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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, October 02, 1874, Image 1

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30. Jahrgang.
ie öffentliche Gesammtschuld der
er Staaten.
.de de Sprecher
Hause.
gestern vor der Acker
i de nördlichen Wisconsin in
Äd! tclegrapliisch berichtete
V Thema, welches für jeden
iü >nd größtem Interesse
!t, indem er zeigte, wie viel Schulden diese
??ic Narionalschuld noch hat.
T'/ses interessante Thema ist noch von keinem
amenkanlschen Staatsmanne und Politiker
erörtert worden, und wir haben deshalb nicht
ermangelt, den Vortrag so ausführlich, als
möglich, unseren Lesern vorzulegen, und that
sachlich nur die unwesentlichen Angaben und
die verschiedenen Rede blumcn auszulassen.
Hr. Blaine sagte:
„Ich glaube, daß es neuerdings Brauch ist,
in einer Rede vor einer Ackerbau Gesellschaft
dieArgrikultur links liegen zulassen, von dem
gesunden Gedanken ausgehend, daß jeder ein
zelne Zuhörer möglicherweise mehr vom Acker
bau versteht, als der Redner davon wissen
kaun. Was mich betrifft, so bin ich gern be
reit, die obige Annahme zuzugestehen, denn
obgleich ich in einem Ackerbau Distrikte des
westlichen Peniisylvanicn's geboren wurde, ob
gleich ich mein ganzes reiferes Leben in einer
der am Besten cultivirten Gegenden des Staa
tes Maine verbrachte, so kann ich doch nicht
so viel über dieie Kunst und
Wissenschaft erlernt zu haben, um befähigt zu
sein, ein Wort des Rathes oder der Belehrung
vor dieser Versammlung sagen zu können.
Ich werde mich deshalb hier auf ein The- '
ma beschränken, welches sür Sie als anierita- '
Nische Bürger von allgemeinem und sür den '
Landwirth von ganz besonderem Interesse ist '
ich werde über unsere allgemeine Schuld
sprechen; nicht allein über Das, was wir un-
lere Nationaljchuld nennen, sondern über alle
Arten von Staats- und Mumzipalschuldcn,
welche eine Besteuerung des Volkes zur Folge
haben. "
. Tie öffentliche Schuld
ist eines der rasch entstandenen Produkte unse
rer modernen Civilisation. Zu ihrer gegen
wärtigen Form war dieselbe den Alten gänz
lich unbekannt, obgleich Cicero sagt, daß die
römischen Provinzen in Asien mitunter An
lehcn machen mußten, und obgleich LiviuS
in einer ziemlich obscnreii Stelle von einem
Anlchen spricht,welches Rom aufzunch:i en ge
zwungen war, um die Kosten der punischen
Kriege zu decken. Diese exceptionellen An
deutungen zeigen jedoch nur, daß in der Regel
das Borgen keine anerkannteHülfsquellc deral
ten Völker war. Tie ungeheure Anhäufung
von Schätzen durch mächtige Monarchen der
alten Zeit ist ein weiterer Beweis, daß der
Credit nicht gebraucht wurde, und daß die
Verluste, welche daraus entstehen, indem man
große Kapitalien müßig liegen läßt, nicht in
der Weise geschätzt wurden, wie dieses bei mo
der Fall ist. Ptolomäus
PhiladelphnS hatte ciiimal nach unserem
Gelde so viel als Vierhundert Millionen Tol
in seiner Schatzkammer. Der römische
Kaiser Tiberius hinterließ seinem Nachfolger
Caligula 2700 Millionen Sesterzeu, etwa
5110,000,000, welche ungeheure Summe die
ser Wüstling in einem einzigen Jahre dnrch
brachle. Obige Summen, obgleich sie im
Verhältnisse zu unseren modernen National
schulden gering scheinen, rcpräsentirteu jedoch
in ihrer damaligen Kaufkraft eine weil bedeu
tendere Anhäufung von Geld, alö sie seit Be
ginn der christlichen Zeitrechnung irgend eine
Nation besessen hat. 'Napoleon der Erste war
einer der modernen Herrscher, welche diese bar
bariiche Anhäufung von Schätzen in kleinem
Maßstabe nachahmten; die, obgleich sie ei
gentlich dem Staat-gehörten, thatsächlich dem
Willen und der Caprice des Souveräns un
terworfen waren, und zu Zwecken verwendet
wurden, weiche im offiziellen Budget nicht
mit Ehren genannt werden konnten.
Nahezu scchszchn hundert Jahre der christ
lichen Zeitrechnung waren verflossen, che die
Nationen die Kunst des Borgens lernten, wie
wir dieselbe heute verstehen. Holland und
Spanien waren wahrscheinlich die ersten Län
der, welche im sechszchnten Jahrhundert regel
mäßig organisirte Nationalschuldcn hatten,
obgleich beansprucht wird, daß die französi
schen „Renten" die unter den Franzosen
so wohlbekannte und populäre Natioualschuld
bereits im Jahre 1075 unter der Regierung
Karls V. organisirt wurden. Ich bin icdoch
geneigt, zu glauben, dag die „Renten" in je
ner Zeit in einer äußerst unregelmäßige
Ichattelltiaften und nicht verantwortlichen Weise
existirten, nur von Jahr zu Jahr liefen und
keine regelmäßigen Zinsen trugen. Ohne
Zweifel waren die Schulden von Holland und
Spanien, welche in Folge ihrer langen gegen
fettigen Kriege entstanden, die ersten, 'welche
regelmäßig sundirt wurden und periodische
Zinsen zahlten, deren Resourcen durch Be
steuerung aufgebracht wurden. Die Stenern
wurden in Amsterdam dermaßen gefühlt, daß
uns ein-Chronist erzählt, wer damals eine
,s>isch kaufte, habe den Preis desselben ein Mal
au den Verkäufer und sechs Mal au den Staat
bezahlt. In Spanien dagegen warui zu da
maliger Zeit die Zuflüsse der Edelmetalle ns
den amerikanischen Provinzen so bedeutend,
dag die Schuld das Volk nicht im Geringsten
druckte. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts
ging England aus jenem großen Kampfe um
constitutionclle Freiheit, welcher die Stuarts
für immer entfernte, hervor, es war jedoch in
Folge der Kriege in Schulden gerathen. Im
Jahre 1654 machte jenes Land die erste An
leihe zu der Schuld, welche ILO Jahre später
nach dem furchtbaren Kampfe mit Napoleon I.
aus die enorme Summe von
oder St, 500,(00,000 angewachsen war, und
zn jener Zeit das britische Volk eben so schwer
brückte, als heut zn Tage S 12,000,000,000
dasselbe drücken würden. Von jenem Jahre
an gehörte England zu de Borgern, Schul
denmachen schien eine nationale Epidemie gc
worden zu sein, und obgleich noch keine zwei
hundert Jahre verflossen sind, seil Englaitt
seine ersten Schulden machte, gibt es dock
heute kaum eine civilisirtc Nation, wclchi
genheil und Gegenwart verpfändet hätte.
Die britischen Provinzen in Asien und Au
stralien und die fernen Inseln des Ozeans
sind den Bankiers des Mutterlandes bedeu
tende Summen schuldig; die clvillsirien und
Yalbcivilisirten Regierungen in Afrika und
im Orient, welche an den Ufern des Mittel
meeres entlang herrschen, sind sämmtlich in
den der großen Geldmäuner
Europa'S eingetragen; die Nationen Süd-
Amerrka's sind ohne Ausnahme den rauhen
Pfad des Borgers gegangen, während icde
europaifchc Macht von Rußland bis Portugal
unier dem Gewichte ihrer Narioualschuld
Hr. Dudley Baxter, die anerkannte Autori
tat über Fragen dieser Art, gibt die Gesammt-
Bevolkerung der Borger-Staaten auf etwa
600,000,000 Köpfe an, währen sich biege
sammteii Nationalschulden auf 320,000,000,.
000 belausen, welche eine jährliche fiinsenlast
von §800,000,000 bedingen. Es ist ein be
trübender Gedanke, daß diese fast unberechen
bare Geldsumme geborgt und verausgabt
wurde, nicht um die Zwecke des Friedens zu
fördern, den Ackerbau zu entwickeln, Hoch
straßen für Handel und und Verkehr zu bauen,
Häfen und schiffbare Flüsse zu verbessern, oder
wissenschaftliche, gemeinnützige und wohlthä
tige Anstalten zu begründen, sondern aus
schließlich, um verheerende, grausame Kriege
zu führen. Und der größte Theil dieser ver
schwenderischen Geldsumme wurde nicht blos
für Kriege verausgabt, sondern, was das
schlimmste ist, für Eroberungskriege, Erb
folgekriege :c., in denen es sich um das Schick
sal einer Dynastie, nicht aber um das Wohl
der Volker handelte.
Unser eigenes Vaterland hat vier Kriege ge
fuhrt, welche jedoch, mit der einzigen Aus
nahme des mexikanischen, gerechterweije De
fensiv-Kricge genannt zu werden verdienen
Tiefe Thatsache stellt uns der übrigen Welt
gegenüber dennoch in kein besseres Licht, denn
auch in unserem Falle war der Krieg die di
rekte Ursache der Nationaljchuld. Unsere ge
sammle Nationalschuld beträgt heute 32,140,-
000,000, und von dieser ungeheuren Summe
wurden nur 364,000,000 für den Ban einer
Eisenbahn nach dem Stillen Meere veraus
gabt; dieses ist das einzige Werk des Frie
dens, welches gefördert wurde, der Rest der
vielen Millionen wurde durch einen langen,
blutigen Krieg zur Aufrechthaltung der Re
publik verschlungen.
Abgesehen von unserer Nationalschuld, au
die wir in keinem anderen Sinne denken
können, als um Mittel zu finden, dieselbe in
ehrenhafter Weise zu rcdiizircn und abzutra
gen, möchte ich jetzt Ihre Aufmerksamkeit auf
die weniger beachteten, aber um so mehr
drückenden Schulden der
Staaten, tlonntics. Städte und kltinen Ge
meinden
lenken, welche mitunler in einer extravagan
ten und verschwenderischen, das Schicksal
geradezu herausfordernden Weise gemacht
d"' scharfen Wachsamkeit, mit
wetllser sich die opponirenden politischen Or
gegenseitig am die Finger
beständigen Kritik, welcher Volk
Är Thun und Lassen des Eon
unterwerfen, steht vorläufig keine
b!?ü?w./ der Nationalschuld zu
befürchten, es sei denn im Falle eines Krie-
Schicksal verhüten möge. Doch
Bcrmehruiig der
tt/aen herbeiführen,
liegen nicht so offen vor uns, werden nicht so
genau beobachtet und so scharf kritisirt und die
Folge davon ist, daß viele G-nneinden. ehe
sie nur einmal anhalten, um die Sachezu
überlegen, plötzlich finden, daß sie unter einer
Schuldenlast seufzen, die, wenn auch nicht
immer absolut emmuthigend, sicherlich sehr
drückend ist. Sie werden bei dem ersten
Ueberblick unserer Rcgicrungsform die Ansicht
gewinnen, daß dieselbe außerordentlich zahl
reiche Gelegenheiten gibt, den öffentlichen
Kredit zu gebrauchen. Wir haben eine Bun
desregierung, welche auf den Credit der Na>
tion borgt; wir haben Staats-Regierungen
welche dasselbe auf den Credit der resp'
Staaten thun; das County, die Stadt oder
Gemeinde borgen wiederum ans ihren Cre
dit. Wenn nun dieser vierfache Credit, wie
es thatsächlich der Fall ist, beständig gebraucht
wird, dann muß die Last schwer ans das
-soll fallen. Die vier Steuern drücken
schließlich einen und denselben Mann und
belasten ein Grundstück. Ich glaube nicht,
daß noch irgend ein Volk auf der Erde
existirt, bei welchem die Gewalt, Schulden
zu machen, so sehr ausgedehnt ist, als bei
uns, bei welchem jene Gemeinde unabhängig
nach ihrem Belieben ohne Rücksicht daraus
lospumpeu kann. Wenn die Stadt ihren
Credit verpfändet, denkt sie kaum daran, daß
bereits eine drückende Schuld aus dem County
welchem sie einen integrirenden
Theil bildet; das County macht Schulden,
ohne zu bedenken, daß bereits jedes Besitz,
thum durch eine direkte Steuer belastet ist,
um dieJnlcrcsscn der Staatsschuld zuzahlen,
und der Staat macht in gleicher Weise oft
haustg Gebrauch von seinem Credit, ohne
nachzudenken, daß schon jeder seiner Bürger
lchwer bedrückt wird, um die Nationalschuld
zu verzinsen und allmälig abzutragen. Und
wenn schließlich Staats-,
Comitm und Stadtverwaltung ihre vier
fachen Stenern umgelegt haben, dann findet
der Bürger, daß sein Besitzthnm keineswegs
in der Ertragsfähigkeit zugenommen hat.
