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Abendblatt. [volume] (Chicago, Ill.) 1894-1899, August 14, 1897, Image 1

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Berausgegeben von der Illinois Staats· Zeitungs· Co.
1 »
5 Abßr Ausgabe.
Wetter.
Direkter Bericht an das „Abend—
; blatt“.
Witterunasverhältnisse in den 56 Stunden,
- die Sonntag Abend um Sieben
zu Ende gehen.
Heute Nachmittag und Abend wechselndes
Wetter, locale Regenschauer; Sonntag :m
Allgemeinen schon, frischer und scharfer Süd—-
west- zu Westwind.
Ueberblick und Kurzgefaßtes.
Die Straßenbahnleute der Südse:te-
Straßenbahn haben den Versuch, eine Lohn—
herabsetzung herbeizuführen, abgeschlagen.
Die Gesellschaft war auf einen Streik nicht
dorbereitet.
Der Plan betreffs Aenderung der Pläne
für die Pumpstationen war übrigens ziem—
lich fein ausgedacht. Ei n gewöhnlicher Bau—-
ernfänger wäre schwerlich darauf gekommen.
Unsere öffentlichen Beamten sind allerdings
meistens höhere Bauernfänger.
Ein neues zehnstöckiges Gebäude wird
auf dem Bauplatz No. 196 —202 Monree
Straße von J. A. Williams mit
Kostenaufwand von $150,000 errichtet. Es
wird unten Läden und oben Räume für Waa—-
renniederlagen enthalten.
Samuel und David Malow, Vater
und Sohn, welche in No. 26 25. Place
licherweise eine Schnapsbrennerei t
und „Uncle Sam“ die Steuern vorenthielten,
wurden heute durch Polizisten und Bundes
beamten auf der That ertappt und gefangen
genommen.
Rev. George W. Dickey, Pastor der
Mission zum brennenden Busch, welcher mit
seinen Gemeindegliedern finanzieller Mei
nungsverschiedenheiten halber in Streit ge
rieth, ist unter SIOOO Friedenshürgschaft ge
stellt worden. Eine Spaltung der Gemeinde,
welche aus Farbigen besteht, ist wahrscheia
lich. ;
Es ist höchst wahrscheinlich, daß der
Mann, welcher den tugendhaften Ald. Mang—-
ler verführen wollte, jetzt die Advokatenrech
dung für Mangler zu bezahlen hat und
in gewisser Beziehung doch bestraft wird.
Er kann sich dafür höchstens durch einige lie
benswürdige Bemerkungen schadlos halten,
wenn er mit Mangler allein ist.
Mayor Dyche von Evanston, welcher
die Betrügereien des Stadtclerkts Bogart so
lange vertuschte, bis Bogart durchbrannte,
wird von verschiedenen Gläubigern des
Durchgebrannten verklagt werden. Diesel—
ben begründen ihre Ansprüche mit dem Hin—
weis, daß sie im Stande gewesen wären,
ihre Forderungen einzutreiben, wenn Dyche
den Mund aufgethan hätte.
Der Pianostimmer H. W. Harr:agton
befand sich heute wegen unordentlichen Betra—-
gens vor Richter Foster. Bei dieser Gelegen—
heit stellte es sich heraus, daß Harrington
seine beiden künstlichen Beine versetzt haite,
um Schnaps zu kaufen. Er war ohne seine
Beine so unbehilflich, wie ein Fisch ohne
Wasser, weshalb er auch ruhig sitzen bließ,
als der Richter ihm sagte, er solle gehen.
Die Angelegenheit der Trades & 2
chanics Savings, Loan and Building Asso
ciation wird immer verwickelter. Um 2
verschiedenen Strömungen Rechnung zu ira—-
gen, ernannte Richter Hanecyh gestecn drei
Massenverwalter, nämlich: „Master in Chan—
cery“ Glennon als Vertreter des General
anwalts, L. Studdard als Vertreter der Be
amten und Arthur S. Welch als Vertreter
der Aktionäre. Ob die Finanzen der Bau—
gesellschaft durch drei Massenverwalter ver
bessert werden, ist sehr zweifelhaft.
Das Klondike-Fieber steigt höher. Frl.
Luch Lemmon, welche im Monadnok -Ge—-
bäude ein Geschäftsbureau hat, beschäftigt sich
augenblicklich mit der Organisation riner aus
Mädchen und Frauen bestehenden Gesell—
schaft, welche eine Reise nach den Goldfel—
dern in Alaska unternehmen will. Die Ge—
sellschaft soll bereits 20 Mitglieder zählen.
JFedes Mitglied muß SIOOO haben. Es ist
sicher, daß tein einziges Mitglied dem Klima
in Alaska zum Opfer fallen wird, denn die
Gesellschaft wird in die Brüche gehen, ehe lie
Cook Countyh verläßt.
Weizen war heute wieder recht lebhaft,
die Preise durchschnittlich höher, als beim ge
sirigen Schluß. Liverpool berichtete d.
