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Abendblatt der Illinois Staats-zeitung. [volume] (Chicago, Ill.) 1891-1894, April 15, 1893, Image 1

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46. laHr-garrg.—lß.
Telegraphiere Depeschen.
Uevervlick.
Ankunft des Herzogs von Veragua in
New York.
Revolution in Ecuador. Zwei Provin
zen im Aufstande.
Grover Elevelaud verweigert die Aus
lieferung der Flüchtlinge im amerikanischen
Gesandtschaftshotel zu Santiago de Chile.
Neuer Streik in Homestead zum 1. Juli
befürchtet.
Ankunft der deutschen Kriegsschiffe zur
New Yorker Flottenschau in Halifax.
Verheerender Orkan an der Küste von
Louisiana. Fünfzehn Menschen todt und
über 40 verwundet.
NarHt-Telegvcrrnnre.
Ein Vergleich mit der Centrumspartei
betreffs der Heeresvorlage ist, so wird jetzt
aus Berlin gemeldet, noch nicht getroffen
worden. Man fängt in der officiöfen Presse
an, auf die Möglichkeit eines solchen Ver
gleichs hinzudeulen und die Bedingungen
auzugeben, auf welche die Regierung einzu
gehen willens sei, nämlich eine Verminde
rung von 10,000 Mann in den Forderungen
der Regierung und die Bewilligung einer
zweijährigen Dienstzeit. Der Ausschußbe
richt über die Vorlage wird morgen fertig
fein, und wird der Kampf in der künftigen
Woche beginnen, wenn kein Vergleich zu
stande kommt.
Ahlwardt hat die versprochenen
schriftlichen Belege für die Richtigkeit seiner
Beschuldigungen gegen hochstehende deutsche
'Beamte auch gestern nicht beigebracht, son
dern sich nur den Anschein gegeben, als
wollte er es thun. Er machte dem Reichs
tagspräsideuten das Anerbieten, die Schrift
stücke zu überreichen, wenn ein Spezialaus
schuß zur Prüfung derselben ernannt werde.
Der Präsident erwiderte, Ahlwardt müsse
die Angelegenheit entweder in Form eines
Antrags oder einer Eingabe vor das Haus
bringen. Ahlwardt ging dann bei den
Sozialisten herum, um deren Unterstützung
für einen Antrag zur Ernennung eines
Spezialausschusses zu gewinnen. Die all
gemeine Ansicht geht dahin, daß die Schrift
stücke, die Ahlwardt jetzt vorlegen will, eben
so wenig zu bedeuten haben, wie die früher
vorgelegten.
Der jugendliche Serbenkönig ließ in
der Domkirche zur Feier seines glücklich ge
lungenen Slaatsstrcichs ein feierliches Te
deum anstimmen. Nach Schluß des Got
tesdienstes kehrte der König in den Palast
zurück. Das Volk begrüßte ihn jubelnd
und gab ibm das Geleite bis zum königli
chen Palaste. Hier dauerte das Hochrufen
fort, bis der König auf dem Balkon er
, schien und dein Volke für seine Ergeben
heitsbezeugungen dankte. Er versprach,
die Verfassung zu hüten und dem Volke den
Vollgenuß seiner Rechte zu sichern. Die
serbische Bevölkerung scheint mit der neuen
Wendung der Dinge ganz zufrieden zu fein.
Die serbischen Regenten und Mini
ster waren am Donnerstag Abend einer
Einladung des Königs gefolgt, im alten
Palaste mit ihm zu speisen. Nach dem drit
ten Gauge erhob sich Alexander und eröfs
nete den Herren, daß er ihrer Dienste nicht
mehr bedürfe. Er fordere deshalb ihre
Entlassung. Als diese verweigert wurde,
verließ der König das Zimmer und ließ den
Regenten und Ministern nochmals durch
einen Adjutanten dieEntlassuug abfordern.
Als dieselben sich immer noch weigerten,
befahl er ihnen, den alten Palastzu verlas
sen und sich iu den neuen Palast zu verfü
gen und die Nacht daselbst zn verbringen.
Am Morgen wurden sie unter Bedeckung
in ihre Wohnungen gebracht.
ln Wien schreibt man den Staats
streich des Königs Alexander dem Einfluß
seines Vaters und seiner Mutter (Milan
und Natalie) zu, die sich kürzlich ausge
söhnt haben. Milan ist gestern auf der
Fahrt nach Belgrad durch Pesth gekommen.
ln Belgien dauern die Arbeiterun
ruhen an. In Brüssel kam es zu wieder
holten Malen zu Zusammenstößen mit der
Polizei und wurden mehrere Personen ver
letzt. Der Streik greist im Bezirk Mons
in der Provinz Hennegau immer weiter um
sich und die Aufregung wird immer größer.
Auch in O-uarcgnon, Wasmes und Patura
ges treten die Streiter wieder gewaltthütig
auf und die Lage wird immer ernster. In
Brüssel löschte das Volk in der Nue de la
Violette die Laternen aus und griff die Po
lizei im Dunkeln an. Es sielen auch Schüsse
und es floß Blut. Mehrere Zeitungen
können nicht erscheinen, weil die Setzer sich
den Streitern angeschlossen haben. Die
meisten Theater sind geschlossen. Die ganze
Bürgerwchr steht unter Waffen und das
Militär steht in den Kasernen in Bereit
schaft. In Löwen wurde eine förmliche
Schlacht geschlagen. > Die Arbeitsrittcr von
Charleroi haben einen allgemeinen Streik
angeordnet.
Eist Brief von Tipp» Tib's Sohn soll
in Sansibar eingetroffen sein, welcher die
Nachricht vom Tode Emin Pascha's und
aller seiner Leute bestätigt.
