärmsten Tribut. Sie sagt, die deutsche "Re
gierung sehe ihn mit Bedauern scheiden; dies
Bedanern Herrschesowohl in amtlichen, als in
Privat Kreisen, und seit Friedrich der Große
Franklin empfangen habe, sei die Freund
schaft zwischen Deutschland und den Ver.
Staaten niemals größer gewesen, als jetzt.
Kaiser Wilhelm hat Hrn. Bancroft mit sei
nein Portrait, in Lebensgröße gemalt, bc
schenkt /
Berti ii. 2, Juli. ES wird hier gcmel
det, daß ein dAtt.clic? sswwader nnverzüg
lich nach spanischen Häsen abgehet", werde.
London, i. Jnlu—Tic „Atlantic Grcat
Western Eisenbahn Gesellschaft" hat sich heute
geweigert, Obligationen auf ihre erste Hzwo
thek anzunehmen und zu bezahlen. .
ZV t Krautrei.
P aris, 27. Ist!. Tie beiden neulich
unterdrückten Zeitungen yälNi: Erlaubniß
tum Äiedererscheinen erhalten.
PaclS, 28- Juni. —Die Ratifikation des
franz. - ainerikamscheit Poftvcriragcs wurde
gestern öffentlich bekannt gcmacku. Derselbe
wird wahrscheinlich im nächsten Mgnale in
Krafr fielen.
Londo ii, 27. Juni. DO Pariser Cor
reipondent der hiesigen „Daily News" bcrich
tet, das Besitzt!)! des Malers Conrbet sei
confiöcirt worden, der Erlö? aus demselben
werde aber nicht hinreichen, um die Kosten
der Wiederatssrichknng der Vcndome - Säule
zu decken.
P aris, 30. Juni. "Nach einem in Ver
saillcS cirkulireuden Gerüchte sind Schriftstücke
entdeckt worden, welche das einflußreichste bo
napartistische Mitglied der "Nationalversal,im
lung compromittiren. Es heißt ferner, die
Nationalversammlung werde nächstens zur
gcrichllickien Verfolgung des Betreffenden be
fugt werden. Man nimmt an. daß sich diese
Gerüchte auf Hrn. Rauher beziehen.
Paris, 1. Juli. Das Unter Comite
des Dreißiger Comite's hat eine neue Per
fassnngs-Bill entworfen. Dieselbe bestimmt
die Beibehaltung eines Präsidenten der Re
publik, die Errichtung eine, zweiten Ztammcr,
die Organisation eines rein persönlichen Sep
tennais, welches mit dem Ablauf des Ter
mins des Präsidenten MacMahon oder, wenn
derselbe sterben oder abdanken sollle, früher
zu Ende gehl. In Bezug auf den ".Nachfolger
des Präsidenten sind keine Bestimmungen gc
troffen, und man glaubt, diese Unterlassung
habe den Zweck, eine Aussicht ans Wieder
herstellung der Republik offen zu lassen.
Parts, 2. Juli, Paul de Caffagnac
und die übrigen Redakteure des Blattes "tte
I'a.vd" sind von der Beschuldigung, Bürger
zu gegenseiilgem Hasse aufgereizt zu haben,
freigesprochen worden.
Marschalt Voiicha qcsaitc.
Madrid, 29. Juni.—Heute Morgen traf
hier die bestürzende Nach' icht ein, daß Mar-
Ichall Concha bei einem "Angriff aus die kar
Ilstijck en Vcrschanzuiigen bei Muco, drei Kilo
meter von Eslella entfernt, gefallen sei, und
daß die republikanischen Truppen sich bei der
Kunde von dem Tode ihres Anführers in
größter Ordnung in ihre früheren Stellungen
zurückgezogen hätten. General Zabala, der
Präsident des "Rathes und Kriegsminister,
wird das Commando über die republikanische
Armee übernehmen. Tenor Carincr wird
Kriegsminister und Tenor Sagasla, Minister
des Innern, wird Präsident des RalhcS wer
den.
