OCR Interpretation


Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, December 17, 1892, Der Sonntags-Correspondent, Image 14

Image and text provided by University of Maryland, College Park, MD

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83045081/1892-12-17/ed-1/seq-14/

What is OCR?


Thumbnail for 8

8
gleiiung Graul's besanden, wurden be
auftragt, sofort den Boden abzustecken
sür die Anlegung eines Schachtes und
einer Gegenmine. Die Ausführung ih
res Planes ging so rasch von Statten,
daß die Conföderirten bald beunruhigt
wurde» und ihre Mine ausgaben,
obwohl sie nicht mehr lange gebraucht
hätten, sie zu vollenden und damit eine
surchtbare Tragödie herbeizuführen.
Die Baumstümpfe waren zn Telephonen
geworden!
Müntes.
Schauspielers Wander -
jähre. Darüber, daß die Schau
spieler von ehedem keine bcneidenswerthe
Existenz führten, enthalten die Gesetz
bücher unserer Vorsahren manche cha
rakteristischen Züge. Das englische Ge
setz vom Jahre IL-ts dekretirt, daß alle
Schauspieler als Landstreicher anzuse
hen sind, und daß diejenigen, welche
lrotz Verbots aus den Brettern auftra
:eu, dinchgepcitscht uud in den Kerker
geworfen werden sollten. I.'il Jahre
später wurde dahingegen der berühmte
Schauspieler David Garrick in der
Wcstminster-Abtei in London am Fuße
des Shakespeare-Denkmals mit königli
chem Pompe beigesetzt. In Frankreich
bestimmte der National-Convent, daß
Schauspieler gleich den Scharsrichtern
vom Wahlrecht auszuschließen seien,
während 22 Jahre später Napoleon I.
die Schauspieler Fran«ois Talma nnd
Hipovolytc MarS für hoffähig erklärte.
Auch in Deutschland gehörten dieSchan
ipieler in früheren Jahrhunderten zu
Tciijenigen, welche nicht volle bürgerli
che Ehren hatten, wenn sie beleidigt
wurden, nicht diejenige Genugthuung
fordern konnten, die einem Andern zu
gestanden hätte. So konnte nach dem
ostsricsischen Landrecht ein Schalön, d.
h., Rimcj'precher, Possenreißer, nur hal
be Genugthuung für eine Beleidigung
verlangen. Das sächsische und schwäbi
sche Landrecht ließ dergleichen Leuten,
als Schalksliarren und Anderen, die
sür Geld die lustige Person spielten nnd
unter dem allgemeinen Namen „Spiel
leute" begriffen sind, nicht einmal so
viel Gerechtigkeit augedeihen ließen, son
dern wollte, daß man ihnen nur den
„Schatten eines Mannes" zur Buße
gebeu sollte. Dlesen Ausdruck erklärt
der „Schwabenspiegel" selbst dahin, daß
sich der Beleidiger in der Sonne an die
Wand stellen und dann der Spielmann
das Recht haben solle, den Schatten an
der Wand mit der Fanst zu schlagen.
—lm Pariser „Gaulois"
liest man: „Eine nene Anwendung der
Diamanten, die nicht für Sie, meine
Damen, bestimmt ist. Es ist die Rede
davon, wenigstens geht das Gerücht,
die Diamanten bei der Ansertiguug der
Kricgsgcwchre zu benutzen. Kleine
Splitter des Edelsteins sollen auf den
Gewchrlänfen befestigt werden, was den
Schützen selbst im Halbdunkel das Zie
len gestatten würde." Nette Idee.
Der Ursprung der Bret -
zel. Nachdem Karl der Große daS
sächsische Volk zum Christenthum bekehrt
hatte, blieb dieses insgeheim noch heid
nischen Sitten treu. Es opferte den
alten Göttern uud feierte die nicht ver
gessenen Feste. Bei einem derselben
wurde ovales, in Kringelsorm hergestell
tes Gebäck verzehrt, welches sich durch
großen Wohlgeschmack auszeichnete. Da
sich dasselbe nicht verbieten ließ, so ge
stattete man es den Sachsen, jedoch nur
unter der Bedingung, daß ein Kreuz in
den Kringel gebacken und Dies somit
ein „christliches Gebäck" wurde.
Geistesgegenwart. Ein
russischer Mönch, der Peter den Gro
ßen, als er einst in einem Basilianer-
Kloster speiste, bei der Tafel bediente,
hatte daS Unglück, dem Kaiser ein Glas
auf den Kopf fallen lassen, daß eS zer
brach und der Wein des Kaisers Uni
form begoß. Bei feiner bekannten Hef
tigkeit griff Peter nach feinem Knoten
stock, den ungeschickten Klosterbruder
