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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, November 13, 1874, Image 2

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Der Teutsche Korrespondent.
Baltimore, !3. November 1574.
Die Wahl.
Wir haben unseren vollständigen, seit Dien
fiag über die Wahl gcbrachteußcrichtcu wenig
mehr hinzuzufügen! Die sechs Congreß-Bc
jirkc Maryland'ö werden in Zukunft durch
Demokraten vertreten werden,nachdem schließ
lich auch im 6. Bezirke Hr. Wm. Waksh mit
86 Stimmen Mehrheit Sieger ist.
In Verbindung mit dem Wahlausgänge
im 6. Bezirke, der mit beispielloser Zähigkeit
von den Republikanern bekämpft wurde, tagt
die Cumbcrländcr „Times:" „Die Demokra
tie Allegauy's hat große Ursache, sich zu dem
Resultate der Wahl zu gratulircii. Niemand
weiß besser, als der Schreiber dieses Artikels,
welch' entschlossene Versuche von den Freun
den des Hrn. LowndeS gemacht wurden, um
in den für unzufrieden erachteten Fluß-Bezir
ken zu siegen. Das Geld floß thalsächlich
nach Sharpöbnrg, Williamsport, Sandy-
Hook und Hancock, um Stimmen für Lown
des zu kaufen. Die infamsten Verlänmdun
gen wurden gegen Walfh verbreitet, feine Pri
vat-GeschäftS Angelegenheiten in den Kampf
gezogen und selbst sein religiöser Glauben
mißbraucht, um das Gemüth des Ungebilde
ten gegen ihn einzunehmen. Aber Alles war
vergeblich."
Die Cumberländer „News" (rep.) will wis
sen, daß der farbige Eandidat Moittgomery
415 Stimmen in Frederick und Ii in Alle-
Z-iny erhalten hat. Das Blatt äußert sich
darüber sehr ungehalten. Jede für Montgo
mery gefallene Stimme entehre den Manu,
der sie abgegeben, da sie dazu beigetragen,
Lowndes eine Niederlage zu bereiten.
Die Hagerstowncr „Free Preß" spricht sich
über die Bitterkeit des WahlkampseS ans.
Nicht nur habe die Demokratie es mil den
Republikanern des Bezirkes zu thun gehabt,
sondern auch von Washington und Baltimore
kam Hülfe und dasGeld derßegicruiig wurde
von Post- und Zollamts - Beamten freigebig
vertheilt. „Die Anführer des unzufriedenen
Elementes in unserer eignen Partei machten
gleichfalls jede mögliche Anstrengung, um
Walsh zu besiegen. Aber ihre Bemühungen
erwiesen sich als crsolglos."
1872 siegte Lowiidcö im 6. Bezirke mit
4616 St. (Allegany 83, Fredenck 68t, Wa
shington 245, Moittgomery 2!>3). Das er
klärt am Besten den Umschwung, der „trotz
alledem und alledem" im 6. Bezirke stattge
funden hat.
Die Berichte aus den anderen Staaten äu
dern wenig au dem früher berichteten Resul
tate, außer daß sie es für die Opposition noch
günstiger gestalten.
Jer Präsident der die Waylcr
fotge der Opposition.
Präsident Grant hat sich seit letztem Witt
woch iin Kreise seiner Freunde wiederholt über
die Wahlerfolge geäußert, nnd es mag allge
mein interessircn, was er, der von der Sache
mehr, als irgend ein Mann berührt wird, da
rüber zu sagen hat.
Nach der Meinung des Hrn. Grant waren
die Demokraten jedenfalls eben so sehr über
rascht, als die Republikaner, nnd er gibt ohne
Rückhalt zu, daß, obgleich er Verluste befürch
tete, doch nicht ani eine solche vernichtende Nie
derlage vorbereitet war. Dessenungeachtet
hegt er aber die feste Ueberzeugung, daß nicht
seine Politik oder seine pcrjönlichen Handlun
gen in irgend einer Welse zu dem Umschwünge
beigetragen haben. Soweit Louisiana in Be
tracht komme, habe er nur das Verfahren ein
geschlagen, welches ihm sein Pflichtgefühl vor
gezeichnel; er habe zwei Mal die Aiismcikiain
teii des EongresseS ans den Stand der Tinge
in jenem Staate gelenkt und jenen Körper er
sucht, ein geeignetes Verfahren vorzuzeichnen.
Der Congreß habe versäumt, die Sache zu
ordnen und ihm sei infolge Dessen 'Nichts
übrig geblieben, als die früher eingeschlagene
Richtung weiter zu verfolgen. Der Präsident
sagt es unumwunden, daß der Eongreß ganz
allein schuld sei a dieser Niederlage. Er legt
kein besonderes Gewicht darauf, daß von der
Nationalgesctzgebniig unterlassen wurde, die
Tinanzfrage zu ordnen, das sei keine Partei
maßregcl nnd da die verschiedenen Laiidesthcile
mit ihren Interessen iiißetrachi kommen muß
ten, so entziehe sich dieselbe jeder Partei Eon
trole. Dagegen hätten die unpraktischen und
Atopischen Idee 11 des Senaiors Sumncr,
wie sie in der Eivilrcchis Bill enthalten seien,
der Partei ungeheuern Schaden zugefügt. Er
ist fest überzeugt, daß die CivilrechlS Bill mil
der Niederlage der Partei mehr zu thun hatte,
als alle anderen Ursachen zusammen genom
men.
Der Präsident sprach sich bei dieser Gelegen
heit so erbittert über die Bill aus, daß man
überzeugt sein kann, daß er dieselbe mir dem
Veto belegen wird, im Falte sie in der nächsten
Sitzung noch passircn sollte. Im klebrigen
ist der Präsident durch diesen Sieg der Oppo
sition durchaus nicht ciitmiithigt; er glaubt,
daß die republikanische Partei noch immer eine
ruhmreiche Ziikuiisl habe nnd daß sie um die
bisherigen Irrthümer gut zu machen brauche,
lim im Jahre 1878 zum Siege zu schreiten.
Der Eongreß, welcher im Dezember znsam
inentrete, könne in drei Monaten seiner Thä
tigkcit Alles wieder gut machen und das Ver
trancii des Volle zurückgewinnen.
Der Präsident hat bisher in keiner Unterre
dung zugegeben, daß der dritte Termin irgend
Etwas mir dem Ausfalle der letzten Wahl zu
thun haben. Dagegen wud das letzte Wahl
lesnltat um so mehr mit dem dritten Termin
zu thun haben. Für seine Ansicht führte
Hr. Grant einige sonderbare Beispiele an:
Die republikanische Staats - Convention von
Süd - Carolina meint Hr. Grant habe
sich emphatisch tür einen dritten Termin cr-
Ilärt und habe ihre Eandidaten siegreich er
wählt; auf der anderen Seite hätten sich die
>HH. Dix und Roberts in New Zjork gegen den
dritten Termin erklärt nndßeide seien geschla
gen worden. Ter Präsident macht hier einen
Trugschluß, welcher jedem dcnkendenMeiis-heii
sofort in's Auge fallen muß. In dem 'Neger
stacne Süd-Earolina, wo die eorruptc Moses
Ehamberlam-Eligne die ganze Wahlmaschine
in den Händen hatte, haben allerdings die Re
publikaner gesiegt, aber wie? Ihre Majori
tätist von 33,000 Stimmen ans 8000 Stim
men reduzirt worden, was cincmOpposilionS
gewinne von 27,000 Stimmen gleichkommt
nnd mit PyrrhnS können sie ausruteii: „Roch
ein solcher Sieg nnd wir sind verloren." Wenn
Hr. Grant darin ein Zeichen sieht, daß das
-Volk seinen dritten Termin billigt, dann muß
uns der Mann leid thun. Was die HH. Dix
und Roberts anbetrifft, so ist es notorisch, daß
sie wegen der brennenden Tagessrage erst den
Mund öffneten, als ihnen die Niederlage m's
Angesicht starrte. Hierdurch wird übrigens
unsere vor mehreren Tagen ausgesprochene
Ansicht, daß der „dritte Termin" noch lange
nicht aus dem Wege gcränmt sei, mehr, als
bestätigt.
Der demokratische Wahlsieg und
die Ftnanzwctt.
Während der letzten Campagne wurde von
Washington aus das Stichwort für die kleinen
Partei - Organe gegeben, einen allgemei
nen Finanzkrach zu verkünden,,in Falle die
Demokraten siegreich sein sollte. Es war
-rührend zu lesen, wie der „Pirtsburgcr Frei
heitssrcund" seine Leser ermahnte, doch >a
nicht demokratisch zustimmen, weil sonst die
Fünfzwanziger enlwcrthet würden und da
durch ihre Brüder und Freunde in Temicy
land, welche auf das Vertrauen der repubtt
klinischen Partei die Bonds geiioiiinieir häi
ten, in den Bankerott gelrieben würden. An
dere republikanische Wurstblättchen jammer
ten noch mehr nnd sagten einen allgemeinen
Krach, National. Bankerott oc. voraus.—
Seitdem ist nun das Schreckliche, ja das
Allerschrecklichste geschehen: die Nachricht von
dem politischen Erdbeben ist sogar heute schon
in ganz Europa bekannt, und merkwürdiger
Weise sind die Fünszwanziger nicht nur nicht
gefallen, sondern sogar gestiegen. Wie ein
New-'lorker Finaiizblatt meldet, find sogar
gestern in London und Frankfurt vedentciidc
Änkäufe in amerikanischen Papieren gemacht
worden von Leuten, welche eben erst den Ver
kauf der Wahlen abwarteten, ehe sie tansten.
Thatsache ist, daß man in Europa eben so
wohl weiß, als in Amerika, dass der demokra
tischen Partei die Ehre der Nation ebenso,
Vielleicht noch mehr am Herzen liegt, als ir
gend einer anderen. Und jedenfalls genießt
sie heule als Hartgeld- und Dans Reform
Partei weit mehr Vertrauen, als die rcpnb
kikanische.
Der Präsident und Louisiana.
In Louisiana beabsichtigen die politischen
Falschspieler Kellogg, Packard nnd Eascy das
alte Spiel von 1872 zu wiederholen und das
Volk abermals um sein Wahlresultat zu be
trügen; dabei hoffen sie selbstverständlich wie
der auf die Unterstützung der Administration.
Gin Wort von Seiten des Präsidenten würde
diesen beabsichtigten Schwindel hintertreiben;
in Wort an Casey und Packard, daß die Ad
ministralion nicht länger im Stande sei, die
Hast eines Kellogg mit fortzuschleppen, würde
das politische Verbrechen verhüten und dem
Volke von Louisiana, an weichem sich Graut
ja schwer versündigte, sein Recht zu Theil
Vierden lassen. Wird der Präsident dieses
eine Wort sprechen ? Die „Neiv-Hork Tri
büne" hat schwache Hoffnung, daß er es thu
werde; wir nicht. —Die Berbrecherbande,
welche an der Spitze der Natioiialrcgierung
steht, ist bereits zu weit gegangen, der Rubi
con ist von dem modernen Cäsar längst über
schritten; sie wird ihren verderblichen Weg
weiter wandeln, aber dieser Weg führt nicht
zum Kapitale, sondern an der Via Trinmpha
lis vorbei zum Tarpejischen Felsen.—Die Zu
kunft riecht nach Leichen.
Ansichten des Senators Wn. P.
Whyte von Marnland über die
Wahl.
Ex-Gouverneur Whyte von Maryland,
dessen Termin als Bundcssenator am4.Mär;
1875 beginnt, wurde dieser Tage von einem
Berichterstatter über seine Ansichten in Be
treff desWahlreiultates ausgefragt; er äußerte
sich Folgendermaßen:
„Niemand kann die Ursachen, welche diese
plötzliche Revolution herbeigeführt haben, ge
nau und bestimmt angeben. Eine einzige
Ursache konnte unmöglich eine so überraschende
Wirkung erzeugen. Viele Gründe müssen zu
sammcn gewirkt haben. Das Gefühl der
Dankbarkeit für inililärijche Dienste, welches
in der Erwählung von Harrison, Taylorund,
Grant seinen Ausdruck fand, ist erschöpft/
und das Volk hat, da es die augenscheinliche
Unfähigkeit sah, mit welcher Grant das Amt
verwaltete, da es ferner die Absicht des Prä
sidenten merkte, einen dritten Termin zu er
schleichen, sich wie ein Mann erhoben, um
diese Aspiration im Keime zu ersticken. Außer
dem wurde das Volk dnrch den beständigen
Gebrauch der Militärgewall im Süden, zur
Wachsamkeit angetrieben, und es hat durch
diese Wahl versucht, den alten Grundsatz
dieser Republik zu vindizire, nach wa
chem das Militär derCivilgcwali untergeord
net ist.
Grant hat keine bürgerliche Autorität aus
geübt und wenig versucht, die friedlichen Be
ziehungeii zwischen Bürgern der einzelnen
Staaten zu fördern: er hat buchstäblich Nichts
gethan, um den Wohlstand und die Geschäfts-
Interessen des Landes zu heben. Wie Lin
coln zu sagen pflegte, hat er die Regierungs-
Maschinc ihrem Schicksale überlassen. Alle
Gesetze für den Süden lauteten, als ob die
selben für rebellische Eolonie'n, anstatt für
Brudcrstaaten, gemacht seien. Tie Führer
der herrschenden Partei haben alle Lehren der
Väter dieser Republik mißachtet. Sie waren
außerordentlich thätig, die allen „Seditions-
Gcseye" aus der Administration von John
Aoams aufzufrischen; sie versuchten, dem
Volke sociale Verbindungen und Beziehun
gen gesetzlich aufzuzwingen, wogegen sich die
Instinkte der kaukasischen Rasse naturgemäß
sträubten; sie verwendeten ihre Zeit imDienste
des Volkes entweder auf Maßregeln zur per
jöiilichenßereicheruiig, oder zur Verlängerung,
resp. Verewigung der Parteigewalt, anstatt
sich durch weise Gesetze den Dank des Volkes
zu verdienen.
