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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, July 31, 1874, Image 3

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Stadt Baltimore.
Eine neue Preziosa. '
Die Rache eines Zigeuners.
vrmordun eine jungen Bnliimorera und
eine Zign.i miiea, ns.
Monnt Pleasaiit, Penns., 22. Juli.
In diesem kleinen, von Bergen umringten
Städtchen im nördlichen Peiinsylvanien,
herrscht augenblicklich große Aufregung, da cö
bekannt geworden, daß nicht weil von dem
Städtchen zwei Menschen aus eine schreckliche
Weise ermordet worden sind. Ein Kiqcuiicr
Namens Christoph Polombo.traf hüiite Mor
gen in Mount Plcasant ein und überbrachte
die Einzeinheiren der furchtbaren That. Po
lombo gehörte zu einer Zigeunerbande, welche
unser Städtchen erst vor zwei Tagen verließ
und aus fünf Personen, zwei Frauen und
drei Männern, bestand. Die Eine der Frauen
war augenscheinlich nicht älter als 16 Jahre
und von wunderbarer Schönheit. Ihre helle
Gesichtsfarbe und ihre reinen regelmäßigen
Züge bekundeten deutlich, daß nicht daö Blut
der Zigeuner durch ihre Adern stoß. Fragte
man sie aber nach ihrer Abkunft, so entgeg
nete sie, daß sie nicht wisse, woher sie gekom
men und in welchem Theile der Erde sie zu
erst das Licht der Well erblickte. Uebrigens
war sie ganz in dem Leben der Zigeuner aus
gegangen. Sie verkaufte Amuletie. verstand
aus den Linien der Hand zu wahrsagen und
war fröhlich wie der Bogel in der Luft. Die
zweite der Frauen war eine echte Zigeunerin.
Unter den Männern mußte dem Beobachter
zuerst ein junger Mann von etwa 24 Jahren
ausfallen. Dieser war offenbar ein Amerika
ner. Er hielt es unter seiner Würde, die
phantastische Tracht der Zigeuner anzulegen,
und seinen Kleidern sah man an, daß er sich
noch vor Kurzem in anderer Gesellschaft be
wegt haben mußte. Der Zweite der Män
ner war der Hauptmann der Bande und
mochte nahezu 40 Jahre alt sem. Ans seinem
Gesichte malte sich stets ein finsterer Ausdruck,
der besonders dann zu Tage trat, wenn der
junge Amerikaner und ESmondela so hieß
das zuerst erwähnte Zigennermädchen ne
beneinander saßen und sich Worte zuflüsterten,
die man nicht zu verstehen brauchte, um sich
klar darüber zu werden, daß zwischen Beiden
ein Licbesvcryältniß bestand, denn die Blicke,
mit welchen sich Beide anschauten, sprachen
denrlicher, als alle Worte. Dem Haupt
nianne, der den Namen Moro führte, sah man
an, daß er auf den Amerikaner eifersüchtig
war und denselben gar zu gern von der Seite
des jungen Mädchens gerissen hätte. Der
Fünfte und Letzte unter der Bande war Chri
stoph Poloiiibo.
Sclisomc Geschichten.
Christoph Polombo ward in Portugal ge
boren und nahm in seiner Jugend Dienste in
der portugiesischen Flotte. Voretwa 15Jah
ren dejertirte er und wandte sich nach Eng
land. Da er fürchtete, daß er wieder cinge
fangcii würde, so schloß er sich einer Zigeuner
bände an, die in der Nähe von Haworth la
gerte und sich auf dcm Wege nach London be
fand, um sich von dorr nach Amerika einzu
schiffen. Ter Führer dieser Bande hieß
Moro. Derselbe war vcrheirathet, seine Frau
starb jedoch in dem Lager, wo Polombo sich
der Bande anschloß. Nachdem man London
erreicht, schlug man, da das Schiff, welches
die nnstäreii Wanderer nach der neuen Welt
tragen sollte, noch nicht zur Abreise bereit war,
die Zelte auf einem Platze in der Umgegend
der englischen Hauptstadt auf. Am Abende
vor der Abfahrt kehrte eine der Zigeunerin
nen, die während des Tages in den Straßen
London'S Amulette verkauft, mir einem ilei
nen weißen Mädchen nach dem Lager zurück.
Das Kind war i reiche Spitzcngewänver ge
hüllt und um feinen Hals schlang sich ein klei
nes Väiidchcn, an welchem ein mit Tiaman
ten besetztes Medaillon hing. Daß es aus
einer vornehmen Familie stammte, konnte
man auf den ersten Blick erkennen. Am
nächsten Tage begaben sich die Zigeuner an
Bord des Schiffes. Das Kind, welches höch
stens zwei Jahre alt sein konnte, nahmen sie
mit sich und legten ihm den Namen Esmon
dela bei.
Nach einer langen Seereise trafen die Zi
geuner in New zffork ein und begaben sich,
ohne die Slraßcn der amerftaiiifcheu Metro
pole erst lange unsicher zu machen, auf's
Land. Nachdem sie den Staat New-Nort
durchirrt, pilgerten sie in westlicher Richmng
weiter und kamen bis nach Illinois. Ihre
Befchäfllgung bestand in dcm Handel mit
Pferden und im Wahrsagen. Halten sie gar
Nichts zn thun und mangelte es ihnen an
Allem, so verlegten sie sich auf's Stehlen und
Dies verstanden sie wie die Raben.
gewöhnte sich bald an's Leben der Zigeuner
und wuchs zu einem blühenden schönen Mäd
chen auf. AIS Esmondela das fünfzehnte
Lebensjahr erreicht, rrat Moro eines Tages
an sie heran und erklärte ihr feine Liebe, wor
auf sie ihm entgegnete, daß sie kein Gefühl
für ihn hege und nie die Seinige werden
könne. Moro belästigte sie darauf nicht mir
weiteren Anträgen; wenn er ihr gcgenüber
tiat, so war er freundlich, und lieg er sich in
ein Gespräch mir ihr ein, so vermied er stets,
auf die Gefühle zu sprechen zu kommen, die
er für daö junge Mädchen hegte.
Im Frühlinge dieses Jahres kam die Bande
nach Baltimore und schlug ihr Lagcrzclt nahe
der Sladt auf. Biete Bürger bcaä'ven sich
nach dem Lagerplätze, um die Zigeuner zu
sehen und sich von der schönen Esmondela
wahrsagen zu lassen. Unter Denjenigen, die
den Platz aufsuchten, befand sich auch ein jun
ger Mann ans den höheren Kreisen, der sich
gleichfalls von Esmondela aus den Linien
feiner Hand wahrsagen ließ. Er schien jedoch
auf ihre Worte mchi zu hören, sondern sah
ihr nur fortwährend in die Äugen, die ihm
viel glückverheißender schienen als die Worte,
die aus dem Munde des Mädchens kamen.
Als Frank Polombo wußte leinen andern
Namen für den jungen Baltimorcr—Abends
nach der Stadt zurückkehrte, fiel es seinen
Gefährten, die ihn stets als einen lcbcnSlusii
gcn jungen Mann gekannt, auf, daß er so
schweigsam neben ihnen herschritt. Am nach
sten Morgen war er bereits in aller Frühe
wieder bei den Zigeunern und es verging von
da an kein Tag, wo er nickt auf dem einsa
men Platze das Mädchen aufsuchte, welches
fein Herz in Fesseln geschlagen. Als die Zi
geuner aufbrechen wollten, um in nördlicher
Richtung davon zu ziehen, erklärte Frank,
daß er mit ihnen gehen werde, da er von Es
mondela nicht lassen könne. Mor-o sagte, daß
er dies nie zugeben werde; aber das schöne
Mädchen, welches den jungen Amerikaner
längst liebgewonnen, erklärte mit großer Ent
schiedenheit, daß sie sich sofort von der Bande
trennen würde, falls man ihrem Geliebten
nicht gestatte, sie zu begleiten. Endlich gab
Moro ferne Zustimmung und der moderne
Ton Älphonso verließ mit der neuen Preziosa
seine Vaterstadl, um forlau in Wäldern unter
Zigeunern zu leben.
Zwischen Frank und Moro herrschte wäh
rend der einsamen und langweiligen Wander
fahnen ein sehr gespanntes Verhältniß. Tage
lang sprachen sie kein Wort mit einander und
die Blicke, welche sie sich zuwarfen, waren
nichts weniger als freundlich. Wer die Bei
den beobachtete, mußte bald die Ueberzeugung
gewinnen, daß dieses Verhältniß nicht lange
fortbestehen könne und die verborgene Feind
schaft einmal zum Ausbruch kommen müsse.
Zwischen Frank und CSmondela waltete da
gegen die größte und innigste Liebe.
Die Katastrophe.
Am letzten Sonntag Abend campirte die
Bande in einer einsamen Berggegend, mehrere
Meilen von Moniir Pleasanl eiitscrm. Weil
und breit war kein Haus. Ein kleiner Bach
schlängelte sich in der Nähe des Lagers durch
Wald und Gestrüpp, und au den Ufern dieses
Baches hatte Frank sich an dcm erwähnten
Abend niedergelassen, um Forellen ;n sangen.
In seiner Abwesenheit nahte Moro sich der
einsam unter einem Baume sitzenden Esmon
dcla und sprach zu ihr. Polombo, welcher
tu der Nähe war, tonnte die Worte nicht ver
stehen, aber er sah, wie das schöne Mädchen
bitterlich weinte und verzweiflungsvoll die
Hände rang. Plötzlich stand der junge Bat
limorer vor dcm Zigcunerhauptmamie und
seiner Geliebten und fragte den Ersteren, wes
halb Esmondela Thränen vergieße. Die ein
zige Antwort, die der junge Mann erhielt,
bestand in einem Schlage, den Moro ihm
-in's Gcsichl versetzte. Schnell wie der Blitz
zog Frank einen Revolver aus seinem Rock
hervor und feuerte denselben auf Moro ab.
Tie Kugel verfehlte ihr Ziel und des Zigeuner
riß ein langes Dolchmcsscr aus einer Scheide
und stürzte auf de jungen Amerikaner zu.
Ehe er aber denselben noch zu packen ver
mochte, warf sich Esmondela an die Brust des
Geliebten und der Dolch drang ihr tief in den
Rücken. Mit einem lauten Aufschrei sank die
Unglückliche zu Boden, während der Dolch
zum zweiten Male gezückt wurde und dieses
Mal das Herz des jungen Baltimorers durch
bohrte. Nach wenigen Minuten hatten Beide
ihr Leben ausgehaucht.
Tic Reue vcs Aiqeuucrs.
Moro floh gleich nach der That in die Wäl
der, kehrte aber schon nach einer Stunde, von
entsetzlicher Reue erfaßt, nach dem Schauplatze
des Mordes zurück und begrub die Leichen.
Mit seinen Fingern wühlte er zwei Gruben in
den weichen Waldboden, groß genug um die
Leichname aufzunehmen. Als Polombo, wel
cher die schrecklichen Szenen nicht mehr zu er
tragen vermochie, dcm Lager den Rücken
wandle, saß Moro auf Esmondcla's Grab
und vergaß bittere Thränen.
Polombo wird in Mount Pleasant festge
halten, bis man sich Gewißheit verschafft hat,
ob die oben erzählten Thatsachen in allen
Einzelnheiten wahr sind.
Abfahrt des Dampfers „Berlin."
„Berlin," Eapl. Putsch,
trat Sonnabend Nachmittag Punkt 2 Uhr
seine Rückfahrt vonLocust-Pontt über Jouth
amplon nach Bremerhaven mit 7 CaMen-
Passagieren (Robert Gorder ans Ohio und
G. F. Rau nebst Familie, H. Tegeler und
H. Ehlers von Eincinnati) und 47 Zwilchen
decks-Passagieren an.
