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Abendblatt. [volume] (Chicago, Ill.) 1894-1899, July 27, 1899, Image 5

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Der sibirische Rigoletto.
Skizze aus dem russischen Leben von Lachmanoff.
Uebersetzt von M. Moüko.
‘ (Fortsetzung und Schluß.) ;
Das Mädchen sah ihn an, ihre Augen
waren voll Thränen, die die Wangen ent
lang rollten, dabei lächelte sie wie ein Kind.
„Sie sehen, ich weine und schäme mich
nicht vor Ihnen! Verstehen Sie das?“
Er nickte mit dem Kopfe.
„Wassilji Iwanowitsch, Sie sind so gut,
so lieb, wie soll ich Ihnen die Wahrheit sa—
gen, ohne Ihnen wehe zu thun. Verzeihen
Sie, Sie Guter. aber ich bin die Sie
mich halten, und do H wieder nicht. Heiß ist
mein Blut, aber mein Herz ist hart. Ich
kann hungern und frieren, nicht ein Zimmer,
nein ein Gefängniß, eine Höhle wären nir
nicht schrecklich aber nur lieben muß
icht Wenn ich liebe, will ich mit nackten
Füßen auf glühenden Kohlen gehen: Liebe
ich aber nicht, so scheint mir jedes Zimmer,
die Bücher, die Freunde unerträglich! Ich
werde um mich schlagen, wie ein gefangener
Vogel, werde mich nach Allem sehnen, nach
dem Bach, nach den Bienen, werde zürnen
und schlecht sein, aus Aerger, daß ich mich
habe überreden lassen. Ich werde zu Grunde
gehen und Sie mit mir reißen!“
„Es ist nicht wahr, Warja, Sie verleum
den sich! Nun, auf ein Jahr, zur Probe,
als meine Schwester kommen Sie mit mir.“
Hinter den Sträuchern fiel ein Schuß.
Der gefleckte Pointer stürzte hervor.
„Hekttor, zurück!“
Unter einem schweren Schritt knisterte
as Gestrüpp und zehn Schritte vor Warja
d Ispalatoff stand Jedul. Beide umfin
sich mit einem heißen Blick, das Mäd—
und er, und Jedes sah, daß das An--
e schwer gelitten hatte.
„Darf man sich setzen?“ frug mit heise—
er, fremder Stimme Fedul Artamowitsch.
„Setzen Sie sich, da Sie gekommen sind.
Der Wald und der Bach sind frei und ge—-
hören Jedermann,“ sagte sie mit gefaßtem
Ton.
t Ispalatoff hatte sich abgewandt und nur
seine Mundwinkel zitterten und gzeigten
seine Seelenqual.
„Ich weiß, wovon man spricht!“ Fedul
warf den Kopf zurück. „Ich blieb einen
Augenblick hinter den Sträuchern stehen,
hörte sprechen es paßte mir nicht, zu lau—-
chen, und so trat ich vor. Ich weiß, Herr
Ispalatoff, zu welchem Leben Sie das
Mädchen überreden wollen, denn auch ich
habe mich nicht immer im Walde herumge—
trieben. Ich bin in Petersburg gewesen,
jabe auch ein Gymnasium besucht, habe
Ihre sechsten Stockwerke erstiegen, habe auch
Euren Zusammenkünften beigewohnt, wo
Ihr solcher geistigen Herrlichkeit das Hohe—-
lied singt, aber, höre auch mich,
Warwara Pawlowna, jage ihn weg von
Dir! Du wirst mit ihn abseits gerathen;
er wird Dich hoch heben, aber die Stütze
wird Dir fehlen, und wenn Du herabfällst,
zerschlägst Du Dich dann wird es nech
heißen, man habe sich in Dir geirrt, Kupfer
ür Gold genommen!“
Fedul lachte.
Ispalatoff sah ihn an, dann die schwei—-
gende Warja, stand auf, wartete noch ein
eilchen, sagte kein Wort und ging lang—
sam dem Ufer entlang.
„Gehen Sie nicht weit, warten Sie auf
mich,“ rief Warja. ;
Ispalatoff sah sich um, ging noch etwas
weiter und setzte sich nit dem Rücken gegen
die Beiden in einer Entfernung, die es ihm
unmöglich mnachte, etwas vom Gespräch zu
hören.
„Kann man sprechen?“
„Sprechen Sie, Fedul Artamowitsch, Sie
sind ja wohl deshalb in den Wald gekom—
men.“
„Ich bin mit meiner Kraft zu Ende,
arja! Die Seele schmerzt und bas karirt
man weder durch Wein, noch durch Gesang.
Heirathe mich, Warja!“
“ „Ich Dich? Die Tochter Stupins, des
Jahrmarktsnarren! Ich soll in Deine Fa-
milie treten? Besinne Dich, Fedul Arta—
mnowitsch!“
„Die Familie werde ich unterkriegen.
Und dann Du heirathest ja mich und
icht meine Familie!“
„Sag' mir,“ und sie schlang die Hände
um ihre Knie und wieder blitzte in ihren
Augen ein böses, eigensinniges Feuer auf,
„sag' mir, als ob Du vor Gott stündest,
glaubtest Du wirklich, daß ich Dich fangen
wollte?“
„Laß das,“ und die Ader schwoll auf Fe—
dul's Stirn.
„Nein, ich lasse nicht, ich muß es wissen!“
Warja sprang auf und auch Fedul erhob sich.
„Laß, Warja, erinnere mich nicht an jene
Nacht! Sie ist mir auf das Herz gefallen,
hat mir alle Kraft aus den Gliedecn gezo
gen.“
„Antworte auf meine Frage!“
„Nun, wenn Du die Wahrheit wissen
willst: ja, ich glaube, daß Du mich fangen
wolltest, Du stießest aber auf einen Klugen!
Unnütz war es, den Vater mit einem Zeugen
zu bestellen.“
„Ach“ Warja griff an ihr Herz.