Die Eorruption, welche in letzteren lah
rcn durch verschiedene Untersuchungen enthüllt
wurde, die gänzliche Mißachtung der öffent
lichen Meinung in Bezug auf den „Salair-
Diebstahl" und dieVerzwcifluiig desVolkes an
derZnkunft haben dasJhrige dazu beigetragen,
die furchtbare Phalanx zu durchbrechen. Wäh
rend in einigen westlichen Staaten lokale Ur
sachen mitwirkten, waren die oben angeführ
lcu Gründe wohl doch die Hauptsedern. Der
Geist, welcher unsere Väter beseelte, als sie
diese Republik gründeten, obgleich abge
schwächt, ist durchaus noch nicht auSgestor-
bcn; ich zweifele nicht daran, daß es uns ge
liiigcn wird, verschiedene Schäden und Nisse
ihres schönen Werkes auszubessern. Doch die
Rückkehr zu dem wahren Systeme wird nicht
durch lärmende Revolution, sondern durch
gemessene, vorbedachte Schritte allmälig er
reicht."
Ans die Frage, ob nicht die Conrantfrage
ihren Einfluß ans das Wahlresultat aus
geübt habe, antwortete der Senator weiter:
„Allerdings! Die Hartgeldfragc hat ohne
Zweifel der Opposition in New-?)ork und
Massachusetts zum Siege verHolsen. Kein
Eonrant, welcher nicht ans Einlösung durch
Hartgeld begründet ist, kann in diesem Lande
lange Vertrauen verdienen, und der Fehlschlag
der gegenwärtigen Administration, welche die
politische Gewalt in allen Zweigen der Regie
rung in Händen hatte, auch nur einen Schritt
zur Wiederaufnahme der Hartgcldzahlung zu
unternehmen, hat das Volk ans die absolute
Nothwendigkeit einer Veränderung aufmerk
sam gemacht. Grantismuö nnd Buiterismns
hatten natürlich auch ihren Antheil an dem
Erfolge, nnd der Same, welchen Snmncr
gegen persönliche Regierung ausgestreut, hat
inehr als hundertfältige Früchte getragen."
Die Frage, ob der Erfolg hier seine Gren
zeit haben, oder ob die Demokratie die nächste
Präsidentenwahl gewinnen werde, beantwor
tete Hr. Whyte, wie folgt:
„Ich bin infolge dieser Siege durchaus
nicht sanguinisch. Dieselben sind geiahroro
hend für das Volk. Wie ich an den „Manhat
tan-Elnb" nach New- 2)ork telegraphirt ha
be, befürchte ich recht sehr, „daß zu viel Er.
folge 1111 S den Kopf verrücken mögen." Wir
werden große Noth haben, den turbilleiiten
Geist intimeren Reihen z unterdrücken. Re
volutionen am StimmkasM bringen nur gar
zu leictft schlechte Charaktere in den Vorder
grnnd und wir müssen uns vorsehen, daß wir
keine Kcllogg's und Butler's dulden. Wir
müssen die Eonservativen in den Reihen der
Republikaner anerkennen, welche nicht länger
die Mißbrauche in ihrer Partei mit ansehen
konnten nnd dürfen diese Leute nicht von uns
treiben, indem wir uns gerade nicht besser be
nehmen, als die Partei, weiche wir unterdrückt
haben. Wenn wir rechtschaffen an die Arbeit
gehen, weise Geselle für das Volk zu machen
dann werden wir bald finden, daß die wahre
republikanische Regierung in inisercm Lande
noch nicht zu den verlorenen Künsten gehört,
nnd daß dieselbe noch heute von der großen
Mehrheit des amerikanischen Voltes nmcr
stützt wird."
Ter ttlichfte Senat.
In Folge der eigenthümlichen Einrichtung,
wornach das Repräsentantenhaus direkt vom
Volke aus zwei Jahre, der Senat aber von
den Gesetzgebungen der Einzelnstaaren auf
sechs Jahre erwählt wird, haben wir im 44.
Eongresse bei einem überwältigend demolra
tischen Hause einen republikanischen Senat.
Der letztere Körper zählt zur Zeit 74 Mit
gliedcr, davon bleiben 50 während des näch
sten Coiigresscs im Amte. Bisher hatten die
Republikaner 49 Senatoren, also nahezu eine
Zwcidrillels - Majorität. Nene Senatoren
werden in 24 Staaten erwählt; von diejen
werden die folgenden Republikaner durch De
mokraieii ersetzt werden: Bnckingham von
Eoiinceticut, Pratt von Indiana, Ehandlcr
von Michigan, Scott von Pennsylvanieii,
Browiilow von Temieffee, Flanagan von Te
xas, Lewis von Virginien und Boreman von
West-Virginicn. Tie Republikaner werden
deshalb auch im nächsten Senate eine be
deutende Majorität haben.
Der amerikanische Partei
isitepffant.
Sehr treffend und witzig nennt der Aineri
kancr ein Ding, welches mehr tostet, als es
nützt, einen Elephanten.—Jeder Zweig des
öffenllichcn Lebens hat hier zu Lande seine
Elephanten: der Handel nndz Verkehr, die
Presse und die öffentliche Verwaltung, selbst
verständlich auch das Parteiwesen. Manches,
was man im ersten Augenblicke für einen Ge
wiiin zu halten berechtigt ist, stellt sich nach
träglich als Elephant heraus. Die repnbli
kaiiischc Partei jubelte vor 3 Jahren über den
ungeheuern Zuwachs, welchen ihr das Ne
ger - Votum im ganzen Lande bringen mußte,
die tollsten Gesetze zu Gunsten des Negers
wurden im Eougrcsse eingereicht und theil
weise erlassen; mit unanständiger Hast wurde
der schwarzcVruder ans der politischen Rang-,
resp. Aemterleiter cmporgcschobcn; mit Carl
Schurz, dem crstenTcutschcn, trat auch Ehren-
Rcvcts, der erste Neger, in den Bundes-Se
nat ein; im Hanse haben in den letzterenJah
reu mehr Neger gesessen, als jemals Deutsche
im Eoiigresse gewcieii sind. Sanguinische
schwarze Politiker dachten bereits an den Tag,
an welchem der amerikanische Janhagel einen
"c!eiui viMloi" zum Präsidenten, oder
doch wenigstens zum Vice Präsidenten des
Landes erwählen würde. Der 'Neger wurde
unter diesen Verhältnissen ein cifrigerAemter
jäger, und mit der seiner Rasse eigcnenUnvcr
schäintheit drängte er sich überall vorne hin.
Tic Republikaner sehen jetzt ein, daß sie sich
an dem schwarzen Bruder einen Elephanten
erzogen haben.
Bei der letzten Eongreßwahl im Süden ha
ben 25 Prozent aller 'Neger ohne Zwang nnd
Einschüchterung mii den Demokraten ge
stimmt. Tic Gründe liegen nahe. Ter Re
publikaner, resp. „Carpet - Bagger," im Sü
den konnte den Forsernngen der 'Neger nicht
noch mehr Zugeständnisse machen, sonst wäre
er und icin kurzlebiges Geschlecht selbst zu kurz
gekommen; die Republikaner zögerten, durch
Annahme der „Civil - Rechts-Bill" das
Emaiizipatioiiswcrk zu krönen, deshalb wur
den sie von dem schwarzen Siimmgeber mit
der Waffe verwundet, welche sie ihm selbst in
die Hand gaben. Selbstverständlich herrscht
im radikalen Lager unbegrenzte Erbitterung
über den ungetreuen Schwarzen, und die
Gratulationen, mit welcher die Demokratie
wegen ihrer schwarzen Vundesgcnossen von
der republikanischen Partei - Presse bedacht
wird, sind zu heftig, um witzig zu sein.
Ter „Ameriean" wünscht den Demokraten
Glücl zu dem „Elephanten" und ist neugierig,
wie sie mit demselben fertig werden.
Nun, wir glauben, ganz gut; denn was
für den Emen Gift, ist dem Andern Medizin.
Tie Demokraten mögen dem Neger weniger
versprechen, als die Republikaner, die allge
meine Umärmclnng des schwarzen Mitbür
gers wird von ihnen kaum praklizirt werde,'
aber sie werden der schwarzen Rasse weil mehr
reelle Wohlthaten erzeigen, als die Radika
len, welche aus fleißigen Leuten durch ihr
Dcinagogenthnm faule Bummler nnd ver
lotterte Acmterjägcr gemacht haben. Für
die demokratische Partei wird das schwarze
Element jedenfalls nicht zum Elephanten wer
den.
Ei Sieger oline ttrauz.
Bei dem allgemeinen Jubel, welchen die
demokratischen Siege in Massachusetts und
New?)ork, in Illinois und Missouri, j
Louisiana nnd Alabama erzengten, hat man
einen Staat ganz vergessen, und zwar Einen,
der mit Recht von sich sagen kann: „Ich habe
mehr gethan, denn sie alle." Es war unser
Nachbarstaat Pennj>>lvanien. Die Schuld
liegt an der albernen Berichterstattung ans
Mein Staate. Drei Tage lang wurde über
Nichts, alSGewinne oder Verluste in den ein
zelnen Wahlkreisen und Eonntics berichtet
wie es im Maate stand, konnte man fast nicht
eher erfahren, als bis das Interesse an der
Wahl bereits halb erkaltet war. Der Agent
der „Assoe.Pressc" in Philadelphia scheint ein
in der Wolle gefärbter Republikaner zu sein
denn eine demokratische Siegcsdepesche wurde
stets durch zwei republikanische abgeschwächt
Jetzt, wo sich der Pulvcrdampf verzogen und
das Schlachtfeld frei vor unsern Blicken liegt
sehen wir erst, welch' ein wackeres Stück Ar
beit unsere Freuiidc in dem Keystone State
gethan haben. „Scott-Tyrannei" und , Ca
meron Ring" sind todt; Plann, der Ring
Diktator von Philadelphia, ist gestürzt: Kelly
ist zwar nicht geschlagen, aber schwer verwun
det hat er sich gerettet. Die republikanische
Mehrheit, welche in der letzten Präsidenten
Wahl ca. 130,cxm Stimmen betrug, ist nniii
hilirt, eine bedeutende demokratische Mehrheit
ist an die Stelle getrete, die Opposition hat
9 Conareßmitglieder mehr, als in ir
gend einem Staate gewonnen, und>
der nächsten Winter zu erwählende Bundcs-
Senator wird nicht, wie der alte Ringmeister
Simon wünschte und Hofitc, DonCamcron
heißen. , -v
Deshalb sagen wir brav gemacht, Ihr
Demokraten vonßerks, Lccha nnd'Zork, Cum
berland nndSusauehanna, aber auch brav
gcmachi, Ihr Republikaner von West-Penn
sylvailleii, die Ihr durch dieses verständige
'Benehmen den unerhörten Umschwung her
beigeführt habt! Wahrhaftig, wenn einStaat
von der Demokratie für sein Verhalten in dcr
letzten Wahl den Kranz verdiente, so ist es
Peiiiijylvanicn, nmer glorrcicherNachbarstaat,
gewesen. Peiinsylvanicii, seit Jahren der re
publikanische Banncrsiaat, giebt die besten
Bürgschaften, daß es tünsttg in der Reihe der
Opposition vorauschreiten wird.
Was die demokratische Partei sein
sollte.
Als snndamentake Prinzipien der Jeffer
son'schcn Regierungs Theorie und ihreEonse
gueuzen heben wir folgende Salle hervor:
Tie Welt wird zu viel regiert.
Es ist die Tendenz der Gewalt,fortwährend
aus den Händen der Vielen in die Hände der
Wenigen zu schlüpfen.
Alle Regicrungsgcwalt führt zum Miß
brauch und schaßt Versuchungen, denen die
menschliche Natur nur selten widerstehen kann.
Um daher diese Mißbrauche zu verhindern u.
die Versuchungen abzuschneiden, ist es noth
wendig, die Thätigkeit der Regierungen und
öffentlichen Verwaltungen auf die geringst
möglichen Wirkungskreise zu beschränken.Mit
anderen Worten: Gebt den Administrationen
so wenig, als möglich zuthun, und laßt sie
so wenig, als möglich regieren, besorgen, be
treiben oder verwalten.
Der eigentliche Grimdzweck aller Regierun
gen, der einzige zu rechtfertigende Zweck aller
Besteuerung ist der ch.ntz der Rechte derßür
gcr, der Schutz des Lebens, der Freiheit, der
Person, des Eigenthums und des unbehinder
ten Geschäftsbetriebs. Die Regierung hat es,
wie Jesserson ganz richtig bcmerkle, nicht mit
Intere s s c >l, sondern nur mit Rechten
zu thun. Sie hat sich weder in die Geschäfts-,
noch in Privatverhältnisse der Individuen zu
mischen. Sie hat weder einen Industrie-
Zweig amKostcn des anderen zn bevorthcitcn,
noch die Moral, den Geschmack und die Ge
wohnheiten lhrcr Bürger zu controlircn und
zu bevormunden.
Alle Menschen sind gleich vor dem Gesetz.
Keine Besteuerung der Vielen zu Gunsten der
Wenigen. Keine ipeziellen Vorrechte, Mono
pole und Privilegien.
