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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, December 15, 1892, Image 4

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Der Deutsche Korrespondent.
Donnerstag, IS Dezemver ISSS
unierlmltungiß.Wcgweiser.
„Mord'S Overnbau«." Die'e Woche
„Harris' Musik-Akademie."—Diese Woche
Annie Pixlry: Montaq, Dienstaa, Mittwoch und Don
nerslaq«-Nachmilt<ig l»»»ron
„vollidayfnaizen-Ttieater."—Diefe Woche
"X Hentuckx vir!." Matinee n: Montags.'Mill
„Howard - Auditorium." D<eie Woche
„Fronlstraßen - Theater." Diese Woche
"X uxsor-t.'lkim." Täglich zwei Vorstellungen: Nach
mittag« »nd AbendS.
SckUegel'S „Orchestrion-Halle." Jeden
Tag, Morgens, Nachmittags »nd Abend?, Frei
iäonjert.
„Harris' Musik - Akademie." Montag,
Besten des xightstraßen-Kindergariens.
„Gerniania-Schncider-Pereni." Mon
tag. den 18VZ, 2!>. ZahreSdall in der
Großer Bazar zum Besten einer neuen
Orgel für die deutsche lutberischc Lt. Slcphani-Äirchc
Tonnerftag und Freitag in der .
Heute, den 15. Dezember, Einfllh
rungS-2onzert de- Hrn. Z. Dubowip, Violinisten, in
Hazazer's Halle, Nr. 111, West-Franklinstraße.
„^ermania-Mäiinerchor."—veule, Don
nerstag, »weites großes Conzert und Ball.
10. beabody xaniiner-Conzerl. —Morgen,
Freitag, 4 Uhr Nachmittags.
Montag, den 19. Dezbr.,
Für die Veröffentlichung von
NVministrations'Anzeigen»
Rach»afftns«aftS-Berräufen
deren Verbreitung in deutschen Kreisen ge
wünscht wird, ist der „Deutsche Correspon
dent" das geeignetste Blatt.
Getder nach Teutschtand.
Geldsendungen nach Deutschland, die für
» Weihnachten bestimmt sind, sollten sehr bald
gemacht werden, damit sie rechtzeitig ein
treffen. Wenn sie früher ankommen, sind
sie darum nicht weniger willkommen; wenn
sie aber zu spät eintreffen, fo verlieren sie
als Festgeschenke viel vou ihrem Werthe.
Die Expedition des „Correjpoiideiiteu" ver
mittelt die Auszahlung von kleinen uud
großen Summen iu Deutschland auf das
pünktlichste und Billigste. Man adressire:
F. Raine, Baltimore, Md.
Ans vem Innert» Marnlanv'S und
ven angrenzenden Staaten.
Das Armenhaus von Wor
te st er-Co u n t y. Nette Zustände
müssen in dem Armenhause von Worcesler-
Couiilli herrschen, wenn anders die Berichle,
welche ein Mitglied der letzten Grand Jury
jenes County'» im „Shield" von Snow-
Hill veröffentlicht, nicht übertrieben sind.
Es beißt darin unter Anderem, man könne
ni dem Armenhause noch genügend fehlende
Fensterscheiben eindecken und die Fenster
rahmen zu verrollet, um die Scheiben zu
hallen. In Folge Dessen sind die Zimmer
der kranken Insassen, der Greise nno Grei
sinnen nicht genügend erwärml, und so
konllle es letzten Winter vorkommen, daß
einer der Insassen, der ans dem Bette fiel,
vor demselben erfror. Von Sanitälsmaß
regeln weiß man in dem Armenhause eben
so wenig Elwas, wie von gnler, nahrhafter
Kost für die Kranken. Nur wenn die Groß
moguls, die „Trustees," ieden Monat das
Armenhaus inspiziren, sieht man dort alle
Delikatessen der Saison aufgetischt, aber
nicht auf deu Tischen der Armen, sondern in
der Wohnung des Aufsehers für die „Tru
stees" besnmnil. Tamil zedoch die Insassen
an diesem Tage auch Ursache haben sollen,
der Fürsorge jener Herren zu gedenken, er
halten sie zu ihrem AlllagSmahl: Schweine
sicisch und Kohl als Delikalesse noch Kar
toffeln. Daß von einer solchen Kost kein
Kranker gesund, wohl aber in Folge Man
gels an körperlicher Bewegung Gesunde
kiank zu werden vermögen, liegt auf der
Hand. Als ern Schweinftall entpuppt sich
die Abtheilung sür Neger; hier müssen
beide Geschlechier und Gesunde, wie Kranke
in denselben Räumen zusaiiiinenhauseii.
Der „Shield" schließt seinen bemerkenswer
lhen Artikel mit de» Worten: „Ist es ein
Verbrechen, arm zu sein? Wenn Tem so ist,
fo möge es dem allmächtigen Gott gefallen,
uns nach einem Land zu nehmen, wo keine
Armulh fein kann."
An Ber letzn n gen erlegen.
Wm. Troul, welcher vorgestern auf der
Farm von Louis Falkenstein in Springfield-
Township, Pa., durch zufällige Einladung
eines Revolvers einen Schuß ni den Unter
leib erhielt, starb um Mitternacht an der er
haltene» Wunde. Er hinterläßt eine Wittwe
und sechs Kinder.
James Welsh, der Bahntelegraphist,
welcher am Montag auf der „West - Birgi
liier Ceniralbllhu" so schwer verletzt wurde,
starb vorgestern.
Aus Tow s ou. StaatSienator Hüb
uer überreichte deu Connty-Commissüreu in
ihrer letzie» Sitzung eine Pelition um Er
öffnung eines neuen Weges im 9. Distrikt,
parallel mit der?)ork-Road. Derselbe soll
3 7110 Meilen lang und LS Fuß breit sein.
Die Cvmmissäre ersuchten Hrn. Hübner,
sein Gesuch in den Zeilimgc» bekannt zu
geben.
Die Commissäre verschoben bis zur näch
sten Sitzung das Gesuch der „Ciiy - Sub
urbau-Bahii," ihre Geleise an dem Gerichts
gebäude in Towfon so legen zu dürfen, daß
dieselben eine Schleife bilden. Sie verwil
ligteu H4OO zur Belegung der Willow-
Spriug - Road im 12. Distrikt mit Austern
fchaalen. An den Auwall der Commissäre
verwiesen dieselben das Gesuch des Friedens
richters Hermann Everding von Govans
town, seine Heuwaagen an der Bellona-
Avenue und ?)ork-Road während der Dauer
des Bahiibanes aus die Letzlere verlegen
zu dürfen.
Ver urtheilt. Iu Hage.Srown,
Md., verhängte Richter Stake ccslern die
Strafen über die in der gegenwärtigen
Sitzung derGroßgcschworenen schuldig be
fundenen Angeklagten. Wm. Kelrny erhielt
wegen Diebstahls in zwei Fällen 7 Jahre
Zurlnhaus. Nach dem „House of Refor
mation" sandte ter Richter acht Angeklagte,
welche zusammen zu 10V Monaten Haft ver
urlheill wurden.
Stadt Baltimore.
Vom Mayor unterzeichnet.
Die vom r-?tadtrath in feiner «spezialsitzung
am Montag angenommenen Verordnungen
wurden gestern vom Mauor uinerzeichnel.
An anderer Stelle dieses Blattes hat
Sladl-Commisfär Smyrk bereits die Anzeige
zur Cinreichuiig von Forderuiigs-Angeboleu
für dcn Bau der neuen und die Wegfchaf
fuiig der allen Baltimorestraßen-Brücke er
lassen. Angebote müssen bis zum Dienstag,
deu 27. d. Mts., eingereicht werden. In der
Anzeige ist die spezielle Bemerkung einhal
ten, daß Forderungs-Angebole nur von sol
chen Parteien berücksichligl werde», die legi
tim im Brückenbau-Geschäft thätig sind.
Für das „M ar yl a n d-In sti tut"
bat ei» kürzlich von Europa zurückgekedrler
ssreiind der Anstalt dem Direktorium eine
Anzahl Reproduklioiien alter, jetzt im Be
sitze des „britischen Museums" befindlicher
venetianijcher Glaswaareii zun Geschenk
gemacht. Die verschiedenen Klassen des
JusNlineS ersreueu sich eines gute» Besuches;
i» derjenigen sür Kunst befinden sich 193
Zöglinge, d>e Abendschule besuchen 707 Zög-
Inige und 83 die haudelswissenschaftliche Ab
theilung.
Die offizielle AuerkeMung
des hiesigen zahnärztlichen Co I
leqS Seitens des allgemeinen
ärztlichen Lonzils, welches zur Ze-t
in London tagt, wird dem
nächst ersolgen. Tas diesbezügliche Gesuch
ist nämlich von dem Coiizil iu Erwägung
gezogen und an ein Comile zur Berichte»
fianüng verwiesen worden.
Bei'm Versenden von Weih
nachtsgeschenken nnt der Post
sollte, da die Zahl der zu befördernden
Packeie um dnse Zeit fehr groß ist, Sorgfall
auf die Verpackuug verwendet werden.
Manche Packele sind so schlecht hergestellt,
daß sie bereits »n Postamt auseinander
fallen, ehe sie die Sladt verlassen haben.
Auch aus genügende Franknung sollte man
schien, da Sendungen, welche nichl hin
reichend srankirl sind, nicht eher abgeliesert
werden, bis eine Exlra-Gebuhr bezahlt ist.
Kern Packet, das fchwerer, als 4 Pfuud ist,
wird von der Post befördert, und wird pro
U,ize ein Cent berechnet. Enthält ein Packet
irgend welche geschriebene Mittheilungen,
was sich leicht herauSslelll, da alle Packele,
ehe ste das Postamt verlassen, geöffnet wer
den, so berechnet die Pofi 2 Cents sür ,ede
Uiize, die daS Packet wiegt, uud erhebt den
Benag von dem Adressaten, währeud der
Absender wegen Verletzung der Postgesetze
eine Snase bis zu zehu Dollars zu zahlen
hat.
Ter „Kn op slöcher - Vereiii der
7. Ward" überreichte vorgestern Abend
Frau Joh. Getz eni hübsches Theeservice
und Frl. Barbara Getz einen Regenschirm
mit goldenem Knopf »n Anerkennung ihrer
Milwiriung um den Erfolg de« kürzlich von
dem Verein zu Ehren de» Hru. Joh. Getz
veranstalleten Banketts.
Genieße das Lebeu! Gebrauche TUtt's
PjUeN» (2Lö,300,2tk1v51)
Perfonaknotizen. Gouverneur
MeKiiiney von Virgiiiie», welcher zur Zeit
als Gast des Hrn. Hood, Präsidenten der
»Western Maryland-Bahn," in Begleitung
stilier Gattin und Tochter hier weilt, wird'
heute wieder nach Richmond zurückkehren.
Plötzliches Ableben de« Dr.
W. C. V a n Bibbe r.—Die Trauerkunde
durcheilte gestern Mittag die Stadt, daß der
bekannte und hochgeschätzte Arzt Dr. W.
Chew Ban Bibber in feiner Wohnung, Nr.
26, West Franllinstraße, au» dem Leben ge
schieden fei. Ter Tod trat ein, während
der Doktor mit dem Lesen einer Zeitung be
fchäftigt war, uns wie man vermuthet, war
Herzschlag die Todesursache. Dr. Van
Bibber hatte bei'm Aufstehen gestern Mor
gen sich nicht ganz wohl gefühlt, doch ging
er feinem Bernte wie gewöhnlich nach. Kurz
nach Mitrag kehrte er in seiu Büreau zurück,
und in seinem Lesse! es sich bequem ma
chend, sandte er seinen Lausburfche» nach
einer Zeitung fort; als dieser zurückkehrte,
fand er den Arzt den Kopf leicht vornüber
geneigt und bewegungslos in dem Seilet
voi. Ein genaueres Hinsehen zeigte, daß
der Tod sich unvermuthet ein Opfer erwählt
hatte. Dr. Van Bibber stand im K 9. Le
bensjahre; er wurde in Carroll-Coumy ge
bore», war jedoch mehr,als 40 Jahre in hie
siger Stadt als Arzt thätig. Er hatte eine
ausgedehnte Praxis, und seine langjährige
Erfahrung machie ihn zu einem hochgefchätz
ten und vielgesuchten Rathgeber am Kran
kenbette. Der Verstorbene hinterläßt eine
Wittwe und drei Töchier, nachdem der ein
zige Sohn, Dr. John Van Bibber, erst im
vorige» Jahre feinem Vater im Tode vor
ausgegangen war.
