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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, October 30, 1874, Image 3

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Stadt Baltimore.
Abfahrt beb Dampfers „Brau
Ter Dampfer „Brauiftchwcig," Eapt. Un
dütsch, trat Sonnabend Nachmittag um 2 Uhr
seine Rückfahrt vonLocust-Point über Sonih
ampton nach Bremerhaven mit K Kajüten
uiid 27 Zwischendecks Passagieren an. In
der Kajüte fahren E. H. Vogler von Bremen,
Halt Kaufmann aus Washington, D. E.,
W. P. Stark ad T. Bayer ans Nelly'S
psord nno E. T. Alteiikirch und P. SvieS
ans Pittsburg, Pa.
Seine auf 51-G.KB4 qcwerthete Ladung
umfaßt folgende Colli: 28'. Qxhofte Viraj
mer Tabacksrippeii, Soi K-.ftcn Secdblatt-
Taback, i Kiste Rauchtaback. Ol Oxhofte Vir
gimer und 92 Oxhofte kcnlucky'cr Taback, l
Qxhost Keiftucky'er Tabacksrippcn, 440 Fäs
ser Syriip, 100 Säcke Kleesaamen. 184 Fäs
ser Kstufmanitsgülcr. iio Fässer gedörrter
Aepzeljchnitzen, 100 Tonnen Leinkuchen, 128
Säcke Kentuckij'cr 8.-Gras und 1250 Ballen
Baumwolle.
Ankunft des Dnmpscro ..Berlin.
Der Dampfer „Berlin," Eapt. Putscher,
am 7. Oktober von Bremen und am 10. von
c-outhampton abgefahren, erreichte Montag
Abend uin 8 Uhr mit 13 CaMen- und 208
Cajüten Passagieren seine Werfte auf Lociisi-
Voinl. Er hatte während der Reise hochge
hende See. In der Eajüte fuhren Frau
Ulricke und deren Tochter Emma Küster aus
-r cuischtand, (Letztere ist für die „Coiicordia"-
Bühne cngagirl), Catherine Klingel und Ear
rie Klingel von St. Louis, Gustav u. Fran
cis Guth von Baltimore, E. E. LearS,Chas.
James, Frau Jesfers, Frl. Jeffers, N. G.
Behnc und Frau Behne ans den !
Ver. Staaten; im Zwischendecke kamen Caro
line KeUiicr, Eh. Uno Johanna Zahradnick,
Anna Leber, Pauliue Jäcky, H. Bergmann
nd A. Pretzla aus Baltimore, John Neiiiccke
aus New-2)ork, Morris Bloch von LouisviUe,
Ky., Geo. Trendel von Memphis, Tenn.,
T. G. und Maria Geiger von Indiana und
folgende Einwanderer:
Okifte, Matths Weftä,! striv i'ens, Pam' !
Justine Wnstendcra und Eisarlottc Brettschneider!
aus Teutschland; Wknzl Zaiak, Böhmen; Rosa Kell- s
er, Isaak Sachs, Jose, Schascr, Vndwiq Mistel mit I
licr, Johann tStmeinhard, Rittckas und LSe.
der, Eyristian Sc.'gcrt mil Familie und Ettsabeeh
R.aus aus Tenrs iilond; Joh. Boval, Joy. Nasche;
Mtt Familie, Franz Qstru mtt Famittc, Franz Wil
ran in Familie aus Mähren; Carl and Aiarie Ada
icN, Äenzl Maiouch init Fanftite, Diaodalene Selt
ner, Joses Jun mir Familie, Anna We>e:a mir Fa- >
Joses asta mit Familie, Franz kulischel mit Fa
milie, Joh. und Therese Eigi. Anton Busch, Franz
Pesic, Fcrd. TvbsiM Joses rcdcrcr mir
ftf mii Familie, Jsy. Hunlii, Therese und Franz
StoMasc aas Böhmen; Franz Beschla
Blährcn; Adam und Bardara Biehliug aus Flens
burg; Franz Günther nur Familie, Qülheim xalis,
Z'cazl Rilschel und Franz Slchmo mir Familie au
Der Dampfer brachte nachstehende Ladung: '
von Bremen—l Kiste Kork sür H. E. Zj. Vunsics IN ,
Sl. Vouis, L Stü-ksäiier W-i.i für Jak. Guimann in ,
ditto sur V. Rojenfcid in Eincinnali
acmälde fül Mhcrs K Hedian/; ditto'SxttUvaaren t
sur H. Schwarz, i titto Beilen >ür T. F. Morris, l !
onto Vedcrwaaren s r Gedr. Turndau. e ditto Por- -
zellaa sur Gebr. Eunsieid Eomp., ,si Stü.tjoiicr '
-varing und 1 Eollo sarPrior er van Collen,Kisten ! l
Rasiea sar G. P. Sreuiaach, w Kisten Harmonikas, :
> >n:o Rolywein und t d>llo .'.'aashattariikcl ,ür ,
BoUinann k Earl, n ditto chirurgische Instrument ;
E?mo-, n eina <:oie.roaare -
2 dillo chslaazea sür'w, H." veröl, oft" Bollen Kai!! >
manuswaarcn sur N. N., ; Kiste Leinen für Regina j
>!>lor, I dio Sein sKr B. E. Schier,! oitto Essel- ~
ten sür Eckse Hott naan, l ditto Banniwoslenwaaren
ch K Sohne, l Kiste uns i EoUo sür t
krepp für T'hsmje, ViSa^'kiw./:/ii'ste Starnen
Fricdenruton, Ii Ballen Felle sur Geor! Bräinn, ; jz
Kiste Kaurichut siir li. G. NeedwcU, i Kiste Strümps- .
Marine-Separimeai, SSash., Hrn. Thamvlu,/, Li. I
Schumacher k Eomp., Mallinckrodt oe Sahn und l
00110 Muster für E. Tvsoa
Dic Molidsliistcrniß ili dcr Sonn
abend - Nacht. Die Mondfinsternis:,
welche in der Sonnabend Nacht zwischen t 2
und 43 Uhr ereignete, war die erste totale
Eclipse, welche in unseren Breiten seit dem
Jahre 185 k sichtbar war. Ungefähr zehn Mi
nuten vor 12 Uhr trat der Mond in die Pe
numbra (den sich im Lichte vertierenden Halb--
schaltcnj, vier Minuten nach 2 Uhr war die
Finsterniß total, und dieser Zustand dauerte
rtwa eine halbe stunde an; erst kurz vor 4
Uhr war der Mond wieder vollständig schat
tenfrci. Obgleich der Trabant zn der oben
angegebenen Zeil in den Schattenkreis trat,
demertle man gegen Mitternacht nur eine ge
ringe Veränderung an der Scheibe, und erst
gegen 1 Uhr sah man deutlich einen Theil
schattirt. Dftscr Schatten wurde größer und
größer, und eine Stunde später bedeckt- cr den
Mond bis aus einen lleinen Rand.—Obgleich
dicjc Mondfinsterniß eine totale war, so war
der Trabant doch während der ganzen Daner
der Eclipse sichtbar, und nicht cnva kohl pech
raben-scknvarz, wie ihn Frciligrath in seinein
sondern brnu'ngclb, wie polirreö Kn'pser. Eine
Mondfinsteriftß, wie die letzte, creigncr sich alle
18 Jahre. Während auch bei uns der Him
mel nicht ganz ilar war, so waren wir in Bal
timore doch glücklicher, als die Leute in Wash
ington und Philadelphia, wo ein dichter Re
det jede Beobachtung unmöglich machte. New
s-ssork war etwas glücklicher, im) halte gegen
1 Uhr einen leidlich klaren Himmel.
Die Nat i o n a l Eo ii venl i o n dcr
„Deut s chen Eh r istlichc n lün g -
liiig s v cr ei ne dcrVcr. St. —lm An
schluß au unsere früheren Mittheilungen brin
gen wir vollständig die Donnerstag von dein
Ehrw. Tr. Seybcrt. Redakteur des „Deut
scheu VoltsftculideS," von New Bork, gebal
tciw Rede: '
Morgenitz Scs l-cv'rnr. von' deren >,u:er "stnuönnq
cm aluciliches, zusriedcncs Ätzer abhängt, als die
eZaaltzil, in werden mns!, wenn inan
Veven zu machen Hai, Äon der /.uzend HSngt'ni.itz
nd Wehe der ganzen GcieNschasl, des ganzen Lan
dung der sugeadziii in Timoihcus, den -vhi'/der
Enmcnltze, dem -ckiutz: des hl. Paulus. Zu seinem
zweiten Briese an diesen seinen riebüngsschuler cr
saal derselbe Man vbcrjlcihlich, sondern nur der ihm
eigenthümlichen Tiefe eie Ausgabe der Ongend, in
dem e, tagte: Flieh. Lüste der Fugend und stre
bet una ringet nach Geremnaletz, Staude, riebe und
Friese.- Nach dieser "lussajsung ist die Anwendung
n v
TeitzMand lennr das schaue alte Lied von LurAcv!
Es süScrt den -.hiffer, der im Kahne fährt, destev
nvmmcn Witz', laß er die Felsen nichGicht.'^eneli
sich einen klaren nd deutlichen Begrin'vaii dein/an
mir Gesagten machen kann. Wa:;re Jugend muß
frisch, luv fröhlich sein. Ein Jüng'ing, der nicht
frisch, nichtirayllch, nicht sreadjgim Parzen? ist, mag
herzlich freue zu tonliea. tblincn sich
nicht mehr so freuen, wie die iilndrr sich z. B. bci'm
dleivl uns, jagt der deutsche Elnanucl Sei
bei, Aichts, als die Kunst zu richten. Die Jugend
soll ,!ch erst dl? Tonne in' .sdcrz scheinen lassen, ibe
liedarüber redet, erst die Tinge tenncn lernen, ehe sie
verutzhcul. Unsere Jugend ist zu suvjcicko, darum
rriliich, und der Tubjellivismus ist oie Quelle des
Unglaubens. Man unlerwirjt sich keiner Probe
mehr, nein, vornherein weist man Alles von sich.
Ttzeicr Geist des kritischen Tubjetlivismus Hai un
sere Fugend vergiftet; man meistert an dem Worte
Gottes, stellt sich über dasselbe und hat och reine
Probe an sich erfahren lassen. Tiefem kritzelsmus
uns übjctilblsmus milste die Juugtzttgs-Bereilic
k"!Mft"tzelkn. Wahn tilgend ist aber auch pietäi,
voll und bescheiden. Tie Bescheidenheit ig eme
' entspringt dem Bewußtsein, daß
Alle >eiue Grenzen hur, uud daß auch wir uimt uu-
U"" unsere -chranlcn hinausgehen duften.
Wahre Jugend hcgl Pierar gegen Barer und Mül
ler, die Gottes hl. Gebor schon gebietet, gegen die
Boljchasccr Gottes, gegen cae naiiunaleii Vebcnsaü
ter, thr fttdic och und Heiiighattung der deutschen
Sprache, deuftchen Literatur, >a auch des allen, lie
den deittjchen -Vaterlandes ein ql. Gebet. Wo findet
uian aber bei unftrcr deutschen Jugend noch Plclül,
noch Bescheidenheit, jene alten Tugenden. Sobald
ihrigen fie
Eltern ihnen in lvohlme!nendcr Absicht ein Hinder
nis entgegen, io wissen sie, besonders hier zu Lande,
dasselbe geschickt zu umgehen. Wir Teutsche, und
mit unS unsere liebe deutiche Sprache stehen aus dem
Aussterbe Etat, und ist dies blos eineshrrgc der -seit.
