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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, August 14, 1874, Image 1

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39. Jahrgang.
Ueberflcht der wichtigsten Ereig
iffe.
Während uns Coggw's Comct, vor dessen
Einwirkung aus die Temperatur der Erde und
ihrer Atmosphäre der schwitzenden Menschheit
von den Astronomen so bange gemachr wurde,
in Gnaden verschont hat und es im Juni und
Juli fast schien, als sei die Erdennähe des
Jrrsternes schuld, daß wir einen so angeneh
men und kühlen Vorsommer hatten, tommt
jetzt die Hitze mit einem Male und da schon
wieder ein Comel wenn auch für das bloße
Auge unsichlbar —am Himmel steht, so ist cS
selbstverständlich, daß diesem die Einwirkung
aus unsere Temperatur zugeschrieben wird.
Die Badegäste rüsteten sich bereits insalge des
kühlen Juli zum Ausbruch, die GebirgShotels
und Villen wurden verlassen und die Hoteliers
in den Modebädcrn zeigten bekümmerte Ge
sichter, plötzlich kommt ihnen die unenrägliche
Hitze zu Hülse und dieselbe versvricht die Ehre
des Sommers von >874 zu retten. Zn den
Ver. Staaten war der letzte Mittwoch der
heißeste Tag; in Baltimore und Washington
hielt sich das Thermometer aus Sommerhitze,
in nördlichen Städten wie Bussalo. Montreal
und Chicago stieg es dagegen auf Bluthitze
und Fieberhitze, d. h. hoch in die neunzig bis
hundert Grad und darüber.
Di Politik vc Vanies
gleicht in ihren Sprüngen der Temperatur
dieses Sommers. Während Oppositionssiege
im Süden seit der Emanzipation nur ''Ww
NN tili->iet'een" waren, siegte in den letzten
Wahlen in Nord Carolina und Tcnnessee die
Opposition mit fast überwältigender Majori
tät, so daß es sehr sonderbar zugehen müßte,
wenn die Radikalen beide e-laaten in den
nächsten Jahren wieder gewinnen sollten. Die
Republikaner können sich bei diesen ominösen
Niederlagen sagen, „das hat mit ihrerStrciige
die CivltrechtS-Bill gethan." Dießcfprechnn
gen der Möglichkeit eines dritten Termines
haben durch diese demokratischen Siege in
zwei tonangebenden Südstaaten einen Däm
pfer erhalten; dagegen gewinnen alle unab
hängigen Bewegungen in den westlichen Sta
aten ein formidaßes Aussehen. In Illinois
steht der Sieg der durch die mißvergnügten
Nevubiikancr verstärkten Demokraten sicher in
Ausficht, in Missouri und Kansas macht die
Bewegung der Unabhängigen gitteFortschritte
und in ersterem Staate sangen die Republika
ner, welche sie so lange verspotteten, bereits
an, dieselbe zu fürchten. Es ist sehr möglich,
daß Senator Schurz doch wieder erwählt
wird.
Der in letzterer Zeit viclbcfnrchtete und oft
besprochene
Siaffcnkricg
ist dieser Tage in dem kleinen Städtchen Au
stin, Miss., thatsächlich ausgebrochen. Ein
Weißer, Dr. Smith, gerieth aus der Straße
mit einem Neger in Streit und in der Hitze
zog er einen Revolver, schoß ans feinen Geg
ner, traf diesen aber nicht, fondern erschoß zu
fällig ein zwölfjähriges Negcrmädchen. Die
Neger, welche in jenem Landslädtchcn bedeu
tend in der Majorität sind, ergriffen den Dok
tor und schleppten ihn nach einem nahen Gc-
Hölze, um ihn dort aufzuknüpfen. Mapor
Woodion rettete den Mann und brachte ihn
in's Gefängniß. Da die Aufregung unter
deiiNegcrn sich immer mehr steigerte, so schickte
Mayor Woods'on den gesährdeicnSmith heim
lich nach Memphis. Jetzt wendete sich die
Eiirriistiing der Schwarzen gegen den Mapor
und dieser mußte flüchten. Der schwarze Pö
bet Icjchloß jetzt, das genzeStädchcn der Erde
gleich zu machen und die Weißen bewaffneten
sich und setzten sich im Gerichtögeöäudc fest.
Seitdem wüthet der Kampf mit abwechseln
dem Erfolge. Von Memphis sind seitdem zu
verschiedenen Zellen an lausend Menschen nach
dem Kriegsschauplatze abgegangen nnd wenn
es denFährcrn aus bcidenScilcn nicht gelingt,
die Leidenschaften im Zaume zu halten, dann
dürste es zu einem schrecklichen Blittbadc kom
men. Dieser erste Ausbruch des Rasscnkrie
ges hat nichts mit der Politik zu thun, denn
die Weißen von Austin, welche von den Ne
gern am Grimmigsten gehaßt werden, sind zu
fällig Republikaner. Die Vorpostengcfcchtc
zu diesem Rasftnkriegc ereigneten sich in der
verflossenen Woche in Tennessee gelegentlich
der Wahlen.
ist noch immer mit dem Schleier des Geheim
iilsses umhüllt. Verschiedene Male glaubte
man in der verflossenen Woche eine Spur zu
haben, einmal schien es sogar, als sei das ver
mißte Kind wirklich gefunden, aber jedes Mal
täuschte man sich und die Polizei ist heute noch
eben so klug, als vor sechs Wochen.
In ocr verflossenen Woche tagte in Detroit
Derselbe war von verschiedenen strebsamen
Schulmännern aus allen Theilen des Landes
besucht, und als Quintessenz der Verhand
lungen läßt sich der Beschluß über Gründung
eines deutsch amerikanjschenLchrer-Seminars
bezeichnen. Das Projekt hat unsere volle
Billigung und wir empfehlen eö von H-rzcn
der Unterstützung unserer Leser. Di: denlsch
amerikaillsche Schule braucht entschieden
dcnlsch amerikanische Lehrer, indem der deut
sche Schulmeister in derselben mit seinen be
schränkten Sprachlennlnissen, seinem Ballast
von Religionslehre nnd seinem oft nur be
schcidcnen Wissen in den nothwendigen Fä
chern, Geschichte, Geographie zc. in der amc
lakonischen Schule ohne einige Jahre der
Weiterbildung und Vorbereitung nicht ge
nügt. Selbst angenommen, daß die herüber
kommenden deutschen Lebrer gerade die gebil
detsten und strebsamsten sind, so muß doch Je
der, wenn er in der deutsch amerikanischen
Schule etwas Tüchtiges leisten will, von
vorne anfangen. Die Deutsch - Amerikaner,
welche eine Million und mehr für ihr Mut
tcrland halten, follteu auch KlOO,OOO für die
Bildungsbestrebungcn ihrer Rasse im neuen
Vaiertande aufbringen können. Die deutsche
Presse des Landes sollte es zur Ehrensache
machen, dafür zu sorgen, daß dieser Fond
ausgebracht werde, denn ihr nützt eine gute
deutsch amerikanische Schule am Meisten.
NuslanV.
Doutscklaud hat der erklärten Absicht, die
spanijchc Republik anerkennen zu wollen, die
That auf den, Fuße folgen lassen; die ande
ren Mächte werden sich ohne Zweifel beeilen,
dasselbe zu thun. Das Attentat wird noch
fortwährend von der deutschen Presse bespro
chen. Die uns aus Deutschland zugehenden
Blätter enthalten neuerdings auffällig viel
Berichte über Majestätsbeleidigung und de
ren Bestrafung. Die greise deutsche Majestät
scheint uns übrigens ein wenig zn zimperlich
zu sein, denn die unschuldigste Aeußerung
wird nachgerade von dcncfcken Denunzian
len benutzt, um dem Siebenmenschen einen
MajestätSbelcidigniigsprozcß an de Hals zu
bängcn. So äußerte kürzlich ein Würltem
berger Bürger im Wirthsyausc: „die schlech
ten Fürsten verdienten gehaßt zu werden."
Flugs war er festgenommen und nach einer
Untersuchungshaft vo.r 11 Wochen wittde der
arme Schelm vom Schwurgerichte mit 7 ge
Zen 6 Stimme freigesprochen; also eine
Stimme fehlte, und her Mann wäre wegen
einer allgemeinen Bemeriijiig der MajestätS
beleidlgung schuldig befunden worden. Die
ses ist ein lraurige Zeugniß für dje in
Deutschland herrschenden Rechtsverhältnisse;
aber auch ein Beweis von dem im gesegneten
Laterlande herrschenden Denunziantenthumc.
Frankreich hat wieder einmal ein: kleine
Sommer - Aufregung erhalten. Bazaine ist
iiäi.ilich durchgebrannt und somit befinden sich
zwei gefährliche Feinde des Septennals auf
tteien Füßen: der extreme Republikaner No
chesorl und der Bonaparttst Bazaine. Wir
glauben, daß Beide über die Zeit hinaus
sind, in welcher sie besonders gefährlich wa
ren.
Infolge des thätigen Antheils, welchen
das deutsche Reich neuerdings an der fpani
iiischen Angelegenheit nimmt, beginnt Chan
vin wieder bedeutend mit dem Säbel zu ras
seln. Der Kriegsminister de Eissey hat einen
Credit von 4 Millionen und eventuell 1 Mil
liarde verlangt. Das sieht sehr bps aus, ist
aber so schlimm nicht. Diese Verwilligung
ist nur Schaugcld, welches nicht, ausgegeben
werden darf, gerade wie der Sohn einer rei
chen Familie, wenn er auf Reisen geht, oft
einen ungeheuren Credit erhält, damit die
Bankiers Respekt vor ihm bekommen. Frank
reich wird sich sehr ruhig verhalten; es wird
tvird nicht nur die spanische Republik aner
kennen, sondern auch das Paschergeschäst mit
en Karlisten einstellen, denn der deutsche
Weltherrscher möchte sonst grimmig werden,
und eine solche Macht reizt man nicht gerne,
zumal wenn man so schwach und zerschlagen
,st, wie die ehemals große Nation.
Del Wappeuschw ndel iu Amerika.
Viele unserer Leser werden sich noch der
eigenthümlichen Krankheit erinnern, welche in
den fünfziger Jahren den ehrsamen deutschen
Bürgerstand und in vielen Gegenden sogar
die Bauern erfaßte; die Sehnsucht nach einem
Wappen zog damals durch alle plebejischen
deutschen Herzen, jeder Wllrzkrämer und
Lohgerber schrieb nach Leipzig oder Hannover
au einen Heraldiker und ließ sein vcrmiuhli
ches Wappen kommen, das sortan auf allen
Stuhl und Sophalchtien von den wappen
begeiftcrien Töchtern eingestickt wurde; auf
manchem Schuster- und Schneiderschilde
prangte fortan ein buntes Wappen, und
jeder Tabackssabntant oder Wunderdoktor
warnte die Verehrer seines Fabrikates vor
Fälschungen, die leicht zu erkenne seien,
.indem nur die ächte Waare mit seinem
Wappen gezeichnet sei." Man mochte da
mals Anblicken, wo man hin wollte, so
starrten Ew-m die Wappen des hochge
borenen sunsHichdttipig MiUiouenköPfigen
deutschen Michels entgegen, mit und ohne
visirten Ritterhelm, mit und ohne Quer
balken und rothen, schwarzen, blauen
und gelben Feldern; es war kein Zweifel,
daß auch der schäbigste Spießbürger sein
Wappen und seine hohen Aynen hatte, daß
die ganze deutsche 'Nation eine hochadeliae
war, und Rüxner's „Turnierbuch," sowie die
heraldischen Werke wurden in verschiedenen
neuen Auflagen rasch vergriffen. Das ganze
Unheil halte ein Götlinqcr Professor ange
richtet, und dessen Wappentheorie fand in
jenen Jahren der nationalen Misere und des
Polizcidrucks einen günstigen Boden. Wer
Nichts ist, muß Etwas ans sich machen, und
das Adetswappen der Vergangenheit war für
Viele, welche das Glück der Gegenwart ver
nachlässigte, ein Trost. Schreiber dieses
erinnert sich noch recht lebbaft eines hessischen
Suballcrnbcamtcn, der sich mit seinen 600
Thalern Gehalt gut bürgerlich durchschlug.
