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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, September 11, 1874, Image 2

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Der Teutsche Correspondeut.
Baltimore, lt. September 4574.
AmeriranisäicSScrthpaptcrein
Europa.
Die verschiedenen amerikanischen Eisenbah
nen und mehrere südliche Staaten, welche ge
gen Zusicherung hoher Interessen ihre BondS
und Aklien in Europa absetzten, aber als es
zum Krachen kam, weder Kapital noch Zinsen
zahlten, haben dem amerikanischen Credit in
Europa einen furchtbaren Schlag versetzt, und
zu Anfang des Jahres befürchtete man sehr,
daß eine massenhafte Rücksendung von Fünf
zwanziger Bonds beginnen werde, und daß
es ferner nicht möglich sei, die BondS der
neuen 5 und 4( prozenligcn Anleihe unierzu
b.ingcn. Diese Befürchtungen haben sich nun
glücklicherweise nicht bestätigt. Wenn auch
dem europäischen Rentier und privatisirenden
Philister eine Gänsehaut überläuft, sobald
man ihm einen amerikanischen Eisenbahn
Bond unter die Nase hält, so stehen doch die
Werthpapiere der Regierung noch immer in
gutem Rufe, nnd das Vertrauen aus die Re-
publik ist noch nicht im Geringsten erschüttert.
Der amerikanische Eons! in Rotterdam sagt
in seinem Jahresberichte an den Slaatssckre
tär, daß das allgemeine Bettrauen auf die
Stabilität der amerikanischen Republik deren
BondS zudem beliebtesten Mittel permanenter
Kapitalanlage in Europa gemacht hat, so daß
dieselben gänzlich der Spekulation ferngehal
ten werden; selbst die große Krisis, welche so
viele Bahnpapicrc entwerthete, hat nicht ver
möcht, das Vertrauen ans die Obligationen
der Bundesregierung in merklicher Weise zu
beeinflussen. Obgleich Holland viel an den
amerikanischen Finanz Papieren verloren hat,
s o ist man in diesem Lande doch viel zu intel
ligent, um die Bundesregierung für den Scha
- den verantwortlich zu machen. Freilich ist
man nicht in allen Ländern Europa'S so intel
ligent uno wohlunterrichtet, beionders ist man
in Deutschland nur zu sehr geneigt, Regierung
lind Eisenbahn in einen Tops zu werfen, denn
der deutsche Unterlhanenverstand kann es nicht
fassen, daß hier die Regierung nicht 'Alles
überwacht, daß die „hohe Obruzkeit" nicht,
wie d'rübcn, für alles Gute nnd Böse vcrant
wortlich ist. Die Holländer uns Belgier ha
ben den Unterschied leichter begriffen, und in
dem sie die Bonds der Regierung mit Bor
liebe nehmen, haben sie nur die Eisenbahnpa-
Picre in die Acht ctllärt. Ter Coiijul ist der
Ansicht, daß gegenwärtig und vielleicht in einer
Reihe von Jahren amerikanische Eisenbahnen
nnd commerzielle Unternchmniigcn keinen
Markt in Europa finden werden.
Holländische Financiers haben dem amen
kanischen Consiit folgende Borlage unter
breitet:
„Eisenbahnen und industrielle Umerneb
niuugen in den Bcr. Staaten können künftig
nur Unterstützung durch europäisches Kapital
erwarten, wenn durch die resp. Gesetzgebung
folgende Garantie ertheilt wird:
l. Tie Möglichkeit, eine zuverlässige Un
tcrsuchung anzustellen, um ausziisinden, ob
nnd wie viel Geld aus das nominelle Kapital
der Compagnie eingezahlt ist. Dieses allein
kann verhindern, daß werthlose Aktien ausge
geben werden, welche von Hand zn Hand cir
kulircn.
2. Die Gewalten der Präsidenten von
Compagnie' sollten durch die Gesetzgebung
klar desinirl und weise beschränkt werden.
Durch schlimme Ersahrungen ist das euro
päische Publikum zn derUebcrzcngnnggckoin
wen, daß unlcr dem gcgenwärngen Systeme
die arbiträre Gewalt der Präsidenten vielleicht
die erste und bedeutendste Ursache dieser un
günstigen Resultate so vieler Eisciibahiiuntcr
nchmungen ist. Tie Fähigkeit und Rccht
schaffcnheit eines einzelnen Mannes ist die
Hauptgarantie für die Zuverlässigkeit nnd
den Erfolg eines Unternehmens; sobald diese
Gewalt an eine weniger sähige oder weniger
ehrliche Person übertragen wird, so kann sich
der Zustand rasch zum Schlimmern verändern,
und eine Compagnie, welche unter den gün
stigstcn Auspizien in'S Leben trat, kann da
durch rasch zn einem zweifelhaften Unternch
men werden."
Tie holländischen Bankiers thun wohl da
ran, wenn sie Garantie' verlangen, aber die
Herren sollten wissen, daß die Garantie' anic
rikanijchcr Gesetzgebungen, so lange sie sich
nur auf Vorschriften über Aktienausgabe und
Qualifikation der Vcanttcn erstrecken, nicht
das Papier werth sind, ans welchem sie
geschrieben sind.
Jeffcrson Davis üvcr die Nasscn-
Constittc im Süden.
Daß die nördlichen Anshetzcr und Dema
gogen ini Süden die Haupianstiftcr der Nas
sen Conslikte sind, das ist auch die Ueberzeu
gung wobl'.tttterrichketcr südlicher Männer.
Daß cö nicht an weißem „Pöbel" im Süden
fehlt, ebenso wie im Norden, ist Thatsache;
und zwar rekrunrt sich derselbe durchaus nicht
nur aus der ärmeren Classe. Diesem ist je
der Vorwand willkommen, der zn Gewalttha
ten eine Berechtigung zu liefern scheint. Die
Hauptaufgabe der Berather der farbigen Ras
se sollte dahin gehen, die Letzteren zur höchsten
Mäßigung nnd Voificht zu mahnen, aber das
liegt nicht in dem Interesse der gewissenlosen
Demagogen, welche sich zn solchen Führern
ausgeworfen haben. Im Gegentheile suchen
sie den Conslilt und Hetzen dazu auf, um da
mit die Forldauer von Ausnahmezuständen
zu begründen, deren Handhabung sie zum ei
genen Profil verwenden können.
Jefferson Davis, dem man gewiß nicht die
Kenntnisse der südliche Verhältnisse abspre
chen kann, äußerte sich in einer Rede, welche
er am 28. 'August zu 'Memphis, Denn, darü
der hielt, dahin, daß nur die weißen Aufhctzcr
der Neg/r das ganze Unheil anstislen. Die
'Neger, sagte er, waren nicht die Feinde der
südlichen Weißen, denn die Letzteren waren ja
ihre einzigen Freunde. Sie wären gemein
sam ausgewachsen; eine Negerin war die Am
me und Pflegerin der Kindheit der weißen
Männer, 'Neger lehrten ihnen die ersten münd
licheii Uebungen und Negcrknabcn waren ihre
Gespielen und aus diesen wurden ihre treuen
Diener und Arbeiter.
Dieses freundschaftliche Verhältniß sei nur
durch die Einmischung fremder „Brandstifter"
gestört worden. Aber das sollte niemals die
Weißen zur wirklichen Feindschaft hinreißen.
Beide Rassen waren aus einander angewiesen
und jeder weiße Plann, der an einen Rassen
krieg und an eine Vertilgung der Schwarzen
glaube, verdiene nicht die mindeste Sympa
lhie. Man solle sich erinnern, daß die Nc
gcr treue Behüt und Wächter von Hans und
Heerd bleiben, während die Weißen in, letzten
Kriege in's Feld gezogen wären. Bor allen
Dingen aber waren sie es, welchen das ganze
Miistssippi-Thal seinen Anbau verdankt nnd
welche nach Ansicht von Jeff. Davis allemim
Stand wären, die Cultur desselben durchzu
fetzen.
Mil dem letzten Satz hat Jeff. Davis ei
gentlich den Hauptgrund angegeben, weshalb
die Weißen von Haupt Baninwollcnstaatcn
die Neger gar nicht entbehren können. Das
alte patriarchalische Verhältniß zwischen Wei
ften nnd Schwarzen, wo dieselben Haus
diener waren, hat aufgehört, aber die Arbeits
kraft der Neger ist noch dieselbe und der An
bau der Baumwolle nnd des Zuckerrohrs i
Niederungen, in welchen der Weiße für harte
Arbeit so wenig taugt, wird der kräftigeren
farbigen Nasse zu überlassen fein. Tiefes
ArveitS-gitteresie ist es, welches der weißen
Rasse befiehlt, mit der farbigen m Frieden
und Freundschaft zu leben, und dicjes In
teresie wirkt lebhafter und andauernder, als
alle Erinnerungen anö vergangenen Zci
tcn. (PH. Dem.)
Nettigkeiten.
Bcccher hat Thränen vergossen, nämlich
bei Gelegenhcir einer dritten, vorgestern im
„Tiviii-Mouiilaii,.House" in den „Weißen
Gebirgen" gehaltene!! Predigt. Eine große
Menge Zuhörer hatte sich eingestellt und Bcc
cher sprach über das Lebe, den Charakter
und die Verdienste Christi nach 9. Kapitel, 28.
Vers im Sl. Lukas. Tic Depesche lautet:
„Mitunter wurde Bcccher zu ergriffen, daß
die Stimme ihm ihre Dienste versagte n. ihm
die Augen übergingen." ZumSchlusse gab's
„eine Collcktc für eine arme Wittwe und neun
Kindern." Während Beechcr in den „Wei
ßen Gebirgen" redete, predigte sein Assistent
Holliday in der Plymonlh-Kirche zu Brook
lyn und mahnte die Gemeinde, in der Stunde
der Prüfung zum Pastor und zur Kirche zu
stehen. Plymonth war überfüllt.
In Ellsworlh, Kluisas, betrank sich
der texanifche Vichtrciber C. Weir und
feuerte, als man ihn verhaften wollte, auf
den Gehülfe--Schcrifs Stevern, der sofort todt
zu Boden siel. Tie Kugel eines anderen
P-Kizlslen gab Weir den Rest.
Der größte Landeigner in New-Aork
soll Geo. Clark in Coopersiown sein. Der
Mann hat eine förmliche Manie, um in den
Besitz von Land,einerlei, ob dasselbe werthvoll
ist, oder nicht, zu gelangen.
Valentin Schöntuer in Icrscy. City,
N. J., der am Dienstage einen mörderischen
Angriff ans seine ,zrau machte, soll wahnsin
nig sein. Der Kerl soll schon früher auf
s ine Schwiegermutter emc Msrdangrifs ge
macht nnd zu Lcflerem seine Frau bedroht
haben.
In Brattleboro-', Vermont,ersuchte
unlängst ein katholischer Priester das städtische
Schnl-Coinite, die Kinder seiner Gemcide am
Frohnlcichnams-Tage vom Schulbesuche zu
dispensiren. Das Schul-Comite gab einen
abschlägigen Bescheid, und als die Kinder
dennoch am Feiertage ausblieben, wurden sie
von dem Schulbesuche ausgeschlossen. Tie
katholischen Ellern appcUftlen an den Rich
ter, der aber dem Schul - Comite beistimmte.
Die „N.-Sj. Tribüne" zieht gegen die Da
men zu Felde, deren hohe Hüte im
Theater h-nter ihnen Sitzenden die Aussicht
auf die Bühne ver'perren.
Im „Central Parke" zu Ne w - Aork soll
eine Bronze- Statue Wcbster's errichtet wer
den. Die Aiisstcll'-ng steht bis zum 4. Juli
1576 in Aussicht.
In Jcssaniine County, Ky., be
ging ein Neger ein schändlia,. Verbrechen an
eiitcr jungen weiften Dame. Louis Franklin
wurde als der Thäter verkästet und ach
Ntcholioiiville in Hast gcbra, t. Die Neger
befürchte", voj, mau den'.irrest'te „lim
ch -nrde, bewaffneten ssc' in d -u l
teu riielail. Nachts ... ...
um dsil gct .urjaui zu entsüh- >
rcn; die Neger feuerten auf die Weißen und
eipcr derselben wurde gelödtet. Die Uebri.
gen suchten hierauf das Weite.
In West Manchcster. 6 Meilen von
Bork, Pknns., brannte in letzter Mittwoch
Nacht die Scheune Jakob Spreuk.l's ab.
Verlust tzStM, keine Assekuranz.
Im letzten Monate kamen in N ew N o r k
2852 deutsche Einwanderer an; in derselben
Periode des letzten Jahres landeten 6390.
Seit dem l. Januar d. I. betrug die deutsche
Einwanderung 31,779, 41,945 weniger, als
innerhalb desselben Zeitraumes von 1873.
Au den Tombs zu
wischte vor einiger Zeit der Mörder W. F.
Sharkey. Man will nunmehr wissen, daß
Sharkcy mit seiner Dulcinea, Maggie Jour
dan, glücklich in England angekommen lst,
und daß das „glückliche Paar" beabsichtigt,
in einer Fabrikstadt sich einen eigenen Hecrd
zu gründen. Die Einschiffung des Paares
vcr,chtet eine Zeitung, wie folgt: „Am
Samstag, den 8. August, fuhren in geschlosse
nem Wagen zwei Männer und zwei Frauen
am Dock der Jnman-Linie, Pier Nr. 45,
North-River, an. Als das Signal zur Ab
fahrt ertönte, eilten die Frauen auf's Schiff
und wenige Minuten später hatte der Dampfer
„City of Paris" die Anker gelichtet und
dampfte in den Strom hinaus." Die Be
kannten und Freunde der Maggie Jourdan
haben im Lause dieser Woche Nachricht erhal
ten, daß das Paar glücklich angetommen ist.
