OCR Interpretation


Abendblatt der Illinois Staats-zeitung. [volume] (Chicago, Ill.) 1891-1894, April 04, 1893, Image 1

Image and text provided by University of Illinois at Urbana-Champaign Library, Urbana, IL

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83045003/1893-04-04/ed-1/seq-1/

What is OCR?


Thumbnail for

46. —Uo. 8.
Depescüeri.
Das »»schöne Geschlecht"
Nlacht bei den heutigen Rtunicipal
wahlen in Aansas
Von seinem Stimmrecht starken Gebrauch.
Topeka, Kan., 4. April.
Die heute in unserem Staate vor sich
gehenden Municipalwahlen sind durch die
überraschend große Betheiligung der Frauen
an denselben bemerkeuswerth. Die Re
gistrirung von stimmberechtigten Frauen
war in den verschiedenen Städten wie folgt:
Kansas City 3,482; Leavenworth 2,354;
Emporia 883; Fort Scott 1,385; Law
rence 1,000; Atchison 320;' Topeka 4,000;
Wichita 2,464.
Die Vermessung der Grenze zwischen
Alaska und dem britischen Gebiet.
Von amerikanischen nnd canadischen Beamten
begonnen.
Ottawa, Ont., 4. April.
Der Negierungs-Astronom Prof. King,
Welcher zum briiischen Kommissär zur Fest
stellung der Grenzlinie zwischen dem briti
schen Gebiet und Alaska ernannt worden
ist, wird morgen nach Viktoria, B. C.,
abreii'en. Seine Begleitung wird hundert
Mann stark sein, einschließlich von Vertre
tern der canadischen geologischen Vcrmes
sungsbehörde. In Victoria wird der Pro
fessor Meudenhall, der amerikanische Kom
missär, zu ihm stoßen, welcher ebenfalls
einen starken Siab mitbringt. Die ccma
dische Regierung bat denVermesfungsgesell
schaften zwei Dampfer zur Verfügung
gestellt.
Verkommene Söhne achtbarer Litern
als Linbrecher.
Der Führer niederqeschossen.
St. Io s eph, Mo., 4. April.
Am Sonntag Abend feuerte Edward
Schellenberg, ein Geschäftsmann von
Mouud City, auf William Stebbins, den
Sohn eines der reichsten hiesigen Bürger,
und streckte ihn sofort todt nieder. Wäh
rend der letzten Monate wurde fast in jeder
Nacht in die Läden eingebrochen, und die
selben um die werthvollsten Waaren be
raubt. Am Sonntag Abend beschloß
Schellenberg selbst in seinem Geschäft Wache
zu halten. Gegen 11 Uhr wurde die Hintere
Thüre ausgeschlossen und vier maskirle
Männer traten ein ; als dieselben die Bütte
der Ladens erreicht hatten, drehte Schellen
berg das elektrische Licht an und befahl
ihmen die Hände hoch zu halten. Drei be
folgten den Befehl, aber der vierte suchte
sich zu flüchten, worauf Schellenberg feuerte
und der Mann todt niederstürzte. Infolge
des Schliffes versammelte sich sofort eine
Menge Menschen im Laden, uud als man
dem Todten bie Maske abgeuommen hatte,
entdeckte man in demselben einen der be
liebtesten jungen Leute der Stadt; auch seine
drei Gefährten nahmen eine angesehene
Stellung in der Stadt ein. Die Namen
derselben sind: Walter Miller, Walter
Khilteuden und Roscoe karr. Sie gestanden
ein, die Räubereien begangen zu haben.
Wegen der gesellschaftlichen Stellung der
Leute, und der Thalsache, daß der Führer
der Bande erschossen wurde, ließen die be
raubten Geschäftsleute die Sache auf sich
beruhen. Die Verwandten des Raubgesin
dels haben sämmtliche Verluste ersetzt.
Henry Villard wird von der Leitung
der Northern Pacific Bahn
zurücktreten.
Seine Resignation bereits eingereicht.
N e w B o r k, 4. April.
Es kann jetzt mit aller Gewißheit mitge
theilt werden, daß die alte Verwaltung der
Northern Pacific Bahn beschlossen hat, ab
zutreten. Der Wechsel wird am 20. April
eintreten, an welchem Tage eine Versamm
lung der Direktoren stattfindet und ein
neuer Plan zur Zurückziehung der schwe
benden Schuld von neun Millionen Dol
lars vorgelegt werden wird, welcher den
Rücktritt des Vorsitzenden Henry Villard
in sich schließt.
Es wurde heute mit Bestimmtheit ermit
telt, daß Villard sich entschlossen hat, aus
zutreten, uud daß sich seine Resignation be
reits in den Händen des Präsidenten Tho
mas F. Oakes befindet. Die meisten, wenn
nicht alle Direktoren, aus Wisconsin wer
den abtreten uud der Untersuchungsaus
schuß der Aktieninhaber, welcher gegen die
Villard'sche Verwaltung angekämpft hat,
wird die Plätze derselben eiunehmen.
Alles, was der Ausschuß der Aktieninha
ber als Bedingung zur Unterbringung der
schwebenden Schuld verlangte, war die Er
nennung von sieben Mitgliedern zu Direk
toren, wodurch sie eine Mehrheit erhielten.
Nach ihrem Plane sollen für zwölf Millio
nen Dollars 6 proceulige sichergestellte
Noten ausgegeben werden, deren Unter
bringung sie gewährleisteten.
Der Präsident Hippolyte will sich
seiner Haut wehren,
Und protestirt gegen die Unterstützung seiner
Gegner durch seine Lollegen Lseureux
von San Domingo.
N cw B o r k, 4. April.
