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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, April 10, 1886, Der Sonntags-Correspondent, Image 7

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mein Häschen, freue Dich ganz be
sonders/ und wieder erschien das alle
schelmische Lächeln auf dem treuherzigen
Gesicht, „„daß Du „FrauHenriette Mey
er" wirst.""
„„Ja,meinOnkel, groß ist meineFreude,
noch größer mein Glück, aber einen
„HeinrichMeyer" Heirathe ich doch nicht.""
In Hucatan.
Die spanischen Eroberer, die an der süd
mexikanischen Küste landeten, erwähnen in
ihren Berichten der dort befindlichen, aus
weißen Steinen gebauten Häuser, die den
besten in Spanien kaum nachstanden. Als
die Eindringlinge aber fanden, daß sie in
den Häusern und Tempeln kein Gold fin
den konnten, verließen sie dieselben wieder.
Im Jahre 1842 untersuchte John L.
Stephens die Ruinen von Nucatan nnd
Eentral-Amerika überhaupt. In Auca
tan fand er die Spuren von 43 alten
Städten. Es scheint diese Halbinsel in
alten Zeiten der Mittelpunkt einer weit
verbreiteten Civilisation gewesen zu sein.
Die Bewohner derselbe», die Mayas, sind
eine wilde räuberische Raffe.
Anno 1873 begab sich ein bekannter
englischer Allerthumsforscher in Beglei
tung seiner Gattin, einer muthigen uner
schrockenen Dame, nach Jucatan und
langte im Sommer desselben Jahres in
Merida, der Hauptstadt des Landes, an.
General Polomino, der Befehlshaber der
mexikanischen Truppen, gab ihnen 100
Soldaten als Begleitung mit. Das Ge
päck der Reisenden bestand aus einem pho
tographischen Apparate, zwei Kisten mit
Lebensmitteln und mehreren Gewehren.
Als sie drei Wochen gereist waren, erhiel
ten sie die Nachricht, daß Indianer im Be-
seien, ein benachbartes Dorf anzu
greisen, woraus die Soldaten sammt und
fonders hinweggalopirten, um den bedroh
ten Ort zu retten. Sie kehrten nicht wie
der zu den Reisenden zurück, denen sie zur
Begleitung mitgegeben waren. Diesen
war i'zre Entfernung gewissermaßen eine
Erleichterung, da sie von dem Momente
an, als sie Feindesland betraten, inEinem
fort furchtbar gelärmt und rumort hatten.
Dies geschah, wie der Lieutenant behaup
' ' um auf die Feinde den Eindruck
als fiele ein ungeheures Heer
,d ein. Die Reisenden hielten
sür das Beste, sich zu mäßigen,
.i da an herrschte bei ihnen auch
stille. Sie befanden sich zur Zeit,
t>e von den Soldaten im Stich gelassen
.rden, in Meztizos, wo es von Leopar
en, giftigen Reptilien und Insekten wim
melt.
Bald nachher kamen sie an einen halb
zerfallenen Tempel, in dessen Mauern un
zählige Vögel, Thiere, Schlangen und
Götzengestalten eingemeißelt waren. Durch
das Innere dieses alten Bauwerkes
eine Anzahl gewölbter l«'
Ganze war von ein--'
Die Reisenden hatten während ihrer
Reise viel zu leiden. Einige Wochen lang
bildeten schimmelige „Corncakes" ihre ein
zige Nahrung.
Als der Forscher eines Tages mit seiner
Frau und in Begleitung eines Indianers
auf die Jagd ging, blieb die Dame an
dem User eines kleinen Baches stehen, um
nach Schwämmen zu suchen. Plötzlich fing
der Indianer an, ihr laut zuzurufen und
zu winken. Sie war der Sprache der
Eingeborenen unkundig und meinte, der
selbe wolle sie vor den giftigen Schwäm
men warnen. Sie trat daher etwas zu
rück, um ihm zu zeigen, daß sie die betref
fenden Pflanzen nicht anrühre. Der
Wilde aber schrie desto lauter. Nun er
blickte sie ihren Gemahl, der ihr zurief, zu
ihm zu kommen. Sie folgte seinem Rufe.