Drohende Revolution in Ekuador.
Zwei Provinzen im offenen Aufruhr
begriffen.
Pana m a, 15. April.
Von Ecuador angekommene Reifende
sagen, daß die Unruhen in Folge der Wei
gerung der Bauern in den Provinzen
Chimborazo und Esmeralda, Steuern zu
bezahlen, einen bedenklichen Umfang ange
nommen haben. Die Bewegung zum
Sturze des Präsidenten Cordero, welche
von 2500 Bergbewohnern ausging, hat von
der Partei Morla's Unterstützung erhalten.
Auch mehrere Generäle der liberalen Par
tei haben sich den Aufständischen auge
schlossen, und es heißt, daß Elgo Alfero,
ein bekannter General von Ecuador, welcher
nach der Präsidentschaft strebt, der neuen
Partei ein vollständig ausgerüstetes Kriegs
schiff zur Verfügung gestellt hat, welches
demnächst in Guayaquil ankommen wird
Zweihundert Soldaten der Garnison von
Tinto sollen sich den Aufständischen auge
schlossen haben. Die Anhänger Morla's
haben 10,000 Büchsen erhalten.
Empfang des Herzogs von
Veragua,
Des direkten Nachkommen von
Lolumbus,
In New pork.
New York, 15. April.
Für den Empfang des Herzogs von
Veragua, des direkten Nachkommen von
Christoph Columbus, welcher heute
früh auf dem Dampfer „New
York" hier eintreffen wird, werden große
Vorbereitungen getroffen. Der Zollkutter
„Grant" hat sich gestern schon mit dem
Commander T. W. Dickins, welcher spa
nisch spricht und deshalb von der Regierung
zum Begleiter des Herzogs bestimmt wurde,
nach der unteren Bai begeben, um die An
kunft des Dampfers „New York" zu er
warten. Mit dem Dampfer „Blackbird"
wird sich ein aus hervorragenden Persönlich
keiten bestehender Empfangsausschuß nach
der Bai begeben, sobald der Dampfer „New
York" sigualisirt wird. Der „Blackbird"
wird den Herzog Veragua nebst seiner Be
gleitung an Bord nehmen und am Fuß der
W. 22. Straße landen. Die hohen spani
schen Herrschaften werden im Hotel Wal
dorf absteigen, wo die Staatszimmer für
ihren Empfang in Bereitschaft gesetzt sind.
Heute Morgen kurz nach sechs Uhr kam
der amerikanische Dampfer New York mit
dem Herzog von Veragua an Bord von
Southampton bei der Quarantäne an. Es
fiel zur Zeit ein starker Regen und der
Dampfer war bei dem herrschenden Nebel
kaum zu sehen.
Sobald der Dampfer vor Anker gegangen
war, begab sich der Commander Francis
W. Dickins von der Bundesflotte, der Ver
treter der Bundesregierung, an Bord, und
hielt eine BewillkommnungSrcde in spa
nischer Sprache, welche vom Herzog er
wiedcrt wurde. Darauf spielte die Kapelle
an Bord „America".
Der Dampfer Blackbird mit dem Em
pfangsausschuß an Bord, verließ den „Pier
I" um sieben Uhr und dampfte die Bai
hinunter zum Dampfer New York, worauf
der Herzog mit seiner Begleitung an Bord
des Blackbird ging, welcher die fremden
Gäste an der 22. Straße im North River
landete, von wo aus sich dieselben nach dem
Hotel Watdorf begaben, wo sie während
ihres hiesigen Aufenthaltes bleiben werden.
In der nächsten Woche wird die Gesell
schaft die Reise nach Chicago antrelcn.
In der Begleitung des Herzogs von
Veragua befindet sich die Herzogin, seine
Frau, deren Söhne Christobal Colon y
Aquilera und Carlos Aquilera, und deren
Tochter Maria dcl Pillar Colon y Aqui
lera; ferner der Marquis Barbolis, ein
Bruder des Herzogs, und Pedro Colon
Eerda, ein Sohn des Marquis.
Der Empfangsausschuß, welcher dem
Herzog die Gastfreundschaft der Stadt an
bot, bestand aus dem General Horace
Porter, Perry Belmont, Theodor W.
Myers, C. C. Baldwin, I. E. Simmons,
E. V. Skinner, Isidor Strauß, Howard
Carroll, Waller Staton und G. G.
Martin.
Die drei Laravellen auf der Reise
nach New Vork,
lvo sie bei der Flottenrevue Mitwirken
werden.
Havana, 15. April.
Die Caravellen Santa Maria, Nina und
Pinta sind heute nach den Ver. Staaten
abgesegelt. Dieselben werden bei der
Flottenrevue in New York einen hervor
ragenden Antheil nehmen.
Baldige Unterdrückung des Aufstan
des erwartet.
Ein Regiment zur Verstärkung der Regie
rungstruppen abgesandt.
Rio de Janeiro, 15. April.
Der General Monsa ist mit dem 10. In
fanterieregiment nach Rivera abgesandt,
um bei der Unterdrückung der Revolution
in Rio Grande do Sol mitzuwirken. Man
hofft, des Aufstandes bald Herr zu werden.
Man glaubt, daß eine Minister-Krisis
nahe bevorsteht. Der Präsident versucht,
vor der Eröffnung der Kammern jeglichen
Zwist zu vermeiden. Er bereitet seineßot
schaft vor, welche sich wahrscheinlich auf
wichtige Fiuauzmaßrcgeln beziehen und sich
hauptsächlich mit Plänen zur Abtragung
der auswärtigen Schuld beschäftigen wird.
