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Der Deutsche correspondent. (Baltimore, Md.) 1848-1918, September 11, 1874, Image 1

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30. Jahrgang.
Uederstcht der wichtigsten Ereig.
niffe.
Nachoem der atlantische Telegraph seit acht
Jahren lrcve Dienste gethan, wurde am letzten
Dienstag 1 Verbindung mit Europa plötzlich
aus den arbeitenden Linien unterbrochen; so-
französische, als auch das englische
Kabel hörten ans. Neuigkeiten zu erzählen,
nd die Getraidehändler und Baumwollen-
Mäkler, die Bankiers und Wechselagenten war
teten vergeblich auf ihre CourSberichte: die
Deutichen,n Amerika, welche längst gewohnt
sind, wichtige Nachrichten aus Europa iffcr
her zu erfahren, als ihre Vettern nd Brüder
tn dem langsamen Dcnffchland, für deren
Zettnngcn Telegraph Und Kabel noch immer
Sonn- und Festtags Erfindungen sind, sahen
sich vergeblich nach der halben Spalte Depe
schcn um, welche der Kabelnnchel täglich her
überschickt. Da man nicht annehmen konnte,
daß beide Drähte zugleich gebrochen seien, so
wurden alle möglichen Theorien laut; die
Sache ist aber bis jetzt noch nicht aufgeklärt,
denndie Muthmaßung, daß ein Eisberg oder
ein Schiffsanker den Strom unterbrochen ha
ben könnte, ist och gar zu unwahrscheinlich.
Glücklicherweise ist jetzt Alles wieder in Ord
nung, und wir haben noch außerdem de
Trost, daß zwei neue Kabel von England nach
der amerilanischen Küste unterwegs sind und
in wenigen Tagen hier landen werden.
Tie Berichte ans
Ware in ber verflossenen Woche gerade nicht
besonders wichtig, aber in vielen Stücken in
teressant.
In Deutschland beabsichtigt man, die
kirchlichen Maigesetze noch mehr zu verschär
fen, und alle ausländischen Priester, Mönche
und Nonnen auszuweisen. Die Altkatholr
ken hielten einen Congreß in Freibnrg ab, auf
welchem die Idee ventilirt wurde ob'sich nicht
eine Vereinigung mit der englischen Hochkirche
und der griechischen Kirche erzielen lasse. Da
zu ist jedoch augenscheinlich sehr wenig Aus
sicht vorhanden. Der deutsche Kaiser weilte
seit einigen Wochen auf seinem Lustschlosse
Babelsbcrg und wird im Lause der nächsten
Woche in Kiel eintreffe, um die Taufe der
Panzerfregattc „Friedrich der Große" vorzu
nehmen, weiches zahrzeug am Mittwoch vom
Stapel laufen soll. Aus Elsaß Lothringen
kommt dis Nachricht, daß die drei Bezirkstage
der Rs'.chslande in Slraßburg, Colmar und
M-.tz ihre regelmäßige Thätigkeit begonnen
haben. Das ganze Reichsland ist demnach
durch gesetzlich erwählte Körperschaften vertre
ten. Mciliiligcn an der Werra, die freund
liche Residenz des Herzogs von Sachjen-Mei
ningen, ist zu Ansang dieser Woche von einem
schrecklichen VrandunglüSc heimgesucht wor
de. Nach dcm Berichte sind für 3,000,000
Thaler Gebäude zerstört und 70 Familien
obdachlos geworden. Da Meiningen nur ein
Laiidslädtchen von kaum 7000 Einwohnern ist,
so sind wahrscheinlich mehrere Staatsgebände,
wenn nicht gar das Nesidenzschloß, die Elisa
bethenburg, abgebrannt. Wie berichtet wird,
herrscht nntcr den Abgebrannten große Noth,
und an verschiedenen Orlen hat man bereits
begonnen, für die Abgebrannten zu sam
meln.
In Frankreich ist kürzlich von Jules
Simon die neue Paroie ausgegeben worden,
Republik oder Kaiserreich. Die Monarchie
hält dieser eisrige französische Politiker für
unmöglich, und er erwartet, daß sich der
Kampf zwischen den beiden möglichen Gewal
ten demnächst scharf zuspitzt. Viktor Hugo,
der bekannte Pbrasennarr und noch bekanntere
französische Romauriker, hat eine neue Dumm
heit begangen. Bekanntlich ist der alte Mann
seil Jahren Mitglied der Friedens- und Frei
heitsliga, und als 1870 der Krieg ausgebro
chen war, und der Dichter des „Ernani" sah,
daß die. Franzosen gehauen wurden, beschwor
er a(ie Welt, diesem Morden cin Ende zu
ttiachen und den allgemeinen Weltfrieden zu
Proklamiren. Dieses geschah zum Leidwesen
des friedlichen Hugo nicht, worauf der gute
Mann rasend wurde und proklainirte, er sei
die Mauer, der Thurm, der Hort, sein Wort
sei Rittersporn und Gewittcrzorn u. s. w.
Die ganze Zeit her scheint der alte Herr aus
Revanche gesonnen zu haben, denn als er vor
einigen Tagen eine Einladung zu dcm Con
gresse der Fricdcns-Liga in Bern erhielt, er
klärte er, daß eher an keinen Weltfrieden zu
denken sei, bis noch cin Krieg zwischen Deutsch
land und Frankreich stattgefunden habe.
Bismarck soll sofort eine neue Krupp-Kanone
bestellt haben. —Der mit den spanischen Bonr
donen verschwägerte Ex Consnl Perkins von
Lissabon ist dieser Tage in Paris wegen
Schwindels zu längerer Gcsängiiißhast verur
theilt worden.
InSpanien herrscht noch immer die alte
Wirthschaft. Zwischen den deutschen Kriegs
schissen „Albatroß" und „'Nautilus" nnd den
Karlisten auf der Landzunge von Sebastian
sind Schüsse gewechselt worden; man hat je
doch seither nicht gehört, welche weiteren Maß
regeln die in den aktiven Krieg verwickelten
Deutschen ergriffen haben.
Vermischtes.
Der englische Marquis von Nipon ist zum
Katholizismus übergetreten. Die östreichi
sche Polar-Cxpcdition ist bis zum 83. Grade
vorgedrungen und hat im Norden von Novaja
Semlia cm Festland entdeckt. Ihr Schiff
mußte die Expedition ausgeben, und dieselbe
ist in einem russischen Hafen gelandet. In
den arabischen Häfen am Rothen Meere wü
thet die Pest. Die italienische Regierung
fährt fort, die Republikaner und Internatio
nalisten mit der größten Sorgfalt zu überwa
chen, doch ist alle Gefahr aufständischer Be
wegungen verschwunden. In siid-Jtalien,
in den Provinzen Bari und Barlctta, ist noch
ein kleiner Putsch versucht worden, aber die
Behörden sandten eine Compagnie Infanterie,
woraus die Aufständischen schleunigst ausein
anderliefen. Verhaftungen und Hausjuchun
gen werden noch immer vorgenommen. In
Rom wurde der Deputirte Massari auf der
Straße mörderisch angefallen und erhielt drei
Messerstiche; der Anfall war ein Akt der Pri
vatrache.
Inland.
Die politischen Conventionen, welche gegen
wärtig allenthalben stattfinden, mögen in den
engeren Kreisen viel Interesse erregen, natio
nale Bedeutung haben dieselben nicht, und
auch die Plattformen derselben werden augen
scheinlich mehr gedruckt, als gelesen. Beiner
kenSwerlh ist das Verfahre des repnblikani
scheu Slaats-Ceiitral-Comite's von Missouri,
welches der Partei jenes Staates empfiehlt,
keine 'Nomination zu machen, sondern die be
sten Nominationen der anderen Partei zu un
terstützen. In ähnlicher Weise haben die Re
publikaner im st. Distrikte von weorgia be
schloss, dcm Demokraten Alex. H. Stephens
keinen Opponenten gegenüber zu stellen.—ln
Colorado und Wyoming waren die Demokra
ten in der Congreßwahl siegreich.
Der Sommer hat bisher den Republikanern
wenig Aufmunterung gebracht, und wenn sie
am Montage in Maine keine besseren An
strengungen machen, als in der letzten Woche
in Vermont und in den westlichen Territorien,
so siehl es um ihre Ersolge im Oktober und
November bös aus.
Tie Wirren im Süden
dauern fort, besonders ist das unglückliche
Louisiana wieder ungewöhnlich ansgcregt, nnd
der Präsident hat Befehl an das Kriegsmini
sterium ergehen lassen, dem Oberbundcs-An
wall Williams allenthalben Truppen zur
Verfügung zu stellen, wo dieselben gewünscht
werden. Wir können die Lage der südlichen
Demokraten, speziell der „Weißen Liga" in
Louisiana, recht wohl verstehen, aber wir kön
nen ihr Versahren nicht entschuldigen. Be
druckt, ausgesaugt, mit Steuern überbürdet,
gehetzt und deniiiizirt, blieb ihnen am Ende
Nichts weiter übrig, als sich selbst zu Helsen,
aber sie hätten doppelt vorsichtig sein müssen,
kein Blut zu vergießen. Diese Vorsicht ist
augenscheinlich nicht beobachtet worden. An
verschiedenen Orlen hat der Rassenhaß Blut
vergießen zur Folge gehabt, und wie viel
Schuld auch die Hetzerei der Carpct - Bagger
und der Uebcrmulh der Neger tragen mag, die
Weißen werden verantwortttch gehalten.
Solche Vorfälle, wie die in Louisiana kön
nen nur dazu dienen, die Herrschaft der Usur
patoren zu verlängern.
Der Krieg gegen die Zndianer
dauert fort, und in den letzteren Tagen haben
an verschiedenen Orten Gefechte stattgefunden,
bei denen die Rothhäute regelmäßig gcschla
gen wurden, aber eine Berrälhcrci und eine
Erbitterung an den Tag legten, welche das
Land mit stummem Staunen erfüllten.
Verschiedene Expeditionen bereiten sich jetzt
vor, in die den Sioux vertragsmäßig rcser
v:rten „Schwarzen Berge" einzudringen. Die
Militärbehörden und da Departement des
Innern erlassen schwache Warnungen, diese
werden jedoch die Abenteurer nicht zurückhal
ten, und nkir sollten uns nicht wundern, wenn
wir bald von noch grausigeren Blutthaten und
Metzeleien dnrch die Rothhäute hörten.
Tie BundeShaupikiadt
ist, trotzdem die Saison in den Badeorten gc
schloffen wurde, noch immer verödet, und Hr.
Grant hat erklärt, daß er vor dem l. Oktober
kaum zu erwarten sei. Unterdessen hat man
die Frage aufgeworfen, ob die Amtshand
lungen, welche Grant auf Long Brauch verrich
tele, constituttonell seien. Dieselbe wird ohne
Zweifel in der nächsten Congreß-Sitzung zur
Sprache kommen.
Die übrigen Vorgänge in den Ber. Staaten
verdienen hier keine Erwähnung.
Die zwei Elephanten Baltimore'.
Am Moittag Abend tral der Stadtrath wie
der in Sitzung, und selbstverständlich hatte
Piayor Vansant einen ganzen Sack voll Mit-
thciliingen zu inachen; die bedeutendsten der
selben betrafen Baltimore's beriihirfte zwei
Elephanten das Bassin und Ihne' Mlc.
Ueber die Basfinsragc gibt d-r Bürgermei
ster seine Ansichten iffik großem Freimuthe.
Die BevSlktbüng der Stadt wird sich freuen,
Hl hären, daß der Gemeinschaden abgestellt
werden kann, ohne daß es nöthig sein wird-,
den wichtigsten Theil unseres,HoftnS zu zer
stören. Nach einer öfieNtucheii Diskussion
von vier Jabttü, tu welcher unzählige Vor
ickkägd gemacht und besprochen wurden, wie
der Bassin - Gemeinschaden zu beseitigen sei,
ist noch kein Mittel gesunden worden, welches
geeignet wäre, das Uebel gänzlich abzustellen-,
und die Anhänger der nnmöqlichen Thevric,
den „Fedcral-Hill" in dos Bunin Zu werfen
nnd somit dieses Loch auszufüllen, waren
schließlich der Ansicht, daß ihr Plan jedenfalls
der Beste sei. Der Beste und gleichzeitig der
Unmöglichste; denn wir haben wiederholt
nachgewiesen, daß der „Federal Hill" kaum
hinreichen würde, eine Ecke de Bassin Zuzu
decken. Mayor Vansaiit Versichert, daß das
ganze Bassin jetzt rein ausgebaggert sei und
daß das Wasser auf solidem Kiesgrunde ruhe.
