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Abendblatt. [volume] (Chicago, Ill.) 1894-1899, July 27, 1899, Image 1

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Herausgegeben von der Illinois Staats-Zeitungs- Co.
An unsere Leser.
Die Reorganisation der „Illinois-Staatszeitung“ hat die Cinstellung
des „Abendblattes“ nothwendig gemacht, und wir haben daher, unter Zustimmung des
Gerichts, mit den Herausgebern der, Abendpost“ ein Uebereinkommen getroffen,
ach welchem den bisherigen Abonnenten des „Abendblattes“ von morgen, den
28. Juli, an, die ebenso reichhaltige und mit gleich gutem Depeschen- und Lokal
dienst versehene „Abendpost“ zugestellt werden wird.
Die Illinois Staatszeitung Co.
An die Ahonnenten des Abendhsalls.
Bezugnehmend anf vorstehende Ankündigung, ersuchen wir alle rück
ständigen Abonnenten des „Abendblatts“, den fälligen Betrag an die
Expedition der„„lllinois Staatszeitung“ umgehend einzusenden.
Die 111. Staatszeitung Co.,
Ecke 5. Ave. und Washington Str.
5 AHßr Ausgabe.
Ueberblick und Kurzgefaßtes.
Adolph Luetgert starb heute Morgen
im Zuchthause zu Joliet. Auch im Zucht
hause behauptete er seine Unschuld und er—
: klärte, daß seine Frau noch am Leben sei.
Wohl nie zeor waren die Moskitos so
zahlreich und bösartig, wie in diesem Som—
mer. In verschiedenen Gegenden der West—
seite zündeten die Leute Feuer an, um mit
Rauch und Flammen die blutgierigen In—
sekten zu vertreiben.
“ Die Art und Weise, wie die Fahrgäste
an der Halsted-, zwischen der Clark- und 18.
Straße, befördert werden, ist eine Schmach
und Schande. Es laufen größtentheils nur
einzelne Cars und dieselben sind so überfüllt,
daß die Passagiere mitunter auf die Dächer
klettern.
Nachdem Thomas J. Morgan, A. M.
Simons und andere Sozialisten dem stell
jertretenden Mayor Walker die Versicherung
egeben, daß sie keine Anarchisten seien und
eine aufrührerischen Reden halten würden,
urde ihnen die Erlaubniß zur Abhaltung
on Versammlungen im Freien ertheilt.
Der ehrenwerthe E. S. Dreyer und
seine Advokaten haben abermals, diesmal
nter gefälliger Mitwirkung des Richters
aterman, einen Aufschub des Prozesses
urchgesetzt. Möglicherweise werden sie
ächstens den Spieß umdrehen, Dreyer als
jen unschuldig Verfolgten und den Staats
walt als den eigentlich Schuldigen hin—
sellen.
Der Geschworenenbestecher - Gehülfe
Armstrong erklärte, daß er verloren sei, als
der Geheimpolizist Tyrell ihn im fernen We—
sten verhaftete. Er scheint aber die Energie,
den Einfluß und vor allen Dingen die eld—
mittel seiner Hintermänner unterschätzt zu
haben, denn es ist sicher, daß sie sich mit aller
Kraft gegen seine Auslieferung sträuben
werden. Und aus guten Gründen, denn für
sie steht mehr auf dem Spiel, wie für Arm—
strong.
S SSSSS SS
Telegraphisce Depeschen.
oe : -
Truppen für Otis.
Drei Cransportdampfer heute nach
Manila abgegangen.
San Froncisceo, 27. Zuli.
Heute Morgen vor Tagesanbruch sind drei
Transportdampfer von hier nach Manila in
See gegangen. „Ohio“ und „Newpor!“ ver
ließen mit Rekruten und regulären Truppen
ihre Docks kurz nach Mitternacht, und der
„Tacoma“ ging um drei Uhr in See.
Auf dem „Newport“ und „Odio“ waren
vier Compagnien des 19. Infanterieregimen—
tes gleichmäßig vertheilt, und waren auch
noch einige hundert Rekruten an Bord. Der
„Tacoma“ hatte 300 Pferde für das 4. Ka—
vallerieregiment an Bord.
——— ——
-
Lohnerhöhung.
jwaukeer Straßenbahnleute um
efähr 75 Cents die Woche
aufgebessert.