Alte deutsche Hungen schämen sich, deutsch zu spre
chen. Ter gute, rechtschaffene Deutsche, wessen
Stande er auch angehöre, plagt sich, dag sein Bater
lnnd sich seiner nicht zu schämen braucht. ES ist zum
Ekeln, wen man solche Menschen bor den Amerika
nern ihre siahenbuckel uub Kravsuße machen sieht,
und doch aus jedein e^ssch^gciprochcnen^Wort^
Aufgabe der lünglings-Bercinc ist es auch, diele un
l jerc deutschen Lebensgüter zu hüten und zu siegen.
Wahre .lugend ist aber auch ideal. Was der Dust
! sur die Vlttincn ist, das ist sür die Zn
! mierniinisler Napoleons l. lltgtc cuist:
! die Lüfte. (gär Lustschlösser zu
! bauen iT ao iolltc ein Hohn sein sür 'Header
rem tnnziensi.'wie rand sind. Llbci h!cr
hur sogar materialistisch. FrÄ
! lieh, wir sind nicht allein hier materialistisch, und es
hört sich gar traurig an, wenn der Amerikaner den
Menschen nach der eoroge seines Bcsihihumcs avwcr-
d
,;räge. !aWas muß ein Jüngling thun, um sich in der
uienschUchen Ge ellstast eine geachtete Stellung zu per.
schaffen, ganz naiv und im Geiste seiner Zeit: .irr muß
ES s di^
salschc Haare, u. s.w. werden Euch cen
Ringen, alles Streben geht nur mehr aus den
Freila/viorgeu u:n iff Uhr wurde die Eon
vennoii iviedcr mit Gejaug und Eedet des
Ghrw. Geo. Meger von Tayloii, Ohio, er
öfsuer. Sekretär Ehrw. von Schiümbach ver
las das Protokoll der vorigen Sitzung, das
von der Versammlung angenommen wurde.
Ein vom Ehrw. Justus Pfarr eingelaufenes
Telegramm wurde verlesen uud dem Prolololl
einverleibt. Die Berichte der verschiedeneu
Comfte'u wurden verlesen, wovon der Bericht
über die erste Frage angenommen, dießerichlc
über die zweite und dritte Frage wieder an
resp. Eonute'n zurückverwiesen, und diesen die
Chrw. Tr. Seybcrt und Tr. Tubs von Day
ton, O hio, Redakteur des dortigen „Christli
chen Boischafler?," beigegeben wurden. Em
Exetnttv-Co.nftc wurde ernannt, bestehend aus
den Ehrw. Dr. Seybert und Nchrbas von
'New - chork, Külling von Eincinnali, von
Schlümbach, Knrtz und F. Netter von Balti
more. Ter Vorschlag, die Verhaiidlnnaen
in Broschürenform in 1000 Exemplaren drnk
ken Ii lassen, erhielt die Billigung der Ver
sammlung.
Ein Schreiben des evangelischen Vereines
für Schottland au die evangelische Welt wurde
verlesen, und die darin enthaltene Bitte, am
8. November d. I. besondere Gebete zur Ret
tung der Jugend zu veranstalten, wurde ge
nehmigt. Eine Eollekle sollte dann erhoben
werden, wobei jeder Dclegirte mindestens 25
Crs. zur Bundestage geben sollte, als Hr. W.
Rumsen, Präsident des Sonntags-Schul
Vereins, sich erhob und sür seinen Theil H 25
bor, welchem Vorangehen viele Mitgliedern!
Ssu!!d slo folgten; man beschloß, in der
Abcndvcrsamnftung die Collektc sorizuietzen.
Inzwischen waren die beiden Eomite'n mit
ihren Berichten fertig geworden, und als ans
Aufforderung des Präsidenten der Vorsitzende
derselben eben mit der Vorlesung der Berichte
beginnen wollte, ergriff ihn ein alles Uebel,
die Fallsucht. Es wurden selbstverständlich
sofort die uöihlgeil Mittel bei ihm angewen
det, allein die Sitzung war durch diesen trau
rigen Versall unterbrochen, uud der Präsident
vertagte dieselbe bis 4 Uhr Nachmittags.
Um I Übr c'.ö.iiictc Ehrw. Vachmann von
hier die Versammlung wie üblich, mit Gebet
und Gesang. Es solare die Vorlesung des
Protokolls, welches genehmigt wurde, sowie
der Eomftc-Benchte, weiche mit Streichung
des Abschnittes, „Methode" betreffend, und
unter Einschaltung eines 1. Paragraphen
über die „Loka! - Vereine" sodann angcnoiii
men winden. Tie Convention beauftragte
das Exekutiv Comite mit der Entwcrsung von
Statuten, welche der nächstjährigen' National.
Convention unterbreitet wcden sollen. Der
Vorschlag, dag alle Lokal Vereine dem Bunde
sich anfchliegen und die nächste Convention
beschicken möchten, wurde zum Beschlusse er
hoben: ebenso ein solcher, das Exekutiv - Co
mite zu beauftragen, mit den englischen Ver
eftien in Verbindung zu treten und nächstes
Jahr darüber Bericht zu erstatten. Tcmsel
beu Conilie wurde es auch anheimgestellt, Tag
und Ort des nächstjährigen Zu>ammeiitretcns
zu bestimmen. Hierauf vertagte sich die Con
vention bis Abends Uhr.
Abcildsitzung als Abichiedsfcicr wurde
von dem gem-schien Chor mit dem Liede:
„Herr, ans Dich trau' ich!" eröffnet, worauf
ein Abschnitt ans der Bibel verlesen und ein
Gebet gesprochen wurde. Der Männerchor
imonirle dann: ~Meft: Jesus ist meinStcuer
mann.'' Ehrw. Braiuard von Clsveland,
Ohio, hielt in englischer Sprache eine Rede,
der ein allgemeiner Gesang folgte. Ehrw.
Kurtz hielt die Alftchiederedc im Namen der
Christlichen Jünglings-Vereine."
Redner betonte besonders, daß seine Hoffnun
gen über allcsErwarten überkrofsen seien, und
die Scheidewand zwischen den einzelnen pro
testantischen Sekten nicht nur, wie er in einer
ftnhereu Rede gewünscht, ourch die Conven
tion um IU Zoll, sondern seines Erachteiis
lisch ganz abgetragen worden sei. Ehrw.
Allmann, der im Namen der deutschen evan
gelischen Geineinden sprach, cftirtc die Worte
Christi, daß wir Eins sein sollen, wie cr mit
dem Vater Eins sei, und meinte, daß diese
Worte trotz aller gegenseitigen Bestrebungen
in Ersiillung gehen würden, wovon er den
Beweis in den letzten drei Tagen erhalten
habe. Hr. W. Rumsen, im Namen des Sonn
lagsjchu! Vereins sprechend, hob besonders
hervor, dag sein Herz vor Freude und vor
Dan! überfüllt sei, da cr nun an die Verwirk
heißesten Wunsches, daß eine
Vereinigung der verschiedenen Protestantischen
erfolgen werde, glaube. Zuletzt erstickte
Rührung fast des Redners Stimme.
Ehrw. Dr. beyden bemerkte, daß seine
.rrcnde leider nicht so vollständig sei, wie die
,einer Brüser, ein WermuthStropfeii verbittere
ihm dieselbe. „Warum," so ruft cr aus,
„fthien hier so viele deutsche Pastoren hiesiger
lad! lisch, da der Zweck des Bereins doch
unserer lieben deutsehenJugend gewidmet ist?"
Als fernere Redner lraicu noch die Ehrw. Tr.
Ba-kley, Prediger der englischen, von derEon
ven'.iou benutzlen Pres vyteriaiicr-Kirche, ui
englischer Sprache, von Schlümbach, Strobcl
und Neefs auf. LrwidernngS-Reden von
Seiten der auswärtigen Delegaten erfolgten
durch die Ehrw. Deininger, Meyer u. Hengst.
Die Dankesbeschlüsse, in deutscher und engli
scher Sprache abgefaßt, überreichte Ehrw.
Middendorf; sie wurden durch Beschluß den
Versammlung den Akr-u der Eonveut'.on bei
gefügt.
Ehrw. von Schlümbach verlas das Proto
koll der Nachnnttagssiynng, dessen Redaktion
gutgeheißen wurde, und stellte den Aiitrao,
daß zum Schlüsse das Lied: „Nun danket
alle Gott!" gesungen werde, während alle
Delegaten in einen Kreis zusammentraten
-ins stch zum Abschiede die Hände drückten.
Prof. Zimimrmami sprach den Segen, wo
rauf der Präsident die Convention btS näch
stes Zahr vertagte. Biete auswärtige Dele
gaten werden noch einige Tage in der Stadt
verweilen und sind von verschiedenen Seilen
zum Predigen eingeladen worden. (Unsere
Anzeigcspalleii nennen mehrere, welche die
Einladung angenommen haben.)
Ter Männcrchor des hiesigen Jnngliiiqs-
VereiilS brachte später dem Ehrw. Dr. H.
Seybcrt uns Prof. Zimmermann von New
'.ssork, welch' Letzterer nach einem fast 3-jähri
gem Aufenthalte in Berlin vor cnngen Ta
gen erst dorthin zurückgekehrt ist, ein Ständ
chen. Beide logiren bei Pastor Neefs von der
Zionskirchc an Aiögniihstr. Tie mit dekann
lew Präzision vorgetragenen Lieder waren:
„O Jerusalem, Du Schöne," von Kreutzer'
„Armes Ziou, tranre nimmer." von Berner
und „Das Lied" von Dr. L. Spohr. Auch
dem Präsidenten der Eoiiveiition, Hrn. F.
Nchrbas von Neiv-L)ork, der bei Hrn. c>.
chuchhard am Broadway wohnt, brachte
man c.ne Nachtmusik und sang dabei:
„Wenn die Berge wanken" und „Will der
Tag im Osten grauen?" von Fr. Silcher u.
Psalm >18: „:Nan singet mit Freuden/"
Udderzook. In dem Maaße, wie
wir dem ans den I2.November in Westchcster,
Perms., anberaumten Hiinichtiiiigstage Ud
derzoot 's näher tommen, steigert sich auch das
Interesse, mit welchem man dem Abschlüsse ei-
neS Trauerspiels entgegensieht, das seit mehr
als einem Jahre die Aufmerksamkeit des Pub
likums gefesselt hat. Es ist bcmertcnswcrth,
daß die nunmehr über 70 Jahre alte Frau,
drc einstmals Udderzook unter dem Herzen
trug, in den letzten Stunden der Prüfling
nicht von der Seite des Verurtheilleu weicht
und sich täglich, von Sorgen und Kummer
darniedergebeugt, nach dem Gefängnisse
schleppt, um ihrem bcdauernsmerthen Sohne
Trost zu spenden. Die Alte selbst hält ihren
Sohn sür unschuldig, hat er doch Tag für
Tag die Versicherung erneuert, daß das Blut
des Goß nicht an seinen Händen klebe. Man
fvird sich erinnern, daß während des Pro
zesses und als an einem Sonntage Uddcr
zook's Frau und Mutter bei ihm in der Zelle
waren, mehrere laute und jammernde Aus
rufe gehört wurden. Frau U. rief ihrem
Gatten zu: „Schütze die Mutter und Nin
ncy!" und dieser Ausruf wurde dahin gedeu
tet. daß Udderzook im Begriffe gestanden
habe, die That zu bekennen. Die Mutter er
klärt, daß diese Annahme falsch sei ; sie habe
Udderzook sowohl wie dessen Frau befragt. Die
Worte „Ma" (Mutter) und „Ninney" wur
den von Frau Udderzook wiederholt in erreg
ter Weise gerufen. Wörtlich jagte sie: „O,
William, brich'nicht zusammen, denn was
sollte ich, „Ma" und „Ninney" (U's Kind)
ohne Dich ansangen!" Die Mutter spricht
mit der höchsten Achtung von Uddcrzoot's
Frau; sie habe sich während der schweren Prü
fung, obwohl in Folge des Grames krank
und daruiedergebeugt, als treues Weib crwie
sen. Sie war während des Prozesses fort
während iu Thränen gebadet, trocknete aber
ihre Augen, wenn sie den Gatten von Tag zn
Tage in's Gericht begleitete, um vor der
gleichgültigen Mcugc ihren Schmerz zu ver
bergen. Zur Zeit liege Frau U. daheim in
Baltimore in Krämpfen darnieder, die oft
eine Stunde anhielten. Seitdem die lcvte
Hoffnung geschwunden, scheint sie gänzlich
trostlos zu sein. Udderzook wünscht, daß seine
Mutter in Baltimore der Frau zur Seite ste
hen möge und ihr Trost bringe, aber die Alte
ist zu schwach, um die Reise anzutreten und
auch nicht geneigt, von der Seite ihres Soh
nes zu weichen. U. scheint es zudem nicht zu
wünschen, daß seine Frau nach Wcstchester
kommt; die Begegnung könnte nur Beider
Leiden vergrößern. Das Gerücht, wornach
Frau Udderzook nach Ealifornien gehen wolle,
wird dahin gedeutet, daß Frau U. in San
Fraiizisco einen wohlhabenden Bruder hat,
welcher ihr schrieb, daß sie im schlimmsten
! Falle mit ihren Kindern dorthin kommen
möge; er wolle für sie forgen. Uebrigcns ist
Frau U. bis dahin nicht geneigt, dieser Ein
ladung zu folgen, und wird erst im höchsten
Nothfälle Baltimore verlassen.—Udderzook'S
Mutter stand lange an, ihren Sohn zn be
fragen, was mit seiner Leiche geschehen solle;
schließlich redete sie jedoch mit ihm hierüber,
verweigert aber, über das Resultat der Unter
redung Auskunft zu geben. Es heißt jedoch,
daß, im Falle die Frau geneigt ist, die Ob
hut der Leiche der Mutter zu übergeben, diese
für eine anständige Beerdigung Sorge tragen
mftl.