Ter brav: Mann konnte es nicht verwinden,
daß sein verarmter Urgroßvater freiwillig den
'Adel ausgegeben, und es ist zu befürchten,
daß er besagten Urgroßvater noch im Grabe
verfluchte. Mit großer Genugthuung wies
aber der Mann nach, daß seine Ahnen bei
dem Sterncrbund (einer berüchtigten hessi
schen Raubritter - Vereinigung) eine Führer
rolle gesviclt, nnd daß das Raubschloß seiner
mächtigen Vorfahren im Thale der Hanne
gestanden und durch Rudolph von Habsburg
zerstört worden sei.
Diese Wappcnkraukhcit ist augenscheinlich
im deutschen Volke verschwunden, das Volk
hat begonnen, aus's Reue die Bühne der
Weltgeschichte zu betteten, es hat sich selbst
schätzen lernen, und der vernünftige Deutsche
blickt heute mit dem Lächeln des Zweifels und
Hohnes auf den schäbigen Baron, der albern
genug ist, sich auf fein Wappen und seine
Ahnen zu berufen.
Eigenthümlicher Weise scheint aber jetzt in
den Ver. Staaten diese Krankhcir auszubre
chen, nicht sowohl unter den Deutschen,
sondern iinler den eingeborenen Amerikanern.
Es giebt wenig reiche Leute hier zu Lande, die
nichl an ihrem Kittschcnschlagc irgend ein
War"m anbringen lassen, und von gar vie
len v..nüi.frigen Leuten kann man hören, wie
sie von ihren Vorfahren, dein normannischen
Graftngeschlechle So und So, oder den bri
tischen Paus:c. erzählen.
'Nun wissen wir Alle recht wohl, wer diese
Grafen und Barone waren, welche vor zwei
hundert Jahren in Virginien uno Maryland
ihren Taback und ihren Kohl bauten; die
Meisten halten eine sehr nnritterliche Bergan
genheit und was die Ahnfrauen vieler FF's
betrifft, so weiß man, daß gar manche der
selben infolge jenes puritanischen Tugend
parcxismus wegen ihres zweiselhaftenGcwer
bcs aus London :c. ausgewandert wurde,
oder daß sie in England, Deutschland oder
Skandinavien mir schwieliger Hand denßeicn
geführt hat. Schars's Chronik von Balti
more zählt verschiedene Fälle auf, daß in den
Colonialzciteii ganze Schiffsladungen junger
Mädchen hier versteigert wurden und daß gar
manche dieser „weißem Sklavinnen" eine glück
liche Nummer zog und ipäterGattin eines rei
chen Handelsherrn wurde. Also von den Ah
neu laßt uns lieber schweigen, sonst dürfte
manchem hochachtbaren Manne und mancher
feinen, tonangebenden Dame ihrStammbanm
ebenso wenig zur Ehre gereichen, als dem
oben erwähnten hessischen Fiskalbeanttcn der
feine, trotzdem er auf die Raubritter von der
Hanne unbändig stolz zu sein schien.
Ein ähnliches Unheil, als jener GLttingcr
Professor durch seine Wappentheorie, hal jetzt
ein spekulativer New Ljorier angerichtet. In
dem Saale des„Society Bibliothekgebäudcs"
liegt ein dickes, reichgcbmideneeßnch, welches
angeblich die Slammbäiimc mchrererHundcrt
Familien enthält, und in das sich Jeder, wel
cher seine Verwandtschaft mit einer dieser Fa
milien nachweist, mit seinem ganzen Hanse
(e 'Name 10 Cts.) eintragen lassen kann.
Trotz der verlMnißmüßig hohen Auslage
haben sich, wie die „World" berichtet, schon
zahlreiche Gimpel fangen lassen, darunter ist
unser würdiger Präsident, ferner verschiedene
StaatS-Gouoernenre, mehrere Journalisten,
Advokaten, Kaufleute n. s. w. Wenn der
Ncw-L)or!er Gimpelfänger gleichzeitig eine
Wappensabrit etablirt, so wird er noch größere
Geschäfte machen, als die Herren in Leipzig;
nicht gerade, weil hier die Zahl der ehrgeizigen
Rabattes größer ist, als in Deutschland, son
dern weil diese guten Leute hier zu Lande mit
ui'.ler erschrecklich viel Geld haben.
Die Ailssicllltttg in Philadelphia.
Tie Commission der Säknlarseier hat ein
Cirkular bezüglich der Ausstellung veröffent
licht, ans dem wir nachstehend einen Auszug
geben:
Die Ausstellung findet im „Fairmonnt-
Parl" der Stadt Philadelphia statt, wird am
19. April 1367 eröffnet und am 19. Okt. des
selben Jahres geschlossen.
Die zehn Departements, in welchen die
Aiisst-lluligs - Gegenstände ihren Platz sin
den werden, sind folgendermaßen einge
theilt :
1. Rohprodukte ans dem Mineral-, Pflan
zen- und Thi.rrcich.
2. Materialien und Waaren, die zur Speise
oder in der Kunst verwandt und durch Extrak
tion oder sonst ein zusammengesetztes Verfah
ren hergestellt werden.
3. Gewebte und Filz Stoffe, Kleidung und
Schinnckgegenstände.
4. Möbel und Fabrikate für den allge
meinen Gebrauch bci'm Banen nnd in Häu
sern.
5. Werkzeuge, Geräthschaften, Maschinen
u. s. w.
6. Motore und Maschinen für denfsTrans-
Port.
7. Apparate, welche zur Vergrößerung und
Verbreitung der allgemeinen Kenntnisse die
nen.
3. Jiigeniciirweftn, öffentliche Werke, Ge
genstände der Architektur:c.
9. Darstellende und bildende Künste.
10. Gegenstände, die darstellen, welche An
strengungen zur Hebung der physischen, gei
stigen nnd moralischen Eigenschaften kerMen
schen gemacht worden sind.
Größeren Sammlnngcn werden bestimmte
Plätze angewiesen werden.
Gesuche für Gewährung von Raum sind
zurichten an den General-Direktor der in
rernationaleii Ausstellung, Philadelphia, Pa.
Für eine solche Gewährung haben dicAus
steller Nichts zu bezahlen.
Dampf und Wasserkraft wird in beschränk
tem Umfange gratis gegeben und bei der Zu
thciliing des Platzes festgestellt. Wenn'der
Aussteller eine größere Kraft braucht,wird ihm
dieselbe gegen einen sestenPrels vomCommis
är geliefert.
Derartige Ansuchen müssen ebenfalls bei
Zntheilnng des Platzes gemacht werden.
Auf ihre Konen habcn'dft AliSstellerSchan
tasten, Regale, Tische alle etwaigen
Riemen und Einrichtungen für Uebertraguilg
der Tampftrast von dem Maschinenraum zu
stellen.
Die Ausstellung und Ausschmückung von
Gegenständen hat in Uebereinstimmung mit
dem vom General - Direktor angenommenen
Plane zu geschehen.
Gefährliche oder das Auge beleidigende
Artikel, sowie Patent - Medizinen, Gcheim
mittel nd Präparate, deren Bestandtheile
unbekannt sind, dürfen nicht ausgestellt wer
den.
Das Entfernen von Objekten darf nicht vor
Schluß der Ausstellung geschehen.
Das Anfertigen von Skizzen, Zeichnun
gen, Photographie' oder sonstigen Darstel
lungen von ausgestellten Artikeln ist nur nach
eingeholter Genehmigung des Ausstellers
und des General - Direktors gestattet. An
sichten von einzelnen Theilen des Hanfes ton
nen auf Erlaubniß desGcucral-Dirctlols an
gefertigt werden.
Sofort nach Schluß der Ausstellung, oder
spätestens bis zum 3!. Dezember IB7si haben
die resp. Aussteller ihr Eigenthum zu entfer
nen. Mch dieser Zeit noch hier lagernde Gü
ter werden durch den Generaldirektor verkauft
oder sonst in anderer Pftift darüber verfügt
werden.
spezielle Regulationen werden bezüglich
der Ausstellung von Gegenständen ans dem
Gebiete der schauen Künste, der Organisation
der internationalen, der Preisrichter, der
Preisvertheiluno, des Verkaufs gewisser Ar
tikel innerhalb des Ausstellungsgcbäudes und >
andere in diesen Vorbcstimmungen nicht be-!
rührter Punkte erlassen werden.
Ein amrllchcs Verzeichnis, dessen Verkauf
die Eciiteniilal-Eommifsion überwacht, wird
in englischer, französischer, deutscher und spa
nischer Sprache gedruckt werden.
Tage-?jtkvigk.iten.
Das Bürean des Gen erst auwal ts
ist es nicht allein, gegen welchesklagen '.gen
Verschleppung oder unerlaubter V.rwendung
von SlaatSeigeiithum laut geworden sind.
In jedem anderen Departement werden Equi
pagen auf Stagtstostcn gehalten, und hat je
der Richter des Oberbuiidfsacrichtcs in seiner
Wohnung ein Zimmer, dessen ganze Ausstat
tung, von der Bibliothek bis zum Teppich
und Sovha, die Regierung lieferte. Außer
dem hat er noch ernen Diener zu feiner Ver
fügnng, der ihn im Gerichte und zu Hanse
bedient. Im Congreß und Senat geht es
kaum besser zu. Senatoren und Congreß
mitgljeder halten sich auf kosten der Regie
rung Setretäre und Stenographen und bezic
hen unglaubliche Quantitäten Schreibmate
rialien sind Zeitungen. Arbeiter und Amts.
Boten im Capital werden von Angestellten
als Dienstboten beschäftigt, und die Familien
der Staatsbeamten benutzen die Fuhrwerke
der Regierung als Marktwägen. In Befol
gung des von dem Oberrichter statnirtenExem
pel ließen auch die Mitglieder des CabinctS
mit einer einzigen Ausnahme in ihren Pri
vatwohnnngen ein Zimmer auf das Elegan
teste einrichten. In vielen Fällen haben Se
natoren und Congreßmitglieder in ihren Woh
nungen Mcublement, welches der Regierung
gehört und das sie ohne Zweifel zurückzilge
den gedenken. Erst jüngst wurde bekannt,
daß Solicitor Smith, jetzt fnngirender Sekre
tär des Innern, im vergangenen Dezember
James Brown als Arbeiter oder Boren ge
dungen und seinen Monatslohn von 60 ans
die Zahlliste des Departements gesetzt hat.
Brown hat für das Departement nie das Ge
ringste gethan, sondern stand ausschließlich im
Dienst der Smith'jchen Familie. Er hat
feineEntlassuug erhalten, welche am 15. Aug.
in Kraft tritt.
Ueber den neulich entdeckten Mißbrauch
im Finanz-Departement wird ser
ner berichtet, daß, wie es scheint, es zur allge
meinen lukrativen Praxis der Steuerbeamien
geworden ist, ihren Familien-Gliedern Appa
iiagcii ans Onkel Sam's Seckel zu bezahlen.
Ein Steuerbeamter hatte den Namen seiner
Fran auf die Gehalts-Zahlungsliste gesetzt
und ihr allmonatlich 1000 bezahlt (wird hof
fentlich wohl nur KIOO heißen sollen. A. d.
N.) Ein anderer setzte den Namen seines 8-
jährigen Töchterlcins als Kaiizlistin aus die
Zahlnngslisle und bezahlte ihr monatlich 75.
Viele derartige Fälle sind an das Licht gezo
gen worden und es war hohe Zeit, daß der
Finanzsekretär Gristow gegen diesen schreien
den Mißbrauch einschreitet. Vom 1. August
d. I. an dürfen keine derartigen Gehalte mehr
iu den Rechnungen erscheinen.
Ueber den jetzt grassirenden Co meten
Borell i 's schreibt Contre-Admiral Davis
von Washington, daß derselbe seinen Pcrihe
lion etwa um den 25. August Passiren wird.
Er wird Abends mit dem Teleskop ctwg bis
zum Ende des Monats und Morgens wäh
rend des ganzen September gesehen werden
können. Es ist nicht wahrscheinlich, daß er
glänzend genug werden wiro, um mit unbe
waffnetem Auge gesehen werden zu können.
Noch hat sich kein Schweif entwickelt. Die
von Vroftssor Newcomb bestimmte Bahn deu
tet an, daß der Comet ein neuer ist, da kein
bekannter Comet in einer Bahn sich bewegt
hat, die irgendwo der Bahn dieses Coiiiclcn
nahe kommt.