Milwautkee, 27. Juli.
s die Angestellten der „Milwaukee
reet Railwayh“ und der „Electric Light
EñNapanh“ gestern Morgen ihren Dienst an
traten, waren sie erstaunt, eine Notiz ange
schlagen zu sehen, worin ihnen mitgetheilt
wurde, daß alle Leute, die fünf Jahre im
Dienst der Gesellschaft waren, vom 1. August
an eine Lohnerhöhung von einem Cent die
Stunde erhalten sollen. Wie es heißt, sind
die Leute, die sich im Jahre 1895 än dem
Streit betheiligten, in die Lohnaufbesserung
nicht eingeschlossen. Diese Lohnerhöhung
wird für die Betreffenden ungefähr 75 Cents
die Woche betragen, und der Zweck derselben
zst, wie ein Beamter der Bahngesellschaft
te, eine frundliche Gesinnung gegen die
sellschaft zu fördern.
Der Präsidentenmord.
Präsident Heureaux durch einen Schuß
in das Herz getoödtet.
Cape Hahti, 27. Zuli
Es sind hier nähere Nachrichten über dir
Ermordung des Präsidenten von Santo
Domingo eingetroffen. Präsident Heurcaux
wurde ermordet, als er im Begriff stend,
sich zu Pferde nach Santiago de los Cabal—-
leros zu begeben. Der Mörder, Ramon Ca—
ceros, näherte sich nit mehreren Verschwore—-
nen dem Präsidenten, während dieser mit
einigen Freunden sprach und feuerte zwei
Revolverschüsse auf ihn ab. Die erste Kugel
traf Heureaux in die linke Seite, durch
bohrte das Herz und verursachte seinen au—-
genblicklichen Tod. Die zweite Kugel öd—
tete einen alten Mann, der in der Nähe des
Präsidenten stand. Der Mörder und seine
Mitverschworenen flüchteten sich dann, und
bis jetzt weiß man noch nicht, ob sie schon
verhaftet sind.
Die Leiche des Präsidenten wurde in
den Palast des Gouverneurs von Moca
gebracht. -
Der Tod des Präsidenten Henreaux hat
eine Panik zur Folge gehabt. Es heißt,
daß Juan Isidore Jimines, der sich an
dem Insurrektionsversuch im Juni 1898
betheiligte, Candidat für die Präsident
schaft ist. ;
Auch Gen. Maximo Gom?z, der Präsi
dent der cubanischen Rebellen, soll nach der
Präsidentenwürde streben. ;
Der Vater des Mörders war im Jahre
1884 auf Befehl des Präsidenten Hen—-
reaux hingerichtet worden.
——
Die Nachricht bestätigt.
Die Ermordung des Präsidenten von
San Domingo vom amerikanischen
Honsul in Puerto Plate
bestätigt.
Washington, 27. Zuli.
Das Staatsdepartement hat die Bestäti—
gung des Todes des Präsidenten von San
Domingo in Gestalt folgender Depesche vom
amerikanischen Konsul in Puerto Plate er—
halten: „Präsident Heureaux ermordet.“
Die Nachricht wird auch vom Konsul Reed
in San Domingo bestätigt, aber Näheres
darüber ist nicht gemeldet worden.
Aach dem Crematorium.
Ingersoll's Ceiche heute Morgen
nach dem Krematorium in Fresh
Pond auf Cong Island
übergeführt.
NewNort, 27. Zul
Robert G. Ingersoll's Leiche wurde heute
Morgen von Dobbs Ferrh nach dem Crema—
torium in Fresh Pond, L. J., gebracht. Sie
befand sich in einem einfachen schwarzen
Sarg ohne Verzierungen; der Deckel des
Sarges war mit Rosen bedeckt. In e
Leichenzug befanden sich Frau Ingecsoll,
ihre beiden Töchter, Clinton B. Farcell,
Walston H. Brown, der Major O. I
Smith nebst Frau und Frederick C. Pen—
field.
———
Die „California“.
Der erste an der pazifischen Küste ge
baute Riesendampfer.
——
San Francisco, 27. Juli.