Preisrückgang. Auch die Nachricht aus dem
Nerdwesten, daß die Sommerweizen-Ernte
um 30,000,000 Bushel hinter der bisherigen
Schätzung bleiben wird, förderte die Hausse-
Teudenz. September eröffnete zu 815 —s2,
wich auf 815, und schwankte zwisch-n 825
?; Dezember zuerst 814, wich auf 808 und
stieg dann wieder auf 81. Welschkorn und
Hefer eine Idee höher; September-Corn
277 —2Bx; Hafer 175. Schweineprodukte
flau und unverändert; September-,„Port“
38.00; Schmalz $4.423; Rippchen 4 90—
4.923.
Viehmarkt.
Schweine 12,000, Schafe 3500, Rinder
500 Stück. Schweine lebhaft, 5 Cents hö—-
her; Schafe und Rinder stetig. ·Schwere
Schweine 3.80 —4.00, leichte 3.90
schwere und leichte 3.85—4.05, grobe Pökel
waare 3.60—3.75, „Pigs“ 2.90—10.
Londoner Allerlei.
Der Besuch des Präsidenten Zaure
in St. Petersburg.
——
Das Fest-Programm für den—
selben.
Schluß des Bayrenther Festspieles.
Strohhüte für die englischen
Pferde.
——— :
Reinigung des Hyde Park von gefähr—
lichem Hesindel.
Das Schachtournier in Berlin.
UNeberwachung von Anarchisten in Groß -
britannien.
Einer scheußlichen Unsitte ein Ende ge—
macht.
London, 14. Aug.
Die Vorbereitungen für den Besuch des
Präsidenten Faure in St. Petersburg sind
thotsächlich beendet. Er wird am Mittwoch
Nachmittag mit dem französischen Kriegs
schiff „Pothuan“, unter dem Geleit der
Kriegsschiffe „Bruix“ und „Surcouf“, von
Duntkirk abfahren, und am Montag, den 23.
August in Kronstadt ankommen. Der erste
Tag seines Aufenthalts in Rußland wird
mit dem Empfang in Kronstadt und Peter—
het dem Austausch von Besuchen, einem
Bankett im Palast Peterhof und einer Gala—
vorstellung im kaiserlichen Theater ausgefüllt
werden. Am 24. begeben sich der Czar und
der Präsident nach St. Petersburg. Dort
wird Faure von den Behörden der Haupt—
stadt bewillkommnet, und wird Abordnungen
a den größeren Städten des Reiches em
pfangen. Am Dienstag wird er den Grund—
sstein zum französischen Hospital legen, und
am Abend giebt der Präsident zu Ehren des
Czaren in der französischen Botschaft ein
Bankett. Am 25. findet in Krasnoe-Selo
große Parade statt, dem ein militärisches
Festessen folgt. Am Abend findet in den
Gärten des Palastes Peterhof ein Fest statt.
Nach der Revue des französischen und rus—
sischen Geschwaders in Kronstadt verabschie
det sich der Präsident vom Czaren und der
Czarina und kehrt an Bod des „Pathuan“
welche sofort die Reise nach Frank
sreich antritt, und am 31. August in Dun—
kirt eintrifft.
Die Stadt St. Petersburg wird in der
prächtigsten Weise geschmückt werden und auf
demKasanplatz wird eineFaure-Fontaine er
richtet werden, welche ein bleibendes Anden—
ken an den Besuch des Präsidenten bilden
soll. Eine Medaille, welche Faure an die
Ehrenwache und an verschiedene Beamte ver—-
theilen wird, trägt auf der einen Seite das
Profil eines die Republik darstellenden weib—
Kopfes, mit den Worten „Republique
Francaise“, und auf der anderen Seite einen
Lorbeerkranz, in welchem das Datum „Au—
gust 1897“ steht. Von diesen Medaillen sind
dreihundert aus Gold und Platina, achtzig
aus vergoldetem Silber, und zwanzig aus
mattem Golde geprägt worden.
Mit Bezug auf den bevorstehenden Besuch
sprechen die russischen Blätter über einen
Plan, der Frankreich von Nutzen sein soll,
mãmlieh ber die dercath don tëftier Ras
lsen mit Französinnen, um dadurch der immer
sgeringer werdenden Geburtsliste einen Damm
entgegenzustellen.
Die städtischen Behörden werden den fran—-
zösischen Kriegsschiffen drei riesige siiberne
Becher als Geschenk überreichen.
Das Festspiel in Bayreuth wird am näch—
sten Donnerstag mit der hundertsten Vorstel
lung de- „Parsifal“ seinen Abschluß finden.
Die Einnahmen belaufen sich auf über
120,000. Unter den Anwesenden in dieser
Woche befinden sich die Prinzessin von Wales,
der Großherzog von Hessen, die Darnen
Lonsdale und Baitersea und A. I. Balfour.
