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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, July 03, 1874, Image 2

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Der Teutsche Correspondent.
Baltimore, 3. Jntijtv?4.
. Baltimorer Mörder.
Es gab eine Zeit in unserer Stadt, in wel
cher cm Mord keine Seltenheit war, in wel
cher, gerade wir;"Anfaiig der sünfzigcrJahre
in den MincnEallsornicn's, der Ruf "-4 man
Lor breslclcast to Niviro " hier seine Bedeu
kling halte, in welcher Baltimore wegen der
häufige Straßcnkämpfe den 'Namen Mob
town erhielt. Die Zeit liegt glücklicher Weise
hinter uns. Die Bevölkerung der Stadt hat
sich seit jenen Tagen, in deucii Baltimore die
sen traurigen Ruhm genoß, fast verdoppelt,
die Verbrechen dagegen haben abgenommen.
Nur in den letzten Tage wurde man lebhaft
au die blutigen Vorgänge früherer Zeiten er
innert, zumal in einem iinbewachlen Augen
blicke mehrere junge Männer, welche zu den
vohlhabciidcrcii Klaffen gezählt werden dür
fe, mit dem Gesetze iuCoustikl gcricthcn uud
jetzt ihren Prozeß erwarten.
Montag wurde ttu Stadtgefärigniß dem
überführten Mörder Jones der Hinrichtungs
hesehl vorgelesen. Zehn Schritte von dieser
feierlichen und zugleich peinlichen Scene ent
sernt, hinter den sicheren Eisenstäben dcs Ge
fängnisses, stäupen die drei jungen Männer
McTonald, Goiibart und Eiarkc, welche von
der Anklagebehörde wegen Ermordung des
Spielers Bcrry Auws in Anklage versetzt
vorden sind.
Die beiden Morde, der des Negers Edward
Bcrry und der des Spielers Bcrry Auws,
varc sich tast gleich: in beiden Fällen waren
Mörder und Opfer Freunde und Eumpane,
die Verbrechen winden i einer Aufwallung
der Leidenschaft verübt, in wenigen Minuten
mar die Linie, welche den nnbescholtcncnMen
scheil von dem furchlbarstcnVcrbrecher, den das
Strafgesetz kennt, scheidet, überlchrilteu. Jo
nes muß sich jetzt aus den Tod vorbereiten,
denn seine Tage und Stunden sind gezählt;
die drei Anderen erwarten ihren peinlichen
Prozeß vor einem strengen Gerichte und hof
fentlich einer gerechten Jury. Während der
letztere Mord wegen der Lebensstellung der
Bctheiligten allgemeines Aussehen erregt hat
und noch heute das Tagcsgcsvräch bildet, in
denen das Für und Wider gleich heftige Par
teinahme findet, können wir heute ganz mibe
sorgt der Rechtspflege vertrauen; die Zeiten,
in denen ein Raufbold einen unschuldigen
Mann wie einen Hund niederschießen konnte,
ohne befürchten zu muffen, bestraft zu werden,
sind in Baltimore vorüber. Die Morde der
icuerenZeit waren dcrArt, wie sie lcidersüber
all vorkommen, wo der Mensch mit seinen
Leidenschaften lebt.
TageS-Nenigkeiten
Die Abdankung des G e ner alpost m c l
slcrs Creswetl hat Jedermann in Wa
shington überrascht. Im Gcncral-Postamte
Patte Niemand eine Idee davon, daß ein
Wechsel bevorstehe, und hohe unp niedere Be
amten erfuhren die Nachricht von der Abdan
kung erst am Donnerstag Morgen aus den
Zeitungen. Gestern ging in Washington das
Gerücht, daß Hr. Creswell wahrscheinlich die
amerikanische Gesandtschaft in Wien erhalten
tvcrde; ein anderer Bericht sagt, der Ex Post
meister werde in Washington bleiben, nm die
Prästdeittciislclle der „Hagcrstown National-
Bank," welche bekanntlich nach Washington
verlegt worden ist, zu übernehmen.
Senator Schurz, welcher infolge von
llcberarbeitung während der letzten Congrcß
fitzung längere Zeit krank war, befindet sich
jetzt in Narraganseti Pier,R.-J., wo er sich
ziemlich rasch wieder erholt; in der nächsten
Woche wird er nach sl. Louis zurückkehren.
Gouv. Kemper von Birginien hat ein
Schreiben au den Präsidenten gerichtet, ii.
welchem er energisch gegen die Instruktion
des Oberbundesauwaltcs au den Bundes-
Marschall vou Richmoiid in der Pctersbur
ger Angelegenheit prolcstirl. Der Gouver
neur sagt, daß er mit allen ihm zu Gebote
stehenden Mitteln dicie Invasion der Buu
desgewalt bekämpfen werde.
Iu den verschiedenen Departements
zu Washington herrscht zur Zeit die
größte Aufregung, weil in diesen Tagen die
zahlreichen Entlassungen, welche der Eongrcß
iu seinen Einschränkliiigsbesttcbuugeu ange
rdnet hat, ausgeführt werden müssen. Im
Schatzamte werden die meisten Kaiizlislcn ent
lassen werden. Die Bureau Chefs haben
scharfe Revue unter ihrem Personal gehalten
lind Diejenigen bezeichnet, welche am 1. Juli
zu entlassen sind. Männer, welche große Fa
milien zu ernähren haben, sollen allgemein
geschont werden; dagegen wird man beson
ders diejenigen Fanttiien heimsuchen, welche
durch mehrere Mitglieder an der öffentlichen
Krippe vertreten sind. Der einzige Trost,
welchen die zu entlassenen Leute haben, ist der,
daß man ihnen ein Gehalt für zwei Monate
Arbeit auszahlt, so daß Diejenigen, welche
im Bereiche ihrer Mittel gelebt haben, die
Mittel erhalten, sich anderswo umzusehen.
Am Samstage wurden im Schcitzantte vcr
schicdene Clerks entlassen.
Die Thatsache, daß Gouverneur Mo
ses von Süd-Carolina die verschiede
nen, wegen Diebstahls überführten County-
Schatzmeister begnadigt hat, ist vou den radi
kalen Vertretern jenes Staates im Cougrcsse
sehr übel vermerkt worden. Die Herren be
reuen cö jetzt, daß sie dem Gesuche der Süd-
Caroliiiacr Pflanzer und Grundbesitzer, um
eiue Untersuchung der Schandwirthschcift,
nicht mehr Vorschub leisteten, da das mahn
sinn Gebühren des Gonvcruenrs die Partei
n jenem Staate gründlich ruinircn muß.
Selbst eifrige Republikaner sind indignin
darüber, daß der Congreß aus das Ersnchcn
einer Handvoll „Carpcl-Vaggcrs" von Arkan
sas eine Unicrsuchiing angeordnet Hot, wäh
rend man eine Einmischung in die Angele
genheiten von Virgiitten kühl von der Hand
wies.
Der Distrikt Columbia hat gegen
wattig gar keine Regierung, weil die Coin
iinssäre, die die provisorische Regierung bil
den, noch nicht einmal acceptirt, und daher
mich noch nicht ihr Amt angetreten haben.
Ter Ex-Gonvcrncur Shcphcrd übt noch im
mer eine Art nicht-offizieller Oberaufsicht über
das Distrikts Eigenthum aus. Das Publi
kum fühlt kcincrici Unbequemlichkeit in Folge
der Abwesenheit der Commissärc, doch sind sie
nothwendig, wenn die Zinsen der Distrikts-
Schuld ausbezahlt werden, die am 1. Juli
fällig werden. Auch haben sie die Bezahlung
der schuld der abgetretenen Distrikts Regie
rang zu verfügen, zu welchem Zweck dcr Con
greß K 1,399,909 bewilligt hat. Unter den
Schulden befinden sich §299,999, welche die
„Washingtoner Gaslicht-Compagnie" zu for
dcrn hat.
Tie Utahbill ist, so, wie sie schließlich
angenommen wurde, nicht halb so schlimm
für die Heiligen der Salzsecsladt, als sie sich
anließ. Tie Bestimmung z. 8., daß in Ehe
schcidungs - Prozessen Mormonen nicht Ge
lchworcue sein sollten, ist ausgestrichen wor
de, und das war gerade die energischste gc
gen die Polygamie gerichtete Vorschrift. Die
Bill in ihrer endgültigen Fassung ist kaum
mehr, als eine gegen die Mormonen-Polga
mie gerichtete allgemeine Drohung.
Die Eisberge im atlantischen Meere
sind den Berichten der vom 'Norden kommen
den Fahrzeuge zusolge in der gegenwärtigen
Saison besonders häufig. Die Barke „Do
rina," welche dieser Tage von Ncwcastle,
England, in New-York eintraf, fuhr an Eis
feldern von ungeheurer Ausdehnung vorüber,
in deren Mitte man einen Eisberg von 4
Meilen und 599 Fuß Höhe bemerkte. Tie
fen Eisbergen schreibt man es zu, daß wir in
den letzten 14 Tagen so angenehmes, Som
mcrwetter gehabt haben. Wenn dieses der
Hall wäre, dann sollte man eine Anzahl Eis
berge durch Schleppdampfer herbeischleppen
lassen und an der Küste oder in der Bai ver
ciilkcrn.
Der Ta 11 se 11 d - Meilen - Gänge r
Donahue hält sich, wie aus Springficld,
Mass., gemeldet wird, recht tapfer. Er wird
lhänfig mit Rum und Kampfer, mit Brannt
wein, Salz und Eiweiß eingerieben. Mit
dem eigentlichen Ehrgeiz scheint es indeß zu
Ende zikgehen; die Hitze greift ihn stark an
und er ist so nervös, daß Niemandem gestat
tet ist, zu ihm zu sprechen, um seine Aufregung
nicht noch größer zu machen.
Der „Ci nc i nii a t i'e r Tur 11 verei n"
hat seinen Austritt aus dem Turnerbundc
widerrufen und sich mit einem Proteste gegen
das Verfahren der Tagsatznng in der Räppa
port'schen Angelegenheit begnügt. Tie dumme
Geschichte wird hoffentlich damit zu Ende
sein.
Jnßome, Georgia, wurde dieser Tage
eine Dame 199 Jahre alt und dic'jungetl Her
ren des Städtchens brachten ihr eine Serenade.
Dieses Ist ein Fall von Galanterie, der wegen
seiner Seltenheit Beachtung verdient und von
verschiedenen Journalen belobt wird. Wenn
es sich nun herausstellt, daß die alte Dame
eine hübsche Enkelin oder Urenkelin hat? Wo
bleibt dann der Grund sich zu vcrnmndern !
In New- York wurden vorgestern aber
mals 142 Hunde aller Rassen, welche ohne
'Maulkorb gefangen worden waren, abgethan.
Der Apparat, in welchem der Massenmord be
werkstelligt wird, ist neuerdings bedeutend ver
bessert worden. Man hat ihn von Innen mit
Zink ausgeschlagen, !o daß kein Gas eittwci
chen kann und läßt das Letztere einströmen,
che man die Hunde hineinwirft, wobei der
'Tod derselben bedeutend erleichtert und be
schleunigt wird. Diese Verbesserung ist durch
Prof. Toremus eingeführt, sie hat sich indes
scn noch nicht al genügend erwiesen und Hr.
Bergh hofft, daß demnächst Jemand eine an
d.re, bessere Erfindung macheu möge.
Die Unruhen nnter den Kohlcnbergleutcn
in der Nähe von C 0 l u m b u s, 0., dauern
noch fort, sind aber von Nelsonville nach
Strailsville verlegt worden. Man glaubt,
daß es doch nothwendig sein wird, die Miliz
aufzubieten, um weiterederartigeDemonftra
tionen zu unterdrücken und zu verhüten. Dein
Vernehmen nach hat einer der tonangebenden
Unternehmer in Strailsville den Bergleuten
.gesagt, er ziehe vor, den Weißcnßeschäftiqnng
zu geben, wenn sie Situationen zu 5 Cents
pro Tonne annehmen wollen. Auf dieses hin
haben fünf Männer einen Arbeits-Contrakt
unterzeichnet. In der Hayden-Minc in Hay
denville sind circa 99 farbige Bergleute an
die Arbeit gestellt worden, und sie leisten gute
Arbeit.
Der Tilton Beechcr'schc Skan
hal in Brooklyn, N.-U., ist wieder aufg'
frischt worden. Diesmal von Tilton, der,
um sich vor den fortwährenden Verfolgungen
der Freunde Beechcr'ö zu retten, folgende
Brief veröffentlich: hat, den Becchcr ihm kurz
nach dem Bekanntwerden dcs sträflichen Vcr
Hältnisse, in welchem er(Beecher)zn Tilton's
Gattin stand, schrieb: „Brooklyn, den 1. Ja
nuar 1871. Ich bitte Theodor Titlou nm
Verzeihung und demüthige mich vor ihm, wie
ich Mick vor meinem Gott demüthige. Er
(Tilton) würde in meiner Lage ein besserer
Mann gewesen sein, als ich gewesen bin. Ich
kann Nichts thun, als ihn bitten, der anderen
Herzen zu gedenken, denen Schmerz bereitet
würde. Ich will mich nicht rechtfertigen. Ja,
ich wünsche, ich wäre todt. Henry Ward
Beecher." Das ist ein Schuldbekenntniß in
bester Horm. Mit „den andern Herzen, denen
Schmer; bereitet würde," ist die Gemeinde der
Plymouth Kirche gemeint, der der Pastor ein
schmerzliches Aergerniß ersparen will. Was
iinn? Wird die Gemeinde auch jetzt noch
zu ihrem Hirten halten? Wir glauben:
>a. Man wird an die eizene Brust schlagen
und sagen: „Wer ohne Sünde ist, der werfe
den ersten Stein auf ihn!"