Karlistischc Berichte über die ttescchte oor .
sfteUa.
B ayo nnc, 29. Juni. Die Karlisten
berichten über die letzten Gefechte vor Estclta
und den Tod des Generals Concha Folgen
des: „Die Republikaner richteten ihren ersten
Angriff gestern gegen das linke Ufer des Flus
ses Ega, wiederholten denselben am Freitag
und hatten die Karlisten am Freitag "Abend
aus ihrer ersten Vcrthcidigungslinie vertrie
den. Tags daraus versuchten sie, die Estella
beherrschenden "Anhöhen mit stürm zn neh
inen. Der "Angriff schlug iehl, und sie war
den in Unordnung zurückgeschlagen. Ihr
Rückzug verwandelte sich in wtlde Flucht, als
General Eoncha tödilich verwundet wurde.
Der Gesammtvcrlust der Republikaner an
Todten, Verwundeten und Vermißten beträgt
4000. General Echcagnc's Division entgiiig
mit genauer Noth der Gefangennahme uns
wurde nur durch die außerordentlichen A
strcilgniigcn der "Artillerie gerettet. Bei einem
Angriff während der Nacht gelang es den
Karlisten, ihre gesammtcn Geschähe zimia
zuziehen."
Amtliche Berichte von Seiten der Republi
kancr geben den Verlust derselben nur ans
1500 Mann an.
M adrid, 29. Juni. In dein gestrigen
Tressen vor Muco fielen außer dem Marschall
Eoncha ein Brigade-General und zwei Stabs-
Ofsiziere. Bis znr "Ankunft des Generals
Zabala hat General Marrinez Compos das
Commando über die Nord Armee übernom
uicn. Die ganze Armee hat sich nach dem 8
Meilen von Estella gelegenen Lerin zurückge
zogen.
Madrid, 29. Juni, "Abends. —Mar
schall Serrano ist soeben ft'.cr eingetroffen.
Für die Nord-Ärmee sind 19 Kanonen abge
schickt worden. Fünfzig Bataillone werden
mobil gemacht. Der Geist im Heere ist gut
und in Madrid ist "Alles Entschlossenheit. Gc
ncral Concha's Leiche wird morgen hier an
kommcu.
P aris, 29. Juni. Ter Tod Generat
Concha's wird hier als ein Ereigniß vongro
Ber politiicher Bedeutung betrachtet. Es
herrscht hier die Ansicht, daß Concha, sobald
der Fcldzug gegen die Karlisten zu einem er
folgreicheii Ende gebracht worden, de Prm
zen Alphonso zum König proklamirt haben
würde, und daß man ihm in Madrid sehr miß
traute.
London, 30. Juni. Nach einer Spe
zial Depesche aus Madrid an die „Times"
wird die Nord 'Armee ihre Operation gegen
Estella fortsetzen. General Mononcs ist zn
Zabala's Stabschef ernannt worden.
Ba gönne, 30. Juni. - Die Karlisten
behaupte, daß während des Rückzuges der
Republikaner nach der Schlacht bei Mnromm
Gefangene in ihre Hände fielen.
M adr id, 30. Juni. General Zaballa
ist in Miranda angekommen. Die 'Nord
Armee zieht sich in guter Ordnung zurück, und
die Reorganisation derselben wird mit Eile
betrieben werden. Es langen beständig Ver
stärkungen an. General L'örna ist zum Divi
sions Commandanten ernannt worden.
Es heißt, die Karlisten hätten viele der in
den letzten Schlachten gemachten Geiangeneu
gctödtct.
Wnrdc Marschall voncha ermordet?
London, l. Juli. Der Pariser Cor
reipondcnl der „Times" telegraphirl, zu den
mancherlei in Umlauf gesetzten Gerüchten ge
höre auch das, Marschall Concha sei, weil er
Alphonsist war, aus Anstiften Scrrano's er
mordet worden. Weiter heißt es, durch den
Tod Concha's sei der Einfluß Deutschland's,
welches auf dem spanischen Thron keine papst
freundliche Dynastie sehen wolle, wiederum
gewachsen.