Der Marquis von Lorm, der Schwieger—
sohn der Königin Viktoria, ist mit Beendi—
gung eines vieraktigen Schauspieles beschäf—
tigt, welches der Geschichte Schottland'ẽ ent
nommen ist, und worin die Campbells von
Argyle eine Rolle spielen.
Die Fabrikanten in Luion haben mit der
Anfertigung von Strohhüten für Pferde ein
bedeutendes Geschäft gemacht; die Sachr war
von der Regierung und der Gesellschaft zur
Verhütung von Grausamkeit gegen Thiere,
angeregt worden. Die Hüte sind sehr hech
und haben einen breiten Rand, wie die in den
Ver. Staaten gebräuchlichen Badehüte und
Löcher für die Ohren der Pferde.
Jetzt wird der jährlich wiederkehrende
Skandal über Landstreicher, Bummler, Ver—-
brecher mit ihren weiblichen Begleitern und
ähnliches Gesindel im Hyde Park wieder zur
Sprache gebracht.
Der Park ist nach Dunkelwerden, und auch
beinahe bei Tage, entschieden ein gefährlicher
Platz. Wegen der großen Anzahl von
Ueberfällen, welche im Park stattfinden, und
ihren Weg in die Polizeigerichte gefunden
habe-n, beschäftigen sich die Zeitungen jetzi
wieder mit der Sache. Im vergangenen
Jabre wurden in Folge dessen neue Polizei
verordnungen für den Park erlassen, uad das
Parlament bewilligte 1200 Pfund Sterling
für die elektrische Beleuchtung desselben; -s
auch 1400 Pfund für ein Erfri—
schangslotal bewilligt, aber wegen der Oppo
Abendblatt.
sition des Herzogs von Cambridge, welcher
der „Hüter von Hyde Park“ ist, wurde nichts
darin gethan. Die jetzige Bewegung be—
piveckt, dem Herzog die Aufsicht über den Park
aus den Händen zu nehmen, und dieselbe dem
Countyrath zu übergeben.
Das Berliner Schachturnier wird am 15.
September seinen Anfang nehmen; es e
Preise von fünf bis hundert Pfund aus—-
gesetzt, und der Baron Rothschild in Wien.
der ein Schachenthusiast ist, will für den Sie—-
ger nech einen Extrapreis stiften.
Seit der Ermordung des spanischen Pr--
miers haben die Behörden der Scotland Yard
in der Ueberwachung der Anarchisten in
Croßbritannien eine ungewöhnliche Thätig
keit entwickelt, und stehen in steter Verbin—
dung mit den Behörden in Paris, Rom, Ma—
brid unb anderen Hauptstädten. Die Zahl!
der Geheimpolizisten in den verschiedenen
Hafenplätzen ist verdoppelt worden und neur
Ankömmlinge werden scharf bewacht.
Einer lange bestehenden Unsitte ist durch
Sir John Brunner, dem bekannten Liverpoo
ler Philantropen, ein Ende gemacht worden.
Derselbe hat den Sekretär des Innern, Sir
Matithew White Ridley, darauf aufmecksam
gemacht, daß es Sitte sei, weibliche Gefan—-
gene aus dem Gefängniß in Liverpool schaa
renweis, und wie Stlaven zusammengefesselt,
nach dem Gefängniß in Knutsford zu ene
porliren. Durch Nachforschungen darübec
ha! der Sekretär in Erfahrung gebracht, daß
so viel wie 22 weibliche Gefangene in dieser
Weise durch die Straßen getrieben worden
sind. Jetzt ist der Befehl gegeben, dieser
siite ein Ende zu machen.
———
Sittliche Entrüstung.
Einem leichtsinnigen Doktor der
Standpunkt klar gemacht.
——
Wird mit seiner Liebsten im Bilde gebängt.
Monmouth, 111., 14. Aug.
Vor ungefähr vier Wochen ließ Dr. Harry
Browning, ein in Little York wohnender
Arzt, seine junge Frau und Tochter in Stich
und brannte mit einer verheiratheten Frau
von hier, - Namens Welsh, durch. Nach drei
Wochen erschien das Paar wieder und ge
stand ein, daß es eine Spritztour nach Spo
kane und anderen Plätzen gemacht habe. Jetzt
aber hat ein Comite von entrüsteten Brgern
dem Doktor einen Besuch abgestattet, und
ihm gerade 36 Stunden Zeit gegeben, um vie
Gegend zu verlassen; außerdem wurde der
saubere Patron mit sammt seiner Liebsten
gestern Abend, hier in der Stadt, im Bilde
gehängt.
——
Waghalsig.
Wollte von Cooney Island nach
Sandy Hook schwimmen.
Der Schwimmer und seine Begleiter jetzt
vermißt.
New York, 14. August.