Eine Depesche von Cape Haylien meldet,
daß der Präsident Hippolyte und sein Kabi
ne! sich entschlossen haben, den Aufständi
schen entgegenzulreten. Der Präsident
lagert mit seinem Eabinet in Port de Pair,
in der Nähe von dort. Die Regierungs
truppen haben ebenfalls den Befehl er
halten, in der Nähe ein Lager zu beziehen;
dieselben sind stark genug, um irgend einen
Angriff der Aufständischen mit Erfolg zu
rückzuschlagen. Hippolyte hat dem Präsi
denten Heureux von Santo Domingo über
das Verhalten jener Republik, die Revolu
tionäre zu unterstützen, einen Protest zu
gesandt.
Culmnische Freibeuter
planen einen Linfall auf der „perle
der Antillen".
Die Vorbereitungen werden angeblich in Ue-f
!Vest getroffen.
New Nork, 4. April.
Die hiesige „Times" enthält heute eine
Depesche aus Key West, Fla., in welcher
von angeblich dort stattsindenden Vorberei
tungen für eilte Freibeuter-Expedition nach
Euba ein Langes und Breites erzählt wird.
Die Zahl der angeblichen Revolutionäre
oder Schnapphähne wird auf 300 bis 400
angegeben; der Mehrzahl nach seien es
Eubaner. Die Kerle behaupten, daß bei
ihrem Eintreffen in Euba eine gewaltige
Revolution ausbrechcn und die spanische
Regierung vertrieben werden würde. Vor
läufig braucht sich der Generalcapitän von
Cuba aber noch keine grauen Haare wachsen
zu lassen, denn der Bundes-Zollkutter
„McLane" liegt vor Key West auf der Lauer
und wird, wenn an dem versuchten „Putsch"
wirklich etwas Wahres sein sollte, jedes
auslaufende Schiff, auf dem sich etwa Frei
beuter uud Kriegscontrabande befinden soll
ten, in Beschlag nehmen.
Nach siebzehn Jahren gelingt es
endlich,
Linen INenschenräuber abzufassen.
Galesburg , Jll., 4. April.
Vor siebzehn Jahren verschwand die da
mals zwölfjährige Eliza Cherington auf
geheimnißvolle Weise, und trotz aller Be
mühungen von Seiten der bekümmerten
Eltern tonnte auch nicht die geringste Spur
von dem Mädchen aufgefunden werden.
Ein Jahr daraus wurde James Bults,
welcher zuletzt mit dem Mädchen gesehen
worden und der zu gleicher Zeit den Ort
verließ, verhaftet; es gelang ihm jedoch,
nachdem er, wie es heißt, die Beamten be
stochen batte, aus der Haft zu entkommen.
Bults, dem es seitdem stets gelang, allen
Vcrhastungsversuchen auszuweichen, wurde
gestern endlich in der Wohnung von Ver
wandten festgenommen. Er gestand ein,
daß er das Mädchen entführt habe, behaup
tet jedoch, dasselbe an Indianer verkauft zu
haben. Die Thatsache, daß man seitdem
niemals wieder etwas von demselben gehört
hat, führt zu der Annahme, daß der Ent
führer das Kind bei Seite geschafft hat.
Gegen die „Trusts."
Die „New Norker lVorld" nimmt nun den
Gummi-Trust auf's Vorn.
- N e w A o r k, 4. April.
Die „World" setzt ihre Angriffe gegen die
„Trusts" fort. Heute bringt sie nämlich
wiederum einen fünf Spalten langen Ar
tikel, in welchen: sie den Gummi-„Trust"
auf's Korn nimmt. Sie bezeichnet darin
diesen „Trust" als „jünger, aber nicht weni
ger unverschämt, als das Zucker-Monopol."
Weiterhin weiß sie über den Gegenstand
folgendes zu sagen:
Bei freiem Rohmaterial und beschützt
durch einen Zoll von 30 Prozent auf
Gummi-Artikel, gedeiht der Gummi
„Trust" und wird reich, während die Kon
sumenten ihm machtlos gegenüber stehen.
Ungefähr Zweidrittel aller Gummiwaarcn
werden in den Ver. Staaten sabrizirt, und
trotzdem sind die hiesigen Preise genau so
hoch, als wenn der ganze Bedarf vom Aus
land bezogen werden müßte. Der even
tuelle Widerruf des McKinley Tarifs
schreckt den Gummi-,,Trust" nicht im Min
desten; er würde zwar etwas weniger Pro
fite haben, aber immerhin doch noch gehö
rig dem Volke die Haut über die Ohren
ziehen können. Nur durch strikte Ausfüh
rung der gegen die „Trusts" gerichteten Ge
setze durch Generalauwalt Olney kann das
Monster erdrückt und wieder eine gesunde
Konkurrenz geschaffen werden.
Der Schatzausweis.
Washington, 4. April.
Nach Ausweis des Schatzamtes hat der
Geldumlauf im vorigen Monat um
H 2,865,264 zugenommen. Eine Ver
ringerung trat ein in dem Umlauf des
Goldes, das uin H 2,017,187 abnahin, der
Goldscheine, die sich um H 2,003,720 ver
ringerten, der Silberdollars, die eine Ab
nahme um H 874,000, und der kurrency
scheinc, die eine solche um H 2,580,000 er
fuhren; dagegen war eine Zunahme der
Scheidemünze um H 2,010,337, der Silber
noten des Schatzes um tz2,500,168, der
Silberscheine um P 1,670,821, der Green
backs um P 2,618,572, der Banknoten um
P 2,423,173 zu verzeichnen. Der Silber-
und Papiergeldumlaus har also zugenom
men, der Goldumlauf aber abgeuommen.
Jnsge'ammt wird der Geldumlauf dieses
Landes am 1. d. 81. auf H 1,602,520,806,
d. h. H 24.07 auf den Kopf angegeben, wo
gegen er am 1. April v. I. P 1,608,641,520
betrug.