London, I.Juli. —Ei in zwei Häusern
in der Nähe von Esjella zufällig ansgebroche
nes Feuer soll von den Karlisten als Vorwand
benutzt worden sein, alle verwundeten Rc
pnblikaner, welche während der Schlacht bei
Muro in ihre Hände sielen, niederzumetzeln.
Bayonne, l. Juli. Don Alphonso
wurde in einem der letzten Gefechte gegen die
Republikaner verwundet.
Madrid, I. Juli.—Das Lcichcnbegäng-
mß des Generals Concha wird am Donners
tag stattfinden. Die Erben des Berstorbene
werden von der Regierung Pension empfan
gen.
Madrid, 2. Juli.—Tie repnblikamichcn
Truppen werfen Befestigungen nach einem
vom gefallenen Marschall Concha entworfe
nen Plan auf, um die Karlisten aus einen
kleinen, au Hülssqucllen arme Bezirk zu be
schränken.
Tie Veichrnscier dco Martchakl oocha.
Madrid, 2. Juni. Tic Bestallung
Marschall Concha's fand heule statt. Tie
Trauerseierlichkeiteii waren äußerst imposant
und die Menge, welche den Zug begleitete,
ungeheuer. Marschall Serrano und die
sämmtlichen Minister folgten dem Sarge.
Das Heer der Karlisten bei Estellä ist 38.
000 Mann stark. Gen. Zaballa hat 106
Kanonen und hofft, bald einen Sieg zu er
ringen. Die Karlisten verwahren sich-mit
Nachdruck gegen die Beschuldigung. Per
' wundclc und Gefangene niedergemetzelt zu
haben.
.Ztalie.
N o 111, 23. Bischof De Wengcr,
zn den amerikanischen Pilgern gehörig, ist
nach Wien abgercii'fi Es heißt, die Pilger
sahrl werde im nächsten Jahre wiederholt wer-
den, und an derselben würden über 500 Ame
rikaner theilnehmen.
London, 27. Juni. Der „Times"
wird aus Paris gemeldet, daß die Duldung
der Partei der Uttrantontanen in Italien die
Be-iehultgeil des Reiches ZU Deutschland ge
fährdet.
Ter Papst wir täglich schwächer.
London, 30. Juni. Ein Eorrespon
denl der „DailyNews" telegraphirl ansßom,
daß der Papst täglich schwächer werde, und
daß mehrere auswärtige Vertreter ihre resp.
Regierungen von diesem Umstände in Kennt
nis! gesetzt haben.
Rom, I. Juli.—Der Pacht sagte gestern
: den vor ihm versammelten OrdenSgeiieralen,
das; er die Beschlagnahme ihrer Ordciishäuser
beklage; er ermahnte sie einig zu bleiben,
dann werde Alles qitt werden.
Ruh lanv.
I lcbenlänglichcr Pcrbaiuq ver
urtyctl.
London, 27. Juni. Die „Pall-Mall-
Gazelte" erfährt von St. Petersburg, daß der
i Czar seinen Neffen, dcn Großfürsten Riko
laus, Sohn des Großfürsten Eonstanttn, wc
gen des Diebstahls der Diamanten seiner
.Nutter ans Lebenszeit nach dem Kaukasus
verbannt und ihm das St. Georgen - Kreuz,
, welches er in Folge seiner Dienste in Khiwa
erhielt, abgenommen Hai.
Pctcheercnde Feuersbränst.
L o it d ö ii, 29. Juni. Die letzten hier
angekommenen russischen Zeitungen dringen
Berichte über verheerende Fenersbrüiiste, von
welchen die im Gouvernement Volhymc ge
legeue, meisten? von Juden bewohnte Ort
schaft Berdilchew heimgesucht wurde. An
einem Tage wurden 600 Häuser eingeäschert:
Tag? darum brach eine zweite Feuersbrunst
ans, welche scG eben so viele Häuser zerstörte.