Maggie beschreibt in ihrem Briese mit vielem
Huinor die Fahrt, auf welcher Sharkey stets
in Weibcrkleidcrn erschien; sie sagt, Sharkey
habe sich wochenlang in Ncw-2)ork ausgehal
ten lind sei in seiner Verkleidung ungeschoren
durch die Straßen spaziert; keiner seiner Be
kannten, am Allerwenigsten aber die Polizei,
habe seine Anwesenheit geahnt.
Ans Lebanoii, Penns., kommt solaende
erstaunliche Nachricht: „Die Familie Isaak
Wagner's, der hier vor drei Jahren eine
Whiskey - Destillerie betrieb, kam soeben von
Springficld, Ohio, hier an. Die Familie
erzählt, daß sie vor drei Jahren, nachdem sie
Lebanon verlassen hatte, eine Farm nahe
Springsicld bezog, aber jenen Ort jetzt ver
lassen habe, da Wagner wegen Ermordung
eines Kindes gehängt werden sollte. Ehe
Wagner vor drei Jahren mtt seiner Familie
Lebanon verließ, ging das Gerücht, daß er
mehrere -Kinder, die er mit Frauenzimmern
gezeugt, die bei ihm arbeiteten, umgebracht
habe. Im Westen soll er sich ähnlicher
Schandthaten schuldig gemacht, schließlich
verhaftet und gestanden haben, daß er nach
und nach der Mörder von cils außerehelich
gezeugten Kindern gewesen sein. Einer seiner
Söhne soll ihn darüber ertappt haben, als er
das letzte Kmd umbrachte. DaL Volk wollte
Anfangs Wagner „lynchen," ließ aber schließ
lich der Gerechtigkeit ihren Lauf und das
Gericht verurtheilre ihn zum Tode."
Tie Beamten der „N ational Bau m
wollen - Börj c" in New - ?)ork haben
beschlossen, ihre nächste Jahrcs-Convcntion
am 20. Juli 1875 in Greenbrier White-Sul
phur-Springs, Birg., abzuhalten.
Zn Hazlcton, Penns., wurde am
Freitag Abende der Polizei-Ches Simon H.
Clauscr, als dieser den Störenfried Georg
Lapp zu arretiren versuchte, von diesem er
schossen. Der Tod dcs Polizei-Chefs, der als
Maurer und Mitglied der „Großen Armee
der Republik" in hohem Ansehen steht, wird
allgemein bedauert. Es herrschte die größte
Aufregung und man drohte, Lapp (beiläufig
ein geborener Deutscher) zu „lynchen."
Ten fanalisirtcn Tcmperenzleuten
desWestens, namentlich tn den Gegenden,
wo die Betwciber hausten, muß zuweilen auch
die Brandfackel als Instrument zur Bekehrung
dienen. Das geichah kürzlich in Valparaiso,
Indiana, wo das Hotel dcs Hrn. Max L-ch lund
an mehreren Stellen angezündet wurde, so daß
kaum die Familie nnd einige Effekten gerettet
werden konnten. Kurz vorher wär Hr.
Schlund, ein in dem Orte sehr angesehener
Mann, von den Fanatikern.mehrmals aufge
fordert morden, sein Geschäft aufzugeben, und
halte auch bereits Unterhandlungen Betreffs
dcs Verkaufs dcs Hotels angefangen, um sich
der leidigen Quälerei zu entziehen, als ihm
der rothe Hahn auf's Dach gesetzt wurde.
Achnliches erfuhr der Gastwirth I. G. Miller
in Otisco, Indiana. Sein Lokal war
nachdem er zweimal erfolglos aufgefordert
worden, seine Wirthschaft zu schließen und den
Ort zu verlassen an drei Stellen in Brand
gesteckl worden nnd wäre um ein Haar die
ganze Familie in den Flammen nmgckom
men. Ein weiterer Fall wird aus Kalamazzo,
Blich., gemeldet, nur mit dem Unterschiede,
daß der Wirth Johann Wallncr nur eine
„Verwarnung" enthielt, binnen acht Tagen
die Stadt zn verlassen, widrigenfalls man
ihn „vertreiben" würde. Wallner hatte den
Drohbrief dem Mayer gezeigt, war aber aus
gelacht worden. In der achten Nacht wurde
sein Anwesen an fünf Stellen in Brand ge
steckt und die Familie entkam mit dem nackten
Leben.
Eine blühende deutsche Ansiedlnng
hat seit 8 Monaten ;n Cullmann im Staate
Alabama bedeutende Forisckritte gemacht und
die günstige Aufmerksamkeit der amerikani
schen Bevölkerung auf sich gezogen. Diese
deutschen Einwanderer zählen daselbst 1500,
haben nette Häuser gebaut, Weingarten und
Felder in besten Stand gesetzt, eine Masse
Vieh an Hand und zu allen ihren 'Arbeiten
keinen einzigen Neger beschäftigt. Die Ala
bama'er Presse ist ganz begeistert über diese
nützliche Immigration.
In New-Orleans sind letzte Woche
innerhalb vierundzwanzig Stunden zwei
Selbstmorde und drei Morde vorgekommen,
außndem sind drei Personen in Messer- nnd
Schieß'Affairen lebensgefährlich verwundet
worden.
In Nc w - or k steht ein 70-jähriger
Greis unter der 'Anklage der Bigamie. Har
riet Friedman, eine 08 jährige Greisin, ließ
ihren 70-jährigen Manu Einanuel Fried
man wegen böswilligen Vcrlasscns verhaft
teu nnd vor Richter Bradley bringen. Bei
dem vor dem Richter angestellten Verhör
wurde ermittelt, daß die Klägerin letzten Som
mer durch den Rabbiner Abraham Weber
dem Beklagten, der in ihr die dritte Frau hci
rakhcte, angetraut wurde, daß er sie aber bald
nachher sitzen ließ, um mit seiner zweiten und
deren zehn Kindern zn leben. Friedman
wurde sestgchalien, um sich wegen Bigamie
zu verantworten.
Das „Nafhville Banner" schreibt
vom 80. August: Als gestern im Cirkus zn
Pulaski die Vorstellung beginnen sollte, ließ
ei 'Angestellter eine Oellampc fallen, die den
Löwenkäfig traf nnd dort zerbrach, wobei das
Ocl sich entzündete. Ein Flainmenstrom er
goß sich in den Käfig, worauf sich die Thiere
nach der entgegengesetzten Wand zurückzogen.
Ein anderer Angestellter wollte sich in den
Käsig begeben, um die Flammen zu löschen.
Kaum hatte er seinen Kopf hineingesteckt, als
einer der Löwen mit schrecklichem Gebrüll über
ihn herfiel, das Fleisch von seinem Gesicht,
von der Brust nnd von den Annen riß und
ihn total verstümmelte. Wäre der Meister
nicht hiiizugekommcn, so hätte das erboste
Thier den unglücklichen Mann auf der Stelle
gctödlet. Er befindet sich im Spital; allein
man hat wenig Hoffnung für fein Auskom
men.
Im Stadtgcfängnisse zu Cincinnati
erhängte sich vergangenen Dienstag der Mör
der Coleman, welcher am 28. Juni einen jun
gen Deutschen, Namens Pcrer Grösse, ohne
die mindeste Provokation nm's Leben gebracht
Halle. Ueber die Ausführung des Selbst
mordes entnehmen wir dem „Cincinnati
Vollöblatt" Nachfolgendes: „Die Vorderen
tnngcn zum Erhängen müssen von Coleman
mit größter Sorgfalt und nach reiflicher Uc
berleguiig getrosten worden fein. Er hatte
sein Bettzeug in lange Streifen geschnitten,
daraus einen Strick gedreht und in das Ende
desselben einen festen knoten gemacht. Dar
auf baute er sich selbst eine Art Galgen, indem
er seine tlcliie eiserne Bettstelle aufrichtete.
Er band sich daraus die Füße zusammen, da
mit er bet'm Einfallen der Schlinge nicbt auf
die Füße zu stehen komme. Die Hände band
er sich gleichfalls, jedoch der Art, daß er nicht
verhindert wurde, sich die verhängmßvolle
Schlinge um den Hais zu legen. Damit die
Schlinge nicht weggleitcn konule, hatte er den
Strick feucht gemacht. Ter Knoten ruhte
hinter dem linken Ohr. Darauf ließ er sich
fallen nnd da ihni dicFüße zusammengeschnürt
waren, so konnte er auf dem Boden keinen
festen Halt finden, obschon beide Füße auf
dem Boden ruhten. Wie lange er bis zu sei
ner Auffindung bereits gebaumelt halte, läßt
sich nicht feststellen, doch wird eS kaum länger
als eine halbe oder drei Viertelstunden gewe
sen fein, da man ihn um 0 Uhr noch ruhig in
seiner Zelle sitzen gesehen shatte.
Das Obcrstaatsgericht von Minnesota
hat entschieden, daß Eisenbahn-Gesellschaften
bei Unfällen den mit Freipäfsen versehenen
Personen gegenüber in derselben Weise ver
pflichtet sind, als wie den zahlenden Pasiagie
ren, wenngleich auf den Frcipässen ausdrück
lich stipnlirt ist, daß der Inhaber oder dessen
Familie keinen Anspruch auf Schadenersatz zu
erheben berechtigt feie t.
"IKe liopublw" ist der Name einer neuen
republikanischen Zeitung, welche
am 21. d. Mls. in New-Aork erscheinen soll.
Das Blatt wird von der„New-Vork Republi.
can Newspaper-Association" herausgegeben,
welche, wie es heißt, das neue Unternehmen
mil einem Kapital von 500,000 betreiben
will.
In Charleston, Ind., droht es zu einem
blutigen Kampfe zwischen einem Vigilanz-
Comite und dein Scherisf des County's und
seinen Leuten zu kommen. In dem dortigen
Couiity-Gesängnisse befinden sich nämlich die
beiden Mörder Clark und Lewis, deren Ver
theidiger beabsichtigt, einen Habeas-Corpus.
Befehl zu erwirken. Die Bürger drohen je
doch, im Falle er erfolgreich ist, ihn aufzu
knüpfen.
Die östreichische Regierung läßt bekannt
machen, daß das Kreuz des Militär
Verdienst-Ordens nicht ferner nach dem
Tode des Dekorirten zurückgegeben zu werden
braucht, sondern ,n der Familie des Dekorir
ten verbleibt, daß es aber, Falle Letzterer
sich eines gemeinen Verbrechens oder Ver
gehens schuldig machen sollte, immer zurück
gefordert werden muß.
Tie amtliche, vom Präsidenten unterzeich
nete Anzeige, daß vom Oktober ab sich das
-V der Per. St. - A r
"'.LJ ej>..c.:, .g jocheu
In New - °rk ist am 2. September die
bekannte amerikanische Prima-Donna Frau
Agathe State im Alter von 33 Jahren ge
storben. Frau States hat hier in verschiede
nen großen Conzertcn mit Auszeichnung ge
sungen.
In T a r S, Mo., starb vor einigen Tagen
in hohem Alter der Hochw. Vater Helias,
einer der mit dem berühmten Judianermis.
siouär de Snict aus Belgien eingewanderten
Jesuiten. Bater Helias war der erste Priester,
welcher westlich von St. Louis die Messe cele
brirtc und überlebte alle seine Gefährten,
welche in den zwanziger Jahren mit ihm ein
wanderten.
Die Zahl der aus Europa durchbrennen
den Betrüger, Fälscher nnd Kassendiebe wird
täglich größer. In New-Sjork schweben zur
Zeit mehrere Prozesse gegen solche Menschen;
der allerneueste Fall diezer Art ist der dcs
Hermann Thomas, welcher im luni d.J.
Fälschungen im Betrage von §OOOO auf die
„Königliche Bank" in Nürnberg verübte.
Das „Telearam" von Shreveport,
La., stellt in Abrede, daß die Mörser der Ge
fangenen von Conshctta Bürger von Shreve
port waren.
Bei dem Picnic der alten Frauen von
Philadelphia waren drei Hundertjährige,
Eine 108, Eine 102 nnd Eme 101 Jahre
alt
S elb st dieS P er ling e in den New-
Porkcr Stadiparken sind vor der Bosheit der
Menschen nicht gesichert. Kürzlich streute ein
Unbekannter den Sperlingen Brodkrumen
untcr die Bäume. Die armen Spatzen flogen
herab, pickten die Krumen aus, flogen wie
der in die Höhe und fielen nach wenigen Au
genblicken todt aus dem Gezweige herab.
Aus diese Weise sind dreißig Sperlinge im
Madison-Square vergiftet worden.' Die
Commissäre haben bcichlossen, die übrigen
Brodkrumen, die noch an der Stelle gefun
den wurden, und die todten Bögcl dem Pro
fessor Doremus zur chemischen Untersuchung
zu schicken lind womöglich die Personell zu er
mitteln, welche die Niederträchtigkeit began
gen haben, die nützlichen Parkbemohner zu
vergiften.
Die Groß-Loge der „Odd-Fel
l o w s" der Ver. Staaten versammelt sich die
ses Jahr am 7. September in Atlanta, Ga.
Außer den vier Repräsentanten der Großloge
und des Grand Encampment dieses Staates
wird sich auch noch der Groß - Depiitirte
der Ber. Staaten dort einfinden.
Präsident Grant wird im Laufe dieser
Woche nach Washington zurückkehren. Am
Abende des 14. d. Mls. soll im „Weißen
Hause" zu Ehren des neuen Gcneral-Post
meislers ein Essen stattfinden.