Selbst-Rcgicrnng ist der Grundgedanke des
amerikanischen Systems. Sclbstrcgierung
besteht jedoch nicht in unzähligen, nntzloseii
Wahlen, sondern darin, daß man der Privat
thätigkcit Alles überläßt, was zur Erfüllung
der Regierungszweckc nicht absolut nothwen
dig ist, und daß man jeden Einzelnen unbe
hindert thun läßt, was ihm beliebt, so lange
er nicht in die Rechte seiner Mitmenschen ein
greift oder den öffentlichen Frieden stört.
Ein republikanisches System erfordert Ein
sachheil im MaatShanßhall. 'Alle nnnölhigen
Aemter, Bürcaus und Departements sollen
abgeschafft, alle nnnöthigcn Funktionen auf
gegeben werden.
Dieselben Grundsätze der Rechtlichkeit, die
in Beziig aus Privatgeschäfte gelten, müssen
auch auf die Finanz Verhältnisse der Regie
rung angewandt werden. Die Finalizsrage
ist nur dann schwierig, wenn man sich Regie
rnngs-Finanzen als etwas ganz eigenes vor
stellt mch einen anderen 'Maßstab an sie anle
gen will, als an Privatgeschäfte. Was ein
Ehrenmann verspricht, das hält er auch. Was
er schuldig ist, bezahlt er. Das ist das gan
ze Geheimniß der Finauzkunsl. Tie ganze
civilisirte Welt hat einen und denselbenWerth.
messcr, nämlich Gold und Silber. Gesicher
tes Papiergeld ist sehr gut und bequem, aber
es ist kein wirklicher Werth, sondern bloß der
Repräsentant des wirklichen Werthes. Pa
piergeld ist blos ein ZahUuigsverjprcchen und
jedes derartige Versprechen muß gehalten wer
den.
Ans diesen allgemeinen Grundsätzen läßt
die Anwendung ans spezielle Fragen sich mit
Leichtigkeit herleiten. Die Schwierigkeiten der
Tarif-, Currency-,Tempere;-11. uinercuVer
hessermigs - Fragen verschwinden, wenn man
sie im Lichte der obigen Fundaincntal-Grnnd
sätzc betrachtet.
Wenn die demokratische Partei zu diesen
Grundsätzen zurückkehrt, so wird sie daS öffent
liche Vertrauen wieder sichern nnd das Land
vor dem Untergang bewahren tonnen. Wenn
sie aber mit neuen Götzen buhlen nnd wider
sprechendeExperimente versuchen, wenn sie sich
nicht um Prinzipien bekümmern, sondern blos
ans Beute und Raub ausgehen will, wenn sie
uns keinen durchgreifenden System - Wechsel,
sondern einen hloßcnPcrsonen Wechsel inAus
sichl stellt, so wird sie entweder wieder znsam
meiibrecheii oder die Intimst des Landes wird
eine sehr trübe und dniille sei.
Unsere „glorreiche Armee."
Ter des Generals Sherman,
vom 2-t. Oktober d. I. datirt, liegt jetzt vor.
Nach demselben betrug die Gesammtzahl der
eingcmiistcrtcn Leute amDalum des Berichtes
28,400 Maiin.
Der General sagt, daß ohne Zweifel bis
zum l.lan. 1875 die Armee durch Todesfälle,
Entlassungen:e. bis ans die von dem Gesetz
limitine Zahl von 25,000 Mann reduzirt sein
würde. Dadurch würden die Eompagnic'n
so tleiu, daß deren Tiensitüchtigleit bedcmcnd
beeinträchtigt werden müßte. Die Eompag
nic'n müßten stärker gehalten werden, weil
nach Todesfällen und Entlassungen Monate
verstreichen, bis die fehlende Männschast in
enlfcrnlcrcn Gegenden wieder ersetzt werden
könne.
Nachdem die einzelnen Departements auf
gezählt sind und jeder Commandeur sein spe
zielles Loh erhalten hat, wird auch die Mann
schaft in Reih' und Glied in entsprechender
Weise „gepufft." Der General lobt die DiS
siplin nno die Aufführung der Offiziere und
Soldaten, und sagt, daß die kleine Armee aus
dem sogenannten Friedensfuße die angestreng
teste und am härtesten arbeitende Klasse irgend
eines Landes sei.
Dem Berichte des Generals ist der des Ge
neral - Licntenants Sheridan beigeschlossen.
Die iinter Eommando Sheridan's stehende
Militär - Division des Missouri zählt 28 feste
MUitärpostcii, welche von 8 Eavallene-Regi
inciitern, 7 Regimentern Infanterie und einer
kleinen Ingenieur-Abtheilung, zusammen et
wa 17,819 Mann, garniioiiirl werden.
General Sheridan sagt, daß diese tleine
Armee mit Rücksicht auf die vielseitige Ver
wendung in dem ausgedehnten Terrain und
im Hinblick ans die geringen Verwilligungen
des Eongresseö so viel geleistet hat, als man
nur erwarten konnte.
Im Betreff der Cufiar'schcn Expedition
nach den Black-Hills berichtet der General,
daß dieselbe erfolgreich gewesen. Das Land
sei besser, als man erwartet hatte, es entyatte
viel gutes Hol; und gutes hochgelcgencsLand.
Bei Harner's Peak sei etwas Gold gefunden
worden, von einer großen Menge könne aber
noch keine Rede sein. Gen. Sheridan em
pfiehlt die Gründung eines großen Militär
posteus in dem Black Hill-Gebiete.
Tie Indianer - Unruhen werden dctailiirt
besprochen, über dieselben sind aber früher
schon die einzelnen Berichte bekannt gewor
den. General Sheridan dlfseriri in seiner
Ansicht über die Ursache der Indianer-Trubel
mit General Pope und schreibt dieselben der
milden Behandlung der Indianer zu. An
statt diese wegen ihrer streiszügc iid Untha
ten zu bestrafen, hätten die Reservationen
den Indianern die Mittel gegeben, in Texas
einzufallen und dieselben nach ihrer Rückkehr
wieder beherbergt und ernährt. Tic gegen
wältigen Feindseligkeiten mißt der General
nicht den Aufhetzungen der Weißen und dem
Whiskey hei, sondern dem rnhclosenEharakter
der Indianer, welche sich nur mit Waffen be
schäftige können und sich deshalb aus den
Kriegspfad und die Plünderung begeben, so
bald das Gras groß genug ist, ihren Ponies
genügendes Fultcr zu gewähren. Tie Zu
stände am Rio-Grande sind jetzt in ziemlich
guter Ordnung, nachdem diclndiancr ordent
lich gezüchtigt worden. Mexikanische Pferde
diebe haben an der südlichen Linie des Rio-
Grande große Unanuchmlichkeiren verursacht,
doch auch diese Diebstähle sind seltener gewor
den.
Eine Wichtige Aitslieferuttgsfrage
ctttschicdctt.
Hermann Thomas war vor einiger Zeit
wegen angeblich in Bahern begangener Fäl
schungen in Rew-Ljork verhaftet nnd vom
Bundes Eommissär Behufs Einleitung eines
Ansliefernngsversahrens dem Gefängnisse
überwiesen worden. Sein Anwalt hatte vom
Richter Blatchsord einen Habens Eorpns-Bc
fehl erwirkt, über welchen vorgestern im Bun
desgerichte verhandelt wurde. Ter Anwalt
beantragte die Freilassung seines Clienten
ant den Grund hui, daß der mit Bayern ab
geschlossene Auslieferungsvertrag nicht mehr
gültig sei, weil Bayern seil dem Abschlüsse
desselben ein Theil des denlschen Reiches ge
worden sei, und Alisliescrnngsvcrträge nur
zwischen Nanonalregicriingen und nicht zwi
schen einer Natioiialregicrnng „und einem
Theile oder einer Provinz" eines anderen
Landes bestehen lönne. - Richter Blatch
sord wies den Antrag zurück, weil der An
schlnß Bayern' an das deutsche Reich den
zwischen den Ver. Staaten nnd Bahern abgc
schlossencn Vertrag nicht aufhebt. Auch die
Freilassung des Joseph Schwict ans Wcst
phalen, welcher ebenfalls i seiner Heimalh
Schwindeleien begangen haben soll, wurde
vorgestern Morgen aus GrunH einesHabeas-
Eorpus-Befehles beantragt, und soll nach dem
uns vorliegenden Berichte der Antrag von
dem Anwälte des Gefangenen in derselben
Weise begründet worden sein, wie im Falle
des Thomas, was jedentallö einen Grad von
Unwissenheit in der Geographie und Geschick?
le voraussetzen würde, wie sie selbst bei einem
amerikanischen Advokaten doch wohl selten
sein möchte. Auch in dicscmFalle wies Rick
ter Blatchsord den Antrag zurück.
Aus dem Leben eines dentschcn
Einwanderers.
Vor einige Monaten erhielt Hr. Jackson,
der Sekretär der Einwanderuiigs Eommissäre
in „Eastle-Garden" zu New ?)ork, eine brief
liche Anfrage von Carl L. Kimball, einem
Angestellten in dem Büreau des Zoll-Com
missärs in Washington, bezüglich seines Va
terS. Kimball theilte dem Sekretär mit, daß
er ungefähr im Jahre 1854 als Kind aus dem
Schwarzwalde mit feiner ganzen Familie
nach Amerika kam. Auf dcr Reise brach eine
Epidemie unter den Passagieren aus und seine
Mutter, Brüder und Schwestern, seine Tante
und, wie er bis vor Kurzem glaubte, auch
sein Vater, sielen der Seuche zum Opser. In
'New - Park angekommen, wurde er nach
Ward's Island gebracht, wo er kurze Zeit im
Hospitale blieb und, nachdem er Knie Gc
siiiidhcil wiedererlangt, von einem Manne in
Hobokcn abgeholt, der ihn adoptiren ;n wol
len vorgab. Bei diesem hatte er es sehr
schlecht. Eines Tages wurde ihm befohlen,
aus dem Kohlcnkastcn dcr Groceric an dcr
Ecke einen Eimer Kohlen in stehlen, aber er
ging zum Grocer und theilte demselben mit,
was seine Pflegeeltern ihm befohlen. Dcr
Groeer ging mit ihm nach Hause und machte
den Pflegeeltern Vorwürfe, war aber kaum
fort, als der Knabe eine tüchtige Tracht Prü
gel erhielt. Am Renjahrsiage lief er endlich
davon und ging zu einem Schneider, dcr ihn
so lange beherbergte, als er selbst Etwas hatte,
der aber schließlich aus Noth gezwungen war,
Carl nach Ward's Island 'zurückzuschicken.
Ein Beamter dcr Emigranten-Commission
nahm ihn mit nach der Insel, aber aus dem
Fährboote begegnete derselbe dem Major
Kimball, der im Herbste 1862 zu Sussolk,
Va., vom Oberst Corcoran erschossen wurde,
niiv fragte ihn, ob er nicht einen Knaben ge
brauchen könne. Der Major schien nicht ab
geneigt zu sein und erwiderte, daß er seine
Frau fragen wolle; inzwischen könne der
Knabe in einem Hotel bleiben. Nach drei
Tagen kam Frau Kunball und holte Carl ab.
Seine nunmehrigen Pflegeeltern ließen ihm
eine gute Erziehung geben und er nahm deren
'Namen an, da er feinen eigenen nicht wußte.
Hr. Jackson hat nun die Akten des Departe
ments geprüft und gefunden, daß im Jahre
1854 Ludwig Braunig, seine Frau, Carl
Braunig, drei kleine Mädchen und eine ält
liche Dame, die Alle denselben Namen führ
teil, Passagiere des Schiffes „Rochambeau"
waren, das von Antwerpen nach New Ljork
kam. Mit Ausnahme von Ludwig, 34 Jähre
alt, und Carl, 8 Jahre alt, starben Alle auf
dcr Reise an einer Seuche, wahrscheinlich Cho
lera. Die beiden ktzcberlebcnden wurden am
27. Dezember 1854 nach Ward's Island ge
bracht, dock Ludwig Brannig wurde schon
nach zwei Tagen aus sein Gesuch entlassen
und man hat seitdem Nichts mehr von ihm
gehört. Carl blieb bis zum 6. 'November
1853 und wurde an diesem Tage nach Hobo
ken - abgeholt. Es unterliegt also keinem
Zweifel, daß Ludwig Brannig Carl Kimball'S
Vater ist, doch ist es bis jetzt noch nicht mög
lich gewesen, Etwas von demselben in Ersah
rung zu bringen.
Tiefmessung des Meeres.
Zur Messung der Tiefe des Meeres und !
gleichzettig zurüittcrsuchnng derßodenbeschaf
senheit desselben bedient man sich des von
Brooke erfnndenen 'Apparates, den neuerdings
Commodore Belknap verbesserte, so daß er mit
Leichtigkeit eine Tiefe von 5 Meilen zu mes
sen im Stande ist. Nachstehend geben wir
eine Beschreibung des Instruments sowohl,
als auch der Art und Weise, in welcher man
dasselbe benutzt:
Ein etwa 2 Fuß langes chlinderförmigcs
Stück Eisen hat an seinem unteren Ende eine
konische Gestatt in der Länge von etwa 2Zoll;
die darüber befindlichen 8 Zoll sind in Hersel
den Weise gewunden, wie oie bekannten Zim
mcriuannsbohrer; der unmittelbar darüber
befindliche Theil trägt eine Schale, die dicht
über die spiralförmigen Windungen des In
struments geht und an einem an dem unteren
Ende befindlichen Querstück fest aufsitzt. Die
Schale ist, während der Apparat in die Tiefe
geht, am oberen Ende befestigt nnd gleitet,
wenn der Boden berührt ist, bis ans das
Qmrstück herab, hierbei allen in den Windun
gen sich festsetzenden Schmutz, Schlamm,
Sand oder Kies in sich ausnehinend. lieber
dem Ganzen ist eine achtzöllige Kugel von et
wa 55 Psniid Schwere, in deren Mitte ein 2?
