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Der Deutsche correspondent. (Baltimore, Md.) 1848-1918, July 31, 1874, Image 1

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30. Jahrgang.
Uebersicht der wichtigsten Ereig.
-rerComct ist aus unseren Breiten vcr
chmunden, um sich den Bewohnern der slld
m dann für
Jahrhunderte dem
uiierlneßlicheii All zu verschwinden, wohin
Ihm kein ,vcrnvohr folgen lann. Ders-lbe hat
Erwartungen, welche man an sein
cheuwn knüpfte, nicht erfüllt, er hat keine über
mäßige Hitze erzengt, er hat den nördlichen
Himmel nicht wie ein Nordlicht allnächllich er
yeUl, sein cschweif Hai die Erde iiichr berührt,
um ihr die Fliegen oder Mosgnitos zu ver
scheuchen und vom Untergänge der Welt, den
LngstllcheGcmulher befürchteten, ist heute keine
Rede mehr. Ein College Coggia Sin Mar
sailles hat allerdings bereits einen neuen Co
meten entdeckt, welcher auf unsere Erde los
marschirt, aber wir lassen uns jetzt nichr mehr
bange machen; da weder ein bedenienderKrieg,
noch sonst ein Wcltcreigniß dem jetzt verab
schiedeten Besucher ans Erden zugeschrieben
Verden kann, dicMciischheit aber doch einmal
geneigt ist, einen solchen geschwänzten Wan
delstern für etwaiges Unglück verantwortlich
zu machen,so schrciblmanihm dieStöruiigen
in unserer Atmosphäre zn, weiche sich in den
letzteren Tagen durch
W-llcnbriichk, eryccrende Gewitter und
fast alleiilhalbcn auf der bewohnten Erde äu
ßerten. Besonders war der Sonntag für ver
schiedene Gegenden der Vcr. Staaten cinUn
glückStag. Ein Wolkenbruch entlud seine
Wassermafscn über dem jungen Städtchen
Eureka in Nevada und richtete bedeutenden
schaden an; über dreißig Personen ertranken.
Verheerende Gewitter und Stürme ras'tcn
über verschiedene Gegenden von Ohio und
Kentucky, aber am furchtbarsten wnrde doch
Alleghauy bei Pittsbnrg heimgesucht. Ueber
jenem freundlichen Städtchen'entlud sich am
Sonntag Nachmittag gleichfalls ein Wolkcn
brnch, welcher Eigenthum im Werthe von
Millionen zerstörte und über 200 Mciijchenlc
den hinwcgrafste. Gegen dieses schreckliche
Unglück bleibt selbst die große Ucbcrschwcm
mung von lBKBiiißallimore eine unbedeuten
de Affaire.
Aus Europa liegen ähnliche Berichte über
furchtbare Ueberschweinmnngen vor.
Tic Po.itik
beginnt allmälig sich zu regen. In Missouri
wird schon geraume Zeit agitirt, nin alle
fortschrittlichen Elcmcnle gegen die im Cor
riipiioiispfnhl versunkenen Radikalen undge
gegen die im Rcaktionsschlamm versteinerten
Demokraten zu einigen; es wird dieses eine
schwere Arbeit sein, deren Gelingen jedoch
nichr unter die Unmöglichkeiten gehört. Ohio
a.,itirt für und gegen seine neue Constitution,
iiver die am 20. Aug. abgestimmt werden soll.
In den meistenTtaalen regen sich die Parteien
in Erwartung der bevorstehenden Congtcß-
Wahlen. Be;oiidcrs in Baltimore hat seit j
mehreren Wochen ein heftiger Kampf zwischen !
( c Gouverneur Swann und Hrn. McLcan !
g.wülhel, um die Nominatlon im 4. Conqreß j
T islnlte. Zu Kentucky finden nächsten Mon
tag die StaaiSwaylen statt, am küiistiqen
Donnerstag werden die Gcmeindewahleii' in
Dennesscc und a demselben Tage die Con
greßwablen in Nord-Carolina abachalien
werden. " >
scheint einzuschlafen, denn die Zeitungen ha
den anderweitig genug Arbeit erhalten; am
meisten macht jetzt der unsaubere
der Presse des Landes zu schaffen. Derselbe
leljt noch wie vor acht Tagen. Fra'u Tiüon
-st ihrem „geliebten Pastor" durch eine Er
klärung, welche keine Erklärung ist, zu .Efilfe
gekommen. Hr. Beecher selbst aber hat wohl
weislich geschwiegen; er hat die Schuld weder
eingestanden, noch abgeleugnet. Daß man
heute mehr an seine Schuld glaubt, als vor
cht Tagen, ist jedenfalls kein' gutes Zeichen.
Tegoutircud ist die Art und Weise, wie die
ser Skandal selbst von Blättern besprochen
wird, von denen man in der Regel mir ver
nünftige Ansichten hört. Ein westliches Blatt
spricht den frommen Verführer ganz frei nd
jch-cbt alle Schuld auf Frau Tiltou. Tas
ist die landläufige Idee. Wenn
immer eine Frau oder ein Mädchen verführt
wird, dann hat das arme Geschöpf außer der
Schande gewöhnlich die Verantwortlichkeit zu
tragen. In diesem Falle ist cö jedoch eine
Rohheit, so zu denken. Die Wahrheit wird
Hier, wie gewöhnlich, in der Mitte liegen.
Pastor und gläubige Gaus sind hier zn glei
chen Theilen schuldig. Hoffentlich wird jetzt
die Sache vor Gericht rasch erledigt; denn der
Gestank dürste bei dieser Hitze leicht eine Epi
demie erzeugen.
Tie neue Anlkii,-
der Buiwesregicrung ist vorgestern gegen Pari
an ein Syndikat, bestehend ans den Firme
,zlrmell Belmoiil e Eo. und Scligmanii ei-
Co., abgegeben worden; setzt soll auch die 44
Prozent Anleihe auf den Markt gebracht wer-
Am letzten Montag trat in Brüssel der von
allen europäischen Kriegsmächten beschickte in
ternationale Eo igreß zusammen. Baron v.
lomiili wurde zum Präsidenten erwählt, wo
rauf eine Vertagung bis zum Donnerstage
eintrat. > o
Diese Versammlung ist vomKaiscr vonßuß
and berufen worden und derselbe hat Regeln
über die Änegsühruiig vorlegen lassen, welche
dort berathen und möglicherweise angenom
men werde.
Absolut verboten sollen sein: 1) die Nicder
metzelung von Gefangenen; 2) dicWcigcruug,
Pardon zu 3) die Drohung, die Be
jahung einer Festung, welche sich hartnäckig
we-igcrt, dieselbe zu übergeben, über dieKlingc
wenige zu lassen, wenn der Platz mit Sturin
genommen wird; 4) die Anwendung
reuder Geschosse von weniger als 400 Gram
m-n (nahe em Psiind) Gewicht; 5) die Belli
gcruiig oder Bejchicßung unbefestigter und
unvenheidigter Städte; 6) die Plünderung
eingenommener Städte, und 7) die Behand
luiig von Personen, welche in Lust-Ballons
geMgen werden, als Spione. Feitungs-
Correjpondcnten nnd andere Nichs-Combat
lanten, welche Armee'n begleiten, dürfen als
Kriegsgefangene behandelt, aber nur „intcr
mrt" nnd nicht wie Verbrecher eingesperrt nnd
behandelt werden. Kriegsgefangene, welche
einen Fluchtversuch machen, können niederge
schössen werden. Wenn das aber nicht ge
schieht, nd sie wieder gefangen werden, so
sollen sie wegen solchen Fliichtverjuchs nicht
nachträglich bestraft oder einer härteren Bc-
Handlung nntenvorfcn werden, außer daß sie
unter schärfere Bewachung gestellt werden.
Kriegsgefangene dürfen an Straßenbauteu
nnd anderen öffentlichen Werken beschäftigt
ive den, die Nichts mit dem Kriege zu thu
habe; doch dürfen solche 'Arbeiten weder zn
schwer, noch erniedrigend sein. (Gegen diese
vorgeschlagene Bestiiniiinng wird sich ohne
Zweifel eine sehr starke Opposition erheben.)
Ausdrücklich verholen wird es, daß Invai
sions Armee' von Kirchen, Mtldlhäilgc und
wlffeiischafriichcil Instituten, oder von Kunst
werken Besitz ergreifen; und speziell verdammt
wird die Wegnahme oder Zerstörung von
Kunstwerke. Von einem beabsichtigten Bom
bardement fall in jedem Falle zeitige Notiz
gegeben werden. Ueber die Erhebung von
Coittribiltlonei! in Natural Lieferungen oder
in Geld sind ebenfalls sehr genaue Bestim
mungen getroffen worden. In Bezug auf
die Behandlung von Verwundeten, die Neu
tralität von Hospitälern, Ambulanzen n. f.
w. sind im Wesentlichen die Bestimmungen
der Genfer Conferenz angenommen; nur sind
dieselben im humanen Sinne noch erweitert
worden. So weit die russische Vorlage.
Wie die neuerenKabelbcrichte melden, wird
auf diesem Congresse
Teutschland ei, artistenl leg
zur spräche bringen und ein gemeinschaft
liches Vorgehen gegen die Herren Basken,
Weichs in ihrer gramamcn Kriegführung das
barbarische Mittelalter wieder in Scene zu
setzen suchen, anstreben. Das deutsche Reich
ist unterdessen nicht müßig gewesen und hat
der Drohung, in Spanien einzuschreiten, die
That auf dem Fuße folgen lassen. Tie be
deutendsten Organe der össcutltchen Meinung
in der ganzen Well vernrtheilcn diese baski
sche Kriegführung entschieden. Der „N. 2).
Herald," welcher früher einmal den Erfolg
der Karlisten für möglich hielt, spricht dcusel
ben jetzt jede Berechtigung zur Kriegführung
ad. „Welche Entschuldigung" sagt er
„haben sie für diese brutalen Handlungen?
Welche Entschuldigung haben sie für ihre Be
wegung überhaupt? Karlismus ist der Greuel
des ll.Jahrhunderts in's 19. übertragen und
an dessen Spitze steht ein junger Mensch, der
weder Spanier von Geburt noch Abstammung
ist, welcher niemals südlich vom Ebro war,
welcher uicinals stabil in Spanien gewohnt,
welcher aber infolge eines ovsolctcn Gesetzes
beansprucht, König von Spanien zu sein und
diesen Anspruch mit Waffengewalt geltend
macht. Wenn Mord, Brandstiftung, Stö
rung der staatlichen Ordnung und Zerstörung
von Eigenthum Verbrechen sind, was ist dann
Don Carlos? Wir freuen uns, daß diefe
'Ansicht in der europäischen Presse an Stärke
gewinnt und daß selbst ein so conservatives
und einflußreiches Journal, wie die Londoner
„Times," es an der Zeit hält, daß die euro
päischen Rationen durch ein gemeinschaftli
ches Vorgehen den Greueln ein Ende ma
chen." So weit der „Herald." Andere ton
angebende Blätter sprechen sich in gleichem
Sinne aus.
in vftpreufiei
ents.ano, wie die neuesten Berichte ergeben,
infolge eines Streites zwischen Gutsbesitzern
und ihren Tagelöhnern über die Lohnfrage.
Diese armen Heloten Osthicußen's, welche die
Mittel nicht besitzen, auszuwandern, haben
sonst kclnen Ausweg, um ihre miserable Lage
vor die Oesfentlichkeit zu bringen; gerade wie
die Indianer des Westens müssen sie Revolte
machen, wenn sie die Aufmerksamkeit der Re
gierung erregen wollen. Dieses ist jetzt ge
schehen und es wäre zu hoffem daß die Regie
rung etwas näher in die Sache hineinschauen
wollte. Tie Herren in Berlin würden dann
i diesen niederen Schichten einen Stand Ver
Dinge gewahren, über de,, selbst das laute
Hnrrah patriotischer, wohlgenährter Bicrphi
! l'-ster ferner Nicht mehr zu täuschen im Stande
! sein rann. Es will nicht ferner thun, daß
j man solche Stimmen der Unzufriedenheit, die
j mehr einem leeren Magen, als socialistische
Agitation zur Ursache habe, mit Pulver und
Blei zum Schweigen bringt.