Ableben. Nach längerem Leiden
starb gestern Hr. I. L. Zwanzger, ein wohl
bekannter deutscher Apotheker in Südwest-
Baltimore, in seiner Wohnung, Nr. 1201,
West-Lombardstraße, im Sl. Lebensjahre an
einem complizirteii Leiden. Ter Verstor
bene, welcher sich vor ungefähr Jahresfrist
vom GcjchäfrSlebeu zurückzog, war ein Mit
glied der „Court Carrollion, A. O. der För
ster" uud der „De Kalb - Loge der Pytlnas-
Rilter ; "er hinterläßt eine Gattin, 2
und eine Tochter. Die Beerdigung findet
nächste» Sonntag, Nachmittags 2 Uhr, vom
Trauerhause aus auf der „Loudou-Park-Ce
melery" stall.
Vom vorgestrigen Feuer.
Rauchgejchwärzle, glimmende Baumwoll
ballen uud wüste Trümmerhaufen, aus de
nen noch foriwährend dicker Rauch iu die
Höhe steigt, kennzeichnen die Stelle, wo
vorgestern daS große Feuer sich ereignete
und vordem die gewaltigen Lagerhäuser sich
erhoben. Das Fenerbool „Caiaract" und
das Polizeiboot „Lannan" waren nebst meh
rere» Dampfspritze» noch während des ge
strigen Tages in Thärigteit und sandten ge
wallige Ströme in den glühenden Heerd.
Eine Anzahl Versicherungsagenten war
gestern Morgen aus dem Brandplatze uud
versuchte, ein Inventar auszunehmen, doch
mußte dieser Versuch vorläufig aufgegeben
werden. Der unpassirbare Zustand der
Slraße» nahe Jackwn'S Werfte beeinträch
tigt sehr den Frachtverkehr, welchen die
„Nördliche daselbst betreibt.
Der Zustand Peter simpfon's, des far
bige» Stevedores, welcher rorgestern bei
dem Brande schlimme Wunden davontrug
und nach dem „Baltimorer Universiläts-
Hospital" verbracht wurde, war gestern kri
tisch; man hegt wenig Hoffnung auf seine
Genesung.
Die Beerdigung des bei'm Brande umge
kommenen Lieuieiianis James L. Lindsay
findet erst am.Samstag statt, da die Familie
einige entsernt wohnende Verwandte hierzu
erwartet. Vater I. L. Andreis von der
katholischen St. Leo-Kirche wird dabei am
tiren, und Mitglieder der Spritzen-Com
pagnie Nr. 5 werden ihrem Kameraden die
letzte Ehre als Bahrluchträger erweisen.
Der traurige Tod de« Lieaienants Lindsay
ruft einen ähnlichen Unglücksfall in'S Ge
dächtniß zurück, der sich unler nahezu densel
ben Umständen am 25. Tezemver IBBü er
eignete nnd bei dem James B. Dougherty
von der Haken- und Leiier-Compagnie Nr. 1
umkam.
Es war ein ebenso trüber uud regnerischer
Tag, wie der vorgestrige, als damals das
Lagerhaus der „Baltimorer Lagerbaus-
in dem Baumwolle und Kauf
mau»Sgüter lagerten, in Brand gerieth und
zerstört wurde. Zur selbe» Siunde, wie
Lieulenanr Lindsay, und auf dieselbe Weise,
durch den Einsturz einer Mauer, send Dou
gheriy damals feinen Tod. Coroner Cock
rill wird vermuthlich heute einen Jnquest
über dem Leichnam des Lieutenants Lindsay
abhalten.
Uebertretung des Licenz-Ge
setzes. Der vom Sergeanten Flood im
südliche» Distrikt verhaftete Ich» Adams
wurde wegen Verkaufs von Preis-Packeien,
in denen Geld einbauen sein sollte, um t5O
nnd wegen HausirenS ohne Licenz um 550
nebst Kosten veruriheilt.
Die „Eveiiiiig News" bringt wieder ein
mal eine» sens atio » elleit Lokalbe
richt über die vor einem katholischen Geist
lichen staltgesundeiie Verehelichunq
einer jungen russischen Jüdin
mit einem christlichen Verehrer, Namens
Nat. Stapleion. Die Sache kam an's
Tageslicht, indem die junge Gattin von ih
rer Schwester zurückgehaltene Gegeustäude
beanspruchte. Da die Sachen einen über
die Jurisdiklion des Friedensrichters I. C.
Bransby gehende» Werlh ballen,verwies der
Letztere die Klage an das Gericht.
Es erhellt nach der „News," daß die
Angehörigen der jungen, erst 18 Jahre alten
Jüdin sich heftig gegen die eheliche Allianz
sträubten, die junge Braut aber ganz zu
frieden ist, wenn auch iu Zukunft ihre Ange
hörige» sie als „todt" betrachten. Die
„News" sagt, daß Valer C. E. Thomas zur
Zeit die junge Jüdin in der christlichen Re
ligion unierweise. Tie „NewS" locirt das
junge Paar an der Exeterstraße und sagt,
daß die Braut vor ungefähr 5 Jahre» einge
wandert sei und ihreMuner noch in Rußland
lebe, sie hier zu Lande oder in Baliiinorc
eine Schwester, irgendwo im Süden aber
einen Bruder habe.
Ter au aiiderer Stelle unseres Blattes
veröffenllichte Bericht der „American
Naii on a l- B auk von Baltimore"
zeigt eiu erfreuliches Resultat. Nach dem
selben wurden deponirt uud
j!574,632.42 diSkontirt und ausgeliehen.
Für die kurze Zeit des Bestehens der Bank
ist Dies ein bemerkeiismerlhcr Erfolg und
zeigt die geschäftliche Tüchtigkeit der Leiter
derselben.
Die Park-Behörde hat in einer
gestern abgehaltenen Spezialsitzung beschlos
sen, gegen die Entscheidung der Abschät
zung« - Commission, welche als Werth sür
das neun Acker große Grundstück, das zum
Parte angekaun werden soll, 530,125 fest
setzte, einen Protest einzureichen.
Für'S Leben verein t.—Gestern
Abend 7 Uhr wurde in der St. PaulS-
Kirche, Ecke der Charles- und Saratogaslr.,
Frl. Mary Eloile Hood, Tochler von Gene
ral John M. Hood, Präsident der „West
lichen Maryländcr-Bahii," mit Hrn. Robert
AugnsluS England ehelich
verbunden. Bischof Paret segnete, assistirr
von Pastor Dr. I. S. B. Hodges, dem
Rektor der Kirche, das Paar ein. Als
Braulsühreriunen fuiigirte» Frl. Eugenie
Gray, Enkelin des Gouverneur« Morehead
vou Nord-Caroliua, Frl. Auuie Palmer
Gray von Richmond, Frl. Maine Clark von
Virginicii, Frl. Kalharine Loit vou New
?)ork, Frl. Agnus, Frl. Mary Hoopcr, Frl.
Braiiiley und Frl. Äyeih von Haniplon.
Brauisührer waren die HH. Lan
caster von England, B. Cosfey, John Bruce
McPherson von Pennfylvanien, Ewing Ha»
vey, Howard Harvey, Edward Shoeinaker,
Gordon Hayes, Benjamin und Charles
Deuuijon. Während der Trauung« Cere
monie wurden die Glocken der Christus-
Kirche zu Ehre» des Brautpaare« ge.äiner.
Ta« Innere der Pauls Kirche war vo»
deu Gärtnern Samuel Feast K Sohn mit
Palmen und Blumen geschmackvoll geziert.
Ein Empfang folgte der Trauung in der
Wohuuug des Gen. Hood, Vir. >231, Nord-
Calvertstraße. Gouverneur Mcilinney von
Virgiiiie» und seine Ganin waren zur Hoch
zeitsseler nach Baltimore gekommen und
wohnte» der Trauuugs-Ceremouie bei. Sie
sind Gäste des Vaters der Braut.
Wetterverttvt.
Signal-Vüreau, 1
B a lti m ort, de» 14. T ez- 18S2. j
! Ther
! wcrcr. ' rizkett
B.UO 5.'!,! 2»,su Ivo W, 2 Trüd.
A, > ijo.li 4v U 7 N. W, ri xiar.
> Ttati
3« jtew-Ziorl 42
Norjolt... 4«j
Eiaemiia:!' Z 4U 4«
Eharltft»». «t.r0u15.... Sit
Zacksonville > «8 Toroilto Ltj
iillüxville 4« A>a>r>mgton 4U
Wetteraussichleu. Für Mary
land uud den Distrikt Coluuibia klares
üylereS Wetter uud westliche Wiude»
Der „Verein der Kaufleute und
Fabrikanten" hielt gestern Nachmittag
leine regelmäßige Monatsverfammluiig un
ter Vorsitz des Hrn. Jas. A. Gary und der
Protokollführung des Sekretärs John R.
Bland. Auf Antrag des Hrn. John E.
Hurst wurde ein Comite ernannt, das Be
fchlüsse zu Ehreu des Ablebens der im Laufe
der letzten Zeit verstorbenen Mitglieder aus
arbeiten soll. Das TranSportaiionS-Comite
berichtete, daß eS keinen Schritt unterlassen
habe, die Verkehrssacililäten für Baltimore
günstig zu erhallen. Das Gejetzgebungs-
Comile erstattete Bericht über seine Thätig
keit in der letzten Gesetzgebung. Das Mit
gliedschafiS-Eonnte ließ mittheilen, daß der
Verein im Laufe des Jahres seine Mttglie
derzahl von 214 auf 276 Firmen erhöht ha
be uiid jetzt besser dastehe, als je zuvor. Im
Berichte des Comite's für Besteuerung wur
de a»s de» große» Gegensatz der Interessen
der Landbevölkerung und der Stadt Balti
more hingewiesen,uud in Anbetracht, daß es
den Bemühungen der Handelsorganisatio
nen zuzuschreiben war, d«ß die Neuab
schätzungsbill vom Gouverneur nicht unter
zeichnet wurde, nahm der Verein einen Be
schluß an, in welchem das Vorgehen des
Gouverneurs in Bezug auf die Einberufung
einer Conferenz Behufs Berathung von
Steuervorlagen gut geheißen und ihm der
Dank des Vereins zuerkannt ward.
Das Jahres - Bankett des Vereins wird
am 26. Januar abgehalten.—Hierauf wur
den die zu Ehreu der verstorbenen Mitglie
der Daniel Hollidau, I. I. Thomsen und
Thomas P. Baldwnl ausgearbeiteien Be
schlüsse verlesen und durch Erheben von den
Sitzen angenommen. Aus Anlrag des Hrn.
Hurst wurde ein Comite von Fünf, bestehend
aus deu HH. Calor, Robinson, Kerr, Bald
win, jun., und I. O. Adams, ernannt, das
Nomlnationen für Beamten machen foll.
Präsident James A. Gary, der seit den letz
ten drei Jahren als Präsident suiigirle, er
suchte das Comile, ihn bei der Noiinnalion
nicht in Wiedererwägung zu ziehen.
Von mehreren Mitglieder» des Vereins
wurde darauf aufmerksam gemacht, daß in
mehreren Südstaate» eine Coiisplralio» be
stehe, die Geschäftsleute Baltimore's und
anderer Städte zu betrüge», und die von
hiesigen Geschäftsleuten dadurch erlittenen
Verluste seien enorm. Es wäre an der Zeit,
daß der Verein Schritte ergreife, seine Mit
glieder gesetzlich vor diesen Schwindeleien
zu beschützen. Jene Leute würden von ihren
Bankgeschäften und Anwälten in ihrem un
gesetzlichen Treiben bestärkt. Darauf wurde
vom Vorsitzer eiu Spezialcoiinle von fünf
Herren ernannt, das geeignete, diesbezüg
liche Vorschläge zu mackieu hat.
Das zweite Jahre S-B a n kett
des „Vereins der Grocerie
waaren-Händker" fand gestern
Abend in Raine'S Halle an der Ecke vo»
Baltimore-Straße und Post-Office Avenue
statt. In der mit Blattpflanzen geschmück
ten Halle waren die in Hufeijsnform auf
gestellten Tafeln mit dem Besten, was die
Saison zu bieten im Stande ist, gedeckt.
Unter den erschienenen Gästen befanden sich
Mayor F. C. Latrobe, SlenereinnthM''r L.
N. Hopkins, Achlb. Z. B. Keplinger, Thos.
F. McNully, W. E. Scnlly und Andere,
welchen die Ehrenplätze eingeräumr waren.
Daneben faßen Präsident Harry C. Edmond
son, I. Bice-Prüsident S. F. Williamson,
2. Vice-Präsident A. L. Earson und Sekre
tär T. W. Jamisou. Tie Arrangements,
welche aus's Beste getroffen waren, lagen
in de» Händen der HH. L. T. Gardner, C.
