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Abendblatt der Illinois Staats-zeitung. [volume] (Chicago, Ill.) 1891-1894, April 18, 1893, Image 1

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46. lahvgcrng.—2o.
Tekegrapknscüe Depescken.
UevervNck.
Eine telegraphische Eorrespondenz ge
währt einen interessanten Ueberblick über die
Lage in Belgien. Der Ausbruch eurer offenen
Revolution scheint unvermeidlich.
ln Italien herrscht furchtbare Dürre.
Der Papst hat Bittgebete in den dortigen
Kirchen augeordnet.
Das Unterhaus des preußischen Land
tages stimmt Miquel's Vorschlägen zur Ab
änderung des Gruudstenergesetzes zu.
Die verwittwete Herzogin von Suther
land wegen Mißachtung des Gerichtes zu
sechsmouatlicher Gesängnißstrafe verurtheilt.
Verschwörung gegen das Leben des ehe
maligen Präsidenten von Peru, Pierola.
Die europäischen Regierungen lassen sich
in erfreulicher Weise die Unterstützung der Be
wohner der Insel Zante angelegen sein.
Nacht-Telegranrrne.
ln Rom ist eine achttägige Feier der
silbernen Hochzeit des Königs Humbert und
der Königin Margaretha im Gange.
Dem in unserem gestrigen „Abend
blatt" gemeldeten Erdbeben auf der joni
schen Insel Zante sind im Laufe des Tages
noch zwei weitere Erdstöße gefolgt. Alles
flieht so wird aus Athen berichtet aus
den Ortschaften auf die Anhöhen und Fel
der. Die Leute sind starr vor Schre
cken. Tausende haben kein Obdach und
die meisten nicht satt zu essen. Der
britische Ministerresidcnt hat an das bri
tische auswärtige Amt telegraphirt und
gebeten, sofort Kriegsschiffe mit Leuten und
Baumaterial nach Zante zu schicken, um für
die Obdachlosen Nothbauten aufzurich
ten. Die Bewohner der Insel, besonders in
den größeren Ortschaften, sind so in
Schrecken gejagt, daß sie auch die Häuser,
die unbeschädigt sind, nicht zu betreten
wagen, aus Furcht vor neuen Erdstößen.
Bei der Ausdehnung der Verwüstung hat
man allen Grund zu der Befürchtung, daß
Krankheit und Seuchen folgen mögen, wie
es im Jahre 1881 in Chios der Fall wer.
Es geschieht zwar alles Mögliche für die
Bedrängten, allein aller Noth zu steuern,
dürfte kaum möglich sein. Die griechische
Regierung hat sofort beschlossen, den be
drängten Bewohnern Zante's beizusprin
gen. Die zwei griechischen Panzerschiffe
„Hydra" und „Spezzia" sind bereits nach
Zante abgegangcn. L>ie haben eine Abthei
lung Ingenieure sowie Lebensmittel und
Arzneien für die Nothleidenden an Bord.
ln Wien geht das Gerücht, daß Fürst
Ferdinand von Bulgarien einen ähnlichen
Staatsstreich wie der König von Serbien vor
hat, indem er sich zum König von Bulgarien
ausrufen lassen will, wenn die National
versammlung (Sobranje) in Tirnowa zu
sanrmentritt. Depeschen aus St. Peters
burg sagen, die dortigen Beamten seien da
von überzeugt, daß der Zweck von Stam
bulow's Besuch in Wien der war, die Di
plomaten zu sondiren, um zu erfahren, was
der Dreibund thun würde, wenn Bulgarien
sich für unabhängig erklären und ein Kö
nigreich werden würde.
Ein alle angesehenen Juden in Bul
garien vertretender Ausschuß hat in Buda-
Pesth ein mit Diamanten, Rubinen und
Smaragden besetztes Album bestellt, welches
dem Fürsten Ferdinand an seinem Hoch
zeitstage als Geschenk überreicht werden
soll. Das Album tostet 250,000 Francs.
Der Papst hat der Braut deS Fürsten,
Prinzessin Marie Louise von Parma, einen
Diamant-Ring geschenkt.
Auch in St. Louis ist der „Bierkrieg"
jetzt zu Ende. Im Laufe der vorigen Woche
kündigte Adolph Busch, der Präsident der
Anheuser-Busch Brewing Associationseinen
Abnehmern an, daß er vom 1. Mai an den
Preis für Bier von §4.00 auf §B.OO das
Faß erhöhen würde. Die Syndikat-Mit
glieder wurden gleichfalls von dieser Maß
regel in Kenntniß gesetzt und eine Zusam
menkunft wurde in Folge dessen vereinbart,
die mit dem Preisaufschlage endigte. Man
schätzt den Gesammtverlust der hiesigen
Brauereien durch den Bierkrieg auf monat
lich §500,000.
ln Wien haben die Judenhetzer bei
den gestern dort stattgehabten Gemeinde
wahlen einen Triumph zu verzeichnen ge
habt, indem sie von den 138 Sladträthen
40 erwählten.
ln Belgien geht's mit jedem Tage
schlimmer zu. In MonS kam es zwischen
der Bürgerwehr und einem Volkshaufen zu
einem heftigen Handgemenge, aus dem die
Bürgerwehr erst nach verzweifelter Gegen
wehr der Streiker als Sieger hervorging.