„Du glaubst mir nicht? Frage Erema, den
Pferdeknecht, wie ich ihn nach Dir schickte
und befahl, nur wenn Du freiwillig kämst,
sollte er Dich bringen. Ich fügte hinzu:
Sage ihr, wenn sie mich lieben wird, foll
mir nichts zu schwer für sie sein, auch den
Erautkranz soll sie haben. Du aber wolltest
mich durch Kampf und Schlauheit zwngen.“
„Durch Schlauheit?“
„Genug, ich sage Dir, ich habe vergessen
nd komme freiwillig zu Dir.“
„Fedul Artamowitsch, Deine Seele hast
Du im Wein ertränkt, Deine Ohren taub,
Deine Augen blind gemacht, und · deshalb
verstehft Du mich nicht. Ich schwöre Dir bei
unserem .Heiland, ich habe nie den Gedanken
ehabi, Deine Frau zu werden. Mit heißem
rzen kam ich, vergaß den Vater. Nie aber
rde ich vergessen, daß Du so niedrig von
mir denken tonntest! Und jetzt, wo Du um
des Narxren Tochter wirbst, schlägt sie Dich
aus und wenn Du auf den Knien bittest,
Deine Itau werde ich nie.“
lad shnel und bös, wie ein Vild, das
durch qen Schuß aufgescheucht ist, war
Warja id Walde verschwunden, bevor Fe
a Artesowitsch Zeit hatte, zur Besinnung
1
Rilden Mewandt hatte, saß noch immer
ruhig auf seinem Platze.
1 *
In ihrem grauen Häuschen saß Hionija
Markowna im Lehnstuhl am offenen Fenster.
Vor ihr auf dem tleinen Tifchchen stand die
wie Gold blitzende Kaffeekanne, dicker, gel
ber Rahm in einem Kännchen daneben, gold—
gelber Kuchen in der kleinen Schale. An
ihrer linten Seite, dicht an ihrem Ellenbo
gen, hatte sich ein dicker, grauer Kater hin
gekuschelt und spann leise und zufrstden.
Hionija Markowna war: „in ihrem Glüct“.
So nannte sie jenes besondere, unbeschreib
liche Gefühl von Behagen, das sie ganz und
gar erfüllte in den Augenblicken, wo die Har—-
monie ihrer inneren Welt sich mit dem sie
umgebenden Leben deckte. ;
„Ach wie schön, wie herrlich lebt es sich
doch auf Gottes Welt. Wie es nur möglich
ist“ dachte sie weiter, „daß, wenn man stirbt
und vor Gottes Thron steht, es noch schöner
sein kann!“
Heute war sie bei einer alten, kranken Frau
gewesen, bei einer klugen und frommen Ma
trone. Sie hatten viel über Gottes Wort
geredet, dann war sie heimgetehrt, hatte ihren
seidenen Sonntagsstaat abgelegt, ihr weiches
wollenes Morgenkleid übergeworfen, duften
den Kaffee gekocht und sich an!s Fenster ge
setzt. Vor dem“ Fenster lag der Garten, da
hinter floß der Bach und weiter sah man den
grünen Wald, der sich wie weicher Sammt
vom Himmel abhob und ihr von grenzenlo
ser, ewiger Liebe erzählte. :
„O ihr Menschen, Menschen“, und sie
schüttelte den Kopf, „in solch' einer herrlichen
Welt laßt Ihr Euer Herz erkalten, laßt Bos
heit über Euch kommen! Es giebt ja gar
teine Sorge, sie wird nur erfunden,
Mit einem Krach flog die Thüre auf, Kaf
feekanne und Rahmguß schlugen aneiaander,
der Kater sprang entsetzt auf und versteckte
sich unter den Tisch.
„Der Heiland sei mit uns! Warja,
rum kommst Du denn wie ein Orkan? en
Du mit dem Vater uneinig?“
„Mit dem Vater? Wo ist denn mein Va
ter?“
Warja stand vor Hionija Markowna mit
bösen dunklen Augen, mit aufgelöstem Haar,
das nur durch ein klen-s blaues Tuch ver—
deckt wurde. In ihrer fest zusammengepreß
ten Hand hielt sie noch den Korb mit Pilzen,
den sie instinktiv ergriffen hatte, als si2 von
Fedul Artamowitsch fortgelaufen war.
„Wo ist der Vater, frage ich? Sonst trank
er doch wenigstens hier, aber jetzt, wo er sein
Gewissen vollständig vertrunken hat, ist er in
die Steppe nach Schnaps gegangen!“
„Beruhige Dich, Mädchen, sprich n-cht so
unehrerbietig von Deinem Vater; der Teu—
fel flüstert es Dir in's Ohr. Warum be—
schuldigst Du den Vater? Hat er Dich ver—
trunken oder verkauft? Woher kommst Du?
Was ist geschehen? Bist ja ganz bleich.“
„Ich komme aus dem Walde, Großmütter
chen, habe ihn gesehen“ und plötzlich warf
sie sich vor der Alten auf die Knte, verbarg
ihr Gesicht in dem Schooß der Matrone und
schluchzte heiß und leidenschaftlich auf.
„Nu, nu Kindchen nu, nu Töchterchen,
Närrchen, wein' Dich nur aus, der Aerger
wird mit den Thränen fortgespült und der
Kummer wird durch sie gelichtet.“
„Großmütterchen“ und Warjia, ganz
klein, ganz demüthig, wie ein Kind, schmiegte
den Kepf an das Knie der Alten
mutter, er glaubt, ich hätte ihn durch List
fangen wollen; er denkt, ich hätte den Vater
und Ispalatoff in den Garten bestellt.“
„Laß ihn denken, Warinka, es gieht teine
Lüge, die vergraben bleibt, keine Wahrheit,
die nicht an das Tageslicht dringt! Lerne
warten, laß die Bosheit zur Ruhe kommen.“
„Er will mich heirathen, will verzeihen
vergessen, daß ich ihn fangen wollte! Wie
wagt er zu denken, daß ich ihm verzeihen
werde!“
„Wart', wart' er hat gesagt, er wolle
Dich heirathen, Dir verzeih:n? Gott dem
Allmächtigen sei gedankt! O Mädchen, die
Liebe bewirkt Wunder! Begreife doch, Un—-
verständige, wenn er verzeiht, glaubt er
doch, daß Du ihn schwer beleidigt hast.
Glaubt das und verzeiht doch! Begreif',
Warinka, er, dessen Herz wild ist, der für
eine Beleidigung Blut fließen läßt, er ist
hier schwach, sein Herz verzeiht, er till
Dich zur Frau nehmen. Ja, das ist ja ein
Wunder, er mit seinem Stolz, mit seiner
Eigenmacht, mit seinem Reichthum, er freit
um die Tochter Stupin's!“
„Da ist es heraus! Ties Tochter Stu—-
pin's! Ist das ein Fluch? Ihn macht sein
Neibthun stolz, mich meine Armuth. Mich
wird er heirathen, den Vater verachten, das
kann ich nicht das will ich nicht —“
„Villst nicht? Und liebst ihn doch?“
Warja wurde still, kaum athmend sah sie
ängstlich, verzagt in die gütigen Augen der
Greisin.