Zukunfts- Ansiedler des Lherokee-
Streifeus
Erbost über Mukel Sam, der ihnen die weide
verderben läßt.
Guth ri e, O. T., 15. April.
Die zukünftigen Ansiedler auf dem
Cherokee-Streifen sind auf das Höchste
darüber aufgebracht, daß die Regierung
den Viehhändlern erlaubt, an jeder Station
gefallenes texanisches Vieh abzuladen und
die Heerden durch das Land nach Osage
County zu treiben, weil die ganze Weide
dadurch verpestet wird und Keime des
spanischen Fiebers in der Weise verbreiten
werden, daß alles Vieh, welches in diesem
Jahre dahin getrieben werden wird, dem
Untergang anheimsallen muß.
War doch nicht der Rechte
Trotz der angeblichen Feststellung der Persön
lichkeit des Verbrechers.
Topeka, Kan., 15. April.
Der Neger Hudson, welcher in dieser
Woche mit knapper Noth wegen der angeb
lichen Vergewaltigung der Frau Frost dem
Richter Lynch entging, wurde heute Morgen
in Freiheit gesetzt. Sechs glaubwürdige
Zeugen beschworen, daß er sich in der 'Nacht,
in welcher das Verbrechen begangen wurde,
sieben Meilen von Saliua auf einer Farm
befand. Gestern wurde in Beloit ein Mexi
kaner als der That verdächtig in Haft ge
nommen.
Ein ungesulMes Verbrechen.
Die pariser Polizei glaubt die Ur
heber der Dynamit-Lxplosion
In der Rue des Bons Enfants endlich er
wischt zu haben.
Paris, 15. April.
Der hiesigen Polizei war es bisher noch
immer nicht gelungen, die Urheber der au:
vergangenen 8. November stattgehabten
schrecklichen Dynamitcxplosion in dem
Polizeikommissariatsgebäude in der Nue
des Bons Enfants, unweit vom Palais
Royal, zu entdecken. Heule aber scheint sie
endlich einen wichtigen Fang, der vielleicht
zur Aufklärung des Verbrechens, welchem
bekanntlich fünf Personen zum Opfer sie
len, beitragen wird, gemacht zu habe». Der
Verdacht, die Explosion verursacht zu haben,
richtete sich in letzter Zeit gegen einen Mann
Namens Dupral und ein Frauenzimmer
Namens Desmasle. Die Polizei ermittelte
heute früh deren Aufenthaltsort und machte
sie dingfest.
Das Dynamit-Attentat hatte seinen Ur
sprung in dem großen Kohlengräber-Streik
zu Carmaux im vergangenen Herbst. Der
ganze Haß der Streiter richtete sich gegen
den Baron Reille, den Präsidenten der be
deutendsten der von dem Streik berührten
Kohlengruben. Am Morgen des 8. No
vember entdeckte der Kassirer der Carmaux-
Grubengefellschasten, deren Bureaux sich in
Öko. 11 Avenue de L'Opera befinden, auf
dein dortigen Hausflur ein verdächtig aus
sehendes Gefäß, das einer Sauce-Pfanne
glich. Er beauftragte den Hausmeister,
das Gesäß nach dem Polizeieommissariats-
Gebüude zu tragen, was dieser that. Wäh
rend die Polizeibeamten den verdächtigen
Gegenstand einer sorgfältigen Prüfung
unterzogen, erfolgte eine schreckliche Explo
sion, welche das Gebäude fast völlig zer
trümmerte. Der Chefclcrk Rousscl, Unter-
Brigadier Fornemanein, Polizist Neaux,
Inspektor Trautet und der Hausmeister
Garin wurden getödtct; die Leichen waren
in entsetzlicher Weise verstümmelt.
Die einzige Spur, welche die Polizei von
den Verübern des schrecklichen Verbrechens
fand, verdankte sie dem Direktor Lefrapper
von der Carmaux-Grubengesellschafi. Der
selbe hatte nämlich am Abend vorher eine
Frau, die, sehr scheu um sich blickte und
anscheinend unter ihrem Shawl einen
Gegenstand verdeckt trug, in das Bureaux-
Gebäude treten sehen.
Die Polizei vermuthete sofort, daß die
Dynamitbombe von jener Frau in dem Ge
bäude niedergelegt worden sei. Obwohl
Lefrapper von dem Frauenzimmer eine
ziemlich gute Beschreibung geben konnte,
gelang es der Polizei doch lange nicht, die
geringste Spur von demselben zu entdecken,
bis sie gestern ans die vorerwähnte Des
masle und ihren. Zuhälter Dupral stieß, in
welcher sie nun die Urheber der Dynamit
explosion entdeckt zu haben hofft. Sollte
sich dies bewahrheiten, so dürfte es nicht
mehr schwer fallen, auch der übrigen der an
dem scheußlichen Verbrechen betheiligt ge
wesenen Personen habhaft zu werden.
Die des Llternmordes schuldig be
fundene Lizzie Borden
Wartet mit Ungeduld auf ihren neuen Prozeß.
Fallßiver, Mass., 15. April.
Lizzie Borden, welche schuldig befunden
war, ihre Eltern ermordet zu haben, der je
doch ein neue? Prozeß bewilligt wurde, be
hauptet immer noch ihre Unschuld an dem
Verbrechen. Sie befindet sich jetzt seit acht
Monaten in Haft, ist aber den Umständen
nach körperlich recht wohl und vertreibt sich
die Zeit mit Schreiben von Briefen. Als
der Pfarrer Buck, dessen Kirche die Familie
früher zu besuchen pflegte, gefragt wurde,
ob er wohl glaube, daß die Angeklagte in
dem nächsten Prozeß freigesprochen werden
würde, erklärte dieser: „Jawohl glaube ich
das; ich halte es nicht für möglich, daß das
Mädchen den Mord begangen haben könnte."