Bisher herrschte im Allgemeinen die Ansicht,
daß der Boden des innerenHafens fußtief mit
Schlamm bedeckt sei,welcher, durch die Schra
uben und Seitenräder der Baidampfcr ausge
wühlt, einen unerträglichen Gestank verbrcire.
der Mayor versichert uns, daß dieie nicht der
Fall ist. Der Boden, sagt er, sei rem und
nur das Wasser sei ichmiitzig. Wenn diese
Annahme stichhaltig ist, dann wäre derUebel
stand leicht zu beseitigen, man brauchte nur
die unreinen Zuflüsse abzustellen und das un
reine Wasser fortzuschaffen. Ueber den Ur
sprung der unreinen Zuflüsse ist die Ansicht
bisher, wie wir aus der Botschaft desMayorS
ersehen, ebenfalls sehr einseitig gewesen. Wir
haben die ganze Zeil her gegianbt, daß die
unreinen Zuflüsse allein ihre'Qu,:'äi i den
zahlreichen Privilegien hattm, die seit Jahren
einer Anzahl Eto.dlissemcittS, Hoteis vnS Prl
vathäusern mit großer Berciumlligkeit vom
Stadttathe erikeilt würden, um ihre Cloaken
nnd AbzvgSkanäle in das Bassin zu leiten.
Di Sanitätsbehörde ist jetzt seil mehreren
Monaten an der Arbeit, diese Canäle und
Röhren abzusperren, der Zustand des Bassins
hat sich aber trotzdem noch wenig verändert.
Unterdessen hat man eine weitete Quelle
der Verunreinigung entdeckt die Zuckcr-Raf
finerie'n. Wer vom Füße derEroßftraße mit
dem dort liegenden Boote das Bassin kreuzt
und sich nach der Drehbrücke rudern läßt, der
wird finden, daß daöWasser in keinem Theile
des Bassins so schmutzig ist, eine so schreckliche
Dintenfarbe hat nS einen so unerträglichen
Gestank verbleitet, als hier außerhalb des ei
gentlichen Bassins, wo bereits das lebendige
Wasser der Fälle eiiisttöntt und eine beständige
Bewegung erzeugt. Fragt man den Boots
niann nach derUcsache, so nennt er die Zuckcr-
Raffincrie'n und die Etablissements zur Ver-
Packung und zum Einmachen von Früchten.
Mehrere Herren machten den Mayor auf die
sen Stand der Dinge aufmerksam und ihre
Argumente brachten ihm schließlich die Ueber
zeugung bei, daß die Sache eine genaue Un
tersuchung verdiene. Er ließ in Folge dessen
Wasser aus verschiedenen Stellen des Bassins
und aus dem Patapsco nehmen und übergab
die Proben dem Prof. Aiken zur Analyse.
Dieser fand im Bassiiiwasser folgende Sub
stanzen: Chlorine, Schwefelsäure, Salpeter
säure, Phosphorsäurc, Sodium, Magnesium,
Calcium, Pottassinm, Eisen, Silica und
Schwefelwasserstoff.
Wer in diese Mischung fällt, ertrinkt nicht
nur, sondern wird gleichzeitig vergiftet. Das
Argument des Mayors über diese, wenn auch
nicht ganz neue, doch für dieSanitätsverhält
ilissc unserer stadt sehr wichtige Entdeckung
ist sehr überzeugend. Hr. Vansant thut dar,
daß vor Jahren, als das Bassin noch kein
Gemeinschaden war, ebenso viel unreine Stoffe
durch die Straßen - Drainage in das Bassin
geschwemmt wurden, als heilte, und daß die
Stadtverordnuiig, welche verbietet, verdorbene
Vegetabilicn in's Wasser zu Wersen, früher
niemals streng ausgeführt wnrde; dennoch
blieb das Wasser verhältnißmäßig rein.
Erst als die Hotels und mehrere große Eta
blissements, wie z. B. das „Sun"-Gebäude,
„Barmim's Hotel," das „Carrollton - Hotel"
:e., ihre Cloaken in das Bassin leiteten und
als die Zucker - Raffinerie' es zum Ablage
rungsplatze ihrer unreinen Abfälle machten,
begann das Wasser eine solche Farbe anzuneh
men und den pcsttlenzialischeii Gestank zu ver
breiten. Eine von beiden Ursachen oder beide
zugleich müssen deshalb verantwortlich gehal
ten werden. Wenn es klar erwiesen wird,
daß die Zucker Raffinerie' in der Stadt ein
Gemeinschaden sind, dann müssen dieselben
angehalten werden, ihre uiirellieiiStoffe durch
gehörige Trainageröhren in fließendes Wasser
zu leiten. Die Gründe, welche der Mayor
für die Vermuthung angibt, daß augenschein
lich ein großer, wenn nicht der größte Theil
des Nebels von den Zucker Raffinerie' her
rühre, sind überzeugend genug, um eine wei
tere Untersuchung zu rechtfertigen. Männer,
welche seit Jahren zur See gefahren sind, ha
ben ihn benachrichtigt, daß der Gestank des
Bassins derselbe ist, welchen man in denSchif
sen wahrnimmt, die Melasse und Zucker von
Westindien holen, sogar die schmutzigen Nie
derschläge, welche jedes neu angestricheiieFahr
zcug unsers Hafens sofort mit der bekannten
schmutzig graugelben Couleur überziehen,
könne man in dem Kielräume solcher Melasse-
TraiiSportschifse finden, indem dort jeder An
strich über Nacht durch solche Niederschläge
zerstört werde.
Hält man noch neben diese Thatsachen die
Analyse des Prof. Aiken, welche in unserer
gestrigen Nummer in ihren Haupttheilen ver
öffentlicht wnrde, so wird man finden, daß
der Mayor vollkommen Recht hat, wenn er
in den beiden angeführten Ursachen, mcht aber
in der Verschlammung des Bassins, welche
thatsächlich nicht cxistirl, die Hauptquellen des
Geineinschadens siehl.
Was den anderen Elephanten unserer Stadt
betrifft, so wünscht der Mayor nicht, daß der
von dem Volke verworfene kostspielige Plan,
oder ein ähnliches Millionen - Projekt auf's
Neue auf's Tapet gebracht werde, thut aber
gleichzeitig dar, daß bald etwas Entscheiden
des gethan werden muß, um den Gemeinscha
den Nr. 1 zu beseitigen und einer ähnlichen
Katastrophe, gleich der vom Juli 1868 vorzu
beugen. Mayor Vansant meint, der letzten
Winter von Hrn. Porter im ersten Stadt
rathszweige eingereichte Plan, welcher vor
schreibt, das Flußbett zu reinigen, die Seiten
mauern auszubessern und die scharfen Krüm
mungen zu beseitigen, würde vollkommen ge
nügen. Die Correktion nach diesem Plane
würde höchstens >550,000 kosten.
Mayor Vansant's Borschläge in beiden
Fällen zeigen praktischen Verstand und verdie
neii die volle Beachtung des Stadtrathes,
diesem aber möchten wir zurufen:
„Der Worte sind genug gewech
selt, laßt uns nun endlich
Thaten sehn!"
Tie „Farmer's Union" von Baiti
more-Connty.
Die im Westen entstandene sogenannte
Bauernbcwegnng hat sich in sehr kurzer Zeit
auch nach dem Osten verbreitet, und schon vor
Jahressrist wurde in Baltimore-County ein
Farmer-Verein gebildet, welcher unterdessen
zu einer mächtigen und einflußreichen Körper
schaff emporgeblüht ist. Die „Farmer's
Union" hielt vorgestern in einem Wäldchen
bei Ashland ihr zweites jährliches Picnic.
Die Gesellschaft ist bereit einige Jahre alt,
bekam aber durch die „Grangers" einen neuen
Impetus und zählt jetzt 260 geachtete Land
wirthe des Connties zu femen Mitgliedern.
Die Wohlthaten der Vereinigung machen sich
bereits in vielen Beziehungen fühlbar, der
Boden ist besser cultivirt und die Güter sind
in einem blühenden Zustande. Beamte der
Gefclllchaft sind: Samuel Rantin, Präsident;
I. D. Matthews, Vice-Präsident; Nicholas
Hutchins, zweiter Vice Präsident; Wm. Web
ster, correfp. Sekretär; Thos. Gorsuch, proto
kollirender Sekretär; Georg Mcrryman,
Schatzmeister.
Das Programm der Festlichkeit bot alles
bei einer solchen Gelegenheit Wünfchens
wcrthe. Die Hanptjache waren natürlich die
Reden. Die Rednerdühne und der Zuhörer
platz waren geschmackvoll dckorirt;"als das
Signal gegeben wurde, versammelten sich
etwa 1009 Personen um das Rostrum, und
der Präsident der Gesellschaft rief die Ver
sammlung zur Nachdem die
„Baltimore-City-Cocnct-Band" ein Musik
stück vorgetragen, hielt Gen. Sam. Jones,
Präsident des „Maryländer Agricullur-Col
lege," eine Rede an tue Versammlung. Er
sagte, Maryland habe unvergleichliche Acker
bau-Ressourcen und bedeutende Vorzüge vor
anderen Staaten. Der Staat habe eine
Temperatur, welche dcm Ackerban besonders
günstig sei. Der Redner sprach sich dann des
Längeren über die Urjachen aus, weshalb der
Staat nicht genügend entwickelt sei und wid
mete dem Mangel an Farmarbeffern eine ein
gehende Besprechung. Mit Bezug aus letz,
lere Angelegenheit führte er aus, oaß die Ar
beitskräfte nicht gehörige benützt würben.
Die jungen Leute vom Lande verließen in den
meisten Fälleu die Wohnung ihrer Eltern,
um tu den Städten ihre Zeil m Wirthschaften
, und bei'm Billardspiele todtzuschlageii. Der
Geist des Hazardspieles und der Spekulation
! lenke ihre Sinne von dcm sicheren Auskoin
> men ab, welches dem Lansmaun in Aussicht
gestellt sei. Dleses Uebel lönne abgestellt
! werden, wenn man den Ackerbau einträglicher
wache. Dieses könne jedoch nur durch einen
wissenschaftlichen B'ttieb geschehen, und in
dey, der Farmer die Ackcrbauschule be
suche. Der Redner zeigte sodann, wie andere
Staaten solche Anstalten unterstützen, die Ge
setzgebung von Californien verwilligt z-. B-.
§38,000 mehr, altz.perlangt nttiröc, Illinois
hat >23.580 all seine Anstalt dieser Art ge
chcnver, lowa §330,000, Massachusetts so
gar >51i0,000, nur Maryland habe diese wich
tige Schule sehr stiefmütterlich behandelt.
Hr. Henry C. Hallowell vo Montgdmerh-
County trat als zweiter Redner ans. Er zog
Conttaste zwischen dem Siadfteben sind dem
Landfrieden und ssshrte dann die Punkte einer
gvnftißen Ackerbau - Entwickelung an. Be
sonders aussührlich verbreitete er sich über die
Arbeiterfrage und über die schlimmen Ein
flüsse der Wälderzerstörung aus das Klima.
Er bedauerte den quixottischen Krieg gegen
die Eisenbahnen, schilderte den enormen
Nutzen derselben und sprach die Hoffnung
ans, daß schließlich eine Gewalt gefunden
werden möge, welche im Stande sei, die gro
ßen Corporationen zu controliren.
Pros. Hullen von der Staats-ASerbau
Schule hielt die Schlußrede; er sprach über
den Einfluß der Wissenschaft auf die Verdes
serung der Landwirthschaft. Die Versamm
lung gab sich sodann den Vergnügungen hin.
Unter den Anwesenden waren viele angesehene
Herren von Baltimore, Kanstentc nnd Fabri
kanten und ein drillanter Damcnfior, zumal
die bekannte „Landpommeranze" au; amen,
kamschem Boden nicht recht gedeiht, und hier
selbst die einfachste Bauerndlrne im Nu sich
zur Lady verwandeln kann.