Ein hiesiges Blatt sagt, daß David Dal
ton, der bekannte Schwimmer, dessen Lei
stungen auf der Weltausstellung Aufsehen
erregten; Fred. Peters aus New Bedford,
Mass., und Walter Arnold aus Boston, ver—-
mißt werden. Dalton versuchte, wie es
heißt, von Coney Island nach dem Leucht—
schiff bei Sandy Hook, zu schwimmen, eine
Entfernung von vierzehn Meilen, während
ihn die beiden Anderen in einem Boote be—-!
gleiteten. Es wird befürchtet, daß alle!
Drei in die offene See hinausgetrieben wur—-
den.
w
Besuch in China.
Auf Ci· Hung-TCshang's personliche
Einladung.
Einführung des Winchestergewehres bn
dortigen Militär beabsichtigt.
New Haven, Conn., 14. August.
Henry Brewer ist soeben von einem sechs
monatlichen Aufenthalt in China zurückge
kehrt, wohin er sich auf die persönliche Ein
ladung des Vicekönigs Li-Hung-Tshang be—-
geben hatte. Brewer's Besuch hatte den
Zweck, das Winchestergewehr bei dem Mili—-
tär einzuführen; er sagt, daß sich der Vice
tönig sehr günstig über das Gewehr ausge
sprochen hat.
——
Jener Einhaltsbefehl.
Senator Teller über den Einhalts
befehl gegen die streikenden
Kohlengräber.
Eine Pille für den betreffenden Richter.
Denver, Col., 14. Aug.
„Früher wurde allgemein angenommen,
daß es die Sache der Gerichtshöfe sei, Per—-
sonen für begangen e Verbrechen zu be—
strafen,“ sagte der Senator Teller bei Ge—-
legenheit einer Unterhaltung über den Ein—
haltsbefehl gegen die streikenden Kohlengrä—
ber, „aber jetzt scheint die Ansicht vorzuherr-!
schen, daß die Gerichtshöfe auch Personen
für Verbrechen bestrafen können, welche, nach
Annahme irgend eines Anderen,
werden mögen.“
cago, Samstag, 14. August 1897.
Der große Streit.
Dem Herumziehen der Streiker
ein Ende gemacht.
die leisten den Besehlen der Hhülfsssheriffs
sFolge.
UNoth und Elend im Moon Run—-
BPizirk.
Dreihundert Familien ohne Kebens mittel.
Pittsburg, 14. Aug.
Trotz der Befehle der Beamten der Gru—
benarbeiter, machten die Streiker am Sandy
Creet und Turtle Creek heute Morgen den
Versuch, nach den Gruben zu marschiren; di-
Hülfssheriffs waren jedoch zur Stelle, und
zwangen sie, nach ihren Lagern zurückzukeh
ren. Die Marschirenden am Sandyh Creek
versuchten in derselben Weise Widerstand zu
leisten, wie dies gestern am Plum Creet der
Fcl war. Der Marsch wurde um 3 Uhr,
anderthalb Stunden früher wie gewöhnlich,
angetreten. ;
Dies geschah, um den Hülfssh-riffs eine
Nase zu drehen, hatte aber keinen Erfolg. Die
Sheriffs waren wachsam, und als die Strei
ker auf der Landstraße erschienen, vertraten
ihnen 26 Hülfssheriffs den Wtg und befahlen
ihnen, zu halten. Darauf wurde ihnen der
richterliche Einhaltsbefehl vorgelesen, und
ihnen dann befohlen, in ihr Lager zurückzu—
kehren. Anfangs weigerten sich die Streiker,
dem Befehl Folge zu leisten, als aber die
Sheriffs gegen sie anrückten, gingen sie
schleunigst auseinander und kehrten in ihre
Quartiere zurück. ;
Die Folge davon war, daß 22 Kohlengrä—
ber zur Arbeit in die Grube gingen.
Am Turtle Creek hatten sich die Streiker
gerade auf der Landstraße aufgestellt, als die
Hülfssheriffs erschienen, worauf sie sich nach
turzem Zureden ruhig wieder zurückzogen.
In Plum Creet hat, so weit es die Bear—
beitung der Grube betrifft, die G-sellschaft
einen Sieg errungen. Es wurde nicht mar—-
schirt, und die Streiker hab:n beschlossen, dem
Befehl des Präsidenten Dolan zu gehorchen,
und bis nach der Verhandlung über den Ein—
haltsbefehl, am oMntag, das Marschiren
einzustellen. ;
Während der Nacht war Alles ruhig, und
die Kampirenden sowohl, als auch ihr- Wäch—
ter, erfreuten sich einer guten Nachtruhe.
Heute waren 238 Leute in der Grube an
der Arbeit, ein Gewinn von 35 Mann.
Heute Morgen um sieben Uhr kam der She—
riff mit einer weiteren Abtheilung von Ge—
hülfen an. Diese wurden über den ganzen
Bezirk vertheilt, um alles Marschiren, selbst
in Abtheilungen von vier oder fünf, zu ver—
hindern.
Die Streiber hatten beschlossen, in Ahthei—
lungen von zwei bis vier Mann aach den
Gruben zu gehen, aber dies wird vom Sheriff
Lowryh nicht erlaubt werden.