Das Feuer wüthckc nach an zwei weiteren
Tagen, und Tausende von Menschen wnr
den obdachlos.
Griemenlctn, llnruyen aus vorfu.
Athen, l. Juli. Aus Corstl herrscht
wegen der am nächsten Sonntag stattfindenden
Wahl große Aufregung. Gestern brach unter
Bürgern ein Tllwutt ans, welcher erst dann
aufhörte, als 80 derselben von den znr Wie
derherslellnng der Ordnung herbeigeeilten
Soldaten verwundet waren. Mehrere Ladest
wurden während des Tumultes geplündert.
Tie Soldaten sind jetzt auf die Festung de
schränkt, man befürchtet indeß, daß am Wahl
tage neue Unruhen ausbrechen werden.
C o n st a n t i n o p e l, 27. Jnni. Gestern
wurden hier starke Erdstöße verspürt.
Lo ii d"o n, 27. Juni.—Eine Depesche mcl
det der „Pall Mall Gazette" ans St. Peters
burg, daß dort im Betreff der Zustände in
Mittel-"Asien große 'Aufregung herrscht. Es
heißt, daß Emir Kaschgar einen russischen Ge
sandten festgenommen nd. einen Krieg be
fürchtend, 10,000 Mann au der Grenze con
zentrin hat.
ZitlaudsTcycschek.
Tic Bcr. Staaten und Spanien.—
Ter Staats - Sekretär verlangt
volle Cntsck,ädgllg für die
Opfer von Tpfr. „Birginius."
Washington, 30. Juni. Gestern
ging hier und in "New ?>ork das Gerücht, daß
unser Gesandter Hr. Ealcb Eushing in Ria
drid angewiesen worden sei, von der spanischen
Regierung volle Entschädigung für die Hinter
blicbcnen derOpser vomDampfer„PirginiuS"
zu verlangen. Ein Berichterstatter machte
dem Staatssekretär seine Aufwartung und
empfing von diesem die Bestätigung des Ge
rüchtes. „sie dürfen sagen" bemerkte Hr.
Fish „daß die amerikanische Regierung
eine prompte Forderung gestellt hat und zwar
eine cbenia entschiedene und peremptorische,
als England."
Washington, 30. Juni - Sekretär
Fish bemerkte heute in einer Unterredung, daß
die Forderung einer Enlschädignng der Ange
hörigen jener auf Burriel'S Befehl Hingerich.
Teten „Virginius" - Gefangenen in Uebercin
stlmmnng mit demProtokollc gemacht worden
sei; außerdem habe die "Regierung noch die
i Pflicht, Genugthuung für jene Greuetthat zn
! verlangen.
'Abschied des visftcrigci Genvral
Postmeisters von seine Untcr
veamten.
Washington, 30. Juni. -Bci'm
Schlüsse der Gcschäftsstunden versammelten
sich heute die Ksnzltsten des Generalpostam
tcs und des 6. "Aildlteurs Biireans, um sich
von dem Gencralpostmcisler Creswell > ver
abschieden: sie überreichten ihm eine Reihe
von Beschlüssen, in denen che ihrer Hochacb
lung für den scheidenden Chef als Mensch und
"Administrativ Beamten "Ausdruck verliehen,
und sagen, derselbe sei in leviercr Capacität
von keinem seiner berühmten Borgänger über
troffen worden. Hr. Creswell erwiderte,
daß es ihm wehe thue, von den Herren, welche
seit 5 Jahren mit ihm gearbeitet hätten, zu
scheiden: er verlasse sein Amt freiwillig, ohne
Groll und ohne irgend eine Handlung be
reuen oder bedauern zn müssen. Cr würde
icinals abgedankt haben, so lange noch eine
"Anschuldigung gegen ihn nnwidcriegt geblie
ben sei; da er ledöch alle Reformen eingeführt
habe, welche er für wünichcnswerth gehalten,
so könne er jetzt sein Ami verlassen. Er sor
dcre irgend eine Bank oder "Bahn Eorpovation
ans, einen verhältnißmäßig geringeren Pro
zentsat? der Verluste nachzuweisen, als sie das
! Gencralpostamt verzeichne. Hr. Creswell
> nahm sodann von jedem Einzelnen Abschied.
