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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, February 03, 1891, Image 1

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51. Jahrgang.
Sour MantS
and Kales
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<Febr.!?,lMt^) Nr. UM, Tüd-Brocdwciy.
Aus der Bundeshauptstadt.
richt Tie vortüutigc zu Gunsten
Washington, D. C., 2. Februar. —
Obcrrichter Füller verlündete heute, daß das
Lber-Bundesgericht beschlossen habe, das
Gesuch des Anwalts der britischen Regie
rung um Erlaubniß zum Einreichen einer
Vetiiion bezüglich der Beringsmeer-Strei
tigkeiten zu bewilligen. Die Petition er
sucht bckannilich um das Ausstellen eines
Gerichtsbesehls, welcher dem Distrikts Ge
richt für Alaska verbietet, den wegen Rob
benfanges im Beringsmeer beschlagnahmten
Schooner „Sayward" endgültig zu consis
ziren. Die weiteren Schritte sind aus den
zweiten Montag im April anberaumt. Die
vorläufige Frage, nämlich diejenige über
das Recht zur Einleitung eines Prozesses, ist
hiermit erledigt, und es handelt sich nun
nächstens darum, ob das Gesuch um Aus
stellung des geforderten BesehtZ erlassen
werden wird oder nicht.
TaS zum Zwecke einer Untersuchung be
züglich des angeblichen Si!ber-„PoolS" er
nannte Comite vernahm Herne unter ande
ren Zeugen auch James A. Zilweuby, wel
cher die Vorladung des Comite s ursprüng
lich mißachtet hatte und deshalb in Chicago
verhaftet worden war. Derselbe erwiderte
auf Fragen, er wohne in New-?)ork, habe
sich ledoch in den letzten sechs lahren viel in
Washington aufgehalten und in beiden
Etädieii Makler Geschäfte verrichtet. Zeuge
iaiiliie den ZkilungL-Correspondenten Ste-
Veits und Halle im letzten September eine
Unterredung mit demsetben über die Sil
berfrage. Möglicher Weise habe er in jener
Unlerreduiig das Wort „Pool" gebraucht,
jedoch kaum in der Bedeutung, als ob er von
einem or.fanisirlen „Pool" wisse.-Die Frage,
ob er vou Silberspekulationen wisse, au wel
cher Senatoren und Repräsentanten bethei
iigt waren, erwiderte Zeuge ausweichend
und sagte, er könne die verlangte Auskunft
nicht geben, che er seine Bücher und Papiere,
die sich in seinem Koffer in Chicago befän
den. zu Rache gezogen habe. Er liabe den
Koffer bei seiner Avreise in der Eile verges
sen, wolle jedoch nach ihm telegraphiren,
wen» es das Comite verlange.—Das Comite
vertagte sich daraufhin bis morgen.
Die iu deu Regierungs-Departements an
gestellten Frauenzimmer haben eine Gesell
schaft unter dem Namen „General Spinner-
Mcmorial Association" gebildet. Sie wol
len dem verstorbenen General Spinner ein
Denkmal setzen, weil derselbe die Anstel
lung von Frauenzimmern in Regieruugs
dleiisteu ursprünglich veranlaßte.
Tie verschiedenen Comiie'n des Senats
befchleuuigen zur Zeit ihre Geschäfte so viel
als möglich, um alle VerwilugungsbillS
prompt zu erledigen.
Das „Bureau oi American RepnblicS"
veröffentlicht ein Schreiben eines tonange
benden Kaufmannes in Brasilien, laut wel
chem alle amerikanischen Fabritale, nament
lich Glaswaaren, Wollwaareu, Holzwaaren
u. dgl., in Brasilien in guter Nachfrage ste
hen und enorme Profile bringen. Lampen
z. 8., die iu New - ?)ork LS Cents losten,
werden in Rio de Janeiro für ?3 verkauft.
Pattison's Veto.
Harris bürg, Pa., 2. Februar.
Gouverneur Pailifou hat den Ptenarbe
schluß der Gesetzgebung, welcher die Peun
ihlvaiiier Buildessenaloren liisiruirt, iiir die
Zwaugsbill zu summen, mit dem Veto be
legt.
51. Kongreß.—Zweite Sitzung»
Tic Rrmcc-Verwillignngsbill im Senat.-A.
A Owcnby vor den Schranken des Hause».
- Bill» zur Errichtung von Rcgiernng»-
W a s'h ingtoii, D. C. 2. Februar.
Im Senat unterbreitete Turpie (Jud.)
einen Plenarbeschluß, welcher ein Verfaf
sungs-Ameiidemcnl Betreffs direkter Erwäh
lung der Bundes-Senatoren durch das Volk
vorschlägt; an das Justiz-Comite vermiesen.
Sherman (O.) ersuchte um sofortige Erle
digung der Bill zur Ausführung der Ver
trags-Bedingungen mit Hawaii, allein Gib
fon > La.) opponine derselben, und Sherman
erklärte dann, er wolle in Abwesenheit des
Hrn. Carlisle, welcher über die Angelegen
heit zu reden wünscht, nicht auf ihrer augen
blicklichen Erörterung bestehen; er werde sie
indessen so bald ausrufen, als nur immer
möglich.
Die Festungs-Verwilliguugsbill gelangte
dann wieder zur Sprache, und Cockrell
(Mo.) befürwortete das Amendement, wel
ches die Verwilligung für schwere Geschütze
zu Hasen-VertheidigungSzwecken von Hl,-
000,009 auf tz750,1i00 reduzirt, durch eine
Rede, in welä er er die Ansicht vertrat, daß
die Ver. Staaten, Dank ihrer isolirten Lage,
unüberwindlich sind, und daß säminiliche
Nationen Eurova'S, wenn sie sich gegen die
Ver. Staaten verbünden, Nichts gegen die
selben ausrichten könnten.
Hawley (Conn.) bekämpfte diese Ansicht
als absurd, indessen wurde das Amende
ment angenommen. Bald darauf ging der
Senat, ohne weitere Fortschritte mit der
Bill gemacht zu haben, in Erekutivsitzung,
und vertagte sich dann um 4L Uhr bis mor
gen.
wurde die Spezialbotschaft des Präsidenten
bezüglich der Vakanz im Amte des Schatz
amtSsekretärs verlesen und dem Comite für
Mittel und Wege überwiesen.
Verschiedene Bills in Bezug auf Regie
rungsgebäude wurden unter Suspendirung
der Regeln passirt, worauf Tingle», (Me.)
verkündeie, daß der wegen Mißachtung der
Autorität des Hauses verhaftete I.A. Oweu
bi> in Gewahrsam des „Sergeant-at-Arms"
anwesend fei.
Owenbh wurde darauf vor die Schranken
geführt, uud machte zur Antwort aus Fra
gen des Sprechers solgende Angaben: Als
er die ihm zugestellte Vorladung erhielt,
war er nicht bei Kasse, und sorderie Meilen
geld. Der Assistent des Sergeanl-at-ArmS,
welcher ihm die Vorladung zultellle, erwi
derte, er fei nicht zur Auszahlung von Geld
ermächtigt. Beide verabredeten eine Zu
sammenkunft später am Tage, allein Zeuge
verspätete sich und stellte sich nicht zur rech
ten Zeit ein. Am folgenden Tage erhielt
er von dem erwähnten Assistenten die schrift
liche Nachricht, daß keine Meilengelder vor
geschossen würden. Zeuge glaubte, daß
biermit die Sache erledigt sei, und hörte
Nichts mehr von der Geschichte, bis er in den
Zeitungen las, daß feine Verhaftung ange
ordnet worden sei. Er fei indessen jetzt be
reit, vor dem Comite zu erscheinen und alle
ihm vorgelegte Fragen zu beantworten.
Dingley bot alsdann einen Beschluß an,
laut welchem sich I. A. Owenbu durch sein
Erscheinen von der Anklage der Mißachtung
der Autoritär des Hauses gereinigt habe,
jedoch trotzdem im Gewahrsam desSergeant
at-Arms bleiben soll, bis er vor dem Silber
„Pool-"Eomite des Hauses vernommen
worden ist. Der Autrag wurde angenom
men.
Ans Antrag Snhder's (Minn.) wurde die
Senats-Bill passirt, welche die Errichtung
eines Regierungs - Gebäudes zu St. Paul,
Minri., zu einem Kostenbeträge von ILOO,-
000, antorisirt. Das Haus vertagte sich
dann bis morgen.
Arbeit und Lohn.
Tic vliicagocr Weltausstellung und die So
zialisten. Wie der McKinley-Tarif de«
. schützt.'
Syracuse, N.-N-, 2. Februar. Der
erste Jahres - Convent der „Internationalen
Slrinmaurer-Uiiion der Ver. Staaten und
Canada's" nahm heule dahier feinen An
fang. Vierzig Delegaten sind anwesend,
und weitere werden erwartet.
Chicago, 2. Februar. —Die hiesigen
Sozialisten haben einen Beschluß gefaßt,
welcher die Geschäftsführer der Weltaus
stellung auffordert, Mitglieder der„Union" an
allen WeliauSstellungS-Arbeilen zu beschäf
tigen.
Reading, Pa., 2. Februar. Die
„PuddlerS" der „Brooke-Jron Comp." zu
Birdsboro' in diesem Counly haben sich
weigert, sich einer Reduktion ihres Lohnes
von §3.7.', auf pro Tonne zu unter
werfen. und das Walzwerk ist heute früh
geschlossen. Tie Nägelfabrik wird binnen
wenigen Tagen ebenfalls znr Betriebsein
sicllung gezwungen sein. Ungefähr 450
Arbeiter werden beschäftigungslos.
TaS Walzwerk der HH. Ellis 6c Leffig in
Potlslown hat ans dem nämlichen Grunde,
wie dasjenige zu Birdsboro, den Belrieb
eingestellt, und 700 Mann seiern daselbst.
In PitlSbnrg beträgt der den „PuddlerS"
gezahlte Preis -55 und §5.50 pro Tonne.