Die neue amerttanische Anleihe
Keine europäische Monarchie hat in der
neueren Zeit der Republik
einen wichtigeren Dienst geleistet, als das
deutt'che Reich, indem es in letztem Herbste,
zu einer Zeit, als Amerika in allen Centren
des Geldmarktes als die Gcbnrtsstätte des
herrschenden Finanzübels verschrie' war.
von der neuen flliifprozcntigeii Anleihe für
achtzehn oder zwanzig Millionen Dollars
nahm. Dieser Schritt der sparsamsten Nnd
vorsichtigsten Regierung der Welt diente
dazu, daS Vertrauen ans Sicherheiten der
amerikanischen Regierung zu befestigen; aber
erst in den letzteren Tagen hat derselbe die
schiNiften Früchte getragen.
-c-ekr. Bristow forderte bekanntlich kürzlich
zu Zeichnungen ans den Nest der füiifprozen
ttgcn Anleihe ans; er hätte gerne die Bonds
direkt abgegeben, fand aber aus, daß dieses
durch das Gesetz untersagt war; deshalb ar
eeptirte er die Angebote der beiden bedeutend
sten Firmen, A. Belmonk 5. Co. nnd Sclig
maiin K Co. Diese Häuser nahmen zusam
men 45,0410,000, es sieht ihnen aber frei,
den Rest der Bonds zu nehmen.
Das New-Porker Haus A- Belmont S-
Loinp. ist bekanntlich d>e amerikanische Agcn
tnr der Rottffchilb?, der größten individuel
len Geldmacht der Welt. Die Thatsache,
daß dieses Hans eine sünfprozentige
Anleihe der Republik zu Pari in Gold über
nimmt, ist von großer Bedeutung, wenn
man bedenkt, daß die Nothschilde sich vor 12
Jahren, als die sechsprozen tigcn Fünf
zwanziger ans den Markt kamen, ferne davon
Mellen, trotzdem damals die Bonds gegen
Papier, Dollar gegen Dollar umgetauscht
wurden und der Papier-Dollar initnnicr
kaum 50 Ceiiis Gold werth war. Welche
ungeheuren Summen hätte damals das
Hans RolhiHild verdienen können, wenn
dessen New Zorkcr Agent lein -verblendeter
Parteipolirikcr gewesen wäre. Aligust
Belmont war ncmlich n jener Zeit Vor
sitzer des demoktnüjchcn National Comite's,
und er gehörte zu jenen guten Leuten, welche
den Sieg des Südens für unvermeidlich hiel
ten, einen Irrthum, den freilich damals viele
rechtlich denkende Männer im Norden theil
ten, so bedauerlich derselbe auch sein mochte.
Tic Rothschilde haben in Zeit von zehn lah
reu an den Bestand der Republik glauben
gelernt. >
Dieses neue Syndikat, wie man es zu
> nennen beliebt, hat jedoch noch eine andere
Bedeutung. Wenn so tüchtige Finanziers,
wie sie in den genannten Firmen vertreten
sind, eine Anleihe für Gold zu Pari nehmen,
so geht daraus hervor, daß sie eine baldige
Rückkehr zur HarrgAd,Zahlung erwarten, denn
nur aus der Basis fester Währung kann sich
ein solches Geschäft für sie als profitabel er
weisen. New chorkcr Blätter haben bereits
Nachrichten aus Europa, daß London, Paris,
Frankfurt. Amsterdam, Berlin und Wien
geneigt sind, einen großen Theil der 1Z pro
zcnligen Anleihe, die in den Ver. Staaten
vorläufig gar nicht untergebracht werden
kann, zu nehme. Die unmittelbare Folge
der Placirnug genannter 45 Millionen wär
ein Sinken des Goldes und diese Tendenz
wird vorläufig in Wallstraßc vorherrschen, so
daß wir noch vor Beginn des Herbstgeschäfts
auf ein Goldagio von 5—6 herunterkommen
werden. Hr. Bristow mag dann versuchen,
was er mit der Hartgclbzahlung ansangen
kann.
Wollt! gellt das tttnerikanische
Gold und Silber
Die Vcr. Staaten haben im Laufe der
letzten 25 Jahre für 51,583,Kt5t,934 an
Gold und Silver produzirt. Davon kom
men drei Viertel, nämlich 1,094,919,098, auf
Californien. fast Alles in Gold. Nevada
produzirte 221,402,412 in Geld und Sil
bcr, hauptsächlich in letzterem. Utah ist zwar
seit längerer Zeit als metallreich bekannt,
doch hat man den Bergbau erst kürzlich in
Angrisj genommen, und fem Ertrag erreicht
bisher nur die Summe von §18,527,537.
Montana führte den Reichthümern der Welt
5-119,508,14? zu und Idaho 857,246,102.
'Auch die Erzadern Colorado's sind noch nicht
lange geöffnet und haben bis jetzt §30,00,-
000 ergeben. Aus Oregon und dem Wa
shington Territorium zusammen kommen
§25,504,250. Britisch Columbia steuerte cir
ca §2,000,000 bei und Arizona eine kaum
neuiicnswcrthe umme, obgleich es große
Schätze birgt. Bisher wuchsen die Bergbau-
Erträge der Pacific - Sraaten ganz stetig, im
letzten Jahre z. B. um 14 Prozent, indem
80,147,439, gegen §70,236,014 IM Jahre
1872 gewonnen wurden.
ES ist interessant, nachzuforschen, wohin
diese immense Summe von Gold und Silber
gekommen ist. Ungefähr für 40,000,000
blieben in gemünztem Gelde und in Schmuck
sachen an Ort und Stelle: ein anderer Theil
ging in den Verkehr des Landes über. Aber
der bedeutend größte Bruchtheil wurde nach
England, China und Japan ausgeführt, vor
zugsweise nach erstgenanntem Lande, welches
für ungefähr 1,000,000,00 empfing, so daß
für den Rest der Welt nur §5,000,000,000
übrig blieben. Der Grund hierfür ist wem.
gcr in den Bedürfnissen des Handelsverkehrs
zu suchen, als theilwcise darin, daß in Eng
land die Ausmünzung frei von Steuer vor
sich geht, während die Ver. Staaten die ab
surde Politik verfolgen, darauf eine so hohe
Abgabe zu legen, daß sie die Rohmelalle aus
dem Lande treiben.
Bis 1853 war die ganze Ausbeute fast nur
Gold und erst seitdem die Silber Minen Ne-
erschlossen worden, produziren die
Ber. Staaten Silber in ansehnlicher Menge,
daß die Gcsamml Zunahme in der Produktion
der Edelmetalle einzig durch das Silber ver
anlaßt wird; die Gold Produktion hat sogar
abgenommen. Der Hauptabfluß des Sil
bers geht nach Jndicu, dessen gegenwärtiger
Bedarf daran auf §030,000,000 geschätzt
wird.
AmcrikattischcGtschma<ksrichtuug.
Man hat es in der deutschen Presse übel
vermerkt, daß die auglo amerik. Blätter dem
abscheulichen, unanständigen Beecher-Tillon'-
schcn Skandal einen so bedeutenden Raum
und täglich solche dcgoiitirendcn Commcntare
widmet. Hierzu darf gesagt werden, daß das
Publikum solche Besprechungen augenschein
lich wünscht oder verlangt, denn in keinem
Lande steht eine Zeitung mit ihren Lesern im
besseren Rapport, als in den Ver. Staaten.
Die Zeitung, welche den schmutzigsten Skan
dal am Breitesten tritt, wird ohne Zweifel
an, Meisten gelesen. In dieser Beziehung
gleicht das amerikanische Volk dem römischen
in den ersten Jahren des Kaiserreiches, resp,
den letzten Jähren der Republik. Ucberhaupt
hat diese Nation auch sonst mit den Römern
viel gemein. Wie bei Diesem liegt auch in
dcrNalnr des Amerikaners ein gut Stückßru
talität unter dem Firniß des guten Tons ver
borgen, welche bei jeder, auch oft geringfügi
gen Gelegenheit zu Tage tritt. Wie eilt nicht
z. B. hier Crcthi und Plcthi herbei, wenn ein
armer Teufel gehängt wird, um die letzten
Zuckungen zu sehen, und selbst daSßlati, wel
ches diese letzten Zuckungen umständlich schij.
dert, wird mit Heißhunger verschlungen.
Wenn ein Feueralarm gegeben wird, eilt Al
les, was laufen kann, zur Stelle, und wenn
der Alarm falsch war, malt sich die Enttäu
schung auf allen Gesichtern. Wenn ein Pferd
initZeinciii Wagen durchbrennt, fühlen sich die
Zuschauer gerade so enttäuscht, wenn dasselbe
plötzlich ohne Schaden angerichtet zu haben,
eingesungen wird. Als es kürzlich in Chi
cago brannte, und einer innerer Mitarbeiter
Morgens 3 Uhr einer Gesellschaft von 'Nacht
schwärmern versicherte, daß das Feuer gelöscht
sei, konnte man auf allen Gesichtern die Ent
tänschuiig lesen.
Bariiuin hat diesen brutalen Zug der Men
schen-Natur, der in der Denk- uno Anschau
ungsweise des Amerikaners so ungenirt zu
Tage tritt, genau erkannt und begriffen, uno
auf diesem Erkennen beruht der Erfolg seines
Hippodroms, wo bekannilich täglich cinMensch
oder ein Pferd verunglückt. Tausende von
gebildeten Männern, Frauen nnd Kindern
drängen sich herzu, um dieses Schauspiel, wo
bei Reiter und Reiterinnen die Hälse brechen
zu sehen
Wir äußern unsern Abscheu über die Ver
gnügungen des kaiserlichen Rom, wo man
die Christen den wilden Bestien vorwarf, und
wo sich die Gladiatoren in der Arena gegen
seirig niedermachten, und dennoch ist dieMcn
schenuatur dieselbe geblieben. Wenn Barnum
beute den wilden Bestien seiner Menagerie
Christen vorwerfen könnte, so würde er diese!
bei, zahlreichen .-Zuschauer zählen, als der Cir
kus und die Arena des allen Roms. Wel
wches Fest würde er z. B. dem christlichen Ne-
Bork und den umliegenden Dörfern vcran
stalten, wenn er Beechcr und Tilton veran
lassen könnte, in seinem Hippodrom als Gla
diatoren gegen einander zu kämpfen, selbst
von Baltimore würden zahlreiche Zuschauet
nach New-;')ork strömen. Wie brutal dieses
Ende desSkandals dann auch wäre, es würde
noch anständig und dramatisch sein gegen die
Wendling, welche die Sache in den letzten
Tagen genommen hat. Wenn diese Enthül
lungen so fortgehen, dann erhält das reine
Familienleben in Amerika einen Stoß, von
dem es sich kaum wieder erholen kann.
Die Erforschung von Arizona.
Tie neue unbekannte Menschen
Rasse in den Sierrcn des We?
sttnS .
Bor ciliigei, Tägcis brachten wir einen der
Chicago er „Tribüne" entnommenen Artikel
über eine in Arizona von einer Streifpartie
des Gen. Crook entdeckte neue Menschen-
Rasse, welche ein Gelehrter, der jene Expedi
tion begleitet, auf chinesische Abstammung
zurückführt. Nun bringt der „Washington
Star" von vorgestern eine weitere Mitthei
lung von einem zur Zeit in Washington le
benden Manne, welcher behauptet-, daß er
der einzige lcbenye Weiße sei, welcher die
amerikanischen Albino's gesehen habe, die
auszusuchen, General John C. Fremout von
dem Eongrcsse zu Anfang der fünfziger Jahre
ausgeschickt wurde. Der Einsender schreibt:
„Im Juli des Jahres 1845 rcis'lc ich vom
Stillen Meere östlich, um einen Gebirgspaß
zu suchen, welcher mich in das Thal des Rio
Grande führen könnte. Ich fand eine dreißig
Meilen lange Schlucht in Welche ich mit
meinen Thieren etnrlti. Als ich die Schlucht
verließ, befand ich mich in einem Thalkesscl
und nachdem ich ungefähr eine Meile geritten
war, traf ich plötzlich auf drei Frauen Und
zwei Kinder, deren Hautfarbe schneeweiß war.
Dieses war gegen Mittag. Eine der Frauen
lies rasch davon und gegen Sonnenuntergang
sprengten drei Männer auf vortrefflichcnPfcr
den rasch auf mich zu. Die Männer waren
gut bewaffnet. Sie hießen mich absitzen und
entwaffneten mich. Die Männer waren weiß,
wie man sie mitunter in Santa Fe und Ca
lifornien sieht. Am folgenden Morgen vor
Tagesanbruch führte man mir meine Maul
thiere vor, gab mir meine Fallen zurück und
hieß mich aufsitzen. Einer der Männer ritt
voraus, ich mußte im raschen Trab folgen
und die beiden Anderen schlössen den Zug.