Seine au 58,ifi2.i8 gewerthcle Ladung
umsaßl folgende Colli: l i,482 Scheffel Wai
zcn > Oxhoste Quercitron-Riude, istvv Ki-
sten AnanaS, 211 Oxhofte Kentucky'er und 27
Birginier Tabacks-Rippen, 123 Or
hoftc Marylünder Blätter - Taback, 34 Ox
hofte Maryländer und Ohio'er Taback, 66
Oxhofte Kentucky'er, 156 Oxhofte Virgimer
uno 64 Oxhofte Taback.
Die Polizei -C om mi s s ärSfra g e
in Aniiapolis ist im Prozeß dcSMayors
und Sradtrathes von Annapolis gegen die
neuen Annapoliser Polizei-Eommissäre ent
schieden, resp, das Gesetz, welche? die Letztcrn
einsetzt, vom Kreisgerichre für Anne Arundcl-
Eounty für null und nichtig erklärt worden.
Das Gericht entschied das betreffende Gesetz
der lebten Gesetzgebung umfasse nicht zwei
SiijctS; es wurde vom Gouverneur an dem
gehörigen Tage unterzeichnet, und auch die
Eomiliissäre, obschon nicht am ersten Montage
im Mai, doch zu gehöriger Zeit ernannt; al
lein in Folge der Thatsache daß die Bill, wel
che im Unterhaus! passirte und im Senate der
zweiten Lesung harrte, gestohlen worden, und
die im Senate angenommene und vom Gou
verneur unterzeichnete, wovon eine vom Ak
tuare des ObcrappcllationS-GcrichteS beglau
bigte und unter den Staatsgesetzcn veröffent
lichte Abschrift in dem Prozesse zu den Akren
gegeben worden, wie imUnterhause nach Vor
schrift der Verfassung durchgegangen, müsse
für die Kläger, d. h. die Annapoliser Stadt-
Behörden, in diesem Prozesse erkannt werden.
Wie verlaurcl, geht die Wirkung dieser Ent
scheidung dahin, daß das Gesetz in diesem
Staate, obschon eö alle regelmäßigen Jndosse
mcntS hat, vom Gouverneur unterzeichnet, im
Bürean deSOberappellations-Eerichts hinter
legt und in den veröffentlichten Staatsgesetzen
enthalten ist, doch in einem Gcrichtshose ange
fochten werden kann; es wird ferner behaup
tet, daß bei Kanäamus Prozessen einGeschwo
reuen Cvllcginm vereidigt werden kann, um
zu ermitteln, ob ein Gesetz in dcrGejctzgebung
mit allen von der Staatsverfassung vorge
schriebenen Formen durchgegangen. Die An
wälte der Polizci-Commissärc werden die Sa
che vor daSOberappcllations Gericht bringen.
Die Atocha'schc Nachlaß masse.
Die Abwickelung des Alocha'jchen Nach
lasses, um den so viel vor Gerichten prozessier
worden, ist nun endlich erfolgt, wie wir schon
mitgetheilt haben, und zwar durch gegenseiti
gen Vergleich. Lange Jahre vor seinem Tode
hatte Alex. I. Atocha ans Prince George's
Eounty, Md., seinen Anspruch auf Entschä
digung sür Eigenthum, das ihm in der Stadl
Mexiko, während er als amerilaniicher Bür
ger dort wohnte, zerstört morden, mit großem
Eifer betrieben, starb jedoch, ohne auch nur
einen Heller zu erlangen, und hinterließ seine
Forderung als Erbe der Wittwe und den Kin
oern, welche nicht eher ruhten, als bis dieselbe
für gültig erklärt, und ihre Bezahlung von
der Bundesregierung angeordnet wurde. In
der langen Liethe von Jahren, während deren
die Forderung in der Schwebe sich bcsand,
war sie sclbstvcrstäadlich zu bedeutender Höhe
angewachsen und betrug bei der schließlicheu
Erlangung des Erkenntnisses übcrL4oo,ooo.
Dem Dekrete zufolge sollte diese Snminc aus
dem besonderen Enischädigniigösoiid genom
men werden; allein mittlerweile hatte die
Auszahlung anderer Ansprüche auf dieses Geld
die Summe auf 5207,461.7 vermindert. Hier
von wurden natürlich die Klagekosten sofort
abgezogen; zwei solche Posten belügen sich
resp, ans 532,331 und H 32,063.31, und außer
dem erhielt ein angesehener Advokat Balii
more'S für dem Nachlasse geleistete Dünste
51500 Honorar. Wittwe Elise A. Atocha
war die gerichtlich bestellte Verwalterin der
Hinterlassenschaft,gegen welche schließlich viele
Forderungen geltend gemacht wurden, daß sie
oicsclbe noch überstiegen. Freilich waren sie
sämmtlich alt, theilwcise höchst unverschämt,
und die Folge war die Prozesstriing im Wai
sen - Gerichte von Prince George's Eounty,
wo es endlich verflossenen Dienstag zu einem
Vergleiche kam. Die die Reklamanten ver
tretenden Advokaten Henry Elay Dallam von
hier, Christoph Jiiglc ans Washington, D.
E., und der Achib. Daniel Elarke und die
Sachwalter des Nachlasses C. E. Magrnder
und Joseph K. Roberts, jn., crichünen an
genanntem Tage nebst Frau Atocha und ih
ren! söhne vor dem Waism-Gerichtc und ei
nigten sich dahin, daß ans die nicht sür bctrii
gcriich gehaltenen Forderungen 50 Prozent
bezahlt werde; Frau Atocha leistete sofort
Zahlung. Von dem dann noch zur Bcrthei
lnug übrigen Restchen von §20,000 erhielt dü
Wittwe 56296.88 lind jedes ihrer drei Kinder
§4197.92; freilich hatte dü Wittwe zuerst lhrc
Verwaltnngs - Commission im Belaufe von
520,746 abgezogen. So hat es denn die
blinde Gerechtigkeit fertig gemacht, eine Nach
laßinasie von mehr, denn §400,000 bis aus
520,000 zu verkrümeln!
Aufregende Hetzjagd auf einne
tollen H ii ii b. Montag in früher Mor
genstunde gaben sich in Towsontown an ei
nem Dachshunde alle Anzeichen der Wasser
scheu kund; gesenkten Kopfes und mit einge
zogenem Schwänze rannte er aus den Stra
ßen umher, schnappte nach Allem, was ihm
in den Wurf und Weg kam und mehrere
andere Köter fühlten die Kraft seines Gebis
ses; eine Anzahl Personen entging mit ge
nauer 'Noth seinen gefährlichen Kinnladen.
Inzwischen hatten sich mehrere Einwohner des
Ortes zusammengeschaart, um dem Unwesen
ein Ende zu machen, was man sich leichter ge
dacht, als es auszuführen war. Sobald die
Jäger dem tollen Wilde sich in Chaisen und
mit geladenen Gewehren zu nähern Miene
machten, gab es Fersengeld, und zwar mit ei
ner solchen Geschwindigkeit, daß man ihm ans
dem ganzen Wege nach Baltimore kaum aus
Schußweite nahe kam und erst in Eagerstraße
dahier den tödllichcn Schuß thun konnte. Dü
Jagdgesellschaft hatte sich, bis sie das Stadt
weichbild erreichte, zu einer stalllichenColonne
vergrößert und unicnvcgs Alt und Jung in
die größte Aufregung versetzt.
Der Sommerfahrplan der „Bal
timore . Ohio - Bah n" ist mit dem
Bio ii rage in Kraft getreten und weist wich
tige Aenderungen in dem Abgange von Zügen
von dem Eamden-Straßen-Bahiihosc auf.
Der nach Washington, Richmond und dem
Südwesten bestimmte Frühzug fährt früh um
5 Uhr; der nach dein Westen über Washing
ton bestimmte westliche Zug früh H 7 und der
diito Abendzng um 5 Uhr Nachmittags; der
über Washington nach PittSburg fahrende
Zug um 4? Uhr; die übrigen Washingtoner
Züge früh W, 9 und Uhr, Nachmit
tags 43, 44 und K 5 Uhr und AbendS j4l Uhr;
nach Ellieoti-Etty Nachmittags H 2 Uhr; nach
Winchester Uhr Nachmittags und nach
Fredericl 5 Uhr 5 Minuten Nachmittags ab.
Alle Züge Valien am Viadukt-Hotel an.
Di e „Harris bürg - Potomac-
Bah u" ist jetzt als fertig zu betrachten und
wird demnächst dem Verkehr übergeben wer
den. Am letzten Mittwoch wurde bereits eine
Probefahrt von Barnitz Mill nach Harris
bneg gemacht. Dieselbe fiel im höchsten Grade
> befriedigend aus. ,
Eiiie bedeutende Belohnung.—
Unsere Polizeibehörde hat von London in
England gedruckte Zettel mit der Offerte von
S2scfi) Belohnung für die Wiedererlangung
eines Paars Ohrringe mit je einem in durch
brochenem Golde gefaßten Diamanten erhal
ten; ein Stein wiegt 12, der andere 124 Ka
rat; sie sind ziemlich dick und seit dem 10.
Juni au? dem Lager der Juweliere Georg
Edward sc Söhne in Nr. IS, Poultry, Lon
don, E. E., verschwunden. Aus der großen
Belohnung läßt sich ans den hohen Werth
der Edelsteine schließen.
Ein Dampfer der Vre mcn - Balti
more r - L in > e soll, wenn das betreffende
Gerücht auf Wahrheit beruht, eine Zeitlang
die Fahrten einstellen, um einer Reparatur
unterzogen zu werden.
Emp fehlenSwert hes Gründest
gcuthum. Hr. Henry W. Rogers,
GrundcigeitthnmS - Agcnr auf der Ecke der
Charles und Fayettcsiraße. zeigt einen um
fangreichen Privar - Verkauf von Grundbesitz
dicht an der nördlichen Stadtgrenze an. Das
betreffende Land umfaßt Ivo Morgen, wird
nach Wunlch der Käufer Parzellirl und auf
iangenErcdit verkaust. Bei dem Wachsthum
der Stadt in dieser Richtung und dem raschen
Steigen des GrundbcsttZwcnheS daselbst wer
den Spekulanten und Andere ihre Augen
sicher auf diesen Landstrich werfen.
Udderzook. In Ehester-County, Pa.,
sind gedruckte Pctiloncn um Umwandlung
der über Udderzovk verhängten Todesstrafe
oder ieinc Begnadigung im Umlaufe. Sie
müssen Gouv. Hartranft bis spätestens den
1. August vorgelegt werden.
Heinrich Mar et auf der engli
sch enß ü h n e.—-Den vielen hiesigen Freun
den des braven Künstlers Hrn. Heinrich Ma
rek, der vor zwei Jahren dem hiesigen deut
schen Theater als Direktor vorstand, wird es
von großem Interesse sein, zu erfahren, daß
Hr. M. zur englischen Bühne übergegangen
ist. Der in BeUeville, Illinois, erscheinende
"U'eeki/ -V<lvc>er>.'" berichtet darüber Fol
gendes : „In dem hiesigen Opcrnyause hatte
sich am Mittwoch, den 15. Juli, ein zahlrei
reiches Auditorium eingefunden, um Hrn.
Heinrich Marek, welcher von der Ben deßar'-
schen Gesellschaft aus St. Louis unlerftützt
wurde, als „Rip van Winkle" zu bewundern.
Hr. Marct, der sich als deutscher Schauspieler
bereits einen bedeutenden Ruf erworben, be.
wies sich auch als ein ausgezeichneter eng
lischer Darsteller. Sein Spiel in der Bcrg
szeiie, wo er von den Geistern der CatSkill-
Mountaiilö umringt ist, war wahrhaft groß
artig und bekundete, daß der Schauspieler ans
das Studium seiner Rolle großen Fleiß ver
wandt. Frau Marct bot uns in der Nolle
des „Gretchcns" gleichfalls eine vorzügliche
Leistung. Wir zweifeln keinen Augenblick,
daß Hr. Morel bei fleißigem Studium der
englischen Sprache in kurzer Zeit eine promi
nente Stellung unter den ersten amerikanischen
Darstellern eiunehmen wird."