Unsere Herren College von der engli
schen Presse befolgen mit Bezug aus die
widerwärtigen Preiskeilcrcicn noch immer die
alte Taktik, in dem berichtenden Theile des
Blattes wird über die kleinsten Umstände treu
berichtet, auch der verächtlichste Gurgelab
schneider und das zweifelhafteste Frauenzim
mer, welche anwesend wäre, werden als
Prominenzen bezeichnet, dagegen wird edito
riell über das Unmoralische solcher Kämpft
gejammert. Ibis evon'r ckc>, Ihr Herren. So
bald die Presse weniger und die Staatsgewalt
mehr Notiz von solchem Sport nimmt, wird
derselbe aufhören. So lange aber das Inte
reffe der Leser täglich auf den Skandal gelenkt
wird, werden alle moralischen Artikel nicht
ausreichen, demselben ein Ende zu machen.
Die Blattern machen sich tnNew
Nork wieder in sehr fataler Weift bcmerk
lich. Allerdings kommen die meisten Fülle
in dem f. g. Shanty-Distrikt zwischen der 90.
und 100. Straße auf der Ostsette vor, allein
auch innerhalb der eigentlichen Stadt sind
Erkrankungen neuerdings nicht selten. In
der vergangenen Woche kamen im Blattern-
Hospitale ans Blackwells-Jsland SO und m
der Stadt 3 Todesfälle vor; die Zahl der
neuen Erkrankungen betrug 30. Als Grund
für das erneuerte Umsichgreifen der Krankheit
giebt Dr. Harris, von der Saniläts-Behörde,
die unter den niederen Klassen der Italiener
und Jrländer verbreitete Furcht vor dem Ho
spitale an. Diese Leute verbergen Erkrankun
gen jo lange als irgend möglich, um die Ue
berführung der Paiienten nach dem Blattern-
Hospitale, vor dem sie eine abergläubische
Scheu hegen, zu vermeiden, wodurch der An
steckung Thür und Thor geöffnet wird. Die
Sanitätsbehörde hat beschlossen, energische
Schritte zu thun, um diesem Unfug zn
steuern.—Das Mährchen, daß der Wind den
Anstecknngsstofs vom Blatternhospitale nach
der Stadl hinüber wehe, wird von Aerzten
als höchst albern und lächerlich erklärt.
Bei Centreville in St. Clair County, Jll.,
wohnt seit mehr als einem Vierteljahrhundert
ein deutscher Sonderling, Na
mens Andreas Lieben, von aller
Welt geschieden, auf feiner einsamen Farm.
Er steht am Anfange der scchsziger und sieht
intelligent und rüstig aus. Dieser Tage er
hielt er Besuch von Gcrichtspersonen und an
deren Bürgern, weil das Gerücht ging, bei'm
Tode seiner alten Frau fei es mcht mit rechten
Dingen zugegangen. Doch ergab sich, daß
dies Gerücht keinerlei Begründung hatte. Zu
gleich stellte sich aber heraus, daß Lieben, der
„wilde Andres" genannt, feit Jahren mit sei
uer Stieftochter, der rechten Tochter feiner jetzt
verstorbenen Frau, in wilder Ehe gelebt und
mehrere Kinder mit ihr gezeugt hat, die er
ohne, allen Unterricht heranwachsen läßt.
Seine Stieftochter und Concnbine will jetzt
Nichts mehr mit ihm zu thun haben, wiewohl
er sich erbietet, sich jetzt mit ihr trauen zu las
fen. Leute, die es gut mit ihr meinen, haben
ihr gerathen, sich wirklich mit ihm trauen zn
lassen und wenn sie dann nicht mit ihm zu
sammen leben wolle, eine Scheidung zu er
langen, und eine gleichzeitige Theilung des
Besitzthums; die Farm, gänzlich schuldenfrei,
ist nämlich viel Geld werth. Nachbarn wol
len den Kindern jetzt eine gute Erziehung an
gedeihen lassen. Die Kleidung des „wilden
Andres" ist reinlich, aber stark geflickt und
nicht immer mit demselben Stoffe, aus dem
das ausgebesserte Kleidungsstück von Hanse
ans bestand; io ist z. B. sein Hut, der ur
sprünglich von weißem Filz war, mit viel
leicht einem Dutzend Flicken besetzt, unter de
nen sogar Calieo- uns weiße Leimvandstück
cken. Die Schuhe, die der sonderbare Mensch
trägt, find aus roher Ochsenhaut und ohne
Zweifel von ihm selbst gemacht.
Nach dem BucheMormonist das jetzi
ge Jahr das letzte der Herrschaft Brigham'S.
Er ist jetzt 74 Jahre alt.
In San Luis ObiSpo, Cal., ist die
Indianerin Li-li-la im Alter von 120 Jahren
gestorben. Sie half an dem Bau der Mis
sions-Gebätide vor 102 Jahren.
Aus Jersey-City wird belichtet: „Er
wird sie nie Heirathen, der tugendhafte Pfar
rer Glcudcniiy sein ftißcs Schäfchen Mary
Pomcroy nämlich. So versickert mit Em
Phase des Pfarrers Anwalt. Das gegenthei
lige Gerücht soll von den sechs hervorragenden
Kirchen - Mitgliedern ausgesprengt worden
seui, welche nach des Pastors Behauptung
mit der schönen Orgamstin ebenfalls Schäfer
stündchen abgehalten haben. Nun sage Einer
noch, daß aus den Höhen von Jersey-City kein
idyllisches Leben gesührt wird!"
Ein Pennsylvanisch-Deutschcr, H r. H ein
rich Lößner aus Laneaster, welcher seine
alte Heimath besuchte und eine begeisterte Lob
rede auf die große Republik hielt, wurde ein
gesperrt, aber später auf Verwendung des
amerikanischen Gesandten wieder freigelassen.
In der New - P ork er Wasserheil
anstalt des deutschenHcilküiistlersDr.Schif
ftrdccker starb vorgestern Frau Jsabella Pot
ter, 25 Jahre alt, an falscher Behandlung.
Die Leichenschau ergab folgende Thatsachen:
Dr. Chas. A. Scale sagte aus: „Am 7. Juli
besuchte mich der Vater der Frau Potter und
händigte mir eine Notiz ein, in welcher ge.
sagt wurde, dqß die Verstorbene an kaltem
Brande leide und daß es wünschenswcrth sei,
dieselbe nach dem „Roosevelt Hospital" zu
schassen. Der Vater sagte damals, sie sei in
einer Kaltwasscr-Heilanstalt in 22. Str. und
Schifferdecker habe versprochen, sie in secks
Wochen zu knriren. Als der Varer sich zuerst
nach ihr erkundigte, sagte ihm Schisftrdecker,
sie befinde sich aus der Besserung. Die Eltern
der jungen Frau halten die Stadt aus einige
Zeit verlassen und brachten, als sie zurück
kehrten, die Wärterin nach dem Institute in
22. Str. Die Wärterin fand Frau Potter
über und über mit nassen Tüchern bedeckt, nnd
dieselbe hatte in diesem Zustande mehrere
Tage dagelegen. Schisftrdecker fchien den Zu
stand der Frau gar nicht zu kennen, bis er
davon durch die Familie der Frau Potter be
nachrichiigt wurde. Dann fandte Schiffer
deckcr nych einem Arzte, welcher die kranke
untersuchte und hje schon erwähnte Nore an
den Vater her Krqykxn sandtx. Der Vater
bat im „Roosevelt Hospital" um Ausnahme
für feine Tochter, dieselbe wurde verweigert.
Schtfferdecker erklärte darauf dem Vater der
Kranken, er könne diese nicht mehr in seinem
Hanse behalten. Der Zeuge besuchte die
Verstorbene zum ersten Male am 7. Juli und
die Wärterin sagte ihm gleich, die Patientin
fei nickt nur gänzlich darchwässcrt, sondern
auch über und übcx mit Wunden bedeckt,
welche in Fäulniß übergegangen seien und in
welchen Maden herunikröchen. Daraufhin
besuchte der Zeuge die Verstorbene und fand
ein wohlgebautes Frauenzimmer in schreck
lichem Zustande ans schmutzigem Lager. Frau
Polier w.r im Delirium, herbeigeführt durch
das Ausbrechen der Eiterbeulen. Der Zeuge
war bestimmt der Ansicht, daß diese nur durch
das wochenlange Anwenden von Wasser ent
standen seien. Auf dem Unterkibe befanden
sich große blaue Flecken, offenbar entstanden
durch die Anwendung von Wasser, und der
Zeuge erklärte den Eltern sofort, daß Frau
Potter nicht wieder hergestellt werden könne,
Baltimore, Md., Freitag, den 1-l- AuM 1874.
weil das Eitergift in den ganzen Körper ein
gedrungen fei; ihre Fortschaffung aus dem
Hause in der 22. Str. habe er für unmöglich
gehalten, weil eie Frau zu schwach war. Der
Zeuge beschreibt den Zustand, in welchem sich
das Zimmer und das daranstoßende Bade
zimmer befanden, als geradezu Ekelerregend,
und sagt, er habe sich mehrere Male an die
Adoptiv-Tochter Schifftrdecker's gewMdt, um
reines Bettzeug zu erlangen, ohne jeden Er
folg, und schließlich habe eres nur durch Dro
hungen dahingebracht, daß man der Kranken
reine Bettwäsche geliefert habe. Der nächst
Zeuge, Dr. Edward C. Seguin, Nr. 17, Ost
17. Straße wohnhaft, hatte Frau Jsabella
DePuy, der Mädchenname der Verstorbenen,
welche erst drei Monate vor ihrem Tode sich
verheirathete, im Oktober 1873 behandelt.
Sie litt damals an einer Lähmung im rech
ten Beine und Zeuge verschrieb ihr damals
Strychmn in kleinen Dosen. Zeuge batte auch
die Obduktion vorgenommen und crtlärte,
daß der Tod in Folge von Erschöpfung, her
beigeführt durch die vielen Eiterbeulen, einge
treten sei. Susan McDermott, die Wärte
rin, bestätigte die Aussagen des Dr. Leale mit
l Bezug aus den scheußlichen Zustand, in wel
chem sich das Zimmer, in dem die Pattentin
lag, befand. Sie sagte ferner aus, daß Schis
fetdccker sich fünf Tage lang gar nicht n-,ch
der Kranken umgesehen habe. ChristianC.J.
Schtfferdecker wurde dann auf den Zeugen
stand gerufen und satte, er führe in dem
Hause Nr. 313, West 22. Straße, eine Kalk
wasscrheilanstajt. Er habe kein Doktordiplom,
habe aber zwei Jahre in Leipzig stndirt. Frau
Potter sei etwa zwei Monate vor ihrem Tode
in sein Hans gekommen, sie habe an rheuma
tischer Lähmung der unteren Extremitäten ge
litten. Er habe sie mit Kaltwasserumschlägen
behandelt und keinerlei innerliche Medizin
verordnet. Nachdem Frau Potter etwa drei
Wochen in seinem Etablissement gewesen,
habe er sie untersucht und die offenen Wim
den entdeckt, worauf er oann einen Arzt her
beigerufen habe, welcher die Ueberführung
der Verstorbenen in ein Hospltal für nöthig
eiklärte. Schiffcrdecker machte feine Aussa
gen in aufgeregter nervöser Weife und, als er
um Erklärung eines medizinischen Ausdrucks
ersucht wurde, sagte er, er habe die Bedeu
tung desselben vergessen. Coroncr Wolt
man hielt eine längere Ansprache an die Ge
schworenen, woraus dieselben sich zurückzogen.
'Nach etwa halbstündiger Berathung brachten
sie den folgenden Wahrspruch ein: „Wir
finden, daß der Tod der Jsabella Potter durch
die verbrecherische 'Nachlässigkeit des Dr.
Schifserdccker herbeigeführt wurde, indem er
ihr Verbleiden in seinem Hause gestattete. Der
Gesundheitsrath sollte daraus sehen, daß
solche Anstalten unter der Ueberwachuiig eines
competenten Arztes stehen." Dr. C. I.
Schifferdecker wurde in Folge dieses Wahl
spruches unter 2500 Bürgschaft gestellt.
Die Flucht Baz a i ne' s von der Insel
Sanne Marguerite hat für Frankreich weiter
keine Bedeutung, als daß der Marschall, wel
cher sich früher in einem nicht allzuengcn fran
zösischen Gefängnisse langweilte, sich künstig
in dem für Franzosen ziemlich weitenGcfäng.
niffe Ausland wird langweilen müssen. Eine
Rolle kann Bazaine inFrankreich vorerst nicht
spie'cii.
