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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, September 02, 1893, Der Sonntags-Correspondent., Image 12

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8
Kumoristisches.
Selbstve r st ä n d l ich. — Advokai
. (zum Angeklagten): „Das Urtheil lau
lel also: Zehn Tage Haft oder fünfzio
Mark!"
Angeklagter: ..Da nehme ich selbst,
verständlich die fünfzig Mark."
Gut erklärt. Jasper: „Ick
weiß jetzt, warum auf so vielen ameri
kanischen Münzen ein Adler mit auöge
breiteren Flügeln abgebildet ist."
Kasper: „Nun, warum?"
Jasper: Um daran zu erinnern, daß
da? Geld nur so fliegt!"
Privatbesuch. Die Madamc
(zum Dienstmädchen): „Marie, ist Je
mand hier gewesen, während ich ausge
gangen war?"
Marie: „Ja, Herr Pommier."
Madamc: „Herr Pommier? Ich kenne
keinen Herru dieses Namens."
Marie: „Das weiß ich wohl, Ma
dame, der hat mich besucht. Das ist
nämlich der Unteroffizier im 5. Chas
seur-Regiment."
Bon Natur reich ausgestal
te i. „Sie behaupten also, Fräulein
Skirter besitze keinerl-i kostbaren
Schmuck, Diamanten, u. f. w."
„Nicht die Probe! Aber, lieber
Mann, ich bitte Sie um GotteSwillen,
wozu hätte die Besitzerin so eleganter
Beine auch noch Diamanten nöthig?"
In beliebiger s?age. Binx:
„Soll man Whiskey neh
men?"
Doktor: „Die ersten zehn „Drinks."
dann kann man ihn in irgend einer
Weise nehmen," wenn'ö nicht anders
geht, indem man sich auf den Boden
legt."
Ein weiser Da n i e l.—Polizei
richter (zu einer wegen Betrunkenheit
verhafteten Frau): „Sie haben fünfDol
lars Strafe zu zahlen!"
Frau: „Aber ich habe in der ganzen
weiten Welt nicht mehr als zwei Dol
lars."
Richter (in barschem Tone): „Dann
müssen Sie in's Gefängniß wandern.
Hätten Sie Jbr Geld nicht versoffen, so
wären Sie jetzt im Stande, die Strafe
zu bezahlen."
Polizeiliche Eskorte.—„Der
Nicmcier scheint um die Sicherheit sei
nes Baby's auch gar zu besorgt zu sein."
„Wieso?"
„L', jedes Mal wenn das Baby von
dcm Kindomädchen ausgefahren wird,
befindet sich bei diesem ein strammer Po
lizist."
Der Unterschied. Sohn
Sag mir doch, Bater, was der Unter,
schied ist zwischen gewöhnlichem Salz
und Chlornatrium?
Der Haler: O da ist ein gewaltiger
Unterschied, mein Sohn. Gewöhnliches
Salz kostet bei'm Grocer zwei Cents
per Psund, während Chlornatrium
(Kochsalz) bei'm Apotheker per Theelöf
fel voll 50 Cents kostet.
Sie kennt i h n.—Lebensversiche
rungs-Agent (überredend): „Betrachten
Sie doch nur die Bortheile, die die Ver
sicherung bietet, gnädige Frau; stürben
Sie zum Beispiel nächstes Jahr, so be
käme Ihr Mann "
Dame: „O, das würde meinem
Manne vollkommen genügen, ohne daß
Sie ihm auch noch was geben!"
In einer Dorfschule. Leh
rer: „Morgen werde ich Euch die Ge
schichte vom Ei des Eoliimbus erzählen.
Dazn hat jeder von Euch ein Ei mitzu
bringen. Wer kein Ei kriegen kann,
darf dafür ein wenig Butter mit
bringen."
Verboten. Ehef: „Was, Sie
schreiben fier im Geschäft Privat
briefe?"
Commis: „Ach ich bitte um Entschul
digung, meine Braut hat heute Ge
burtstag, da wollte ich —"
„Ehef: „Während der Geschäftsstun
den hat Ihre Braut eben keinen Ge
burtstag, ich verbiete mir Das!"
Stoßseufzer einer ältli
ch e n Fr a n z ö si n. —„Diese glückliche
„Akademie!" Sie kommt nie über die
Vierzig hinaus!"
Selb st verrath. Berliner (zu
einem ihm unbekannten Herrn bei ei
ner festlichen Gelegenheit): „Ist das
hier ein sonderbares Haus! Ich kam
hierher, ohne eine Einladung zu dieser
etwas gemischten Gesellschaft zu ha
ben."
Der Fremde: „Ich auch! Wie sind
Sie eigentlich herein gekommen?"
Berliner: „O, ich bin eben ohneWei
teres eingetreten. Wie sind Sie her
eingekommen?"