Vier Streiker blieben todt und viele wurden
verwundet und in das Spital geschafft. Aus
Seiten der Bürgerwehr gab es vierzehn Ver
wundete, von denen drei ihren Verletzungen
erliegen werden. In Antwerpen hatten
sich gestern Nachmittag die Streiker in
großen Hausen zusammengeschaart und
als um 3 Uhr eine Schwadron beritte
ner Polizei mit blankem Säbel gegen
sie vorrückle, wurde sie mit einem Ha
gel von Steinen und Knüppeln begrüßt.
Während sich die Polizei zurückzog, um
Verstärkung zu holen, warfen die Streiker
in den Seitenstraßen Barrikaden auf, und
Frauen und Kinder schleppten aus den Hä
usern Schußwaffen herbei. Als nach Ver
lauf einer halben Stunde die Polizei im
Bunde mit der Bürgcrwehr die Ausrührer
zurücktreiben wollte, schossen die Streiker
mit Revolvern und Gewehren von den
Barrikaden herunter. Viele Soldaten wur
den verwundet und in'S Hospital geschasst.
Erst nachdem noch mehr Militär herbei
geholt und zwei Angriffe gemacht worden
waren, wurden die Barrikaden genommen.
Die Streiker zogen sich feuernd zurück.
Die Conccrthallen stehen leer, die Theater
sind geschlossen und die Petroleum-Behälter
Werden von der Miliz bewacht.
plötzlicher Tod
Des Redakteurs des „LlevelandplainDealer".
C l e v e l a n d, 0., 18. April.
Charles B. Williams, der Redakteur des
„Cleveland Plain Dealer", wurde heute
Morgen zu früher Stunde todt in einem
„Waler Closet" des Gebäudes aufgefundcn.
Die genaue Ursache seines Todes ist noch
nicht festgestellt worden.
Die Lage in Belgien.
Das Ministerium und die Repräsentan
tenkammer zu keinerlei Zugeständ
nissen zu bewegen.
Der Ausbruch einer offenen Revo
lution fast unvermeidlich.
Die Abhaltung von Massenversammlungen
verboten.
Brüssel, 18. April.
Die Nacht ist weit ruhiger verlaufen, als
die Behörden erwartet hatten, nichtsdesto
weniger nimmt der Ernst der Lage von
Stunde zu Stunde zu. Aus den Arbeiter-
Districten laufen sehr beunruhigende Mel
dungen ein. An verschiedenen Plätzen
haben in der vergangenen Nacht Unruhen
stattgefunden, doch handelte es sich dabei
nicht um ein planmäßiges Vorgehen zum
Sturze der Monarchie, sondern die ganze
Wuth der Arbeiterbevölkerung richtet sich
gegen die Repräsentanlenkammer und das
Ministerium, welche beharrlich die Einfüh
rung des allgemeinen Stimmrechtes ver
weigern. Es ist allgemein bekannt, daß
der liberal gesinnte König dieser von den
Massen geforderten Neuerung durchaus
nicht abgeneigt ist, doch sind ihm, als con
stitutioncller Monarch, die Hände gebunden.
Unparteiische Beobachter der Situation
können der mächtigen Volksbewegung ihre
Sympathie nicht versagen, und ebensowenig
den strikenden Arbeitern. Belgien ist mit
Ausnahme von Rußland das einzige Land,
welches keine Gesetze zum Schutze der Ar
beiter besitzt; dieselben sind der Willkür
und Ausbeutung seitens ihrer Brotherrn
hilflos auSgesetzt. Die Bourgeosie, welche
dieses Land regiert, ist augenscheinlich auch
entschlossen, die Arbeiterbevölkerung „unter
dem Daumen" zu halten. Wären die Ar
beiter besser organisirt und bewaffnet, dann
würde sich die Arbeiterbewegung, welche
jetzt das Land von einem Ende bis zum an
dern erschüttert, unzweifelhaft rasch in eine
blutige Revolution verwandeln. Wie es
ist, haben die Streiker an verschiedenen
Plätzen bereits wiederholt die Polizei und
das Militär angegriffen, wobei sie freilich
gewöhnlich rasch vor dem aus sie nieder
prasselnden Kugelregen die Flucht ergriffen.
Die Gesammt-FriedenSstürke der bel
gischen regulären Armee beträgt 41,841
Mann, die der Bürgergarde 43,047. Es
liegt auf der Hand, daß gegen diese ansehn
liche Streitmacht die schlecht bewaffneten
Arbeiterschaaren wenig würden ausrichten
können. Daß die Truppen mit den Revo
lutionären gemeinsame Sache machen
könnten, ist bei dem schroffen Gegensatz,
der zwischen der Bürgerschaft und der Land
bevölkerung aus welchen sich die Bürger
garde und das reguläre Militär hauptsäch
lich rekrutiren einerseits, und der Ar
beiterbevölkerung andererseits, völlig aus
geschlossen. In diesem Gefühl der verhält
nißmäßigcn Sicherheit verweigern eben
auch die Repräsentantenkammer und das
Ministerium halsstarrisch jedes Zugeständ
niß an die Arbeiter, und dieselben werden
sich schließlich, wenn auch zähneknirschend,
in das Unvermeidliche fügen müssen.
In Antwerpen ist die Lage heute bei
weitem bedrohlicher als gestern, trotz der
von Polizei und Militär getroffenen um
fassenden Vorkehrungsmaßregeln zur
raschen Unterdrückung einer offenen Rebel
lion. Die Polizei verhaftete gestern Abend
die beiden Anarchistenführer Fabry und
Welters. Die streikenden Hafenarbeiter
griffen heute einen Schiffskapckün thätlich
an, und konnten von der Polizei erst nach
einer gewaltigen Prügelei, wobei es viele
Verletzungen absetzte, zerstreut werden.
