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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1848-1918, December 04, 1874, Image 1

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39. Jahrgang-
Cine unauslöschliche Schmach.
4-ic Reihe der Geistlichen, welche gegen die
Sittlichkeit sündigten und, nachdem mau sie
entdeckte und blofzsttllte, von ihren College
undGeineinden in Schutz genommen wurden,
—wir erinnern an Cook in New chork, hn
ston in Baltimore und Beecher in 'Zrooklyn,
—ist vorgestern wieder um einen vermehrt
worden: in Jersey-City wurde der nichtsnut
zige Bursche Glendenning, welcher ein an
ständiges Mädchen verführte und in's Grab
brachte, von dem geistlichen Gerichte seiner
Synode lind Gemeinde ehrenvoll freigespro
chen. Da dieses der vierte Fall dieser Art
ist, so haben wir nachgerade verlernt, uns zu
verwundern.
Bei dieser Gelegenheit drängt sich uns je
doch ein eigenchümlicher Vergleich ans. Die
selbe Beobachtung, welche wir im kirchlichen
Leben des Amerikaners machen, haben wir
im politischen gemacht. Die herrschende Par
te, hat seit Jahre unzählige Untersuchungen
gegen Eorrnption geführt, die schmachvoll
sie, überraschendsten Enthüllungen traten
dabei zu Tage, aber niemals konnte sie sich er
mannen, einen Schuldigbcfnndencn schuldig
zu ertlären. Wie in der Politik, so in der
Kirche. Man weiß kaum, ob dieses Verfah
ren dein Gefühl des Uebermnthes oder dem
der Schwäche entspringt. Mitunter muß man
das Erstcrc glauben, besonders wenn man
sieht, wie vieles kirchliche Pharijäerthiun eine
Stllbe der Religion und Gewissensfreiheit
nach der andern untergräbt, wie es bestrebt
ist, seine Hand auf Alles zn legen, was nach
der Verfassung des Landes seinem Einflüsse
entzogen sein sollte, wie es Geister und Lei
ber in seinen Bann zu bringen und nicht nur
vorzuschreiben sucht, was die Bürger dieses
Landes sehen und hören, sondern auch was sie
essen und trinken, resp, nicht trinken sollen.
Manchmal kommt uns aber dieses Verfahren
auch wie ein Zeichen der Schwäche vor. Ist
es doch, wenn man die frommen Leute im
Eonclave über die Sünden eines Mitbrudcrs
aburtheile, resp, dieselben mit dem bis zur
schreienden Schande mißbrauchten Mantel
christlicher Liebe bedecken sieht, als fühlten sich
Alle desselben Verbrechens schuldig und wag
ten es nicht, einen Stein auf den Sünder zu
werfen. Daß durch derartige Vorgänge das
Reich Gottes ans Erden gefährdet wird,
scheinen die Leute, welche es für ein todcs
würdiges Verbrecken halten, wenn am Sonn
tage einMann ein GlasWein, Schwapps oder
Bier trinkt, oder wenn ein Anderer eine Ci
garre verkauft, die aber den mit ihnen die
Augen verdrehenden und himmelnden Ehe
brecher, Mörder und Meineidigen ungemrt
freisprechen, wenn er nur Heuchler genug ist,
seine Rolle weiter zu spielen, und dabeiFrech
he:t genug hat. durch falsche Eide seine Un
schuld zu betheuern, kaum zu merken. Die
Religion steht nur dann amHvchsten, wenn sie
alle Prinzipien der Sittlichkeit verkörpert und
repräfentirt, und jedes Bekenntniß, welches
dieses thut, cS mag heißen, wie es will, ist
zur höchsten Achtung berechtigt; sobald aber
ine Kircke oder Seite diesen PriiizlpicnHohii
spricht n >d sie mit Füßen tritt, dann verdient
sie die öffentliche Rüge und eventuell die Ver
achtung jedes ehrlichen Menschen. Wir wol
teil hier nicht untersuchen, in wiefern das
anicnkanische Kirchenthum in dieser Richtung
gefehlt hat, sondern nur aus die Fälle der
vier oben genannten Geistlichen verweisen.—
Ilm jedoch zu zeigen, daß oicsc Anschauung
auch in der englischen Presse um sich greift, -
übersetzen wir hier den Artikel der ancrkaiin !
termaßen gut-redigirtcn "Uvcminjx
„Wenn wir gezwungen sind, fürdieMenfch
liHkcit schainrolh zu werden,—schreibt dieses >
Black —was müssen wtr dann thun im Betreff
der Religion Angesichts der Freisprechung !
Glendenning's? Das Verbrechen des Ungc-
cheuers, dessen Gemissen onrck die Sterbeienf
zcr seines ermordeten und entehrten Opfers s
Lift immer gefoltert werden sollte, wird zum
Verbrechen der Kirche in Folge des Spruches
ihrer Vertreter. Die Religion, die Kanzel
und die Menschheit sind durch dielen Spruch
geschändet, und ein Zischen des Hohnes und s
der Verachtung von Seiten der ReligionSvcr- !
ächter schallt der frommen Lüge entgegen,
welche einen nichtswürdigen Schurken um
hüllt. Heuchelei und Verbrechen, am Altare
Gottes entdeckt, schaden der guten Sache nicht, .
wenn sie prompt bloSgestcllt und gehörig be- !
straft werden. In dcr That nützt es nur, '
wenn Sünder und Verbrecher gcwabr werden, s
daß dcr Tempel Gottes rein ist, und daß eine !
eifrige Gemeinde über die Reinheit derselben !
wacht. Aber wenn Diejenigen, welche das!
Wort Gottes Pflegen und verkünden, die Ver
brechen ihrer Klasse bemänteln, wenn dieNor- ,
hänge des Tempels dazu dienen, solche Ver- !
Brecher vor der Indignation einer empörten !
.und entrüsteten Menschheit zu schützen, dann
Wird die Sache der Religion und Moral von
rtzren eigenen Vertretern angegriffen und er
hält unheilbare Wunden. Keiner, welcher
die in dem Prozesse Glendenning's gemachten !
Aussagen gelesen hat, wird über die Schuld
des Mannes im Zweifel sein. Seine eigenen
Aussagen, in denen er sich verwickelt und wi- j
verspricht, wurden wiederholt von seinen cige !
tilen Zeugen widerlegt und dieselben würden
Dein hingereicht hoben, ihn zu vernrtheilen.
Kein Fall von schwarzer, satanischer Gemein- '
heit hätte klarer erwiesen werden können, und
der Spruch des KirchentribiinalS, welches den
Angeklagten für unschuldig erklärt, ist ein fri-
ckoles Verspotten der Gerechtigkeit mm des
Pflichtgefühls, ein entsetzliches, schamloses, s
ungeheuerliches Sakrilegium, ein Zngcständ
niß, daß die Richter eben so corrupt und ge-
mein sind, als der Elende, mit welchem sie
sympathischen. Da sollte man wohl alles >
Vertrauen zu geistlichen Gerichten verliere,
wenn dieselben solche Proben liefern, wie in
.dem Falle Beechcr's und Glendenning's.
O.'iic weltliche Jury, welche einen solchen!
Spruch Angesichts solcher Beweise abgeben !
ZönmL, würde von jedem rechtlich denkenden j
Mensch en getadelt und verachtet werden: ist !
es nicht geradezu entrüstend, wenn solche Ver- !
brechen bemäntelt und vergeben werden von !
Leuten, welche als leuchlcnde Beispiele der s
Sittlichkeit dastehen sollten? Dieses Jahr
war ein schlimmes Jahr für schlechte Mcn-
jc.'>en,was aber das Betrübende ist, es wurde s
zu ei.7em schlimmen Jahre für eine gnteSache.
Die Reäion ist durch diese kirchlichen Skan
dalprozesse geschädigt worden, wo sie hätte
Aliidftzirt weri)cn sollen, und ein lüdcrlicher,
wollüstiger Bu>. welcher das Heillgihnm
geschändet hat, ist Jui's Neue lNstalllN wor
den, um den Ungläubig' d.L Hohthnt seines
Standes zn Ichren. Da>? Opfer gebrand
markt und der Schurke fteigesproch^' die
Kirche vernichtet das Andenken der Todtc"'
aber die Welt läßt ihr Gerechtigkeit wider
fahren."
Die deutsche Sprache ii: den öffent
lichen Schnten.
Als vor mehreren Tagen an dieser Stelle !
der Angriff eines Sonntagsblattes auf die
Bestrebungen, die deutsche Sprache in den hie
sigen Stadtschulen zum Gegenstande des öffent
lichen Unterrichts zu macyen, zurückgewiesen
wurde, dachten wir nicht im Entferntesten da
ran, daß jene unberufenen, von einer mehr
als erlaubten Unwissenheit und intensivem
Fremdenhasse inspirirten Tiradcn an maßge
bender Stelle von Einfluß sein würden; wir
unterließen es deshalb von dem zweiten, ge
radezu kindischen Artikel des genannten Blat
tes, in welchem dasselbe seine eingenommene
Stellung zu behaupten suchte, Notiz zu neh
men. Wie unsere Leser aus dem gestrigeußericht
über die Verhandlungen des städtischen Schnl
rathes ersehen haben werden, haben die Argu
mente des betreffenden Blattes doch bei eini
gen ganz sicher bei einem dieser Herren
ihreWirkUllg nicht verfehlt und als erste Folge
derselben wurde beschlossen, die Zahl der Schu
len, in denen hier auch deutscher Unterricht er
theilt werden soll, vorläufig aus eine einzige
zu beschränken und diese die„Engll?ch Deutsche
Stadtschule von Baltimore" zu nciinen. Was
die Umänderung des Namens betrifft, so ha
ben wir nichts dagegen einzuwenden, denn in
dieser Hinsicht halten wir es mit Göthe: „Na
me ist Schall und Rauch;" in Betreff der an
deren Verfügung, daß der englische Lehrer der
betreffenden Schule Prinzipal und verdeutsche
nur Assistent sein soll, wollen wir ebenfalls
schweigen, obwohl mau viel darüber sagen
könnte; aber der plötzliche Beschluß, die Zahl
von vier solcher Schulen aus eine zu beschräu
kc.'!> scheint uns übereilt und uiiberuseil und
ein siN'ilUlchcs Zugestäiidniß des Schnlra hes
zu sein, oäß man den früher gesagten Bejcglnß
bereut habe. Ursprünglich waren wir nicht
für Einriclilnng Fmzieller Schulen, in denen
deutsch gelehrt werde.' sollte, sondern unser
Bestreben ging dahin, oN deutschen Sprache
allmälig in allen Schulen düL Bürgerrecht zu
verschaffen, uictit als eine Classe.", Maßregel
und „Spezialgunst," wie man es zu siezcich
nen beliebt hat, sondern als eine Disciplin,
welche nicht allein den deutschen, sondern auch
den amerikanischen Kindern di-ser stadl von
gleichem Nutzen sein werde. Der Erfolg zahl
reicher deutsch-englischer Privatschnlen in den
Ver. Staaten hat gelehrt, daß beide Spra
chen recht wohl neben einander bestehen kön
nen, ohne ein Kind zu überbürden und die
Wichtigkeit und Nothwendigkeit, zwei mo
d-rne sprachen zu kennen, sollte in einem
Lande, welches sich rühmt, aus der Höhe der
Zeit zu stehen oder an der „Spitze der Eivi
li,ation zu marschiren" wie die Phrase lau
tct gar nicht mehr in Frage gestellt werden.
Die römischen Bürger ließen in dem augn
stelfchcn Zeitalter ihre Kinder allgemein zwei
Sprachen lernen und zwar neben ver offiziel
len Reichsjprache das Griechliche, weil es oie
xeaige Sprache war, welche die bedeutendste
! klassische Literatur halte und von einem großen
! Theile dcr damaligen civilisirten Welt gespro
cken wurde. Es gab eine Zeit, in welcher das
' Spanische, n. eine andere, in welcher dasFran
! zösiscke Weltsprache waren, indem diese Na
tionen damals Leiber und Geister der civili-
sirten Welt beherrschten. Ueberblicken wir
- die heutige Weltlage, so sehen wir zwei ger
! manische Nationen auf der Höhe der leibli
! che und geistigen Weltherrschaft, die anglo
! sächsische und die deutsche. Dieselben gebie
ten der die größten eivilistrteii Volksinassen
und ihre Idee n beherrschen unsere Zeit. Die
! heutige Weltlage mit der attenZcit verglichen,
! ist obwohl jeder Vergleich hinkt— eine ähn-
liche, wie die in dcr letzten Hälfte des 4. Jahr
! Hunderts vor Christi Geburt.