Im Einzelnen stellten sich die Beträge
am 1. April und am 1. Mürz d. I. so:
t. April 18W : t. Mürz tBB3 :
G01d....7 §409,817,138 §407,799,851
Silberdollars 00,432,090 59,557,190
Scheidemünze 604,022,838 00,032.175
Goldschcine 114,388,729 111,485,009
Silberscheme 321,279,132 333,985,453
Schatznoten aus Silber. 120,447,013 128,950,781
Greenbaeks 314,174,742 316,793,314
Cnrrencynoteu 19,250,000 10,070,000
Banknoten 169,844,200 172,207,433
§1,602,520,800 PI, 599,655,542
Im vorigen Monat hat die Zunahme des
im Schatz befindlichen Goldes und Geldes
H2,31>2,673 betragen; und zwar haben zuge
nommen: Gemünztes Gold um H 1,036,573,
ungemünztes um H 3,358,100, Silberdollars
um H 1,015,220 Scheidemünze um H103,-
270, Schatzamts-Silbernoten um H1,113,-
127, ungemünztes Silber um H 3,735,351;
abgeuommen die Greenbacks um H2,618,-
572, Banknoten um H 1,751,017.
Im Schatz befinden sich dem Bericht vom
1. zufolge H 138,874,473 gemünztes Gold,
H 350,400,115 Silberdollars, H 11,165,155
Scheidemünze, P 6,533,367 Silber-Schatz
noten, H 20,887,702 Greenbacks, H 3,827,111
Banknoten, H 70,503,760 ungemünztes
Gold, H 106,700,122 ungemünztes Silber;
zusammen 4735,000,805.
Die Ann Ardor-Affmre.
Locomotivführer Lennon verweigert
die Bezahlung seiner Strafe
Und wird von den Bundcsbehörden verhaftet.
Toledo, 0., 4. April.
Der Lokomotivführer James Lennon, den
Bundesrichter Ricks gestern wegen Miß
achtung des Gerichtes zu einer Geldstrafe
von HSO verurtheilte, verweigerte gestern
auf den Rath seines Anwaltes hin die Be
zahlung derselben und wurde deßhalb ver
haftet. Die Brüderschaft der Lokomotiv
führer wird nun sofort im Interesse
Lenuon's vor dem Oberbundesgericht ein
linbvmi c-0,-pu^-Verfahren anstrengeu.
H. W. Ashlcr, der Präsident der Toledo,
Ann Arbor L Northern Michigan-Eisen
bahngesellschast, erklärte heule, daß die An
gelegenheit in Folge der Entscheidung der
Bundesrichter Task und Ricks in ein neues
Stadium getreten sei. Es handle sich nun
nicht mehr um Streitigkeiten zwischen der
Ann Arbor- bezw. der Lake Shore-Bahn
und ihren Bediensteten, sondern um eilte
Streitfrage zwischen den Letzteren und den
Ver. Staaten. Aus dieser Linie müsse der
Kampf nun ausgcfochten werden und die
Eisenbahnbcdiensteten würden auch bald
einsehen, daß es ihnen nichts nützen werde,
unter diesen Umstünden gegen die Eisen
bahngesellschasten Krieg zu führen. In
den Kreisen der Eisenbahnbediensteten giebt
malt sich indessen der Hoffnung hin, daß
das Oberbundesgcricht die Entscheidungen
der Richter Taft und Ricks umstoßen werde.
Vom Blitz erschlagen.
Lin Unglück nach dem andern.
M a c o nt b, Jll., 4. April.
Gestern Abend während eines heftigen
Gewitters schlug der Blitz in das
Geschästsburcau des Holzhändlers Wilcox
in Bardoph, wodurch eine Person getödtet
und eine zweite schwer verletzt wurde.
Thomas Hogan und George Goß, zwei
junge Geschäftsleute, befanden sich wenige
Fuß von einander in dem Lokal, als ein
Blitz heruuterfuhr, die eine Seite des Ge
bäudes abriß und Hogan augenblicklich
tödtete. Goß ist so schwer verletzt, daß er
kaum mit dem Leben davonkommen wird.
Hogan war ein Barbier, dessen Geschäft bei
der am letzten Samstag stattgehaluen
Feuersbruitst, welche fast die ganze Ort
schaft in Asche legte, niederbrannte. Seine
junge Frau ist außer sich durch das Unglück
und man fürchtet für ihren Verstand.
Große Vorbereitungen in Norfolk
für die dortigen Festlichkeiten.
Norfolk, Va., 4. April.
Es werden für den Empfang und für die
Unterhaltung der Flottcnofsiziere und der
vielen Tausende, welche sich zur Ankunft
der Flotten der Welt hier einsiuden werden,
Vorbereitnngen in einem so großartigen
Maßstabe getroffen, wie dies noch niemals
im Süden der Fall war. Es sind Vorkeh
rungen getroffen, um täglich 50,000
Fremde unlerzubringen. Zu dem Ball
der Flottenoffiziere am 21. April werden
sich 200 Offiziere, hiesige und fremde, in
voller Uniform einsinden; derselbe bildet
das Tagesgespräch im Lande und mit jeder
Post treffen Nachfragen um Einlaßkarten
ein. Den Wettfahrten, welche am lOlcn
zwischen den Besatzungen sämmtlicher
Kriegsschiffe stattsinden, wird jeder See
mann, der es irgendwie möglich machen
kann, beiwohnen. Die Marine-Musik
kapelle von Washington, das Musikcorps
von Old Point und die Kapellen der aus
wärtigen Kriegsschiffe werden ein Musik
turnier ausführen, für welches Preise bis
zu HIOOO ausgesetzt sind.
Scheußlicher Raubmord.
Lin alter Soldat erwürgt und ausgeraubt.