Beih ! ehem, Pa., 2. Februar.—Tau
send Arbeiler im Slahlwerke der „Belhle
helit Jron Company" unterwarfen sich heute
einer durchschnittlichen Lohiireduktiou von
zehn Prozent. Allgemeine Geschästsfiau
hcit wird als Vorwand sür die Reduktion
angegeben.
Pittsburg. Pa., 2. Februar. Die
Conferenz von Vertretern der Grubenarbei
ter und der Coke Fabrikanten des Connells
viller Distrikts, welche eine Lohnskala für
das am 10. d. Mts. beginnende Jahr arran
giren soll, erzielte in seiner heurigen Sitzung
kein Uebereiiikommen und vertagte sich bis
morgen. Die Arbeitsgeber überraschten die
Arbeiler durch den Vorschlag einer Lohn-
Reduktion von 10 Prozent, während die
Arbeiter ans eine Zulage von I2j Prozent
gehofft hatten. Beide Parteien bestehen auf
ihrer Forderung. Die gegenwärtige Skala
tritt am Dienstag der nächsten Woche außer
Kraft, und iL,009 Arbeiter erwarten mit
Spannung den Ausgang der Conferenz.
Cleveland, O-, 2. Februar.—Der
Lohn der Arbeiler des der „Unioii-Rolling-
Mill-Co." gehörigen „Emma Hochofens" ist
um zehn Prozent rednzirt worden.
Atron, 0., 2. Februar.-Den Angestell
ten der „Buckeye Hiyivkr and »>eaper
WorlS" ist heute eine Neadjustirung ihrer
täglichen Arbeitszeit, und eine Lohnredut
tion von SO bis SO Prozent angekündigt
worden.
Sekretär Window s Leichenbegäng
nis.
Allgemeine Theilnahme Seilen» der Bcam
tenlreise und der Sinwolincrschast dc«
Bundeshauptstadt.
Washington, D. C., 2. Febrnar.
Die Bundeshauptstadt hatte sich heute in
Trauer gehüllt. Die Regierungs-Departe
ments und ihre verschiedenen Zweig-Bü
reaup waren den ganzen Tag geschlossen.
Der Congreß trat erst um 2 Uhr Nachmittags
zusammen. Aus dem „Weißen Hause" und
allen übrigen öffentlichen Gebäuden wehten
die Flaggen auf Halbmast, ebenso auf den
Hotels ii. f. w., und die großen Granitsän
lcn an den vier Außenfeiten des <-chatzamts
gebändes waren mit schwarzem Flor um
wunden. Diese ehrenvolle Kundgebung der
Traner galt dem Andenken des verstorbenen
Schatzamtssekretärs Windom, dessen irdi
sche Ueberreste heute zur letzten Ruhe bestat
tet wurden.
Das Flotten- und das Justiz-Departe
ment waren gleichsalls schwarz drapirt, das
Erstere zu Ehren des verstorbenen Ex-Ma
rine - Sekretärs George Bancrost nnd das
Letztere zu Ehren des ehemaligen General-
Anwalts Devens. Durch diese anderen
Todten erwiesene Ehre wurde der Ausdruck
allgemeiner Trauer weseuilich gesteigert,
wie denn auch in der ganzen Stadt sich eine
der Gelegenheit entsprechende feierlich'
Stimmung kund gab. In der Nähe der
Kirche, in welcher der Trauergottesdienst
stattfand, und an der ganzen Route des Lei
chenzuges waren die Strafzen mit Männern,
Frauen nnd Kindern dicht besetzt, welche,
als der Leichenwagen an ihnen vorüberfuhr,
in feierlichem Schweigen verharrten. Die
Männer standen sämmtlich entblößten Haup
te? da.
Das Leichcnbegängniß sand in aller Ein
fachheit, ohne irgend welche Prachlentfal
tung statt, und die einzigen militärischen
Ehrenerweisungen bestanden in der Anwe
senheit der Schatzamts-Abtheilung der Na
tionalgarde des Distrikts. Sechszehu Mit
glieder derselben fungirteu als Sargträger
und marschirten neben dem Leichenwagen
unter dem Commando Lieutenant Richard
Moore's vom Bundesschatzmeisters-Büreau.
Im klebrigen trug das Leichenbegängniß ei
nen rein bürgerlichen Charakter, und die
zahlreiche Betheiligung Seitens der Ein
wohner der Bundeshauptstadt zeugte von der
allgemeinen Achtung, deren Sekretär Win
dom sich zu ersreueu hatte.
Während des Vormittags lag die Leiche
in einem offenen Sarge in dem vorderen
Gesellschaftszimmer der Wohnung der Win
dom'fchen Familie an der MassachuseltS-
Avenue. Die Züge des Todten trugen ei
nen ruhigen, friedlichen Ausdruck. Ter
fchwarze Schrein hob sich hervor ans einer
reichen Fülle weißer, zu den verschieden
artigsten Gewinden zusammengesügter Blu
men. Auch die Wände des Zimmers waren
rings mit Blumen bedeckt. Auf dem Sarge
selbst lagen gekreuzte Palmblätter, sowie ein
ans englischen Veilchen gewundener Kranz;
Letzterer eine Liebesgabe der Tochter des
Verstorbenen, Frl. Nellie Windom's.
Von allen befreundeten Familien waren
reiche Blumengaben dargebracht worden.
Präsident Harris?n und Frau hatten einen
großen Kranz aus Veilchen und Maiglöck
chen gesandt, der von einem pupurfarbenen
Bande umschlungen war und in der Mitte
ein Kreuz aus Waizenähreu trug; der Vice-
Präsident und Frau hatten einen Kranz am
Sarge niederlegen lassen, ebenso Herr und
Frau Blaine, die Sekretäre des Flotten-
und des Ackerban Deparlemeiits, Hr. Fred.
Brackelt, Hr. Hanley Brown und Frau,
Col. Ernest, Hr. W. I. Hughes, der „Union
League-Club" aus MinneapoliS, Gouver»
neur Merriam von Minnesota, die Damen
der „Mount-Bernon-Association," Senator
Evarts, Hr. Handley, Congreßmitglied Hitt,
Ex-Bundessenator H. G. Davis, Frau E.
A. Kimball, Frau G. G. Hubbard, sowie
die Beamten nnd Angestellten des Register-
Büreans des Schatzamts - Departements.
Letztere hatten aus Blumen hergestellte Nach
bildungen des Schatzamts - Siegels, der
Waagen und Schlüssel übersandt.
Alle diese Blumenfpenden wurden mit
dem Sarge nach der Kirche gebracht, aber
von dort nach dem Friedhofe nur der Veil
chenkranz von Frl. Nellie Windom und die
Palmblätter, welche FranJ. Stanley Brown
dargebracht hatte. Alle übrigen Blumen
und Blumengewinde wurden auf Anord
nung Frau Windom's an die verschiedenen
Hospitale vertheilt.
Das Zimmer, in welchem der Sarg auf
gebahrt war, stand bis il Uhr Vormittags
dem Publikum offen, und es bewegte sich
durch dasselbe eiu beständiger Slroin von
Besuchern. Zu der angegebenen Stunde
wurde es sür das Publikum geschlossen, und
es fand ein kurzer Trauergottesdienst unter
der Leitung Dr. Hamlin's, des Predigers
der presbyterianischen „Church os the Cove
nant," statt, welchem abgesehen von der Fa
milie des Verstorbenen und den Verwand
ten, nur der Präsident, der Bice-Präsident
und die KabinetS-Mitglieder mit ibren Da
men und einige mit der Windom'sch n Fa
milie eng befreundete Personen beiwohnten,
nämlich Frau James A. Garsield, Hr. Harry
Garfield, Frau John Gilmau und Frau
Paul aus Baltimore.
Um 12 Uhr Mittags nahm der Trauer
gottesdienst in der Kirche feinen Anfang;
derselbe war ebenso einfach, wie eindrucks
voll. Bei deiiifelben waren alle hervorra
genden Beamten der Bundeshauptstadt
nebst ihren Familien zugegen, mit Einschluß
des Präsidenten, des Kabincts, des diplo
matischen Corps, der Mitglieder des Ober
bundesgerichts, der Senatoren und Reprä
sentanten, der Offiziere der Armee und der
Flotte, der Chefs der verschiedenen Regie
rungs-Büreaux und der Abtheilungen des
Schasamts-Departements und der Commij
säre des Distrikts Columbia.
Der „Union-Leagne Club" von New-Dork
war repräsentirt durch die HH. Joel B. Er-
Hardt, Cornelius N. Bliß, S. M. Mnlli
ken, Jesie Seligman, I. B. Colgate, W.
C. Mcßurney, H. O. Armour, D. B.
Eaton, M. W. Cooper, William Dowd,
Benjamin Brewster, Charles Watrous, L.
C. Murray, Horace Porter und H. L. Nor
ton. Die „Ohio-Society os New-Ioi!,"
welcher Hr. Windom als Mitglied angehört
hatte, war vertreten durch die Senatoren
Sherman, John P. Jones, Allison, Payne
und Manderson, sowie durch die HH. Plumb,
A. L. Barver, Homer Lee, Frederick C.
Train und William L. Strong. Um die
Kirche hatte sich eine gewaltige Menschen
menge versammelt.
Ter Gottesdienst wurde mit dem Vortrage
tens eines ausgewählten und aus Dr. Clark,
Frau Heald, Frl. Bradley und Hrn. G. A.
Johnson bestehenden Chors eröffnei, worauf
der Geistliche, Dr. Hamlin, einige Abschnitte
aus der Bibel vorlas, ohne jcdoch genau
dem Ritual der bifchöflichen Kirche zu fol
gen. Daran schloß sich wieder ein Chor-
Vortrag : "In tke t'ixis« cik Minist I Aloi'v,"
nnd darauf hielt Dr. Hamlin die Leichen
rede, welche sich zu einer glänzenden Lodrede
auf den Verstorbenen gestaltete.