Demnächst soll der Kiel zu dem größten
Handelsdampfer gelegt werden, der jemals
an der pacifischen Küste gebaut wurde. Er
soll den Namen California erhalten, wird
451 Fuß lang, 51 Fuß breit, bei einer
Wasserverdrängung von 12,000 und einer
Tragfähigkeit von 8250 Tonnen. Die
„California“ wird von der „American—
Hawaiian Steamship Companyh“ geeignet
werden. Die Linie wird noch zwei andere,
Dampfer erhalten, die zwischen hier, Hono—-
lulu und New York laufen sollen.
Abendblatt.
Deutsche und französische See
lente.
„Hauptmann“ Schiemangk, ein gro—
ßer Schwindler.
Entsetzliches Eisenbahnunglück.
Berlin, 27. Juli
Die Blätter wissen viel von den Mitglie
dern der Mannschaft des französischen Aviso
„Ibis“ zu erzählen, welcher, wie bereits ge
meldet, in Geestemünde vor Anker liegt.
Dem Diner, welches den französischen Offi—
zieren von den deutschen Offizieren gegeben
wurde, folgten ähnliche Festlichkeiten nach.
Das beste Einvernehmen herrscht nicht allein
zwischen den Offizieren beider Nationen,
sondern auch zwischen den Matrosen und
Marinesoldaten. Noch kein Mißton hat die
fortgesetzten Verbrüderungs-Festivitäten ge
stört, an denen nicht allein die alten gedienten
Theerjacken, sondern auch „Landratten“
theilnehmen. Daß hierbei die edle Weib—-
lichkeit nicht fehlt, ist wohl selbstverständlich,
haben doch die schmucken Schönen von Gee—-
stemünde und Umgegend bald genug ausge
funden, daß die Franzosen famose Tänzer
sind. Ganz besondere Erwähnung fand in
den gestrigen Blättern ein derartiges Tanz
vergnügen, bei welchem Franzosen und
eutsche zusammen nach der Melodie tanz
les: „Wir halten fest und treu zusammen“.
Der Termin in der Anklagesache gegen
de Abenteurer „Hauptmann“ Schiemangk
ist aufgehoben worden, weil gegen den An—
geklagten noch eine zweite, ursprünglich auf
Betrug lautende Anklage schwebt, die nach
den weiteren Ermittelungen des Staatsan
waltes auch auf Urkundenfälschung ausge—-
dehnt und deshalb gleichfalls vor das
Schwurgericht verwiesen werden soll. Es
heißt, daß Schiemangk Verwandte von ihm
in Alzenau in Bahern um 10,000 Mark be—
schwindelte. Die Anklage, Spionendienste
gethan zu haben, wurde vom Reichsanwalt
fallen gelassen. Durch Fälschung seines
Nationale und anderer Papiere sowie durch
en der Abzeichen an seine Uniform
gab sich Schiemangk, bei den vielen Ur
laubsreisen, die er von Torgau aus unter
nahm, wo er als Gemeiner bei dem dortigen
Pionier-Bataillon stand, je nach Belieben
als Fähnrich, als Leutnant und schließlich
auch als Hauptmann aus, bis ihn das
Schicksal ereilte, als er einem Schlaftame
raden einen Rock gestohlen hatte, an dem
eine Rettungsmedaille befestigt war. ;
Ein entsetzliches Unglück hat sich in der
Nähe von Giengen an der Benz m würt
tembergischen Jagst-Kreise zugetragen. Als
ein Gesellschaftswagen mit Ausflüglern in
der Nähe der Stadt eine Kreuzung
württembergischen Staatsbahn passirte, 2
ein Zug, den der Kutscher des Wagens nicht
bemerkt hatte, herangebraust und fuhr mit—
ten in den Wagen hinein. Die Wirkung
war eine furchtbare. Sämmtliche Insessen
oes Wagens wälzten sich stöhnend in ihrem
Blute am Boden. Der Wagen rvar bells
ständig zertrümmert und eine weite Strecke
fortgeschleudert worden. Auf der Sttlle ger—
tödtet wurde der Schreiner Ruyp,
Schuhmachet Josenhaus, der Kupferschmied
Bandel und die Kutscher Georg Ritter und
Theodor Haering. Die Verunglückten waren
Mitglieder des Gesangvereins Liedertafel,
welcher einen Ausflug veranstaltet hatte.