Nachdem wir etwa Li) Meilen geritten waren
und abermals eine enge Schlucht passirt hat
ten, faß meine Eskorte ab; die drei Männer
hielten einen kurzen Rath, worauf sie mir
die Richtung zeigten,welche ich zu reiten habe;
Sie gaben mix zu verstehen, mich rasch aus
deut Traube zu machen und nicht rückwärts
zn schauen. Ich verstand die strafe, welche
auf ein Zuwiderhandeln meiner Seits gesetzt
war, rcchl wohl, denn sie zogen bedeutungs
voll ihre Messer über ihre Gurgeln; ich sagte
Zhven hastig Adje und ritt davon; erst als
ich die Schlucht verlassen hatte, lud ich auf's
Neue meine Büchse und meinen Revolver.
Nachdem ich über dreißig Meilen geritten
ich aus ein Indianer-Dorf; es war
ein Stamm der Eomanchcs. Der Häuptling
entsetzte sich, als ich ihm zn verstehen gab,
daß ich aus jenen Bergen komme. Er sagte,
dort haus'ten böse Geister, und kcinJudianer,
welcher sich jemals in dicsePässe und Schluck,
tcn gewagt, fei wieder aus denselben heraus
gekommen. Das Albino - Land—wie ich es
nenne—liegt in einem hohen Thalkessel von
steilen Felsen umgeben, die von ewigem
Schnee bedeckt sind. Dieselben sind ohne
Bruch und ohne Paß. Das Thal oder der
Kessel ist etwa 50 Meilen im Durchmesser,
und ich konnte den vollen Kranz des Gebirges
sehen. Der Kessel kam mir wie ein Riesen-
Krater vor; die ganze Sceneric war majestä
tisch und erhaben. Das Klima war pracht
voll, und der Boden reich. Ich glaube, daß
die Leute, welches jene abgeschlossene Stück
chen Erde bewohnen, intelligent waren und
Begriffe von Kunst und Wissenschaft hatten.
Ihre Kleider waren von Seide, Baumwolle
und Wolle. Meiner Ansicht nach war die
Holzhütte, bei welcher ich die drei Frauen
sah, ein Wachtposten, um den einzigen Paß
zn bewahren."
Soweit dieMittheilniigcn des jetzt Kl Jahre
alten „Trappers." Dieselben gestatten nun
unseres Erachtens durchaus keinen Schluß,
daß in jenem Thalkessel Albino's wohnen,
denn die Leute können ebensowohl Mexikaner
gewesen sein.
Außer dem Capt. Manning, dessen Schil
derung wir kürzlich mittheilten, hat aber auch
Joaquiu Miller diese abgeschlossen wohnende
Menschenrasse entdeckt. Dieser liebenswür
dige Stromer, welcher von feinem dreizehn
ten bis sechsundzwanzigsten Jahre die Sier
ren, vom Columbia in Oregon bis nach Ni
caragua hinunter nach allcnÄichtungen durch
streifte, welcher so viele Gegenden schildert,
die vor ihm nie der Fuß eines weißen Man
nes betreten, erzählt von einer alten Stadt
in den EordiUeren, die augenscheinlich schon
alt gewesen sein müsse, als Babylon noch
jung und Weltstadt war. Zn der Mitte je
ner Stadt befand sich ein Sonncntcmpcl aus
Marmor, der augenscheinlich aus einem un
gehcnrenßlocke bestand, denn nirgends konnte
er Fugen entdecken, so sehr er auch an den
Wänden und Treppen mit feinem Schwerte
kratzte. Die Bewohner trugen lange aus
Gras gewobene Gewänder u. Sandalen, wa--
rcn aber weder Indianer noch Weiße. Miller,
der in jenen Tagen nicht daran dachte, nähere
archäologische Forschungen anzustellen, meint,
es seien Nachkommen der Azteken. Jeden
falls werden wir aber jetzt sehr bald Gewiß
heit über icne abgefchlosseneWelt,jenes ameri
kanische Sagen- und Märchenland erhalten;
die Expedition zur Erforschung desselben ist
bereits unterwegs. Dieselbe steht unter Be
fehl des Lieut. Wheeler und besteht aus K 0
Personen; wie vor einigen Tagen berichtet
wurde, ist sie von Pueblo in's Innere von
New-Mcxiko und Arizona aufgebrochen.
Wheeler ist ein West-Pointer und auf dem
Gebiete geographischer Forschung kein Neu
ling. Im Jahre 1869 hat er im Auftrage
des damaligen Commandirenden in Califor
nie, General Ord, znm ersten Male Theile
von Nevada und Arizona durchwandert.
Seine zweite Expedition, dievonlB7l, führte
ihn in dieselben Gegenden. Bon Camp Mo
have, nördlich von Fort Junia, ruderte er mit
seinen Genossen den Colorado des Südens
aufwärts bis dahin, wo er den Diamond-Rl
ver aufnimmt. Oft trafen sie auf Wasserfälle
und Stromschnellen. Alsdann mußten sie
ihre Fahrzeuge auf den Schultern über Fels
blöcke tragen. Auch das „Thal des Todes"
iii Ost - Californicn entdeckten sie. Hundert
Fuß unter dem Spiegel des Oceans liegt es.
In seiner Mitte ist eine heiße Quelle, die pesti
lentialische Dämpfe verbreitet. Und ohne
Gefahr iststffe Reise auch nicht gewesen. Denn
eines der Mitglieder der Expedition, der Cor
respondent Fred. Loring, ist nahe Wilkenburg
von den Apachen skalpirt worden.
Im folgenden Jahre unternahm Lieutenant
Wheeler einen dritten Zug in den Westen.
Diesmal galt es den Territorien Utah und
Nevada vom großen Salzsee bis zum Virgin-
Flusse und Camp Eldorado.
Einen vierten Zug Nack New - Mexiko und
Ost Arizona hat er 1878 durchgeführt. Hier
erschloß er einen, bis dahin kaum bekannten
Theil der Sierra Madre, die Sierra Bianca,
welcher nach seinem Ausdrucke kraft göttli
chen Rechtes der Titel der amerikanischen
Schwei; gebührt. Anders als in dem größ
ten Theil der Fclsengcbirge, wechseln hier
Kuppen ewigen Schnees mit dichtbewaldete
Abhängen und matteurcichen Thaljolen. Al
les, was das Berncr Oberland, was das Paj
seyr und Octzthal so schön macht, findet sich
auch in der „Weißen Sierra," im südlichen
Theile Neu-Mexiko's. Steile wolkenhohe
FclSzaSeu, wildraufchende Wasserfälle, blin
kende Gletscher, Eichen und Tannenwälder.
Nur die Hütten der Aelpler fehlen. Auch feh
len Heerde und Hirten.
In den Ebene am Fuß jener Berge woh
nen die Pueblo-Jndiancr. Nicht blutdürstige
Wegelagerer gleich den Apachen, sondern fried
liche, einst von spanischen Mönchen dem Chri
stenthum und der Gesittung gewonnene Acker
bauer. Ja von Einigen ihrer Verwandten,
den Tunis und Moquis berichtet Wheeler,
daß sie in drei bis vier Stock hohen selbst ge
bauten Wohnhäusern leben.
Groß war natürlich auch die Ausbeute an
Fossilien, das ist an Resten untergegangener
Thier- und Pflanzen-Geschlechter. Wenn Prof.
Cope die Wahrheit sagt, so hat er allein bei
Gelegenheit des Zuges von 1373 Ucberblcib
sel von Elephanten, Assen, Kameelen, Nas
hörnern und Mastodons gefunden. Was las
sen sich daraus nicht für schöne Vermuthun
gen ableiten.
Unter den Mitgliedern dieser Expedition
sind dieLieuteuantsMarshall, Pricc,Whipple,
Barnetz und Blunt, der deutsche Astronom
Dr. Kampf, früher in Lehden, die Natursor
scher sffanom unb Cope, der Wetterbcobachter
Rothrock, die Ingenieure Louis Well, Gilbert
Thompson und Clark, der Chemiker Löw und
eine große Zahl Assistenten.
Obwohl die Herren natürlich alle bewaffnet
sind, haben sie es doch abgelehnt, noch eine
besondere militärische Eskorte mit sich zu nch.
inen. Lieutenant Wheeler sagl, daß das Er
scheinen eines regelmäßigen Zuges von Vcr.
Staateii-Soldaten von den Indianern in der
Regel als eine direkte Herausforderung be
dachtet wird. Umgekehrt würden Solche, die
sich mit dem Beobachten dcrGcstirnc, intt dem
Ausgraben von Knochen und dem Sammeln
von Pflanzen, Käfer und Schmettcrl.ngen
Baltimore, Md., Freitag, den 31. Juli 18741
beschäftigen, Seitens der Rothhäutc gewöhn
lich geschont.
Selbstverständlich werden wir unsere Leser
über die Schicksale dieses mMruetl Argonast
tenziiges astf dem Laufenden erhalten. Möge
es gelingen, dieses eigenthümliche Räthsel
über die im Südwesten der Republik wohnen
den Stämme zu lösen!
Jntcresiante Mittheilungen über
die Pnevlo-Jndiaucr
Hr. Heinrich Hilgert macht uns folgende
aus eigener Erfahrung beruhenden Mitthei
ungen über die in unserem obigen Artikel
berührten Pueblo-Jndianer:
Die Pueblo Indianer Neil - Mexiko's und
Arizona s find die Nachkommen der von Cor
te; in Mexiko angetroffenen Azteken und sie
sind für den Naturforscher und wissenschaft
lich gebildeten Reisenden ein äußerst interes
santes Bällchen.
Da ich während meines vieljährigen Auf
enthalts in Neu-Mcxiko gute Gelegenheit
hatte, dieselbe genauer zu beobachten, will
ich Ihnen eine etwas speziellere Beschreibung
derselben gebest.
.Die Pueblo (Dorf)-Jndianer Neu - Mexi
ko's, über die schon so viel gefaselt und ge
muthmaßt worden, sind harmlose, fleißige,
ordnungsliebende und ihren selbstgewählten
Autoritäten streng gehorchende Leute.
Es befinden sich in Neu-Mexiko neunzehn
solcher Dörfer, die aber nicht alle dieselbe
Sprache reden. Man unterscheidet fünf ver
schiedene Dialekte, die von einander so vcr-
schieden sind, daß Indianer der verschiedenen
Pueblo's die spanische Sprache, wclcheßielcn
von ihnen bekannt, zu Hülfe nehmen müssen,
um sich verständlich zu machen.
Ueber die Entstehung dieser Pueblo's, wel-
che man vielfach hat den civilisirenden Ein
fluß vonMissionären zuschreiben wollen, schei
nen die ältesten Autoritäten, Cabeza de Baca
und Eoronades, sowie Eastanadas Beschrei
bung von 1540 klar darzuthnn, daß diese
Dörfer lange vorher cxislirten.eheAmcrika von
den Spaniern erbeulet wurde. Die Ordo
nanzen von Karl V. vom 21. März 1551 und
später von Philipp 11., welche wir verzeichnet
finden inl-o.llex. I.ti. 111, llb. 6 ilo l-t i-eio
pilncion ckv Illäius, sowie die verschiedenen
anderen Gesetze, die über diesen Gegenstand
bis zum Jahre 1687 erlassen wurden, scheinen
einfach den Zweck gehabt zu haben, die Pn
eblo-Jndiancr mit einem sogenannten gesetzli
chen Schutz zu beglücken, und nomadisircnde
Stämme, wie die Comanches, Apaches,
Navajoes :c. zu veranlassen, sich ebenfalls
hänslick niederzulassen, was allein Anscheine
nach nicht hat gelingen wollen.
Jedes Pncblo wählt seine Beamten, näm-
lich.- einen Caciqnen, einen Gouverneur, ei
neu Vice-Gouverneur, einen Kriegshaupt
mann nnd dessen Lieutenant, einen Fiskal-
Mayor nnd einen Polizei-Beamten, und
diese haben wieder ihre Untergeordneten und
Assistenten.
Der Cacigltc ist das anerkannte Licht, des
sen 'Ausspruch großes Gewicht hat, und der so
ziemlich das Ansehen genießt, welches die
gläubigen Protestanten im deutschen Reiche
ihren vornehmsten kirchlichen Würdenträgern
widmen. Die römisch katholische Kirche'hat
in jedem dieser Dörfer eine Kapelle.