„Du brauchst nicht zu antworten. Laß
in der Seele ruhen, was die Seele allein
weiß. Du hast ihn zurückgewiesen, gut, so
hat Eure Stunde eben noch nicht geschla—-
gen, Eure Herzen sind noch nicht in Ein—-
tlang viel liegt noch dazwischen. Laß
nur die Zeit walten. Bist vom Wege ge—
rathen und hast einen anderen miigerissen.
Komm mit mir, Kind, wir wollen zusam—
men den Kummer vertreiben. Schon lange
will ich zur Mutter Gottes von Abalac,
aber das Kloster liegt hinter der Stadt
Tobolsk. Unaussprechlich sind die Ruhe und
der Friede dort nur Wald rings herum.
Um dahin zu kommen, müssen wir den
Fluß herunter fahren, Tochter, ruhig und
still auf einer Barke mit Pilgern. Den
Rest des Weges gehen wir dann zu Fuß.
Unseren Gram wollen wir der Mutter Got
tes zu Füßen legen und sie bitten, daß sie
ihn von uns nehme.“
Warja hörte, die Augen aufmerksam auf
die Greisin gerichtet, zu, und diese strich mit
der alten runzligen Hand über die thrä—
nenüberflutheten Wangen des Mädchens.
Der Blick der Matrone war wieder auf den
Wald gerichtet.
„Es ist gut, aus der Nähe der Menschen
zu gehen, die uns wehe gethan haben, und
unter Gottes Schutz auf sie zurück zu
schauen; unsere Angelegenheiten, Handlun
gen, Reden mit uns allein in Gottes Stille
in unserer eigenen Seele zu überlegen. Du
ktlagst, daß er Dir nicht glauabt, Dich nicht
begreift? Ich aber sage Dir, sein- Seele
ist aus ihren Ufern getreten, und er hat
nicht die Macht, sie zurück zu
Gehe aus seiner Nähe und er wird seine
Gedanken sammeln und findet dann viel—-
leicht den rechten Weg. Wollen wir gehen,
Warja?“
„Gehen wir, Großmutier, gehen wir um
Gotteeswillen! Nimm mich fort von hier,
versteck mich, laß mich mein Herz meistern,
es brennt so, Großmutter!“
„Komm, Kind, komm! » Deinen Vater
werde ich durch meinen Schwager benach—-
richtigen lassen. Du aber bleib' stark.
Große Vorbereitungen brauchst Du nicht,
Deine Wäsche nimm mit und damit fertig.
Und morgen, bevor noch die Sonne usae
gangen ist, bevor die Vögel Zeit gefunden
haben, ihr Morgenlied
schwimmt schon unsere Barke auf dem
Fluß. Die Barke geht Nachts ab, nimmt
Uebersiedler und Pilger mit; wir wollen
auch darunter sein. Warum hast Tu Dich
versteckt“, wandte sich die Alte an den Ka
ter. „Dich hat Warja erschrecktt, kam her
eingeflogen, wie der Wind. Aber auch ich
bin unverständig, rede und rede und lasse
den Kaffee kalt werden. Nun, Warja, gieb
dem Großmütterchen so wie einst zu trin
ten.“
„Liebes Großmütterchen, wird er mir je
glauben, so glauben, ohne daß ich mich
rechtfertige? So aus eigener Seele her
aus?“
„Schweig', Kind, genug davon. Wenn
Gott Euch beschieden hat, den Weg durch's
Leben zusammen zu gehen, so werden Euch
Berge nicht trennen. Wenn Euch aber nur
das Blut zu einander getrieben hat, dann
trennt Euch ein Strohhalm. Und nun
gieb mir den Kaffee.“
* * *
Die Sonne lugte hinter den Bergen, die
Hionija Markowna gestern bezeichnet hatte,
hervor, di-2 Vögel sangen und von Zeit zu
Zeit erschütterte ein Schuß die Luft und
Hektor war in voller Thätigkeit. Von der
Anhöhe sah man den Rauch eines Dampfers,
der eine Barke mit Uebersiedlern und Pil—-
gern in's Schlepptau genommen batte, in
deren Mitte Hionija Markowna mit der schoõ
nen Warja saß. Beide sahen zurück auf den
sich dunkel abhetenden Wald und jede ver
folgte ihre eigenen Gedanken. Die Biernen--
stöcke des alten Mirons waren von der Sonne
hell beleuchtet. Wonnige Wärme umgctb sie,
rundherum summten die Bienen. Miron
hat die Augen mit der Hand beschatiet und
sieht um sich. Er dankt der Sonne dafür,
daß sie leuchtet, dem Winde, daß er die Luft
erfrischt, „er betet in seiner Seele; dann be—
giebt er sich an seine tägliche Arbeit. Doch
da öffnet sich die Gartenthür und zjedul Ar—
tamowitsch kommt herein.
„Freust Du Dich des Gastes?“
„Wenn Du zum Guten kommst, so grüße
Dich Gott. Ein guter Gast ist Gottes Abge—
sandter. Bist Du hungrig oder müde?“
„Ich bin müde und hungrig, war in den
Morästen.“ :
„Und immer mit dem Hund und dem Ge—
wehr? Todtbringend, wo Du erscheinst?“
„Ich jage, dabei ist keine Sünde.“
„Ißt Du Alles auf, was Du erlegst?“
Alles? Wie wãre das mglich? Manch
mal bringe ich eine ganze Fuhre Hasen nach
„So verkaufst Du?“
„Bist Du närrisch? Verkaufen wem?
Zu welchem Preis? Die Hunde werden da—
mit gefüttert.“
„So! Willst Du Milch?“
„Gieb!“
Und wieder saß Fedul Artamowitsch auf
der kleinen Bank. Alles erinnerte ihn an
Warja, an ihre frische, strotzende Schönheit
voller Kraft und Widerstand. Hier war sie
hatte die Hände erhoben und mit
den Bienen gespielt, aus dieser Thüre war sie
getreten und hatte ihre Hand auf seine Schul—-
ster gelegt, als er nach seiner Flinte gegriffen
hatte, die blauen Augen leuchteten wie Feuer,
flammten stolz und zornig. Das herrliche
Mädchen, wo war es?
„Iß in Gottes Namen; gestern erst nahm
ich den Honig heraus.“
„Der Alte stellte Brod, Milch und einen
Teller mit einem Stückchen goldgelben, aro—-
matischen Honigs von Fedul.