Die Schuld an dem Unfall trägt der an der
Kreuzung stationirte Bahnwärter, welcher,
von der herrschenden Hitze übermannt, ein
geschlafen war und die Schutzbarrieren of
fenstehen ließ, trotzdem der herannahende
Zug wie üblich signalisirt wurde.
Der schönsten aller deutschen Universi—
tätsstädte, Heidelberg, hat der berühmte
Wiener Männergesangverein, welcher aller
Wahrscheinlichkeit nach auch nächst?s Jahr
an dem Sängerfest in Brooklyn theilnehmen
wird, einen Besuch abgestattet. 170 aktive
Sänger des Vereins betheiligten sich an dem
Ausflug. Die Stadt hatte ihnen zu Ehren
ihr schönstes Festkleid angethan. Flaggen
wehten überall und Abends fand große
Illumination statt; auch wurde ein präch
tiges Feuerwerk auf dem Schloßberge abge
brannt. Als der Extrazug, welcher die will
kommenen Besucher brachte, in die Bahn
hofshalle einfuhr, warteten ihrer dort die
Heidelberger Sänger mit zehn Fahnen.
Präsident Keller vom Liederkranz hielt 2
Bewillkonmnnungsrede, worauf Herr Neu—
ber seitens der Sänger aus der Krhensin
an der blauen Donau dankte. Abends fand
ein großartiges Bankett statt. Die Wiener
veranstaltéten während ihres Besuches zwei
Wohlthätigkeitsconzerte, mit denen si- einen
Riesenerfolg erzielten.
Die schon gemldete Typhusepidemie in
Löbtau hat trotz aller Vorsicht größece Di
mensionen angenommen, und jetzt ist sogar
die gefährliche Krankheit nach Dresden ein
geschleppt worden. In Folge dessen ist 2
verseuchte Woelfnitzer Wasserleitunz, die als
gefährlichster Förderer der Epidemie ange—
sehen wurde, geschlossen worden. Bis heute
sind 120 Erkrankungen und 12 Todesfälle
zur Anzeige gekommen.
In der Kaserne des 1. Westf. Feldartil—
lerie-Regiments No. 7 in Wesel ist eine
Typhus-Epidemie ausgebrochen. Eine An—
zahl Soldaten mußten in das Isolirhospitat
für ansteckende Krantheiten überführt er
den. Man glaubt die Entstehung der
Krankheit auf schlechtes Trinkwasser zurück—
führen zu können.
Unter den zahlreichen Kurgästen in Karls
bad, dem weltherührten Bade in Böhmen,
Chicago, Donnerstag, 27. Juli 1899.
befindet sich u. A. auch die bekannte Heroine
Adele Sandrock, welche eine abgesagte Feindin
von Mahnbriefen zu sein scheint. Als
ihr nämlich ein derartiges, gerade nicht ro—-
senduftiges „Billet doux“ übergeben wurde,
gerieth sie in eine unhändige Wuth, die sich
gegen den ungllicklichen Ueberbringer der
Epistel Luft machte. Nicht nur Ausdrücke
wie: „Elende Bagage“, „Gesindel“ u. s. w.,
sondern auch eine Gießkanne slogen dem be—
dauernswerthen Boten an den Kopf. Spä—
ter jedoch, als Klage gegen sie erhoben wurde,
gab sie klein bei, bequemte sich zum Abbitte—
leisten und bezahlte die Kosten, worauf der
Kläger das gegen sie eingeleitete Verfahren
zurückzog.
In Preßburg, der alten Krönungsstadt im
gleichnamigen Comitat Ungarn's, hat der
Gerichtsrath Josef Keiffel Selbstmord be—
gangen.“ ; *
In Kiel platzte an Bord des Schulschiffes
„Mars“ das Rohr einer Revolverkanon-, in
Folge dessen drei Mitglieder der Bedienungs
mannschaft verwundet wurden.