Patente erhielte jüngst folgende Erfin
der vom Patentamt: in Washington ausge
stellt: S.S. und E. B. Mann in Baltimore
aus eine Vorrichtung zur Verhinderung von
Lampen Explosionen; S. A. Pcrrott in'Rich
mond.Va., auf eine Eisenbahn-Schiene; W.
Magill in Port Deposit, Md., auf einen Ka
miiiosen; Marius E. C. Ehurch in Parkers
bürg, Va., auf Heizöfen; W. W. Tunis in
Easion, Md., auf ein Apparat zum Festhal
ten von Sachen; W. T. Gardner in Wash
ington, D. E., auf Schlempc-Eimcr: I. C.
Pickels in Wftminglon, Del., aus Waggon-
Federn.
Noch ciiiK i ii der diebst a h l. Ton
nerstag Abend reiste Carl Wittmaiin, nachdem
er hier vier Wochen lang vergeblich seine
Nichte Emma Gorsuch gesucht, nach dem
Westen zurück. Emma war aus der Wohnung
ihrer Tante Frau Caroline Mohr in Spring
field, Jll., vor dreizehn Wochen, wie man an
nimmt. von einem entfernten Verwandten der
Familie, Namens Georg Ultz, entführt wor
den. Ihre Eltern waren, als sie noch nicht
sprechen konnte, gestorben, weshalb die Tante
sie an Kindesstatt annahm. Sie ist über ihr
Verschwinden untröstlich und hat ans Ent
deckung ihres Verbleibs 56000 Belohnung ge
setzt. Hr. Wittmann hat die Spur Ultz's
ud Emma's von Springficld über Bloo
mttigton, Chicago und Fort Wayne bis
PittSburg verfolgt, aber am letzteren Orte vor
vier Wochen verloren, bis er sie in Baltimore
wiederzufinden hoffte.
Ans demLeveii. Polizist O'Rourke
verhaftete am Mittwoch Abend einen Mann,
welcher vor einem Bordell an der Northstraße
stand und sich in einer Weise betrug, die den
Polizisten ans den Gedanken brachte, daß der
Mann irrsinnig sei. Er brachte ihn nach
dem mittleren stationshause, wo der Mann
erzählte, daß er ein Musiklehrer sei und de
Namen Wm. T. Dews führe. Er habe frü
her in Richmond gewohnt und sei bei dem
Einstürze des dortigenCapitots im April 1870
zugegen gewesen. Die schrecklichen Scenen,
welche sich bei jenem Unglück abspielten, hät
ten feinen Geist zerrüttet. Bald daraus sei er
nach Baltimore gekommen, wo man ihn fest
genommen und nach Bayview gebracht habe.
Dort sei er bis vor drei Wochen festgehalten
und dann entlassen worden. Er wurde vor
gestern nach Bayview zurückgebracht.
Der Dampfer „Tomas," Capitän
Baffancz, welcher am 9. Juli von hier nach
Liverpool abfuhr, ist, wie wir bereits mit
theilten, mir in Unordnung gerathener Ma
schinerie in New - Bork eingetroffen. Der
Dampfer hatte eine Ladung im Werthe von
5250,000 an Bord. Wenige Tage nach fei
ner Abfahrt von Baltimore gerieth die Ma
schinerie in Unordnung, doch lehnte der Capi
tän die Hülfe, die ihm von zwei Dampfern,
mit denen er zusammentraf, angeboten wurde,
entschieden ab. Als aber am letzten Montag,
450 Meilen von Sandy Hook, die Haupt--
pumpe schadhaft ward und nicht mehr arbeiten
wollte, nahm er die Hülfe des Dampfers
„Bclgic" von der „White Star Line" in An
spruch und ließ das beschädigte Fahrzeug nach
Ncm Sjork schleppen. Hr. D. R. Curtis, der
Agent der „White Star Line," zu welcher auch
der „Tomas" gehört, wird Sorge dafür tra
gen, daß der Schaden an der Maschicne so
bald wie möglich ausgebessert wird. Der
Dampfer hat einen Gehalt von 2779 Tonnen,
und ist 360 Fuß lang und 36 Fuß breit.
Nach Baltimore unterwegs.
Frau de Spcyr, die Mutter von samuel
McDonald, fuhr am letzten Mittwoch in
Begleitung ihres Gemahls mit dem Dampfer
„Baltic" nach Amerika ab. Sie wollte Pa
ris, nachdem sie von dem Morde im „Sher
wood-House" gehört, auf der Stelle verlassen,
wurde aber durch eine gefährliche Krankheit,
die sie plötzlich befiel, daran verhindert.
Warnung vor falschen §5-Schei
nen. Die 55- Scheine der „Traders' Na
tional Bank von Chicago" sind täuschend ähn
lich nachgemacht worden, und es erfordert das
geübte Äuge eines Kenners, um das Fabrikat
von dem ächten Schein zu unterscheiden.
Unter dem Buchstaben C im Worte „Chi
cago" läuft der letzte Schattenstrich oben in
den ersten Buchstaben des Wortes
welches direkt darunter steht, während in dem
echten Schein ein dcnllichcr Raum dazwischen
ist. Jn der Jahreszahl „1865" rechts unter
den Worten "I'ivv Dollars" stehen die Zäh
en 5 und 6 dicht bei einander, und in dem
Falsifikat ist ein viel größerer Raum dazwi
schen. Die Felder am Rande des echten
Scheines Haben zahlreiche Verzierungen; das
Falsifikat hat deren nicht so viel, und sind sie
auch weniger scharf ausgeprägt. Auf der
Rückseite ist die Zahl 5 unten in der rechten
und linken Ecke von einem Gitterwcrk nmgc
den; die excentrischen Kreise sind auf dcmFal
sifikat fast rund und sehr deutlich, auf dem
echten Scheine hingegen viel mehr excentrisch
und weniger deutlich. Die kniecnden Figuren
links auf der Rückseite desScheines sina lange
nicht so deutlich, als auf dem echten Scheine,
und die Arbeit ist im Allgemeinen viel plum
per ausgeführt. Auch das Papier, worauf
das Falisifikat gedruckt ist, ist viel gröber, als
das, welches die Regierung gebraucht.
Erwählung einer Generalmut
t er. Schwester Joseph von Baltimore, die
kürzlich von der Convention dcrOberschwestcrn
des guten Hirten in Paris zurückgekehrt ist,
überbringt die Mittheilung, daß Schwester
Marie vom „Kloster des Guten Hirten" in
Ctncinnati zur Generalmntter des Ordens
erwählt ist. Die genannte Schwester, welche
ihre Stelle an dem Kloster in Cincinnati bei
behalten wird, hat jetzt die alleinige Controle
über den Orden des guten Hirten, der über
die ganze civilisirtc Welt verbreitet ist und
einzig und allein die Rettung gefallener
Frauen im Auge hat.
Die „Marytänder Ackerbau-Ge
sell s ch a f t." Das Exekutiv-Comite der
„Maryländer Ackerban-Gesellschaft"trifjt jetzt
eifrig Vorbereitungen für die im Herbst zu
Pimlico stattfindende Ausstellung. Die Preise
werde in diesem Jahre viel höher werden,
als in früheren Jahren, und es steht zu hoffen,
daß infolge Dessen auch die Zahl der ausge
stclllen Thiere und landwirthschaftlichm Ge
räthe eine größere werden wird, als in ver
gangenen Jahren.
Das Hollidaystraßcn-Theater
mirdMontag, den 3. August, mit demSchau
fpiele "Itter Dork" eröffnet werden. Das
neue Thealer gehört ohne Zweifel zu den
schönsten Theatern in den Ver. Staaten; hof
fcntlisi wird es auch ein ächter Tempel der
Kunst werden, und nicht ein Platz, aus dem
sich mir die Neger-Komik breit macht und
Senfationsstücke ohne Geschmack und Ten
denz an jedem Abend über die Bretter gehen.
Drc Fronte des Theaters ist bedeutend höher
und breiter, als die das alten, u. sehr massiv
gebaut. Im Innern ist der neue Tempel der
Musen sehr elegant eingerichtet; die Sitze
sind mit kirfchrolhem Sammet gepolstert und
die Fußböden mit reichen Teppichen belegt.
Das Proscenium enthält keine Logen, ist aber
sehr reich verziert; es ist 45 Fuß breit und
eben so hoch. Die Decke hat eine dunkle
Farbe, sieht aber äußerst geschmackvoll aus.
Das Parquett enthält 600, der Rang 500 u.
die Gallcrie 650, im Ganzen also 1750 Sitz-
Plätze.
Die Schrecknisse des S ä u s e r-
Wahnsinns. Am Freitage gegen sfv Uhr
Abends erhielten die Polizisten Sonstrom und
Floyd in Süd-Baltimore die Kunde, daß der
criva 40 jährige Jakob Ring in seiner Woh
nung, Nr. 13, Perry - Straße, Angst und
Schrecken um sich her verbreite. Im Hause
angekommen, erfuhren sie, er fei durch den
Trunk verrückt geworden, leide am Delirium
tt-smens und habe Frau und Kind ans dem
Fenster werfen wollen. Die Fran entwand
sich den Griffen des Wüthenden; das Kind
rettete sich fein Leben durch die ängstlich ge
sprochenen Worte: „Vater, wenn Tu mich
nicht aus dcm Fenster wirfst, will ich Dir auch
Bier holen!" Die Gefährlichkeit des Mannes
begreifend, schlichen sich die Beamten vorsich
tig in die Mansarde, wo er sich befand, hin
nauf, wurden jedoch von ihm bemerkt und auf
der Treppe mit einem Bierflaschen-und Schuh
leisten . Hagel begrüßt; Ring ist nämlich
Schuhmacher. Die Polizisten mußten um
kehren, meldeten dem Sergeanten Risctte den
Stand der Dinge und kehrten min, durch die
sen verstärkt, nach der Stätte des Grauens
zurück. Sobald er ihrer wieder anflchtig ge
worden, erneuerte sich der Hagel, unter dessen
Bestandtheile sich jetzt auch Messer mischten;
eine schwere Bierflasche traf des Polizisten
Floyd Hut und fuhr ihm kaum einen Zoll an I
der Stirne vorbei. Man sah ein, daß der
Wüthende sich ohne eine Kriegslist nicht san
gen lassen würde; man ließ ihn durch Je
manden, der von der Srraße aus zu ihm
herauf sprach, beschäftigen, und während er
antwortete sprangen die Drei in's Dachzim
wer und überwältigten ihn. Der Schaum
stand dcm Tobenten vor dem Munde, und
vom Kopf bis zu den Füßen war er mit Fe
dern bedeckt. Er hatte einen großen Sack
Federn aufgeschnitten und sich dann in der
ausgesprochenen Meinung, er rolle sich im
Schnee, darin herumgewälzt. Vom südlichen
Stationshause aus, wohin zunächst seine wi
derstrebenden Schritte gelenkt wurden, sandte
ihn Richter Jardcn unter kräftiger Bedeckung
irack dcm sladtarmenhause auf Bayvrew.
Ein altes Ak tenstü ck, ein Buch mit
den vom Baltimorer Stadtrathe im Jahre
1800 erlassenen Verordnungen und angenom
menen Beschlüssen, war am Sonnabende im
Bürcau des Sradt - Controleurs Gegenstand
allgemeiner Neu- und Wißbegierde. Das
Buch enthält außer vielen für die Regierung
der Stadt damals erforderlichen Ordonnan
zen auch den Original Freibrief, der dem Ort
Baltimore Stadtgercchlsame verleiht, und
eine Verordnung, welche das Weichbild der
Stadt bestimmt; dasselbe ging damals süd
lich bis Pratt-, westlich bis Entaiw, nördlich
bis Ncm-Ehurchstraße und östlich bis an Jo
nes-Fälle.