Zum Schlüsse flehte der Geistliche zu Gott
um himmlischen Schutz und Trost für die
trauernde Familie, und nachdem er noch das
„Valerunser" gesprochen, wurde der Sarg
unter feierlichein Schweigen ans der Kirche
auf deu Leichenwagen gelragen, worauf sich
der Leichenzug nach dem „Rock-Creek Fried
hose" in Bewegung setzle, wo er ein Viertel
vor 2 Uhr anlangte. An dem Eingangs
thore war eine Compagnie Veteranen aus
der in der Nähe gelegenen „Soldaienhei
math" in zwei Gliedern aufgestellt. Am
rechten Flügel derselben befanden sich Gen.
Wilcox, der Gouverneur der „Soldaienhei
math," sowie Major Parker und andere Os
fiziere. Auch das Musikcorps der Anstalt
war zugegen und spielte die fromme Weise:
Das Grab war an dem sanften AbHange
eines Hügels, nordwestlich von dem Mittel
punlle des Friedhofes, an dem Fuße einer
mächtigen Eiche gegraben. Nicht weit da
von befindet sich die letzte Ruhestätte von
Frau Scott-Lord, der Schwester Frau Har
rison's, sowie diejenige Montgoineryßlair's
nnd das Gewölbe, in welchem sich der die
irdischen Ueberreste General Logan's ber
gende Sarg eine Zeit lang befand. Von der
Haupt-Allee bis nach dem Grabe nnd um
dasselbe herum waren Teppiche ausgebrei
tet, und die frisch ausgehobene Erde war
dicht mitTanntnreifern bedeckt. Ter Traner
gotieSdiinsl am Grabe war kurz und ein
drucksvoll. Als der von dem Leichen
wagen nach dem Grabe getragen wurde,
folgten zunächst die Kabinctsmiiglieder zu
ze zweien, dann Frau Windom, gestützt ans
den Arm ihres Sohnes, ihr schlössen sich
ihre beiden Töchter und die übrigen Ver
wandten an. Tiefen folgte Frau McKee
am Arme des Präsidenten, Privatsekretär
Halford und andere Beamte des „Weißen
Hailies." Am Grabe verlas Dr. Hamlin
einen kurzen Abschnitt aus der Bibel und
flehte Gottes Segen aus die Hinterbliebe
neu herab. Tann traten Frau Windom
Baltimore, Md.» Dienstag, den 3. Februar 1891.
und ihre Kinder an den Rand des Grabes,
warfen noch einen Blick auf den mit den
Veilchen und Palmbläitern bedeckten Sarg,
und das Grab schloß sich. Die Teilneh
mer an dem Begräbniß kehrten dann nach
der Stadt zurück.
Unruhen in Alabama.
Conflitte zwischen weiften und schwarzen Gru
benarbeiter». Miliz aus dem Schau-
Platze.
Louisville, Ky., 2. Februar.— Eine
Depesche des „Courier-Journal" aus Bir
mingham, Ala., bestreitet die von anderen
Depeschen verbreitete Nachricht, daß vier
Neger zn Carbon-Hill, Ala., von einem
Mob getödtet worden feien. Der zu Car
bon - Hill stationirle Telegraphist hat sol
gende Depesche nach Birmingham geschickt:
„ES ist nicht wahr, daß ein Rassenkrieg aus
gebrochen ist. Der einzige Grund des Ge
rüchts bestand in der Tcdtnng eines Negers
durch einen Weißen."
M e in phis, Tenn., 2. Februar. —Eine
hier veröffenrlichte Depesche aus Carbon-
Hill, via Birmingham, meldet: „Will
Murray, ein weißer Grubenarbeiter, erschoß
am Samstag Abend zu Galloway einen
friedfertigen Neger, Namens JaS. Cuttery.
Der Neger lag, wo er siel, bis heute (Sonn
tag) früh, worauf er auf Veranlassung des
Mayers beerdigt wurde." Obgleicy die
D. Nähe'eS mittheilt, fo ver
muthet man dennoch, daß der Mord die
Folge der Unruhen der letzten Freitag Nacht
sind, während welcher die Neger in ihren
Hütten von einem Mob überfallen wurden.
Die Ermordung Cuttery's bewog den Gou
verneur Jones, Truppen nach dem Schau-
Platze zu schicken.
Hr. Robert Galloway, einer der Eigen
thümer der Gruben zu Carbon-Hill, theilt
der „Associirten Presse" mit, daß die Un
ruhen das Werk einer gesetzlosen Bande
sind, welche schon seit längerer Zeit die be
treffende Gegend von Walker-County terro
risirt, und daß die Conntybehörden bisher
nicht im Stande gewesen sind, die Strolche
zu zügeln. In der letzten Freitags-Nacht
feuerte die Bande eine Salve in eine Hütte,
in welcher mehrere Neger schliefen, und ver
wundete einen derselben am Arme. Die
Ermordung Cuttery's soll übrigens die
Folge eines unglücklichen Umstaiideö fein.
Es erhellt, daß irgend ein fremder Neger
seine Raffengenossen dazu ausgehetzt Halle,
sich selbst Recht zu verschaffen und kurzen
Prozeß mit allen ihren Bedrängern zu ma
chen. Aus diesen Einen scheinen es die An
greifer abgesehen zu haben, denn sie feuer
ten nur in eine Hütte, während sie 30 oder
40 andere in unmittelbarer Näbe einquar
tierte Neger nicht belästigten. Ob Cutter»
der Hetzer war, ist noch nicht ermittelt. Am
letzten Dienstag wurde ein unbekannler wei
ßer Mann sechs Meilen von Carbon-Hill
durch einen Neger getödtet, und diese That
sache trug viel dazu bei, beide Rassen gegen
M o n/g o m ery , Ala., 2. Februar.
Hier eingetroffene Nachrichten stellen die
Nasseiikämpfe zu Carbon-Hill als von keiner
Bedeutung dar. Ter dortige Marschall
hatie einige Schwierigkeilen bei der Ver
haftung etlicher Personen und ersuchte daher
deu Gouverneur Jones um Miliz. Zwei
Compagnie'» aus Birmingham wurden da
raufhin nach Galloway gefchickl, allein ihre
Dienste wurden nicht gebraucht.
Birmingham, Ala., 2. Februar. —
Die Miliz ist von Carbou-Hill zurückgelehrt.
Ein Berichterstatter des „Age-Herald," wel
cher die Soldaten dorthin begleitete, erklärt,
es habe absolut keine Nothwendigkeit sür
die Absendung der Miliz existirt, und der
Gouverneur sei eiusach durch falsche Berichte
der Lokalbehörde, welche nicht den Muth
hatte, ihre Pflicht zu thun, irre geleitet wor
den. Die Gruben in jener Gegend waren
bisher fast ausfchließlich von Eingeborenen
bearbeilel worden, und die Letzleren wollten
kerne Fremden, weder Meitze, noch Neger,
dort dulden. Während des kürzlichen Strites
wurde eine Anzahl Neger als Ersatzleute
imporlirl, und ihre Anwesenheit veranlaßte
die Unruhen. Viele der Neger haben sich
wieder entfernt, uud etliche der Rädelsfüh
rer unter den Ruhestörern sind verhaftet
worden.
Brutale Ermordung eiuer Left»
reriu.
W i n n e b a g o - Ci t y, Minn., 2. Feb.
—Frl. Lenl, eine junge Lehrerin, bestrafte
dieser Tage ein Mädchen, Namens
und wurde daraufhin von dessen Ellern so
schwer mißhandelt, daß sie seitdem gestorben
ist. Der Vater des Mädchens schlug Frl.
Lent mit einem Schulbuche zu Boden, wor
auf Frau Cruze die Lehrerin an den Haaren
im herumschleifte und sie
dann mir Hülfe des Mauues aus einem
Fenster wars. Das Ehepaar, sowie das
Mädchen sind verhaftet worden, und die
größte Entrüstung herrscht unter den Nach
barn über das brutale Verbrechen.
Ans offener Straße angefallen.
Utica , N. - Z.. 2. Februar. Lena
Marks, ein junges Mädchen, wurde gestern
Abend auf dem Wege von ihrer Wohnung
chloroformirl und vergewalliqt. Nach der
That durchschnitt der Verbrecher dem Mäd
chen die Kehle und enlfloh. Erst gegen 9
Uhr Abends wurde Lena in einer Blurlache
auf der Slraße liegend gefunden. Trotzdem
sie in Folge von Blurverlnst ohnmächlig
war, hoffen die Aerzle, ihr Leben zu retten.
Sie ist im Stande gewesen, mitzutheilen,
daß sie den Mann, welcher das Verbrechen
verüble, kennt. Sie hatte ihn unlängst ant
einem Balle getroffen, wo er sich sehr zu
dringlich gegen sie benahm. Sie weigerte
sich damals, mit ihm zu tanzen. Später
kam er als Hausirer in ihre Wohnung, allein
sie schlug ihm mil der Bemerkung, sie brau
che seine Waaren nicht, die Thüre vor der
Nase zu. Lena'S Ellern sind angesehene
deuliche Leute, uud Lena selbst ein unbeschol
tenes, schönes Mädchen. Ungeheure Auf
regung herrscht in Folge des Vorfalles in
der ganzen Gegend.
Ein Loch im Boden.
Lima, O-, 2. Febr. Eine Wagen
ladung Nitro-Glycerin ist in der Nähe von
St. Mary's explodirt, und Wagen, Pferde
uud Fuhrmann wurden in Atome zerrissen.
Ein großes Loch im Boden war die einzige,
von der Katastrophe zurück gelassene Spnr.
Tie Geschäftsspcrre in der Gesetz
gebung von Delaware.