Das Amt des Genera Postmei
sters.—.Sr. Haie lehnt ab.
Washington, I, Juli. Hr. Hale
kehrte gestern Abend nach Washington zurück
und machte dein Präsidenten sogleich seine
Anftvartnng, um ihm für das Vertrauen und
die Freundschaft zn danken, womit ihm das
! Amt des General Postmeisters angeboten sei;
s zugleich aber, um dem Präsidenten 'ein Bc
! dauern auszusprechen, daß er das Amt Nicht
annehmen könne. Dem Präsidenten war
! diese Nachricht sehr unerwünscht, da er, wie er
! selbst sagte, gehofft hatte, daß zwi'ichenHrn.Hale
und ihin amtlich.srcuudschaftliche Bczicyun
gen bestanden haben würden. Hr. Haie ist
einige Tage lang in Altoona, Pcnns., gewe
sen und hatte geglaubt, sein Amt beute antre
ten zn können, da Hr. Creswell Vorkehrn
i gen getroffen hatte, gestern aus demselben zu
! icheisen. Er hatte sich von der Erschöpfung.
! welche eine Folge der ausgedehnten Congreß.-
z Zitzung war, etwas erholt, doch die snrcht
bare Hitze der letzten Tage hatte 4hn wieder
so sehr geschwächt, daß er sich gezwungen
! sülstie, die Ehre abzulehnen und in seiner Hei
i mach in Maine die ihm so nöthige Ruhe und
Erholung zu suchen. Es uuterliegi keinem
! Zweifel, daß Hr. Hale mit großer Majorität
wieder in den Eongrcß gewählt werden wird.
Pci einer heutigen Versammlung der Mi
nister waren die HH. Creswell und Hale an
wescud. Alle Mitglieder des Cabineis drück
ten ihr Bedauern aus, daß persönliche Rück
sichle Hrn. Hale zwängen, aus das Amt des
General-Postmeisters Verzicht zn leisten. Es
werden wahrscheinlich mehrere Tage bis zur
Ernennung eines "Nachfolgers des Hrn. CreS
well vergehen.
Stand der Nationaisckmld.
Washington, 1. Juli. Der monat
liche Schatzamtsbcricht gibt folgenden Aus
weis über den Stand der Nationalschuld:
Mit Gold ,n verzinsen sind H 1,724,252,750;
mit Conrant werden tz 14,678,000 verinteres
sirt; fällig und noch nicht ciiigesordcrt sind
H 3,216,590.26; die Papiergeld Cirkulation
beträgt §509,543,128.17; die Gesammtsckmld
beträgt 82,251,690,468.43; fällige Interessen
838,939,087.47. Im Schatzamts befinden
sich 8147,541,314.74, darunter 874,205,304.-
12. - Die Schüld wurde angeblich um §2,-
184,196.94 vermindert.
Ein gekicimnißvollcr Gcncral-
Postmcistcr.
Washington, Juli. —D er Präsi
dcnt hat das Amt dcö General Postmeisters
einem Herrn angeboten, dessen Name geheim
gehalten werden soll, bis er sich über die An
nahme entschieden hat. Man nimmt allgc
mein an, es sei ein Reu - Engländer für das
Amt ausersehen wvidcn.
TSrosze Fccrsbrst in Söoon
socket. R,.-Z.