Heute Morgen begab sich der erste Hülfs
sheriff Richards mit dem Betriebsleiter de
Armit auf eine Inspektionstour nach Clarks
ville. Sie trafen verschiedene kleine Abthei—
lungen von Streikern auf der Landstraße,
welche den Befehl erhielten, zurückzugehen,
und demselben ohne Weiteres auch Folge
leisteten.
Der Zweck der Reise nach Clarksville war,
wie es heißt, um Namen zur Einreichung
einer Klage wegen Mißachtung des Gerichts
zu erlangen. Dies ist ihnen auch gelungen,
und es befinden sich Präsident Dolan, Capt.
Billingham, Paul Trimmer und James
Bruce darunter.
Heute Nachmittag wird am Plum Creek
eine große Versammlung abgehalten verden.
Präsident Dolan sagt, daß eine große An—
zahl von Grubenarbeitern vom Plum Creek
anwesend sein wird, und daß es ihnen ge—-
lingen wird, in jener Grube die Arbeit ein
zustellen. :
Vom Moon Run -Bezirk wird gemeldet,
daß sich dort 300 Familien in Noth be—
finden. Seit dem Beginn des Streikes sind
jetzt sieben Wochen verflossen, und damals
hatten die Streiker wenig oder nichts erspart.
Es soll dort viel Krankheit herrschen, und
man hat angefangen, für die Nothleidenden
Geld zu sammeln.
Ballon in Sicht.
Großer Ballon an der norwegischen
Küste beobachtet.
Wird für den Ballon des Cuftschiffers Cetti
gehalten.
Stavanger, Norwegen, 14. Aug.
Der soeben hier angekommene Dampfer
„Konghalfden“ berichtet, daß er heute Mor—
gen um halb fünf Uhr zwischen Hengesund
und Ryverden einen großen Ballon gesehen
habe, welcher sich in der Höhe von 1500 Fuß
in südöstlicher Richtung fortbewegte. Ein
etwa 400 Fuß langes Tau hing aus dem
Boot herab. Wahrscheinlich war es der
Ballon des Luftschiffers Cetti, welcher ge
stern in Urendal aufgestiegen ist.
Schiffsnachrichten.
Hente Morgen gemeldet:
New 9 ork: „Veendam“ von Rotter—
dam.
Philadelphia: „Belgenland“ nach
Liverpool.
17
Brandstiftung.
Der Brandstifter beinahe in die
brennenden Gebäude geworfen.
Hatte im Anftrage des Eigenthümers der
Häuser das Feuer angelegt.
Ironwood, Mich., 14. Aug.
Gestern Morgen sind hier vier Häuser nie—
dergebrannt, und John Ramota wväre mit
seiner ganzen Familie beinahe in den Flam—-
men umgekommen.
Henrh Lensol, welcher kürzlich in einem der
eingeäscherten Gebäude ein kleines Candyge—
schäft eröffnet hatte, stand im Verdacht, das
Feuer cingelegt zu haben, und binnen Kurzem
hatte sich deßhalb eine Schaar wüthender
Bürger versammelt, um den angebl:chen
Brandstifter zu lynchen. Die Polizei schrit
ein und versuchte den Mann in das Ge
fängniß zu bringen, aber die aufgeregte Men—
schenmasse machte einen Sturmangriff, er—-
griff Lensol und versuchte ihn in die bren
nenden Häuser zu werfen. Aber gerade noch
zur rechten Zeit kam die Feuerwehr zu Hütfe,
welche ihre Schläuche in Thätigkeit setzte und
dadurch die Menge auseinandertrieb, worauf
Lensol in das Gefängniß gebracht werden
konnte.
Der Mann hat, wie es heißt, gestanden,
daß er im Auftrage von Charles Roß, dem
Eigenthümer der Gebäude, das Feuer an—-
gelegt habe, um die Versicherungssumnre zu
erhalten. Roß ist deßhalb ebenfalls verhaftet
worden.
—— î
Des Prinzen Duell.
VNochmalige Berathung der beider—-
seitigen Sekundanten.
Feit und Ort des Duells noch nicht fest er
stimmt.
Paris, 14. Aug.
Die Sekundanten des Prinzen Henri von
Orleans und des Grafen von Turin, der
Graf Leontiew, Raoul Mourcheon, und der
General Graf di Quinto nebst dem Marquis
di Ginori, hatten heute Morgen wiederunt
eine Berathung, um Zeit und Ort des Duells
zwischen dem Prinzen und dem Grafen zu
bestimmen. Es heißt, daß Säbel die Waffen
sein werden und als Ort wird Chantilly oder
Fontainebleau angegeben. Die Bedingungen
des Duells sollen sehr scharf sein. :
Vorsichtige Leute.
Keine pferdelosen Wagen in der
Bundes hauptstadt erlaubt.
Könnte zu allerlei Unheil Veranlassung
geben.
: Washington,l4. Aug.