! Im Westen strebte eine kaum hundert Jahre
! alle Republik empor, die m ihren Institutio
nen den Reim zur eiiisrigenWettherrschafr barg,
s im Osten raffle ein sein Jahrhundert behcrr
s schender Feldherr und Staatsmann das übe
> reife, im Verfall begriffene Gricchenthnm zur
> letzten politisch-einheitlichen Kraftailitrengung
auf und eroberte mit ihm die damalige alle
j Welt; denn dic römischeßepnl'lik, deren Stern
! eine mehr westlichcßichtung nahm, (Spanien,
Karthago, Gallien,) war für die damalige
s „alteWclt" dasselbe, was für die heutige „alte
l Well" die amerikanische Republik ist. Wir
! haben speziell die Zeit im Äuge, in welcher
j Alexander der Große, resp, das Gricchenthnm
die zu jener Zeit bekannte „alte Welt" eroberte
und in welcher die „neue Welt" jener Tage
! unter den Coiisuln Valerius Eorvus, Dc
eius MuS, Lucius ScxtinS, das Fundament
zn der künftigen Weltherrschaft ihrer Republik
legten. Hätten damals die Römer bereits,
wie sie es dreihundert Jahre später thaten,
allgemein Griechisch gelernt, so würde sich nn
! ter den späteren Beherrschern der Republik,
! unter den DeeemlKrn und Triumvirn, gar
> Vieles anders gestaltet haben. Doch hinweg
l mil alten Vergleichen und zurück in die lc
, bcnde, treibende Gegenwart. Jeder vernünf
j tige Mann, welcher in unseren cini-
germaßen die Mittel hat, läßt seine Söhne,
l wenn nicht gar seine Töchter, neben der Mut
tersprache noch eine oder mehrere fremde Spra
chen lernen, denn man weiß nicht, wo sie es
nöthig haben. Dieses geschieht in EiMand,
Deutschland und Oestreich allgemein, W ge
schieht sogar in Rußland und Frankreich: in
dcr anierikanischen Republik sollte dieses erst
recht allgemein geschehen, zumal in diesem
Menscyenincer und Bölkerchaos jeder dritte
Laut, welcher an unser Ohr schlägt, einer an
deren, als der Landesiprache angehört. Die
jenige Sprache aber, welche außer der engli
schen in den Ver. Staaten jetzt am Meisten
gesprochen und gehört wird, ist die deutsche.
Wären die Spanier oder die Franzosen hier
in dcr starken Zahl vertreten, als zufällig die
Deutschen, dann würden wir (wenn unter den
Verhältnissen dieses Blatt überhaupt existirtc)
neidlos und freiinülhtg die Einführung der
spanischen oder französischen Sprache in dem
öffentlichen Schulen befürworten.
Die Argumente des Sonntagsblattes haben
besonders bei dem schulrathe der 14. Ward,
Hrn. Grifsith, gezündet und an demselben einen
eifrigen Vorkämpfer gefunden. Hr. Grifsith
hat es verstanden, in Zeit von 10 Minuten
so viel Deutschenhaß zu vcntiliren, daß sich i
die englischen Blätter augenscheinlich seiner f
schämten, denck keiiies hat diese von einer
bedauerlichen Unwinenhett und gänzlichen s
Unkenntniß der sozialen Verhältnisse unserer !
Slael zeugenden Auslassungen mitgetheilt.
Hr. Grifsith sagt z. 8., daß die Israeliten !
nicht zu Gunsten dieser Schuhen seien und s
daß man gerade ihren Wünschen Rechnung l
tragen müsse, da sie die wohlhabendsten unter s
den deutschen Bürgern seien, die übrigen j
Deutschen seien nur ganz gewöhnliche Leute, >
die in Piano Fabriken, Möbel-Fabriken u. s.
w. arbeiten. Hieraus geht hervor, daß Hr.
Grifsith weder die gebildeten Israeliten unse
rer Stadt lennt, och überhaupt eine Idee
von dcr Stellung und der Zahl dcr Deutschen
hat. Adgejcyen davon, daß die reichsten
Adoplivbnrger zufällig keine Israeliten sind,
ist noch Folgendes zu bemerken: die ersten
unserer israelitischen Mitbürger lassen ihre
Rinder eifrig Deutsch lernen, cid man findet
sie an jedem Dienstag und Freitag Abend im
deutschen Theater; sie sind, um ihnen
die volle Ehre zu geben, die Haiiplstützen
desselben. Was den Insult gegen die übri
gen Dcutichen, welche als „Pianomacher,
Möbelschremer und Fabrikarbeiter" hier nach
.f.. Grijfilh's Ansicht ein kümmerliches
Dasein fristen, anlangt, so könnten wir den
selben mit Stillschweigen übergehen. Der
gute Mann scheint keine Ahnung davon zu
haben, daß diese deutschen Arbeiter, welche er
in so roher Weise iusultirt, unsere künftigen
Fabrikyerren in ihrer Mitte haben; er scheint
nicht zn wissen, daß die Eigenthümer unserer
großen Industrie - Etablissements vor 20, 30
oder 40 Jahren „Pianomacher, Möbclschrei
ner und andcre Fabrikarbeiter" waren. Hr.
Grifsith scheint nicht zu wissen, daß unter
den Baltimore:- Großgrundbesitzern ein sehr
bedeutender Prozentsatz von Deutschen ist,
daß die Rhcdcrei und das Importgeschäft j
mit wenigen Ausnahmen vonDeutjchcn betrie
ben werden. Wenn diese Grundbesitzer,
diese Fabrikanten, diese deutschen Kaufleute
:e. mit Hrn. Grisfitk Englisch sprechen, so
geschieht dieses nicht etwci, weil sie sich des
Deutschen schämen, sondern einfach, weil
sie wohl wissen, daß die deutsche Sprache für
ihn ein böhmisches Torf ist. Und was die
kleinen, deutschen Leute anlangt, so ist es
notorisch, daß eine verhältnismäßig weit
größere Anzahl deutscher Handwerker und
Arbeiter Grund- und Hausbesitzer ist, als
cingcborner und anderer Bürger derselben
Classe; wenn dicse Leute sich bei unserem
würdigen Nachbar noch nicht besonders be
merkbar gemacht haben, so hielten sie eben
dieses nicht für nöthig. Glücklicherweise
dauert es nur noch kurze Zeit, daß dieser mit
seiner eigenen Unwissenheit prahlende Mann
über die Bildnngsaugclcgcnheitcn einer Be
völkerung von 300,000 Seelen, von denen
mehr, als der vierte Theil Deutsch versteht,
mitzusprechen hat, dann mag er sich begraben
lassen. Unsere strebende tosmopolitische Zeit
hat keinen Platz und keinen Wirkungskreis
mehr für solche unwissenden Quertöpse.
Störung im Geldmarkt Deutsch
land's.
Ein Wiener Correipondent der „London
Times" schreibt, wie folgt: „Die deutsche Re
giernilg hat 1000 Millionen Mark(Pss,ooo,-
j 000) in Goldmünzen von je 20 und 10 Mark
prägen lassen und die Hälfte dieser ckiörmen
Summe in Umlauf gesetzt, während sich zu
'--r Zeit.noch ungefähr 500,000,000 Tha
ter gS. ' 5v0,000,0>i0 Mark in alten Silber
n Sm'i, -ttansbefanden,die fürdcnVcrkehr
des Landes'vollio.i'""cn "'s"ch-cn uud auch
jetzt noch lheilweiie ..
deutsche Regiemng beging s, T
dem ,te nichi vorher bedachte, "8. °
das Inumlaufsetzen des neuen Gm.
dem alten Silber, eine doppelte Wa.,
schuf, und mehr Courant ausgab, als nöthig
war, indem sie mehr Gold m Umlauf setzte,
als sie Silber zurück zog. Diese doppelte
Währung konnte natürlich nicht verhindert
werden, ?o lange als das Auswechseln der al
ten Münzen für die neuen dauerte. Die
deutsche Regierung hat oie?e Operation jedoch
zu viel Zeit in Anspruch nehmen lassen.
Um den Verlust zu sparen, den der Verkauf
des Silbers und der Antaus des Goldes her
beigeführt haben würde, sowie auch den Ver
lust an Interessen für so viel Goldmünzen,
als sie vorriithig haben mußte, ging die Re
gierung mit dem Prägen des Goldes sehr
langsam voran und setzte dasselbe viel zu früh
in Umlauf, und die Folge davon war, daß die
große Masse des neuen Goldes ein plötzliches
niid unerwartetes Fallen des Silbers zur
Folge halte. Da nun Silbcrmünzen bis ans
uiigeiätir 400,000,000 Thaler in gaiizDeuisch
land im Umlauf sind, so zaylt Jedermann in
Silber, welches viel billiger ist, und das Gold
geht aus dem Lande. Die deutsche Regierung
kann die Goldwährung nicht am 1. Januar
1375 feststellen, denn sie hat nicht Goldmün
zen genug, um sie an die Stelle der alten
Silbcrmünzen zu setzen. Man nimmt an,
daß alles Gold, welches nach Frankreich ge
schickt wurde, eingeschmolzen worden ist, und
wenn die Regierung entschlossen ist, es noch
einmal zu versuchen und das Gold nmzuprä
gen, so darf sie keine Zeit verlieren und die
fchon geprägten Münzen müssen auch im
Lande zurückbehalten werden.
Im neuen Conrautgesctz wollte man die
Ausfuhr des Goldes dadurch verhindern, daß
man den Werth der 2V Markstücke aus unge
fähr 1 Prozent niedriger, als den der 25 Frank
stücke setzte. Gegenwärtig gilt aber der Ver
lust von 1 Prozent ?o gut wie gar nichts, da
Silber um 5 bis 6 Prozent gefallen ist.
Man hätte die Discontorate ans 3 Prozent
erhöhen sollen, um dem Fallen des SUvers
entgegen zu wirken. Die deutsche Regierung
will sich dadurch ans der Verlegenheit ziehen,
daß sie ein neues Banlgesetz vorschlägt, wel
ches die Cirkulation der Vanlnoten bedeutend
beschränken würde."
Der Kaiser von Rnßland.
Anknüpfend an die Depesche, daß der Kaiser
von Rußland wahnsinnig geworden sei, be
merkt die „New-Uorker Slaarszeitung:"
„Ueber den Gesundheitszustand des Kaisers
von Rußland sind ungünstige Gerüchte im
Umlauf: er soll von einer schweren Krankheit
befallen sein und es heißt sogar, daß er gei
steskrank geworden sei. Leidend ist er schon
lange gewesen, und die eigenthümliche Cur,
! die er unlängst in Livadia, in der Krim, durch
jgemacht, ickren zn verrathen, daß sein Orga
! nismns völlig zerrüttet fein müsse. Seit dem
ersten Attentat aus fein Leben im Jahre 1860
hat Isich seiner eine tiefe Melancholie bemäch
llgt und dieselbe ist verstärkt worden durch die
späteren, von denen das Letzte bekanntlich im
Frühjahr Zwn 1867 in den Ehamps Elyiees
in Paris Seitens eines Polen stattfand. 'Auch
HosiiiMguen, manche unangenehme Vorfälle
in seiner Familie, beunruhigende Erscheinun
gen in den socialen Verhältnissen des russi
schen Volkes, wie Verwickelungen in der Po
litik, in der der Kaiser eine entschiedene Hin
neigung zu Deutschland zu seiner Richtschnur
gemacht Hai, während eine starke und sehr ein
flußreiche Partei, die sogar seinen Sohn, den
Czarewitsch, wie seinen Bruder Constantin
für sich gewonnen hat, fortwährend bemüht
gewesen ist, ihn von diesem Slandpnntt fort-
und zu den Gegnern Deutschland'S Hinuber zu
ziehen alle diese auf ihn eindringenden stö
renden und aufregenden Einflüsse haben schon
lange fein reizbares Temperament krankhaft
verstimmt und feit Jahren soll ihn beständig
dcr Gedanke gequält haben, daß man ihn er
morden wolle, und die Furcht vor Vergiftung
soll so stark bei ihm vorhem'chen, daß er nie
Speisen berührt, von denen nicht Andere vor
her gekostet haben. Bei feinem diesjährigen
Beiuchc in England, wo er auch an einem
anderen Punkte landete, als im Programm
angegeben war, weiter ein Attentat gefürchtet,
war es ansgcfaUeu, daß, wo er sich auch zeigte,
ein Zug dcr Trauer sein Gesicht überschattete
und seine ganze Erscheinung machte durchaus
den Eindruck, daß die große Macht, die er be
sitzt, ihm keinen Genuß gewähre, sondern nur
eine Last für ihn sei. Es wäre daher woht
möglich, daß ihn ein so hartes Schicksal ge
troffen hätte; da indessen schon früher derar
tige Gerüchte aufgetaucht sind und sich nicht
bestätigt haben, so mag auch diesmal ein mo
mentaner Anfall gleich als daü Schlimmste
dargestellt worden sein. In London schwirre
seit einiger Zeit sehr viele unzuverläßliche Ge
rüchte umher und wie die Königin Victoria
noch lebt, so mag auch der Kaiser Alexander
ganz wohl sein. Sollte aber die Nachrickt
wirklich wahr sein, so würde sie in Berlin
einen sehr peinlichen Eindruck machen. Ter
Kaiser Alexander ist der einzige wahre Freund
genannt worden, den das deutsche Reich in
Rußland habe und wenn dieser Freund seinen
Willen nicht mehr zur Geltung bringen kann,
so werden wohl die Feinde Deiitschland's dort
sich zu regen beginnen."