Der Beech er - T ilton's ch e Skan
d a l bildet in New York das Tagesgespräch.
Diejenigen, welche bisher annahmen, daßßee
cher sich an der Frau Tilton's und dadurch
an dem Letztern versündigt habe, wird inso
fern zum Schweigen gebracht, als man diese
Sünde aus ehrrührige Anträge reduzirt, die
Beecher an besagte Frau gestellt haben soll.
Andere Angaben lassen auch dieses nicht zu.
Jedenfalls weiß man, daß Beecher seit einiger
Zeit ohne Erfolg versucht hat, Dillon zu ver
anlassen, nach Europa zu gehen. Wann und
wie der Skandal seine schließlich,: Lösung sin
den wird, steht dahin. Jedenfalls wird es
lange dauern, che in den Augen des Publi
kumö der „fromme" Prediger der „Plymouth
Kirche" gerctiugt dasteht.
Dicluthertschen G e m e i ii d e n d er
Stadt und Umgegend von New
York feierten soeben ihr jährliches Missions
fest. Der Park war in allen seinen Räum
lichkeiten gefüllt. Um 19 Uhr wurde die Fest
lichkeit mit dem Choral „Eine feste Burg ist
unser Gott" eingeleitet, worauf Dr. Mohl
henke von der Pctcrskirche die Festrede hielt.
Derselbe gab eine statistische Uebersicht des
Standes der lutherischen Kirche in den Ber.
Staaten. Im Jahre 1819 existirlcn nur et
liche K 9 Gemeinden, während man deren jetzt
über 4999 zählt mit 4239 Kirchen, über 8999
Geistliche und 550,909 Gcineiudegliedern.
Die lutherische Kirche unterhält außerdem
fünf Waisenhäuser, zwei Asyle für Alte und
Gebrechliche, zwei Professoren an der Univer
silät von Pennsylvanien, fünf theologische
Seminarien und hat die Mittel gesammelt,
im nächsten Herbste ein Lehrer-Seminar zu
gründen. Außerdem werden Missiionsan
stallen iii Ostindien, China, Japan nnd Süd-
Afrika unterhalten. Nach Dr. Mohldenke
sprachen noch Pastor Halfmaiin von der St.
Matthäus-Kirche und die Pastoren Crotcl,
Frey und Andere. Die Collekte zum Besten
der äußeren und inneren Mission ergab einen
reichlichen Ertrag.
Coggia's Com et fängt jetzt au, als
ein blasser Nebelfleck zwischen dem Polarsterne
und dem großen Bären Abends zwischen Ii
und 1 Uhr sichtbar zu werden; in Zeit von 14
Tagen wird der geheimnißvolle Gast seine
ganze Majestät entfalten. Die Hitze ist be
reits „cometcnmäßig."
Ein Agent der Gedr ü d er R 0 t h schild
von Paris kaufte kürzlich bei der Privatver
stcigernng von Hausgeräthcii eines englischen
Lords drei Stück Sevres-Porzellan für den
hohen Preis von K 52,599.
Die enthusiastischen Bürger von Si.
Louis wollen dein Ingenieur Eads, welcher
die große Brücke über den Mississippi plante,
ein Erzslandbild errichten.
Den in der Presse über den Gesundheitszu
stand des alten Hccker cirkulirendcn Ge
rüchten gegenüber können wir aus bester
Quelle versichern, daß er sich in Colorado
ganz vortrefflich befindet.
Der berüchtigte Bundes - A r ch i tekt
M ullc und der nicht minder berüchtigte
BilndeS-Seuator Logan haben sich wegen
contraktlichcr Differenzen in Washington ge
hörig „gekeilt," wie die Einen, tüchtig „die
Wahrheit gesagt," wie die Anderen erzählen.
Auf alle Fälle paßt da des Dichters (nicht un
scr) Wort:
Carl Behrens ist gestern in Li ew Or
leans wegen Ermordung Edward Cole
maii's zum Tode verurthcilt wurden.
Die Gesetzgebung von M assachussctts
weigerte sich gestern mit 119 gegen 93 Stim
men, die vomGouveriienr inil dessen Veto be
legte Lizense-Bill anzunehmen.
In Philadelphia wurde am letzten
Sonntage au der Ecke der Wharlon- und
Barlowstraße die neu erbaute evangelisch lu
therische St. Johannes-Kirche feierlich einge
weiht. Es betheiliglen sich an der Feier auch
die Ehrw. HH. Stärken nnd Friuke und an
dere Bürger Baltimore's. Montag Abend
predigte Pfarrer Frinkc aus Baltimore in
deutscher Sprache; Dienstag Abend der
Ehrw. Hr. Kügele aus Cuinbcrland, Md.,
in englischer Sprache.
Ehrw. William H. Clagget, Prediger an
der Presbytcrianer Kirche in L 0 uisvillc,
Ky., hat sein Amt niedergelegt, weil einer
der Kirchen-Aeltcsten trotz der Gegenvorstel
luiigcn des Geistlichen darauf bestand, seine
Stellung als Buchhalter in einer Spiritus
i Fiihandluiig zu behalten.
! In verschiedenen Gegenden des Staates
Minnesota wurde am Samstag durch
einen furchtbaren Wirbelwind bedeutender
Schaden angerichtet. In St. Paul fiel ein
großer Fcuerball nieder und die elektrischen
Erscheinungen waren höchst imposant. In
Minncapolis schlug der Blitz in ein Haus
und tödtete ein dreijähriges Kind; zwei an
dere Personen wurden erheblich verletzt und
eine Dame, Namens Galcs, war eine Zeit
lang gelähmt.
In Paris starb am 12. Juni Dr. James
McNaughton, Präsident der medizinischen
Fakultät zu Albany, N.-?)., im Aller von 77
Jahren eines plötzlichen Todes.
Die Gefahren des Cirku S.— Bar
nuiii's großer Cirkus sin New-York giebt den
denkenden Leuten wegen der häufigen Unfälle
viel Stoff zu ernster Unterhaltung. ES fehlt
uns an Raum und Neigung, das eigentliche
Wesen einer solchen Arena zu beschreiben; es
möge genügen, zu bemerken, daß die Gcsah
reu derselben groß und zahlreich sind und die
jcnigen des fliegenden Trapezes womöglich
noch übertreffen. Seit Hr. Bornum vor we
nigen Monaten sein kolossales Etablissement
in 'New-York eröffnete, ist kaum ein Tag ver
gangen, au welchem nicht der eine oder der
andere Unsall zu berichten gewesen wäre. Bei
einer Gelegenheit wurde eiue Darstellerin von
einem Wagen geschleudert; sie gcrieth unter
die Räder und erlitt schwere Verletzungen;
ein anderes Mal stürzte bei einem „Mnstcing
Rennen" ein Mexikaner vom- Pferde uiid
wurde erheblich verletzt; einer jungen Dame
wurden von der Deichsel eines Wagens meh
rere Rippen gebrochen, und am Donnerstag
stürzte Frl. Alice Costnnycr mit ihrem Pferde.
Während dasselbe sich aufrichtete, trat es mit
einem Hufe auf die Brust der Dame und ver
letzte sie lebensgefährlich. Es ist ein eigen
thümlicher Zufall, daß, während diese junge
Dame tödtliche Verletzungen erhielt, Hrn.
Bornum als „demMannc, welcher durch seine
Unternehmungen in der ganzen Welt berühmt
geworden," in Bridgcport, Conn., Ovationen
gebracht wurden. Geht das so fort, dann
wird der Cirkus zahlreiche Chirurgen inArbeit
halten, und es wird eines eigenen Lcichcnbe
stattcrs und Friedhofes bedürfen, nm den Be
dürfnissen abzuhelfen.
Telegraphische Tepescheu.
Ter Postvertrag zwischen Frank
reich und den Vcr. Staaten.
Washington, 2K. Juni.—lm Depar
lement des Postamts lief heule Morgen ein
Telegramm und zugleich die offizielle Mit
lhcilnng von Seilen des französischen Ge
sandten ein, daß der Postvertrag zwischen
Frankreich und den Ver. Staaten von der
National-Versammlung ratifizirt worden fei.
Der französische Gesandte drückte dem Gene
ral-Postmeister heute seinen Wunsch ans, daß
der Verlrag mit dem 1. Juli in Kraft treten
möge. Dies kann indeß nicht geschehen, da
der 1. Anglist dafür schon angesetzt ist, und
die Ratifikationen erst gegenseitig äusgewech
selt werden müssen. Das Porto für Briese
von Frankeich nach den Ver. Staaten bis
zum Gewichte einer drittel Unze wird 19
Cents, und dasjenige für Briefe von den Ver.
Staaten nach Frankreich bis zum Gewicht ei
ner halben Unze 9 Cents bettagen. Für un
frankirte Briefe sind von den Empfängern
5 Cents extra zu bezahlen. Das Porto für
Bücher, Zeitungen, Proben zc. wird später
von jedem Lande besonders bestimmt wer
den.
Die Grenzregulirung zwischen Ma
ryland und Virginieu.
Washington, 2K. Juni.—Tie Schieds
richter, welchen die Grenzregulirung zwischen
Maryland und Virginieu übertragen wurde
neinlich der Achtb. Wm. A. Graham von N '
E. und der Achtb. I. S. Black von Pcnnsyl
vanien versammelten sich gestern Morgen in
..Willard'ö Hotel" um das Schiedsgericht zu
organisircn. Als Anwälte Virgiiiien's er
schienen die HH. A. Horncy und Gen. N T
Daniel von Richiiiond und Richter Robert'
wn von Charlottcville; Maryland war durch
die HH. I. D. Jones und Senator Wm P
Ähyle vertrete. Tie Verhandlungen wer
den sich augenscheinlich sehr in die Länac
ziehen.
Cochise's Gnde und Nachfolger
Washlngl 0 n, 2k. Juni. - Der hiesige
Commlssär für Indianer-Angelegenheiten hat
vom Agenten Saffold einen vom 19. Juni
datirten Brief, in welchem Letzterer das am
S.Juni erfolgte Ableben Cochise's meldet und
hinzufügt, es sei keine Gefahr vor dem Aus
bruch irgendwelcher Unruhen vorhanden. Un
mittelbar vor seinem Tode ermahnte Eochjse
seine Leute, Männer, Weiber und Kinder, in
die Agentur zu kommen und mit den Weißen
für immer in Frieden zu leben. Cochise's
ältester Sohn, Namens Taza, ist als Nach
folger seines Vaters proklamirt und als sol
cher von dem ganzen Stamme anerkannt
worden.
Weibliche Schul-DireNoren in
Massachusetts.
Boston, 29. Juni. Das Obergericht
dcs Staates hat die Appellation gegen die
Weigerung dcs Vostoner Schulrathes, Frauen
zuzulassen, abgewiesen. Der Schulbehörde
stehe nach dem Gesetze die endgültige Verfü
gung zu und der einzige, den Appellanten
ösienstchende Weg sei der an die Gesetzaebung,
um dort das Vorrecht, Sitze im Schul-Di
rektorium einzunehmen, zu erlangen.
Cin Vater erschießt sein T öchterchcn
und dann sich selbst.
Boston, 29. Juni. Der 30-jährige Jo
seph S. Sprague, Schreiber bei den Bankiers
Matthew Balles K Comp, in der State-
Straße, erschoß gestern in einem neben seinem
Wohiihaiije in Molden, Mass., gelegenen
Hain erst sein K-jähriges Döchterchen und dann
sich selbst. Cr verlor seine Frau vor etwa 2
Monaten und hat seitdem gekränkelt und
Spuren von Schwermuth gezeigt. Er hat
einen Brief zurückgelassen, in welchem er an
gibt, wo die Leichen zu finden seien. Sprague
stand iu hoher Achtung, und sein Töchterchen
war ein sehr munteres lebhaftes Kind.
Gin Mordprozeß.
P l y i 0 uth, Mass., 29. Juni. Der
Prozeß dcs Eduard Sturtevant, angeklagt,
am 15. Februar d. I. Simon Sturlevam,
Dys. Sturtevant und Mary Buckley ermor
det zu haben, nahm heute seinen Ansang.
Vom Blitze getroffen.
Colwcs, N.-y., 29. Juni. Wäh
rend eines heftigen Gewitters, welches heute
Nachmittag die Umgegend von Eoiwcs, N.-
?)., heimsuchte, wurde die Scheune des P.
R. Chadwick vom Büße getroffen. Zwei
Männer, Namens Frank H. Gibson und
James McGuddeii, die in der Scheune eine
Zuflucht gesucht, wurden Opfer dcs Blitz
strahls. Gibson wurde auf der Stelle ge
lödtet und McGuddcn so schwer verletzt, daß
er schwerlich mit dein Leben davonkommen
wird.
Unwetter im Staate New-Nork.
P 0 ughkeepsi c, N.-y., 29. Juni.
Ein heftiger Sturm zog heule über unsere
Stadt. Das Dach der Vassar'fchcn Brauerei
wurde über eine Entfernung von mehr als
499 Fuß nach der Watcrsträße geschlendert.
Der Schooner „Lizzie Dolle" wurde bei
Marlborough vom Sturme umgeworfen.
Die Mannschaft rettete sich an's Ufer.
Aon tollen Snnden gebissen und
an der LSaffersäien gestorben.
Ncw y 0 rk, 26. Juni. Der Mcinufak
tittwaareiihändlcr Wm. McCormick, Nr. 399,
O>t-si. Str., wohnhaft, wurde vor etwa ei
ucm Monate von einem kleinen Hunde in die
Hand gebissen. Am Montag spürte er einen
Schmerz im Nacken, den er für rheumatisch
hielt, später zeigten sich indeß die Symp
tome der Wasserscheu, und die Wnthanfälle
wurden so heftig, daß man ihm die Zwangs
jacke anlegen mußte. McCormick starb erst
gestern Abend nach tagelangem, furchtbarem
Kampfe. Acht Aerzte waren zu Rathe gezo
gen worden, ohne helfen zu können.