DiescJndianer scheinen zum größten Theil,
was man so nennt, gute Katyoliken zu sein
und den Vorschriften der Geistlichkeit ziemlich
nachzukommen; aber trotz alledem ist doch ihr
Caeique immer noch eine höhere Autoritär,
als der Priester der Kirche.
Wie die Juden einen Messias erwarten,
nnd die Christen darauf hoffen, sich im Him
mcl zu amüsiren, so hoffen diese Indianer
auf die Rückkehr des Montezuma, und die
von diesem angeblichen Halbgott vorgeschrie
benen Ceremonien, sind der ineisteuJndianern
doch wohl das Heiligste. Den christlichen
Drcicinigen nehmen sie, wie es scheint, so mit
in den Kauf, damit er, im Fall er wirklich
was zu bewerkstelligen versteht, seine Kräfte
nicht gegen sie walten lasse; aber Montezu
ma, wenn er nur erst kommt, wird doch wohl
die meisten Anhänger gewinnen.
In den meisten dieser Pueblo's zieht man
nur Mais, Waizen nnd Bohnen, in einigen
derselben finden sich aber auch reicklich tra
gende Pfirsich-, Aprikosen-, Aepfel-, Birnen
nnd Pflaumen-Bäume, und in den Pueblo's
am Rio Grande entlang wächst eine ausge
zeichnete Weintraube, aus der die Indianer
einen herrlichen Wein und guten Trauben-
Branntwein herstellen.
Ich will hier eine kleine Unterhaltung mit.
theilen, die zwischen einem Neu - Mexiko
Pueblo Indianer, Namens Ambrosio Abeite,
einem etwa neunzigjährigen Greis und dem
Ex - Präsidenten Andrew Johnson in Wa
shington stattfand, bei welcher der Neu - Me
xikanische Congreßdelegat Hr. Carl Peter
Clever, der die Geschichte in Neu-Mexiko er
zählte, den Dolmetscher machte, und die einen
guten Begriff giebt von der politischen An
schauung dieser Leute:
Ambrosio; „Bist Du der große Vater
der Indianer?"
A. Johnson: „Ja, und ich freue mich,
Dich und Deine Begleiter hier zu sehen."
Ambrosio: „Bist Du der Mann, den
die Leute dort m den Hallen, die der große
Geist errichtet hat, in Anklagezustand versetz
ten und aburtheilten?"
A. lohnjon: „Ja, ich bin Derselbe."
Ambrosio: „Die Leute thun Unrecht,
und sie sollten solche Mittel nicht ergrei
fen."
A. Johnson: (etwas erregt) „Warum
glaubst Du, daß sie Unrecht thun, wie kannst
Du Dir eine Meinung darüber bilden?"
Ambrosio: „Das will ich Dir sagen.
Wir Indianer in unseren Pneblo's wählen
alljährlich unsere Beamten, die unsere öffent
lichen Geschäfte leiten, und denen gehorchen
wir. Sind wir nun so dumm, schlechte Leute
zu wählen, so müssen wir die Folgen unserer
Irrthümer ruhig erlragen, und den schlimmen
Handlungen unserer selbstgewählten Borge
setzten ruhig zusehen, bis wir neue wählen
können. Wir kennen aber unsere Leute und
wählen keine schlechten Menschen, um uns zu
regieren. Wenn Dich nun das Volk der
Ver. Staaten an die Spitze der Nation ge
wählt, so muß es auch mit Deinen Handlun
gen zufrieden sein und Dich in Ruhe lassen,
und wenn Du ein schlechter Mensch bist, sich
in Deine Verordnungen fügen, bis die Zeit
kommt, daß es einen Andern an Deine Stelle
wählen kann. Ich will Dir Etwas sagen:
Du siehst gar nicht aus, wie ein schlechter
Mensch, Du siehst aus, als wenn Du gerne
thätest, was Du für Recht hältst, nnd als
wenn Du Dich nicht leicht von Deinem Vor
haben abbringen ließest, und ich sage: die
Leute dort in den Hallen, welche der große
Geist errichtet, thun Unrecht."
A. Johnson: „Hr. Clever, seien Sje so
freundlich und sagen Sie dem Indianer, daß
ich glaube, er habe mehr Verstand, als der
ganze Ver. Staatcn-Scnat zusammengenom
men."
Der Philadelphia'? Knabenraub.
In der Presse des Landes macht sich immer
mehr die Ansicht geltend, daß der viel bespro
chene Philadclphia'er Knabenraub eine sin
girte Geschichte sei. Das Interesse, welches
das Publikum allenthalben an dem Raube
nimmt, ist jedoch noch ungcschwächl. Ein
Herr in New-?)ork hat sogar eine ebenso hohe
Belohnung, wie die Philadclphia'er Behör
den, nämlich §20,000, auf die Wiedererlan
gung des Kindes gesetzt. Seine Frau, die
sehr nervös ist, hat durch die Aufregung über
den Raub bedenkliche hysterische Anfälle be
kommen, nnd um sie zu beruhigen, etzt er die
Belohnung aus.
Der „Phil. Demokrat" widmet der Sache
gestern einen Artikel, in welchem er jagt:
„Gegen die Annahme des Raubes traten von
vornherein bedeutende Zweifel auf. Ter
kleine Bruder, welcher darüber aussagte, war
kein zuverlässiger Zeuge, die Leute, weiche die
Räuber im Wagen gesehen haben wollten,
waren ihrer Sache nicht sehr gewiß. Daß die
betreffenden Räuber von einem Mann, wie
Roß, der in Geschästs-Schwierigkeiten steckte,
§20,000 Lösegeld verlangten, war höchst seit
sam. Seit wann sind Räuber so dumm,
große Summen da zu suchen, wo, wie sie
wissen können, keine vorhanden sind? Daß
Hr. Roß reiche Verwandte hat, und daß der
kleine Charlcy ein so allerliebster Knabe ist,
kann doch Niemanden zu seinem Raub ganz
besonders veranlassen; in derselben Lage sind
Hunderte von andern Vätern nnd kleinen
Knaben. Es machten sich demnach von An
sang an ziemlich gewichtige Zweifel geltend
gegen die Annahme eines Raubes durch dritte
Beute suchende Personen. Bei einer solchen
Sachlage bleiben nur zwei Annahmen, cnt
weder ist Charlcy ermordet, und die ganze
des Naubes lst eine Täuschung, oder es
hat ein Raub stattgefunden, welcher noch ganz
andere Motive hat, als die, von Hrn. Ron
§20,000 für Auslieferung des geraubten
Knaben zu erpressen. Nachsuchungcn nach
dem vermißten Kinde im elterlichen Hause
sind nicht angestellt worden, und
es Fälle genug, daß man vermißte Personen,
die man für geraubt hielt (man denke an den
Fall der Katie Cnrran in Boston), nach län
gerer Zeit als Leichen in nächster Nähe des
Platzes fand, wo sie zuletzt gesehen wurden.
Daß solche Nachsuchungeu ganz unterblicben
sind, ist eine tadelnswerthe Unterlassung. Daß
i trotz eines Mordes Drohbriefe denkbar wären
I liegt auf der Hand. Diese Briefe können von
Gaunern herrühren, welche die Gelegenheit
ausbeuten wollen, ohne das Kind jemals ge
sehen zu haben. Wenn wirklich ein Raub
l stattfand, so haben sich Zweifel geltend gc-
macht gegen die Annahme, daß derselbe nur
von Personen ausgeübt wurde, welche mit der
Familie ganz unbekannt sind, und daß bei:
Raub nur Gelderpessung vom Vater be
zwecke. Die gcheimnißvolle Art und Weise,
in welcher der Vater zuerst verfuhr, indem er
fast drei Tage hingehen ließ, bevor er Anzeige
machte und zuerst nicht wollte, daß die Zei
lniigrn davon Kenntniß haben sollten, mußte
ans die Idee bringen, daß Hr. Roß bestimm
ten Verdacht hegte, daß er aber die Verdächti
gen oder die Gründe ihrer That nicht vor die
Oeffentlichkeit gebracht haben wollte. Diese
Geheimnißkrämcrci und die gänUicb unznver
lässigen Anhaltspunkte; welche man halte;
bestimmte die Presse Philadelphia's haupt
sächlich über eine Sache zn schweigen, die man
durch Verbreitung falscher Gerüchte nnr ver
schlimmern konnte, wie es schien. Welche
Theorie' man sich über die Gründe eines'
Raubes durch Personen, welche der Familie
nahe stehen, macht, soll nicht weiter berührt
werden. Man erzählt sich, daß die Mutter,
welche ganz untröstlich sein sollte; sich ziemlich
munter in Atlaittic-City befand, und geäu
ßert haben soll, das Kind werde sich wohl
wieder finden. Das sind jedoch nnr Gerüchte.
Wenn das Kind geraubt ist, so bleibt es im
mer noch zweifelhaft, ob die Schreiber der
Briefe über Auslieferung die Räuber, oder
ob sie steche Gauner sind, welche mit dem
Raube gar Nichts zn thun haben. Von der
Meinung, die sich bei Manchem festgesetzt bat,
daß die Sache geheime Kapitel babe, welche
vielleicht niemals an das Tageslicht komtneist
und daß man es mit einem complizirten
Schwindel zu thun habe, dessen eigentliche
Urheber man vielleicht niemals entdeckt, wenn
man auch das Kind auffindet, von dieser An
sicht soll weiter nicht gesprochen werden. Aus
dem Gesagten wird wenigstens so Viel erhel
len, das! die Lösung dieses gcheimnißvollen
Falls nicht leicht ist."
Tages-Neuigkeiten.
Die Untersuchung in der Beech er - T i l
ton' sch en Ang el cgen h eit nimmt eine
verdächtige Wendung. Anstatt zum Treffen
zu kommen und Beecher's Zugcständniß oder
Verneinung der Beschuldigung zu bringen,
schlägt man die Zeit mit lecreniGcschwätz todt
und sucht durch Veröffentlichung von „Inter
views" :c. die Aufmerksamkeit des Publikums
von der Hauptfrage abzulenken. Jeder klar
nnd rechtlich denkende Mann muß die Ueber
zeugung gewinnen, daß ein solcher Höllen
auälm nicht ohne Ursache ist, daß irgendwo
Feuer sein muß. Warum macht man der
schmutzigen Geschichte nicht so rasch, als mög
lich, ein Ende? Was bedeuten alle die An
deutungen über Tilton's Vergangenheit? Daß
er kein Joseph war, hat er selbst niemals be
hauptet und ist auch hier die Frage nicht. Es
handelt sich einfach darum, in welchen Bezie
hungen Beccher zu Frau Tiltön gestanden hat,
Und dazu braucht man nicht acht Tage lang
den schmutzigen Pfuhl umzurühren. Beeche'r
konnte Das sofort durch „Ja" oder „Nein"
erledigen und dann den Hrn. Tilton wegen
Vcrläumdung verklagen. Er hat Das nickt
gethan, und deshalb svrichl ihn die Welt
schuldig; er muß hoheTrümpsc ausspielen, um
dieses Urtheil umzuwandeln.
In dem Ex eku ti v-B ürca n des „Wei
ßenHauses" laufen beinahe täglichßettclbricfe
von allen Theilen des Landes ein. Viele Per
sonen scheinen von der Ansicht auszugehen,
daß der Präsident ein Wechselgcschäft betreibt
und Gelder ausleiht, die erst in der zutünsri
gen Welt zurückgezahlt zu werden vrauchcn.
So erhielt er kürzlich einen Brief aus Texas,
in welchem er nm 100 angegangen wird.
Der Schreiber sagt: „Ich bin sicker, daß die
Erfüllung meines Gesuchs Ihnen von Dem,
der daSWeltall regiert, zehnfach wieder zurück
bezahlr werden wird.
Tie neue Anleihe wäre somit glück
lich Placirt. Den Rest derselben haben die
Firmen A. Belmont sc Co. (Agenten des
Hauses Rothschild) und I. sc W. Seligman
sc Co. genommen. Diese Bankiers erhalten
die Bonds a> pari Goldwährung und bekom
men Proz. Commission, womit sie alle Un
kosten, die mit der Transaktion verknüpft sind,
zu bestreiten haben.