I. Krasr, O. B. Smith, I. Linß uud T.
DinSmore.
Unter den Anwesenden befanden sich: C.
A. Kröber, I. T. Fuhrmann, Joh. W.
Wirth, G. L. Schorr, C. Lamberti, H. Reis
schneider, Heinrich Ordell, Thos. McCarthy,
Thoö. Uerdy, H. C. Frantz, I. E. Herbberl,
A. Schultz, K. Duvall, E. Dillworlh, H.
S. Winters, H. Thomas, Wilh. Bahlke, I.
E. Hawking, Ä. Franklin, W. Schmidt, E.
C. Sbipley, Jod. Lauterbach, Beruh. Ham
mer, Hein. Schlllterberg, Jak. Sohn, G.
W. Barks, I. W. Dider, I. Thomas, I.
Lynch, T. N. TiltSinore, O. B. Smilh,
Thos. Gulmann, Heinrich Krast, W. Schlü
terberg, C. W. Gosnell, Ed. Reilly, P. C.
O'Connor, Ed. Lauterbach, Thos. Seipp,
E. Slaaffer, C. H. Rau, G. L. Richter,
Ludwig Taub, I. Tonaldjon, Joh. Braun,
C. H. Aildrews, I. Currau, C. W. Grog,
Aiidr. Baumbach, G. Groß, I. A. Hancock,
C. I. Wagner, W. I. Maso», A. H. Wea
ver, C. H. Schmidt, Matth. Riedel, Thos.
I. Kurdle, C. H. Meegan, JaS. Allstedt,
I. R. Bell, Johann Miller, C. Kirk, H.
Schatz, Heinrich A. Kraft, I. R. Reefside,
Thomas Oehring, Karl Eisenreich, E. F.
Schröder, I. T. Norwood, R. Billups,
I. Holzmanii, C. G. I. Ackermann, W. A.
Spurrier, C. H. Zimmermann, Geo. Hoch
eder, Georg Culliion, Georg L. Beyer, H.
I. Seidel, C. Zink, A. B. Bangharct, G.
A. Hechiel, I. A. Tiver, Georg e. Wege
sarlh, Geo. Phillips und Andere.
Nach dem Bankell, während welchem
Prof. Henry E. Clark'S Orchester conzer
lirtt, eröffnete Präsident Edmondso» den
Redeaktus nnt einem Ueberblick über die er
folgreiche Thätigkeit des 600 Mitglieder
zählenden Vereins, der einen Umsatz von
einer lialbeu Million Dollars im letzten
Jahre gehabt habe. Mayor Lalrobe, der
nächste Redner, drückte seine Hochachtung
für diese Organisation aus. In seinen Aus
führungen über die Ausdehnung der Sladl
und deren Seelenzahl bemerkle er auch, daß
Highlandtown sich früher geweigert have,
inner fo günstigen Bedingungen der Stadt
einverleibt zu werden. Jetzt wollten wir
Highlandtown gar nicht mehr haben, denn
mir dem nördlichen und westlichen Territo
rium halte die Stadt mehr, wie genug, zu
lbun. Hieraus trugen die HH. Scnlly und
McNully mehrere Lieder vor. Das Bantelt
schloß in der schönsten Harmonie.
Beamienwah l.—Die jährliche Gene
ralversammlung der „Germania - Loge Nr.
27" des „Alten Ordens der Ver. Arbeiter"
fand gestern Abend statt, und folgende Be
amte wurde» erwählt: Ex-MeisterJ. Schert»
le», Meister L. C. Schneidereith, Obmann
F. Mady, Aussetzer O.Jeremias, correspon
dirender Setreiär Tr. G. Warlitz, Hinanz-
Sekrelär Karl Matzke, Schatzmeister F. I.
Siegel, Führer P. Gabriel, liniere Wache
Georg Briel, äußere Wache A. Heiuemeyer,
Arz. Tr. L. Horn, Trustees R. D. 80ß, H.
Berge und A. Trebez, Repräsentant zur
Groß-Loge C. Rehbeiu. Die Loge befindet
sich in blühendem Zustande, Hai 138 Mit
glieder und einen Kasseubestand von
Der „Uli le rst ützuii gs - V erei n "
der Angestellten der Glockengießerei von
McShane K Co. hielt vorgestern in den
„New - Asscmblq - RoouiS" einen solennen
Ball ab, bei welchem es bis zur srüheu
Morgenstunde äußerst vergnügt zuging. Die
Arrangements für das schöne Fest lagen in
den Hände» der HH. Christian Kerber, I.
Telany, James Lystoii, Wm. T. Joynes,
I. Sleedman, C. Greb, Geo. Nlderfon, I.
Klein, Wm. Syston, I. Whelan, W. Mor
ris, JamcS Hatch, A. Cttiier, Wm. Kühne,
I. Wehner, Peter Jerscheid, Patrick Mc-
Guire, H. Kühne, F. Ollis, Chas. Wise,
F. Alterjou, L. Vogel und E. Willis.
' W e l hna ch t s - D in e r sür die
Zeitungsjungen. Am 24. Dez.
wird den ZenuiigSjuiige» in der „Germaina-
Männerchor - Halle" ein splendides Weih
nachts-Tiner gegeben werden. Die Damen,
welche auch in dem Hauptquartier der jugend
licheuZeillliigsverkäiiser für deren Uinerhal
lung sorgen, Frls. Perot, Zacharias, Alice
Davis, Whne und Davidson, sowie die HH.
Kaller De C. Poulliiey, Robert M. Mc-
Laue, jun., und Bernard Ellhorn rreffeu
bereits die nöthigen Vorbereitungen für das
Fest. Fünsiig Purer, 30 Gallonen Austern,
V>ecken, vier Fässer Aepfel, Bananen,
Kaffee, Candy, Obst, Nüsse, Kuchen u. s.w.
sind sür das Mahl bestellt. Zwei große
Christbäume werden in dem Saale ausge
stelll werden.
Civildienst-Prüfung. Die
Civildienst-Behöroe ist angewiesen worden,
die nächste Pru'ung für Clerks und Brief
träger am Dienstag, den 7. Februar 1893,
im hiesigen Postann abzuhallcu. Applika
tionen zur Theilnahme an den Prüfungen
müsse» bis zum 18. Januar eingereicht wer
den. '
Die beiden Regentage hatten die
Arbeiten der Kabellegung der „City Passeu
ger-Coinpaiiie' start beeinträchtigt. Gestern
Morgen ist alle Arbeit wieder energisch auf
genommen worden. Auch die Arbenen der
„Lake Rolano-Clectric-Coinpany" und der
„Horl Road-Liine" sür Siadr und Vorstadt
fchreiren an den verschiedenen Puukreu rüstig
vorwärts-
Plötzlicher T o d. Hr. Joh. Mand
ler ist vorgestern Abend i» seiner Wohnung,
Ccke Oliver- und Luzernestraße, plötzlich ni
ssige eines Herzschlages gestorben. Er war
gerade von leinem an 'Nord-Gaystraße be
legenen Geschäfte zurückgekehrt, um die
Abendmahlzeit einzunehmen, als er todt zu
Boden saut. Dr. Schwatka, Hrn. Mand
ler's Hausarzt, stellte deu TodeSscheiu aus.
Der Verstorbene wurde in Teutschland ge
boren nnd kam vor 50 Jahren nach Bal
timore. Er erreichte ein Alier von 64
Jahren und hiuierläßr zwei Söhne, Charles
F. und Thomas Marrdler, uud eine Tochter,
j;rau Witlgrefe.
In dem Kosldause des Frl. A. Geekie,
Nr. 835, Park-Ave., wurde vorgestern Fr>.
Mathilde Brown todt i» ihrem Bette gefun
den. Ein Bruder der plötzlich aus dem
Lebeu Abberufenen, welche 70 Jahre all
war und seit fünf Jahren hier in Baltimore
sich aufhielt, wohnt in Alabama.
Die
des Direktorrums der „Sla"t - Pasfagier-
Slraßenbabii-Compagnie" fand gestern uu
ler Vorsitz des Hru. Bowie statt.
Schnittwaaren tu, Lowen-Laven,"
Nr. 19, West-Lexiiizlon-Slraije.
tAugöl-4.p.)
Der große Bazar, verbunden mit
Auslernfouver, welchen der Orgelvereiii der
ev..lutherischen St. Stephani - Gemeinde
(Pastor Dr. F. P. Hennighauseri) gegen
wärtig in der „Cr»ßstraßen>Markthalle" ab
hält, war anH gestern Abend wieder sehr
stark besucht, und an den verschiedenen Ti
schen wurden werthvolle Gegenstände zur
Ausloosung gebrachl oder verkauft. Gleich
links vom Eingang befand sich der Tisch des
„Frauenvereins," der mit Luxus- und Haus
haltungS-Gegenständen förmlich überladen
war. Hier führten die Frauen Friefe Vor
sitzerin, Kechuclt, Treff, Frank, Bomhcff
und Bonfen die Verwaltung. Gleich neben
diesem Tische befand sich der Fischteich, an
welchem die Frls. Marg. Wagner, Ida
Reinecke, Marie Spellenberg uud Hr. W.
Helmighausen die Aufsicht führten. Recht
zahlreichen Zuspruch fand auch
tagsfchultisch, der gleichfalls eine reiche
Menge schöner Gegenstände aufwies, darun
ter eine Spieldose von Hr». W. Grecht,
Puppe vou deu Dame» des Standes, Tisch
decke von Frau Lindauer, Pianosiuhl von
Stieff'S Pianofabrik, Tonne Kohlen von
Hrn. Johann Wolfram, Plüschwaaren von
Hrn. I. Neu. Die Damen, welche diesen
Tisch beaufsichtigten, sind die Frls. Lindauer
Vorsitzerin, Lillie Neu, Anialie Wienecke,
Henrette Müller, Paulnie Lackhoff uud Lillie
Herbold.
Recht fchöil ausgestattet ist der Tisch des
Siugchors, an welchem die Frls. E. Bau
mann Vorsitzeri», M- Weller, B. Gott
schalk, Elisabeth Heiiiiighause», Kathie Wel
ler und Hr. Albert Reinhardt thätig sind.
Am Postainte führlen die HH. G. Treff, W,
W. Schuiidl, F. Wolf uiid Frl. Lizzie Schä
fer die Aufsicht uud sungirleu als Bolen.
Sehr eifrig arbeiteten natürlich die Damen,
welche den Orgelverein-Tifch beaufstchlig
ten, uud ihr Streben wurde dadurch belohnt,
daß viele Gegenstände verkauft wurden.
Die Frls. S. Hoffmann Vorsitzerin. L. Bär,
S. «chäfer, Hoffmann, B. Denhardt
und Carrie Schuchhardt walteten hier emsig
ihres Amtes. Unter den an diesem Tische
ausgestellten Geschenken sind zu erwähnen:
Schaukelstuhl von Hrn. >t?cheUeilberg, Bild
des Pastors Dr. F. P. Hennighaujen mit
Slaffelei von Frau Russell, Spitzen-Belt
decke von Frau Lchellenberg, Lampe von
Hrn. Heß, Ausziehtisch von Frau Köhler,
Bettdecke vou Hru. Vogel, Schooßdecke von
Hrn. Heß, Diamantring von Hrn. W.
Grecht, Stndirlampe von Frau Schäser;
eine Tonne Kohlen lief ei» vo» Hr». Mc-
Comas.
Am Confektstand walteten die Frls. Ber
tha Heiinighausen, S. Peppler, A. llsinger
uud L. Wolf emsig im Interesse des schönen
Zweckes. Zu bemerken ist, baß die Firma
Dobler, Mndge K Co. an 1000 Papierdüien
zum Einpacken des Zuckerwerkes donirle,
sowie Hr. VZ. Grecht eine» Büschel Bananen.
Nicht minder geichäflig waren die FrlS. A.
Baumann Vorfitzerin, M. Schäser, M.
Ritzius, S. Töberich, Kane Himmel. L.
Bonihoff und die HH. H. Röhm uud Karl
Fischer, welche am Tische der „lutherischen
Allianz" die Aufsicht führten.
Bon großem Werthe für den Erfolg des
Festes ist auch das Austern-Souper, welches
jeden Abend den Güsten fervirl wird. Er
fahrene deutsche Hausfrauen, die Frauen
Kath. Becker, C. Usniger und Minna Treff,
sind in der Küche thätig. Die Ersrischungs
speuder sind die HH. Hy. Hoffman» und
Joh. Fillnig. Das sehr gut redigirte Pro
gramm wird von deu HH. H. Usiuger, Vor
sitzer, F. Meyer, L. Muihert und I. H.