P r o v i d e Ii c e, l. Juli.—Tie „Social
MillS" zn Woonsockci, in welchen mit mehr
als 50,000 Spindeln und im) Webstühlen
Bauniwollenstofsc sabrizirl wurden, ist heute
Rachmittag vollständig niedergebrannt. Das
Feuer brach heute Nachmittag um 3 Uhr aus,
die Flammen griffen rasch um sich : doch wur
den die Arbeiter, 700 a der Zahft soweit
man bis jetzt weiß, alle gerettet.' Alle Lösch
versuche der Feuerwehr von Woonsoclet, welche
von zwei Tämpsern unterstützt wurde,waren
vergeblich.
Es wurde von hier aus Hülse verlangt,
und Bkagor Doyle sandte sofort zwei Dam
Pser ab, welche 27 Minuten nach ihrer Ab
fahrt die Brandstätte erreichten; die Manern
waren aber damals schon eingestürzt. Die
angrenzende Ii ,Ge baulich keile wurden geret
tet. Der Perlust wird sich auf 5700—800,-
000 belaufen, während die Persicherungssnni
me aus Fabriken, Maschinen und Maschinen
Werkstätten §630,W beträgt.
Mordanfall , einen Berichts
Saat.
New ?jork, 30. Juni. Jamcs P.
Saundcrs, ein prominenter Advokat, wurde
heule RachlNillagHim Saal des Stadtgerichte
von Zoiilcrs, ?!.?)., vvil dem Gärtner Lach-
Nr. 27.
mann, welcher einenPiozeß zn bestehen hatte,
durch einen Schuß gefährlich verwundet.
(Später.) James P. Saundcrs isi Cx-
Großmeister der „Odd Fcllows'" und im gm -
zen Lande wohl bekannt. Der Vorfall send
! statt, als der Richter eben den Prozeß Verla
gen wollte. Lachmann sprang aus und seueUk
einen Pistolenschuß aufSaunders ab, welchcr
denselben in die linke Schulter traf. Ehe
Lachmaiin daran verhindert werden
feuerte er eineil zweiten Schuß ab, welcher
SaunderS in die linke Seite traf. Die letztere
Wuilde ist gefährlich.
Am Bisse etcs tolle .Hundes ge
storben.
?! c>v ?) ork, l. Juli.—Der Buchdrucker
Rodcrich D. Entwistle, welcher vor etwa 14
Tagen von einem tollen Hunde gebissen und
nach dem Bellevnc Hospitale gebracht wurde,
ist dort heute Morgen um 410 Uhr unter dcn
Symptomen der Wasserscheu gestorben. Es
wird eine Postmortcm Unlersucüung aiigesteb
werden.
Tie Gcfallrc des ttot,leöls.'
"N e w ?) ork, 2. Juli. Der 50-jährige-
Patrick Martin, in der "Nähe von Woodside,
L. 1., wohnhast, stellte, als er gestern Abend
schlafen ging, vic Lampe neben sein Bett, um
noch zu lesen. Das Oel war bald hcrabgc
brannt, die Lampe explodine und Martin er
litt furchtbare Brandwunden. Als da Un
glück heute Morgen entdeckt wurde, war er iu
sterbendem Zustände, und alle Anstrengungen,
ihn am Leben zu erhalten, waren erfolglos.
Todtlick erFa t>r-Mfa 11.
?! e w ?) or k, 2. Juli. Zwei jungen
Damen, den FrlS. Wink und Stroug aus
Maspcth, L.-J., stieß heute ein bedauerlicher
Uniall zu. Dieselben waren'niit ihrem Fuhr
werk bei der Zugbrücke in Hunter's Point an.
gekommen, als die Pferde scheu wurden und
durchgingen. Ter Wagen wurde aus die
Seite geschleudert und die eine der jungen Da
men sofort getödtet, während die andere tödt
liche Verletzungen erhielfi
Schrecklicher Tod eines Blumen
iiänvlcrs.
New ark, N.-1.. 30. Juni. —Hr.
Matthias Olm, ein zwischen Waverly und
Newark wohnender Blumenhändler, wollte
am Sonntage mit seiner Familie in die
Kirche fahren. Er war kaum von seinem
Hause fortgefahren, als das Pferd dnrchgmg
und er selbst während des Versuchs, dasselbe
zu bändigen, vom Wagen geschleudert wurde.