Der Landtagsabgeordnete Sachs starb in
Crailsheim, der Hauptstadt des württember—
gischen Jagstkreises. ;
Kapitän Karlowa, die Offiziere und die
Mannschaft des Dampfers „Pretoria“ der
Hamburger Packet-Dampfschifffahrt-Gesell
schaft haben vom Kaiser Orden und Ge—
schenke erhalten, weil sie im Februar auf ho—
her See gelegentlich eines schweren Stucmes
eine anerkennungswerth muthige Haltung
bewahrten, trotzdem das Steuerruder gebro—
chen war. ; :
Weil die Wiener Tagespresse sich am Mon
tag gestattet hatte, den Reichsrath wegen der
Großgrundbesitzer-Nothverordnaung zu kri
tisiren und zu behaupten, derselbe habe
die Herren Junker ausverkauft, wurde die
gesammte Tagesausgabe konfiscirt. ;
Eine Versammlung, in welcher über die
Erhöhung der Zuckersteuer gesprochen und ge
sagt wurde, daß mit Erlaß derselben ein
Rechtsbruch begangen worden, wurde aufge
löst, in Folge dessen es zu einem großen
mult kam. „Nieder mit Kaizl!“ „Nieder it
Lueger!“ wurde überall ausgerufen. daht
reiche Verhaftungen wurden vorgenommen.
Die „Arbeiterzeitung“, welche eine Beschrei—
bung dieser Vorgänge brachte, hatte in Folge
dessen Konfiskation der Tagesausgabe über
sich ergehen zu lafsen. Eine Versammlung
der Zuckerbäcker, welche abgehalten werden
sollte, wurde von der Polizei untersagt.
am —i —— ———
Dewey's Reiseplan.
Seine Ankunft in New Nork auf den
50. September festgesetzt.
Triest, 27. Zuli.
Es ist immer noch möglich, vaß das Lyn
chen der italienischen Unterthanen in Talla
lah, La., eine Aenderung in dem Reisepro
gramm des Admirals Deweyh zur Folge ha—-
ben mag. Er beabsichtigt jetzt, sich nur eine
Woche in Neapel aufzuhalten und dann Li
vorno und vlelleicht auch Villafranche anzu—!
laufen, ehe er nach Gibraltar geht. Die
„Olympia“ wird früh genug den Ozean kreu—-
zen, um am Nachmittag des 30. September
im Hafen von New York anzukommen. Sollte
sie früher auf der Höhe von New York ein
treffen, wird si bis zu jenem Tage in See
bleiben.
Admiral Dewey und seine Offiziere haben
Einladungen zu dem Leichenbegängniß der
auf dem österreichischen Torpedoboot umge
kommenen Offiziere und Mannschaften 2
halten.
Die „Olympia“ geht am nächsten Dienstag
Nachmitlag nach Neapel ab und wird am
Freilag dort eintreffen.
;
In England verhaftet.
Hat ihre Tochter aus Baltimore ent—
führt.
Lioerpoo!, 27 Juli.
Gleich nach der Ankunft des Dampfers
„Cambroman“ wurde Frau William Y.
Perot aus Baltimore, auf die Antklage,
ihre Tochter aus Baltimore entführt zu
haben, vom Polizeisergeanten Collins ten
der Scotland-Yard, und dem Polizeiser
geanten Bell aus Liverpool verhaftet. Frau
Perot war von einem militärisch aussehen
den Mann begleitet und die Fahrtarien
der Gesellschaft lauteten auf Herrn und!
Frau Pierce nebst Tochter.
Die Verhaftung wurde im Zollbureau
vorgenommen, während sie auf die Ab
fahrt des Expreßzuges nach London n
teten. „Pierce“ ist Capt. Blood, ein Bru—-
der von Lady Colin Campbell; Frau Pe
rot hatte die Verhaftung nicht erwartet
und wurde dadurch gewaltig überrast
Die Verhaftete wurde mit einem spte
ren Bahnzuge nach London gebracht und
wird heute Nachmittag im Polizeigericht
in Row Straße verhört werden.
w—— —— ———
Neue Dampferlinie.
Chilenische Küstendampfer nach
Frisco.
Valparaiso, Chile, 27. Juli.
Es wird mitgetheilt, daß die chilenischen
güstendampfer ihre Fahrten bis nach San
Francisco ausdehnen werden. ;
e
Zu spät.
Petition von Eingeborenen der Ka—
rolinen-Insel Kusale um Anglie—
derung an die Ver. Staaten.
San Francisco, 27. Juli.