Als sie sich aber nach der Stelle, wo sie ge
standen hatte, umschaute, sah sie zu ihrem
Entsetzen dort eine zusammengerollte Klap
perschlange liegen, die mit dem Kopfe in
der Lust hin und her fuhr. Sie hatte,
wie sie später ersuhr, gerade vordem Rcp
til auf einem Ameisenhauscn gestanden
und hatte es nur einer glücklichen Fügung
zu verdanken, daß das Thier sie nicht ge
bissen hatte. Ihr Gemahl ging nu- auf
die Schlange zu, zielte und schoß sie in den
Hals. Allein sie besaß noch Kraft genug,
in ihr Loch zu kriechen. Der Indianer
aber ärgerte sich nicht wenig über ihr Ent
kommen, denn er hatte sich schon auf den
Klapperfchlangenbraten gefreut.
Die Reisenden campirten meistens in
der nächsten besten Ruine, die sie trafen.
Als unser Engländer nun eines Tages die
Treppe in einer sdlchen Ruine, die früher
ein Palast gewesen sein mochte, herabstieg,
glitt plötzlich Etwas unter seinen Füßen
weg. Es war eine jener prächtigen
und die eben so giftig, als schön sind. Einst
tödteten die Reisenden drei dieser Schlan
gen an einem Abende in ihrem Zimmer.
Einer der Bedienten verkroch sich während
der Schlangenjagd und kam nicht eher
wieder zum Vorschein, bis er sich überzeugt
hatte, daß sämmtliche Reptile todt waren.
Als die Jagd vorüber war und er sich von
seinem Schrecken erholt hatte, rief er aus:
„Bei den Gebeinen meines Großvaters!
Nicht eine Minute länger will ich in die
sem Schlangenneste bleiben!" (Amerika.)
Köllig Mar I. als Gänschirt.
Es war an einem Sommertage, als Kö
nig Max Joseph von Bayern, Urgroßva
ter des jetzigen Königs, in einfacher Klei
dung im Schloßgarten zu Tegernsee faß
und las. Nicht lange, so gefiel es ihm,
einen Spaziergang zu machen; er legte
sein Buch auf die Bank un>> »ina. und der
Weg führt- "
ten Unsereinen gern für einen Narren und
Ihr seid wohl auch Einer von dort?"
„Und wenn's auch wäre," sagte der Kö
nig. „Hier hast Du im Voraus zwei
Zwanziger! Nun geh'und hole mir das
Buch." Des Knaben Augen blitzten, als
er das Geld in der Hand hielt; denn sür
nicht viel mehr mußte er das ganze Jahr
die Gänse hüten, doch zauderte er.
„Nun," fragte der König, „warum
gehst Du denn nicht?"
Der Knabe schob die Mütze auf die
Sei'.? und kratzte sich hinter'm Ohr. „Ja,"
sogteer, „ich wollt schon, aber idarf
nit! Wenn die Bauern hörten, daß id'
Gäns' verlassen, so jagten sie mi fort!"
„Dummer Kerl, ich hüte sie, bis Du
wiederkommst."
»Ihr," erwiderte der Knabe, indem er
den Fremden von oben bis unten mit den
Avgen maß, „Ihr kommt mir nicht vor
wieEiner, der die Gäns' hüten kann. Seht
do, diese mit dem schwarzen Kops, welche
dem Ho'gärtner gehört, is a sakrisch Vieh,
a Taugenichts, wie alles Hofgesindel; die
tl'ät mir schöne Sachen anrichten, während
ick fort wär'. Nein, 's geht nit."
Der König konnte nur mit Mühe das
Lacken verbeißen und sagte dann in ern
stem Tone: „Warum sollt' ich denn diese
Gänse nicht einmal in Ordnung halten
können, wenn ich es doch mit vielen Mcn
scken dahin bringe?"
„Ihr?" versetzte der Junge und glotzte
den Monarchen schmunzelnd an; „Das
müssen auch schöne Burschen sein! Ah!
jetzt hab' ich's, Ihr seid a Schulmeister!"
„Es ist möglich, allein mach's kurz!