St. Louis, Mo., 4. April
Gestern Abend, um acht Uhr, wurde der
54jährige Fred. Gille, ein früherer Soldat,
in einem Hinterzimmer des Hauses No.
220 Walnnt iLtr. erwürgt aufgefunden.
Der Mann war wahrscheinlich schon vier
undzwanzig Stunden todt. Des Mordes
verdächtig sind August, alias S. Stotze uud
loicyh Boppet, alias John Mueller, welche
beide vor einigen Wochen von Ehicago hier
her kainen. Die Art und Weise, wie Gille
ermordet wurde, deutet darauf hin, daß die
Mörder sich auf die Kunst des Erwürgens
Wohl verstanden. Gille war, wahrschein
lich schon ziemlich berauscht, mit der Ab
sicht in das Hintere Zimmer gelockt worden,
ihn dort zu berauben; schließlich aber wurde
er ermordet und vollständig ausgeraubt.
Die Mörder Hallen ihm ein Taschentuch um
den Hals gebunden und dasselbe mit einem
Stock so lange zusammengedreht, bis der
Tod eingetreten war. Die Mörder flüchte
ten sich nach der Thal und befinden sich
noch in Freiheit; die Polizei hofft jedoch,
ihrer bald habhaft zu werden.
Lin Fusionist zum Postmeister in
Kansas Lity, Nun., ernannt.
W a s h i n g t o n , 4. April.
Gestern ernannte Cleveland Frank Mapes
zum Postmeister in Kansas City, Kan.
Mapes war vom Senator Marlin empfoh
len worden; die Fusionisten freuen sich über
die Ernennung, weil sie glauben, daß da
durch die Aussperrung ihrer Anhänger auf
gehoben ist,.und daß der Präsident sich ent
schlossen hat, die Ansprüche der Populisten
und Demokraten, welche die Republikaner
aus dem Sattel hoben, anzuerkennen. Der
Hauptgegner von Mapes war Folsom, ein
ziemlich naher Verwandter Clevelands,
aber bekanntlich ist derselbe kein Freund
des Nepotismus.
Fast lauter Demokraten.
Tallahassee, Flor., 4. April.
Der neuen Staatsgesctzgebung, welche
heute zusammentreten wird, liegt es ob,
für den Bundessenator Paseo einen Nach
folger zu erwählen und hat Pasco die beste
Aussicht, wiedcrerwühlt zu werden. Die
Gesetzgebung ist beinahe durchweg demokra
tisch, denn es sitzen im Senat 31 Demokra
ten und 1 Unabhängiger, im Hause aber
06 Demokraten und 1 Unabhängiger, und
nur 1 Republikaner.
GHrcago» Dienstag» 4. Apeil 1866.
Ein heikles Geschäft.
Lharles Dupuy gibt die Bildung
eines französischen Labinetes
auf..
Präsident Larnot in großer Verlegenheit.
Paris, 4. April.
Charles Dupuy, welcher sich gestern a n
die schwierige Ausgabe machte, ein neues
Ministerium zu bilden, bat den Versuch
hierzu bereits wieder ausgegcbcn uud dies
dem Präsidenten Earnot heule früh mitge
theilt. Dupuy schreibt seinen Mißerfolg
der Weigerung dc§ radikalen Abgeordneten
Paul Louis Peytral vom Departement
Bouchcs-Du-Rhone, den Posten des Fi
nanzministcrs, den er im Jahre 1888 be
reits bekleidete, wiederum zu übernehmen
zu. Peytral halte nämlich zur Bedingung
seiner llebcrnahme des Finanzministe
riums gemacht, daß Eduard Lockroy, Abge
ordneter vom Seine-Departement zum
Handclsministcr ernannt werden sollte.
Dupuy ging abar darauf nicht ein, weil
ihm Lockroy zu radikal ist. Letzterer war
bereits im Jahre 1886 Haudelsminister
und im Floquet'schen Eabinet in: Jahre
1885 Unterrichtsnsinister. Er hat bekannt
lich die Wittwe Chjrrles Hugo's geheirathet.
Die „Single Tax"-Leute
,
veranstalten morgen in Washington ein groß
artiges Bankett.
April.
Das morgen Abend von dem hiesigen
„Single Tax Club" zu Ehren I. G. Ma
guire's von San Francisco gegebene Fest
essen wird eine großartige Affaire werden.
Henry George wird über das Thema jjDie
Welt der Zukunft" und der „sockenlose"
Staatsmann Jerry Simpson über das
Thema „Single Tax" und der Farmer"
sprechen. Als Redner sind ferner noch an
gemeldet: Thomas G. Shearman von
Brooklyn, John Dewitt Warner, Henry A.
Robinson, der neuernannte Statistiker des
Ackerbau-Departements, I. H. Ralston,
Josiah Patterson, die Senatoren Mills
und Call und viele Andere.
Lnthüllung des Denkmals für den
Gen. Ripley in Lharlestcm.
Charleston, S. C., 4. April.
Gestern Nachmittag wurde auf dem Mag
nolie Friedhof in Gegenwart einer großen
Menschenmasse das Denkmal des Gxnerals
R. Ripley, welcher während des Bür
gerkrieges eine hervorragende Stellung bei
der Vertheidigung von Eharleston einnahm,
enthüllt. Oberst Seabrook, ein Mitglied
des Stabes des Generals hielt die Rede.
Das Denkmal Wae von der Gesellschaft der
Uebcrlebenden in Eharleston errichtet, un
ter deren Auspieien auch die Enthüllungs
feierlichfeit staltfand.
Benediktineräbte auf der Reise nach
Rom.
New Bork, 4. April.