Anstellung. In Annapolis ist an
St-lle Adolph Pindcl's, der das Amt nieder
dergclegt, Harry Lcvcly zum Heu- und Koh
lenwäger, Holzklastervermesscr und Hafenmei
ster ernannt worden.
Eines Gesandten Gespann..—
Der neu ernannte amerikanische Gesandte in
Berlin, der Achib. I. Baucroft Davis, ließ
am Freitage seine beiden Pferde nebst Kutsche
zur Beförderung nach Deutschland auf den
am nächsten Tage abgesegeltenDampscr „Ber
lin" bringen. Das Heben der Rosse, eines
Paares prächtiger Brauner, auf die er sehr
stolz ist auf das Schiff wurde von ihm selbst
überwacht und war keine leichte Aufgabe. Die
Kutsche ist ein einfaches Gefährt, wie man
cs hier um G3OO bis H4OO kauft. Hrn. Da
vis' Kutscher und Stallknecht begleiteten die
Pferde, deren Ställe man mit Kissen ausge
fchlaaen hat, damit, wenn das Schiff stampft
oder schwankt, den Thieren kein Ld gesche
hen kann, und sollte die See ungewöhnlich
hoch gehen, so ist sür einen Gürtel Apparat,
der die Pferde in der Schwebe hält, Vorsorge
getroffen. Hr. Davis reiste nach Abfahrt der
„Berlin" nach New-?>ork ab, um von da aus
sich nach Europa zu begeben.
Aus der Eisenbahn verunglücit.
Samstag Abend 48 Uhr ging eine unbe
kannte Farbige nahe Elkridge - Landing aus
dem Geleise der „Baltimore - Ohio - Bahn."
Da kamen zwei in entgegengesetzter Richtung
gehende Züge dahergebranst. Der eine ließ
die Warnungspfeife ertönen, worauf die Frau
auf's andere Geleise hinübertral. Hier wurde
sie von dem anderen Zuge, dem PittSburger
Schnellzuge, überfahren und gelödtet. Schaff
ner Midland brachte dieLeichc nach derMonitt
Cläre - Station. Dem Coroncr wurde von
dem UnglückeNachricht gegeben, derselbe lehnte
es aber ab, die Todtenfchau zu halten, da der
Unfall im Eounty geschehen.
Ableben einer hochstehenden
Frau. Lieutenant W. H. Emory von der
in den asiatischen Gewässern stalionirte Flot
ten-Abthciluiig traf am Sonnabend Morgen
mit dem Leichname der Frau Pennock, der
Gattin des Admirals Pennock, hier ein. Frau
Pcnnock starb am 7. Juni in Yokohama. Die
Verstorbene, welche bei Allen, die sie kannten
in großem Ansehen und hoher Achtung stand,
war eine Schwester des Admirals Farra
gut.
Ableben eines früheren Balti
morers in Richmond, Va. Hr.
Charles B. Hablistou starb am letzten Freitag
in seiner Wohnung zu Richmond am Magen
krebs. Hr. H. suchte während der letzten Mo
nate Heilung in den Bädern Blrgttncn's.
Schließlich kam er jedoch zur Einsicht, daß es
für ihn keine Rettung mehr gebe, under kehrte
nach Richmond zurück, um daselbst zu sterben.
Er war der älteste Sohn des Baltimorcr
Geistlichen Henry Hablistou und verlebte
seine Jugend in unserer Stadt. Vor 36 Jah
ren begab er sich nach Richmond und gründete
daselbst eine Mobilien - Handlung, die noch
heure das großartigste Geschäft dieser Art in
der Hauptstadt Virginien's ist. Der Verstor
bene, welcher im 57. Lebensjahre stand,hinter
läßt zwei Söhne und eine Tochter.
Baltimorcr Sterbe-Tabelle.
Verflossene Woche wurden 204 Personen, 102
männlichen und 102 weiblichen Geschlechts,
worunter 33 Farbige und 8 Todlgcborene,
aus Baltimore beerdigt; 19 mehr, denn in
der Vorwoche, resp. 59 und 39 weni
ger, als in den Parallelwochcn von 1872
und '7O, aber resp. 14, 49, 50, 27,93 und 55
mehr, als in den corrcspondircnden Wochen
von 1873, '7l, '69, '6B, 67 und '66.
Aus Annapolis. Der Gouverneur
hat die HH. Isaak Humble, Andrew War
wick und Alexander C. Good als Friedens
richter für Garrett-County ernannt.
Gouverneur Groomc unterzeichnete vor
einigen Tagen vier Urkunden, in welchen der
Regierung Laudstrccken zur Errichtung des
Front-Beacon-, des Rear-Veacon-, des Cbop
tank-Niver- und des Love-Point-Leuchtthur
mes übertragen werden.
Der vom Gouverneur angestellte Künst
ler Hr. Mayer, welcher den Auftrag erhalten
hat, Brustbilder vom Gouverneur Thomas
Johnson und von Thomas Slonc und Wm.
Paca, zwei der Unterzeichner der Unabhängig
keits-Erklärung von Seiten Maryland's, für
die „Jndependence-Hall" in PhiladelphiaLzu
malen, hat seine Arbeitel beendet, und Bilder
sind bereits nach Philadelphia abgesandt wor
den.
AusCumberland. Der „Arion-
Gesangverein" von Cumbcrland wird am
Donnerstag, den 6. August, ein großes Picnic
abHallen und hat den „Arion" in Baltimore
zu dieser Festlichkeit eingeladen. Die Batti
morcr haben die Einladung angenommen.
Die HH. McShane sc Comp, in Balti
more werden in nächster Zeit eine Glocke für
die St. Michaels-Kirche rn Frostburg, Alle
ghany-Connty, gießen.
JnFlintstone, Alleghany-County, wurde
vorgestern von Hrn. William Kttk, dem Groß
meister des Ordens der „Odd-Fcllows" in
Maryland, eine neue Loge eingesetzt.
Staats Gesetze.
Passirt in der Sitzung der Staats
Gesetzgebung t 74.
Amtliche Bekanntmachung.
Kapitel 4K7.
Baltimore- und Maryland-
Augen- und Ohrcn-Klinikcn.
Ein Gesetz,
für den Unterhalt und die Behandlung von
bedürftigen Patienten in der „BaltimorerAu
gen- und Ohren-Klinik derSladt Baltimore"
und der „Maryländer Augen- und Ohren-
Klinik" zu sorgen.
Da Thomas Swann, Julian I. Ehifolm,
Andrew Rcid, George Gnest, JamcsHodgcö,
Samuel H. Tagart, Bcriiard Carter und
Douglas H. Gordon, kraft und infolge der
Allgemeinen Gesetze de? Staates Maryland,
welche die Bildung von Corporationcn anto
risirt, eine Corporation unter dem Namen
„Baltimore - Augen- und Ohren - Klinik der
Stadt Baltimore" gebildet, und ein Hospital
in der Stadl Baltimore für die Behandlung
der Augen- und Ohrenkrankhciten gegründet,
von welcher Dr. Julian I. Chiiolm, Profes
sor der Augen- und Ohrenkrankheiten in der
„Universität von Maryland" der behandelnde
Arzt ist; und
Da die Augen- und Ohren-Klinik unter der
Leitung von Professor Georg Neuling in der
Stadt Baltimore gut und fest ctablirt ist;
und
Da es wünschenswerth ist, daß dic Bor
theile besagter Kliniken den Armen im Staate
Maryland, welche an Augen- und Ohren-
Krankheiten, die durch ärztliche Behandlung
heilbar, leiden, zu Gute kommen; deshalb
1. Abschnitt. Sei es versiegt und ver
ordnet durch die Gesetzgebung vonMaryland,
daß dic Summe vonjeinTauiend Tolls. sei u.
ist dieselbe hierbei jährlich an die „Baltimore-
Augen- und Ohren-Klinik der Stadt Balti
more," sowie die fernere Summe von ein
Tausend Dollars an die „Maryland-Augen-
und Ohren-Klinik" angewiesen, und daß be
sagte Summen durch den Schatzmeister des
Staates Maryland aus Anweisung des Eon
troleurs an die beaufsichtigenden Aerzte der
besagten „Baltimore-Augen- und Ohren Kli
nik der Stadt Baltimore," und an den be
aufsichtigenden Arzt der besagten „Marylän
der Augen- und Ohreii-Klimk" ans die Ein
liefernng von einem von dem Präsidenten der
besagten „Baltimorcr Augen- und Ohrenkli
nik der Stadt Baltimore," und dem Präsi
denten der besagten „Maryländcr Augen-und
Ohren-Klinik" unterzeichneten CertifikatcS,
daß sie bereit sind, zu jeder Zeit während des
Bestehens dieses Gesetzes, wenigstens jeder 6
Kranke zu einer Zeit von den Counties des
Staates unemgeltlich in ihren resp. Kliniken
auszunehmen, und daß sie jeder den County-
Commissärcn der verschiedenen Counties, so
wie den Stadt-Commissärcn der Stadt Bal
timore Cirkulare übcrmachcn, in welchen sie
die von ihnen gcmachtenArraiigemcnts znrße
gegnung dcnAnordnungen des Gesetzes ange
ben, u. die Behörden einladen, die Blinden n.
Tauben in ihren Counties und der Stadt
Baltimore zu schicken, und die Begünsti
gungen von Beköstigung, Auswartung und
ärztliche Behandlung theilhaftig zu wer
den; vorausgesetzt, daß diese Appropriation,
durch dieses Gesetz gemacht, auf zwei Jahre
und nicht länger, eingesetzt ist.
2. Abschnitt. Und sei cS verfügt und
verordnet, daß irgend Jemand der an einer
Angeu- oder Ohrenkrankheit, welche ärztliche
Behandlung in einer speziellen Klinik ver
langt, leidet, auf Vorzeigung an die beauf
sichtigenden Aerzte der desagten „Balrimore-
Augen- und Ohren Klinik der Stadl Baltir
more," oder der besagten „Maryländer Au
gen- und Ohren-Klinik" eiues CertifikatcS der
County - Commiyäre des Counties, in wel
chem er oder sie wohnen, daß besagter Appli
kant mittellos ist und sich die gehörige ärzt
liche Behandlung zu verschassen, berechtigt
sein soll, in eiues der besagten Kliniken aus
genommen und in der unentgeltlich be
handelt zu werden; vorausgesetzt, daß besagte
beiden Institute nicht gezwungen sein sollen,
mehr als K Patienten zu irgend einer Zeit
unter diesem Gesetze unentgeltlich aufzuneh
men und zu behandeln.
3. Abschnitt. Und sei cs verfügt und
verordnet, daß der beaufsichtigende Arzt der
besagten „Baltimorcr Augen- und Ohrenkli
nik der Stadt Baltimore," und der beaufsich
tigende Arzt der „Maryländcr Augen- und
Ohren-Klinik" an die Gesetzgebung m jeder
regelmäßigen Sitzung derselben einen Bericht
einliefern ioll, welcher die Anzahl der aufge
nommenen und behandelten Patienten unter
diesem Gesetze, sowie dic Einnahme und Aus
gaben und solche anderen Thatsachen und
Einzclnheiren, welche dazu führen und die
Wirkung dieser Appropriation zu beleuchten,
angiebt.
4. Abschnitt. Und sei es verfüglfund
verordnet, daß dieses Gesetz vom Tage seiner
Annahme in Kraft trete.
Wir bescheinigen hiermit, daßVorstchcndcs
eine getreue und genaue Abschrift eines von
der Gesetzgebung in der Januarsitznng 1874
pafsirten Gesetzes ist.
AnHustus Gassaway,
Senats - Sekretär;
Milton B Kivd,
Sekretär des Untcrhauics.
Gcenhmigt am 11. April 1874. (170,kt,6)
-,V"chfn.Schri>flintn.Revolver
ncdsi Zubehör. Sendet Post-Stamp
ÄVöl lllustrine Preis-Liste an die
sirxlern l!n fVvlkx,''
Nittshurxh
<Juniä.ZMte,W>
Hopse d Malz.
ersten und SkoggeuMa.