Die Neger von Joh nson-County,
M 0., feierten den Jahrestag der Emancipa
tion der Sklaven >n Jamaica bei Eentre-
View, einem kleinen Orte des Connty's.
Während der Feier brach ein Streit aus, der
bako zu einem Kampfe Allergegen Alle wurde
nnd bei welchem Pistolen und Rasirmesftr die
Hauptrolle spielten. Ueber zwanzig Personen
wurden verwundet, eine gctödtet. Unicr den
Verwundeten befindet sich auch ein Weißer,
Namens Haines, welcher zufällig cinenSchnß
erhielt.
Nach der Angabe des Sekretärs der
„9k ati oiia lG rang er-A ss ociat io n "
vermehren sich die einzelnen Logen außeror
dentlich ; denn im letzten Juli sind 500 neue
Logen errichtet, wovon die meisten den südli
chen Staaten zugehören. Es giebt nun im
Ganzen 20,000 Farmer- oder Grangerlogen
mit 800,000 Mitgliedern. In den südlichen
Staaten sind jedoch die 'Neger von den Logen
ausgeschlossen.
Der amerikanische M usik - Narr Gi l
more hat jetzt ein nur aus Deutschen b- ste
hendes Orchester, welches er sehr hoch schätzt,
wie ans folgendem Vorfalle erhellt: Hr.
Gilmor hatte vorige Woche einem Biifsalo'er
„Nabob" versprochen, in dem Palaste dessel
ben an Delamarestraße eine „Soiree" zu ge
ben. Zur bestimmten Zeit fand er sich mit
seinen Musikern dort ein. In den glänzend
erleuchteten Sälen und Parlors waren etliche
400 eingeladene Damen und Herren versam
melt, um den klängen der herrlichen Musik
zu lauschen. In den Zwischenpausen wur
den „Champagner in Eis," andere fcineWcinc
und Delikatessen aller Art von Dienern in
reicher Livrc servirt, aber nur den einge
ladenen Gästen und Hrn. Gilmor—w'äh.
rend man für die Musiker scchsFaßLier
aufgelegt hatte. Obgleich sie sonst keine Ver
ächter des schäumenden Gerstcnsanfts sind,
saudeii die Musiker doch eine Beleidigung da
rin, daß man ihnen bei dieser Gelegenheit
Bier vorsetzte, nnd Hr. Gilmor gebot'ihncn,
es nicht anzurühren. Als im Laufe des
Abends der-Fcstgeber den Musikern ftinCom
plimcut machte und sich bei Gilmor erkun
digte, wie sich „seine Leute" amüsirten, sah
er denn auch, daß sie das B-cr nicht ange
rührt hatten und som t „Durst litten." Auf
seine Frage, was dies zn bedeuten habe, ant
wortete ihm Hr. Gilmor trocken, seine Leute
seien zwar Deutsche, trinken aber kein
Bier, sondern nur Champagner,
und seien nur an die edelsten Weine gewöhnt.
Dieser Wink mit dem Zaunpfahl war genü
gend, die 6 Faß Bier im Umsehen verschwin
den zu machen. Keine drei Minuten später
standen 25 Flaschen Champagner und 25Fla
jchcn Rheinwein auf dein Büffet neben dem
Musikstande, und daß die „Leute" des Hrn.
Gilmore den 50 Burschen rasch die Hälfe zcr
brachen und überzeugend bewiesen, daß sie an
„edle Weine" gelvöhnt waren, brauchen wir
wohl nicht zu versichern. Ob der „Nabob"
sich darüber gewunden hat, daß Musiker und
namentlich Deutsche, Champagner dem Ger
stensaft vorziehen, konnten wir noch nicht in
Erfahrung bringen, vermuthen es aber mit
gutem Grund. Jedenfalls hat Gilmore's
deutscheMusikgesellschaft bei den dottigenAme
rikanern dem deutschen Namen und deutscher
Musik Ehre gemacht und dajür müssen wir
ihm öffentlich Anerkennung zollen.
Das schönste „Baby" in Kansas
wird dicAuszeichnnug erhallen, in einem Ain
derwagen gefahren zu werden, dessen sich kein
europäischer Prinz von ächtem und unzweifel
haften, Geblül zu schämen braucht. Ein
Handliingshaus in Leavenworth, Kam'., hat
neinlich bei der „Manufacturing Comp." in
Montpellier, Vt., einen Kinderwagen bestellt,
der bei einer demnächst in Kansas abzuhalten
den Staatsausstellung demjenigen „Baby,"
welches von den Preisrichtern als das schönste
erklärt wird, verehrt werden soll. Der Wa
gen, welcher bereits abgeschickt wurde, soll ein
Meisterwerk feiner und geschmackvoller Arbeit
sein. Die Malereien im Innern sind das
Werk des Hrn. Friedrich Schade und erregen
durch ihre knnst- und geschmockvolleErfindiing
und Ausführung allgemeine Bewunderung.
Vor etwa fünf Wochen kam eine polnische
Familie, aus Vater, Mutter und einer drei
undzwanzigjähngen Tochter bestehend, nach
der Gegend von Lo we l l i n Ne br as ka,
und begann ein Blockhaus zu bauen. In ih
rer Begleitung befand sich ein nennzehnjähri
gec Deutscher Friedrich August Marbach. Er
ist ein Schornsteinfeger aus Elberfeld. In
Chicago hatte die polnische Familie ihm Kto
geliehen. Was weiter vorgegangen, zeigt fol
gcnder Brief: „Lieber Schwager. Als ich
Hamburg verließ, wurde ich mit einer polni
schen Familie bekannt. Dieselbe überredete
mich, mit nach Lowell, Nebr., zu gehen. Als
wir nach Chicago kamen, war mein Geld alle,
nnd sie streckten mir K4O vor. Ich habe ihnen
dann helfen ein Haus bauen und habe für sie
gearbeitet. Sie wollten aber die K4O zurück
haben. Da haben sie immer gezankt, Ins ich
bös wurde und cuies Morgens in ihr Zim
mer ging, die Ax: nahm und einem Jeden ei
neu Hieb mit der Axt gab. Ich wollte dann
fort, sie haben mich aber eingefangen, und ich
bin jetzt an Händen und Füßen gefesselt. Sage
Vater, daß er herüber kommen soll, oder doch
wenigstens Geld schicken, um mich vor Gericht
vertheidigen zu lassen. Er wird aber wohl
Nichts für mich thun wollen, wenn er hört,
daß ich fy 'was begangen habe. Mit herzli
chen Grüßen und küssen an Dich und meine
Eltern verbleibe ich Euer undankbarer Schwa
ger ynd Sohn Friedrich Uugust Harbach."
Die Grangcx und Fqr>„ex in
den Vcr. Staaten sind entschlossen, eine
Eisenbahn von dem Westen nach dem Osten
mit Doppclgcleis selbst zu bauen, da der letzte
Congrcß ihre Beschwerden wegen der hohen
Fahrfrachren der Eisenbahnen unberücksichtigt
gelassen hat. Sie haben bereits in Chicago
kürzlich eine Versammlung zu diesem Zwecke
abgehalten, an welcher sich auch viele östliche
und westliche Kapitalisten zustimmend bethei
ligt haben. Das Associations-Systcm ist das
einzige Rettiingsmittel gegen allen politischen
und sozialen Druck. Die Granzer machen
sicher einen weisen Gebrauch, indem sie sich
das Eigenthum einer neuen Eisenbahn sichern,
auf welcher sie ihre Ackerbauprodukte mit der
billigsten Fracht nach dem Osten und nach den
östlichen Häfen transportiren können.
Die Staats - Ackerb au - Conven
tion von Georgia hat die Wiederein
führung des Wuchergefetzes empfohlen.
MegrkpMo Depeschen.
Inland, Depeschen.
Amerikanische Werthpapicre in
Deutschland.
Washington, 11. Aug. Unser Con
ful in Frankfurt a. M. schreibt an das
StaatS-Departement, daß die rascheZunahme
der Banken in Deutschland während des Jah
res 1862 die nemlichen unheilvollen Folgen
gehabt hat, welche man damals voraussetzte.
Viele dieser Banken wurden genöthigt, zu li
quidiren, und aus Allen ruht ein gewisses
Mißtrauen. Die Folgen waren höchst unheil
voll für kleine Spekulanten.
Das Fallen von Eiscnbahnstchcrheiten in
diesem Markte hat alle unhcttvollen Prophe
zcihnngen wahr gemacht. Eisenbahn-Obli
gationen aus den Ver. Staate, welche genü
gende Sicherheit boten und bedeutende Zinsen
versprachen, wurden zu niederen Preisen an
Frankfurter Bankiers verkauft, welche diesel
ben zu höheren Preisen an kleine Spekulan
ien absetzten. Man ist sehr im Irrthume,
wenn nian glaubt, daß die reichen Bankiers
in Europa die einzigen Inhaber der amerika
nischen Werthpapiere seien. Eine große
Quantität derselben ist in den Händen kleiner
Händler nnd Handwerker, deren einziges Ein
kommen die Zinsen bilden. Gegenwärtig ha
ben so viel Eisenbahnen versäumt, ihre Zin
sen zu zahlen, daß diejenigen, welche wirklich
zahlen, die Ausnahme von der Regel bilden.
Infolge Dessen sehen die Deutschen alle
amerikanischen Papiere mit Mißtrauen an.
Der Bankerott der Staaten Georgia und
Alabama hat den Credit von amerikanischen
Staaten gänzlich rninirt. Die Deutschen
können nicht einsehen, wie ein Staat mit sol
cher Steucrkrast und solchen Hüifsqucllen
bankerott sein kann, sie glauben deshalb, daß
man sie getäuscht und betrogen hat.
Die Ehre und der Credit unsercr Nation
sind gefährdet worden durch die Rücksichts
losigkeit und Unvorsichtigkeit, mit welcher
Staaten und Corporaiionen das Recht erhiel
ten, Bonds auszugeben.
Der Consnl spricht am Schlüsse die Hoff
nung ans, daß die verschiedenen Staaten
bald in die Lage kommen möchten, den Ver
bindlichkeiten gegen ihre europäischen Schuld
ner gerecht zu werden.
TöSttilkcr Etkenbayn-Unfall.
Bridgeporl, Conn., li. Aug. Jo
hann Bettcrmann, ein nüchterner, fleißiger
Bürger, wurde gestern von einem Personen
zuge überfahren und sofort gctödtet. Der
Zugführer sah ihn aus demGeleift lieg-', aber
nicht zeitig genug, um denZiig rechtzeitig zum
Stehen zu bringen. Bettcrmann wurde ge
stern ausbezahlt, doch fand man kein Geld bei
ihm, so daß die Vermuthung nahe liegt, daß
er erst beraubt und dann auf das Geleise ge
schleppt wurde.
Eine neue Spur des geranvtcn
Eyarles Brcwster Nssi.
Troy, N.-U., 10. Aug.—Eine Spezial-
Depefche aus Bennuigton, Vt., an die hiesige
„Times" meldet, daß daselbst ein Frauenzim
mer, Namens Flynn, verhaftet wurde. Sie
führt ein Kind bei sich, welches der Beschrei
bung des geraubten Charles Brcwster Roß
entspricht, nnd die Aussagen des Frauenzim
mers sind widersprechender Art.
Philadelphia, 10. Aug. —Vom Po
lizei Chef in Bcnilimfton, Vt., sind Privat-
Depeschen au hiesige Freunde des Hrn. Roß
eingelaufen, durch welche die Verhaftung
eines Frauenzimmers, welches einen kleinen
Knaben bei sich führt, der dem geraubten
Charlie Roß ähnlich ist, bestätigt wiro. Das
Frauenzimmer gibt ausweichende Antworte!!.
Eine zweite Depesche bittet um ein genaues
Signalement des vermißten Kindes. Eine
dritte Depesche aus Veiiningtoii, welcher aber
die Unterschrift des Polizei Chefs fehlt, mel
det, das Kind habe gesagt: „Ich heiße Char
lie Roß, aber Mama will nicht, daß ich es
irgend Jemandem sage."