Ech weiß Zecht wohl, daß die größeren euro
päischen Städte alle ihre Spczialschulden
haben, ebenso, wie die verschiedenen Schwci
zerkantone, die franz. Departements und die
kleinen deutschen Staaten, aber dennoch ist
es wahr, daß man die Erleichterung, Schul
den zu machen, wie sie unseren Gemeinden,
glätten und Countics gewährt ist, in
Europa gar nicht kennt. Unsere wunderbare
idapacitat in dieser Richtung ist eine Errun
genschaft unserer republikanischen Institutio
nen, ans die wir keineswegs stolz sein dürfen.
En den Ber. Staaten gibt es iechszehn
Städte, von denen jede eine Bevölkerung von
mehr als 100,000 Einwohnern hat, deren Ge
sammlbevölkcrung sich auf 4,500,000 Seelen
belänft. Jede dieser Slädic hat ihre Porzüge,
und jede derselben hat eine Zukunft; an
Reichthum und Rcsourcen fehlt es ihnen
gleichfalls nicht. Diese sechszehn Städte
haben Munizipalschulden zum Betrage von
§350,000,000, was auf jeden Ziopf der Bevöl
kerung §3O ausmacht uns vor dem Bürger
kriege für eine große Last angesehen worden
wäre. Es würde übrigens ungerecht sein,
schließen zu wollen, daß die Durchschnitts
lchnld einer jeden Stadt etwa §20,000 be
trüge, denn in der That ist eine einzige, die
commerziclle Metropole des Landes, den
dritten Theil der obigen Summe allein
ichnldlg. Ferner haben wir 12 Städte mit
mehr als .'<o,ooo und weniger als i <o,ooo
Einwohnern, oder einer Gesammtbcvölkerung
von 750,000 Seelen; deren Gesammtschiilden
betragen etwa §.10,000,000, oder §4O p,o
.stopf. Tie nächste Classe von Städten (mit
20—50,000) umfaßt drciundfünfzia mir einer
Gejammtbcvölkcrnng von 1,500,000 Seelen,
deren Gesaniintschnld weit weniger als §75,-
000,000 beträgt oder §5O pro Kopf. Tie
125 Städte mit je 10—20,000 Einwohnern,
welche einch Gesammt - Bevölkerung von
1,400,000 Seelen haben, dürfen ihre Schul
den ans 535,0e>0,v00 veranschlagen, was §22
pro Kopf ausmacht. Zählt man diese vier
Klassen von Städten zusammen, so erhalten
wir 180 mit einer Bevölkerung von 7,000,000
Seelen und einer Gcsanimtschuldculast von
§400,000,000. Auf die Städte und Gemein
den unter je 10,000 Einwohnern wird man
dreist §80,>00,000 Schulden rechnen können,
so daß wir eine Gesammt - Munizipalschuld
des Landes von §1,140,000,000 mit Sicher
heil annehmen dürfen.
Diese Summe ist nahezu um dreihundert
Millionen Dollars großer, als die im Census
von 1870 angegebene Totalsninme. Trotz
der großen Mühe, welche ich mir gegeben
habe, genaue Statistiken zu erlangen, bin ich
nicht liu Stande gewesen, dieselben zu erhal
ten, vielcStaaten scheinen nicht daran gedacht
zu haben, dieselben zu erlangen. Nur Mas
sachusetts hat mir correkteAufzeichnnngen zu
gehen lassei!. Dieser Staat hat im Ganzen
807,500,000 Staats-, County- und Munizi
palschlilden. Dieses erscheint nnS ungeheuer,
dennoch ist derßcllchthum des Staates so groß,
daß diese ganze Schuld noch uichr 4 Prozent
deö stcuerwcrrhes nnd bei der medrigenSchät
zung wahrscheinlich noch nicht 25 Proz. des
thatsächlichen Werthes ausmacht."-Der Red
uer führt sodann ans, daß die sieben großen
nordwestlichen Staaten noch verhältnißmäßig
am Besten stehen, indem sie bei einer Gc
sammtbcvölkeriiiig von I<,<>oo,ooo Seelen
und einem EigcnthnmSwerlhe von §8,000,-
000,000 zusammen weniger, als §25,000,000
Schulden haben. Hätten diese Staaten ihre
Städte, Countics und Gemeinden sorgfälti
ger überwacht, so würden dieselben von allen
civilisirten Gemeinwesen den günstigsten Aus
weis liefern können. Der Redner bespricht
sodann das rasche Wachsthum der Mnnizi
palschnlden und deren Uisachcn und befürwor
tet eine bessere llebcrwachunq durch den Staat.
Tiefe Gemeinden :c. sind es, welche nach sei
ner Ansicht den Zinsfuß in die Höhe schrauben
und es für das Individuum unmöglich ma
chen, noch ferner Geld zu Prozent aufzu
nehmen.
> der Redner auf diese Weise die
Schattenseiten unterer ungeheuren Verschul
dung vorgeführt, beginnt er die
t ich,feiten unserer Lage
IN s Auge zu fassen. Er sagt:
„Obgleich unsere Last sehr schwer ist, so
sind wir doch hinlänglich fähig, dieselbe zu
tragen und unter derselben noch nebenbei zu
prosperwcii. Unsere Zunahme an Bevölke
ning und Reichthum ist eine so rasche, dag die
schuld, welche heute noch ceiitnerichwer auf
uns lastet, morgen schon federleicht erscheint,
unb wenn wir nur die gewöhnliche Vorsicht
dn Selbsicrhaltung beobachten, so wird uu
jere Zukunft sehr rasch alleErwartunqcu über
treffen.
Es sind erst 85 Jahre verflossen, daß unsere
Regierung organisirt wurde, mit einer Vevöl.
kerung von weniger, als 4 MillioncliEinwoh
iiern und einer EigeuthumSschähuiig in allen
von nicht mehr als zMö.twvMv,
kaum die Hälfte Dessen, was der Staat Wis
confln heute allein werth ist. Erleichterun
gen des Verkehrs waren damals kaum vor
handen, Künste und Manufaktur in ihrer
Kindheit, der Ackerbau war nicht besonders
einträglich, weil eben der Handel zu wenig
entwickelt war. Das Eigenthum war zu je
ner Zeil kaum fähig, Steuern zu ertragen,
die Vioslle waren gering, die Löhne niedrig
und dein Ratioualökoiiomen jener Tage er-
Ichien es als eine Unmöglichkeit, daß das
Land im blande sei, eine bedeutende Schuld
Dennoch zögerten unsere Väter
nicht, die Revolutions-Schuld von §90,000 -
000 zu übernehmen, welche mehr, als den sie
venten deü gcsammten Eigenthumswer
thes ausmachte. lefserjon, der zaghafteste
von allen grogen Staatsmännern jener Taae
in Bezug aus die Fähigkeit, diese Schuld zu
tragen, gab dennoch bereitwillig zn, daß die
lelbe zu ertragen sein werde, wenn sich die
Bevölkerung und deren Reichthum in der ae
wüuschtcnWcise vermehren. Es mag uns eine
Lehre geben, zu vertrauen und zu hoffen,weun
wir bedenken, daß nach den damaligen Caltu
lalionen angenommen wurde, daß die Vcr
Staaten im Jahre 1870 eineVevölkeruna'von
17,000,000 haben würden und daß der Ge
sammtreichthum weniger, als 34,000,000 000
betragen werde. Unsere Bevölkerung hat'jene
Berechnung weit überstiegen und 'im Lahre
1870 hatte iinserGesainintreichthilm §30.000 -
00.000 erreicht, oder acht Mal mehr, als
Jeffenon tu seinen Tagen zu hoffen waatc
Uiiiere ,amiiitlichen Schulden (National.' !
Staats-, Counth-, Städte- und Munizipal!
schuldeiy.betragen etwas mehr, als 3,200 .
000,000, oder kaum mehr, als den zehnten
Theil des gestimmten Eigeiithumöwcrthcs der
Nation, wie derselbe im Census von 1870 ac-
Ichatzl wurde und vielleicht kaum den fünfien
Theil des thatstiehlichenWerthes. Dieses ist
wie sie bemerken werden, eine weil geriiiaere
Schnldratc, als vor 84 Jahren. '
Wir könne uns einen Begriff bilden von
der enormen Prodnklivkrast des Landes, wenn
wir bedenken, daß wir in Bezug auf den stibr
lichcii Erwerb heule an derSpi'tze aller Natto
neu stehen und England, Frankreich, Rußland
oder -i-cutschlaiid weit überflügelt haben
Nach uns kouiml allerdings England, doch
dessen Gesamml - Einkommen und Erwerb
übersteigt nicht 5,000,000,000 Dollars, wäh.
rend wir cinenGcsammt-Erwerb von §6 0 .
000,000 haben. Diese Berechnung ist aus der
Goldbasis gemacht und obend'rcin von einem
Engländer. Ucbcrdics nimmt unselGcsammt-
Ermc b infolge der Einwanderung, der vcr
besser! Maschinen -c. jährlich durchschnittlich
um 3120.000,000 zu. Viele, welche Mich
heute hören, werden den Tag erleben, an d-m
die Bevölkerung dieses Landes 100,000,000
Seelen zählt, und unser jährlicher Erwerb
wird dann 315,000,000,000 betrage- Mtt
anderen Worten, wir werden dann süiis' -Mm
so viel verdienen, als unsere sämmtlichen
öffentlichen Schulden heut zu Tage aus
machen.
t Die Frage tritt uns jetzt nah, warum sind
: wir trotz unseres riesigen Einkommens nnrer
> den borgenden Nationen? Wenn wir mehr
verdienen und erwerben können, als England,
Frankreich, Rußland nndDeutschland, warum
borgen wir von ihnen? Warum behalten
wir unsere Bonds und Aktien nicht selbst?
i Diese Frage ist eine seriöse, doch ist sie sehr
leicht zu beantworten. Wir sind nämlich viel
verschwenderischer, als irgend eine Nation der
, Welt. Unsere Mitbürger leben besser und
! nobler (t-lswr), sie fordern bessere Nahrung,
bessere Kleider, schönere Häuser, feinere Mö
-5 beln, als irgend ein Volk in der Welt, so daß
! wir selbst bei unserem enormen Einkommen
i weit weniger sparen, als die meisten curopäi
z scheu Völker, weiche weit weniger consumiren,
! als wir. Wenn wir nur zehn Jahre lang
so sparsam leben könnten, als ein europäisches
Volk, so würden wir im Stande sein, alle un
- scre Bonds, Aktien zc. einzuziehen.
In unserem Progresse liegt ein Zug, wcl
cher trotz aller Rückschläge, Krisen und persön
lichen Extravaganz Bürgschaft gewährt für
die Zukunft, nämlich: rasch wic'das Wachs
thum unserer Bevölkerung bisher gewesen ist,
die Zunahme unseres Reichthums war bedeu
tend größer. Von 1790 bis 1870 betrug un.
,erc Bevölkernngs-Zunahnie iiugcfähr 1000
Proz., dagegen hat sich unser Eigenthum um
000 Proz. vermehrt. Nach dem Census von
1730 betrug das Gesammt-Eigenthum der
Nation etwa §l5O pro Kopf, nach dem Sen
ilis von 1370 belief es sich auf 8800proKops
es läßt sich mit Leichtigkeit behaupten, daß,
ehe wir 75,000,000 Einwohner haben, unser
Nattonal-Reichthum §100,000,000,000 betra
gen wird."
Schurz und Packard.
Senator Schurz ist dem Bundcsmarschall
Packard, welcher sich am letzten Freitag von
dem Gen. Emory prompt seine Unschuld be
scheinigen ließ, Nichts schuldig geblieben und
hat in seiner Rede zu Macon, Mo., den Ein
fluß, wclchenPackard auf den Gang der Dinge
in Louiyana ausübte, scharf kritisirt und mit
vernichtender Klarheit gezeigt, daß Packard
und nur Packard es war, welcker jenen colos
"g an der Administration beging,
die clbe durchaus irre zu leiten.