Die Ortschaften N anki n nud Livonia,
Mich., wurden am Sonntag Abend von einem
furchtbaren Hagelwetter heimgesucht. An
Fcldfrüchten und Gebäuden wurde cm Scha
den angerichtet, der sich ans 100,000 belaufen
mag.
Der Werth der Leder-Produktion
in Amerika übersteigt, was wohl nicht
allgemein bekannt ist, den der Eiscn-Produk
tivli nm sin Beträchtliches, denn während in
1870 die Höhe der Ersteren 280,000,000 be
trug, belicf sich die Eisen Inoustrie auf weni
ger wie §100,000,000, die Baumwollen-
Produkte 178,000,000 und die der Wollen-
Ärtikel §208,000,000. Im Jahre 1870 be
fanden sich in Amerika 4237 Loh Gerbereien
und 3031 andere Gerbereien und Etablisse
ments, in denen Leder verarbeitet wurde. In
denselben waren §55,024,290 angelegt und
erhielten die 30,811 Arbeiter zusammen 12,-
088,430 als Löhne ausbezahlt. Während
Eisen, Baumwolle und Wolle immer wieder
umgearbeitet und verwandt werden können,
ist dieses bei Lcder nur in beschränktem Maße
der Fall, und es wird, wenn es ausgcbrancht'
ist, gewöhnlich zur Leim-Fabrikation benutzt.
In einer Stadt des Westens wurde
neulich ein junger Mann um §lo bestraft,
weil er ein Mädchen gegen dessen Willen ge
küßt hatte. Am anderen Tage sandte das
Mädchen dem unglücklichen Liebhaber de
Betrag der Strafe und crmahnte ihn, bei fei
ner nächsten Kuß-Wiederholung ein Bischen
weniger stürmisch zu fein, und vor Allem sich
vor den Argusaugen ihres Vaters hübsch in
Acht zu nehmen.
Ein „eigenhändiger" Brief von
George Washington wurde kürzlich in
Boston für 25 Dollars verkauft. Ter junge
Mann, welcher das Autograph anfertigte, be
kam iziir 75 Ecnts für feine Arbeit. Es gibt
keine Gerechtigkeit mehr auf der Welt.
Ter „C o tu m bus , Ga., Enquirer"
kündigt sein Eingehen folgendermaßen an:
„Wir geben das Zcitungsgefchäft auf,
weil dasselbe sich in einem Orte nicht als pro
fitabel erweist, wo die Geschäftsleute alte Ka
lender lesen und ihre Zähne mit Härings
fchwänzen stochern." Jedenfalls ein triftiger
Grund.
Tie Augustwahlcn, in denen die er
stcn Federn in die politische Atmosphäre gewor
fen werden, um zu sehen, aus welcher Rich
tung im Herbste der Wind weht, stehen vor
der Thür. Kentucky eröffnet am nächsten
Montag den Reigen; daß dort die Demokra
ten siegen, ist selbstverständlich. Heute über
acht Tage finden Wahlen in Tennessce und
Nord-Carolina statt. Ersterer Staat wählt
nur County-Beamte, aber in Nord-Carolina
werden außer dem Superintendenten der öf
fentlichen Schulen und sechs Kreisrichtcrn
auch acht Congreßmitglicder erwählt. Der
Staat ist gegenwärtig durch fünf Demokra
ten und drei Republikaner im Congresse ver
treten. Die Demokraten hoffen in sieben
Distrikten zu siegen, im 2. Distrikte wird ein
Neger erwählt werden, trotzdem derselbe zwei
republikanische Gegencandidaten hat.
Der Plan zur Errichtung einer techni
schen Hochschule zur Ausbildung von
höheren Eisenbahn - Betricbsbeamtcn (unter
dem Namen Eisenbahn - Akademie) hat die
Billigung des deutschen Reichskanzlers erhal
ten. Im Etat für 1373 soll für dieselbe die
Summe von 10,000 Thalern ausgeworfen
werden.
In ScarSdale, Wcstchcstcr - County,
N.-2)., stieß dem Hrn. Israel Popham, ei
nem der wohlhabendsten und einflußreichsten
Bürger des Ortes, in der Nacht vom Sonn
tag auf Montag ein Unglück eigenthümlicher
Art zu. Seine Frau wachte gegen 51 Uhr in
Folge eines seltsamen Geräusches auf, und
als sie horchte, bemerkte sie, daß dasselbe aus
der Kehle ihres Mannes kam. Sie fragte
ihn, was ihm fehle, erhielt jedoch keine Ant
wort. Ter herbeigerufene Hausarzt fand,
daß Hr. Popham seine falschen Zähne ver
schluckt und daß dieselben sich in der Speise
röhre festgesetzt hatten. Mit Hülse chirurgi
scher Instrumente gelang es dem Arzte, die
Zähne in den Magen zu bringen und auf diese
Weise Hrn.Popham wenigstens vorläufig Er
leichterung zn verschaffen; doch ist wenigHoff
nung vorhanden, daß dieser Unfall nicht von
tödtiichem Ausgange begleitet fein werde.
Die Ciiratorcn der „Northern Pacific Rail
road Company" zu Philadelphia mel
den, daß für §378,000 37er Obligationen in
Zahlung angenommen worden wie. Die
Verkäufe der Obligationen mehren sich stetig,
und die Käuscr sind hauptsächlich Ansiedler
der besten Art.
Der Philadcl phi a'cr Knaben raub
fährt fort, das Publikum und die Presse des
Landes zu beschäftigen: In Gerinantowu
cirkulirt jetzt eine Geschichte, die auch vieler
scitS Glauben findet. Ein Farmer, der wo
chentlich zweimal hereinkam, um seine Pro
dukte zu verkaufen, hat sie erzählt und zwar
sagt er, daß am Avend des t.luli zwei Män
ner mit einem Buggy, ,n dem sich ein Kind
befand, an einer Kneipe au der Lime KilnPike
anhielten. Das Aussehen der Männer und
der Kutsche paßte genau aus die gegebene Be
schreibung. Erst stieg der Eine aus und
trank, und als dieser wieder nach der Kutsche
zurückgekehrt war, stieg auch der Andere ans.
ES war z dunkel, um die Züge des Kindes
zu erkennen. Das Kind weinte heftig und
die Männer versuchten, es mit einer'Ärt musi
kalischen Instrument zu befänstigen. Nach
dem sie ungefähr loMlii,lleu gehalten, fuhren
sie wieder rasch davon. Auch waren sie in
einem Sandystore gesehen worden, wo sie für
7 EIS. Sandy kanften. Hier wurde das Kind
gesehen und glaubt man, daß es bet kleine
Charles Roß gewesen sei. Am 2.Juli Abends
8 Uhr wurden die Männer in einer anderen
Wirthschaft gesehen, wo sie ihre Pferde tränk
ten. Das Kind weinte und eines der Män
ner versuchte es zu Da ihm vieles
nicht gelang, so schlug er es auf den Rücken,
indem der Andere ihm Vorwürfe machte, und
böse Worte wechselnd fuhren sie fort.
Der Kindesdieb stahl scheint in vie
lem Lande, in welchem Alles, GUtes sowohl
als Bäkes, so rasch Nachahmung findet, zur
Epidemie werden zn wollen. Bon allen Ecken
und Enden werden jetzt Kindcrdicbstählc be
richtet; besonders scheint dieses schreckliche Ge>
schüft in Pennsylvanic zu grassiren. Aus
dem Brcwery - Hill bei WilkcSbarrc ist das
kleine Söhnchen eines Hrn. Moran entführt
worden und bis jetzt hat man noch keine Spur
von den Räubern. Bor einigen Tagen wurde
dcr Bersiich gemacht, ein drei Jahre altes Kind
in.der Nähe derselben Stadt zu rauben; aus
Allentown und Easton werden ähnliche Ver
suche gemeldet. Aus Dunmore bei Scranton
ist das sechsjährige Söhnchen des Hrn. Wal
ter Thompson verschwunden; als man dasselbe
zuletzt sah, befand es sich in der Gefellschaft
eines großen Mannes mit dunkler Hautfarbe.
Zwei kleine Kinder, George und Mary At
wsod, 4 resp. 5 Jahre al, sind ans der Nähe
von Tnrkhannock verschwunden. In Lock-
Haven wurde der Versuch gemacht, ein Mäd
chcn im Alter von 12 Jahren zn entführen,
ihr Geschrei erregte jedoch die Aufmerksamkeit
eines Herrn, welcher die Räuber verscheuchte.
Man glaubt, daß dieses Geschäft von engli
schcn Zigeunern betrieben wird, von deiicu
jetzt mehrere Banden den Staut durchstreifen.
Die öffentliche Meinung ist über diese Ver
brechen so erregt, daß sich keine Stimme da
gegen erheben würde, wenn die Gesetzgebun
gen der verschiedenen Staaten auf den Kindes
oicbstahl Todesstrafe fetzten. Jedenfalls sind
strenge Maßregeln nöthig, um die Möglich
keit eines Verbrechens zn verhindern, welches
solchen Gram und Kummer über ganze Fa
Milien bringt.
Selbst in Minnesota sollen den Anga
ben der „Times" gemäß die Demokraten Aus
sicht haben, drei Congreß-Repräfentanten zu
erwählen, da sich um die republikanische No
lndividuell bewerben, die sich
mit dem Salairdiebstahl und anderen corrup
teil Praktiken besudelt haben. Hoffentlich
wird die Opposition Sorge tragen, durch
'Aufstellung tüchtiger und würdiger Candida
tcn einen guten Gebrauch von dieser Gelegen
heit zu machen und zu beweisen, daß die Auf
forderung der „Times," welche den Republi
kauern rathet, lieber für einen ehrlichen Geg
ner, als für einen schlechten Sandidaten ihrer
eigenen Partei zu stimmen, wci'e und patrio
tisch fest
Ueber die neüe Uiiiforiü der Bun
de scav a l le rie, welche am 4. Juli an
dem Festzuge in St. Louis thcilnahm, macht
sich ein westl. Blatt lustig. „Die Pickelhau
be— heißt es erscheint verkleinert und ist
aus Tuch oder Filz angefertigt, mit mancher
lei unnöthlgem Aufputz daran. Noch mehr
von letzterem ist an den Röcken zu schauen
und einer unserer naiven Collegen vom Lcnde
wurde dadurch allen Ernstes zii dem Glauben
verleitet, die Leute gehörten dem grade in der
Sradt anwesenden Robinson'schen Cirkus an.
Der erfinderische Schneider, Ser zu dieser neu
en Uniform der Bnndcstruppen Gevatter ge
standen hat, sollte sich von Bornum engagiren
lassen: ditto die Commission von amerikani
schen Offizieren, welche sich zn Gunsten diejcr
„Uniform" entschieden."
Der New-Uorker L ei chenverbren
li u n g s - V c r c i n zählt jetzt 203 Mitglieder,
die sammt und sonders entschlossen sind, ihre
Körper den Flammen übergeben zu lasten, so
bald sie daSZeitliche gesegnei-vorailLgcsctzt.daß
bis dahin alle nöthigen Vorbereitungen ge
troffen sind. Diese bestehen ans dem Ankau
fe eines Grundstücks, dem Ban eines Leichen-
Verbrennungshauses und der Herstellung eines
Ofens, in welchem mittelst Regencrativ-Fen
erung die Verbrennung stattfinden soll. Die
nöthigen Gelder sind zn zwei Dritteln gezcich
net. Den Rest gedenkt man im Herbst crlan
gen zu können, wo die öffentliche Agitation
wieder in Schwung gebracht werden soll. Für
den Sommcr will man, weil in dieser Jahres
zeit die Menschen schon lebendig genug braten
müssen, die Agitation durch Bersammlnngeii,
Aufrufe u. f. w. einstellen. ES werden je
doch im Laufe der nächsten Monate imPlnmp
ton Building Vorlesungen über diesen Gegen
stand gehalten werden.
In Rochester, N.-D., lebl ein Mann,
welcher über 107 Jahre ölt und noch ziemlich
rüstig ist. Er ist aus Quebec gcbllnig, bc
trieb bis zu feinem SO. Jahre das Gewerbe
eines Zimmermanns, spricht kein Englisch
und versteht nnr das französisch-canadischc
Palois. Eine nnr zwei Jahre jüngere Schwe
ster von ihm soll in Quebec leben.