Die Dipthcritis.
Nur mit Widerstreben acceptirt der Mensch
Wahrheiten, welche ihm ktnbehagen verursa
chen und gar zu gerne beschönigt er Thatsa
chen, an die er nur ungern glakiben mag. So
finden denn auch die Berichte über das epi
demische Auftreten von Dlptheritis und
Pocken gar manchen Ungläubigen, welcher
mit Kopsschüttcln die Befürchtungen Anderer
belächelt. Weit davon entfernt, unnöthigcr
Weise Sorge zu erwecken, hat der Gesund
hcitsrath von New-SM ruhig alle Maßrc
geln getroffen, um dem Umsichgreifen der
Seuche Einhalt zu thun, freilich bisher leider
nur mit geringem Erfolge, denn noch immer
mehren sich auf dem Stadtplane von Tag zu
Tag die hlauen und rothen Punkte, welche
das Auftreten der schrecklichen Krankheiten
„Dypthcrie" und „Pocken" in den verschiede
nen Stadttheilen anzeigen.
Interessant ist deshalb der Bericht, welchen
das Sanitäts - Comite des dortigen Gesund
heitsrathes über das Auftreten der Dtptheri
tis, ihre Ursachen und Wirkungen erstattet
hat. Wir entnehmen demselben Folgendes:
„Die Dipthcritis verdankt ihr Entstehen dem
dipthcri'ischen Gifte, welches die Luftströ
mungen mit sich führen und welches das ganze
System angreift. Die lokale Entzündung ist
von Fiebern und Geschwür begleitet. Tie
Krankheit ist eine ansieckende, vielleicht nicht
so stark wie Scharlachfieber; die Ansteckung
erfolgt durch Berührung von infizirtcn Ge
genständen oder Personen und die dieselben
umgebende Luft; so daß durch Küssen, Husten,
Spucken, Riesen, oder durch den Gebrauch
von Handtüchern, Taschentüchern n. s. f.,
welche von kranken Personen benutzt wurden,
die Krankheit weiter getragen wird. Das
Gift hält sich außerordentlich lang an gewissen
Plätzen, so daß oft nach Neonaten noch An
stcckungsfälle vorkommen.—Bei gewöhnlichen
Anfällen arbeitet das Gift sofort nach dem
Ansatz, hat indeß wie auch die Impfung wäh
rend der ersten drei oder vier Tage keine be
sonders bedeutende Wirkung, dann aber stellt
sich Ermattung, TrockenlM der Kehle und ein
stechender Schmerz bei m Schlucken ein. Die
Kehle wird roth und bald zeigen sich weiße
Geschwüre,während die Halsdrüsen anschwel
len. In leichten Fällen verschwinden diese
Symptome drei bis vier Tage nach ihrem Er
scheinen, in schlimmern dauern sie länger.
Nimmt die Krankheit eine ungünstige Wen
dung, so steigert sich das Fieber, die Entzün
dung gewinnt an Ausdehnung und bald stellt
sich gänzliche Erschöpfung ein. Meistens
greift die Krankheit Kinder zwischen einem
und zehn Jahren an. Die Sterblichkeit war
am größten unter Kindern im 2., 3. und 4.
Jahre. Die Dipthcritis tritt unter allen
Klassen auf, besonders stark aber in Häusern,
welche auf tiefem, feuchtem Boden belegen
sind, oder ein schlechtes Abzugssystcm haben,
oder in der Nähe von schlecht dcsinfizirlen
Kanälen, Abtrittsgrubcn und so fort liegen.
Jede Uebcrfüllung von Zimmern ist möglichst
zu vermeiden.—Die Krankheit ist nicht an eine
Jahreszeit gebunden.
Das Comite empfiehlt die folgenden Vor
sichtsmaßregeln. Vor allen Dingen instreug
ste Reinlichkeit in Schlaf- und Wohnzimmern
geboten, dadurch wird nicht nur das Äusbre
chcn der Krankheit in vielen Fällen verhütet,
sondern auch, wenn sie auftritt, gemildert.
Alle Schmntzhausen in der Nähe der Häuser
müssen bei Seite geschafft, Keller, Höfe, Ab
tritte desinsizirt werden. Die Reparatur der
Abzugsröhrcn und Anlegung neuer Kanäle
erscheint dringend geboten. Schmutzige
Wände und Decken sollten frisch gekalkt wer
den. Alle Möbel, Teppiche, Beltzcuge soll
ten täglich gelüstet werden, wie denn über
haupt gründliche Ventilation gefordert werden
muß. Ist die Kranthnl in einem Hause auf
getreten, so sollte das Zimmer mindestens eine
Woche lang gelüftet werde, che es wiederbe
nutzt wird. Während die Krankheit herrscht,
sollte keinem Kinde gestattet werden, ein frein
des Kind oder Besucher, welche auch nur an
Erkältung leiden, zu küssen, wie es überhaupt
als eine üble Gewohnheit bezeichnet werden
muß, daß man die Kinder zwingt, jeden Frem
den zu küssen; eine Gewohnheit, die häuffg
zur Uebertragung schlimmerer Krankheiten,
als der Diptherilis führt. Man trenne ge
sunde Kinder strenge von Kranken und halte
sie von jeder Berührung mit den Letzteren
fern. —Herrscht die Krankheit in einem Hanse,
so halte man die Kinder in einem trockenen,
wohlerwärmten und gut ventilirten Zimmer
und versäume ja nicht, jeder auch der kleinsten
Erkrankung des Kehlkopfes oder des Halses
nöthige Aufmerksamkeit zu schenken,
schliche Kinder sollten besonders kräftig
neiiäkrt I! ZU stärkenden Uebungen angeyal
h'n werd' Kinder müssen im lufti
gen Zimmer unter, ''l-rZchl werden, so daß es
möglich ist, die Luft 0-dl.ch vollständig zu
wechseln. Aller Ausfluß ."'S Mund und
Nase sollte in Gesäße entleert w w.Uche
mit Lösungen von Zinksnlphat
werden. Werden diese Ausleerungen
Leinen gemacht, so sollten die Lappen sofon
verbrannt oder wenigstens gänzlich in Lauge
ausgekocht werden."
Taczes-T^euigkeiten
Am Montag, den 7. Dezember, beginnt die
kurze Sitzung des 43. EongresseS,
welche mit dem 4. März ihr Ense erreicht, !
also keine volle drei Monate dauert und noch
von den WeihnachtS- und NeujahrSferien un
terbrochen wird. Es ist eine kurze Frist noch
bls zum Ende der unbeschränkten Diktatur
der republikanischen Partei in der Gesetzgebung
und der Exekutive des Landes. Wie wird sie
denselben benutzen? Wird sie in unfruchtba
rem Familienhaber diese letzten Tage ihrer
Herrschaft unnütz verzetteln, oder wird sie in
aller Eile noch die kurze, zugemessene Zeit in
gewohnter corrupter Weise verwenden, um
?o viele persönliche Beute zu machen, wie
möglich ? Oder sollte sie vielleicht zu dem
Entschluß kommen, diese drei Monate zn eini
gen guten Maßregeln zu benutzen, um dem
bevorstehenden Partei - Ruin in der letzten
Stunde einen Tamm entgegen zu setzen? Die
Geschichte dieser republikanischen Mehrheil läßt
nicht an so viel Einsicht und so viel Klugheit
glauben, um das Letztere annehmen zu kön
neu. So fragt es sich denn, wie viel Schlim
mes kann noch in diefen drei Monalen ge
schehen, wenn die Maßregeln im Congresse in
Erwägung gezogen werden, welche von der
vorigen Sitzung noch vorliegen. Hier Prä?
sentirt sich in erster Reihe die famoie Civil
rcchts-Bill, welche im Hause ihren Ursprung
hatte, und welche Gen. Butler als Vorsitzen
der des Justiz-Eomitc's sofort wieder zur Äe-.
rathuug bringen kann. Es verlautet, daß c<
das beabsichtige, und daß" er ihre Annahme
mit aller Energie betreiben werde. Die Op
vosition dagegen wird entschieden genug sein,
aber sie zahlt ja nur eine Minorität. Da
Butler weiß, daß der Präsident diese Bill mit
feinem Veto belegen wird, so soll er die Ab
ficht haben, sie dahin zu amendiren, daß die
Farbigen aetrennte Schulen von den Weißen
haben sollen, wodurch er den Präsidenten zu
ihrer Genehmigung zu gewinnen hofft. Tie
Baltimore, Md., Freitag, den 4- Dezember 1874.
vom Senat amendirte Civilrechts - Bill von
Sliniiier ist fast gleichlautend mit der des Hau
fes. Vielleicht gelingt es der Minorität, eine
Abstimmung hinauszuschieben, sollte das nicht
der Fall sein, so liegt die einzige Rettung im
Veto des Präsidenten. Die neue Steuer
und Zoll-Bill, welche im Hause in voriger
Sitzung passirte, liegt vor dem Senat, wo
dieselbe amcndirt und von einem Conferenz-
Comite berathen wurde. Das Hans hat den
Bericht des Consercnz-Comite's nicht angenom
men, und werden neue Berathungen zwischen
beiden Häusern nöthig werden. Man erwartet
jedoch die Vorlage einer ganz neuen Bill,
welche die Fiiianz-Comite'n des Senates und
des Hauses entworfen haden. Welche neue
Steuer- und Zollbestimniungen darin beliebt
werden, ist noch unhekannt. Höchst wahr
scheinlich wird auch der Jnflations - Fanatis
mus wieder allerlei wilde Versuche macken,
einen Erfolg zu erringen. Die Botschaft des
Präsidenten wird sich zwar gegen die Inflation
aussprechen, aber die republikanische Mehrheit
im Congresse ist weniger, als jemals, geneigt,
sich den Ansichten des Präsidenten in dieser
Frage zu fügen. Bei den Debatten darüber,
und ebenso über die Eivilrechts Bill, kann es
sehr leicht zu harten Ausfällen zwischen den
hadernden republikanischen Brüdern kommen,
und vielleicht erlebt man das eigcntbümllcke
Schauspiel, daß der republikanische Präsident
von der demokratischen Minorität gegen die
republikanische Majorität vertheidigt werden
wird. Aus Obigem ist zu ersehen, daß die
bevorstehende Sitzung eine recht lebhafte zn
werden verspricht. Wenn sich die Debatti
rcnden dabei unter einander den Standpunkt
klar machen, ohne irgend welche neue gemein
schädliche Gesetze fertig zu bringen, so würde
sich die Nation zu den, Skandal unter den
feindlichen Brüdern nur Glück wünschen kön
nen.
Bor dem Bundesgerichte von Peters
burg, Va., haben die Richter Bond und
Humphreys entgegengesetzte Ansichten über die
Constitntionalität der berüchtigten „Enforce
mcnt-Akte" abgegeben. Humphreys jagt, die
Akte sei verfassungswidrig; da-- Recht, bei
Staatswahlen zu stimmen, könne Niemanden
durch Congrcß Erlaß genommen werden.