Borrath von dem besten cana
dilcht Bersten-Mal sür Brauer, fowie!oaa-n
-al, sm Destillateure an Hand, und da wir unter
Mal.haue verärgert haben, find wir tetztim Staude
all lujtritie schnell auSjusühnn
Mal wam Sue er Sutawfir. 'i Nov.2S.?Z.ww'
Geschmackvolle Drahtarbei-
VLÄH tru und Draht-Zäure.
Dufur omv.,
Nr. st, Nord. H owa,<d - Straß e
verlcrlig, Dradt.Z.iune sür egiüdnihvlütze. Bal!
konau. s. w.. Siebe, veerdgitter. üftac. s?eueriibir.
wen gewebten Drabt . s. w.; einer eiserne Bett,
stellen, Seilers. Slud.e u. s. w. wird Deut ich
gelvroch . n. lDee.th.lllMie.'
waiene. eie,.,. - firance-iij,.
AZI atbliderre. bet Wand genübt. n
fM ...n etgne. aabttl.
-Nbt' > !>t"r> w>,l
- B. ewi.
John Halifax, Gentleman.
Aus dem Englischen von Tophta Verena.
(Fortsetzung.)
Ich ging zur Mutier hinüber und half
ihr den wißbegierigen Knaben die hervor
ragenden Punkte der Gegend zu erklären;
und später gelang es mir, den etwas ei
genwilligen Guy auf den hinabführenden
Weg zu bringen, an dessen Ende meine
alten Freunde, die vier lombardischenPap
peln, noch ganz wie damals standen, drei
zusammen, die eine etwas entfernt.
Frau Todd, die uns schon von Weitem
erspäht, empfing uns am Gitterthore; sie
war ein Wenig stärker und röther gewor
oen, sonst aber ganz unverändert geblie
ben. Das Entzücken, uns Alle wiederzu
sehen besonders ihre Lieblinge Job
und Ursula übermannte sie so, daß sie
die Mutter „Fräulein March" anredete,
die bei diesem längst verklungenen Namen
unwillkürlich erbebte, die Farbe wechselte
und ihre Augen nachdem kleinen, nahege
legenen Friedhof wandte.
Es ist Alles dort wohl im Stande,
Fräulein gnädige Frau, wollte ich sa
gen mein Mann hat die Befehle von
Herrn Halifax pünktlich ausgeführt und
die schönsten Blumen und Immergrün um
das Grab gepflanzt.
Ja, ich weiß es wohl.
Nachdem sie die Kinder zu Bett gebracht
halte, vermißten wir die Mutter und fan
den sie still und ruhig zur Seite des Gra
bes sitzen.
Wir fühlten uns bald in Enderly hei
misch und glücklich, und schon nach kurzer
Zeit blübte Muriel zu neuem Leben auf;
ote Theilnahmlosigkeit an äußeren Dingen
verlor sich mehr und mcbr und mit frischer
Freudigkeit begleitete sie mich, wohin ich
ging. Der Lenz, da alle Vögel sangen
und die Blumen ihre süßestcnDüsle hauch
ten, war ihre liebste Jahreszeit und ich
lelbst konnte nicht mit größerer Wonne in
oem Buchenwalde weilen, als Muriel in
seinem grünen Schatten saß, wobei sie mir
stets versicherte, einen so glücklichen Früh
ling habe sie niemals erlebt.
John war mit Arbeit überhäuft. Sein
Geschäft in Norton Bury hatte er einer
umsichtigen Leitung übertragen, so daß er
seine Zeit ganz der Tuchfabrik widmen
konnte. Früh und spät war er bei den
Mühlen zu finden, wohin Muriel und ich
ihm zuweilen folgten, um den ganzenLor
miltag in seiner Nähe auf den blumigen
Wiesen zuzubringen. Daran vorbei floß
der Strom, welcher die Mühlenwerke trieb
und der oft in seinem Laufe absichtlich ge
hemmt, kleineSeen und Wasserfälle bildete.
Wir konnten stundenlang sitzen und aus
sein melodisches Rieseln lauschen, oder
dem scharfen, sonderbaren Schrei der
Schwäne, dem Zwitschern der Wasserhüh
ner zuhören, die mit ihren Jungen in dem
Schilfe nisteten. Hin und wieder kam
John auf einige Minuten zu uns, liebkoste
Muriel und theilte mir mit, wie weit die
Arbeit in der Mühle gediehen sei.
Eines Morgens, als wir Drei wieder
so beisammen saßen an einer kleinen
Brücke, unter dem Schatten einer großen
Ulme, um deren weitverbreitete Wurzeln
das Wasser einen so klaren See gebildet,
daß wir einen großen Hecht, wie einen
dunklen Punkt aus dem eirunde bemerken
konnten, sagte John plötzlich:
Was geht nul d-m Strome vor? Siehst
Du es auch, Phineas?
Ich habe das Wasser schon seit zwei
Stunden langsam fallen sehen, ich glaubte
Du wolltest cS abfließen lasten.
Nein, durchaus nicht ich will eilen,
nachzusehen. Leb' wohl, mein liebesKind;
Du maßt mich nicht zurückhalten, Vater
wird gleich wieder hier sein. Ist dieser
P atz nicht hübsch und sonnig für mein
kleines Mädchen, um hier zu liegen und
all' dem süßen Sange zu lauschen?
Sem Ton klang heiler, doch sein Auge
drückte Angst und Unruhe aus. Nasch
schritt er über die Wiesen der Mühle zu.
Dann sah ich ihn denielben Weg zurück
gehen, wobei er genau die Stelle beobach
tete, an welcher der Strom die Grenze sei
ner Besitzung berührte; endlich aber schlug
er die Richtung nach der kleinen Stadt ein
hinter der von grünenWaldungen umgeben
LuxmoreHall lag. Erst nach einigen Stun
den kehrte er zurück. Als er zu uns her
ankam, den Fluß immer mit scharfemAuge
betrachtend, war dieser so tief gesunken,
daß der schlammigeßoden kaum mehr vom
Master bedeckt wurde.
Ja, es ist so es kann nichts an
deres sein! Ich hätte doch nicht erwartet,
er würbe das wagen!
Was, John und wer?
Lord Luxmore.
Er sprach in dem gepreßten Tone einer
mit Mühe unterdrückten Leidenschaft.
Der Graf hat dem Strome, der meine
Mühlen treibt, einen anderen Lauf gege
ben.
Ich versuchte ihn zu überzeugen, daß
eine so gewalttbätize Handlung kaum
denkbar sei, daß sie gegen das Gesetz ver
stoßen würde.
Nicht gegen das Recht, welches der
Mächtigere sich gegen den Schwächeren
herausnimmt; überdies giebt er dem Gan
zen eine anständige Färbung, versichert,
er wolle das Wasser nur drei Tage in der
Woche beanspruchen, um einen Spring
brunnen in Luxmore Hall anzulegen. Ich
weiß es aber ganz genau, was der Eno
zwcck ist ich habe dasSchreckliche bereits
seit einem Jahre kommen sehen er hat
beschlcssen, mich zu Grunde zu richten.
John war in einer so heftigen Aufr
gung, daß er kaum Muriel's kleine Hand
fühlte, welche liebkosend die seine berührte,
während die süße Stimme ängstlich for
schend fragte:
Was bedeutet „zu Grunde richten"?
i Hat Jemand meinen lieben Vater gcär
! gcrl?
Nein, mein Liebling, nicht geärgert
doch sehr, sehr unglücklich gemacht.
Er hob sie zu sich empor und barg sein
Haupt an seines Kindesßrust. Sie küßte
ihn und streichelte mit ihren Händen sein
Haar.
Gräme Dich nicht, lieber Vater, Du hast
es stets gesagt, nur Eines sei schlimm:
wenn wir böie wären und unrecht thäten,
und Du bist immer gut.
Ich wünschte, ich wäre es!
Er setzte sich nieder und hielt Muriel seil
an seinem Herzen. Ter Blick auf ihr
friedliches Engclsangesicht, das leise Flü
stern der Ulme, das langsame Tröpseln
des Wassers übten eine beruhigende Wir
kung auf das zerstörte Gleichgewicht seiner
Seele aus; nach und nach hob sich sein
Geist in demselben Maße, wie er vorher
niedergebeugt war.
Ne n, es soll Lord Luxmore nicht gelin
gen, mich zu Grunde zu richten! Ich habe
schon einen Ausweg ersonnen, einen Plan
gefaßt; vorher muß ich jedoch mit meinen
Arbeitern sprechen ich werde sür einige
Zeit ihr Tagelohn beschränken müssen.
Wie bald?
Von heute an. Wenn es einmal
geschehen muß, so ist es besser, wenn es
bald geschieht, che der Winter eintritt.
Arme Burschen es wird ihnen hart
ankommen —sie werden es schwer beklagen;
doch es wird ja nur vorüber gehend sein;
ich muß versuchen, sie zur Vernunft und
Geduld zu crmahnen. Gott weiß, sie be
dürfen diese nicht allein.
Als im nämlichen Augenblicke die Sonne
die fernen, weißen Mauern von Luxmore
Hall beleuchtete, biß er knirschend die Zähne
zusammen.
Giebt es keinen Weg, Dir Dein Recht
zu verschaffen? Wenn es eine ungesetzliche
Handlung ist, warum beanspruchst Du
nicht den Schutz der Bchörven?
Phineas, Du vergißt meine Ansichten
darüber -- sind es auch nur die meinigen
und dränge ick sie Niemand auf so ste
hen sie doch felsenfest; ich beharre bei dem
Grundsatze, daß ich niemals die Entschei
dung des Gerichtes anrufe niemals!
Ich will nicht Anlaß zur Wiederholung der
alten Klage geben: Seht, wie die Christen
unter einander streiten!
Ich schwieg mit jeglichem Widerspruch,
denn ob man, genau betrachtet, ein solches
Princip recht oder unrecht nenne, so bleibt
doch geviß außer Zweifel, daß, was ein
Mensch für unerlaubt hält, es für ihn auch
Nun, Onkel Pbineas, gehe mit Muriel
nach Hause, erzähle meiner Frau, was sich
zugetragen hat und sage ihr, ich würde ge
wiß zum Th;e bei Euch sein; sie soll sich
durchaus nicht ängstigen: wenn ich auch
etwas Mühe und Sorgen mit den Leuten
haben werde, so denke ich doch; sie werden
Vernunstgründen Gehör geben. Ursula
01l keinen unnöthlgen Befürchtungen
Raum gestatten.
Nein, das that die Mutter niemals.
Es lag nicht in ihrer Natur, sich mit klein
lichen, eingebildeten Sorgen die Tage zu
verbittern; sie hatte die bei einer Frau sel
tene Tugend, niemals Unruhe in das Le
ben zu bringen. Was getragen werden
mußte, trug sie standhaft; pflichttreu kam
sie ihren Obliegenheiten nach, aber immer,
ohne viel über ihr Thun oder ihr Leiden
zu sprechen; niemals sich in unnützen Kla
gen ergehend. Auch heute Hörle sie meine
Auseinandersetzungen ruhig mit an, und
verstand sie, wie es schien, bester als ich,
vermuthlich weil sie tiefer in ihres Mannes
Pläne undßcsürchtungen eingeweiht war.
Sie übersah mit einem schnellen Blick die
ganze Lage, die, nach dem Ausdrucke ihres
Gesichtes zu urtheilen, mißlich gennz sein
mußte.
Dann glauben Sie also, daß John
Neckt hat?
Ganz gewiß.