Fedul stellte das Gewehr hinter sich, nahm
die schwere Jagdtasche ab, brach ein Stück
Brod ab und warf es Hektor zu.
„Und die junge Wirthin kommt nicht her
aus?“
„Keine alte und keine junge! Meine Frau
hat Gott zu sich beschieden und eine Tochter
hab' ich nie gehabt.“
„Nun denn, Jeine Tauftochter? Ich
spreche von Warja Pawlowna.“
Miron's Gesicht verdüsterte sich.
„Wenn Du Gast bist, so sei auch Gast und
fordere nur, was Dir zukommt. Unnützes
Ausfragen aber geziemt sich nicht.“ ;
„Nun denn, Miron, ich' bin nicht rach
Milch und Honig gekommen, nicht meine mü—
den Füße haben mich hergetrieben; ich war
gestern Abend in Stupin's Haus; wie aus—
gestorben ist es da. Dann ging ich zu Hio—-
nija Markowna die ist auf einer Pilger
fahrt; überall war ich, aber nirgends fand
ich Warja. So komme ich zu Dir. Das
Leben ist öde, ist nicht zu ertragen ohne sie.
Wo ist sie?“
„Wenn Du auf geradem Wege zu mir
kommst, so will ich nicht ausbiegen. Wann
sahst Du Warja?“
„Gestern Morgen, im Walde, ich sagte ihr,
daß ich sie zu meiner Frau machen wolle.“
Abendblatt. Donnerstag, 27. Juli 1899.
„Nach dem Gesetze? Vor Gott und den
Menschen?“ ;
„Ja, nach dem Gesetze! Das Leben ist
ohne sie nicht lebenswerth.“
„Und was sagte sie?“
„Der Zorn steht zwischen uns, Kränkung
trennt uns, wir müssen uns aussprechen.“
„Sie ist nicht da, Fedul Artamowitsch!“
Vie, nicht ral· dodut war aufgesprun
gen. „Nicht da? Wer hat sie genommea?
Wer hat sie mir abspenstig gemacht? Du?
Es giebt keinen Platz, von dem ich sie nicht
hole. Todt nehme ich sie mir, wenn ich sie
lebend nicht haben kann.“
„Beruhige Dich. Warum polterst Du ohne
Grund? Selbst ist sie gegangen, selbst wird
sie heimkehren. Ach Fedul Artamowitsch,
Du hast keinen Glauben. Nur die Leiden—-
schaft lebt in Dir, komm' zu Dir, besinne
Dich!“
„Du sagtst, sie kehrt zurück? Dann ist sie
mein! Das Gewesene wird wie mit dem
Beil abgehackt und in den Wald gewerfen
sein.“
Miron setzte sich zu Fedul.
„Wirf nicht fort, suche zu verstehen. Du
gehst in den Wald. Hast Du Gott gespürt?
Schießt, tödtest. Wir sind vom Urgroß
vater her Förster, nur ich wurde aus Liebe
zu den Bienen Bienenzüchter, und
nun höre auf mich, wie wir den
Wald erfassen. Der Wald ist gewaltig,
in ihm wohnt Gott. Hast Du ein Gewitter
gesehen? Vor mir wurde einst eine Fichte,
deren sich noch mein Großvater aus seiner
Jugend erinnerte, in Splitter geschlagen.“
Willst Du, Alter, daß ich Dir zuhöre,
so sage mir erst, wo ist Warja?“
„Warja ist mit Hionija Markowna zur
Mutter Gottes von Abalac gepilgret; sie
will ihr unruhiges Herz dorthin bringen.
Findet sie Ruhe, so kehrt sie heim zu Dir
in Frieden und bringt Dir ein ergebenes
Herz. Liebt sie Dich, so vergiebt sie Dir,
denn Du hast sie schwer gekräntkt.“
„Ich habe sie gekränkt? Ich sie?“
„Hast Du das Mädchen wirklich für
fähig gehalten, sich auf Schlauheit zu ver—
legen? Ist sie im Stande, ihren Stolz so
zu beugen? Sie war mit Ispalatoff auf
der Schaukel, als Erema sie zu holen kam;
sie überlegte nicht, setzte sich in's Drei—
gespann und fuhr davon. Ispalatoff war—-
tete auf den Vater und Beide eilten, um
das Mädchen vor Deiner Lüsternheit zu ret
ten. Schwach ist Deine Seele, mit Un—
rath gefüllt; tlein die Menschen, die sich
zu Dir gesellt haben! Deine Augen sind
blind geworden, Du hast kein Verständniß
mehr für Reinheit, Größe und Wahrheit!“
„So ist sie ohne Schuld:“
„Urtheile selbst!“ :
Fedul saß still, bewegte sich nicht und
sah in die Berge. Zorn, Stumpfsinn, Ge—
nußsucht schmolzen in seinem Herzen weg,
wie Schnee in der Sonne. Und etwas
Helles, Liebes zog in seine Brust.
„Erkenne Gott,“ sagte leise Miron.
„Gehe Morgens hinaus in den Wald, aber
ohne Gewehr, den Hund laß zu Hause.
Dann denke darüber nach, was der Mensch
sist, wie klein, unbedeutend ein Wurm!
Gott athmet und Du bist vernichtet!
Und Du hältst Dich für einen Herrscher,
gehst mit einem Gewehr, säest Tod um
Dich, läßt unnütz Blut fließen, und for—
derst Glück für Dich! Und wie forderst
Du es? Mit Fluchen, mit Drohen! Suche
Frieden, Fedul! Geh' in den Wald mit
dem Gedanken an Gott und Dein Herz
wird weicher werden, Deine Gedanken rei—
ner Du wirst Dich selbst wieder finden,
und wenn es Dir beschieden ist, Warja zur
Frau zu bekommen, so wird nicht nur ihr
Leib Dein sein, sondern auch ihr Geist.
Du lebtest ein thierisches Leben, nahmst
mit Gewalt und drohtest mit Blutvbergie—
ßen, sie aber suchte Deine Seele, lehrte
Dich leiden, und wer leidet, der wird auch
Erlösung finden.“
Miron ging in's Haus.
Fedul aber saß still und sah dorthin,
wo der grüne Wald rauschte, überwältigend
in seiner Größe und doch wohlthuend und
Frieden spendend. :
——— ———— f M
Ausland.
Neunter internotionaler
Congceß für Augenhciltunde.