Uebrigens wird Lizzie noch eine geraume
Zeit auf ihren zweiten Prozeß warten
müssen, denn es liegen elf Mordprozesse
vor, welche sämmtlich erledigt werden
müssen, ehe der ihrige an die Reihe kommt,
Bedeutender Grubenbrand.
Lin ganzes Bergwerkssystem in Flammen.
D e a d w o o d, S. D., 15. April.
Die unteren Gänge der Deadwood Terra
Grube, stehen in Flammen. Das Feuer
entstand 200 Fuß unter der .Oberfläche,
und darunter befinden sich bis zur Tiefe
von 400 Fuß noch weitere Schachten. Die
Arbeiter sind, so oft es die Gase und der
Rauch erlauben, an der Arbeit, um die
Verbindungen mit den anderen Gruben
abzuschließen, und werden jede Stunde ab
gelöst. Sämmtliche Gruben, welche zu
der Homestake Gruppe gehören sind ge:
schlossen, und 1000 Arbeiter sind ohne Be
schüfligung. Sollte sich das Feuer weiter
verbreiten und die Holzstützeu der großen
Minen bei Eambers zerstören, so würde
ein bedeutender Verlust an Eigeuthum die
Folge sein. Die Betriebsbehörde thut
Altes, was iu ihren Kräften steht, um das
Feuer zu löschen, hat aber einen gewalti
geu Kampf vor sich. Es sind zwei bis
dreihundert Personen bei den Löscharbei
teu thälig; dieselben richten aber nur we
nig aus. Dichte Rauchwolken dringen aus
dem großen Schacht, und die Leute welche
au der Oberfläche über den Gruben woh
nen, bereiten sich zur Flucht vor. Es sin
det jedoch keine Aufregung statt, da sich die
Grubeuverwallung eines großen Ver
trauens erfreut.
Nach elf Jahren von der Gerechtig
keit ereilt.
Hie Mörder des Banguiers Mead in Waupaca
verhaftet.
Portland, Ore., 15. April.
Gestern wurden Edward Bronson und
William HouScom, der erstere in Tacoma
und der letztere in Ruby City auf die An
klage hin verhaftet, den Bauquier H. E.
Mead von Waupaca, Wise., im Jahre 1882
ermordet zu haben.
VHrocrgo, Scrrnstag» 15. April 1893.
Opfer des Orkans in Kouisiana.
Fünfzehn Todte und über vierzig
Verwundete.
Eine Zuckerplantage vollständig zerstört.
Thibideau, La., 15. April.
Gestern Nachmittag gegen ein Uhr brauste
über die Ortschaft ein Wirbelwind hinweg,
welcher die Eisenbahubrücke südlich vom
Orte schwer beschädigte. Ein Negerjunge,
Namens Carter wurde von einem vom
Sturm losgerissenen Brette getroffen und
fofort getödtct. Die Plantage des Congreß
abgeordneten Prince wurde vollständig zer
stört, und siebzehn Personen erlitten dort
schwere Verletzungen. Zwei Negcrjungen
im Alter von 4 und 14 Jahren verloren ihr
Leben, und acht von Arbeitern bewohnte
Häuser wurden in Trümmer gelegt. Das
Zuckerhaus wurde zerstört und der Schuppen
für Zuckerrohr, der größte und schönste im
Staate, fiel dem Orkane zum Opfer. Sechs
Aerzte aus der Stadt versuchen ihr Bestes,
um den Verwundeten Linderung zu ver
schaffen. Die St. Bernhard Zuckerfabrik
und das Zuckerhalls der Plantage „Island
of Cuba" erlitten beträchtlichen Schaden.
Bei dem Zusammensturz des Zuckerhauses
der letzteren Plantage soll ein Sohn von D.
Kuniee erschlagen sein. Auf Leon God
chaux's Plantage wurden zwei Personen
getödlet, und fünf verletzt. Die Kirche und
das Schulbaus in White Castle wurden um
geweht. Es befanden sich in den Gebäuden
fünfhundert Negerkinder, welche alle bis
auf fünf, welche schwere Verletzungen
davoutrugen, glücklich entkamen. So weit
bis jetzt bekannt ist, wurden in Folge des
Wirbelwindes fünfzehn Personen getödtct
und mehr als vierzig verletzt.
Lin brutaler Verbrecher
Wird wahrscheinlich dem Richter Lynch an
heimfallen.
Charle st on, S. C., 15. April.
Als sich gestern die vierzehnjährige Tochter
und der achtjährige Sohn von I. D. Bales,
einem angesehenen Farmer, welcher zwei
undeinehalbe Meile von Dcnmark in diesem
Staate wohnt, auf dem Wege zur Schule
in Denmark befanden, wurden sie von
einem jungen Mulatten angefallen, welcher
den Knaben würgte und das Mädchen zu
vergewattigcn suchte. Es hat sich sofort
eine Abtheilung Bürger auf die Verfolgung
des Verbrechers gemacht, wozu auch Blut
hunde benutzt werden sollen.
Zuin Studium der Naturgeschichte
der Seehunde
Geht der Bundesdampfer Albatroß am z.
Juni nach dem Behringsmeer ab.
Washington, 15. April.