Ick hatte es eigentlich weder als Frage,
noch als Zweifel hinstellen wollen, aber es
war wohlthuend, sie so antworten zu hö
ren; denn Ursula war keine Frau, die sich
blindlings, gegen ibre Ueberzeugung, lei
ten ließ; diese Macht hätte sie nicht einmal
John eingeräumt. Bei Kleinigkeiten wi
chen ihre Ansichten zuweilen von einander
ab, doch wurde das immer in Liebe be
splochea und ausgeglichen, während sie bei
allen wichtigeren Angelegenheiten meist
übereinstimmten, und war dies ein Mal
nicht der Fall, so hatte Ursula ein so festes
zuversichtliches Vertrauen in ihren Mann,
dciß, wenn Einer von ihnen Recht und der
Andere Unrecht habe, es viel leichter an
zunehmen sei, daß sie sich im Irrthum be
finde.
Nachdem sie die Kinder zur Ruhe ge
bracht, kam sie mit Hut und Shawl herun
ter.
Wollen Sie mich begleiten, Phineas,
oder sind Sie zu müde, den Weg noch ein
Mal zu machen?
Sie ging mit großer Schnelligkeit vor
wärts, dennoch nahm sie sich die Zeit, ein
Krnd, welches sie, nach seiner Mutter wei
nend, auf dem Anger fand, zu beruhigen
und es aus den rechten Weg zu führen,
daß es ungefährdet in das Dorf gelangen
konnte.
Es war fast dunkel geworden und wir
begegneten Niemand, als einem jungen
Mann, mit dem ich schon einige Male
Abends zusammengetroffen war. Seine
äußere Erscheinung hatte etwas Auffallen
des, Seltsames, da er stets in einen wei
ten Mantel dicht gehüllt war und einen
fremdländischen Hut trug.
Wer ist das, der unscreMühlen so zu be
obachten scheint? fragte Ursula hastig.
Ich erzählte ihr, daß ich ihm schon öfter
dort begegnet war, weiter aber keine Aus
kunst über seine Person geben könne.
Wahrscheinlich ist es ein Papist ich
meine, ein Katholik —, fügte sie hinzu,
sich erinnernd, daß John den Ausdruck
Papist nicht passend fand. Frau Tocd
sagt, es wären viele Bekenner dieses
Glaubens hier in der G gend versteckt, sie
fänden gewöhnlich in Luxmore Hall Auf
nahme.
Dieser Name führte unsere Gedanken
wieder zu unseren Besorgnisten zurück, die
uns so in Anspruch nahmen, daß ich erst
amFuße desßerges bemerkte,wie die dunkle
Gestalt des Fremden uns fast bis zum
E ngange nach den Mühlen gefolgt war.
Im Fabrikgebäude, neben einem der still
stehenden Webestuhle, fanden wir John.
Er sah sehr niedergeschlagen aus, so wie
ich ihn selten gesehen. Ursula berührte
sanft seinen Arm, ehe er ihr Kommen be
merkt hatte.
Du bist's Liebe —Du hast gehört, was
mir geschehen ist?
Ja, John; doch nimm es Dir nicht so
tief zu Herzen.
Ich würde es nicht thun, wenn nicht die
armen Leute so sehr darunter leiden müß
ten.
Was gedenkst Du nun zu thun? Wirst
Du jetzt ausfuhren, was Du Dir schon so
lange vorgenommen?
Zuweilen wird die Erfüllung unserer
Wünsche ein Kreuz für uns, erwiderte er
nicht ohne Bitterkeit. Und dennoch wird
mir nichts Anderes zu thun übrig bleiben.
Da die Wasserkraft so bedeutend vermin
dert ist, muß ich entweder die Mühlen still
stehen lasten, oder sie durch Dampfkraft
treiben.
Unbedingt das Letzlere, John; stelle t
Deine Dampfmaschine auf! r
Damit die ganze Gegend in Ausruhr l
kommt und mich anklagt, daß ich die k
ganze Handarbeit zu Grunde richte? Ein l
neuer Aufstand wird losbrechen, die Leute -
werden mir die Mühlen anzünden, die ,
Maschinen zerstören. Ja, ja, dahin wird c
es kommen und das wünjcht Lord Lux
more. Sagte er nicht, er wolle mich in's
Elend bringen? O, er thut mehr als das, ,
er untergräbt meinen Ruf, raubt mir mei- i
nen guten ehrlichen Namen. Hättest Du Z
nur die armen Leute gehört, als ich sie .
heute Abend entließ! Sie die in den >
nächsten zwei Monaten nur wenig Arbeit
und geringen Verdienst haben werden, f
worauf dann die Maschinen in Kraft treten, ,
die nach ihrer Meinung ihnen den Bissen ;
vom Munde stehlen werden was müssen ,
sie von ihrem Brotherrn denken?
John sprach in einer Art, wie wir ihn
äußerst selten reden hörten, und dennoch
bringen die weltlichen Sorgen und Unge
rechtigkeiten selbst den besten Menschen da
hin, sich diesem Kleinmuth, dieser Bitter
keit zu überlassen.
Arme Menschen', ich kann sie nicht ta
deln, begann er von Neuem. Ja, ich
selbst stand ihnen stumm gegenüber, als
sie mir sagten, ich müsse di Folgen dessen
tragen, was lch unternähme sie müßten
Brot für Weib und Kinder haben; aber
bebars ich etwa dessen nickt sür meine Fa
milie? Lord Luxmore trägt allein die
Schuld an Allem.
Es schien mir, als hörte ich einen tiefen
Seuizer aus dem dunklen Theile des Rau- s
mes zu uns dringen; John und Ursula j
waren wohl zu sehr in ihr Gespräch ver
tieft, um daraus zu achten.
Ist denn gar kein Ausweg zu finden,
daß das Ganze, wenigstens bis die Ma
schine fertig ist, in der gewöhnlichen Weise
weitergeht? Wird sie viel kosten
So viel, daß ich ungern daran denke;
dennoch muß e-sjgeschehen, wer nichts wagt,
der nichts gewinnt. Deine und der Kin
der Zukunft ist wenigstens gesichert, das
ist ein großer Trost; aber meine armen
Arbeiter!
Ursula wiederholte ihre Frage, ob nichts
für sie geschehen könnte.
Ja plötzlich geht mir ein Plan durch
den Kops aber
John, ich weiß, woran Du denkst.
Sie legte ihre Hand aus seinen Arm
und blickte ihm voll in's Angesicht, ihre
Augen senkten sich in einander. Es schien
mir ost, als wenn sie, in Folge ihres inni
- gen Zusammenlebens, durch einen solchen
Blick, Einer in der Seele des Anderen zu
' lesen vermochten, als ob diese wie ein os
- jenes Buch vor ihnen läge. Endlich sagte
John:
: Würde es nicht ejn zu schweres Opser
: sein, Liebe?
: Wie kannst Du so sprechen? Wir kön
nen es thun, es ist zu ermöglichen, wenn
t wff wieber in einfacherer Weise leben und
: einige überflüssige Bequemlichkeiten aus
i geben, nur Acußerlichkeiten, die man reckt
gut entbehren kann, und was fragen wir
r groß nach solchenHffngen, welche durchaus
r nicht zum Glücke erforderlich sind.
- Nein, gewiß nicht zu meinem Glück, das
r steht hoch darüber, sagte er mit einem lcst
- sen, zärtlichen Tone.
! Es wurde mir schwer, herauszufinden,
r aus welche Weise sie die schwierige Lage,
ll in der sie sich augenblicklich befanden, zu
beseitigen hofften. Sie wollten die Zinsen
, des Kapitals das Jobn seiner Frau
s verschrieben, und das er niemals angriff,
ss damit sie und die Kinder, im Falle seines
n Tooes oder wenn seine Unternehmungen
h mißglückten, vollkommen gesichert sei
für die Arbeiter verwenden, wie sie bisher
zur größeren Annehmlichkeit des Hausstan
h des verbraucht worden waren. Wenn wir
!- drei Monate in der alten, beschränkten
ch Weise lebten, wie wir es in Norton Bury
gewohnt gewesen, wenn wir uns manchen
kleinen Entbehrungen unterzogen, so könn
ten die Leute ihr volles Lohn erhalten, ob
auch die Arbeit geringer war. Dann
würde in unserem stillen, friedlichen Thalc
kein Mangel, keine Erbitterung herrschen,
und vor Allem, und das war das Höchste,
den Namen des Brotherrn würde kein
Tadel verunglimpfen.
Dies Alles wurde schneller zwischenßei
den entschieden, als ich Zeit gebraucht, es
niederzuschreiben; eine jede Entscheidung
ist leicht, wenn man eines Sinnes ist.
Nun, sagte Jobn sich erhebend, indem
er einen freien langen Athemzug that, als
ob eine Last von seiner Seele gefallen sei,
nun kann er unternehmen, was er will,
jetzt vermag Lord Luxmore mir nicht mehr
zu schaden.
Lieber Mann, las; uns nicht mehr von
ihm sprechen.
Wieder ertönte dieser geisterhafte Seuf
zer durch den dunklen Raum; diesmal ver
nahmen sie ihn auch.
Wer ist dort?
Ich bin es, Herr Halifax; seien Sie
mir nicht böse!
Es war eine milde, sanfte Stimme, der
man es anhörte, daß die Seele ihres Be
sitzers an lange Unterordnung gewöhnt
war, und der die Worte sprach, der junge
Mann, den Ursula für einen Katholiken
gehalten, trat aus dem Schatten zu uns
heran.
Mein Herr, ich kenne Sie nicht. Aus
welchem Grunde drangen Sie hier ein?
Ich folgte Frau Halifax; ich habe sie oft
inmitten ihrer Kinder beobachtet; sie Alle
aber erinnern sich meiner nicht mehr.
Ja, als er sich dem einen trübflackernden
Kickte näherte, erkannten wir das Antlitz
wieder, das freilich noch schmaler und blei
cher als ehedem war, während die großen,
grauen Augen noch mehr Trauer und
Hoffnungslosigkeit ausdrückten.
Ich bin sehr überrascht, Sie hier zu se
hen, Lord Raoenel.
Still, o still! Ter Klang dieses Namens
ist mir schon verhaßt. Wie gern hätte ich
ihm schon lange entsagt. Vor aller Well
und auch vor ihm möchte ich mich verber
gen, wenn er es mir gestaltete.
Er? Reden Sie vcn Ihrem Vater?
Der Knabe nein, er war jetzt ein
junger Mann geworden, obwohl er noch
immer etwas Knabenhaftes hatte be
jahte es schweigend, als sei er erschreckt,
den Namen auszusprechen.
Würde er Ihren Besuch hier nicht miß
billigen? fragte John, der milder größten
Strenge eine jcde gesetzliche Autorität auf
recht erhalten sehen wollte.
Er erfährt nichts davon, er ist fort; seit
sechs Monaten hat er mich in unserem
Schlösse allein gelassen.
Haben Sie ihn in irgend einer Weise
gekränkt? fragte Ursula, deren Augen mit
einem gütigen Blick auf dem feinen, blas
sen Antlitz ruhten, welches vielleicht
an ein anderes erinnerte, das wohl sür
immer aus unserem und Hinein Gesichts
kreise verbannt war.
Cr haßt mich, weil ich ein Katholik bin
und Mönch zu werten wünsche.
Der junge Mann >chlug dasZeichcn des
Kreuzes über sich, sah sich dann erschrocken
um, als fürchte er beobachtende, übelwol
lende Späher.
Sie werden mich nicht verrathen, Sic
sind ein guter Mensch, Herr Halifax, und
sprechen warm zu unseren Gunsten. Sa
gen Sie mir treulich will ich Ihr Ge
heimniß bewahren sind Sie nicht auch
ein Katholik?
Nein, der bin ich nicht.
Ach, ich hoffte es; dennoch werden Sie
mich gewiß nicht verrathen.
John lächelte^darüber, eine solche Mö
glichkeit nur vorauszusetzen; trotzdem war
die Furcht und Besorgnis? des Jünglings
nicht ganz unbegründet, denn in jenen
Tagen ward sowohl derZiatbolik, wicselbst
der protestantische Nonconformist sowohl
durch das Gewtz, als durch die öffentliche
Meinung verfolgt und gekränkt. Alle,
welche dem Schooßc der Staatskirche nicht
zugehörten, sich nicht in ihren cngstenGren
zcn hielten, wurden als Schismatiker,
Atheisten und Torsten bezeichnet.