Frau Udderzook selbst soll sich neulich dahin
geäußert haben, daß sie wünsche, die Leiche
zunächst nach Philadelphia zu bringen und
dort in einem Gewölbe bcizmetzen, nachher
aber, wenn die Aufregung sich gelegt hat, sie
zur Beerdigung aus „Balftmore-Cemctcry"
nach Baltimore zu schassen.
Der Aufschub des Meineids-Prozesses gegen
A. E. Goß in Baltimore bis zum 2. Dezem
ber wird von Udderzook'S Mutter als durch
den Einslnß der LebensversicherungS-Gesell
schafften herbeigeführt bezeichnet. Dieselben
hätten besiirchret, daß in dem Prozesse, der
sich abermals um die Jdentiftzirung der Leiche
des Ermordeten drehen wird, Thatsachen an's
Licht kommen möchten, die ihres Sohnes Un
schuld darthun würden. Gouverneur Hart
rauft sollte füglicher Weise die Hinrichtung
bis nach dem Schlüsse des Prozesses in Bal
limore verschieben :e. Die Alte hat nur herbe
Worte für dle LebenSversicheruiigS-Gcsellschas
teil und ist besonders bitter aus CHS. H. Pcn
-5 uypackcr, den Hauptverfolgcr des Angeklagten
! Ä. E. Goß, zu sprechen, „der ein zehn Mal
z härteres Herz, wie der härteste Stein habe."
- William sei, so sagt sie weiter, in sein
Schicksal ergeben; gern würden sie und seine
Frau den Tod mir ihm theilen. Der Gefan
gene weis't seit einigen Tagen alle Zeitungen
zurück und scheint entschlossen, sich so viel, als
möglich, von der Welt abzuschließen.
Anfangs besuchte ihn der Baptisten-Prcdi
gcr I. W. Evans, neuerdings hat cr sich je
doch den Beistand des Methodisien-Predigers
Best (U. war früher Mitglied einer Mclho
distcnkirche) erbeten. Im klebrigen scheint cr
mit Entschlossenheit seinem Ende cntgegcnzu
sehen und bis zum letzten Augenblicke bei
seiner Unschuld beharren zu wollen. Die
Hinrichtung soll ans demselben Schaffotc statt
finden, ans welchem vor zwei Jahren der Ne
gcr Geo. Gram gehängt wurde. Ilm zu ver
hüten, daß cr selbst Hand an sich legt, ist seine
Ucbenvachung eine viel strengere, als bisher,
und er ist keinen Augenblick den Augen des
Aufsehers entrückt. Ein erheblicher Zwist ist
zwischen dem Schcriff, der bekanntlich den
'Neger Grant in höchst jämmerlicher Weise
vom Leben zum Tode brachte und der deshalb
von den Zeitungen arg mitgenommen wurde,
l und den auswärtigen Berichterstattern citt
! bräunt, denen er die Theilnahme an der Hin
richtung nicht gestatten will. Er will nur die
Berichterstatter der Lokalblätter Westchcster's
und nicht mehr als die gesetzlich vorgeschrie
bene Zahl von Zeugen zulassen.
Im Publikum von Westchcster selbst, die zur
großen Zahl aus Quäkern besteht, ist man von
der Schuld Udderzoo'.'s fest überzeugt und
auch die Bitte um Begnadigung, die zahl
reich unterzeichnet wurde, lautere nur ans
Umwandlung der Todesstrafe in lebensläng
liche Hast. 'Man wird sich erinnern, daß ei
ner der aiigcschnsten Richter Peniishlvaitteii's
bei'm Prozesse den Vorsitz sührle und dieser,
a!s cr das Todcsnrthcil aussprach, in ernster!
und nachdrücklicher Weise erklärte, daß cr
nicht den entferntesten Zweifel an der Schuld
des Gefangenen hegt. Er hatte den berühm,
ten Advokaten Wahne McVeagh als Berthei
diger und die Geschworenen beriethen sich 36
Stunden, che sie das „Schuldig" ausspra
chen. Bei dem Antrage aus einen neuen Pro
zeß, bei dem Plaidoi>cr vor dem Obergeftchte,
bei den Verhandlungen vor dem Pardon-Ge
richte und schließlich bei dem Appell an den
Gouverneur und während 12-monatlicher un
ermüdlicher Anstrengung, Udderzook deniGal
acn zu entreißen, stellte sich kein anderes Re
sultat heraus, als das zuerst vor den Ge
schworenen erzielte - das „Schuldig" wur
de von allen Tribunalen bestätigt !
Inwiefern allerdings der Ausschub des
MciiieidSprozcsies gegen A. C. Goß geeignet
ist, dcm Zweifel an Udderzoot's Schuld'hier
und dort neue 'Nahrung zu geben, wollen wir
dahin gestellt sein lassen, jedenfalls liegt darin
ein Borwans für Udderzook'S Freunde, ihn
trotz aller gravirenden Schulobewcise in
Schutz zu nehmen, bis weitere, ohne Zweifel
unausbleibliche Enthüllungen auch die letzte
Stütze mederbrcchcn, an welcher sich bisher
noch Jene klammerten, die geneigt siud.Udder
zook's Hinrichtung als einen Justizmord zu
betrachten.
Des Meineids a ugcklagt. Karl
Holdmami, welcher iu dem letzten Mordpro
zesse m Towsoiilown als Zeuge für Samuel
McDonald auftrat und gewissermaßen dessen
Freisprechung herbeiführte, ist vorgestern von
den Großgcschworeuen von Ballimorc-Lounty
wegen Mein cios in Anklage versetzt und ein
Befehl zu seiner Verhaftung erlassen worden.
M a y o r V a Ii s a u t b e st o h l c n.
Zu den Besuchern der levteu Woche gekörten
auch viele Experte der Laiigfingerzüusl und
anderes Gesindel, welches es aus die Taschen
ehrsamer Bürger abgesehen hat. Daß die
Gauner in frecher Ausübung ihres schänd
lichen Metiers keinen Unterschied der Person
machen, ist zur Genüge bekannt, daß sie sich
aber sogar an der Person des obersten Beam
ten der Stadl vergreisen sollten, ist wohl „noch
nicht dagewesen." Mayor Vansaiit beschloß,
einer Einladung des Hrn. I. T. Ford fol
gend, am Freitags-Adcnde das Opernhans
zu besuchen, und den berühmten Tragöden
McCullongh als „Jack Eade" zu sehen. Er
bestieg demzufolge gegen 8 Uhr einen bei sei
nem Laden vorbeifahrenden rothen e-ftadt
bahnwagen und befand sich bald an der Ecke
der Entaw- und Fayetiestraße, von wo er zu
Fuße den Weg nach dem Opernhause fortzu
setzen gedachte. Als cr aus dem Wagen auf
die Plattform trat, sah er sich plötzlich von
mehreren sehr elegant gekleioeten „Herren"
umringt, die ihn ungebührlich hin- und her
schoben und das Aussteigen ersichtlich erschwer
ten. Ter Mayor nahm allerdings das uii
gezogene Betragen wahr, hatte aber keine
Ahnung, daß es Ganner und Spitzbuben wa
ren, die es auf die geheiligte Person des
Stadtobcrhanptes abgesehen hatten. Im
Theater angekommen, entdeckte er jedoch zu
seinem Schrecken, daß er um sein in der hin
teren Hosentasche steckendes Portemonnaie mit
Htiö eine Kioo-Nole und SIS kleines
Geld bestohlen war. Auch einige andere
Papiere, Notizen über -Obligaftoiicn-Nuin
mern und einen Wechsel von KISOO oder
HlBo, waren dcm Mayor stibitzt wor
den, die jedoch für andere Leute keinen Werth
haben. Hr. Bansant vcr'chmerzte jedoch bald
den Verlust und Ford's Theater hatte am
Freilag Abende keinen aufmerksameren Zu
schauer, als den Mayor. Daß die Geheim
polizisten die Diebe einsangen werden, ist nicht
mehr als problematisch.
Ein blutiger Kampf in einem
Pferdebahn Waggon. Am letzten
Donnerstag Abend, als der Waggon Nr. 18
von der Zork Road-Pserdebahn aus der Fahrt
von Tomjontown nach Baltimore an der St.
Annen Kirche vorübcrfuhr, winkten mehrere
halbbetrunkene Kerle dem Kutscher zu, den
Waggon anzuhalten. Ta der Kutscher jedoch
nicht das bekannte vom Eoiidulteur aus
gebende Zeichen der Glocke vernahm, so suhr
er weiter. Plötzlich sprangen zwei Männer
auf die Hintere Plattform und vernichten, den
Eonduktcur, Hrn. Galloway, anzugreifen;
dieser aber cxpedirte die beiden Kerle, ui denen
er einen Maschinisten, Namens Ehapman,
und einen Fleischer, Namens Armington, er
kannte, ohne viel Federlesens von der Platt
form aus die Landstraße. Der Waggon setzte
dann seine Fahrt nach Baltimore fort, ohne
daß eine weitere Störung stattfand. Tic
Rückfahrt von Baltimore nach Towjontowii
sollte jedoch nicht so ruhig vor sich gehen. Ar
mington, Ehapman und ein Tritter, dessen
Name bis jetzt noch nicht in Erfahrung ge
bracht ist, sprangen in der Nähe von Waverly
auf die Hintere Plattform. Galloway, der in
der Mitte des Waggons stand, behielt seine
Stellung uSd bereitete sich auf den voraus
sichtlich stattfindenden Kampf vor. Da sprang
Ckapman plötzlich mit einem wilden Ausschrei
auf Galloway zu und versetzte diesem einen
furchtbaren Schlag in's Gesicht. Armington
uud der Fremde folgten dem wüthenden Chap
nian. Ersterer hielt einen Revolver und der
Unbekannte eine Flasche in der Hand. Gallo
way erholte sich schnell von dem Schlage, er
faßte Ehapman bei'm Halse und stieß ihn mil
dem Kopse gegen eines der Waggonfenster,
welches zerbrach; die Glasscheiben drangen
dem Kerle in's Gesicht und brachten ihm
schwere Verletzungen bei. Noch einmal ver
suchte Ehapman, dem das Blut über das
ganze Gesicht lief, einen Angriff auf Gallo
way, aber zum zweiten Male ging der Kopf
des Angreisers durch die Scheibe. Während
der Coiidnkteur ihn jetzt ans dem Waggon
hiuaiistranSportiren wollte, erhielt er (Gallo
way) von dem Unbekannten einen Schlag mir
der Flasche über den Kopf, und zwar mit sol
cher Gewalt, daß er, überströmt mit Blut, be
sinnungslos zu Boden stürzte. Hr. Moore,
ein Passagier, sprang jetzt hinzu, entriß Ar
mington da? Pistol, das derselbe in Händen
hielt, und schleuderte diesen Kerl, wie auch den
übel zugerichteten Ehapman, über die Hintere
Plattform aus dem Waggon. Die Bahn-
Compagnie hat Befehle für die Verhaftung
der drei Angreifer erwirkt, und Hülfsschcriss
Taylor ist denselben aus der Spur.^
Zufällig erschossen. Sonntag
Nachmittag 42 Uhr wurde James Crawlcy
von Daniel R. English vor des LctzterenKost
hause, dem Lokale der Frau Turlong, Nr.
