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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, September 05, 1902, Image 3

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Sechs Seite.
62. Jahrgang.
Wegweiser
-von—
empsehlenswerthen Ainanz-,
Kngros- und Hudetait-
Geschäften.
Finanzielles.
Banken.
511587
v. k'erxui.oll, I'raes,; L. v. Ucox,
Tssslrer.
kialtlmore- uil I.tdert?-Btr.; dda.
vorse?, I'raes.! Lsrr? 51. >lasoll, Tassl
rer.
Qoiudllrü- rmS Boutd-Btr.;
cdas. IV Oaue, l>rae.; Carter t. vs
bnrn, Yassire?.
Valtlivoro- vvS Hol-
Ilas?-Ltr. 11. Bedul-. ?raes.:
Tasslrer.
RXXic, Howard- Ulla <Zer
msri-Btr.; l- I'raes. >
14 ksu
tav-Btr.; llsrve?. l>raes.:
VV. Ilsrrlott, Kasslrer.
Bankiers und Makler.
L co.. s Bovtd-Btr.
KONLÜI' I'äVl.oi! 4 00.. 12 Boutk-Btr.
3coi"r t LOX (15sr. 1832),
?axette-Btr., xexelluober.
O. k 80X8, <Z 8. Lal
vert-Btr.
Bankiers.
L 80X8,, vaM
b'i'Lknv. 30XK8 z- cc>.. calvert- uoa
?i?ette-Btr.
Aktien. Obligationen und Baumwolle.
k Lroek Nxedanxs
LI. k cv.. 208-212 Lqulta
dle Luildlnx.
<ZVBI'XVI?B 15 Boutd-Btr.
6 co., 201
Trust - Compagnien.
ölTneäxi'ii.r: ?nvBi' L eo.
erwav- und c?slvert-Btr.; 3okn (Zill,
r>rges.: ZüclZeor?. Bedat2in.; 5. li.
Bekr.
?nr7Bl' c?v., erruan- und
calvert-Btr.; 5. Wlleox IZrovn, l>raes.:
5. L. Bcott, Bekr.-Bckat2in.
Lebensversicherungs - Compagnien.
IxB. c?c>., 8 und 10
Boutk-Btr.; VV. . Mackrord, I'rass.;
Jolin W. Havson, Bekr.
r.lk'H IXB. 00., Gerald
Lvlldlnx: öluaroe Buell,
Feuer - Versicherungs - Agenten.
IXB. CO.. Bur> klllldwx.
Jndustrial - Versicherungs - Comp,
soickk? ?lISXVI.r 800IL1'?. 100 V.
?a?ette-Btr.
Sachverständiger Buchhalter
(beglaubigt).
li. V. Continental l'rust IZuildinx
Feuersichere Möbel-Lageru..g.
Bscvkii"r L 'rsriBi?
00.. 13-19, Xortk-^ve.
?ar!l-4ve.
und volpdlu-Btr.
Rechtsanwälte.
I.OVIB ?. 6 0. HKXXKZU^V.
BLX, 215 Bt. ?sul-Btr.
r. ?. 3Ol Rulid
lux.
Anwälte (Patent-Prozesse.)
L LO., Hqultadle IZulldlnA.
Grundeigenthum-Makler.
0. OVO4X t XLI'SLVV. 16 I,ex
lllLtoo-Str.
Engrosgeschäfte.
Auswärtige und einheimische Pro
dukte.
V2XK? t 80X. 5 0. rratt.
Btr
Biscuit und Bretzel.
k VNO.. 20 X. Qreeve-^tr.
Bäcker - Requisiten.
rss 5l?L8 6 mcicB 00., 104 8.
Hu?srd-Btr.
Bäcker- und Conditor - Werkzeuge.
105 llanover-Btr.
Lauholz, Thüren, Fensterrahmen
0770 VVÜLK t 00., I>residellt-Btr. und
olltoll-^ve.
Butter, Eier und Geflügel.
4. BLvr2L! t 00.. 118 8. ckarles,
Ltr.
v Bilder, Spiegel, Rahmen.