E i n c Na i v e tät, wie man sie Politi
kern kaum zutrauen sollte, haben die Herren
an den Tag gelegt, welche in New-Nork die
wilde AemlerjllAd Namens der republikani
schen Partei in Szene setzen. Mit der Grün
dung eines tonangebenden Partciblattcs be
schäftigt, haben sie Hrn. Grant eine Anzahl
Aktien anbieten und ihm mittheilen lassen,
daß sie ihn durch Tick und Dünn vertheidigen
würden. Dieser nahm seinen Cigarrenstum.
mcl aus dem Munde, und war schon im Be
griff, wie üblich, halb bescheiden verschämt,
halb freudig übcrrnscht, für das „Geschenk"
zn danken, als er erfuhr, dast man ihm die
Aktien verkaufen wolle. Graut zog seine
Hand sachte zurück, lächelte schlau und winkte
dem Neger, die Thüre zu öffnen. Wozu wäre
man Präsident, wenn mau Aktien kaufen
wollte. So blau!
Die Convention der V ers icheru n g s -
Commissäre, welche vorgestern in De
troit, Mich., tagte, hat folgende Beamten er
wählt: Präsident, O. W. Ehapman von
New 2)ork; Bice-Präsideut, S.H. Rom von
Michigan; Sekretär, Oliver Pilöbury von
New-Hampshire: Exekutiv-Eomite, Julius
L. Clark von Massachusetts, G. W. Smith
von Kentucky, John M. Förster von Pcnn
sylvanicn, Edward Russell vonkansas, losh.
Nye von Maine.
Auf Long-Jslaiid, N.'Z., fand am
Freitag Nachmittag ein Hunde Preiskamps
statt, bei welchem von den anwesendcnl.'ftwrts.
mt-ni ungeheure Summen verwettet wurden.
JnSalt-Lake-City wurde am Frei
tag Abend Brigham Voung's Schwiegersohn
Thatcher wegen Meineids verhaftet.
Auf WardS'lsland, bei New-Bork,
sprang am Freitag der geisteskranke Johann
Schweizer, welcher in der Nähe des Irren
hauses obne Aufsicht spazieren ging, in's
Wasser und erlrank.
In einem New -Z) orker Polizeigc -
fängnisse machte ain Samstage eine we
gen Trunkenheit verhaftete 'Negerin vier er
folglose Selbstmordversuche.
Die Befürchtungen, die seit einiger Zeit be
treffs des Schicksals der östreichi
schen Nordpol-Expedition gehegt
worden waren, haben sich glücklicherweise!
in ihrem vollen Umfange bestätigt. Der
Schraubcndampfcr „Admiral Tegethoss," der
im Juni 1872 unter der Leitung des östreichi
schen Schiffs Lieutenants Wcyprccht und des
Oberlieutenants Payer und mit einer Be
satziing von 24 Mann Bremerhaven verlassen
halte, um das bis jetzt der Wissenschaft noch
vollständig iliibckamile Meer zwischen Spitz
bergen und'Nowaja Semlja zn durchforschen,
ist freilich gescheitert, aber die Mannschaft hat
sich zu reiten vermocht und es ist ihr gelungen,
auf Schlitten die norwegische Insel Wardoc
zu erreichen, so daß also die wissenschaftlichen
Ergebnisse der zweijährigen Fahrt nicht ver
lorcn gegangen sind. Die Expedition war
die größte, die noch je ausgerüstet worden,
nin das große gcheimnißvolle Gebiet um den
'Nordpol zn erforschen, nnd da die Leiter der
selben sich auch schon aus einer früher Nord
polsahrl ausgezeichnet hatten, so dars man
gewiß höchst interessante und die Wissenschaft
bereichernden Mittheilungen von ihnen entge
gensehen.
TaS große Meteor, welches gegen
3 Uhr am 15. August bei Cairo beobachtet
winde, scheint eines der größten gewesen zn
sein, die in neuerer Zeit gesehen worden sind.
Es erschien zuerst am nördlichen Himmel, in
seiner scheinbaren Größe gleich dem Mond.
Sein Lichl war blendend wie das der Sonne.
'Als es beinahe den südlichen Horizont erreicht
hatte, explodirtc es mil einem Krach, lauter
als der Donner, und seine flammenden Trüm
mer schienen in verschiedenen Richtungen as
cinander zu fliegen. Die Explosion schien den
Boden erbeben zu machen, wie ein Erdbeben,
und der Widerhall trug das Getöse thalauf
nnd thalab. Es wäre wünschcnswcrth, wenn
Nachforschungen nach den gefallenen Trüm
mcrii angestelttt würden. Die ungefähre Ge
gend, wo sie gefallen sein müssen, kann nicht
sehr schwer zn ermitteln sein.
Versuch, junge amerikanische
Schadsische nach Dciilschlaiid zu verpflan
ze, ifl mißglückt. Der bekannte Fischzüchter,
Hr. Fred. Maiher, war mit 100,000 jungen
Schadfischen per Dampfer „Donau" nach
Teutschland abgereist. Die jungen Fische
starben am zehnten Tage der Reise. Hr.
Äathcr und sein Gehülfe Anderson gaben den
Fischen während der ersten vier Tage alle
Stunden frisches Crotonwasser und später alle
halbe Stunden. 'Am nennten Tage hatten
sie circa 10,000 Fische verloren, aber am zchn
scn Tage der Fahrt starben sie alle. Hr. Ma
thcr ist der 'Ansicht, daß sie verhungerten. Im
nächsten Jahre soll übrigens noch ein Versuch
gemacht werden.
Ans Kansas kommt wiederholter Hülse
rnf. Der Gouverneur schreibt, daß seit dem
10. Juni an der Grenze 10 Bürger von den
Indianern ermordet worden seien.
Bon der Red- C lo ud-Ag c n l n r wird
angezeigt, daß 3000—4000 Indianer, die den
ganzen Sommer über als Marodcure das
Land durchstreift haben nnd sich nunmehr
fürchten, nach ihren Reservationen zurückzu
kehren, dort (nahe der Red Cloud Agentur)
Quartier genommen haben. Um sie zu füt
lern, war es nothwendig, die Rationen der
friedlichen Indianer zu schmälern.
Eine sashioiiablcHochzeit findet am
t. Oktober in Washington stall: Frl. Minute
Sherman, Tochter des Oberbefehlshabers der
Ver. Staaten-Armee, vermählt sich mit Thö.
W. Fitch vom Ingenieur-Corps der Ver. St.
Seemacht. Die Trauung soll in der St.
Aloysius Kirche am 1. Oktober, Morgens ll
Uhr, durch den Hochw'sten Erzbischos I. B.
Purcell von Cincinnati vorgenommen werden.
Das Paar rcis't nach der Hochzeit nach St.
Louis.
Ueber das „Black-Hill" - Goldste
ber wird gemeldet, daß auch in Denver,
Colorado, sich 150 Leute zur Abreise nach
dem Goldlandc rüsten. Um mit den Sionx
fertig zu werden, haben sich die Goldjäger
wohl ausgerüstet. Gen. t-heridan'S War
nung, die Jndianer Neservation der „Black-
Hills" nicht zu betreten, wird wohl wenig
Beachtung finden.
Man sagr, daß der vorgestrigen Predigt
des Henry Ward Beeck, er in den
„Weißen Gebirgen" 2500 Menschen bei
wohnten. Auch Karl Schurz nebst Familie,
Frau Harriet Beechcr. Stowe und Frau
Henry Ward Bcccher selbst sollen dabei gewe
sen sein.
Nahe Monnt V e r n o n, Westchestcr-
Co., N.kreuzte der Milchmann David
Scott mit seinem Wagen den Schienenweg
der „New-Haven-Bahn," wurde überfahren
und tödtlich verletzt.
Der älteste Me tho d i sten bisch o f in
den Ver. Staaten, Thomas A. Morris, ist
(wie telegraphisch gemeldet) am S. September
in feinem 80. Lebensjahre in Springficld,
O>, gestorben.
Neuere Berichte aus Mexiko melden, daß
der Congrcß am 10. d. M. zusammentreten
wird. Die Mordbrenner von Jakobs und
die Mörder des amerikanischen Predigers
Stephens sind bis dahin der Strafe ent
gangen.
Der vierte Jahrestag derCapi
tu la ti onv on Sed a n (2. Sept.), ist in
Deutschland untcr allgemeinem Enthusias
mus gefeiert worden, die Feier des vierten
Jahrestages der zwei Tage nach jenem Er
eignisse proklamieren französischen Republik
ist in verschiedenen Theilen Frankreich's unter
Ruhestörungen, Blutvergießen, polizeilichen
Gewaltthätiakeit'n nnd Verhaftungen ver
lausen. Eine sond.rbarc Republik, wo es
den Bürgern verboten ist, die Republik hoch
leben zu lassen und zu ihren Ehren Versamm
lungen abzuhalten. ES ist wahrscheinlich als
ein Verbrechen gegen das Septennat des Mar
schalls Mac Mahon gedeutet worden, daß die
Bevölkerung der Stadl Mrze u h,-!lr er
innern willen, daß, rechtlich wenigstens, p,e
Republik noch existire. Die französischen Be
hörden würden aber doch wohl gut daran
thun, diese Vorfälle als eine Warnung zn
betrachten, daß es nicht so leicht sein wird,
den Namen der Republik auszulöschen, wie
den des Kaiserreiche. Sic ist friedlich und
unter allgemeinem Jubel in's Leben getreten,
vernichtet könnte sie wahrscheinlich nicht wer
den, ohne einen blutigen Bürgerkrieg zu pro
vociren.
Das „Freemans lournal" in New
iftork hat eine Spezial-Kabel-Depesche von
Rom, welche meldet, daß San Antonio,
Tex., zu einer Diözese erhoben und der Gene
ral-Vicar Pcllicer von Mobile zum Bischof
ernannt worden ist.
Die Brutalität der New-Aorker
Polizei beginnt sprichwörtlich zu werden.
Fast täglich berichten die dortigen Blätter
Fälle von Rohheil und Gemeinheit, welche,
von Raufbolden begangen, schon schlimm ge
nng sein würden, die aber noch gravirender
dadurch werden, daß die Thäter Polizisten
sind. Das neueste Bülletin von Polizisten-
Berbrechen aus New-Nork berichtet wieder
zwei haarsträubende Fälle. Am Samstag
kamen zwei Kutscher, Namens McKnight
nnd Woods aus das Büreau der Polizei-
Commission und beschwerten sich, daß sie von
dea Polizisten George und Michael Malone
schrecklich mißhandelt worden seien, woraus
man sie noch obcnd'rein wegenStraßenraubes
verhaftet habe. Eine andere Klag: liegt
gegen den Polizisten Burns vor. Ein von
einem Herren auf der Straße verfolgtes
Dienstmädchen suchte Schutz bei einem Poli
zisten. Dieser sagte, wenn die Patrouille
vorüber sei, wolle er sie nach Hause bringen.
Der Polizist war in voller Uniform und das
Mädchen glaubte daher, daß es ihm vollstän
dig vertrauen könne; es wartete geduldig, bis
die Patrouille den Polizisten Passirt hatte,
worauf dieser ihr, wie sie glaubte, das Geleite
nach Hause geben würde. Der brutale Bursche
aber nahm Mary Maguire mit die Atlantie-
Avc. hinaus, lockte sie in den Tivoli-Garten
und schändete sie dort unterab'chculichen Miß
handlungen. Als Mary sich einigermaßen
erHoll hatte, schleppte sie sich aus die Straße,
wo sie einem anderen Polizisten ihr Leid
klagte. Dieser brachte sie nach dem Stations
hnu'e dcs 10. Bezirkes, wo der Capitau sofort
die Ablösung der in der von Mary bezeich
neten Gegend siationirtcn Polizisten anord
nete. Als mehrere Polizisten der Mary Ma
guire vorgeführt wurden, bezeichnete diese so
gleich Geo. W. Burns, einen 35jährigen ver
heirathcten Mann, als den Thäter. Capi
lä.i Campbell nahm Burns sofort die Insig
nien seines 'Amtes ab und ordnete seine Ver
haftung an. Die Untersuchung wurde vor
Richter Morse geführt, und die 'Aussagen des
MädckenS, welchen wir das Vorstehende ent
nahmen, gaben ein Ekel erregendes Bild der
abscheulichen Gewaltthat. Die Untersuchung,
welche bisher im Geheimen geführt wurde,
mußte am Freitag wieder verlagt werden,
weil nach ärztlichen Zeugnissen der Zustand
des Mädchens ein derartiger ist, daß man an
dem Auskommen der Unglücklichen zweifelt.
In New-2)ork vergiftete sich die deut
sche Frau Anna Kreuzer mit Morphium.
Seit drei Monaten war sie Haushältcrin bei
Hrn. Hcllrich in Ost-Houstonstraßc, und Letz
terer hatte die Absicht gehabt, sie zu heiratheii,
doch ersuhr er vor einigen Tagen, daß Anna
einen Gatten und ein Kind in Deutschland
habe. Am Freitag Abend betrank sich die
Verstorbene, und Hcllrich hatte deshalb Streit
mit ihr, der bis nach Mitternacht anhielt,
worauf er das Haus verließ und irst um 7
Uhr 'Morgens zurückkehrte. Er fand seine
Haushälterin in Krämpfen und neben ihr eine
halb geleerte Flasche mit Morphin. Er ging
zu zwei Aerzten, aber dieselben weigerten sich,
mit ihm zu gehen. Dann ging er nach dem
Stationshauje und machte Anzeige. Ans dem
Moipbinfläschcheii befand-sich ein Zettel mit
dem Namen: „H. Landauer, Apotheker, Ecke
Allen-, und Rivingtonslr." Die Jury gab
den Wahrspruch ab, daß die Verstorbene sich
vergiftet habe.