Bond, der Erz Radikale, wich in seinen An
sichten von seinem College ab. Die Frage
geht nunmehr vor das Oberbnndcs - Gericht.
Die Bnndcsschuld hat, laut dem ge
stern veröffentlichten Schatzamts - Berichte,
im November nm ganze—§l23,42B abge
nommen.
Ter „N.-?j. Herald" fährt fort, Bismarck'
Verfahr? gegen den Grafen von Ar
nim zu tadeln. Auch die Verfolgung und
Bestrafung gewisser Damen Westfalen's,
die ihrem gefangenen Bischöfe ein Beleids-
Schreiben zuschickten, sei noch grausamer, als
das einstmalige Austreten Butker's gegen die
Frauen in Ncw-Orleans. Andere New-Nor
ker Blätter nehmen Bismarck dagegen in
Schutz und widmen ihm täglich Lobreden,
wobei jedoch auch manche Meinungsverschie
denheiten über schließlichen Erfolg der Politik
des Mannes von Blut und Eisen an's Licht
treten.
Es erhellt jetzt, daß Bazaine einstmals
sechs Jahre als Oherst der spanischen Armee
der Königin Jsabella diente und als solcher
dem Marschälle Serrano seinen Degen ange
boten hat.
InNewßork hat sich vorgestern die 38-
jährige Fran Adolphineßaumgärtner in ihrer
Wohnung erschossen. Der Mann der Verstor
benen, Antonßaumgärtner, ist einßetouchcur
von Beruf, und dre Frau, welche keine Kinder
hatte, betrieb im Basement ihrer Wohnung
einen kleinen Milch und Groccrie-Laden. Ihr
Mann, dessen Geschäft ihn aus dem Hause
rief, gab der Frau vor etwa einem Jahre ein
geladenes Pistol, damit sie sich, falls Rauf
bolde, die in jener Gegend ihr Unwesen treiben,
in dcnLaden dringen sollten, vertheidigen oder
wenigstens Lärm machen könne. Gestern Mit
tag verließ Hr. Baumgärtner das Haus und
kam gegen 4 Uhr zurück. Er fand die Vorder
lhür verschlossen. Dieses siel ihm jedoch nicht
auf, weil es häufig der Fall war. Als er ver
suchte, die Hinterthür zu öffnen, fand er diese
ebenfalls von innen verriegelt. Ein Blick
durch das Fenster zeigte ihm, was vorgefallen
war. Auf dem Boden ausgestreckt lag die
Fran und neben ihr das entladene Pistol.
Die Verstorbene halte anscheinend mit größter
Ueberlegung gehandelt, denn sie hatte ihrKlcid,
Eorset und Hemd geöffnet und die Mündung
des PistolS dichr vor das Herz gehalten. Die
Frau litt seit mehreren Jahren an einer un
heilbaren Frauenkrankheit und hatte schon
mehrere Male gedroht, Selbstmord begehen
zu wolle.
Anknüpfend an die Thatjache, daß Or
villc Grant kürzlich von dem Präsidenten
einen fetten Contrakt für Lieferungen an die
Indianer erhalten hat, schreibt B. G. Daniels,
ein Birginier, an die New-Aorker „World:"
„Ich wünsche Ihre Aufmerksamkeit auf die
Thatsache zu lenken, daß des Präsidenten
Bruder, Orville Graut, nicht das einzige
Glied der Familie ist, dem ein solcher Tra
dcrS-Postcu zugefallen ist. Ganz am Be.
ginne seiner Administration ernannte er sei
nen Schwager John Dent zum Händler für
den Militärposten zu Fort Union in Ren-
Mexiko, den bedeutendsten westlich vom Mis
souri, und werth seine §30,000 pro Jahr.
Es ist ebenso bekannt, daß Dent die Ernen
nung von andcreFreunden auf vier bis fünf
weiteren Posten bewirkie, von welchen zusam
men er ein bedeutendes Einkommen bezieht.
Wenn die Thatsachen bekannt würden, würde
das Land erfahren, daß die Grant-Dent-Fa
milie aus dieser Quelle eine Jahrescinnahme
von §lOO,OOO bezieht."
Schon 1845 und später in 1848 war der
soeben in Ncw-lork verstorbene Hr. Have
meyer Mayor dcr großen Handels-
Metropolis. Die Rew - Jorker Blätter
bringen folgende Biographie des Verstorbe
nen: „Wm. F. Havemeyer wurde am 12.
Februar 1304 in dem Hause Nr. 31, Pine-
Straße, geboren und erhielt seine erste Er
ziehung von seinem Vater, der im Jahre 1798
von Deutschland hier eingewandert war. Au
ßer einer gründlichen Geschäfts-Bildung wollte
der Vater ihm auch eine klassische Erziehung
angedeihen lassen, und schon als Knabe von
15 Jahren betrat der junge H. das „Colum
bia College," auf dem er sich mit solchem Eiser
den Studien widmete, daß er bereits im Jahre
IB23graduircn konnte. Dann widmete er sich
sofort wieder dem Geschäfte und begann eine
Zucker-Rassineric, die er mit großem Erfolge
bis zum Jahre 1842 betrieb, worauf er sich
ganz vom Geschäfte zurückzog. Seine Intel
ligenz, sein richtiges Urtheil und sein strenger
'Rechtlichkeitssinn hatten ihm eine große Zahl
von Freunden erworben, und diese setzten es
durch, daß er 1844 bei der Präsidentenwahl
zum Elektor und im folgenden Jähre mit star
ker Majorität zum Mayor erwählt wurde.
Seine Verwaltung stellte beide Parteien zu
frieden, was sich am Deutlichsten dadurch kund
gab, daß ihm im Jahre 1346 die Wieder-
Romliialion angeboten wurde, eine Ehre, die
er jedoch ablehnte, da er sich entschloffen hatte,
in's Privatleben zurückzutreten und kein öf
fentliches Amt wieder anzunehmen. Diesem
Entschlüsse wurde er im Jahre 1848 auf das
Drängen seiner Freunde hin untreu, er nahm
nochmals die Nomination für das Mayors-
Amt an und wurde zum zweiten Male er
wählt. Eine nochmalige Nomination lehnte
er am Ablaufe seines Amtslcrmincs ab. Be-
sonders ermähnenswerth sind seine Verdienste,
die er sich in den Jahren 1347 bis '4B als
Präsident der Einwaiiderungs - Commission e
cnvcuDas Unwesen der sog. Emigranten
„Runner" hatte damals in einem solchen §
Maaße überhand genommen, daß die Legis-
latnr sich veranlaßt sah, durch ein Extra-Gesctz
oiese Etnwanderungs - Commission zu creircn r
und Hrn. Hapemeyer zum Präsidenten dcrscl-
ben zu ernennen. Als solcher war er uner- z
müdtich thätlich, die Rechte der Einwanderer e
zu schützen und die bestehenden Mißbräuche zu . ?
beseitigen, uns seine Bemühungen wurden mit ! ,
dem besten Erfolge gekrönt. Seither hat er !
verschiedene bedeutende Posten bei merkantilen j
Instituten, so z. B. den eines Präsidenten der ! ?
„Bank of Nortb-America" u. A. bekleidet, bis ! -
das Jahr 1871 ihn wider seinen Willen aber- !
mals in die politische Arena rief. Sein Auf.!
nclen im „Looper-Jnstitute" bei Bildung des !:
Siebenziger-Eomite'S wird vielen unserer Le-
scr noch erinnerlich sein, und ihm gebührt das
Lob, kräftig mit beigetragen zn haben,i,?n '
Brechen des „Ringes," der damals wie ein j
Alp aus der Stadt lastete. Das Volk erhob
ihn zum driitenMace ausdenMayors-Stuhl. !
Was er während seiner dritten Amts-Periode !
geleistet, ist noch zu frisch in der Erinnerung,!
als daß wir näher darauf einzugehen brauch. !
ten. Mit der äußersten Gewissenhaftigkeit!
hat er sich der lausenden Amts-Geschäste bis ;
aus den letzten Tag erledigt und als ein schö
nes Zeichen seiner rastlosen Thätigkeit darf es '
gelten, daß selbst der T°d ihn in der Erfüllung
! seiner Pflichten überraschte und so sein lhäti- !
ges, in den letzten Stadien vieibewegtes Leben
endete."
Ein Artikel der lausenden Nummer von!
, „M acmillan' s Magazin" enthüllt
i die Thalsache, daß die „kleine Lucie," die Hein
! rich Heme in Boulogne -sur-Mer Volksmär- j
s che erzählt! und Balladen recirirte, an deren !
i „braune Augen" Heine eines seiner reizendsten s
, Gedichte richtete, und v,e Jahre darauf, als
! die „jleine Lucie groß geworden war,ind ei
s neu Mann Halle," den sterbenden Dichter
i den „armen Schatten der Elyseeijchen Felder"
i -in seinem Zimmer uyweit der Ehamps !
! Elysees besuchte, Wß Lycie Austin, später !
: l Lady Duss-Äordon, war, !
Am Montage wurde in Albany, N.-V.,
die Silberwaarcn-Fabrik von S. B. Browcr
k Söhne in Plainsiraße nm §5OOO bis §lO,
000 bestohlcn. Zugleich wurde L. G. Bur
geß. dessen Juwelen-Fabrik sich in demselben
Gebäude befindet, um Geschmeide im Werthe
von §45,000 beraubt. Laden James
Maxwell's, sen., wurde Samstag Nachts um
Eijcnwaaren im Werthe von §5OO geplün
dert. Eine Belohnung von §looo'ist für
die Ergreifung der Diebe ausgesetzt wor
den.
Engen Sinke fand sich durch N ach for
schuiigen üb er Cag l i o stro veranlaßt,
zur Anbahnung eines genaueren cullurge
schichilichen Verständnisses dieses Abenteurers
jenen Eiiizelrichtiingcn der Schwärmerei und
des daran; fußenden Schwindlerthums, wel
che in den letzten Decennien des vorigen Jahr
hunderts in Europa 11. namentlich in Deutsch,
land so vielen Leuten den Kopf verdrehten und
auf daö Zeitalter der Ausklärung einen so
schwarzen Schatten warfen, näher nachzuge
ben. Seine Gallerte der „Schwärmer lind
Schwindler zu Ende ZeS achtzehnten Jahr
hunderts" schildert Swedenborg, Meßmer,
Gaßner, Schrepfer und Cagtiostro. Wer an
Sierke'sSchlldernngen von dem Magier Bal
sams, genannt Graf Cagliostro,Geschmack ge
funden, wird in dieser Gallerte von Magneti
jeuren, TcuselSbannern, Magiern u. s. w.
seine Freude haben. Der Versasserist beschei
den genug, seine Darstellung nicht erschöpfend
zu nennen; er fordert Kenner zur Mitwirkung
auf.
Der General-Capitcin von Euba
hat weitere 20,000 Soldaten von Spanien
verschrieben. Ob er sie erhalten wird, ist
allerdings eine andere Frage, da bekanntlich
d'rüben die Republik aller Kräfte bedarf,
um mit Don Carlos fertig zu werden.
In Wilmington, Tel., haben du
Wagenbauer Jones, Guthrie K Comp, am
Sonntage durch einen Brand §40,000 verlo
ren, wovon jedoch §20,000 durch Assekuranz
gedeckt sind.
In New. Nork hat das Umsichgreifen
der Blattern die außerordentlichsten Schutz
maßnahmen der Sanitätsbehörde nothwendig
gemacht.
Cot. Mosby und Andere ersuchten den
Präsidenten um die Begnadigung des in
Petersburg, Birg., des Unterschleifes
schuldig befundenen Präsidenten der „Ersten
National-Bank," T. T. Brooks, sind aber
abschlägig beschieden worden. Brooks, ein
hochbetagter Mann, geht nunmehr auf 5
Jahre in s Zuchthaus zu Albany, N.-U.
Neulich fand bckantlich in Washington
die Verehelichung einer Tochter des Gen.
Sherman statt. Eine Menge Einladungen
ergingen zur Betheiligung, aber, sonderbar
genug, stellten sich viele Jnvitirte nicht ein.
Eine Nachforschung hat nunmehr ergeben,
daß nicht weniger als 400 Einladungen
gestohlen worden sind. Im Postamte zu
Washington findet oieserhalb nunmehr eine
Untersuchung start.
In mehreren Blättern wird die Wieder
herabsetzung des Gehalts des Präsi
d enten auf §25,000 pro Jahr agilirt.