Aus dem Haag wird berichiet: Vom 14.
bis 18. August findet in Utrechi der neunte
internationale Congreß für Augenheiltunde
statt, zu dem sich, nach dem „Nieuwe Rotter—
damer Courant“, bereits über 200 Theil
nehmer aus den verschiedensten Ländern an—-
gemeldet haben. Gleichzeitig mit dem Con—
greß, der Plenar- und Sektionssitzungen
halten wird, wird eine Ausstellung von oph—-
thalmologischen Instrumenten veranstaltet.
Die Zahl der angemeldeten Vorträge beläuft
sich auf etwa 100, so daß auf jede Sektion
reichlich 30 entfallen. Für die Nachmittege
sind Ausflüge nach Amsterdam, Soestdijk
und Baarn, sowie nach Scheneningen vorge
sehen, zu denen die holländischen Eisenbahn
gesellschaften Extrazüge zur Verfügung stel
len.
legenheit des Regierungspräsidenten
von Oertzen, ehemaligen Lippischen Mi
nisters, gegen die fürstlich lippische Regie
rung auf Zahlung von Wartegeld wurde
diese, wie schon gemeldet, oerurtheilt
Aus den Gründen des Urtheils ist nun, wie
die „Lippische Tages-Zeitung“ berichtet, her
vorzuheben, daß von Oertzen seine Ver—
pflichtung zur Rückerstattung eines Theilbe—-
trages des von ihm vor seinem Abgange er
hobenen Gehaltes niemals bestritten, gegen
Forderung aber die Einrede der Com—-
pensation in Höhe des ihm, wie jetzt feststeht,
u Unrecht von der lippischen Regierung vor—
enthaltenen Wartegeldanspruchs erhoben hat.
Die vor einigen Monaten auf Grund unrich
tiger, von Detmold ausgehenden Darstellun—
gegen den ehemaligen Mir.ister in der
Preffe laut gewordenen Vorwürfe wegen sei
nes Verhaltens in dieser Angel nenheit ha
ben sich als völlig unbegründet erwie—
sen. Die genannte Zeitung fügt daran des
Versprechen, auf die Sache noch zurückkom—-
men zu wollen! :
—Ein ergötzlicher Meinungs—
austausch hatte unlängst zwischen
der „Neuen Bayerischen Landes-Zeitung“ in
Würzburg und der „Lippischen Tages-Zei—
tung“ stattgefunden, in dem erstere zuletzt u.
A. geschrieben hatte: „Wenn aber das Or—
gan (d. Lipp. Tages-Ztg.“) gerade eine Neu—
gierde nach weiteren Mittheilungen von unse—-
rer Seite hat, wenn es vielleicht gar noch
Schuldscheine eines sehc hohen, aber
nicht in München residirenden Herrn sucht,
welche auch unerklärliche Dinge erklärlich er
scheinen lassen, können wir ihm in seiner
nächsten Umgebung eine sichere Stelle bezeich
nen, wo solche Scheine zu finden sind: in der
Schatulle der alten, sehr reichen Fürstin von
Bückeburg.“ Darauf erwidert die,Lipp.
Tages-Ztg.“: „Wir halten es für unter un
sever Würde, auf die Anrempelung der „N.
B. L.-Z3.“ zu antworten, soweit sie sich mit
uns beschäftigt, da aber der vorstehend wie—
dergegebene Satz eine Spitze hai, die nur zu
durchsichtig ist, so haben wir an maßgeben
der Stelle Erkundigungen eingezogen. Wir
haben die Freude, nunmehr zu der Erklärung
ermächtigt zu sein, daß an der ganzen Ge—
schichte kein wahres Wort ist.“
Ueber eine segensreiche Ein—
richtung wird der „Straßburger Post“
aus Mülhausen geschrieben. Dort hat die
Kammgaxnspinnerei Schwart & Co.
eine Kinderbewahranstalt errich
tet, in der Kinder Aufnahine finden, deren
Mütter in der Fabrik beschäftigt sind, und
enr so lange, bis sie in eine Elementarschule
aufgenommen werden können. Die Kinder
verbleiben von 6 Uhr Vormittags bis 6 Uhr
Abends in der Anstalt, wo sie von zwei ka—
tholischen Schwestern beköstigt, bewahrt und
gerpflegt werden. Luftige, helle, im Winter
durch Dampfheizung erwärmte, mit Par—
kettboden versehene Räume, im Sommer ein
Garten mit dem nöthigen Spielzeug stehen
den Kleinen zur Verfügung. Auch rine der
Kinderanzahl vierzig entsprechende
Anzahl Betten ist vorhanden, damit die jun--
gen Herren und Damen, es sind solche von
15 Monaten dabei, ihr Schläfchen halten
tönnen. Zweimal wöchentlich werden
sämmtliche Kinder ärztlich untersucht, wie
auch der Arzt sich von dẽn hygienischen Zu—-
re der Anstalt zu überzeugen hat. Fer
ner hält er an bestimmten Tagen unentgelt
liche Sprechstunden für sämmtliche unter 14
Jahre alten Kinder der Fabrik ab.
Leopold v. Bblumencron
gestorben. In Wien ist der elteste
Journalist der Welt gestorben. Es war dies
der verantwortliche Redakteur des „Frem—
den-Blatt“, Leopold Reichsritter v. Blumen—-
cron, der in Brunn am Gebirge, wo er zum
Sommeraufenthalte weilte, im 96. Lebens
jahre sanft verschieden ist. Ritter v. Blu—
mencron wurde am 21. Februar 1804 als
der Sprosse einer alten deutschen Adels—
familie, die 1690 in die böhmische Ritter—
schaft aufgenommen worden war, in Wien
geboren. Als dreizehnjähriger Knabe wurde
er am 6. Juli 1817 in die Wiener-Neustädter
Akademie aufgenommen und war dort ein
Jahrgangskamerad und der Alphabetnach
bar des nachmaligen Feldzeugmeisters v. Be
nedek. Am 18. Oktober 1822 wurde Blu—
mencron als Fähnrich zur Toscana-Infan
terie ausgemustert und kam mit dem Regi—
ment nach Italien; bald darauf wurde er
Leutnant. Nach sieben Jahren, am 30. Juni
1829, quittirte er seine Charge und wurde
unter der Leitung Mayseder's Musiker. Als
Geigenvirtuos durchzog er die Hauptstädte
Europas und war gleichzeitig schriftstellerisch
thätig. Im Jahre 1853 wurde er Journa—-
list und trat in die Redaktion der früheren
„Vorstadt-Zeitung“ ein. Er war auch Mit—
arbeiter der von O. B. Friedmann geleiteten
„Neuesten Nachrichten“ und kam 1864 als
verantwortlicher Redakteur zum „Fremden—-
Blatt“. In dieser Eigenschaft war er 35
Jahre lang thätig. Am 20. Februar d. J.
hat er seinen 95. Geburtstag gefeiert und
erhielt bei diesem Anlasse von der Neustädter
Theresianischen Akademie folgendes Tele—
gramm: „Dem wohl ältesten ehemaligen
Zögling gratulirt herzlichst zum fünfund—
neunzigsten Geburtstage die Theresianische
Militär-Akademie.“ Als verantwortlicher
Redakteur des „Fremden-Blatt“ fungirte er
bis zu seinem Lebensende und kam bis we—
nige Wochen vor seinem Tode täglich in die
Redaktion. Eigentlich krank war er nur drei
Tage vor seinem Tode.