Noch eine Lesart übe r den Til
ton- Bee cher- Skandal. Das
„Journal de Marseille" erzählt seinen Lesern,
daß zwischen den amerikanischen Geistlichen
Bcccher, Stillon und Moulton arge Zwistig.
keilen ausgebrochen seien, weil in Händen deS
Hrn. Moulton Liebesbriefe, welche Stilton
an Frau Beechcr - Stowe gerichtet habe, auf
gefunden worden seien. Stilton klagte
seinerseits den Hrn. Beechcr an, seine jüngste
Tochter, Mademoiselle Florence Stilton,
verführt zu haben und verlange H 50.000
Schadenersatz. Frau Beechcr-Stowe, setzt
das „Journal de Marseilles" hinzu, ist die
Mutter des berühmten Onkel Tom. dcs be
kannten blinden Pianisten, welcher vor einigen
Jahren auch in Frankreich großes Furore ge
macht hat.
Den abscheulichen Beecher - Skandal
nimmt man in Deulschland nicht so sehr auf
die leichte Achsel, wie hier, und über die ver
brecherischen Gelüste eines Predigers denkt
man dort etwas rigoröser, als hier, wo die
Gegenströmungen so stark sind, und viel Dunst
über dergleichen Borfälle verbreitet werden
muß, um den Heiligenschein eines solchen
Märtyrers nicht ganz zn vernichten. Bcccher
ist bekanntlich der Verfasser einer Schrift:
„Das Leben Christi," dessen literarischer
Werth eint Uebersctznng in's Deutsche veran
laßt hat. Den Verlag dafür hat eine renom
mirte Leipziger Buchhandlung übernommen,
und ist bis jetzt der erste Theil erschienen.
Nachdem nun die ausführlichen Nachrichten
über die schmachvolle Beechcr-Affaire in
Deutschland bekannt geworden, hat der Ver
leger sich veranlaßt gesehen, öffentlich anzuzei
gen, daß die Fortsetzung der Uebersctznng
unterbleibt, wobei die noch vorräthigcn
Exemplare des ersten Bandes zum Kostenpreise
angeboten werden. „Wir sind," fügt die
Verlagshandlung hinzu, „leider zu diesem
Schritte genöthigt; doch der reelle Charakter
unseres Hauses macht es uns zur 'Nothwen
digkeit, die Fortsetzung des Werkes zu unter
lassen." Ein öffentliches Organ Leipzig's
vom 18. August bespricht dieses Verfahren
der Verlagshandlung in billigender Weise
nnd giebt folgenden Trumps dazu: „Also
dieses ist der hochachtbare, ehrenhafte Herr
Bcccher, wie er vor der ganzen Welt als
Selbstanklägcr, sich selbst verurtheileiid, da
steht. Keinem sittlich - denkenden deutschen
Manne, keiner achtbaren deutschen Frau kann
unter solchen Verhältnissen daran liegen, „das
Leben Christi" zu lesen, wenn es lo unreiner
Quelle entspringt." So denkt man in
Deutschland über die Affaire. Hier jubeln
noch immer Tausende dem glcißncrischen
Phrasengcklingcl dcs ehebrecherischen Kanzel
comödianten nnd Libcrtincrs im Talar
zu. (N.-A. Journ.)
Vermischte Berichte.
C lilelii nat i, 1. Sept. (Entsetzlicher
Mord. Ein Privatpolizist von einem
Taubstummen im Cirkus erschossen.
Verhaftung des Mörders.) Gestern
Nacht, kurz vor 10 Uhr, ereignete sich
in den Stallungen von Jackley'S Cirkus an
der Binc-Strajzc, zwischen der 4. und 5.
Straße, ein entsetzlicher Mord. Wahrend
die Vorstellungen, wie gewöhnlich, in dem
Cirius mit großem Erfolg ihren Fortgang
nahmen, begab sich ein junger Mann, Na
mens James M. S. Davis, hier allgemein
unter dem Namen „Trim Davis" bekannt,
welcher taubstumm ist, in das Anklcidezimmer
der Reiter, das mit dem Cirkus in Verbin
dung steht. Dort belästigte er eine Zeitlang
die Leute, welche im Cirkus angestellt sind,
schließlich leistete er einem Gesuch, das Zim
mer zu verlassen Folge, und begab sich in den
angrenzenden Stall, der nur durch einen
schmalen Gang vom Gardcrobczimmcr der
Herren getrennt ist. In dem Stall nahe am
Ausgang befindet sich ein Verschlag; in dem
unteren Theil desselben befindet sich ein Hnnd
und im oberen ist ein abgerichteter Affe - an
gebunden. Davis begann nun den Affen und
den Hund gegen einander zu Hetzen. Hr. M.
Lipmann, einer der Besitzer des Cirkus, wel
cher dies sah, rief nun seinen Privatpolizisten,
Hrn. Wm. Bird, herbei, um Davis, der mitt
lerweile den Assen losgebunden hatte, aus der
Stallung zu bringen. Hr. Bird lhat, wie
ihm befohlen wurde, und näherte sich dem
jungen Mann, der zur Zeit angetrunken war.
Kaum hatte Davis den Polizisten erblickt, als
er aus denselben zusprang und ibm einen
Schlag in's Gesicht versetzte. Bird blieb
ruhig und faßte den Taubstummen am Arm,
um ihn aus dem Cirkus, resp, den Stallun
gen zu bringen; ehe er jedoch Zeit hatte, sich
umzuwenden, hatte Davis feinen Revolver,
einen fünfläufigen Derringer, gezogen und
hielt denselben auf den Mund des Polizisten
nnd feuerte. Die Kugel ging dem armen
Mann durch den Mund in den Oberkopf, in
das Gehirn. Bird that einen grellen Schrei
und sank todt zusammen. Davis wollte nun
die Flucht ergreifen; die Polizisten Fra; und
Eichelberger waren jedoch rasch bei der Hand
und nahmen ihn fest nnd brachten ihn nach
dem neunten Straßen Stationshaus, wo die
Anklage des Mordes gegen ihn erhoben wurde.
Im Cirkus selbst wujzte Niemand, was vor
gefallen war, denn zur Zeit, als der Schuß
siel, spielte die Musik, und die Vorstellung
wurde wie gewöhnlich zu Ende geführt. Der
Mord rief unter den Mitwirkenden im Cirkus
natürlich die größte Aufregung hervor, und
die Damen fühlten kaum noch Lust, bis zum
Ende zu spielen. Hr. Lipmann. einer der
Besitzer des Cirkus, ließ jofort den Coroner
von dem schrecklichen Morde in Kenntniß
setzen. Der Ermordete wurde später nach
feiner Wohnung an der kossuth-, nahe der
Courl-Straße, gebracht, wo Coroner Doktor
Malet) eine Jury einschwor. Heute wird die
llnkersuchung stattfinden. Bird mar zur Zeit
feines Todes etwa 50 Jahre alt und hinter
läßt eine Frau und vier Kinder - einen Sohn
und drei Töchter, welche sämmtlich vcrheira
lhet sind. Er war allgemein als ein braver,
rechtschaffener und zuverlässig Mann geach
tet und fein Tod wird von Hunderten von
Freunden und Bekannten auf das Tiefste bc
trauert. Die Scene, als seme Leiche in die
Behausung an der Kossuth-Straße gebrattt
wurde, war herzzerreißend. Die arme Frau
verging fast in Thränen und fiel mehrere Male
in Ohnmacht. Der Mörder Trim Davis ist,
trotzdem er taubstumm ist, ein äußerst gefähr
licher Bursche. Er ist ein arbeitsscheuer
Taugenichts, der schon oft in Keilereien ver
wickelt mar; wie jeder Feigling, machte erbet
Gelegenheit Gebrauch vvn seiner Waffe
und er wurde vor etwa acht Monaten auf die
Anklage des Schießens mit der Absicht zu
tödten, verhaftet. Sein Bater erklärte gestern
Abend, daß er nur bedauere, daß nicht „Trim"
anstatt Bicd bei der Gelegenheit sein Leben
verloren habe. Er hat seiner Familie schon
unsägliche Unannehmlichkeiten bereitet. Ob
wohl er ein gewandter Schriftsetzer ist, io
mußte sein Bater, Hr. JameS Davis, welcher
Mitbesitzer des Cirkus ist, ihn doch stets er
nähren. Er trieb sich stets in schlechtester Ge
sellschaft umher und nahm es mit dem Unter
schied zwischen „Mein" und „Dein" nie ge
nau. Die Cirkus-Gesellschaft trifft an dem
traurigen Borfall natürlich nicht die geringste
Schuld, im Gegentheil, Hr. Lipmann that
sein Bestes, um den jungen „Loafer" fern zu
halten. (Vlkssr.)
Viel fresser. Ein alter Arzt, der sich
von der Praxis zurückgezogen hat, schreibt:
„„Wie kommt es, daß wir unter dem eimgen
Geschrei gegen Trunkenheit nie ein Wort ge
gen das Zwillingsübel die Vielfrcsscrei hö
ren? Ich kann mir Wahrheit behaupten, daß
während meiner langen Praxis dreimal so
viel meiner Patienten an Unmäßigkeit im
Essen,als an Unmäßigkeit im Trinken starben.
Woher anders kommen Apoplexie, Lähmung,
Dyspepsie, Uiiverdaullchkcit und eine Masse
ähnlicher Krankheiten, als vou zu vieler und
zu reichlicher 'Nahrung, die in deruiivcriiüns
ttgslen Weise verschlungen wird? Und den
noch hören wir nicht, daß sich Gesellschaften
bilden, um diesem überhand nehmenden Laster
zu steuern. Ein Mann ißt, bis er vom
Schlage getroffen am Wege niederstürzt; dann
kommt der Coroner mit einer Jury von zwölf
guten und wahrhastigen Bürgern, die den
Wahlspruch fällen: Starb in Folge von Un
mäßigkeit." Dies ist richtig, aber was für
eine Art von Unmäßigkeit war es ? Ich habe
mehr, als einen Prediger auf der Kanzel mit
großem Nachdruck gegen die Sünde der Trun
kenheit eifern hören, dessen ganzes Aussehen
schon allein den positiven Beweis lieferte,
daß er der Sünde der Biclfrcsserei schuldig
war.""
Ein den Isches S ä n ge rf e st inCa
nada. Am t., 2. und 3. September die
ses Jahres wurde zu Waterloo in der canadi
scheu Provinz Oiilario ein deutsches Sänger
fest abgehalten. Der General - Gouverneur
von Canada und der Gouverneur von Ontario
waren dabei zugegen. Das Programm für
das Fest war folgendes: Erster Tag:
Empfang der Gesangvereine und übrigen Gä
ste. Marsch nach der Sängerhallc. Will
kominensrcde des Präsidenten. Einquarli
ruiig der Gäste. Abends 8 Uhr Theatervor
stellung in der Sängerhalle. Zweiter Tag:
Große Prozession der Gesangvereine und übri
gen Gäste von der Sängerhallc; Nachmittags
2 Uhr großes Conzcrt unter Mitwirkung der
besten >solosängcrin in Amerika, sowie des
Herrn Reimer, des berühmten Tenoristen, und
Herrn Brunner, des bekannten Violin-Birtu
osen. Abends 8 Uhr Ball in der Sänger-
Halle. Dritter Tag: Morgens 8 Uhr Vcr
'ammlmig der Delegaten der Ver. Gesangver
eine. Nachmittags 1 Uhr Pftarsch nach dem
Pic-Nic. Später „Härimzssalat."
Wei nfä ls chn ng in Deutschland.
Ex-Vicc-Gonverncur Müller von Ohio, der
jetzt in Teutschland reist, schreibt dem „Wäch
ter am Eric" vom Rheinaus, daß die Winzer
sich einen Wein von vorzüglicher Qualität
versprechen und fügt hinzu:
„Es wäre auch Zeit, daß die Weinbauer,
die seit vielen Zähren nur Fehlerndien hatten,
einmal wieder mit einem guten Weinjahre ge
segnet würden, denn es sind nicht blos sie,
die entmuthigt sind und Ursache zur Verzwei
felung haben, sondern auch die Wcinttlnker.
Der gute alte Wein ist rar nnd theuer, so
zwar, daß das früher so übliche Wcintrinken
bei'm Schoppen oder Halbjchoppen fast gänz
lich aufgehört hat. Die Sechs-Kreuzer Zei
ten für einen guten Halben sind vorbei, und
der hier zu Lande von Alters her sich fortge
pflanzte große Durst muß mit Bier gelöscht
werden, das man auch jetzt selbst in den klein
sten Orten, wo es sonst unbekannt war, er
hält.
Die vielcnWcin-Fchljahrc haben denn auch
eine neue Industrie zur Blüthe gebracht, die
Wciiivcrfälschnngs Industrie, welche physisch
und moralisch nachtheilig wirken muß. Ret
neu Wein, selbst für gutes Geld, kann der
Wirth von den Wciiihändlern und Spekulan
ten fast gar nicht mehr bekommen, da Kartof
fel - Zucker - Präparate nnd Verfälschungen
bessere Prozente abwerfen. Das Publikum,
produzirende, wie consumirendc, antizipirt
schon das Vergnügen, dieWeinverfälschungs-
Firme! die ein ungeheures Quantum ge
machten Stoffes auf Lager haben, zusammen
purzeln zu sehen. Tie in Folge der harten
Frühjahröfröste entstandene Hoffnungslosig
keit für eine diesjährige Weinerndte halte die
Weinfälscher ennnthigt, ihre Weinpreije 50
Prozent zu erhöhen. Calisornier Weine, die
vor wcnigenTagen in Mainz versteigert wur
den, wurden mi> hohen Preisen bezahlt."
Europäische Berichte.
Der bekannte Schriftsteller Adolph
Stahr liegt seit 3 Wochen im thüringischen
Bade Licbenstcin erkrankt darnieder in Folge
eines eiqenthttmlichcn Mißgeschicks. Am 19.