Der bekannte Ingenieur Wallace regt den
Plan an, bei Busfaio den Niagara zu
tunnelliren.
Bazaine zeichnete bei seinem neulichen
Besuche London's seinen Namen in das
Empfangsbuch des Herzogs von Cambridge,
Oberbefehlshabers der britischen Armee.
Als der Herzog nachher den Namen sah,
äußerte er sich in einer Weise, die gerade nicht
die Annahme zuließ, daß er deu Beiuch Ba
zaliie's erwiedern werde.
In New - Nork wird eine neue Zeitung
projektirt, welche jeden Montag wörtlich die
Predigten aller Hanptkirchen der Stadt und
Brooktyn's bringen soll.
InHickville bei New Jork wurde am
Sonntag Hermann Kreuz, Präsident der
„New-?)orker Sängerruude," beerdigt. Die
Hinterlassenschaft des Heimgegangenen ist
vom Coroner mit Beschlag belegt worden,
und sind etwaige Erben gebeten, sich wegen
deren Empfangnahme und weiterer Infor
mation im „Grand-Cenlral Hotel'' zu mel
den.
In Jersey-City starb am letzten
Sonntag Joseph Dodd, der Veteran des ame
rikanischen Posidicnstes, im Alter von 34 lah
rcn. Dodd hat wohl Über 60 Jahre im Post
amt gedient. Seine erste Arbeit im Post
departement war, daß er die abzuschickenden
Bricssäcke von New-Aork an die Leute über
gab, die zur Weiterbeförderung derselben au
torisirl waren. Er brachte seinen Postsack,
der die für Washington, den Westen und den
Süden bestimmten Postsachen enthielt, ans
seiner Schulter die Libertystraße hinunter bis
an den Nord-River, dort bestieg er ein Boot
und ruderte nach Jersey.City hinüber, wo in
einem Wirthshause nahe dem Landungsplätze
die Postkutsche, welche von Bewaffneten be
wacht wurde, hielt. Dem Agenten des Wa
gens übergab dann Dodd den Postsack und
ruderte wieder nach New Jork zurück. Die
Postsachen, die damals ein- oder zweimal pro
Woche nach dem Westen und Süden von
New-Uork verschickt wurden, gingen bequem
in einen einfachen Postsack; heutzutage wie
gen dieselben pro Tag mehrere Tonnen. Spä
ter war Oberst Dodd ein Interessent in Post
transportations-Contraklen nach dem alten
Systeme, dem aber die Eisenbahnen und
Dampfboote bald ein Ende machten. In den
letzten Jahren gewährte man ihm eine Stel
lung mit leichter Arbeit im Postamlc. Als
der Grund für das neue Postamt im Cityhall-
Park gebrochen wurde, ließ man den alten
Oberst Dodd die ersten Schaufeln Erde her
ausstechcn, weiter der älteste Beamte war, den
das Postdepartement je besessen.
Hr. Bance, welcher bis zum 1. Januar
die Stelle eines Mayors von New-Z)ork be
kleidet, gehört der republikanischen Partei an.
In New - Orleans begann gestern das
große jährliche Conclave des Großlagers der
Tempelritter der Ver. Staaten. Die Ritter
hielten eine große Parade ab, woraus die
Sitzung, nachdem die obligate Begrüßungs
rede des Großmeisters von Louisiana gehalten
war, eröffnet wurde.
Man hat in Troy, N.--1., Kenntniß von
einer Greuelthat erhalten, die in Bezug
auf Barbarei u. Entsetzlichkeit ihres Gleichen
sucht. Ein Zimmermann, Namens Elias
Williams, unternahm kürzlich die Errichtung
eines Holzhauses inmitten eines Waldes in
einer wilden und öden Gegend etwa 16 Mei
len nördlich von Wcllstown in Hamilton-Co.
Er dang einen Arbeiter, Namens George
Smith, um ihm bei dcmßaue zu helfen. Bor
einigen Tagen geriethen dieselben, nachdem
sie dem Schnappskrug ordentlich zugesprochen
halten, inStreit, der schließlich in einen Kamps
auf Leben und Tod ausartete. Williams be
mächtigte sich endlich seines Gegners, warf
denselben auf einen Sägebock und sägte ihm
mit einer schnell erfaßten Säge im buchstäbli
chen Sinne des Wortes den Kops vom
Rumpfe. Nachdem sich seine Wuth gelegt
halte, überdachte er erst, was er angerichtet.
Er öffnete sich die Schlagadern am Halse und
lag bald ebenfalls als Leiche neben der seines
Opfers. Ein kleiner Knabe, der den entsetz
liehen Vorgang mit angesehen hatte, brachte
die Nachricht davon nach dem nächsten be
wohnten Platze. Von dort aus begaben sich
Leute an Ort und Stelle und begruben die
beiden Todten. Williams war verheirathct,
Smith war ledig.
In dem Rational - Jnvalidenhause bei
-t. ton, 0., starb vor einigen Tagen
Oberst Alexander Bohlender, Oberstlieute
nant des 28. und später Oberst des 156.
Ohio'er Freiwilligen Regiments, an Lungen
entzündung. Er war ein geborener Preuße
und hatte sechs Jahre in der preußischen Ca
vallerie gedient. Er wohnte früher in Cm
cinnati und war dort eine Zeit lang Polizei
Lieutenant. Bor mehreren Monaten bezog
er das Jnvalidenhaus, während seine Fami
lie in Eincinnali zurückblieb. Er ward mit
militärischen Ehren beerdigt.
Auswärtige Blätter nennen die Namen
John W. Garrctt und Thomas F.
Ba va rd von Delaware als geeignete Prä
sid entschafts-Candldaten.
Es wird wahrgenommen, daß in neuerer
Zeit die Eisenbahn-Fracht-Eoncurrenz den
Canal-Transport wesentlich benach
thciligt hat. In New-S)ork spricht man be
reits von der Schließung des Erie-Canals für
dsts Jahr 1374.
In Atlaiita, Ga., giebt es zwei Witt
wen, die resp, nur 14 und 16 Jahre alt sind.
ln B ro o k lyn, N.-V-, hat A. B. Mit
i check eine §50,000-Jnjurlcuklage gegen den
! Prediger Dr. Talmagc anhängig gemacht,
weil Letzterer ihn „eines, einem Christen un
! würdigen Betragens" beschuldigt hatte. Hr.
M. wär bisher ein angesehenes Mitglied der
i'Talmaae'schen Gemeinde und fein „unwür
diges Betragen" soll darin bestanden haben,
daß er neulich einen unhöflichen Brief an
! besagten Dr. T. schickte.
Ejnen famosen Ausdruck für
! die Inflation des Papiergeldes haben wir in
seinem Leitartikel der „EincilinaliGazette"ge-
funden. Da heißt es, das Land durch Pa-
piergcldvermehrnng bereichern wäre ungefähr
! Dasselbe,als wenn sich Einer warmes Wasser
I in die Hosen schüttete, um sich dicßeine zu er
wärmen. Einem besser gewählten Gleichniß
sind wir lange nicht begegnet. Wer's nicht
glaubt, mache das Experiment einmal an sich
, selbst!
Der Tabackßhändler I. Anderson von Ne
w hat seinem Freunde Garibaldi
> §lOOO als Präsent nach Italien geschickt.
Telegraphische Tepeschcn.
Inland, Depeschen.
Roch ei amerikanischer Wohl
thäter.
Boston, 30. Nov.—Der verstorbene Mo
ses Tay hinterläßt ein Vermögen von §500,-
>OO und vermacht §38,000 verschiedenen Leh
nnd Wohlthätigkeils - Anstalten. Er gibt
§5OOO dem Amhcrst-, §sot>o dem Williams-,
§5OOO dem Harvard- und §5OOO dem Tnsts-
Eolleglum; außerdem vermacht er §50,000
für Wohlthätigkeitszwecke und, wie es in sei
nen, Testament heißt, „für die Ausbreitung
des Reiches Christi ans Erden."
Scnrh Clews öi- iso. bankerott
erklärt.
New -S) ork, 1. Dezbr. —lm Vnn
deskreisgerichle wurde heute vor Richter
Blatchförd die Firma H. Clews K Comp.,
welche es unterlassen hatte, einen Protest
gegen das Bankerottverfahren einzureichen,
fallirt erklärt. Dieses geschah aus die Petition
des Arthur Cooper, Masse - Curator der Lon
doner Firma, und 15 amerikanischer Gläu
biger.
Carl Bogt.
N e w-S) ork, 2. Dez. Carl Vogt, wel
cher in der Nähe von Brüssel, Belgien, den
Chevalier Dubais de Blanco ermordete und
dann mit einer groyen Summe Geldes und
Geldeswerth hierher entfloh, wurde aus die
Anklage des großen Diebstahles hin heule
vom Gerichte freigesprochen, weil über zwei
Jahre verflossen seien, feit die Klage erhoben
und innerhalb dieses Zeitraumes Nichts in
der Sache geschehen fei. Unmittelbar nach
seinem Austritte aus dem Gerichtssaale wurde
Vogt von Neuem arretirtund zwar anfGrund
des kürzlich abgeschlossenen Auslieferungsver
trages mit Belgien.
Tweed um eine Soffnnng ärmer
Sein Gesuch um Hävens Cor
pus abgewiesen.
New - Vork, 2. Dez. Heute wurden
vor Richter Barrett die Argumente in dem
Habeas-Corpus Falle des Wm. M. Tweed
gehört. David D. Field und Ex - Richter
Eomstock sprachen für den Arrestanten und der
Distrikts-Anwalt PhelpS vertrat den Staat.
Da der Gefangene unwohl war, fo wurde er
nicht vor die Schranken gestellt. Der Di
striktS-Anwalt beantragte die Annnllirung des
Befehls, da keine Ursache für denselben vor
liege, indem das Gericht, welches den Sträf
ling verurthcille, gehörig organisirl war und
dessen Versahren nicht von einem coordinirten
Gerichte revidirt werden könne. Dieses Ver
fahren sei weder nothwendig, noch gesetzlich,
auch sei kein Präcedenzsall für dasselbe vor
handen. Der Richter unterstützte das Argu
ment des Anwalts und der Häbeas Corpus
Befehl wurde niedergeschlagen.
New-Aork, 2. Dezbr. Das „Tele
gramm" behauptet, daß Tweed entflohen sei.
(Später.) Gerüchte, welche der Bestäti
gung bedürfen, cirkulirtcn heute Nachmittag,
daß Tweed aus dem Zuchthanse enflohen sei.
Er fitzt noch.
New-Jork, 2. Dezbr. Nachfragen
an geeigneter Stelle haben ergeben, daß sich
Tweed noch im Gesängnisse befindet.
New- 2) 0 rk, 2. Dezbr. Tweed wurde
heute nach der Stadt gebracht, um vor Gericht
zn erscheinen. Infolge eines Uebcreinkoin
menS mit demDistrikts-AnwaltePhelps wurde
ihm jedoch gestattet, an dessen Privat-Büreau
in der Dunncstraße nahe dem Broadway, zu
bleiben. Nachdem der Habcas Corpus - Be
fehl von dem Gerichte niedergeschlagen war,
wurde der Arrestant wieder nach Blackwclls-
Jsland gebracht. Lein Nichterscheinen vor
Gericht gab wahrscheinlich zu dem Gerüchte
Anlaß, daß er entflohen sei.
Ter Glcnde,üng-Skandal.
N e w N 0 r k, 2. Dez. —Das Presbyterinm
von Jeriey-City verhandelte heute in der Af
faire des Pastors Glentenning vor geschlosse
nen Thüren.
Das Presbyterinm sprach Glendcnning von
allen gegen ihn erhobenen Beschuldigungen
frei.
Gouverneur Dix über die Beyanv
tung Tweed's.
New -Ij 0 rk, 3. Dezbr.—Ein Schreiben
des Gouverneurs Dix an den Mayor Have
meyer, welches aus letzter Woche dalirt, wird
veröffentlicht. Dasselbe hat ans W. M.
Tweed Bezug. Der Gouverneur sagt, er sei
unterrichtet worden, daß dem Sträfling Tweed
so viele Privilegien bewilligt würden, daß
derselbe ein eigenes Zimmer habe und mit al
lem Comfort und Luxus umgeben sei; Tweed
trage bürgerliche Kleidung und genieße die
Freiheit des Gefängnisses, kurzum, sei in je
der Hinsicht der Gefängniß-Disziplin überho
ben. Der Gouverneur erklärt, dieses sei eine
Schmach für den Staat; eine verbrecherische
Pflichtverletzung Derzeitigen, welche bei Miß
achtung aller Gesetze diese Begünstigung er
lauben, und dieselbe könne nicht verfehlen,
Denen zum Mißkredit zu gereichen, welche im
Stande seien, diese Uebelstände abzustellen.