Bismarck über Napoleon bet
' Sedan
Erinuu.lng SN die Schlacht
von -iLorU; ini kleinen Saale des Kurhauses
>n Kissingen abgehait'Mü Diner unterhielt
Fürst Bismarck die Gesellschaft im Besonde
ren Ken seiner Begegnung mit Napoleon nach
der Schlacht bei Sedan. Er zog eine Paral
lele zwischen dieser und jenem Tage, an wel
chen er vor der Abreise zum letzten Male mit
Napoleon in St. Cloud zusammengetroffen
war—wie er, der Fürst. Angesichts des dikta
torisch-n Auftretens Napoleon' schon da
mals über Kurz öder Lang eine Katastrophe
befürchtet habe, und wie auch Napoleon da
mals einen Bruch in den Beziehungen
vorausgesehen haben müsse, denn nach den
üblichen Reden über diese sei in der Unter
haltung eine peinliche Unterbrechung einge
treten, bis man die Sprache aus das Wich
tigste aller Gebiete—auf das Wetter gebracht
habe.
Anders habe es an jenem Tage ausgesehen,
als die Uebergabe von Sedan angekündigt
worden war. Aus der Landstraße allein dcm
geschlagenen französischen Kaiser entgegen rei
tend, habe er, Bismarck, mehrere daher kom
mende Bauern vergeblich nach einer eleganten
Equipage mit hohen französischen Offizieren
gefragt, bis ei endlich von scrn eine einfache
Kalesche entlang fahren sah, unter deren In
sassen er sehr bald 'Napoleon erkannte. Her
angekommen hätten der Kaiser und seine Be
gleiter die Käppis gelüftet. Er, Bismarck,
imßegriff, die Begrüßungen zu erwiedern, sei
mit seiner Hand bei dem aus der Brusttasche
hervorragenden Revolvergrifse vorbcigesircift
-in diesem Momente wäre Napoleon kreide
weiß geworden. Als derselbe dann gefragt
habe, wo er absteigen könne, jei er, Bismarck,
selbst in Verlegenheit gewesen und habe nichts
Anderes als zu dem kleinenSchlößchen rathen
können, an welchem er vor dem Zusammen
treffen vorüber geritten sei. Nach vieler Rich
tung habe 'Napoleon dem Kutscher zu fahren
befohlen,—nach wenigen Minuten sei er je
doch, wahrscheinlich Insulte Seitens seiner
Landstcute befürchtend, davon abgekommen
und habe den Wunsch geäußert, bei einem
seitswärts gelegenen klemm Häuschen Halt
zu machen. Dahin sei er, Bismarck, vor
auSgeritten, habe sein Pferd aiigebiindeil und
das Zimmer der Bewohner—eines Webers
und seiner Frau, welche am Webstuhle geses
sen betreten, um Aufenthaltsbewllliguiig
für sich und die ankommenden Offiziere ersu
chend.
Mittlerweile sei auch schon Napoleon in's
Zimmer eingetreten, habe einen Stuhl in's
Freie hinausgetragen und die andern heraus
zubringen gebeten. Der Weber habcz den
Kaiser sogleich erkannt. Hier also sei er,
Bismarck, seil jener letzten Verabschiedung
zum ersten Male wieder mit Napoleon zusam
men getroffen. Die erste Frage, welche er an
denselben gerichtet: ob man nunmehr Frieden
schließen könne'? habe Napoleon mit einer
Hinweisung ans die Regierung in Paris be
antwortet. Dann sei, während eine Ordi
iianz in das Hauptquartier abgegangen war,
in der Unterhaltung zwischen ihnen wieder
eine peinliche Pause eingetreten, bis endlich
die Sprache abermals aus das Wetter gekom
men sei!
Das Weitere ist zur Genüge bekannt; die
Zusammenkunft des Königs Wilhelm, jetzi
gen deutschen Kaisers, mit Napoleon fand erst
statt, nachdem die Verhandlungen definitiv
abgeschlossen waren. De eine Umstand ver
dient och Beachtung: Napoleon hat bei die
ser letzteren Begegnung nicht, wie vielfach
bildlich dargestellt, dem Könige seinen Degen
überreicht—der Degen ist vielmehr schon vor
her dem Könige üoerbrachl worden, welcher
ihn ans Höflichkeitsrücksichten wieder an Na
poleon zurücksandte.
Tages-Neuigkeiten.
Die Bürger von Hcnrhvikle, Clark-
Co., Ind., haben eine Belohnung vonsioov
für Ergreifung derMördcr von August Gard
ner, welcher seines Geldes beraubt und dann
aus das Eiseiibahngeleise gebunden worden
war, ausgesetzt. Bod Thomas, A. Lewis
und E. Clarke sind, als der That verdächtig,
verhaftet worden. Jn Hcnryville herrscht noch
immer große Ausregung und im Falle die
Indizien gegen die drei Verhasteten gravirend
sein sollten, mag es zu einem Gewaltakt kom
men, da ein Vigilanz-Eomite sich organisirt
hat.
In New-Orleans befinden sich nicht
weniger als 34 des Mordes angeklagte und
schuldig befundene Perssncn in Hast. Da
runter befindet sich auch Joseph Hügel, der
„moderne Virgmins," der am 19. Oktober
1873, bei der Landung in Amerika, am Fuße
der Louisa-Straße seine Tochter Calharina
Hügel erstach, weil sie eine Liebschaft mit ei
nein jungen Passagier angefangen hatte, der
mit ihnen auf dem Dampfer „Staat Louisia
na" angekommen war. Er wurde des Mordes
(ohne Todesstrafe) schuldig befunden und zu
lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt.
Berks' Co., Penns., wird in einigen
Tagen das Schauspiel eines Wcttlaufcs zwi
schen E. Moulton und seiner Frau erleben.
M. giebt seiner Frau 25 Jards aus je 125
voraus.
JnSt. Joseph, Mo., dclektirt man sich
an „Martha"-VorsteUuiigen ohne Orchester
und ohne Chor. Das ist beinahe wie Sha
kespeare's „Hamlet" ohne die Titelrolle.
Das erste Fahrzeug, welches je einen t e
xanischen Hasen, mit Getraide
befrachtet, verließ, ist der britische
Dampfer „San Jacinto," der vor einigen
Tagen von Galveston nach Liverpool ab
ging.
Demnächst wird inNcmark, N.-J.,eine
Heirath nach zwanzigjährigem Brautstände
stattfinden. Douglas Lyon, der Bräutigam,
kam vor 20 Jahren aus Schottland nach
Amerika und ließ eine Braut in der Heimath
zurück, der er versprochen hatte, sie zu hei
rathen, wenn seine äußere Lage Dies gestatten
würde. Er blieb im eifrigen Briefwechsel
mit ihr, aber gleich so vielen Anderen konnte
es Lyon sehr lange nicht gelingen, in gute Ver
Hältnisse zu kommen. Jetzt endlich nach 20-
jähriger Arbeit ist er so wett und erwartet die
Braut, um nach zwanzigjährigem Hangen
und Bangen endlich vor den Traualtar zu
treten. Und da sage man noch, daß die jetzt
lebenden Menschen einer treuen Liebe nicht
sähig sind!
Die Schwaben in Brooklyn, N.-A.,
feiern jevt ebenfalls ihr Cannstatlee Volksfest.
Die im Lause der Jahre unter diesem Namen
berühmt gewordene New-Zorkec Feier wird
erst in einigen Tagen stattfinden.
In 'New -?) orl hat ein deutsches Scheu
sal, Namens Karl Diafer, feine Tochter zu
Prostitulions - Zwecken verkauft. Dinser ist
cin Schuhmacher und begab sich mit dem
Bordellwirthe Peter HoUeck in eine Wirth
schaft, wo der Handel abgemacht wurde. Der
Wirth hörte die Sache besprechen und rief
zwei Polizisten herbei, von denen Einer,
Namens Beck, den Schacher belauschte. Nach
einiger Zeit verließ Dinker, der einen Rausch
hatte, das Lokal und begab sich nach Hause,
wohin ihm Holleck bald nachfolgte. Nach
einigen Mmuten sahen die Polizisten den
HoUeck mit einem Mädchen an der Hand
das Dinser'schc Haus verlassen und durch 49.
Straße znr 8. Avenue gehen, wo er, als er
einen Eisenbahn - Wagen besteigen wollte,
sammt dem Mädchen verhaftet wurde. Auf
dem Wege nach dem Slarionshause erzählte
Lina den Polizisten, daß Holleck cin häufiger
Gast ihres Vaters sei und daß er ihr schöne
Kleider, gute Erziehung und Vergnügungen
jeder Au versprochen habe. Auch habe er ihr
stets Geld gegeben. Dinser wurde gleichfalls
verhaftet. Wie es in der Nachbarschaft
heißt, soll Dinser bereits drei Töchter auf
ähnliche Weise untergebracht Hachen. Uebcr
haupt steht er in schlechtem Rufe bei der
Polizei und seinen Nachbarn.
Bon Ehlcago wird gemeldet, daß am
So.inlage ein teuflischer Verffich gemacht
Baltimore, Md., Freitag, den 11. September 1874.
wurde, eine auf den „Washington - Heights"
wohnhafte, aus acht Personen bestehende Fa
milie zu vergiften. Ein. neu angestellter
Farmarhelter schüttete Pariser Grün in den
für oie Familie bestimmten Kaffee, und nur
der Ilmstand, daß die Dosis zu groß war,
verhütete den Tod Derer, welche von dem
Kaffee getrunken hatten. Der Arbeiter hatte
es aus die Beraubung seines Herrn abgese
hen, her wie er wüßte, eine große Geldsumme
lm Hause., hatte: Als beb Bösewicht die
Ersokglcsigkeit seines teuflischen Versuches
wahrnahm, entfloh er.
Der amerikanische Ex-ConsulCharles
Perkins von Lissabon, gegen welchen vor
dem Zuchlhauspolizei-Gerickte von Pakis ge
genwärtig eln Prözeß veryaudelt wird, durch
falsche Vorspiegelungen 39,00vFrancs an sich
gebracht zu haben, hat ein höchst abenteuer
liches Leben durchgemacht. Er wurde im
Dutcheß-County in New - Aork geboren und
machte bereits in seiner Jugend eine Reise
durch ganz Europa. Nach Hanse zurückgc
kehrt, lenkten die vielen von ihm aus seinen
Reisen gesammelten Kenntnisse bald die allge
meine Ansmerksamkeit auf ihn. Namentl'ich
druckte er sich in vielen Sprachen worunter
auch die slavonische, sehr gelaufig aiis. Der
ehemalige Staaks-Kekretär Sewärd ernannte
ihn zu! amerikanischen Consul in Lissabon
und beehrte Hrn. Perkins stets mit seiner be
sonderen Gunst. In Portugal eröffneten ihm
seine amtliche Stellung, seine vielseitigen
Kenntnisse und sein gewandtes Benehmen
schnell die ersten Kreise der Gesellschaft, was
er sich so gut zu Nutze machte, daß er sich mit
einer Nichte der ehemaligen Königin Jsabella
von Spanien vermählte. Dieser Ehe ist ein
Sohn entsprungen, den man also den ameri
kaillschcnßourbon bezeichnen könnte. Hieraus
ließen sich allenfalls die Beziehungen zwischen
Don Carlos nndPerkins erklären und zugleich
auch cin Schlüssel zu dcm Auftreten der fran
zösischen Partei gegen ihn finden.
Ueber eine g 0 l d ene Ho ch ze i t meldet
die „Quincy (Jll.) Tribüne:" „In ColnM
buS-Township, ungefähr 17 Meilen von
Quincy, wohnt seit dreißig Jahren cin deut
scher Farmer, Namens Christoph Koch; er
hat sich durch Fleiß und Sparsamkeit ein
hübsches Heimwcsen gegründet. Christoph
Koch ist jetzt 78 Jahre alt, und seine treue
Ehehälfte zählt 73 Sommer und Winter.
Am Sonntag feierte das Paar den freudigen
Tag der goldenen Hochzeit, ein Glück, wie es
nur wenigen Menschen bejchieden ist. Das
Jubelpaar hat 7 noch lebende Kinder und 34
Enkel. Davon wohnten 5 Kinder und 21
Enkel dcui frohen Feste bei. Fünf Glieder
der Nachkommenschaft des Jubelpaares woh
nen in Quincy, eine Tochter ist in Deutsch
land und ein Sohn in Minnesota. Christoph
Koch, wie auch seine Frau sind gebürtig aus
Horsmar, Kreis Mühlhanjeii, Provinz Sach
sen, Königreich Preußen, und sind heute trotz
des hohen Alters noch sehr rüstig."