Juli 'Abends ward er in der Nähe der neuen
herzoglichen Villa von einem etwa dreißigjäh
rigen, sich taub stellenden Bettler um eine Ga
be angesprochen. Indem Professor Stahr in
seinem Portemonnaie nach einem Geldstück
sucht, greift der Strolch mit Blitzesschnelle in
die Geldtasche, um sie Stahr zu entreißen.
Der aber, rasch aufspringend, hält das Porte
monnaie fest und will mit rasch ergriffenem
Stock, der neben ihm lag, u. mit dem Rufe:
Halt auf! den fliehenden Bettler verfolgen, in
der Hoffnung,es würden Leute daherkommen,
den Strolch abzufangen. Bei der ungewohn
ten Anstrengung hatte sich aber Pros! Stahr
eine Verletzung zugezogen, dicSehncn an den
Füßen halten sicb auszedchnl, und er mußte
neun Tage das Bett hüten. Bei dem plötz
lichen Umschlag dcSWctters ist dann zu seinen
Leiden noch ein katarrhalisches Fieber hiiizuge
t cten.daS ihn noch immer an dasLager sesscl
Selbst fremde Kunstreit er gcje ll
schaften in Frankreich gerathen in denVer
dacht, preußische Spionirerei zu treiben. Die
„Patrie" macht folgende kostbare Entdeckung:
In der Nähe von Nantes gab unlängst eine
solche Gesellschaft Vorstellungen. Sie fiel
dadurch auf,daß sie die von ihr bcstelltenFou
ragelieserungen mit unerhörter Pünktlichkeit
bczahlie. Franzoien befinden sich unter die
sen equcstrischcn Künstlern nickt; freilich auch
keine Deutsche; es sind lauter Engländer und
'Amerikaner. Aber sie führt auch ein Musik
corps mit sich, nnd dieses ist aus laukcrDent
schcn zusammengesetzt. Schön Das war ver
dächtig, aber noch verdächtiger war die mili
tärische Haltung der Herren vom Orchester.
Da hat sich denn richtig ergeben, daß sie
sämmtlich deutsche Offiziere sind. Natürlich
können diese bei der Uebernahme ihrer orche
stralen Funktionen nur einenZwcck gehabt ha
ben, n. dieser eine Zweck kann wieder nur die
Spionage sein. Tie „Pattie" hat es denn
auch richtig herausgebracht, daß sie in ihren
musikalischen Freistunden Frankreich topogra
phisch aufnehmen und in fortwährender Ver
bindiiiig mit Moltke stehen! Da Blatt
knüpft daran allen Ernstes den Wunsch, die
Regierung möge erwägen, ob es nicht an der
Zeil sei, allen" fremden Gauklerbanden den
Eintritt in Frankreich zu verbieten.
Ueber den Brand des großen Logirhau
seS in BadNeilnSors meldet der „Hamb.
Courier": „Eben hatte der größte Theil der
Curgäste die t-GIo ck'bote verlassen, etwa ge
gen Uhr Nachmittags, und erging sich un
ter den herrlichen Bäumen des Brunnenplat
zes, als Feiierruf ertönte. Aus dem Dache
des Mittelbaues des großen Logirhauses er
hob sich ein tichtcr Qualm und wenige Mi
nuten später loderte die Flamme gen Himmel.
Wie mit einem Zauberschlage "standen die
Dächer der beiden zweistöckigen Eckbautcn in
.hellen Flammen und die Curgäste versuchten
die Rettung ihrer Habe. Doch schon nach kur
zer Zeit bot sich ibncn der traurig - großartige
'Anblick eines in Flammen stehenden Baues
von 20 Fenstern Front. Sie mußten zusehe,
wie ein Theil ihres Eigenthums in Flammen
ausging. Denn obgleich das Dienstpersonal,
namenllich der Koch dcs Hotel de Cassel, der
Turnlehrer von Rodenberg, der Posthal
ter Krämer, jun., von Nenndors sich auszeich
iicten, wurdendie geretteten Gegenstände, weil
es den zwei anwesenden Gendarmen und ei
nem Polizisten von Rodenberg an Autoritär
gebrach, von den herbeieilenden Bauern in die
Kornfelder verschleppt „auf Nimmerwiederse
Heu!" 'Nach kurzer Dauer waren die Bauern
besoffen von dem im Keller lagernden Wein,
respektieren weder Gesetz noch Recht, mißhan
dclten den muthigcn Polizeidiencr von Ro
denberg, so daß dieser blutend vom Platze ge
tragen werden mußte. Inzwischen setzte sich
die von Rodenberg angelangte Spritze (die
Nenndorser ivar wegen durchlöcherter Schläu
che unbrauchbar) in langsames Tempo. Aber
auch diese Hülfeleistnng versagte bald. „Kein
Wasser mehr," war die Parole zur Einstellung
jeglicher Hülse. So brannte vor den Augeit
des Laiidrctths, des RegierungSraths und der
Badc-Direklion ein etwa 150 Fuß langes Ge
bäude, Eigenthum dcs Staates, von 2K Uhr
Nachmittags bis 7 Uhr Morgens in hellen
Flammen, gleichsam als wolle dasselbe den
Badegästen eine Illumination, ein Feuerwerk
veranstalten. Als sich gegen 10 Uhr Abends
ein starker Wind erhob, die Gesahr für das
ganze Bad wuchs, fand sich aus einmal Was
ser, welches nie gefehlt, da die Pfcrdcschwim
mc, das Reservoir, die TrinkqueUe mehr als
3500 Kubiksuß Wasser bot und die Quelle
starken Zufluß hat, außerdem Wasser herbei
gefahren werden konnte. Jetzt erst, als es zu
spät war, konnte die von Hannover gegen 8
Uhr eingetroffene Feuerwehr eingreifen. Glück
licher Weise legte sich der Wind, und nur die
sein Umstände verdanken wir, daß der Heerd
dcs FcucrS ans das großeLogirhaiis beschränkt
blieb. Dieses ist nur noch ein Schutthaufen.
Die kostbareHabe vieler Curgäste ist thcilweije
verbrannt, theils gestohlen."
(Opfer des Gewerbebctrie
bes.) Im Jahre 1872 wurden allein in
Preußen bei den verschiedenen. Formen ge
werblichen und landwirthschastlichen Betrie
bes 4052 Mensche gctödtet und 1581 Men
schen nicht tödtlich verletzt, wobei in 25,
bezw. 1231 Fällen die Verletzung ,in Aus
neun z des Bcruf." erfolgte. Ec ft.Mn z. B.
auj diu Scrgbgij löottlch: und 145 Vicht
tödtliche, auf die Baugewerbe 414 tödtliche
und 236 nicht tödtliche, aus Eisenbahnbau
Und Betrieb 375 tödtliche und 487 nicht tö
liche, auf Metall-Industrie illö tödliiche und
Ilk nicht tödtliche, auf die Textil - Industrie
4i> tödtliche und 24 nicht tödtliche, auf die
Landwirthschafl II 12 tödtliche und 12k nicht
tödtliche Verletzungen.
—Der „Schief. Pr." wird aus Dresden
geschrieben: „Am I'.. August ist Ministerial-
Sekretär Dr. Petermann, zweiter Vorstand
des königlich-sächsischen statistischen Bureaus,
wegen seiner Betheiligung an der reichsscind
lich gesinnten „Debatte" aus dem Staats
dienste unter Wahrung und Anerkennung
seiner Peusionsanspriiche entlassen worden."
Die „Dr. Pr." bemerkt dazu:„Uns ist über
diese AngclegcnheitNichts bekannt geworden,
auch sinken wir in anderen sächsischen Blät
tern bis jetzt darüber keine Mittheilungen.
Aus guter Quelle aber haben wir schon früher
vernommen, daß Herrn Dr. Petermann durch
seineVorgesetzten wiederholt ernsteErmahnun.
gen wegen seiner Betheiligung an den Bestre
bungen der rothen Internationale zuDhcil
geworden fiud "
30. Juli.) Bor etwa zwei
Jahren vermißte ein hiesiger Schlächtermeister
in der Brunntnstraße aus seinem Chlinder
i büreau eine Summe von 2KKV Thlr., die er
wenige Tage vorher in ein geheimes Schub
fach gelegt hatte und welche Summe er zur
Deckung eines Wechsels bedurfte. Der
Schreck des Schlächtermeisters war kein ge
ringer, und er machte alle möglichen Anstal
ten, des Diebes, resp, des Geldes wieder hab
haft zu werden. Obwohl der Verdacht sich
auf mehrere Personen lenkte, lag doch kein
Anhalt vor, um dieselben zur Untersuchung
ziehen zu können. In Folge des namhaften
Verlustes konnte der Meister den betreffenden
Wechsel nicht einlösen, er wurde verklagt, aus
gepfändet und mußte sein Geschäft er hau
delte namentlich mit Fellen ausgeben und
bezog mit seiner Frau deshalb eine kleine
Wohnung in der Belle - Alliance - Straße.
Bald nach dem Verschwinden der 2KKV Thlr.
zeigle die Frau des nun ruinirten Schlächter
meisters Spuren von Geistesstörung, so daß
ein Arzt zu Rathe gezogen werden mußte,
welcher die Aufnahme der Kranken in eine
Irrenanstalt anordnete. Dort blieb dieselbe
etwa 13 Monate, nach welcher Zeit sie von
ihren Leiden durch den Tod erlöst wurde. In
diesen Tagen nun, nachdem die Frau beerdigt
worden war, erhielt der Schläckitermeister von
der Irrenanstalt die Wäsche nnd die Klei
dungsstücke des Verstorbenen zugesandt. Nach,
dem er dieselben empfangen, untersuchte er die
Äleidertaschcn, wobei ihm an dem cincnÄleide
in der Mitte desselben eine gewisse Abnormi
tät auffiel. Es war ihm, als ob dort ein
fremder Gegenstand eingenäht sei. Er trennte
das Kleid ans und fand zwischen Futter und
Kleiderstoff eingenäht nicht nur die vor zwei
Jahren vermißten 200 k Thlr., sondern außer
dem noch mehrere einzelne Ein- undFünstha
lcrscheine vor. Jedenfalls hat die Verstorbene,
welche in ihrer früheren Nachbarschaftals sehr
geizig verschrieen war, in einem Anfall von
geistiger Krankheit das Geld entwendet und
in ihr Kleid eingenäht. Hoffentlich wird es
dem Schlächtermeister gelingen, mit dein so
glücklich wiedergefundenen Gelde ein neues
Geschäft zn errichten.
—Das R e i ch s k a n z l c r a in t hat in Be
treff der Militärpflicht der Theologen Folgen
des bekannt gemacht: „Gemäß Paragraph 22
des Neichs-Militär-Gesetzes vom 2.Mai d.J.
dürfen Befreiungen der Theologen vomMili
tär-Dienst in Berücksichtigung ihres Berufes
nicht mehr von den Ersatz Behörden dritter
Znstanz, sondern nur in der der Ministerin!-
Instanz ausnahmsweise bewilligt werden.
Von der Letzteren ist hierbet als Regel festzu
setzen, daß nur solchen Theologen geeigneten
Falls die Befreiung zu gewähren ist, welche
bei dem Inkrafttreten de Reichs-Militär-Ge
sctzcs das 23. Lebensjahr bereits überschritten
hatten, da alle Diejenigen, welche zu dem ge
dachten Zeitpunkte im Lebensalter noch nicht
so weit vorgeschritten waren, der einjährigen
frciwilligcnTiknstpflicht ohn erheblichen Nac
htheil für lyrStudium genügen können.Theo
logen, welche bisher auf Grund des Para
graph? 44, Nr. 1 der Militär-Ersatz-Jnstruk
tion zurückgestellt worden sind, darf ohne
Rücksicht aus ihr Lebensalter die Berechtigung
zum einjährigen freiwilligen Dienst von den
Ersatz-Behörden dritter Instanz nachträglich
ertheilt werden, sofern sie bei dem Ablauf des
ihnen ertheilten Ausstandcs die crforderliche-
Bildung nachweisen."
Ueber den Tod des Paters THei
ner melden deutsche Blätter: „Es würde sei
nen Gegnern gewiß große Freude gemacht
haben, verbreiten zu können, Theiner sei als
Altkatholik gestorben, allein als derselbe fühlte,
daß sein Ende herannahe, hatte er telegraphisch
den Papst um seinen Segen bitten lassen und
derselbe ward ihm auch auf dieselbe Weise er
theilt, so daß seinen Gegnern in dieser Be
ziehung eine Täuschung zu Theil geworden
ist, wie ebenfalls in ihrer Hoffnung, daß sie
in seinem Nachlaß für sie gefährliche Aufzeich
nungen und Briese vorfinden würden, die
Themer's Freunde, liberale Prälaten in Rom,
in Deutschland wie Oestreich, compromtttiren
könnten. Der Pater hatte gleich nach seiner
Enthebung von seinem Amte diese Papiere
nach Teutschland gesandt, wo sie sich in
Sicherheit befinden Und nun wahrscheinlich
dort benutzt werden dürften, um Manches
an's Licht zu bringen, was man durch Ver
siegelung der Wohnung Thcincr's gleich nach
dessen Ableben in Verborgenheit erhalten zu
können gewähnt hatte."
(Die Geliebte des Gehäng,
t en.) Man schreibt aus Paris: „In der
Rue de Bincennes wohnte eine brave Fami
lie, die von ihrem Gelde lebte, bestehend aus
Herrn Montseau, dem Vater, einem Greis
von siebzig Jahren, seinerFrau und seiner sehr
schönen Tochter von fünfundzwanzig Jahren.