Er gericth nnter das Pn>rd, welches ihm .ni
einem Hnse auf die Brust und mit einem an
deren aus den Leib trat und ihn so schwer
verletzte, daß er eine halbe stunde später
starb. Der Wagen stürzte um, und eines
der Kinder, Namens Mathilde, wurde er
heblich verletzt.
Selbstmord eines Gx-Zcheriffs.
?! orsolk, Va., 30. Juni. —Der frühere
Ichcriss von Norfolk-Countq, William L.G.
Reick, beging heute Morgen in seiner Woh
nung zu Lamberi'S Point Selbstmord, indem
er sich durch einen Pistolenschuß den Schädel
zerschmetterte. Die Ursache zu der That ist
unbekannt.
Ni Mississippi.
IN emphis, Tenn., 30. Juni. Der 55-
jährige Dr. Robinson wurde vor einigen Ta
gen von einem jungcnMannc, Namensßobb.
zu Skipwilh's Lanoing, lov Meilen oberhalb
Vicksbnrg, Miss., erschossen, weil Letzterer
glaubte, daß der Doktor mit seiner Mutter in
verbrecherischem Verhältnisse gestanden.
Meyer Fricdlaiid und Edward Monash,
welche zu Leola Landing, Washinglon-Co.,
Miss-, zusammen ein Geschäft hatten, gerie
then am Freitag während der Regulirnng ih
rer Geschäflsangelcgenheiten in streit: Mo
nash zog einen Revolver uns erschoß seinen
Compagnon. Der Mörder wurde, weil er in
Selbstvertheldignng gehandelt, freigesprochen.
Blutige Bffaire unter zwei
Advokaten
Memphis, I.Juli. Heute Morgen:
um >0 Uhr wurde der bekannte Advokat M.
D. Welsh von einem andern Advokaten, Na
mcits B. B. Barnes, durch einen Schuß tödi
lich verwundet. Am Montage geriethen die
Beiden mit einander in Wortwechsel und
Welsh legte eine Pistole aus Barnes an. Heute
hatten sich die Freunde derselben in Dr. Jo
nes' Sprechzimmer eingeftinden, um die Sache
gütlich beizulegen, und die beiden streiten
den waren zugegen. Barnes sagte, er sei be
reit, die Sache abzumachen: Welsh schien diese
'Aeußerung mißverstanden zn haben, er erhob
sich und zog eine Pistole. Dies veranlaßte
Barnes, auf Gegenwehr bedacht zu sein; er
feuerte einen Pistolenschuß auf Welsh ab und
traf ihn in die linke Schläfe. Barnes lieferte
sich sofort der Polizei aus.
M cmphis , I . Juli. M. D. Welsh,
welcher heute Morgen von B- Barnes ge
schossen wurde, wird sich wahrscheinlich er
holen, da die Kugel unier der Hallt durch und
hinter dem Ohre wieder herausfuhr. Barnes
ist gegen ?2>>o Bürgschaft entlassen wurden.
Arsenik-Pergiftung.
Cinciniiati, 30. Inn. In "Paris,
Kg., starb gestern Frl. Katie West an einer zn
großen Dosis Arsenik, welche sie genommen
hatte, um, wie man mein!, ihren Teint zarter
zu machen.
Eine (Äiftmischcrit. Fünf harm
lose .Mttvc? ihre Opfer.
Cincinnali, 1. Juli. —Zu Winchester
in Kentucky wurde am Sonntag eine Negerin,
welche in Diensten eines Herrn Eaton drer
von dessen Kindern vergiftet hatte, in Hast
genommen. Die Elende gibt an, sie habe
Nichts gegen die Familie gehabt und das
Verbrechen blos begangen, weil sie Lust dazu
verspürt habe. Dieselbe Person stand vor ei
nem Jahr in einer Familie in Clark County
in Diensten und starben daselbst ebenfall
zwei Kinder ihrer Herrschaft nnter verdächti
gen Umständen, so daß man Grund znr An
nähme hat, sie seien gleichfalls vergiftet wor
<-,,,-Msrd nd Selbst,orv.