Zoll weites Loch gebohrt ist, befestigt. Die
Kngct ist mit einem Drahtwerk versehen und
wird durch zwei in Ringe auslaufende Hand
haben so lange in ihrer Lage gehalten, als die
Taue oder der mit ihnen verbundene Draht
noch nicht straff angezogen ist. An den Ring
am oberen Ende der Sonde ist ein ans fünf
bis sechsfach zusammengedrehtem Drathe ge
fertigtes Stück angebracht, an dessen Ende
sich 21 Faden „Albaeore"-Taii befinden,
durch welche die Verbindung des Drahtes mil
dem Apparat hergestellt und gleichzeitig auch
das Brechen deSCrstcrcn vermieden wird. Die
ser Draht wiegt nur 14 Pfund pro Meile,wo
durch es möglich wird, die Maschine rascher
her- und in einem kleineren Raum ansznsicl
len, als die alte, zu der man I? bis 2 -Zoll
starke Taue verwandte. Bei'm Gebrauch
wird der Draht über eine 30 Zoll Durchmci
ser haltende Trommel gewunden, die ans ei
nem über die Seite des Schisses Hinansragen
den Gestelle befestigt wird und an ihrer Axe
eine Vorrichtung zum Martiren der Anzahl
der Umdrehungen trägt. Ueber eine an einer
Seite der Trommel befestigte Scheibe läuft
eine Schnur, welche, wenn eine Messung vor
genommen werden soll, um ein 10 Zoll im
Durchmesser haltendes Rad, das an dem Ty
namomctcr befestigt ist, geschlungen wird und
gleichzeitig mit einem an eincni Pfosten besei
tigten Flaschenzug in Verbindung steht, dem
zum Zwecke der >dotrolirnng der Menge ab
lausenden Drahtes Gewichte von verschiede
ner Schwere angehängt sind. Ein anderes,
1 Fuß ini Durchmesser haltendes Rad mit
Handgriffen wird benutzt, um denTraht,wenn
die Sonde den Boden erreicht hat, wieder
ausznhaspeln. Wcnn dicS geschehen soll, wird
natürlich der die Trommel und den Dynamo
Nieter verbindende Treibriemen abgenommen.
Wenn die Maschine in Gang gesetzt wird,
läuft der Draht mit allinälig zunehmender
Geschwindigkeit ab, welche dadurch vermehrt
werden kann,daß man einen Theil der an dem
Flaschenjuge befindlichen Gewichte abnimmt.
Wenn der Boden erreicht ist, macht die Trom
mcl nur noch einige langsame Umdrehungen,
die dem Fachmann ein sicheres Zeichen sind,
daß die Sonde auf dem Grunde des Meeres
angekommen. Bei bewegter See muß na
tnrlich, um sin Brechen niid damit den Ver
tust dcS Drahtes zu vermeiden, große Vorsicht
angewandt werden. Bei'm Herausholen des
Apparates wird die den Dynamometer fest
haltende Leine weggenommen, so daß derselbe
sich drehen kann. Der dienstthuende Offizier
nimmt dann den Flaichciizug so lange, bis er
denkt, daß der Apparat vom Boden gehoben
ist. Hierauf zieht die Bemailiinng 50 Faden
ein, und wenn dann das Senkblei noch am
Draht befindlich ist, wird derselbe seiner gan
zen Länge nach eingezogen, wobei die Mann
schaff erst langsam, dann aber mit möglichster
Schnelligkeit arbeitet. Offiziere an beiden
Seiten der Trommel überwachen das richtige
Aufwinden des Drahtes. Die Zeit für je
100 Umdrehungen der Trommel wird vom
Clerk, und zwar sowohl bei'm Ablausen, als
bei'm Einholen, notirl und ebenso die Zahl
der Verbindungsstellen des Drahtes, der ver
schiedene genau gemessene Längen hat. Tie
Anzahl der Umdrehungen wird durck den In
dikator angezeigt und auf diese Weise die ge
naue Meeresticsc gcfnndcu.
TnqcS Neuigkeiten.
An guten Rathgebern fehlt es der
demokratischen Partei jetzt nicht. Jnbcson
dere sind die guten Leute wieder bei der Hand,
die noch vor gar nicht langer Zeit der demo
kratischen Partei keinen besseren Rath zu ge
ben wußten, als den, daß die Partei sich ,o
hald, als möglich, begraben lassen möge.
Jetzt lauten die Rathschläge freilich etwas an
ders.
Durch den Sieg der Demokratie in M is
souri wird Karl Schurz, der übrigens
im letzten Wahlkampfe der Opposition gegen
dieselbe aufSellen der republ.„Bolks-Partei"
kämpfte, momentan in den Hintergrund gc
drängt. Es gab in Missouri nur zwei Zettel,
den der demokratischen und den der „Volks
Partei."
Als letzten Mittwoch Morgen Sekretär
Gristow dem Präsidenten Grant
in Geschäften seine Aufwartung machte, sagte
der Letztere: „seien Sie kurz, ich bin krank."
Seit letztem Dienstag gehört bekanntlich
Cäsar Grant zu den berühmten „kranken
Männern."
Man hört wieder einmal von dem New-
Yorker Mnnizipaldiebe Tweed. Seine
Hast auf Blackmcll's Island soll ein Hohn
aus die Justiz sein. Es heißt, daß der attc
Spitzbube von allem Luxus umgeben ist, den
er sich nur wünschen kann, von den Züchtlin
gen gänzlich getrennt lebt, bei'm "Wardein
jpeis'r und mancher Ehampagnerflaschc den
Hals bricht, während er die Züchtlingstracht
nur anlegt^wenn die Gefängniß-Inspektion
kommt. Sein Privatsekretär ist fortwährend
bei ihm, nnd von den Gesängnißbcamtcn wird
er „mit großer Rücksicht behandelt."
Die Gold Prämie niedriger, nnd alle
Fonds, einschließlich Ver. St. Obligationen,
höher! das ist die Signatur des Börsen-
Tages. Sie zeigt, daß im Inlandc und Aus
lande das Vertrauen zu dem amerikanischen
Volke so fest begründet ist, daß es ssurch den
Sieg oder die Niederlage der einen oder der
andern Partei nicht erschüttert wird. Auch
war nicht der geruigsteGiund vorhanden, von
dem Siege der demokratischen Partei eine
Schädigung des össentlichenEreditS zu crwar
ten; im Gegentheil ist es einleuchtend, daß
über die Ausgaben dcrßegierung eine striktere
Eontrolc geübt werden wird, wenn wenigstens
ein Zweig der Regierung von der Opposition
controlirt wird, als wenn Präsident und die
Mehrheil des Senats und des Repräsentan
tenhauses sämmtlich einer und derselben Par
tei angehören. Auch wird das demokratische
Repräsentantenhaus sicherlich sehr svar'am
mit Bewilligungen sein und Sinekuren ab
schaffen, welche weiter keinen Zweck hatten,
als die Parteidienste von Drahtziehern zu be
lohneu. Solcher völlig unnöthigcr Aemter,
die dem Lande schweres Geld kosten, giebt es
eine große Zahl.
Ans der „New ark - New - Jersey -
B a h n" betraten die betrunkenen Geo. Wal
lvn nnd Robert Eummings die Plattform,
als gerade der Zug nahe Eommnnipaw um
eine Ecke bog. Tic Folge war, daß Beide
auf oas Geleise geschleudert und von einem
aus östlicher Richtung kommenden Zuge über
fahren und gctödlet wurden.
In N a panee, Can., wurde Peter Bowen
wegen eineSNothzuchtsversnchs an feiner eige
nen Tochter zu 40 Knutenhieben vernrtheilt.
.lin sam nage erhieli er die ersten zwanzig
Hiebe, und zwar wurden dieselben so derb auf
gelegt, daß der alte Sünder schrie
und um Gnade bar. lach Ablauf von zwei
Monaten erhält der Kerl den 'Ren der Hieve.
Von Chicago verlautet, daß die meisten
Versicherung? Gefellschaften, welche neulich
wegen dcr unzulänglichen Löichmaßiiahmeii
ihre Agenturen zurückzogen, in Kurzem ihre
Bureaus wieder eröffnen werden. Die That
sache, daß die Bosioiier und andere gute Com
pagnic'n in Chicago blieben, wird mil diesem
Entschlüsse in Verbindung gebracht.
Eine Conferenz der h e r v o rragendsten
M äliner der demokratischen Par
tei wird zum Zwecke einer Vereinbarung über
die Maßnahmen der Zukunft, besonders im
Hinblicke aus die Präsidentenwahl, angeregt.
Es erhellt jetzt, daß die Wahlunrnhen in
C u s a l a , Alab., dadurch veranlaßt wurden,
daß die leger einen farbigen Mitbürger er
mordeten, der den Muth hatte, den demokra
tischen Zettel zu stimmen. In Hnntsville
wurden mehrere Negerwciber verhaftet, weil
ne sich in Maiinstleider gesteckt und das re
publikanische Ticket gestimmt hatten. Auch
Zu Litt lc-R o cl, Ark., erschoß Samstag
Nachmittag der Farbige Archie Powell seine
Frau und jagte sich sodann selbst eine Kugel
in den Kopf. Eifersucht wird als Gruno der
Thal angegeben.
In A l l c n-E 0 unth, Ind., herrscht große
'Aufregung über dasjVerschwinden dreier resp.
10, 13 nnd 15 Jahre alter Kinder des Joh.
Martin. Zwei Männer und drei Frauen sol
len die Kinder gestohlen haben. Man verfolgt
die Kinderdiebe.
Die Schulden der Schuhhändlcr Firma
Miirray, Mcad 3c Eo. in N e w-A or k, die
soeben sallirle, erreichen K250,0V0."
In New-?) ort sagte am Samstag
Abende die berühmte Schauspielerin Char
lotte Cushman — bereits eine Siebzigerin
auf immer der Bühne Batet. 'Als Abschicds-
Vorstellniig, welche in Vooth's Theater statt
fand, wählte sie Shakespeare's „Macbeth."
Das Theater die Sitze wurden zu hohen
Prämien verkauft war im wahren Sinne
des Wortes überfüllt. Am Schlüsse der Vor
stellung setzte der greise Dichter William Gul
len Bryant Charlotten einen Lorbeerkranz
auf's Haupt, Stoddart dektamirte ein beson
ders für die Gelegenheit verfaßtes Gedicht und
Fräul. Cilshman hielt eine kurze, aber ergrei
fende Dankrcde, worin sie mittheilte, daß sie
in Zukunft nur noch als Vorleserin auftrete
werde. Ein Fackelzug begleitete die große
Tragödin nachher nach ihrem Hotel und spät
'NachlS brachte das Orchester des Theaters
der Gefeierten eine Serenade.
Nahe Ösceola, Arkansas, beging am
Tonnerstage der NegcrDan Natin ein schänd
liches Verbrechen an einer jungen weißen
Frau. Er wurde kurz nachher verhaftet und
dem Gefängnisse überwiesen. Auf dem Wege
ach dem Letzteren versuchte Natin, zu ent
fliehen, wurde aber von der anfgercgM, ihm
folgenden Menschenmenge niedergeschossen und
gclödtet.
In lersey - City, N-J., beging Jere
miah Sullivail, der Nothzucht an der 14-jäh
rigen Ella Dooly angeklagt, im Gefängnisse
Selbstmord, interner sich erhängte.
Im Eounly Gesängnisse von Phila dcl
phia schnitt sich vorgestern die Gefangene
Mary Smith mit Hülse einer Scheere den
Hals ab.
Es ist inM 0 ntreal, Canada, die entsetz
liche Thatsache an's Licht gekommen, daß vor
einigen Tagen dort Jemand lebendig begra
ben worden ist. Eine wohlbekannte Dame,
die anscheinend eines plötzlichen Todes
verstorben war, wurde am letzten Freitage ans
dem katholischen Friedhofe beerdigt. Sams
tag traf ein naher 'Anverwandter derselben ein
nnd ließ, da erste noch einmal sehen wünschte,
das Grab öffnen. Bei Oeffniuig des Sar-
gcs bot sich den Umstehenden ein schrecklicher
Anblick dar. Die Todte lag auf der Seile,
ihr Todicntlcid war zerrissen, die Haare auf
gelöst, Schnlkern und Arme zeigten Merkmale
der Zähne (ein Finger war gänzlich abgebis
sen,) und die Gesichtszüge trugen den Aus
druck wilder Verzweiflung.
In New-Ljort wurde der Gehülss-
Schenff lah. Brett, des verbrecherischen An
grisfes ans die >5 jährige Elise Fields am 9.
August angctlagl, der „Nothzucht" schutdig
befunden und ans 15 Jahre in s Zuchthaus
geschickt.
Ueber das Verschwinden des Priesters I.
W. Gerdeniaiiii in Philadelphia mel
den dortige Blätter, daß das Frauenzimmer,
welches gleichzeitig mit ihm die Siadt verließ,
eine Prolestaniin, Namens M. Wittig, war.