Der Fremde: „O, ich bin auch so
ohne Weiteris eingetreten. Das ist
nämlich mein Haus."
Bei den Riesenschlangen
im P anoptiknm. - Mutter: „Die
Riesenschlange ist so stark, daß sie ei
nen erwachsenen Menschen umschlingen
und tödten kann. "
Töchterchen: „Und, nicht wahr,
Mama, die kleinen Schlangchen sind
für die Kinder?"
I m Gesind ebüre a u. Da
me: „Ich möchte ein Mädchen miethen,
Ich mache keine großen Ansprüche
Gesindcvcrmiether: „Nicht? Schade,
daß Sie keine Stelle als Dienstmädchen
suchen!"
Er thut ihm den Gefallen.
—Bettler: „Wenn Sie mir etwas Geld
geben, dann werde ich Innen einen Ge
fallen thun!"—„Sie mir?"—„Ja, ich
werd' dann nicht gleich wiederkommen!"
Egoistisch. Dame: „Nehmen
Sie diese Schuye die schenke ich Ih
nen!"
Bettler (geringschätzend). „Na. die
sind schlecht genug!"
Dame: „Was, schlecht? Mein Seli
ger hat sie bis zu seinem Tode be
nützt!"
Bettler: „Na, dann war's aber die
höchste Zeit, daß er gestorben ist!"
Malitiös.—Dichterling: „Den
ken Sie sich mein Eutsetzen! Ich komm'
gestern nach Hause, und da ist mein klei
ner Junge von drei Jahren gerade da
mit beschäftigt, meine Gedichte in kleine
Stücke zu schneiden!"
Kritiker: „Nicht möglich! ..Kann
denn der Kleine schon lesen?"
Mißverstän dniß. „Sehen
Sie, der Mann, wie er da reitet, ist er
vor zehn Jahren mit einem Paar zerris
sener Hosen nach Berlin gekommen und
jetzt hat er zwei Millionen."
..„Aber ich bitte Sie. was fängt der
Mann mit zwei Millionen zerrissener
Hosen an?"
Treffende Entschuldi
gung. Gattin (schluchzend): „O
Du Undankbarer, früher hast Du mich
Dein Alles. Dein Glück genannt und
jetzt zerrst Du mich bei den Haaren!"
Gatte: „Nun weißt Du denn nicht,
daß man das Glück beim Schopf fassen
muß."
DerZroße Mund. „Aller
dings macht sich der Meyer mitunter
durch seinen Freimuth etwas unbeliebt,
er nimmt aber nur einmal kein Blatt
vor den Mnnd."
„Das glaube ich, so große Blätter
gibt es wohl überhaupt nicht."
Ki nd erw eish eit. Der
Gutsbesitzer betrachtet besorgt seine Ta
baksfelder, denn in Folge ungünstiger
Witterung sind die Pflänzchen klein und
kümmerlich geblieben, sein Töchterchen
aber sagt tröstend: „Zu Cigarretten
sind sie doch groß genug."
Auch. Else: „Golt, ich sage Dir,
in der Ausstellung war es heute wieder
! entzückend, ich habe mich göttlich amü
sirt!^
Frieda: „So, sind denn so schöne
Bilder da?"
Else: „Ach ja Bilder sind auch da'"
Er wußte, woran er war.
Advokat: „Wissen Sie auch gewiß, daß
der Borfall sich am siebenzchntcn des
Monats ereignet hat?"
Zeuge: „Ja, am siebenzchntcn. ganz
bestimmt."
Advokat: „Bedenken Sie, daß Sie
einen Eid geschworen haben, die genaue
Wahrheit zu sagen! Wie wissen Sie,
daß es der Pebenzehnte war?"
Zeuge: „Weil am Tage vorher
Advokat: „Ueberleaen Sie wohl, was
Sie sagen!"
Zeuge: „Weil am Tage vorher der
sechszehnte und am Tage nachher der
nicht zehnte war."
Dr. Plaintalk: „Madame,
Ihr Mann muß etwas gegessen haben,
daß sich nicht mit seinem Magen ver
trägt und ihm diesen gastrischen Anfall
verursacht."
Mrs. Murray Hill: „Das ist rein
unmöglich. Er hat gestern zu Hause
dinirt und ich habe selbst .das Mittag
essen gekocht.'i
Dr. Plaintalk: „Ah in der That,
das erklärte es. Da muß ich wohl
meine Magenpumpe anwenden."
Da i st keine G-fah r. In
der Absicht eine Abend - Borstellung zu
geben, examinirt der Direkior einer
Wandertruppe das Gebäude, welchem
der unternehmende Eigenthümer den
stolzen Namen „Arizona Opernhaus"
gegeben hatte.