In Brüssel ist die Gührung unter den
Arbeitermassen entschieden in der Zunahme
begriffen. Die Straßen sind mit lärmen
den Arbeiterhausen ungefüllt, und die Be
sorgniß der Bürgerschaft ist auf's Höchste
gestiegen. Da die Abhaltung von Massen
versammlungen in der Stadt schon vor
einiger Zeit verboten worden war, hatten
die Streiker Vorbereitungen für eine groß
artige Demonstration in dem außerhalb deS
Stadtgebietes belcgenen Park von St.
Gilles getroffen. Gestern Abend aber ließ
der Gouverneur der Provinz von Brabant
durch Maueranschlag das Verbot der Ab
haltung der Massenversammlung verkündi
gen, und der Park ist durch eine starke Ab
theilung Militär besetzt. Dieser neue Ge
waltstreich der Regierung hat die Erbitte
rung der Arbeilerbevölkerung auf das
Höchste gesteigert, und es ist nicht unwahr
scheinlich, daß cs im Laufe deS heutigen
Tages oder der kommenden Nacht zu bluti
gen Zusammenstößen zwischen den Trup
pen und den Ausrührern kommen wird.
Wie nachträglich bekannt wird, hat der
Bürgermeister Koekelberg von St. Gilles
sich standhaft geweigert, der Aufforde
rung der Regierung, die Abhaltung der
Massenversammlung im Park von St.
Gilles zu untersagen, Folge zu leisten, und
erst daraufhin nahm der Gouverneur von
Brabant die Sache in die eigene Hand.
Die preußische Steuerreform.
Finanzminister Miguel erzielt im Landtag
einen bedeutenden Erfolg.
' I
Berlin, 18. April.
Das Unterhaus des preußischen Land
tages hat die Vorschläge des Finanznnni
sters Miquel zur Abänderung des Grund
steuergesctzes, welche den wesentlichsten Theil
seines Finanzreform-ProgrammeS bildet,
trotz der vereinten heftigen Opposition der
Liberalen und Radikalen angenommen.
Des Mordes beschuldigt.
Weil er seine Schwester vor dem Ueberfalle
eines Negers rettete.
Fort Wahne, Jnd., 18. April.
Gestern Morgen begann der Prozeß gegen
John Phillips wegen der Ermordung des
Negers Arthur Green, welche im letzten
November stattfand. Green stand mit der
Schwester von Philipps auf vertraniem
Fuße, und wurde erschossen, als er ver
suchte, durch ein Fenster in deren Schlaf
zimmer zu klettern. Es gelang erst spät
am Nachmittag, die Geschworenen zusam
menznbringen.
Straßenunruhen in Bucharest.
Der Minister der öffentl. Arbeiten
auf der Straße angefallen.
Mehrere Polizisten und Soldaten verwundet.
Bucharest, 18. April.
Hunderte von Arbeitern fanden sich gestern
mit ihren Frauen vor dem Parlamentsge
bäude ein, um ihren Unwillen gegen die
Erhöhung der städtischen Steuern kundzu
geben. Der Minister der öffentlichen Ar
beiten wurde auf dem Wege von seinem
Bureau angegriffen; der Wagen wurde mit
Steinen beworfen, und drei Personen: ver
suchten, den Minister aus dem Wagen
zu reißen. Mehrere Polizisten, welche
xum Schutz des Ministers herbeigeeilt wa
ren, wurden durch Stcinwürse verletzt.
Endlich erschien eine Abtheilung Reiterei
zur Rettung desselben, und zerstreute die
Aufrührer. Zwei Reiter stürzten in Folge
von Steinwürfen von ihren Pferden;
schließlich wurden mehrere Aufwiegler in
Haft genommen.
Frau Maybrick macht einen Selbst
mordversuch,
Und bringt sich mit einem Trschmesser schwere
Wunden bei.
London, 18. April.
Gestern verbreitere sich hier das Gerücht,
welches auch in Woking allgemeinen Glau
ben fand, daß die Frau Florence Maybrick
am Samstag un Gefängniß zu Woking
einen Selbstmordversuch gemacht habe. Es
heißt, daß sie sich mit einem Tischmesser am
Halse und in der Brust Wunden beigebracht
habe, und nur durch zeitiges Herbeikommen
von Beamten verhindert wurde, sich tödt
lich zu verletzen.
Hoffnungsvolle Burschen.
Söhne achtbarer Bürger als Einbrecher.
Marsh al lt ow n, Ja., 18. April.
Seit mehreren Monaten wurden hier
eine Menge von kleinen Diebstählen verübt,
ohne daß es der Polizei gelingen wollte,
die Thäter abzufassen. Gestern endlich
nahm der Marschall Waters den Sohn des
hiesigen Congregationalisten-Pfarrers Hen
derson und den Sohn eines angesehenen
P hotographen in Hast. Beide hoffnungs
volle Burschen sind ungefähr 10 Jahre all.
Man fand eine ganze Auswahl von
Schlüsseln bei ihnen, und die jungen Tauge
nichtse gestanden endlich ein, daß dieselben
zu verschiedenen Geschäften paßten, aus
denen sie während des letzten Jahres häufig
Maaren und Geld gestohlen hätten. Die
angehenden Zuchthäusler wurden einge
sperrt und werden heute verhört werden.