Call sagt heute, daß die Ins-l Kusale,
eine der Karolinen, von den Ver. Staaten
annektirt zu werden wünscht. Der König,
mächtige Häuptlinge und angesehene Män—
ner auf der Insel, in der Zahl von 72,
haben eine darauf bezüglich:· Petition mit
der Bitte nach San Francisco gesandt, sie
dem Präsidenten zu übermitteln. Sie sa—
gen darin kein Wort von den Spaniern
oder den Deutschen, sondern verlangen ein
fach, an die Ver. Staaten angegliedert zu
werden. Die Petition ist dem Präsidenten
zugesandt worden.
Als die Barkantine „Ruth“ vor einigen
Monaten von den Inseln ankam, über—
brachte sie die Nachricht, daß die Deut—
schen den Versuch machten, die Insel in
Besitz zu nehmen und daß sich die Einge—
borenen vorbereiteten, sich dem Vorhaben
zu widersetzen. Jetzt, nachdem Deutsch
land die Inselgruppe von Spanien gekauft
hat, wird es sofort Besitz davon ergreifen,
und dann mag auf Kusdale, ähnlich wie
auf den Philippinen, ein Krieg ausbre
chen.
Die Petition aus Kusale ist zu spät
eingetroffen. ;
———
Diegelynchten Italiener.
Die Ver. Staaten willens, für drei
derselben eine Entschädigungs
summe zu zahlen.
Washington, 27. Juli.
Für drei von den fünf in Tallula, La.,
gelynchten Italiener wird Italien eine Ent
schädigungssumme erhalten und vom
Staatsdepartement wird dann zugleich die
Erklärung abgegeben werden, daß ein Aus
länder kein vollberechtigter amerikanischer
Bürger wird, ehe er sich nicht im Besitz sei
ner Naturalisationspapiere befindet.
—— ——
e
Städtisches.
Conferenz der Schuhfabrikanten.
Philadelphia als Versammlungsort
ausersehen. ;
Die Preise sollen höher oder das Material
schlechter werden.
Chicago's Schuhfabritanten und Groß
händler haben für heute eine Versammlung
einberufen, um über ihre Theilnahme an einer
am 8. August in Philadelphia stattfinden
den Conferenz von Schuhfabrikanten aus!
allen Theilen des Landes zu berathen.
Diese Conferenz wurde von der Shoe
Manufacturers' Association in Cincinnati
angeregt, die an alle ähnliche Vereine Ein—
ladungen dazu aussandte. Der Bre: ist,
Mittel und Wege zu finden, um ihre Indu—
strie wieder auf eine einträgliche Basis -
bringen, und dem Uebel abzuhelfen, in das
sie durch die Steuer auf Häute, die durch
Trusts in die Höhe getriebenen Preise des
Leders und fast allen übrigen Materials und
der Zuthaten gerathen ist.
Die Schwierigkeit, das Ziel zu erreichen,
liegt darin, daß es nach Ansicht der leitenden
Firmen nur zwei Auswege aus dem
lemma giebt, nämlich, entweder die Schuh—
preise zu erhöhen oder dieselben Preise bei
zubehalten, aber geringwerthigeres Material
zur Herstellung zu verwenden. Beide Vor—
schläge haben aber viele Gegner unter den
Fabrikanten, und es wird erwartet, daß die
Conferenz in Philadelphia, zu der sich von
allen Seiten Theilnehmer angemeldet hahen,
eine sehr lebhafte sein wird.
Große Leistungsfähigkeit.
Die städtischen Pumpwerke lieferten mit ge—
ringen Unkosten fast 6, 000, 000 Gallonen
Wasser mehr als im Vorjahre.
Aus dem halbjährlichen Berichie über den
Betrieb der städtischen Wasserwerke und diel
Leistungen ihrer Pumpen, den der Superin
tendent für die städtischen Maschinenwerke,
Thomas Downs, dem Ober-Vauamie einge
reicht hat, geht hervor, daß die Leistungsfä—
higkeit der Pumpwerke vom 1. Januar bis
zum 30. Juni dieses Jahres eine bedeutend
größere gewesen ist, als in demselben Zeit
raume des Jahres 1898, obwohl die en
für die Feuerung geringer waren.