Straßen gesund? Von den Bakte—
riologen wird der Einwand erhoben, daß die
durch das Sonnenlicht und das Austrocknen
dem Untergang entgegengehenden niederen
Organismen durch das Besprengen mit Was—
ser neue Lebenskraft erhalten, dem Absterben
entgehen und sich sogar vermehren. Eine im
hygienischen Institut zu Freiburg vorge—
nommene Untersuchung über den Keimgehalt
besprengter und nicht besprengter Straßen,
welche Dr. Teïfi Mazuschita soeben im Ar—-
chiv für Hygiene veröffentlicht, ergiebt ein
derartiges Resultat. Die Anzahl der im be
sprengten Staube vorhandenen Bakterien
übertraf die in unbesprengtem Staube lie—
genden um mehr als das Doppelte (1,204, 948
zu 589,857), weil der Wassergehalt des be
sprengten Straßenstaubes für die Vermeh—
rung der Bakterien günstig ist. Nach vier
Tage lang anhaltendem schönen Wetter er
gab die Untersuchung in 1 Gramm unbe—
sprengtem Straßenstaub den Gehalt von
1,893,000, in besprengtem Straßenstaub
dagegen 2,211,500 Bakterien. Nach 26 Tage
lang dauerndem schönen, trockenen Wetter
war die Zahl der Bakterien in je 1 Gramm
bei unbesprengtem Staube auf 37,250 ge
sunken, während besprengter Staub noch
97,883 Batterien enthielt. Die Besprengung
der Straßen ist also vom hygienischen
Standpunt aus insofern ungünstig zu be—
urtheilen, als die Zahl der im Staube le—
benden Bakterien, unter denen verschiedene
krankheiterregende Arten sind, nach der Be—
sprengung um mehr als dass Doppelte zu—
nimmt. Die Schädlichkeiten, welche etwa
Finanzielles.
: THE
lhi 1 ß ; ʒ
ran halmal dan
Dearborn und Monroe Str., Chiceago.
Caypital oo SSOO, 000
Ueberschuß. . . . . . . . . · · SSOO, 000
Laufende Conti werden, wie bei den hiesigen
Banken Regel, geführt. Solche, die gegen Checks bei
uns deponiren, können gute taufmännische Papiere bei
uns discontiren und Darlehen auf verläufliche Werth
papiere erhalten.
J.R. WALSH, Präsident. :
7. M. JAOKSON, Hülfs·Kassirer.
16ag, baw
f - -
Keine Commission. ĩ.dltone ã do.
206 Lasalle BStr.
Darlehen auf bebautes e
Chicagoer Eigenthum. Expresß; 681.
E. G. PAULINOC,
132 La Salle Str.
Geld zu verleihen auf Grundeigenthum.
Erste Hypothelken zu verkaufen.
snvl
durch diese doppelte Zahl hervorgerufen wer
den könnten und lediglich auf die Zersetzung
organischen Materials zurückzuführen sein
würden, treten indeß zurück vor dem sani—
tären Nutzen, den die Besprengung zur Folge
hat. Dieser Nutzen besteht nicht nur in der
Herabsetzung der Temperatur durch die Bin—
dung der zum Verdunsten des versprengten
Wassers nöthigen Verdampfungswärme,
sondern hauptsächlich in der Fixation des
Staubes am Boden, wodurch dem Entstehen
von Staubinhalationskrankheiten, sowie in—
fektiösen Erkrankungen der Athmungsorgane
vorgebeugt wird. In Berlin wie auch in
Paris liegen die Verhältnisse insofern an—-
ders, als statt einer Besprengung der Stra—-
Ben überall eine Abspülung stattfindet. Man
kann hier die berechtigte Erwartung haben,
daß mit der Abschwemmung sämmtlicher
Unreinlichkeiten von den gu t befestigten
Straßendämmen natürlich auch die Bakte—
rien abgespült und mit dem Kanalwasser in
geeigneter Weise entfernt werden.
—— ——— ——
Der verzauberte Creff-Koönig.
3
Durch einen gelungenen Gaunerstreich,
der auch in Amerika vorgekommen sein
könnte, wurde vor Kurzem ein reicher sran—-
zösischer Gutsbesitzer um das runde Sümm—
chen von 600 Francs beschwindelt. Der Mann
befand sich mit seinem Fuhrwerk auf dem
Wege von seinem nahe bei Paris gelegenen
Gute nach der Hauptstadt. Wenige Kilome—
ter vor den Festungswerken wurde er von
einem elegant gekleideten Fremden angespro
chen, der ihn fragte, ob es noch weit dis zur
Stadt sei. Wie der Fußgänger augenschein
lich erwartet haben mochte, bot ihm der gui
müthige Landmann einen Platz in seinem
Wagen an, was auch mit Dank acceptirt
wurde. Kaum waren die beiden Hercen eini—
ge Minuten zusammen, da entdeckten sir
schon, daß sie gegenseitig großen Gefallen an
einander fanden. In lbhafter Unterhaltung
begriffen, fuhren sie in gemächlichem Tempo
die glatte Chaussee entlang, als der Fremde
plötzlich mit einem Ausruf des Erstaunens
auf einen Meilenstein zeigte. An der ihnen
zugekehrten Fläche des Steines erblickte man
eine Spielkarte, und zwar den Trefftönig.
Irgend jemand mußte sich den Spaß gemacht
haben, das Kartenblatt dort anzukleben.