Der norddeutsche Lloyd-Dampfer Aller,
welcher heute morgen nach Bremen abging,
hatte eine Anzahl Benedikliner-Aebte an
Bord, welche am 16ten April in Rom ein
zutrefsen hoffeit, wohin sie sich auf Wunsch
des Papstes begeben, tim der Grundstein
legung zum neuen internationalen Bene
diktiner-College in St. Anselmo beizu
wohnen. Fast sümmlliche Aebte, welche
heute die Reise nach Rom autraten,sindMit
glieder der kassenz'schen Eongregation des
Benediktiuerordens, welcher der wichtigste
Zweig dieser Religionsgemeinschaft in den
Ver. Staaten ist. Alan glaubt, daß sich
zur Grundsteinlegung in Rom wenigstens
600 Benediktiner aus allen Theilen der
Welt einsinden werden.
Außer denen, die heute Morgen abgcreist
sind, erwarten auch noch die Mitglieder der
schweizerisch-amerikanischen Eongregation
des Benediktinerordeus und der Genossen
schaft der französischen Benediktiner im
Jndiancrgebiet zur Betheiligung an einer
Couferenz der Benediktitteräbte, die kurz
nach dem 16. April dort stattsinden wird,
iit Rom einzutreffen. Der Papst wird die
sen Acbten eine Audienz gewähren und an
dieselben im Laufe ihrer Berathung eine
Zuschrift richten, über deren Inhalt noch
nichts bekannt ist.
Zur Wühl in Rtilwaukee.
Milwa uke e, 4. April.
Das meiste Interesse in den heute hier
stattsindenden Wahlen nimmt die durch die
Wahl des Congrcßabgeordneten John Mit
chell zum Bundessenator nothwendig ge
wordene Ergünzungswahl für das Ab
geordnetenhaus des Kongresses in Anspruch.
Ilm das Mandat bewerben sich der Republi
kaner Theobald Otjen, mehrjähriges Mit
glied des Stadtraths aus der 17. Ward, und
der jetzige Mayor Somers, ebenfalls vor
maliges Mitglied des Stadtraths und
Stadtanwalt.
Der irdischen Gerechtigkeit entrückt.
Philadelphias. April.
Jener John Haney, der beschuldigt
wurde, seinen „Schatz", die 10jährige Ella
Winters im Dezember v. I. ermordet zu
haben, ist gestern in seiner Wohnung ge
storben. Derselbe war im Lause seiner
langwierigen Haft schwindsüchtig geworden,
und aus diesem Grunde und weil ver
schiedene Jungen, denen die Staatsanwalt
schaft zu einer lleberführung des Angeklag
ten nicht gut entrathen konnte, nicht mehr
am Leben waren, war man zu dem Ent
schlüsse gelangt, den Angeklagten einstwei
len außer Verfolgung zu setzen und hatte
ihn vor einigen Wochen aus dem Gesängniß
entlassen.
Von den eigenen Rassegenossen ge
lyncht.
Nichmond, Va., 4. April.
Gestern wurde ein mörderischer Schurke
Namens Charles Morgan, ein Neger, von
seinen eigenen Rassegenossen in Graham
gelyncht. Morgan hatte am Samstag
Abend bei einer Festlichkeit einen anständi
gen und ruhigen farbigen Bürger mit
kaltem Blute ermordet. Die Farbigen
fahnden nach den Spießgesellen des Mor
gan und wahrscheinlich wird Richter Lynch
noch mehr Arbeit bekommen.
Ein Lebensmüder.
Lin wohlhabender junger Bürger
von Springsield
Jagt sich eine Angel durch's Herz.
Joliet, Jll., 4. April.
Eharles W. Goodspeed ein wohlhabender
und angesehener junger Mann von hier,
hat sich heute früh erschossen. Das todt
bringendc Geschoß hat das Herz durchbohrt.
Goodspeed hinterließ einen Brief an seinen
Bruder, mit welchem er gemeinsam ein
Geschält betrieben hatte, in welchem er die
sem bezüglich der Vertheilung seines Nach
lasses Anweisungen gibt. Goodspeed war
seit einigen Wochen leidend und hat sich
vermuthlich aus Lebensüberdruß entleibt.
Zeitungs-Ansicht
lieber die Entscheidung des Richters Ricks.
P hilade lph i a, 4. April.
In einer Besprechung über die richter
liche Entscheidung in Aun Arbor, sagt die
„Preß" heute morgen: „Die Richter Ricks
und Taft, gerade wie der Richter Billings
in New Orleans nehmen bei Streiks von
Bediensteten von Frachtbahnzügen den
Standpunkt ein, daß eine Einmischung von
Arbeiterverbünden in die Güterbeförderung
nicht gestattet werden darf. Und dies ist
vollständig gerecht. Niemand, weder ein
einzelner Mensch, noch cineKörperschast Hai
das Recht, auf einem öffentlichen Verkehrs
wege, und eilt solcher ist eine Eisenbahn,
den freien Verkehr zu hemmen. Die jetzt
gefällten Entscheidungen berühren die voll
ständige Weigerung von Eisenbahnbedien
steten nach einen: verabredeten Plan die
Arbeiten für eine Bahngesellschaft einzu
stcllen in keiner Weise. Dies wird seiner
Zeit durch Gesetze oder Gerichte, oder durch
beide verboten werden. Jedermann steht
es frei, irgend eine Beschäftigung auszu
geben, aber er darf feine Freiheit zum
Nachtheil des Publikums nicht mißbrauchen.
Es giebt gewisse Beschäftigungen, wie die
Armee und die Flotte, wo die Leute nicht
nach Belieben austreten können, und es
wird die Zeit kommen, wo auch Eisen
bahnen dieser Liste einvcrlcibt werden."
Wieder einmal ein ungetreuer Be
amter,
Der fremde Gelder als seine eigenen be
trachtet.
Grand Island, Neb., 4. April.