52, Thamesstraße, zufällig erschossen. Beide
sind Seeleute; der Verstorbene, ein Jrländcr,
ging bei Thomas Green Ar. 51, Thamcsstr.,
in Kost und Logis. Das von Dr. Kelly ein
berufene Leichcnschau-Eollcgium vertagte sich
nach Besichtigung des Leichnams nach dem
östlichen Stationshanse, wo das Zengenvcr
hör stattfand. Nach den Aussagen der ver
nommenen Zeugen waren English und Eraw
ley mit einander befreundet; Beide trafen sich
auf dem Trottoire dem Grcen'schcn Kofthnnse
gegenüber, und es entspann sich ein freund
schaftliche Gespräch zwischen Beiden, in de'
sen Pcrlause English dem Anderen zeigen
wollte, wie ihm der Eapitän eines Schisses,
auf dcm cr von Philadelphia aus eine Reise
gemacht, ein Pistol vor den Kopf gehalten.
Den rechten Arm ausgestreckt, hielt cr das
Pistol mit der Rechten Crawlcy dicht an den
Kops; die Masse ging zufällig los, und der
Unglückliche sank tödtlick getroffen zu Boden.
Der Wahrspruch der Geschworenen lautete auf
„zufällig erschossen," woraus der vom Pol!
ztsten Psasf arretirte Englfth seine Freiheit
zurückerhielt, und der Wirth Green die Leiche
zur Beerdigung in seine Obhut nahm.
lähcsÄbleben eines bekannten
Bürgers.— Montag Nachmittag 45 Uhr
ging Wm. Collon in seiner Bchanfung auf
der Ecke der Tomnjcnd. und Gilmorstra'ze im
Alter von K 4 Jahren jählings mit Tode ab.
Hiervon benachrichtigt, cruftttcl.'c Tr.Mackall,
daß ein Herzleiden die Todesursache war, und
sah daher von der Leichenschau ab. Der Ver
storbene war ein hervorragender Lokalpolitikcr
der Iv.Ward und ein Rivale Hrn.Orndorsi'S
bei der Bewerbung um die demokratische Ean
didatur der 19. Ward für den ersten Raths
zwcig; in früheren Jahren hatte cr sich mehr
mals um die RathS-Canöidatur der lo.Ward
beworben, aber nie Erfolg gehabt. Er betrieb
an West Fayettestraße eine Grundeigcnthnms
Agentur und hinterläßt eine Frau mil mehre
ren Kindern.
Ableben einer alten Negerin.-
Cclia Susannah Doricy, eine alle farbige
Wäscherin, starb am Freitage im Alter von
wst Jahren in ihrer Wohnung Nr. 33, Tou
glasstraße. Sie wurde am Samstag auf dem
Friedhofe der Tallasstr.-Ncgcr-Metliodisteii-
Kirche zur Rnhe bestattet. Bis vor vier Rio
naten war sie stets rüstig und gesund, dann
aber erhielt sie einen Schlagflnß, dessen Ein
wirkungen schließlich ihren Tod herbeiführ
teil.
Baltimorer S t erb li ch keit s-T a
belle.- Verwichene Woche wurden i-l0 Per
soncii, 7K männlichen und Kt weiblichen Ge
schlechts, worunter stk Farbige und 7 Todt
geborene, aus Baltimore beerdigt; 1 weniger,
denn tu der Vorwoche, und !) weniger, als
in der Parallel - Woche von 1872, aber resp.
11, 8, 20, 21, 14, 44, 3ö und Sk mehr, als
in den corrcspondirenden Wochen von 1373,
'7l, '7O, 'KS,'6B, 'K7, 'ük niid 'Ks.
Berichte aus dem Jnnertt des
St.uatcS.
(Jäher Tod.) Hr. David Tyler, ein be
kannter Bewohner von Smith'S Island, starb
Montag voriger Woche am Schlagstusse.
(Eine Geschichte von Keift Island.) Im
Anfange dieses Monats kamen drei Männer
mit einer kleinen Schaluppe, welche den Na
men „Wasserhexe" führte, zu Hrn. James L.
Price aus Kenl-Jsland und mietheten von
demselben ein kleines Haus, welches sie einige
Tage zn bewohnen beabsichtigten, um nmer
deß ihre Schaluppe zu repariren. Als Sicher
heit für die Miethe gaben sie Hrn. Price eine
Flinte. Bor etwa 8 Tagen verlangten sie ihre
Flinte zurück, welche Hr. Price sich jedoch
weigerte, ihnen einzuhändigen, da sie sein
HanS böswilliger Weise beträchtlich beschädigt
hatten. Sie suchten darauf einen streit mir
ihm anzubinden, zogen Revolver hervor uns
feuerten mehrere Schüsse ans ihn ab. Einer
derselben brachte Hrn. Price eine Wunde im
Gesichte bei, welche sehr gefährlich sein soll.
Als mehrere 'Nachbarn dem Unglücklichen zu
Hülse cilien, entflohen die Schurken und sind
bis jetzt noch nicht wieder gesehen worden.
—(Tödtlicher Unfall.) Ein kleines, bei Hrn.
Oliver Smith in der Nähe von Towsomown
dienendes Negcrmädcheii, nahm vor einigen
Tagen eine Flinte von einem Nagcl. Wäh
rend sie die Waffe aus dein Hause in'S Freie
tragen wollte, entlud sich dieselbe, und die
Kugel drang dein Kinde in den Leib. Tas
Mädchen starb schon einige Stunden nach dem
Unfälle.
(Tödtlicher Unfall.) Während ein Sohn
des in d:r Nähe von Clarisbnrg, Mont
gomcrh Eounly, wohnend.n Hrn. Richard
E. Harris vor einigen Tagen mit einer Flinte
svielic, entlud sich diftclbe plötzlich und die
Kugel suhr dcm unglücklichen Knaben in den
Leib. Der Tod trat fast augenblicklich ein.
(Trauriger Ausgang einer Jagd.) Am
letzten Mittwoch begab sich der kö jährige
Zephaiftah Ehler und ein gewisser Rod,
welche Beide in MechcinicStown, Frcdcrick
County, wohnen, ans die Jagd. Beide
trennten sich unterwegs und Rodn verwlgte
gerade einen Hasen, als cr Plötzlich ein Ge
rausch in einem Gebüsch vernahm und in der
Meinung, der Haie sei darinnen, blindlings
lvsfcuerte. Ein Knall, ein lauter Änlichen
dann war Alles still cr harte seinen
Freund Zephaiftah Eyler erschossen.
(In Anklage versetzt.) Hocaee Beall,
welcher vor einigen Tagen einem gewissen E. >
R. Clay einen rödtlichen zriich versetzie, ist i
kürzlich im New-Market Distrikt in Frederick-
County verhaftet und des TodlschlagS ange-
klagt worden.
Hr. Alexander Keift, der bekannte Fisch-!
Züchter in Battimore-Comfty, hat von Cau
sornieii 60,000 Lachseier empfangen, welche cr
in seinen großen Fischteichen auszubrüten de-!
äbsichiigl.
Tic Ackerbau-NttSsZcitttttg itt
<smberland.
Tie diesjährige Ackerbau Ausstellung der
„Landwirtschaftlichen Gesellschaft von Alie
gany-Eomity, Pennsylvanien und West Vir
gimeil" hat ihr Ende erreicht. Dieselbe mar
ohne Zweifel die erfolgreichste, die lemalS in
AUegany County veranstaltet worden und das
Exekutiv - Comite darf mit Befriedigung auf
die letzten Tage zurückblicken. Nuter denje
nigen Ausstellern, welche Prämien empfun
gen haben, nennen wir hier Folgende: F.
R. Seymour, Tr. S. H. Fnndenbera, Tho
mas Benncrs, James W. Wilson, S. ist.
CroSby und die Damen Marie Teibold, Ma
rie Dictz, Maggie Nhinchart, Anna Charles,
Mollie Haldcmann, I. Schuck, S. B. Peter
mann, I. Hast, E. B. Fischer und Jeiuiie
Kam.
Düngmittel
B?.eftteZ'B kMmvnlutöck Super
pkate, Lone, <kc.
Zol>. <5. Hnchtcl 6 Voiny,,
(No.l,lJ,tz-w) Nr. t -i. Bo wlv 'e A erst!
Narren's
Kalk, Semen- und Gnps - Depot.
Beständig aus Vager
Bau-Kalk in Fasser oder in Lxhofte zum Versen
den, oder lovje zum Baue abgeliefert, im Greffen
Roscndale-Ccmcnt, calcinirier (?vps und Gyps
Jiegelstetiie zu Brcnucrci-Vrrtscn.
Sir. lii, Ost - zzaNs - uvtNt'.e,
(Svrtll.,A,t-v.kn>r Baltimore.
Geschmacks-,fke Di i-.h'nl bei
tkl! uns Drahk-Zstunx.
Dnfur iZoml...
Nr. Fl!, Nord-Howa: d-Straße
verfertig' Dradt. ääune siir Vezrabrigpieiie. Bo>-'
konsu. f. w.. Siede, Hecrogilicr, öfige, ,4>>ieri-'u.
men gewebte f. w.; ferner eiserne Bel-,
g , f p'r o cb c n.' " '' "
Garu.
SLruntHsWaureß n. s. zx..
ktruw.ikaar J' a c e°n,' L n'-'erb ?dc ?'
Nntcrho,en u. f. n eigener ssft
devpändt'r, und Andern zn den
Die dööstev Baarpreife Werder. s.rril?sUt
<7e,dtr .Irt.uw
ULÄ Malz,
Gersten- und Nvasi7i?Mo's.
e Wir haben stets einen Borratd vsn dein ! e,t>?
isthcn Herste-,-Matz sur Brauer, >°-.e
a-z sur -veiNUaleure an Hsat, und da wir^.
MalzhauS vergrogert baden, stne wir ied.iim -
alle ulrräge schnell auszufubren. "
i,oo am Fuje der utawstr. 'chlod.^Mruir^
Eine Ägyptisch^Königstochtcr
Historischer Roman von Georg Ebers.
tForsictzu
Erfuhr fort: Rhodopis ist nicht daheim;
muß aber bald wiederkommen. Der
Abend war so schön, daß sie sich mit allen
Gästen zu einer Lustfahrt auf dcm Nil ent
schlossen hat. Vor zwei Stunden, bei'm
Sonnenuntergange, sind sie abgesegelt,
und die Mahlzeit steht schon bereit. Sie
können nicht mehr lange ausbleiben. Ich
bitte Tick, Phanes, sei nicht ungeduldig,
und folge mir in's Haus. Rhodopis würde
mir nicht verzeihen, wenn ich einen so lie
ben Gast nicht zum Verweilen nöthigen
wollte. Dich aber, Fremdling, suhr er,
den Spartaner anredend, fort, bitte ich
herzlich, zu verweilen, denn als Freund
ihres Freunves wirst auch Du meiner Her
rin hoch willkommen sein.