Mr einigen Wochen hieß cö nun von Wa
shington, Präsident Granl sei entschlossen, ei
neu Schritt weiter zur Regcncrirunq des Sü
dens zu thun und die Bundcsbeamlen, welche
sich und die Partei mit Schmach bedeckt ha
ben, abzusetzen. Dieses würde der Ansang ei
ner rettenden Reform sein; denn Kellogg wäre
langst*!,möglich gewesen, wenn Casep und
Pactard,hn nicht anstecht gehalten hatten.
-NoseS in Süd-Carolina würde niemals im
Stande gewesen sein, den Staat Süt-Caro
auszuplündern, wenn er nicht von
itt-asyrngton immer so prompt unterstütz: -vor
den wäre. Wenn diese Bundesbeamten im
Suden, diese Collckiorcn, Marschälle, Post
meister :c. sammt und sonders abgesetzt wer-
Junten, so würde es für den' Süden ein
Gluck sein.
! Der Präsident hat sein gegebenes Verspre
cheii noch nicht erfüllt; wie ihm aber Senntor
schürz in seinen beiden Reden, welche den
Beifall der ganzen Nation gefunden haben,
nachwies, hat er jetzt die beste Gelegenheit da
zn. .niemand ist außer dem Präsidenten
und dem Obcrbnndes-Anwalt Williams für
die schmachvollen Anstände in mehr
verantwortlich, als gerade der Br ndcS-'.Nar-
Ichall Packard. Tiefer Beamte hat viel dazu
beigetragen, daß der Präsident den diimiaien
Streich machte, Kellogg anzuerkennen. Pak
tard, der Oberbnndesanwalt und Richter Dn
rell waren verbündet und setzten es durch, daß
Truppen nach New-Orleans geschickt wurden,
um Morgens 2 Uhr auf einen in itternächtlich,m
Gcrichtsbesehl das Staatskapitol zu besetzen.
Ein Hülfö-Marschall Packard'S stand an der
Thüre, um allen rechtmäßig erwählten Ge
setzgebern den Eingang zu verweigern. Und
letzt stellt sich's heraus, daß Packard für die
dem Kellogg gcleistctenDieuste folgende sum
men ans der Staatskasse von Louisiana ge
zogen hat: am 3. März 3500,12.März 3500
17. März §5OO, 3. April §lOOO, 29. llpril
und 30. April §5OO. Packard kann Nicht
sagen, wie Butler sc Comp., daß dieses Äd
vokateugcbiihrcn gewesen seien; er hatte als
Bundesinarschall nicht die geringste Forderung
an die Staatskasse und ob er nun das Geld
lelbst behalten, oder es, wie Oakes Ame.s, da
angelegt hat, wo cS am meisten nützt, in je
dem Falle bedarf es einer Erklärung. Wenn
Präsident Grant in dem Falle rein- Hände
hat, ,0 bleibt ihm nichts anderes übrig, als
den Hrn. Packard zur Rechenschaft zu ziehen,
rcjp. abzusetzen. Dieses verlangt nicht etwa
S-churz, sondern der anständige Theil der goi
zen aincrikanischen Nation, in dessen Nc acn
schürz nur gesprochen hat.
Marliiand's Gcntcnnittlfcic x
Es dürfte nicht allgemein bekannt seiia, daß
Maryland vor hundert Jahren eben so wohl
seinen Thee-Aufruhr hatte, als Massachusetts
die Bostoncr waren den Annapolijern zwar
um ein halbes Jahr voraus, aber den Letzte
reu gebührt der Ruhin, ihr Werk viel mann
hafter, kühner und gründlicher gethan zu ha
ben, als ihre Compairioten im Pankee-Lanoe.
Die Bostoner versteckten sich mtt ächt yankee
mäßiger Schlauheit hinter einem mciSkirten
Mob. der im Falle des Mißlingend nichr uer
aittmortlich gemacht werden konnte; die An-
Nllpoliscr dagegen steckten mit ächt südlicher
Ritterlichkeit am hellen Tage die Thecschachtel
„Peggy Stewart" in Brand. Es war ein
.lkt kühnen Trotzes gegen die Bedrücker, wel
cher weit mannhafter, ehrenhafter und patrio
tt'cher scheuten muß, als das Verfahren der
L.o>toilcr. Die Annapoliser übernahmen die
volle Verantwortlichkeit, und ließen sich keine
Hiiiterthürc offen, um die Schuld aus unbe
aiiiitc Vermummte zu wälzen. Es ist des
halb nicht mehr als recht, das; dieses Ereigniß
m Maryland gebührend gefeiert werde, ttt.
Ford hat jedenfalls der Gesinnung des ganzen
Staates Ausdruck gegeben, als er vorgestern
Abend im stadtrathe den Antrag stellte, den
Annapoliser Thee-Aufruhr am 'l9. Oktober
festlich zu begehen. Baltimore ist politisch,
commcrzicll und gesellschaftlich die Erbin der
a reu Promnzial-Hauplstadt Amiapolis: ihr
Ruhm ist unser Ruhm.
Bismarck und der Blutcqclteick,
Ncw-Zersey. '
GS ist doch merkwürdig, daß gar nicht? in
citier geheimnißvollm Weise vor sich qei,eii
kann, ohne daß man dahinter sofort einen
schachziig des unergründlichen deutschen
Staatsmannes wittert. Sobald es bekannt
wn> de, da,; die Eigenthümer des an Fischen
und Blutegel, reichen See'S Wiewanapee mit
unbekaiiitten Personen wegen Verkaufes dess-t
-ui Unterhandlung stehen, so ersann eine
nnssige Phantasie sosort hinter diesem große.-i
Unbekannten den Mann mit den drei Haaren
dei, wenn er auch Porto Rico noch nicht sein ,
eigen nennt, doch die Idee nicht aufgeben will, s
in Amerika seiicii Fuß zu fassen. Freilich j
handelte es sich diesmal nur um ein Fijebae -
wasser, aber ist es nicht bezeichnend genua. -
dag man sich zur Fischzucht einen See aus' '
ersah, m welchem man eine vorzügliche Qua- -
lttat von Blutegeln zieht; es ist allerdings be
denklich; und daß es gerade Blutegel sind, um
die es sich handelt, macht die Sache noch be
deutend schlimmer. Dem Manne von Blut
und Elsen ist mit den Fische mcht gedient,
die Blutegel sind es, in deren Besitz er sich
setzen will. Sollte er vielleicht beabsichtigen
ui.s Amerikaner durch Annexirung unserer
Blutegel zu zwingen, seinen ihm so seiistttw
nell zugeschriebenen westindischen Gelassen
keinen Widerstand entgegen zu setzen. Mau
denke nur daran, wenn es ihm. einfiele, seine
Blutegel militärisch zu orgamsireii und über
die Vcr. Staaten auszulassen. Eni Glück
nur, daß die Grant'schen Beamten uns bereits
daran gewöhnt haben, uns von Blutegeln
aussaugen zu lassen. —So weit das N ">
Journal." " '
Die Blutegel-Acquisition wird durch fol
gende Erklärung zur Ruhe vermiesen- Hr
Rud. Hessel schreibt an die „Stszig. -" '
„Tie Wahrheit an der ganzen Gcschichic ist
daß durch den Unterzeichneten wegen Ueber'
lassutig des See'S Anfrage geschehen ist und
derselbe von mir besichtig! wurde. Ich Hube
aber weder die Ehre, ein Agent der prenß
Regierung zu sein, noch von derselben irgevl
welchen bezüglichen Auftrag zu haben. ?,c
Anfrage geschah vielmehr im Auftrage ct'ies
EonsorliumS von Amerikanern, das a'ller
dliigs die Anlage eines Etablissements für
Zucht in- und ausländischer vorzüglicher 'Süß
wasserfisch, und Krcbsarleu, dann des c.icdizi
Nischen Blutegels, sowie vcr,'chicd--.icr anderer
nützlicher WasserthicrebeabsichHm -uwelchem
Zivecke ich aber neben den., genannten See
nochvcrschiedene andere PTssende Gewässer und
Gelände besichtigt habe. __ Es deshalb
der Reporter der „Ev ening-Post. ans dessen
Heder die ungcheue'ttichc Mittheilung eutstof
en, dieselbe veran.lworteu."
(Aus der Illinois LtaatSzeitung.")
Wie es in Deutschland lies irntcr der
niedrigsten Schicht derjenigen Literatur, welche
der Kmtlker und Geschichtsschreiber beachtet,
noch eine Art von Volkspoesie giebt, deren
Publikum nach Hunderttausenden, za, in -
Millionen zählt, so auch ,n Anierika. z,..
Deutschland ist der Bänkelsänger mit seinen
Liedern, gedruckt in diesem Jahre, und mit
seinen Mordgeschichten der Hariptverbrcttcr
dieser niedrigsten Art von Vollskaieratiir, die
Baltimore Md. Freitag den 2. Oktober 18741
den gebildeteren Klassen kaum in den geistrei
chen Nachahmungen des Prof. Bücher
(Schartcnmcyer) zugänglich ist. Für Ame
rika sind die in Millionen Exemplaren vcr
breiteten greulichen <ki>ne-nn?>nsdas, was für
Deutschland die lakrmarkts-Mordgejchichten
sind,und für die Bänkelsängerlieder findet sich
das Seitenstück in den von „Minstrels" und
' V'arioie-!"-Sängern gegröhlten oder gewin
kelten Liedern, welche sich meistens durch eine
Sentimentalität auszeichnen, deren wider
wärtige Süßlichkeit an den Geruch des mit
Honig gebeizten Kantabacks erinnert.
Ein berühmter englischer Staatsmann hat
gesagt: „Laßt mich die Lieder des Volkes ma
chen und es soll mir gleichgültig sein, wer die
Gesetze macht." Was er damit sagen wollte,
war, daß die in volksthümlichen Liedern zum
Ausdruck gelangende Sinnes- und Denkweise
des Volke? in größerem Maße bestimmend
auf die geist.'gc und sittliche Gestaltung des
Staatslcbcns wirke, als die Gesetzgebung.
Wenn Das richl.'g ist.lo sind die aus dem In
halt der amcrikan.'schcn Volkslieder zu ziehen
den Schlüsse nicht eben erheiternd. Denn ne
ben der schon erwähn en süßlichen Sentimen
talität, welche mit der i.'i! deutschen Volksliede
zur Geltung kommenden einfachen und gesun
den Empfindung wenig gllmein hat, und ver
schrobenem Pathos macht si'ch darin dasselbe
krankhafte Haschen nach „Sensation" breit,
welches auf dem Gebiete des Zeitnngswescus
ein geiles Wachsthum des absesinuichsten Un
krautes bewirkt.
Es liegt uns in der üblichen Ausstattung
amerikanischer "klwm-musie' ein in Cincin
nati erschienenes „Lied mit Chor" vor, wel
chcs, wie ein beigelegtes Rcclamc-Blatt ver
sichert, „Abend sür Abend von Fräul. Adah
Nlchmond, May Florence, Maud de Liste
and andern beliebten Künstlerinnen (Bänlel
sängerinnen) im ganzen Lande unter so betäu
bendem BeifallSiubel gesungen worden ist,
daß es oft drei, ja, viermal hat wiederholt
werden müssen, n. s. w." „Vernunft und
Thatsache rechtfertigen diese stürmische Begei
sterung," denn „dieses Lied ist unbedingt das
vorzüglichste, welches jemals gedichtet worden
ist, und die darin ausgedrückten Gesinnungen
müssen lauten Widerhall in jedem ächt anie
rikanischen Herzen finden."
Welches sind nun diese Gesinnungen, die in
jedem ächt amerikanischen Herzen Widerhall
finden, und was ist der Inhalt dieses vor
züglichitcn Liedes, das je gedichtet worden?
Das Titelblatt sagt es nnS: „Jim Fisk, r:
lis v'v.-r evoiir lmole on ibv Noor." ES ist, >
in 4 Leierkasten-Strophen, eineßerherrlichung
des Edelsinnes des Millionen - Diebes F-st,
der, was immer er gewesen sein möge, Nets
eine offene Hand sür die Armen gehabt habe,
und wüdc Verwünschung des „reichen Mör
ders" Liokes. Auf dein Titel prangt das
Vildniß des edlen Spitzbuben Jim Fisk im
vollen Wichs eines amerikanischen "tust vomm
Won;" —umgeben ist es von vier Vignet
ten, deren eine den edlen Mann darstellt/ wie
er ans der Straße einem zerlumpten Beltel
knaben einige "smi.ipk" einhändigt; auf
der zweiten sind die „Ruinen von Chicago"
zu sehen (zur Erinnerung daran, daß Fisk
nach dem großen Brande einige tausend Tha
ler für die Abgebraunten beigesteuert hatt;
die dritte zeigt einen Zug der (von Fisk gestoh
lenen) „Eric-Eisenbahn" und die vierte ein
Dampfschiff, das seinen Namen führt.