Der Gouverneur hält es für seine Pflicht, den
Mayor auf diese Sache aufmerksam zu ma
chen, als diejenige Behörde, welche im Stande
ist, eine Aenderung zu treffen.
Felilschlää des Äusstandes der
Schiffslader.
New -I 0 rk, 3. Dezbr. Der Ausstand
der Schiffslader scheint seinem Ende entgegen
zugehen. Die Dampfer-Compagnie' sind,
fest entschlossen, die reduzirten Löhne anstecht
zu erhallen. Die Segelschiffe lassen dagegen
zu früheren Raten arbeiten.
Die SchiffSarbeiler von Hoboken erklärten
sich bereit, mit den Hamburger, Bremer und
„Eagle"-Dampfschifffahrts-Gesellschaftcn ei
nen Compromig abzuschließen, wurden aber
von deren Agenten beschicken, daß Arbeiter,
die zur Union gehörten, nicht mehr beschäftigt
würden.
VcrleumSttngs Prozck von Frl.
Gdna Dean Proctor contra
Moulton.
New- L) 0 r k, 3. Dez. Die Libellklage
des Frl. Edna Dean Proctor gegen Francis
D. Moulton kam heute vor Richter Woodruff
im Bundesgerichte zu Brooklyn zur Verhand
lung. Die Schadencrsatzforderung der Klä
gerin beträgt bekanntlich Kioo,oov. Der An
walt der Letzteren erklärte sich bereit, während
der Anwalt des Verklagten die Compctenz des
Gerichtes bestritt, da in der Klageschrist der
Verklagte nicht als Staatsbürger aufgeführt
sei. Richter Woodruff erklärte, anfeinen der
artigen Einwand sich nicht einlasien zu kön
nen. Der Anwaltsuhr dessen ungeachtet in der
Begründung dieses Jnzidcnzpunklcs fort.
Der Richter unterbach ihn und sagte, er sei
wohl nicht bereit in dcrSachc. Derselbemußte
Dies zugestehen und bat das Gericht, seine
Gründe dasür anzuhören, den Prozeß von sich
zu weisen. Er habe die Zeugenbeweise nicht
studirt, doch wolle er sie dem Gerichte überge
ben. Letzteres vertagte sich aus kurze Zeil,
dann las es dieselben vor. Sie bestanden aus
der Erklärung Benj. F. Butter's und des Ex
richtcrs Fullerton, daß das Gericht keine Ju
risdiktion in dieser Sache habe. Richter
Woodruff verlegte dieselbe auf nächsten Mitt
woch und überließ es dem Kläger, die An
klageschrift zu amendiren.
Des Mordes im ersten Grade
schuldig.
Philadelphia, i. Dezember. In
Williamsport, Penn?., wurde beute Barncy
McCne, welcher den I. Dceter am 25. Oktbr.
v. I. bei Mancy-Dam ermordet hatte, des
Mordes im ersten Grade schuldig befunden.
Eisersucht scheint die Ursache des Verbrechens
gewesen zu sein.
Ein neuer Kirchen-Skandal.
Dezbr. Der
Ehrw. Thomas Cooper, Pastor der Congre
gations Kirche zu Frankford, dereines schänd
lichen Angriffes und der Mißhandlung der
Flora May Peters, eines 18-jährigen Mäd
chens, angeklagt ist, wurde vom Schcrifs un.
ter Bürgschaft von §5OOO gestellt. Der Pater
des Mädchens ist der Kläger und fordert
s 10,000 Schadenersatz. Die Gemeindcmit
glieder halten ihren Pastor für unschuldig.
Geschfffts-Einsteuung etner Bank.
Dez. —Das Direkto
rium der hiesigen „Citizens' Bank" beschloß
heute, die Geschäslsthäligkeit derselben einzn
stellen. Der Präsident der Bank constatirte,
daß die persönlichen Guthaben der Aktienin
haber bis zum Betrage ihrer Einlagen voll
ständig gedeckt seien, ebenso würden die De
positäre vollständig befriedigt werden. Das
Falliment hat trotzdem in finanziellen Kreisen
große Aufregung hervorgerufen.
Einsturz einer Maner.—Drei MSn
ner schwer verletzt.
Philadelphia, 3. Dez. Während
heute Nachmittag Arbeiter mit dem Abbrechen
eines Hauses gegenüber dem neuen Postge
bäude beschäftigt waren, stürzte eine Mauer
ein, vier derselben begrabend. Alle wurden
noch lebend hervorgezogen, drei davon aber
find sehr schwerverletzt.
Verhaftung von Mördern.
Wilkesbarre, Pa., 1. Dezember.—A.
C. Fcrber, der Polizei - Chef von Scranton,
Jakob Ferber und T. H. Schläger wurden
heute verhaftet, den Michael Kearncy am 14.
November in Scranton ermordet zu haben;
sie wurden in das hiesige Gefängniß abgelie
fert.
Richter Dana hat einen Habeas-Corpus-
Befehl erlassen und sie werden wahrscheinlich
unter Bürgschaft gestellt werden.
Zwei Drittel eines Städtchens
abgebrannt.
Titusville, Penils., 2. Dez. Heute
Nachmittag äscherte ein verheerendes Feuer
zwei Drittel von Karns City, Butler-County,
im Ocldistrikte, ein. lieber 75 Häuser brann
ten ab, darunter zwei Hotels und das Postge
bände. Ter Schaden wird auf §lOO,OOO an
gegeben und sollen die Versicherungen nur
sehr gering sein.
Verhaftung eines Stadt-Mayors.
Wilkesbarre Penns,, 3. Dezbr.— M.
W. Lostus, Mayor von Scranton, wurde
heute wegen Meineids verhaftet. Kläger ist
Joseph Roscnihal von Scranton, der den
Haftbefehl von dem A'.derman Parsaus von
hier erwirkt hatte. Dcr Mayor hatte cinVer
hör zn bestehen und stellte Bürgschaft für sein
Erschenien vor dem Crimiiialgerichre im Ja-
Der Bankraub von Wellsboro'.
Wells boro', Penns., 3. Dezbr. —Cos-
grovc, der Beraubung der „Wellsboro'-Na
tionalbank" angeklagt, wurde heute Betreffs
des ersten wegen verbrecherischen
Eindringens in die Wohnung des Bank-Prä
sidenten L. Robinson für schuldig befunden.
Der Nrtheilssprnch wurde vertagt.
Der Morvprozeff in Delaware.
New - Eastle, Tel., 2. Dezbr. Die
Jury hat den Farmer Woodward, welcher den
Knaben Lukeiis, der auf feinem Gnce Kasta
nien suchte, erschoß, freigesvrochen.
Die Gcsetzgevung volD Vi rgin i c n.
Rich inond , Va., 2. Dez. —Die Gesetz
gebung trat heute Mittag in Sitzung. Gou
verneur Kemper unterbreitete seine Jahresbot
schast, welche sehr ausführlich ist. Er begün
stigt und empfiehlt eine Neusundirung der
Staatsschuld mit vierprozentigen Bonds.
Ein Plan zur Schaffung eines StaatS-Con
rants wird unterbreitet, welcher nach der An
sicht des Gouverneurs der Bevölkerung des
Staates höchst nothwendig fei. Ter Gouver
cur begünstigt die Einwanderung und
wünscht, daß der Staat sein eigener Agent
sein und alle erwünschte Auskunst in authen
tischer Weise geben möge. Ter Gouverneur
macht folgende Bemerkungen über die politi
sche Situation:
„Die letzte Ereignisse haben die Hoffnung
erzeugt, daß die Bundesregierung wieder auf
die alte constitlitionelle Basis zurückgeführi
werden kann, auf der man ihre allen Grenzen
und Traditionen wieder respektirt und die
brüderlichen Beziehungen zwischen allen
Staaten wieder erneuert werden; diese Ereig
nisse crmuthigen das bedrückte, verzweifelnde
südliche Volk, indem jetzt endlich die Hoffnung
dämmere, daß ihnen die Last, welche sie so
lange geduldig ertragen haben, abgenommen
werden wird. Der schönste Tag der amerika
nischen Republik wird der sein, an welchem
die großen Staaten für den Bau von Stapel
Produkten wieder im Stande sind, friedlich zu
produziren. Wir können des Erfolges sicher
sein; sobald lalle Zwangsgesetze widerrufen
oder vernünftig! amcndirt sind, wird der Druck
und die Furcht vor militärischen und anderem
Zwange von uns genommen sein. Deshalb
muß aber von vorne herein unzweifelhaft fest
stehen, daß die politische Gleichheit der Ras
sen unantastbar ist, daß dagegen die soziale
Gleichheit zu den Unmöglichkeiten gehört."
Der Ausstand ver Cisenvaynt'cam
tc in West-Virginicn.
Richm 0 n d, Virg., 3. Dez. Tcr Ans
stand der Beamten der „Chesapeakc-Ohio
Bahn" in West Virginien ist vorüber. Tie
Compagnie hat denselben ihre Löhne ausbe
zahlt niid sie dann entlassen. Die Unterbre
chung der Züge dauerte nur 24 Stunden,
augenblicklich werden dieselben in der früheren
Regelmäßigkeit befördert. Heute fand die
jährliche Versammlung der Aktionäre der
„Ehesapeake-Ohio-Bahn" statt; der Präsident
und dasDireltorium waren indessen mit ihren
Berichten noch nicht bereit und so vertagte sich
die Bersammlnng bis zum 20. d. M.
Gntlaffuttig^ der feiernden Eisen
bastn-Beamtcn.
Cin einnan, 0., 2. Dez. —Die „Che
sapeake-Ohio Eisenbahn-Gesellschaft" berich
tigte heute die Forderungen der feiernden An
gestellten ans Bezahlung ihrer rückständigen
Löhne und entließ sie dann. Tic Züge gehen
wieder, wie gewöhnlich.
Erschossen dnrch ~Richter Lynch "
M emphis, Denn., 2. Dez. Ten Ne
ger Isaak Russin, der am Montag wegen ei
nes Angriffes ans zwei Negermädchen in
Marion, Arkansas, verhaftet wurde, holte
dieselbe Nacht noch eine bewaffnete Schaar
von 60 Männern aus dem Gefängnisse und
erschoß ihn.
Das rep. Cong.cßmitglicd White
Von ttcntnlky ermordet seinen
demokratischen Gegen - Candt
daten.
L 0 nieville, Ky., 2. Dezbr. Eine
Spezial-Tepesche an das „Courier Journal" i
meldet von Monnt Sterling, daß heute dort
berichtet wurde, daß John D. White, der im !
9. Congreß-Tistnkte erwählte Candidat, sei- j
nen demokratischen Gegen-Eandidaleu Harri
son Cockrill gestern in Estella-Eounty erschossen
habe. Der Wahlkampf zwischen den Beiden
war ein sehr erbitterter; vor einigen Tagen
veröffentlichte Cocknll eine Erklärung, in wel- !
cher White scharf mitgenommen wurde. Es
ist möglich, daß diese Publikation die Diffi
kultätcn herbeiführte. Estella - County hat -
keine Telegraphen-Verbindung und die Posten !
gehen unregelmäßig. Es ist ünmöglich, wei
tere Einzelnheilen zu erfahren.
Ein Mann erschießt seine
Fr an.
Tcrre Haute, Ind., I. Dezember.-
Zu Cloverdale, Pulnam County, Indiana,
fühlte sich Thomas Martin durch einen Aus
druck seiner Frau beleidigt. Er gab ihr drei
Minuten Zeit, denselben zurückzuziehen, nacii
deren Verlaus er ihr eine Kugel in den Kops
lagte, die den augenblicklichen Tod zur Folge
Halle.
Tas unglückliche Weib hatte gerade ihren
Säugling in den Armen, den sie, ausfallend,
noch fest an ihre Brust drückte. Ein Mann,
Namens Glanlon, der in dem Hanse anwe
send mar, wollte dazwischen springen, um die
Frau zu retten, erhielt dabei aber einen ge- !
fährlichen Schuß in die Schulter. Martin
hatte versucht, um eine andere Frau zu heira-
then zu können, sich von seiner angetrauten
Gattin zu trennen, zu welchem Zwecke er der
selben 500 anbot. 'Nach vollbrachter Thal
fingirte er Wahnsinn. Die Erregung ist in
Cloverdale derart, daß man sehr befürchtet,
daß Martin im Laufe der 'Nacht gelyncht
wird.