Die „Westliche Posi" von St. Louis macht
folgende Zusammenstellung über die Stärke
der Katholiken im Deutschen
Reiche. Sie sagt: „Wir haben vor einigen
Tagen einige interessante Ergebnisse der
Wahlstatistik Deutschland's unseren Lesern
vorgelegt. Heute gehen wir etwas spezieller
aus die Verhältnisse cin, und es wird sich
hierbei ergeben, daß der Kampf gegen die uft
lramontanen Elemente d'raußen durch die
überraschende Zahl der Gegner weit schwieri
ger ist, als man gewöhnlich anzunehmen
pflegt. Die Wahlstattstik sctzl die Zahl der
deutschen Stimmgeber überhaupt aus 5,259,-
155 fest; diese haben 397 Vertreter in den
Reichstag zu wühlen. Bei der letzten Wahl
nun wurden 3,954,729 Stimmen abgegeben
und darunter war ungefähr em Drittel der
ultramontanen Partei ang hörig, nämlich 1,-
203,529. Ihr ganzes Votum hätte 1,564,-
999 betragen. Doch ist das nicht die ganze
Summe. Das Königreich Sachsen z. B.
enthält auch Katholiken. Dort wurde kein
einziges Mitglied der Ceittrums-Fraktiou ge
wählt, wohl aber eine Anzahl von Sozial-
Demokraten, deren Stimmen 339,758 betra
gen, nnd für .diese hat dort das katholische
Element gestimmt. Dasselbe gilt von den
Polen, die 199,273 Stimmen repräsentiren."
Die Partei, welche die meisten Stimmen er
hielt, war die national-liberale mit 1,246,394,
also nur etwa 40,000 mehr als das Centrum,
während die ganze Wähler-Liste auch in dem
selben Verhältniß höher ist, nämlich I,stlst,
440. Den vereinigten Stimmen der Katho
liken, Sozial-Demokratcn und Polen gegen
über aber bleibt sie entschieden in der Minder
heit. Noch weit überraschender aber ist das
Anwachsen der katholischen Partei seil 1871.
Damals hatte sie 61 Vertreter im Reichstage,
jetzt Ivl. Vierzig Wahlkreise hat sie seitdem
gewonnen und nur einen verloren. Die Zahl
ber Stimmen betrug z. B. in Schlesien von
14 aus 32 Prozent, in Westphalen von 44 aus
53, am Rhein von 45 aus 64, in Bayern von
38 auf 59, in Württemberg von 9 auf 19, in
Baden 23 auf 41, in Hessen gar von 9 ans 23,
während sie nur m Hannover um 5, in 'Nassau
um 3 Prozent abnahm." Die „Westl. Post"
meint, daß heute sich das Verhältniß für die
'National Liberalen noch ungünstiger heraus
stellen werde.
In San Franzisco hat das Ober
gericht von Calisoriiien cnschieden, daß die
neulich zu Prostittmonszweckeii von China
angekommenen 22 chinesischen Frauenzimmer
von der Dampscrlinie, die sie hierherbrachte,
wieder nach China zurückgeschafft werden
müssen.
Aus New-Jersey verlautet, daß in
Folge des heißen und trockenen Wetters ein
totaler Fehlschtag der Maiscrndte erwartet
wird.
In St. James, Missouri, jagte sich
August Geiser, früher Wirth in St. Lonis
und neuerdings Schenkhalter in Stein'S
Hotel zu St. James, eine Kugel durch den
Kopf.
In NewP 0 rt, Ky., reduzirte die Eisen
röhren Fabrik von Gaylord K Comp, in
Folge der schlechten Zeilen die Arbeitslöhne
um 10 Prozent. Daraufhin stellten 250
Leute die Arbeit ein und die Eigner schloffen
das Geschäft.
Der Beecher - Skandal spukt in
Brooklyn und New-Dork fort. Neuerdings
durchschwirren wieder Gerüchte über eine
bevorstehende Versöhnung der sauberen Sipp
schaft die Lust.
In New -N0 rk weigerte sich am letzten
Sonntag die Frau des Thos. Sheehan, für
ihren Mann emen Hemdeknops anzunähen.
Darob wurde Thomas dermaßen aufgebracht,
daß er ans seine Frau losging uno ihr mit
einem Schustermesser eine surchlbare Wunde
am Beine versetzte. Thomas wurde ver
haftet.
Während einerseits Gerüchte über eine
Versöhnung im Umlaufe sind, erfährt man
andererseits, daß Tilt on's Pr 0 zeß gc
gen Beecher im Oktober im Gerichte zu
Brooklyn ausgerufen werden soll. Tilton hat
bereits eine ganze Armee von Weibern von der
Sorte der Anthony, Cady Stanton :c. als
Zeugen vorladen lassen. Nach dem Pro
gramme des Beecher'schen Anhanges wird
Beecher am 4. Oktober zum Erstenmale wie
der in der Plymouth-Kirche predigen und am
nächsten Tage der Eröffnung des Prozesses
beiwohnen. Ttlton will die Welt mit einem
neuen Expose, 400 Seiten umfassend, be
jchceren.
Von Pensac ola , Florida, wffd gemel
det, daß das gelbe Fieber in milder Form 11:
der Stadt grassirt, aber in dcr Navy Harb bis
dahin nicht sein Erscheinen gemacht hät. Am
der Quarantäne starben unlängst am Bord
eines Schisfes ein Arzt und mehrere Ma
trosen.
Ueber die Sonderstellung des
Hrn. Schurr schreibt der „N.-Y. Demo
trat" Folgendes: „Wie die republikanische
und demokratische Partei in Missouri sich ge
gen Schurz verhalten werden, ist fast genau
lin Boraus zu bestimmen. Bon beiden Par
teien wird derselbe nichts zu hoffen haben.
Welche Aussichten er in der unabhängigen
Partei haben mag, ist vorderhand unermit
telbar, da nichts trügerischer ist, als eine aus
verschiedenen, heterogenen, ohne innere Cohä>
sion zum Anschluß gebrachten, fondern lose
und äußerlich zusammengewürfelten, ihres
Zieles und ihrer Bestimmung durchaus un
sicheren Elementen zusammengewürfelte Par
tei von Missoirri unabhängig genug bleiben
wird, wenn es zum Treffen lommt, um
ihre eigene Sache ohne Buiidcsgenossenschafr
durchzuführen, ist eine Frage der Zeit. Ob,
selbst wenn sie diese absolute Reinheit ihrer
Sonderexistenz bewahrt, sie in Carl Schur;
einen Exponenten ihrer Ansichten anerkennt,
ist nicht minder eine Frage der Zeit. Unter
diesen Umständen ist die Wiederwahl von
Schurz, nach unserem Urtheile, leider höchst
ungewiß."
BN Berlin, Deutschland, ist das Son
derbare geschehen, daß der kürzlich nach dort
hin berufene Pros. Treitschkc eine Rede zu
Gunsten der Sklaverei gehalten hat. Er
sagte unter Anderem: „Die große rettende
That der Kultur, die mindestens auf jene fer
ne Jahrtaufende ebenso erweckend und sim
gend eingewirkt, wie das Christenthum auf
eine spätere Epoche, ist: die Einführung der
Sklaverei." Das „Wafh. Journal" sagt:
„Zur Begründung dieses schönen Gedankens
jüyrt uns Herr Treitschke die Menschheit in
dem Stadinm vor, wo sie nur von der Jagd
lebte und selbstverständlich die Sieger den Be
siegten geschlachtet und aufgefressen haben.
Solchem Zustand der Menschensresferei gegen
über ist die Sklaverei der große Fortschritt.
Beivundeiung ter Stlaverei als große, ret
tende Thal führt Herrn Treitschkc auch zu der
richtigen Con'equenz, daß die Gleichberechti
gung der Menichcn zur Unkultur treibt. Der
Tcniokrat ist ihm eine Art Menschenfresser,
weshalb er denn auch auf Nordamerika mit
tiefster Verachtung blickt. Haben jadie Nord
amerikancr die größte rettende That derWelt
geschichle, die Sklaverei, beseitigt und somit
ioiiüenklar bewiesen daß sie .den Inhalt aller
Geschichte" nicht, bcgr.eneiü" . .
In Washington ist dag „St. Cloüd-
Hotel," Ecke der 9. und F-Straße, für
200,000 in den Besitz des Ex-Gouverneurs
Shepherd übergegangen.
Von einer südearoliimchen Riesen rc b e
Mri-sstet daS deutsche Blakt in Charkestönl
„In Abbeville-County ist eine Scruppernong-
Rcbc, die einen ganzen Acker bedeckt und wo
von 1000 Gallonen Wein jährlich gewonnen
werten. Wann werden unsere Pflanzer ein
sehen lernen, daß der Weinbau zwanzig
Mal(?) besser bezahlt, als Baumwolle."
Nahe St. Charles, Rio., beging am
Samstage der Deutsche Ernst A. Droste auf
folgende originelle Arl ünd Weise Selbstmord.
Er' litt seit Jahren am Delirium Tremens
und hatte nach nnd noch verschiedene Hypo
theken aits sein Grnnöeigenthüm verschrieben,
welches in Folge dessen im Werthe bedeutend
gesunken war. Man hatte ihn seit Kurzem
unter Kuratel gestellt, und da er aus diese
Weise seiner Neigung nicht nachhängen
konnte, so hatte er schon häufig gedroht, sich
nm's Leben zu bringen. An gedachter,! Tage
lud Troste eine Schrotflinte, welche er jo
placirte, daß der Kolben zwischen seinen
Füßen zu liegen kani und die Mündung
gegen das Gesicht gerichtet war. Vermittelst
eines vor den Abzug (Drücker) gelegten Sta
bes drückte er dann los. Der Schrot drang
ihm durch Nase und Augen in den Schädel
und machte seinem Leben augenblicklich cin
Ende. Die Leiche wurde am Sonntag
begraben. Der Todte war vierzig Jahre
alt, vcrhcirathet und Vater von fünf Kin
dern. Sein Bruder ist Reisender für ein
bedeutendes Geschäftshaus.
In San Franzisco fand gestern die
Jahresfeier der „Pioniere von Callfornien"
stall.
In Hackens ack, N.-J., wurde vorge
stern der berüchtigte Pferdedieb F. Stewart
zu 20 jähriger Zuchthausstrafe verurtheilt.
In Jersey-Eity, N.-J., steht die
Gemeinde des notorischen Predigers Glenden
iliiig im Begriffe, sich gänzlich aufzulösen.
In Chicago brannte vorgestern die alte
Raffinerie der ~'Nonhwestern Oil-Co."ab;
Verlust K 20,000.
Bei New-Jork überrannte vorgestern
Abend der Dampfer ,-Middleton" ein Segel
boot Einer der Insassen des Letzteren, Eha
les Lambert? ertrank.
Conrad Heim, cin bekannter Wirth aus
Staten-Jsland, N.-J., kehrte Mitt
woch Nachmittag im betrunkenen Zustande
von New-Aork zurück und wurde bald darauf
wegen eines thätlichen Angriffes auf seine
Frau und Tochter aus Grund eines vom Rich
ter Garrett ausgestellten Befehls verhastet.
Der Constabler Robert Goggin brachte ihn m
eine Droschke, um ihn vom Pslizeigerichte
nach Richmond zu führen. Aus dem Wege
dahin kamen sie bei Heim's Salon vorbei und
der Gefangene stieg daselbst mit Erlaubniß
des Constäblcrs aus, nm, wie erjagte, seinen
Rock zu wechseln. Er ging durch die WirthS
dcne Flinte aus der Ecke und, indem er einem
Barkeeper „Adieu!" zurief, setzte er sich die
Mündung der Flinte unter das Kinn, drückte
mit dem Fuße ab und die Kugel fuhr ihm
durch den Kops. Er war augenblicklich eine
Leiche. Seine Fran war zur Zeit der Thal
in der Polizeistalion. wo sie die Klage gegen
ihren Gatten erhoben hatte. Man sagt, daß
auch sie betrunken war. Das Ehepaar soll
sehr unglücklich gelebt haben. Heim halte
schon früher zweimal den Versuch gemacht,
sich das Leben zu nehmen. Einmal versuchte
er sich zu erhängen, doch ein Mann, Namens
Collins, fand ihn noch rechtzeitig und schnitt
ihn ab. Coroner Lea hielt den Jiiquesi und
die Jury gab einen Wahrspruch gemäß den
obigen Thatsachen.