Dover, Del., 2. Februar. —Im Staats
senat herrscht noch immer Stimmengleich
heit, und der Kampf um die Controle über
Newcastle-County endete mit der heutigen
Vertagung dieser Körperschaft. Die repub
likanische „Levy-Court" wird morgen in un
bestrittene Controle treten. Die Wilming
toner Zeitungen werden morgen ein Affi
davit David P. Hutchinsons, eines neuer
wählten republikanischen Mitglieds der
„Levy-Court" veröffentlichen, in welchem
Hutchinson behauptet, daß ihm am letzten
Samstage HISOO angeboten wurden, wenn
er resigniren wolle.
New'Äorler^Nachrichten.
New ork, 2. Febrnar. Das neue
Koch'fche Institut zur Behandlung von
Schwindsuchrs - Patienten, Nr. 196, Ost-
Broadway, wurde heute eröffnet, und die
ersten Patienten werden morgen aufgenom
men werden. Binnen einer Woche wird die
Anstatt gefüllt sein. Sie steht unter Leitung
des Dr. Alex. I. Aronson, welcher die
Koch'sche Merhode drei Monate lang in
Berlin studirte.
Louis Kunz, ein zwölfjähriger Knabe,
sand heule früh in Jersey-City eine Patrone
aus der Straße und nahm dieselbe mit in die
Schule. Er legte dieselbe unter fein Pult
und trat mit den Füßen auf ihr herum, bis
die Patrone explodirte und ihm drei Finger
an der linken Hand, sowie einen an der rech
ten abriß. Er wurde bewußtlos nach der
Wohnung seiner Eltern, Nr. 327,1. Slraße,
gebracht.
Ein Bertreter deö Hrn. Wm. R.Grace
bestätigt die Angabe, daß die verschiedenen
Salpeler-Bergwerk-Gesellschaften in Chili
ein Uebereinkommen zur Beschränkung ihrer
Produklion gelroffen haben.
Josiah Willelts erschien um 11 Uhr
heute Vormittag im Büreau der „Soulh
Brooklyn Sleam Engine Co." an der Van
Brunkstraße und verwundete Hrn. Dolphin
N. Cobb, einen der Eigenthümer, durch ei
nen Revolverschuß in die Seite. Während
er im Begriffe war, zum zweiten Male zu
feuern, einriß ihm Palrick Quiun, ein Ar
beiter, den Revolver und schlug ihm, da er
Widerstand leistete, mil dem Kolben der
Waffe den Schädel ein. Cobb, welcher 35
Jahre all ist, wurde nach seiner Wohnung,
Nr. 218, Carrollstraße, und Willels, ein 50-
jähriger Mann, nach einem Hospiral ge
bracht. Ter Letztere liegt bewußtlos darnie
der. Beide Männer nehmen gute gesell
schaftliche Stellungen ei», und Cobb wohnte
früher im WilletS'schen Hanse, Nr. 275,
Presidenlstraße. Vermuthlich wurde die
Tragödie durch einen Familienstreit veran
laßt.
Europäische Kaöet-Berichte.
Aus Deutschland.
Kaiserin Augusta Viktoria krank«
Abbestellte Hoffestlichleiteii. Tie Unzufrie
denheit unter »er Berliner Schntzmann
schaf«.—<?n,in Pascha » angebliche »rtra
vaganz und Ungehorsamkeit.-Walderfec
uud —Allerlei.
Berlin, 2. Februar. Die Kaiserin
leidet an einer heftigen Erkältung, und der
auf heute anberaumte Empfang ist daher
auf morgen verschoben worden. Der Hof
ball, welcher am Mittwoch stattfinden sollte,
ist gänzlich abbestellt worden.
Die Unzufriedenheit unier den Berliner
Schutzmännern dauert fort. Sie halten
häufige Versammlungen und reden sogar
von einem Strike sür höheren Lohn.
Ein hier veröffentlichtes Weißbuch enthält
Emin Pascha's Berichte bis Mitle Novem
ber. Aus den Berichten geht hervor, wie
extravagant Emin war, und wie wenig er
sich um feine Instruktionen scheerte. Er
ignorirte den Befehl, eine Station am Vik
toria-Nyanzasee zu gründen; statt Dessen
hißre er seine Flagge zu Tabora aus, und
schenkte den Einwänden des Eommissärs
Schmidt, welcher ihm Vorstellungen über
die großen Kosten machte, leine Beachtung.
Er verausgabte .Ä),0»o Mark, anstatt der
ihm bewilligten 60,000 Mark. UeberdieS
beschwert er sich wiederholt in seinen Be
richleu über die Unzulänglichkeit seiner Geld
mittel, in deren Folge seine Leute, wie er
sagte, Neigung zur Menlerei an den Tag
legten. Er erklärt daher, er könne die Ver
antwortlichkeit sür einen etwaigen Fehlschlag
der Expedition nicht übernehmen.
Eine injpirirte Note bestreitet das von
dem hiesigen Correipondenlen der Londoner
„Times" verbreitete Gerücht, daß Finanz
minister Miquel demnächst dem Kanzler von
Caprivi im Amte des preußischen Premiers
ablösen soll.
Ueber den Rücktritt des Grafen Walder
fee und des Generals LeSzinsky von ihren
bisherigen Posten werden alle mögliche Ge
rüchte colportirt, und es muß Alles mit Vor
sicht ausgenommen werden, was über die
Ursachen des plötzlichen Falles der beiden an
erkannten Günstlinge oder über die dau
ernde künftige Verwendung Waldersee'S
verlautet. In militärischenKreisen spricht man
die Ueberzeugung aus, daß Waldersee be
stimmt niemals unter einem jüngeren Ge
neral-Stabschef dienen werde. Dies würde
beispielsweise bei dem als Nachfolger ge
nannten General Grasen von Häfeler zu
treffen, da sich dessen Offiziers-Patent vom
26. April 1853 herschreibt, während das Wal
dersee'S vom 7. September 185» datirt ist.
Kaiser Wilhelm wünscht, daß der preußi
sche Landtag die Ausfolge des 48 Millionen
Mark betragenden Wctfenfoiids an den
Herzog von i>umberland beschließe, doch
zeigt sich der Landtag vorläufig nicht geneigt,
den kaiserlichen Wunsch zu erfüllen. Wie es
heißt, erklärte der Kaiser im vorigen Jahre
der Königin von England, feiner Groß
mutter, mit welcher er damals in Darm
stadl zusammen traf, dafz er dem Herzog
von Cumberland den Weifenfond nicht län
ger vorenthalten wolle.
Der heftige Ausfall der „Hamburger
Nachrichten" gegen die „veränderte Drei
bundpoliiik Deutschland'« und Oestreich'S"
erfährt von Seiten der gouverncmentalen
Presse Oestreich's die herbste Abfertigung.
Das Organ Kalnoky's, das „Fremdeiiblatt,"
fagt: „„Wenn das Hamburger Blatt fort
fährt, an dem Dreibünde zu rütteln, so wird
der nicht unbegründete Verdacht entstehen,
Fürst Bismarck wolle durch einen künstlichen
ÄrieZSlärm, wie er ihn beispielsweise vor
den Reichstagswahlen 1887 inscenirt hat,
Rußland und Oestreich gegeneinander Hetzen.
Es wird in diesem Falle Kalnoky's größte
That sein, daß er sich vor einem „Reinfall"
bewahrt hat. Die „Hamburger Nachrichten"
stellen den Besuch des Erzherzogs Franz
Ferdinand so dar, als ob unsererseits eine
Annäherung an Rußland auf Kosten des
deutschen Berbündeten geplant sei. In
Oestreich ist es Niemandem eingefallen, dem
Kaiser Wilhelm den Gedanken einer An
näherung Deutschland's an Rußland auf
Kosten Oestreich's zu impittiren, als er dem
Czaren die beiden Besuche abstattete.""
Gestern hat sich ein trauriger Unfall zu
Saaralben, Lothringen, an der Mündung
der Albe in die Saar, ereignet.
Dort halte sich das Eis, welches in Gang
gekommen war und in ungeheueren Massen
den Fluß hinabtrieb, sestgesetzt, so daß für
die Stadt und die doriigen vielen industri
ellen Etablissements, sowie für die umlie
genden Ländereien ernstliche Gefahr ent
stand, die mit jedem Augenblicke drohender
wurde, zumal seit einigen Tagen schwere
Regengüsse niedergegangen waren und schon
dadurch der Wasserstand eine ungewöhnliche
Höhe erreicht hatte, lim Stadt und Land
vor einer schweren Katastrophe zu bewahren,
wurde aus der nächsten Garnifon eine An
theilung Pioniere commandirt, um durch
Sprengungen in die feststehenden Eismassen
Bresche zu legen und so dem Wasser freien
Ablauf zu ermöglichen. Bei dieser Arbeit
haben nun heute drei brave Soldaten, der
Feldwebel Rogge und zwei Pioniere, ihr
Leben verloren. —Sonst ist die Gefahr, wel
che in verschiedenen Gegenden des Reiches
infolge des plötzlich eingetretenen Thauwet
ters durch Hochwasser drohte, jetzt fast über
all gefchwuuden, und zwar glücklicher Weise
ohne daß größere Katastrophen vorgekom
men wären. Die meisten Flüsse sind wieder
frei von Eis, und die Bevölkerung der ge
fährdeten Orte athmet wieder frei auf.
Infolge der am 11. und 12. in Wiesba
den gehaltenen Versammlung von Delega
ten der deulscheu Handelskammern, wirlh
schaftlichen Korporationen nnd Fachmännern
zur Berathung der Frage Betreffend die
gesetzliche Regelung des Verkehrs mit Wein,
ist jetzt Seitens der rheinischen Weinhändler
an den Staatssekretär von Bötiicher eine
Petition eingereicht worden, in welcher die
Regierung ersucht wird, dafür Sorge tragen
zu wollen, daß in Zukunft von den Bahnen
sür den Transport von Weinsenduugen
während der Winterzeit heizbare Güterwa
gen znr Verfügung gestellt werden.