John Mackey, der angeschossene
Millionär,
Vollständig außer Gefahr.
San Francisco, 18. April.
John W. Mackey, welcher bekanntlich
vor längerer Zeit von einem „Crank"
durch einen Schliß schwer verwundet wurde,
ist so weit wieder hergestellt, daß er auf
eine kurze Zeit sein Geschästslokal besuchen
konnte. In den nächsten Tagen wird er
eine Reise nach dem südlichen Theil des
Staates machen, um dort vollständig zu
gesunden.
Peruaner reisen nach Manama,
Um den dort weilenden Lx-Präsidenten
pierola zu ermorden.
Panma, 18. April.
Seit einigen Wochen hat sich hier der
General Varea, ein bekannter Peruaner,
aufgehalten, und zwar wie es heißt mit der
Absicht, Pierola, den früheren Präsidenten
von Peru, zu ermorden, der sich in Pa
nama befindet, um von hier aus die Bewe
gungen der Revolutionäre zu leiten, mit
deren Hülse er wieder zur Präsidentschaft
zu gelangen hofft. Als Bettler verkleidet,
schlich er sich bei Pierola ein, aber dieser
ließ sich durch die Verkleidung nicht täu
schen. Außerdem befinden sich noch zwei
ebenso berüchtigte Personen von Peru hier,
welche denselben Zweck im Auge haben.
Bierstöpsel und -Flaschen.
Line Entscheidung des Schatzamtes.
Washington, 18. April.
Staniol-Slöpsel oder -Flaschen sind,
laut Entscheidung des Unter-Finanzmini
sters Hamlin vom Schatzamte, nicht als
Zuthaten zur Bierbereitung zu betrachten,
und ist deshalb Zollvergütung nicht zuläs
sig. Indem der Unterstaatssekretär dre
Joseph Schlitz'sche Braugesellschaft hiervon
in Kennlniß setzte, sagte derselbe folgendes:
Es füllt diesem Departement nicht ein, die
bezüglich Ihres Mitbewerbs mit den
deutschen Brauern angeführten Thatsachen
bestreiten zu wollen. Derartige Erwägun
gen dürfen aber, so sehr dieselben auch Ihr
Geschäft berühren mögen, die amtliche Aus
legung des Gesetzes nicht beeinflussen.
Kampf mit mexikanischen Banditen.
Auf beiden Seiten Todte und verwundete.
Oaxaca, Mexiko, 18. April.
Am letzten Samstag griff eine Räuber
bande die im Bezirk von Tlaxico gelegene
Hazienda von Sixto Flores an, um dieselbe
auSzuranben. Francisco Morales versuchte
den Räubern Widerstand zu leisten, verlor
aber dabei sein Leben. Nachdem die Räu
ber die Gebäude ausgeraubt halten, flohen
sie in die Berge. Bald darauf jedoch traf
eine Truppcnabtheilung ein, welche sie ver
folgte und ein Holle. Bei dem dabei statt
sundenen Kampfe verloren vier Banditen
und ein Soldat das Leben. Drei von der
Bande wurden gefangen genommen, wäh
rend es den übrigen gelang, zu entkommen.
Ghrecrgcr» Dienstag, 18. Apvii 1893.
AntMleude Dürre
Richtet in südeuropäischen Ländern
an den Saaten großen
Schaden an.
Bittgebete angeordnet.
Rom, 18. April.
In ganz Italien herrscht seit zwei Mo
naten ungeheuere Dürre. Dfr Papst hat
sich daher veranlaßt gesehen, anzuordnen,
daß in allen Kirchen des Landes um Regen
gebetet werden soll. Auch in anderen süd
europäischen Ländern herrscht großeTrocken
hcit. In Süd-Rußland haben die Saaten
stark darunter gelitten.
Die verwittwete Herzogin von Su
therland
wegen Mißachtung des Gerichtes zu sechs
monatlicher Gefängnißhaft verurtheilt.
London, 18. April.
Die verwittwete Herzogin von Suther
land ist in Folge des Urtheiles von Sir
Francis Jeune, dem'Präsidenten des Nach
lasscnschaftsgerichtes zur Verbüßung einer
sechsmonatlichen Gesängnißstrafe nach dem
Gefängniß in Holloway abgeführt worden.
Das Vergehen bestand in der Mißachtung
des Gerichtshofes. Trotz des Umstandes,
daß die Einsperrung einer britischen Her
zogin in einem gewöhnlichen Gefängnisse
wahrscheinlich kaum jemals in England
stattgefunden hat, hat die Sache doch unter
dem Publikum kein großes Aufsehen erregt,
und es wurde von vornherein angenommen,
daß der Gerichtshof angesichts der Miß
achtung, deren sich die Herzogin schuldig ge
macht hatte, eine schwere Strafe verhängen
würde. Der Name der vermittweten Her
zogin ist Mary Caroline und sie war, als
sie sich mit dem verstorbenen Herzog von
Sutherland verheirathete, die Wittwe von
Arthur Kindersley Blair. Sie war eine
jüngere Tochter des verstorbenen Pfarrers
Richard Mitchell, des Vorstehers des Hart
ford College, Oxford. Der verstorbene
Herzog war zur Zeit seiner Verheirathung
mit ihr selbst ein Wittwcr, hatte Kinder
und Enkel, und das älteste überlebende
Kind ist der jetzige Herzog von Sutherland.