Die beiden Griechen folgten dem Diener
und ließen sich in einer Laube nieder.
Aristomachus betiachtele seine vom
Monte hell erleuchtete Umgebung und
sprach: Erkläre mir, Phanes, welchem
Glücke diese Rhodopis, eine frühere Skla
vin und Hetäre es verdankt, daß sie wie
eine Königin wohnt und ihre Gäste fürst
lich zu empfangen vermag?
Diese Frage erwartete ich längst, erwi
derte der Athener, es sreut mich, daß ich
Dick, che p.u in das Haus dieses Weibes
trittst, mit ihrer Vergangenheit bekannt
machen, darf. Während der Nilsahrt
wollte ich Dir keine Erzählung ausdrän
gen. Dieser alte Strom zwingt mit un
begreiflicher Macht zum Schweigen und
zur stillen Beschaulichkeit. Ats ich, wie
Du soeben, zum erstenmal eine nächtliche
Milfahrt machte, war auch mir die sonst so
schnelle Zunge wie gelähmt.
Ich danke Dir, antwortele der Sparta
ner. Als ich den hundcrtfünfzig Jahre
alten Priester Epunenioes von Knossus
aus Kreta zum Erstenmale sah, überkam
mich ein seltsamer Schauder, seines Alters
und seiner Heiligkeit wegen; wie viel äl
ter, wie viel heiliger aber ist dieser grei
senhafte Sirom „Aigyptos." Wer möchte
sich seinem Zauber entziehen? Doch ich
bitte Dich, mir von Rhodopis zu erzählen!
Ryodopis, begann Phanes, ward als!
kleines Kind, da sie eben am thracischen
Strande mit ihren Gefährtinnen spielte,
oon phönizischen Seefahrern geraubt und
nach Samos gebracht, woselbst sie Jad
mon, ein Geomore*) kaufte. Das Mägd
lein war täglich schöner, anmuthiger und
balo von Allen, die es kannten, geliebt
und bewundert.
Aefop, der Thiersabeldichter, welcher da
mals gleichfalls imSkiavendienstedes Jad
mon verweilte, erfreute sich ganz besonders
an der Liebenswürdigkeit und dem Geiste
des Kindes. Er belehrte es in allen Din
gen und sorgte für Rhodopis wie ein Pä-
den wir Athener den Knaben
halten. Der gute Lehrer fand eine lenk
same, schnell begreifende Schülerin, und
die kleine Sklavin redete, fang und musi
cirte in kurzer Zeit besser und anmuthiger,
als die Söhne des Jadmon, welche auf's
Sorgfältigste erzogen wurden. In ihrem
vierzehnten Jahre war Rhodopis so schön
und vollendet, daß die eifersüchtige Gattin
des Jadmon das Mädchen nicht länger
in ihrem Hause duieetc und der Samier
seinen Liebling schneren Herzens an einen
gewissen J'anlhus verkaufen mußte. Zu
Samos herrschte damals noch der wenig
bemittelte Avel. Wäre PolykralcS schon
am Ruder gewesen, so hätte siey ckanlhus
um keinen Käufer zu grämen brauchen.
Diese Tyrannen füllen ihreTchatzkammern,
wie die Elstcni ihre Nester! So zog er
denn mit seinem Kleinode nach Naukratis,
und gewann hier durch die Reize seiner
Sklavin große Summen. Damals erlebte
Rhodopis drei Jabrc der tiejsten Erniedri
gung, deren sie mit Schauder gedenkt.
Als endlich der Ruf ihrer Schönheit in
ganz Hellas bekannt geworden war, und
Fremde aus weiter Ferne nur um ihret
willen nach Naukratis kamen, geschah es,
das: das Volk von Lesbos seinen Adel ver
trieb und den weisen Piltakns zum Herr
scher wählte. Die vornehmsten Familien
mußtenLeSbos verlassen, und flohen theils
nach Sicilicn, theils nach dem griechischen
Italien, theils nach Aegypten. Alcaeus,
der gröszcste Tichlcr seiner Zeit, und Cha
raxus, der Bruder jener Sappho, deren
Oocu zu erlernen der letzte Wunsch unjcres
Soion war, kamen hierher nach Naukratis,
welches schon lange als Stapelplatz des
ägyptischen Verkehrs mil der ganzen übri
gen Welt blühte. Ehararus sah Rhodo
pis, und liebte sie bald so glühend, daß er
eine iingeheuie Summe hingab, um sie
dem feilschenden Fanlhus, welcher in die
Heimath zurückzukehren wünschte, abzukau
fen. Sappho verspottete dcnßruoer, die-
Kaufes wegen, mit beißenden Versen;
Alcaeus aber gab dcm Eharaxus Recht,
und besang Rhodopis in glühenden Lie
dern.
Der Bruder der Dichterin, der sich frü
her unter den Fremden in Naukratis ver
loren Halle, ward plötzlich durch Rhodopis
berühmt. In seinem Hause versammelten
sich um ihretwillen alle Fremden, und
überhäuften sie mit Geschenken. Ter Kö
nig Hophra, welcher viel von ihrer Schön
heil gehör!, ließ sie nachMemphis kommen,
und wollte sie dem Eharaxus abkaufen;
dieser halte ihr längst im Geheimen die
FcNheit geschenkt und liebte sie zu sehr,
um sich von ihr trennen zu können. An
dererseits liebte auch Rhodopis den schönen
Lesbier, und verblieb gerne bei ihm, trotz
der glänzenden Anerbietnngcn, welche ihr
von allen Seilen gemacht wurden. End
lich machte Ehararus das wunderbare
Weib zu seiner rechtmäßigen Gattin, und
blieb mit ihr und ihrem Töchterchen Klvis
in 'Naukratis, bis Pfttalns die Verbannten
in die Hcimatb zurück berief.
Nun begab cr sich mit seiner Gemahlin
nach Lesbos. Auf der Reise dorthin er
tränkte er, und starb bald nach seiner An
kunft in Äitylei'.e. Sappbo, welche ihren
Bruder wegen seiner Mißhcirath verspot
tet Halle, wurde schnell zur begeisterten
Bewundererin der sckönen Wittwe, welche
sie, mit ihrem FreunteAlcaeus wetteifernd,
in leidenschaftlichen Liedern besang.
Nachdem Tode der Dichterin zog Rho
dt pis mit ihrem Töchtcrlein nach Naukra
tis zurück, und wurde hjer gleich einer
Göttin empfangen. Amasis, der jetzige
König von Aegypten, halte sich unterdes
sen des Thrones der Pbarcivnen bemäch
tigt, und behauptete ihu mit Hülfe der
Soldaten, aus deren Kaste er stammte.
Da sein Vorgänger Hophra durch seine
Vorliebe für die Griechen und den Verkehr
mit den allen Agvptern verhaßten Frem
den seinen Sturz beschleunigt und nament
lich die Priester und Krieger zu offener
Empörung reranlaßt hatte, so bofste man
mit Sicherheit, daß Amasis, wie in alt.n
Zeiten, das Land den Fremden absperren,
die hellenischen Sölcner entlassen und statt
aus griechische Ralhschläge, auf die Befehle
der Priester hören werde. Nun, Du siehst
ja selbst, daß sich die klugen Aegypter in
ihreiKönigswahl betrogen haben, und aus
der Scylla in die Cyarybdis gefallen sind.
Wenn Hophra ein Freund der Griechen
war, so können wir Amasis unsern Lieb
haber nennen. Die Acgypter, und vor
allen die Priester und Krieger, speien
Feuer und Flamme, und möchten uns am
liebsten sammt und sonders hinschlachten,
wie Odysseus die Freier, die sein Gut ver
praßten. Um die Krieger bekümmert sich
der König nicht viel, weil er weiß, was
jene und was wir ihm leisten; auf die
Priester muß cr jedoch immerbin Rücksich
ten nehmen, denn von einer Seite haben
sie unbegrenzten Einfluß aus das Volk,
dann aber bängt der König auch mehr, als
cr uns gegenüber eingesteht, an jener ab
geschmackten Religion, welche in diesem
seltsamen Lande seit Jahrtausenden unver
ändert fortbesteht, und deßhalb ihren Be
kennern dopvelt heilig erscheint. Diese
Priester machen dem Amasis das Leben
schrcr, verfolgen und schaden uns wie
und wo sie können, ja, ich wäre längst ein
lodtcr Mann, wenn der Kön'g nicht seine
schützende Hand über mich ausgebreitet
hätte. Dach wohin gcrathe ich! Rhodopis
ward also zu Naukratis mit offenen Armen
empfangen, und von Amasis, der sie ken
neu lernte,mitGunstbczeigungen überhäuft,
Ihre Tochler Klois, welche, wie jetzt Sap
pho, niemals die allabendlichen Zusam
menkünfte in ihrem Hause theilen durfte
cingclwrciien Adclsgcschlehicr vonSamoS.
und beinahe noch strenger, als die anderen
Jungfrauen von Naukratis erzogen wurde,
heirathete Glaukus, einen reichen phocäi
schen Handelsherrn aus edlem Hause, der
seine Vaterstadt gegen die Perser tapfer
vertheidigt hatte, und folgte demselben
nach dem neu gegründeten Massalia, an
der celtischen Küste. Die jungen Leute
erlagen dem dortigen Klima, nachdem ih
nen eine Tochter, Sappho, geboren war.
Rhodopis unternahm selbst die lange Fahrt
gen Westen, holte die junge Waise ab,
nahm sie zu sich in's Haus, ließ sie auf's
Sorgfältigste erziehen, und verbietet ihr
jetzt, da sie erwachsen ist, die Gesellschaft
der Manner, denn sie fühlt die Flecken ih
rer frühesten Jugend so lies, daß sie ihre
Enkelin, und das ist bei Sappho keine
schwere Aufgabe, entfernter von jever Be
rührung mit unserem Geschlechte hält, als
es die ägyptische Sitte gestatten würde.
Meine Freundin selbst bedarf des geselli
gen Verkehrs so nothwendig, wie ein Fisch
oes Wassers, wie ein Vogel der Lust.
Alle Fremden besuchen sie, und wer ihre
Gastfreundschaft einmal gekostet hat, der
wird, wenn es ihm seine Zeit erlaubt, nie
mals fehlen, so oft die Fahne einen Em
psangsabend verkündet. Jeder Hellene
von irgend welche Bedeutung besucht die
ses Haus, denn hier wird berathen, wie
man dem Hasse der Priester begegnen
könne, und wie der König zu Dem oder Je
nem zu bereden sei. Hier trifft man stets
die neuesten Nachrichten aus der Heimath
und der ganzen übrigen Welt, hier findet
der Verfolgte ein unantastbares Asyl, denn
der König hat seiner Freundin einen Frei:
blies gegen alle Belästigungen der Sicher
heitsbehörvc gegeben, hier hört man die
Sprache und Lieder der Hcimath, hier
wird berathen, wie Hellas von der wach
sendenAlleinherrschast befreit werden kann;
dieses Haus ist mit einem Worte
der Knotenpunkt aller hellenischen Interes
sen in Aegypten, und von höherer politi
scher Bedeutung, als selbst das Hellenion,
die hiesige Tempel- und Handelsgemein
jchaft. In wenigen Minuten wirst Du
die feltene Großmutter, und vielleicht auch,
wenn wir allein bleiben, die Enkelin sehen,
und schnell begreifen, daß diese Menschen
keinem Glück, sondern ihrer Trefflichkeit
Alles verdanken. Ha, da sind sie! Jetzt
gehen sie dem Hause zu. Hörst Du die
Sklavinnen singen? Jetzt treten sie ein.