Die Tochter hatte beschlossen, nicht zu Heira
then, um so mehr, als sie an starken Nerven
ansällen litt, nnd hatte demgemäß mehrere
Antrüge ausgeschlagen. Der Letzte ihrer Be
werber (es war vor zwei Monaten) war dem
Schicksal der andern nicht entgangen. Bon
Stund an aber begegnete Frl. Montseau ih
rem Bewerber, Namens Hermcnt, überall, so
am Sonnabend wieder im BoiS de Boulog.
ne, wo er das Mädchen ansprach und ihr sag
te, daß, wenn sie ihn nicht Heirathe, er sich das
Leben nehmen würde. Das junge Mädchen
floh vor dem Bewerber nach Hause. Dort er
litt sie aber einen schweren Nervettanfall, dem
während der ganzen Nacht wilde Hallucina
tionen folgten. Sie sah ihren Bewerber an
derselben Stelle, wo er sie gesprochen, sich das
Leben nehmen, nnd sie wollte aufspringen und
fortlausen, ihn daran zu verhindern. Sie
stieß entsetzliche Schreie aus, sie rief, daß es
infam sei, einen Unglücklichen so sterben zu
lassen und erst Morgen hatte sie zwei
Stunden ruhigen schlaf. Dann stand sie
auf und schien ganz ruhig. Sie machte Toi
lette und ging fort. Als sie nach vier Stun
den noch nicht zu Hanse war, wurde man un
ruhig, man suchte nach ihr und fand sie im
Bois de Boulogne aus der Wurzel einer Ei
che sitzend j auf ihrem Schooßc hielt sie einen
Körper, der noch einen Strick um den Hals
hatte —es war der Leichnam Herment's,
der sich, wie er gesagt, und wie es das Mäd
chen in ihren Hallucinationen sah, das Leben
genommen halte. Sie kllßlc und streichelte
ihn und wollte nicht von ihm lassen. Sie
war wahnsinnig geworden."
Aus Baden schreibt man unter'm
16. Juli: „Ein Fall, der wohl kaum ie in
der Geschichte der Jagd vorgekommen ist und
der einen recht traurigen Ausgang hatte, er
eignete sich vorgestern in Gaisbach, einem
Zinken der Gemeinde Lichtenthal. Ein 21-
jähriger Bursche, Namens Falk, war aus ei
ner Bergwiese nahe dem Wald mit feinen
Verwandten mit Heumacher, beschäftigt gewe
sen und um 4 Uhr hatten sich Alle, um ihr
„Abendzehren" zu sich zu nehmen, auf dem
Grasboden ganz nahe deMWalde hitlgclagert.
Da machte einer darauf aufmerksam, daß in
einem zunächst gelegenen Gebüsche ein Reh
stecke. Falk stand aus und buckle sich ein we
nig gegen das Gebüsch, da er nur so das Reh
sehen konnte. Da stürzt dieses plötzlich her
aus, auf ihn zu und stieß, den Kopf seitwärts
gebogen, die Rehgeweihe ihm in die Brust.
Die Rehgeweihe waren bei'm Stoß senkrecht
gestanden, so daß beide Theile senkrecht unter
einander -ihm in die Brust fuhren. Unglück,
licher Weise waren die Spitzen gerade zwi
schen den Rippen des Brusttorbs eingedrun
gen. Mil den Worten: „leyl muß ich,glaub'
ich, sterben," stürzte Falk zur Erde und war
lodl. Die Verletzung halte das Her; getrof
fen. Das Reh aber wandte sich in den Wald
zurück und wurde nicht wehr gesehen. Die
Begleirer des Falk hatten Alles mit ange
schaut und erzählten den Vorgang wie ange
geben und der praktische Arzt Dr. Seelos in
Lichtenthal, der die Leiche besichtigte, bestätigt
diese Angaben."
Amerikanische und deutsche Höf
lichkeit. Eine Correspondenz des
Boston „Advcrtifcr" macht sich entsetzlich lu
stig über das Hutabnehmen in Deutschland,
das manchmal bis zur Lächerlichkeit getrieben
wird und das so reichen Stoss zu hnmoristi
scheu Betrachtungen über Scroilismus, Haus
knechtsthum, Speichelleckerei :c. gibt. Ader
jedes Land hat seine Sitten und in den mci
sten Fällen ist denn doch das Hutabnehmci, in
Deutschland blos einfache Form der Höflich,
keil. Das deutsche Volk ist im Allgemeinen
nicht serviler gegen Höhergciiellle, als das
amerikanische. In Amerika kennt man die
Sitte des Hutabnchmens nur wenig, der Hut
scheint vielmehr den Leuten an den Kopf ge
wachsen zu sein. Desto besser kennt man die
Sitte der Ungefchliffenheit und Grobheit.
Wenn der Knabe vor seinem Lehrer oder sonst
vor älteren Personen den Hut abnimmt, oder
wenn der „Gentlemen" Damen in curopäi
scher Weise begrüßt, so sieht da gewiß besser
aus, als wenn der amerikanische Flegel seinen
Lehrer, Vorgesetzten u. s. w.,Hut auf dem
Schädel, als seines Gleichen anglotzt, oder
wenn der Gentlemen an Damen vorüber!!,
als hätte er Mäuse in seinem Hute zu hüten.
Jetzt begnadigen sie gar in Australien
Verbrecher nach Amerika. So berichtet
ein Correspondent aus Sidncy in Neu-Süd
Wales, daß, wie amtlich festgestellt fei, im ge
genwärtigen Jahr allein bereits achtundvier
zig zu langjähriger Strafarbeit verurtheiltc
Verbrecher nach Amerika verbannt worden fei
eil und thatsächlich die e-" ttttch eil fornischc
Daniv'>'r>i'ie z: . ,>u,.i .ck-
Bis .-.NN ö:
transpom dlene. D- .> .
ncq beschäftigte sich vorigen Monat wieder
mit einem Antrag, eine Bande von vierund
zwanzig Galgenvögeln und Raubmörder zur
Verbannung nach Amerika zu begnadigen,
und die Ausführung diese Projekts ist nur
deshalb von der Legislatur abgelehnt worden,
weil man die StrafumwandUing in diesem
Fall, Angesichts der schweren Missethaten je
ncr Bande, welche unter Anführung des
Despetadö Gclrdiner lange Zeit eine Schrek
kensherrschaft in derColonie ausübte, fut eine
zu gelinde und milde hielt! Die LegiSlatnk
beschloß mit allen gegen sechsnndzwanzig
Stimmen, an den Gonv''rileur eine Adresse zn
richten, in welcher sie gegen eine solcke Loslas
sung und Begnadigung protestirte, und 2000
Bürger von Sidney überreichten dem Gou
verneur eine Adresse in gleichet Sinne.
Von der Unterm es er, 13. Aug.,
schreibt man der „Weser Ztg.:" „Der seit ge
stern begonnene Bremerhaven Freimarkt hat
in diesem Jahre hebliche Dimensionen ange
nommen. Die Buden bedecken den ganzen
Marktplatz und erstrecken sich in dichten Rei
hen bis zur Kirche einerseits und andererseits
durch die Fährstrnße und die Carlsburg bis
zur Poststraße. Das der Gemeinde zukom
mende Stellgeld hat sich gegen die Borjahre
um ein gutes Drittthcil gesteigert. Aus dieser
Steigerung Ses MarktvcrkchrS aüs die Exi
stenzberechtigung des Markte selbst zu schlie
ßen, wäte freilich kaum erlaubt. Im Gegen
theil scheint ein Blick auf die gebotenen Mark
tfreuden sowohl, als auf das Marktpublikum
eher zu anderweitigen Conseqnenzen führen zu
müssen."
Aus Radkersbnrg in Oestreich
wird geschrieben: „Inder guten alten Zett,
da der Wein noch echt und billig nnd der
Magenkatarrh ein unbekannter Plagegeist
war, da muß auch der Durst ein viel heftigerer
gewesen sein, als in unseren Tagen. Das
bezeugt eine Inschrift in der Ruine dcs Rad
kersburgcr Schlosses, allwo in Stein gemei
ßelt die schlichten Worte zu lesen stehen: „Am
St. Johannistage 1048 honnen mi angesau
gt zu sanffe und honnen gesoffe bis Wcnzcs
lay." Eine Urkunde im Schloßarchive con
statirt gleichzeitig, daß die wackeren Trinker
17 Ritter aus der Umgebung waren und daß
dieselben wirtlich „von St. Johannistag bis
Wenzeslah," das ist durch volle 98 Tage sort
tafelten. Die 17 Herren verbrauchten wäh
rend dieser Zeit l43Startin des schon damals
in glitemßuse stehenden „Radkersburger," je
der einzelne von ihnen hatte alsoTag für Tag
dieKlcimgkeit von ungefähr 28Maß hinter die
Binde zu gießen."
Ein jnngerAMerika N: t,Harles i
Rand von Chicago, Zögling des Instituts
Beroud in Vevey, hat am 15. Juli trotz der
Schwierigkeiten, welche die Besteigung des
Berges dickes Jahr darbietet, den Montblanc
bestiegen. Derselbe ist 15 Jahre alt und so
mit der jüngste aller Montblanc-Besteiger.
schastlichen Unterricht versuchsweise einzurich
ten, und der Rabbiner Dr. Wallenstein hat
sich bereit erklärt, denselben gegen eine Re
muneration zu ertheilen. Der Unterricht
soll am Sonntag Vormittag stattfinden.
(Schnee r en, Amt Neustadt a. R.,
18. August. Großes Brandunglück.) Der
„Sch. L. Z." wird geschrieben: „Ich habe
Ihnen heute von einem entsetzlichen Unglücke
zu berichten, welches vergangene Nacht unser
Dorf betroffen hat. Heute Morgen gegen 2
Uhr brach in dem Wohnhause des Kökhners
G. Hierselbst Feuer aus, welches unser halbes
Dorf in Asche gelegt hat, denn es sind nicht
weniger,als 33 Gebäude ein Raub der Flam
men geworden. Trotzdem die Spritzen von
den umliegenden Ortschaften sofort zur Stelle
waren, konnte doch dem Feuer keinen Einhalt
gethan werden, da durchaus kein Wasser vor
handen war. Während ich bei meinem Nach
bar Hülse leistete, sah ich plötzlich mein eige
nes Haus in Flammen stehen, lind war nicht
mehr im Stande, mein Vieh zu retten. Es
sind 12 Vollmeier-Höfe und 18 Köthnerstellen
abgebrannt. Da die Erndte bereits beendet
ist, so find ca. 1000 Fuder Getreide und Heu
verbrannt, ebenso eine große Menge Vieh.
Es läßt sich die Zahl noch nicht feststellen,
man spricht allein von 30 bis 40 Kühen, au
ßerdem Pferde, Schweine und andere Haus
thicrc. Wie nun gewöhnlich die Landslente
ihr Mobiliar nicht versichern, so war es auch
hier der Fall und trifft darum die kleineren
Laiidtcute der Verlust recht hart. Die Ent
stehuiigsursache des Feuers hat bis jetzt noch
nicht ermittelt werden können."
—Die deutschen Blätter enthalten einen
Aufruf zur Errichtung eines Denk
mals für den v erstorben e n Her -
mann v. Mallinckrodt. Wir entneh
men dem Aufrufe Folgendes: „Hermann v.
Mallinckrodt, der unermüdliche und uner
schrockene Vorkämpfer unserer heiligsten Gü
ter und Rechte, ist aus diesem Leben abberu
fen. In der Vollkraft seiner Jahre, auf der
Höhe seines Verdienstes und seines Ruhmes,
unmittelbar nach heißem und siegreichem
Streit, ist er uns vor dem Ende des Kampfes
entrissen. Tiefgebeugt durch den schweren
Verlust, beten wir zugleich voll Glauben den
Nathschlnß Gottes an, und wanken nicht in
unserer Hoffnung auf Ihn, noch in unserer
Liebe zu ihm. Das katholi'che Volk Hai schon
bewiesen, daß es sühlt, weiß und verehrt, was
in seinem Eifer, tren bs zum Tode, und in
seiner glänzenden Wirksamkeit für Kirche und
Vaterland Hermann v. Mallinckrodt ihm ge
wesen. Hinter ihm als seinem populärsten
Vertreter stand es in geschlossener Phalanx
muthvoll geschaart, da er noch lebte. Nun er
gestorben, ist es aus Palästen und Hüften in
die schlichteste Dorfkirche, wie zu den stolzesten
Kathedralen unverweilt überall geströmt, um
in gemeinsamer Feier dem verehrten Todten
durch christliche Fürbitte den ersten und werth
vollsten Tribut dcs Dankes und der Liebe zu
zollen. Aber das katholische Volk will seinem
ruhmreichen Vorkämpfer auch ein sichtbar
dauerndes Denkmal errichten. Von allen
Seiten drängen sich darauf gerichtete Wün
sche. häufen sich die manchfachsten Vorschläge;
und Nr, die Unterzeichneten, hegen die Ueber
zeugung, daß wir durch die gegenwärtige 'Auf
forderung zu Beiträgen für ein Malllnckrodt-
Deiikmal dem Gesammtwillen nur den längst
und energisch verlangten Ausdruck geben.
Freunde und Genossen! Leget vertrauensvoll
Eure Waben in unsere Hand und lasset uns,
der Liebe dcs Verstorbenen für die Missionen
folgend, dieselben für diese verwenden und an
erster Stelle die Ausführung eines Werkes
in's Auge fassen, das zu den Herzenswünschen
SeS Heimgegangenen gehörte, die Erbauung
einer Leu Ortsverhällnissen entsprechenden
Kirche nnd die Bestellung eines eigenen Seel
sorgers in seiner westfälischen Heimath Nord
horchen, unweit seines frühen Grabes, Ange
sichts des Edelsitzes, auf welchem seine Kinder
und Kindeskinder hoffentlich noch über Jahr
hunderte das Andenken ihres großen Borsah
ren liebevoll nacheifernd Pflegen werden. Die
besiiiitiveN Entschließungen, die Feststellung
der Modalitäten der Ausführung, sowie die
eventuelle Bestellung eines engeren Ausschns
ies glauben wir einem späteren Zeitpunkt vor
behalten zu sollen. Das Amt des Schnst
füyrers hat der Präses Dr. Franz Hülskamp,
das der Kassenführnng der Kaufmann Joseph
Albers, beide zu Mllnstcr in Westsalen, vor
läufig übernommen. Anfragen und Geld
senduilgen bitten wir dorthin zn richten.