Die erste Frau des verstorbenen Herzogs
starb am 25. November 1888. Der Herzog
war damals milder Frau Blair, der jetzigen
verwitlwcten Herzogin bekannt, und diese
Bekanntschaft wurde, nachdem der Herzog
Wittwer geworden war, noch intimer. Die
Hochzeit des verstorbenen Herzogs mit der
Frau Blair fand während eines Besuches
in Amerika am 4. März 1889 in Florida
statt. Die Nachricht davon erfüllte den
jetzigen Herzog und die anderen überleben
den Kinder des verstorbenen Herzogs mit
Verdruß und Merger, da bei einem der
selben. Namens Alexandra, die Prinzessin
von Wales selbst Gevatter gestanden hatte.
Alexandra ist seitdem gestorben. Augen
scheinlich wurde die zweite Heirath vom
Hofe nicht günstig angesehen. Bald nachher
entstanden Streitigkeiten zwischen dem alten
Herzog und seinem Sohne, dem Marquis
von Stassord, dem jetzigen Herzoge über
die Verwaltung der Liegenschaften. Am
22. September letzten Jahres starb der
Herzog mit Hinterlassung eines zu Gunsten
seiner Frau abgefaßtcn Testamentes in
seinem 03. Jahre. Die Gültigkeit des Te
stamentes wurde vom jetzigen Herzoge be
stritten.
Am letzten Samstag verlangte der An
walt des jetzigen Herzogs einen Haftbefehl
gegen die verwittwete Herzogin, weil sie
gewisse ihr zur Durchsicht anvertraute wich
tige Dokumente verbrannt hatte. Sie be
hauptete freilich, daß es nur ein von ihr an
ihren verstorbenen Garten gerichteter Brief
gewesen sei, den zu zerstören sie ein Recht
zu haben geglaubt habe und entschuldigte
sich schließlich bei dem Richter. Sir Fran
cis Jeune, der Präsident des Gerichtshofes,
faßte die Sache jedoch von einer anderen
Seite auf, und beschuldigte die Herzogin
der wohlüberlegten Vernichtung eines wich
tigen Dokumentes, worauf er dieselbe zu
einer sechsmonatlichen Gesängnißstrafe und
zur Zahlung einer Geldstrafe von 250
Pfund Sterling verurtheilte. Nach Em
pfang des Urtheils begab sich die Herzogin
sofort in Begleitung ihrer Anwälte nach
dem Halloway Gefängniß. Als dem
jetzigen Herzog das Urtheil des Gerichtes
mitgetbeilt wurde, sagte er nur: „Very
well", und sandte sofort einen Boten zu
seinem Anwalt ab, um demselben davon
Mittheilung zu machen.
Der Mörder Frank Almy gesteht
seinem Advokaten,
Daß er der berüchtigte Verbrecher George H.
Abbott sei.
New York, 18. April.
Von Rutland, Vermont, wird berichtet,
daß Frank C. Almy, der Mörder der
Chrlstie Warden, seinem Advokaten das
Geständniß gemacht hat, daß er George H.
Abbott, der berüchtigte Verbrecher sei.
Das Erdbeben auf Zante.
Das Unterstützungswerk nimmt erfreulichen
Fortgang.
Malta. 18. April.
Das französische Kriegsschiff „Ophigne"
und zwei griechische Panzerschiffe sind heute
Vormittag mit einer großen Menge von
Lebensmitteln und sonstigen Liebesgaben
für die unglücklichen Bewohner der Insel
Zante von hier aus dorthin abgesegelt.
Weitere Sendungen werden folgen.
Ein alter Zllinoiser Bürger
An Blutvergiftung gestorben.
loliet, Jll., 18. April.
Gestern Nachmittag starb hier in seinem
03. Jahre der Oberst M. W. Shurts, der
Eigenthümer des Shurts Hotel, in Folge
von Blutvergiftung. Der Verstorbene war
im ganzen nördlichen Illinois wohlbekannt
und ein eifriger Politiker, und ein enthu
siastischer Demokrat.
Gewaltige Keuerslrrunst.
Das Städtchen Laßville in Missouri
fast gänzlich eingeäschert.
Große Noth unter den Abgebrannten.
Caßville, Mo., 18. April.
Eine heute früh gegen 1 Uhr ausge
brochene Feuersbrunst legte den ganzen
Geschäftstheil der Stadt in Asche. Die
Gebäude der beiden hiesigen Banken und
der beiden Zeitungen sind mit ihrem ge
sammtcn Inhalt ebenfalls zerstört. Der Ge
sammtschaden beträgt über §200,000, die
Gesammtversicherung kaum §30,000. Die
Abgebrannten befinden sich in großer Noth.
Caßville ist der Hauplort von Barrow
County. Der Ursprung des Feuers ist un
bekannt.
Die Chinesen im Osten haben Angst
vor der Ausweisung.
Und berathen sich mit Vertretern der sechs
großen Gesellschaften in San Francisco.
Pittsburg , 18. April.
Gestern fand hier eine Versammlung von
Chinesen statt, um mit Vertretern der sechs
großen Gesellschaften in San Francisco
über das Registrirungsgesetz zu berathen.