Einer Meldung der „Freisinnigen Zei
tung" znsolge Hai der Kultusminister Tr.
von Goßlerjetzt jämmtlichenMilgliedern der
in Berlin abgehaltenen Schill Conferenz zur
Erinnerung sein Bild geschenkt, welches von
der Hand des Ministers die Unterschrift:
naiei» voien« trägt —ein Gegenstück zn dem
bekannten Kaiserbilde, mit welchem der Mi
nister selbst vom Kaiser beschenkt wurde, und
das von dem Letzteren eigenhändig mit sie
volo, sie Mbeo unterzeichnet war.
?er »abllampf in bestreich.
Wien, 2. Februar. Alle politischen
Parteien in Oestreich betreiben den Wahl
kampf, welcher durch die Auflösung des
Reichsraths und die Anordnung von Neu
wahlen entstand, mit dem größten Eifer, in
dem sie zu der Einsicht gelangt sind, daß
von der Entscheidung des ausgebrochenen
Wahlkainpf'es die zukünftige politische Ent
wickelung des Reiches abhängt. Ties gilt
namentlich von den Teutschliberaleu, weiche
eine erfreuliche Rührigkeit entfalten und
eine bemerkenSwerlhe Zuversicht zur Schau
tragen. Als ein vielversprechendes Symp
tom darf es angesehen werden, daß die zwar
kleine, aber rvbrige Fraktion der Teutsch-
Nationalen, als deren geistiger Führer der
Gqmnasial-Prosessor Tr. O. Steinwender
angesehen werden muß, iu ihrem eben er
schienenen Wahlaufrufe ganz entschieden für
die Teutjchliberaleii eintritt. Tamil ist ein
Zusammengehen der exrrem - nalionalen
Teutschen der Alpenländer
Derschaiia u. A.) und Nordböhmen's (von
der Richlnng Knotz) mit der vereinigten
deutschen Linken gesichert. Die Teutsch-
Nationalen verzichten in ihrem Wahlaufruf
ausdrücklich auf die bislang energisch betrie
bene Opposition gegen den Eintritt der
Deutschliberalen in das Ministerium. Die
Möglichkeit einer Verwirklichung dieses Ein
trittes ist dadurch ungleich näher gerückt,
.«och » «cgncr.
Wien, 2. Februar.—Nach langen Expe
rimenten mit der Koch'schen Lymphe ist Pro
sessor Schrötter, der berühmte hiesige Medi
ziner, zu der Ansicht gelangt, daß er den
Gebrauch derselben nicht anraihen könne.
Schrötter erklärt, daß er den diagnostischen
Werth der Lymphe leider nur als einen ne
gativen gefunden habe, und daß ihr thera
peutischer Werlh dem Ideale einer Tödtung
der Bacillen nicht entspreche. Thatsächlich
ist in ärztlichen Kreisen jetzt schon eine ge
wisse Reaktion unverkennbar, und viele
Aerzte haben sich geweigert, das Mittel in
Gebrauch zu nehmen. Zum Ueberslusse hat
das Stadtphysikat von Trieft offiziell die Be
hauptung aufgestellt, daß drei Flaschen Lym
phe, welche er untersucht habe, in nachlässi
ger Weife zubereilet seien.
2. Februar. - Ein Hospital zu
Skopin ist niedergebrannt. Vierzehn Pa
tienten fanden ihren Tod in den Flammen.
Europäische «abelberichte.
Ti« «risiS in Italien. vrispi 4 »incktritt
Paris, 2. Februar. Depeschen an?
Rom zufolge stimmen die dortigen Zeitun
gen dahin überein, daß König Humbert
Signor Crispi's Resignation als endgültig
betrachtet, und ihn nicht ersucht har, im
Amte zu bleiben.
Rom, 2. Februar. König Humbert
bat den Marquis A. di Rudini, den zweiten
der vier Vice-Präsidenten der Deputirten
kammer, beauftragt, ein Kabinet zu orga
nisiren.
Das von Signor Crispi zu Ehren des
Grasen Herbert Bismarck gegebene Ban
kett fand heute Abend programmgemäß
statt. Nach demselben wohnte Graf Bis
marck einem Hofballe bei.
Petersburg, 2. Febrsar. „Novoe
Vremja" erklärt, der Sturz Crispi's sei er
folgt, weil derselbe Italien mit Deutschland
und Oestreich in den Dreibund verwickelte,
weil er die Finanzen Italien'S in Verwir
rung brachte, Frankreich entfremdete und
die italienische Regierung zwang, die na
tionalen Aspirationen des Volkes zu zügeln,
um Oestreich zu versöhnen.
Ter Papst über die französische Republik.
Kardinal Levigerie besürwortet einen
Paris, 2. Februar. „Figaro" ver
öffentlicht eine Unterredung mit dem Papste,
in welcher derselbe unler Anderem Folgen
des gesagt haben soll: „Falls die sranzösi
scheii Conservativeii es sür möglich erachten,
so sollten sie etwas Besseres eiabliren, als
eine Republik. Andernfalls follten sie an
der Republik festhalten, welche dann Das
sein wird, was sie daraus machen. Es ist
besser, irgend Etwas mittelmäßig gut zu
machen, als sehr schlechte Dinge zu dulden.
Die Organisation einer katholischen Partei
ist ein schöner Traum, jedoch eben nur ein
ein Traum."
Kardinal Lavigerie, Erzbifchof von Algier,
veröffentlicht ein bemerkenswerthes Schrei
ben au den Klerus seiner Diözese. Er be
fürwortet darin, während er Loyalität gegen
über der französischen Republik empfiehlt,
die Bildung einer rein katholischen Partei,
abgesondert von allen royalistischen und bo
napartislischen Elementen, mit welchen, wie
er fagt, die Religion bisher idenlifizirt war.
Ter Kardinal empfiehlt serner, daß der sran
zöfifche KteruS das vom Vatikan genehmigte
Programm—nämlich Anerkennung der exi
stirenden ReqierungSform—acceptire, damit
er besser in gesetzt werde, die Reli
gion offen zu vertheidigen. Die Geistlichen
sollten darnach streben, den Katholizismus
von den ölten Parteien zu trennen; sie soll
ten keinen Mißbrauch der Religion zum
Zwecke der Fortsetzung einer stistematischen
Opposition gestatten, und vor Allem jeden
inneren Zwist beseitigen damit sie dem Sek
tenwesen eine geschlossene Fronte vielen
können.
Französische». Durand'S bevorstehende
Paris, 2. Februar. Hr. Jules Ferry
wurde heute zum Präsidenten des Tarif-
Comiie's des Senates erwählt. Das Tarif-
Comite der Kammer einigte sich henre auf
verschiedene Zollraten. Schwefelsäure wurde
auf die Freiliste gesetzt.
Man verkündet, daß sich Präsident Carnot
geweigert bat, Michael Eyraud's TodeSur
lheil in lebenslängliche Haft umzuwandeln.
Eyraud wird wahrscheinlich morgen früh hin
gerichtet werden.
Lissabon, 2. Februar. —Eine Anzahl
hervorragender Politiker begab sich heute
nach dem Palaste und gab dem Könige
Versicherungen ihrer Loyalität. König Karl
ersuchte eine Deputation ans Oporto. wel
che ihm ihre Aurwarlung machte, den Be
wohnern jener Stadt in seinem Namen sür
die von ihnen während des Tumnlts be
wahrte loyale Haltung zu danken.
Oporto, 2. Februar.—ProsessorAlbu
querque, welcher wegen Betheiligung an
dem Aufstande verhaftet wurde, soll dem
nächst durch ein Kriegsgericht prozesfirt wer
den. 225 Gewehre sind in Häusern in der
Umgebung des hiesigen Ralhhanses versteckt
aufgefunden worden. Ter Belagerungs
zustand wird einen Monat in Kraft bleiben.
Mehrere flüchtige Soldaten, die an der In
surrektion Theil genommen hatten, wurden
Keule nahe der spanischen Grenze verhaftet.
Der amtliche Bericht über den Kampf vom
letztes Samstage meldet, daß i« Personen
gelödtet und 48 verwundet wurden.
Madrid, 2. Februar. Senor Easte
lar wurde gelegentlich der gestrigen Wahl,
der ersten, welch: unter dem neuen, allge
meinen Stimmrechls - Gesetze abgehallen
wurde, aus's Neue zum Mitglied der Abge
ordnetenkammer erwählt. Während der zu
Barcelona statlgesnndcnen Krawalle gelang
es den Aufrührern, sich etlicher Wahlurnen
zu bemächtigen, und diefelben zu zertrüm
mern. Etliche der Aufrührer wurden ver
haftet. Die Berichte aus den Provinzen
fahren fort, Gewinnstc für die Regierung
zu ergeben.
Berichte aus den Provinzen ergeben, daß
die Opposition, einschließlich aller Gruppen,
nur 120 Abgeordnete erwählt hat. Die Ge
sammtzahl der Mitglieder der Kammer be
trägt 427. Die Minister und sämmtliche
Hauptführer der verschiedenen Parteien sind
wieder erwählt. Castelar's Majorität zu
Huesca beträgt LOO Stimmen. Zorilla ist
in Barcelona und Margalliö in Barcelona
sowohl, wie in Valentia erwählt. Der Re
publikaner Salmeron ist in Madrid und der
liberale Candida! Balbi in Valentia geschla
gen.
Die Republikaner gaben 20,000 Stim
men in Madrid ab, jedoch gelang es ihnen
nicht, auch nur em einziges Mitglied zu
wählen.
Revidirte Berichte ergeben die Erwählung
von 314 Regierungs-Candidaten, LO Libe
ralen, 35 Republikanern und 7 Carlisten.
Keine Sozialisten wurden erwähll. Die
Arbeiterklassen im Allgemeinen enthielten
sich des Slimmens. Die großen conservati
ven Erfolge werden größtentheilS dem Zwie
spalt zwischen den Republikanern und den
Liberalen zugeschrieben.
Die Revolution in Chili.