Die Kataftropye in Tyracnse,
New-?)ork.
N e w-?) 0 rk, 26. Juni. —Nach einer Spe
zial Depesche aus Syracnfe, N. Y., beträgt
die Gesammtzahl der Verletzten 133 und die
der Gelödtcteil 16. Die Verletzten werden
alle geheilt werden.
Eine gclieitnnitivoUc Vcrgiftnngs
Geschichte- Mord oder Selbst
mord.
N e w-y 0 rk, 26. Juni. Dr. Leo stellte
heute eine Post Mortem - Untersuchung der
Leiche dcs Fronzoscn Graudicr an, welcher
gestern tu Nr. 48, Bleeckerstraßc, eines Plötz
lichen Todes starb. Die Schleimhaut des
Magens war von einem ätzenden Gift voll
ständig zerfressen. Eine vom Coroner Keßler
angestellte Untersuchung dcs Falles hat erge
ben, daß Grandier ein Communist war. Ue
ber seinem Herzen war ein Dolch tättowiri
und andere Theile dcs Körpers mit geheim
itißvollcn Symbolen und Zeichen bemalt.
Frau Darazen, bei welcher der Verstorbene
den größten Theil seiner letzten Nacht zu
brachte, behauptet, seine Frau zu sein, wäh
rend Frau Barnard aus 'Nr. 43, Bleecker
straßc, in deren Zimmer er starb, sagt, daß
Grandier ihr einen Heirathsautrag gemacht,
den sie jedoch ausgeschlagen habe, da Gran
dier's Frau jetzt noch in Frankreich lebe.
Morgen wird ein weiteres Zeugenverhör statt
finden, um zu erfahren, ob Grandier Selbst
mord beging oder vergiftet wurde.
Cnba. —Nock ehr Blutthaten.
New -N0 r k, 27. Juni. Ein neuerer
Brief aus Havanna jagt, daß die Cubancr iii
dem Santiago de Euba-Bezirke 499 Spanier
gefangen genommen und 49 Wagenladungen
Proviant saisirt haben. Die 199 Gefan
genen wurden sofort von den Cubanern er
schossen.
Das „Diario" sagt, daß die Spanier zur
Zeit 69,999 Mann gegen die Cnbancr unter
den Waffen haben. Man nimmt an, daß
49,999 die cultivirlen Distrikte beschütze,
>9,999 sich aus der Krankenlistc und 10,999
gegen den Feind ini Felde befinden. Man
sagt, daß diese 19,999 bei Weitem nicht aus
reichend sind, UM K 990 —8999 mit dem
Lande vertraute Feinde im Schach zu hal
ten.
Gin Polizist von einem Giscnbahn-
Mäubcr ermordet.
P aters on, N.-J., 28. Juni. Da auf
der „Midland - Bahn" nahe der Pompton-
Junction in der letzteren Zeit mehrere Züge
beraubt worden waren, so wurde der Polizist
William High, jun., von hier abgeschickt, um
den Dieben auf die Spur zu kommen, und
verhaftete am Freitag Nachmittag einen ge
wissen Tick Debow. Gestern Nachmittag
wurden High und dessen Freund W.M.Mur
phy an einen einsamen Ort geführt, wo die
Diebe ihre Zusammenkünfte hielten. Heute
früh bei Tagesanbruch gingHigh an dasHaus
und verlangte John Anderson, den Haupt
mann der Diebesbande, zu seyen. Er hatte
indeß kaum zu Ende gesprochen, als Anderson
ans einem Fenster des zweiten Stockwerkes
auf ihn schoß und ihn tödtlich verwundete.
Murphy holte Hülfe herbei und verhaftete
Anderson und JohnTilus, welche mit Dcbow
zusammen hier in's Gefängniß gebracht wur
den. Rekordcr Marren, Dr. Quin und die
ElternHigh's haben denßcrwundclcn besucht,
der Rekordcr, um die Antcmortcm - Aussage
aufzunehmen, da High dem Tode nahe ist.
Tödtlichc Nitro - Glycerin - Gxplo
ston.
Ti tnsville, Penns., 2K. Juni.—John
E. Osbornc, welcher heute Nachmittag in der
Nähe von Barker City damit beschäftigt war,
eine Kanne mit 199 Pfund Ritro-Glycerin
auf einen Wagen zu schaffen, wurde durch sie
Explosion dieses gefährlichen Stoffes buch
stäblich zu Atomen zerrissen. Das Pferd
gelödtet und der Wagen zertrümmert.
Furchtbares Gewitter iu Wilkes-
barrc, Venns.
Wilkesbarrc, Penns., 29. Juni.
Unsere Stadt wurde heute Nachmittag von
einem furchtbaren Gewitter, welches beträcht
lichen Schaden anrichtete, heimgesucht. Der
Bergmann Georg Werner wurde, während er
sich in den Moffit - Gruben 11 Meile nnter
der Oberfläche befand, vom Blitze getroffen
und schwer verletzt. Ter Blitz fand seinen
Weg dahin längs den Eisenbahnschienen.
Auch ein Arbeiter in der Gasanstalt wurde
vom Blitze versengt.
Die „Memorial-Kirche" wurde vom Blitze
getroffen und der Hintere Theil derselben er
hcblich beschädigt. Die Drahlbrücke der
Southstraße schien ganz in Feuer zu stehen.
Auch in das Telegraphen Bureau der „First
National Bank" fand der Blitz seinen Weg,
und die Telegraphisten wurden durch Feuer
balle, welche in schneller Reihenfolge ihren
Lauf längs den Drähten nahmen und, ohne
Schaden anzurichten, explodirteu, einigerma
ßen in Schrecken gesetzt.
Während des Gewitters wurden in der
Stadt Hunderte von Bäumen entwurzelt oder
umgeweht und versperrten eine Zeitlaug dte
Straßen. Das Gewitter währte 15 Minu
ten: vor demselben stand das Thermometer
auf 199, nachher aus 89 Grad.
Ertrunken während des Versuches,
ein Leven zu retten.
W i lm ingto n.Dcl., 2K. Juni. Hr.
James Kirk, Aufseher in der am Brandywinc
gelegenen Fabrik von James Riddle, Sohn
8c Comp., machte gestern Morgen mit mehre
ren Anderen eine Bootfahrt. Das Boot ge
rietst in die starke Strömung und ein kleines
Mädchen fiel während des Schwankens des
Bootes in's Wasser. Hr. Kirk sprang sofort
nach, um die Kleine zu retten; es gelang ihm
dies auch, doch wurde er selbst von dem Stro
me fortgerissen und unter die Schleusen getrie
ben. Seine Leiche wurde später gefunden.
Er hinterläßt eine Frau und drei oder vier
Kinder.
Eine Einrichtung in Nord-Caro
lina.
Salisbury , N. - C., 27. Juni. Ge
stern wurde John Allen Äctchey wegen der
Schändung des l 7-jährigen Mädchens Millie
Bcrschcrer im Mai 1872 hier gehängt. Er
hatte sie auf offener Landstraße aiigesallen,
von ihrem Maulesel gezogen, in den Wald
geschleppt und dort das Verbrechen verübt.
Er wurde bei'm Prozesse lediglich auf Grund
der Aussagen des Mädchens selbst verurthcilt.
Noch unter dem Galgen behauptete er, das
Verbrechen nicht verübt zu haben. Er war
82 Jahre alt, kräftig gebaut, hatte ein fast
schönes Gesicht, ein einnehmendes Wesen und
eine mehr als gewöhnliche Bildung. Bis
zum Ausbruche des Krieges war er Clerk in
mehreren Geschäften und erfreute sich der all
gemeinen Achtung. Im Jahre 1861 trat er
in die coiiföderirte Armee und soll sich als
ein tapferer Soldat erwiesen haben. 18K4
dcsertirtc er und ging nach dem Staate New-
York, wo er bald wegen des Diebstahls einer
Reisetasche vcrnrlhcitt, aber vom Gouverneur
Feiiton begnadigt wurde, da er als ein
Freund der Union aus dem Süden betrachtet
wurde. Im folgenden Jahre kehrte er nach
Nord-Carolina zurück und erwarb sich bald
den Ruf eines geschickten Pferdediebes. Er
schloß sich einer Diebesbande n, die in dem
Gebiete zwischen Eiiicimiati, 0., und Chat
tanooga, Tenn., ihr Unwesen trieb. Nicht
weniger als 6 Mal wurde er in verschiedenen
Gegenden verhaftet, aber jedesmal gelang es
ihm, aus den Gesängnisseu zu ei -wüwn.
Im Jahre ISKL kam es in Grcenvbo,o, N..
C., bis zur Verurtheilung. Er sollte sieben
Jahre im StaatsgefSngmsse zubringen; aber
ehe er dahin abgeführt werden konnte, ent
sprang er. Zwei Jahre später wurde er in
der Nähe von SaliSbury verhaftet. Er war
gerade sehr schmutzig und zerlumpt und bat,
sich im Hause seines Vaters, bei dem sie vor
beigingen, umkleiden zu dürfen. Dies
wurde ihm gestattet uud an jede nach Außen
führende Thüre des Hause ein Polizist als
Wache gestellt. Setchey ging hinauf. We
nige Augenblicke später, und ehe er kaum seine
Kleider ausgezogen haben tonnte, kam eine
Dame herunter, passirte die Wache und
Ketchey wurde von den wachsamen Beamten
nicht wieder gesehen. 1872 wurde er von ei
nem jungen Frauenzimmer verrathen und in
ihrem Hanse verhaftet. Sobald dies bekannt
wurde, wurde er auf einen gerichtlichen Be
fehl nach diesem County gebracht, um sich
wegen des Verbrechens der Schändung der
I Millie Berscherer zu verantworten. Ehe in
dessen das Gericht im Oktober jenen Jahres
zusammentreten konnte, brach er wieder ans
dem Gesängnisse und erst am 1. Juli 1873
wurde er wieder elngefangen, nachdem meh
rere Tage hindurch Jagd auf ihn gemacht
und er erheblich verwundet worden war.
Das Sängerfest in Cleveland.
Cleveland, 24. Juni. Der zweite
Tag des Säiigerfestes brachte klares, kühles
Wetter. Es wurden für die Fremden eine
Anzahl von Ausflügen durch die Stadt und
deren Umgebung veranstaltet. In der Fest-
Halle fand eine Probe der Sänger statt, welche
schließlich die Form eines gemüthlichen Com
merscs annahm. Bei dem Abend-Conzert
war die Festhalte total überfüllt und Tau
sende, welche dem Conzert beiwohnen wollten,
mußten zurückgewiesen werden. Es waren
ca. 19,000 PerMen in der Festhalle uud mau
bedauerte aufrichtig, daß dieselbe nicht größer
ist. Die Leistungen des Chores, welcher zu
erst Lißt's achtzehnten Psalm saug, übertra
fen alle Erwartungen. Frau Pautine Lucca
saug zuerst ihr Lieblingslied, „Mein Lied"
von Gumpert, welches der Componist für sie
geschrieben hat, und die große Schlußscene
und Arie dcs fünften Aktes von Mcycrbcer'S
„Afrikoneriii." Sie mußte jede Picce wieder
holen. Ihr Erfolg war ein immenser. Die
Taililhäuser-Ouvertllre und der Mazeppa-
Mcirsch vou Lißzt wurden meisterhaft von den
New Yorker Musikern wiedergegeben. Tic
schubert'sche Compositioii „Die Allmacht"
für Chor und Orchester, fiel ebenfalls höchst
befriedigend aus. Der Tenorist Herr Abel
vonDciroit, eiuMitglicd dcs„Norda!iierikani
scheu Säugerbundes," sang das Tcnorsolo
und fand mit seiner Leistung stürmischen
Beifall. Das ganze Conzert darf als ein grau
dioser Erfolg rcgistrirt werden. Nach dem Fest
conzerte veranstaltete der Cleveland-Gesang
verein ein Moiidschein-Eonzcrt und Ball zu
Ehren seiner Gäste in dem Sommer-Garlen
:n Woodland-Avcune. Fast alle auswärt,
gen Sänger nahmen an dieser Festivität
Theil.
Clevcland, Ohio, 25. Juni. Eir
anständiger Regenguß, der sich heute Nach
mittag über unsere Stadt entlud, hat dein
Besuche dcs Maliiice-Conzcrts entschieden ge
schadet. Das Programm desselben war sol
gendcs:
1. Ouvertüre vou „Oberau," C. M. v.
Weber. (Philharmonisches Orchester.) 2. „Das
Veilchen" von Mozart. (FrauPauliue Lucca.)
3. Chor. (Schüler der öffentlichen schulen
Clcvelands.) 4. Conzert für Piano von C.
M. v. Weber. 5. Arie. " illt'eliee," aus
„Eriiani" von Verdi. (Herr Sahst und Or
chester.) 6. Chor. (Schüler der öffentlichen
schulen Clevcland's.) 7. „Abendsteru" aus
„Tannhäuser" vou R. Wagner. (Frau Pau
linc Lucca.) 8. Chor. (Schüler der öffent
lichen Schulen Clevcland's.)
Jede Nummer dieses Programmes wurde
in befriedigender Weise ausgeführt. Der Ge
sang der fünfzehnhundert Schulkinder machte
einen überwältigenden Eindruck. Die frischen,
klaren Stimmen und die Präzision im Ge
sang wirkte wirklich überraschend. Das Abend
conzert war wieder von circa 19,999 Perso
nen besucht.