Tai Shing, ein angesehener Chinese, wel
cher seit zwölf Jahren hier ansässig ist, gab
zu, daß eine Versammlung staltgesunden
habe, wollte sich aber aus nichts Näheres
darüber einlassen. Aus der Unterredung
Tai Shing's mit seinem Anwalt ging jedoch
hervor, daß die sechs Gesellschaften einen
gerichtlichen Einhaltsbcfehl gegen die
Inkraftsetzung des Ausweisungsgesetzes
erwirken wollen, bis die Verfassungsmäßig
keit desselben festgestellt sein wird. Der
Zolleinnehmer George Miller sagte heute,
daß bis jetzt nur vier Chinesen registrirt
worden seien. Ferner erklärte Miller, daß
wenn ihm das Schatzamt die Unkosten ge
währleiste, er nach dem 15. Mai sämmt
liche Chinesen einfangen, und aus Herri's
Island, oder irgend einem abgesonderten
Platz unter Bewachung halten werde, bis
er vom Sekretär Carlisle weitere Verhal
tungsmaßregeln erbalte.
Spielende Knaben entdecken in einem
Strohhaufen
Line Menge werthvoller Maaren.
O lney, Jll., 18. April.
Während eine Anzahl von Jungen auf
Jacob Flock's Farm, fünf Meilen nördlich
von hier, bei einem Strohhaufen spielten,
fanden sie eine Menge Messer, Gabeln und
Goldsachen. Es waren im Ganzen fünf
und zwanzig Kisten mit Messern, welche
Rogers Stempel trugen, eine Menge Ringe
und Federhalter, sechszehn Paar Messer
und Gabeln, Löffel etc. Außerdem waren
auch Halsketten, Nadeln, Uhrketten und
ionstige Juwelierwaaren dort versteckt. Die
Maaren wurden dem städtischen Marschall
McWilliams übergeben, welcher sie ver
wahren wird, bis sich die rechtmäßigen
Eigenthümer melden.
Giftiges Gefrorenes
Bringt zwei ganze Familien in Lebensgefahr.
New Orleans, 18. April.
Sämmtliche Mitglieder von zwei Fami
lien, Richard Denis nebst seiner aus neun
Personen bestehenden Familie und R. G.
Flospolter mit Frau und vier Kindern
wurden gestern in Folge von Gefrorenem,
das sie von dem Wagen eines „fliegenden
Händlers" getauft hatten, vergiftet. Schnell
herbeigeholle Hülse rettete die meisten Er
krankten vor dem Tode, aber Frau Perey,
die Mutter der Frau Denis, wird mögli
cherweise dem giftigen Zeuge zum Opfer
fallen.
Skorpionenplage in Durango.
Die Behörden setzen einen Preis für den
besten Jager aus.
Durango, Mexiko, 18. April.
Skorpione haben sich so massenhaft über
die ganze verbreitet, daß die Behörden
für denjenigen, welcher während des Mo
nates die meisten der kleinen Bestien ein
bringt, einen Preis ausgcsetzt hat. Gestern
wurden im Hospital allein 2000 des Unge
ziefers getödtet. Dafür bezahlt die Stadt
00 Cents für hundert Stück.
Gelinde Strafe für einen Mörder
Der seiner kleinen Stieftochter den Kopf an
der Bettlade zerschmetterte.
Pittsburg, 18. April.
Gestern erreichte endlich der Prozeß gegen
Frank Gerade, welcher seit 1890 in den Ge
richtshöfen von Allegheny geschwebt hatte,
seinen Abschluß. Gerade hatte im März
1890 seine kleine Stieftochter ermordet, in
dem er ihr den Kopf an dem Fußende des
Beltes zerschmetterte. Der brutale Mörder,
welcher drei Prozesse bestanden hatte kam,
nachdem er sich im dritten Prozeß schuldig
bekannt hatte, mit einer zwölfjährigen
Zuchthausstrafe davon.
Der Kessel des Dampfers Nellie Bly
Dreihundert Fuß hinweggeschleudert.
Winomac, Jnd., 18. April.
Der größere Theil des Kessels des Dam
pfers Nellie Bly, welcher gestern zersprang,
wurde heule im Walde, dreihundert Fuß
von der Unglücksstätte ausgesunden. Todes
fälle in Folge des Unfalls sind noch nicht
eingetreten, obgleich der Zustand von Geo.
Train, dem beide Beine zerschmettert wur
den, ein sehr bedenklicher ist; ebenso liegt
Clarence Fishlorne, der zwölfjährige Sohn
des EigenthümerS des Dampfers, an Brand
wunden schwer krank darnieder. Der Kes
sel war schon mehrere Wochen vor der Ex
plosion für unsicher erklärt worden.
Die Staatsmilizen werden nöthig sein
Um dreitausend Neger von Land
zu jagen,
Das ihnen nicht gehört.
Raleigh, N. C., 18. April.
Wahrscheinlich wird der Gouverneur sich
genöthigt sehen, die Miliz einzuberufen, um
dreitausend Neger, welche sich auf einem
Gebiet festgesetzt haben, das nach der Ent
scheidung der Gerichte einem -Weißen ge
hört, von dem sie sich aber nicht vertreiben
lassen wollen, mit Gewalt von dannen zu
jagen. Im Jahre 18L3 siedelten die Bun
desbehörden nach der Einnahme von New
Berne, N. C., die meisten Neger im Orte
auf einem der Stadt gegenüberliegenden
Landstrich an, der jetzt den Namen James
City führt und heute eine Bevölkerung von
dreitausend Negern hat. Das Land ge
hörte James A. Bryan von New Berne,
aber seit dreißig Jahren fand immer neuer
Zuzug von Negern dahin statt, während
Bryan während der ganzen Zeit keinen
Cent Pacht erhielt. Nach langwierigen
Prozessen hat endlich das Obergericht die
Entscheidung abgegeben, daß Brvan der
rechtmäßige Eigenlhümer des Landes ist.