B ennington, Vt., 10. Aug. Frau
Fredcrick Hami'ton, srüher Mary Flynn aus
Bennington, Vt., ist heule verhaftet worden,
da sie ein Kind bei sich führte, welcher der
Beschreibung des geraubten Charlie Roß ent
spricht. Haar und Augen des Knaben ha
ben dieselbe Farbe, wie die in dem Signale
ment angegebenen. Das Haar ist kürzlich
geschnitten worden. Er hat dasselbe Alter,
spricht deutlich, sagt, sein Name sei Charlie
vnd er habe einst eine schone Heimath gehabt.
Indeß sind Umstände vorhanden, welche es
unwahr>cheinlick inachen, daß er mit dem
Vermißten identisch sei. Fred. Hamilton ist
ein Angestellter in P. T. Varuum's Cirkus
nnd steht mit seiner Frau in Correspondenz.
Sie sagt, das komme von New ?)ork. Poli
zistcn warten auf das Eintreffen'einer genaue
ren Beschreibung des Knaben.
Philadelphia, 11. Aug. I. W.
Lewis, ein Onkel des geraubten Charlie Roß,
reiste gestern Abend von hier nach Penning
ton, Vermont, ab, um das dort gefundene
Kind zu identifizircil; er telegraphirte heut:
Abend, daß dasselbe nicht Charley Roß sei.
Der Fälscher Vau Etteu.
New-Jork, it. Aug.— Als man den
Koffer des Fälschers Ban Elten untersuchte,
fand man verschiedene Bahn - Bonds und
Schmucksachen imWcrthc von K 15,000, sowie
20 Bankaktien. Heute Abend wurden noch
mehrere Complicen des Verbrechers verhaftet.
Ein Löwe in Freiheit.
Schcneetady, N.-V- 12. Angnst.
Während ein mit einer Menageric verbunde
ner Cirkus gestern Abend ans dem Wege von
hier nach Saratoga war, collidirte der Wag
gon, aus welchem der Löwcnkäfig sich befand,
einige Meilen südlich von Ballslon mit dem
Balkenwerk einer Brücke. Ter Käng wurde
zertrümmert und der Löwe war in Freiheit.
Er sprang durch das Feld, kehrte um und
sprang auf einen Waggon, in welchem sich
Pserde befanden, von denen der Löwe mehrere
mit seinen Tatzen verwundete. Man wurde
endlich seiner durch eine List wieder habhaft.
Es wurde cinKalb gctödtet und in einen Gü
terwaggon geworfen. Der Löwe sprang sofort
nach und wurde auf diese Weise gesangen.
Giseubayn- Uuglttck. Mnf Per
sonen ans der Stelle todt nnd
fünfzehn vis zwanzig schwer
verletzt.
St. Albans, N.-A., 13. Aug. Der
Nacht-Exprcßzug von Boston nach Montreal
auf der „Passnmpsie - Southwcstern - Bahn"
verunglückte heule Morgen in der Nähe von
Richford, Vermont. Folgende Personen wur
den gctödlct: Maschinist Lancot, Bahnmeister
E. S. Harris, Eondukteur Qmnbv, der Hei
zer und ein kleines Mädchen. Zwei Aerzte
sind aus einem Hütfsznge nach der Unglücks
Stelle abgegangen. Ueber 30 Personen sind
mehr oder weniger verletzt.
Richford, Vt., 13. August.—Das Un
glück wurde durch einen Weichenwärter ver
anlaßt, welcher versäumte, dem Zuge ein
Signal zu geben, daß die Brücke von der
Flulh fortgeschwemmt war.
Die Verletzten waren größtcntheils Cana
dier; Einige werden schwerlich mit Leben da
vonkommen.
Die Ueberschwemmuilg, welche die Brücke
hinwegsührte, war eine sehr bedeutende; die
selbe Hai auch noch andere Brücken beschä
digt, und dem Saaten in jenem Thale gro
ßen Schaden gethan.
Rauvmors in Delaware.
Wilmliigton, Del., 9. August.—Die
Leiche eines wohlhabenden Viehhändlers,
Namens Robert A. Mackey, ist in einem
Bache in der Nähe von Odessa gefunden wor
den. Es liegt ein Raubmord vor, und die
Polizisten suchen eines Individuums, Na
mens Joseph Taylor, habhaft zu werden, da
'derselbe zuletzt in Gesellschaft Mackey's gese
hen wurde.
Wilin ington, Del., 9. August. - Am
Freitag Abend, deniZl.Juli, wurde imDraw
yers Ereck bei Odessa in Wilmington-Coniily
der Leichnam eines Mannes gefunden. Der
selbe lag augenscheinlich schon mehrere Tage
im Wasser und war daher bereits ziemlich in
Verwesung übergegangen. Es wurde an dem
Leichnam nichts gesunden, wodurch man ihn
hätte idcntiftciren können. In seinen Taschen
waren zwar einige unbedeutende Artikel, aber
er hatte keinen Cent Geld bei sich. Keine Uhr,
kein merthvolles Ding ließ sich an ihm ein
decken. DieCoroners-Unterjnchung wurde gc
halten der Form wegen, cinVerdilt abgegeben
und die Leiche beerdigt. Niemand kümmerte
sich um das Geheimniß, das hinter dcrAuffin
bnng jener Leiche verborgen war. Am vorigen
Freitag aber erfuhr man, daß der Name des
Verstorbenen Roberl A. Mackey sei. Der
Mann war Viehhändler und wohnte in Lewis
ville, Chestcr-Connty, nicht wett von dem Orte
entfernt, an welchem Udderzook feinen Mord
vollbrachte. Am Mittwoch, den 29.Juli, fuhr
er nach Newark inDelaware und traf auf dem
Wege einen Mann, Namens Joseph Taylor,
der in d.r Nähe von lennersville, dem vor
maligen WohnorteUddcrzoot's, wohnt. Nach
dem sie Beide tüchtig poeulirt hatten, fuhren
Mackey und Taylor mit einander nach St.
George's, das mehrere Meilen von Newark
entfernt ist, und dort fingen sie abermals zu
trinken au. Macke bezahlte die Zeche und
ließ dabei viel Geld sehen, während Taylor
arm wie eine Kirchenmaus zu sein schien.
Von jener Zeit an hat man den Mackcy le
bendig nicht wieder gesehen. Taylor erschien
später in Odessa und hatte Mackey's Pferd
und Buggy im Besitz. Als er im Hotel an
hielt und feine Rechnung bezahlte, ließ er viel
Geld sehen. Er fuhr weg und am Donnerstag
kehrte er nach Middlctown in der Nähe von
Odessa zurück, verkaufte dortPferd undßuaq
für die Hälfte des Werthes und verschwand
Am Freitag fand man Mackey's Leichnam
nnd jetzt sagt man, daß derselbe die Merkmale
einer an ihm verübten Gewaltthat getragen
hat, obgleich das Verdikt der Coroncr's - Jury
mchts davon erwähnt. Gestern Abend kam
Mackey's Bruder nach Middletown, um die
Ausgrabung der Leiche zu veranlassen. Diese
Affaire erinnert an den von Udderzook verüb
ten Mord und alle Umstände deuten daraus
hin, daß auch hier ein Mord verübt war -cn
sei. Taylor soll von jeher in schlechtem Ruf
gestanden haben. Derselbe hat seines Vaters
Unterschrift zn betrüglichen Zwecken gesällcht
und andere verbrecherische Handlungen began-
Schändliches Verbrechen eines
Negers. Lynchjnstiz.
Columbia, S. C., 12. Aug. Ein
Neger, Namens Henry Glover, schändete am
Samstag zu Lexington eine geachtele weiße
Frau und richtete sie mit Schlägen furchtbar
zu. Er wurde heute eingefangen nnd ge
lyncht.
Der Rassenkrieg in Arkansas.
Memphis, 11. Aug. Eine Spezial
depesche von Helena, Ark., an das „Appeal"
meldet, daß gestern Abend Ii Uhr drei Damen
und zwei Herren in einem Kahne von Austin
dort eintrafen und berichteten, daß in dein
Städtchen ein offener Kampf wüthe. Gestern
Abend schickte der Posten - Commandant 25
Mann die Eisenbahn entlang bis Coldwatcr-
Station, wo sie einen Posten von 20 Negern
aushoben und entwaffneten. Einer derselben
suchte zu entfliehen und wurde erschossen;
hierauf entstand ein Durcheinander, bei wel
chem ein anderer Neger verwundet wurde.
Abends spät rückte eine starke Anzahl bewaff
neter Neger vom Süden an; dieselben trieben
die Weißen zurück und attackirten die Stadt.
Die Weißen wurden bis in das Gerichtshaus
znrnckgctrieben. Sie machten später einen
Ausfall und trieben die Neger zurück, welche
mehrere Todte und Verwundete hatten. Der
Kampf dauerte noch fort, als unser Gewährs
mann abrcis'lc. Als der Kahn über den F'.uß
setzte, wurde von den Negern auf denselben
geschossen.
Memphis, 1 l. Aug. Eine zweite De
pesche von Helena meldet: „Major Horn Chal
mers von Hernando ist soeben hier eingetrof
fen, um einen Dampfer zu miethen, damit er
den bedrängten Weißen in Austin Hülfe brin
gen kann. Er sagt, bei Tagesanbruch sei ein
Courier vom Mayor Woodson aus Austin
eingetroffen, welcher berichtet, daß das Städt
chen von tausend Negern umzingelt und schleu
nigst Hülfe nöthig sei. Um zwei Uhr werden
zweihundert Mann von Hernando hier ein
treffen, welche um 4 Uhr, durch 100 Mann
verstärkt, nach Austin abgehen werden.
Dr. Smith, welcher die unglückliche Ursache
jener Unruhen ist, kam gestern Abend hier am
Vor ungefähr drei Wochen wurde er in den
Straßen von Austin von einem Neger ange
griffen ; er zog einen Revolver und schoß auf
den Neger, fehlte diesen aber nnd traf ein in
der Nähe stehendes Ncgermädchen, was die
Schwarzen dermaßen aufbrachte, daß sie zu
sammenströmten und den Doktor nach dem
Gehölze führten, um ihn zu hängen, was wahr
scheinlich auch geschehen wäre, wenn Mayor
Woodson und die Frau des Dokeors nicht
Alles aufgeboten hätten. Seit jener Zeit
befand sich Dr. Smith im Gefängnisse, um
zu verhindern, daß er in die Hände'des schwar
zen Pöbels falle. Letzten Freitag wurde er
von feinen Freunden nach Hernando gebracht.
Als die Neger dieses hörten, versammelten sie
sich und drohten dem Mayor, daß sie die Stadt
in Brand stecken würden, wenn Smith nicht
sofort zurückgebracht werde."
Memphi s, Denn., 11. Aug. In einer
dritten Depesche aus Helena, Ärk., an das
„Appeal" heißt es: „Aus der Umgegend von
Austin, Ark., lausen Depeschen ein, welche
um Soldaten, Waffen und Munition nach
suchen und melden, wenn die Weißen, weiche
im Gcrichtsgebäude umzingelt sind, nicht bald
entsetzt werden, so werden sie sich ergeben miis
sen oder gefangen genommen werden. Der
Dampfer „Ann White" ist gemiethet worden,
und wird um 5 Uhr mit einer bedeutenden
Anzahl bewaffneter Weißer abgehen."
In einer weiteren Depesche an dasselbe Blatt
heißt es: „Die Neger um Austin wurden heute
Morgen von Süden her durch eine Abtheilung
berittener Weißer angegriffen. Es wurden
4 5 Neger getödtct und 20 gefangen ge
nommen. Die Schwarzen zählen etwa 700
Mann, während die Weißen nur über 200
verfügen. Beide Parteien erwarten Verstär
kungen. Bid jetzt sind die Weißen im Vor
theil. Die 'Neger ans den gegenüberliegenden
Plantagen bewaffnen sich drücken in großer
Anzahl gegen Austin vor.
Memphis, 11. Aug.—Die Aufregung
ini Betreff des Aufruhrs in Au st in ist hier im
Wachsen. Der Telegraphist in Galena be
richtet, daß auf der anderen Seite des Alis
sissippi beständig 'Negertruppen nach Austin
zogen.
Der Dampfer „White" fuhr heute' Nachmi
ttag fünf Uhr mit 300 bewaffneten Männern
unter Oberst Morgan von hier ab. Unter
den Leuten sind 20 Neger, welche sagen, daß
sie beabsichtigen, dem Unfnge ein Eydc zu
machen.
Auch aus dem Landwege sind zahlreiche
Weiße abgegangen, und wenn die Weißen in
Austin das Gerichtshaus hatten können, so
ist Hülfe und Entsatz möglich.