Laß sie sich erst niederlassen, dann folge
mir, und bei'mAbschiede will ich Dich fra
gen, ob Du bereust, mit mir gegangen zu
sein, und ob Rhodopis nickt eher einer
Königin gleicht, als einer freigelassenen
Sklavin.
Das Haus der Rhodopis war im grie
chischen Stil erbaut. Die Außenseile des
einstöckigen länglichen Gebäudes mußte
nach unseren Begriffen durchaus einfach
genannt werden, während die innere Ein
richtung hellenische Formenschönheit mit
ägyptischer Farbenpracht vereinte. Durch
die weite Hauptthüre kam man in die
Hausflur, an deren linker Seite ein gro
ßer Speisesaal seine Fensteröffnungen dem
Strome zukehrte. Diesem gegenüber lag
die Küche, ein Raum, welcher sich nur bei
reichen Hellenen vorfand, während die är
meren ihre Speisen an dem Hcrve imßor
zimmec zu bereiten pflegten. Tie Em
pfangshalle lag an der Mündung der
Hausflur, hatte die Gestalt euiesOuaprats
und war rings von einem Säulengange
umgeben, in welchen viele Gemächer
mündeten. Inmitten dieser Halle, dem
Aufenthalts-Orte der Männer, brannte
auf einem altarartigen Herde von reicher
äginetischer Mctallarbeit das Feuer des
Hauses.
Bei Tage erhielt dieser Raum sein Licht
mittels der Oessnungen im Dache, durch
welche zu gleicher Zeit der Rauch desHerd
seuers seinen Ausgang fand. Ein der
Hausflur gegenüber liegender Gang, der
durch eine feste Thüre verschlossen war,
führte in das große, nur von drei Seiten
mit Säulen umgebene Frauengemach,
in welchem sich die weiblichen Hausbewoh
ner auszuhalten pflegten, wenn sie nicht in
den bei der sogenannten Garten-oder Hin
lerthüre gelegenen Zimmern bei'm
Spinnrocken oder Webestuhle saßen. Zwi
scheu diesen und den Gemächern, welche
das Frauengemach zur Linken und Rech
ten als Wirthschaslsräume umgaben, lagen
die Schlafzimmer, in denen zu gleicher
Zeit die Schätze des Hauses ausbewahrt
wurden. Die Wände des Männcrsaales
waren mit töthlich brauner Farbe bemalt,
von der sich weiße Marmorbildwerke, Ge
schenke eines Künstlers von Ehios, in
scharfen Linien abhoben. Den Fußboden
bedeckten schwere Teppiche aus Sardes.
Ten Säulen entlang zogen sich iftevrigc,
mit Pardelfell überzogene Polster, während
in der Nähe des kunstreichen Herdes selt
sam geformte ägyptische Lehnsessel und
fein geschnitzte Tischchen on Thyaholz
standen, auf oenen allerlei musikalische In
strumente, Flöten, Kfthara und Phornftx
lagen. An den Wänden hingen zahlrei
che, mit Klkivl gefüllte Lampen in verschie
denen Formen. Diese stellten einen feuer
speienden Delphin, jene ein seltsam ge
formtes Ungeheuer, dessen Rachen eine
Flamme ausströmte, dar. Tas von ihnen
ausgehende Licht verschmolz sich zu schö
ner Wirkung mit dem Feuer des Herdes.
In dieser Halle standen einige Männer
von verschiedenen Trachten. Ein Syrer
aus Tyms in langem rosinsarbenem Ge
wände unterhielt sich lebhaft mtt einem
Manne, dessen scharf geschnittene Züge
und krauses schwarzes Haar den Israeliten
erkennen ließen. Er war aus seiner Hei
malh nach Aegypten gekommen, um für
den König von Inda, Serubabel, ägypti
sche Pferde und Wagen, die berühmtesten
in jener Zeit, einzukaufen. Drei Griechen
aus Kleinasien in den kostbaren failenrci
cken Gewändern ihrer Heimath Milet,
standen neben ihm und führten ernste Ge
spräche mftPhryrus, dem jchlichtgekleideten
Abgesandten ter Stadt Delphi, welcher
Aegypten lesuckle, um Gelder für den
Apollotempel zu sammeln. Das alle Py
thische Hciligthum war vor zehn Jahren
ein Raub der Flammen geworden; jetzt
galt es, ein neues, schöneres auszuführen.
Tic Milesier, Schüler des Anaximander
undAnarimenes, befanden sich amNil, um
zu Hcliopolis Astronomie und ägyptische
Weisheit zu studiren.
Der Dritte war ein reicher Kaufmann
und Schissshcrr, Namens Theopompus,
welcher sich zu Naukratis niedergelassen
hatte. Nbodopis selbst unterhielt stch leb
haft mit zwei Griechen aus Samos, dem
vielbcrühmien Baumeister, Metallgießer,
Bildhauer und Goldschmied Thcodorns
und dem Jamdendichter Jbykus aus Rhe
gium, welche den Hof des Polykrates auf
einige Wochen verlassen halten, um Ae
gypten kennen zu lernen und dem Könige
Geschenke ihres Herrn zu Übungen. Dicht
neben dem Herde lag ein wohlbeleibter
Plann mit starken, sinnlichen Zügen, Phi
lvinus aus Sybaris, lang ausgestreckt aus
dem bunten Pelzüberzuge eines zweisitzigen
Stuhls, und spielte mit seinen duftenden
golddurchslochtenenLccken und den goldenen
Ketten, die von seinem Halse aus das saf
srangslbeGewand hernieder fielen, welches
bis an seine Füße reichte.
Rhodopis hatte für Jeden ein freundli
ches Wort: jetzt aber sprach sie ausschließ
lich zu den berühmten Samiern. Sie un
terhielt sich mit ihnen über Kunst und Po
esie.
Tie Augen der Thracierin glühten im
Feuer der Jugend, ihre hohe Gestalt war
voll und ungebeugt, das graue Haar
schlang sich noch immer in vollen Wogen
um das schön geformte Haupt, und
schmiegte sich am Hinterkopfe in ein Netz
von zartem Goldgeflechte. Tie hohe
Stirn war mit einem leuchtenden Diademe
geschmückt.
Das edle griechische Angesicht erschien
bleich, aber schön und faltcnlos, trotz seines
hohen Alters; ja, der kleine immer noch
wohlzcsonnlc Mund, die großen, sinnigen
und milden Augen, die edle Stirn und
Nase dieses Weibes konnten einer Jung
frau zur Zier gereichen.
Man mußte Nbodopis für jünger hal
ten, als sie wirklich war, und dennoch ver
leugnete sie die Greisin keineswegs. Aus
jeder ihrer Bewegung sprach matronen
hafte Würde, und ihie Anmuth war nickt
die der Jugend, welche zu gefallen sucht,
fondern die des Alters, die sich gefällig er
weisen will, welche Aufsichten nimmt und
Rücksichten verlangt.
Jetzt zeigten sich die uns bekannten
Männer in der Halle. Aller Augen
wandten sich ihnen zu, und als Phanes,
seinen Freund an der Hand führend, ein
trat,bewillkommte man ihn aus'sHerzlichste,
einer der Milesicr aber rief:
Wußt' ich doch nicht, was uns fehlte!
Jetzt ist mir's auf einmal klar; ohne Pha
nes gibt es keine Fröhlichkeit!
Philvinus der Sybarit erhob jetzt seine
tiefe Stimme und rief, ohne sich in seiner
Ruhe stören zu lassen: Die Fröhlichkeit ist
ein schönes Ding, und wenn Du sie mit
bringst, so sei auch mir willkommen, Athe
ner!
Mir aber, sprach Rhodopis, auf die
neuen Gäste zutretend, seid herzlich ge
grüßt, wenn Ihr fröhlich seid, und nicht
minder willkommen, wenn Euch ein Kum
mer drückt; kenne ich doch keine größere
Freude, als die Falten aus der Stirn mei
nes Freundes zu glätten. Auch Dich,
Spartaner, nenne ich „Freund," denn also
heiß' ich Jeden, der meinen Freunden lieb
ist.
Aristomachus verneigte sich schweigend;
der Athener aber rief, sich halb an denSy
bariten wendend: Wohl denn, meine Lie
ben so kann ick Euch beide befriedigen. Du,
Rhodopis, sollst Gelegenheit haben, mick,
Deinen Freund, zu trösten, denn gar bald
werde ich Dich und Dein liebes Haus ver
lassen müssen; Du aber, Sybarit, wirst
Dich an meiner Fröhlichkeit ergötzen, denn
endlich werde ich mein Hellas wiedersehen,
und diese goldne Mäusesalle von einem
Lande, wenn auch unfreiwillig, verlassen!
Du gehst fori? Tu bist einlassen wor
den? Wohin gedenkst Tu zu reisen? fragte
man von allen Seilen.
Geduld! Geduld! Ihr Freunde, rief
Phanes, ich muß euch eine lange Geschickte
erzählen, die ick bis zum Schmause aufbe
wahren will. Nebenbei gesagt, liebste
Freundin, ist mein Hunger fast ebenso
groß, wie mein Kummer, euch verlassen
zu müssen.
Hunger ist ein schönes Ding, philosv'
phirte der Sybarit, wenn man einer guten
Mahlzeit entgegensieht.
Sei unbesorgt, Philvinus, antwortele
Rhodopis; ich habe dem Koche besohlen,
sein Möglichstes zu thun, und ihm mitge
theilt, daß der größcsle Feinschmecker aus
der üppigsten Stadt der ganzen Weit, daß
ein Sybarit, daß Philvinus über seine
zarten Gerichte strenges Gericht hallen
werde. Geh', Knakias, und sage, man
solle anrichten! Seid ihr jetzt zufrieden, ihr
ungeduldigen Herren? Arger Phanes;
mir hast Du mit Deiner Trauerkunde die
Mahlzeit verdorben!
Ter Athener verneigte sich; der Syba
rit aber philosophirte abermals: Zufrieden
heit ist ein sckönes Ding, wenn man die
Mittel hat, all' seine Wünsche zu befriedi
gen; auch danke ich Dir, RhodoplS, für
die Würdigung, weiche Tu meiner unver
gleichlichen Heimall) angeoeihen läßt. Was
sagt Anakreon?
He! Jbykus, hab' ich Deinen Freund,
der mit Dir an der Tafel des Polykrates
schmaust, richtig citirt? Ich sage Dir, daß,
wenn Anakreon auch bessere Ver>e macht
als ich, meine Wenigkeit sich dafür doch
nicht schlechter auf's Leben verstehe,
als der große Lcbcnskünstler. Er
hat in allen seinen Liedern kein Lob auf's
Essen, und ist denn das Essen nicht wichti
ger, als das Spielen und Lieben, obgleich
diese beiden Thätigkeiten ich meine
Spielen und Lieben mir auch recht
theuer sind? Ohne Essen müßt' ich ster
ben, ohne Spiel und Liebe kann ich schon,
wenn auch nur kümmerlich fortbestehen.
Der Sybarit brach, zusrieden mit seinem
schalen Witze, in ein lautes Gelächter aus;
der Spartaner aber wandte sich, während
man in ähnlicher Weise fortplauderle,
an den Delphier Phryrus, zog ihn
in eine Ecke und fragte ihm, seiner ge
messenen Art vergessend, in großer Auf
regung, ob er ihm die lang ersehnte Ant
wort des Orakels mitbringe? Das ernste
Gesicht des Delphiers ward freundlicher;
er griff in die Brustfalten seines Ehitorft-')
und holte ein kleines Röllchen von pcrga
mentartigem Schafleder hervor, aus dem
mehrere Zeilen geschrieben waren.