durchzuprügeln; dieser aber, schnell ge
faßt, half sich durch das laute Stoßge
bet: „Nicht tropfenweise, sondern in
Strömen, wie dieser Wein, ergieße sich
die Gnade Gottes über Dein Haupt;
Deine Feinde werden an Dir zerschellen,
wie dies GlaS." Peter hielt inne mit
dem Ausbruche seines Zornes und
machte den Mönch sogleich zum Archi
mandriten von PotschernSk.
Dortmund, 17. November.—
Eine Distanzbicrreise dürste das Neueste
in dem Distanzsport sein. Eine solche
hat mau sich dieser Tage hier geleistet.
In amüsanter Weise wird darüber vom
hiesigen „General-Anz." berichtet wie
folgt: „„Ausgangspunkt wareineWirth
schast am Markte, Thcilnchmer eine
größere Anzahl jnnger Leute. Als
Bahn wird die Brückstraße festgesetzt.
Start am Markte, Ziel eine Wirth
schaft am Eingänge der Münstcrstraße.
Als Hindernisse wurden die 19 ans der
Strecke liegenden Wirthschaften be
stimmt. Tistanzlänfer mußten näm
lich in jeder derselben eine Tulpe Bier
trinken. Es wurden zwei Preise ange
setzt, einer für den in der kürzesten Zeit
nnd einer sür den „in bester Kondition"
Ankommenden. Sieben Conkurrenten
hatten sich gemeldet. Nachdem diesel
ben einer nach dem andern in kur
zen Zwischenräumen von den Schieds
richtern abgelassen waren, begaben sich
die letzteren schleunigst zum Ziel, um
der Diuge zu warten, die da kommen
sollten. Der erste Läufer langte 62
Minute«, nachdem er vom Start abge
lassen war, am Ziele an, begrüßt von
seinen Freundeu. Der Sieger kouute
jedoch kein vernünftiges Wort hervor
bringen, was einem Schiedsrichter Ver
anlassung gab, seine „Condition" zu
bemängeln. Der Sieger versicherte
aber, er habe noch eine sehr sichere Hand
und wollte das beweisen, indem er dem
Schiedsrichter an die Nase tippte. Lei
der geschah dieS so kräftig, daß Beide
hinstürzten, was eine kleine Verstim
mung hervorries. Unterdessen war der
Zweite angekommen; er hatte Mi
nuten gebracht, war aber leider in so
trauriger Verfassung, daß er bei Seite
gebracht werden mußte. Der Dritte
kam nach 92 Minuten. Condition
leidlich. Sprach den Namen „Eula
lia" noch sehr deutlich aus und bean
spruchte den Conditionspreis." Der
selbe wurde jedoch nicht ihm, sondern
dem als vierten Ankommenden zugespro
chen, der zwar erst nach drei Stunden,
aber außerordentlich srisch znr Stelle
war nnd sich sofort zu einem Dauerskat
niedersetzte. Die übrigen Drei kamen
nicht an'SZiel. Zwei gaben das Ren
nen ans, nnd der Dritte, auf den viele
Hoffnungen gefetzt waren, vcrfeblte den
richtigen Weg. Cr kam nämlich aus
Versehen in den Königswall hinein und
lies bis zum Körnerplatz, alle Hinder
nisse spielend nehmend. Am Körner
platz wnrde er seinen Irrthnm gewahr
und suchte durch den Westenhellweg die
richtige Bahn wieder zn gewinnen. In-
dessen langte er erst am anderen Mor
gen am Ziele an, nnd seine Leistung
konnte, trotzdem sie allseitig sehr ge
rühmt wurde, nicht gekrönt werden.
Zu dem unfreiwilligen
Humor, welcher zuweilen im Ge
richtssaal zu Tage tritt, lieferte der alte
Geldschrankdieb Schacht, welcher dieser
Tage in Berlin auf's Neue verurtheilt
worden ist, folgenden kleinen Veitrag:
Nachdem der Vertheidiger ein ziemlich
langes Plaidoyer zu Gunsten des An
geklagten gehalten, fragte der Vorsitzen
de diesen, ob er selbst noch etwas zu sa
gen habe. Schacht erwiderte, mit weh
müthigem Blick auf seinen Anwalt:
„Wenn Sie das alles behalten können,
was der Herr gesagt hat, dann verzichte
ich auf's Wort!"
—ln Straß bürg hat sich ein
„Freier elsaß - lothringischer Bürger-
Verein" gebildet. Hauptpunkte des
Programms sind: Umwandlung Elsaß-
Lothringens zu einem selbstständigen,
vollberechtigten, deutsche» Bundesstaat,
allgemeine Amnestie sür die aus politi
schen Gründen aus der Heimath Eut
se.ntcn, Abschaffung fämmtlicher Aus
nahme-Gesetze, geheimes, gleiches und
direktes Wahlrecht für alle Vertretungs
körper, entschiedenes Eingreifen deS
Staates zu Gunsten der wirthschaftlich
Schwächeren.