Gerdemami, angeblich ans Tcigle bei Münster
gebürtig, kam 1882 nach Am.'.ika und stand
bisher in hohem Ansehen. Es soll sich bestä
tigen, daß er eine Sparbank für seine Ge
leindegtiedcr errichtete und sckywltt ihm der
Art anvertraute Gelder in Händen harte. Ter
„Tcmolrat" sagt: „Tie Alsistcnten des Ger
demann, welche noch in dessen Hanse wohnen,
werden von den Depositoren mit Fragen über
den Verbleib des Geistlichen bestürmt, biswei
len in sehr hesiiger Weile, sie vermögen indes
sen Nichts darüber zu sagen, als daß die De
positoren ehrlich von der Kirche bezahlt wer
den würden. Bischof Wood hörte von dem
Verschwinden des Gccdemaim am Mittwoch
nno erhielt am Tonnerslage einen Brief von
demselben. Ter Bischof erklärt, daß alle
Forderungen bezahlt werden sollen, und zwar
solche bis zu scl Tollars ans der stelle. Er
werde Montag von Ii) Vormittags bis 2 Uhr
Nachmittags für die Gläubiger im Psarr
Hause an NorriS-sguarezii tresseu sein." Daß
der Vorfall großes Aussehen hervorgerufen
hat, ist begreiflich, und die hohe Achtung, in
welcher' Gerdeniann bisher stand, macht die
Sache doppelt seindtich für Tie, welche ihm
bisher mit Anhänglichkeit zugethan waren.—
In einer Tcpesche des ~N, r'j. Herald" heißt,
es, daß nach der Mittheilung des Vaters
Reilly, der vom Bischöfe mit der Unters
chung der Angelegenheit betraut ist, das De
fizit nur HISM9 beträgt. Gerdeniann sei
durch den extravaganten Ban der St. Boni
facius-Kirche an der Ecke der Hancock- und
Tiamondstraßc in Geldverlegenheiten gern
lhen nnd habe, um sich zu retten, das Geio der
Spar-Anstalt benutzt. Das Gerücht, wor
nach er mit dem ihm anvertrauten Gelde in
Eiienbalin-Aktien spckiilirt habe nnd dabei
unglücklich gewesen sei, bedarf der Bestäti
gung. Ein Assistent entdeckte zuerst die Ver
legenheit, in welche Gerdeniann gerathen sei,
woraus dieser beschloß, die Stadt zu verlas
sen. Man sah ihn zuletzt am Dienstage mit
Mäitl. Wittig im Eisenbahn Depot, und die
seS erklärt die Vermuthung, daß er in ihrer
Gesellschaft abgcreii't ist."
In Nc w -?) or k stieß der betrunkene Io
scph Nosenthat am Samstags-Abende seine
Frau von dem Dache der Wohnniig, Nr. 413,
Ost-11. Straße. Tie Unglückliche wurde ge
löster, der Mörder verhaftet.
Gen. S her man war am Samstag in
Newchor! Uno besuchte die Produlten-Börsc.
Sobald man ihn erkannt hatte, wurde er von
den Börsianern umringt, die Geschäfte einge
stellt nnd von einem Enthusiasten sogar ein
Hoch ans den General als den nächsten Präsi
denten der Ver. Staaten ausgebracht. Ter
General zog sich schließlich bescheiden zurück,
gefolgt von einer großen 'Nienschenmenge.
In Philadelphia erschoß sich der
Schenkhalter Patrick Earr, in der Wirthschaft
I. Tevitt's, Ecke der 23. und Pearlstraße,
angestellt. Ueber den Grund der That ver
lauici Nichis.
In die Pariser Morgue wurde im
Oktober ein junges Mädchen von so wunder
barer Schönheit gebracht, daß die Behörden
sich bewogen fanden, amtlich zu verfügen, es
solle ein Modell von ihr genommen werden.
Man hatte gesehen, wie sie sich von einer
Brücke in die seine stürzte. Gründe unbe
kannt, aber kaum zweifelhaft.
Das Neueste über den in New-?)ork schwe
benden Lucc a - S che ld un gö -P ro zc ß
meldet die „Abdzlg.:" „Baron von Rhaden
hat darum uachgciucht, daß Fried. Kapp von
gerichtswcgcn als Eommissär ernannt werde,
um in Europa wegen der Eheschcidungsangc
legenhctt Aussagen entgegenzunehmen. Ent
scheidung vorbehalten.
Der gell nde Wi n ter, dessen wir uns
bis dahin erfreut haben, giebt den Kohlen-
Spekulanten, die sich zum Zwecke hoher
Preise eombinirt haben, schlechte Aussichten.
Für's Publikum um so Hessel,!
In St. LoniS arbeitet zur Zeit in
einer Waschanfialt ein früherer Biichos der
anglikanischen Kirche und Bruder eines Par
lamentsgliedes. Der Ex Bischof soll ein
intelligenter Mann, aber durch den Trunk
sebr heruntergekommen sein.
Der gestrigen 'Nachricht, daß der katholische
Bischos Dr. B a co n von Portland, Maine,
seinem Ende nahe, von Europa znrückiehrte,
solgt heute die öinnde seines Todes, welcher
Donnerstag Abend im „St. Pincent's Hospi
tale" zu New-?)ork erfolgte. Bischos Bacon
wurde 1814 in Brooklyn, N. ?>., geboren,
wurde 1838 vom Bischöfe Dubais als Prie
ster geweiht und später mit dem Bischofssitze
von Portland, Maine, betraut. Er rcis'te
im August in Gesellschaft des Erzbiichoscs
McEloskcy vcm Ncw-chork nach Europa, in
der Hoffnung, dort Heilung zu finden, aber
sein Zustand verschlimmerte sich, und er kehrte
gerade noch zeitig genug zurück, um im Lande
seiner Geburt das müde Haupt zur Ruhe zu
legen. Tic Leiche wird zur Beerdigung nach
Portland gebracht werden. Bischof Bacon
wurde im Mount St. Mary's Eolleg zu
Emmitisbiirg, Md., erzogen und nachdem er
1838 die Priesterweihe erhalten, wurde er be
reits 1855 mit dem neuen Bischoissitze Port
land, Maine, betraut. Er verließ jetzt
Brooklyn und war seitdem in Portland thä
tig. Todleubett umstanden Erzbischos
McEloSkcy, Bischos McNeirncy von Albany,
Bischof Laughlin von Brootlyn, Bischos
Lynch von Eharleston und andere Geistliche.
Er starb um 48 Uhr, nachdem er kurz vorher
die letzte Lelung erhallen halte.
Nahe Centrevi il c , N.-?)., ruhte sich
am Mimsrage der weil und breit bekannte Jä
ger Pete Ealhoun aus, als plötzlich die Flin
te ans seinen Händen fiel, sich entlud und die
Ladung ihm in die Brust fuhr. Wenige Au
genblictc nachher war er eine Leiche. Pete
begleitete einstmals den Schriitsteller Forrester
aus einer längeren Reise durch die Gebirge
New-?)ork's und machte ihm viele interessante
Mittheilungen.
Eleve l and, Ohio, unterhält nichtwe
niger, als sechs deutsche Blätter, wovon drei
„Der Wächter am Eric," liberal-demokra
tisch. „Der Anzeiger," republikanisch, und
„Die Columbia," demokratisch, täqlich er
scheinen. "
Vor mehreren Jahren, schreibt die „BI oo
mington Post," erschoß ein gewisser
Sa.ii. Botts ohne neuneiiswerthe Veran
lassungen den Bierbrauer Markgras vonßloo
miugtou, Jll., einen Ehrenmann im vollsten
Sinuc des Wortes. Da Hr. Markgraf blos
ein „Durchman" und zwar ein Lagerbier ver
kaufender „Tutchman" war, so durfte man
sich natürlich uichi darüber wundern, daß in
jenem Muckcrncste der Mörder gegen Stellung
einer kaum iienneiiswerthcii Caulion auf freien
Fuß gestellt wurde. Später entging er, Dank
den Muckern, aucki dein wohlverdienten Gal
gen, und selbst der geringfügigen, über ihn
verhängten Strafe wußte er sich durch die
Flucht zu entziehen. Nach einer Correspon
denz des Blooiniiigloiier „Pamagravh" von
S. K. Noble in Wichita, Kansas, soll iiu'.i
der entflohene Mörder Chef der Polizei in
Wichita sein. Amerika ist wirklich ein großes
Land und ein wahres Eldorado für Spitzbu
den. Hätte der "Outeliivan Killer" seine
Strafe abgesessen, so würde es uns nicht ein
fallen, ihn noch zu behelligen; wenn aber ein
Subickt, das der Gerechtigkeit eine Nase
drehte, sich nachher zum Hüter des Gesetzes
auszuwerfen wagt, so ist es Pflicht der Presse,
das Volk auf die Vergangenheit des Ehren
mannes aufmerksam zu mächen.
Bei K ans as -City errrank letzten Frei
tag der 25 Jahre alte Hermann Seewals in
folgender Weife: Er machte einen Spazier
gang über die dortige Missouri-Brücke. Am
nördlichen Ende augelaugt, hörte er das Ar
beiten von Zimmerleuten unter derßrücke und
trat, wahrscheinlich um der Arbeit zuzu
schauen, durch eine Oeffnung im Hängewerk
der Brücke mehrere Stufen hinunter ant einen
der steinernen Pfeiler. Nachdem der junge
Mann dort eine Weile gestanden, sahen die
Arbeiter, wie er plötzlich einen falschen Tritt
that, ausglitt, taumelte,vergeblich nach einem
Halt griff und rückwärts in die Tiefe
stürzte. Er verschwand unter dem Wasser
fpiegel, aber noch drei-, viermal tauchte er
wieder hervor, rief mit markerschütternder
Stimme dreimal um Hülfe, machte einen
verzweifelten Versuch, schwimmend den Pfci
ler zu erreichen und sank dann, auf immer, in
das nasse Grab.
Der Schatzamtsfekrctär stellt eine Ver
mehrung der Freiliste in Aussicht
und nennt Kokosnüsse, Pfeilwurz, Steinkoh
len, Wachs, Gips, Hafermehl, Gerberfäure,
Amber, Indigo und andere Chemikalien und
Extrakre, welche auf die Freiliste gestellt wer
den können, ohne daß dießeveniie-Eimiahmen
wesentlich vermindert werden würde.
Innerhalb der letzten drei Tage strandeten
auf den See' zwischen Bnffalo und Detroit
zwanzig Fahrzeuge.
Es ist eine Thatsache, daß trotz aller Gegen
reden der Dienstagswahlsicg den Ercditdcr
Ver. -Vtaatcn in Europa eher geho
ben, als benachtheiligt hat.
Es erbellt, dag einer der inEufala, Ala.,
am Wahltage aetödteteu Neger ein Demokrat
war und der Haß der Farbigen gegen das
Opfer sich dahin äußerte, daß kein Neger-Pre
diger veranlagt werden konnte, dem Leichen
begängnisse beizuwohnen. Pia mußte zu
letzt den weißen PreSbyteriancr-Pastor Robin
son ersuchen, die Lcichenpredigt zu haben. Bei
dem Kampfe, der von den Radikalen gegen
die Demokraten provozirt wurde, wurden im
Ganzen 6 Weiße und 22 Farbige verwundet.
Die Beerdigung der gefallenen radikalen Far
bigen mar von Scenen der größten Aufregung
begleitet und zu einer Zeit befürchtete man,
daß die Neger den Kamps erneuern würden.
Tenncssec schickt nur einen Republikaner
in den Eongreß.
In New -N0 rk erschoß sich vorgestern der
deutsche Metzger Joseph Strant. Der Ver
storbene litt seit längerer Zeit an Asthma nnd
man nimmt an, daß er in Folge der Thatsa
che, daß seine Krankheil unheilbar sei, Selbst
mord beging.
Wenn New - ?j 0 r k im nächsten Jahre ei
nen demokratischen Bundes - Senator wählt,
>0 ist dies der erste seit 30 Jahren. Damals
wurde John A. Dix erwählt. Wäre er der
politischen Stellung treu geblieben, die er bis
zum Jahre 1888 einnahm, und hätte er seine
Hände von dem Credit - Mobilter - Schmutz
rein geHallen, so könnte er jetzt wieder das
Washingtoner Kapital beziehen, statt sich von
den Fischern inSufiolk-Eoniity über die Noth
wendigkeir cmcs Wechsels nnterhaltcn lassen
zu müssen.
V a n P e l t, desscn„Bekehriiiig" vor einiger
Zeil in Ohio so großes Aussehen erregte, hat
wirklich wieder einen „Salon" eröffnet. Er
kündigt dies in einem Briese an eine Eincin
naticr Brauerei an, verschreibt sechs Dutzend
Flaschen Bier und verspricht die alten Schul
den bald zu bezahlen, da er jetzt in Wilming
ton, Clinton Eo., wieder einen „Whiskey
Shop" eröffnet habe. Wir glaubten niemals
an die Bekehrung Van Pelt'S. Er betrach
tete cS einfach als ein gutes Geschäft, sich von
den Fanatikern als Wnnderthier inOhio her
umführen und von den überspannten Wei
bern als „Bruder" Hofiren zu lassen. Nach
dem die Posse ausgespielt ist, wechselt er die
Rolle. UebrigenS ist er ein schlechter Komö
diant und würde sich besser zu einem Preis
fcchter eignen.
Eine der grausamen chine si s ch e n
Todesarlcn ist, demVerbrechcr sovielSpi
rituosen cinzntrichtern.bis er völlig bewußtlos
ist, und ihn dann bei lebendigem Leide zu ver
brennen.
Ehristian K. Roß, der Vater des ver
orenen Knaben, hat die Krisis sier Krank
heil überstanden und befindet sich aus dem
Wege der Besserung, lieber den Knaben
selbst hat man noch Nichts gehört.
In 2l von 31 Staaten waren am Dienstage
die Demokraten Sieger.
Gouverneur Walker von Virginien und
Fernando Wood von Ncw-Ljork werden
jetzt ebenfalls als Sprecher des nächsten de
mokratischen EongresseS genannt.