E l e v c l a >i d, Ohio, 3". Juni. Der
Farmarbeiter John Bcunett ermordete heute
seine Frau und beging dann Selbstmord.
Tie Ursache war Eifersucht.
Hwc Dienstmädchen lebendig
verbrannt.
C l e v e l a n d, Ohio. 2. Juli. —JnOst-
Cleveland fanden gestern zwei Dienstmädchen.
'Namens Christine Roß und Minnie Bram
mer, während sie ein Feuer anzünden woll
ten, durch die Explosion einer Gasolin-
Lampe den schrecklichen Tod durch Verbreit
Dampfkessel - Grplosion. Acht
Menschen gctödtet und ver
l lvnndet.
Detroit, Mich., 30. Juni. Zu Ca
rollton, Mich., cxplodirten heute Morgen um
6 Uhr von den 5 Dampfkesseln in dem großen
Elabli'scment von Thomas Saglor K Comp?
zwei. Joseph Judson. Bemannn Chapmau
John Peck und George Watson wurden augen
blicklich getödtet. Watt'on binterläßt eine
Frau und drei Kinder. Ter 18-jähnge Wil.
liam Amnctt wurde so schwer verletzt, daß er
nicht geheilt weiden kann; C. Clcavelaud
wurde verbrüht und erlitt Contusionen; F.
Walter brach einen Arm und Coueg Davis
wurde am Bein verletzt.
Prozeß Witttcrmntc.
Z) ankto 11, Dakotah, I.Juli. Ter An
trag, dem Mörder Wintermutc einen neuen
Prozeß zu bewilligen.ipurde heute vom Ober
richterShannon abgewiesen, und Wiittcrmnle
wurde zn zehnjbrigcr Zuchihapvstrase verur
theilt. Der Fall wird jetzt vor das Appelle
tionS Gericht gehen, welches in der nächsten
Woche hier zusammentritt.
Sluö Ganada.
Quebec, 1. Juli.—Ter Achlb. F. G. L.
Siruve, der hiesige amerikanische Coniul, Hes
sen Amistcrmin soeben abgelaufen war, ist ge
stern 'Abend' gestorben. Hr. Struve war zur
Gesandtschaft in Livorno, Italien, befördert
worden.
Ter Kabeldatttpfer „Faradakj"
gescheitert.
Halifax, N. l. Juli. Ter
Dampfer „Faraday," welcher das neue atlan
tische Kabel legte, ging vor einer Woche von
hier ab. Soeben von Pietou eingelaufene
Nachrichten melden, daß der Dampfer aus der
Höhe von Halifax auf einen Eisberg stieß und
vollständig scheiterte. Man erwartet, bald
etwas Näheres zu erfahren.
Halispx, N. Sch., I. Juli. Ueber den
Untergang des Dampfers „Faradag" sind
widersprechende Gerüchte im Umlauf. Zu
verlässige 'Nachrichten tonnen vor spät NachtS
i nicht erwartet werden.
Der Klabct-Dt,mpfcr . Farada."
Widerlegung des (Scrüchte von
dem Untergänge.
Ncw Bork, 2. .uiii. Die Handeis.
börfe hat eine Depesche von Pietou, N. F..
erhalten, daß man dort und in Halifax Nichts
gehört hat von dem Untergänge des Dam
pfers „Faradag."
Toronto, Ont., 2. Juli. Ueber den
als gescheitert gemeldeten Dampfer „Faradag"
! fehlen bis letzt alle areinn.Heu Nachrichten.
Daß er gescheitert sei. glaub! maiinichl, indeß
ist die Annahme allgemein, daß ihm irgend
I ein Un'all zugestoßen, da; ihm die Kohlen
l ausgegangen, oder daß die Maschine beschä
digt'fei. -

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