Auch in diesem Conzerte waren cS haupt
sächlich die Vorträge des Philharmonischen
Orchesters von New York und der FrauPau
liue Lucca, welche das Publikum zum stür
mischsten Beifall hinrissen.
Bergmann hat durch die gestrigen zwei
Conzerte auf's Neue seinen Ruf als der beste
der amerikanischen Dirigenten bewährt.
Cleveland, 26. Juni Bei einer heute
abgehaltenen geschäftlichen Versammlung dcs
„Sängerbundes von 'Nord - Amerika" wurde
beschlossen, das Fest, statt alle zwei
Jahre, alle drei Jahre zu halten. Das nächste
Fest wird im Jahre 1877 in Louisville ge
feiert werden. Heute Abend wurde das letzte
Conzert gegeben, in welchem die Vereine ein
zeln sangen. Das Publikum war zahlreich
erschienen nnd die Durchführung des Pro
grammes in jeder Weise gelungen. Morgen
schließt das Sängerfest mit einem Picnic auf
dein Ausstcllungöplatze. Der ganze Verlauf
des Festes war von entschiedenem Erfolge be
gleitet.
Cleveland, 26. Juni. Daß die schon
bei Besprechung des ersten Haupt-Conzertes
geäußerte Befürchtung, daß eine gewisse Lau
heit unter den Sängern eintreten werde, nicht
ganz grundlos war, beweis't ein Aufruf, den
der Präsident des „Nordamerikanischen Sän
gerbundes," Hr. E.H. Böhm, zu erlassen sich
veranlaßt sah. Er beschwört in demselben
die Sänger, die einheimischen sowohl wie die
fremden, sich doch ja recht zahlreich zu den
Proben und Conzerten einzufinden und den
Erfolg des Festes durch Saumseligkeit nickt in
Frage zu stellen. Es scheint, daß die San
gcsbrüdcr ans Cincinnati, die auch eine ziem
liche Partie ihres sich überall eines guten Ru
fes erfreuenden Gerstensaftes mitbrachten, den
Anstoß zu dieser Erschlaffung des Eifers ge
geben haben, denn so lange dieselben noch
nicht eingetroffen waren, wär man nicht ge
rade sehr zufrieden mit dem den Durstigen
vorgesetzten Biere.
Der Aufruf des Präsidenten verfehlte übri
gens nicht seine Wirkung, denn bei dem ge
steigen Abendconzene, bei welchem der Sän
gerbund „Deutschland's Auserstehung" von
Rusf, „Neuer Frühling" und den Bachus-
Chor aus „Antigone" von Mendelssohn sang
und für jede dieser Leistungen wohlverdienten
Beifall von dem voll 19,999 Personen starken
Auditorium einerntete, war der Bund, wenn
auch nicht ganz vollzählig, so doch sehr stark
vertreten, so daß anzunehmen ist, daß die
Sänger es denn doch als Ehrensache ange
sehen hatten, auch das zweite Hauptconzcrt
dem ersten würdig an die Seite treten zu
lassen. Wie gestern schon berichtet wurde,
erntete Frau Liicca auch bei dieser Gelegen
heit deu wohlverdienten Beifall und Blumen
'penden.
Daß das Orchester unter Bergmann's be
währler Leitung auch seine Aufgabe vollst
dig erfüllte und nicht geringen Antheil an
dem Erfolge hatte, wurde schon erwähnt.
Hoch ging es nach dem Conzerte in Kettberg's
Halle zu. Da fehlte Keiner, da schäumte das
Bier, da knallten die Pfropfen und da saug
und jubelte Mancher, der es vorgezogen Hatte,
bei dem Conzerte passiv zu bleiben. Heiter
und fröhlich endete dieses Fest erst bei'm Mor
gengraneu.
Heute Abend fand das Schlußconzert statt.
Das Orchester, das wieder tüchtig am Platze
war, eröffnete dasselbe mit dem Vorspiele zu
Wagner's „Meistersinger," später trug es die
Rojsini'sche „Wilhelm Teil" Ouvertüre und
den „Prophetenmarsch" von Mcycrbecr vor;
alle drei Leistungen waren tadellos. Nicht
dasselbe ist von den Einzelvorträgcn der ver
fchicdcncn Bundesvercliie zu berichten, von
denen sieben sich hören ließen.
Bei einzelnen derselben ließen sich bedenk
liche Schwankungen vernehmen, doch es wäre
unrecht, bei dem Schlüsse einer Festwoche, die
der Anstrengungen so mancherlei bot und die
im Ganzen genommen vieles des ganz Vor
züglichen brachte, ein zu strenges kritisches Ur
theil fällen zu wollen. Auch das letzte COll
- brachte so manches Ancrkennenswerthe,
wenn es begreiflicherweise auch keinen Ver
gleich mit dem früher Gebotenen auszuhalten
vermag. Nach dem Conzerte waren die frem
den Sänger und Musiker Gäste des „Turn
vereins" und der „Harmonia" und schienen
sich bei diesen Commersen vorzüglich zu unter
halten. Morgen findet denn zum Abschlüsse
des Festes das große Pic-Nic statt und Cleve
land wird am Sonntage schon wieder feine
Alltagsphysiognomie zeigen.
Ueber das Endresultat sagt der Referent der
„N. y. Stsztg.":
„Wir bedauern, eingestehen zu müssen, daß
der „Nordamerikanische Sängerbund" auf dem
diesjährigen Sängerfeste nicht den gehegten
Erwartungen entsprochen hat; allerdings mag
die Auswahl der Festlieder und deren Schmie
rigkeitcn Manches entschuldigen, Vieles und
uamentlich die schwache Betheiligung von
Seiten der Gesangvereine aus den größeren
Städten des Landes muß den druckenden
Zeilverhältnissen zugeschrieben werden, den
noch aber hätte wohl mit den vorhandenen
Mitteln Trefflicheres geleistet werden können,
wenn es au der nöthigen Energie nicht ge
mangelt hätte und namentlich die'Theilnahme
an den Proben eine größere gewesen wäre.
Die Bundes-Versammlung wurde Don
nerstag Morgens 19 Uhr durch den BundeS-
Präildenten, Hrn. Böhm, eröffnet. Er be.
klagte, daß die Betheiligung gegen früher eiue
ichwächere geworden sei, und daß die Ver
sammlung darauf denken müsse, neues, fri
sches Leben in den Bund zu bringen.
Man ging sodann auf eine paragraphen
weise Durchnahme der Constitution ein, als
das beste Mittel, an alle wichtige Punkte zu
kommen, und strich die Bestimmung, daß die
Feste des Bundes hauptsächlich nur Männer
gcsangfeste sein sollen.
Ferner wurde bestimmt, die Bundesfeste alle
drei Jahre künftighin abzuhalten. Die An
zahl der Festhefte, die ;eder Verein ankaufen
müsse, zu vermehren. Jeder Verein müsse
bei dem Bundesfcste mit mindestens dreifachem
Quartelt erscheinen. Nur solche Sänger,
welche die Proben mitgemacht, sollen bei den
Aufführungen mitwirken dürfen.
Ferner wurde bestimmt, die Auswahl der
Fejtlicder 12 Monate vor dem Feste zu treffen,
und zugleich dem Festdirigenlcn zur Pflicht
gemacht, alle Vereine vor dem Feste zur Prü
fang zu besuchen."
Clevcland, 27. Juni.— Das Sänger
fest wurde gestern in würdiger Wcije geschlos
jcu. Heute wird noch er großes Fest im
Walde am See gegeben. Die Entnahmen
bei den fünf Conzerten beliefen sich auf unge
fähr 239,999. Das Fest kostet gegen §59,-
999 uud das Defizit wird von den Clevelan-
getragen werden. Die amerikauischcn
Blätter machen darauf aufmerksam, daß wäh
rend der Woche weniger Fälle von Trunken
heit vorgekommensind, als sonst.
Opfer des Unwetters im Westen.
Clucinnati, 2K. Juni.—Während der
gestrigen Gewitter wurden zu Fort Wahne,
Ind., 3 Personen, in Circleville, Ohio, ein
Mann, in Huniingdou, West Virginieu, eiue
Frau, ln Kalamazoo, Mich., zwei lunge Leute
und in Marion, Ind., der Postmeister vom
Blitze getroffen.
Aus Versehen erschossen.
Cincinnati, 0., 27. Juni. Der
„Gazette" wird ans Owensburg, Greeu-Co.,
Ind., geschrieben, daß die ganze Bevölkerung
kper Gegend Jagd auf einen berüchtigten
Dieb, Namens Geo. Rewman, machte und
am letzten Samstage ihn in ein Dickicht
trieb. Er wurde während der Nacht be
wacht. Kurz vor Tagesanbruch bemerkte B.
F. Eorbin den Dieb und verließ seinen Po
sten, um einer anderen Wache Nachricht zu
geben. Diese hielt Eorbin für den Dieb und
schoß ihn nieder. Newman entkam.
Mord in Cincinnätt.
Clnclnnat i, 29. Juni. Peter Gräff
wurde gestern früh von dem K9-jährigcn I.
W. Coleman kaltblütig niedergestochen. Drei
Zeugen, darunter die Frau des Ermordeten,
sagten bei dem Jnqucst aus, daß Eoleman
sein Opfer mit einem großen Messer ange
griffen habe. Es läßt sich für die That kein
Grund angeben, da vorher unter den Beiden
kein unfreundliches Wort gewechselt worden
Mord in Folge von Vcrlän
. dnng.
i n n a t 1, Ohio, 29. Juni. Eine
spczial-Depejche aus TuScumbia, Ala., an
deu hiesigen „Eommcrcial" meldet: „Vor
einem Jahre verbot der Achtb. I. H. stoß,
Congreßiitttglicd für diesen Distrilt, Hrn.
George Long, welcher von guter Familie war
und sich eines guten Rufes erfreute, jeden
weiteren Umgang mit seiner Tochter. Long
wurde darüber empört, sprach in sehr scharfen
Ausdrücken über Hrn. Sloß und griff den
Charakter der Tochter desselben an, indem er
behauptete, daß er zu ihr iu unerlaubt inti
mem Vcichältnissc gestanden habe. Als Hr.
Sloß am Freilag Abend aus Washington zu
rückkehrte, crsuhr er diese Perläuniduiigei! aus
dem Munde seiner eigenen Tochter. Am
Sonntag Abend stand er an einem Fenster
dcs oberen Stockwerkes, und als er Long ans
der gegenüberliegenden Seite der Straße er
blickte, feuerte er einen Schuß Schrot ans ihn
ab. Long wurde von vier Schrolkörncrn im
Schädel, einen im Nacken und zwei im Kör
per verwundet nnd wird nach Aussage der
Aerzte den Wunden erliege!'. Sloß gesteht,
den Schuß gethan zu Haben nnd wird jetzt
vom Scheriss bewacht."
Schreckliche' Tos in eine? Sage
mühle.
Cineiunati, 29. Juni. Iu einer
Sägemühle zu Tyler-Eily, Ind., fiel am
Samstag ein deutscher Arbeiter, dessen Name
unbekannt ist, auf eine Säge, welche mit gro
Bcr Geichivindigkeit arbeitete, und in wenigen
Sekunden waren ihm der Kopf und ein Arm
abgesägt.
Eine M,ttcr verbrennt ihr eigenes
Kind.
L ouisvi l lc, Ky., 29. Juni. Eine
farbige Landstreichern, blieb kürzlich in einem
Farmhause in Rock-Castle-Couitty über Nacht
und gebar daselbst ein Kind, mit welchem sie
in den nahe gelegenen Wald ging. Am sol
genden Morgen wurden die verkohlten llcber
reste des Säuglings in einem Aschenhaufen
gefunden. Die unmenschliche Mutter ist ent
kommen.
Drei Menschen lebendig ver
brannt.
Detroit, Mich., 29. Juni. Zu Eve
rett, Mich., kamen James Gleasoii, dessen
Frau und Kind heute Morgen bei einem
Feuer in den Flammen um.
Der Mörder des Generals
McCook.
Z) ankt 0 li, Dacota, 25. Juni. Ober-
Achter Shannon hat in der Untersuchung gc
gen den Mörder Wintcrmule, den die Jury
wegen Ermordung des Generals McCook mit
einem sehr gelinden Verdikt hatte durchschlüp
fen lassen wollen, die Argumente für die Be
willigung eines neuen Prozesses angehört.
Der Hauptgrund dafür ist, daß drei der Ge
schworenen vor dem Prozeß ihre Meinung
über den Mord zum Ausdruck gebracht ha
ben. Das Gericht behielt sich die Entschei
dung vor.
Die Seiden,zuchi —Ein Erlaß der
chinesischen Regierung.
San Franzisc 0, 27. Juni.—Auf An
laß des amerik. General-Consuls Scward
und anderer fremder, in China accrcditirtcr
Consuln hat die dortige Regierung einen Er
laß veröffentlicht, weicher allen Seidcnzüch
tern, Fabrikanten und Exporteuren gcbictel,
bei der Seidcnzucht und der Verarbeitung
der Seide sich größerer Borsicht zu befleißigen
und bei Strafe alle Fälschungen bei der Ver
packung und Ausfuhr der Seide zu vermei
den. Der Erlaß wird als eine Folge der Be
schwerden bettachtet, die von auswärtigen
Handelskammern im letzten Jahre gegen die
Fälschung der Seide und die geringere Qua
lität des ausgeführten Artikels erhoben wor
den sind.
Frecher Ncbcrfall und Ranb.