In einigen Fällen wurden neue Auswei
sungsbefehle erlassen, aber es war den
Beamten bis jetzt unmöglich, dieselben aus
zuführen, da sich die Bevölkerung stets in
Masse erhob, um die Beamten an der Aus
übung ihrer Pflicht zu hindern.
Energische Beseitigung eines Ge
meinschadens
Durch Bürger, die ihre Rechte wahren.
Galesburg, Jll. 18. April.
Seit längerer Zeit schon war den guten
Bürgern ein Haus nebst dessen lüderlichen
Insassen ein Dorn un Auge, und da die
Polizei keine Miene machte, den Gemein
schaden zu beseitigen, so beschlossen schließ
lich die Nachbarn, die Sache selbst in die
Hand zu nehmen. Sie umringten das
Haus und gingen dann sofort zum Angriff
über. Als Waffen dienten Pflastersteine,
mit denen Fenster und Thüren bombardirt
wurden; gelegentlich wurden auch einige
Schüsse abgefeuert, um den Bewohnern den
Ernst der Lage begreiflich zu machen; diese
begriffen denn auch, daß es wohl für sie das
Beste sei, dem Feind das Feld zu lassen,
und bewerkstelligten durch eine Hintcrthür
ihre Flucht. Gestern endlich, nachdem die
Vögel auSgeflogen waren, erschien auch die
Polizei, vernagelte Thüren und Fenster
und jagte die früheren Bewohner des Hau
ses zur Stadt hinaus, so viel sie nämlich
deren habhaft werden konnte.
Zwei Landstreicher
Unter dem verdacht, die Mörder der Polizisten
Frith und Talcott zu sein, verhaftet.
Dubuque, Ja., 18. April.
Heute früh wurden zwei Landstreicher
Namens S. W. Healy und Hugh Robbard
von Greeley, Ja., hierhcrgebracht und in
der hiesigen Jail eingesperrt. Man glaubt
in diesen Kerlen die Mörder der Eisenbahn
polizisten Frith und Talcott erwischt zu
haben. Als man sie befragte, wo sie sich in
den letzten Wochen hernmgetricben hätten,
machten sie sich widersprechende Angaben.
Spätere Ermittelungen deuten auf das
Bestimmteste daraus hin, daß Healy und
Robbard die Mörder der Polizisten Tal
cott und Trith sind. Beide befinden sich
jetzt im Conntygefängniß. Während des
ganzen Morgens drängle sich eine ent
rüstete Menschenmenge um das Gesängniß,
und es ist klar, daß ein Lynchgericht beab
sichtigt wird. Der Sheriff hat Wachen
ausgestellt und erlaubt Niemanden, den
Gefüngnißhos zu betreten.
Die Revolutionäre in Honduras er
folgreich.
Sie nehmen zwei Inseln in Besitz.
New York, 18. April.
Von New Orleans wird der „Times"
berichtet, daß die Revolutionäre in Hon
duras, die Inseln Utille und Nuaten ge
nommen haben. In letzter Woche gingen
unter dem Befehle eines Stessen deS Gene
rals Policarpo Bonilla 300 Mann in
Böten von dem Hafenplatze Ceiba nach
Utilla ab. nahmen die RegierungSge
bäude im Besitz und setzten einen Befehls
haber ein; sodann wandten sie sich nach
Nnaten, und nahmen auch diese Insel
ohne erheblichen Widerstand ein. Die
Revolutionäre in Ceiba treffen Vorberei
tungen um Puerto Cortey von der Seeseile
aus anzugreisen. Im Innern wurden von
den Aufständischen die Ortschcftcn Olan
chillo und Choro nach heftigem Kampfe
eingenommen. Die Mehrheit der Bevölke
rung steht auf Seiten der Aufständischen,
und es ist für Schiffe schwierig Ladungen
einzunehmen, da fast alle Eingeborenen ge
gen die Regierung zu Felde gezogen sind.
Bedeutende Feuersbrunst.
Plymouth, Mich., 18. April.
Ilm vergangene Mitternacht entstand in
der Barbierstube des George Vandecer ein
Feuer, das erst in der Früh um Drei be
wältigt werden konnte. Drei Gebäude
liegen in Asche und die Post ist ausge
brannt. Die Hauptgeschädigten sind die
Chasfee L Hunter, der
Barbier Vandecer, die Putzmacherin Nellie
Steele, der Eisenwaarenhändler Alfred D.
Linden, der Apotheker John L. Gale, der
Schuhwaarenhändler A. H. Dibble, die
MÜbelbändler Basset L Sons, der Schnitt
waarenhnndler R. G. Hall und die Erste
Nationalbank. Der Gesammtschaden be
läuft sich auf 50,- bis 00,000 Dollars.
Selbstmord eines hervorragenden
Geschäftsmannes in st. Louis.
St. Louis, 18. April.
W. Heitzcberg, der Geschäftsführer der
„St. Louis Dreffed Bees and Provision
Co.", hat sich heute früh in einem Anfall
von Geistesstörung in einem der Schlacht
häuser der Gesellschaft erhängt.
Dvers 1 Cent.
Lin ganzes Goldwaarengeschäft
ausgeraubt.
von den Räubern natürlich keine Spur ent
deckt.
Manssield, 0., 18. April.