Es wurden während der ersten sechs Mo—
nate dieses Jahres und zwar nur zur Tages
zeit über 58,669 Millionen Gallonen
Wasser von den Pumpwwerten für den Ver—-
brauch der Stadt geliefert, während im Vor—-
jahre in dem entsprechenden Halbjahre Tag
und Nacht nur etwa 47,752 Millionen Gal—
lonen geliefert werden konnten. Dabei
trugen die Ausgaben für die zur Feuerung
nothwendigen Kohlen im Jahre 1898 $104,-
356.42, dagegen in diesem Jahre nur $lO4,
251 g 1 oder $105.08 weniger. Trotz der ge
ringeren Unkosten waren also die Pumpwerke
im Stande, die Bürger mit nahezu 6 Mil--
lionen Gallonen oder 11 Prozent mehr Was
ser zu versorgen.
Die Ursache für diese erfreuliche Leistungs
fähigkeit der Pumpwerke ist in der sorgfälti
gen Verbesserung der Kesselaniagen und von
nahezu 17,000 Ventilen zu suchen.
Preis 1 Cent. 7. Jahrgang. No. 176.
Luetgert's Ende.
Der zu lebenslänglicher Zuchthaus
strafe verurtheilte Mörder seiner
Gattin todt in seiner FZelle
gefunden.
Herzschlag oder Selbstmord?
Wie aus Joliet berichtet wird, wurde
Adolph Luetgert heute Morgen todt in
seiner Zelle gefunden. Nähere Einzelheiten
über die Ursache seines Todes fehlen noch,
doch wird vermuthet, daß ein Herzschlag
seinem Leben ein Ende machte.
Dem vorliegenden Bericht zufolge fand
einer der Wächter ihn heute Morgen um
hi H 4 n. ilti ui! ?
n n
h h Etl m ; it
n
M ;
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I ;
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iE— J i
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; / 4 s 1 M
it y 4 ;1u 14
2 uli l/ ili 3
; M :4 ü N 2 7
; 1
21 ——
Adolph LCuetgert.
7 Uhr im sterbenden Zustande in seiner
Zelle, und noch ehe ein Arzt zu Hülfe ge
rufen werden konnte;, war der Gefangene
eine Leiche.
Die Untersuchung wird feststellen, ob
Luetgert eines natürlichen Todes starb, oder
ob er Gift nahm.
Die That Luetgert's, die damit verbun—-
denen näheren Umstände, der lange Prozeß
und die endlich erfolgte Verurtheilung wer—-
den noch jedem Leser frisch im Gedächtniß
sein.
Noch gestern schien Luetgert kch vollkom
men wohl zu befinden. Heute Morgen stand
er mit den übrigen Gefangenen auf und mar—
schirte in ihrer Gesellschaft durch den Corri—
dor, um sein Frühstück zu holen. Als dann
das Kommando zum Beginn der Arbeit er—
folgte, hörten die Wächter ein ungewöhnliches
Geräusch in Luetgert's Zelle und fanden :hn
auf seinem Bett liegend, augenscheinlich in
großen Schmerzen. Er starb, ohne eine Aus—
sage zu machen.
Luetgert hat während seines Aufenthalts
in Joliet stets seine Unschuld betont und be—
hauptet, daß seine Frau noch am Leben sei.
Er war seit dem 5. März 1898 im Zucht—
hause und erreichte ein Alter von 53 Jahren-
Der Coroner hielt eine Untersuchung ab
und die Jury. konnte sich nicht einigen, wes—
halb ihr Verdikt dahin lautet, daß die To—
desursache unbekannt sei. Spät·r hielt Dr.
OMalley die Postmortem-Untersuchung ab
und erklärte, daß ein Hel zschlag Luetgert's
Leben ein Ende machte. Die Leiche wird
nach Chicago gebracht und hier begraben
werden.
V
Briefkasten.
C. W. Um „Minnows“, die kleinen, als
Köder benutzten Fische, zwei bis drei Tage
am Leben zu halten, thue man dieselben in
ein Gefäß mit frischem Wasser, zu welchem
die Luft freien Zutritt hat, und füitere sie
mit einigen Brotkrumen.
Um Frösche am Leben zu erhalten, ver—
fährt man ähnlich. Sie werden in ein brei—
tes, mit frischem Wasser gefülltes Gefäß ge—
than, welches oben offen, aber mit einem
Gitter bedeckt ist, um ihr Herausspringen zu
verhüten. Eine kleine Leiter oder ein Holz—-
block in dem Gefäß muß den Fröschen einen
trockenen Ruhepunkt gewähren. Man füt—
tert sie mit Brotkrumen, Fliegen und der—
gleichen.