San Franziseo, Cal.,29.Juni.—Ge
stern Abend drangen zwei Individuen in die
Wohnung des Hrn. McCormick, Zollcinneh
mcrs zu San Diego, banden und knebelten
ihn, und verschafften sich die Schlüssel zur
Geldspiiide des Zollhauses. Einer blieb als
Wache bei dem Einnehmer, während der
Andere in'S Zollhaus ging, die Spinde öff
nete und F3909 aus derselben stahl. Die
Diebe waren verkleidet und entkamen; ein
gewisser Williams, der Mitschuld verdächtig,
ist indeß heute verhaftet worden.
Lins Ganada.
Toronto, 29. Juni. Der „Globe"
hält das Projekt der zur Zeit in Montreal
tagenden französijch-canadischen Convention,
welche die nach den Ver. Staaten ausgewau
derten franz. Canadier veranlassen soll, nach
Canada zurückzukehren und der Provinz
Quebec wieder die Oberhand zu gebe, für
unausführbar. Man möge die Ausgewan
derten einlade, die alte Hcimath zu besu
chen, aber ihr Bleiben sei sehr problematisch.
Die Wtttl dcs UnweNc in Ncn-
Brannschwcig. Bcrlnst an
Menschenleben nnd Schisse.
B a thn rst, N.-Br., 26.Juni.— Das un
günstige Wetter ruft große Besorgnis; hervor.
Die Vegctatton macht langsame Fortschritte
und die Aussichten der Farmer stellen sich we
niger günstig. Gestern wurden wir von einem
heftigen Hagelschauer überrascht. Während
des Sturmes iu der vorigen Woche verloren
an der Ostküste von Reu Brannschweig 32
Menschen, darunter 19 Fischer, das Leben.
4 Barken und vSchooner strandeten und etwa
39 Fischerboote wurden zerschellt. Ter Vcr
lust an Netzen wird sich als sehr bedeutend
hcraudslellcu.
(Europäische Berichte.
—Ein V 0 ges cn - Rcis cud cr erzählt
in der „Magd. Ztg." einen kleinen Vorfall,
der an und für sich von keiner Bedeutung
wäre, wenn er nicht sowohl für die Sprach
verhältnisse imElsaß, als auch seiner innern
Bedeutung wegen charakteristisch wäre. Der
Reisende erzählt: In Mölsheim stieg eine el
säsfische Dame in Begleitung ihres kleinen
Sohnes in unser Coupe. Ihre Mutterspra
che war wie bei Monsieur Teutsch au
genscheinlich Französisch, denn sie unterhielt
sich mit dem Kinde nur in dieser Sprache.
In Folge einer Meinungsverschiedenheit be
gann aber der Junge Plötzlich laut zu weinen
und benahm sich sehr ungeberdig und unar
tig. Vergebens suchte die Mama mit allen
Schmeichellaulen, deren nur eine Mutter fähig
ist, das Kind zu besänftigen: sois tranguil,
WON muri pstit bebe. Aber es half
Alles nichts, bis sie im höchsten Zorne den
Knaben anrief: „Du infamer Lausbub !" Da
sah das Kind sie groß an und im Gefühl, daß
wenn die Mama anfängt, Deutsch mit ihm zu
reden, es mit dem spaß aufhört, wurde es
plötzlich still und artig bis znr Endstation
Barr.
(Schwei z.) Im Flecken Schwy;
herrscht große Entrüstung darüber, daß ein
junger Geschäftsmann, der bisher Vertrauen
und Credit genoß, Meinrad Rhyner, sammt
Frau mit Hunderttausende!, von gepumpten
Franken nach verduftet ist. Rhy
ner hatte die Frechheit, vor dem Einschiffen
die Depesche nach Schwyz zu senden: „Ich
reise nach Amerika ! Adieu Schweiz!"
Aus Paris berichtet manunter'm 22.
April die folgende heitere Geschichte von einer
vor procura gegebenen Ohrfeige: Vor einiger
Zeil erschien der belgische BaronWersktern in
Begleitung seinesßedientenin sehrübler Laune
in einer Weinstube des Quartier de l'Arc de
Triomphe. Seine üble Laune kam daher,daß
er soeben für ein Faß Bier, was er sich hatte
kommen lassen, am städtischenMauthschranken
53 Fr.Verzehrungssteuer hatte zahlen müssen.
Indem er sich einen Trunk bestellte, begann
der Baron über die Franzo>cn zu schimpfen
und wurde deshalb zusammtseinemßedicuten
von den anwesenden Gästen alsßismarck'scher
Spion undPrusfien traktirt.Tarübcrwllthend,
ertheilte Baron WerSktcrn feinem Bediente
Joseph den Befehl, einem der Bcschimpfer eine
Ohrfeige zu geben. Der Diener scheint die
Befehle seines Herrn pünktlich zu vollziehen,
denn kaum hatte der Letztere seinen Willen ge
äußert, w lag auch schon ein dicker Wcinhänd
ler Chabanon unter dem Tische,von Joseph's
wuchtiger Haust zu Boden gestreckt. Die Pol
izei llltervenirte, nahm ein Protokoll auf und
Veranlassung, daß der Baron,trotzdem er
dem Chabanon 599 Francs gegeben hatte,
damit er zur Sache stille sei, sammt semem
Biener wegen gröblicher Verletzung eines
ruhigen Staatsbürgers vor Gericht kam.
Ehabanon, der trotz des Schweiggeldes als
Zeuge auszusagen genölhigt war, stellte die
Sache sehr harmlos dar. Joseph, der treue
Diener seines Herrn, meinte, er habe einen I
Befehl.erhalten gehabt uno denselben aus-
fuhren müssen. Der Baron endlich erklärte,
der ehrenwerthe Präsident des Tribunals!
wurde in seinem Falle ebenso gehandelt ha
ben, und er, der Baron, habe seinem B-fehle
keine wettere Bedeutung beigelegt, als ob
er befohlcit hatte, einem ungebetenen
zu weisen. Das Tribunal
fand sich durch Vertheidigung des belgischen
Edelmannes und seines Ticners nicht'befrie
digt und verurtheilt- den Ersteren zu 199, den
Letzteren zu 50 Francs Buße. Die Ohrfeige
also 659 Francs gekostet; ein
etwas kostspieliges Vergnügen.
Wahnsahns i nn.) Die„L.
zlgcrNachnchttii" erzählen unttr'm 20. Mai'
„Es wird uns verbürgte Mittheilung von
einem eben,o merkwürdigen als fast unglaub
llchen vorfalle gemacht Hiernach hat am
vergangenen Sonntag Morgens eine Frau
in Sclttrhamen, welche in gesegneten Um
standen gewesen, sich ein Messer in den Leib
gestoßen und bedeutende Verletzungen beige
bracht. Am Dienstag früh soll die Unglück
lichc den schrecklichen Verwundungen erlegen
fttu- Vorfall erhält aber dadurch beson
dere Bedeutung, daß man die Frau als ein
religiösen Wahnes bezeichnen kann, da
ste notoriich eine sehr eifrige Anhängen einer
hier bestehenden religiösen Sekte gewesen ist
und Spuren religiöser Sinnesverwirrunq
lchon vor der That an den Tag gelegt hat."
—Zu deil uiivermeidlicheil Schrek
ken eines Bürgerkrieges gehört es,
day nahe Blutsverwandte einander bewaffnet
in der chlacht gelebenüberstehen. Aber al
len Glauben übersteigt eine Unthat, die einem
Correspondentcn der „Kölnischen Zeitung" in
Bilboa als volle Wahrheit verbürgt wurde.
Ein republikanischer Soldat war einer
carlistijchenAbtheftung in die Hände gefalle,
die von dessen eigenem Vater commandirl
wurde. Als derselbe seinen Sohn erkannte,
gab er sofort Befehl, denselben zu erschießen.
Und so geschah eö.
Ter Kirche streit in Deutschland
dauert in unverminderter Heftigkeit fort.
Ueber zwei Bischöfe, von Pclplin und Padcr
born, wird demnächst die Berhaftiing ver
hängt werden. Das Kreisgericht in Pader
born hat erkannt, daß die gepfändeten Möbel
dcs Bischofs Martin am 31. Mär; 1873
rechtsgültig dem Gutsbesitzer Martin, dem
Bruder des Bischofs, verlauft worden seien,
also ilicht als Pfändniigs - Objekt für die zu
zahlenden Strafgelder angesehen werden
könnten. In Bayern wurde ein Beichtva
ter, Pater Lorenz, zu acht Tagen Gefängniß
und Geldbuße verurthcilt, wett er zwei Kna
ben in der „Christenlehre" mißhandelt haben
sollte. In Dortmund kann der alt - latho
tftche Gottesdienst nur unter polizeilichem
Schutze abgehalten werden. In Essen ging
es, wie die „Ess. Ztg." meldet, insofern noch
schlimmer, als dort die Gemeinde-Mitglieder
und deren Geistlicher auf offener Sttoße mit
Steinen beworfen worden sind.
—lm uii gar isch e n Reichstage,
welcher am 25. Juni geschlossen werden soll,
ist man eifrig in den Sektionen mit den Ge
setzen über die Mittelschulen und die Wahlre
sorm beschäftigt; im Herbste soll dann die
wichtige Vorlage der Steuerreform erfolgen,
.zu welcher im Ftttaiiz-Ministcrium die Vor
arbeiten bereits im Gange sind.
—ln der bayerisch en Ka in in er ha
den die Clerikaleu einen Sieg errungen. Die
Parteien stehen sich in der Kammer gleich
stark—77 Liberale und 77 Clerikalc—gegen
über. Die zufällige Abwesenheit einiger Mit
glieder, oder auch, wie im vorliegenden Falle,
nur eines Abgeordneten kann daher für den
Charakter der gefaßten Beschlüsse entscheidend
werden. So tam es, daß die Beschwerde des
Grasen Fugger wegen seiner Ausweisung
durch das Jesuiten-Gesetz, die sich auf die
Verletzung der bayerischen Rejcrvatrcchtc
stützte, heule von der Kammer mit 77 gegen
7K Stimmen für begründet erklärt wurde,
trotzdem die Regierung sehr energisch dagegen
opponirte.
—Die deutschen Lehrer hielten in
Breslau ihre 21. Jahresversammlung; es
hatten sich zu derselben gegen 3909 Theilnch
mer eingefunden. Zu Präsidenten wurden
Schulrath Hofftnaun (Hamburg), Hauptleh
rer Sturm (Breslau) nnd schuldirektor Ber
tholt (Dresden) gewählt. Die Lehrerversamm
lung hat sich für die Ueberttagung der Volks
schule auf das Reich und für confessionslose
Gemeinschulcn erklärt.
—ln Süd-Deutschland droht der
Mangel an kleiner Münze zur förmlichen Ca
lamität zu werden. Das preußische Finanz-
Ministerium hat versucht, die norddeutschen
Zehn und Fünsgroschenstücke zur Befriedi
gung des augenblicklichen Bedürfnisses im
süddeutschen Verkehr zu verwenden, doch ha
ben sich die süddeutschen Regierungen hierge
gen verwahrt. Die betreffenden Münzen sind
zum Theil so abgegriffen und in ihrem Ge
präge so verschieden, daß für den gewöhnli
chen Mann eine hcilloie Verwirrung ent
stehen würde, wenn man dergleichen Münz,
stücke plötzlich iiichen Verkehr werfen würde.
In der Schweiz traten am 1. Juni
sowohl 'Nationalrath als Ständerath zusam
men. In beiden Körpern wurden dem Her
kommen gemäß die seitherigen Bice-Präsiden
ten gewählt; im ersteren Fehr-Herzog von
Aarau mit 43 von 83; im letzteren Köchlin
von Basel mit 28 von 35 stimmen. Beide
gingen un ersten Scrutininm aus der Wahl
urne hervor. Mit Fehr Herzog concurrirte
namentlich Rnchounct von Lausanne, mit
Köchlin Morel von St. Gallen; beiden wurde
dann auch die Ehre des Bice-Präsidiums zu
Theil. Ruchonnet wurde im Nationalrath
mir 52 von 85 im ersten, Morel im Stände
rath mit 25 von 35 Stimmen im dritten
Scrutinium als Vice-Präsident gewählt. Als
Curiosiim sei erwähnt, daß der Frciburger
Deputirte Wuillcret, der im Nationalrath
wegen eines an Louis Napoleon gerichteten
landcsverrätherischen Jnterventionsgesuches
auf der Anklagebank saß und gegen welchen
öffentlich die Hoffnung ausgesprochen wurde,
er werde freiwillig seinen' Austritt nehmen,
nicht nur noch bei m Verlesen der Mitglieder
als solches aufgerufen wurde, sondern bei der
Vice-Präsidcntenwahl sogar mehrere Stim
men erhielt. Herr Wuillcret hat somit an die
Erfüllung jener Hoffnung bis jetzt noch nicht
gedacht.
In B er n ist der portugiesische Gesandte
Vicomle de Santa Isabel bei'm Gange über
einen Bauplatz so unglücklich'gestürzt, daß er
einige Tage nachher starb.
—Bei der Parade in WOO l wich (Eng
land) ist es aufgefallen, das; der Kaiser von
Rußland, als die Cadetten aiifmarschirlen,
den Prinzen LoniS Napoleon aus dem Gliede
zu sich heranrief, ihm ei Pferd geben ließ
und ihn nebst dem früher in Petersburg ac
credirien General Flenry an seiner Seite
behielt. Der Angabe, daß der junge Prinz
im Examen durchgefallen sei, wird auf das
Bestimmteste widersprochen; von den Lehrern
in Wooiuuch soll vielmehr seiner geistigen Be
fähigiing kein ungünstiges Zeugnis; ausgestellt
worden sei.