ILM. 85lI1'S 5 00., 41 8. Qidert?-Btr.
Buch- und Zeitungs-Händler.
L4l>l'lslokk XL>V3 00.. v2ltiozore-Btr.
Bleiröhren. Blechplatten, Schrot.
VSL kOLLrBOX 00.,
SO llsnover-Ltr.
Bauholz - Händler.
7SOB, 6 80X, oanton H,vs.
und
<ZLO. s'. L LNO., 414 I.!zkt-Str.
Blech- und emaillirte Stahlwaaren,
00.. 109 Lanover-Btr.
Cigarren und Tabak.
n. eo, Lentre-^lsrkt
Space und Qoindard-Btr.
Diamanten und Schmucksachen,
l. ?. t 80X8, 121 v?.
Laltlwore-Ltr.
Dampfmaschinen, Kessel, Pumpen.
B'rLSIZIXB 5 80X8., cdarles-
Droguen-Händler.
LlQk'lX. t 00.. 300-302 V?.
Qowdard-Btr.
vll.vL? LKOB. t 00., 7—9 X. Howard
-Btr.
Dry Goods.
4 00., 2S-M Iloplclv,
Aus Deutschland.
Die R'mserwge m Posen.
Glänzender und prunkvoller Verlauf
Bevölkerung
huldigt dem Kaiser.
Auch der erzbischösliche Palast war
illuminirt. Kaiser Wilhelm ge
denkt in einer Rede der russischen
Waffenfreundschaft. Ein Toast
auf den Czaren. Die Polen nur
vorübergehend besänftigt. Ein
weihung des neuen Provinzial-
Museums in Posen. Schluß
der Verhandlungen um den Jo
hann Müller'schen Nachlaß in
Prag.
Berlin, 4. September. Die
Kaisertage in Posen nehmen einen
glänzenden und freudigen Verlauf.
Für den Glanz sorgt in erster Linie
die Entfaltung eines gewaltigen mili
tärischen Apparats. Den freudigen
Ton bringt die Stimmung der Be
völkerung, soweit sie deutsch ist, hin
ein. Den Glanzpunkt bildete die ge
strige Kaiserparade, die Freude kam
zur höchsten Entsaltung, als der Kai
ser bei der Rückkehr von der Parade
durch die Spalier bildende lebende
Mauer ritt. Das Wetter war präch
tig. Das Paradefeld lag zwischen
Lawica und Eduardsfelde einer- und
der Berliner Chaussee andererseits; es
war von einem Drahtzaun und einer
Postenkette umgeben. Schon zu frü
her Stunde ergoß sich eine wahre Völ
kerwanderung hinaus. Die Wärter
buds bei Lawica war in eine proviso
rische Haltestelle umgewandelt wordcn
und es wurden acht Extrazüge abge
lassen.
In der Parade standen: 1. Treffen
(Infanterie) 12 Infanterie - Regi
menter, Jäger, Fußartillerie, Pio
niere, eine Maschinengewehr - Abthei
lung und Leibgendarmen; 2. Treffen
(Kavallerie und Artillerie) das 5.
Trainbataillon, die Corps - Telegra
phen - Abtheilung, eine reitende Ab
theilung des Feldartillerie - Regi
ments Nr. 35, die Feldartillerie - Re
gimenter Nr. 56, 20, 41 und 5, sowie
die 10., 12., 9. Kavallerie - Brigade
und die Leibhusaren- (Todtenkops-)
Brigade. Im Ganzen 33 Truppen
körper mit 29 Musikcorps.