Heckcr schreibt ausM anito u-S Prings,
Colorado, an ein westliches Blatt: „Seit An
fang Juni bin ich in den Fclfengebirgen, und
Dank dem herrlichen Klima, derrcinen dünnen
Luft, nichrnnr vollkommen hergestellt, fondern
fühle mich gesünder und stärker als je, was
Ihr schon daraus abnehmen könnt, daß ich
Fußtouren von 5 bis 10 Stunden des Tages
bergauf bergab ohne alle Beschwerde vorneh
mcn konnte, was ich feit drei Jahren nicht
mehr vermocht hatte. Diese Gegend ist für
alle Lungen , Luftröhren-, Leber- und Fieber-
Leidenden der Staaten ein wahres Acscula.
pium. Nicht blos bei meiner Wenigkeit, bei
meinem Begleiter, sondern, wie ich von dies -
jäljrigen Reisenden höre, bei allen dasselbcße
iultar. Ganz auffallend ist es bei meinem
Begleiter und Vetter, der die Heimath unter
den ungünstigsten Aussichten Lungenblu
tnngen, Husten, Unfähigkeit nur 10 Minuten
weil zu gehen verließ, und nun frijch und
blühend aussieht, täglich anGewicht zunimmt
und Berge steigt, wie ein Hirsch. Nur die
im tiefsten Stadium derSchwindfucht Befind
lichcn sollen wegbleiben, die dünne Luft rafft
sie weg."
Ein Pfarrer in Connecticut betete
neulich in feiner Kirche wie folgt: „O Herr!
Du weißt, daß ich über einen sehr gottlosen
und entarteten Sohn bekümmert bin; Du
weißt, daß er flucht, lügt und stiehlt und
allerlei sündige Handlungen begeht. Tu
weißt, daß er am letzten Sonntag, die Hände
in den Hoseittaschen, die Hauptstraße hinunter
ging und folgendes gottlose Stückchen Pfiff ."
Und die Versammlung horchte hoch auf,
als ihr der Prediger auf einmal in meister
hafter Weife den „Vankce Doodle" vorpfiff.
In dem am 30. Juni beendeten Jahre sind
auf den amerikanischen Eisenbah
nen 1107 Eisenbahn-Unfälle vorgekommen,
bei denen 243 Personen gctödlet und 761 ver
wuiidet wurden.
Tic Theilnahme an der heutigen Conven
tion für die Säkularfeier der Chemie in P hi
ladclphia verspricht außerordentlich leb
hast zu werten. Alle Hotels sind besetzt, und
viele Gäste sind genöthigt, die Gastffcuiid
schaft des Bürger-Cvmite's in Anspruch zu
nehmen. Unter den Gästen befinden sich her
vorragende Chemiker aus allen Theilen des
Landes.
Ein Mitglied der Legislatur von Pen n
sylvanieu stellte kürzlich den Antrag,
daß Selbstmord bei Todesstrafe verboten
werde.
InLancaste r, Pa., wurde ein 14-jähri
ger Knabe von einer Klapperschlange in den
Finger gebissen, der besonnene Junge ergriff
jedoch sofort eine Axt, hieb das Glied ad und
entging so den schlimmen Folgen des giftigen
Bisses.
Die In di ancr - Verhä l tnif sc .ge
stalten sich im Allgemeinen friedlich, und na
mentlich die Cheycnnes und Arapahocs wüii'
scheu in ihre Agenturen zurückzukehren. Sie
fragen deshalb an, wie sie bei ihrer Rückkehr
behandelt werden würden. In der Nahe von
lacksboro', Texas, hat allerdings am Frei
lage voriger Woche ein blutiger Zusammen
stoß stattgefunden, bei welchem es aus beiden
Seilen Todte und Verwundete gab und der
Commandant der Bundeslrnppen gelobtet
wurde.
Wir machen die Deutschen auf die gesetzli
chen Bestimmungen in Wisconsin auf
merksam, wornach in allen Normalschulen
Wisconsin'S die deutsche Sprache gelehrt wer
den muß und wonach ferner kein Student zur
Staats - Universität in Madison zugelassen
wird, der nicht den Nachweis führen kaun,
daß er die deutsche Sprache vollständig er
lernt hat. Mögen die Deutschen hier und in
anderen Staaten sich an dem Borstehenden ein
Beispiel zur Nachelferung nehmen.
In New -2) ork beträgt die Steuerrate
§2.30 pro §lOO steuerbares Eigenthum.
Zum Andenken Walthcr's von der
B o gclw ei de soll an seinem heimathlichen
Hause, dem Inncr-Vogclweiderhose im Laye
ncriede eine Gedenktafel angebracht werden.
Die Inschrift auf derselben lautet einfach:
11. v. lllmberg.
Die Kosten werden durch freiwillige Spen
den aus dem Kreise der Verehrer des großen
Minnesängers gedeckt.
M. P. Fcd d ers en, der bekannte Ver
sasser einer Geschichte der Schweiz, ist gestor
ben.
Es bestätigt sich, dag dießeichs m ark-
Währung am I.Januar 1875 in Preußen
l doch zur Einführung kommt.
Telegraphische Depeschen.
Jnland-Depeschenz
Eiseb<t'„-Grevel.
B o st o n, 28. Juli. - Der von New-Uork
gestern Abend um 2 Minuten nach N Uhr
hier fällige Zug wurde, als er sich eine Meile
westlich von Palmcr befand, von einer Baude
von Bösewichten angegriffen, welche Steine
durch die Fenster der Waggons schleuderten.
Ein in dem Nanchwaggon sitzender Mann
wurde über dem Ohre getroffen und erhielt
eine klaffende Wunde. Eine Dame wnrde in
der Schläfe gefährlich verwundet und verlor
die Besinnung. Bei der Ankunft des Zuges
in Palmer wurde ärztliche Hülfe herbeigeholt.
Der verwundete Mann blieb in Polmer, wäh
rcnd die Dame nach West - Brooklyn gebracht
wurde. Bon Palmer aus machten sich Leüls
aus den Weg, um den Frevlern auf die Spur
zu kommen. Hr. Lincoln, dcrßicc Präsident
der EiscnbalmgeseUschaft, befand sich in dem
Zuge und hat versprochen, daß beute für die
Ergreifung der Strolche eine große Beloh
nung ausgesetzt werden sollte. Die Namen
der Verwundeten waren nicht zu erfahren.
Springsicld, Mass., 28. Juli. In
Wilbraham ist ein Mann verhaftet worden,
welcher in dem Verdachte steht, einer der
Frevler zu sein, welche den Bostoner Eilzug
gestern Abend in der Nähe von Polmer stei
nigten.
Ein vermißtes Mädchen wieder
znn Borsiw in gekommen.
Brockton, Mass., 28. Juli. Lizzie .
Park, das kleine Mädchen, das man seit dem ,
7. d. Bits, vermißte, ist am Sonntag wieder ,
in das elterliche Hans zurückgekehrt. Sie war ,
davon gelaufen, weil sie sich vorcnier drohen- .
den Züchtigung fürchtete; sie lies in den Wald, -
in dem sie sich verirrte. Endlich kam sie nach
Hansom, wo sie krank wurde, weshalb sie dorr j
eine Zeit lang bleiben mußte.
Ter jugendliche Vöscwtcht Zessc ,
Pomcron. s
Bost o 11, 2V. Juli.—Tie Coroners lurh ! r
im Falle der .natu Curran hat heute Nach i z
mittag ihr Verdikt abgegeben. Nach demsel
ben hat Pomcroy das' Mädchen gctödtet, so- ! e
wie das Gestänsniß des Biörders durch die ! >
beigebrachten Beweismittel außerdem noch ! z
bestärkt wird. Die Jury erklärte ebenfalls, !
daß die Leiche des Mädchens entweder vor .
oder nach der That durch ein scharfes Instrn l
ment verstümmelt worden sei. r
Die Gefahren des Kcrsfin-Oels. >
B o sto n, 3V. Juli.- Lorenzo I. Keepers, -
ein Sohn von Lewis I. Keepers aus Nr. 23g, )
Dorchestcrstraße, Süd-Boston, wollte gestern -i
Nachmittag im Kochofen Feuer anzünden und ! 1
benutzte dazu Kerosin - Ocl. Seine Kleider j
singen Feuer, und Polizist Tnrgin, durch ! t
das Geschrei des Knaben ansmerksani gc i
macht, eilte.herzn und löschte endlich die i
Flammen. Ter Knabe war von den Kmeen i
autwäris furchtbar verbrannt und starb unter -
großen Qualen nach wenigen Stunden. ! >
TöStlicher Nnfall.
N ewton , Mass., 3V. Kuli. In 'North ! (
Village ging heute Morgen ein Isssährigcr ! -
Knabe, Namens Tamlin, in Dolby's Fa
drik, nm seinen dort beschäftigtem Vater zu ! i
besuchen. Während er den großen Schleis !
stein besah, wurde er von dem N ien.cn, j '
welcher den Stein drehte, ersaßt, und beide !!
Ärmc wurden ihm vom Leibe gerissen. Er s
wurde nach Hause gebracht, wo er indeß bald -
nachher starb.
Wiedergefunden nach zwölf j
)al?reu.
Alban y, N. 29. Znli. Zu Sara > '
toga, N.-2)., wurde Sem Äeman Follett vor !
>2 Jahren ein Knabe gestohlen. Der Kin- j
dcsräubcr starb kürzlich im Bellevne Hospital
in 'New - rßork, nachdem er vorher das Ge
ständniß des Verbrechens abgelegt hatte. Der ;
Vater ist nach New-Vork gegangen, um scineii '
Sohn, welcher zu einem jungen Manne he- ;
rangeivachsen ist, seiner Familie wi'der znzu
sührcii. >
Fr eck? er"Bättkrattb.
Albany, N.-A., 30. Zuli. Zwei ! j
Männer traten gestern in die „First National ! -
Bank" zu Batavia, Genesce - County, ein, ! j
und während einer derselben die Aufmerksam- -
seit des einzigen anwesenden Bankbeamten in -
'Anspruch nahm, bemächtigte sich der Andere l
eines Kastens, welcher §lO,OOO in baarem
Gelde und Obligationen enthielt. Beide cnt- >
kamen.
Tä?ande und Selbstmord.
Ncw2) o r k, 23. Juli. Gestern Nach- >
mittag wurde auf der Polizei Station des >7. j
Bezirks Anzeige gemacht, daß die 24-jährige i
Nellie Duvatl in Nr. 109, Ost 11. Straße, !
versucht habe, sich mit Chlor Hridrat zu vcr ! >
giften. Ein in das betreffende Hans geschick l !
ter Polizist fand die Arme zwar noch nm Le- >.
bcn, sie starb indeß trotz des herbeigerufenen c
ärztlichen Beistandes während der Nacht, und l
ihre Leiche wurde, da sie weder Freunde noch ,
Verwandte hatte, in die Morgue geschickt, l ;
Die Unglückliche war Insassin eines übel be- I -
rüchtigten Hauses geivesen und hatte den Tod > l
der Schande vorgezogen. Nach den AnSia ! >
gen der übrigen Mädchen, welche in dcmsel- i
bcn Hanse wohnen, war die Verstorbene die s
Tochter hochgeachteter Leute in Washington >
und hatte eine vorznglichcErziehung genossen, i
'Nach ihrem Fall war sie unter einem angc- -
nominellen Namen hierher gekommen und '
hatte sich vergiftet, weil, wie sie selbst sagte,
ihr Liebhaber sich von ihr ab- und einer An- .
deren zugewendet habe.
Ncberticfert sich der Polizei. j
New- 2j or k, 29. Juli. Am Montag s
Morgen wurde inEommunigaw Avenue, Jer- >
scy-City, N.-1., die Leiche eines gewissen >
John McCann gesunden. Im Hinterlopsc ,
befand sich eincKngelwnnde. Gestern wurde in >
Newarkein des Mordes verdächtiges Indivi s
dunm verhaftet; heute Morgen indeß meldete >
sich auf dem zu Jersey-City ein
junger Mann, Namens James Brooks, ans
Newark und sagte, daß er ohne Zweifel den
Schuß gethan habe. Er erzählt, er sei am
Montag Morgen von Newark nach New- '
2>ork gefahren; ein Mann habe versucht, ans
seinen Wagen zu springen, und da derselbe
nicht habe weichen wollen, so habe er (Brooks)
mit der Peitsche nach ihm geschlagen. Der
Fremde habe ihm die Peitsche entrissen, sei '
aus den Wagen gesprungen und habe auf !