Der Dampfer der Fischereicommission
Albatroß ist für den Sommerdienst in
Mare Island gründlich ausgebessert wor
den. Er hat einen Kessel erhalten und es
sind auch andere Verbesserungen vorgenom
men worden, so daß er sich im besseren Zu
stande befindet als zuvor. Der Albatroß
wird am 1. Juni nach dem Behringsmeer
abgehen, wo er eine genaue Durchforschung
der Seehundsinseln vornehmen wird. Der
Dampfer wird seine Forschungen auf einen
Radius von 150 Meilen von den Priblofs-
Jnseln beschränken, wo Beobachtungen des
Lebens und der Wanderung der Seehunde
augestellt werden sollen.
Das Flottendepartcment hat die Abfahrt
des Zolldampfers Ranger von San Fran
cisco nach dem BchringSmeer angeordnet.
Der Bundesdampfer Thetis ist in San
Diego angekommen.
Die Fischerei-Ausstellung.
Der Erfolg derselben anscheinend gesichert.
Washington, 15. April.
Blindes - Fischereicommissär McDonald
wird heute Abend nach Chicago abreisen,
um dort bis nach erfolgter Eröffnung der
Weltausstellung zu verbleiben. Er hat
großes Vertrauen in den glänzenden Erfolg
der FischereiauSstellung. Vor einigen
Wochen schien es, als ob ein Fehlschlag der
selben unvermeidlich sei; nichts wollte auf
dem WltausstelluugSplatze in rechten Gang
kommen. Die Schuld lag an dem Ver
treter der Fischereicommissiou, der die ihm
ertheilten Weisungen vielfach unbeachtet
ließ und nach eigenem Gutdünken schaltete
und waltete. Der Mau» erbiell vor Kurzem
den Lauspaß und nun kommt allmälig
Ordnung iu die Geschichte. Heute Abend
werde» zwei weil eie Wageuladuugeu Fische
von Richiuvud, Va., nach Chicago abgehen.
Liu ehemaliger Straßenränder ge
storde».
Oei» Tod weck! die Ei inuei mig au einen be
rühmten Eriininalfall.
New Yo> k, 15. April.
Der berüchtigte Straßen,äuber Patrick
Flyuu ist heute früb in einem billigen Lo
girhause gestorben. Flu»» balle iu Ge
i»ei»>chaft mit einem gewitzen John Peuder
au einem Winlerlage des Jahres 1876 die
Frau des reichen Bantiers De Barrtt auf
offener Straße beraubt. Peuder riß der
Dame die Diamant Ohrringe mit solcher
Gewalt aus, daß sie äußerst schmerzhaste
Verletzungen davontrug. Die beide» Spitz
buben wurden von dem jetzigen Polizeichef
ByrneS, der damals die Mercer Str. Poti
zeiablheilung befehligte, dingfest gemacht.
Flyuu wurde zu 18 Jahren und Peuder zu
20 Jahren Zuchthaus verurlheilt. Flyuu
war vor einigen Jahren feiner exemplarisch
guten Aufführung im Zuchthaus halber be
gnadigt worden. Peuder aber sitzt noch.
Lr-Generalkonsul Dudley plötzlich
gestorben.
Philadelphia, 15. April.
Thomas H. Dudley, ehemaliger General
konsul iu Adriauopel, ist heule früh auf
dtm Broad Slr. Bahnhöfe vom Schlage
gerührt worden und starb nach wenigen
Augenblicken.
Dem Wörder Bitson auf den Fersen.
Man hofft, ihn binnen Kurzem einzufangen.
lamsvillc, Wisc., 15. April.
Der Mörder Mathew Bitson, welcher
vorgestern seine Frau und Frau Arthur
Heon umbrachic, wird feinen Verfolgern
nicht mehr lange entgehen tonnen. Denn
wenn ihn Hunger und Erschöpfung nicht in
die Hände seiner Verfolger treiben, so muß
er doch dem sich immer enger um ihn schlie
ßenden Kreis der Mannschaft des Sheriffs
Bear und der Farmer, welche ihm auf den
Feasen sitzen, binnen kurzer Zeit in die
Hände fallen. Die Spur des flüchtigen
Mörders wurde bis auf zehn Meilen dics
fcit von Elkhorn in Waleworth County
verfolgt, aber dort ging dieselbe verloren.
Bitson hat schon früher in seiner europä
ischen Heimath, Böhmen, einen Mord be
gangen, weshalb er sich von dort flüchten
mußte.
Die amerikanische Regierung
weigert sich, die in dasGesandtschaftsgebäude
geflüchteten Chilenen auszuliesern.
Valparaiso, 15. Apil.
Gestern fand in der Nähe der Moneda in
Santiago eine Dynamitexplosion statt. Die
Regierung hat die Bekanntmachung der
Einzelnheiten darüber unterdrückt.
In säinmtlichen Morgenblättern hier und
in Santiago wird gesagt, daß sich die ame
rikanische Negierung weigert, die Flücht
linge, welche in der ameriknuischeuGesandt
schast Schutz suchten, auszuliesern.
Die Regierung von Argentinien hat den
Bau von zwölf Kreuzern beschlossen.
Raubmord.
Ein Fabrikbesitzer auf dem Wege zur Fabrik
ermordet und beraubt.
Little Rock, 15. April.
Am letzten Samstag morgen begab sich
F. C. Heale, der Eigenthümer einer großen
Fabrik von Faßdauben in der Nähe von
Pine Bluff, mit etwa H2OOO zur Auszah
lung seiner Arbeiter nach der Fabrik. Da
er nicht rechtzeitig nach Hause zurückkehrtc,
wurden die Familie und seine Freunde be
sorgt und stellten Nachforschungen an.