Inßrooklyn, N. r>)., betrank sich am
Abende des Wahltages Georg Hcao, siel und
wurde nachher todt ausgehoben. Es erhellt,
daß er so gefallen war, daß seine Na'e und
Mund in einem Hausen trockenen Sand be
graben wurden. Unfähig, sich zu erheben,
erstickte der Mann.
In Kansas wurde der Republikaner Os
borne mit 12,000 StimmenMehrheit erwählt.
Brown, Demokrat, ist im 2. Distrikte er
wählt.
Bcmerkenswcrth ist, daß in Alabama
am zweiten Tage nach der Wahl, sobald das
Resultat bekannt geworden war, das Grund
cigcnthilin 25 Prozent höher stand, als vor
der Wahl.
Tie Bergleute in den Kohlengruben von
B r ent o n - E o Ii n l y, N. - s., haben die
Arbeit eingestellt, weil man ihre Löhne um
12 Prozent reduziere.
In Guerrero, Mexiko, wurden vom 7.
bis 12. Okt. mehrere Erdcrschütlerungen ver
spürt. Gleichzeitig ist die Gegend von schwe
felhaltigem Wasser, das einen verpestenden
Geruch verbreitet, überschwemmt worden.
Neuere, von den Black-Hills in Wa
shington eingelaufene Berichte bezeichnen das
Land als vorzüglich geeignet zur 'Niederlas
sung. Der Mineral-Reichthum sei uner
schöpflich. Wenn nur die Rothhäule nicht da
wären!
Kingston aus Jamaika wurde am vor
letzten Sonntage von einem heftigen Orkane
heimgesucht. Der Sturm wurde auch in
Barbadoes, Senta Lucia, Hayli sc. verspürt
und hat alle Verbindungen unterbrochen. In
Kingston wurden mehrere Schiffe zerstört nnd
auch Menschenleben sind zu beklagen.
Rev er dylo h ns o n hat abermals einen
Brief über die Louisiana-Angelegenheit ge
schrieben nnd auf's Neue erklärt", daß die
McEnery-Bewegmig eine aufständische und
der Präsident durch das Gesetz genöthigt war,
dieselbe zu unterdrücken.
Von Elevetand, Ohio, sind mehrere
Karrenladungcn Lebensmittel und Kleidungs
stücke zur Unterstützung der Nothleidenden
in Nebraska abgegangen.
Von Montreal/Canada, kommt Kunde,
daß die Blattern nach wie vor arg grassircn
nnd die Hospitäler überfüllt sind. In einem
neuen, zu dem Zwecke rcquirirlen Gebäude
wurden seit Samstag u< Patienten unterge
bracht.
Wir theilten vor einiger Zeit mit, daß der
bekannte Schwimm Meister Paulßoy n
t o n mit dem Tpsr. „Queen" von New?)ork
abfuhr, um 300 Meilen vom Lande mit seinem
neu erfundenen Ledensrettungs-Apvarate sich
in's Meer zu stürzen nnd wieder dem Lande
zuzuschwimmen. ES scheint jedoch, daß der
Eapitän der „Queen" das Experiment nicht
zugeben wollte und Boynton wohl oder übel
die Fahrt nach Irland mitmachen mußte.
An der Küste von Irland drang jedoch Boyn
ton dermaßen in den Eapitän, ihn den Ver
such machen zu lassen, daß dieser endlich nach,
gab nnd ihn nahe Cape Clear, unfern des
Torfes Baltimore, nächtlicher Weife in's
Wasser hinabließ Es gab Sturm und Un
wetter nnd Boynton brachte eine schlimme
Zeit mit seinem Apparate ans dem Wasser zu,
wurde aber schließlich nahe Baltimore an s
Land geworfen. Nach den letzten Berichten
war Boynton in Eock, Irland, der Held des
Tages.
Unter den für den Congreß in Süd -C a
rolina erwählten Personen befindet sich
auch der Neger Samuel Lee. Sani erhielt
durch die Vermittlung des Neger-Repräsen
tanten Rainey eine Stelle als Eapitolwächter
in Washington. Aber Sam's Aspirationen
gingen höher. Er ging nach Süd Carolina,
trat als Gegner Raincy's aus und besiegle
ihn. Sam, der einstmalige Sklave nnd Ea
pitolwächter, als Eongreßgtied!
Der erste Hochverra i h s - Pr o zeß hat
auf den Sandwichs-Inseln stattgejunden.
Ein Eingeborener ließ sich dazu mißbrauchen,
Petitionen an den franz. Eommissär zur Er
hebung der Konigm-Wutwe Emma aus den
Thron zu verbreiten. TaS Gericht hat den
„Hochvcrräthcr" zum Tode verurthcitt, da
aber der schuldige ersichtlich nur das Werk
zeug in den Händen Unzufriedener war, wird
man ihm ivohl das Leben schenken.
K a rlFo r ine S , der neulich anstatt sei
nes Bruders Theodor als todt angesagt wur
de, ist vor einigen Tagen von Deutschland
wieder ui New Ljorl eingetroffen.
Die Anzahl der französischen, nachNeu-
Caledonien verbannten Communisten
besteht bereis aus 3310. Darunter befinden
sich 273 Frauen und Kinder. Und noch fort
während kommen mehr an. So brachte am
. August ein Fahrzeug von Algerien 155 neue
Gefangene. Unlängst war auch Admiral Ni
bourt da und hat, mit außerordentlichen Voll
machten ausgerüstet, eine Menge von Beam
ten,die an Rochefort's, Gronsset'S n. Anderer
Flucht Schuld sein sollen, abgesetzt oder zur
Proze'sirung nach Frankreich geschickt.
Ein neuer Dampfer der Hamburger Linie,
die „S uevia," 4000 Tonnen Gehalt, kam
Freitag in Rew-?)ork an. Der Dampfer
wurde an der Clyde gebaut und ist ein Pracht
sahrzcug.
Vom Süd Pacific kommt die Nachricht,
daß seit der Abfahrt der englischen Kriegs
schiffe die K a na k a-M en sch enf re s ie
rc i auf's Nene begonnen Hai. Am 24. Juli
gingen auf der Insel Apü drei Personen der
Mannschaft des Schrs. „Zephyr" an's Land,
wurden von Eingeborenen überfallen, ermor
det und aufgefressen. Der Vorfall hat in Fi
zi großes Aufsehen hervorgerufen.
Königin Viktoria hat 23 Enkel am Le
ben.
Im Betreff des Tiltou - Bcecher-
Prozesses erfährt man von Brooklyn, N.-
2)., daß Beecher's Anwalt eine Spezifikation
der von Tiltou gegen ihn anhängig gemach
ten Klage gefordert hat. Das Untcrgericht
wies dieses Gesuch ab und Bcecher hat jetzt an
eine höhere Instanz appellirt.
In New - Zork erschoß sich in einer eifer
süchtigen Anwandlung der 20 Zahre alte
Deutsche Anton Strauß.
In New -V0 rk wird die Auslieferung
eines Italieners verlangt, der 1887 nahe Nea
pel mehrere Morde begangen hat. Die Ver
theidigung verlangt des Mannes Freigabe,
da erst seit 1863 cm Auslicfernngs-Vertrag
mit Italien besteht.
bestätigt sich, daß der König der
San dwi ch s- In se ln am 18. November
von Honolulu nach den Ver. Staaten abge
hen wlrd. Er wird die Reise nach SanFran
zisco in dem ihm von unserer Regierung zur
Verfügung gestellten Kriegsschiffe „Benicia"
machen nnd in San Franzlsco vom General
Scofield begrüßt und nach Washington be
gleitet werden. Mehrere hohe Beamte beglci -
ten den König. Hauptzweck seines Besuches
in den Ver. Staaten soll die Ernencrnng des
Reciprozitäts-Vertrages sein. Hawaii hat
eine Bevölkerung von 58,897, darunter 49,.
041 Eingeborene, und ein Areal von circa 4
Mill. Ackern. Bemerkenswerth ist indeß, daß
seit 1850 die Bevölkerung abgenommen hat.
Zucker und Reis sind die Hauptprodnkte.
Man glaubt, daß der Ertrag des Zuckers jähr
lich aus 200,000Toniicn gebracht werden kann,
wenn die Ver. Staaten den Inseln mit Ka
pital zu Hülfe kommen.
Ant 0 n Aar ons 0n , welcher Donnerstag
niitcr Znrücklassiing einer Schnldcnmasse von
über 520.000 mit dem Dampfer „Thüringia"
von New Ljork nach Europa segeln wollte,
wurde kurz vor der Abfahrt des Dampfers
festgenommen und nach dem Gefängnisse gc
schafft.
Der „Herald" meint, Präsident
Grant habe es sich wohl nicht träumen las
sen, bei'm Erlasse der Danksagung Prokla
mation, daß der '"rii-cnÜZziviux turke)."ein
demokratischer Hahn sein werde. Aber zäh
ist das Vieh.
Am 13. Oktober hat inStetti n die fei
erliche Enthüllung des Denkmals für den ver
storbencn Dichter Robert Prutz unter großer
Betheiligung verschiedener Vereine niid der
Freunde des Verstorbenen stattgefunden.
Die von Professor Tr. Esmarch in Kiel
ersund enc O pera ti 0 n auf un bluti
gem Wege wird bereits in allen Berliner
Heilanstalten zur Anwendung gebracht. Die
selbe ist ein wahres Eolumbusei, denn medi
zinische Autoritäten wundern sich, daß früher
'Niemand aus diese Idee gekommen ist. Das
Verfahren dabei ist ein ganz einfaches und
beruht daraus, das Blut mittelst einer festen
Gnmmibandllge von dem zn operircndcii Kör-
Vertheile abzusperren. Auch der zur Anwen
dung kommende Apparat ist sehr einfach und
für wenige Thaler herzustellen.
In Elncinnati kam der Teutsche Jo
hann Scheid durch den Einsturz einer Erd
hank um's Leben.
Vor vergiftetem schwarzen Zwirn
und Nähseide werden Schnclder nnd
Nähterinnei! gewarnt, welche es in der Ge
wohnheit haben, bei'm Einfädeln denselben
in den Mund zu nehmen und durch Abbeißen
zuzuspitzen. Man will entdeckt haben, daß
fast aller Zwirn nnd Seide mit Bleioxyd
versetzt ist; man stirbt gerade nicht daran,
aber cm Zunge nnd Llppen bilden sich kleine
schmerzhafte Geschwüre. Diesen gelinden
Schreckschuß Merl ein vorgestriges Sonn
tagSblatt ab zur Warnung Aller, die es an
geht.
In M outgom cr>, Ata., ist Gründet
gciithnin nach sein Berichte der „Associir
ten Presse" nach der Wahl nin sünsniid
zwauzig Prozent gestiegen. Es ist keine
Frage, daß das Wahlresuttat im ganzen
Süden in derselben Richtung wirken muß.
Tie Vorbedingung der Erhebung des Südens
ans seiner furchtbar gedrückten Lage war die
'Niederlage der jedes Eigenthuinsrccht und
jeden Elgcnthuiiiswerth beständig in Frage
stellenden Staatsstreichlcr-Herrschast.
Das „K lei n c," welches die Herzogin v.
Edinburgh bekommen, wird von eincni Thei
le dcrLoildoner Presse mit byzantinischem Ju
bel begrüßt. Tie „Morning Post" und der
„Standard" erblicken in dem kleinen Halb
russen einen „neuen Kilt" für die Intimität
zwischen Rußland und England, also einen
neuen Patent Cement, könnte man sagen, für
die in allen Fugen geborstene beiderseitige
Freundschaft in der central-asiatischen Frage.
T iphthcrills, diese so gesnrchtete nnd
gefährliche Krantheit, scheint in New 2)ork im
mer mehr um sich zu greifen. Während des
am 4. Juli 1373 beendeten Jahres betrug die
Zahl der an dieser Krankheit Gestorbenen 979;
während der Zeit von da vis zum 4. Juli 1874
hatte sie sich aus 2152 gesteigert. Die dortige
Sterblichkeit in Folge von Diphthcritis ist so
mit 4 Mal größer, als in London, obschon
bei m New-Aorker Sanitäts - Büreau lange
nicht alle Fälle gemeldet werden, und die Be
völkerung London's drei Mal so groß ist, als
die New-;')ork's. Dennoch nimmt die Krank
hcie noch immer an Heftigkeit zu; in der vor
letzten Woche des Oktober kamen 85, in der
letzten gar 108 Todesfälle vor. Diese Zahlen
sind in der That alarmirend, und die Sani
tätsbehörden sollten schleunigst Anstalten tref
fen, um den Ursprung der Krankheit, welche
den Charakter einer Seuche annehmen zu wol
len scheint, zu entdecken und Maßregeln zur
Bekämpfung derselben treffen zu können.
InVirginic u bildet sich jetzt eine deut
sche Eolonic, welche sich in dem großen Land
striche an den Ufern des James-Flusses ober
halb Big.JSland ansiedeln will.
In New - Dork wurden wiederholt zwei
HanSmalcr, die von einem Baugerüste sielen,
schwcw verletzt. Einer fiel aus einer Höhe von
drei Stockwerken, ohne, sonderbar genug, ein
Glied zu brechen. Dagegen waren die inne
ren Verletzungen um so schlimmer.
Bermschle Berichte.