In letzter Nacht drangen Einbrecher in
den Laden von George M. Wilkinson, dem
ersten Goldwaarenhündler der Stadt und
raubten denselben vollständig aus. Sie
sprengten den Kassenschrank aus und stahleu
auS demselben 250 goldene Uhren, eine
Menge Diamaten von großem Werthe und
andere Goldwaaren, nebst einer beträcht
lichen Geldsumme. ES war der größte und
gelungenste Raub, der sich jemals im
County ereignet hat. Der Gesammtverlust
beträgt über §SOOO. Non den Räubern
hat man bis jetzt noch nicht die geringste
Spur entdeckt.
Der Abgeordnete v. Oppen verläßt
Ohne Abschied Berlin und reist nach
Amerika.
Berlin, 18. April.
Die Flucht des Abgeordneten, Haupr
mann von Oppen, nach Amerika hat hier
entschiedenes Aussehen erregt. Die Gläu
biger haben sein Haus nebst Möbeln mit
Beschlag belegt. Frl. Lehman, welche in
Potsdam wohnt, beansprucht das Eigen
thum als das ihrige. Oppens Frau ist in
einem wcstphälischen Institut als barm
herzige Schwester eingetreten. Die Baronin
Witlich, die Schwiegermutter der Frau von
Oppen, wird die süns Kinder des Ehepaares
adopliren.
Verheerendes Unwetter.
Line ganze Ortschaft von der Oberfläche
. verschwunden.
Warsaw, Jnd., 18. April.
Gestern morgen brach über die Gegend
hier ein verheerender Sturm mit Hagelund
Regen herein, wodurch in einer Breite von
zweihundert Yard das Land einer Wüste
gleich gemacht wurde. Die Ortschaft
Gravelton, drei Meilen nordöstlich von hier
wurde vollständig von der Oberfläche weg
geweht.
Anhaltende Trockenheit
Zerstört die Baumwollen- und Maisernte.
New Y o r k, 18. April.
Von Torron, Mexiko, wird gemeldet,
daß die Trockenheit in jenem Theile des
Staates immer noch fortdauert, und daß die
Baumwollen- und Maisernte ein Fehlschlag
sein werden. Die Wasserversorgung vom
Nagoo River hörte im letzten September
aus, und seitdem ist auch kein Regen ge
sotten.
Dampfer.
Angekommen:
Queenstown, 18. April.
Der am 5. d. M. von Philadelphia ab
gegangenc Dampfer „British Princeß" ist
heute Mittag in Queenstown angekommen
und hat die Fahrt nach Liverpool fort
gesetzt.
Städtisches.
Das Wetter.
Die Temperatur veränderte sich seit dem
gestrigen Bericht in den Ver. Staaten fast
gar nicht, indem beinahe aus sämmtlichen
Bezirken diesseits des Felsengebirges ein
nur geringes Steigen des Thermometers
gemeldet wurde. In Neuengland und am
unteren Ohio und mittleren Mississippi hat
es heute Nacht Regen und Schnee, aber nur
in geringem Maße, gegeben. Für Illinois
lautet der heutige Bericht: In der Nacht
Regen, am Mittwoch Morgen warm, am
Mittwoch Abend in West-Illinois kalt;
Wind aus Südosten, springt nach Westen
um.
Schlechte Aussichten.
Richter Jenkins entscheidet, daß Jacques
Licco Adult in Haft zu verbleiben hat.
Ein zweiter Versuch des Advokaten Mo
ses, seinem Clienten JacqueS Licco Adult
durch einen Habeas Corpus-Besehl die
Freiheit zu verschaffen, ist abermals kläg
lich sehlgeschlagen. Richter Jcnkins ent
schied heule Morgen im KreiSgericht, daß
Adult in Commissär Houne's Gewahrsam
zu verbleiben habe, bis die Verfügung vom
Präsidenten Cleveland eingelrosscn sei.
Nachdem Adult zum ersten Male auf
Veranlassung des österreichischen Consuls
verhaftet worden war, wurde er bis zum
Eintreffen der Anklageschriften dem Com
missär Hohne übergeben. Ein Gesuch sei
tens des Advokaten Moses, der die Verthei
digung Adult's übernommen hatte, um
einen Habeas Corpus-Befehl, wurde von
dem Richter Großcup rundweg abgeschlagen.
Ein zweiter Versuch beim Richter Jenkins
verlief, wie schon erwähnt, ebenso erfolglos
und es scheint nun sicher, daß Adult, der
bekanntlich angeklagt ist, ein großes Wiener
Bankhaus durch Fälschungen um ungefähr
NO,OOO beschwindelt .zu haben, an die
österreichische Regierung ausgeliefert werden
wird.
Die Frau soll ihn ernähren.
In einer heute eingereichten Scheidungs
klage erklärte Frau Bertha Perkins, daß sie
seit ihrer Verheirathung mit George F.
Perkins beständig von einem Hause zum
andern ziehen mußte, da ihr Mann keine
Lust hätte, Miethe zu bezahlen. Kürzlich
habe er ihr gesagt, daß er eine Frau ge
funden habe, die im Stande sei, ihn zu
ernähren und daß er dann nach Denver ab
gereist sei.
Eine silberne Kassette, welche das
Original-Testament der Königin Jsabella
von Spanien enthält, wurde gestern dem
Kassengewölbe des Auditoriums zur Aufbe
wahrung cinverleibt. Das Testament bil
det einen werthvollen Beitrag anderer
.Kuriositäten aus Columbus' Zeit.

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