Gestern Morgen wurde die Leiche des Ver
mißten von Kugeln durchbohrt und mit ein
geschlagenem Schädel in der Nähe der
Landstraße aufgefunden; Geld wurde nicht
an der Leiche gesunden. Von dem Mörder
hat man bis jetzt noch keine Spur aufge
funden.
schauerliche Zustände in der Irren
anstalt in Independence, Ja.
Patienten scheußlich gemißhandelt und zwei
todt geprügelt.
Dubuque, Ja., 15. April.
Ein Mann, Namens Osborne, welcher
einen Conlrakt für die Anstreicherarbeiten
im Innern des Irrenhauses in Jndepen
denee, lowa, hat, befand sich gestern in
Dubuque, und machte eine grauenhafte
Schilderung von der Behandlung der un
glücklichen Insassen jener Anstalt von Sei
ten der dortigen Wärter. Osborne sagt,
daß er seit zehn Wochen mit mehreren
Arbeitern in dem Jrrenhause beschäftigt
sei, und häufig gesehen habe, wie die Irren
niedergeschlagen und mit Füßen getreten
worden seien; zuweilen wurden, wie er an
giebt, die armen Menschen auf Stühlen
festgebunden und geprügelt, bis sie bewußt
los wurden. Zwei Patienten sind nach
seiner Ansicht in Folge der scheußlichen
Mißhandlungen gestorben. Es wurde dann
ein oberflächlicher Jngucst abgehalten, wo
rauf die Leichen nach dem Armenkirchhofe
geschafft wurden. Osborne wohnt in
Chicago und scheint ein völlig glaubwür
diger Mann zu sein. Infolge dieser Ent
hüllungen wollen die Behörden demnächst
eine Untersuchung der Verwaltung jener
Anstalt vornehmen.
Will praktisch versuchen, ob das
elektrische Licht
Das Wachsthum von Bäumen und Pflanzen
so befördert, wie behauptet wird.
San Diego, Cal., 15. April.
Ralph Granger, ein reicher Grundbesitzer,!
will praktische Versuche über den Einfluß!
der Elektricitüt auf das Wachsthum voni
Orangen und Citrouen anstellcu. Er läßt
sich jetzt eine elektrische Anlage einrichten,
und will auf dem Flächenraum eines Ackers
jeden Baum mit einem Glühlicht versehen;
außerdem soll von einem Thurme aus ein
starkes elektrisches Licht den Hain beschei
nen, um endgültig zu ermitteln, ob sich die
Behauptung bewährt, daß Gemüse, Bäume
und Pflanzen unter dem fortwährenden
Einfluß eines starken Lichtes sich schneller
und besser entwickeln, als auf dem gewöhn
lichen natürlichen Wege.
Scheint ein böses Gewissen zu Huben.
Topeka, 15. April.
Der Staats-Versicheruugskommisfär W.
B. Meßride reichte heute seine Entlassung
ein. Gouverneur Lewelling nahm dieselbe
sofort an und ernannte I. H. Sünder von
Kingmau County zumVersicherungs-Com
»tissär. Derselbe wird aber sein Amt erst
am 1. Mai autreten. Meßride war be
kanntlich von den Populisten des groben
Amtsmissbrauches beschuldigt, nach einer
angeblich resultatlosen Untersuchung aber
von Gouverneur Lewelling von allen An
schuldigungen freigesprochen worden. Sein
plötzlicher Rücktritt kommt daher sehr über
raschend.
Angekommene Dumpfer.
N c w York, 15. April.
Der Dampfer New York ist von South
ampton und der Dampfer „Augusta
Victoria von Hamburg hier angetommen.
London, 15. April.
Dampfer „La Normandie" von New York
nach Havre bestimmt, heute früh um 1 Uhr
20 Minuten beim Lizzard.
New ,Y ork, 15. April.
von Kopenhagen.
Schreckliche jMairiefeuer in Kansas.
Ganze Lounties durch dieselben verwüstet.
T o p e k a, Kas., 15. April.
Es kommen noch fortwährend Berichte
über verheerende Prairiescuer im westlichen
Theile des Staates, und wenn nicht bald
ein tüchtiges Negenwetler cintritt, wird die
ganze Gegend in eilte trostlose Wüste ver
wandelt sein. Das schlimmste Feuer fand
am Donnerstag in Hodgeman Eountp statt;
die ganze südliche Hälfte des County's
wurde verheert; Häuser und Scheunen
brannten nieder, und eine Menge Vieh und
Pferde ging den Farmern verloren. Es ist
unmöglich, den Betrag des Verlustes anzu
geben. Auch Logan Eountp hat während
dieser Woche stark durch die Verheerungen
der Präriefeucr leiden müssen.
Ackerbaunnnister Ncorton
Widerlegt eine Behauptung der republikani
schen Presse.
Washington, 15. April.
Seit dem Beginne der Eleveland'schen
Administration sind im Ackerbau-Departe
ment 133 Entlassungen und nur 63 Er
nennungen erfolgt. Unter den Entlassun
gen befinden sich sehr viele, die aus dem
freien Willen der betreffenden Beamten hcr
vorgegaugen sind. Durch diesen amtlichen
Ausweis wird die Behauptung einiger repu
blikanischer Blätter, daß Ackerbauminister
Morton erheblich mehr Ernennungen als
Vakanzen vorhanden gewesen, gemacht hätte,
glänzend widerlegt.
Deutsche Kriegsschiffe
Auf dem Wege zur Flottenrevue in New Port.
Halifax, N. S., 15. April.
Die deutschen Kriegsschiffe, welche an der
großen Floltenrevue in New York theil
nehmen werden, der „Seeadler" und die
„Kaiserin Augusta", sind gestern hier an
gekommen. Die Schiffe werden hier Kohlen
einnehmen und dann nach Hampton RoadS
Weiler dampfen.