Ueber die Verhaftung des
russischen Gr 0 Bsürsten Nikolaus
werden aus St. Petersburg folgende weitere
Einzeinheiien berichtet: „Ter Vater des jnn
gen Prinzen, der Großsürst Constantin Niko
lajewitsch, reiste sofort nach beendeter Feier
! der Vermählung seiner Tochter mit den, Her
l zog Engen von Württemberg ohne die übri
gen Mitglieder seiner Familie von Stuttgart
nach Petersburg ab. Unmittelbar nach sei
ner Ankunft daselbst ging General Treposf,
der oberste Chef der russischen Polizeigewall,
der ein Hauptwerkzcng bei der Gesängen
sctzung des im,gen Großfürsten gewesen zu
sein scheint, höchst unerwarteterweise auf län
geren Urlaub in's Ausland, und es wird all
gemein in Petersburg vermuthet, daß dieser
hohe Würdenträger in Ungnade gefallen ist.
Was nun die Arretirung selbst betrifft, so sagt
auch die „Augsb. Allg. Ztg.," daß dieselbe
erfolgte, weil der Fürst die Diamanten seiner
Mutter entwendete, und daß er zu dieser Han
dlung durch die ungemessenen Ansprüche seiner
Geliebten veranlaßt wurde. Um ihn den
gefährlichen Reizen dieser Person zu entziehen
und ihn von Petersburg zu entfernen, halte
der Kaiser ihn zum Befehlshaber der Amu-
Expedilion ernannt, welche die russische Haupt
stadt am 2k. 'April verlassen sollte. Der Ab
gang der Expedition wurde plötzlich im letzten
Augenblicke auf unbestimmte Zeit verschoben,
ist ledoch jetzt ohne ihn erfolgt. Es ist sehr
zweifelhaft, ob des Großfürsten Commando
über die Erpeditiowckür ihn von irgend wel
chem denn die erste
dem verhängniß
vollen Gegensinn derlei ner Neigung, als er
nämlich vom Kaiser beauftragt wurde, an dem
Feldzuge gegen Khiwa teilzunehmen, schien
die Heftigkeit seiner Leidenschast nur noch zu
steigern. Kaum war er wieder nach Peters
bürg zurückgekehrt, so wurde die alte Liaison
erneuert.
Als neueste Mittheilung können wir noch
hinzufügen, daß die Sache aus besonderes
Bitten des Vaters des jungen Verbrechers
nicht öffentlich vor den Gerichten verhandelt
werden wird, und daß vielmehr bereits die
endgültige Entscheidung dahin getroffen
wurde, den jungen Großfürsten ans Lebens
zeit nach dem Kaukasus zu verbannen.
In der französischen Nationalver
sammlung stellte seiner Zeit der Deputirte
Cyprian Girero den Antrag, daß die Perfol
gungcn gegen die, welche sich an der Commune
betheiligr, vom 31. Mai d. I. an eingestellt
werden lallten. Tie mit der Prüfung dieses
Antrages betraute Commiision hat jetzt ihren
Bericht eingereicht. Der Verfasser desselben
ist Emil Carron, der sich gegen den Antrag
ausspricht. Er findet, daß die Zahl der noch
nicht bestraften Com,unisten noch zu groß sei,
als daß man die Verfolgungen einstellen
könne. Der größte Theil der Hauptschuldigen
sei noch nicht bestrast worden; von lögt In
dividuen, die sich ander Ermordung der Gei
seln betheiligt, seien erst 78 in die Hände der
Justiz gefallen, und der Ausschuß weigerte
sich daher in Uebereinstimmung mir dem Po
lizei-Präfekten Renault und dem General
Apvert, dem Oberhaupt der Militär-Justiz,
irgend einen Akt der Milde vorzuschlagen und
einen Zeitpunkt zu bestimmen, wo keine neuen
Verfolgungen mehr cingcleitctiverden können.
Die Verfolgungen werden also fortdauern;
ob es klug ist, drei Jahre nach einer Jnsittrek
tion und nachdem man über 49,731 Personen
geurtheilt hat (9291 Personen, die man nicht
verhaftete, wurden außer Verfolgung gesetzt;
24,821 wurden, da kein Grund vorlag, frei
gegeben; 9877 wurden nach einer gerichtlichen
Verhandlung und 3425 in contumaciam vcr.
urtheilt, 23K7 freigesprochen undBlk al,wel
felhaft, oder weil mau annahm, daß sie ge
storben waten, beseitigt), noch weiter zu Ver
folgen, muß dahingestellt bleiben. Jedenfalls
wird der Beschluß viel böses Blut macheu da
die Zahl derer, welche auf diese Weise in die
Acht erklärt bleiben, d. h. jeden Tag gefäng
lich eingezogen werden könne.!, über 199,900
beträgt.
Mai, ein Schützenfest gefeiert, zu dem auch
die englischen Rifiemcn eingeladen waren.
Diese schickten eine circa 150 Mann starke Ab
th ilung herüber, die von der Bevölkerung
mir Begeisterung empfangen wurde. Gegen
die Triumphbogen, beflaggten Häuser und
die Illumination bis in die Nacht hinein stach
die Haltung dcs Mattes und seiner vier Ad
junkten grell ab. Sic blieben der Begrü
ßungsscierlichkcit im Hafen fern und ließen
den Muiiizipalrath die Honneurs der Stadt
machen, was den engl.Offizieren kaum ausfiel,
aber von dem britischen Confttt als eiue Rück
sichtslosigkeit empfunden wurde. 'Als die
Engländer an's Land stiegen, stimmte
die Kapelle des 5. französischen Linien -Regk
ments savs tlic tjuecn" an, und als ste
damit zu Ende war, baten die Gäste aus
Artigkeit um eine fraiizösiiche'National-Hymne
Da war guter Rath theuer. Die „Marseil
laise" hätte der moralischen Ordnung in den
Ohren weh thun könne, die Arie der Königin
Hortensia: ..partant pourla war auch
nicht am Platz, man entschloß sich für eine
Arie aus den „Puritanern"; die Engländer
nahmen den guten Willen für die That und
sakntirteil sehr ernsthaft,aber komisch mögen sie
die Verlegenheit ihrer 'Nachbarn doch gefunden
haben.
Bei der neulich in R 0 m statigefnnde
neu Ziehung der Loose der Lotterie, die zu
Gunsten der dortigen Gesellschaft der schönen
Künste veranstaltet wurde, gewann König
Viktor Emanuel nicht weniger als drei Tref
fer, und zwar einen Treffer mit 899, einen
mtt 1999 Und den dritten mit 1599 Lire.
... (E tu Pf an g der amerik anschen
Pil g erv 0 m hl. Pate r.) Iu einer Au
dienz bei Cardinal Autonelli, welche am 8.
Juni stattfand, spracken dcrHochw.Hr.Bischof
-t- wenger und Richter Theard im Namen der
Pilgriinc den lies gefühlten Wunsch derselben
ans, vom heiligen Vater empfangen zu wer
de. Derselbe ward ihnen Tags darauf ge
währt und mit einer Anzahl amerikanischer
Katholiken, welche sich in Rom aufhalten, zu
sauinicn gegen zweihundert Personen, erschie
nen sie bei der Audienz, au der mehrere Car
dinäle, andere hochstehende Prälaten uud her
vorragende Personen Theil nahmen. Der
Hochw. Hr. Bischof Dwcnger wandte sich mit
folgenden Worten an Sc. Heiligkeit: „Sie
sehen zu Ihren Fußen Söhne des ferncii 'We
stens. In dieser Zeit Ihrer Betrübniß haben
sie weder die Gefahren des Meeres noch der
weiten Reise gescheut, um dem Verlangen zu
genügen, den Vater aller Gläubigen, den
durch sein Wirken, seine Verfolgungen und
seine Geduld, sein Hoffen und Vertrauen zu
Gott erhabensten der Päpste zu sehen. Wir
sehnten uns darnach, Ew. Heiligkeit zu be
grüßen und die Entfernung vermehrte eher
unsere Sehnsucht, als sie dieselbe verminderte.
Obgleich von den Fürsten der Erde verlassen
und Gefängnisse überantwortet, haben
wir Sie doch nicht verlassen. Wir sind ge
kommen, um vor der ganzen Welt die gänz
liche Hingebung, die wir für Sie. den unfehl
baren Hirten der Kirche, den Ccntralpunkt nn
serer Glanbenseinigkett hegen, zu erklären.
Dies ist de>- Tag, den wir seit lange herbeige
wünscht haben, an dem wir Sie von Ange
sicht sehen und Ihren Segen empfangen kön
nen, n)<tft allein für uns, sondern auch für
alle Die, welche hier nicht gegenwärtig sein
können, und die in der Ferne unter Thränen
Gott für sie in Ihrem Gefängnisse anrufen,
sie sowohl als wir, die wir Aufrichtigkeit
und bürgerliche Freiheit hochachten, verdam
men aus tiefster Seele die tyrannische Verfol
gung der Kirche durch Gottvergessene, welche
mtt einer falschen Freiheit prahlen." Richter
Theard verlas darauf eine Anrede in franzö
scher Sprache, worin die Zuneigung der
P.lgrimc und aller amerikanischen Katholiken
Ausdruck fand. Se. Heiligkeit erwiderte
dann: „In der Dunkelheit, die jetzt auf der
Welt lagert, ist dies ein Strahl des Lichtes.
Die Feinde der Kirche sind zahlreich, aber große
Tröstungen kommen mir von der alten und
neuen Welt zu, in welch' Letzterer der wahre
Glaube sich so wunderbar verbreitet, daß es
nothwendig geworden ist, die Zahl der Diö
zesen zu vermehren. Noch bleibt jedoch ein
großer Theil des Continciits den Irrlehren
überlassen und sollten Sie Gott bitten, damit
er alle zum wahren Glauben zurückführt."
Der heilige Vater stieg hieraus vom Throne
herab uud ging an den Pilgrimen vorüber,
indem er ihnen die Hand zum Kusse reichte.
Hiernach wurden Sr. Heiligkeit Geschenke
überreicht; Hochw. I'.Mendler überreichte im
Namen seiner farbigen Gemeinde einen mit
Goldstücken gefüllten Stock.
—(L'Arronge nicht gestorben.) Die „Augs
burger Allgemeine Zeitung" enthält in ihrer
letzten 'Nummer Folgendes: „Die vor einiger
Wie man in Deutschland das
La st erder Trunk sucht bekam pst.—
Der Ausschuß der rheinisch - westfälischen Ge
fängniß-Gesellschaft hat an den Reichstag ein
Gesuch gerichtet, e,n Gesetz wider die Trunk
sucht im Sinne nachstehender Bestimmungen
beschließen zu wollen:
1) Wer im Zustande offenbarer Trunksucht
auf der Straße, im Wirthshause oder anderen
öffentlichen Orten gefunden wird, wird mit
einer Geldstrafe von 1 bis 10 Mark, event,
vcrhältnißmäßiger Haft belegt.
2) Wer sich nach der zweiten Bestrafung
innerhalb 12 Monaten wieder schuldig macht,
wird zu einer Geldstrafe von 190 bis 299
oder zu entsprechender Haft, bez. Gesängniß
strafe verurtheilt, verliert auch in diesem
Falle das aktive Wahlrecht auf zwei Jahre.
3) Die Wirthe und Bramttwciiiverkäuscr,
welche offenbar betrunkenen Personen Gc
tränke verabreichen oder in ihr Lokal aufneh
neu, oder Minderjährigen unter 1K Jahren
geistige Getränke verabreichen, verfallen den
selben Geld-, bcz.Haft- oder Gefälignißstrafen.
4) Dieses Gesetz wird im Hauptzimmer je
der schenkwirlhschaft und anderer Verkauss
lokale für geistige Getränke angeschlagen.
In einem solchen Gesetze liegt doch Ver
nunft.
Ein entsetzliches Verbrechen
ward in Maucrbnch, einer Ortschaft im Ge
richtsbezirte Marburg in Steiermark, in der
Nacht vom 39. auf den 31.Mai verübt. Um
1 1 Uhr Nachts stand das Wohn- und Wirth
schastsgebäude des Gastwirthes Hubcl vul>>>
Setot, an der Marbnrgcr Chaussee ganz iso
lirl stehend, von mehreren Seiten zugleich an
gezündet, in vollen Flammen. Die Bewoh
ner des Hauses, durch das Geprassel aufge
weckt, eilten zum Hausthore, um ihr nacktes
Leben zu retten; allein wer beschreibt ihr Ent
setzen, als sie beide Thore straßen- und
hosfcitig von Außen verrammelt fanden.
Da die Fenster mit dicken Eisengittern ver
sehen sind, konnten sie auch durch diese nicht
aus dem brennenden Hause gelangen. Her
beieilende Bewohner der von dem Brandob
jette ziemlich weit entfernten Ortschaft über
blickten schnell die furchtbare Situation der
Hausbewohner. Zu den Thoren konnte man
nicht mehr gelangen, da die Flammen bereits
an denselben leckten. Einige herzhafte Man
ner machten sich an ein Fenster und
es gelang ihnen mit harter Mühe, ein Gitter
zu lockern, so daß sicßaum zum Durchschlüpfen
einer Person schufen. Halbtodt vor Schrecken
und vom Rauch betäubt, zog man die Opfer
eines scheußlichen Verbrechens aus der Oeff
nung. Markerschütternd war das Brüllen
! der Kühe und Schweine, die leider nicht mehr
zu retten waren und in den Flammen ihren
Tod fanden. Man giebt der Vermuthung
Raum, daß ein Gast, mit welchem der Wirth
an demselben Tage wegen einer Zechschuld
von dreißig Kreuzern in Streit gerathen, aus
Rache Feuer angelegt hat.