Fisher, jun., herausgegeben.
Zugleich mit dem Bazar findet auch jeden
Abend eiu interessantes Eonzert stan; so
hatte gestern Abend das „Volontär-Ouar
tett," bestehend aus de» HH. I. Donuelly,
W. Pearson, W. Roß und E. Eckhardt, die
Anwesenden durch Gesaugsvorträge erfreut,
und heure Abend wirk«» das ~Ideal-Quart
ett" und Hr. Fred. Hardiug mil. Hervor
zuheben ist speziell, daß die Mitglieder des
Kirchenralhes gleichfalls sehr eifrig im Ju
iereffe der Festlichkeit thätig sind. Es sind
dies die Hp. C. Schmidt, Präsident; Jakob
Scheidt, Vice Präsident; Geo. Dockhorn,
Sekretär; Geo. Scheppach, Schatzmeister;
R. Henchen, W. Meyer, John Ermoldt, H.
Stange, Geo. Willershausen, C. Ritzius
nnd R. Gontrum. Der Bazar steht unler
der Leitung des Hrn. Wm. Grechl als Vor
sitzer, sowie der HH. C. Grecht, Klemm,
Wolfrum, Ritzius. Selbstverständlich siehl
diesen Herren der strebsame und um das
Wohl der Gemeinde unermüdlich lhätige
Pfarrer Dr. F. P. Hennighaufe» mil Ralh
und That getreu zur Seite. Heute wird der
Bazar fortgesetzt, und zwar ist derselbe so
wohl Nachmittags, wie Abends veu Besu
chern geöffnel.
Ein erfolgreiches Geschäft
ist zweiselSohne dasjenige der „Cürzen's
Clolhing 6c Tailoring-Coiiipany," Nr. 32,
West-Prallstraße. Während der verflossene»
Saison hat sich der Umsatz desselben nämlich
unler der tüchtigen und umsichligen Leitung
des Hrn. A. Haupt mehr, als verdoppelt.
Hr. Haupt ist bereits seit 18 Jahren im
Kleidergeschäft lhätig und hat es durch sein
höfliches Entgegenkommen und feine Auf
merksamkeit aus die Wünsche der Kunden
verstanden, sich eine grosze Zahl Frennde
und die Achtung Aller, die ihu leimen lern
ten, erworben. Namenllich in deutschen
Kreisen ist er sehr beliebt uud seiner Ge
schäftskenntniß und Tüchtigkeit wegen hoch
geachtet. Was die „Citizen's Clolhing K
Tailoring-Cvmpaiiy" vor anderen Geschäf
ten auszeichnet, ist, daß sie die von ihr zum
Verlaus geslellleu Waaren selbst sabrizirl
uud ihr Gejchäfrslokal, obschon im Mittel
punkte der Siadr belegen, weniger kostspielig
ist, als andere, ein Vortheil, welcher den
Kunden der Firma zu Gute kommt.
Für jedes gelieferte Kleidungsstück über
nimmt die Firma Garantie, und sallS ge
wünscht, werden Waaren, die dem Käufer
uichl gefallen, gegen andere umgelauscht.
Ta? geräumige Geschäfisloial ist in drei
Ablheilungen geiheilt, eine für Herreii-Gar
derobe, eine zweite für Knabeukleidiing und
eine dritte für die Herstellung der nach Maaß
bestellten Anzüge. Die beiden ersteren Ab
theilungen sin» im unleren Stockwerk unter
gebracht, während das Atelier sür die Anfer
tigung angemessener Kleidungsstücke im 2.
Stockwerk belegen ist und das dritte sür Ar
beilSzwecke benutzt wird. Das gul assortirte
Lager enthält die besten Sloffe, und die Ar
ven ist ebensallS ausgezeichnet, die Preise
dabei sehr mäßig. Das Departement zur
Ansertigung von Kundenarbeit steht unler
der Lenung des Hrn. David G. Murrau,
eines Veteranen im Kleidergeschäfie und
eines der besten Kenner von Tuch im Staate,
welcher es sich Zur Aufgabe machl, nur die
besten einheimischen und imporlirlen Stosse
auszusuchen.
Eine neue Industrie sür Cnr
t i S' B a y. Die HH. C. D. Veawiih
und Robert Johnson von der „Beckwith-
Eisen-Compagine" von Paterso», N. 1., be
sichiigleii vorgestern die Baulichkeilen, welche
vsn der Gesellschaft in Curtis' Bay errichtet
werden. Sie waren herüber gekommen,
um wegen der Ausstellung der Maschinen
Angaben zu macheu. Die Werke werde»
im Frühling nächsten Jahres iu Betrieb ge
setzt.
Di e „M aryläuder Staats-
Gran g e" hielt gestern und vorgestern ihre
24. Jahressitzung im „Maltby - House" ab.
Hr. Henry M. Murray, welcher deu Vorsitz
sühne, erstattete seinen Jahresbericht und
betonte darin die Noihweudiglen des Erlas
ses eines Neuabichätzungs-Ge etzes, empfahl
ferner die Unterstützung der Ami - Oplion-
Bill und der Lebensmittel-Bill, welche jetzt
dem Congreß vorliegen. Em Spezial-Co
mile wurde ernannl, um die Angelegenheit
des „Landwirihschafillcheii College" und die
Noihwendigketl einer Neu-ib'chätzuiigsbill in
Erwägung zu ziehen. Dem Berichte des
Schatzmeisters Hrn. N. P. Manley von
Cecil-Couiny zufolge befinden sich H 740 .n
der Kasse. Der Sekrelär Hr. William B.
Sands von Baltimore - Counly berichlete,
daß 79 Granges im Staate bestehen unt
1800 Mitgliedern. Eine Einladung de?
Hrn. B. Howard Haina» zur Theilnahme
an der am 11. Januar stattfindenden Con
vention zur Beralhung über Mittel und
Wege, bessere Landstraße zu schaffen, wurde
angenommen.
Der „Germania-Männer
chor" veranstaltet heute, Touuerstags-
Abend, fein zweite« großes Conzert dieser
Saison. In demselben werden n. A. die
Chöre „Jung Siegfried" von Zöllner,,, To
ggenburg" von Rheinberger uud die „all-me
derläudischen Lieder" von Kremser zum Bor
trage gelangen. Als Solistin wird n. A.
die' bekannte Piano-Virluosin Frl. Cäzille
Gau! mitwirken.
Der Vio kin-B irtu o s Hr. I. Du
bowitz wird heute, TonnerstagS-Adend,
in Hazazer's Halle fein erstes Conzert ver
anstalten, in welchem die HH. Zaver Rener,
der belaiilne Waldhorn - Viriuose, Roß
Jurignickel und der Barnon - Solist W. A.
Metzger mitwirken werden. Hr. I. Tubo
witz, welcher bereits bei seinem Auftreten in
einem Conzert des „Germania - Männer
chors," der „Harmonie" und des „Phönix-
Clubs" u. s w. sich als Meister aus feinem
Instrument erwitsen, wird in diesem Con.
zerl zum ersten Male sich dem größere»
Publikum vorstellen und der Besuch des
Conzertes sicherlich ein guter werden.
Aus d e r „I o h » s H o p k i u S"U n i
versitä t."—Tr. Wm. H. Browne hielt
gestern seinen ersten Vortrag über „früheste
Geschichte Maryland'S," wobei er die Zen
von den ersten Niederlassungen bis 1649 de
rührte. Die nächsten Vorträge finden am
21. Dezember und 2. Januar n. I. stall
uud werden ebensallS die Kolonialzen be
handeln. Dieselben Vorträge wird Dr.
Browne während des Januars im »Pea
body-Justltuk- halten.
Jncorporirt wurde gestern im Su
perior -Gericht die „E. F. Kirwau-Manu
sacturing-Comp." durch Edgar I. Kirwau,
Chas. R. Kirwau, Veruon Hall, Chas. H.
RiggS, Nickolas S. Turner, Geo. M. D.
Tyler und T. Jra Adams zur Fabrikation
von Blechkaiiiien :c. Aktienkapital 5200.000,
eingetheilt in 2000 Antheile zu tzloo Pari
werth.
Im Sl a d t-Kr eiS g e r ich t ist zur
Zeit ein Prozeß in Verhandlung.
Philipp S. Mcr'aughliu und F. R. Boyd,
welche in Nr. 219, Northstraße, einen Leih
stall haben, klagen, daß durch die beabsich
tigte Erbauung einer Hochbahn in der North
straße Seitens der „Lake-Roland-Hochbahn
gesellschast" der Zugaug zu ihren Ställen
erschwert und daduvch ihr Geichäst beträcht
lich beschädigt »wird. Die Firma erlangte
im Oktober einen vorläufigen Einhaltsbe
sehl wider die Bahn, und es handelt sich
jetzt um die Fortdauer desselben. Geschrie
bene Aussagen einer Anzahl Zeugen wurden
gestern vernommen, darunter auch eine solche
des Stadt-Commissärs Smyrk. Der Fall
wird heure weiter verhandelt.
Freigesprochen wurde gestern ini
BundeS-DistriktSgericht Dr. Matthew Tay
lor, welcher beschuldigt war, durch die Post
eiuen obscönen Brief an Frau Lottie E.
Kirby von Hullville, Baltimore - County,
geschickt zu haben.
Das Testament Vater Gait
ley' s.—lm Waiiengerichte wurde gestern
das Testament des gestorbenen Baters I.
T. Gaitleu eingereicht. Dasselbe ist vom 7.
November 1892 datirt und von den Vätern
Johnßoland, Richard C. Campbell und
von Simon I. Kemp als Zeugen unter
schrieben. Der Verstorbene hinterläßt fei
nen Antheil an einem HBOOO betragenden
Fond den Trustees des „St. Charles-Col
legs." Seiner Schwester Ellen vermacht
er das Haus nebst Bauplatz in Mount Sa
vage, Allegany-Couilty, Md., wo ferne El
tern jetzt wohnen; die Trustees der St.
Patricks-Schulc erhalten ein Hans an der
Regesterstraße, seine Schwester Anna die
Summe von H5O uud feine Schwester Caci
lia den Rest des Vermögens; Letziere ist zu
gleich mil Simon I. Kemp zur Testamenis-
Vollstreckerin ernannt. Keine Bürgschaft
ward gefordert.
Plaidirt e ii A l le nicht schuldig.
Fünf wegen Mordes iu Haft befindliche
Personen wurden gestern dem Richler Wrighl
im Criminalgerichie vorgeführt. Es waren
Dies Dominica Carriere, welcher am 29.
August seinen Landsmann Napoleone Ca
vallero erstach, und F. Wentzel und Henry
Fricker, die Christian Schiimbach ermordet
haben sollen. Corriere behauptet, die That
in Nothwehr begangen zu haben, während
die beiden Letzteren sich als nicht schuldig be
kannten. Da sie keinen Anwalt zu stellen
vermochten, wurde ihneu vom Gericht Tho
mas C. Butler zugewiesen. Der Prozeß
Corriere's beginnt heule. Ferner wurden
gestern Brunnislaus Pironski und Wilhelm
Zielke aus der Haft vorgeführt, beschuldigt
Alexander TombroSki am vorigen 18. No
vember ermordel zu haben. Dieselben Plai
dirien Alle nicht schuldig.
Die Schadenersatz-Klage von
Louise Slein wider deu Mayor und Stadt
rarh von Baliiinorc wurde gestern vom
Richler Harlan der Jury entzogen, danach
Anficht des Richters die Verllaglen für
den Zustand des Croßstraßen-Marttes, wo
Frau Slein durch einen Sturz sich eiuen
Beinbruch zugezogen hatte, nicht verant
wortlich gemacht werden könnten.
Die Kirche gewann. Richter
Dennis reichte gestern im Stadlkreisqerichte
seine Ansicht im Fall von Eliza P. Johnson
und Anderen wider die 7. Baptisten-Kirche
im Betreff der Auslegung des TistamenicS
von Emma M. Johnson ein. Der Richier
erklärte, das Testament sei vie'deulig so
wohl, was die Paneieii, als den betreffenden
Fall angehe. Ei» Teslanieiltsvollstrecker
habe das Recht, das Gerichl um eine Aus
legung des Testamenls zu ersuchen, und das
Gericht werde die ferner«. Berwaltung des
Nachlasses übernehmen. Richter Dennis
war der Ansicht, daß die Klägerin kein In
teresfe am Nachlasse habe, noch auch au einer
richligeu Teslamenlsauslegung, da sie weder
gejctzmäßige Erbin, noch dem Testament zu
folge nächste Verwandle von Emma C.
Johnson war.