Nachdem jeder der beiden Männer seiner Ver—
muthung, wie dieser Treffkönig an den selt—
samen Ort gekommen sein konnte, Ausdruck
verliehen hatte, sprach man wieder von ande—
ren Dingen. Schließlich versank der von der
Landstraße aufgelesene Fahrgast in niefes
Sinnen, dem er sich dann mit den Worten
entriß: „Ich kann doch gar nicht den Ge
danken an den Herzkönig los werden. . Auf
diese Karte müßte man heute spielen, die
würde einem sicher Glück bringen.“ „Herz
könig?“ fragte erstaunt der OGutsbesitzer;
„Sie meinen doch Trefftkönig?“ Der andere
aber blieb bei seinem Herzkönig. „Alle Wet—
ter“, räsonnirte jetzt der aufgebracht ierden—-
de Landmann, „ich wette meine 600 Francs,
die ich hier bei mir habe, daß es Trefftnig
war.“ Die Wette wurde durch einen Hände—
druck besiegelt, man kehrte um, und, siehe da,
ein Herzkönig prangte an dem betreffenden
Meilenstein. Ganz verblüfft rückte der ehren—
haft denkende Gutsherr mit dem Gelde her
aus. Als der neue Freund längst mit der
netten Beute verschwunden war, dämmerte
es in dem Gerupften auf, daß er doch wohl
das Opfer eines Betruges geworden sei. Er
erinnerte sich mit einem Mal, daß sein Fahr—-
gast unterwegs einem ihnen begegnenden In
dividuum verstohlen zugenickt hatte. Das
war jedenfalls das Zeichen gewesen, dem er
den Verlust seines Geldes zu verdanken hatte.
Der Betrogene erstaltete bei der Polizei An—
zeige, doch ist nur wenig Aus sicht vorhanden,
daß er sein Eigenthum zurückerlangen wird.
——
Theeanbau im Süden.
Seit einer Reihe von Jahren sind in Süd
Harolina sorgfältige Versüche mit dem An
bau von Theepflanzen gemacht worden und
Ackerbauminister Wilson sagte unlängst, er
glaube, daß innerhalb der näãchsten 20 Jahre
die Ver. Staaten all den Thee erzeugen
werden, der von unserer Bevölkerung ver—-
braucht wird, daß er in irgend einem
Staate, in welchem ungefähr dieselbe Tem—-
peratur und Feuchtigkeit herrsche wie in
Süd Carolina, mit Gewinn gezogen werden
denne und daß der Theestrauch den Boden nicht
so erschöpfe wie Tabak, obgleich eine gewisse
Menge von Dünger angewendet werden
müsse. Der Hauptnachtheil, der beim ame—
rikanischen Theeanbau in Betracht zu ziehen
ist, besteht in den viel höheren Löhnen, die
swir bezahlen müssen, dennoch sieht man den
ferneren Versuchen in dieser Richtung, an
denen sich wahrscheinlich nun auch das Acker
bau-Departement in größerem Maßstabe be
heiligen wird, mit Interesse entgegen. d
Marktbericht.
Winterweizen—Rother No. 2, ohne Lagerkosten,
714e; rother No. 3, auf dem Geleise, 694e; ohne Lager
70—70:4c; harter No. 4, im Speicher, 634 c.
Frühjahrsweizen No.s3, ohne Lagerkosten
68 oe.
Mat s—No. 2, im Speicher, 82e; No. 3, im Spẽ
cher, 824e; gelber No. 2, ohne Lagerkosten, M4c; gelber
No. 3, im Speicher, 82214—3214e; auf dem Eeleise,. 4
33e; ohne Lagerkosten, 22e; No. 4, auf dem Geleise,
32—3214 c: ohne Lagertosten, 31 —324e; weißer No.
auf dem Geleise, 344 c; ohne Lagerkosten, s44c: weiße
No. 3, auf dem Geleise, s4e; tein Grad, auf dem Geleise
30e; ohne Lagerkosten, 29 —304.
Ha fer —No. 2, im Speicher, 244e; auf dem Geleise
244 c; No. 3, ohne Lagerkosten, 234 —A4c; No. 4, auf den
Geleise, 238e; weißer No. 3, im Speicher, alter. 224
We; auf dem Geleise, 241 —264e; ohne Lagerkosten
neuer. 222—e; alter 244 —s4e; weißer N 0.4, au
dem Geleise, 24 c; ohne Lagerkosten, 2414 —WBe.
Roggen —No.2, im Speicher, nomimnell, 514—se
ohne Lagerkosten, c.
Gerste No. 2, ohne Lagerkoste, 34 —de.
Eämereien—Flachz, No. 1 Northern, auf dem Gi
leise, ðI.OO.
Kle i e—Keine Verkäufe berichtet.
Heu Zufuhren 40 Cars; kein Versandt. Gute Nach
frage und feste Preise.
Verkäufe auf dem Geleise: Timothy. aewö hn liche
bis bestes, 811.25—13.50 die Tonne; Prairie, gewöhnli
ches bis bestes von 28.25—9.50 per Tonne.
Str oh Fest und thätig. Roggen, 27.00 —7.7
Weizen 5. 00—5.25; Hafer, 4. 004.50. 4
Allgemeiner Waarenmarkt.
Butter Beste Creamery 17:; 1. Qualit-t, 16—
164e; N 0.2, 13 4—15:; beste na hz-ma hi-, 12—34.
besteDairy 15—154; 1. Qualitäãt, 18—15e; 2. Qualität.
11—124. *
Käse Twins, 8 —sBXKe; YHoung Americaz, 84—
ode; Brick, neuer, Bs—s4c; Limburger, neuer, s— c
Schweizer, 9—9 c.
Bohne n—Beste, d 1.18;: beste „Mediumʒ“, 81.124 5
Geflügel—Turkeys, 7—sß4c ver Psund; Hühner
8—8&c per Pfund; Springs, 11—12e per Pfd.; Gänse
6—e per Pfund.
ECier Ganz frische. Verluste abgerechnet, 114
—ll2c das Dutzend.
Kalbfleisch —6O bis 75 Pfund Gewicht, 6—e;
bis 100 Pfund, 7—74 c; 100 bis 110 Pfund, 8c; ge
wöhnliches bis schweres, 6c.
Geschlachtete Lämm e r —52.50—8.00. ;
Frische Fische Black Baß, groze, das Pfund.
12—124 c; Pife, 6—6 c; Pickerel.
Bienenwachs—Gewöhnliches bis bestez, 18—sc
per Pfund.
Honi a—Dunkler bis heller, B—l3e per Pfund. ;
Besencorn 7—oe per Pfund.
Popcorn—Bestes, 11.00 per 100 Pfund.
Tau be n—Zahme, magere bis fette, ve —1.50 yDhd
Ahorn-Zucker—Neuer, 10c per Pfund. Ahorn-
Syrup, 75e per Gallone.