Der städtische Schatzmeister John W.
West hat einem seiner Bürger das Ge
ständniß gemacht, daß ihm etwa 413,000
an der Kasse fehlen. Die Nachricht ver
breitete sich schnell und verursachte allge
meine Aufregung, denn West erfreute sich
des Rufes eines ehrlichen und tüchligenße
amten. Seiner eigenen Angabe nach hatte
er das Geld für Privatzwecke benutzt und
hatte stets gehofft, die fehlende Summe
wieder ersetzen zu können. Seine Bürgen
werden Schritte thun, um die Bücher einer
sorgfältigen Untersuchung zu unterwerfen.
West war bei der heutigen Wahl Kandidat
für die Wiederwahl, zog aber gestern Abend
noch seinen Namen zurück. Einige glau
ben, daß er halb irrsinnig ist und nur Feh
ler in seinen Rechnungen gemacht hat.
Verunglückte Vergnügungsfahrt,
vier Personen ertrunken.
A m st erdam , 4. April.
Gestern Abend verloren mehrere Personen
durch das Umschlagen eines Segelbootes,
in welchem sich eine Gesellschaft auf einer
Luftfahrt befand, das Leben. Von den
sechszehn Personen, welche in das Wasser
stürzten, fanden vier ihren Tod in den
Wellen.
Llevelands nächste Sommerfrische.
Washington, 4. April.
Es heißt, daß sich der Präsident über
seinen Sommcraufenthalt entschieden hat,
und daß er den Landsitz der Frau Kate M.
Henderson, der Gattin des Obcringenieurs
Henderson von der Flotte, an Woodley Laue
beziehen wird. Der Platz ist schön, und
das alte Middlctonsche Wohnhaus liegt aus
einer Anhöhe, etwas südlich von der Land
straße. Es ist einer der angenehmsten
Landsitze in der Gegend und liegt in be
quemer Entfernung vom Weißen Hause,
nicht weit von Oak View, dem Platz, wel
chen Cleveland im Jahre 1887 kaufte.
Wahrscheinlich , wird Cleveland mit seiner
Familie schon in nächster Zeit dahin über
siedel.
Neue Postmeister.
W a s h i n g t o n , D. C., 4. April.
Der Unter-Generalpostmeister Maxwell
hat heute 144 Postmeister 4. Ranges äuge
stellt, worunter 24 in Alaine, 24 in Ohio,
0 in Vermont, 8 in Virginien, 8 in Georgia,
8 in Arkansas, 7 in Alabama.
Lin Streik endlich gütlich beigelegt.
M acomb, Jll., 4. April.
Der Streik der Grubenarbeiter in kol
chestcr ist heute beigelcgt worden, und die
Leute haben die Arbeit wieder ausgenom
men. Der Streik begann vor vierzehn
Tagen, als die 250 Arbeiter der O.uincy
Eoal Company die Arbeit entstellten, weil
die Gesellschaft erklärt hatte, daß die Leute
künftig hin nur alle Monate ihren Lohn
erhalten würden, statt wie früher alle
Woche, und daß sie für „»luelc" keine Be
zahlung haben sollten. Die Sache ist jetzt
insofern beigelcgt, daß die Leute jetzt
wöchentlich ausbezahlt werden, aber für
„klutstc" nichts bekommen. Der Streik
bat den Grubenarbeitern tausende von
Dollars gekostet.
Will es noch einmal versuchen.
Paris, 4. April.
M. Dupuy wird, auf dringendes Er
suchen des Präsidenten Carnot, noch einen
Versuch zur Bildung eines Cabinets
machen.
Angekommene Dampfer.
H a m b u r g , 4. April.
Der Dampfer „California" von New
Bork.
Weitere Ernennungen..
Line Reihe von Gesandten- und
Lonsulatspofteu besetzt.
Die Deutschen haben wiederum das Nachsehen.
Washington, 4. April.
Präsident Elebeland machte heute fol
gende Ernennungen:
James O. Broadhead von Missouri zum
Gesandten in der Schweiz.
Bankett Trip von South Dakota zum
Gesandten in Wien
Eben Alexander von North Earolina
zum Gesandten für Griechenland, Rumä
nien und Serbien.
Zu Eonsuln wurden ernannt:
James G. Neal von Ohio in Liverpool,
James E. Dobbs von Georgia in Valpa
raiso, O. O. Ecksord von Mississippi in
Kingston Jamaica, David N. Burke von
New Bork in Pernanbuco, Edgar Whidden
von Maine in St. Stephen, N. 8., Henry
F. Merritt von Illinois in Barmen, Asa
D. Dickinson von New Bork in Notting
ham, Benjamin Lenthier von Massachusetts
in Sherbrooke.
Städtisches.
Aleine Nachrichten.
JameS O'Brien, ein Angestellter der
Edison Light Eo., stürzte heute Morgen in
dem Gebäude No. 4M State Straße durch
das Oberlicht und trug so schwere Ver
letzungen am Rückgrat davon, daß an seinem
Aufkommen gezwciselt wird. Man brachte
ihn nach dem St. Lucas Hospital.
lm 3. Precinct der 1. Ward brachten
sich heute Louis Lutz und Ben Harensdvrf
in Unannehmlichkeiten und jetzt sitzen sie
beide in einer Zelle der Harrisonstr.-Sta
tion. Es wird behauptet, Harensdorf habe
'Lutz veranlaßt, unter dem Namen Elias. E.
Wilsens, eines registrirten Bürgers, für
John R. Morris, den demokratischen Alder
man-Eandidaten zu stimmen.
Timothy O'Brien und Michael Fahey
kamen heute Vormittag in den Stimmplatz
406 W. Harrisonstraße nnd behaupteten,
dort registrirt zu fein. Es stellte sich heraus,
daß sie gar nicht in der 10. Ward wohnen
und Polizist Murray von der Marwellstr.-
Stalion verhaftete sie.