Die britischen Kriegsschiffe „Blake",
„Tartar", „Majeeiennc", „Partridge" und
„Australia" sind vorgestern von Bermuda
nach Hampton Roads abgegangen.
Streikgerüchte von Homestead.
Die dortigen Arbeiter sollen für die Union
zurückgewonnen werden.
P ittsb urg , Pa., 15. April.
Es'liegen ziemlich triftige Gründe zu der
Annahme vor, daß sich trotz aller Gerüchte
dagegen, die Arbeiter in den Homesteader
Stahlwerken für den ersten Juli wieder auf
einen Streik vorbereiten. Die Leute haben
sich im Geheimen organisirt, und sind jetzt,
wie es heißt, so gut vorbereitet, daß sie
Wohl im Stande sind, den Kampf von
Neuem aufzunehmen. Homestead ist die
größte Fabrikanlage im Lande, und die
Unionleute streben mit aller Macht dahin,
daß die dort beschäftigten Arbeiter wieder
in die Union eintreten. Der Betriebs
direktor Frick wird am 1. Mai von Europa
zurückgekehrt fein; die Earnegie'scheu Be
amten sind von den Vorgängen in der Fa
brik genau unterrichtet.
Feuerschaden.
Raleigh, N. E., 15. April.
Das Städtchen Williamson in Nord Ca
rolina ist gestern Früh von einer Feuer
brunst heimgesucht worden, die in dem Ge
bäude, in welchen: sich die Handlung des
Kaufmannes G. Goddard befand entstand
und sich dem Nachbarladen des Kaufman
nes B. B. Watks mittheille. Eigenthum
im Werthe von H 12.000 wurde vernichtet.
Zwei Zoll Schnee.
C o l u m b u s, 0., 15. April.
Heute früh war der Erdboden mit einer
2 Zoll dicken Schneeschicht bedeckt, der die
hinter Wolken versteckte Sonne im Laufe
des Vormittags nicht viel anzuhaben ver
mochte.
Städtisches.
Kleine Bachrichten.
Hilfs-Goroner O'Bricn begab sich
heute Morgen nach Rogers Park, um über
die Leiche eines unbekannten Mannes, die
man aus dem See gefischt hatte, einen Jn
quest abzuhalten.
M. H. Gibson, Hilfs-Straßensuper
intendeut, reichte heute seine Resignation
ein. Er hat eine Anstellung in der Office
des Süd-Town-Collektors Best bekommen.
Auch Buchhalter Hamilton in der Office
des Baueommifsärs hat sich bereits eine an
dere Stelle verschafft, und zwar in der
Bankers L Merchants Lise Association.
Joseph Bird wurde heute Morgen
aus der Woodlawn-Station entlassen. Vor
seiner Freilassung wurde er von den anwe
senden Polizisten in Augenschein genom
men. In der Annahme, daß er ein Bauern
fänger sei, war er gestern in Hast genom
men worden, da man aber keine Beweise
gegen ihn hatte, mußte man ihn laufen
lassen.
Der Prozeß gegen James und Marv
Fitzgerald, welche unter der Anklage der
grausamen Behandlung von Kindern stan
den, verlief resultatlos vor illichter Adams.
Die Jury berichtete heute Morgen, daß sie
sich auf keinenUrthcilsspruch einigen könnte.
Dies war der zweite Prozeß. In
dem ersten Prozeß wurde das Paar aus
rein technischen Gründen freigcsprochen.
H. Sling, GeschäflSführe der „Wab
Mee Chinese Exposition Compann", befin
det sich im Palmer House. „Der chinesische
Theegarten nebst Theater am MidwayPlai
sanee wird in zwei Wochen fertig sein,"
sagte er. „Etwa 600 Chinesen werden hier
ankommeu, um die Gäste zu bedienen und
im Theater mitzuwirken. Unter den Letz
teren befinden sich die besten chinesischen
Künstler, welche unter Anderem Taschen
spiclereieu verrichten, die hier völlig unbe
kannt sind. Das Theater selbst faßt 1000,
der Theegarten 2000 Gäste."
Uvers 1 Cent.
Das Wetter.
Die Temperatur ist in den Allcgheny-
Staaten um 10 bis 20 Grad gefallen. In
Tennessee, im nördlichen Alabama, im süd
lichen Illinois, in Missouri, Arkansas und
im Indianer-Territorium herrschte vergan
gene Nacht scharfer Frost.
Während des gestrigen Tages und der
vergangenen Woche hat in der Allegbeney-
Gcgeud starker Ncgen startgesunden, in der
unteren Scegegend siel Schnee.
Das Unwetter wird sich heute langsam
in nordwestlicher Richtung verziehen, mit
darauffolgendem klarem Wetter am Sonn
tag in New-England und den Minelsiaaten,
und klarem, aber kaltem Wetter in den nord
östlichen und nördlichen Staaten, sowie in
den mittleren und südlichen atlantischen
Staaten.
Muthmaßliche Witterung in Illinois:
Fast durchweg klarer Himmel; Südostwind;
erheblich wärmer.
Von der Börse.
Auf der Getreidebörse ging Weizen im
Maitermin auf 78Z und im Julitermin
aus 75Z herunter.
Die Cornpreise waren fest; Mai 40t(«>
41, Juli 42j<K42ß.
Port wich von 17.15 auf 16.95 per Mai
und von 17.30 aus 17.20 per Juli; Schmalz
im Seplembertcrmin 10.271(«)10.372;
Nippen per Mai 9.60(^9.671.
schwerer Unfall.