Ein probates Mittel, m die Indi
aner zu züchtigen, besteht darin, dieselben auf
eine kleine Reservation zu bringen und hin
länglich mit guten Waffen und schlechtem
Whiskey zu versehen.
F annh L Y nch, ein Ist jähriges farbiges
Mädchen, das in der 'Nähe des Otter River-
Depots in Virginien wohnt, begab sich am
Freitag in den Wald, gebar dort cin Kind
und schlug demselben kurz nach der Geburt
mit einem Stein den Schädel ein.
JnEhicago wurde gestern Abend die
Jndnslrie-Ansstellung der westlichen Staaten
eröffnet. Dieselbe ist weit besser beschickt, als
die vorjährige, alle Departements sind gut
ausgestattet, die Kunsthalle zeigt eine Anzahl
vortrefflicher Gemälde aus PanS, München,
Düsseldorf, Brüssel, Rom, London:c. Dn
bnfe'S großes Bild „Der verlorene Sohn" bil
det die Hauptattraktion.
Vorgestern Abend jcmd in N e w - P 0 r k in
den „Germania Asscmbly-Rooms" eine Mas
senversammlung der deutschen Wirthe von
New-2)ork und Umgegend statt, um gegen das
Sonntags-und Conzessioils-Gesetz zu agi
tircn.
Der deutsche ApothekergehülfcK rauscher
in New-Hork, welcher dieser Tage dem
Schneider Hcrbold gegen die vorherige War
nung 'einer Tochter Rleesal; verkaufte, wo
mit sich dieser vergiftete, ist freigesprochen
worden, weil er alle gesetzlichen Vorschriften
befolgt und gehörig ctikettirl halte.
Unter den Passagieren des vorgestern in
New-Sjork eingetroffenenDampfers„F risi a"
befanden sich die HH. Bayard Taylor, derbe
kannte Dichter und Schriftsteller, und Agricol
Paur, der Dirigent des New-lorker „Lieder
kranzcs."
Der Apothekergehülfe Adolph Meyer in
Brooklyn, N.-'.!)., wurde vorgestern ver
hastet, weil seineUnvorsichtigkeit eiiiemMaime
das Leben gekostet hat.
Bon S taunton, Birg., wird der Plötz
liche Tod des abgesetzten kalh. Priesters Da
niel Downest gemeldet. Downey wurde vor
ungefähr 20 Jahren abgefetzt, weil er einen
Piaiin, stiamens McMulleii erschoß, den er
zwingen wollte, cinvonihm(McM.) verführ
tes Mädchen zu ehelichen. Die Tödlung er
folgte, als McM. sich an dem Priester ver
griffen. Downch wurde prozejsirt, aber frei
gesprochen, da er in Selbstvertheidigung ge
handelt hatte. Downey war längere Zeit
Schullehrer, neuerdings als Ber. St.-Waa
renspeichcr-Aufschcr. D. war ein Mann von
Bildung und erfreute sich allgemeiner Ach
tung.
In Philadelphia herricht Wassernoth
und man jammert nach Regen, um nicht zu
verdursten. Bereits wird zu allgemeiner
Sparsamkeit bei der Benutzung des Wassers
gerathen.
In Egg-Harbor, N.-1., findet am
28^und 29. ds. MtS. die jährliche Ausstel
lung statt.
Der Eigenthümer und der artistische Leiter
des Metropolitan-Theaters in New - ork
standen vorgestern vor dcnSpczial-Assisen, an
geklagt, in ihrem Theater unmoralische Bor
stellungen gegeben zu haben. Die Angeklag
ten machten geltend, daß der „Cancan" voll
kommen ungefährlich fei und die Sitten nicht
verderbe. Das Gericht entschied zu ihren
Gunsten, und Beide wurden entlassen.
Telegraphische Tepeschen.
Jnlandi-Depeschen.
Aus der Bundeshauptstadt.
Washington, 10. Septbr. Gen.
Sherman hat verfügt, daß von dem Fort
Footc in Maryland und von dem Arsenal in
Washington am 14. Septbr., dem Jahreslage
der Einnahme von Mexiko, ein Salut von 27
Kanonenschüssen abgefeuert werden soll.
Das Schulschiff „Constitution," mit den
Seekadetten am Bord, ist auf der Rhede von
Hampton eingetroffen.
Die Republikaner der recoiistruirtcn
Staaten wollen am 13. Oktober in Chatta
nooga, Tenn., eine Convention halten.
Das Berfahrcn des Schatzamtes in Be
treff der Ergreifung von Vorsichtsmaßregeln
wegen des gelben Fiebers ist nicht darauf be
rechnet gewesen, den Eindruck zu erzeugen,
als ob das Fieber an der atlantischen oder
Golfküste in irgend einer Form herrsche.
Es wurde heute Abend hier berichtet,
daß die Grand-Jury den Hülss-Distrikt-An
walt Harrington wegen der bekannten Ein
bruchsgcschichtc in Anklage versetzt habe. Der
Achtb. A. G. Riddle, welcher den Oberbun
dcsauwalt m diesem Falle vertritt, iagt jedoch,
' daß diejes nicht wahr ist, indem er noch keine
! Notiz davon erhalten, was unbedingt gesche
hen sein müßte. Die Anklagcbehvrde hat
übrigens seit mehreren Tagen über den Fall
! berathen.
Entscheidung in einer Lebens-Ver
silherungs-Sache.
Boston, 7. Sept. Das Ober-Appel
lattons-Gericht von Massachusetts hat in
Sachen der angestrilieiien Lebens-Versiche.
rungs-Police, in der es sich um >20,000 han
delt, zu Gunsten der Wittwe des verstorbenen
Oberst Thomas Ehickering gegen die
„Globe Lebens Veenchcrungs Compagnie"
von Rew-'l)ork entschieden. Tic bellagte
Eompagnie behauptete, daß die Prämie nicht
bezahlt worden sei, die Klägerin bewies jedoch,
daß der Bostoncr Agent der Eompagnie die
Zahlung der Prämie garanlirtc, um dadurch
seine eigene Schuld, welche Madame Ehicke
ring an ihn zu fordern hatte, gut zu machen.
Das Gericht ist der Ansicht, daß die Asse
kuranz-Compagnie durch die Versprechungen
ihres Agenten gebunden sei.
Vernrtheilnüg eines betrügeri
setlen Bankiers
. Bsst 0n 8. Septbr. James A. Coe,
er Mäkler, welcher kürzlich der Fälschung
von Aktien Ccrtifikaleii überführt würde: in
heute zu 3 Jahren Zuchrhaushäsl vernriyeill
worden.
Erössnnng des Hoosac.Tunuelö.
N 0 ri H Aba m S. Mass:: 9. Scvt.—Am
>2. November soll der Hoosac - Tunticl zum
ersten Mal befahren werden; der Staat hat
die Legung eines Geleises von Srahlschiencn
für die Tunnelstrecke angeordnet und kommt
für die Differenz zwischen Stahl- und Eisen
schienen aus. Die Maurerarbeiten für Vo
genlegnng bei'm Centralschast werden noch
sechs Monate Zeit erfordern, aber das tägliche
Passiven eines Personen- und eines Fracht
zugcs nicht hindern.
Die Convention dt^isporismen."
Niagara Kalls N.-A. 10. Sept.—
Eine Convention der ,Sportsmen" versam
melte sich heute Morgen gegen 10 Uhr.
Der Bericht des Comite's bezüglich der defi
nitiven Organisation wurde gebilligt und die
Beamten Mit Einstimmigkeit gewählt. Allen
I. Brinsmade von Ohio ging als Präsident
hervor. Sodann wurde der Beschluß gcsaßt,
daß die erste Jahres - Versammlung der Ge
sellschaft in Cleveland, Ohio, stattfinden soll,
und zwar am zweiten Dienstag im Monat
Juni 1873.
Nachdem noch cin ResolutionS-Comite ge
wählt worden, vertagte sich die Versammlung
bis heute Abend 3 Uhr.
Die Convention bezweckt, die Wild- und
Fischzucht zu heben und zu schützen, insbe
sondere dadurch daß sie es sich zur Pflicht
macht, dahin zu wirken daß m allen Staa
ten Gesetze erlassen werden, welche das Wild
und die Fische während derSckion-, resp.Laich
zeit m Schutz nehmen und ferner den Fisch
fang vermittelst Sprengstoffe untersagen.
Um dieses Ziel zu erreichen, sollen womög
lich in jedem Staate Zweig- oder ähnlicüe
Zwecke verfolgende Vereine gebildet werden:
Waldbrände instante Rcw-'Aork.
New bürg, N.-D., 9. Septbr. In
dcm Hochlande des Hudson, Fort Montgo
mery gegenüber, wüthen furchtbare Wald
brände.
Techs Leute von der Eisenbahn
nverfahrea
N e w-N 0 rk, 9. Septbr. Eine Depesche
von Cincinnatl, Ohio, berichtet, daß heute in
der Nähe der Stadl eine Anzahl Leute, die
Eisenbahnlinie entlang gegangen, von ei
nem hcranbrausendenZuge ersaßt worden sei;
sechs wurden getödtet und zwei schwer vcr
letzt.
Nene Auflage einer Kinderentfüh-
rnng.
New -D 0 rk, 10. Septbr.—Zu Green
point herrscht große Aufregung in Folge des
Verschwindens des Kindes von Jakob Hogar,
eines wohlhabenden Tabackssabrikanlcn. Die
Wärterin, Lizzie Nunkcr, ist am letzten Diens
tag entlassen worden, und nachdem sie einige
Zeit um das Haus herumgelungert hatte, bat
sie um die Erlaubniß, das erst drei Monate
alte Kind zu einer Wasserparlhie mitnehmen
zu dürfen. Nachdem ihr dies zugc'agt wor
den, entfernte sie sich. Seit dieserZcit ist das
Kind nicht wieder gesehen worden. Die Fran
selb kehrte Mittwoch Morgen zurück, die
Arme mit Blut bedeckt, Und unfähig, An
sangs über sich selbst Auskunft zu geben. Sie
wurde festgenommen und machte dann dem
Commissäc Jensen die kaum glaubliche Er
zählung, daß in dem Augenblicke, wo das
Boot die Ncw-Aorkcr Seile erreichte und sie
darauf bedacht war, nach Greenpoint zurück
zukehren, zwei Männer in dasselbe kamen, ihr
die Augen zubanden und sich dann mit dem
Kinde entfernten, sie hinter sich her schleppend.
Alsdann hätten sie einen anderen Weg einge
schlagen und sie in ein verrufenes Hans ge
sühn, wo sie ihr das Taschentuch von den Au
gen nahmen. Das Kind hätten sie weiter mit
sich geführt nnd da sie einen Schrei ausstieß,
sie an den Armen verwundet. Schließlich sei
es ihr gelungen, zu entweichen und ach New
chork zurückzukehren, von wo sie dann nach
Greenpoint gekommen sei. Da die Polizei
dieser Erzählung keinen Glauben schenkte, 0
wird sie nun der Untersuchung der Angelegen
heit entgegenzusehen haben.
Verheerende Waldbrande in
New-Jersey.
Egg Harbor City, 7. Septbr.— Tie
Wälder in der Umgegend dieses Städtchens
stehen in Flammen. Mehrere tausend Acker
Waldlaud sind bereits zerstört; das Feuer
wüthet noch immer ungeschivächt. Das Land
ist nicht besonders werthvoll. In der Nähe
von Hamonton wüthet gleichfalls ein Wald
brand, welcher ciue Strecke von 15—20,000
Ackern überflogen hat,auch wurden verschiedene
Preiselkeerenpflaiizuiigeil zerstört; ebenso viel
wcrthvollcs Nutzholz. Mehrere Farmhänser
wurden nur durch die größten Anstrengungen
der Nachbarn gerettet.
Elwood, 7. Septbr.— In den Connties
Atlantic nnd Burlington sind durch die Wald
brände zehntausend Acker Waldung, mehrere
Preiselbeerenpflanzungen, verschiedene Wohn
häuser und eine Schneidemühle zerstört wor
den. Das Feuer wützel noch immer.