Patrick Moriary, John Kingslcy und
John Thompson, welche Wirthschasten an
der Vanßurenstraße betreiben, wurden heute
wegen Ossenhaltens ihrer Lokale verhaftet
und von Richter Glennon unter je H2OO
Bürgschaft gestellt.
Mar Romxr, 84 —86 Lasalle Straße.
Restaurant und importirtes Bier.
Der Zimmermanns-Streik
Auf dem Ausstellungsplatz von keiner großen
Bedeutung.
Dem Anschein nach wird der Streik der
Zimmerleute auf dem Ausstellungsplatz
keine großen Dimensionen annehmen. Die
Streiker waren vom Präsidenten Eogswell
angewiesen worden, sich um 0 Uhr an der
Stony Island Avenue nnd 65. Straßr ein
zufinden. Nur 65 Mann halten sich zur
festgesetzten Zeit eiugefunden, woraus er
sichtlich ist, daß etwa 600 wie üblich zur
Arbeit gegangen waren.
Herr Eogswell ist der Ansicht, daß trotz
dem der Streik ein allgemeiner sein wird,
da die Arbeiter, welche ihrer Beschäftigung
heute Morgen nachgingen, die Aufforderung
zum Streit mißverstanden hätten.
kleberfahren.
Daniel Rulln, ein fünfzehnjähriger
Junge, welcher mit seinen Eltern 13Brown
Straße wohnt, wurdt heute Morgen an der
Ecke von Halstcd und Taylor Straße von
einem Expreßwagen überfahren, welcher von
Charles Place, einem Kutscher der Ehicago
Eonsolidated Buttling Eo. gelenkt wurde.
Die Räder gingen über das rechte Bein des
Knaben und dasselbe wurde über dem Knie
gebrochen.
Grobe Fahrlässigkeit.
Peter Alchasio, ein Grieche, steht unter
der Anklage der Körperverletzung und sitzt
jetzt in einer Zelle der Harrisonstr.-Station.
Er ist in einem Eommissionsgeschüst an der
South Watcrstraße angestellt u. war heute
Morgen damit beschäftigt, eine Ladung
Bananen durch eine Falllhüre an der Ecke
von Stale und South Waterslraße zu brin
gen. Er hatte dabei die Thüre zu dein
Bureau so schlecht befestigt, daß dieselbe
herabstürzte und den Italiener Joe Ehickoti
aus den Kopf traf. Die Verletzung Joe's
war so gefährlich, daß er nach dem kountn-
Hospital gebracht werden mußte. ' Die
Aerzte erklären, daß die Wunde wahrschein
lich tödtlich sein werde. Alchasio wurde von
Richter Lyon bis zum 14. April unter H2OOO
Bürgschaft gestellt.
plötzlicher Tod.
Heute früh gegen 10 Uhr wurde der Pa
trouillewagen der Ost- Ehicago Avenue-
Station nach dem Hause 44 Ost-Superior
straße gerufen. Die Polizisten fanden dort
John McGinty im Sterben liegend. Sie
wollten ihn nach dem Eontybospital brin
gen, der Mann starb jedoch schon während
der Fahrt. Die Leiche liegt jetzt in der
Eounty-Morgue.
Abonnirl aus das Abendblatt der Illinois
Staats-Zeitung. Preis 1 Cent.
Das macht nichts.
Zu einem homöopatischen Arzt kam eines
Tages eine Frau plötzlich gerannt und klagte
ihm folgenden Fall:
„Herr Doktor, Sie werden sich wohl noch
erinnern, daß Sie meinem Alaune eine
kleine homöopathische Hausapotheke, näm
lich Pillen in Schachteln ausbewahrt, ge
geben haben. Heute ließ der Unglückselige
dieselben aus dem Tische stehen, mein drei
jähriges Mädchen fand sie und aß fünfund
zwanzig Schachteln davon total aus."
„Mit den Schachteln?" fragte der
Doktor.
„Nein, die Schachteln ließ sie stehen."
„Nun dann," meinte der Doktor, „haben
Sie weiter keine Angst, das macht nichts."
Dicois 1 Cent.
Vermischtes.
Eine große Rolle spielen die Haar;
künstler ans den Fidschi-Inseln. Die
Häuptlinge dieser Inseln verwenden außer
ordentliche Sorgfalt auf ihren Haarputz.
Jeder von ihnen hat einen eigenen Friseur,
der nichts weiter zu thun hat, als den Kops
seines Herrn in Ordnung zu erhalten, des
sen Haar und Bart zu salben und zu kräu
seln, was immer mehrere Stunden vom
Tage in Anspruch nimmt. Diese Friseure
gelten als heilig und unverletzlich; ihre
Hände werden durch Priester geweiht; sie
dürfen keine andere Arbeit verrichten. Nicht
einmal essen dürfen die Haarkünstler mit
ihren Händen; es wird jedem Einzelnen
eine Person gehalten, die ihn füttert.
„Ein afrikanisches Urthcil über Ber
lin" wird im „Globus" nach dem Berichte
des im Moschilaiide vorübergehend thätig
gewesenen Missionars Mgr. Alexandre Le
No» in der Wochenschrift „Les Missions
Eatholigues" mitgetheilt. Es heißt da:
„Maudara (der im verflossenen Jahre ver
storbene Häuptling von Bioschi) hat einmal
im Gefolge eines deutschen Reisenden (Otto
E. Ehlers) drei junge Leute nacy Europa
reisen lassen, drei Hirten, die von den deut
schen Zeitungen sofort mit dem Titel
„Prinzen, Gesandte, bevollmächtigte Mi
nister" geschmückt wurden, welche gekom
men seien, uin dem deutschen Kaiser Afrika
im Allgemeinen und den Kilima-Ndscharo
im Besonderen zu Füßen zu legen. (Diese
llebertreibung macht gegen die Wahrheits
liebe des Missionars etwas mißtrauisch!)