Die Commissäre des Distrikts Columbia
haben die Benutzung von pferdlosen Wagen
in der Stadt Washington verboten.
Ein Geschäftsmann Namens John Hughes
hatte um die Erlaubniß nachgesucht, einen
pferdelosen Ablieferungswagen benutzen zu
dürfen, aber die Commissäre verweigerten
dieselbe, und belegten zugleich sämmtliche
pferdelosen Wagen aus dem Grunde mit dem
Bann, daß Pferde dadurch scheu gemacht
würden, und allerlei Unheil in Folge dessen
angerichtet werden könnte.
———
Der Mörder des Premiers.
Das Kriegsgericht über ihn tritt am
Montag zusammen.
Ein Oberstlieutenant der Artillerie wird den
Vorsitz führen.
Madrid, 14. August.
Das Kriegsgericht über Angiolillo, den
Mörder des Ministerpräsidenten Canovas
del Castillo, wird am nächsten Montag in
Vergaza zusammentreten. Den Vorsitz wird
ein Oberstlieutenant der Artillerie führen.
Der Staatsanwalt, welcher zur Beweisauf—-
nahme gegen den Angeklagten nach San Se—
bastian gereist war, ist noch nicht nach Ver—
gaza zurückgekehrt.
———————————————————————
Städtisches.
Beraubt.
Ein Kapitalist um 5550 erleichtert.
Samuel Fox, ein Philadelphiaer Kapita—
list, erklärte gestern Abend, 69 Jahre in sei
ner Heimathsstadt gewohnt zu haben, ohne
um einen Heller beraubt worden zu sein und
nun sei er kaum fünf Minuten in Chihago
gewesen und schon habe man ihn um seine,
$350 enthaltende Börse erleichtert. Der Dieb—
stahl wurde auf einem elektrischen Wagen der
Adamsstraße verübt, aber von Herra Fox
erst entdeckt, als er im Great Northern Hoiel
anlangte. Mittellos, wie er in Folge dessen
war, lief er, ganz außer sich, in die Hottl—-
office und suchte vergebens einen Bekenn—-
ten, der ihn identificiren und so zu etwas
Geld verhelfen könnte. Man voehan—
delte ihn sogar mit Mißtrauen und ließ
sich erst nach und nach überreden, mittelst
eines Telegramms an einen bekannien Ge—
schäftsmann und intimen Freund von ihm
seine Identität festzustellen.
Preis: 1 Cent. —5. Jahrgang. No. 192.
Moonshiners verhaftet.
Samuel und David Malow in ihrer
Beschäftigung gestoört.
Von Polizisten und Bundesbeamten in Haft
genommen.
In dem Hause No. 26 Ost 25. Place wurde
von Bundesbeamten und Polizisten der Max—-
wellStraßen-Station eine Mondschein-Bren—
nerei entdeckt, und die Besitzer derselben, S.
Melow und Sohn, heute Morgen um 4 Uhr
verhaftet und das Haus unter Aufsicht ge—
stelit.
Das Haus ist eine einstöckige Cottage,
deren Eingang in gleicher Höhe mit dem
Seitenwege steht. Unter demselben be—
findet sich ein Erdgeschoß und in diesem be—-
fund sich die Brennerei. Die Malow's woh—-
nen in dem Hause, das einem gewissen Busse
gehört, seit Januar d. J. und es muß Wun—
der nehmen, daß bislang Niemand in der
dichtbewohnten Gegend eine Ahnung von die—
ser Brennerei haite. Die Polizei des Max—-
well Straßen-Distrikts war vor langer Zeit
darauf aufmerksam gemacht worden, daß ein
Schnapshändler den Saloonwirthen in der
Gegend, besonders den jüdischen, Whistey zu
SI.OO per Gallone, die Bundessteuer beträgt
allein sl.lO, verkaufe. Trotz aller Wachsam—
keit aber war die Polizei nicht im Stande,
den Verkäufer oder Agenten abzufassen. Es
mag dies wohl daran gelegen haben, daß
einestheils die Bundesbeamten ihnen entge
gerarbeiteten, andernthrils aber sie immer
nach Wagen von Spirituosenhändlern aus
sc auten. Malow und Sohn, welche das Ge
schäfi unter der Firma „International Wine
& Liquor Co.“ betrieben, benutzten aber ei
nen gedeckten Wagen, wie die Grocer es zu
meist thun, und hatten keinen Firmennamen
auf demselben. Gestern nun erfuhr Capt.