Paui Reeves, welcher bei dem Aufruhr in
Somerville geschossen wurde, starb gestern.
Er wurde mit seinem bei demselben Auf
ruhre erschossenen Bruder in ein Grab beer
digt.
Viemphis, Tenn., 12. August. —Leute,
welche mit dem Dampfer „St. Francis" hier
angekommen sind, melden, daß Austin gestern
Nachmittag um zwei Uhr von den Negern
eingenommen wurde.
Memphis, Denn., 12. August. —Capt.
James Lee vom Dampfer „St. Francis,"
welcher heule Morlftn hier ankam, meldet:
„Nachdem die Neger, welche Austin umzin
gelten, gestern zurückgetrieben waren, ver
schwanden sie, und es hieß allgemein, daß sie
die in den umliegenden Plantagen uiibeschützt
zurückgebliebenen Frauen und Kinder ermor
deten. Dre Männer, welche Austin verthei
digt hatten, machten sich sofort auf den Weg,
um ihre Familien zu beschützen. So war
Austin bald ohne alle Vertheidigung, 2—3
Straßen ausgenommen, und die Neger kamen
und besetzten den Ort. Sie erbrachen Wirth
schaften und Läden und nahmen, was ihnen
gefiel. Nach den letzten Nachrichten hatten
sie an den wenigen Weißen, welche nichl hat
ten entkommen können, keine Gewaltthätig
keiten begangen; da sie sich aber betranken, so
fürchtete man, daß sie das Dorf in Brand
stecken würden. Es wurden Boten an Capt.
Lee geschickt mit der Bitte, in Austin anzule
gen; er hatte indeß zahlreiche Flüchtlinge an
Bord, und die Neger hatten gedrohr, mehrere
derselben zu todten, u. A. auch den Dr. Phil
lips, ein früheres republikanisches Mitglied
der Gesetzgebung. Da nun diese Passagiere
den Capt. Lee baten, nicht anzulegen, so kam
er diesem Wunsch nach."
Der „St. Francis" begegnete zu Peter's
Landing den Weißen mit Verstärkungen von
hier. General Chalmers, welcher an Bord
des Dampfers war, wurde gebeten, das Com
mando über die Leute zu übernehmen. Er
ging infolge dessen mit ihnen zurück. Sie
wollen bei O. K.-Landing landen und beab
sichtigen, die von den Hügeln kommende Ver
stärkung der Zieger abzuschneiden. Sie wer
den die 'Neger ohne Zweifel schon jetzt gefan
gen genommen haben, da dieselben von der
Annäherung der Weißen Nichts wußien und
sich der Schwelgerei zu sehr hingegeben hat
ten, um an Gegenwehr zu denken. General
Chalmers ist ei Mann von Muth nnd Kalt
blütigkeit, und da er das Commando führt,
so ist man überzeugt, daß kein Vli'l unnölhig
vergossen werden wird.
Die Politik hat mit dieftn Wirren Nichts
zu thun, und Mayor Woodson nnd mehrere
Ändere, welche von den Negern für vogelsrei
erklärt worden sind, sind Republikaner.
Weiteren Nachrichten ans Austin sieht man
heute Morgen mit Spannung entgegen; da
der Ort aber 20 Meilen von der nächsten Te
lcgraphen Station entfern- liegt, so wird vor
Mittag kaum etwas Bestimmtes eintreffen
> können.
In einer Spezial - Depesche ans Helena an
das „Appeal," welche die Einnahme Austin's
durch die Neger meldet, heißt es: „Oberst
Morgan hielt zu Bennett Landing einen
Kriegsrath und sprach seine Meinung dahin
ans, daß eS zu gewagt lein würde, die Zieger
in Austin anzugreifen, da es ihm an der Be
sngniß, an Leuten und Munition fehle; er
ziehe es deshalb vor, zu Moons zu landen,
um dort die nöthigen Befehle abzuwarten und
sich auf den Angriff vorzubereiten. General
Chalmers kam au Bord; er war gegen die
vorgeschlagene Landung zu Moons und be
sürwortete es, zu O. K.-Landing oder Shoo-
Fly zu landen; die meisten Offiziere theilten
seine Meinung. Oberst Morgan erklärte sich
gegen diesen Plan, rief die Offiziere zusam
men und erklärte denselben, daß er es unter
den obwaltenden Umständen für seine Pflicht
halte, das Risiko nicht zu übernehmen, Da
mit waren wiederum die meisten Ossiziere un
zufrieden, so daß Oberst Morgan sich veran
laßt sah, feinen Posten aufzugeben; General
Ehalmers wurde zum Befehlshaber gewählt
und landete in Shoo-Flq.
(Später.) Die folgende Depesche ist so.
eben hier cingcrrofftn: „Helena, 12. Aug.
An Thomas H. Allen S- Comp. Schicken
Sie uns Verstärkungen mit dem Dampfer
„St. Francis," schicken Sie Gewehre und,
wo möglich, auch fertige Munition, sowie
Nationen auf 10 Tage für 500 Mann. I.
N. Chattners." Darnach scheint es, das Ge
neral Chatmer beschlossen hat, den Angriff
heute nicht zu unternehmen.
Memphis , 12. Aug. Die Aufregung
in Betreff des Aufruhrs in Austin wird hier
immer größer infolge der unbegründeten Ge
rüchte, daß junge Männer von hier bei dem
Angriffe auf Austin gefallen seien.
Folgender Anschlag ist in der Stadt ver
breitet: „Zuverlässige Männer werden ver
langt! Dieselben müssen sich heute Nachmit
tag 4 Uhr auf dem Dampfer „Tt. Francis"
melden. Waffen und Munition werden ih
nen geliefert werden. Ferner werden drei
hundert wohl bewaffnete Männer, darunter
20 Artilleristen, auf demselben Dampfer ver
langt. Gen.King White wird dasCommando
führen."
Dieser Maueranschlag hat die Aufregung
noch vermehrt.
Man glaubt, daß mehrere hundert Mann
heute Abend auf dem Dampfer „St. Francis"
abfahren werden.
Von Arkansas erwartet man heute Abend
drei Geschütze.
Das „Appeal" hat heute Morgen Spezial
Depeschen von Helena, folgenden Inhalts;
,Aktiva dreißig Mifflssivpi'er Nachzügler der
Truppenabthcilnng, welche gestern von Mem
phis nach Austin abging, kamen heute Mor
gen Mit dem Tampfer „White" hier an und
stiegen in „Ortawar's Hotel" ab. Die Neger
gerlethen infolge dessen in große Aufregung.
Gegen 9 Uhr ließ sich der Mayor die Äafftn
ausliefern und schickte dieselben mit dem ersten
Dampfer weiter.
Tie Neger berichten, daß es gestern dort
zum Kämpft kam und daß acht Weiße gctöd
tet wurde.
Soeben ist folgende 'Nachricht eingetroffen:
l a ck so ii, 12. Aug. An Oberst Marion
Campbell, Helena! Sic werden von mir er
sucht und ermächligt, den Aufruhr in Austin
zu unterdrücken, damit der Meyelei ein Ende
gemacht werde. A. Amcs, Gonv.
Eine weitere Depesche von Helena meldet,
daß ein Hr. Sebastian soeben von Austin dort
cinqctrofftn ist und Folgendes berichtet:
Zwischen drei- und vierhundert Mann von
Memphis landeten bei Shoo Fly, 5 Meilen
unterhalb Austin, nnd zogen in die Stadt,
ohne auf Widerstand zn stoßen. Die Bürger
hatten den Ort am vorhergehenden Tage aus
gegeben und die 'Neger hatten sich nach allgc
meiner Plünderung zerstreut. Die Memphi
ser fanden 30Ncgcr, welche sich sofort ergaben
und in das Gefängniß geschickt wurden. Bis
9 Uhr heute Morgen war Alles ruhig.
Die' Neger sollen sich bei Trodder's Landing
organisiren, um Austin wieder zu erobern.
Ihre Vorposten hatten Jeden an.
Oberst Campbell ist von Helena nachAnstin
abgefahren, um zu versuchen, dicßuhe wieder
herzustellen.
Memphis, Tenn., 12. Aug.—Die neue
sten 'Nachrichten aus Austin melden, daß die
Truppen sich aufgelöst haben und nach Haufe
gegangen seien. Der Friede war wieder her
gestellt.
Memphis, Ten., 13. Aug.—Die Sol
daten, welche nach Austin gingen, kehrten
heute zurück und meinten, der Tumult in Au
stin sei von eben demselben Fiasko begleitet
gewesen, wie derjenige in Somerville, und die
Berichte über denselben seien bedeutend über
trieben worden. Während der ganzen Ruhe
störung wurde mir ein Neger gctödtet nnd von
den Weißen nicht ein Einziger verwundet.
Ein Laden wurde von den 'Negern geplündert,
während sie Austin besetzt hielten. Sieben
zehn Rädelsführer wurden verhaftet, um ih-
M Prozeß abzuwarten.
Ei Deutscher in Süd-Carolina er-
mordet.
Augnsta, Ga., 12. Aug. Letzten Mon
tag Abend wurde ein Deutscher, Ramens
James Petersen, in einer Wirthschaft bei
Langley, S. E , von Peter Antry erschossen.
A. schoß aus einen andern Mann und traf den
Petersen. Ter Mörder entfloh.
Gewitter in Ohio. Neun Damen
vom Blitze getroffen.
Cincilinati, 12. Aug. Zu Tremoitt-
Village, etwa 6 Meilen nördlich von Spring
ficld, Ohio, schlug der Blitz heute Nachmit
tag um 4 Uhr in den dornigen Äirchthurm.
Neun Damen, welche im Vestibül standen,
um einem Tranergotlcsdienste beizuwohnen,
wurden vom Blitze getroffen; fünf derselben
wurden schwer verletzt, so daß an ihrem Auf
kommen gezweifelt wird.
Tie Black.Hill-Nrpcdition. Ent
deckung von Gold Ptacers.
Hauptquartier der Black Hill-
Expedition, 8 Meilen südöstlich von
Harney-Park, Dakota-Tenilorium, 2. Airz.
—Das Land, das die Expedition durchzog,
ist, wie sich zeigt, sehr sruchtbar nnd einer der
schönsten Landeslhcite der Ver. Staaten. Vor
etwa einer Woche hat man Andeutungen von
Gold entdeckt und seit zwei Tagen ist das
Vorhandensein desselben in hinreichenden
den reichliche Bezahlung, die diese ncu-entdcck
ten Ptacers bearbeiten werden. Wie groß
die Gold-Aera ist, läßt sich jetzt noch nicht be
stimmen, aber die geologischen Merkmale des
Landes und die Nachforschungen der Prospck
lircr oder Schürfer und alle sonstigen Anzei
chen deinen ans das Vorhandenftin reicher
Goldfelder hin. Bis jetzt hat man blos sei
nen Goldstaub, der sich in den oberen Erd
schichten vorfindet, erlangt. Die Mineure
hoffen jedoch guce Quarz-Adern zu finden.
Wenn der Vertrag mit den Sionx erlischt,
wicd der Ansiediung ein schönes und fruchtba
res Land, das bisher ganz unbekannt geblie
ben ist, eröffnet werden. Gras, Wasser und
Holz sind im Uebersluß vorhanden. Es gibt
vielerlei Früchre und Wildprct genug. Tie
Tbälcr eignen sich für die Viehzucht, oder den
Ackerbau und die landschafrliche Szenerie ist
über alle Beschreibung schön. Die Fluren
sind mit Blumen in reicher Manichsalligkeit
geschmückr und in dieser Beziehung ist das
Land ein zweites Florida. Das Commando
befindet sich in vortrefflichem Gesundheitszu
stände und die Ersorschnug des Landes geht
rasch vor sich.
Ter Beeckie 'sche Skandal.
New-Port, 13. August.—Heute Mor
gen 10 Uhr versammelte sich das Unterm
chungö-Comite in Beecher's Wohnung. Bec
cher iaß an einem Ende der Tafel und ver
las seine Darlegung, in welcher er Tillon's
Anklagen entkräftet. Tic Untersuchung dau
erte fast de ganzen Nachmittag.