Will geschieden fei n.—Helene
Dohmann, geborene Kolskorn, reichre ge
stern im Kreisgericht Nr. 2 wider Hermann
Dohmann eine Klage zur absolulen Aus
lösung ihrer Ehe mil deinselben ein. DaS
Paar wurde am 2. März 1882 iu Züllichau,
Preußen, getrau! und kam bald daraus nach
Amerika. Der Verklagle verließ augeblich
seine Gattin am 12. Juli 1889.
A u t iv o r t eingereicht. Chas.
E. Stiess reichte gestern im KreiSgericht Nr.
2 seine Antwort aus eine Klageschrift ein,
wodurch er als Trustee der „Klauk Manu
sacntring-Comp." abgesetzt werden soll. Hr.
Sneff weist alle gegen itin erhobenen Be
schwerden zurück und bittet um Abweisung
der Klage.
Ferner reichte gestern die Snprem-Loge
der „Eqnitable Bond-Company" ihre Ant
wort aus die von Majon und Anderen ein
gereichte Bill zur Ernennung eines Seque
sters ein.
G r u u d sl ü ck s - B e r k ä u s e.—Ge
brüder Schwab K Comp, verkauften gestern
an John C. Cornelius Nr. 1318, Edmond
son-Avenue, Grundzins?9o, und Nr. 1337,
Lasayetle - Avenue, Grundzins tz9l, sür
H 1125, bezw. K 950.
Aus dem Er i m i n a l g eri ch te.
Richter Wrrghr halte gestern eine Anzahl
Anklagen wegen angeblicher Uebertreiung
der Schcnitgesetze zu erledigen; die Ange
klagle» wurden mil Ansliahme von Lewis
ElliS, der i» Nr. 502, Gorjuch-Avenue, eine
Wirthschaft hält, sreigesprocheu. Ellis er
kuelt wegen SpiriluoseuverkaufS au eiucu
Minderjährigen 5100 Geldstrafe.
Rudolph Scherer war angeklagt, Lotte
rieloose geschrieben zu haben, und als Haupt
zeuqiu war Mary Jones, die sarbige Köchin
deS GesuiidheilS-sommis'ärs McShane vor
geladen. Dieselbe konine sich nicht erin
nern, von dem Verklagten Loose gekauft zu
haben, und Letzierer wurde prompt sreige
sprocheu. In dem Falle von Joh. Schissler
von Nr. 2702, Elliotistraße, welcher dessel
be» Vergeheiis angeklagt war, konnte sich
die Jury nicht einigen uuo wurde ernlalicn.
I n vorläufigen Anklage
zustand versetzte die Grand - Jury die
Neger John «nnth, Daniel Thomas und
James welche am vorigen Momag
Frau Julia Eichelberger überfallen und der
selben das Portemonnaie geraubt haben sol
len. Dieselben plaidinen nicht schuldig. T.
C. Butler wurde vom Gericht als Anwalt
derselben ernannt.
Einbrecher in zwei Restau
rants. Die Polizei wurde gestern früh
benachrichtigt, daß ni zwei Restaurationen
während der Nachl eingebrochen worden
war. In dem Re»auraut des Hrn. Wilh.
Euker an der Soinhstraße hatte ein Gauner
die Fenster an der Hnnerlhüre zerschnitten
und sich aus diese Weise einen Zugang ver
schafft. Nachdem er sich hinreichend gestärkt
hatte, runnrie er den Geld ? Behäller, doch
mußle er unverrrchleler Sache wieder abzie
hen. Ebenso wenig erfolgreich waren Diebe,
die sich in Turhaiu's Wirlhfchaft an der
Balttmore , nahe Calverlslraße, einschließen
ließen uud während der Nacht nach Beute
suchten. Als sie Nichts fanden, verschafften
sie sich einen Ausweg durch das Aufzwangen
der Kroiniynre.
Hallet Bcecham's Pillen in der Hans
haliung an Haud. (297-302)
Das „Baltimorer Presbyte
rium," welches vorgestern zur Dezember-
Sitzung sich versammelte, fetzte gestern seine
Verhandlungen inner Vorsitz des Pastors
Oliver Hemsireet in der Fulron-Ave.-Kirche
fort. Die Hauptfrage, welche zur Debatte
stand, war die von einem Comite empfohlene
Revision und Aenderung des presbyteriani
jchen Glaubensbekenntnisses.
Pensionen wurden solgenden Mary
ländern zuerkannt: Robert H. Proclor, I.
E. Lambdiu, Zacharias T. Jones, Charles
Sewell, August Brown, Wm. H. D. Bush,
James Rlggrii, Joh» W. Phelps, Samuel
A. Jackson, Wm. T. Allee, Baptist Chase,
Thomas Meaher, Joseph P. Anihonv, Isaak
Snnck, Edwaro Hadra, Wm. I. Cephas,
Klara A. Raybold und Mary D. Hadra.
Die „Federation of Labor" hielt
gestern ihre regelmäßige Wochenversamm
lung unler dem Vorsitz des Präsidenten
Saml. Hasson und der Protokollführung
des Sekretärs Jefferson Wade ab. Dele
gaten von der „Union" der „Garment-
CullerS" wurden zugelassen. Die „Deut
schen Gewerkfckiaslen" berichteten, daß der
Boycott gegen gewisse Möbelfirmen noch im
Gang sei, und die Delegaten erhielten In
struktion, die Lache an ihre „Unionen" zu
rückzuberichten. Die Granitsteindauer be
richieten, daß iyre „Unionen" in den Neu-
England-Slaalen siegreich sind. Ein Comile
der „Clolhing Cutters und TrimmerS-As
scmbly" war erschienen und verlangte nn
Beireff der „Garment-Workers" gehört zu
werde«. Ter Antrag, das Comite zuzu
lassen, wurde aus eeu Tisch gelegt.
D l e „W estliche Marvländer
Bah n-"C om m is s i o u hiell gestern
im Ralhhause unler Vorsitz des Hrn. C.
Morlon Siewart ihre regelmäßige Ver
sammlung, in welcher Präsident I. M.Hood
uud Hr. Theodor F. Wilcox die Bahn ver
lraten, während Hr. Geo. C. Wilknis, der
General-Agent der „Pennjylvanicr Bahn,"
über die Beziehungen beider Bahnen sprach.
Tie Sitzung wähne mehrere Stunden, doch
kamen beuierkeiiswerlhe neue Thaisachen
nicht zur Sprache, außer daß Hr. Wilkins
seinem Aerger über die ihm nicht günstige
Admnnstranon des Präsidenlen Hood freie
Zügel ichleßen ließ.
SS. Esngreß.—Zweite Sitzung.
Zkc«arralian'» Anspruch ««» »i« A»ti - Ov
tion«-«ill im Senat —Da» Hau» pasfirt
die «Uittr-Berwiltigungsdill.
Washington, D. C., 14. Dezem
ber. —lm Senat wurde das Erwäh
lniigS-Certifikat der Präsidentschafts-Elekto
reii von Florida entgegen genommen, und
eine Bill, welche die Uebersiedelung der Pi
rna- und Gila-Hiidianer von ihrer Reserva
tion in Arizona nach einer anderen Reserva
tion autorisirt, einberichtet und in den Ka
lender eingetragen.
Die Veto-Botschaft des Präsidenten gegen
die Bill, welche den Anspruch Wm. McGar
rahan's auf dem „Raucho Panoche Grande"
in Californien der „Court of Claims" über
weist, gelangte zur Sprache und beschäftigte
die Aufmerksamkeit des Senat« bis 2 Uhr,
zu welcher Zeit vie Angelegenheit bis mor
gen zurückgelegt wurde.
Der Senat schrill dann zur weiteren Er
wägung der Anti-Options-BIU, und George
(Miss.) beendete das gestern von ihm be
gonnene Argument zu Gunsten seines Sub
stituts für die Bill. Keine Abstimmung
wurde vorgenommen.
Hawley (Co»».) bot einen Beschluß an,
welcher Auskunft über die Sicherheit der
„Metzerott-Halle" in Washington fordert;
angenommen.
Der gestern von Daniel (Va.) angebotene
Beschluß, welcher um Auskunft bezüglich
des Civildienstes ersucht, wurde ebenfalls
angenommen.
Auf Antrag Chandler's (N.-H.) erhielten
saline Nationalbanken Autorität, ihre Thä
tigkeit während der gegenwärtigen Sitzung
fortzusetzen. Der Senat ging" hierauf in
Exekuiivntzung und vertagte sich bald nach
her bis morgen.
Im Repräsentantenhaus«
berichtete Cobb (Mo.), vom Comite für
Kriegsansprüche, eine Bill zurück, welcher
den Erben einer Birgmierin, die den histo
rischen Namen Mary Ann Randolph Cnstis
Lee führte, tz 217,000 zuspricht; die Bill
wurde in den Privatkalender eingetragen.
Tie SenatSbill in Bezug auf Regierungs-
Druckiachen und Buchoinderarbeilen wurde
einem Conferenz-Comite überwiesen uud das
Haus passirte alSdann in der Morgenstunde
verschiedene Bill», welche den Bau von
Brucken autorisiren.
Das Hans zog hierauf die Mililärverwil
ligungsbill in Plenarsitzung in Erwägung.
Dieselbe verwilligt im Ganzen ?24,202,740.
DieMilNär-Verwilligung für das laufende
Jahr beträgt 524,288,450 nnd die Voran
schläge für das nächste Jahr belaufen sich auf
tz 25,922,956.
Aiiionli (Tex.) veranlaßte eine hitzige De
batte durch Anbieten eines Amendements,
laut welchem kein in Ruhestand versetzter
O'fizier oder Soldat seine Besoldung erhal
ten soll, falls es sich herausstellt, daß er eine
Pension bezieht oder für die Bekleidung ir
gend eines anderen Amtes Gehalt von der
Regierung bezieht. Aulony begründete sei
nen Antrag durch die Mittheilung, daß es
in seinem Congreß-Distrikie einen Postmei
ster gebe, welcher, abgesehen von seinem
>salär als Postmeister, auch noch eine Pen
sion, sowie Besoldung als in Ruhestand ver
ter Offizier erhalte.
Mehrere Mitglieder, darunter der Demo
krat Outhwaite (O.) opponinen dem Argu
ment nnd dasselbe wurde verworfen. Das
Comite hob dann die Sitzung auf und be
richtete die Bill in unverändertem Wortlaut
dem Hause ein, welches sie annahm.
Auf Antrag Oulhwane's (O.) passirte
das Haus den Seuals-Plenarbeschluv, wel
cher den Kriegssekrelär autorisirt, den Vene
znelaner Francisco Alcaniara in die West
pointer Kriegsschule aufzunehmen. Hier
auf erfolgte Vertagung.
Aus ver Bundeshauptstadt.
Tie Frugt über va» Offenhalte» der Weit-
Washington, D. C., 14. Dezember.
Kein Quorum der Mitglieder erschien in
der heutigen Sitzung des HauS - WellanS
slellungS - Comite's, in welcher der Beschluß
des Repräsentanten Durborow Betreffs
Offenhallens der Weltausstellung an Sonn
tagen in Erwägung gebogen werden sollte.
Es erhellt, daß die Mitglieder die Argu
mente verschiedener, an der Frage intereisir
ter Personen zu vernehmen wünschen, ehe sie
eine Entscheidung treffen, und wahrscheinlich
wird Dies geschehen. Die nächste Sitzung
des Comite's findet am Freitag statt.
ChaunceyM. Tcpewi Präsident der„New-
Vorker Central - Bahn," Präsident Roberts
von der „Pennsylvanier Bahn" n. mehrere
anoere<>jseiibahii-Magiiarcn erschienen heute
vor dem Comite für iiiterslaailichen Berkehr
und befürworteten die von Cullom <Zlls.)im
Senat eingebrachte Bill, welche die Bahn
aesellschaften autorisirt, „Pools" zu bilden.
Verschiedene der Herren hielten Ansprachen
und empfahlen gewisse Modifizirniigen des
Gesetzes sür intersiaailichen Verkehr.
Sprecher Crisp, Senator Mills uns da» > Re
sorm-vlub- Vanlctt.
Senator Mills von Texas hat dem Hrn.
E. Ellery Anderson, Präsidenten des New-
Dorker „Reform - Clubs," einen Bries ge
schickt, in welchem er die von der „Sun" und
„Tribune" in New-Uork veröffentlichte An
gabe, daß er(MillS)"am Tage vor dem lürz
licheu Bankett des „Reform-ClubS" in Ge
genwart mehrerer hervorragender Demokra
ten gesagt habe, Sprecher Crisp habe eine
Rede sür das Bankett in Bereitschaft, werde
jedoch keine Gelegenheit erhallen, sie „ab
zufeuern," für unwahr erklärt. Er habe
überhaupt nicht gewußt, daß Crisp zu dem
Bankell eingeladen oder in New-Uork war,
und davon, daß derselbe eine Rede vorbe
reitet uud bereits der Preise zur Veröffent
lichung übergeben, habe er keine Ahnung
gehabt.