Aepfel Neue, 1.25—2.50 das Faß.
Pflaumen—Wild Goose, 50—7dte per 24 Qts. :
Citrone n—Messina, 4.00—5.00; California, .00
—3.75 die Kiste.
Orangen —Messina Sweets, 13.50 —4.00; Seebling
23.50—4.00. -
Bananen—Beste, 75e —2.00 das Bündel. ;
Anan a 8—83.75 —.50 per Crate.
Californier Obst Pflaumen, 4-Basket Crates,
81.00— 1.25; Aprikgsen, 4-Basket Crates, -2.00; Pfirsiche.
in 20-Pfund Kistchen, 81.00—1.50; Birnen, Buschel,
81.75 —2.25.
Fei gen—Gewascheue, 10 —2oc das Pfund.
Rothe Himbeere n—7c—obe für 24 Pints.
Schwarze Himbeeren—7s—dsöe für 1s QOtz.
Stachelbeeren
Johannisbeeren—4o 0c per 16 Qt. Kiste.
Brombeere n—7s—sßooc für 16 Qt.-Kiste.
Heidelbeeren—Wisconsin, doe—ʒl.ls; Michi
gan, $1.25 —l. 40.
Kartoffeln—Early Ohio, 25—30 c per Buschel; hi
sige, in 1:4 Buschel Säcken, 40—4sc per Buschel.
Wei Bkraut—Hiesiges, 85—be per Crate.
Bliumenkoht
Gurken—ausgesuchte, 290—2sc das Dtzd.
Grüne Erbsen—l.2s für 114 Bu-Sack
Erüne Zwiebeln—s—sc das Bündel.
Kopfsalat Hiesiger. 20—30 c die Kist-.
Schwämme de d. Pfd.
Weißzrüben neue, 25c per Bushel.
Rothe Rüben neue, 50c per Bu.
Gelbrüben neue sc daz Busch.·
Zwiebeln—alte, roth oder gelb, 2
PrePlant 7—sc das Bündel.
Radieschen 7õc —sl.oo per 100 Bündel.
Schnittbohne n—7s—9oe per Buschel.
Wachsbohnen
Tomaten
Petersilie Hiesige, 10c per Dit. Büundel.
Küferwaaren Schweinesleischfässer 7s 4c; klrinr
Schmalzkisten 9c.
Häut e—Frische, gesalzen. schwer, öe; frische, ar
salzen, beschädigt, sc; Kalb, No. 1, 1e; No. -, d4t.
Syrups und Melasse.
Zuder-Syhrub 210
Corn·Shrup 146
Schwarzer Syrupb ..
New Orleans Melahe... 12 o—-
Reis. 1
Louisiana 5 1
Carolina 510 11
Zaba 1510 100
Japan 0010 .011
Thee.
Voung Hyson, vom billigsten bis zum besten .25 .423
Voung Hyson, bessere Qualität. ..sæ. ... · 8 .55
Imperial, gute Auswahl .. . Ìl s.. . 20 42
Gunpowder, gewöhnliche Auswahl .. :s ß. .28 .50
Moyunne, extra . 670 72
Zapan, extra Auswahl .. . 290 44
JZapan, gewöhnlichet . 8 .312
Oolong, gute Auswahl .. 22 0 1
Ooolong, gewbhnlicher .—2
Kaffee.
Etrtra feiner Rio 146.
Feiner Rio 12..2
Prima Rio
GSutert Rio . 10
Mittelguter Rio
Macaraibo . —ll 1
O: G. Java 20 2
Jara a 20
Mocha
isch.
No. 1 Weißfisch, per 100 Pfund. . ... ...d 8.000.. .
Californischer Lachs, das Faß.. . 12.00.. .. 4
No. 1 Forelle, das halbe Faß.. . v . 9ſt. 6.000... . -
Georgia Bay Split Häringe, das Faß.. .. · · 7. 0 8.00
Holländische Häringe, Faß, neu.. . .. . · .65 .90
Labrador-Häringe, das Faß.. . .... .. . 7.50. .
Sealed Häringe, die Kiste. . ... ... 120.. . 4
Neuer Ex-George Stockfisch, per 100 Pfd. 6.00... 4
Neuer Western Bank-Stockfisch. . . r.. 5.5. 2
Mackerel, große Familie, Kit. . .n. . . 1:000..
Rorwegische KKK-Häringe, neue, das Faß 10.0010.50
Getrocknete-Früchte und Nüsse.
Aepfel, gedünstet .. 4 10..
Pfirsiche, gedünstet e i
Kirschen, entlernt . . 10 12
Aprilosen 111
Brombeeren ——
Himbeeren .
Rosinen, Muskateller · .05 &07
Rosinen, London Layhers, 1897, die Kiste.. 1.10 ..
Zante-Korinthen, 1895, per Pfund. . . æïÿY/ë .07- .10
Citronen, das Piund . . v s . 05 0.
Mandeln, Terragona, das Pfund.. . . . . . .15 .
Brafsilianische Nüsse, das Pfund. . . .s . òBÊ .053 .06
Neapolitanische Walnüsse, das Pfund. ... .130 .13
Tennessee Peanuts, weiße, das Pfund.. . . .057—..
Virginia Peanuts, das Pfund.. . .sñ ï - .0540. ·
S ——
Peccans, das Pfund .. vvv v · ·· · 060 20
Sizilianische Filberts, per Pfund.. . . -- ·0040.. .
OGel.
Kohlenöl, reines weißes, 150 Deg. Test. . . ·· · 7
Kohlenöl, Headlight .. · · · 2
Kohlenöl, Perfection, 150 Deg. Test. . . . 87
Kohlenöl, Michigan, Legal Test, B. W. . ·· 8—
Kohlezẽ“ Michigan, W. W.. —— 2
Kohler.t« Wisconsin, W. W. K
Kohlendl, Wisconsin, Legal Test, P. W.. . .
Kohlenöl, Indiana, W. W
Kohlenöl, Eoeene, 150 Deg. Test. -- 73
Kohlenöl, Olene, 150 Deg. Test. . s s ·· · 9
erert Scarlet Rose
Etaine, 150 Deg. Test 14
Naphta, B. M. & P·· 1
Leinol, rohes
Feinöl, getochtes 2
lEchmalz, exira .
lEmalʒ No. 1 112
Neatsfoot, bestes .. .. .
Terpentin-Spiritus (5 Föher und mehr). .
Ealeline. 87 Des. Test. 1
lEajoline, Stovt
Cooling .. e
Zero Blad .. 1
Summer Black 4
eut
5

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