Wtteeler von der Maxwell Straßen-Statien,
daß der so beschriebene Wagen im Distritt,
und nicht weit von der Station, Schnaps ab
licfere. Die Polizistn Murray, Wallaer,
Kirby und Birmingham wurden ausgesandt,
um auf den Wagen zu fahnden und es gelang
ihnen, des Wagens ansichtig zu werd-n. Sie
folgten demselben und ermitielten, daß er in
den Hofraum und Stall des Hauses No. 26
Ost 25. Place hineinfuhr. Ein Blick in den
Stall zeigte ihnen etwa 15 Fässer und nun
waren sie sich darüber klar, daß sie den Platz
gefunden, von wo aus der billige Schnaps
besorgt wurde. Sie gingen nun nach vorn
und gelangten über eine schmale, wackelig-
Treppe und einem ebensolchen Gang in ein
finsteres Erdgeschoß. In demselben befand
sich die Brennerei und einer der Malow's
war gerade dabei, einẽ Quantität Schnaps,
die er aus einem Behälter abzapfte, zu pro—-
binen Malow wurde als verhaftet erklärt
und ebenso dessen Sohn, nachdem er die
Pferde ausgespannt hatte. In dem Erdge—
schoß besanden sich alle zum Beiriebe einer
Brennerei nothwendigen Maschinen, Kesseln,
Probirgläser, Alcoholmeter zur Feststellung
des specifischen Gewichtes, Pressen, tausend
von Krügen, Mais, Kisten und Fässer in
verschiedenen Größen.
In einem der Apparate befand sich eine
Quantitiät eben gebrannten Schnapses und
diesem hatte Malaw Vater die Probe ent—-
nommen. Bei weitere Untersuchung wurden
sieben Fässer Schnaps (selbstredend -ohne
Steuermarte), sechs Fässer Molasses und
sechs Faß Maische im Stalle hinter die Wa
gen versteckt aufgefunden. Die Malows wur—
den sofort, nachdem die Untersuchungen been—-
det waren, nach der Maxwellstr. -Station ge—
schafft und die Bundesbehörden von dem
Fund unterrichtet. Sofort begaben sich die
Hilfssteuereinnehmer Ed. Witte, Gust Ma—
lone und Miles MecFadden nach dem ge—
nannten Hause, nahmen dort alles zu Pro—
tocoll und zerstörten dann die Maschinerien.
Die drei Bundesbeamten und die vier Po—
lizisten der Marxwellstr.-Station blieben
während der Nacht und heute früh als Wa—
chen in und vor dem Hause. Als in der
Nachbarschaft bekannt wurde, daß in dem
Hause eine unerlaubte (Mondschein-)
Schnapsbrennerei betrieben wurde, lief na—
türlich Alles zusammen. Jetzt wußte dies
Jeder schon seit Monaten. Auf dis Frage
eines Berichterstatters des „Abendblatt“,
warum sie dann dies nicht zur Kenntniß—
nahme der Polizei und Bundesbehörden ge—-
bracht, antwortete einer der Nachbarn, dessen
Viege wahrscheinlich in Tipperary County,
Irland, gestanden: „Das ging uns nichts
a wozu haben wir Bundesbeamten und
Polizei? Diese erhalten gute Bezahlung und
e dafür etwas thun. Wir wollen denen
doch nicht helfen!“ Es hat beinahe den An—
schein, als ob die Leutchen, zumeist Irländer,
von der Existenz der Brennerei wußten und
dort billig ihren Schnaps bezogen.
In der Marxwellstraßen-Station unter—
warf der Berichterstatter des „Abendblatt“
die Malows einem Auspumpungsverfahren
stellten diese hierbei den Betrieb der
Brennerei und den Verkauf des Schnapfes
absolut nicht in Abrede. S. Malow, der ei—-
gentliche Geschäftsinhaber, meinte, er hätte
auf Grund eines Gewerbescheins das Recht
Schnaps zu verkaufen. Es stellt sich
aber heraus, daß dies erstens eine alte Bun—-
deslicenz ist, und zweitens nur auf den Re—
tail-Verkduf von Schnaps lautet. Auf die
Frate: wie er dazu komme, heimlicherweise
selbst Schnaps zu brennen, blieb er selbst—
redend die Antwort schuldig. Das Verdienst,
die Brennerei entdeckt zu haben, gebührt den
„Geheimen“ Murrah, Wallace, Kirby und
Birmingham von der Maxwell Str.-Station.
Sie fanden die Spur des Wagens und da—-
durch auch die Brennerei und dann erst be
nachrichtigten sie die Bundesbehörden. Die
Malow's wurden heute Nachmittag dem
Bundescommissär Foote vorgeführt und von
diesem unter sehr hoher Bürgschaft den Bun—
desgroßgeschworenen überwiesen. Die auf
gefundenen Vorräthe wurden als gute Prise
von Uncle Sam's Zöllnern mit Beschlag be
legt. Die Frau und Kinder des Malow sind
ob der Entdeckung der Brennerei in schierer
Verzweiflung. Wie uns Frau Malow mit—-
theilt, hat sie ihren Mann immer und immer
gewarnt. ;
b jbeV
Aus Eifersucht.
Mathew Lee erschießt seine frühere
Geliebte an der 26. und Vear—
born Straße.
Der Morder entflohen und bis jetzt nicht ver
haftet.