Die Musik des Liedes ist eine armselige,
sich in 7 Tönen, von ein der Mitteloktave bis
c! in der iiächstobereubewegendes Gedudel und
Gcmnrkel, ungefähr so melodiös, wie die üb
lichen Banjo-Begleitungen und bei Weitem
nicht so aiiivrechend. wie die wohlbekannten
Weisel, der deutschen Mordgeschichten. Von
dem -r.exte diene als Probe die zweite Stro
phe:
JimF-.sk ein so guter-Nann, wie jemals ei
ner geboren worden ist ! Und zwar deshalb,
weil er van den gestohlenen Millionen hie und
da eine Kleinigkeit, die seine Maitressen und
leine Zechkumpane übrig ließen, au Arme ge
geben hat ! Wahrlich, wenn solche Gesinnun
gen „in jedem ächt amerikanischen Herzen lau
ten Widerhall finden," dann muß es gar wirr
und wüst in diesem Herzen aussehen. Und
leider ist an der Thatsache nicht zu zweifeln,
daß bei Hunderttaiiseiideii von Menschen im
Osten der Name Jim Fisk ebenso wie der
von Bill Tweed einen vortrefflichen Klang hat;
daß dort Lieder, wie das vorstehende, wirklich
und wahrhaftig mit Jubel aufgenommen wer
den. Brauchen wir in dieser Verbindung da
ran zu erinnern, daß in dem Geburtsorte
FiSk'S ihm umer allgemeinster Theilnahme
des „Volkes" ein Marmordenkmal errichtet
worden ist, kostbarer, als das manches großen
Vertreters des besten Wissens und Könnens
der Menschheit?
Es wäre ein schwerer Mißgriff, wenn man
die Bedeutung solcher Dinge unterschätzen
wollte. Das Wesen eines Volkes ist nach dem
der Männer zu beurtheilen, welche es als gro
ße bewundert, in denen es also nachahmungS
werthc Muster sieht. Und zu den, Voile ge
boren auch diejenigen Hunderttausende, welcye
über Gesinnungen, wie die in dem obigen
BänkeUicde ausgesprochenen, „in stürmischen
ausbrechen." Auf der einen Seite
die Vergötterung eines Bescher als eines Hei
ligcii, der nicht sündigen kann, auf der an
deren Seite die Verherrlichung eines Jim
FiSk im Volksliede: das sind keine erfreu
lichcn Merkmale für den Erforscher des See
lciiletieiis des amerikanischen Volkes.
Aür Nachricht für Seefahrer!
Z Anfang des Monats Oktober d. I. soll
vor der Weser ein Leuchtschiff N. W. mißwei
send circa 4 Seemeilen Entfernung von der
Weser-Schlüsseltomie in 22 bis 24 Meter (12
bis 13 englische Faden) Tiefe ausgelegt wer
den. Dasselbe wird den Kirchrhurm auf
Waugeroge s. 4 W. mißweisend 6,a0 See
Meilen und den Leuchtthurm auf Waugeroge
S. st O. mißweisend 7,i8 Seemeilen Entfer
nung peilend, auf ungefähr N.B. 53° 54',
O. L. 7° 49' vou Greeuwich geankert werden.
Das Schiff ist 40 Meter iu der Wasserlinie
lang, roth gemalt und an den Seiten zwi
schen den beiden vordersten Masten, sowie am
Bug und Heck mit weißen Buchstaben „W c-
Ie r" bezeichnet; es hat drei Pfahlmasten,
und ist der Vordermast 22,5 Bieter, der Mit
telmast 23, s Meter und der Hiiitermast
20, v Meter über dem Wasserspiegel erhaben
und wird dasselbe, wenn es auf seiner Sta
tion liegt, ain Tage auf den Spitzen dieser
Masten rothe, runde Körbe führen. Von
Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang wird
es an den drei Blasien in horizontaler Linie
drei feste weiße Feuer lLinsenapparatc 6rer
Ordnung) zeigen, welche bei klarer Luft acht
Seemeilen sichtbar sind. Nach geschehener
Auslegung wird die genauere Position des
s schiffes, sowie alles Nähere bekannt gemacht
z werden. Bremen, den 4. August 1874. Die
Deputation für die Häfen.
C.ages-Neuigkriteu.
l Man braucht Soldaten, wenn man cvm
' mandiren will, und willige Ercaiurcii zur
Willkürherrschaft. Als Graut 1869 zum er
! stm Male inauguriri wurde, bestand das B e
jamte 11 hcer aus 54,207 Köpfen. Nach dem
oft.'zielten Ausweise von 1873 leben derzeit
86,6.'v Beamten auf „Onkel Sam's" Unio
nen. Das macht also in vier Jahren eine
Zuiiahn.'e von 32,453 Beamten, oder nahezu
60 Prozent. Ist es da nicht reiner Hohn,
wenn man in allen republikanischen Plattfor
men die Sparsamkeit der Administration ge
lobhudclt findet, wenn republikanische Zei
tungen stets und immer wieder den von Grant
rcformirten Divildienst loben?
In Paris starb in den ersten Tagen des
September F.mu Julie Heine, die Mutter der
großen Bankiers Armand und Michel Heine
und Tante des Dichters Heinrich Heine, im 1
Alter von 84 J'ahren.
Eine schreckliche Familie-Tragödie
wird aus Norlh.Veron in Kentucky berichtet.
Ein in der Nähe des Platzes wohne.stder rei
cher Farmer, Namens Wilkinson, .hat drei
Söhne, die sich nicht vertragen konnten und
nie Frieden halten. Vor ungefähr acht Tagen
stahl einer von den Söhnen dem Vater j>'2B,-
000 in Bonds aus der Safe und entfloh. Am
Montag erfuhr man, daß der Dieb in Kan'as
sich anchatte. Einer der Brüder tclegraphine
dahin, den Dieb zu arrctiren. Als hie Poli
zei sich mit ihm auf dem Weg nach Hause be
geben wollte, jagte er sich eine Kugel durch den
Kopf und starb auf der Stelle. Tie beiden
Brüder in North-Vernon gericthen am Mitt
woch m Streit, indem der eine dem anderen
vorwarf, daß er den Selbstmord des Bruders
verursacht habe, indem er die Verhaftung des
selben veranlaßte. Der betreffende Bruder
ergriff in der Aufregung über diesen Vorwurf
eine Axt und schlug seinen Bruder zu Boden,
ihn lebensgefährlich verletzend. In derselben
Nacht wurde die Leiche des Bruders, der in
Kansas Selbstmord begangen, nach Hanse ge
bracht. Diese Familien-Tragödie har in der
Umgegend von 'North - Bernön große Aufre
gung hervorgerufen.
In Alle'ghcny slarli kürzlich ein alter
deutscher 'Zarbier, Namens Johann Wilh-'m
LeSkar (?), in großer Armuth. Das doriiqc
„Conimercial" erzählt ganz ernsthaft, und
andere Blätter drucken es ihm nach, daß Lcs
kar" einmal beinahe König von Sachjen ge
worden wäre. Er sei nämlich ein reicher und
ochstehender Mann gewesen und habe an der
Spitze einer Revolution gestanden, deren
Zweck gewesen sei, ihn aus den Thron ui
setzen. Die Revolution sei mißglückt. In
Folge Dessen seien Leskar's Güter confiscirt
worden, er sei nach Amerika geflohen und
Barbier geworden. Ein Bruder und ein
Sohn von ihm lebten noch in Deutschland,
aber er sei stets zu stolz gewesen, Unterstützun
gen von ihnen anzunehmen, oder es zu dul
den, daß sie eine Begnadigung erwirkten.
Einem amerikanischen Zeitungsschreiber
scheint man über europäische Verhältnisse das
Unsinnigste aufbinden zu können.
Der ungarischen Nation droht der
Berlust eines ihrer bedeutendsten Männer, in
dem aus Pesth berichtet wird, daß Franz Dcak
auf seinem Todlenbctte liegt. Teak, geboren
zu Kehida im Salzcr-Eomiiat am 17. Okto
ber 1803, studirte in Raab die Rechte und
wurde dann Advokat in seiner Heimarh. Auf
dem Landtage von 1832 bis 1836 wurde er
Führer der Opvosition, welche die Umwand
lung des Feudal in den Rechtsstaat anstrebte.
1839 bis 1846 sühne er die Versöhnung zwi
schen der Regierung und der Reformpartei
herbei. Unter seiner und Szalay's Ätztwir
kung kam der Entwurf eines Strafgesetzes für
Ungarn zu Stande. Nach den Märzereignij
sen 1848 war er Justiz,ninister im constitntio
nellen Ministerium des Grasen Ludwig Bat
thyany, wo er zur Organisation des Justiz
wesens sehr erheblich beitrug. Seit 1867, der
Wiederherstellung der Verfassung jenseits der
Lcitha, machte Dcak der Regierung nur selten
Seit 1869 ist er Vertreter
der Stadl Pesth. Die Tendenzen seiner Par
tei sind in ihm pcrsoulfizirt.
Nahe Enfi?ld, N.-C., hatte der Weiße
Joseph Brauch mit Gco. Daniel, einem far
bigen Vertreter deS Eountp's in der Staats
Gesetzgebung, einen Streit über das Besitz
recht eines Hundes. Brauch wurde zuletzt so
erbittert, daß er eine Flinte holte und Daniel
erschoß. Des Letzteren Frau versuchte, ihren
Mann nach Hause zu bringen, als Daniel den
tödtlichen Schuß abfeuerte. Daniel sowohl
wie Brauch waren zur Zeit betrunken.
Von Newark, N. J., wird mitgetheilt,
daß der Metzger Wm. Moore zu Spring-
Vallep neuerdings mehrere Stück Rindvieh j
durch Krankheit verlor. Ader anstatt die
Cadavcr zu vergraben, bereitete er das Fleisch
für den Markt; aber dabei gcrielh ihm etwas
Blut in eine kleine Handwunde, eine furcht
bare Anschwellung des Armes erfolgte und
wenige Tage nachher war der Mann eine
Leiche.
Fn Newark, N.-J., >ssieß die Wirthin
Sinclair den sich ungebührlich betragenden
D. Flynic ans die Straße. Dieser fiel und
erhielt eine so arge Kopfwunde, daß er bald
nachher mit Tode abging.
In New-Nork hat Strakosch' neue ita
lienische Oper am Montage in „Traviata"
ihr Debüt gemacht. Ueber die neue dramati
sehe Sängerin, Signora Bittoria Potentini,
sagt die „N.-A. Stsztg.": „Signora Bitto
ria Potentini ist eine Römerin von Geburt
und hat auch ihre hauptsächlichsten Studien
in Rom gemacht. Sie wollte sich zuerst zur
Pianistin ausbilden, aber da ihre Stimmmit
tel allgemein Anstehen erregten, so entschloß
sie sich, die Carriere einer Opernsängerin ein
zuschlagen. Ihr erstes Debüt machte sie im
Alter von achtzehn Jahren im Theater Victor
Emanuel in Turin. Später sang sie in Mai
land, an den bedeutenderen Theatern Grie
chenland's und in Spanien. In der Saison
1870—'71 sang sie mit Frl. Albani, die eben
falls von Strakosch für diese Saison gewon
nen worden ist, in Malta zusammen. Die
darauffolgende Saison brachic ihr ein ständi
ges Engagement an der Scala in Mailand,
wo man sie sehr hoch schätzte; dann ging sie
wieder nach Madrid. Die Dame singt nicht
nur die Hauprpartie'n des üblichen i'lalieni
schcn Opern-Repertoires, sondern ist auch in
den Opern Meycrbcer's, Halcvy's, Gounod's,
selbst in Wagner'jchen Werken, zu Hanse."