Si-n»-Z)orler Sterzte über die Sholeragefahr.
Verschiedene nahmhaste New - Aorier
Aerzte haben dem Senals-Comite zur Ant
wort aus eine diesbezügliche Anfrage geant
wortet, sie feien der Ansicht, das ein Aus
bruch der Cholera im nächsten Frühjahr zu
befürchten sei, daß strenge Quaraniäne-
Maßrcgelii hüben und drüben beobachtet
werden müßicn und daß, wenn diese Maß
regeln nicht hinreichten, eine Suspension
der Einwanderung aus ein Jahr geboten sei.
Die Aerzte, an welche die Anfrage gerichtet
wurden, sind Dr. Geo. F. Shrady, Jos. D.
Bryant, A. Loonns, L. A. Tayre, M. A.
Ewnig, I. E. Winters, CyruS Ebjon, Chas.
C. Wilson, Stephen .Zmitb, E. G. Jane
way und Abraham Jacobi. Die drei letz
teren haben noch nicht geantwortet, während
die Antwort der Uebrigen so ziemlich in der
obigen Meinungsäußerung übereinstimmen.
Das EenatS-Comile für Flotten-Angele
genheiten beschloß in seiner heutigen Sit
zung, die Bill, welche den Verkauf eines 26
Acker umfassenden, im Floitenbanhose zu
Brooklyn, N.-H., gehörigen Grundstücks au
torisirt, zur Annahme zu empsehlen.
Ter Senat bestätigte «n seiner gestrigen
Exekutiv-sitzung verjchiedcneErnennungen,
darunter diejenige des Hrn. P. B. Cheney
von New-Hainpshire zum Gesandten an die
Schweiz, des Hrn. G. M. Lamberljou von
NebraSla zum HülsS-Schatzamtssekretär u.
desHru. M. R. Rose vonOhio zum Hülfs-
Commissär des Generallandamles.
Wievcr ei» Neger-Ltttentat.
Bowlin g - G r e en, KV., 14. Dezbr. —
Die Stadt ist in großer Aufregung wegen
eines unsittlichen Angriffes eines Negers
auf ein innges Mädchen, Frl. Kate Ander
son, in ihrer eigenen Wohnung. Ter Neger
fand sie heule Morgen allein in ihrem Zim
mer und ergriff sie, um ihr Gewalt anzu
thun. Sie schrie, und oaraus zog der Kerl
ein Messer und brachte ihr am Halse eine
schwere Wunde bei. Aus das Geschrei der
Tochter erschien Frau Anderson, wurde aber
mit einem schweren Stocke niedergeschlagen.
Dann lief der Neger davon. Im Nu wa
ren 200 Weiße zu Pferde auf der Verfol
gung. Ein Neger, Namens Walter Hen
derion, wurde als der Thäter verhafter.
Mau erwartet eiu Lynchgerichl.
Sin Früchten der „Heils«Armee."
Elizabeth, N.-1., 14. Dezember.
Frau Anton Berger hat ein abenteuer
liches Leben hinter sich. Sie gehörte der
„Heils-Armee" an und hieß „Capnän Jen
n>e Wilson." Sie war ebenso hübsch wie
leichisinnig und halte eine Menge Verehrer.
Englich gab sie Henry H. Moore, einem
prominenten Photographen, ihre Hand.
Bald begannen aber eheliche Differenzen, in
denen sich herausstellte, daß die saubere
Jennie schon einem anderen Mann wegge
laufen, aber nicht von ihm geschieden wor
den war. Sie wurde wegen Bigamie an
geklagt, und trotzdem ,l>r erster Mann gegen
sie aussagte, wurde Jennie freigesprochen.
Mann Nr. 1 und Nr. 2 hatten keine Schwie
rigkeiten, sich von der gemeinsamen Ehe
hälfte scheiden zu lasten. Dann ging die
vielseilige Jennie ihre dritte Eye mit Anion
Berger ein. Er war so unvorsichtig, einen
Kostgänger, den gut aussehenden Franz
Schäser, bei sich aufzunehmen. Als Ber
ger, der bei der „Singer-Compagnie" ange
stellt ist, gestern Abend nach Haus kam,
fand er sein Haus bis auf einen Tisch und
einen Stuhl ausgeräumt, und seine treue
Gattin nebst dem Kostgänger verschwunden.
Das Paar soll sich in Philadelphia amiisi
ren.
In unserem Klima mit seinen vielfachen
Aenderungen ist es wirtlich eine Wohlthat
für die leidende Menschheit, dag solch' ein
Universal-Mittel, wie Salvation-Oel, exi
stirt. ES vertreibt RheumatiSmu» sofort«
Europäische Rabewerichte.
Aus Deutschland.
Interessante Verhandlungen im Reichstage.
F«rtsetz„na ver Tebalte über »I« MilitSr-
Borlage. Tie Letztere einem vomite
überwiesen.—«ettor 2»l>lward» vars nicht
verhaslet werden —Wieder eine Vriiben
tataftrophe «ngland —Allerlei.
Berlin, 14. Dezember. Die Rede,
welche Gehennralh Tr. v. Beimigien,
präsident der Provinz Hannooer und Führer
derNanonalliberalen, in der gcstrigenßeichS
tagssitzuiig hielt, erweckte allgemeine Aus
merksamkeil. Arhemlos lausätte der Reickss
lag dieser Rede, einem Meisterwerk der
Rhetorik, welches in vielen Beziehungen an
BiSmarck'sche ReichStagsreden erinnerte.
Wunderbar ruhig und vornehm krilisirle Hr.
von Bennigsen das Ungeschick der Regie
rung, welches sich dadurch gezeigt habe, daß
dieselbe schon vor dem Einbringen der Vor
lage durch die verschiedensten Andeutungen
das Land beunruhigle. Ungemein scharf
beleuchtete der Redner die von der Regie
rung zur Deckung der Kosten der Milnär
vorlage in Aussicht genommenen Mittel und
Wege. Man habe das Land in Aufregung
versetzt mit der Ankündigung einer höheren
Besteuerung des Tabaks. Tas sei völlig
überflüssig gewesen, denn der Tabak lasse
eine höhere Besteuerung überhaupt nicht zu.
Obgleich die Regierung drei neue Steuern
plane, fehle es in Wirklichkeit doch an Leck
ung für die Kosten der Vorlage. Würden
die neuen Steuern wirklich bewilligt, was
ledoch änszerst fraglich sei, so könnten diesel
ben unmöglich jährlich öS Millionen ein
bringen, wozu ferner die Zinsen der ein
maligen geradezu horrenden Ausgaben
kämen. Unter diesen Umstände» herrsche in
Bezug aus das Aufbringen von mindestens
zwanzig Millionen noch völliges Dunkel.
Die Verjüngung der Armee sei ein großer
Vorzug, das sei dem Lande klar, aber lrotz
dieses Vorzuges müsse er es ablehnen, sür
die Vorlage in ihrem ganzen Umfange zu
stimmen.
Reichskanzler Graf Caprivi knüpfte in
seiner Antwort an die Bemerkung Beiinrg
sens an, daß höhere Offiziere, von denen
verschiedene noch in Amt und Würden seien,
sich gegen die Mililäroorlage in der jetzigen
Fassung ausgesprochen hätten. „Diese hö
heren Offiziere lhälen besser," ries der Ge
neral-Reichskanzler, „ihre Ansichten dem
Kaiser und nicht anderswo miizuiheilen!"
Dann verlor Graf Caprivi sich in endlosen
Zahlen, welche Niemanden von der Noth
wendigkeit der Annahme der Miliiärvorlage
zu überzeugen vermochlen. Den Vorschlag
Bennigsen'S, die Regicrirngsforderringen um
fünfzig Prozent zu ermäßigen, berühne der
Reichskanzler in seiner Antwort überhaupt
nicht.
Der überaus beredte Sozialdemokrat
Bebel sprach gegen die Miliiärvorlage. Er
entdeckte an derselben auch nichl einen lichten
Punkt. Bebel bezeichnete die Verlage als
eine provisorische. Trotz aller Versicherun
gen, daß lveilere Fcrdcruugen für mili
lällsche Zwecke nicht gestellt werden würden,
müsse man annehmen, daß die Regierung
auch in Zukunft so versahreu werde, wie in
dcn letzien zwanzig Jahren, in denen immer
und immer wieder die allerletzie Miliiär
vorlage zum Vorschein gekommen sei. Die
Scharnhorst'sche Idee der Bewaffnung eines
jeden kampffähigen Mannes lasse suy unler
den Bestimmungen der vorliegenden Maß
regel nicht verwirklichen. Und nun initer
uahm Bebel enie historisch-politische Exkur
sion zu Gunsten der Organisation eines
Volksheeres. Natürlich bekehrte er im
Reichstage durch seine Pro-Miliz-Rede
Niemand zu seinen Ansichten.
Gras vou Preysing Dillnige», Vertreter
de« 5. schwäbifcheu Krti'es uud Mitglied des
Centrums, bezeichnete die Mililäroorlage
als unannehmbar. Die Lage der Tinge
erschien dem Grafen Preysing in
Schwarz. Mau nenne die Deutsche» das
Volk der Denker, aber jetzt denke das Volk
ausschließlich an die rrübe Zukunft, die bei
dieser vaterländischen Verstimmung bevor
stehe.
In der Heuligen Reichstagssitzung wurde
die Debatte songesetzt. Freiherr v. Mau
teuffel (Couservativer) beschwerle sich über
den vor ellichen Tagen vom Kanzler Ca
privi der conservaiiven Partei gemachten
Vorwurf, daß sich dieselbe vom Rekior Ahl
wardt zum Antisemitismus verleiten lassen
habe. Redner erklärte, die Conservativen
dächten nicht daran, eine demagogische Pro
paganda m's Werk zu setzen oder ihre Hal
tung bezüglich der Militärvorlage von Zu
geständnissen in anderen Aiigelegeuheneu
abhängig zn machen.
Ter Reichskanzler ergriff abermals das
Wort, um Hrn. v. Manicuffel'S Rede zu
beaulworten. Er erwähnie einen Bericht
der „Kreuzzeitliiig" über die kürzliche Con
fereuz der Conservariveii und erklärte, er
habe aus jenem Artikel den Schluß ziehen
müssen, daß die conicrvalive Parlei mil
den Bestrebungen eines Mannes sympalhi
stre, welcher als Verleumder der Armee von
den Richleru des Landes veruriheilt worden
sei. (Rufe „Oho!" auf Seiten der Conser
vativen.) Forifahrend sagte Caprivi, er
habe sich seitdem überzeikzt,' daß die Partei
dennoch nicht ganz gemeinschaftliche Sache
mit dem Rektor Ahlwardt mache.
Tr. Lieber (Ceiitrist) erklärte, das Cen
trum werde nur die Klausel Betreffs zwei
jähriger Dienstzeit inner der existirendeu Ar
mee - Orgainsalion unterstütze» und jeder
Vermehrung in der Zahl der Soldaten, so
wie anderen Verordnungen der Vorlage op
poniren.
Dr. Lieber besprach in feiner Rede die Be
ziehungen Deiilschland's zu dem Vatikan
und erllärle mit Nachdruck, das Centrum
denke nicht daran, die Wiederherstellung der
weltlichen Macht des Papstes als Preis für
die Billigung des Dreibundes Seitens des
Papstes zu fordern.
Auf Aulrag des Dr. Osann (National
liberalen) wurde die Vorlage alsdaun einem
aus 28 Mitgliedern des Reichstags beste
henden Comite überwiesen.
Cavrivi » Rede über AnttscmitiSmn« .un»
vimelallitmus.
Berlin, 14. Dezember. Die Frage,
was Kanzler Caprivi mit seiner geharnisch
t>.n Stellungnahme gegen Antisemitismus
uud BnnetalliSmus bezweckte, beschäftigt
heute die Welt. Manche meinen, der
ReichSlanzler habe auf höheren Besehl ge
sprochen und die Willensäußerung des Kai
sers über die schwebenden Tagesfragen kuud
gelyan. Tas ist wohl möglich. Ebenso
plausibel klingt aber die von Anderen dafür
gegebene Erklärung, Graf Caprivi habe die
Conservativen zur Einkebr in sich selbst und
zur Umkehr von dem Psade, de» sie laul
ihres vor wenigen Tagen veröffenllichlen
Partei-Programms einzuschlagen im Begriff
stehen, mahnen wollen. Wieder Andere
sind der Anficht, „der Graf wolle sterben."