Es ist groß genug." sagteer, „auch
die Beleuchtung scheint recht zu sein, je
doch hat es meiner Ansicht nach, nicht
genügend Exit. In Falle eines plötz
lichen Alarms, dann wäre wohl daSGe
dränge zu groß. Haben Sie jemals
beobachtet, wie lange es nimmt, die
Halle leer zu bekommen?"
„Darauf können Sie wetten," ant
wortete der Eigenthümer. „Ein Hun
dekampf außerhalb, entleert das Gebän
de iu siebenuudzwanzig Sekunden nach
der Uhr."
„E s i st U n si n n —zu behaupten,
daß die jungen Männer stets auf die
Kniee fallen, wenn sie einen Herraths,
antrag stellen," sagte Mrs. Taslow zu
ihrer Freundin. „Mein Mann beging
keinen derartigen Blödsinn, als er um
meine Hand anhielt."
„Aber er that es, als er um meine
Hand anhielt," sagte die Freundin ge
dankenlos.
Es ergab sich so von selb st.-
Picks: „Wie der immer
ängstlich zu seiner Frau emporschaut!"
Sticks: „O. Das ist eine alte Ge
wohnheit von ihn. Ec war Kapellmei
ster, als sie erste Ballettänzerin war.
Den Vereinigten Staaten.
Amerika, Du hast es besser
Als unser Eontinent. deS alte.
Hast keine verfallene Schlösser,
Und kein? Basalte.
Und wenn Du dem Heine
Ein Denkmal willst weih'n
So schwatzen Dir keine
Philister darein.
Zutreffend. Student (zum
Onkel, der auf Besuch kam): ..Lieber
Onkel, ich hatte gehofft, daß Du mir auf
meinen letzten Brief 50 Mark schicken
würdest; aber meine Hoffnung ist zu
Wasser geworden."
Onkel: „Das ist ganz gut. Eduard;
denn wenn ich sie Dir geschickt hätte,
waren sie zu Wein oder Bier geworden."
Aus der Schule. „Fritzchen,
kannst Du mir das Bich nennen, welches
uns die schmackhaften Schinken liefert?"
Ftitzchen (mit Ueberzeugung): „Der
Metzger."
Peterby: ..Ich sehe, Sie ha
ben ein prachtvolles Piado. Was hat
es Ihnen gekostet?"
801. Herker (seufzend): „Es hat mir
meine ganze Ruhe gekostet."
Um q e k ehr t.—Marie: „Hat sich
Dein Bräutigam vor Dir auf seine
Kniee geworfen, als er Dir seinen Hei
rathsantrag machte?"
Grethchcn (erröthend): „Nein ich habe
mich auf seine Kniee geworfen."
Er hat Zeit.- Juwelier: „Ich
habe Ihnen jetzt alle Ringe gezeigt, die
ich für Mädchen von zwölf lahren
hab?, Madame."
Frau Heilschler: „O, ich habe mich
anders besonnen. Ich denke, ich Warle
bis das Mädchen fünfzehn Jahre alt
ist."
luivelicr: „Sehr wohl, Madame.
Nehmen Sie Platz!"
Ein bedenklicher Fal l.—Herr
(zu einem Thierarzt): „Nun, Herr Dok
tor, was ist Ihnen denn zugestoßen?
Sie machen ja eine gar so bedenkliche
Miene!"
Thierarzt: „Hui, ja, Das ist auch kein
Wunder, wenn ich bedenklich aussehe:
mir geht schon den ganzen Tag eine Kuh
im Kopse herum!"
— Ehemann (im
Strafgesetzbuch blätternd): ..Gesetze ge
gen Bigamie!—Ja, mein Göll, waren
die denn nöthig?"
> Vor Gericht. Richter: „Sie
thäten besser, Alles zu gestehen. Sie
erhielten dann eine mildere
Angeklagter: „Ne. ne, den Rummel
kenne ick. Sie haben et blos so eilig,
zum Essen zu kommen!"
Heimgeschick t.—Kindermädchen:
„Aber, Minna, Du bist zu unartig, bei
Dir möchte man am liebsten wünschen,
es gäbe überhaupt keine Kinder."
Kleine Minna: „Das wäre famos,
dann gäbe es keine Kindermädchen."
Das drohende Gewitter.
Frau: „Diesen Nachmittag wird meine
Mama zum Besuch kommen!"
Mann: „Ich dachte mir'S doch gleich;
der Laubfrosch hockt schon den ganzen
Morgen unten im Glas!"
G ut ver sorg t. Fritz: „Mein
Vater betreibt ein Fleischergeschäft.
Was für ein Geschäft hat Dein Vater?"
John: „Mein Vater hat's nicht nö
thig. ein Geschäft zu betreiben er ist
Alderman."
Ver schnapp t. Köchin: „Sie,
hcute war ein Fröschlein in der Milch
wie kommt das hinein?"
Milchsrau: „Da ist die ncue Wasser
leitung schuld!"

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