Die Cincinna tier treffen Vorbereitun
gen zu einem großen, dort vom 11. bis zum
l-t.Mai 1375 stattzufindenden Musikfcste Als
Dirigent wird Theodor Thomas genannt und
! das Programm umfaßt vier Abend- und drei
Rachmittags Conzerte. Die ausgezeichnet
sten Kräfte sollen für das Fest beschafft werden
und zur Aufführung kommen: Brahm's
„Triumph-Hymne;" Beethoven's Shmphonie
Rr. 7, Op. 32; Liszt's Musik zu Herder's
„ProcnetheuS;" Mendelssohn's Oratorium
„ElijS;" Brach's "K-c-euiKeat in Ii;"
Beethssen's Symphonie, Nr. 3, Op. 125;
Schnttert's Symphonie in v: Potpourri ans
Wagner's „Lohengrin," „Tannhäuscr" u.
s. w. Gesangvereine ans Nah und Fern sind
zur Theilnahme eingeladen und die „vollstän
digste, fe in Amerika versuchte Leistung," wird
venprochcn.
In New -S)0 rk hat, nach der republika
nischen „Times," ein „reicher Herr" 3250,000
aus seiner eigenen Tasche für den Wahlfond
beigesteuert. Der „Herr" muß viel Eisen
im Feuer haben, um so „liberal" zum Wahl
fond beizusteuern.
Präsident Gra 11 t schaute sich Montag
in der Wallstr. zu New-Aork um und machte
den HH. Morgan, Drexel 3c Co. eine Visite.
Eine Menge Waltstrceller umzingelte den Be
sucher mid brachte Hochs auf ihn ans. Grant
wird crftckftlich von den Finanziers >Gotham's
als ein großer Mann betrachtet.
In Cl 11 cinnati ist Hr. Gustav Mosler,
Chef der bekannten Goldspinden-Firma Mas
ter, Bakmann sc Co., im 58 Lebensjahrs am
Herzschlage gestorben. Der Verstorbene kam
1849 aus Hnltsehm, Preußen, nach den Ber.
Staaten.
In Chicago hatte die 17-jährige
ruie Müller wegen öfterer Mißhandlungen
das Haus ihres Stiefvaters Wilhelm Fischer
verlassen. Nun ging Fischer verschiedene
Mate zu dem Mädchen, um dasselbe zur Heim
kehr zu veranlassen, war jedoch erfolglos.
Wiederholt erschien Fischer bei Catharine,
aber auf's Nene erhielt er eine ablehnende Ant
,worl. Darüber gerieth Fischer in furchtbare
Wuth, er riß ein Taschenmesser heraus und
begann aus das arme, wehrlose Mädchen los
zustechen. Catharine laß auf ihrem Bette
und vermochte dem Rasenden gegenüber gar
Nichts zu thun, als um Hülfe zu rufen, wäh
rend es förmlich Stiche über sie regnete. Die
Acrmste wand sich unter de furchtbaren Stö
ßen winselnd hin und her; sie rollte endlich,
halb ohnmächtig schon, vom Bette herunter
mid versuchte, unter dasselbe zu kriechen, um
Schutz zu finden, aber umsonst. Der Unsin
nige zerrte sie wieder hervor und stieß von
Neuem auf sie ein. Ohne die Ldraft zu be
sitzen, sich ferner der blinden Wuth des Uli
menschen zu entziehen, lag das Mädchen am
Boden und noch immer stach der mörderische
Kerl auf dasselbe los, bis es sich nicht mehr
rührte. Einen letzten Blick aus den leblosen,
bliitüberströnileil Körper werfend, erhob sich
Fischer; er glaubte sein Werk vollendet, die
Stieftochter ermordet zu haben. Johann
Dencwald, der Gatte der Frau, bei welcher
Catharine Müller Wohnung gefunden, hatte
wohl das Hülserufeii derselben vernommen;
er war hinaufgeeilt zum Kämmerlein seiner
Micthcrin, er hatte die Thür geöffnet, aber,
selbst waffenlos, hatte er nicht gewagt, dem
Hülferuf zu entsprechen. Ungehindert verließ
daher Fischer das Haus, doch folgt ihm Dcne
ivald, von Jenem unbemerkt, nach und als er
gesehen, daß Fischer die Richtung nach seiner
eigenen Wohnung einschlug, eilte er nach der
Polizeistation an der Chicago-Avenue und
machte dort Anzeige von dem Borfalle. Poli
zist Alfter wurde beauftragt, den Thäter zu
verhasten. Fischer war wirklich ach feiner
Wohnung in der Hawthorne Avenue gegan
gen, als er dieselbe aber, wie natürlich, zu so
später Stunde verschlossen gefunden, so wandte
er sich um, eine andere Zuflucht zu suchen.
Er lies dem Polizisten, der ihm folgte, gerade
in die Hände. Dieser verhaftete ihn und
führte ihn zunächst feiner verwundeten Stief
tochter vor, d-e ihn vor Zeugen als Denjeni
gen rccognoszirte, der ihr die Messerstiche bei
gebracht hatttc. Mittlerweile war auch ein
Arzt geholt worden, welcher der Armen den
ersten Beistand leistete. Er hatte eine halbe
Stunde gebraucht, mir um den Sitz der Wun
den alle zu ermitteln. Vier derselben fanden
sich am Kopfe auf der schädcldecke, drei im
'Nacken, eine am rechten Arme, eine in der
rechten Achselhöhle, zwei am Imkcn Handknö
chel, eine an der Nase, eine am Unterleibe.
In der Angst und Verzweiflung halte das
Mädchen mtt der linken Hand in die Messer
klinge gegriffen, während diese so blitzschnell
und unbarmherzig auf sie hermederzückle und
drei ihrer Finger waren dabei bis aus den
Knochen durchgeschnitten. Alle diese Wun
den, sechszchn an der Zahl, wurden verbun
den und, wo es nöthig schien, zugenäht, doch
halten die Aerzte drei derselben für lebensge
fährlich. Fischer gilt für einen rohen, leiden
schaftlichen, sinnlichen Menschen und vor zwei
Jahren soll er bereits das Mädchen, welches
sich eben zur Jungfrau entfaltet, gezwungen
haben, sich seinen viehischen Lüsten zu unter
werfen. OffeWar war auch jetzt wieder sein
Verlangen, daß Eatharine in sein Haus zu
rückkehren sollte, von sinnlichem Verlangen
diilirt. Der Bösewicht ist jetzt in Haft, das
Mädchen aber wird schwerlich mit dem Leben
davonkommen.
Im „Belteoue-Hojpitale" zuNew - ?) ork
befand sich in den letzten Tagen der arme,
kranke und hülfSbedürstige Photograph Kunz
Wolowski. Montag Nacht schlich sich eerselbc
aus dem Krankenjaalc in den Garten und
sprang vom Pier am Fuße desselben in den
Fluß und ertrank. Die Leiche wurde aufge
fischt. Wolowski hinterläßt einen in Egg
Harbor-Eity wohnenden Bruder, Professor
Alexander PZolowski.
Telegraphisch) Tepcscheu.
Europäische Kabe!berichte.
Deutschland.
Bcrlln, 25. Septbr.—Das halbofsiziclle
„Bolksblatt" sagt, dänische Intriguen seien
thätig, um ganz Schleswig wieder an Däne
mark zu bringen; es sagt daß die Frage über
Nord-SchleSwig schon längst nicht mehr exi
sliren sollte.
Berlin, 30. Septbr.—Die deutsche Re
gierung beabsichtigt, in Pokohama ein Ma
rine-Hospital zu errichten.
London, 3V. Sept.— Eine Spezial-De
pesche aus Berlin an die „News" meldet, daß
Rußland in Unterhandlung mit Serrano ge
treten sei.
Berlin, 30. September. - Der deutsche
Reichstag wird sich am 10. Oktober verjam
meln.
Tie schleswiq'sche Krage.
Paris, 23. Sept. Die mögliche Er
neiirruiig der Schwierigkeiten hinsichtlich
Schleswig's erregt einiges Aufsehen in fran
zösijchcn politischen Kreisen; die Aussicht,
England und Rußland im Vereine ihren Ein
sluß auf preußischer Seite anwenden zu sehen,
um eine Würdigung des Vertrags zu erzie
len, wird mit hämi'cher Schadenfreude auf
genommen.
Königsberg, l. Oktbr.— 14 Personen
welche überführt worden sind, Theil an dem
Aufruhre in Quednan genommen zn haben,
wurden zu Gefängnißstrafen von 6 Monaten
bis zu 3 Jahren verurtheilt.
London, 2. Oktober, 6 Uhr Morgens.
Eine Depesche an die „Times" aus Berlin
enthält die Nachricht, daß Kaiser Wilhelm
ein Schreiben an den König von Italien ge
richtet hat, in welchem er sein Bedauern dar
über ausspricht, dast er nicht im Stande ist,
Rom im Herbste zu besuchen.
Oestreich.
Wien, 25. Septbr. Die Mitglieder
der östreichischen Polar - Expedition kamen
heute hier an. Sie wurden im Triumph
durch die Hauptstraßen geleitet, welche mit
Flaggen reich geschmückt waren; allenthalben
wurden die Forscher mit Enthusiasmus be
grüßt. Abends fand ihnen zu Ehren ein
Bankett statt.
Wien, 23. Septbr. Die östreichische
Regierung wird eine weitere Expedition nach
dem nördlichen Eismeere entsenden, um ans
zufinden, ob das von der soeben zurückgekehr
ten Expedition entdeckte Land um Juicl oder
eine Landzunge ist.
P e st, 26. Sept. Franz Denk, Ker be
rühmte ungarische Staatsmann, ist gestorben.
Schweiz-
Bern, 25. Septbr. Die Ver. Staaten
haben sich dem Postvereiue angeschlossen; des
. sin Delegaten sind im Stande, einförmiges
' Porto für alle Länder, welche die Union um
faßt, zu garantiren. Sollte üch England
wcigers, der Union beizutreten, in wird die
Post derselben zwischen Deutschland 'nid den
Per. Staaten nur in deutschen Schisien be
fördert werden.
Bern, 2g. Sept.-Alle europäischen Re
gierungen, die auf dem Post-Congresse vertre
ten waren, ausgenommen Frankreich, haben
ihre Delegaten instriiirt, die Convention unter
der Bedingung zu unterzeichnen, daß dieselbe
die Zustimmung der Ber. Staaten erhielte
und von diesen ratifizier würde. Frankreich
hat sich vorbehalten, vor der Unterzeichnung
dieselbe nochmals prüfen zu wollen.
Qiieenst 0 wn, 28. Septbr.—Unter den
Passagieren.des Dampfers „Ruisia," der ge
stern nach NtW-Ljork abfuhr, befand sich auch
die sänzerin AfiSson, welche nach Amerika
zurückkehrt, um hr berufsmäßiges Engage
ment für die Saison anzutreten.
London, 23. Sept. - Die „Mark-Lanc-
Expreß" sagt in ihrer Rkl'nc der Erndteans--
sichten, daß die kärglichen Regengüsse wohl
thätig für die Knollengewächse gewesen feien.
Hier hat es zu viel Regen gegeben, mindestens
für die Spät Kartoffeln, welche schon zn fau
lenangefangen haben, doch wird dies eine um
so größere Nachfrage nach den niederen Wai
zcnlorten zur Folge haben und einer weiteren
Herabsetzung der Preise derselben vorbeugen.
Das Gras besitzt ein Grün, wie es sonst nur
der Frühling zeigt, welches dem Landmanne
seinen Vorrath durch den Winter hindurch
zn bringen verhjzft, ungeachtet des Aussalles
in der diesjährigen Heu- und Stroherndte.
Der Waizenstand zeigt weder ein ermuthigen
des, noch ein Aussehen. Die
Presse sind in Frankreich uni einen Schilling
niedrigerer, aber sonst aus dem Contingent
unverändert, mit Ausnahme von Odessa, wo
sie fester sind, in der Hoffnung, daß die bessere
Qualität der Erndte auch bessere Preise erzie
len werde.
L 0 nd on, 29. Sept. Die jährliche Er
wo'hlnng des Lord -Mayors von London hat
heute stattgefunden. Aldcrman David Henry
Stone ist gewählt worden.
London, 30. Septbr. Keine weiteren
Nachrichten über den Dampfer „Faraday,"
der das direkte Kabel nach den Ver. Staaten
legt, sind eingegangen, als die durch den Ea
pitän des Dampfers „Algeria" gelieferten,
welcher bei seiner ain 22. d. M. erfolgten An
kunft in New-'lork von Liverpool berichtete,
baß er am 15. d. M. zwei Dampfschiffe, nach
Westen segelnd, gesehen habe, von denen er
glaubte, daß es der „Faraday" und das ihn
begleitende Schiff gewesen sei. Als der „Fa
raday" v'>n Gravcscnd abfuhr, nm sein Werk
des Kabell.'stcns zu beginnen, hatte er für
sechs Wochen.Kohlen am Bord. Die Aktien
der Gesellschaft c-er direkten Kabellegung ste
hen so hoch wie jei.uals.