Das „Berliner Tageblatt" enthält einen
Leitartilel, in welchem es die Regierung
dazu beglückwün'chl,' daß sie sich dem'wüste»
Treiben der Antisemiten gegenüber endlich
ermannt habe. Jetzt dürfen, sagt das Blatt,
leine Fehler gemacht werden. Die Juden
dürfen sich weder der Selbstüberhebung hin
gegeben, noch ob des Geschwätzes der Lieber
inaini v. Sonnenberg, Siöcker u. j. w. ver
zagen, sondern sich nnt der ihnen von der
Regierung geleisteten StaatShülse bescheiden
und im Uebrigen dem Kaiser geben, was des
Kaisers, und Göll, was Gottes ist.
Berlin, 14. Tezember. Ter Pariser
Correspondent des „Tageblatt" meldet, es
existire kein Zweifel, daß das sranzösische
Kriegsministerinm überzeugt fei, daß das
Lebelaewehr für die Erfordernisse der mo
dernen Kriegsführung nicht hinreiche. Ein
neues Modell, welches sür das veraltete
Gewehr substnuin werden soll, sei vorbe
reitet worden, allein inmitten der gegen
wärtigen kritischen politischen Lituanon
sürchte sich die Regierung, eine Neubewass
nung der Armee vorzuschlagen. Die Män
gel des gegenwärtig im Gebrauch befind
lichen Gewehrs hätten sich allen veröffent
lichten, günstig lautenden Berichten zum
Trotze gelegentlich der Campagne in Da
homey herausgestellt. .
Allerlei au» Teutschland.
Berlin, 14. Dezember.—Der deutsche
Dampfer „Glückauf," welcher am 24. Nov.
von New-Hork abging und zu Dover, Eng
land, anlegte, ist zu Salihclmen in Däne
mark gestrandet. Hülse ist abgeschickt wor
den.
Der srühere englische Schatzamtskanz
ler Göschen wurde auf der Durchreife in
Berlin vom Kaiser und der Kaiserin Fried
rich empfangen nnd von Letzlerer zu einem
Luncheou eingeladen. Sein Vaier stamnn
bekanntlich aus Grimma in Sachsen, und
er hat demselben zu Ehren der köingl. säch
sischen Landesschule m Grimma ein Geschenk
von 45,000 Mark zu einem Stipendium ge
macht, welches an Ostern au den besten
Abiturienten der Schule auf drei Jahre ver
liehen wird.
Ein abscheuliches Verbrechen ist in
Görlitz iu Schlesien euldecki worden. I»
ihrer abgelegenen Behausung ist die Wittwe
Hartman», welche als Kinderfrau beschäftigt
war, mir abgehackten Händen und ni sonsti
ger Weise gräßlich bestimmelt, todt aufge
funden worden.
In Wien ist der junge Historienmaler
Ernst Klimmet aus deni Lebeu geschieden.
Bei Düren in der Rheinprovinz ist von
Vagabundeu ein im Walde spazieren gehen
der Lehrer überfallen, ermordet und beraubt
worden.
Ein abscheuliches Verbrechen ist in
Görlitz, Schlesien, entdeckt worden. In
ihrer abgelegenen Behausung ist die als
Kinderfrau junzirende Winwe Hartman»
mit abgehackten Händen, und in sonstiger
Weiie gräßlich verstümmelt, todt aufgefun
den worden.
In Friedland (?) ist der Gensdarm
Meyer von Strolchen, die er festgenommen
Halle und nach dem Gefängniß lransportireu
wollte, ermordet worden.
Eifersüchtige Bauernburschen in Zahk
bach bei Mainz haben einen Mainzer Ar
tilleristen, der sein Zahlbacher Liebchen be
sucht und sich auf dem Heimwege etwas ver
spätet hatte, an abgelegener Stelle über
fallen und dem Aerinfte» Ohren und Finger
abgeschnitten, ihm den Unterleib anfgeichlitzt
und ihn für lodr am Platze liegen lassen.
Noch athmete der Verwundete, als er am
salzenden Morgen besinnungslos aiisgefun
den wurde, aber es ist sragiich, ob es den
Aerzten gelingen wird, ihu am Lebeu zu er
halten.
Der Reichstag nahm heute einen An
trag an, welcher erklärt, der Reichsiags-
Abgeordnete Rekior Ahlwardt, der wegen
feiner Broschüre betitelt „Judenflinlen" zu
süuf Monaten >paft vernriheilt worden ist,
sei durch seine Stellung als Mitglied des
Reichstags vor Verhärtung geschützt.
Schreckliche Grubcnkaiastrophc.—Viel« tpscr.
Londo n, 11. Dezbr.—ln der „Barn
Furlong - Zeche" zu Wigen trat heute ein
schlagendes Wetter ein, welchem, wie man
fürchler, mindestens 50 Menschenleben zum
Opser gefallen sind. Die Bergleute gingen
heule früh an ihre Arbeit, nachdem das Gru
benwcrk aus die gewöhnliche Weise infpizirl
worden war. Kurze Zeit daram trat eine
furchtbare Explosion ein, welche die Erd
oberflache in einem weiten Umkreise erschüt
terte, und eine Flammen- und Rauchsäule
stieg aus der Mündung des Schachts em
por. Unbeschreibliche Ausregung herrscht un
ier den Angehörigen der in der Zeche befind
lichen Bergleute. Voloniäre boten sofort
ihre Dienste an und RellungSarbeileu sind
bereits im Gange.
Spälere Berichte aus Wigen stellen die
Sachlage als weniger bedenklich dar. Zwan
zig Bergleute sind bereits lebend gerettet
worden, und man hegt die Hoffnung, noch
viele andere in Sicherheit zu bringen. Tie
RettungSarbeiten werden energisch fortge
setzt.
(Später.)-Das Feuer in der Zeche wurde
erst um 5 Uhr heule Nachmittag gelöscht.
Bald daraus wurden die Leichen von 20
Beraleuten a > die Oberfläche gebrachl. Ob
gleich die Arbeit im Inneren des Werkes
mit großen Gefahren verknüpft ist, fo setzt
man dieselbe dennoch fort, in der Hoffnung,
daß noch etliche der vermißten Bergleute a»
irgend einem Punkte Schutz gefunden haben
uud gerettet werden können.
Mehrere Bergleute, die noch lebten, als
sie aus die Oberfläche gebracht wurden, star
ben bald daraus. Die Nenungsmaniischasl
berichtet über schreckliche Szenen >m Innern.
Ganze Hansen verstümmelter Leichen und
halbverbraniilcr Glieder wurden hier und
dort gesunden. Tie Trümmer haben manche
Theile der Grube gänzlich versperrt, und es
ist daher unmöglich, die Zahl der Opser auch
nur annähernd festzustellen. Man glaubi,
daß ein Funke ans dem Maschinenhaus au
der Schachlmüudung die Explosion verur
sachte. Es existirt jetzt nur noch wenig
Aussicht auf Rettung weiterer der Unglück
lichen.
Brüssel, 14. Dezember. —Sir Rivers
Wilson, ein Vertreter England'S, erklärte in
der gestrigen Sitzung der iuterlalioiialeu
Müiiz-Confereiiz zur Antwort aus den von
Sir Guilford Molesworth, einem Vertreter
Indien's, auf die britischen Delegaten
gemachten Angriff, daß das Vorgehen der
brilischen Delegation mißverstanden worden
sei. Der amerikanische Senator Jones hielt
eine längere Rede über den BimeiallismnS,
in welcher er die bekannten Argumente zu
Gunsten des Silbers wiederholte. Zuletzt
ging er auf die Wechsel, Certifikate und an
dere Ersatzmittel für gemünztes Geld über
und erklärte, daß diese keine dauernde Besse
rung brächten, sondern nur als zeilweilige
Beruhigungsmittel betrachtet werden müß
ten.
Einer der sranzöfischeii Delegaten, Joville,
hat der Conferenz einen Lorschlag zur Aus
führung von Anweisungen gegen Depositen
von Silber unterbreitet nach demselben Sy
stem, wie dem in Glasgow in Schottland
eingesührten, wo Anweisungen (Warrants)
aus Roheisen-Depositen ausgestellt werden.
Dieselben sollen nicht als internationales
Zahlungsmittel anerkannt werden, sondern
einsach zum Beweise dasür dienen, daß ihr
Werth in Silber deponirt worden ist. Wie
es heißt, werden alle zur lateinischen Mnnz
ion gehörenden Länder den Vorschlag unter»
stützen.
Der schwedische Delegat Hans Forsell
nannte den Plan eines internationalen Bi
metallismns und einer unbeschränkten niler
iiaiionalcn Prägung originell und kühn.
Der holländische Delegat wiederholte, daß
die Regierung der Niederlande geneigt sei,
einer bimetaüischen Union beizutreten, wenn
sich England ihr anschließen würde, und
hielt der Coiiserenz vor, daß in der Gold
währ»,ig stets eine Gefahr liege, wie sich
das bei Holland gezeigt habe. Zum Schlüsse
versuchte er die von Hans Forsell gegen den
BimelalliSmuS vorgeführten Argumente zu
entkräfte».
Graf Khlevenhüller Melsch, der Delegat
für Oestreich-Ungarn, erklärte, daß seine
Regierung, da sie in der Umwandlung des
Münzsystenis begriffen sei, Stillschweigen
beobachten müsse, daß sie aber mit Freuden
einen Plan der Conserenz unterstützen werde,
für den sich eine genügende Anzahl der Re
ai:rung«-Äertreier erklärt hatten. Eine ge
wtfse Bedeutung wird der Erklärung des
Grafen Khlevenhüller beigelegt, insofern
dieselbe einen etwas nachgiebigeren Ton,
als früher, angeschlagen hat, obgleich meh
rere Delegaten der Ansicht sind, daß sich
Oefireich-Ungarn ebensowenig wie vorher
binden wird.
Man hält e» jetzt für wahrscheinlich, dag
sich die Conferenz auf mehrere Wochen oder
bis zum nächsten Frühjahr verlogen wird.
Die Bimerallisten Indien's und anderer
Länder sind höchst ausgebracht gegen die
britischen Delegaten, und behaupten, Eng
land gebrauche Teutschland und Oestreich
zum Erreichen von Zwecken, welche es nicht
offen anzuheben wage, weil es Indien und
den Bimetallisten England'S Anstoß zu ge
ben fürchte.
Vermischte» vom britischen Insel "«ich.
London, 14. Dezember. Die Leiche
des Patrick Macadury von Brooklyn, N.-
N., wurde heule mi Schiffsraum de« Dam
pfers „Bolivia," welcher von New-Aork in
Glasgow anlangte, unter Getraide begraben
ausgesuiiden. hatten seine Mutier,
sowie seine Freunde iu ihrer Vermuthung
Recht, daß der Unglückliche schon ber'm La
den des Schiffes in New Aork unter dem
Getraide erstickt wäre. Die „Bolivra" ge
hört zur „Anchor-Liuie."
Ter Klasier-Birmose PaderewSky tritt
heute mit dem Dampfer „Teuionic" feine
Reise nach dem Ver. Staaten von Liverpool
aus an.
Tie Baronin de Ronques, die Mutter der
Frau Floren« Maybrick, telegraphirte heule
dem Vertreter der „Amerikanischen Presse,"
daß der Zustand ihrer Tochter i» den letzten
zwei Tagen sich verschlimmert bätte. Die
Krätte, welche nach Ueberstehung des Blut
slurze« Anfangs sich wiedergefunden, seien
im Abnehme» begriffen. Auch sei Frau
Maybrick geistig sehr theilnahmslos.
Gwyneth Maude, das zunge Mädchen,
dessen Muller vor Kurzen: Selbstmord be
stürzte, bekannte sich heule vor de» Old
Bailey-Assisen des Erlangens von Waaren
uuler falschen Vorwänden schuldig. Das
Urtheil wurde aufgeschoben. Ter Fall er
regt großes Aussehen, da Frau Maude eine
Rolle in höheren GesellschastSkreisen spielte
und ein großes Haus machie. Sie war die
Tochter einer persischen Prinzessin, welche in
Indien einen britischen Arzt, Namens
Campbell, heirathete. Alz Frau Maude,
die in Schulden gerathen war und von
Gläubigern schwer bedrängt wurde, die Ver
haftung ihrer Tochler ersuhr, nahm sie sich
iu der Verzweiflung das Leben.