-(Biendorf, Baden.) Am 21. Mai
sind im Oberdorf fünf große Häuser abge
brannt, in welchen ungefähr 49 Personen
wohnten. Die Leute waren auf dem Felde;
es wurde nichts gerettet; sämmtliches Vieh ist
verbrannt. Verbrannt sind auch zweiFrauen
und zwei Kinder. Pfarrhaus, Kirche und
das „Gasthaus zum Hirschen" waren in gro
ßen Gefahr, doch wurden sie gerettet.
(To deinc S V e ter anen aus den
Befreiungskriegen.) Am Grün
dvnnerstag wurde in Rauschenberg, Hesscii-
Nassau, der am 11. Mai in dem hohen Alter
von 84 Jahren verstorbene Rittmeister a. D.
I. C. Brack beerdigt. Für die Theologie be
stimmt und vorbereitet wurde er, kaum 21
Jahre alt, unter Hieronymus' Herrschast über
das Königreich Westphalen zum Militär ge
zogen und mußte den Fahnen Napoleons'
folgen; aber schon zwei Jahre später war es
ihm vergönnt, an den schlachten der Befrei
iingskriege theilzunehmen, in denen er zum
Rittmeister befördert wurde. Später trat er
in den Civildienst, in welchem er an 49 Jahre
mit Auszeichnung fungirte. Der Verstorbene
hinterläßt 8 Kinder, von denen 5 in Amerika
leben. (Zwei Söhne, Hr. Karl E. Brack, Apo
theker an der Ecke von Fönest- und Ensor-
Straße, und Hr. A. Brack, Buchhändler,
wohnen in Baltimore.)
Dem deutschen Kronprinzenist
kürzlich ein Unfall zugestoßen, der leicht hätte
die ernstlichsten Folgen haben können. Der
selbe passirte bei der Station Wildpark bei'm
Kreuzen der Potsdamer Die Ue
verfahrt geschah an einer solchen Stelle, an
der ein Bahnwärter nicht stationirt ist; der die
Aufsicht führende Wärter befindet sich auf der
angrenzenden Station und hat die Aufgabe,
mittelst eines Drahtzuges, der nach ,einer
Bude hingeführt ist, die Barrieren, welche die
Uebcrfahrt schließen sollen, jedesmal vor An
kunft eines Zuges herabzulassen. Man er
zählt sich Mi, daß der Kutscher des Kronprin
zen deu Zug Yabe kommen sehen und die An
sicht ausgesprochen habe zu warten, bl der
Zug die Ucbersahrt passirt habe, der Kron
prinz aber sei der Meinung gewesen, daß man
noch die Barriere pasfiren könne und habe den
Befehl gegeben, weiter zu fahren. Plötzlich,
als sie mitten auf den Schienen sich befanden,
über die man nur im Schritt Passiren kann,
um ein Niederstürzen der Pferde zu vermei
den, senkten sich gleichzeitig zu beiden Seiten
die Barrieren, so dag ein Entweichen nach
beiden Seiten hin unmöglich war. Glückli
cherweise erkannte der betreffende Bahnwärter
die Situation und es gelang ihm noch recht
zeitig, die Barrieren wieder zu öffnen, so daß
der kronprinzliche Wagen vor dem Pasfiren
dcs Zuges die Bahn geräumt hatte.
—D reAbstimni ung in, deutschen
Bnndes rat he über die Einführung der
Civftehe und Civilstandsregistcr ergab da
Resultat, daß der Antrag, den Reichskanzler
zur Vorlegung eines bezüglichen Entwurfes
aufzufordern, mit 41 gegen 17 Stimmen au
geiiommeil wurde. Zur Minorität gehörten
Königreich Sachsen, Großherzoglhi.m-Sach
sen-Wcimar, Großherzoglhümer Mecklenburg-
Schwerin, Mccklenburg-Strcliv, Oldenburg,
Herzogthum Braniischweig, beide Fürstcitthll
mer Lippe, beide FürstenthümerSchwarzburg,
Hamburg zc. Als die Freizügigkeit seitens
des 'Norddeutschen Bundes hergestellt wurde,
hörte man nicht selten die Befürchtung aus
sprechen: alle großen Städte, uud namcittiich
Berlin, würden dadurch mit enormen Aus
gaben für die Armenpflege belastet werden.
Diese Befürchtung hat sich in keiner Weise
gerechtfertigt. Trotz der großenZlinahme der
Bevölkerung und der ebenfalls großen Stei
gerung der Preise aller Lebensbedürfnisse sind
seit 1879 die Almosengeldcr nur von 396,999
Thlr. auf 347,999 Thlr., die Pflegcgeldcr der
Arinenvcrwaltting nur von 76,999 Thlr. aus
82,999 gestiegen,während die durch die Arme
n gewährten außerordentlichen
Unterstützungen sogar von 54,999 Thlrn. auf
34,909 Thlr., die Kosten der gewährten Arz
neien von 26.000 Thlr. aus 18,999 Thlr. her
angegangen sind.
Z u d e m n c 11 e n b a y e r i s ch e Wahl
gesetz Entwurf, dessen wir bereits Erwähnung
gethan, ist noch Folgendes nackzutragen: Wäh
rend bisher inßayern das 2t.Lebensjahr zum
Wählen berechtigte, soll jetzt die aktive und
Passive Wahlfähigkeit au das 25. Lebensjahr
analog derreichsgesetzgeberlschen Bestimmung
geknüpft sein. Für die Wählbarkeit liegt
darin in so fern eine Erweiterung, da dafür
bisher das 39. Lebensjahr verlangt wird.Das
Erfordcrniß der direkten Steuerzahlung von
irgend einem Betrag ist geblieben. Dagegen
soll, wie im Nachbarlaiide Württemberg, die
geheime Abstimmung durch offizielle Wahl
couvcrte gesichert werden. Als Maßstab für
deu einzelnen Wahlkreis ist die bisherige An
zahl von 31,599 Seelen aus 1 Abgeordnete
durchschnittlich beibehalten worden. Danach
und nach der neuesten Volkszählung erhöht sich
die Gesammtzahl der Abgeordneten von 15 l
auf ISK. Die indirekte Wahl ist beseitigt,
eben so das Institut der Ersatzmänner. Da
gegen hat man die sechsjährige Wahlperiode
beibehalten. Welche Wirkung das neue Sy
stem auf die politische Zusammensetzung der
Kammer haben würd, ist augenblicklich noch
nicht abzuschätzen; jedenfalls wird das bis auf
wenige Ausnahmen festgehaltene Prinzip,
immer nurcineiiAbgeordueten i cinemWahl
krcisc wählen zu lassen, manche Veränderung
zur Folge haben.
—Ueber deu Gcsundhcitszustand
des Papstes, der tu letzterZcit wieder sehr
schwankend geworden ist, wird der Florentiner
„Nazione" vou einem ihrer römischen Corre
spondentcn, der sich bisher als über die Vor
gänge im Vatikan zumeist sehr gut unterrichtet
erwiesen hat, Folgendes geschrieben: „Cardi
nal Autonelli hat die drei Aerzte, welche Pius
l X. behandeln, zu sich berufen und sie unter
ihrer schwersten Verantwortung über ihre An
sicht befragt. Sie antworteten einstimmig,daß
der gegenwärtige Zustand des Papstes aus pa
thologischerUrsache keine ernstlichen Besorgnisse
einflöße, indem es sich um Fieber handle,weiche
die Jahreszeit mit sich bringe. Nicht einmal
die geschwächten Kräfte beunruhigte sie, weil
sich Pius IX. auderemale mit Leichtigkeit vou
ähnlichen Zuständen der Abspannung erholt
habe.
Aus die weitere Anfrage des Cardinais, ob
die Aerzte nach ihrem Gewissen es für ange
zeigt hielten, irgend eine italienische oder euro
päische Celcbrität zurConftiltation zu berufen,
erwiderten diese, selber jederzeit Sr. Eminenz
Befehl zu stehen, eine solche Berufung jedoch
jetzt für nicht geboten zu halten, uuisoweuiger,
als mau bei dem bekannten Widerwillen des
Papstes gegen Consultationcn denselben nicht
beunruhigen dürfe."
—D er ehemalige prcußijcheM ini
st er August von der Heydt ist, wie
das Kabel s. Z. gemeldet, am 13. Juni inßer
lin am Herzschlag gestorben. Derselbe war au,
15. Febr. 1891 zu Elberfeld geboren, widmete
sich ursprünglich dem kaufmännischen Berufe
und war Theilhaber dcs vätcrlichenßaiithau
ses v. d. Heydt, Kcrstcn K Söhne. Im Jahre
1839 wurde er in den Rheinischen Proviuzial-
Landtag gewählt. Hier trat er nun, nach
der mit dem Thronwechsel von 1849 anbre
chenden ersten prei!ßischen„nc>lenAera,"sogleich
auf als begabter Mitstrcbendcr der um die
endliche Erfüllung der alten Vcrfassungsver
heißungcn von 1815 bis 1829 bemühten rhei
nischen Bcrfassnngsfteundc, —der Camphau
sen, v. Beckrath und Haiisemann. Mehr
noch that er sich in 1849 aus dem Vereinigten
Landtag hervor, wo er mit kraftvoller Ent
fchiedcnhett für die Umwandlung der ständi
scheu Verfassung in eine „constitittloiiclle" ein
trat. Er übernahm eine Stelle im Ministe
rium Manteufsel, ging in das Ministerium
Hohenzollern-Auerswcild über und verblieb
anfänglich nach der Ministerkrisis von 18K2
in Ministerium Hohenlohe-Roon. Herr von
der Heydt betrachtete sich in den wechselnden
Ministerien vom Herbst 1848 bis Herbst 1869
vorwiegend als „Fach Minister". Die Eni
Wicklung des preußischen Post- und Telegra
phen- wie auch des Eisenbahnwesens hat sei
ner eingreifenden Thätigkeit sehr Viel zu dan
ken. In dem Ministerium Hohenlohe-Jtzcu-
Plitz (März 1862) übernahm v. d. Heydt das
Ministerium der Finanzen und nicht geringe
Aussetzn erregte es, als der neue Finanz-Mi
nister einige Tage nach der Krise einen als
bald an die Oefjcntlichkett gebrachten Brief
schrieb, in welchem er nun eben dieMaßregcln
als nothwendig bezeichnete, welche er seinen
früheren libcralenCollegen gegenüber bekämpft
hatte. Aber hiermit etwa seine Preis gegebene
Popularität zum Theil wieder zu gewinnen,
gelang ihm selbst in seinem heimathlichenElber
selber Wahlkreise nicht, und bei der nächsten
Abgeordnctenwahl wurde er mit großer Maj
orität geschlagen. Auch im neuen Abgeordne
tciihause vermochte er den gehofften Einfluß
nicht zu erlangen,und als im September 1862
Bismarck - Schönhausen den Vorsitz des
StaatS-Ministeriums übernahm, legte Herr
von der Heydt sein Ministerium nieder. Er
unterstützte indeß im Abgeordnetenhanse das
Ministerium Bismarck und übernahm dann in
einem kritischen Augenblicke, dem der Minister
v. Bodelschwingh nicht zu genügen vermochte,
am 5. Juni 1866, die Leitung ocr Finanzen
von 'Neuem. Hier leistete er Großes, indem
er ohne jede,in jener traurigen „Confliktszeit"
schwer mögliche Anleihe, die Mittel zum
Kriege gegen Oestreich reichlich beschaffte.
Am 26. Oclober 1869 nahm er seinen Ab
schied, nachdem kurz vorher seine Finanzpro
jekte auf dem'Norddculfcheu Reichstage in ent
schiedener Weise abgelehnt worden waren,
sympctthie'n imVolle halte er sich keiner zu er
freuen.
In Nürnberg fanden am 21. Juni
die Enthüllungsfeierlichkeiten des für Hans
Sacks zu Ehren errichteten Denkmals statt.
Ttaats-Gesetze.
Passirt in der Siyung der Staats
Gesetzgebung
Amtliche Bekanntmachung.
Kapitel 233.
Errichliing des Eorreklions.
Hanfes von Maryland.
Gtn Gesetz,
das Eorrektious-Haus von Maryland zu er
richten.
1. Abschnitt. Sei es durch die Staats
gesetzgebung von Maryland verordnet, daß
an einem zugänglichen Punkte, nahe bei der
Stadt Baltimore, oder an einem solchen
Punkte, wie die Staatsbehörde für öffentliche
Arbeiten und der General-Staatsanwalt ihn
wählen mag, eine Anstalt unter dem Namen
„Das Eorrcktlons-Haus von Maryland" er
richtet werde, welches unter der Eontrole einer
später zu bezeichnenden Verwaltungsbehörde
stehen soll.
2. Abschnitt. Und sei es verordnet,
daß die besagte Verwaltungsbehörde, von
welcher der Gouverneur, Controleur, Gen.-
Staatsanwnlt und Schatzmeister des Staats,
immer Mitglieder cx ot'ticio sein sollen, aus
den folgendensPersonen bestehen soll, uämlicb:
James I. Hnrley, John W. Davis, Golds
bornngh S. Griffith und A. H. Greenfield,
welche für den Termin von sechs Jahren vom
kommenden 1. Mai an im Amte bleiben sol
len; I. Morrison Harris, Daniel M. Henry,
Joseph Merrifield und Henry McShane,
welche für den Termin von vier Jahren vom
kommenden I. Mai an im Amte bleiben sol
len; und R. C. McCall, Cornelius Slack,
A. E. Gibson und Enoch Pratt, welche fü
den Termin von zwei Jahren vom kommen
den 1. Mai an im Amte bleiben sollen; und
sie sollen eine Corporation bilden unter dem
Titel: „Die Verwaltungsbehörde des Corrck
tions-Hauscs von Maryland," und die Voll
macht haben, solche Nebcn-Gesetze, Regeln
und Regulationen, die nicht gegen die Gesetze
verstoßen, zu machen, wie sie solche als nöthig
und geeignet kür die öffentliche Wohlfahrt und
die besten Interessen der Anstalt und ihrer
! Insassen errachtcn, und sie sollen auch die
Vollmacht haben, die nöthigen Beamten und
Agenten anzustellen, welche nach ihren Gut
dünken entlaßbar sein sollen, und sie sollen
dem Gouverneur des Staats einen jährlichen
Bericht über ihre Arbeiten erstalten, welcher
denselben, mit den von ihm für geeignet ge
haltenen Empfehlungen, der Legislatur bei
ihrer nächsten Zusammenkunft unterbreiten
soll.