Bu en osA y r es, 2. Februar. Die
Nachricht über ein Seegefecht zwischen einem
Regierungs- und einem Jnsurgenlenschiffe
ist hier eingetroffen. Das Treffen fand auf
der Höhe von Ancud, Hauptstadt der Jujel
Chiloe, statt und resultirte in einer Nieder
läge der Insurgenten. Man vermuthet,
dag die beiden Fahrzeuge, die schon in frü
heren Depeschen erwähnt waren, nämlich
das Jnsurgentenschisf, welches Marinesolda
ten nach Ancud gebracht hatte, und das Re
gierungSschiff, welches die britische Flagge
aufhißte und Truppen dort zu landen ver
fuchte. Der gerade erst wieder hergestellte
Verkehr zwischen der Hauptstadt Santiago
de Chili und anderen Städten ist auf's
Neue unterbrochen.
Weitere Berichte aus Chili ergeben, daß
die Regierungstrupveu nach einem mehrere
Stunden dauernden Gefecht Valparaiso
auf's Neue besetzt haben. Die Insurgen
ten sollen in dem Kampfe schwere Verluste
erlitten haben, und man glaubt jetzt, daß
der Ausstand binnen Kurzem unterdrückt
sein wird. Präsident Balmaceda hat 2000
Mann Truppen nach Ancud auf der Insel
Chiloe geschickt, an deren Küste unlängst ein
Seegesecht stattfand.
Liverpool, 2. Februar. Tie zur
Union gehörenden Arbeiter aus den hiesigen
Werften der „Jnman-"Tampferlinie wei
gerten sich heute, mit Nicht - Unionisten zu
arbeiten, und stellten die Thätigkeit ein. Die
Compagnie bemüht sich, Ersatzleute sür die
Striker zu erlangen.
Eiu« neue Mordwaffe.
R o m, 2. Februar.—Ein Lieutenant der
italienischen Berfaglieri (Scharfschützen) hat
ein nur drei Kilo schweres Repetir-Gewehr
construirl, mii welchem in der Minute nicht
weniger, als 200 Schüsse abgegeben werden
können. Die Construklion selbst ist noch
tiefstes Geheimniß.
Ein tkrebsheilmitlel —Merkwürdiger Kall in
einer Klinit.
Wien, 2. Februar. Prof. v. Mosetig-
Moorhof, ein namhafter Wiener Chirurg,
verkündet, er habe die höchst wichtige Ent
deckung gemacht, daß der Krebs heilbar sei,
wenn Methylviolett in einer der Koch'fchen
BeHandlungsweise ähnlichen Art zur An
wendung gebracht werde.
Sriberzog Kerdinand » Besuch bei m Vzaren.
Petersburg. 2. Februar. —Der erste
Hofball der Saison wird in der Hermitage
am Tage der Ankunft des Erzherzogs Franz
Ferdinand gegeben werden. Ter Aufent
halt des Erzherzogs in der Hermiiage ist auf
zehn Tage berechne!.
Russische Beschwerden gegen Bulgarien.
Petersburg, 2. Februar. Rußland
beabsichtigt, wettere diplomatische Maßnah
men gegen Bulgarien zu ergreifen. Seit
dem die diplomatischen Vertreter Deutjch-
Land S und Oestreichs dagegen protestirten,
daß Nihilisten in Bulgarien geduldet und
beschützt werden, hat die bulgarische Regie
rung, anstatt die von Rußland bezeichneten
Personen auszuweisen, 200 andere Per
sonen, größtentheilS Ex-Offiziere der bul
garischen Armee und Russophilen, Feinde
des Hrn. Stambuloff, des Landes verwiesen.
Lpfer dc» strengen Winter» in Griechenland.
A theu, 2. Februar. —Von 40 Arbeitern,
welche damit beschäftigt waren, den Verkehr
mit eingeschneiten Dörfer» zwischen Dimil
zana und Tripolitza in Morea wieder her
zustellen, sind 15, erfroren ausgesunden wor
den, und andere haben so schwer durch Kälte
gelitten, daß sie schwerlich davon kommen
werden.
In Zrlaud hingerichtet.
Dublin, 2. Februar. Bartholome!?
Sullivan, eiu Farmer, wurde heute zu Tra
lee wegen Betheiligung au der im letzten
August in Ballyhagne, Connty Kerry, statt
gefundenen Ermordung Patrick Flahive's,
eines exmittirten Farmers, gehängt. Wäh
rend des am 2. Januar d. I. vor den 'Ne
nagh-Assisen verhandelten Prozesses behaup
tete man, Patrick Kennelly, der thatsächliche
Mörder, sei nach Amerika entflohen. Der
Mord soll verübt worden sei», weil Flahive
die Absicht ankündigte, bei der Einheimsuiig
der Erndle auf eiuer Farm, deren früherer
Pächter exmillirt worden war, mit zu Helsen.
Bei seiner Vernrlheilung erwiderte Sulli
van auf die Frage, ob er noch Etwas zu
jagen wünsche: »Ich fürchte den höchsten
Richter nicht im Mylord. Der
nächste Richter wird mich nicht wegen der
Thal verurtheileu."
KurzeKabel-Tepcschcn.
Eine Depesche aus Wien meldet den
Tod der Primadonna Rosine Bloch.
—Die canadische Regierung hat auf Rath
des Ackerliaumiiiisters veschlossen, Geld für
die Elabliriiitg von Milchereischulen in ver
schiedenen Gegenden Canada's zu verwilli
gen.
Sarai» ist da.
New-?)ork, 2. Februar. Das seit
mehrere Tagen fällige französische Dampf
schiff „La Champagne," welches Sarah
Bernhardt, ihre Schauspielertruppe und ihre
aus einem großen, englischen Kul'cheiihuiide,
einem Norkshire-Rattenfänger, kaum größer,
als eine Ratte, und zwei schwarzen Schlan
gen bestehende Familie von Lieblingen nach
Amerika brachte, kam heute hier au. Direk
tor Henry E. Abbey, seine Frau und etliche
andere Herren und Damen vom Theater,
sowie eine Anzahl Berichterstatter empfingen
die liebliche Sarah auf der Werfte und be
fragten sie nach ihrem Befinden. Sie haue
eine stürmische Fahrt gehabt, sagte sie, und
war krank gewesen, „o, so krank, daß sie oer
bloße Gedanke daran auf's Neue krank
machte."
Sarah hat sich seit ihrem srüheren Besuche
iu Amerika wenigstens in einer Hinsicht ge
bessert, sie ist nämlich nicht mehr so rappel
dürr, sondern fast korpulent, und sie macht
demzusolge einen weieittlich besseren Ein
druck. Die Bertreter verschiedener hiesiger
Sensatioiisblätter fielen sofort mit Fragen
über den Tod Meissonier's, die „Therini
dor-"Ärawalle u. s. w. über sie her, und sie
mußte ihre unmaßgeblichen Ansichten darüber
zum Besten geben.
Im Weiteren erklärte Sarah, sie liebe
Amerika sehr, und ihr gegenwärtiges Auf
treten werde positiv nicht ihr letztes sein.
Sie wird am nächsten Freitag im hiesigen
„Garden-Theater" in „La Tosca" auftre
ten und wahrscheinlich etwa fünf Wochen
hier bleiben. Bon hier aus wird sie sich
nach Washington, Philadelphia, Boston,
Montreal, Detroit, Indianapolis, St.LouiS,
Deuver und San Franzisco begeben.
Nette Anstände in einem Gefängnisi.
Shreveport, La., 2. Februar.
In der Nacht vom letzten Samstag erbrach
ein aus sechs Mann bestehender Mob das
Gefängniß zu Homer im Kirchspiel Elaiborue
und versuchte, Link Waggoner» einen notori
schen Desperado, zu lynchen. Waggoner
hatte zwei Revolver in seinem Besitze und
gab Feuer auf seine Angreifer, deren zwei
er an den Armen verwundete. Der Despe
rado war in keiner Zelle eingesperrt worden,
und feuerte von verschiedenen Punkten des
Korridors ans.
Als er den Versuch machte, eine Zellen
thüre zu öffnen, um feinen Verfolgern zu
entgehen, versuchte der Insasse der betref
fenden Zelle, die Thüre zuzuschlagen, wo
raus ihm Waggoner mit einem Messer die
Finger abschnitt. Der Mob entfernte sich
unverrichteter Sache. Der Scherisf erklärt,
Waggoner sei, als er in'S Gesängniß ge
bracht wurde, durchsucht worden, und man
habe keine Waffen bei ihm vorgefunden.
Vermuthlich hätten ihm Freunde von aus
wärts die Revolver zugesteckt. Weitere Ent
wickelungen werden erwartet.
Unfall auf einer elektrische» Bahn.
Brockt on, Mass., 2. Februar. —Zwei
Waggons der elektrischen Bahn blieben
heute Abend an der EreScentstraßen Kreu
zung der „Old - Colon» . Bahn" auf irgend
eine Weise an den Schienen hängen, und
konnten nicht rasch genug frei gemacht wer
den, um einem herannahenden, nach Boston
bestimmten Zuge zu entgehen. Ehe diejPaf
sagiere aussteigen konnten, rannte die Loko
motive gegen die Waggons und demolirte
dieselben. Glücklicher Weise kam Niemand
ums Leben, indessen wurden Frau John
Tawson, Frl. Nellie Williams. Frl. S. E.
Plummer aus Brockton, Frl. Louise M.
Sturtevaut und Frl. Ella I. Noyes aus
Whitman verletzt.
Tod in Folge eines Klapper»
schlangen-Bisses.
I a cks oii v ill e, Fla., 2. Februar.—Der
Engländer Bosanquet, welcher gestern zu
Dayotnia von einerKlapperschlange gebissen
wurde, starb heute Mittag nach schweren
Leiden. Sein Freund Evelyn Walker, wel
cher bei ihm war, als er von der Schlange
gebissen wurde, und welcher das Gist ans
Gefahr seines Lebens aus der Wunde saugte,
befindet sich jetzt außer Gesahr.
<sin gutes Pfirsich»Zahr.
Wilmiugton, Tel., 2. Februar.