Säugende Männer. Es mag
schon Mancher über die Frage nachgedacht ha
ben, warum auch die männlichen Individuen
Brustwarzen haben, ohne darauf gekommen
zu sein, daß angeblich die Natur keineswegs
prinzipiell den Männern die Fähigkeit des
säugcns entzogen hat. Vielmehr soll es
schon häufig Fälle gegeben haben, daß Män
ner Milch gaben und A'.ndcr säugten. Diese
Erfahrung soll schon vor Jahrtausenden ge
macht worden sein. So z.B. berichletAristotelcs
in einer Geschichte des'Animalischen,daßMän
ner, die etwas Milch in den Brüsten haben,
deren in Menge geben, wenn an den Brüsten
gesaugt werde. Tie alcgriechischen Hirten
rieben nach dieser Bedeutung de Nervenrei
zes den jungen Ziegen, die schwer Milch ga
ben, das Enter mit Brennesseln. Auch wird
erzählt, daß die Alten aus Lemnos und Cor
sika die Böcke melkten. Tie Richtigkeit die
ser Erzählung haben neue Fälle angeblich be
stätigt. '
Mehrere Geschichtsschreiber, so Alexander,
Bencoietns, Santorellus, Texia und der
Bischof Roben von Tarn berichteten von
Männern, die Milch gaben. Ein Syrier,
dessen Weib starb, drückte voll Schmer; sei
nen hinterlassenen Säugling, weil er schrie,
an seine Brust nnd sogleich fühlte er Milch in
Menge cinschießen, so daß er sein Kind selbst
säugen konnte. In Südamerika sollen sich
noch jetzt solche Fälle ereignen.
Alexander von Humboldt erzählt in seinen
Reisen von einem Europäer im Dorfe Arenas
hei Enmana, 'Namens Lozano, der auch sein
Kind an die Brust legte, a!S die Mutter krank
war. Das Kind fing an einer seiner Brust
warzen an zu sangen plötzlich kam Milch,
eben so iüß, eben so kräftig, wie Muttermilch.
Tic Brust schwoll zusehends aus, und der
glückliche Vater konnte sein Kind auch stillen.
Benierkcnswerth ist dabei, daß seine linke
Brust mehr Milch gab, als die rechte. Hnm
boldt jah sowohl diesen Vater, als auch den
von ihm gcsäligicii bereits dreizehn Jahre al
len Sohn. Lozano's Brust war auffallend
runzelig.und besonders die linke Brnst war
sehr ausgedehnt.
Bei den Russen, besonders den niederen
Klassen, haben die Anatomen häufig milch
tragende Männer beobachtet. Jedenfalls kön
neu Väter, welche plötzlich ihre stillenden
Frauen verlieren, hiernach den Versuch ma
chen, ob sie selbst die Ammen ihrer Säuglin
ge werden können.
M ord cm Irrenhau sc. (Ein
Wahnsinniger von einem Zellengenossen er
würgt.)—Ueber den Mord im Irrenhause zu
Philadelphia, welcher bereits telegraphisch
mitgetheilt wurde, meldet der „Demokrat:"
„Wiederholt wurden von den Mitgliedern der
Grand Juries und den Beamten des Armen
hauses wegen der Unzulänglichkeit der
Lokalitäten für die Unterbringung von Irr
sinnigen Klagen geführt und warnende
Stimmen laut, die ans die Folgen aus.
mcrksam machten, die eine UebersUlliing der
Zellen durch mehrere Irrsinnige haben könnte.
Diese Warnungen waren vergebens, und in
Räumen, die zur Ausnahme von 800 Irren
bestimmt waren, mußten zuweilen lcivc Per
! scmcn untergebracht werden. Daher kam es,
! daß in den meisten Zellen zwei oder drei Irr-
finnige während der Nacht eingesperrt wur
den. Die Tobsüchtigen wurden zur Nacht
zeit gesesselt. In einer der Zellen fand am
Donnerstag Morgen der Wärter Thomas
Moore, als er den Raum betrat, einen der
Insassen, Namens George Howe, ganz ver
hüllt im Bette liegen. Der Wärter entfernte
die Decken und fund, daß der Mann todt
Als Moore den anderen Insassen der
!xl. Speyer, einen Deutschen,
nachher Ursache des Todes von Howe fragte,
gab Speyer ialrblüttg zur Antwort: „Ich
habe iyii gelobtet, weil er nicht zu der nämli
cheu Kirche gehönc, wie ich! Ich würde noch
eine Million Menschen tödlcii, die nicht mei
nes wenn ich dazu Gelegen
heit hätte!" -Speyer wurde sofort in sicheren
Gewahrsam gebracht und der Eoroner beuach
richtlgr, dcrFreitag Nachmittag eincu Inquesi
abhielt, p. ie in der Nähe der Zelle Speyer'S
befindlichen Personen, die allenfalls einen
Theil des Vorfalles während dcr 'Nacht vom
Mittwoch gehört haben konnten, waren Alle
irrsinnig, und nur ein 16 jähriger Knabe,
Namens John Gcar, war seiner Sinne so
weit mächtig, um Zeugniß ablegen zu können.
Er erklärte, er habe sich in dcr Nacht vom
Mittwoch in der Zelle neben derjenigen
spcyer'S befunden und diesen fürchterlich
toben und fluchen hören. Howe habe wie
derholt erklärt, er wolle schlafen und bitte um
Ruhe. Speyer sei hierüber in Wuth gera- i
then uiidahabe Howe niedergeschlagen und ihn
mit den Füßen getreten. Hierauf sei Stille
eingetreten und Speyer habe Howe wahr
scheinlich auf das Bett gelegt. Dr. Richard
son, Arzt des Jrren-Departements, sagte aus,
der Verstorbene und Speyer seien unheilbare
Irrsinnige gewesen, allein man habe sie als
harmlos erachtet und sie deshalb eine Zelle
bewohnen lassen. Dr. Shapleigh.-Arzt des
Coroners, sagre aus, er habe an dcr Leiche
Howe's eine Post Mortem Untersuchung vor
genommen und gefunden, daß er erwürgt
worden sei. Ueber die Persönlichkeiten des
Mörders und des Verstorbenen waren keine
EiiizAnheiten zu erlangen, da die Personen,
welche die Untersuchung leiteten, hierüber sehr
zurückhaltend waren. Speyer, der erst seit
7 Monaten im Irrenhause ist, wurde in
sirenge Haft gebracht und wird wahrscheinlich
nach dem Staats Irrenhause gebracht
werden."
Wozu falsche Busen gut sind!
(In schwäbischer Mundart.) 'Meiner Lea
bestag haun i's nie glauba wolla, daß die
Moidta ihra Buasa mit Baumwolla, Werg
und En'ablcch ansjchdopsed. Ih haun'S et
begrcisa könna, vor was sc dös Zuig do vorn
eini stecka möga, und ih hab immer d'rübcr
gräsonnirt über die Modi. Aber jctz haun
ih's ausg'sunda und muß saga, daß die ab
icheulig Mode, wo schau so mancher Burschd
ist mil ahngeführt worda, doch sai Gneis hat,
denn es hat im a Moidlc des Leabe g'rettct.
In Toronto ischt a Burscht gwca, der hol en
Schatz g'habt, und der Schatz hat nix mehr
vun dem Burscht wissa wolla, weil ihr en an
derer besser g'falla Hot; vorüber ischt der
Burscht wücthig bös wordc, und Hot sei Bisch
dol g'lade und Hot nf's Moidle g'schossa. Er
Hot era grad us'S Heaz zielt und losdrückt.
Wie dös so kracht Hot, ischt dös Moidle erscht
verschrocka, d'rus Hot sni aber in's Bruschlnach
nei g'langet und Hot ein die Kugel in's G'sicht
uei g'schmissa. Wenn des Moidle koin falsche
Buasen g'habt hätt, so hätt's der Burscht
maus doht g'schossa. Wenn also oiner aus
finde will, ob sei Moidle en falsche Buasen
Hot oder nit, so ders er nur d'ronf schiaßa,
darno wird sich's glei zoige, oh Blum rous
lauft oder Klcia! Nota beni. Des gilt nur
bei de amerikanische Moidle; bei unsere liabe
deutsche Schätzet ischl koi so a Humbug noth
wendig.
Europäische Berichte.
(Der Papst über Gras Arnim.)
Aus dem Vatiean wird dem Grasen in einem
Briefe, welchen die „Germania" mittheilt, fol
gendes Zeugniß ausgestellt: „Als Pius IX.
die Verhaftung des einstmals preußischen Ge
sandten bei'm hl. Stuhle beglaubigten Hrn. v.
Arnim ertilbr, äußerte er folgende Worte:
„Tchau! schau! (tteeo!) Arnim imGesängniß,
ebenso wie ich in Haft. TaS verdient er nicht!
Sollte es ihm nützlich sein, von mir einZeng
niß zu erhalten, daß er hier gut gedient hat,
ich würde es ihm gebe, denn er hat in der
That Alles gethan, was er gegen mich und ge
gen die Kirche zu thun im Stande war." Ehr
liche Geschichtsschreiber, wenn sie einst die
Rechnung ves Grasen 'Arnim machen, werden
m Beziehung aus das, was er in Rom ge
than, streng sein. Man wein jetzt, daß er es
war, der am 4. September Florenz passirend,
mit den italienischen Ministern und vorzüg
lich mil Lanza, Selka und Vcnosia, einig
wurde, daß Italien sich Rom's durch Waffen
gewalt bemächtige. Man weiß aber auch,
daß er es war, der vom 10. bis zum 20. Sep
tember 1870 im Vatiean dieVersicheriing gab,
daß die Italiener in Rom sicherlich nicht mit
Waffengewalt einziehen würden. 'Man weiß
aber auch, daß er nach der settc Vene fuhr,
in Cadorna zu drängen, so schnell als möglich
nach 'Rom zu kommen."
—ln Reuß. Greiz bat sich kürzlich in
aller Stille ein Ministerwechscl vollzogen.
Ter bisherige Regicrungs-Präsidcnl, Hr.
Mensel, ist nach seinem Heimathslandc Sach
sen zurückgekehrt und in Planen Amtshanpt
maiin geworden. An seine Stelle ist ein kö
niglich preußischer Regieriingsralh, Hr. Fa
ber aus Düsseldorf, getreten. Im klebrigen
ist ans den thüringischen Kleinstaalen gegen
wärtig nur noch Das zu berichten, daß die
Existenz einiger derselben finanziell immer
prekärer wird. Mit 1875 beginnen die Voll
Anzahlungen an Preußen für Uebernahme
des Militärs, außerdem sind die Matriknlar
bciträgc gestiegen, nnd die fortwährende
Preisstelgerung der Lebensbedürfnisse macht
eine Erhöhung der Beamtcngehaltc nothwen
dig. Das sind drei unabweisbare Forderun
gen, deren Befriedigung für manche der Klei
nstaaten zu einer Lebensfrage werdenwird.
—Ein in seinen Einzclnheiicn entsetzli
cher Mord in der Nähe von Nauen letzte
am Sonntag früh die ganze Stadt und Um
gegend in Schrecken. Tie dort überall be
kannte Botenfrau Albrecht aus Retzow ist am
Sonnabend Abend nach 7 Uhr zwi'chcn den
Dörfern Berge und Ribbeck auf offener Chaus
see geschändet und ermordet, und der Leich
nam der Unglücklichen in Entsetzen erregender
Weise zugerichtet worden. Ter Kops der Er
mordeten war mit den an dem Orte der
Schandthat aufgefundenen Eh'.ilssecsteiiieii
förmlich zerschmettert, so daß die Augen aus
den Höhlen hervorgetreten sind. Ter Wagen,
mit zwei kräftigen Hnndcn bespannt, hatte
wenige Schritte von der That entkernt gestan
den; die Thiere haben, wie die spuren zeig
ten, alle Kräfte angewendet, in ihrer Herrin
zu Hülse zu kommen; leioer waren die Fesseln
zu stark. Bcstohlen ist die Gemordete, wie es
sckeint, nicht. Den nach Auffindung der Leiche
sofort angestellten umsangrelchen Nachforschun
gen gelang es, noch am selben Abend zwei
verdächtige Strolche in Nauen dingfest zu
machen.
—Am 7. Oktober wurde in Essen vom
Krcisgcricht der Wirth P. aus Stopvenberg
in Folge seinerAeußerung, er gäbe 25 Flaschen
Ehamvagncr, wenn die Kugel Knllmann's
den Fürsten Bismarck getödlet hätte, zu lvn
Thlr. Geldbuße, event. 2 Monaten Gesäng
niß vcrurtheill.
(Posen, 9. Okt.) Ein großartiger
Einbrnchsdiebstahl macht hier gewaltigesAui
sehen. In der Nacht zum 8. 'd. MtS. wurde
daS Comptoir des Bankiers Heymann-Saul
erbrochen und die Kasse sammt Inhalt gestoh
len. Ein im Hose befindlicher Wagen diente
den Tieben zum Fortschaffen der Kasse. In
derselben befanden sich etwa 100,000 Thaler,
nämlich etwa 400 Thaler in preußischen und
russischen Banknoten, Kassenanweisungen und
Coupons, etwa 800 Thaler in Silber und
Gold und etwa 95,000 Thaler in verschiede
nen WerthPapicren. Für Herbeischafsnng des
Geldes u. s. W.ist eine Belohnung von 1000
Thlrn. ausgesetzt.
Ter gemaszrcgelte französische Pfarrer
Louis hat einen Leidensgefährten erhalten.
Wie man nämlich der „Franks. Ztg." mit
theilt, ist vor einigen Tagen in Kassel ein
Fremder (angeblich Amcrikanxr) verhaltet wor
den, welcher von seinem Wirthe denunzirt
worden war, beleidigende Ausdrücke gcggn
den Kaiser >Mbraucht zu haben.
Das Bra n d li n gl ückili de in! h ü
ringischeli Städtchen Heiligen.