Indianapolis, 1. Dezbr. George
Martin ermordete am letzten Sonntag seine
Frau in Cloverdale, wurde heule verHaftel
und in's hiesige Gesängniß abgeliefert.
Senator Soive über Earpentcr
uns Wasyburne.
Milwaukee,3. Dez. In Erwide
rung aus eine Anfrage hervorragender Bür
ger schrieb Senator Howe einen Brief, worin
er aus die bevorstehende Wahl eines Bundes
Senators in diesem Stallte Bezug nimmt.
Er sagt darin, daß die Wahl entweder ans
Carpenter oder auf Washburne fallen werde
und daß Beide unbcstrcttbar zwei hervorra
gende Persönlichkeiten seien, der Letztere durch
die Solidität seiner Rathschläge, der Erstere
durch seine brillante Beredsamkeit. Rücksicht
lich der gegen Carpenter erhobenen Anklagen
sagt er, daß nur zwei derselben ihm wirk
lich in der Achtung desVolkcs geschadet hätten.
Das eine Mal durch seine Unterstützung des
„Poland Gag Law," (Knebclgesetz), das an
dere Mal durch seine Besürwortnna des „Sa
lary Grab Law," (r ückständiges Salair Er
höhungs-Gesetz). Die erste Anklage beruht
auscinemMißverständniß desGesetzes, welches
in keiner weiteren Beziehung zu der Freiheil
der Presse stände, wie zcdes andere Kapitel
im Criminal-Gesetzbuche. Was dagegen die
zweite Beschuldigung anbeträfe, so glaubt
Howe, daß Carpenter hier einen großen Miß
griff gethan habe, findet aber, daßWashburne
im Jahre 1856 in denselben Fehler verfallen
sei, als er noch ein Mitglied des Unterhauses
war. Von Senator Carpcmcr sagt er noch,
daß er die höchste Ehreim Senate sich erwor
ben habe und daß er sein Möglichstes gethan,
um Wisconsin zu heben.
Ein Gefängniß abgebrannt.
Awei Arrestanten nmgekom
men.
Chicago, 3. Dezbr.—ln Ponliac. Jll.,
brannte gestern Abend das Gefängniß ab und
zwei Brüder, Frank und Ssm. Downing,
welche wegen unoidenllichen Betragene bci
s gesteckt worden waren, kamen in.dcn Flam
- > men um.
Bon Arkansas.
Littl e-R o ck, Ärk., 3. Dezbr. Der Se
nat nahm heute die Bill an, durch welche die
Annahme von Levee-Bonds für die StaatS-
Ländereien verboten wird. Ter Gouverneur
schichte eine Spezialbotschaft ein, in welcher
er die Errichtung eines Bergbau-, eines Ma->
nufaktur-, einesAckerbau- und eines Einwan
derungs-Büreau's empfahl.
Washington, 3. Dezbr—Verschiedene
Mitglieder der Brook'schcu Partei kamen heute
Abend hier an, um ihre Angelegenheit vor
den Congreß zu bringen und eine Entschei
dung über die Rechtsgültigkeit der neuen
Constitution herbeizuführen.
In Chicago verheiralhele sich gestern
Wilbur Store, der berüchtigte Redakteur der
„Times."
Europäische Kabe!berichtc.
Ei Dampfer gescheitert. -UftPer
sonen umgekommen.
London, 3. Dez. Der Dampfer „La-
Plata," welcher von den Gebrüdern Siemens
zum Reparircn des Kabels ansgesandt wor
den, scheiterte unweit Ushant am 29. v. M.
60 Personen ertranken. I t Ueberlebende wur
den von dem Dampfer „Garelock" von GlaS
gow gerettet.
Der Eapitän, der Wundarzt, drei andere
Offiziere, der Ingenieur, sieben Kellner und
Köche, eilf Achmer, 14 Matrosen und sammt
liche Kabelleger, 16 an Zahl, darunter Hr.
Rickitts, der Chef derselben, ertranken.
Deutschland.
R d kZehliches, einer der
de heute eidlich über seinen neulich? Artikel
vernommen, wonach der Gras von Arnim mit
jenem Blatte Behufs Veröffentlichung wichti
ger Dokumente in Verbindung treten wollte.
Ter Staatsanwalt hat beschlossen, den Ge
richtshof, der über die von Arnim'sche Ange
legenheit entscheiden soll, zn bitten, die Ver
Handlungen bei gcschlossenenThnren zu ftihren,
da wichtige Staats-Dokumente dabei eine
Rolle zu spielen Härten.
L ondo n, 28. Nov. Eine Spezial De
pesche aus Berlin berichtet, daß nach einge
gangenen Nachrichten aus allen Theilen
Dcntschland's große MasieiiauSwandctnnge
bevorstehen. Die Ursache derseiben ist das
Landsturm-Gesetz, das die große Masse der
Bevölkerung erregt und die Beunruhigung
oer Handclswelt durch die Annahme des un
geheuren Armee - Budgets von 80,000,000
Thlr., während zu gleicher Zeit versichert
wird, daß das Vaterland mit der ganzen
Well in tiefem Frieden sich befinde.
London, 30. Nov. Eine Berliner De
pesche an den „Standard" sagt, daß der Re
dakteur Zehlich in seiner richterlichen Vernetz
mung seine Angaben in Bezug auf die Pro-
Positionen des Grafen von Arnim an die
„Spener'jcheZeitung" vollständig mir Bewei
sen belegt hat.
Ttc Altratholikcn in Berlin.
Berlin, 29. Novbr.—Henre wurde zum
ersten Male in hiesiger Stadt von einem att
tatholischeu Priester die Messe celebrirt. Tie
Gemeinde ist ungefähr 300 Personen stark.
Berlin, 30. Novbr.—Graf v. Arnim Hai
den Dr.Döschern als weiteren Anwalt für sei
nen Prozeß cngagirt.
Berlin, 30. Novbr. Heute wurde im
Reichstage die Gcsetzesvorlagc für Elsaß Loth
ringen verhandelt, was zn einer interessanten
Debatte Veranlasittiig gab. Tie Abgeordnc
ten des Reichslandes erklärten, daß sie gegen
höhere Bewilligungen für die Universität
Straßburg, wie gegen alle höheren Ausgaben
für das Erziehnngswesen in den von ihnen
vertretenen Ländern seien, weil diese Ausga
ben nicht im Interesse von Elsaß-Lothringen,
sondern lediglich ini Interesse des Reiches
gemacht würden. Fürst Bismarck erwiederte,
es handele sich hier allerdings niir um Reichs-
Jntereffen und nicht allein um die speziellen
Interessen von Elsaß Lothringen. Tie Uni
versität Straßburg sei für ReichSzwccke ge
schaffen worden. In einem glücklich geführ
ten Kriege, in welchem das Reich seine Exi
stenz zu vertheidigen harte, seien die Provin
zen erobert worden. Die deutschen Soldaten
Härten ihr Blut uichr für Elsaß-Lothringen,
sondern für Kaiser und Reich vergossen. „Wir
verfochten" so führte Redner weiter anS
„deutsche Reichs- und nicht Eure eigenen kirch
lichen Interessen, und zn jenem Zwecke haben
wir die Reichslandc annekiirl.
Uns leiten andere Gründe, als sie die Füh
rcr jenes Volksstammes leiten, von denen die
früheren von Paris, die gegenwärtigen von
Rom abhängen. LR eine eigenen Ansichten
in Bezug ans die Schaffung eines clsässisch
lothringischen Parlamentes, welche zuerst viel
zu sanguinisch waren, sind bedeutend modifi
zirt worden, seitdem ich die Gesinnungen der
von jenen Provinzen entsandten Vertreter
kennen lernte. Ein solches Parlament würde
zu fortwährenden Streitigkeiten führen und
eine stetige Gefahr für den Frieden des Rci
ches bilden. Wir werden uns daher wohl
bedenken, noch weitere Schritte zu thun, um
das dort herrschende Uebelwollen gegen uns
zn nähren.
Wir können die Anwesenheit von Elementen
nicht dulden, welche bestrebt sind, das Unter
richtSwesen zu beschränken. LR ein Veriahreu
wird durch Reichs - Interessen geleitet. Ich
werde mich weder durch Tadel noch durch Dro
hungen oder Uebcrreoungen von meinem Ver
fahren abbringen lassen. Ehe ein Fortschritt
s möglich ist müssen wir von dem Vorhanden
sein vertrauenswürdiger Elemente überzeugt
sein.
Wir tonnen nicht mehr von der heranwach
senden Generation erwarten, und müssen des
halb daran? sehe, daß Elsaß Lothciagen gute
Schulen erhält."
Tie Geleise-Bill wurde an ein Comite ver
wiesen.
Tic Bill über Durchführung der Beschlüsse
des internationalen Post - Eongresscs wurde
angenommen.
Hr. Sigl, der Redakteur des bayerischen
„Vaterland" ist wegen der Behauptung, daß
das Attentat Kullmanii's eine von der Poli
zei angezettelte Spiegelfechterei gewesen sei,
in contumaciam zu 10 Monaten Haft vernr
theilt worden.
Berlin, 2. Dez. Fclomarschall Graf
von Roou, der frühere kaiserliche Kriegsmini
ster, ist bedenklich erkrankt.
Bertin, 2. Dez. Tie neulich gemachte
Anspielung des deulichcn FiuanznunisterS
Eamphaiiseii im Reichstag, daß Teulschlaud
über eine große Summe Geldes in London
icderzeit verfügen könne, hat hier einige Un
ruhe hervorgerufen. Um dieielbe zu be
schwichtigen, kündigt ein halboffizicllcr Ar
titel an, daß eine solche Znrückzichnug des
Geldes gegenwärtig nicht grplam werde.
H a in b n r g , 3. Dezbr. Die „Börsen-
Halle" sagt, daß der Prozeß des Grasen v.
Arnim auf unbestuiinile Zeil verschoben wor
den ist.
London, 27. Nm>.—Ter frühere Biichcck
von Natal in Süd Afrika, John William
! Eolcnso, der im Jahre 1864 vom Bischof in
! der Capstadt wegen Verössenttichnng eines
Werkes über das Buch Josna seines Amtes
enthoben wurde, wollte heute Äbeno in der
! Stadtkirche zu Oxford predigen. Ter Bi
! icho? von Oxford widersetzte sich dem aber und
i verbot den Gebrauch der Kirche für diesen
. Zweck.
L 0 li d 0 li, 28. 'Nov. Alfred Markhain
ist zum Oberbefehlshaber der von der Regie
l rung in 'Ausrüsiung begriffenen Nordpol-Ex
i vedition eriianni worden. Tieselve wird im
Ncai n. I. in See stechen.
L 0 nd on, 2b. Novdr. Der „Oüserver"
berichtet, daß ?iSraeli lrank ist. Obgleich
seine Kranlheit nicht gefährlich ist, so kann er
doch die Stadt nicht verlassen und sein Amt
nicht versehen.
L 0 nd on, 29. Ndv. Heute wüthete ein
vcrheerenderSturm an der Ostküste von Eng
land und Schottland. Tic Barke „Veteran"
strandete bei Frazerburgh und 11 Personen
ertranken. Andere Schiffsiinsälle werden be
richtet.
L 0 nd 0 11, 30. Novbr. Ein Hirten
brief des Erzbischofs Manning wurde gestern
in allen katholischen Kirchen der Diözese ver
lesen, erklärend, daß Alle, die nicht an das
Dogma der päpstlichen Unseklbarteil glau
ben, Katholiken zu sein aufhören.
Ter gestrige Bericht, daß Markham zum
Commandeur der Nordpol-Expedition er
nannt worden sei, ist falsch. Ter Posten ist
noch nicht besetzt.
L 0 n 0 0 n, 3V. Novbr. Der Herzog von
Connanght stürzte heute vomPfeide und wurde
schwer verletzt.
L 0 iid on, 30. Nov. Prin; Arthur fiel
heute bei einem Ritte zu 'Norwicb vom Pferde
und brach ein Bein.
L 0 nd 0 11, 3. Novbr.—Der Bericht, wel-
cher kürzlich von der Mannschaft des Dpfrs.