Brooks losgeschlagen. Letzterer habe dann
seinen Revolver gezogen und auf den Frem
den gefeuert, welcher dann zum Wagen hinaus >
gefallen sei. Brooks sagt, er habe nicht wei
ter daran gedacht, bis er die Geschichte von dem
aufgefundenen Leichnam gelesen habe. Er sei !
oft gezwungen, ans zudringliche Menschen zu i
schießen.
Der Sekretär einer Versicherungs-
Gesellschaft verschwunden.
Philadclphla, 28. Juli. In Folge j
der Zahlungseinstellung der 'Neoi.w'.-i is,i- !
rc'o tNxii'mnv," welche heute ihre Thüren I
schloß, wurden heute Abend Versuche gemacht, s
den Sekrclär derselben, John E. Hinds, zu >
sprechen. Er war indeß seit Sonnabend aus i
seiner Wohnung verschwunden, und seine Fa- !
milie mußte nicht, wohin er sich begeben.
Tie Säkular-Wcttaucstellttnq.
Ph ll ad eI phi a, 23. Juli.- Die Säkn .
lar - Commission hat an das Volk der Ver.
Staaten folgende' Adresse erlassen: „TieVor
bereitnngen für die Säknlarfeier und die mit
derselben verbundene Weltausstellung schrei
tcn rüstig vorwärts. Tie Hauptgebäude sind
im Ban begriffen. Ter Präsident der Vcr.
Staaten hat, vomCongrcß dazu aufgefordert,
an alle sremocn Nationen die freundliche Em-
ladung ergehen lassen, an dem Werke nutzn- ,
arbeiten, und zahlreiche Zusagen sind schon .
eingelansen. Um' Ausstellungsraum kommen !
Bewerbungen aus dem In- und 'Auslande,!
und alle Anzeichen deuten aus einen großarti- >
gen Erfolg hin.
Um aber das Unternehmen auf eine des
glorreichen Ereignisses würdige Weise auszu
führen, werden weitere Gelder nöthig sein;
denn wenn auch der Congreß diesem patnoti
scheu Werke durch geeignete Gesetze ein natio-
nalcs Gepräge gegeben hat, so hat er doch das
zur Ausführung nöthige Kapital nicht bewil
ligt. Dies blieb Euch vorbehalten, und Ihr
werdet, durch die Erinnerungen an die Ver-
gangenheit und die Segnungen der Gegen !
wart inspirirt, ohne Zweifel Eure Ausgabe
freudig erfüllen. Wir haben deshalb einen !
Plan zur Beschaffung von Geldern entworfen,
welcher Euch von einer zu dem Zweck crnanu
ten Commission, die unter der allgemeinen
Leitung des Achtb. William Bigler, eines!
Mitgliedes obigerCommission, handelt, unter
breitet werden ivird. Dieser Plan verhindert
Niemanden, einen oder mehr 'Antheile des
Säkular-Grundkapitals, zu §lO, zu nehme,
da Zahlung entweder durch Postanweisungen
oder einen Wechsel an de Schatzmeister Fre
derick Fraley, Nr. 904, Walnnistraßc, Philo,
dclphia, geleistet werden kann. Quittungen
werden sofort ausgestellt werden. John
Wclsh, Präsident der Säkular Finanz-Com- !
Mission.— Philadelphia, 28. Juli."
Ter Knabcnrauv in Gcrmantowtt,
Pcnns.
Phi l ad elph l a, 29. Juli. Tie Po
lizcibehörden haben den Gedanken aujgege
ben, daß die vier verhafteten Individuen,
zwei Männer und zwei Frauenzimmer, mit
dem Kiiabcnranb in Verbindung stehen. Die
selben bcsiuden sich noch in Hast und werden
i morgen ein Verhör haben, um sich gegen Bc
j schuldigungcn zu vertheidigen, welche wegen
zahlreicher, in Germantown begangener Dieb
stähle gegen sie erhoben worden sind.
P hil adcl phi a, 8(1. Juli. Folgende
Nachricht ist aus Hamburg, Penns., hier ein
gelaufen: „Geheimpolizisten haben eine hier
lii der 'Nähe uinherstrcifende ZigeUncrbandc
angehalten, welche einen lleinen Knaben mit
sich führt. E verbreitete sich sofort das Ge
rücht, der Knabe je! der kleine, in Philadel
phia gestohlene Charles Brewstcr Roß. Die
Bande wird von den Behörden festgehalten,
bis man sich von hier aus mit der Familie
hat in Verbindung setzen können. Man
glaubt indes; nicht, daß es das vermißte Kind
sc/'
Hamb n r g, Penns., 30. Juli.-Der Ba
ter des Kindes ist jetzt mit Polizisten aus
Philadelphia einem Extra-Zuge nach hier
unterwegs. Tie Angaben über das Aeußere
des bei den Zigeunern gesuildeiicn Kindes
widersprechen einander.
Po: i ville, Peniis., 30. Juli. Ge
stcrn Abend macktcn sich hiesige Polizisten
ans den Weg, um eine gestern Morgen hier
dnrchpassirte Zigeuncrbande zu verfolgen.
Co waren bei der Polizei Nachrichten einge
laufen. welche zu der Vermuthung führten,
daß Charlei) Ron bei der Bande sei. Ein
Herr, welcher das Kind iah, erklärte, daß das
selbe der Beschreibung des vermißten Knaben
entspreche. Ein Telegramm, welches die
Verhaftung der Bande meldet, sagt ebenfalls,
daß das vcröffcntlickte Signalement auf den
Bcrimßtcn passe. Die ganze Bande ist fest
genommen, um die Ankunft des BaterS abzu
warten.
Philadelphia, 3. Juli. Eine De
efche au Hamburg, Penns., meidet: „Das
lind ist ans den Bahnhof gebracht worden,
in dort die Ankunft des Extra - Zuges abzn
'arten. Die Geheimpolizisten glauben jetzt,
s sei das Geraubte. Sie vermuthen, daß
ie Räuber es bei der allgemeinen Erbitte
ung über das Verbrechen nicht mehr für
cher gehalten, das Kind länger mit sich Her
rn zu führen, weshalb sie es den Zigeunern
vergeben hätten." Es ist nicht der Bater,
indern ein Oheim des kleinen Eharlcq, mel
ier mit dem Extra Zuge von hier abfuhr, um
aS Kind zu identifiziren.
Ham b ur g, Penns., 30. Juli.—Das bei
cn Zigeunern gefundene Kind ist nicht Ehar
u Roß. Die Verwandten, welche mit dem
ixtra-Znge kamen, kannten dasselbe nicht.
A il"enlown, Penns., 30. Juli.—Am
den 7. Juli, zwischen 9 und 10
hr Morgens, hielt eine gejchlosseneEquipagc
or dem Gebäude der hiesigen „First Ralio
albank" an, in dessen Souterrain sich die
Zarbicrstube von William Able befindet,
lus dem Wagen stiegen eine Frau, ein kleiner
mibe und zwei Männer. Die Frau war
nl gekleidet und trug eine goldene Uhr uns
ette. Sic war groß und schlank und Halle
nnkle Augen und dunkles Haar. Einer der
iiänncr, welcher d'raußen bei den Pferden
lieb, war ziemlich klein und untersetzt. Der
lndere war groß und hatte auffallend schwarze
Ingen und schwarzes Haar. Die Frau ging
lit dein letzteren und dem Kinde in die Var
ierstubc, und ließ dort die blonden sollen
es Kleinen abschneiden. Während das Haar
eschmtten wurde, sprach die Frau zn deuiscl
en, versprach ihm Eis Ereme und Bonbons,
'enn cS hübsch still sitze, und fügte hinzu,
as Kämmen werde später um so besser sein.
)er Kleine sprach kein Wort; er lachte weder,
och weinte er und schien überhaupt wenig
lcht zu geben auf Das, was mit ihm vor
ing. Hr. Able meint jetzt, nachdem er die
t'hotographie des geraubten Kindes gesehen,
aß der Knabe, dem er die Locken abgeschnit
tn, mit jenem identisch sei.
Nord in Pyiladeipdia. (Sin
doltscher Maschinist erschient
seinen ehemaligen Geschäfts
Theilhaver.
Philadelphia, 30. Juli. Heute
Icichiiiittag spielte sich in einem Gebäude an
er Ecke der 2. und Racestraße eine schreckliche
cragödic ab. Ein Deutscher, Namens
Mahnte, 34 Jahre alt, wurde von dem 38-
ährigcil G. Snydcr erschossen. Snyder 8c
.aHille begründeten vor etwa 10 Wochen
in Geschäft für die Reparatur von Nähma
chiuen; vor zwei Wochen löste sich jedoch
>ie Compagnie wieder aus, und Snyder
ührte das Geschäft allein fort; er sagt, er
labe Pahiike's Interesse gekauft. Alles ging
litt, bis eines Tages Pahnke erschien und
agtc, er fei nicht anständig behandelt worden.
seute Nachmitag sagte ihm Snyder, er möge
ünftig fortbleibe; trotzdem kam er bald
aranf wieder und begann mit Snyder zn
anken. Dieser versuchte ihn hinausziiwer
cn. Dabei kam cS zur Schlägerei, wobei
snyder einen siebenläusigen 'Revolver ergriff
lud fämmiliche Schüsse auf Pahnke abfeuerte.
Licser faul Isfort todt nieder. Ein Polizist
uhrte Snyder nach dein Stationshauje ab,
00 er angab, daß er in Selbstvcrlheidigiing
gehandelt habe. Der Lieutenant des Distrikts
rgriff Besitz von dem Geschäfte und citirte
en Leicheiibeschaiicr. Von den sieben
rchüsseii hatten 5 getroffen; zwei waren in
ie rechte Brust gefahren, einer war in der
(ähe des Herzens eingedrungen, die anderen
atren die Glieder verletzt. Snhdcr ist ver
eirather und hat vier Kinder. Pahnke soll
nverheirathet sein. Der Mörder wird von
'inen 'Nachbarn als ein friedfertiger Mensch
efchildert; früher ist es zwischen den Beiden
icnialS zu solchen Scenen gekommen.
trei Mättncr durch eine Grplosion
qctöotet.
Polls vi llc, Pemif., 29. Juli. In
er Nähe von Tamaqiia, Pennst, lrug sich
estern in einem Magazin und Trockenhaiis,
oelcheS an Welbv K Comp.'s Piilvcrniühle
ließ, eine Explosion zu. Drei Männer, Na
lieiis Gerber, Mumma und Krause, wurden
ugciiblickttch getödtel und ein Knabe, Na
aens Eoyle, tödilich verwundet. Tie Ur
ache der Explosion ist nnbekannt. Die drei
lmgekoinmcnen hinterlassen sämmtlich Fa
nilieii.
Eine Schuhfabrik in die Luft
gesprengt.
CoatSville, Pennst, 29. Juli. —Babb,
sor H Comp.'S Schuhfabrik wurde gestern
Ibend durch cincGas Explosion zertrümmert,
i. Babb und Sohn, F. H. Bickel und H. A.
iferiey erlitten schwere Brandwunden. Der
inabe, Wlllie Babb, ist feinen Wunden be
eits erlegen. Ein Gasfitter suchte im Keller
lach einem Leck in der Gasrohre, zündete, um
lesser sehen zu können, ein Streichholz an und
ührte dadurch die Explosion herbei,
sin Gruben-Inspektor mörderisch
überfallen.-Nachc an dem 'At
tentäter.
Wilkcsbarie, Peuns., 29. Juli. —
Zu Iciliiyn ging heute Morgen der Gruben
ziifpeklor Alfred Green feiner Gewohnheit
jcmäß an die Gruben, um, che die Bergleute
in die Arbeit gingen, nachzujehen, ob Alles
ii Ordnung fei. Unterwegs wurde er von
>rei Fremden angeredet, welche ihn um Ar
icit baten. Als er ihnen antwortete, daß er
eine weiteren Hände brauche, zogen sie ihre
slcvolvcr und feuerten neun Schüsse auf ilsti
>b, von denen ihn zwei in die linke Schutter
ind linke Seile trafen. Auf feinen Hülfcruf
illen Robert Piercc und Edward McErackcn
>crbei.
Die Schurken wandte sich nun gegen diese;
iber Pierce zog femcn Revolver und erschoß
inen derselben, welcher jpäier von Niemau
>cn tdeinifizirt werden konnte. Tic anderen
Lctdeu flohen; doch wurde einer derselben
roch verwundet. Hrn. Ereeu'S Wunden sind
zcfährlich, aber nicht unbedingt tödtlich,
deute Abend ging hier das Gerücht, daß bei
lerimindere Flüchtling eingefangcn und ge
uncht worden sei.