H umoristi sch e5.
Gedanken während des Zahn
wehs. An Zahnweh stirbt man nicht,
ja, eS giebt Leute, die davon leben,
nämlich die Zahnärzte.
Der uuverwüstlichste Zahn ist der
Zahn der Zeit.
Wahres Mitgefühl findet man nur
bei den Zähnen. Wenn einer schmerzt,
schmerzen andere mit.
Ein gntes Mittel gegen Zahnschmerz
ist das Vorzimmer eines Zahnarztes.
Aus eigener Erfahrung kann ich Fol
gendes als sicher empfehlen : Man neh
me gleiche Theile Kreosot, Chloroform
nnd Cocain, mische sie und lasse sich
den Zahn ziehen.
Faul sein ist die Wurzel vieler Uebel
uud das Uebel vieler Wurzelu.
Ein Sünder, der schlechte Zähne hat,
ist in der Hölle doppelt bejammerns
werth, wenn er mit ihnen noch klappern
soll.
Bei Ronacher. —A.: Nein, die
se Einrichtung—großartig!"
B.: „Unbezahlbar!"
S e lbstverständli ch.—„Auf der
Jagd gewesen?"
„Ja."
„Etwas getrosten?"
„Ja."
„Wieviel mußten Sie Schmerzens
geld zahlen?"
Abhülfe. Frau: „Hab' nichts
Kleines!"
Bettler: „Das werd' ich dem Storch
sagen."
Ka t h e d e r b l ü th e. „Heinrich
der Vierte von Frankreich wurde wegen
der eigenthümlichen Form seines BarteS
genannt."
Durchschaut. Studiosus:
„Lieber, bester, herzigster Onkel "
Onkel: „Wie kannst Du dedn denken,
daß ich Dir eine solche Summe leihen
kann "
Der noble Kunde. Kleider-
Händler: „Die Hose kostet 20 Mark, fe
ster Preis."
Kunde: „Ich geb' Ihnen fünfzehn."
Klciderhändler (mit inneremTchmun
zeln): „Ae nobler Mann!"
Ueberzeugender Beweis.
„Warum weinst Du denn, Frau?"
„Ach, ich bin so unglücklich, Du liebst
mich nicht mehr!"
„Wie kommst Du denn auf die Idee?"
„Du kümmerst Dich gar nicht mehr
um mich."
„So, und hast Du mir u cht selbst er
zählt, daß Dir neulich geträumt hat, ich
sei mit Dir spazieren gegangen ?"
Das Gegentheil. „Versu
chen Sie's einmal, Frau Nachbarin,
dem Kleinen die Füße mit Wein einzu
reiben, Das wird sie ordentlich stär
ken."
„Meinen Sie? Mein Mann ist im
mer nach dem Wein sehr schwach auf
den Füßen."
Ornithologisches. „Herr
Bumte, kommen Sie heute mit in den
Park, da schlägt dicNachtigal!"
„Nein, ich danke, wenn ich dann nach
Hause komme, macht's meine Frau ihr
nach!"
Freilich. „Herr Doktor, was
muß man nehmen, wenn man aus Ver
sehen Arsenik verschluckt hat?"
Arzt: „Ein schnelles Ende!"
Scherzfrage. „Warum sagt
man Vaterstadt ober Muttersprache?"
Antwort: „Weil der Vater stad' ist,
wenn die Mutter spricht!"
Fabrikationsgeheimniß.
Mutter, weshalb willst Du denn die
Katze durchaus mit Zwiebeln füttern ?"
Töchterchen : „Ich möchte gern junge
Kätzchen mit Zwicbelmuster haben."
Wozu au ch.—Herr: „Lieben Sic
Heine?"
Alte Jungfer: „Wozu auch ! Ter
Mann ist ja todt !"
A npaffu n g.—Lieutenant: „Gnä
diges Fräulein behandeln mich auffal
lend kühl! Bin ich langweilig gewor
den ?"
Junge Dame (zum Regen drohenden
Himmel blickend): „Ach —aufrichtig ge
sagt, mein Herz sehnt sich für den Au
genblick nach einem Civilisten mit
Schirm!"
Boshaft. Frau: „Sieh' 'mal
her, cinePhotographie ans meinen Mäd
cheujahrcn!"
Mann: „Momentaufnahme wohl?"
Frau: „Weshalb?"
Mann : „Nun, Du hast ja den Muud
geschlossen!"
A h s o ! —B.: „Sie hassen auch wohl
den Rentier Schmidt?"
B.: „O nein, ich bin sogar ein Gön
ner von ihm !"
A.: „Nun, der Mensch hat doch aber
imgen Wuchers Jahre Gesängniß
erhalten."
B.: „Na, die gönne ich ihm ja eben!"
Compagnie. Starke Dame:
„Kutscher: was kostet's nach dem Bahn
hof?"
Kutscher: «Zwei Personen oder de
ren Raum kosten eine Mark und eine
kleine Aufmunterung für mein Pferd."
Dame: „Sie sind Ihrem Gaul wohl
sehr zugethan?"
Kntfcher: „Ja, das ist mein Com
pagnon ; ich führe das Geschäft und er
bringt es in Zug."
Mißliche Autwort. Wein-
Händler (zum Kunden): „Daß Sie nur
reine Weine von mir erhalten, geht da
raus hervor, daß alle meine Weine von
einem Chemiker untersucht sind !"
Kunde: „Das will Nichts sagen,
mein Lieber; denn der Chemiker kann
noch mehr geschmiert sein, als der Wein!"

xml | txt