Berichte von der Halbinsel ergeben, daß die
Aussichten auf eine gute Pfirsicherndte nie
mals günstiger waren, als jetzt. Die Far
mer wünschen jetzt zwei Wochen kaltes Wet
ter, und wenn sich dieser Wunsch ersüllt, so
rechnen sie auf die größte Erndte seit vielen
Jahren-
Vin Protest gegen Brice's <srw«ih
lung.
Columbus, 0., 2. Februar. Im
Unterhaus«: der Gesetzgebung wurde heule
ein Plenarbeschluß angeboten, welcher den
Senator Sherman auffordert, gegen die
Aufnahme des neuerwählten Senators
Brice im Bundessenat zu stimmen, weil
derselbe in New-Aork und nicht in L hio an
Ttadt Baltimore.
Eine Trauer-Versammlung
im Zollamte. Im hiesigen Zollamte
fand gestern Nachmittag eine Versammlung
der Zollamts - Angestellten statt, in welcher
diese ihrer Trauer über das Ableben des
Schatzamtssekretärs Wm. Windom Aus
druck verliehen. Die Versammlung wurde
in dem früher vom Postamt benutzten Theile
des Gebäudes, welches letzt für Zollamls
zwecke neu eingerichtet wird, avgehalren
und vom Hüls« - Bniidesichatzmeister Geo.
W. Wellington zur Ordnung gerusen. Zoll
einnehmer Wm. M. Marine wurde zum
Vorsitzenden und Hr. Joh. W. Kaunnann
zum Protokollführer erwählt. Hr. Marine
ernannte folgendes Comite zur Abfassung
von Trauerbeschlüssen: «urveyor Wm. D.
Burchiucil, Hülss-Bundesschatzmeister Geo.
W. Wellington, Dr. I. H. Blair, Wm. I.
Blair und Naval-Offizier Milton G. Urner.
Dasselbe zog sich zur Berathung zurück und
brachte nach kurzer Zeit folgende Beschlüsse
ein, welche von Hrn. Wellington verlesen
wurden:
„„Da wir mit großem Schmerz und un
aussprechlichem Bedauern die Kunde von
dem Ableben des Achtb. Wm. Windom,
des Schatzamtssekretärs, am Abend des
28. Januar in der Stadt New - Hort ver
nommen haben und
da wir wünschen, seinem Andenken die
verdiente Ehre zu bezeigen, indem wir un
serer Achtung für fein langes ereignißreiches
Leben und seine werlhvollen Dienste der
Nation gegenüber, sowie seinen fleckenlosen
Privat-Charakter Ausdruck geben, so wird
beschlossen in der Gedächlniß-Versamm
lung von Beamten und Angestellten des
Zollamtes, der „Naval-Oifice," des Zur
veyors - Bureaus uud des HülfS Bundes-
SchatzamteS des Häsens von Baltimore
Erstens, daß wir erkennen, daß das Leben
die öffentlichen Dienste des »erstorbenen
Schatzamts Sekretärs durch die Charakter
nige ansgezeichnel waren, durch welche die
Tugend und die Reinheit seines Lebens ihn
hinstellen als ein glänzendes Beispiel eines
treuen und fähigen Tieners des Volkes,
welcher den verantwortlichen Stellungen,
die er in den langen Jahren feines Lebens
in legislativer und offizieller Hinsicht beklei
det hat, entspricht:
Zweitens, daß während seiner außeror
dentlichen Thätigkeit im Repräsenlanien-
Hause und im Bundessenat durch sein Wir
ken als Mitglied der nationalen Gesetzge
bung sein Name allen seinen LaiidSlenren
bekanntwurde, daß es ihm jedoch vorbe
Kalten blieb, aus dem weiteren und schwie
rigeren Felde des Finanzwesens eine intel
lektuelle öirast und Thätigkeit zu entwickeln,
welche veranlaßte, daß man in ihm einen
der erfolgreichsten Leiter der schwierigen und
complizinen Maschinen des Bundes Sckiav
amlS-Tepartements erblickte, so daß er ei
nen hohen Rang unter den er'olgreichsten
der geschickten und gewandten Staatsmän
ner einnimmt, deren Genie jenes Amt ver
waltet hat. In Verbindung hiermit erin
nern wir daran, daß es ihm unter der Ad
ministration des Präsidenten Harrison ge
lang, schwere Folgen abzuwenden, deren
Verhinderung einem weniger geschickten
Fliianzmanne nicht gelungen 'ein würde:
Drillens, der Verlust dieses werlhvollen
Beamten auf dem Gipr'el feiner Thätigkeit
ist ein öffentliches Unglück. Leine letzten
Aeußerungen sind historisch geworden und
sind voller Warnungen. Die lragischen
Umstände, unler denen sie gemacht wurden,
verliehen ihm ganz außergewöhnliche Be
deuiiing;
Viertens, wir find gemeinsam mit unseren
anderen Landslenteii von seinem Ableben
tief ergriffen und bringen der Wittwe und
deu Kindern unsere tiefste Sympathie dar.
Wir übersenden ebenso dem Präsidenten
unser aufrichtigstesßeileid bei dem Verluste,
den er durch den Tod eines persönlichen
Freundes und Mitgliedes seiner offiziellen
Familie erlitten hat;
Fünftens, der Zolleimichmer im hiesigen
Hafen wird ersucht, iu die Protokolle seines
Vorsitzende und der Lekreiär dieser Ver
sammlung find angewiesen, zn veranlassen,
daß Copie'n dieser Beschlüsse der Familie
des Verstorbenen, dem Präsidenten der Ver.
Staaten und dem Schatzamts Departement
zugewandt, und daß der presse in hiesiger
Stadt Abschriften derselben übermittelt wer
den.""
Hr. Wellington beantragte die Annahme
der Beschlüsse, indem er mii passenden Wor
ten auf die Verdienste des Verstorbenen hin
wies. Hr. Urner unterstützte den Antrag,
und der Zolleinnehmer Marine, sowie der
Major T. D. Dickson iprachen gleichfalls
von den! Verluste des Landes. Surveyor
Burchinal ließ von dem Sekretär ein schrei
den verlesen, iu dem Dieienigei:, welche nicht
zum Worie gelangen konnten, ihren Gefüh
len in gleicher Weise Ausdruck gaben. Die
Beschlüsse wurden dann einstimmig ange
nommen.
Das ZollamtSgebäude wurde gestern mit
Trauerflor drapirt.
Die „Vereinigte Baltimorer
Metzger- Häu t e - uu d Tal g h a n
d e l - Ä s s o c i a t i o n " erwählte in ihrer
Jahresversammlung gestern Nachmittag in
ihrem Lokale an der Ecke der Mckini und
Neighborstraße folgende Beamte: Präsi
deut Karl Dollinger, Vice - Präsident Joh.
Kußmaul, Kassircr Andrew French, Sekre
tär Chas. I. Purnell; Direktorium: Heinr.
Brauer, >uii., Andrew W. Smith, Johann
G. Friedrich, Heinrich Grimmel, Johann
Schuppner, Armin Jäger und Otto Lauer.
Der „Deutsch- A merikauische
Club des 8. PreziukteS der l.
Lokal, Sir. 205, Süd-Wolfstraße. Die An
wesendeu erfreuten sich an den gebotenen
Delikatessen und verlebten einen vergnügten
Abend. Mehrere Mitglieder der derttsch
nmerikanischen der 3. und L. Ward
waren gleichfalls zugegen.
Schadenersatz-Klagen. Im
Superior-Gericht hat gestern Hr. August
H. Kuhlmann wider Wm. F. Hickmaiin eine
Klage auf §10,0t)ll wegen angeblicher Ver
leumdung anhängig gemacht.
Robert Stevenson klagt im Common
PleaS-Gericht wider Adolph Nachmann auf
5500 Entschädigung für Verletzung feines
Pferdes, gegen das ein Gespann des Ver
klagten angerannt fein soll.
In demselben Gerichtshofe hat Hr.
Gustav Hille« Anspruch auf Schaden
ersatz wider Joh. W. D. Peutz erbobeu.
Um die Wohlthaten des Jnsol
veiizgefetzeS hat gestern im Common-
Pleas-Gericht Hr. Joseph Torsey nachge
sucht; Hr. James W. McElroy wurde zum
vorläufigen Trustee ernannt. Tie Verbind
lichteilen sollen sich auf §lO,OOO bis §50,M0
belaufen.
I Ii c orp or ir Ii iig e it. Im Clerks-
Büreau deö Superior Gerichtes find gestern
incorporirt worden: die „Baltimorer Elec
tric-Refening - Compagnie" durch >ie HH.
Charles '.Nayer, Wm. >iey'e- Jrvine
Key'cr, R. Brem Neuser und .amuel tiey
fer mit einem Grundkapital von 55110,00«»,
das in 5000 gleichen Antheilen zu tzloO Pari
werlh getheilt ist. Ferner die „A. V.
Tutlle-Daucing-Assembly" durch die HH.
Albert V. Tunle, CharlesParterion. Frank
Wissig, Harry Lee, C. T. Biemüller und
John W. Stissel, sowie schließlich das ge
selligeiiZweckeii gewidmete „Lasnlle-Lyceuii!"
durch die HH. Nikolaus I. Murphy, Robert
E. Daily, John I. Murvhie, Jos. H. Meyer,
John T. Hopkins, Charles P. Telaney
und Patrick I. Breunan.
Das Diebesgesindel macht sich in
letzter Zeit wieder recht mausig, und die Po
lizei hat alle Hände voll zu thuu, der Siina
tiou Herr zu bleiben. Am Sonnlag Abend
wurde iu dem Hause Nr. 1206, Ost Madi
sonstraße, ein Seilenfenster aufgesprengt
und Kleidungsstücke im Werthe von nahezu
5100, Eigenthum der Familie des Hrn. Geo.
F. Nickel, gestohlen.
Während einer Hochzeit in dem Hause
Nr. 1743, Nord - Gaystrage, wurden Hrn.