Ebers darf hat glücklicherweise nicht die
Dimensionen angenommen, welche man nach
den erstenßerichien befürchten mußte. Es sind
mehrere Gehöfte nnd dasKainmergut des Für
sie abgebrannt.
Das Stück „Heinrich Heine," von A.
Mcls ('Aaron Kohu? ist kürzlich in Ham
burg verboten worden, wie mau sagt, auf
Intervention der Heine'jchen Familie. Ter
interessante Vorfall hat einen Witzlopf zu
nachstehendem Gedichte angeregt:
Ter deutsche Dichter Bürger
konnte es bekanntlich in Folge widriger Ver
hältnisse sowohl, als auch ans eigener Schuld
zu keiner angesehenen Stellung im Leben
bringen und stand bei den zeitgenössischen
Dichtern nicht in besonderem Ansehen. Ties
schmerzte Bürger tief, und als er von seinem
ehemaligen Freunde Gölhe, den er cn Wei
mar besuchte, mit Ruhe und Kälte aufgenom
men wurde, macble der Dichter seinem Nn
niulhe in einem Epigramme Lust, das zu
! einem Briefe Althos's an Nikolai (Band IV,
> Seite 271 des Strodimann'schen Werkes)
zum ersten Male abgedruckt ist. Das Gedicht
lautet:
..Mich drängt es, in ein Haus zu geh n,
T-'ri wohnt ein Künstler uns Minister.
Den edle Künstler wollt' im ieh'n
Und nicht das Alltaqsstint Minister.
Doch steil und tait dlicd der Minister
Bor meinem trauten Künstler steh'.
Und vor dem hölzernen Minister
Kriegt' ich den Künstler nicht zu seil n.
Hol' ihn der Kukuk und sein Küster l"
Telegraphische Depesche.)
Mosby und tSraut.
Washington, 7. Nov. Moöby war
gestern eine Stunde im „Weißen Honse."
Mosby war bekaikntlich einer der Ersten,
wenn nicht der Erste, welcher den dritten Ter
min Granl's befürwortete und dafür von dem
Präsidenten mit Ehrenbezeugungen und Aem
tern für des Ex-Gucrilla's Freunde überhäuft
wurde. Mosby, dessen dritter Termin Cau
didal Barbour in Virgiuicn besiegt wurde,
sprach Trosteswortc, scheint aber den Präsi
denten in gar keiner emmnthiglcn Stimmung
angetroffen zu haben. Ter Letztere wies viel
mehr darauf hin, daß nach seiner Ansicht der
dritte Termin 'Nichts mu dem Wahlausgänge
zu thun gehabt habe. Roberts, der in Urica
gegen den dritten Termin anflra', wurde to
tal geschlagen, dem Gouverneur Dir half sein
Protest Nichts und in Peiinsvlvanicn nr rla
gen alle republikanftchen Eandidaten, die den
dritten Termin verworfen, während die Ne
pubtikaner in Süd Carolina (-N ), welche den
dritten Termin bcnirwonclcn, siegten. Es
giebt hier nicht Wenige, die der Ansicht sind,
daß Grant noch keineswegs geneigt ist, von
dem dritten Termine zurnckzul.cien. Uno
noch mehr, als ein Jahr, liegt zwischen heute
lind dem Zusammentritte des neuen Congres-
I ses. Die besiegte Partei hat noch während
! einer Congreßsitzung die Gewalt in oen Hän-.
j den.
Die letzte Wahl. —Wie vas Resul
tat aufgenommen wirv.- Ver
ständige Rttsichten tcrvor.a
gender Männer.-Zustände in
Louisiana, Tenucsscc u. s. w.
Sclma, Alab., 7. Nov. —Hier fcuid ge
stern Abend eine große SiegeS-Demonstralioil
statt. Die Stadt war illnminirl und das
Volk zog jauchzend durch die Straßen. Hr.
Wm. Brooks, der Präsident der Sezcssions-
Convention in 1360, legre folgende, cinstini
mig angenommene Beschlüsse vor: „Beschloß
sen durch das Volk von Alabama, welches
sich über die Wiederherstellung brüderlicher
Gefühle zwischen den Staaten der Union
freut, wie solche durch die neueren Wahlen
bekundet wurde, und überzeugt, daß das
zweite Jahrhundert unserer nationalen Exi
stenz eine Acra beispiellosen Fortschritte-.-, der
Einigkeit und der gemeinsamen Thätigkeit in
der Erfüllung der großen Aufgabe des amcri
kanischcn Volkes sein wird, sendet seinen herz
! lichen Gruß an die Bruderstaaten und ver
bindet sich inlt ihnen, um dem Allmächtigen
zu danken, daß Alabama und das ganze Land
von der Mißherrschasi und Korruption befreit
worden sind.
„Beschlossen, daß wir den Augenblick des
Sieges als eine angemessene Gelegenheit bc
Nachten, um gegenüber dem Lande unsere in
den Beschlüssen der dcnwkrntisch-conservaliven
Plattform ausgesprochenen Znsicherungen zu
erneuern und wiederholt zu erklären, daß
dieNcchte aIl er Kla ss c n vonMc >--
scheu geachtet und als unverletz
bar betrachtet werden müsse n."
Monroe, La., 8. Nov.—MarschallSelpe
und Lieut. Hodgson sind heute in Vienna zu
10-tägiger Hast und je Huw SNafzahluug
verurthcilt worden. Selbstversiändlichj wird
Kellogg sie sofort begnadigen.
Ncw-O r l c anS ,7. Nov.— Eine große
demokratische Siegesfeier fand heute Abend
statt. 10,000 Menschen durchzogen mit Fackeln
und Fahnen die Stadl und saß alle Häuser
waren illuminirt.
Berichte über radikale Wahlbcrcügcrcicn
mehren sich.
Boston, 7. Nov. Im 4. Distrikte geht
der Republikaner Frost als Sieger aus der
Wahl hervor.
St. LoniS, 7. Nov.—Die Demokraten
hatten heute Abend einen großartigen Fackel
zug-
Ncw -?) ork, 7. Nov.— a ilden S Mehr
heit als Gouverneur erreicht (nach der republ.
„Times") 51,000 Stimmen.
M einphis, Tenn., 7. Nov.— Ter Kauf
mann W. O. Harvey und Andere wurden
heute unter der Anklage der Uebecttcinug des
sog. „Ensorccmcilt Gescves" verhaltet, weil
sie angeblich ihre farbigen Angestellten, die
sich weigerten, den demokratischen Zettel zu
stimmen, entlassen haben. Die Verhafteten
stellten Eaution für ihr bnnsesgerichtliches
Erscheinen. Noch 500 ähnliche Haflsbesehle
sollen erlassen werden. (Eine spätere Nach
richt rcdnzirt die NX auf—ö!!
Bosion, 7. Nov. In Aver wurde der
durchgefallene republikanische Congreß Can
dida! Dr. Aper im Bildnisse verbrannt. Als
die Stadt mit des Doktor'S Namen getauft
wurde, schenkte er HlO.OOO und v rjprach noch
?40,000 mehr für eine Sladlhalle, ohne je
doch sein Wort geHallen zu haben. Das
l Verfahren gegen Dr. Aper wurde lesoch all'
gemein mißbilligt und eine Indignation"-
, Versammlung gegen die Leine abgehalten,
- I welche so ty'orlch'l waren, ihn im Bildnisse zu
> verbrennen.
l HarriS b u r g, Penn>., 7. Noubr.—ES
! stellt sich jetzt heraus, daß der Demotrai Vaila
, in Sl) Connlics k,S7,!> Stimmen Bichrbeil als
! Bice Gouverneur hat: General 'McCandlcs,
Sekretär des Innern, hat sogar tttttttt Stiin
men Mehrheit. Tie Demokraten werden eine
Mehrheit von 26 im linterhanie, die Nepnbli
taner von 0 im Senate haben. Allegheni)
Connti) (PittSburg,, welches vor zwei lah
rcn eine repnblikanischc Piehrheit von ltt,tttt>>
hatte, giebt heute mm demokratischeMchrbeit.
17 Demokraten, ein Gewinn von IM der
größte im Lande, sind in den Congrcß ge
wählt. Voraussichtlich ist der demokratische
Staatszettcl in Pennsylvanien mit in,'>tt—
ls.tttttt SlimmcnMchrheit erwählt.
A lle to wn , Pcnns., 7. Nov. Hnn
dert Salutschüsse wurden beutezn Ebre der
demokratischen Siege abgefeuert. Sic gröhle
Versammlung, welche, sei: dem Nriegc lner
stattgefunden, wurde heute vor dem „Amcri
can-Holel" abgehalten. Tie Reden waren
bemerkenswert!) wegen der in denselben Herr
jchcnden Mäßigung. Tic Redner waren alle
einer Ansicht: sie riethen der siegreichen De
mokrarie zur Vorsicht und sagten, todte fra
gen, welche dem letzten .siriegc ciitiprungcii,
ieicn am letzten Dienstage in einem gemeinia
men Grabe verscharrt worden, um niepialS
wieder hervorgezogen zu werden.
San Franz iseo, tz. Nov. H. I.
Stevens ist als Delegat für den Congreß in
Arizona mit 2tttt Nrajoriiät erwählt worden.
Die Couscrvativc vo Louisiana
uns Präsident Graut.
New-Lrkeans, 6.'Nov. - Folgende
Depesche wurde gestern an den Präsidenten
abgesandt: „An Se. Excellenz. U.
Präsidenten der Per. Staaten! Das Sieben
ziger Comite hat die Ehre, Ew. Excellenz zu
benachrichtigen, dag am 2. d.M. eine S:aa:s
wähl lnLouisiana unter den Auspizien des fnn
girenden Gonv. Kellogg stattfand, in welcher
die conservative Partei vollkommen erfolgreich
war und in der nächsten Gesetzgebung eine
klare Mehrheit bei gemeinschaftlicher Abstim
mung haben wird. Es ist eine erwiesene
Thatsache, daß Tausende unserer schwarzen
Mitbürger mit den Eonservaliven stimmten.
Wir erlauben uns hierdurch gegen >ede fernere
Besetzung des Staates durch Bnndesinilitär
feierlichst zu protestiren und um Fnrnilziehung
desselben zu ersuchen: indem wir Sie ver
sichern können, daß die bürgerlichen Gesetze
künftig sowohl von den Negierenden, wie von
den Negierten Anerkennung sinden. Seit ei
nigen Wochen ist das Staats Capital von
Truppen besetzt geweien, und unsere Stadl
sah eher einem Miliiärposten, als einem van
delsposten gleich.
Tic Stimmcnzähkcr versammeln sich am
11. d. Mts., um die Wahlberichte zn pinsen.
Wir können es nur sür höchst unangemessen
erachten, daß das höchst wichtige euvilwcrk
unter den Bajonnelcn der Bundesregierung
ausgeführt werden )011. Bei Beginn der
neuen Aera, welche jetzt tagt, wünschen wir
Sie und das Volk der Ber. Staaten zu ver
sichern, daß wir bereit sind, die Constitution
des Landes aufrecht zn erhallen und die bü:
gerliche Freiheit zu schützen." l Folgen die
Unterschritten.) .
Die englische Presse über das ame
rikanische Waftlrcsnltat
New -S)o r k, tt. Nov. Der „Herald"
hat Spezial-Tepeschen in Betreff der Acnßc
rungcn der britischen Presse über das ameri
kani'che Wahlresullat erhalten.
Tie „London Times" sagt: „Es ist ein
Glück, daß gegenwärtig keine schwierige Frage
über Bundes- oder Staatsangelegenheiten
schwebt. Die Ereignisse der letzten Woche be
deuten, daß das 801 l Gravi s Adminlstra
lio mißbilligt."
Tie „Pall Mall Gazette" sagt: „Das
größte Mißtrauen gegen Butler und andere
Führer hat sich der Gemüther Derer bemäch
tigt, welche im anderen Falle mit der Partei
gestimmt haben würden. Ter Spruch des
Volkes ist ein Protest gegen den :!. Termin
Grant'S, gegen die Politik der Administra
tion im Süden, gegen die hohen Salaire und
gegen die Weißwaschungen bei den Untersn
chnngen. Einige Fehler Grant'S lassen sich
wieder gut machen, andere sind nniübnbar "
Tie „Morning Post" meint, Graut hätte
das Resultat abwenden können, wenn er sein:
Lippen geöffnet hätte. Tie Aussprüche ande
rcr Partei Führer genügten nicht, das 801 l
darüber zu beruhigen, daß er den 2. Termin
ausgegeben habe.
Warnung für das Pnvliknm.
B oston, Mass., L. Nov. Die Bcrsiche
rungs - Commission hier sagt in einer War
nnng an das Publikum, daß die Personen,
die in nachstehenden Gesellschaften versichert
haben, bei den Staats - Gerichtshöfen leine
Schutz finden können: „Bremers' e< Mal
ters" von New-chorkz „Insurance Co." von
Provideucc, R.-I.; „Capital Cilp" von Al
banq, N.-Z.; „Germania" von lärie, Pa.:
„National Fire Insurance" von Philadel
phia, Pa.: „St. Nicholao" von 'New chorl,
Neu
England.
Boston, K. Novbr. Ein furchtbarer
Nordoststurm herrichte heute in verschiedenen
Theilen von New-Hampshire; mehrere Wald
bräude werden berichtet. Bei Suncock bren
nen Svtt Acker Waldung.
Waldbrände in Rcw .Oampsgirc.
Bosto n. 7. Nov. —Die kürzlich berichte
lcn großen Waldbrände in New - Hampshire
wüthen noch immer, doch ist ihrem Weile
nmsichgrelfcn ein Ziel gesetzt.

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