London, 30. Septbr. ZZqland hat
sich dem internationafcii Postvereintz ange
schlossen.
Die „Post" sagt, daß si-benzehn Tonnen
Patronen für die Karlisten sfist zede Woche
Birmingham verlassen.
L do n, 30. Sept. Angustus Fre
derick Fitzgerald, Herzog von Leinstcr, ist todt;
e wurde 83 Jahre alt.
Loudo ii, 1. Oktbr. Eine von Copen
hagen an die „Morning Post" gerichtete
Depesche sagt, daß Rußland und England
einen vereinten Versuch machen würden, eine
Basis zur Lösung der schleswig'schen Frage
zu finden, die von Preußen wie von Däne
inark acccptirl werden würde.
London,!. Okt. Die Dpsr. „Tacia"
und „Ambassador" berichten, daß das Kabel
während eines heftigen Sturmes riß. Die
Schisse kehrten nach England zurück. Ter
Dauivier „Faraday" wird dieser Taae
folgen.
Kiankrcich.
Par iS, 28. Sept.—Tie Nachrichten über
den Ausfall der gestern in dem Departement
Maine et Loire stattgehabten Wahl zur Na
tional Versammlung lauten für De Maille,
den republikaiiischeuCaiididate, günstig, und
es ist sehr wahrscheinlich, daß er erwählt ist.
P aris, 23. Sept. Nachdem die Be
richte über die Wahl ui dem Departement
Maine et Loire vollständig eingegangen sind,
stellt sich heraus, daß de Maille, der republi
kanische Eandidat, mit einer Majorität von
3787 Stimmen gewählt ist. Dies Resultat
verursacht in den muiisterielen Kreisen viel
Kopfzerbrechen.
London, 29. scpt. Die Bevölkerung
von Bayoime weigert sich, an die deutschen
Kriegsschiffe Kohlen zu verkaufen, und die
Letzteren wollen nicht ui dun Hafen einlaufen,
weil sie fürchten, der AnlaP zu Ruhestörun
gen zu werden.
Pari s, 29. Sept. Es wird berichtet,
daß in einer Minister - Sitzung der Beschluß
gesaßt worden ist, die Gemahlin von Don
Carlos zu ersuchen, die französische Grenze
sofort zu verlassen.
London, 30. Sept. Der „Standard"
sagt, daß,n Paris das Gerücht im Umlauf
fei, daß der Herzog von Brogtie, der frühere
Premier-Minister, wieber in das Cabinel ein
treten würde.
Spanien.
London, 25. Sept. Es wird jetzt be
stätigt, daß der Czar einen Brief voll herzli
cher Sympathie an Don Carlos geschrieben
hat. Dieses Schreiben wurde bisher in Bcr
tin abgeleugnet, man muß aber zetzt dessen
Existenz zugestehen. Der Brief wurde ge
schrieben als Antwort auf ein Dankschreiben
des Don Carlos an den Ezaren,weil derselbe
sich geweigert, die Regierung Serrano's an
zuerkennen.
Madrid, 26. Sept. Der Fluß Legre,
welcher die Provinz Lerida durchströmt, ist
aus den Ufern getreten und hat große Verluste
an Eigenthum und Menschenleben zur Folge
gehabt. In dem Städtchen Ternza, 25
Meilen nordöstlich von der StadtLenda, wur
den zweihundert Häuser von den Fluthen
hlnweggerissen und viele Personen ertranken.
Es wird berichtet, daß dem Corresponden
ten der „Kreuz - Zeitung" von den Äarlisten
gedroht woxdea sei, ihn zu erschießen, wenn
er in ihre Gewalt fiele.
Italien.
N o m, 27. Septbr. Der Elna ist noch
immer in groger Aufregung. Beständig don
nert es in dein Berge und gestern wurde der
selbe durch ein Erdbeben gewaltig erschüttert.
Die Erdstöße zerstörten in dem Dorfe Ran
douzza mehrere Häuser.
Rom, 23. Sept.—Eine Spezial Depesche
von Rom an die Londoner „Post" sagt, daß
der französische Gesandte dem Papste einen
Brief MacMahon's überreicht habe, in wel
chem die Zurückziehung des Kriegsschisses
„Trerioque" aus dem Hafen von Eivlta
Becchia angekündigt wird.
Zttlkttd,Depeschen.
Der Statt? ver NationalscNuld.
Washington, 1. Okt. Der heute ver
öffentlichte Bericht des Schatzamtes über den
Stand der Nationalichuld gibt folgenden Aus
weis: Mit Gold zu verzinsen sind §1,72t,-
223,800; mit Courant werden verzins't §14,-
078,000; die Schuld, auf welche die Jnteres
senzahlung aufgehört hat, beträgt §6,457,
710.26. Die Cirkulation von Papiergeld be
fällst sich auf §5ii,572,026.41. Die Ge
sammtschuld beläuft sich auf K 2,256,937,556.-
67; aufgelaufene Zinsen 32,631,177.87. Die
Baarvorräthe im Schabamte betragen §143,-
875,518.22. Darunter sind §77,409,677.85
in Gold. Die Schuld wurde im letzten
Monate um 8436,417.92 vermindert.
Präsident Grcun nebst Gemahlin
in Gefahr.
Washington, 1. Okt.—Auf dem Wege
zur St. Aloysius - Kirche, in welcher die
Trauung des Fränl. Sherman mit Hrn.
Fitch stattfinden sollte, scheuten nahe der 8.
Straße und 'New - Port - Avenue die vor der
Kutsche des Präsidenten gespannten Pferde
und liefen davon. Die Klitsche enthielt Prä
sidcnt Graut nebst Gemahlin und den Ber.
Si. Distrikts - Marschall Sharpe nebst Ge
mahlin.
Ter Kutscher hatte Geistesgegenwart genug
und lenkte sofort über das Trottoir in den
Park, in welchem sie mit Wuth umhcrrastcn
bis ihnen endlich die eiserne Kette, welche den
Park absperrte, Halt gebot. A per Kette
stürzte eins der Pferde und die Kulsche stand
still. Der Präsident und Frau Grant stiegen
rasch aus und cS gelang dem Präsidenten mit
Hülse des Kutschers die scheuen Thiere zu be
ruhigen. Als dieses geschehen war, beschloß
die Gesellschaft, da der Wagen arg beschädigt
war, ihre Kirchfahrt in einein Stadtbahnwä
gen fortzusetzen und stieg in einen Waggon
der „Columbia Stadtbahn-Comp.," welcher
sie noch zur rechten Zeit an die Kirche brachte.
Eins der Pferde des Präsidenten wurde
leicht verletzt.
/Eine Hochzeit in „ttolicn reisen."
Trauung des ssräul. Minute
-ving Tlicrman, Tochter des
(Sei,. Shcrman, mit .Hrn. W.
?ritch vom Klotten
orps. tleine imposante <se
rcmouie.
Washin g to n, I. Okt. Heute Mar'
gen II Uhr fand in der Kirche zum h. Aloy
suis, Nordwest Ecke der North-Capilal- und
I-Straße, dieVerniählnng des Fräiil.Minnie
EwingSherman, Tochter ocS Generals Slicr
! MM, und des Hrn. Thomas W. Fitch, vom
! der BnndeSsloltc, statt. Die
Heiraths-Geremonie'n ivurden von dem Hoch
w'sten Erzbischvi I. B. PnrceU von Einem
nali, einem persönlichen Freunde der Frau
Shcrinan, auf besonder-s Ersuchen der Fa
milie des Generals, vollzogen. Die Kirche, die
fiir nahezu 2t)W Personen Sitze hat, war ge
drängt voll, da an eine ebenso große Zahl
Entladungen ergangen waren. Unter den
Gästcii befand sich der Präsident, die äugen
bliiAich hier anwesenden Mitglieder des Ca
b.'nets, die Mitglieder des diplomatischen
Eo. vs, die hohen Offiziere der Armee und der
Marine, hervorragende Bürger, die beinahe
alle in Begleitung pon Damen erschienen wa
ren. Die Zahl der n; niesenden 'Notabilitäten
überragte Alles, was be> ähnlichen Gelegen
heiten je in hiesiger Stadt gesehen wurde. 'Nach
den Bermählnngs-Ccremonie k wurde die
Hochzcits-Messe durch den Hochw sten Erz
b'schof, unter Ässistei; einer großen Anzahl
hoher geistlicher celebrirt. Es
war nn? die Ab sin gang en -r kleinen Messe
angesagt morden, aber die lange Dauer der
Handlung nölNigte den Kirchenchor, die große
Messe in ei von zu singen.
Brautjungfern iE aren: Frl. Lizzie und Ella
Sherman, die Braut; Frl.
PhillivS von Ciiieiniiati'! Foi. Fanny March,
Tochter des BundeS-Gcn'rals H'/zrcy; Frl.
Alice Bartley von Washington; Fat, Plario
Patterson von St. Louis; .Fräulein Ella
Ewmg und Frl. Bessie Smith von Eiucip
nati. Als Brautführer snngirteil die HH.
Ehas Nae vom Ingenieur-Corps; Lieutenant
Huntcr, Zahlmeister Eochran, Edwin Wells
vom Ingeuitnr-Eorps und Lieutenant Wood
von der Flot'e; Lieutenant Rüssel vom Ma-
rine-Corps; Thomas E. Sherman, Bruder
der Braut, und Galvin vott Boston. Das
Brautgcsolge betrat in folgender Ordnim, die
Kirche: Licut. Wood und Frl. Ella-?herman:
Lieut. Ruffel und Frl. Bcssie Smith: S-dwin
Wells und Frl. Ella Ewing; Thomao E.
Sherman und Frl. Marie Pattersou; HC-
Galvin und Frl. Alice Bartley; Zahlmeister
Cochran und Frl. Fanny Marcy; Lieutenant
Hmttcr und Frl. Philipps; Chs. Rae und
Frl. Lizzie Sherman; die Braut, auf den Arm
ihres Vaters gelehnt. Ter Bräutigam be
fand sich während dessen in der Sakristrei, in
der Nähe der Thüre, welche zum Sank
tuarium führt. Sobald der Brautzug sich
dem Altar näherte, durchschritt er, aus den
Arm des Generals Hngh Ewing, des Bruders
der Frl. Sherman, gelehnt, das Sanktua
riuni, wo er an der entgegengesetzten Thüre
desselben mit der Braut zusammentraf. Hier
empfing er dieselbe aus den Händen ihres
Baters, worauf der ganze Zug sich deut Fuße
des Altars näherte und dafeibst niederkniete.
Während der Zug sich durch das Schiff der
Kirche bewegte, spielte die Orgel den Men
delssohn'scheii „Hochzeitsmalsch." Dem Braut
zuge voraus war Frau General Sherman
mit ihrem Bruder, dem Richter P. B.Ewing,
General I. C. Ewing, Senator Sherman,
Richter Bartley und dem Obersten Monlton
schon in die Kirche eingetreten.
Nachdem soweit Alles geordnet war, trat
der Hochw'ste Hr. Erzbischöf aus der Sakristei
Cor den Altar, die Mitra aus dem Haupte
und den Hirtcnstab in der Hand, und las
einen Abschnitt aus der h. Schrift über das
H.Sakramc.BderEhevor. Uebergab dann das j
Buch einem der ftisistirendcii Priester und hielt !
eine kleine Anreve an die Versammelten, in !
welcher er bemerkte, daß nie zuvor eine
TraunngS-Ceremonie unter solchen glänzen-
den Umständen in 'den Vereinigten Staaten
stattgefunden habe, da unter den Anwesenden
die hervorragendsten Männer dieser großen
Republik, der größten Nation der älteren wie
der neueren Zeit, sich befänden. Hier sei der
Vater der Braut gegenwärtig, der als soldat
sich einen so großen Namen erworben und der
so innig seinem Vaterlande ergeben sei. Hier
befänden sich andere tapfere Offiziere und Ge
neräle, die sich die Bewunderung und die Ach
tung aller Nationen der Erde errungen haben. >
Dann auf die Heiligkeit der Ehe übergehend, !
jagt- er, daß, wenn man heute die inner sol !
che Auspizien und Zeugen zu schließende Ehe
betrachtet, dann sollte man glauben, daß Gott
der Allmächtige dieselbe segnen werde. Ueber ! j
die Familie der Braut sprechend, wies er niii ! -
die ehrenvollen Charaklerzüge der Großeltern j j
derselben, des Richters Ewing und seiner >
Frau, hin. In Bezug auf die Speiidung !
des Sakramentes der Ehe betonte der Hoch j x
w'sle Hr. Erzbischos besonders, daß die Ehe, ;
im Wesentlichen eine religiöse Handlung und ;
keineswegs bloß ein kaufmännischer Coulrak. !
sei, wcßhalb der Erlöser der Welt dieselbe auch -
zu einem Sakramente erhoben habe. Er sprach ;
dann der ganzen Versammlung seinen Tank
aus für die musterhaft bewahrte Drdnung,
durch welche er die Achtung vor dem Hause
Gottes und des hier anwesenden göttlichen
Heilandes, sowie gegen Se. Excellenz, den
Präsidenten der Vereinigten Staaten, und
gegen die Brautleute zn erkennen glaubte.