In der zu Sheffield tagenden Jahresver
sammlung der „Union-Conservalive Asso
ciation" wurde Earl von Scarborough sür
taS kommende Jahr zum Präsidenien ge
wählt. Tas Unterhansmitglied Charles
Stuart - Vortley erklärte in seiner Eröff
nungsrede, daß die conservalive Pariei die
Wahlresorm- und die irische Home Rule-
Vorlage der Liberalen verwerse» müsse. Es
wurde auch beschlossen, die Erwähluug der
Candidaten der „Arbeilerparlei" m's Par
lament möglichst zu begünstigen. In den
Kreisen der liberalen ist man begierig, zu
erfahren, ob sich die Versammlung zu Gun
sten von Schutzzoll entscheiden wird oder
nur für Reciprozitäls-Politik. Jin erstere»
Falle würden die Liberalen bei den nächsten
Geueralwahlen das ganze Land sür sich ha
ben.
In Dublin ist Sir John Bernard Burke,
Herausgeber des unter dem Namen „Bur
ke'S Peerage" bekannten britischen Adels-
RegisterS, im Aller vou 77 Jahren gestor
ben.
Lipman 6c Co. in Dundee, Händler in
Jute, haben mit Verbindlichkeiten im Be
trage von 1,250,000 Lslrl. die Zahlungen
eingestellt.
Petersburg, 14. Dezember.—Tie
Hebamme BedwarSka in Lodz, welche unter
der Anklage vor Gericht stand, über hundert
Kinder ermordet zu haben, ist zu einjähriger
Haft veruriheilt worden. Große Entrüstung
herrscht in Lodz über diese« milde Urtheil.
Es war erwiesen, daß das Weib 111 Kinder,
deren Leichen in ihrem Keller gefunden wur
den, erstick! halte. Da die Angeklagte die
„Engelmacherei" nahezu zwanzig Jahre be
trieben hatte, so existirt wenig Zweifel, daß
ihre Opstr nach Hunderten zählen.
»alte» LSetter in Vurova.
Berlin, 14. Dezember. Ans viele»
Theilen Europa'S wird starker Frost berich
tet. I» Hamburg stand das Quecksilber iv
Grad Celsius umcr Null und im Hasen ha
ben sich infolge des Eises allerlei Unglücks
fälle ereignet.
Von Budapest wiro berichtet, daß der
Platten.See zugefroren ist, was seit dreißig
Jahren in so früher Jahreszeit nicht mehr
geschehen war.
Kaiserin Elisabeth's Neiseplän«.
L do n, 14. Dezember.—Tie Kaiserin
von bestreich, die augenblicklich in ihrem
mit allem möglichen orientalischen und occi
dentalischen Luxus ausgesicittnen Palast auf
der Insel Corsu residin, hat ihre Dampf
;')acht „Miramare" dorihin bestell!. Sie be
absichtigt, eine Fahrt nach Madeira, de»
canariichen Inseln und vielleicht bis nach
Westindien zu machen.
Ta» Wrack der »Sid«r v«rka»st.
London, 14. Dez.—gestern wurde bei
LloudS zum zweiten Male der an derAiher
sield Felsenkante an der Küste der Insel
Wight gestrandete „Nordd. Lloyd-"Tainpfer
Tas Schiff wurde dies Mal dem Meistbie
tende» sür §40,000 zugeschlagen.
<?r!dischos «orrigan wird Kardinal
R o IN, 14. Dezember.—Nachrichten ans
zuverlässiger O-uelle bestälige» die Angabe,
daß der Papst die Erzbischöse von Tours,
Köln, Breslau, Grau uud Sevilla, dcn
päpstlichen NunliuS in Madrid, sowieMon
signor Persico, Sekrelär der Propaganda,
auch Mousiinor Moncenni, päpsilicheii
Uiilerstaatssekrelär, im bevorstehenden Kon
sistorium zu Kardinälen ernennen wird.
Ein weiteres Consistorium soll im März
stattfinden, und der Papst wird bei der Ge
legenheit die Erzbischöse Corrigan vou New
?)ork und Jacobin von Bordeaux zur Kar
dinalSwürde erheben.
Hr. William Poller, der nenernannli
amerikanische Gesandte an Italien, ist hier
angekommen.
Zur Beseitigung de» spanischen Erbsoigc-
N o m, 14. Tezeinber.—Dem „Courier"
in Neapel zufolge bemühen sich die Jeim
ten, eine Heirath zwischen Don Jaime, dem
Sohne von Don Carlos, und der Jnsanta
Mercedes, Tochter des verstorbenen Königs
Alionio, zu Stande zu bringen.
Diese Heirath würde wahricheiiilich dem
langiährigen Streue zwischen der regieren
den Familie in Spanien und dem Präten
denten Don Carlos ei» Ende machen. Ton
Jaime ist 22 und Mercedes 12 Jahre alt.
Spanien nnd die Weltausstellung.
Madrid, 14. Tez. —Der Herzog vou
Varagua, eiu Nachkomme von Christopher
ColumbuS, ist zum Präsidenten des spani
scheu Ausstellung« Comile'S für die Ctuca
go'er Weltausstellung designirt worden,
RepräseiitaiioiiS-Coiniie hat beschlos
sen, eine spanische Miliiärkapelle von Ivo
Mann zu orgaiilsiren, welche während der
ganzen Ausstellung Conzerte geben wird.
Wien, 11. Tez.—Der präsuniplive öst
reichische Thronfolger, Erz Herzog Franz
Ferdinand, ist vou seiner lüngsten JndiS
posilion genesen und mit seinen Eltern nnd
Geschwistern nach Trie>i abgereist, um sich
dorr aus dem bereit liegenden Kriegsschiffe
zu seiner Reise um die einzuschiffen.
W i e n, 14. Dezember.—L.>e Kaiserstadt
amüsirt sich eben so respektvoll, wie möglich,
über einen eben so sroinmen, als freche»
Betrug, dem die Erzherzogin Stephanie,
die Wittwe des Kronprinzen Rndolph, zum
Opser gefallen ist. Derselbe» wurde lüngst
ein Papagei zum Kauf angeboten, der ein
gläubiger Kaiholik sei und das Vaterunser
,n sechs Sprachen bete. Obgleich die gewe
sene Kronprinzessin am ersten Punlte zwei
selte, überzeugte sie der seltene Vogel von
der letzteren Kunst und beteie das Vaier
uuier vor ihre» Augen uud Ohren in fünf
Sprachen verschiedener Kronländer und
„belgisch," wie der Händler der hohen Frais
zu Ehren das Bischen Französisch nannlc.
Daraus zahlie Slephanie hundert LoniSdor
für den Vogel. Im Palaste inslallirt, muckste
der Vogel nicht mehr. Eine Untersuchung
ergab sogar, daß ihm die Zunge gar nicht
gelöst war. Sein erster Herr war ein
redner gewesen und hatte den Bogel nur da
hin dressirl, auf Commaudo den Schnabel
zu bewegen.
Ti« bevorstehende Abdankung de« König»
Wie», 14. Dezember. Tas Gerücht,
daß der König von Rumänien demnächst zil
Gunsten des Kronprinzen Ferdinand abdan
ken werde, cirkulirt hier auf's Neue und
gewinnt an Wahrscheinlichkeit. Wie ver
lautet, will der König sofort nach Vermäh
lung des Kronprinzen mit der Prinzessiit
Marie von Edinburg auf deu Throu Ver
zicht leisten.
Dem Vernehme» »ach wurde er durch die
Unzufriedenheit feiner Minister über jeins
schwankende Haltung zu der Zeit, in welcher
die Königin Elisabeth den Kronprinzen mit
dem Frl. von Vacarescu z» verhenalheil
versuchte, zu seinem Enifchlusse bewogen.
Das unheilbare Leiden der Königin isl eiu
weiterer Grund sür deu Entschluß.
Kurze Kalicldcpeschen.
Einer Depesche ans Cairo zu Folgs
soll die britische Streiiniachr in Egypten
demnächst reduzirt werden, da sich die egyp
ttflye Armee in einem ausgezeichneten Zn
stllnde befindet und gegenwärtig für clls
Zwecke hinreicht.
Die französische Deputirtenkammer hat
den Vorschlag des Büdgel-Comile'S zur Er
höhung der Spiriluosensteuei.' m aller Form
angenommen.
Der Wiener Correspondent des Lon«
doner „Daily - Chronicle" meldet, daß eines
amtlichen Ankündigung zu Folge sämmtlich»
fünfprozenligen ungarischen SiaalSschulo«
scheine Mitte Januar nächsten Jahres con»
vertirt werden sollen.
Der fraiizösche Lieutenant Graf Rens
de Segonzac ist zur Disposition gestellt
worden, weil er keine befriedigende Aus,
kuiift über den Tos des Lieutenants Paul
Ouiquerez, feines Gefährten in einer afrika
nischen Expedition, gegebe» hat. Er wird
bekanntlich verdächtigt, Ouiquerez ermordet
zu haben. Das Resultat der über die An
gelegenheit eingeleiteten Untersuchung' ist
iioch nicht veröffentlicht worden.
Der Londoner »Daily - News" wird
ans Paris berichtet, daß der französischi:
Dichter Fraiitzois Coppee an Bronchitis
schwer ertrankt ist. Coppee, der seit dem
Jahre 1884 der „französischen Akademie"
angehört, steht in dem Alter von fünfzig
Jahren.
Selbstmord ist nicht süudhaster, als die
Vernachlässigung eines Hustens. Für nur
25 Cents kann man eine Flasche Dr. Bull's
Husteu-Syrup kaufen und lo dem Tode ent
gehen.
Die angebliche Giftmord-fionspira«
tion in Homestead.
L o Ii i s v i l l e, Ky., 14. Dezember.
TaS Habeas Corpus-Verfahren, welches
die Anwälte von Rob. I. Beaity, des an
gebliche» Homcsteader Giftmörders und ver
schworene», angestrengt harte», kam gestern
im „Law- and Eguily-"Gerichle zur Ver
handlung und wurde zu Ungunsten Beatlh's
entschieden. Dieser wurde nach dem Couuiy-
Gefäi'gnis'ie zurückgesandt. Hülss-Lcheriff
Farrel von Allegheny-Counui, Pa., mar
gestern in Frankfurt und erwirkte von dem
Staats-Gouverneur die nöthigen Ausliefe
ruiigs Papiere. Ter Gefangene wird heure
seiner Obhul übergeben unv nach PillSburg
zurückgesandt werden.
PittSburz, 14. Dezbr. Aus guter
Quelle ist die Auswahl jenes Gisles bekannt
geworden, welches das Homesteader Com
plot verwandt hat. Ter Plan war, nicht
den Tod Eines der Nichr-Uiiionleule herbei
zuführen, vielmehr eine A.t Epidemie zu
verursachen, um eine Panit unler denselben
uud eine Niederlegung der Arbett zu veran
lassen. Nach einer längere» Conferenz zwi
schen den Verschwörern entschloß man sich,
einen Apoiheler zu Rathe zu ziehen. Tis
Verschwörer erklärten, sie wollte» ein G.'l
haben, welches die Krast lähmte. Auf die
ob es schnell wirken sollle, anlwone
te» sie, sie wünschten eine allmählige Wir
kung, um nicht in Verdacht zu kommen. Sie
erhielte» schließlich ein Gift, welche« ihren
Anforderungen einsprach, und welches mehr
fach angewandt in 3-4 Tagen das
niederwerfen würde. Man fand die ver
derbliche Mischung in Kaffee und Suppe,
weliye von Apothekern iu Braddock, Homc
siead und Duquesue analysirl wurden.
Vom fernen Alaska.
Seattle, Washington, 14. Dezember.
Zwei brave Schiffe, „Adams" und
„Bear," welche am I. von Alaska
nach San FranziSco aufbrachen, haben sie
ben schwere Monaie hinter sich. Tie
„Adams" hat über 1300 Meilen abge
dampsi, uud der „Bear" ist bi« nach Point-
Barrow vorgedrungen. Letzterer hat meh
reren schwer beorängieii Schiffen und halb
verhungerien Mei'.jcheu Hülfe gebrachlr un
ter Letzleren befindet sich der einzig Ueber
lebende des Schiffes „Helen Mar." Tem
Unglücklichen werde» wahrscheinlich beiö!
Beide amputirl werde» müsse», weil sie ab
gefroren sind.
Professor I. W. Healon von Seattle
wurde gestern zu»! Präsidenten der Acker
bauschule für deu zurückgeireienen Professor
Lilly erwählt.
Hr. L. O. Gardner aus Neponset, JllS.,
schreibt: „Mein Pferd erkälieie sich, und eS
bildete sich zwischen den Vorderbeinen eine
Geschwulst. Durch die Anwendung von
St. Jakob'S Oe! wurde es geheilt.- -

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