Außerdem ist jeder Einzelne von uns zur Er
thcilttng von Aufschlüssen nnd zur Empfang
nahme von Aufträgen bereit."
Eine Theatervorstellung mit Sturm
und Gewitter fand kürzlich iii Prag statt.
„Alphons," von DumaS Sohn, wurde mit
Fräulein Gallmayer zur ersten Aufführung
gebracht. Kaum, daß der Vorhang in die
Höhe ging, brach ein orkanartiger Sturm
los, der im Theatergarten die Bäume knickte,
in den Restaurations-Sälen die Glasscheiben
eindrückte und mit dem dichtgesllllten Ncn
stadlcr Tbeater ein so grausames Spiel trieb,
daß das Spiel aus der Bühne aushören mußte
Das Dach, glaubte man, werde jeden Augen
blick vom Sturme abgetragen werden, die
Blechstücke des Daches wurden bis in den
benachbarten Franz-Joseph-Bahnhof geschleu
den, das Pfeifen durch alle Lücken der Holz
wände, das Klirren der Fenster und das Kra
chen des Donners gaben ein grauliches Ge
töse ab, das noch unheimlicher wurde durch
das Flackern der Gasluster, die abgedreht
werden mußten, um die Holzverschalungen
nicht zu entzünden. Die Frauen ängstigten
sich auf der Bühne und im Zuschauerraum.
Fräulein Gallmayer rief erschreckt, daß sie un
ter solchen Verhältnissen nicht weitcrspielen
könne, das Publikum strömte zum Theater
hinaus, drängte aber soforl wieder zurück,
weil es unmöglich war, im Freien dem
Sturm Stand zu halten. Nach einer halben
Stunde endlich legte sich der Orkan, und die
Aufmerksamkeit konnte wieder der Bühne zu
gewendet werden.
Telegraphische Tepeschcu.
Selbstmord.
Boston, 3. Sept.—Ja. Hagar, 50 Jahre
alt, Werksührer in den Werkstätten der „Bo
ston sl Maine Bahn," erschoß sich beute Mor
gen in seiner Wohnung im Bunker Hill Du
strikte mit seinem Jagdgewehr. Der Verstor
bene genoß allgemeine Ächtung. Die Ursache
seiner That ist nicht bekannt.
Tod eines amerikanischen Ge
lehrten.
Boston. Mass., 5. Sept.-Prof. Jeffrey
Wyman, ein bekannter Anatom und Physio
log, ist in der verflossenen Nacht zu Bethlehem
in New-Hampshire im Alter von 00 Jahren
an der Auszehrung gestorben.
Gin Papier-Drache als Motor.
Bridgeport, 2. Septbr.—Hr. John F.
Lacey fuhr gestern in einem zwölfrndrigeii
Boot über den Long - Island - Sund. Dies
Boot wurde jedoch nicht gerudert, sondern die
bewegende Kraft war ein zehn Fuß hoher und
acht Fuß breiter Drache, dessen etwa K<o Fuß
lange Schnur am Bordertheil des Bootes be
festigt war. Der Wind blies nordwärts, und
um 2 Uhr stieß das Boot von Sea Tide Park
ab. Hr. Lacey wurde von Hrn. C. A. Booth
begleitet, der da Ruder regierte. Ein Se
gelboot begleitete das vom Drachen gezogene
Boot, das die Richtung nach Port Jefferson,
L.-J., einhielt. Die Zugkraft dcs Drachen
war aber so stark, daß das Segelboot gar bald
hinter dem ander Boote zurückblicb. Mit
ten im Sunde drehte sich der Wind westwärts,
dieß änderte jedoch im Cours dcs Beo''->
cht, nnd dasselbe wurde ebenso i>. l .. wie
vorher vorwärts gezogen. Nach einer 3j-
stündigen Fahrt von der Abfahrt von Sea
Tide Park an erreichte das Boot Port Jeffer
son. In jener Zeil hatte dasselbe cincStrecke
von 22 Meilen zurückgelegt und war dem
Segelboote um mindestens eine Meile vor
ausgeeilt. Die Herren Lacey und Booth lan-
Veten in Port Jcfscrson, blieben dort über
Nacht und kehrten am Morgen aus dem Dam
pfer „Spilsirc" nach Bridgeport zurück. Es
dürften diesem Versuche bald mehrere derartige
Exkursionen folgen.
Selbstmord eines Ffrcundlosen
ank der See.
Portlai, d. Me., 3. Sept.—Als gestern
Abend die Billets der Passagiere an? dem
Dampfer „John Brooks," der zwischen hier
und Boston fährt, eingesammelt wurden, fand
sich ein langer hagerer Mann von circa 50
Jahren mit kurzem grauen Backenbart und
mit einem fadenscheinigen grauen Oberrock
bekleidet, ohne ein solches; er sagte, daß Hr.
Burns zwei Billets habe, von denen eines
ihm gehöre. Ein Mann dieses Namens
konnte nicht gesunden werden, worauf der
Unbekannte plötzlich ans dcr Capiläns-Eajüte
eilte und über das Schifssgeländer sprang;
man setzte sofort ein Boot ans, der Mann
war aber gesunken nnd kam nicht wieder zum
Vorschein. Man konnte nichts über ihn er
fahren, doch glaubte ihn einer der Passagiere
in der Nähe von Sharonstrcct, Boston, öf
ters gesehen zu haben, woselbst man ihm ge
sagt, er habe ein bedeutendes Vermögen durch
gebracht.
Sonderbares Verschwinden.
P o u g h ke e p s i c, N.-A., 3. Sept.-Ja
ne E. Wolven, ein 18 jähriges Mädchen, die
früher Lehrerin in einer Sonntagsjchnlewar,
sst verschwunden. Am Freitag vorigcrWoche
iah man sie auf einen Zug dcr„Hudson-Rivcr.
Bahn" bei Cold-Svring steigen, und seitdem
hat man sie nicht wieder gesehen.
Ei neuer Soffnungsstrahi für die
Familie Roß. Aus der Villa
etueö New-jhorker Millionärs
in Goshen wird ein Kind ver
wahrt, welches dem kleincnßoß
ähnlich sieht. —Dasselbe ist von
einem Priester aus Euba ge
bracht worden nnd sagt, daß es
in Philadelphia gestohlen sei.
Schertff Sont von Orange- !
(so,nth bemüht sich, die Iden
tität festzustellen.
Goshen, Orange - County, N. ?)., 0.
Sept. Dieses kleine, ruhige Tors befindet
sich seit einigen Tagen in der größten Aufre
gung, indem man glaubt, das in Philadel
phia geraubte Kind hier gesunden zu haben.
Scherifs Hoyt hörte nämlich von mehreren
Seiten, daß in der prachtvollen Villa des
Ncw-2)orker Millionärs David H. Haight ein
Knabe verborgen gehalten werde, welcher dem
geraubten Charley 'RoB ähnlich sche. Der
Scherisf war 'Anfangs nicht geneigt, den Ge
rüchten besonderen Werth beizulegen, als die
selben aber immer bestimmter auftraten, hielt
er es für seine Pflicht, der Sache näher auf
den Grund zn gehen. Der Beamte begab
sich am Freitage in die Villa des Millionärs
und traf dort Frau Haighr, welche erzählte,
daß vor einigen Tagen der Hocbw. Vater
Kenncy, ein Priester von Euba, mil dem Kna
ben nach der Villa gekommen und sie ersucht
habe, das Kind aus einen Monat in Pflege
zu nehmen. Der Priester habe ihr mitge
theilt, daß er das Kind einer Frau auf Euba
abgenommen, welche es wahrscheinlich gestoh
len habe. Er sei gerade dazu gekommen, wie
sie das Kind an eine Bettstelle gebunden und
furchtbar mißhandelt habe. Vater Äcnney
habe dann den Kleinen mitgenommen und ihn
vorläufig ihrer Pflege übergeben.
Das Kind wurde herbeigeholt, der Scherisf
nahm den Kleinen aus den Schoost und gewann
dessen Vertrauen sehr rasch. Während Frau
Haight sich auf einige Minuten entfernte,
richtete der Scherisf mehrere Fragen an den
Jungen und erhielt mehrere auffällige, bcmcr
kciisiverthc Anlworlcii.
Ans die Frage, wie er heiße, antwortete der
Kleine:
„Sie nennen mich Bobby Charte y."
Wo bist Du so lange gewcicu?
„In Euba."
Wie hat Dir's dort gefallen?
„Garnicht; ich liebe die Leute dort uichi,
sie schlugen mir den Kopf blutig."
Wie bist Tn nach Euba gekommen?
„Man hat mich gcstohlc n."
Wo haben sie Dich gestohlen?
„I n Phll a de l p b > a>"
Wie brachten sie Dich fort?
„I neiiiemWage n."
Soeben trat Frau Haight cm, und der'
Knabe weigerte sich, weitere Auskunft zu ge
ben. Der Scherisf gewann von Dem, was er
hier gehört hatte, den Eindruck, daß Ver Kleine
wahrscheinlich das i Philadelplua gestohlene
Kind sei, zumal ihm vorher erzählt worden
war, der Knabe habe einer Maad dcs Hauses
gesagt, daß er nicht Bobby, sondern einlach
Charley heiße, und daß man ihm seine Locken
abgeschnitten habe. Der Beamte jagte der
Frau Haight, daß er wiederkommen und Pho
tographie' mitbringen wolle, um festzustellen,
ob dieser Knade der kleine Charley Roß sei;
Dieses wurde ihm von der Dame gestattet.
Noch am selben Abend erhielt der Scherisf
eine 'Notiz, in welcher ihm angezeigt wurde,
daß Frau Haight ihn am folgenden Morgen
um 9 Uhr erwarte-
Gestern Morgen 9 Uhr begab sich der Sche
rifs mit seinem Söhnchen nach dek Villa.
Schon von Weitem sahen sie das Kind im
Garte spielen, dasselbe wurde aber bei der
Annäherung Hoyt's sofort von einem Diener
in's Haus gebracht. Der Scherisf war nicht
wenig über-rascht, als ihm Madame Haight
an der Thüre entgegentrat und sagte, der
Knabe sei nicht der tlcliie Roß, und sie sei tief
beleidigt, daß er ihrem Worte nichl Glauben
schenken wolle. Der Scherisf sagte, er sei au
ßerordcnkltch überrascht durch dieses Verhal
ten, er erinnerte Frau Haight an ihr Verspre
chen nnd verlangte schließlich, den Knaben zu
sehen. Hizrauf wies die Frau dem Beamten
de Thüre und sagte, sie werde ihn hinaus
werfen lassen, wenn er sich nicht sofort hinweg
begebe.
Der Beamte bestand ans seinem Rechte
nnd begann jetzt Fraktur mit der Frau zu
sprechen, woraus sie den Knaben vorführen
ließ. Die Photogravhic des kleinen Charley
Roß zeigte eine überraschende Aehnlichkeit mit
dem Knaben. Frau Haight holte jetzt zwei
Photographie', welche Vater Kenney von
dem Kinde hatte nehmen lassen; auch diese
waren der Roß'schen Photographie sehr ähn
lich.
Plan vermuthet, daß der Priester eine Ah
nung von der Herkunft des Ktiidcs hat, und
nach Philadelphia gcrcij'l ist, nin die Eltern
des geraubten Charley Roß aufzusuchen.
Frau Haight hat einen Rechrsaiiwatt cnga
girt, um sie zu vertreten, damit sie das Kind
behalten kann, bis der Priester zurückkehrt.
Philadelphia, 7. Sepl. Folgende
Depesche traf heute Morgen von James H.
Hoyt, dem Scherisf von Orange - Coniity,
N. U., auf dem Mayorsamte ein: „Hier
befindet sich einKind, welches ich
für den geraubten Charley Roß
halte. Ich habe sein Bild neh
men lassen nd heule mit der Post
an Christian Ä. Roß abgcschick l."
Wieder eine falsche zpayrtc
Philadelphia, 7. Sept. Die Fa
milie Roß Hai die Photographie des in Go
then entdeckten Kindes erhalten, nd erklärt,
daß dasselbe nicht der vermißte Charley Roß
sein könne. Man ist überzeugt, daß es ein
Irrthum ist, indem der kleine Roß nie Phila
delphia als seine Hetmath angeben könne, da
er mir Gcrmantown kenne.
Mord in Brookville,
Mid dl cto >v n, N. 2)., 7. Septbr.
John Wells, 43 Jahre alt, ermordete gestern
'Abend den 70-jährigen Friedrich Frank in
Brookville infolge eines Streites wegen der
Hausimethe. Wells war Frank'S Miether.
Der Mörder wurde verhattcr.
Der dritte Termin.
New-Nork, 4. Sept. El Correspon
dent des „Herald" schreibt von „White Sul
vhur Springs," W.-Va., Präsident Grant
habe bei seinem neiilichen Besuche zu Col.
Swann, einem begüterten Bürger, geäußert,
daß er um einen dritten Termin sich bewerben
werde. Swann habe dieser Thalsache in ei
ner politischen Rede auf einer kürzlich abge
haltenen Tistritts-Convciition erwähnt, sowie
in einer späteren Bürgerversammlung, wo er
aufgefordert wurde, icine Quelle zn nennen,
in der unzweideutigsten Weise erklärt, daß
General Grant als Candida! für den 3. Ter
min auftreten werde.
Diebstahl auf einem Eamp
Meeting.