Aus welchem Grunde wünschen Se sich
aus der Welt zurückzuziehen?
Ich bin ihrer satt. Es gabZ nur ein
Wesen darin, das ich liebte, das mir in
Liebe zugethan war und nun-Lauotu
Seine Lippen murmelten ein Gebet, ein
auswendig gelerntes, kaltes, lateinisches
Gebet, doch da es ihm Ernst damit war,
schien es ihm dennoch gut zu thun. Es
war, als wenn die Mutter nach seinen letz
ten klagenden Worten wieder im Geiste je
nen jammervcllcn Schrei der jetzt Ver
bannten hörte, der auch durch meine Seele
klang: ArmerWilliam Erzäh
len Sie es William niemals!
denn sie wandte sich liebreich zu ihm
mit der Frage, ob er uns nach Hause be
gleiten wolle.
Staunen malte sich in seinen Zügen.
Ich? es kann Ihr Ernst nicht sein,
nach all' dem Bösen, was Lord Lord Lux
more getban?
WzJst das ein Grund, weshalb ich seinem
Sohne nicht Gutes thun sollte wenn es
nämüch in meiner Macht steht?
Der Jüngling schlug seine großen, sanf
ten Augen auf. und der Ausdruck, mit dem
er sie auf John Heftetete, erinnerte mich
daran, was uns seineZchwcster von seiner
enthusiastischen Verehrung sür diesen er
zählt hatte.
Ja, Sie könnten mir gut thun, Sie
könnten es, Herr Haliiax.
Aber ich und die Mcinigen sind Ketzer
nach den Begriffen Ihrer Kirche.
Ich werde für Sic beten; nur erlauben
Lie mir, zu Ihnen zu kommen Sie und
Ihre Kinder öfter zu sehen.
Sic werden stcls willkommen sein!
Herzlich willkommen, Lord
Nein nicht diesen Namen, Frau Ha
lisar! Nennen Sie mich, wie ich im Colle
gium von St. Omer hieß, Bruder Ansft
! mo.
Die Mutter unterdrückte nur mühsam
ein leichtes Lächeln, doch John erlaubte
sich niemals, irgend eine Glaubcnsrich- >
lang zu belächeln, mochte sie ihm noch so >
thöricht erscheinen. Er hielt jede ausrich >
tige, redliche Ueberzeugung sür geheiligt,
und um so höher, weil man sie so selten '
fand.
Von diesem Tage an besuchte Bruder
An'elmo das Rosenhäuschcn sehr oft, und
er schien sich in unserer Familie ganz hei
misch zu fühlen. Was würde der Gras
getagt haben, wäre ein kleiner Vogel hin
über nach London geflogen, um ihm die
Kunde zu bringen, daß sein einzigerSohn,
der künftige Erbe seiner Güter und Titel,
seiner politischen Grundsätze, sich in einer
beständigen und offenen Verbindung
denn es widersprach unseren Ansichten von
Recyt und Gesetz, eine heimliche Bekannt
schast zu unterhallen mit JohnHalffar,
dcm Mühlenbesitzer, befand, mit John Ha
lifax, dem Radikalen, wie er zuweilen noch
genannt wurde, in dessen Umgang er Le
benSansichten, Prinzipien und Ideen ein
sog, die ganz entschieden denen der gräfli
chen Familie, dcm Hause Luxmore, entge
gengesetzt waren. Wie groß würde aber erst
das Staunen des vornehmen Vaters ge
> wesen sein, wenn er gesehen, wie Lcrdßa
venel, sür den er, wie man sagte, schon den
. Plan zu einer glänzendenVerbindung ent
worfen, den ganzen Reichthum seines lie-
be innigen Herzens, in halb väterlicher,
halb jugendlicher Neigung (wie man dies
, öfter bei jungen Männern findet) einem
; Kinde weihte, der kleinen, blindcn Muriel
i Halisar.
- Er sagte, unser Friedenskind mache ihn
! zu einem besseren Menschen, und so saß er
oft an ikrer Seite und schaute sie an, als
; od sie sein guier Engel oder seine Schutz
- heilige sei, Muriel war ihm in ibrer slist
len, sausten Weise herzlich zugethan, und
gefiel sich in seiner Gesellschaft, so lange
ihr Vater nickt bei ihr war, denn is
i seiner Näbe zu sein, war doch das höchste
, Ertenglück sür sie.
r Die Musik war ein Band, welches sie
, und Lord Ravenel, oder Bruder Ansclmo,
Z wie er genannt sein wollte, noch inniger
r vereinte und eine immer größere Sympa
thie zwischen ihnen erweckte. Er lehne sie
r in der kleinen, leeren Klicke die Orgel zu
- spielen, und in den langen Tommernach
r miltagen saßen Beide stundenlang aus dem
u Oigelchor, während ich im Schiffe der
y Kirche auf die feierlichen, wunderbar schö-
nenKlänge lauschte, die von dort hernieder
schwebten, und es mir zuweilen kaum
glaublich schien, daß die zarten Kinder
hände dem Instrumente diese göttlichen
-!.öne entlocken konnten, die wie Sphären*
Mclvdie'n klangen.
In dieser Zeil beschäftigte sich Jobn et
was weniger mit seinem Lieb'inge, als er
es sonst zu thun pflegte. Er wurde von
sorgen und Mühsalen aller Art, von täg
lichem, stündlichem Aerger und Widerwär
tigkeiten schwer bedrückt. Nur zweimal
in der Woche sah man noch das große
Wasserrad des kleinen Edwin's Ent
zücken, wie es einst das seines Vaters ge
wesen arbeiten, und die Gräben und
Kanäle bei den Wiesen, die kleinen, rie
selnden Wasserfalle waren fast ganz ver
siegt. Ja, der Spaziergang durch die grü
nen Avhänge, zwischen den mit Gras und
Blumen bewachsenen Hügeln, welchen Mu
riel und ich bis jetzt mehr als die Hochebene
geliebt hatten, hörte auf ein Vergnügen
m sein. Sie vermißte das Rauschen des
-tromes, den Schrei der Wasserhühner,
das Flüstern des Schilfes; mehr aber als
Alles entbehrte sie ihren Vaier, der in der
Mühle zu beschäftigt war, um zu uns aus
die Wiesen zu kommen, der selbst für seine
kleine Tochter sich kaum einige Minuten
abmüßigen konnte.
Er richtete die wunderbare, neue Erfin
dung, eine Dampfmaschine, bei sich ein.
Vorher war er in Manchester gewesen, um
sich mit eigenen Augen zu überzeugen, wie
die gewaltige Kraft von Andere, die schon
im Besitze der neuen Maschine waren, ge
handhabt wurde. Sein eigenes Ver
ständniß, sein Interesse sür dergleichen
Dinge und seine Kenntniß der Mechanik
kamen ihm jetzt trejflich zu Stalten. Er
arbeitete selbst früh und spät, unterstützt
von den Leuten, welche er aus Manchester
Heibeigerufen hatte; denn er sah die Noth
wendigkeit ein, das Geheimniß zu bewah
ren, bis Alles in vollkommener Ordnung
und sein Werk vollendet sei. So standen
denn die einfachen Fabrikarbeiter, welche
niemals über das stille Thal hinausgekom
men waren, voll Staunen vor der Masse
Eisen und dem sonderbaren Mauerwerks,
und Einer fragte den Anderen, wenn sie
Sonnabends sich das leichtverdiente Wo
chcnlohn holten, was nur der Herr vor
nehme; dennoch erkannten sie ihn durchaus
als Herrn an, trotz aller seiner Güte, daß
Niemand sich eine bestimmte Frage oder
Einrede erlaubte.
AünsteS kapitel.
Der Sommer neigte sich dem Herbste
zu. Schon begann der Buchenwald sich
röthlich zu färben, und die kleinen Feld-
und Wiesenblumen, welche gerade in die
serJahreszcit besonders mannigfaltig sind,
verbreiteten ihren bunten Schmuck über
Thal und Höhen, alle durch die Scharlach
distcl überstrahlt, welche aus ihrer Mitte
hervorleuchtete. Tie Morgen wurden
feucht und neblig, so daß wir Muriel nicht
mehr aus unseren Spaziergängen nach
John's Terrasse mitnehmen konnten, wo
hin wir stets in aller Frühe gingen, ehe
sich noch Jemand im Hause rührte. Der
Vater vermißte ihre Gegenwart schmerzlich,
obgleich er sich immer von Neuem wieder
holte, ein so zeitiger Gang in der Mor
genluft könne keinem Kinde gut sein.
Endlich stand auch er davon ab und er
iah gewöhnlich bis zum Frühstück vor der
Thür des Nosenhäilschens, Muriel aus
seinem Schooße haltend.
Später versicherte er mit einer Art Ei
fersucht, daß Jeder von uns mehr von sei
ner kleinen Tochter habe, als er, ihr eige
ner Vater, und es wurde ihm eine süße
Gewohnheit, üe sich Mittags nach den
Mühlen hinzuholen, wo er sie, in seinen
Armen tragend, um sie jedcrZeit an seiner
Seite zu haben, überall mit hinnahm, wo
seine Gegenwart erforderlich war.
Wie oft bemerkte ich, daß die rauhen,
gewöhnlich aussehenden Fabrikarbeiterin
nen in ihrer Beschäftigung innehielten,
um dem Herrn und dem blinden, kleinen
Fräulein aufmerksam nachzublicken; und
noch heute möchte ich glauben, daß die ru
hige Art, mit welcher die Leute der Ender
lymühlen die Einführung der Dampfma
schine aufnahmen, die Friedfertigkeit, mit
der sie dem fortschreitenden Baue zusahen,
theilweise aus der Hochachtung entsprang,
die ihnen die Vaterliebe ihres Herrn ein
flößte, anderseits aber auch dem liefen,
fast abergläubischen Interesse zuzuschreiben
war, mit welchem sie das blasse, süße En
gclsantlitz unserer Muriel erfüllte.
Der Aufenthalt in Enderly wurde mit
dem schwindenden Sommer immer weniger
behaglich und wir sehnten uns Alle nach
unserem eigenen, traulichen Heerde in
Longfield.
Die Kinder scben dock alle frischer und
blühender aus, als da sie herkamen, be
sonders aber bat Muriel die Luftverände
i cung gut gethan. Meinst Tu nicht, Phi
! neas?
Ich gab eine allgemeine, unbestimmte p
Antwort; dann aber stand ick auf, mich g
des Gedankens nicht erwehren könnend,
wie blind dock die Liebe war alle Liebe n
außer der meinigen, welche dieEigenthüm
lichkeit besaß, stets die trübe Seite der
Tinge zu entdecken.
Als ick zurückkehrte fand ichMuttcr, und
Tochter in einem sehr geheimnißvollen ,
Gespräch beieinandersitzen. Ich errieth,
warum es sich handle, denn ich hatte Ur
sula zu John lagen hören, sie möchte es
lieber dem Kinde mittheilen, es würde ihr z
gewiß Freude machen. Etwas erwarten zu
können, Etwas, das ihr den kommenden ?
Winter angenehm verkürzen werde.
Vergiß aber nickt, daß es noch ein tie-
ses Geheimniß ist,flüsterte die Mutter, de- j
wahre es gut, mein Liebling!
Gewiß! Das zarte, blasse Antlitz, noch
chmaler, als sonst, wurde von einem freu- '
digen Errötben überhaucht. Aber ich .
möchte doch lieber eine kleine Schwester ha-
den, bitte! —nurdas Kind wurde
plötzlich sehr ernst sage, liebe Mutter,
würbe sie mir gleichen?
Wohl möglich, Schwestern sehen sich oft
ähnlich.