Für folgende Personen liegen Briefe
auf der Office d. Bl.: Frau Henrh Boeh—
land und Gustav Frankel.
Die Boörse.
Der Getreidemarkt zeigte wenig Verände
rung, doch hielt die Preisfestigung in Folge
der Nachrichten über durch die Hitze getrübte
Aussichten der Weizenernte im Nordwesten
an. Welschtkorn behauptete sich namentlich
in Folge der aus den Maisgegenden gemelde
ten Trockenheit. Schlußpreise für Septem—-
derticseruna: Weizen 715, Welschtorn 828,
Hafer 195, Roggen 512.
Streik der Ziegelmacher.
Ist für Stadt und County ange
„ordnet. 2
Bollstndige Lahmlegung der VWauthã
tigkeit befürchtet.
Die betroffenen Firmen.
Für heute sind die Ziegelmacher in allen
Ziegelfabriken CookCounty's, welche Union
leute beschäftigen, auf Beschluß des Distritt-
Council No. 1 der National Brickmakers'
Alliance zum Streik beordert worden und
haben ihre Arbeit niedergelegt. Die Ziege—
leien haben, mit Ausnahme einiger kleiner
Geschäfte, welche Nicht-Unionleute beschäfti
gen, alle ihren Betrieb eingestellt. Der
Anlaß dazu war die Unterstützung, welche
die Ziegelfabrikanten ihren Collegen auf der
Nordseite, deren Arbeiter bereits aus den
früher angegebenen Gründen die Arbeit ein
gestellt haben, angeblich zu leisten verspro
chen haben. 4
Der Streik wird von den Fabrikanten
und Contraktoren als einer der ernstesten
betrachtet, die seit Jahren stattgefunden
haben, und man befürchtet, daß er selbst
bei kurzer Dauer die ganze Bauthätigteit
in Stadt und Land lahmlegen werde.
Die Zahl der Streiker beläuft sich auf
etwa 2500 Mann, und da sie entschlossen
sind, jede Abladung von Ziegeln in der
Stadt zu verhindern, solange wie dre Streik :
dauert, so geben die Fabrikanten zu, daß
sie der Bewegung machtlos gegenüber stehen.
ind:
Alsip Brick Companh, No. 421 Chamber
of Commerce- Building, mit Anlagen in
Blue Island.
Busse & Sons, West 41. Straße und We—
stern Avenue.
John Busse & Co., West 31. Straße und
Sacramento Avenue.
Chicago Brick Company, West 45. Straße
und Western Avenue.
Gray & Tuttle, Pullman.
Holland Brick Company, Bernice.
Hoht & Alsip, Blue Island.
Koentz & Heier, West 28. und Rockwell
Straße.
Labahn Brick Company, Bernice.
May, Purington & Bonner, Dolton und
Glode Station.
William Mensching, West 31. Straße und
California Avenue. :
Thomas Moulding, Bernice.
Mike Myers, W. 31. Straße und Western
Avenue.
Purington Brick Company, Bernice.
Purington & Kimball Compery, Blue
Island.
William Rohn, West 31. Straße und Sa
cramento Avenue.
August Triebull, West 31. Straße und
Sacramento Avenue.
Wall Bros., Blue Island.
Wectler & Prussing, Blue Island.
Viehmarkt.
Der Rindermarkt war lebhaft und
die Zufuhren wurden rasch vergriffen. Die
Preise waren fest und für die besseren Sorten
Schlachtvieh bis zu 10c höher. Prima-Rin—-
der 5. 70—5.95, gewöhnliche Stiere 4.75
5.20, Maststiere 5. 20—5.70, Kälber 3.75
6.90.
Der Schweinemarkt war fester,
aber die Preise gingen in Folge der starten
Zufuhren s—loe zurück. Schwerr 4.25
4.50, leichtere 4.35 —4.65, Fertel 870 —4.55.
Schafe. Natives 4.25—.85, best-
Widder 5. 10—5.25, Lämmer 5.25—7.00,
westliche Schafe 4.00 —4.50. ;
Im Abendblatt findet man alle stnt

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