Hierauf trat der Crzbsschof an den Altar,
um die Heiraths-Eeremonie'n nach römisch
katholischem Ritus vorzunehmen. Nachdem
er von Seiten der Angehörigen der Brautleute
deren Einwilligung zu der Heirath und von
Letzteren das Gelöbniß der Treue empfangen,
erklärte er sie für Mann und Frau, löste den
Brautring von dein Finger des Bräutigams
und steckte ihn an den Finger der Braut. Hie
rauf folgten noch die übliche Gebete und die
Trauung war vollzogen.
Sodann fand die Celebrirnng der Hoch
zeitsmesse durch den Hochw'stenHr. Erzbischos
statt unter Assistenz des Hochw. Vaters Healy,
des Präsidenten des Georgctown-Colleg's;
des Hochw. VaterS Mooney von Brooklyn,
Pastor der Kirche, welcher der Bräutigam au
gehört; des Hochw. BatcrS Maguire, Pastors,
und des Hochw. Vaters Jamison, Hülfs-
Pastors der St. Aloysius Kirche. Die Messe
wurde ganz in der nämlichen Weise gefeiert,
wie alltäglich, mit Ausnahme, daß nach dem
„Pater Unser" der Erzbischos, als er auf der
linken Seite des Allars die Epistel las, sich
dem neuvermählten Paare zuwendete, und
Gebete für dasselbe darbrachte.
Nach dem Schlüsse der Messe ertheilte der
Erzbischos den Segen und die Ceremonie er
reichte ihr Ende. Bischof Wood von Phila
delphia, begleitet von dem Hochw. Vater
Boyte von St. PeterS, hatte einen siv zur
Rechten des Altars.
Erzbischos Baqley wurde zur Feier erwar
tet, sah sich aber genöthigt, wegen Unwohl
seinS sein Nichterscheinen zu entschuldigen.
Statt dessen sandte er seinen Segen und her;
lichc Glückwünsche.
Die Braut trug ein wcißseideneS, mit seid
ner Tülle und Oraiigenblumen besetztes Lileid,
sowie Perlenschmuck. Die Brautjungfern
waren ähnlich gekleidet, mit dem Unterschiede,
daß abwechselnd ihre Roben mit rothen und
blauen Blumen (die Nationalfarben) verziert
waren. Bei der Ankunft in der Kirche traten
die „Blauen" zur rechten, die „Rothen" zur
linken Seite de Sanktuariums.
Bräutigam und Brautführer trugen, nnt
Ausnahme der HH. THS. Sherman und Gil-
Pin, volle Uniform; Letztere erschienen in
schwarzem Fracke.
Als der Brautzug die Kirche verließ, trug
der Organist den Krönuiigsmarsch ans dem
„Propheten" vor.
Das neu - verehelichte Paar reis'te heute
Abend von 'New - Uork nach dem Westen ab
und gedenkt am zukünftigen Wohnorte, St.
Louis, am l. Novbr. einzutreffen. In Brook
lyn wird Mad. Fitch, die Mutler des Bräu
tigams, das junge Paar, in Lancaster, Ohio,
dort wohnende Verwandte der Mad. Genera
lin Shcrman bewirthen.
Der Blumenschmuck der Kirche war über
ans reich und geschmackvoll. Die Altäre der
„Gebenedeiten Jungfrau" und „St. Jo
ievh" waren mit Blumen und Zicrqewächsen
dekorirt. "
Die sich vor der Kirche drängende Menschen
menge war so groß, daß der Eintritt zurKirchc
erst nach 15—20 Minuten bewerkstelligt wer
den konnte.
-'P der Kirche selbst waren die Frontsitze zur
Rechten für die Familie und zur Linken für
den Präfideitteii und das Cabinet reservirt.
Hinter den Stüylcn des Gen. Shermau saß
der Stab des Lctztern.
der Präsident in Folge des (an anderer
Stelle uittcrs heutigen Blattes gemeldeten)
Unfalls verspätet eintraf und die Trauungs-
Ccrcnionie bereits begonnen hatte, so ging er
mit seiner Begleitung durch einen der Sciten
gängc zum Altare und nahm nahe demselben
einen Sitz ein. Senator Sherman nahm
den Präsidenten wahr, als er eintrat, ging
fosort zu ihm, gab Mad.Grant einen Sitz in
seinem Stuhle und machte selbst dem Präsi
denten Platz. Tic Hälfte der Kirche war mit
eingeladenen Gästen, der übrige Theil mit
dem großen Publikum angefüllt. Die Kirche
war zum Erdrücken voll.
Nach der Feier fuhr das Paar nach Gen.
Sherman's Wohnung und nahm von I—4
klhr im hintern Parlor den Besuch gratuliren
der Freunde entgegen, während Gen. und
M id. Shcrman die Gäste im Border-Parlor
empfingen.
Das MusikcorpS des Marine-CorpS spielte
während der Empfangsfeierlichkeit. Nach
der Begrüßung des fungen Paares besuchten
die meinen Gäste die nebenangelegene Woh
nung des Gehütfs - General - Postmeisters
Nouil, wo ein Bankert der Besucher harrte.
Tic Tafel, 40 Fuß lang, trug lOWCouvcrte.
Trotz des zahlreichen Zuspruches fand kein
unangenehmes Gedränge statt. Gen. Sher
nian's Haus war hübsch mir Blumen, Zier
pflanzen u. s. w. geschmückt und einem Fecn
tempcl nicht unähnlich. Der Hochzcitskuchen,
welcher die Tafel zierte, war 7 Fuß hoch.
Tie Brautgeschenke waren im BibliothekS
zimmer ausgestellr und bestanden ans pracht
vollen Schweizer, französischen und amerika
nischen Standuhren, Spieluhren, Juwelen
allerhand Llrt, nicht weniger als 26 Dutzend
silberner Löffel, Basen, Tassen, Servietten-
Ringen, Tischbcstccken, meistens aus Silber,
aber auch einige ans Gold, Gemälden, Escre
toires, illustrirlen Büchern, einer ReihePrachl
möbcl, Spitzen - Taschentüchern und anderen
schönen u. nützlichen Artikeln für den zukünfti
gen Haushalt. Tie Gescheute wurden sorg
sam inspizrrt und das allgemeine Gutachten
ging dahin, daß eine prachtvollere Auswahl
von Hochzeitsgeschenken wohl nie zuvor in die
sem Lande geichen worden.
General Bntler gibt 'Ausschluss
über seinen kürzlich enthüllten
Briefwechsel mit Gonverncnr
Kellogg.
Boston, Mass., 29. Sept.—Gen. But
ler mgte einem, ihn in Bezug ans seinen an
Gouverneur ötellogg von Louisiana gerichteten
Brief ansforicheuden Reporter erwa Folgen
des : Zur Zeit der Eröffnung des Eongresses
im Jahre 1872 legte die Partei, welche Mc-
Encry in Louisiana repräscntirt, eine Peti
tion vor, um dadurch einen Befehl des
höchsten amerikanischen Gerichtshofes zu
erwirken, welcher Kellogg an der Besitzcrgrei
füttg des Gouverneurs-Amtcs und zugleich
den Richter Dnrell, wie ich mich erinnere,
verhindern sollte, am hiesigen Gerichte wei
tem Schritte ul ticsir Angelegenheit zu thun.
Ich wo? als Anwalt bestellt, um gegen einen
solchen P'lchsbittvbesehl zu wirken. Ich
bcnachnchttgte oie Herren, die sich an mich
gewandt hotten, daß kein solcher Befehl aus
gegeben und keiik solcher Rechtsspruch erlassen
werden röimx.. da besagte Angelegenheit ein
zig und olrem' eine Gefttzcsfragc sei. Ich
sagte liMii, ich wollte als Anwalt Kcllogg's
auftreten, welcher an mich, als an feinen
persönlichen Freund, geschrieben, und mich
gebeten habe, für ihn zn wttken. Ich
empfahl auch, Hrn. Caleb Eushing mir als
Betend zfi geben und ihm die Führung in
der Angelegenheit zu übertragen. Ich be
rieth im.ch "denn iech mit Eushmg und mit
den andere,'! Herren Ms Louisiana, welche
der Sache Kellogg' zitt,e'hau waren. Der
Fall wurde also ansgearbettet und der Ge
richtshof entschied nach mem.mi Antrage.
Das Alles geschah, bevor ich wußte, daß die
Sache auch vor dem Congresse verhandelt
würde. Ais sie aber hier zur Sprache kam,
überzeugte mich, daß keine gehörige Prü
fung der Berich. ' noä> ""e gcsetzniäßigeZäh
liing oer abgegebenen stimmen stattgefunden
habe. Irr c.iier Rede, >.ch sagte
ich, daß beide Wahlen umstoßen werden
müßten. ''
General Butler fährt dann fort:"
der Vertagung des Coiigreffes schrieb 1.
Kellogg und bat um Eiiisenoung meiner G. '
bahren für die Dienste, welche, wie ich dächte, >
ich seiner sachc geleistet hätte. Kellogg
sagte m seiner Erwiederung darauf, daß dies
Alles nur eine persönliche Angelegenheit von
ihm gewesen sei, daß er große Ausgaben zu
machen habe und bat mich, ihn m dieser Äu
gelegenheii zu berücksichtigen, einen Wechsel
von §lOOO beifügend. Das ist Alles, was
ich erhalten habe."
Äcrurtftcilnng elnds Mörders zum
Katlzctt.
B 0 st 0 n , Mass., 30. Sept. Eine De
pesche von Thameston, Maine, sagt, daß
Lauis Wagner, der notorische Mörder von
der Jsle Shoals verurlheilt worden ist,
am letzten Freitag im MonatJanuarqehänqt
zu werden.
GitteSchitssaftaire in Goittteeticut.
Hartford, Eoim., 30. Sepi. John
Morgan wurde am Montag zu Middleburg
von ManSsield Stone geschossen und gefähr
lich verwundet.
Gin Lievcsvcrfiättttifi zwischen ei
net vcrlicirathcten Lhordiri
genten UV einer jnngen Chor
sängerin.
! Porll au d. Me., 29. Sept.- Der Chor-
sichrer eines benachbarten Dorfes batte sich
5 so sehr in ein junges Mädchen, das im Chore
i sang, verliebt, daß er seine Frau unaussteh-
I lich fand, sie schlecht behandelte und zuweilen
auch schlug. Das innige Verhältniß zwischen
dem Manne und dem Mädchen wurde zum
Torsgespräch. Verflossene Woche träumte der
Frau, daß i einem gewissen Köster in der
Dachkammer Briefe verborgen seien, die ihr
Ausschluß über die Angelegenheit gäben. Sie
setzte sich diesen Traum so sehr in den Kopf,
daß sie am nächsten Morgen nach derKammcr
eilte, um sich Gewißheit zu verschaffen, und
richtig, der Koffer enthielt die von Seiten des
Mädchens geschriebcneiißriefc, welche ihr das
ganze traurige Verhältniß enthüllten. Sie
eilte sofort zur Mutter de Mädchens,
deckte derselben das Verhältniß ihres Mannes
zu deren Tochter, und eine Untersuchung in
der Letzteren Zimmer führte zur Entdeckung
der Briefe von Seiten des Mannes, worin
bereits der nächste Tonncrstag Abend zur
Flucht aiigesept mar. Das niedcrgeschmet
terte Weib will eine Ehescheidniigs-Klage ge
gen ihren treulosen Mann einreichen.
Grosser Vroud in Zaratog, N.-
N. Das „Grand -.Hotel steht
in F-lnnnrn.