New- L) ork, 13. August- Endlich nach
vier Tagen wird Moulion'S Erklärung vor
dem Ulilersuchnngö - Eomite der Plymouth-
Kirche der Oessenllichkeit übergeben. Wenn
dieselbe thatsächlich buchstäblich ächtist, dann I
läßt sich nicht einsehen, warum man sie nicht
bereits früher publiziere. Das Ganze ist uon
oowwiual. Moulton sagt, daß er der ver
traute Freund Beider gewesen sei, daß man
ihm gewisse Dokumente anvertraut habe, von
denen er die Abschrift vorlege. Er sei zum
Vermittler erwählt worden, um Frieden zu
stiften, nicht aber, um den Bruch noch mehr
zu erweitern.
Nachdem die kurze Erklärung, welche gar i
Nichts sagt, verlesen war, wurde Hr. Moullon
einem knrzenkrcuzvcrhöre nmcrworfen. Moul j
ton sagte, er entspreche der Aufforderung des !
Eomite's und habe alleßriefe m der Abschrift >
mitgebracht.
Auf die Frage, ob dieAbschnften ächt seien, !
antwortete Moulton bejahend.
Hr. Wttislow verlangte die Originale der
Briefe zu sehen. Moulton sagte, daß er die
selben nur da vorlegen werde, wo man ihn
zwingen könne, dieses zu thun. Im klebrigen
war aus diesem Herrn nicht dasGeriugste her-
auszubringen.
Inzwischen ist in der Ehicago'cr „Tribüne" j
eine „Gath" nntcrzeichncteTcpesche einhalten,
welche, wie der Brooklyner „Eaglc" sagt, von
George Alfred Toivnsend herrühren soll. Tie
Depeichc, welche sehr lang ist, einhält eine Un
terredung mit Frank D. Moutton, welche am
Samstag stattgefunden haben soll. Tiescr
Herr, welcher den übrigen Preßmenschen gc
genübcr so sehr zugeknöpft ist, muß, wenn man
dem Correspondenten der „Tribüne" glauben
darf, sich in der Unterredung außerordcnttich
offen über Dinge ausgesprochen haben, deren
Verheimlichung sich das Comite so sehr ange
legen sein läßt. Moulton soll unter Andcrm
gesagt haben: „Tilton ist ein weit besserer
Mensch, als Beccher. Ich habe von ihm nie
eine Lüge gehört und Beecher hat die ganze
Zeit gelogen. Er begann mit Verrath. Nach
dem er mir gestanden, daß er mit Elizabeth
Ehebruch begangen habe, ging er foinri nach
Titton's Hause und verlangte von Elizabeth
einen Widerruf ihres Bekenntnisses. Mit
diesem Schriftstücke in der Tasche kam er ;n
meinem Hause zurück und bat Mick, mit ihm
zu gehen; aus dem Wege gab er fortwährend
seiner Reue und feiner Verzweiflung Ans
druck, trotzdem er die Erklärung Elizabeth'
in der Tasche hatte. Als Theodor mir dies
erzählte, ging ich sofort nach Beecher's Hause
und verlangte die unbedingle Herausgabc des
Schriftstückes. Bescher Hai keinen morallichen
Muth, wie könnte auch ein Manu, der ein
solches Leben lebt, denselben haben."
„Beecher mag der Strafe entgehen, der
Macht der Thatsachen wird er nicht entgehen.
Ich glaube, das Eomite wird ihn freisprechen
und die Plymouthkirche wird ihn zurückneh-
meii, trotzdem er Dinge zu Frauen gesagt hat,
welche geradezu empörend sind." Der Cor
reipondent erklärt hier, daß das, was Beecher
gciagt haben soll, zum Abdruck gänzlich un
geeignet sei. „Beecher hat ferner gelogen.
Cr hat mir sein heiliges Ehrenwort gegeben,
daß er ieit derEnldeckung nicht mehr mir Frau
Vilton verkehrt habe und doch fand Tilton
diese Briefe in dem Reecher'schen Leben Chri
sti versteckt." „Die Briefe, welche mir vor
gezeigt wurden, sind Briefe, welche die cri
minelle Liebe des Geistlichen für das Weib
eines Andern über allen Zweifel klarstellen,
sagt der Corrcsponsent. Sie zeigen eine über
große Liebe in Ausdrücken, welche durch Ci
tate aus der Bibel nur schwach verhüllt sind."
In den Briefen soll Beecher Frau Tilton meh
rere Male um ein Rendezvous ersnchl haben,
und vicse spricht i eine ihrer Briese in nicht
eben undeutlichen Ausdrücken die Hoffnung
aus, bald wieder niit Beecher zusammenzu
tressiii. -- Moulton soll gesagt haben, er wür
de gerne Geld und Blut hingegeben haben,
um Beecher zu retten, wenn dieser aber auf.
trete, wie er gethan, müsse alle Rücksicht
schwinden.
Dann erzählt derCorrespondent eine längere
Unterredung mit Tilton, bei welchem er die
Nachts zubrachte. Tilton sprach sich mit gro
ßem Freimuth über die Plymouth Kirche aus,
welche er ein großes, elegantes Clubhaus
nannte, welches sich um Moral und Cristcn
thun, gar wenig bekümmere. Die Frage, wie
er noch an die Herzensreinheit feiner Frau
glauben könne, nachdem er sich von ihrer Un
treue überzeugt habe beantwortete Tilton, wie
folgt: „Weit ich es weiß, weil ich sie kenne.
Ihr ganzes Wesen ist durchdrungen von rcli
giosen Gefühlen und ihr erschien Henry Ward
Beecher wie ein Gott, wie Christus." Til
ton läugnet, je ein Anhänger der Theorie der
freien Liebe gewesen zu sein nnd sagt, er habe
die Achtung seiner Frau verloren, als er ihr
erklärt habe, daß er nicht an die Göttlichkeit
Christi glaube. Seine Verbindung mil der
Woodhnll erklärt er mit dem Wunsche, sie zu
veranlassen, das, was sie über die Sache
wußte, nicht zn veröffentlichen und so seiner
Familie den Schimps zu ersparen. Tilton
leugnet, jemals mit anderen Weibern sich ab
gegeben zu haben, und Richter Morris, sein
Anwalt, der bei der Unterredung zugegen war,
sagte, er habe alle gegen Hrn. Tilton in Um
lauf gesetzten Gerüchie gründlich untersucht u.
gesunden, daß sie sämmtlich jederßegründung
entbehrten.
Die Geschichte der Abbitte wird wie folgt
erzählt: Niemand wußte um das Verbrechen,
als Frau Morse und Oliver Johnson. Die
alte Frau Morse hatte das Bekenntniß von
ihrer Tochter und wußte, daß es Moulton
werde mitgetheilt werden. Tilton ging zu
Moulton und sagte diesem: „Frank Mouiton,
ich ersuche Sie, nach Plhniouth Church zu
gehen und Hrn. Beecher aufzufordern, hierher
zu kommen und mir gegenüber zu treten."
ES schneite, Moulton begegnete Beccher am
Eingange zur Kapelle nnd sägte ihm: „Theo
Vor Tilton ist in fürchterlicher Aufregung in
meinem Hause. Er weiß um Ihr Verhältniß
zu seiner Frau." Wie vom Schlage gerührt
stand Beecher einen Augenblick da, dann folgte
er fast willenlos. Als die Beiden in's Zim
mer traten, schloß Tilton die Thüre. Ruhig
hielt er Beecher sein Vergehen vor und dieser
war ganz außer sich vor Neue und Schrecken.
„Du hast ein Recht, mich zn tödten!" rief er.
„Ich habe mein Leben verwirkt, nimm es!"—
„Nein," erwiderte Tilton, „aber Sie sollen
nicht guter Dinge sein, während ich trüben
Sinnes unter der Last meiner Sorgen daher
schleiche. Sie sollen wissen, daß Sie erkannt
sind." Dann trennten sich die Beiden und
Beccher verfaßte die berühmte Abbitte.
Als Anhängsel zn der Eorrespondenz, von
welcher wir vorstehend einen Auszug gaben,
sendet „Gath" eine Anzahl Briefe der Frau
Tilton, aus welchen jedenfalls hervorgeht, daß
die Angabe der Frau, ihr Mann habe sie 'Noth
leiden lassen, nichl eben aus Wahrheit beruht,
denn in allen Briefen spricht sich das Bewußt,
sein der Pflicht, welche sie ihrem Gatten gegen
über hatte, aus. I all' diesen Briefen zeigt
sich indeß gleichzeitig der Einfluß, welchen
Beccher auf die Frau ausübie, und kaum einer
der Briefe, welche aus den Jahren 1865 nnd
1366 dalirten, ist ohne Ausdruck der Bewun
derung für den Mann, den sie abgöttisch zu
verehren schien. Das ganze Vergnügen,
welches ihr die Besuche des Pastors machten,
findet schon in jenen Briefen Ausdruck und
sie erzählt, anscheinend recht unschuldig, die
kleinen Aufmerksamkeiten, welche ihr Hr. Bee
cher, während Tilton im Westen Vorlesungen
hielt, erwies. Im Januar 1867 schrieb Frau
Tilton: „Mein Lieber. Im Anfange Deiner
Abwesenheit ging es schon au, Dich an meine
Vollkommenheit glauben zu lassen. Jetzt aber,
wo Du Dich der Heimath zuwendest, muß ich
Dir sagen, daß Tu Dich im Irrthum befindest.
Ich bin die Gebrechlichkeit und Schwachheil
selbst." Am 23. Januar 1867 schrieb Frau
Tillon: „Hr. V. besuchte mich am Samstag.
Er sagte, ich übe einen äußerst beruhigenden,
friedfertigen Einfluß auf ihn aus, mehr als
dies durch irgend Jemanden, den er srüher ge
kannt, geschehen sei. Er brachte mir zwei
Blumentöpfe, und als er wegging, sagte er:
Welches hübsches Haus, ich wollte, ich konnte
hier wohnen." —Spätere Briese erwähnen we
niger ihrer Zusammenkünfte mit Hrn. Bec
cher; ihre Aeußerungen der Liebe und An
hänglichkei werden kürzer und zeichnen sich
dadurch aus, daß sie weniger Wärme dem
Adressaten gegenüber verrathen. Sic ergeht
sich in einigen derselben in Reflexionen über
die Menjchheit nnd über das langsame Fort
schreilen derselben. Zur selben Zei: beklagt
st- sich darüber, daß Tilton Journalist sei und
spricht den Wunsch aus, er möge dem Leben
voll Sorgen und Mühe entsagen und ver
iuchen, als Schriftsteller auf anderem Felde
zn wirken, damit auch den Kindern ihr volles
Recht werde.
Ncw-?jori, 13. Aug.— Folgendes ist
die Quintessenz der Erklärung Beecher's:
„'Meine Herren vom Comite! In einer an
das Publikum gerichteten Erklärung vom 22.
Juli d. I. stellte ich die von Theodore Thil
ton gegen mich erhobenen Anklagen kurz,
bündig nnd feierlichst in Abrede. Jene kurze
Erklärung möchte ich hierdurch bestätigen und
näher ausfuhren.
Ich bemerkte damals in meiner Erklärung,
daß ich vor Ihrem Comite erscheinen werde
mit einer ausführlichen Auseinandersetzung
und einer Erklärung der Thatsachen. Diese
Zeieist jetzt gekommen.
Vor vier Jahren stürzte Theodor Tilton
von einem der stolzesten Rcdaktionssitze in
Amerika, auf welchem er die sache der Re
ligion, der Humanität und deö Patriotismus
vertrat, und einige Monate später wurde er
der Vertreter und Freund von Viktoria Wood
hnll und der Vorkämpfer ihrer sonderbaren
Sache. Durch feine Narrheiten wurde er an
Ehre, Ressourcen und im Geschäfte t anke-,
roll -
Tie geHelme Geschichte dieses Verhältnis
ses, welche ich jetzt kurz darlegen will, ist die
Geschichte seiner Bestrebungen, mich zu be
nutzen, ihn wieder im Geschäfte zu ctablircn,
seine Reputation zu rehabilttiren und ihn
abermals in der guten Gesellschaft einzufüh
ren. Es ist eine traurige Geschichte, deren
volle Bedeutung mir erst sehr kürzlich zum
Bewußtsein gekommen ist. In eine Wildniß
von Verwickelungen verloren, befolgte ich die
ganze Zeit her eine falsche Theorie und eine
ihönchte Hoffnung, ich glaubte, daß der
Freund, welcher mir die Versicherung gab,
daß er entschlossen und fähig sei, die leiden
schaftlichen Marotten Titton's zu beherrschen,
ihn wieder geschäftlich aufzurichten und mich
zu rechtfertigen, sein Wort halten werde.