An der Ecke der 26. Straße und Dearborn
Siraß· wurde heute kurz nach Mittag die
Ne. 221 26. Straße wohnhafte Farbige
Hattie Roberis von ihrem Racegenossen und
früheren Liebhaber Math-w Lee, der in der
Nähe des Humboldt Parts wohnt, erschossen.
Lee hatte schon seit längerer Zeit nach Hattie,
die sich vor Kurzem verheirathet haben soll,
gesucht. Er traf sie zufällig heute Mittag
an der genannten Ecke. Nach einem kurzen
Wertstreit zog Lee seinen Revolver aus der
Tasche und feuerte vier Schüsse auf Hatti:
cb. Alle Kugeln trafen und sie stürzte todt
nierer. Mehrere Passanten versuchten Lee
festzuhalten, doch er drohte Jeden niederschie-
Ben zu wollen, der ihm zu nahe komme und
so ließ man ihn entfliehen. Bis jetzt ist es
noch nicht gelungen, ihn zu verhaften. Die
Teoedte war 27 Jahre alt.
Lee arbeitete dem Vernehmen nach mit
Roberts, dem angeblichen Gatten der Todten.
im Northwestern Tunnel.
Mehr Betrügereien.
Angebliche Unregelmäßigkeiten im
Röhrenlegungs-Departement.
Behauptungen eines entlassenen Arbeiters
Noch ein neuer Skandal verspricht sich
in der städtischen Verwaltung zu entwickeln.
Wilhelm Weggerhaus, No. 630 Sedgwick
Straße wohnhaft, ein Arbeiter im Röhren
legungsdepartement, der schon unter der
Swift'schen Administration in städtischen
Diensten stand und erst am 5. August d. I.
entlassen wurde, hat der Civic Federation
sensationelle Angaben über Unregelmäßig—-
keiten in dem genannten Departement ge—
macht. Gleichzeitig mit diesem Berichte,
soll er auch den Oberbaucommissär MeGann
und die Civildienstcommission in Kenntniß
gesetzt haben.
Ersterer hat die Enthüllungen angeblich
unberücksichtigt gelassen. Letzterer soll sie
dagegen in Erwägung gezogen und darauf
hin bereits 16 Arbeiter suspendirt haben.
Auch der Superintendent des Canalisations-
Depaxtements soll, wie verlautet, bereits m
Stillen eine Untersuchung angestellt haben,
nachdem er vom Mayor Harrison, den R.
M. Easley, der Sekretär der Civic Federa—
tion, von den Angaben Weggerhaus' benach
richtigte, den Auftrag dazu erhalten habe.
Weggenhaus behauptet, daß sowohl unter
der Swift'schen als der jetzigen Verwaltung
Holz offen von den Höfen zu Privatleuten
gefahren worden sei, Röhren als altes Eisen
verkauft worden seien und Leute, die mit—
unter drei Tage nicht zur Arbeit gekommen
e ihr volles Gehalt bekommen hätten.
Er selbst habe noch unter Superintendent
Claussen einige Tage gefehlt, weil ein Kind
von ihm gestorben sei. Als er wieder zur
Arbeit gekommen sei, habe ihm der „Herr“,
der die Zahllisten unter sich gehabt habe, ge
sagt, daß er angeben solle, nur einen Tag
abwesend gewesen zu sein. Er habe sich ge
weigert, das zu thun, und dadurch den Zorn
seines Vorgesetzten erregt.
In Sachen Spalding's.
Staatsanwalt Deneen streicht 24 der gegen
den Erx-Bankier erhobenen Anklagen.
Staatsanwalt Deneen hat 24 Klagen, die
gegen den schon verurtheilten Ex-Bankier
Spalding von der Grandjurh erhoben waren,
vom Gerichtskalender gestrichen. Dem Ge—
setze nach muß jede Klage innerhalb vier Mo—
naren von dem Tage an, an dem dasVergehen
begangen wurde, zur Vrrhandlung kommen.
Von der gesetzlichen Frist sind nun aber schon
325 Monate verstrichen; es bleibt also nur noch
ein halber Monat für 26 Fälle, die gegen
Spaltding vorlagen. Staatsanwali Deneen
hai deßhalb 24 Klagen gestrichen und sich nur
zivei reservirt, in denen Spalding der Eni
gegennahme von Depositen beschuldigt wird,
trotzdem er bereits wußte, daß die Bank zah
luagsunfähig war.
Die Klägerinnen in diesen Fällen sind
Lucretia P. Davidson und Elizabeth Plow—
man. Richter Horton kam heute Morgen auf
Ersuchen des Staatsanwalts nach dem Cri—-
minalgericht, um den Tag festzusetzen, æn
dem er die Gründe für einen neuen Prozeß
für Spalding anhören werde. Der Richter
erklärte, daß er in den nächsten Tagen seine
Ferien antreten, daß er aber sofort nach sei
ner Rückkehr die Gründe von Erx—-Richter
Longenecker, der Spalding vertheidigt hat,
für einen neuen Prozeß anhören werde. Bis
dahin bleibt Spalding im Gefängniß.

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