John Newhouse, No. 607 17. Straße,
machte heute Morgen den Versuch, aus einen
Kabclbahnwagen der Stale Straßen-Linie
zu springen. Gr stürzte, und der Kabel
bahnwagen schleppte ihn eine Strecke fort,
während er aus dem Gesicht lag. Als man
ihn aushob, glaubte man zuerst, daß er todl
sei. Er erholte sich jedoch thcilweise und
wurde nach seiner Mahnung befördert.
Sein Kopf war schrecklich zugerichtet.
Bedeutender Bankerott.
Die Möbelhändler Titcomb und Pratt,
383 W. Madisonstr., machten heute Vor
mittag eine freiwillige Vermögensüber
tragung an Robert G. Walker. Die Aktiva
wurden auf tz50,000 angegeben und die
Passiva erreichen dieselbe Höhe. Die Firma
war seit einer langen Reihe von Jahren im
Geschäft und befaßte sich hauptsächlich mit
Verkäufen auf Abzahlungen.
—ln Richter Blume's Amtszimmer
hatte sich heute Morgen eine große Zu
schauermenge eingcsundcn, um den Ver
handlungen beizuwohnen, welche sich aus
den Angriff von Robert Forsylh, Daniel
Forsyth und Alvin Davis aus Lidncy
Goodman, einen Elcrk in der Office des
Ex-Staatsanwalts Mills bezogen. Die
Betheiligten sind lauter junge, kaum den
Kinderschuhen entwachsenen Männer. Es
handelte sich um eine. Liebesangelegcnbci,
die mit einer Prügelei endete. Die Ver
handlungen zogen sich bis zum späten Nach
mittag hin.
Mittel gegen Warzen. Die „Pbarm.
Ztg." giebt zur Vertreibung von Warzen
folgende Vorschrift, die sich von anderen
durch die absolute Unschädlichkeit auszeich
net: Saliculsänrc 1,0, Kollodium 8,0,
Milchsäure 8,0. Die Flüssigkeit muß min
destens täglich zweimal aufgepinselt werden.
Nach einiger Zeit werden die Warzen spröde
und können mit Leichtigkeit wcggcschabl
werden.
Welches Unheil das Lesen von Räu
bergeschichten in jugendlichen Köpfen an
richten kann, zeigt wiederum ein Vorfall,
der in der Stadt Rössel in Ostpreußen
vorgekommen ist. Dort hatte sich nämlich
eine aus sechs Köpfen bestehende „Räuber
bande" zusammengethan; nachdem ihre
Mitglieder sämmtlich schulpflichtige
Burschen den „Eid" geleistet, gingen sie
am Sonnabend früh allen Ernstes daran,
die Stadt Rössel an vier stellen in Brand
zu stecken. Ein von ihnen angezündeter
Stall aus dem dortigen Anger brannte
vollständig ab; die in den Hintergebäuden
der Apotheke und eines Kaufmannes ange
legten Feuer wurden aber rechtzeitig ent
deckt und gelöscht. Auch in ein von der
„Räuberbande" in der Mühlcnstraße in
Brand gesetztes Haus wurde gerettet. Wie
sich später herausftelltc, hatten sich die Bu
ben „verschworen", die ganze Stadt abzu
brennen. Dem schwörenden wurde vom
„Hauptmann" ein Revolver aus die Brust
gesetzt und im Falle des Eidbruchs,» das
heißt wenn einer das Vorhaben verrathen
würde, der Tod angedroht. Zwei der
Jungen sind schon zur Haft gebracht. Sie
waren in den letzten vierzehn Tagen nicht
mehr zu Hause gewesen, hatten schon früher
in Korschen einen Fleischer bestohlen und
den Raub unter sich getheill.
Ein rafsinirter „Sonntagsnachmit
tagsdicb", der mittelst „gefälschter brieflicher
Einladungen" ein vorzügliches Geschäft ge
macht hat und dem eine Reihe von Einbrü
chen zur Last gelegt wird, ist in der Person
eines angeblichen Schlosserlehrlings, des
18jährigen Sch. in Köpenick, dingfest ge
macht worden. Der Bursche besitzt außer
seiner Geschicklichkeit im Einbrechen auch
ein Talent zum Verfasser eines „Briefstel
lers", denn mit letzterer Kunst ist cs ihm
gelungen, die Einbrüche auszusübrcn.
Junggesellen, unvcrheirathete Damen und
Witlwen in Köpenick erbiclten in den letzten
Wochen Briefe aus Berlin, in denen die
Empfängerinnen von einem „Ehrenmanne",
die Empfänger von einer jungen Willwe
gebeten wurden, stets am darauffolgenden
Sonnrag nach Berlin zu kommen, wo sie
im Eafö Bauer erwartet würden: als Er
kennungszeichen diente eine rolhe und gelbe
Rose im Knopfloch! Nach der Anzabl der
von Sch. verübten Einbrüche zu schließen,
müssen verschiedene Bewohner .Köpenicks aus
den „Ehrenmann" und die junge Willwe im
Easö Bauer hineingefallen fein, denn wäb
rcnd dieselben vergeblich im Eafö auf die
Briesschreiber und Briefschreibcrinnen war
teten und schließlich wüthend über die Fop
Perei nach Köpenick zurücksuhren, wartete
der Geprellten im eigenen Heim ein neues
Aergerniß; der Fabrikant der Rcndevous
briefe war inzwischen in die Wohnung der
alleinstehenden Verreisten eingebrochcn und
hatte mst sich genommen, was er irgend vor
fand. Schließlich wurde der Bursche gefaßt
und außer einem Posten bereits geschriebe
ner Rendezvousbriefe an 500 Mark gestob
lenes Geld vorgefunden, das aus obigen
Einbrüchen herrührte.

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