Derselbe hat jedoch, wie er selbst zugesteht,
keinen Erfolg gehabt, und endlich habe ich die
wahren Motive des Hrn. Titton erkannt.
Meine Darlegung gibt keinen einseitigen
Standpunkt meiner Beziehungen zu Hrn.
TheodorTr'-ton. Dieselbe beginnt mit meiner
herzlichen Intimität mit ihm in seiner frühe
ren Carriere und meine Briefe zeigen, wie
bange ich zur Zeit seiner Berirrnngen um ihn
war.
Dieselbe beschreiben meine Rene wegen deö >
Uebels, welches ihn betroffen und von dem ich
mir einbildete, daß ich die Ursache sei; sie zei-
gen meine Bereitwilligkeit ihn zu opfern, wel
ches Opfer es auch kosten möge. Seine Thor
heiten und Fehler machten eine Rettung un
möglich. Ich sehe es jetzt cm, daß er von
Ansang an ein selbstsüchtiger, rücksichtsloser
Inrriguant war und mich mit einem Netze des
Verdachtes, der Mißverständnisse und Lügen
umwoben hat, zu welchem meine unschuldigen
Worte und Handlungen und selbst meine Alle
der Wohlthätigkeit die Maschen lieferten.
Daß ich so lange blind war über die wahren
Beweggründe zu dieser Intrigue,daran waren
meine vielen Arbeiten schuld, theilwcise aber
auch die Thatsache, daß ich verschiedene Pa
piere in die Hände des Hrn. Moulton gege
ben, welcher mir versprach, Alles zur Zuftle
dcnheit auszugleichen. Ich litt viel, aber ich
fragte wenig."
Die Ausführung des Hrn. Beccher ist un
endlich taug und tauft im Gange darauf
hinaus, die Anklage Tiltoii'S alö cinenßache
akt hinzustellen, weil feine Erpreffungsver
fuche nicht ferner geglückt fei. Die verdächti
gen Briese erklärt Beccher sehr matt. Das
Ganze ist ein widerlicher Versuch dief-S schein
heiligen Burschen, seinen Gegner als Ehren
mann zu vernichten.
New -L) orl. 13. August. -G. Alfted
Townsend erklärt, daß jedes Wort seiner
Unterredung mit Moulton buchstäblich wahr
sei.
Nr. 33
Euroyäische Äabelberichte.
Berlin, 8. — Du „Kölnische Zei
tung" sagt, die französische Regierung habe
eingewilligt, den Kriegsdampfer „Orenoquc"
von Civita Vecchia vordem 15. ss. Mts. zu
rückzurufen.
Kaiser Wilhelm hat das Verdikt der Frei
sprechung des Capt. Werner genehmigt.
Die deutschen Kriegsdampfer „Nautilus"
und „Albatroß" sind von Kiel über Plymouth
nach Spanien abgegangen.
Kapitän Werner
London, 10. Aug. Der „Morning
Post" berichtet man, daß der Capitän Werner
von der deutschen Flotte, welcher die Schwie
rigkeiten mit den Spaniern vor Carthagena
hatte, zum Conlre-Admiral ernannt werden
wird.
Berlin, 13. Aug. Fürst Bismarck ist
von Kissingen hierher zurückgekehrt.
London, 9. August. - Der Tumult in
Portsmouth hat sich am Samstag erneuert,
und mehrere Personen wurden erheblich ver
letzt. Das Militär war genöthigt, die Poli
zei zu unterstützen, che der Hansen sich zer
streute.
London, 10. Aug. Unsere Stadt und
Umgegend ist heute von schweren Gewittern
heimgesucht morden. In anderen Theilen
des Landes ist schönes Wetter.
Londo n, 13. Aug. Im ganzen Lande
und seit letzter Woche starke Regengüsse ge
fallen.
MranireiS.
Paris, 9. Aug. Die französische Re
gierung hat besohlen, daß ein weiteres Kriegs
schiff an die Mündung des Bidassoa abgehen
soll.
Paris, 11. Aug.—ln der Stadt herrscht
große Aufregung infolge der Nachricht, daß
Marschall Bazaine am Sonntag Abend von
der Insel San Marguerite entflohen ist. Die
Einzeliiheiteil über seine Flucht sind noch nicht
bekannt, man weiß nur, daß dieselbe mit ei
ner Strickleiter bewerkstelligt wurde und daß
ihn ein nach Italien bestimmtes Schiff aus
nahm. Die hiesigen Journale erklären, daß
die Regierung Alle, w lche bei dieser Flucht
behülflich waren, prompt bestrafen werde.
London, 11. Aug.—Folgende interes
sante Einzclnheite über dicFlucht Bazaine's
sind hier eingelaufen:
„Die von Bazaine bewohnten Gemächer
gingen aus eine Terrasse hinaus, welche über
einen hohen Boripriing erbaut war. Aus
der Terrasse war eine Schildwache postirt,
welche die einzelnen Bewegungen des Gefan
genen z beobachten hatte. Am Sonntag
Abend ging der Marschall mit seinem Adju
tanten, dem Obersten Billette, auf der Ter
rasse spazieren.
Um 10 Uhr ging er, wie gewöhnlich, schla
fen, hatte aber vor Tagesanbruch seine Flucht
bewerkstelligt. Von der Terasse muß er ver
mittels einer Strickleiter an die See gelangt
sein.
Bazaine muß seinen Halt haben fahren
tasten, denn die Strickleiter war mit Blut be
fleckt. Unter dem Abhang befanden sich in
einem gemietheten Boot seine Gemahlin und
sein Better.
Frau Bazaine ergriff selbst die Ruder, um
an einen fremden Dampfer zu gelangen, wel
cher seit dem Abend vorher aus der Höhe der
Insel gelegen hatte. Der Flüchtling kam
sicher an Bord des Dampfers und ist wahr
scheinlich in Genna gelandet."
Paris, 12. August. Der Plan zu Be
zaine's Flucht wurde, wie man jeyr erfährt,
vor 6 Wochen entworfen. Derselbe war voll
ständig das Werk der Madame Bazaine.
Der Marschall weigerte sich Anfangs, zu ssic
hen, willigte aber schließlich ein, da er sab,
daß er keine Aussicht hatte,sein Urtheil irgent
wic gemildert zn sehen. Er fuhr in der Jacht
„Baron Ricasoli," Eigenthum einer italieni
schen Gesellschaft, von der Insel ab, da er ein
französisches Fahrzeug nicht benutzen wollte.
Seine Gemahlin und sein Bruder begleiteten
ihn auf der Flucht. Sein Zufluchtsort ist
bis jetzt nicht bekannt. Von mehreren Seiten
heißt es, er sei in Spanien. Die Bedienten
in dem Fort, wo der Marschall gefangen ge
halten wurde, sind verhaftet worden.
Paris, 12. Aug. Das „Journal des
DcbatS" meint, das Verbrechen, dessen Ba
zaine überführt wurde, unterwerfe ihn dem
Gesetze der Auslieferung, und Frankreich
müsse dieselbe verlangen.
London, 13. Aug. Das Pariser Blatt
"I-o meldet, die Untersuchung der mit
der Flucht Bazaine's verknüpften Umstände
ergibt, daß der Gefängniß-Direktor ernstlich
in die Angelegenheit verwickelt ist, während
die übrigen Beamten kein Vorwurf trifft.
Die Mailänder Blätter melden, daß Ba
zaine die Stadt auf seinem Wege nach dem
Schloß Arenenberg, dem He enwärtigen Auf
enthalte der Ex-Kälserin Gugenie, passirt ha
be. Es gehl außerdem das Gerücht, Ba
zaine sei gestern in Spa aniekommen.
'Nncrkeiinuilg der ipanische Republik.
Paris, 10. Aug. Fürst Hohenlohe, der
deutsche Gesandte, hat den Herzog Decazes,
den Minister des Auswärl'ge, benachrichligi,
daß Deutschland b adsichlige, die spanische
Republik anzuerkei'iicil.
Wien, 10. Aug. Von der deutschen
Regierung ist hier am Samstag ein Rund
schreiben Betreffs der spanischen Angelegen
heiten eingetroffen. DaS Schreiben schlägt
vor, die Mächte möchten die Anerleiliiuilg
der spanischen Republik in Erwägung zie
hen.
Madrid, 12. Aug. Das „Jmpar
cial" meldet, daß England, Frankreich und
Teutschland die spanische Republik förmlich
anerkannt haben.
Paris, 12. Aug. Der hiesige spani
sche Gesandte hal sich von Madrid feine voll
ständigen Beglaubigungsschreiben erbeten, da
Frankreich sich bereit erklärt habe, die spani
sche Republik anzuerkennen.
Paris, 9. Aug.—Marschall Serrano hat
die auswärtigen Mächte unterrichtet, daß die
spanische Regierung beabsichtige, den Golf
von Eaiitabnen zu blockircn. Die englische
Regierung proteitirt.
Madrid, 9. August. Die „Epoca"
hält alle Gefahr einer Einmischung der übri
gen europäischen Mächte in die spanischen
Angelegenheiten für beseitigt.
Was Ton iZarloS jagt.
N e w-?) or k. 9. Aug. Ein Correjpon
deut des New Parker „Herald" hat eine inte
ressantc Unterredung mit Don Earlos gehabt.
Letzterer hat sich geäußert, daß er eine Inter
vention Deutschland's nicht fürchte. Eine
Intervention würde seine Sache >nur fördern.
Spanien würde dann nur ei n Heer haben,
dessen Anführer Don Carlos sein würde.
Spanien sei durch Kriege, Revolutionen und
Regierungswechsel arm gemacht worden, und
sein ganzes Leben werde der Ausgabe geweiht
sein, dem Lande seinen Wohlstand wieder zu
verschassen. Don Carlos hat die beste Hoff
nung, seiner Sache zum Siege zu verhelfen
und verspricht sich auS seinem Siege eine neue
Aera für Spanien, in der es in jeder Weise
emporblühen werde.
Madrid, 13. August. Der Bericht
über eine bevorstehende Cabinels - Crisis ist
falsch.
Die republikanischen Truppen unter Mar.
schall Zabala und Gen. Lazerna haben sich bei
Miranda vereinigt, wo sie achtzehn Bataillo
neu Karlisten gegenüber standen.
Wien, 13. Aug.—Die„NeneFreiePresse"
berichtet, daß England die spanische Republik
anerkannt hat.
M a drid, 13. Aug. Frankreich wird
einen Gesandten nach Spanien schicken, so
bald der spanische Vertreter in Paris seine
Beglaubigungsschreiben erhalten hat.
Es wird offiziell gemeldet, daß die Karlisten
einen erfolgreichen Versuch gemacht haben
den Ebro zu überschreiten.
Italien.
Ro m, 8. Angnst. Gestern Abend ging
eine bewaffnete Bande von 40 Mann von
Jrnali nach Bologna und zerstörte auf ihrem
Wege die Telegraphen-Drähte und entwaff
nete die Eifenbahnwärter. Die Bande wurde
von Militär verfolgt, und fast alle Mitglieder
derselben wurden gefangen genommen und
ihre Waffen und Munition confiszirt.
Rom, S. Aug. Der Papst hat seine
Absicht zu erkennen gegeben, vier neue Cardi
näle zu ernennen.
Rom, 9. August. Acht Rädelsführer
der Internationalisten find hier verhaftet wor
den und in Florenz und anderen Städten ste
hen weitere Verhaftungen bevor. Es sind
Zeitungen mit Beschlag belegt worden, aus
denen hervorgeht, daß die Partei der Jnter-
Nationalisten in Italien große Fortschritte
gemacht hat.
Rom, 13. August. Die Bande von
Tumultuanten, welche in Barlctta ihr Unwe
sen trieb, ist auseinandergesprengt worden,
und mehrere Mitglieder derselben find verhaf
tet worden. Eine Anzahl geheim gehaltener
Büchsen wurden confiszirt.
bland.
St. Petersburg, .Aug.—Der„Gr
los" meldet, daß der Kaiser den Sohn de
verstorbenen Kaisers Napoleon eingeladen
habe, den hiesigen militärischen- Manövern
beizuwohnen.
Oltintien.-Uedrrlchwrmmiingen.
> Bombay, lo..Aug.—lm oberen c-ecinde
- haben verheerende Ueberschwemmungen statt
. gefunden. Mehrere Ortschaften sind wegge
spült worden.

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