N c w-B or k, 4. Sept. —Vor einiger Zeil
wurde in verschiedenen Hotels und Zeltlagern
zu „Ocean Grave," N. 1., eingebrochen und
gestohlen, ohne daß man lange Zeil hindurch
des Diebes habhaft werden konnte. Unter
den Bestohlcuen befanden sich Herr und Frau
I. Lewis von Syracuse, denen ein Diamant
schmuck und mehrere andere Juwelen im
Werthe von §7OO entwendet worden waren,
sowie verschiedene andere Personen.
Endlich gelang es dem Polizei'- Chef Jack
son und dem Polizisten Joseph Lee, in der
Person von Frau Icnnie Hill die Thäterin
dingfest zu machen. In ihrem Koffer befan
den sich gestohlene Werthgegcnstäude im Be
trage von §2OOO. Die Diebin wurde in's
Gefängniß von Monmouth - County abge
führt.
Der deutsche Orden der „ya
ruaari."
N c w-N o rk, 4. Septbr.' Die Bcr. St.
Großloge des deutschen Ordens der „Harn
gari" schloß heute Abend ihre Sitzung. Fol
aende Beamte wurden erwählt: Philipp
Merkle, N. ?)., Ober Groß Barde; August
Maltner, Indianapolis, Dep. Ober - Groß-
Barde; P. Bucker, Providcnce, R.-1.,
Ober - Groß - Almoscnicr; M. Rosenthal,
Reading, Pa., Ober - Groß - Sekretär; P.
Stark, Lonisville, Ky., Ober Groß-Schatz
meister. Tie Ber. St. Großl'ge bält ihre
nächste Sitzung in St. Louis.
die Tagung der Ber.
.-Ct-oi.k it ' " Oarugari."
New-Uork, 5. Sepibr. Sic Groß
Loge der „D. O. H." hat seit drei Tagen in
Adam Geib's „Walhalla," anläßlich ihrer
alle zwei Jahre stattfindenden General - Ver
sammlung, getagt und gelangte' Freitag mit
lhren Geschäften zum Abschlüsse. Den Vor-
sitz führte der O. G.-B. Wm. Rosenthal von
Reading, Pa. Sämmtliche 2l Staaten der
Union, in welchen der Orden zur Zeit besteht
waren durch 33 Repräsentanten vertreten.
Jede Staats - Groß Loge und jede Groß
Maiiiiie ist zu zwei Repräsentanten und jeder
Staat zu einem Repräsentanten berechtigt.
Es fanden an den drei Tagen Morgen- und
Abendsitzlliigen statt. Zins dem Belichte des
Großsekrelärs Otto von Newart war ersicht
lich, daß der Orden in einem blühenden Zu
stande sich befindet, wie aus folgender Stau
stik hervorgeht.
> MttgNedcrzah?.'!/... .... !
Vermöge.. - -. 5352.083.>2
ES wurden in derselben Zeit orvs Brüder
nnterstützt und 721 Wittwen. Es starben
573 Brüder und 30t Frauen von Brüdern.
Die Berathungen begannen mit der Bc
richterstattung der verschiedenen Delegaten,
welcher eine durchgängige Revision sämmtli
cher Ordensconstirulioneii und Gesetze folgte,
die zunächst im Comite des Ganzen berathen
und dann von der Großloge als die Gesetze
dcs Ordens erklärt wurden. Freitag fand die
Wahl der neuen Beamten für die nächsten 2
Jahre statt, welche folgendes Resultat ergab;
es wurden gewählt:
Kilr 0.-Ä.-B. MeNit von N.-ss.
. Gr.-Seü. Wilh. Rosknthai von^Pc,.
Die Beamten wurden von Ex-0.-G. B.
Conrad Gcib feierlichst installirt.
Der L.-G.-B. Dr. PH. Merkte ernannte
~ G.-A.-W. G. F. Grob von IN.
Zum Orte für die Abhaltung der nächsten
Ver. St.-Groß-Logeiisitzung wurde St. Louis
bestimmt. Hierauf wurden die Berichte der
Comite' eingereicht und erledigt, denen die
Berichte der Großbeamten des letzten Ter
mins zur Prüfung übergeben worden waren,
womit die Hauplverhaudluiigen ihren Ab
schluß fanden. Erwähnt sei noch, daß am
Abende des ersten sitzungSlages die hiesigen
Ordensbrüder zu Ehren der Großlogc "im
prachtvoll dekorirten oberen Saale der „Wal
halla" ein grandioses Banietl veranstaltet
hatten, an welchem sich mehr, als einhundert
Beamte und Ordensbrüder bcthcttlgtcii.
Die Aufnahme, welche die Delegationen Sei
teils des Hrn. Adam Geib, de Besitzers der
„Walhalla," gesunden, hat bei Allen die auf
richtigste Anerkennung erfahren. Heule wer
den die auswärtigen Brüder nach ihren Her
mathstaaten sich zurückbegeben. (Die van
Baltimore zu den Sitzungen der Großloge
nach New-2)ork geschickten Abgeordneten sind
gestern, Sonntag, früh zurückgekehrt und spre
chen sich höchst befriedigt über den ihnen in
New-Aork zu Theil gewordenen Empfang
aus.)
Der Unterschleif in Minnesota.
N e w - U o r k, 5. Sept. Charles Me-
Ilralh, der des UnteischlcifS beschuldigte
Staats-Auditeur von Minnesota, hateine Er
tläriiiig veröffentlicht, in welcher er ableugnet,
daß er Unterschlcise begangen habe; er sagte,
das Comite habe äußerst einseitig gehandelt
und ihm keine Gelegenheit gegeben, eine Er
llcirung abzugeben.
St. Paul, 5. Sept. - Seil der gestrigen
Depesche hat das Spezial Comite der Gesetz
gcbiiiig seine Angaben geändert. Der Unter
schlcij beziffert sich aus H 100,000. Die „Presse"
spricht die Hoffnung auL, daß Mcllralh im
Stande sein werde, die Sache zu erklären.
Vccchcr's Replik.
Ncw - Nork, 7. Septbr.—Die 'Antwort
Becchcr's aus die Civilklagc Theodor Tilion'ö
wurde heule von Bcecyer'S Anwälten einge
reicht. In der 'Antwort wird erklär!, daß je
der Puntt der 'Anklageschrift, außer der 'An
gabe, daß Tilton mit Elizabeth Richards im
Jahre 1855 getränt worden sei, falsch sei.
Zweitens, daß der Beklagte niemals in ungc
höriger Beziehung zn der Gattin des Klägers
gestanden und niemals solche Beziehungen
versucht habe.
Die Replik ist von Shearman und Sicr
ling unterzeichnet und mil einem Affidavit
Becchcr's verschen, in welchem unter Cid eon
statin wird, daß alle Angaben richtig seien.
Grokcr Diebstahl.
New -?) o r k, 0. Sept. Charles Gän
sen, ein zurückgekommener Geschäftsmann,
Ecke der 44. Str.uiid 2. Ave, wurde während
eines Spazierganges in, Central Parke ver
! Haftel. Derselbe führte in seiner Tasche 5>5,.
000 mit sich, in Bonds von den Bereinigten
Staaten,der „Unioii-Pacifie" nlidCcrtisicaien
der„BrooklynerWasier-Gescllschast" bestehend.
Niemand weiß, woher der Dieb diese Papie
re genommen hat.
Wichtige Gtttschciduttg ber das
Sontttagsgcset; in Penusylva
nicn.
Harrisbnrg, t. Septbr.—ln dem von
der sog. Sonntags-Liga vor den Nichter Pier
so gebrachten Testsall entschied dieser hcme,
daß ein Ucbertreter dcs SonntagSgesetzes für
jede Cigarre, welche er verkaufe, einzeln be
straft werden könne. Nach dem bisher gellen
den englischen Rechte war nur einmalige Be
strafung für alle Vergehen gegen das Sonn
tagsgesetz an einem gewissen Tage zulässig.
Eine mörderische Heitttngsprcsse.
Philadelphia, 5. Septbr. Heule
Morgen Z 2 Uhr ereignete sich in dem Preß
lokale des „Phil. Demokrat" ein schreckliches
Unglück. Hr. Wm. Gcary, der Maschinist,
war beschäftigt, den Schneide - Cylinder der
Bullock-Presse zu reinigen, als durch irgend
einen Zufall der Mechanismus in Bewegung
gerieth und dem armen Maschinisten dleHano
am Gelenke abgeschnitten wurde. Ter un
glückliche Mann stieß einen durchdringenden
SchmerzenSschrci aus; man zog ihn so rasch
als möglich aus der Maschine nnd brachte ihn
in das Hospital. Eigenthümlich geling ist
dieses dieselbe Presse, welche Hrn. Bullock,
hren Erfinder, tödtetc.
Ter erste (kontinental^-Gongreft.
Philadelphia, 5. Septbr.—Tie hin
tcr dcrChesnut-Zlraßc, oberhalb der 5. Sir ,
stehende „Old Earpenters-Hall" ist heule zn
Ehren der Säkularscier der ersten Bcrsainm
luiig des Coiitinental-Congresses prachtvoll
dekorirt. Henry Ätrmct Brown hielt die Fest
rede. Unter den Anwesenden waren viele
berühmte Persönlichkeiten; auch der Bicc
Präsident Wilson halte sich zn der Feier ein
gesunden. Bier der ältesten Mitglieder der
Zimmermanns-Gcscllschast, welche gegenwär
tig nur noch 87 Namen auf ihrer Line hat,
saßen aus der Plattform, nämlich Joseph Lau
easter, 92 Jahre alt, seit 1811 Mitglied; John
M. Ogden. 84 Jahre alt, Mitglied seit >Bln-.
D. H. Flickwir, 7 Jahre all, Mitglied seit
1824; und A. Campbell, 79 Jahre alt, wei
cher sich 1832 anjchlsfl. Abends war das
Gebäude illuminlrt.
Tonaldson's Luftballon.
Alleiitown, Pa., 0. Sepl. Donald
son's Luftballon „Barnum" stieg gestern
Nachmittag in Philadelphia ans, kam in der
Nacht in der Nähe von Reading nieder, stieg
heute früh um 10 Uhr wieder in die Höhe und
lieg sich in unserer Borstadt heute Nachmittag
2 Uhr zur Erde.
Nene Unruhen tn Kentucky
Ciiicin nati, 4. Septbr.— Letzten Don
nernag Abend wurde eine junge Dame in
lessamine County von dem NegerL.Franklin
geschändet. Der Verbrecher wurde erst nach
Franksort abgeführt und gestern nachNicholas.
ville zurückgebracht. Die Neger von letzterem
Orte befürchteten, daß er der Bollsiusiiz ver
fallen möchte, sie bewaffneten sich und versteck
tcn sich in der Nähe des Gefängnisses. Gegen
Mitternacht erschienen 50 bewaffnete Männer,
nnd die im Hiittcrhaltc liegenden Neger ichof
seil ans dieselben. Joel W. Singleton wurde
auf der Stelle gctödlet. Die 'Anderen flohen.
Lynckigericht in Kentucky.
Lonisville, Ky., 5. Sept. Wie bc
reits berichtet, hat am Dienstag ein Neger
Namens Louis Oates an Fräulein Strange
von lessamine- County ein namenloses Ber
brechen begangen. Bekanntlich wurde der
Neger in das Gefängniß des Connlygerichls
sitzes in Nicholasville gebracht. Gleich in der
ersten Nacht seiner Gefangenschaft hatte eine
Rotte weißer Männer den Versuch gemacht,
den 'Neger dem Gefängniß zu entreißen und
zu lynchen. Die Neger des Ortes hatten sich
aber in den Hinterhalt gelegt und gaben Feuer
aus die Angreifer des Gefängnisses, wobei
ein weißer Mann gelödret wurde. Tie Wei
Ben mußten unverrichteter Tinge abziehen.
Als heute der Gefangene vor Gericht gebracht
wurde, bekannte er sich schuldig, nnd wurde in
das Gefängniß zurückbeordert, um abzuwar
ten, was das Dezirksgerichr über ihn verfügen
wird. Bald nachher überfiel ein vom Vater
des geschändeten Mädchens angcsührrerVoliS
Haufe das Gefängniß, der den Gefängniftbe
amtcn überwältigte, den Neger aus dem Ort
hinausführte und an einem Baum aufknüpfte.
Der Scherisf bemühte sich zwar, den Gesänge
ncn zu schützen, er wurde jedoch von den BÜr
gern nicht unterstützt.
Verlust von Menschenleben.
Brow
franz. Barke „Coromandcl" von Bordeaux,
Capt. France, von hiernach Bagdad, Mexiko,
bestimmt, strandete heute und wurde total
zu Grunde gerichtet, in weniger, als zwei
Stunden war sie auseinander geborsten. Der
Capitän, der erste Steuermann und drei Ma
trosen wurden gerettet; von elf Anderen der
Mannschaft vermuthet ma, daß sie umge
kommen sind.
Ueberschwcmmnnq des Rio
Grande.
Browns ville, Tex., 6. September.—
Es ist hier soeben die Nachricht eingetroffen,
daß der Hasen von BrazoS Santiago, der aus
der Insel jene Namens 30 Meilen von hier
liegt, vollständig überschwemmt ist. Die von
Hcl; gebauten Häuser sind sämmtlich wegge
schwömmen. Tie Bewohner, deren Zahl n.
gesähr 50 ist, haben ihre Zuflucht in Kühne
genommen, da man aber bis jetzt Nichts von
ihnen gehört oder gesehen bat, so fürchtet ma,
daß sie von der dort sehr starken Flulh in die
See hinauSaelrieben worden sind.
Ann Tode e r!lt.,eilt.
Bathurst, N. 8., 5. Septbr. Heu'
wurden Olive Galleand und Angele Palic
wegen der Ermordung des Gallen der Lede
ren zum Tove vcrurtheilt.

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