3. A bschn i t t. Und sei es verordnet, daß
nach Ablanf jedes der Amtstcrmine der Bei
wattungsbehörde, wie oben erwähnt, der
Gouverneur durch und mit dem Rathe und
der Einwilligung des Senats, vier Personen,
Bewohner des Staats, für den Termin von
sechs lahren vom kommenden ersten Mai nach
ihrer Ernennung an, und bis ihre Nachfol
ger qualifizirt find, ernennen soll; und von
Zeit zu Zeit, während der Dauer der genann.
ten Anstalt, wie die genannten Termine ab
laufen, vier Personen, Einwohner wie oben
gesagt, für einen vollen Termin von sechs
lahren ernennen soll,so daß dreßerwaliungs
behörde aus drei Klassen bestehen soll, wobon
ein Drittel am Ende von je zwei Jahren au
dem Amte treten soll, und er soll auch die
Vollmacht haben, im Falle in irgend einer
der genannten Klassen eine Vakanz eintreten
sollte, verursacht durch Tod, Resignation,
oder Wegzug aus dem Staate, eine Person
oder Personen zu ernennen, welche dieie Va
kan; oder Vakanzen für den Rest des Termin
der genannten Klasse ausfüllen sollen.
4. Ab schnitt. Und sei es verordnet, daß
alle später in diesem Gesetze vorgesehenen Gel
der, für den Ankauf von Land und die Errich
tuiig und Bau nöthiger Gebäude, von
dem Staats-schatznicistcr aus die Vollmacht
des Controleurs hin der Staatsbehörde für
öffentliche Arbeiten, und dem Gen.-Staats
anwalt ausgezahlt werden sollen, welche hier
mit bevollmächtigt und ermächtigt sind, ge
eignete Grundstücke anzukaufen, und für den
Bau und die Errichtung der für die Anstalt
nothigen Gebäude zu contrahiren, und welche,
ehe sie einen Conttakt für den genannten Bau
eingehen, geeignete Pläne nnd Spezifikatio
nen genannter Gebäude vorbereiten und zu
Angeboten auf genannte Arbxtt einladen
sollen, n nter dcr Bedingung jedoch,
daß sie keinen Contrakt abschließen sollen, aus
genommen wenn die ganzen Kosten des Land
kauss, des Baues der Gebäude und anderer
nöthigen Ausgabe, de bier unten verwillig
ten Betrag nicht übersteigen; nndfer 11 cr
unter der Bedingung, daß kein Con
trakt, außer mit zahluiigssähigeu Personen,
abgeschlossen werde, die eine von ihnen gebil
ligte Bürgschaft leisten, unter Strafe vo
hunderttausend Dollars, bedingt durch die
gewissenhafte Ailssühruil derselben.
5. Abschnitt. Und sei es verordnet, daß für
den Ankauf des nöthigen Landes und die Er
richtung, Vervollständigung ilndAusstasfiruiig
dcs Gebäudes oder der Gebäude des genann
ten Correktionshauscs ein Fonds hierdurch
gegründet wird, genannt das „Correktions
liaus-StacttS-Anlchen," nnd daß der Staats
Schatzmeister hiermit bevollmächtigt und an
gewiesen wird, Staatsschnldscheinc oder Obli
gationen auszugeben, die den Betrag von
zweimal hunderluiidfünfzig tausend Dollars
nichtZbersleigen sollen, uud im Namen uud
von Seiten des Staats vom Controleur con
trasignirt werden sollen, welche Obligationen
oder Schuldscheine, nebst den Ländereien, Ge
bäuden und anderem Eigenthum des genann
ten CorrcKionShciufts, von der Staats ,
County- und Munizipal Besteuerung frei sein
und Interessen zu dem Zinsfüße von K Pro;,
pro Jahr tragen sollen, halbjährlich zahlbar
vom ersten Tage des Januar und Juli icden
Jahres an, und welche in nicht weniger als
zehn und nicht mehr als fünfzehn Jahren,
noch Gutdünken des Staats, einlösbar sein
sollen, und welche genannten Obligationen
und Schuldscheine für nicht weniger als ihren
ctt pari - Werth verkauft werden sollen, aus
schließlich ;cder Commission, und deren Ertrag
auf des genannten Correktions
Haus - Staats - AnlehenS übertragen werden
soll, und der besagte Ertrag bis zur Summe
von zweimal hundertundsünszig tausend Dol
lars ist hiermit angewiesen zum Zwecke der
Bezahlung des Landes, der Errichtung, Ver
vollstäiidlgilng undAitöstaffirung derGcbäude
des genannten CorrckiionShauses.
K. Absch 11 it t. Uud sei es verordnet, daß
eine jpezielleStcuer von drei Vierteln vvu ei
nein Cent auf jedes Hundert Dollars dcs
steuerbaren Eigenthums dieses Staates gelegt
werden möge und hierdurch gelegt wird, uin
das Interesse zu bestreiten und einen TU
guugs-Fonds für die Einlösung der Obligo
tionen und Schuldscheine, deren Ausgabe hier
migeordnet ist, zu schaffen ; und die genannte
Steuer soll alljährlich erhoben, eingenommen
und dem Staatsschavmcister ausbezahlt wei
den, bis die durch dieses Gesetz geschaffene
Schuld bezahlt worden sem wird und eine ei
gene und abgesonderte Rechnung soll darüber
geführt werden und der Ertrag der Steuer
wird hiermit für die Bezahlung des Kapitals
und Interessen der genannteu Obligationen
und Schuldscheine verpfändet, und zu diesem
Zwecke soll so viel davon, als nöthig sein mag,
znr Bezahlung der Interessen, die aus obigen
Obligationen und Schuldscheinen erwachsen,
verwendet und das klebrige vom Schatzmeister
ans eine solche Wcije angelegt werden, wie die
Zunahme dcs Tilgungsfonds des Staates
gesetzlich angelegt werden dars.
7. Abs ch nil t. Und sei verordnet, daß der
Titel zu allen Grundstücken und allem Eigen
thum des genannten Corrcktloiishauses ver
liehen und übertragen werden sell an Georg
William Brown, George S. Brown und
Robert T.Baldwin von der Stadt Baltimore,
als Curatoren für den Staat Maryland.
8. Abschnit t. Und sei es verordnet, daß,
um die Ausgaben dcs genannten Eorrcktioiiv.
Hauses zu bestreiten, nachdem es so weit fertig
sein wird, um Insassen zu empfangen, die
Summe von fünfundzwanzig Tausend Dol
lars hiermit aus irgendeinem imSlaatsschatzc
befindlichen, nicht anders vcrwilligten Geld
betrage vcrwilligt wird; und der Staatsschatz
meister wird bevollmächtigt und angewiesen,
diese Summe au die Verwaltungsbehörde dcs
EorrektionshaiiseS von Maryland auf'Auwel
sung des Controleurs in solchen Terminen
undßeträgen, wie die genannte Vcrwaltungs
behörde des Geldes bedürftig sein wird, zu
bezahlen.
9. A bsch 11 it t. Und sei es verordnet, daß,
wenn irgend eine Person in irgend einem der
Gerichtshöfe dieses Staates irgendwelcher
Verbrechen oder gesetzwidriger Handlungen
überwiesen werden mag, weicht: Person unter
cxistirenden Gesetzen der Pcrurthcltnng zur
Einkerkerung für einen Zeitrau n von nicht
weniger als'drei Monaten und nicht mehr als
drei Jahren unlcrmorsen ist, dieser Gerichts
Hof nach Gutdünken eine solche Person in's
Eorrektionshans, anstatt eines anderen Ge
fängnisses, verurtheiien kann.
19. Abschnitt. Und sei es vcro.diici,
daß es die Pflicht irgend eines Frledciisrich
terS dieses Staates sein soll, irgend einen Va
gabunden, einen uiiordenttichen LebeiiSwan
del führenden Menschen (nicht irrsinnigl oder
Gewohnheils-Sänfcr arreliren zu lassen, und
auf genügenden Beweis hin, im genannten
Correktions Haus auf nicht weniger als drei
Monate und nicht mehr als sechs Monate ein
zustecken, nnd in einem zweiten oder iiachsol
gendenEinsteckungssalle der emlichen Person
ans irgend einer der genannten Ursachen kann
er oder sie, nach Gutdünken des Richters, aus
die doppelte Zeit der ersten Einsperrung vcr
urtheilt werden; unter der Bediu
g u 11 g, daß irgend eine Person, die aus vor
gemetdetcn Gründen vor einen Friedensrich
ter gebracht wird, das Recht haben soll, an
den Umgangs - Gerichtshof (Cirenit Eonrt)
dcs Eomilhs, oder wenn in der Stadt Balti
more, au den Eriminal-Gerichtshof besagter
Stadl zu appcllircn, wo der Fall wie andere
Verbrechen und gesetzwidrige Handlungen pro
zessirt werden soll.
11. Abschnitt. Und sei es verordnet,
daß jede zum genannten Correktions Hans
verurthefttc Person zu irgend einer nützlichen
Arbeit angehakten werde, die seinem oder
ihrem Alter am besten angemessen und der
Anstalt so nutzbringend, wie möglich ist, und
wenn die Person sich weigern sollte, die ihm
oder ihr angewiesene Arbeit zu thuu, oder sich
Insubordination und schlimme Aufführung
zu Schulden kommen läßt, so soll eiue solche
Person auf solche Weise, wie die von der Ver
waltungsbehörde vorgeschriebene Regulation
es erfordert, bestraft werden, und ein Ver
zeichniß von jeder verhängten Strafe soll ge
führt werden und die Ursache derselben, in
einem Buche, das in der Anssalt geführt wer
den und immer der besagten Behörde bei
ihren Zusammenkünften vorgelegt werden
soll, und essoll die Pflicht der Behörde sein,
eine sorgfältige Aussicht und Controte über
die verhängten Strafen auszuüben.
12. Abschnitt. Uno sei es verordnet,
daß jede Person, die von einem FriedenSrich
ter zu besagtem Correktions-Haus verurtheilt
worden ist, sich an irgend einen Richter einer
Court os Record, um einen Habeas Corpus-
Befehl zu erhalten, wenden ann, und wenn
solcher erlangt morden, so soll der betreffende
Richter, wenn er glaubt, daß hinlänsskichcr
Grund für sein Verfahren vorhanden, das
angebotene Zeugniß anhören und entweder
den Applikanten entlassen, oder den Vcrhasts
beseht modifiziren oder bestätigen.
13. Abschnitt. Und sei es verordnet,
daß die Verwaltung - Behörde nach ihrem
Gutdünken und mit Beziehung auf die an
haltend gute Aufführung von Pcrso"en, die
in besagter Anstalt in Verwahrung sind, den
selben zur Zeit ihrer Entlassung einen Theil
des durch ihre Arbeit verdienten Geldes ein
händigen, resp, bezahlen soll.
14. Abschnitt. Und sei es verordnet,
daß, um gutes Betragen ferner zu befördern
und Besserung anzuregen, die besagte Ver
waltungsbehörde in ihren Regeln und Regn
latioiien ein correktes tägliches Verzeichnis;
über das Betragen jeder im besagten Correk
tions'Haus verwahrten Person und über ihre
Treue und Fleiß bei Verrichtung ihrer Ar
bcit führen soll; und jeder Gefangene soll zu
einer Verminderung der Periode seiner Gc
fangenschaft unter den folgenden Regeln und
Regulationen berechtigt sein:
Erstens. Für jeden Kalender Monat, vom
ersten Tage des Monats angefangen, der un
mittelbar auf seine oder ihre Ankunft in der
Anstatt folgt, während welchem er oder sie sich
keiner Verletzung der Disciplin oder Regeln
derselben zu Schulden kommen lassen und
treu und steißig arbeiten wird, soll ein Abzug
von fünf Tagen von jedem Monate der Pe
riode seiner oder ihrer Gefangenschaft statt
finde.
Zweitens. Für jede Verletzung der Re
geln und Disciplin der Anstalt, oder Mangel
an Treue und Sorgfalt bei Verrichtung sei.
ner Arbelt soll ein Gefangener nicht nur alle
in einem Monate gewonnene Zelt, während
dessen die Delinquenz stattfindet, verlieren,
sondern, je nach der mehr gravircnden Natur
oder Frequenz seines oder ihres Vergehens,
kann die Behörde einen Theil oder das Ganze
seiner oder ihrer gewonnenen Zeit abziehen.
15. Abschnitt, llnd sei es verordnet,
daß dieses Gesetz vom Tage seiner Passiruna
in Kraft treten soll, und daß alle Gesetze oder
Theile von Gesetzen, welche unverträglich da
mit find, hiermit widerrufen werden.
Wir bescheinigen hiermit, daß Vorstehende
eine treue und vollkommene Abschrift eines
von der Gesetzgebung von Maryland in der
1874 vakssrten G.setzeö ist.
Akngnnns Gaffaway,
nr Sekretär de Unterhauses.
Genehmigt den e. Apnl 1874. (135,6 t,!)

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