Die Postkutsche wurde am letzten Freitag
zwischen Elwood und Pleajant Mills wegen
der Waldbrände über 24 Stunden lang aus
gehalten.
Egg-Harbor-City, N.-J., 8. Sept.
—Das Feuer in den Tannenwäldern wüthet
noch immer und hat sich feit gestern bedeutend
ausgebreitet. Ein tüchtiger Regen wäre sehr
erwünscht.
Ellw 0 0 d , N.-J., 8. Septbr. Der
Waldbrand wüthet an beiden Seiten der „At
lantic-Eifenbahn" und droht die „Atlanlic-
Preiselbeeren-Pflaiizung" zu verheeren.
Abreise des Präsidenten nach
Sandy-Hoot.
Long Brauch, 10. Sept. Präsident
Grant nebst einer Anzahl feiner Freunde
reisten heute Morgen mit dem Zuge Z 3 Uhr
von hier nach Sandy Hook ab.
Sekretär Robeson nebst Familie ist hier
eingetroffen und gedenkt den Monat Septem
ber hier zuzubringen.
Chartic Roß.
Philadelphias. Septbr.— Eine De
pesche von Jefserfonvllle, Ind., meldet, daß
ein dem Charlie Roß ähnliches Kind daselbst
angetroffen worden fei. Ein Photograph hat
die betreffende Anzeige dcm Constabler Smith
gemacht.
Selbstmord durch Arsenik-Ver
giftttng.
Philadelphia, 9. Sept. Georg
Riehl, ein junger Mann von 28 Jahren, Nr.
650, Nord 15. Straße, wohnhaft, beging
heule Selbstmord durch Arsenik-Vergiftung.
Fünfzehn Aahre Zuchthaus wegen
eines schändlichen Verbrechens.
Philadelphia, 10. Sept. - Thomas
Paul wurde heute wegen eines schändlichen
Angriffes auf feine Tochter zu 15 Jahren
Zuchthaus verurtheilt.
Tie Untersuchung iu der Angelegenheit der
beiden aus dem Gefängnisse entflohenen Ver
brecher mußte wegen der Abwcjenhcit ihres
Sachwalters ausgesetzt werden.
Die „Birginische Tlsälbahn."
Stannt 0 n, Va., 10. Sepr. Gestern
tagte hrer eine Convention, um die projektirte
Verlängerung der „Virgima-Thalbahn" bis
zur Grenze von Tennessee zu besprechen. Be
kanntlich gclMg es per Bahn nicht, bei der
letzten Gesetzgebung einen Freibrief zu erwir
ken, weshalb unter den Grundbesitzern des
südwestlichen Theiles von Virginien diese Be
wegung inaugurirt wurde. Als Präsident
der Versammlung fungirte Richter Allen von
Botetourt, welcher nach einer längeren Reoe
Richter scheffey vorstellte, der einen Bericht
oes Gefchästs-Coijttte's über die Nothwendig
keit und Rentabilität der projeklirten Strecke
vorlegte. Nach einer längeren Debatte wurde
dieser Bericht angenommen. Die „Virginijchc
Thal-Bahn," welche durch das reiche She
nandoah-Thal führt, ist jetzt bis Slaunton
vollendet. (Bekanntlich ist auch Baltimore
bedeutend au diesem Unternehmen interessier,
indem vor 5 Jahren die Bevölkernnz beschloß,
eine ansehnliche Aktieiizelchnung zu machen.
Die Verlängerung der Bahn wird auch unfe
rcr Stadt direkten Nutzen bringen. D.Red.)
Mißhelligketten in vec 54nven
tton vo Süv-lsiroiina.
Charleston, S.-C., 10. Sept. Bis
zu dieser Smndc, II Uhr Vormittags, hat
die hier tagende Convention noch Nichts zu
Stande gebracht. In dem Comite, welches
die Beglaubigungen der Delegaten zu prüfen
hat, sind über die Frage der Zulassung ge
wisser beanstandeter Delegaten MißyeUlgkci
ten ausgebrochen. Von dem Entscheid dieser
Frage hängt die Nomination oder die Ver
werfung Chambcrlain's ab.
Gewaltthat der Neger in Tennessee.
M e in phis, 7. Scplvr. Gestern Mor
gcn znr frühen Stunde drangen mehrere Ne
ger in die Wohnung des Hrn. Durant an der
Piqcou - Roost-Landstraße in der Nahe der
Stadt. Ein junges Mädchen sah die Kerle
eindnngcn und machte Lärm, worauf diese
über sie herfielen und sie dermaßen schlugen,
daß sie wahrscheinlich sterben wird. Hr. Du
ranl hörte den Lärm und trat den Eindring
lingen entgegen; diese aber schössen auf ihn,
ergriffen ihn dann und prügelten iytt brck>;
eS gelang ihm jedoch zu entfliehen. Die Un
menschen ergriffen sodann Dnrant'S Gattin,
einkleideten und mißhandelten sie und ver
suchten sie zu schänden, doch ihr Geschrei machte
die Nachbarn ansmcrlsam und die Neger ent
flohen. Man glaubt, daß dieselben aus dem
verrufenen Central Point kamen.
Vcrl>afttt>lff v>Utt Ncacrn in
Mcmpljis. ,
Memvbis, Tenn, 9. Sept. Drei
Neger wurden heüie ve'hoitet. jvelchc kürzlich
im Verein mit noch mehreren Äu?e"n in das
Haus des Viktualienhändlcrs Turant ciü
drangen und denen Fran, sowie Fran Wright
ermorscleil. Tie lÄcbeimpolizistcn hoffen der
klebrigen auch Habhan zu Wieke'.
Ans Tenncffcc. - Der große IttUcre
schleif. Die Ermordung der
Jnlia Handen.
Nashville, Ten., 9. Septbr.— Großes
Aussehen erregt hier der Umstand, daß Gen.
Alexander A. Campbell, einer der ansgczcich
üelsten Advokaten von Temieffee, cngagirl
worden ist, um in einem Unterichlagunassalle
von 530,000 gewisse Parteien zii vertheidige,
ini Falle dieselben arretirt werden sollten.
Die Voruntersuchungen in der Angelegen
heit von P. Lyons uno Bswen saunders,
den Mördern von Jnlia Haydcn, Lehrerin in
einer Negerichnle in Tronsdale-Co,, sind nun
iin vollen Gange, seitens der Anklagcbe
hörde ist eine große Anzahl Zeugen nernoni
men worden, von Selten der Vertheidigung
indeß nur wenige.—Jndignations-Versämm
lungen im Betreff der schauerlichen Vorgänge
in Tronsdalc- und Gibson-County sind in
verschiedenen CounlieS des Staates abgehal
ten worden.
Verhaftungen in Tennessee.
M e m p h i s, 10. Sept.—Douglas Ja
minson, einer der kürzlich ans dem Gesang
nisse von Trenton durch einen Mob geholten
Neger, welchem e? gelang, dem Lynchgerichte
zu entgehen, befindet sich hiesigen Gesäng
itissc; es wird ihm jedoch nicht gestatte!, mit
irgend Jemanden in Verbindung zu treten.
Zehn von den 'Negern, welche ans dem Ge
fängnisse von Brenlon geholt wurden, sind
entkommen. Man glaubt, daß die verhafte
ten Leute itn!chti!S!g sind.
Man glaubt, daß infolge seiner Enthüllun
gen die in der nachstehenden Depesche berichte
ten Verhaftungen vorgenommen wurden.
Humboldt, 10. Sept. Lieut.Whitall
begab sich gestern mit einer Abtheilung Sol
daten nach Pickettsvillc nnd verhaftete fünf
Personen wegen Betheiligung an der Trento
vcr Affaire: zwei andere kamen heule nnd
lieferten sich selbst aus. Man sagt, daß an
hundert Haftbefehle erlassen worden sind.
Tie Grans - Jury tagt jetzt in Trenton und
wird die in der Angelegenheit verwickelten
Personen in Anklage versetzen.
Lersammlttttfl der SchwetneflkikÄ,-
Pöklcr und B iktualien - Händ
ler.
L 0 uiSville, 9. Sept. Die Nalional-
Convcntion der „Schweiiiefleiich-Pökler und
Vikttialien-Händler" tagte heilte hier. An
200 Delegaten, Vertreter von 12 Staaten,
waren anwesend. 'Nach einer kurzen De
kalte über die Befugnisse der Delegaten nnd
das Recht der Händler über alle Fragen mit
abzustimmen, die der Convention unterbrci
tel werden würden, wurde cin Comite zur
Prüfung der Beglaubigungen ernannt, nnd
die letztere Frage einem Spezial-Comile zur
Berichterstattung üderwiesen. Sodann ver
tagte sich die Eonociition aus morgen.
Eonvcnlion der Pliarmazcntcn
'Association.
L 0 ii iSvillc, 9. Sepi. Die 22. lah
res-Conventlon der Pharmazeuten-Associa
tion wurde gestern hier durch ihren Präsiden
ten, Hrn. I. F. Hancock von Battlniorc,
eröffnet. Im Ganzen waren K 9 Mitglieder
erschienen. Nachdem cin Comite zur Prüfung
der Beglaubigungen, sowie mehrere Spezial
Comite's erwählt worden waren, vertagte sich
die Convention aus heute.
Die Association versammelte sich heute
Morgen wieder und vollendete ihre desinittve
Organisation durch die Erwählnng folgender
Beamten: Präsident, Lewis Dicht von Louis
ville: Vicc-Präsidcnten, Joseph Robens von
von Baltimore, Wilh. F. Heuscl von San
Franzisco, und August R.Raily vonßosion;
Schatzmeister, Karl A. Trusts von Dover,
N. H.; Berichterstatter über die Fortschritte
der Pharmazie, Lewis Dicht; Professor I.
M.Maisch von Philadelphia, Pa., Setretär.
Das Erekniiv Comite besteht aus folgenden
Herren: Georg kl. Kennebh, Vorsitzender,
von PokkSville, Pa.; Wm. ÄcJntyre, Phi
ladelphia, Pa.; I. L. Luinburger van Leba
non, Pa.; Karl A. Heinetsch von Laneastcr,
Pa. Nachdem noch verschiedene wissenschaft
liche Abhandlungen und Fragestellungen zur
Verlesung gelommen waren, vertagte sich die
Convention aus morgen früh.
Eisenbahn Nnglttck bei Eincinnati. j
Cinci 11 ii a i i, 9. Tcpt. Zwei Arbeitn z
an der „Indianapolis , Cilicinnnti-und La
sayette-Bahn" wurden in der 'Nähe von Ri
verside heute Morgen von einem Passagierzuge,
welcher mit einem anderen Zuge der „Ohio-
Mississippi-Bahn" nm die Weile fuhr, über
fahren und ans der Stelle getödiet. Die
Männer arbeiteten hinter einer scharfen Bie
gung, und sahen den Zug nicht eher, bis es
zu spät war, auszureißen.
Ueber die Neger-Ermordung in
Tennessee.
Cincinnali, Ohio, 9. Sept.— Eine
spezial Depesche von Memphis, Ten., mel
dct die Ankunft des Gouverneurs Brown in
Trenton, wohin derselbe sich wegen der letzten
Ermordung von 'Negern durch maskirtc Weiße
begeben hat. 'Nach den Aussagen angesehe
ner Bürger Trenton'S sind nur 5 von den ist
aus dem Gefängnisse hervorgeholten Negern
erschossen worden, die klebrigen entkamen.
'Andere als diese 5 Leichen har man bis jetzt
nicht auffinden können. In Gibson-County
hat sich eine neue Grand-Jury gebildet, um
Beweise gegen die Gefängniß - Erbrecher und
Mörder zu sammeln. Gouernenr Brown er
klärte, nichts unversucht zu lassen, damit alle
Geseyeö-Uebertreter in diesem gräßlichen und
blutigen Werke dem rächenden 'Arme der Ge
rechtigkeit überliefert würden.
Nashville, Tenn., 9. Sept. Eine
Spezial-Depcsche von Jackson berichtet: „Rich
ter Carthel kam gestern hier an, eröffnete das
Bundes - Krcisgericht, vertagte es aber sofort
wieder, um naw Trenton zurückzukehren, und
verlängerte die Session des hiesigen Gerichts
hofes, damit sie längere und ausreichende
Zeil erhalte, um eine Grand-Jury zu bestim
men, die sich mit der Untersuchung der Unru
hen in Gibjon - County, betreffend die Er-
Krechting des Gefängnisses uo die Ermor
dung der daraus herausgcschlcppteu Neger,
befasse."