G nscheußlichesßerbrechen
Eincinnali, 29. Juli. —Ein Schurke,
vclcher seinen Namen als William Walsor
iiigiebt und von Ncw-Jersey zu kommen bc
muptct, schändete gestern in der Nähe von
Warren, Ohio, cm sechsjähriges 'Mädchen
ind entging nur mit genauer Noth der Lynch
lusnz.
Weitere Mordgeschichten aus
Kentuckh
Lonisville, Ky., 24. Juli. ES is
hier die Nachricht von einer am Miltwock
Abend in diesem Staate begangenen doppel
teil Mordthat eingegangen.' In Worthing
ton, einer kleinen 12 Meilen von hier eulserii
ten Ortschaft, war ein Manu, Namens Elark
mit Holzhaucn beschäftigt, als zwei Jndivi
duen, Namens Loustoii und Bclch, ihn Plötz
lich überfielen. Louston zog cme Pistole
worauf Clark seine Axt erbob und Jenen mi
einem Schlage fast augenblicklich tödtetc
D?.nn riß er die Pistole au sich, mit welche
er noch vor wenigen Augenblicken bedroht g
wcseii. und schlug dem Belch mit derselbe
den Schädel ein. Clark wurde verhaftet, vo
dem Richter aber später, weil er in Selbf
Vertheidigung gehandelt hatte, entlassen, lli
ter den Angreiiern nnd den Angegriffene
hatte ein alter Groll existirt.
Kener in Aankton, Dakota.-Vic
Menschen in den Klammen nn
gekommen.
ank to n, Dakota. 29. Juli.—Tas l
Meilen von hier gelegene FarmhauS dcsHr
Schaffhausen wurde am Dienstag 'Abend c
Raub der Flammen. Frau -schaffbaus
und drei Kinder fanden bei dem Feuer ihr
Tod. Tie Mutter schleppte sich mit ihre
Säugling aus dem brenneudcn Hause m
1 ging mit demselben 14 Meilen weit; Bei
I hatten aber so schwere Brandwunden erlitte
! daß sie bald nachher starben.
Nr. 31.
Surspäische Kabelbcrichte.
Teutsch.
London, 25. Juli. —'Nach einer Berliner
Spezial-Depcsche an den „Telegraph" thut
die deutsche Regierung energische Schritte,
m den Waffen- und Geldlicfernngcn an die
Karlisten ein Ende zu machen, und hat die
Regierung zu Versailles aus diese Angelegen
heit ausmerkjam gemacht.
s> i teutsche - schivasr- nach Zpanten.
Berlin, 25. Juli. Die „Norddeutsche
Zeitung" sagt, das deutsche Geschwader, wel
ches ans der Höhe von Rye, England, statio
nirt ist, habe Befehl erhalten, an der nördli
chen Küste von Spanien zu kreuzen, und die
ser Befehl sei eine Folge der Thatsache, daß
Eapt. Schmidt, ein deutscher Zeitungs-Cor
respondent, und andere deutsche Unterthanen
von den Karlisten erschossen wurden.
Berlin, 25. Juli.—General von Voigt-
Rhctz wird Deutschland auf dem Brüsseler
Congrcß vertreten. Derselbe reist heute nach
Brüssel ab. Seine Assistenten sind ein bayeri
scher General, ein sächsischer Major, ein
Stabsoffizier und der ausgezeichnete Jurist
Professor Bluntschli.
Berlin, 27. Juli. Dr. Junizewski,
der stellvertretende Bischof von Posen, ist we
gen Verletzung der Kirchengesetzc verhaftet und
zu fünfzehn Monaten Gesängnißhast vcrur
theilt worden.
Berlin, 29. Juli. Kaiser Wilhelm wird
wahrschemlich im nächsten Herbste eine Reise
nach Italien machen.
Tie „Provinzial-Correspondenz" spricht die
Hoffnung aus, daß der Besuch des deutschen
Geschwaders an der spanischen Küste einen
heilsamen Umschwung in den spanischen An
gelegenheiten hervorbringen werde.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung"
sagt, das deutsche Geschwader werde Anfangs
August nach seiner neuen Station abgehen,
bestreich.l
London, 27. Juli. Eine Spezial De
pcjche an die „Times" meldet aus Wien, daß
der Sturm in der mährischen Stadl Azagra
64 Häuser zerstörte und daß die meisten Be
wohner unter den Ruinen ihren Tod fanden.
Die Bahngcleise wurden stark beschädigt.
SSicii, 27. Juli. Baron Anselm von
Nothschild ist heute hier gestorben.
London, 30. InU. Nach Wiener Bläl
lern ist der östreichischen Regierung ein Schrei
ben von Teutschland zugestellt worden, wcl
ches daraus dringt, daß die Großmächte sich
vereinigen sollen, um weitere Gräuclthalcn
der Karlisleii zu verhindern. Die Antwort
von östreichischer Seite lautet günstig.
London, 26. Zuli. In Clerkenwell
wurde heute eine bedeutende Temonstralioil in
Szene gesetzt, welche gegen den Beschluß, dem
Prinzen Leopold eine Apanage zu bewilligen,
gerichtet war.
London, 28. — Die
Zeitung" sagt: „Fürst Hohenlohe, der
deutsche Gesandte in Paris, hat de Cazes
nicht amtlich informirt, daß, wenn Frankreich
nicht energisck gegen die Karlisten aufträte,
Deutschland ein Geschwader an die spanische
Küste abschicken werde und Maßregeln gegen
die Karlisten zu ergreifen entschlossen sei."
Liverpool, 23. Juli. Es ist soeben
ein Feuer ausgebrochen, welches das ganze
„Princeß - Dock" zu zerstören droht. Die
Schiffe am Dock sind vor der Hand nicht in
Gefahr.
6 Uhr Nachm. Das große „Princeß
Dock" ist vollständig zerstört. Aller Berkehr
mittels der Fähre zwischen hier und Bir>en
head ist vorläufig aufgehoben. Die Feners
briinst, welche große Unbequemlichkeiten in
ihrem Gefolge haben wird, entstand durch
das Umstürzn eines imt kochendem Theer ge
füllten Kessels.
L iverp oo l, 28. Juli. Der durch das
Feuer am „Prinzeß-Dock" angerichtete Scha
! den wird ans §1,000,000 gcschatzl.
London, 28. Juli.—Der Sunderlandcr
s Dampfer „Milbank," von Cartagcna nach
i Snnderland bestimmt, wurde aus der Höhe
von Dnngeneß vom Dampfer „Hankow" in
i den Grund gebohrt. Fünfzehn Matrosen vom
' Dampfer „Milbank" sind ertrunken.
London, 30. Juli. Die amcrikani
- scheu Schlagball-Clubs, welche gegenwärtig
' England besuchen, maßen heute ihre Geschick
- lichkcit -.n Liverpool. Das Werter war schön
' und die zuschauende Menge groß. Die „Ath-
lerics" von Philadelphia schlugen die „Red
StockiugS" aus Boston mit 14 gegen l l Lau
fen. Die Gewandtheit der Ballspieler er
regte allgemeine Bewunderung.
! P ariS, 23. Juli. Die Richter, welche
! ernannt wurden, um den Fall des Obersten
! Stoffel, eines der Hauptzcugcu im Prozeß
Bazaine, zu untersuchen, haben berichtet, daß
! kein Grund, denselben anzuklagen, vorliege.
Paris, 2S. Juli.—„Le TempS" meldet
daß Deutschland, England und Italien sich
zu einer Ueberwachnng der spanischen Grenze
geeinigt haben.
Belgien.
Brüssel, 27. Juli. Der internationale
> Congreß trat heule Mittag hier zusammen
! und saß eine Stunde lang. Baron v. lonini
! wurde zum Präsidenten erwählt. Es wurde
! beschlossen, bei geschlossenen Thüren zu sitzen.
! Der Congreß vertagte sich bis Donnerstag.
> Morgen wird den Delegalen zu Ehren ein
! großes Bankett statzfiuden.
B r n s s e l, 27. Juli. Rußland verlaugt
! von dem hier versammelten Congresse nicht
die Annahme des vollständigen Programmes,
> sondern nur die Erwägung gewisser Punkte.
Brüssel, 29. Juli. Es ist ein aus je
! einem Deputirten der bei dem internationalen
Congreß vertretenden StaatenbestehcndesCo
mite ernannt worden, um unter dem Vorsitz
des Barons lomini ein Programm zu ent
werfen, nach welchem die Verhandlungen ge
führt werden sollen.
London, 20. Juli.—Die „MorniiigPost"
, meldet, Deutschland werde im BrüsselcrCon
greß den Antrag stellen, daß die jetzige R
- gierung von Spanien anerkannt werde.
Brüssel, 30. Juli. Die Majorität
der Deputirten des internationalen Congresses
> soll dafür sein, daß alle Fragen, welche sich
I auf den Seekrieg beziehen, von den Verstand
lungen ausgeschlossen werden, und mau sich
, ! lediglich mit solchen Angelegenheiten beschäl
' ! lige, welche sich auf die Milderung der Lei
den der Menschheit in KricgSzeiteu be
ziehen.
Z cht K t Spante,. ; 7
t durch einen Erdrutsch cerftSrt. -Sünder e
z Madrid, 26. Juli. —Zu Alarrainc in
, der Provinz Navarra hat ein entsetzlicher Erd
rutsch stattgefunden. Ueberhängeudc Fels
r Massen stürzten aus das Dorf und zerstörten
e dasselbe vollständig. Die Katastrophe war so
, plötzlich, daß nur wenige der Einwohner ii
r dem Leben davon kamen. Zweihundert Leich
s name sind schon gefunden worden.
' Pcrsoncn ftkiöttet nnd vilc Andere v.r-
Zu Onija flog in der vorigen Woche ein
z karlistt'chcs Pulver -Magazin in die Lust.
Dreißig Personen wurden getödtel nnd viele
>, Andere verwundet.
li Madrid, 27. Juli. —ln Barcelona
d ! sind 41 Karlistcu, meistens Geistliche oder
j. 'Adelige, verhaftet worden, um gegen das
r ! barbarische Versahren der Kärtchen eine Rc
> presialie auszuüben. Es verlautet hier ge
l rüchtsweise, daß die Kärtchen auf's Neue von
den Republikanern geschlagen worden seien
. und bedeutende Verluste erlitten hätten. Zwei
,! I Compagnie'n von Karlistcu, welche sich nicht
! ergehen wollten, sollen niedergemetzelt wor
den sein.
~ Tie europäischen Grostmöch e gegen die
" artisien.
b! London, 29. Juli. — Die heutige „Post"
! meldet, die deutsche Regierung knüpse Behufs
' Unterdrückung des Karlistcu - AusstandcS lln
! terhandlungcii an und habe sich mit Rußland
st !zu dein Behufe in Verbindung ueietzt. Der
st ! russische Kaiser sei indeß mit Deutschland nicht
l- ! einverstanden. Deutschland suche jetzt die
z I europäischen Großmächte zu einer Conferenz
! Zwecks Anerkennung der spanischen Republik
k, l zn bewegen.
i- ! Bayonue, 30. Juli.—Tie Karlistcu bc
;. ! Häupten, zwischen Castcl Fallit und FigucraS
e, s einen großen Sieg über die Republikaner er
it i fochten zu haben. Die Verluste waren ans
e. j beiden Seiten bedeutend,
er ! Die Kailisteu bestrcllen die Wahrheit der
e- ! Berichte, nach welchen sie zu Cucna und an
en s deren Orten gegen die gefangenen Repubtika
in ner Grausamkeiten verübt haben sollen,
st Portugal,
n Lissabon, 29. Juli. Die portugiesi
sehen Behörden haben 'Maßregeln genoss.,
um Grenzverletzungen von Seiten ocr Kar
listen zu verhüten.
Italien.
n- Rom, 30. Juli. Die heutigc Ausgabe
der „Opinione" meldet, daß Unterhandlungen
13 im Gange seien, welche den Zweck haben, die
m. Seemächte zu veranlassen, nach dem Beispiel
:in Deutschland'S, Geschwader au die spanische
scn Küste zu sende. Dieser Schritt habe indeß
cen mir der Frage Behufs Intervention 'Nichts zn
eni thun.
lud . ,
ide Den gestrigen Rennen in Cleve!and,
en, Ohio, wohnten wenigstens 6000 Pcrjoiuil
ve>.

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