Willst Tu mir das Buch holen?"
„Wollt' schon, aber "
„Ich bin für allen Schaden verantwort
lich, der geschehen könnte."
befahl dem König, genau auf die Gans,
welche er den Hofgärtner'nannte, Acht zu
geben, einen prächtigen, scheckigen Gänse
rich, welcher gern ausreiße und die Heerde
verführe.
Hierauf übergab ihm der Junge die
Peitsche und lies fort, blieb aber bald
stehen nnd kam gleich wieder zurück.
„Was bedeutet Das?" rief ihm der Kö
nig entgegen.
„Klatschet einmal!" befahl der Junge.
(Nämlich mit der Peitsche.)
„Na, Hab's mir doch gedacht!" rief der
Knabe aus. „Bildet sich der Schulmei
ster ein, er kann auch Gänse hüten und
kann nicht einmal klatschen."
Nun riß er dem König die Peitsche aus
der Hand und zeigte ihm, wie er klatschen
müsse. Dieser konnte sich des Lachens
kaum erwehren, dennoch bemühte er sich,
das Klatschen zu lernen; als ihm Dies
"»lunaen war, empfahl ihm der Junge,
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Millionen Menschen zu regieren, als eine
Heerde Gänse. Nur der verflirte „Hof
gärtner" all' dem Unheil schxld.""
Der Knabe hat unterdessen das Buch
gesunden und kam freudevoll zurück. AIS
er aber vor seinem königlichen Stellvertre
ter stand, das Unheil anstarrte, das dieser
angerichtet, ließ er das Buch fallen.
„Da haben wir's!" rief er weinend vor
Zorn und Leid. „Sagt ich's doch gleich,
Ihr versteht Nichts! Schaut nur! I allei«
bring sie nit mehr zusammen. Nun Heist
mir aber auch!"
Nachdem der Knabe den König belehrt,
wie er den Arm aus- und abbewegen und
schreien müsse, lics er fort, die entfernte
sten Gänse herbeizuholen. Der König
that sein Möglichstes, und nach unsäglicher
Mühe war endlich die Heerde wieder bei
sammen. Dann schalt erst der Knabe den
König, daß er so schlecht seine Pflicht er
füllt, und scyloß mit den Worten: „Mein
Lebtag soll mir so Einer die Peitsche nit
mehr kriegen. Dem König selbst vertraut
i sie nit an, wenn er mich bewegen wollte,
meine Heerde zu verlassen!"
„Tu hast Recht, mein braver Junge,"
sagte dieser in lautes Lachen ausbrechend;
„Der versteht's gerade so schlecht, als ich,
der ich der König selbst bin."
„Ihr? Na, Das macht einem Pinsel
weiß, nit mir!" rief er aus. „Nehmt
Euer Buch und macht, daß Ihr heimkommt!
Sich für den König ausgeben, wenn man
so ungeschickt ist!"
Mary'S Lamm.
Stach dem Englischen: ,Mu-/ u littl«'
Die Main Hot en Lämmel g'hot,
Un wu die Marn hie gnnge ls.
Des Lamm war schuhr zu geh'.
Es is emcl mit noch der Schul,
Sei Kepers dort zu mache,
No hen die Kinner in der Schul
Ahg'fange laut zu lache.
Die Meefchtern Hot sich noch verjernt
Un Hot ihr Schtccke grickt
Un Hot die Thür weit uffgemacht
Un Hot's Lamm 'naus gekickt.
Sie Hot zu ihrer Schüler g'sat:
„Un Ihr verbrecht mei Nuhl,
Ich hab schon zu viel junge Schof
In meiner kleiner Schul."
Das Lamm is noh' uir.'s Haus 'rum g'-
fprunge,
Hot sich im Gras verweilt.
Die Mary Hot im Schulhaus g'hockt
Un Hot en paar Stund g'heult.
Noh, wie die Schul ausgange war,
Is sie grad uf un fort
Un Hot ihr Lamm mit heem genumme
Und Hot's noch sel'm eig'schperrt,
Sie Hot's noh täglich recht gut g'süttert,
Trog war alssortvoll,

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