Sechsundzwauzifl Sträflinge aus
dem Gefängnisse ansgcvvochen.
Toledo, Ohio, 1. Sept. Sechsund
zwanzig Gefangene brachen heute aus dem
Counry-Gefäiigiiisse aus. Dieselben erzwaii
gen den Eingang in die Haupihalle des Ge
fängnisses, und da der Gehülfe des Arztes
ihnen das Thor öffnete, so entkamen aste.
Zwanzig derselben find wieder eingesaugen
worden. Ein äbnlichcr Berjnch wurde in dem
Stadtgefängnisse gemach!, doch war dmelbe
fruchtlos.
Die Cannibalengeschichtc ans Co
loraso und ihre Grtlärnng.
St. Loi! Is , 8. Septbr. Der „Globc"
hat eine Mittheilung aus Lazuache, Col., daß
am 13. August in der Nähe von Lake Fort
am Giiniiifon-Fliisse im San Luis-Park vier
Leichen gefunden wurden, welche sich als die
Ueberrcite einer Anzahl Goldgräber erwiesen,
die im November von Süd llrah abgingen,
um die San Juan-Minen in Colorado zu er
reichen. Bekanntlich kehrte im Mar; v. I.
Einer von der Expedition, Namens Parker,
zurück und berichtete, daß die Parthie lchrec!
liche Leiden erduldet und schließlich, vor Hun
ger gequält, daruin"gelof'r habe, weicher von
ihnen gefchlachtet'und verzehrt werden sollte.
Es stellt sich jetzt heraus, daß Parker feine vier
Gefährden ermordelc und beraubte und ihnen
die Köpfe abschnitt, nm fein Verbrechen zu
verbergen. Parker wurde verhaftet. Unter
den Ermordelen war der Deutsche Franz
Müller.
Ermordung vo Gcrrthtsbeamtcn
tu Ausübung yrco Amtes.
St. Louis, Mo., 9. Septbr. Ein gc
wisser Shannon, welcher feine Habseligkeiten
fortzuschaffen im Begriffe stand, während ein
Pfändungsbefehl gegen ihn ausgestellt war,
erjchoß im Berein mir Tan Noffziger die mit
der Ausführung dieses Befehls beauftragten
Gerichtsbeamttn Dixon und Eiliott.
Rauferei in wtissouri.
St. Louis, Rio., 10. Sept. Billy
River und Johann Smith hatten heute ein
verzweifeltes Rencontrcc. River brachte
Smith drei tödtliche Stiche bei. SMiih
feuerte 3 Schüsse auf River ab, ohne ihn je
doch zu treffen. Der Letztere wurde ver
haftet.
Tie Wahl in Colorado.
Chicago, 10. Scpl. Eine Depesche
von Denver, Col., beuchtet, daß Palierw,
der demokratische Congreß - Delegiere, eine
Majorität von >.'>oo—2ooo Stimmen erhal
ren habe.
Beschlagttaljmc von Blassen in
Ncw-Orlcaus.
New - Orleans, w. Sept. Während
! der letzten Tage hat die Polizei mehrere Kisten
Waffen, welche Prtvalversonen gehören, in
Beschlag genommen. Das Gericht hat eine
Untersuchung eingeleitet. Ein Polizist drang
in einen Waffeiiladen, nahm mehrere Kisten
Waffen und 'Munition in Beschlag nnd ver
haftete den Eigenthümer. Die Behörden ma
chen geltend, daß sie gesetzlich handeln; das
„Bulletin" nennt dieses jedoch eine wettere
Gemaltthat.
AUS J>!pn,l.
Tan Franz iseo, 10. Sept. Der
Dampfer „Eolima" bringt einige wichtige
Neiligkeiieii ans Japan, weiche durch den
Telegraph noch nicht überholt sind. Die
„Japan Gazette" vom 21. 'August cntyält ei
illge Mittheilungen über die Mörder des
den.scheii Consuis Haber zu Hakodadi von ei
nem Eingeborenen, welcher behaupte!, daß er
vöM Teufel besessen gewesen sei. Er habe
sein Opscr ü::! einem Schwelte umgebracht,
es in schrecklicher Weise Zeichackt, unb ihm ein
Bein ganz aus dem Leibe gerissen.
Tic deutsche Corvette „Elisabeth" liegt äff
genblicklich vor Hakodadl vor Anker.
Am 20. 'August verspürte man zu 'Joko
hammin heftiges Erdbeben, welches aber kei
ne Tchadcn angerichtet hat.
Neuere Berichte von Havanna.
Havanna, 10. Sept. Gen.-Capilän
Coiiltia veröffentlichte heute einDckret, in wel
chem er 5 Pro;, aller ctngemusterlen Freiwil
ligen bis zum l. April 1875 unter die Was
sen rnn. Nach diesem Aufgebote haben sich
850 'Mann zu stellen, Freikaus ist nicht mög
lich. Tie Regierung hat von den Banken
effie Anleihe voll Ksoo,oooGold und 51,000,-
M> Papier verlangt.
Von der verlangten Anleihe hat die „Spa
nische Bank" H75),000 in Papier und H 250,-
000 in Go>d hergelichcii. Der Rest wird auf
die fünf anderen Banken repanrt.
Aus Canadas
Quebec, 10. Sepr. C. B. de Boucher
ville ist vom Lieut.-Gouverncnr Caron mit
der Bildung eines neuen Ministeriums bc
austragt worden.
Europäische Kabelberichte.
tust 3,0v0,0tt Thäler. Sicvcnhunvert
ovdachio.
Berlin, 7. Septbr.—ln der kleinen Re
sideiizstad! Meiningen hat eine verheerende
Fcucrsbrunst gewüthet, welche das halbe
Städtchen 'N Asche gelegt hat. Der Verlust
an den Gebäuden wird allein ans H 3,000,000
Thaler geschätzt. Ueber 700 Familien sind
obdachlos, und es herrscht unrer denselben
große Roth.
'Ulttatholiien-C^nartsi.
Frei b u rg, st. Sept.—Heule trat der Alt c
kathotiken-Coitgresi hier zusammen. Einhun k
öertilndereißig Deputirte wohnten der Eröss- >
miiigSsitzittig bei. Die Vcr. Staaten find '
durch Channceh Langdon vertreten. Der :
Präsident, Dr. Schulte, zeigte an, daß Dr.
Döllinger eine Conserenz des evangelischen, ! >
griechischen und anglikanischen Clerus auf den "
14. d. M. nach Bonn einberufen habe.
Der ~'baltisch Lloyd." >
Hamburg, 7. Sept. Der „Baltische ,
Lloyd" wird seine Fahrten in diesem Jahre ! >
einstellen. In Swineiniindc liegen dcr„Frank !
lin," der „Ernst Moritz 'Arndt" und der >
„Washington" fest. Hundert Passagiere und
die Fracht für etwa 12,000 Thlr., welche für
die nächste, aber nün ausgegebene Reise des
„Franklin" bestimmt waren, sind nach einem
Abkommen mit derHambiirger „Adlcr-Lime"
dieser Gesellschaft überwiesen. Der „Hum
boidt," der auf der Rückreise von New Ljork
begriffen ist, wird nach der „Ostsee. Htg."
wäqrscheinllch auch die Fahrten einstellen.
Bcrlin, 8. Septbr. Tie Führer ans
dem Congresse der Allkatholiken schlagen eine
Conscreiiz von Vertretern der griechischen,
anglitanischen und resormirl katholischen
Airche zum Zwecke einer Vereinigung dieser
Kirchengemeinden vor.
Berlin, 8. Sept. CS wird berichtet,
daß demnächst eine Ordre erlassen werden
wird, wornach alle ausländischen Priester,
-Mönche und 'Nonnen aus Teutschland ausge
wiesen erden sollen.
Der Congreß der Alt Katholiken in Frci
bnrg schloß heute mit einer öffentlilbcn Sit
ziüig. Die Halle war dicht gefüllt; über 5000
Personen waren anwesend.
Berlin, 10. scvt. Die halbosfiziclle
„Provttizial - Correspoiidenz" sagt in einem
Artikel über den neulichen Angriff aus die
deutschen Kriegsschiffe durch die .'tarltsten,
daß der „Albalroß" das Feuer der Karlisten
erwidert habe nnd damit die Sache abgethan
ff'.
L 0 nd on, 4. Sept. Tie amerikanischc
Expedition znr Beobachtung des Veiius-
Turchgailgcs war am 5. August in der Eap
stadt.
London, 4. Sevtbr.— Weitere Einzeln
heilen über die östreichische Polar-Expedilion
liegen vor. Nachdem die Leute ihr Schiff
verlassen hatten, reis'len sie aus Schlitten sie
ben Monate lang nnd verbrachten zwei Mo
nate aus den Eisfeldern. Der höchste Punkt,
welchen die Leute erreichten, war der 80.
Grad. Im 'Norden von Novaja Semlia
wurde cin großes Festland entdeckt. Die Ex
pedition käm mit einem russischen Fahrzeug
in Wordon an und ein Todcssall ereignete
sich während der Reise.
London, 5. Sevtbr. In einer gestern
abgehaltenen Versammlung d'r Baumwollen
spinncr von Manchester wurde beschlossen, die
Fabrikanten in Lancashire mittels eines Cir
eulars anfznsordern, die Arbeit aus vier Tage
in der Woche zu beschränken.
Der Dubliner Corrcspondent des „Stand
ard" meldet, daß das bevorstehende irisch
amerikanische Preisschießen großes Interesse
erregt. Tie Jrländer werden sich am Sonn
tag Morgen in Queenstown einschiffen.
Ter Buntcsdampser „Swatara" ist am Cap
der guten Hoffnung und das Flaggenschiff
„Franklin" in Marseilles angekommen.
Vis gestern Mittag hatte der „Grcat
Western" 1531 Meilen des neuen Kabels gc
legt.
London, 5. Septbr.—Die Creditivc des
ncneruannlen spanischen Gesandten vermeiden
> das Won Republik.
London, 5. Septbr.—Tie „Times" be-
richtet, daß der MarqniS von Ripon zum
KatholiziSiniiS übergetreten ist. Die Anzeige,
daß der Marquis sein Amt als Großmeister
, des Maurcrordens niedergelegt habe, erregte
> vor einigen Tagen bereits großes Aussehen,
i die'er Schritt wird aber jetzt durch die 'Nach.
richt der „Times" vollständig erklärt.
'Neuere 'Nachrichten von der östreichischen
' Polar-Expedition melden, daß dieselbe bis
zum 83. Grade vorgedrungen ist.
' An B 0 r d deS „Fara day," st. Sept.
Wir verbanden das Seckabel mit dem ir .
ländischen klfcrcnde und legten 330 Meilen,
als plötzlich cm Defekt entdeckt wurde. Am
1. Sept. fand man nemlich, daß cin Draht
stück ans dem Gutta-Percha gedrungen war.
Während wir das Kabel wieder ausnahmen,
brach dasselbe und ging verloren. Der Such -
apparat wurde angewendet, und das Ende s
wurde wieder gefunden und die Verbindung
wieder hergestellt. Tie Jsolirung ist jetzt voll .
ständig. 1
Dp fr. „Grcat Eastern," 5. Septbr.
via London 7. Septbr. Sechszchnhiindert
und fechsundneunzig Seemeilen Kabel sind
gelegt.
0. Septbr. Wir sind in der Nähe von
Skellig und hoffen das Kabel heute mit dem
Landende zu vereinigen. Dasselbe ist im
besten Zustande.
L oV do n, 5? Sept. Der Dubliner Cor
respondent des „Standard" schreibt: „Tos
bevorstehende Irisch-Amerikanische Schüben
fest erregt das größte Interesse. Die iiijche
Gesellschaft wird sich am Sonnlag Morgen in
Oueenstown ant einem Cunarddampfcr ein
schiffen. Der Lord-Mayor von Dublin nebst
Gemahlin werden dieselbe bS Oueenolown
begleiten. Nach Amerika begleiten die Gesell >
schaff der Biscount Maßercenc und das an
Bcrordentliche Mitglied Hr.i Bagnall, sowie
mehrere Damen und Mitglieder der irischen
Presse."