Christ. Gerhardt ?14 Baargeld, die er in
einer Cigarrenkiste in seinem Schlafzim
mer aufbewahrte, entwendet.-Frl. Aiinie
Mise von Nr. 704, West-Fayeltestraße. be
klagt den Verlust ihrer goldenen Schweizer-
Uhr Nr. 937,860 ans ihrem Betlzimmer. —
Während Frau Christine Tjarks von Nr.
2109, Frederick-Avenue, vor einem Stande
im Lexinglon-Markle am Samstag Einkäufe
machte, verschwand ihr Portemonnaie mit
einem ?5- und drei Zcheineii.
Erstickt.— Hr. John I. Russell, ein
reicher Bürger von Petersburg, Va., ist i.m
Sonntag-Morgen bei'm Brande seines Hau
ses im Schlafe erstickt.
Gerichtsverhandlungen.
Cri m i iia l-G er icht. l Vor Richter
Wright.) Der Neger Ernest Fordes wegen
unsittlichen Angriffs zum Tode verurtheilt.
Wegen Ticbsiahls —James Radford, schul
dig, Antrag auf einen neueu Prozeß gestellt;
John Riley, nicht schuldig. Wegen Vaga
bundirens—James Gaffney, nicht schuldig.
Waisen - Gerich t.-(Vor den Richtern
Lindsay, Gans und Edwards.) Zu Testa
ments - Vollstreckern ernannt Elveneidora
Plumley in dem Fall von Mary E. R.
Sheffield und Luther Timanns in demjeni
gen von Wm. Lewis; Invenlarverzeichniß
eingereicht in dem Fall von Joseph Stein;
VenvaltungSberichte genehmigt in den
leu von Elisabeth Kohles, Regine Keiling,
Georg L. Spies, leannette Stall u. Joseph
Stein; Vormuudschaftsberichte gulgeheißen
in den Fällen von Ariela De Garmendia
und James A. SauderS; Verkauf gebilligt
in dem Fall von Wm. L- Tallam und rarr
fizirt in den Fällen von Wm. E. Hooper
und John H. H. Burke.
Superior- Gerich t.—< Vor Richter
Stewart.) John S. Hammond wider die
„Washington-Colesville-Ashtoner Turnpike
C 0.," Schadenersatzklage, unler VerHand
lung.
Common PleaS-Gerich t.—(Vor
Richter Tuffy.) Williams wider Hopkins,
früher berichtet, nicht beendet.
Stadt-Kreisgerrcht Nr. 2.—(Vor
Richter Phelps.) Abell wider Abell, früher
berichtet, nicht beendet.
Stad t - Gerich t.--(Vor Richter Har
lau.) Moses Fox «c Sohn wider Florence
Hall, Urtheil unter Auserlegung der Kosten
bestäligt. Ed. M. Romoser wider Fried.
Trechsel, unter Berathung. Wlngaie K
White wider Peter B. Bond, Urtheil bestä-
tigr nebst Kosten. Thomas I. Bennett wi
der Geo. A. Lechlider, Appellation abgewie !
seu. Thomas Joynes wider die „Prüden !
tial In'urance-Compagnle von Amerika," i
Urtheil zu Gunsten der Verklagien nebsiKo !
sten. Tie „Baltimorer Bell Bahn-Com !
pagnie" wider Geo. A. Blake und Andere, !
Untersuchung derCoildemnilUng« durch
gegenseitiges Uebereinkommen gestrichen. ,
Für heute—die Nummern I7L, 181, VU, !
13s, 183 bis IV4 und von ise bis 2t)3.
Nr.
Ein berühmter Schachspieler
als Gast des hiesigen ~S ch a ch-
E lubs."—-Ter iveltbekannle Schachspieler
Hr. Isidor GiiiiSberg von London traf ge
stern Nachmittag hier ein, um für die näch
sten drei Tage als Ehrengast der Freunde
»es Schachspieles in den Mauern der Mo
liunienlenstadt zu verweilen.
Hr. Günsberg, der bei einem Schach
turnier mil Hrn. Willi. <?lc!iiiv in 'New-
geschlagen worden war, ivurde von
einem Eomite, bestehend ans denHH. I. E.
Vinrichö, H. S. Haber'ham, W.H.x. Pol-
und anderen Mitgliedern des hiesigen
Lchach > Elnbs, am Bahnhose empfangen
und nach der Wohnung oes Hrn. Haber
ham, Nr. !N!>, St. Panlstraße, begleitet.
Gestern Abend sand ein großes Schach-
Turnier im lokale des ElubS, Ii»«!,
West - Fahettestraße, statt, bei welchem Hr.
MnSberg zu gleicher Zeil gegen >'! l Spie
ler ipielle. Tie Tische waren huseiseuför
liiig an der Äußcnfeile
aßen die Spieler, wahrend der innere Raum
lir den Gast reiervirl ivar, der von einem
Spieler zum anderen schritt.
Um 8.2» begann das Turnier und endete
um 12 Uhr. Gegen 2(>«>Frcunde des Schacht
ipiels sahe» dem Spielen zu. Tie Gegner
des.Hrn. Gunobcrg waren sämmtlich tnch
lige Schach'vikler, und doch verlor der Held
des Tage? nur ein einziges <Zpiel, das Hr.
A. Maas; gewann, seche Partie n endeten
»lit eineiii Ncniis, d. h. leiner der Lpieler
hatte einen Bortheil, nud die war
>o, daß eine Eiils>l>eidung des Spieles un
möglich geworden war, und 2t spiele >vur
beii von Hrn. Günsberg geivonnen; seine
Gegner waren die HH. Ä. W. Schofield»
F. W. Koch, V. I. Ä'iilljkii. E. F. Merrilui,
T. Hiucklep, S. Gorsine, M. S. Pacholder,
V. S. Haber'ham, TZ. Kemver, .
»ion, H. G. Taliani, A. '.uiaaß, E. H.
Thiemeye'.-, I. R. Edniiliids, W. Tniineit»
W. B. Brown, S. Adler, E. R. llncle),
W. Lchwarz, E. Culliiiau, Reizensleiii,
F. M. :Vioses, H. E. Gale, L. Robinson,
i. Adler, W. T. Burrows, A. Tavis, I.
H. Brandl, F. W. MeAllisier. H. Feasl und
R. 'Niorrow.
Für henie Abend sind EonsultatiouSipiele
in Aussicht genommen und morgen Abend
will Hr. Günsberg ein zweites Turnier ge
gen .!>» Spieler ausnehmen. Zer Zutritt
ist, soweit es der Raum gestaltet, Jedermann
freundlichst erlaubt.
Hr. Isidor Günsberg, der ein sehr beschei
denes Aittlrelen hat und sich in vorteilhaf
ter Weise von dem selbstbewußten Auftre
leu gewisser Künstler nnlerscheidet, wurde
am 2. 185>-t in Budapest, Un
garn, geboren und steht somit iu seinem 37»
Lebensiahrc. Zum ersten Male trat er
während der Ausstelluilg iu Paris l8»!7 in
einem Schach Tonrnier im ' l-i ilv
- gegen Roseitthal auf und gewann.
Später ging er nach London, wo er bis
her gewohnt hat, und nahm an einer Reihe
berühmte rS ch a ch T urni e r e er>olgrei ch T h e i l;
fo z. B. in Hamburg, Brüssel, Amsterdam»
London, Bradsord, Havanna, Breslau»
Manchester und vor Kurzem in New'/<orl.
Er spielle mil Blaetburue, English, Masoii,
Tr. Tarraich. Weist, Bild, Pollo>t, Guest,
Feulou, Buru, Tschigorin, Bardeleben,
Bauer, PanN'on und
Hr. GüuSberg taun auf eine Reihe großer
Erfolge bei'm Schachspiel hinweisen und
war nahe daran, Hrn. Steinn«, der noch nie
bei einem Turnier verloren Hai, vor Kurzem
zu besiegen. Unter den hiesigen Schach
freunden erweckt das gegenwärtige Türmer
großes Interesse.
Späteste SchiffsttKchricZitcl».
New -?) ork, 2. Februar. Angekom
men sind die Tampfer „Trave" von Bre
men uud „La Ehanipagne" von Havre.
Movtlle, 2. Febrnar. Heute ange
kommen ist der Tampfer „Anchoria" von
New?>ork.
Queen stown, 1. Februar. Ter
Liverpooler Tampfer „Servia" ging henle
von hier nach New ?>ort ab.
Sont ha in p tc n , 2. Februar. Ter
Tampfer „Fulda," vou lom
mend, legte heute 55er «n -
nach Bremen weiter.
N. - A.
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milien Gebrauch in der Welt.
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D . R LI . I
das! es'krin helsere? I'tillei gcqen
q-l'k, und jeht empsietzll rr es seinen Palienlen Ich
empsahi es auch Hrn. Pjrbv, einem Apotheker in
Lwatonna, und jeN hält er e-Z >i>-, Apple
lon, wurde ich mit einem jnnqen Manne be
kannt, ver einen schlimmen Austen balle, und von dem
man bciürchlelk, »oft er die - i nnndwchl bekommen
wurde i,ch emps.ibl Ihr irilli>'n Resoloenl,
und nach einiqer ,-<eit
brückte mir warm bie Hand »nb s->gte mir> daß er
ohne mich >ed: dearaben sein w L- !»',! ihn sehr
Bor unaes.V'ir seck zehn lahren
an einem duften er ne nvei Aeruever-
N empsadl Idr^Zarla^
'
Nifsjm's
Blauem,
Netilir-Soad, - Baltimore.

Der Deutsche Correspondent,
TiizlZch, S-nntazS,
A. Raine, <?i.,eul!,unicr und R-dakteur.
Eudwest-Ecke Baltunore-Straki nnd PLsl-Lfficc-Avr.
Preis deS taglichen Blattco, d»rm Truger in Bal
tiniore und in i>er yiaditatjdjoft bciorjt, I'2S ist«.;
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6«n illittcl- und ifldftaaten-

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