Nein, so meine ich es nicht ich wollte
nur wissen, ob sie auch, wie ich Muriel
berührte ihre Augen statt den Satz zu vol
lenden.
Das vermag ich nicht zu sagen, aber ich
bitte Gott, daß sie in jeder anderen Hin
sicht Dir gleichen möge, Muriel, Dir, mei
nem Lieblinge— unserem Segenskinde!
sprach Ursuta, ihre Tochter unter Thränen
an ihr Herz ziehend.
Nach der wichtigen Mittheilung, die
Muriel sehr stolz zu machen schien, und die
sie nur auf besondere Erlaubniß mir an
vertraute, sprach sie so gern und so viel
von dem kommenden Schwesterchen, bis
die kleine Maud den Namen hatte sie
gewählt, fast schon zu einer wirklichen Pe
rson im Hause wurde.
Die Würde und derßahm, die alleinige
Besitzerin dieses großen Geheimnisses zu
sein, schien für einige Zeit dem kleinen
elsjährigen Mädchen ein neues, wärmeres
Interesse am Leben zu verleihen, ja sie
selbst schien noch einmal frischer mporzu
blübcn. Das Bemühen, ihrer Mutter in
verschiedenen Vorbereitungen zu Helsen,
gab ihr das Ansehen eines vorsorglichen
Hausmütterchens; und mit besonderem
Eifer überließ sie sich der einzigen, weibli
chen Handarbeit, die sie zu fertigen ver
mochte; wie emsig die kleinen, weißen
Finger die Stricknaveln bewegten, damit
das zierlichste Paar kleiner Schuhe für
ein Elsensüßchen bestimmt das Schwe
sterchen bei ihrer Ankunft begrüße. Nach
Jahren sand ich sie wieder, den einen be
endet, während in dem anderen die verro
steten Nadeln das Knäuel jeinerWolle hiel
ten, gerade wie dces Kind die Arbeit aus
' der Hand gelegt hatte. O, Muriel, Mu
riel!
Ter Vater bemerkte mit Entzücken den
' Wechsel, der mit seinem Lublinge vorge
! gangen, freute sick, daß sie so geichästig
> war und immer an der Seite dec Mutter
e sich befand.
Welche Stütze sie einst sür Ursula wer
den wird! Es ist gut, wenn das älteste
Kind eine Tochter ist und sie wird gewiß
von grsßem Nutzen sein, nicht wahr, On
kel Phineas?
Ich lächelte zustimmend. Seine Bürde
war schon ohnedies schwer genug ich
denke, ich that kemUnrecht, daß ich lächelte,
obwohl mein Her; voll Thränen war.
An dem Tage, da die Dampfmaschine
zum ersten Male arbeitet, müssen wir Mu-
riel doch hinbringen, daß sie das wichtige
Ereigniß mit uns erlebt. Ich hätte zwar
gewünscht, Ursula wäre abgereist, ohne
morgen abzuwarten, dennoch hege ich nicht
die geringst Befürchtung; meine Leute
sind ruhig, ja sogar in der besten Laune.
Ter Tag, welcher in anderen Fabriken
Unzufriedenheit und Ausrubr hervorgeru
fen hat, wird hier zu einem Feste werden.
Knaben, wollt Ihr mitkommen, dem gro
ßen Moment beizuwohnen? Edwin, mein
praktiicher Junge Du, der im Geschäft
der Nachfolger seines Vaters werden wird
willst Tu mir versprechen, Onkel Phi
neas nicht von der Seite zu gehen, wenn
ich Dir die Dampfmaschine in ihrer Bewe
gung zeig?
Edwin sah mit seinen klaren, durchdrin
genden Augen zum Vater aus; wir nann
ten ihn wegen feines gesetzten, verständi
genWefens oft den „kleinen, alten Mann
" Kindheit an war er überlegt und ru.
hig, selbst wenn Guy mit ihm zankte, doch
bemerkte ich oft, daß er nicht wie jener so
zuvorkommend und herzlich zu den Men
schen war. Denn obwohl „unser Nette
ster" bei Weitem der wildeste und unartig
ste der Knabe war, so liebten ihn doch Alle
am meisten. Armer Guy, er hatte das
offenste, wärmste und zärtlichste Gemüth,
den besten Willen stets dasNechte zu thun,
obgleich er die guten Vorsätze selten aus
führte; es gab gar zuVieles, was ihm lok
kend winkle, zu unwiderstehlich war, selbst
wenn es nicht ganz auf dem rechten Wege
lag.
Vater! ich muß auch die Maschine ar
beiten sehen, rief Guy schnell, aber ohne
daß ich, wie Edwin, den Onkel am Rock-
Ichooß halte, will ich dabei sein!
Hierüber entstand einer jener kleinen
Stürme, welche zuweilen den Horizont der
Familie trübten, aber stets schnell vorüber
zogen. Ehe die leichte Zwistigkeit noch ge
schlichtet war, stahl ich mich mit Muriel
nach der leeren Dorskirche, in der sie im
Zwielicht wohl eine Stunde die Orgel
spalte. Es wurde dunkler und dunkler,
bis der Mond durch die Fenster blickte und
seine Strahlen die kleine, elfenartige Ge
stalt ergossen, die vor derselben saß.
Mehrere Male fragte Muriel, ob ich
nicht wisse, wo Bruder Anselms bleibe,
der uns gewöhnlich des Abends in der
Kirche erwartete, und den wir heute an
dem letzten Tage, den wir in Enderly wa
ren, gewiß zu sehen hofften. Endlich kam
er, setzte sicb zu mir und lauschte aufmerk
sam. Sie spielte gerade einen Satz aus
einer katholischen Messe. Als sie geendet,
rief er ihrer Namen.
Ihre sanfte, freudige Antwort klang
vom Chore herab.
Muriel, bitte, spiele das „Miserere,"
das ich Dich lehrte!
Sie erfüllte seinen Wunsch und ließ die
Töne der Orgel, wie ich auch immer von
dem Talente begablerKinder, das des jun
gen Wesley und des Knaben Mozart nicht
ausgeschlossen, vernommen, bester als un
sere blinde Muriel konnte keines spielen,
und so würde Jeder mit mir gcurtheilt ha
ben, hätte er an diesem Abend die wun
derbaren, glockenreinen Melodien durch
die vom sanften Mondlichte erhellte Kirche
oahinrauschen hören.
Nun das "Di Irav!" —Es wird
kommen über uns alle kommen! sprach
er leise.
Das Kind griff einige Akkorde; schwer
und schmerzlich hallten sie in der Kirche
wieder, nie das dumpfe Rollen fernen
Donners, dann aber brach sie mitten inne
ab, und indem sie den Flötenzug öffnete,
jubelte jüße, wonnevolle Musik durch das
stille Gotteshaus.
Das ist Händel's Messias: Ich weiß,
daß mein Erlöser lebt.
Sie spielte es meisterhast, und die kla
ren Töne des Diskant schienen gleich einer
menschlichen Stimme die Worte zu singen:
Ich wei ß daß mein Erlös er
lebt; er wird mich am letzten
Tage aus der Erdenauferwe k
ke n.
Und obgleich meinLeib ver
weset, wird dies mein Auge
doch sehen.
An dieser Stelle hörte sie auf.
Weiter, weiter! riefen wir Beide.
Jetzt nicht heute nicht mehr.
Wir vernahmen, wie sie ausstand und
die Orgel schloß.
Aber meine kleine Muriel hat ihr Lied
nicht beendet.
Sie wird es ein anderes Mal thun.
Mit ihren leisen, unhöcbarcn Schritten
schwebte sie die Treppe hinab, vom zittern
den Mondschein umleuchtet, und wir gingen
Alle drei aus der Kirche.
Lord Ravenel war sehr trübe gestimmt
an diesem Abend; er verließ Luxmore Hall
sür einige Zeil; wir ahnten den Grund,
da der Gras erwartet wurde. Als er uns
Lebewohl sagte, wandle er sich schmerzlich
bewegt zu seinem kleinen Lieblinge. Ich
wünschte, ick brauchte nicht von Dir zu
lcheidcn. Wirst Du mich auch nicht ver
gessen, Muriel?
Beugen Sie sich zu mir hernieder, ich
möchte Sie ansehen!
Wenn sie mit den zarten, feinfühlenden
Fingern über das Antlitz Derer strich, die
sie liebte, so nannte sie das, sie habe sie
nun gesehen. Nachdem die kleine Hand
über sein Gesicht geglitten, sagte sie:
Ja, ich werde Ihrer gedenken.
Und mich lieb behalten.
Gewiß, ich werde Sie immer lieb haben,
Bruder Anselms.
Nicht ihre Wange, nicht ihren rosigen
Mund küßte er, sondern ihre kleinen zarten
Kinderhände, und zwar mit einer Vereh
rung, als sei sie die Heilige, welche er an
betete, oder die Frau, die er in späteren
Jahren vielleicht lieben würde. Dann
ging er schnell von bannen.
Wahrlich, flüsterte die Mutter mir scher
zend zu, als sie nicht ohne einen gewissen
Stolz dem jungen Manne nachblicken
dessen schlanke Gestalt gerade zwischen den
alten, wohlbekannten Kastanienbäamen
verschwand wabrlich, die Zeit hat Flü
gel. Tie Sache wird ernsthaft ichtn
John? Fünf Jahre später wird Lord
Ravenel Murret lieben.
Unwillkürlich blickten wir Beide in das
ruhige, sanfte Gesicht, das bei aller Kinde
hcit etwas Engelhaftes hatte.
Slill! rief der Vater, als ob Ursula's
Prophezeiung eine Entheiligung enthalte;
dann aber spann er selbst den Scherz wei
ter und versicherte lachend, er würde bit
terböse sein, sollte es jemals ein junger
Mann wagen, sich in Muriel zu „verlie
ben."
Ter folgende Tag war zu der ersten
Probe mit der Dampfmaschine bestimmt,
gelang der Versuch, so wollten wir sogleich
von der Fabrik aus mit Extrapost nach
Lviigfield abreisen; denn wir Alle sehnten
uns nach Hause.
Unser Abschied von Enderly war trotz
dem ein wehmüthiger und Frau Todd,
unsere vortreffliche Mithin, brach in laute
Klagen und Thränen aus, denn sie hing
mit warmer Liebe an unseren Kindern und
versicheitc stets, daß jetzt da ihre Buben
erwachsen wären, sie keine Knaben wüßte,
die mit den unffigen verglichen werden
könnten. Und wahrlich, als die Brüder
in Erwartung des großen Ereignisses
ihren Kummer vergessend lustig vor
uns hersprangen, da möchte man wohl ver
geblich in der ganzen Umgegend drei so
schmucke, prächtige Knaben gesucht haben.
Ursula blickte, mit verzeihlichem, müt
terlichem Stolz aus ihre Söhne, während
John FrauTodd, die uns das Geleit gab,
stets von Neuem versicherte, wir würden
im nächsten Sommer Alle wiederkommen.
Langsam und vorsichtig schritt er dann den
Abhang hinab, in seinen Armen, von
warnnn Decken umhüllt, sein Kleinod,
seine kleine zarte Winterrose, seine einzige
Tochter tragend.
Vor der Mühle fanden wir schon eine
große Menschenmenge versammelt, denn
jetzt, da sein Unternehmen zur Reife ge
diehen, Halle John Halisar es allgemein
bekannt gemacht, daß er sortan seine Web
stühle durch Dampfkraft in Bewegung
: setzen würde, die einzige Möglichkeit, wie
; er unter den obwaltenden Umständen des
- Wassermangels die Fabrik in Thätigkeit
erhalten könne. Diese Nachricht war
e zwar mit großem Staunen, doch mit einer
? pewunderungswürdigen Ruhe sowohl von
, seinen eigenen Arbeitern, als von den Be
wohnern des ganzen Enderly - Hafte
e ausgenommen worden. Indessen mach.e
-j,.ch auch hier eine gewisse hochmuthlge.

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