London, >l. Sept. Auf dem gestern
stattgehabten Meeting der Bauimvolleiispin
ner von Manchester wurde beschlossen, cin
Cirkular an die Lancafhire Fabriken; richten
und die Beschränkung der Arbeit auf vier
Tagt in der Woche anzurathen.
London, ?. Sept. Die Arbeit znr Le
gung des neuen direkten Kabels von Irland
nach der amerikanischen Küste wnree heute
begonnen. Folgend: Depesche von dem Dam
pfer „Faraday" liegt vo.:
London, 3. Septbr.—Der Sehr Achtb.
Sir Henry H. Storks rst gestorben. Er diente
von 18l l —lB2B in der Armee und bekleidete
verschiedene hohe Civilämler. Nachdem er
Gouverneur von Malta und Jamaica gewc
jen, wurde er 187iz in's Parlament erwählt.
Zwei Ka,zeuge smch oiüfl n uuierge.
saugen.
Liverpool, 9. Sept.—Heute fand zwi
schcn dem spanischen Dampfer „LomaS" und
dem der Anchsr-Linie gehörigen Dampfer
„Alcxandr a" cm Zusammenstoß statt, bei
wAchem d:r Letzt.re sank und der Erstere stark
beschädigt wurde.
London, 9. Sept.— Das Schiff „John
lk. Worwsier," welches von Shanghai,
China, a iclies und ach Nc v Ljork bestimmt
war, sticj mit einem Damp schiffe zu Woo
fung zusammen.
Nr. 37
London, 10. Sept. Zu Boltou hält
man die Arbeitseinstellung von 13,000 Baum
woll Arbeitern für unausbleiblich.
L 0 n d on, 10. Sept.—Eine Depesche von
dem Dampfschiffe „Faraday," welches mit
der Legung eines direkten Kabels nach den
Vereinigten Staaten beschäftigt ist, dalirt
vom 8. d. M. Nachmittags, berichtet, daß es
sich unter dem 30,43. Breitciigradennd 20,32.
Längengrade befindet und bereits 150 Knoten
des Kabels gelegt hat.
Eine spätere Depesche des „Faraday" von
geucrn Morgen 10 Uhr constatirt, daß die Ar
bcit des Einichiffens und Abwickelns des Ka
bels vom Anfange an bis jetzt glücklich bc
werk'iclligt worden sei.
London, 10. Sept.—Eine Spczial-De
peichc von Paris an die „Daily NewS" mel
dct, dag Franz Peter Wilhelm Guizot, der
berühmte französische Schristticller und
Staatsmann, in einem hoffnungslosen Zu
stände sich befindet nnd daß sein Tod jeden
Auaeiiblick eintreten kann.
Sa,. wicvcr cln Zchijf verunglückt
L 0 il d 11, l>. September. Das Schiff
„Euxiiie" voü ZvC'ldS nach Aden unterwegs,
geriet!) im allanlischen Ozean in Brand nnd
wurde zerstört. Tie Beiüanni'ng rettete sich
in die Boote und zwei derselben sind in -l.
Helena angekommen; von dcm dritten hat
man noch Nwytö gehört.
Paris, 4. Sept. Der offizielle Bericht
derCommission,welche die Umstände der Flucht
Bazaine's zu untersuchen hatte, beschuldigt
die Gesängnißbeamten des stillschweigenden
Einverständnisses und sagt, daß sie von Oberst
Bilcttc, dem Adjutanten Bazaine's, dazu ver
mocht werden seien, des Gefangenen Flucht
zu begünstigen, spricht dagegen die Besatzung
des Forts von jeder Mitschuld frei.
Gestern hielt das permanente Comite der
National Versammlung eine Sitzung ab, in
welcher Bussel, der Präsident der Asscmblec,
den Vorsitz führte. Dcwahy, ein Mitglied
des linken Centrums, beklagte sich bei der Re
gierung über die fortwährend strenge BeHand
iuiig der Zeitungen von Seiten der Munizi
val Beamten.
Pari s, 5. Septbr.— Graf de PourtalcS,
Vertreter des Departements seine et Oise in
der Nsttioiialvmammlnng, ist todt.
Paris, 5. Septbr. Das „Bien Pub
lic" sagt, daß Bazaine nach England ge
reist ist.
Pari ö, st. Septbr. —Zu Möze, im De
partement Hcraiilt, fand an! 4. Septbt., dem
Jahrestage der Errichtung der Republik, cin
ernsthafter Auflauf statt. Tie Gendarmerie
feuerte ans die Unrnhestlstcr, tödkete einen und
verwundete 19 Mann. Verstärkungen durch
Infanterie und Eavallerie wurden sofort ach
Meze beordert, nnd trafen gestern in derStadk
ein. Weitere lkmuhen sin? indeß nicht vor
gefallen. Unbedeutendere Ruhestörungen sind
an dem genannten Tage noch an mehreren
Orten vorgekommen, so wurden in Lyon meh
rcr Vcrhastuiigen vorgenommen.
Pal:, st. Septbr. Viktor Hugo hat
als Folge einer Entladung zu dem Friedens
Congresse in Genf diesem einen Brief znge
saiidt, in welchem er sagt, daß der Friede nicht
erkalten werden könne, weil noch ein anderer
Krieg zwischen Frankreich und Teutschland
auszuscchrcn sei. Dieser Streit zwischen de
beiden Ländern sei tief und nicht ans friedli
chem Wege zu beseitigen, nnd erklär densei
be>, als eiileil Kampfzwlschcn den Prinzipien
der Monarcbie und der Republik.
Paris, 7. Sepibr.-Tie Regierung hat
das „kliiivcrs" wcaeii eines erbitterten Arti
lels gegen den Präsidenten Serrano ans zwei
Monate snöpendirt.
Jules Simon hielt heute in Rheims eine
Rede, in welcher er die Auslösung der Ratio
iialversammliiiig empfahl. Er erklärte die
'Monarchie in Frankreich für unmöglich. Die
Nation sei mir für den BonapartismnS oder
für die Republik fähig.
Paris, 7. Septbr. Charles Pcrkins,
j früher amerikanischer Consnl in Lissabon, und
dessen Frau standen am Samstag vor dem
Correklions - Tribunal des Seine - Departe
ments, angeklagt, 39,000 Frcs. unter schwind
lerischen Vorwänden erlangt zu haben. Man
sagt, daß Perkins das Geld unter dem Bor
wand erlangte, daß er eine Concession habe,
ein Kabel zwischen Spanien nnd England zu
legen; ferner, daß er eine' Anleihe für Don
Carlos ncgociire. TaS Urtheil wird mor
gen gesprochen werden.
P a ris, 8. Septbr. Es wird berichtet,
daß der berühmte Staatsmann und Historiker
Guizot gestorben ist.
P ar is, 3. Sepibr. Charles Perkins,
der frühere amerikanische Cousu! in Lissabon,
welcher hier schuldig bcsnndcn wurde, Geld
lütter schwindlerischen Borwänsen erlangl zu
haben, ist zu einem Jahre Haff und zu U>o
Fres. Geldbuße verurlhcilr worden und muß
alle Gelder zurückerstatten. Seine Gattin,
eine 'Nichte der Ex diöiiigin Jsabella, wurde
freigesprochen.
London, 5. Septbr. - Eine Spezial
Depeiche an die „Times" von Madrid meldet,
daß Gen. Balboa in der Hauvtstadt bleiben
wird. Entweder wird MorioncS zum Ober
fcldhcrru der 'Armee ernannt werden, oder
Marschall Serrano wird sich zum Geiieralissi
mus ernennen und den Generälen ihr Com
mando anweisen.
Don Carlos ist nach Alosua gereist, nm den
Ex Herzog von Parma zu einmaligen.
Die Karlisten haben einen Matrosen gefan
gen genommen, der wahrscheinlich von einem
deutschen Kriegsschiffe dcsertirle. Tie Kar
listen schickten den Mann über die Grenze und
die Franzosen lieferten ihn an den dcnlfchcli
Conffil in Bayonnc ans.
Madrid, 5. septbr. Tic Karlisten
verschanzen sich vor Bilbao. Das Bombar
dement von Pnyceeda hat wenig Schaden gc
thau.
Mab ri d, st. Sept. Primo de Rivero
ist zum General Capilän von Madrid ernannt
worden. Tie „Gazette" sagt, daß die Kar
listen drei Angriffe ans C istro - Urdiales ge
macht haben. Die Tttüschen vertheidigten
sich sehr tapser, und jeder 'Angriff wurde blu
tig abgewieffa.
Sa 11 taildcr, st. Sept. Tie deutschen
Kriegsschiffe „Nautilus" und „Albatroß" sind
gestern Abend von St. Sebastian in den hie
sigcii Hasen zurückgekehrt. Tie Karlisten
feuerten von Guitaria, >0 Meilen von <e:t.
Sebastian aus dieselben. Tie Teutschen er
widerten dasselbe, indem sie 21 Schüsse in die
Stadt sandten.
Bayonnc, 7. Septbr.—Man sagt, daß
die Karlisten Pampelnna belagern.
Madri d, st. Sept. General Tomini
i gucz ist in Puycerda eingetroffen, nachdem er
die Karlisten unter Saballa geschlagen. Tie
Republikaner haben schwer gelitten nnd die
Stadt ist mit Verwundeten angefüllt. Die
Karlisten wurden während ihres Rückzugs
von Puycerda angegriffen und verloren sie
benhiliidcrt Todte und Verwundete.
Vi adrid, 7. September. Man sagt,
daß Marschall Scrrano demnächst das Com
mando der Armee de 'Nordens übernehmen
wird.
Ä adrid, 8. Sept. Tie Karlisten schos.
scn kürzlich auf einen Eisenbahnziig, indem
sie vermuthete, daß der deutsche und östreichi
sche Gesandle Passagier? desselben se.cn. Der
Lokomotivführer und der Heizer wurden gc
tödtel.
General Laserna wurde zum Commandeur
der Rord-Armce und Gen. LomaS CeballoZ
! zum Divisioiiö Befehlshaber ernannt.
M adrid , 9. Sept. - Bei Mora, i der
Rähe von Scruel, sind die Carlistcn nach ei
nein inständigen Kampfe geschlagen worden.
P aris, 10. Sept. Tie Zeitungen die
ser Stadt veröffentlichen eine offizielle Kar
listeii-Depefche, in welcher zugestanden wird,
daß die Karlisten ans die deuschen stanoneii
boote „Nantlkns" nnd „Albatrvß" bei Gnu
staria geschossen, weil beide Kriegsschiffe vcr
suchte, zum Zwecke der Truppenübung Sol
daten an's Lanv zu setzen. Tie Depesche sagt
zum Schlüsse: „Tie Karlisten werden keine
Combination Scrrano's und seiner Compti
cen anerkennen, sondern dcm spanischen G
biet Achtung zu erzwingen suchen und die
Bavadcn zurückweisen, wcmit die deutsche
Regierung das Verfahren tee K'.icgS'chisse
gutgeheißen hat.
Portugal.
Lissabon, 7. Septbr. Der por.ngie
fische Minister des Innern hat bekamt ge
macht, daß in den arabischenHäsen am roihe.i
Meere die Peil wüthet.
Rom, 5. Septbr. Di' Crupticn des
Etna hat aittgchörl.
L 0 zo n, 7. Septbr. Mario, der! e
rühmte Tenorist, wurde in Venedig wegen
Verletzung der Preßgefeve verhcifttt.
! Wohnung wurde durchsucht und der A reslam
s ist nach Tunn gebrach worden, um d'N ver
! hört zu werden.
Tröstlich Ristch-cn >1 Ostindien
Calcutta, st. Sept. Die letzie Woche
brachte den erwünichlen Regen. Die Ernste
aussichten sind günstig, ausgenommen d u
Hsoglcy - Distrikc. Die Regierung yosfl im
Oktober ihre Unterstü'.-ungsniaßuahnien in
fünfzehn Distrikten einstellen zu k. in.n; zeb'
andere Distrikte werden der Hülse noch aus
unbestimmte Zeit benöiyigt bleibe 1.
Rio de Janeiro, '>. Septbr. Die
Teputirlenkamiiicr hat die Boeichlage der lu
lran on anen zum Jmpcachm in de
sterii-iitZ wegen HochvcrralhS und Herlmn-o
rittig regen die Religion cn nnttnig zu-n-i
ge.r es n und sich bis zum^li.Z.i- >..
iag'.

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