Die Hände des starken und tapferen
Spartaners zitterten, als er nach demßöll
chen griff, und nachdem er es geöffnet,
saugten sich seine Blicke an die Schristzügc
an, die es bedeckten. So stand er kurze
Zeit; dann schüttelte cr mißmulhig die
grauen Locken, gab Phryrus die Rolle zu
rück und sagte:
Wir Spartaner lernen andere Künste,
als Lesen und Schreiben. Wenn Tu
kannst, so lies mir vor, was Pylhia sagt.
Der Telphier überflog die Schrift und
erwiederte: Freue Dich! verheißt
Dir eine glückliche Heimkehr; höre, was
Dir die Priester! verkündet:
Fuhrt Tich der zaudernde Kahn herab zu jenem Ge-
Gespannten Ohres lauschte der Spar
taner diesen Worten. Zum zweiten Male
ließ er sich den Spruch des Orakels vorle
sen, dann wiederholte cr ihn aus dem Ge
dächtnisse, danlte Phrvrus, und steckte das
Röllchen zu sich.
Der Telphier mischte sich in das allge
meine Gespräch; der Spartaner aber mur
melte den Spruch desOrakels unaujhörlich
vor sich hin, um ihn ja nicht zu vergessen,
und bemühte sich die räthselhasten Worte
zu diuien.
Die Flügeltbüren des Speisesaales öff
neten sich. An jeder Seite des Eingangs
stand ein schöner, blondgelockter Knabe,
mit Myrthenkränzcn in der Hand; in der
Mitte des Saales erhob sich ein großer,
niedriger, glänzend polirtcr Tisch, an des
sen Seiten purpurrolhe Polster die Gäste
zu bcguemer Rast einluden.
Aus der Tasel pranglen reiche Blumen
sträuße. Große Braten, Gläser undLcha
len voller Datteln, Feigen, Granatäpfel,
Melonen und Weintrauben standen neben
kleinen siibernenßienenkörben; zarter Käse
von der Insel Trinakriach) lag aus getrie
benen kupfernen Tellern, und in der Milte
des Tisches stand ein silberner, einem Al
tar gleichender Tafelaufsatz, der rings mit
Myrten und Rosenkränzen umwunden
war, und von dessen Spitze süße Räuche
rungsdüste ausstiegen.
Am äußersten Ende des Tisches glänzte
das Mischgefäß, ein herrliches äginetisches
Werk, dessen gekrümmte Henkel zwei Gi
ganten darstellten, die unter der Last der
Schale, welche sie trugen, zusammenzubre
chen schienen. Dieser Mischkrug war, wie
der Altar in der Mitte des Tiscbes, mit
Blumen umwunden, und auch um jeden
Becher schlang sich ein Rosen- oder Myr
tenkranz.
Nojenblättcr waren in den ganzen Zim
mer umhcrgestreut, an dessen glatten Wän
den von weißem Stuck viele Lampen hin
gen.
Kaum hatte man sich auf die Polster i
niedergelegt, so erschienen die blonden
Knaben, umwanden diehäupter undTckul
tern der Schmausenden mit Myrten und
Epheukränzen, und wuschen ihre Füße in
silbernen Becken. Als der Vorschncider
schon die ersten Braten, um sie zu zerlegen
vom Tische genommen hatte, machte sich
der Sybarit noch immer mit den Knaben
zu schassen, und ließ sich, obgleich er schon
nach allen Wohlgerüchen Arabien's dusieie,
förmlich in Rosen und Myrten einwickeln;
nachdem jedoch das erste Gericht, Thunsische
mit Senfvrühe, aufgetragen worden wa>-,
vergaß er aller Nebendinge und beschäf
tigte sich ausschließlich mit dem Genusse
der trefflichen Speisen. Ryodopis saß aus
einem Armstuhie an der Spitze der Tascl
neben dem Mischlruge, und leitete sowohl
j die Unterhaltung, als auch die aufwarten
den Sklaven.
Mit einem gewissen Stolze sah sie auf
ihre fröhlichen Gäste, uud schien sich mir
jedem ausschließlich zu beschäftigen, indem
i sie sich bald bei dem Delphier nach dcm
Erfolge feiner Sammlungen erkundigte,
-> Hcmdattigc Uittergewand.
—) Beiname, welchen Apollo wegen seiner dunlie
schiescn Lratelsprüche sllhrie.
s) Ltcilien,
bald den Sybariten fragte, ob ihm die
Werke ihres Koches behagten, bald dem
Jbykus lauschte, welcker' erzählte, daß
Phrynichus von Athen die religiösen
Schauspiele des Thespis von Jkaria in's
bürgerliche Leben gezogen habe, und mit
Choren, Sprechern und Gegensprelöern
ganze Geschichten aus der Vorzeit ausfüh
ren lasse.
Dann wandte >ie sich an den Spartaner
und sagte ihm, daß cr der Einzige sei, bei
dem sie sich nicht wegen der Einfachheit ih
resGaslmahis, wohl aber wegen der ttcpi
vigkeit desselben zu entschuldigen habe.
Weitn cr nächstens wiederkomme, solle ihm
ihr ckiave Knakias, der sich rühme, als
entwichener spartanischer Hetot, eine köst
liche Blulsuppe kochen zu können (bei die
sen Worten schauderte der Sybarit,) eine
echt iacedämonijche Mahlzeit bereiten.
Als die Gäste gesättigt waren, wuschen
sie sich von Neuem die Hände. Dann
wurde das Speisegeschirr abgeräumt, der
Fußboden gesäubert, und Wein und Was
ser in den Mftchkessel gegossen. Endlich
wandle sich Rhodopis, nachdem sie sich
überzeugt hatte, das; Alles im besten
Gange sei, an den mit den Milesiern strei
tenden Phanes und sagte:
Edler Freund! Wir haben jetzt unsere
Ungeduld so .ange bemeistcrt, daß es
wohl Deine Pflicht wäre, uns mitzuthei
len, weiches schlimme Ungefähr Dich aus
Aegypten und unicrcm Kreise zu entreißen
droht. Mit leichtem Sinne, den die Göt
ter euch Jonicru allen als köstliches Ge
schenk bei der Geburt zu spenden Pflegen,
magst Du Tich von uns und diesem Lande j
trennen; wir aber werden Deiner
lange schmerzlich gedenken, denn ich kenne
keinen größeren Verlust, als den eines seit
Jahren treu bewährten Freundes. Eini
ge von uns haben auch zu lange am Nil
gelebt, um nickt ein wenig von dem un
wandelbar beständigen Sinne der Aegyp
ter angenommen zu haben! Tu lächelst;
und dennoch glaube ich zu wissen, daß Tu,
obgleich Du Dich schon lange nach Hellas
sehntest, nicht ohne alles Bedauern von
uns scheiden wirst. Du gibst mir Recht?
Wohl, so erzähle uns denn, warum Tu
Aegypten verlassen mußt oder willst, damit
wir überlegen können, ob es nickt möglich
sei, Deine Verweisung vom Hose rückgän
gig zu machen, und Dich sür uns zn erhal
ten.
Phanes lächelte bitter und sagte: Ich
danke Dir, Rhodopis, sür Deine schmeichel
haften Worte und die gute Absicht, Dich
meines Abschiedes wegen betrüben oder
denselben womöglich verhindern zu wollen.
Hundert neue Gesichter werden Dich das
meine bald vergessen lassen, denn ob Du
auch schon lange am Nftslrom wohnst, so
bist Du doch, und dafür magst Da den
Göltern danlcn, Hellenin geblieben vom
Scheitel bis zur Sohle. Auch ich bin ein
Freund der Treue, aber ein Feind der
ägyptischen Thorheit; und ist wohl Einer
unter euchAllen,der es weise finden könnte,
sich über Unvermeidliches zu grämen? Die
ägyptische Treue ist in meinenAugeu keine
Tugend, sondern ein Wahn. Sie, die
ihre Todte seit Jahrtausenden bis heute
bewahren, und sich eher das letzte Brot,
als einen Knocken ihres Urahnen nehme
lassen, sind nickt treu, sondern thöricht. - -
Kann mir's Freude machen, diejenigen,
weiche ich liebe, traurig zu seben? Ge
wiß nicht! Ihr jclll euch meiner nicht in
monatlangen und sich täglich wiederholen
den Wehklagen erinnern, wie dieAegypter,
wenn ihnen ein Freund dahin scheidet!
Wollt ihr in der That des Fernen oder
Abgeschiedenen, denn ich darf Aegyp
ten, so lange ich lebe, nie wieder betreten,
- in späteren Tagen gedenken, so thut es
mit lachenden Munds, und rufet nicht:
Ach warum mußte PhaneS uns verlassen!
sondern saget: Wir wollen fröhlich sein,
wie Phanes, als er noch in unserm Kreise
weilte! So soll! ihr's halten, so besaht es
schcn^imo^
Wenn man nicht über die Todte klagen
soll, so ist es noch viel weniger weise, sich
um scheidende Freunde zu grämen, denn
jene sind jür immer dahin, diesen aber sa
gen wir bei'm Abschied: Aus Wiederse
hen!
Jetzt konnte der Sybarit, welcher schon
lange ungeduldig geworden war, nicht län
ger schweren und rief mit kläglicher
Stimme: Fange doch endlich zn erzählen
an. Du mißgünstiger Mensch. Ich kann
keinen Tropfen trinken, wenn Tu nicht
aufhörst vom Tode zu sprechen. Mir ist
ganz kack geworden, nno ich werde jedes
mal krank, wenn ich über . . . , nun,
wenn ich davon reden höre, daß wir nicht
ew'g leben! Tie ganze Gesellschaft
lachte, Phancs aber begann seine Ge
schichte zu crzäbien:
Zn Sais wohne ich, wie ihr wißt, in
dem neuen Schlosse; zn Memphis aber
wurde mir, als Obersten der griechischen
Leibwache, welche den König begleiten
muß, wohin cr auch reist, ein O.narlicr im
linken Flügel des alten Palastes angewie
sen.
Seit dem ersten Psamtik rcsidiren die
Könige zu Sais, darum wurde das Innere
der anderen Schlösser ein wenig vernach
lässigt. Meine Wohnung war im Grande
ganz vorzüglich gelegen, tvsllich eingerich
tet und wäre vorlrcsjtich geweicn, wenn
sich nicht, gleich bei meinem ersten Einzüge
in dieselbe, eine surchteare Plage fühlbar
gemacht hätte.
Bei Tage, wo ich übrigens selten zu
Hause war, ließ meine Wobnnng Nichts zu
wünschen übrig, bei Nackt aber war an
keinen-cblaf m denken, so fürchterlich spel
talelieii Tausende oon Ratten und Manien
unter den alten Fußböden, Tapeten >nd
Ruhebetten.
Ich wnßic mir leinen Rath in dieser
Noth, bis mir cndiick ein ägvpilscher Sol
dat zwei schöne große Katzen verlauste,
welckc mir auch nach mehreren Wochen
einige Ruße vor meinen Peinigern ver-
schassten.
Ihr werdet Alle wissen, das: eine.' der l
liebenswürdigen Gesetze dieses wunderli
chen Volkes, dessen Bildung und Weisheit
Ihr, meme mliesischenJrcunde,nicht sattsam
preisen könnt, die Katzen für heilig erklärt.
Göttliche Ehre wird diesen gtücklickenVier
süßlern, wie so mancher andern Bestie, zu
Tbeil, und ihre Tödinng eben so streng
bestrast, als der Mord eines Menschen.
Rbodopis, welche bis dabin gelächelt!
Halle, wurde ernster, als sie vernahm, daß j
die Verweisung des Phcmes mit seiner
Mißachtung der hciiigenThicre zusammen- !
hing. Sie wußte, wie viele Opfer, ja, !
wie viele Menschenleben diescrAberglaube
der Acgypter bereits gekostet hatte. Vor
Kurzem noch hatte König Amasis selbst ei
nen unglücklichen Sanfter, welcher eine
Katze gelödtet hatte, nicht vor der Rache
des zornigen Volkes zu reiten vermocht.