Wir trafen heute diese braven Jungen, die
auf solche Weise kostenfrei eine interessante
Forschungsreise in's Land der Weißen ge
macht haben. Natürlich möchte man gern
ihre Eindrücke erfahren. Was hat in Ber
lin ihrer naiven Vorstellungskraft am mei
sten imponirt? Die enorme Menge ron
Kühen, die sic auf dem Viehhos gesehen
haben. Im Uebrigen sind sie vollständig
enttäuscht heimgekchrt. Sic hatten die
Europäer immer für reiche und kluge
Leute, für eine Art Halbgötter gehalten:
„aber, sagten sie, stellt Euch vor, dort sieht
man wirkliche Weiße die Straße kehren,
Wasser tragen, Hunde scheeren, Mist sam
meln. Freilich gibt cs auch Reiche; z. B.
die Besitzer jener Kühe, aber die gehen nie
mals aus. Sie wohnen in großen Stein
häusern, in Räumen, die wie Spiegel
glänzen, und sitzen von Früh bis Abend
aus Stühlen, die mit Zeug gestopft sind:
daneben stehen kleine, mit Sügespälmen
gefüllte Küsten, neben die man hinspuckt.
Diese Menschen sind allerdings glücklich;
ibrc einzige Beschäftigung ist cs, beständig
die Hände in die Tasche zu stecken. Aber
Die, welche zu uns hier herauskommen, sich
abmühen und arbeiten, die haben keine mir
Zeug ausgestopslen Stühle; sie sind von
den Andern ausgeschickt und müssen ganz
arme Teufel sein."
Helgoland.
Allen Ernstes bat man sich mit der Frage
beschäftigt, wie der Zeitpunkt der gänzlichen
Auflösung der Insel Helgoland möglichst
hinauszuschieben und das Zcrstörungswerk
der Elemente zu beschränken sei. Zur
Lösung dieser Frage war eit; genaues Stu
dium der Art der allmäligen Auslösung dkr
Felsen'.nsel und deren Ursache an Ort und
Stelle erforderlich. Die angestellten Un
tersuchungen haben nun ergeben, daß die
Zerstörungen keineswegs allein das Werk
der stetigen Arbeit der Wogen ist, die bei
starkem 'Nord- und Nordwcststurm haushoch
gegen die steilen Fetswände mit ungeheurer
Wucht anprallcn, sondern, daß noch ein an
deres Element, der Frost, als Bundesge
nosse hinzutritt. Der gemeinsame Ver
nichtungskrieg geht nun tu der Weise vor
sich, daß von den anstürmcndcn Wogen und
deren Spritzwasscr sowie auch durch Regen
eine nicht unbedeutende Menge Wasser in
die zum größten Tbeile schräg landeinwärts
geneigten Schichten des Gesteins gelangt,
sich hier ausammelt und im Winter gefriert.
Es ist bekannt, welch gewaltige Kraft das
Wasser in seinem Uebergange vom flüssigen
zum festen Zustande entwickelt und daß
seiner Ausdehnung bei Eisbildung selbst
der härteste Felsen nicht zn widerstehen ver
mag. Es werden also ganze Schichten ab
gcsprcngt und das Gefüge des an und für
sich weichen Gesteins wird derartig gelockert,
daß es nur noch der mechanischen Kraft
leistung der anprallenden Wogen bedarf,
um allmälig ein Felsstück nach dem anderen
loszurütteln und in die Tiefe zu schleudern,
wo die eigentliche Korrosionsarbcit des
Meeres erst beginnt, indem es diese losge
rissenen Tbeile gcgcnciuandcrschleudert, zer
kleinert, zerreibt und in Schlamm auslöst,
der sich, mit dem Meerwasser vermischt, wie
ein rother Kranz um die ganze Insel,
namentlich an der Nordseite, hernmziehl.
So haben die Naturkräfle schon Jahrhun
derte ihr Spiel getrieben und werden nicht
eher ruhen, als bis sich ihnen kein Wider
stand mehr bietet und nur noch ein röth
licher Schimmer in der Nordsee und einige
Seezeichen andeuten, daß hier einst das ro
mantische Helgoland, das Gretna Green
der Deutschen, gestanden. Zur Auiballung
oder doch wenigstens zur Abschwächung die
ses Vorganges ist nun ein Schuß der Insel
durch Eementirung der ganzen noch vom
Spritzwasser der Wellen erreichbareil Fels
partie in Vorschlag gebracht worden.
Line zarte Seele.
Während einer kleinen Thcegesellschaft
wird das Localblatt gebracht, und der Sobn
des Hauses liest auf allgemeinen Wunsch
die neuesten Neuigkeiten vor, unter ande
ren folgende: „Gestern Nachmittag wurde
der Laufbursche des Kaufmanns Scholle
im Hose des Hauses Maricnstraßc Nr. 6 so
von dem zufällig befreiten Kettenhunde am
linken Oberschenkel zerfleischt, daß die
lleberführung des Schwerverletzten nach der
königlichen Klinik angcordnet werden
mußte." —„Ach, das arme Thier!" flötet
mitleidig ein älteres Fräulein. „Thier!?"
rauscht staunendes Echo aus dem Kreise.
„Nun ja", seufzt die holde Dame, „das hat
doch gewiß deshalb furchtbare Prügel ge
kriegt !"
Frage und Antwort.
Dame (beim Advokaten): Für eine
einzige Frage nehmen Sie doch gewiß
nichts!"
Advokat: „O- nein, gnädige Frau,
nur für die Antwort."
(Berl. Volksztg.)

xml | txt