„McGregor" nach Tau Franzisco gebracht
wurde, uemlich daß auf den Fidschi Inseln
eine Revolution ausgebrochen sei, wird de
mentia. Auf den Inseln herricht Ruhe.
London- 3(1. Novbr. Matrosen und
Seejoldaren, welche sicv während des Ashanti-
Krieges speziell auszeichneten, erhalten am
nächsten Dienstage in Wiildsor Medaillen von
der Königin.
London, 1. Dezbr. —Ter Sturm an der
Ostküste von Schottland und England Hai
nachgelassen. Beständig treffen Berichte über
Verluste von Fahrzeugen und Menschenleben
ein.
! London, 2. Dez.-Während des Stnr
! mes am Sonnabend und Sonntag sind an
der Südküste über 20 Menschenleben verloren
gegangen.
Der Postdampfer von Kapsladt, Afrika,
bringt die Nachricht, daß das „Gregna Land"
von den britischen Behörden annekttrt worden
! sei, um eine territoriale Verbindung zwi
: scheu dem Kcivlande nd Natal herznstel
! len. Man glaubt, daß dadurch die beide
I Evlome'n zu einer einzigen verschmolzen wer
den solle.
! Bundesdampfer „Monongahela" is
I ans seinem Wege nach den Kcrgueicii Insel'.
'in der Tafelbai angekommen. Derselbe wir!
die dort stalionirte amerikanische Expcdilioi
! zur Beobachtung des Durchganges der Venn
jan Bord nehmen. Deren Rückkehr zur Kap
i ?ladt erwartet man im Januar.
Londo n, 2. Dez. Hier herrscht groß
' Aufregnng in Folge der Entdeckung, daß m
Nr. 49.
Bord des amerikanischen Dampfers „Ab
bottsford," der kürzlich mit dem Dampfer
„Indus" im Kanal zusammenstieß, und nun
Behufs seiner Reparatur in den Victona-
Docks sich befindet, die Pocken ausgebrochen
sind. Acht Personen, die von der Krankheit
befallen wurden, mußten nach dem Hospital
gebracht werden. Das Schisj selbst wurde
ecsiiifizirt. Die übrigen Passagiere des „Ab
bottsford" haben dasselbe verlassen und sich
nach Liverpool begeben, bevor man wußte,
daß die gesürchtete Krankheit am Bord desscl
b.n ausgebrochen sei.
Dr. Kcnealy (der Vertheidiger des Pieudo-
Tichbornc) wnroe heute von den „Benchcs
os Gray Inn" ausgeschlossen.
London, 3. Dezbr. Die Königin gab
heute in Windsor Castle einer Deputation
franz. Bürger Audienz, welche eine Danksa
gilngsadressc in vier starken Bänden für die
Unterstützungen des englischen Volkes wäh
rend des letzten Krieges überreichten. Die
Königin erwiederte, daß eine solche Anerken
nung nicht verfehlen werde, die Freundschaft
zwischen beiden Nationen zn befestigen.
London, 3. Derbr. Capt. G. S.
MareS, gegenwärtig Commandeur des könig
lichen Schiffes „Ehallengcr" ist zum Befehls-
Haber der britischen Nordpol - Expedition er
nannt worden.
London, 3. Dezbr. Etwa 365 Passa
giere des Dpfrs. „Abbottsford," auf welchem
die Blattern ausgebrochen waren, sind abge
reist, ehe man die Seuche entdeckte; dieselben
wurden jedoch in Liverpool überholt und wer
den im dortigen Arbeitshause detinirt.
Paris, 28. Nov. In einer Unterre
dung mit dem Vertreter der Zeitung „La
France" sagte gestern Thiers, Italien sei
unwiderruflich geeinigt, und wenn Frankreich
die Freundschaft mit Italien aufrechtzuer
halten gesonnen sei, fo müsse es diese That
sache anerkennen und die clerikale Politik
dieses Land verwerfen. In Bezug auf
Frankreich sagte er, dies sei weder monarchiick
noch bonapartistisch, sondern republikanisch
gesinnt, was die Regierung MacMahon'S
anerkennen müsse.
P a ri ö , 29. Novbr. Die Munizipal-
Wahlcn fanden heute hier stall, es wurden 53
Radikale, l 0 gemäßigte Republikaner und 11
Coiiservative erwählt.
Par is, 39. November.— Rouher wurde
am Sonnabende mehrere Suiiiden lang vom
Untersuchungsrichter über seine Verbindung
mit dem bonaparlistiichen Comite und dessen
migesetzlfthen Appell an das Volk verhört.
P n ri s, 30. Nov. Die politischen Par
teien sind eifrig beschäftigt, die Eröffnung der
Rational Versammlung vorzubereiten. Zahl
reiche Vorveriammlung'cu haben stattgefunden
und Unterhandlungen finden zwischen den ver
schiedenen Fraktionen statt. Welche Combi-
Nationen gemacht worden sind, kann man noch
nicht feststellen. Die vielen eirkulirenden Ge
rüchte machen die Situation sehr unbestimmt
und prekär. Die Fraktionen der Rechtenschei
neu noch nicht recht einig zu sein,. Sicbenzig
Dcpnlirtc der extremen Rechten haben be
schloffen, gegen die constitulionellen Vorlagen
zu stimmen. Graf Ehambord hat ein Schrei
bcn an seine Freunde in der National-Ve
sainmlung gerichtet, in welchem er sagt: „Dem
Eifer meiner Freunde vertrauend, daß sie Al
les thun, was die Interessen des Landes und
die Sache des Königthums fördern kann, mache
ich weiter keine Empfehlungen. Aber die
wahren Rohalisten müssen sich vorsehen, Nichts
zu thun, was die Wiederherstellung der Bio
narchie verzögern kann." Dieses Schreiben
ist den Mitgliedern der gemäßigten Rechten
unterbreitet worden, und man glaubt, daß
dasselbe ihren Ent'chlnß, für die constitntio
uellcu Bills zu stimmen, erschüttern werde.
derselben hängt jetzt ganz von
der Stellung des rechten Centrums ab. Die
Linke ist einig, und dieselbe wird vielleicht
Vorschläge machen, welche eine Einigung der
Rechten erzielt.
Versa illcs, 30. Nov. Die Natio
italversamlung hielt heute Abend eine kurze
Sitzung, in welcher sich nichts von Bedeutung
ereignete. Möns. Thiers war anwesend und
unterhielt sich eine Zeit lang niit dem Gen.
Eissey. Fünf Bills, welche sich aus die Or
ganisation der Armee-Eadrcs beziehen, wur
den von dein Kriegsminister vorgelegt und
dem Armee-Comite überwiesen.
Paris, 1. Dezbr. Die National-Ver'
'aiiiinlnng erwählte heute Büffet wieder zum
Präsidenten mit 348 gegen 3 Stimmen. Die
Linke enthielt sich der Abstimmung. Marlcl
vom linken Centrum, Kcrdrcl und Benoist
d'Azl? von der Rechten wurden zu Vice-Prä
sidciiten erwählt.
Tas „Journal de Paris" und die „Presse"
berichten, daß schwere Differenzen wegen der
Botschaft des Präsidenten an die National-
Veisaiiiiiiluiig in dem Kabinet ausgebrochen
>eien. Heute Morgen fand ein Minislerralh
statt, in der eine lehr erregte Debatte stall
fand. Tie Botschaft wird vor Donnerstag in
der 'National Versammlung nicht verlesen
werde.
Pari s, 2. Dez.—lm Ministerrat!?? kam
gestern die Bot'chait des Präsidenten Mac-
Mahon an die Nationalversammlung zur
Verlesung. Ter Passus, der von der Aushe
bung des Belagerungszustandes spricht, ver
uriachte eine heftige Debatte und schließlich
die Verweisung desselben durch dieMajoritcit.
Hervorgehoben wurde dabei, daß man jetzt,
ivo die Radikalen i den Munizipalwahlen in
Paris und auch im Lande so großen Erfolg
gehabt, man den Belagerungszustand nichr
entbehren könne. Verschiedene Eabinets
Mitglieder verwarfen auch die Form, in wel
cher der eonstttilttoiiellen Gesetze in der Bot
schaft gedacht wird. Heute werden zur schließ
lichen Erledigung dieser Frage die Minister
nochmals zn einer Berathung zusammenire
ten.
L 0 nd 011, 2. Dzbr. Der Pariser Cor
reipondeut der „Times" telegraphier, daß der
letzte Brief des Grasen von Chambord die
Spaltung im Ministerium hei vorgerufen ha
ve. Zwei legitimlsniche Mitglieder des Ca
bincts weigern sich, die Befestigung der Macht
MacMahöii's zu unterstützen. Letzterer wird
die Demission dieser beiden Minister, im
Falle sie aus ihrer Weigerung bestehen, an
nehmen.
Paris, 3. Dezbr. —Tas radttal - repub
likanische Blatt „La Rcpnvlic Francaise"
sagt, daß unter den verschiedenen Parteien
der Nauonalver'aminliing die größte Confu
sion herrscht. Sowohl die Rechte als auch
sie Linke halten eine Auflösung für unvcr
weidlich.
„La France" jagt, die Idee einer Erneue
rung tcr Nationalversammlung durch ausciii
ander folgende Wahlen gewinne an Boden,
wahrscheinlich werde nächstens ein solcher An
trag gestellt werden.
P aris, 3. Dezbr. Die Botschaft des
Präsidenten MaeMahou ist heute Nachmittag
in der Nationalversammlung verlesen worden.
Tiesclbe besagt, daß die Ordnung im ganzen
Lande auirecht erhallen worden und daß die
Beziehungen zum Auslande fortwährend aus
gezeichnet seien. Frankreich habe gezeigt, daß
es die Verträge rcspekiire und bei allen Nach
barinächten an Zutrauen gewonnen; keine
einzige auswärtige Macht zweifle mehr daran,
daß es Frankreich's fester Wille sei, mit allen
Nationen in Frieden zu leben. Die finan
zielte Lage des Landes habe sich fühlbar ge
hoben, Dank der guten Erndte. Die Prodiil
tioii habe eine nie gehabte Höhe erreicht. Der
Exporthandel sei nie so beträchtlich gewesen
als in den letzten vier Monaten. Alle Anzci
che deuteten Saraus hin, daß diese sehr bc
! fricdigcnden Nesultare auch im nächsten Jahre
! erzielt werden.
London,?. Dezbr. —Von Madrid wurde
gestern berichtet, daß der amerikanische Bür
ger, Hr. F. A. Tockra, welcher auf Euba
zum Tode vcrurtheiit, aber später zu 10-jäh
riger Hait begnadigt wurde, gänzlich Ueige
geven worden ist.
Senor Eastelar ist zum Commissär ernannt
worden, um Spanien auf der internationa
len Weltausstellung in Philadelphia zu ver
treten.
Serrano begibt sich nächsten
Samstag zur Nordarmee, um die Operatio
nen gegen die Karttsten zu teilen. Bei der
Auswahl der Perwnlichkcuen für seinen Srad
l?a: man besonders darauf geachtet, daß Nie
mand. dcr lin Verdacht fresst, mit dem Prin
zen Alfonso, Sohn der Ex-Königin Jsabclla,
zu chmpathisirem gewähli wurde.
Tic Karlisten Führer Vetasco und Eucuta
haben einen verunglückten Versuch gemacht,
mir ihren Banden in die Provinz Mureia
einzufallen.
biustiand.
London, 1. Dez. - ES ist hier das Gc
rücht verbreitet, daß die gemeldete Krankheit
des Kaisers Alexander Wahnsinn sei.
S t. Petersburg, 3. Czar
ist hier eingetroffen: er war bei der Einwei
hung des neuen Onal's anwe-end und wurde
von der B vvllerung enthusiastisch cmpian
gen.
Londou, 3. Dezbr. Ter Bericht, daß
der Haien von Berbura an der afrikanischen
Küste von egypiischen Kriegsschiffen bloctut
werde, bcslängt sich nicht.
! Am Gewölbe des hohen Chores der
! Donilirchc zu Vi st nsl e r hat mau unter der
> Mauertünche wenhvolle Wandgemälde ge
funden. Sie sollen aus dem 13. oder 14.
Jahrbnndert herrübreii, id das Toiinapucl
beabsichtigt, von tüchtiger Künstlerhand eine
, Nenov rung vornehm: zu lassen.

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