Alles war gut, erzählte der Oberst wei
ter, als wir Memphis vor zwei Jahren
verließen.
Ich hatte dasKatzenpaar derPstege eines
ägvptischen Schloßdieners anvertraut und
wußte, daß die ratlenseintsicheu Thiere
meine Wohnung für künftige Fälle rein
erhalten würden,ja, ich begann schon selbst >
den freundlichen Retlern aus der Mäuse:
gesabr eine gewisse Verehrung zu zollen. !
Im vorigen Jahre ward Amasis krank, !
che der Hos sich nach Memphis begeben
konnte, und wir blieben zu Scfts.
Endlich, vor etwa icchs Woche, mach
ten wir uns aus den Weg zu der Pvrami
denstadt. Ich bezog mem altes Quartier
und fand in dems.ftew keinen Schatten ei
nes Mäuseschwanzes wieder; statt derßat
ten wimmelte sie von einem anderen Thicr
geschlcchte, welches mir nicht lieber war,
! als seine Vorgänger. Das Katzer.paar
! hatte sich nämlick in den zwei Jabren mei
s uer Abwesenheit v rzwöissacht. Ich ver
buchte die lästige Brut von Katcrn jeden
l Aliers und aller Farben zu vcrtre.ben;
ober es gelang mir nickt, und ich mußte
i allnächtlich meinen Schlaf vm, entsetzlichen
> Viersüßler-Ehocgesängen, Katzenkciegsge
! jchrei uud Kctterlicdcru unterbrechen las
> sen.
Alljährlich, zur Zeit des BubaslissestcS.
ist es erlaubt, alte nhcrslnssigen Mäuie
sänger in den Tempel der katzenlöpsigen
Göttin Pacht atzzulicsein, woselbst sie ver
pflegt und, wie ich glaube, wenn sie sich
gar zu stark vermehren, bei Seite ge-
bracht werden. Diese Priester sind
Spitzbuben!
Leider fiel die große Fahrt zu dem be
sagten Heiligthuine nickt in die Zeit unse
res Aufenthaltes bei den Pyramiden; ich
aber konnte es schlechterdings mit dieser
Armee von Peinigern nicht länger aushal
ten und beschloß, als mich zweiKatzen von
Neuem mit einem Dutzend gesunder Nach
kommen beehrten, wenigstens diese bei
Seite zu schaffen. Mein alter Sklave
Müs, schon dem Namen nach ein geborner
Kalerfeind, erhielt den Auftrag, die jungen
Dinger zu tödten, in einen Sack zu stecken
und in den Nil zu werfen.
Dieser Mord war nothwendig, denn
vbne ihn würde das Miauen der jungen
Kater den Schioßwärtern den Inhalt des
Sackes verrathen haben. Ais es dunkelte,
begab sich der armeMüs mil seiner gefähr
lichen Last durch den Hathor-Hain nach
dem Nile. Doch der äguptischc Schioßdies
ner, weicher meineThiere zu füttern pflegte
und jede einzelne Katze bei Namen kannte,
halte unsern Plan durchschaut.
Mein Sklave ging gelassen durch die
große Sphftixaiiee an demTempei desPtah
vorüber; dasSäckchen hielt er unter seinem
Manie! verborgen. Schon im heiligen
Haine bemerkte er, das; man ihm folge; er
achtele aber nicht darauf und setzte seinen
Weg vollkommen beruhigt fort, als er be
merkte, daß die Leute, welche hinter ihm
hergingen, am Tempel des Ptah stehen
blieben und sich dort mit Priestern unter
redeten.
Schon stand cr am uscr des Nils. Ta
hörte er, wie man ibn rief, wie viele
Menschen ihm in schnellem Laufe folgten,
und ein geschleuderter Stein dicht an sei
nem Kopse vorüberpsiss.
Müs übersah die Gefahr, welche ibm
drohte. Mit dem Ausgebot aller Kräfte
jagte er bis an den Nil, schleuderte den
Sack in das Wasser und stand klopfenden
Herzens, aber, wie er glaubte, ohne jeden
Beweis seiner Schuld, am Uscr des Stro
mes. Wenige Augenblicke später war cr
von hundert Tcmpeldienent umringt. Ter
Oderpricstcr des Ptah, Ptahotep, mein al
ter Feind, stalte es nicht verschmäht, in ei
gener Person den Häschern zu folgen.
Mehrere derselben, und unter ihnen je
ner vcrräthcrische Palastdiener, stiegen so
fort in den Nit und fanden zu unserem
Verderben den Sack mit seineu zwölfLeich
namen, der unversehrt im Papnrus-Rohre
und den Bohnenranken am User hing.
Vor den Augen des OberpriosterS, einer
Schaar vonTempeldieiiern und wenigstens
lausend herbeigeeilten Memphiten ward
der baumwollene Sarg geöffnet. Als
man seinen unseligen Inhalt gewahrte,
erhob sich ein so entsetzliches Webcgeheul,
ein so jurchlbarcsKlage- nndßachcgeschrei,
vaß ich's bis zum Schlosse vernehmen
konnte. Tie wuthenlbranulc Menge stürzte
sich in wilder Leidenschaft aus meinen ar
men Diener, riß ihn zu Boten, trat ihn
mil Füßen und würde ihn sofort getödtct
haben, wenn der allmächtige Oberpriester
nicht „Hall" geboten und in oer Absicht,
mich, in dcm er den Urheber der Frevel
that ahnte, mit in'S Verdorben zu ziehen,
besohlen hätte, den schrecklich zugerichteten
Missethäter in's Gefängniß zu setzen.
Eine halbe Stunde später ward auch ich
festgenommen.
Mein aller Müs nahm alle Schuld des
Verbrechens aus sein Haupt, bis der Obe
rpriester ihm durch Bastonnadeu das Ge
ständnis; abnöihigle, ich habe ihm geboten,
die Katzen zu tödten, er aber, als treuer
Diener, meinem Befehle Folge leisten
müssen.
Tas Obergericht, gegen dessen Urtheils
sprüche selbst der König keine Macht be
sitzt, ist aus Prieslern von Memphis, He
liopolis und Theben zusammengesetzt; Ihr
könnt euch also denken, das; man den armen
Müs sowohl, als meine hellenische Wenig
keit ohne Bedenken zum Tode verurtheilte
Den Sklaven wegen zweier Kapitalverbre
chen: Erstens wegen des Mordes von hei
ligen Thieren, Zweitens wegen der zwöif
maligen Verunreinigung des heftigen
Nils durch Leichname; mich wegen der
Urheberschaft dieses, wie sie's nannten,
vierundzwanzigsacheu Kapitalverbrechens.
Müs ward noch am nämlichen Tage hin
gerichtet. Möge ihm die Erve leicht sein!
In mernem Andciuen wird cr nicht als
mein Sklave, sondern als mein Freund
und Wohlthäler fortleben! Im Angesicht
seiner Leiche ward auch mir das Todesur
theil vorgelesen, und ich machte mich schon
zur langen Reise in die Unterwelt fertig,
als der König befehlen ließ, die Vollstrek
tung meiner Hinrichtung aufzuschieben.
Ich ward in mein Gefängniß zurückge
bracht.
Ein arkadischer Taxiarclftft, welcher sich
unter meinen Wächtern befand, theilte mir
mit, das: sämmtliche griechischen Ossiziere
der Leibwache und eine Menge von Solda
ten, im Ganzen mehr als viertausend
Mann, gedroht hätten, ihren Abschied zu
nehmen, wenn man mich, ihren Führer,
nicht begnadigen weide.
Ais es dunkelte, wurde ich zum .Könige
gefühlt, welcher mich gnädig empfing. Er
seihst hestäligle mir die Mittheilung des
Toriarchcn und sprach sein Bedanern aus,
einen so heliedten Odersten verlieren zu
müssen. Was mich betrifft, so gestehe ich
gern, daß ick dem Amasis nickt zürne, und
mehr roch, daß ich ihn, den mächtigen Kö
nig, dedanre. Ihr hättet mit anhören
sotten, wie er sich beklagte, nirgend han
deln zu können, wie er wolle, und selbst in
seinen persönlichsten Angelegenheiten über
all von den Prieslern und ihrem Einflüsse
behindert und gefährdet zu sein. Käme es
nur ans ihu an, sagte er, so würde cr mir,
dem Fremden, die Uederlrelung eines Ge
setzes, welches ich nickt verstehen könne,
und darum, wenn auch fälschlich, für ab
geschmackten Aberglauben halten müsse,
gern vergeben. Ter Priester wegen dürfe
cr mich aber nicht ungestraft lasten. Ver
bannung ans Aegvplcn ici die gelindeste
Buße, welche cr mir auferlegen lönne.
Tu weißt nicht, mit diesen Worten schloß
er seine Klagen, wie große Zugesländnisie
ich den Priestern machen mußte, um Gnade
jür Dich zu erlangen. Ist doch unser
Obergcricht selbst von mir, dem Könige,
unabhängig!
Also ward ich verabschiedet, nachdem
ich einen großen Eid geleistet hatte, Mem
phis noch am selbigen Tage uud Aegypten
spätestens in drei Wochen verkästen' zu
wollen.
An der Pforte des Palastes tras ich mit
Psamtik, dcm Kronprinzen, zusammen,
welcher mich schon lange, ärgerlicher Ge
schichten wegen, die ich verschweigen muß
(Tu kennst sie, Rhcdopis,) verfolgt. Ich
bot ihm meinen Abschiedsgrnß; er aber
kehrte mir den Rücken zu, indem er aus
rief: „Auch dicßmal einkommst Tu der
Strafe, Athener; meiner Rache aber bist
Tu noch nicht entgangen! Wohin Ta auch
gehst, ich werde Dich zu finden wissen! So
darf ich hoffen, Dich wieder zu sehen! ent
gegnete ich ihm, schasste meine Habseligkei
ten auf eine Barke, und kam hierher nack
Naukratis, woselbst mir das Glück meinen
alten Gastfceund Aristomachus von
Sparta zuführte, welcher, als früherer Be
fehlshaber der Truppen vonEypern, höchst
wahrscheinlich zu meinem Nachfolger er
nannt werden wird. Ich würde mich
freuen, einen so trefflichen Mann an mei
nem Platze zu sehen, wenn ich nicht fürch
ten müßte, daß neben seinen vorzüglichen
Diensten die meinen noch geringer erschci-
neu werden, als sie es in der That gewesen
l sind.
Hier unterbrach Aristomachus den Atbc
! ner und lies: Genug des Lobes, Freund
Phanes! Spartanische Zunicn sind ungc
! lenk, mit Thaten will ich Dir aber, wenn
! Du meiner bedarfst, eine Antwort geben,
> die den Nagel ans den Kops treffen soll.
Ryodopis lächelte den beiden Männern
! Beifall zu. Dann reichte sie jedem die
Hand, und jagte: Leider habe ich Deiner
! Erzählung, mein armer Phancs, entnom
! men, daß Deines Bleibens nicht länger in
' diesem Laude sein kann. Ich will Dich
nicht wegen De nes Leichtnnncs tadeln,
z dennoch konntest Tu wissen, daß Du Dich
um NeinerEisolge willen großen Gefahren
aussetztest. Der Weile, der wahibajt
. Mulhi ze unternimmt ein Wagnis! nur
dann, wenn der Nutzen, der ibm daraus
! erwachsen kann, die Nachtheile überbietet,
s Tollkühnbeit in ebenso tböricht, w.nu auch
> nicht ebenso vcrwcrsiich als Feigheit, denn
! ) Anführer einer Zaew -der cesolpaguiehaupd-

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