Saraloga, N. ?).. I. Okt., l Uhr
Nachm.—Heute Morgen um 11 Uhr brach in
dem Südfttigcl des „Grand - HolclS" Feuer
aus. Dasselbe griff mil rasender Dchnestig.
teil nm sich und hat in diesem Augenblick be
reits den Bordertheil des Gebäudes erreicht.
Das Fener - Departement arbeitet verzweifelt
und man hegt die, allerdings schwache, Hoff
nung, den West-Flügel an der Eongreßstr.
und einen Theil des Vordcrgebäudcs retten
zu könne. Das ncbenan-gelegene „Colum
bian Hotel" und die Ställe des „National."
und „Grand-Union-Hotels" sind in Gefahr.
14 Uhr Nachm. Ter Vordcrthett des
„Grand - Hotels" sieht jetzt in Flammen und
das Schicksal des ganzen Gebäudes ist besie
gelt. Ein starker Westwind weht und man
macht verzweifelte Anstrengungen, um das
„Grand - Union-Hotel," welches in Gefahr
schwebt, zu retten. Man hat nach Auswärts
um Hülse telegraphier.
(Weiteres.) Nachmittags uin 2 Uhr 35
Mni. Man hat das Feuer, das sich aus das
„Grand-HoteG beschränkte, bemeistert. „Un
ion," „Eongreß," „Eoluinbian" und „Natio
nal" sind außer Gefahr.
Das etzt.
Saratoga. i. Oktbr.—Den Bestrebnil
gen der Feuerwehr ist es gelungen, das
„Grand Union" und das „Eongreß - sdotel"
unversehrt zu erhalten. Ter Ursprung des
Feuers ist noch immer ein Geheimniß. Das
selbe begann am Nordende des südlichen Flü
gels im obere Stockwerke und man kann
Mcht in Erfahrung bringen, daß sich irgend
Jemand in jenem Theile des Gebäudes be
Nr. 40
> d'w Ansicht, daß das Feuer
absichtlich angelegt wurde. Daß die Haupt-
Hotels der Gefahr entgingen, wird für ein
wahres Wunder angeschen. Der Wind wehte
mit Sturmcswuth und trieb beständig einen
Schauer brennender Funken auf die Dächer
der Hotels „Grand lluion" und „Congreß."
Einmal, gegen Mittag, hatte die Feuer
, wehr die Flammen ziemlich unter Controle
i und man glaubte, es sei gelungen, das Feuer
! auf den südlichen Flügel zu beschränken, plötz-
lich aber brachen die Flammen aus dem
Thurme des mittleren Baues heraus und nö
thigten die Feuerwehr, das Gebäude zu ver
lassen. Die Flammen griffen raich um sich
und zeigten sich als unwiderstehlich. Wäh
rend der ganzen Zeit schien die Zerstörung der
beiden anderen Hotels eine ausgemachte Thal
sache zn sein; Plötzlich aber sprang der Wind
gen Süden um und dieFlammcn wurden dem
Congreß-Parkc zugetrieben.
Mehrcrc Male brannten die Dächer und
Fensterbckleidungen der Hotels „Grand Un
ion" und „Congreß," doch den übermensch
lichen Anstrengungen der Feuerwehr gelang
eS immer wieder, den Brand zu löschen. So
bald der Wind sich gedreht hatte, gelang es,
die Flammen wieder zu bewältigen.
Eine Zeitlang wollte es scheinen, als ob die
Zerstörung des halben Badeortes unvermeid
lich sei und nach allcnSeiien wurde um Hülfe
lelegraphirt, Troy und White Hall schickten
ihre Spritzen; ebcnio Rallston.
Das „Grand-Hotel" ist gänzlich zerstört.
Das Gebäude war §300,000 werth und ist
zu §200,000 versichert. Die Möbeln und d>e
Ausstattung waren für etwa §65,000 vcrsi
chert.
vi britischer National-Ockonom
über den amerikanischen <son
rant.
New -S) ork, 30. Septbr. Die „Tri
büne" wird morgen eine lange Unterredung
eines ihrer Vertreter mit Bonamy Price, dem
berühmten Professor der National Ockonomie
an der Universität von Oxford, publiziren.
Der Professor hält den amerikanischen Eon
rant für miserable schlecht und meint, es könne
dem Lande nur ein Schritt zum Heile gerei
chen, nämlich die Beseitigung des uncoiiver
tirbaren Papiergeldes. Der Schatzamtssckre
tär McCiilloch habe die richtige Politik ver
folgt und sein Beispiel sollte Nachahmung
finden. Der einzigx Zweck des Courants sei,
als Tauschmittcl zu dienen; wenn ein Cou
rant durchaus convcrtirbar sei, so sei es nicht
nothwendig, daß die Regierung eine bedeu
tende Quantität Gold an Hand halte, vor
ausgesetzt, der Couram sei aus einer sicheren
Quelle, dann werde das Publikum nicht nach
Gold fragen, sondern viel lieber mit dem Pa
piere verkehren.
Auf die Frage, warum die Regierung keine
eonvertirbare Noten ausgebe? antmoriete der
Professor, daß man den Präsidenten der Ber.
Staaten nichr vor ein Bankerottgericht stellen
könne, wie die Direktoren der Bank von Eng
land. Man kann sich nicht verlassen aus
einen convcrtirbaren Courant in den Händen
! einer politischen Partei. Der Professor ist der
Ansicht, daß die mittelbare Agentur einer Pn
vat Corporation am Besten sei, um der Na
tion einen soliden Courant zu geben.
Todtschlag in New-Jicrsc.
New ark, N. 1., 29. Sept. Edward
Kelly tödletc in vergangener Nacht während
eines Streites den somenik Flynn. Kelln ist
verhaftet.
Gin neuer tirchti,-Skandal.
Jersey-Eity, N.-J., 1. Okt. Noch
ein Kirchen-Skandal hat sich hier zugetragen.
Der Pfarrer Walter W. Hainmond von' der
Bergen - Baptisten - Kirche in der Madison-
Avenue wurde von den Kirchen-Vorstehern
aufgefordert, zu resignireii. Dienstag Abend
fand eine sehr stürmische Sitzung der Kirchen-
Vorsteher statt. In derselben hatten gewisse
Vorsteher den Pastor eines unlauteren und
schändlichen Betragens angeklagt und zugleich
eine schon geschriebene Resolution vorgelegt,
worin der Pastor zur Resignation aufgefordert
wird. Der Pastor vertheidigte sich selbst,
wurde aber von dein Vorsitzenden mit dem
Rufe unterbrochen: „Sie sind em Lügner,"
worauf die größte Verwirrung entstand. Ham
mond bat, ihm eine kurze Probezeit zu bewil
ligen, er wolle versuchen, sich zu bessern, und
iührtc als hauptsächliche Enlichnldigung seine
Jugend a. seine Anilsentscyung sei sein
Ruin, besonders da sein Salair größientheils
noch li Rückstände sei. Die Versammlung
vertagte sich mitten in der Verwii-rung. Es
ist wahrscheinlich, daß die Kirchen-Vorsteher
dem Pastor die Thüren der Kirche verschließen
werden.
Giscttbahtt-Nnalück in Pcnnstjl
vanien.
Piltsbnrg, Peuns., 30. Sept. Gegen
Mittag fand heute drei und eine halbe Mette
östlich von New-Bclhlehem, Penris., zwischen
einem östlich fahrenden Postzuge und einem
westlich fahrenden Frachtznge em Zusammen
stoß statt. James Esler, der Maschinist, der
Heizer M. Killten und ein Passagier, Naineus
H. Doyle, sämmtlich von dem Postzuge, wur
den sofort getödtet; Henry House, em Expreß
Bote, I. I. Farr, der Gcpäckmeister, John
! Brown, ein Zeitungsjunge und der Passagier
John Garrison wurden schwer verwundet.
Der Gcpäckmaggon, in welchem sich das Ge
päck, die Post und die Expreßsachen befanden,
verbrannte. Das Unglück wurde durch den
Telegraphen-Beamten ;n Bethlehem verschick
det, welcher es versäumt hatte, den Passazier
zng aus das Nebengelcise zu dirigiren, bis der
' Frachlzug vorüber war.
, "Haftung zweier Generäle in
-Lirgiuie,.
.. . 'l. Va-, l, O'tbr. Einer telc
< Glicht von Richmond zufolge
gravhttcheii Nm Vftd noch zu spätere limd
stellte Mayorszhile., - Perhaftsbefehle gegci!
m vergangener Nach. -„„g Vmdlei. F,
die Generäle Wm. Maho... tziZ.ffbcn d
Jolmion au, und zwar, . . '
Absicht hatten, sich zu dueltt. '
wurde in seinem Hstei verhaftet n,„^
310,000 Sichcrbelt si-ftlen, daß er für ein Jabr
Frieden halten werde. Oberst Walter, H.
Taylor, R. E. T aylor und B. H. Loyall
wuldeil feine Bürgen. Johi'Sii wurde nicht
aufgefunden.
Schreckliches Familien-Drama.
C i cl 11 iiati, 30. Sept. Feau Julia
Pcrkins, die Gattin des Charles L. Perkins
von hier, schnitt ihrem dreijährigen Töchter
che die Keble ab und brachte sich selbst eine
schlimme Wunde bei. Eheliche Untreue ihres
Mannes soll die Ursache gewesen sein.
Vermischte Berichte.
Das Cannstattcr Volksfest kam am Mon
tage inP hi l a del ph i a zum Schlüsse. Am
letzten Festtage wurden, wie der „Phil. Dem."
meldet, für nicht weniger als §l5OO Saue'
raitt verkauft.
In Ehester, Peuns., ward eine Frau
vor das Gericht gebracht, welche den Gottes
dienst dadurch gestört hatte, daß sie fortwäh
rend mit großem Geräusche 'Nüsse knackte,
sie war gebeten worden, dies zu unterlassen,
haltender geantwortet, das Knacken von Nüs
sen gehöre zu den unveräußerlichen Menschen
rechten freier Amerikanerinnen. Der Richter
schien diese Ansicht zu theilen, denn er sprach
sie frei.
Das Pils e n er Aktien - B i e r ist cour
kähig geworden. Wiener Blätter berichten,
daß Kaiser Franz Joseph sich nach dem zwei
ten Gange des in Pilsen eingenommenen De
jcniiers durch eine Deputation der dortigen
Allienbraucrei Bier dieses Etablissements eie-
dcnzcn ließ, über dessen Qualität er sich in
anerkennendster Weise äußerte. Auch das
kaiicrliche Gefolge zollte dem goldvcrklärtcn
Pilsener Naß, das bis zum Schlüsse des
Mahles Taselgetränk blieb, den vollsten Bei
sall.
Ein Herr Haiitmiille in Paris vergiftete
nch neulich mit Slrqchnin. Er halte dasselbe
im 1370 gekaust und wollte damit den
Wein vergüten, den er in seinem Landhavse
zurückließ, damit die Preußen stürben, wenn
!ie davon tränken. Durch das schnelle Vor
gehen der Feinde wurde er damals vertrieben,
ehe er seinen schändlichen Plan ausiührcn
konnte. Nun ist er gewissermaßen in die
Grube gefallen, die er Andern zu graben ge
dachte.
Prchsi dentGr an t hat die Sitte regi,-
rcnder pursten, nach einer Theatervorstellung,
der beizuwohnen sie geruthen, den darstellen
den Künstlern die allerhöchste Zufriedenheit
ausdrücken zu lassen, in modifizirter Gestalt
adopliri. Als er Montag der Aufführung
von "(lilckocl Ixo" IM New chorker „Part-
Theater" beigewohnt, ließ er Hrn. Raymond,
den Darsteller des leichtsinnigen Projekte-
Machers, citiren und sprach ihm sein Wohl
gesallen ans.
Die Ucbcrführung der sterblichen Ucberreste
Ii b r e w Jackson's von der Ereini
tage, würde, wenn die Angabe in einem von
seinem söhne im Jahre 1850 geschriebenen,
hierauf bezüglichen Briefe corrcit ist, gegen
den Willen des strengen und ehrenwcrlhen
Präsidenten vorgenommen werden. In dem
genannten Jahre beabsichtigte man nämlich
die Leiche im Eapitol beizusetzen uiidderiuiige
Jackson schrieb an den damaligen Gouverneur
Harris, daß sein Bater die Kinder dringend
gebeten habe, ihn neben seiner theuren Galtin
auf der Eremitage zu begraben, wo er bis zum
längsten Tage in Frieden ruhen wolle. Dieses
Verlangen sollte Heine ebenso gut, wie damals,
die Beisetzungsfragc erledige.

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