Brausende Hurrahruse kündeten die
Ankunft des Kaisers an. Von der
alten Bukerstraße bei Eduardsfelde
vorbeikommend, ritt er zunächst von
Süden her an den Truppen vorbei
und nahm dann mit seiner Suite un
mittelbar vor der großen Zuschauer-
Tribüne Aufstellung. Neben ihm
hielt die Kaiserin. In seiner Suite
befanden sich Kronprinz Wilhelm,
Prinz Albrecht von Preußen, Regent
von Braunschweig, Prinz Friedrich
Leopold von Preußen, Herzog Ernst
Günther von Schleswig - Holstein,
Generalfeldmarschall Graf Waldersee,
Prinz Ludwig von Bayern, der älteste
Sohn des Prinzregenten Luitpold
und der Erbe der bayerischen Krone,
und die bayerischen Prinzen Leopold
und Arnuls, Erzherzog Ferdinand
von Oestreich, der präsumptiveThron
folger von Rumänien, Lord Roberts,
der englische Kriegsminister Broderick
und General-Lieutenant Kelly-Kenny,
der italienische Kriegsminister Gene
ral-Lieutenant Giuseppe Ottolonghi,
Gummi - Kleider, Mackintoshes usw.
s. 2INKLI. 5 00.. 7-S L. ?ratt Str.
Fensterglas, Flaschen und Körke.
TSL OO., 120 Manöver,
Ltr.
Hunter - Whiskey.
V. k 80X, so QlxUt-Btr.
Roxbury Rye - Whiskey.
?I8III?It VlioB., 115 V?. iZaitlruore-Btr.?
Kaffee ungebrannt und gebrannt,
rizr: xxi'kiii'iiisk: 00.. 421
Landwirtschaftliche Geräthe und Sä
mereien.
<ZKI?Ii'II'kI Sc rvRXi: 00., 250 X.
Btr.
Metzger- und Einmacher-Werkzeuge.
l'k'Llk'k'KK z 80X. 200 X. l'ac-t-Ltr.
Oel, Farbe und Glas,
c. , t 00.. Is
I>r-att-Btr.
Ornamentale Draht - Arbeiten.
L 00.. 311 X. Lovard-Btr.
Putz- und Weißwaaren.
4R>lBl'Ro>v. 0470 U L 00.. g Lüitl,
luore-Lti'.
Stiefeln und Schuhe.
04ÜN0I. L 00.. 22 llovard-Btr.
Thüren, Fensterrahmen, Rouleaux,
v. äi 00.. 409 0.
Wiener Bäckerei.
UIOS VNOB.. 312—324 X. (Zaz'-Btr.
Waagen und Zubehör.
00.. is-21 i>lxdt-Btr.
Essig, Pickels, Kraut, Catsup u. s. w.
- 00., 404
Nora odarles-Btr.
Eudetail-Geschäste.
Diamanten und Schmucksachen.
VNOB., 5 0. Lalt!more-Btr.
Linnen- und Weißwaaren.
L B'rLVI2XB, 212 X. odarles-Btr.
Möbel und Teppiche.
IOHX 10NXVVQQ, t 00., 16 V.
üaltimore-Btr
Friedhöfe,
ciüALrLkv. ottice 21
die amerikanischen Generäle Wood,
Aoung und Corbin, sowie der Gou
verneur von Warschau, General der
Kavallerie und General - Adjutant
Tschertkoss mit einer Abtheilung rus
sischer Offiziere.
Der Vorbeimarsch der Truppen
vollzog sich in, bewunderungswürdiger
Präzision und machte voraussichtlich
auf die Besucher großen Eindruck.
Wohl bot die Parade keine besonderen
Neuerungen, doch zeigte ihre Kriegs
gliederung doch manches Bemertens
werthe.
Huldigung der deutschen
Bevölkerung.
Die Rückkehr des Kaisers in die
Stadt gestaltete sich zu einer wahren
Huldigung der deutschen Bevölkerung
der Provinz Posen. Der Magistrat
von Posen hatte vor einiger Zeit an
Vereine, Schüler und Korporationen
in Stadt und Provinz eine Einladung
zur Spalierbildung bei der Rückkehr
des Kaisers vom Paradefelde ergehen
lassen und dieser Einladung war sei
tens weitester Kreise entsprochen wor
den. So waren das gesammte Real
gymnasium und die städtische höhere
Töchterschule von Bromberg erschie
nen. Es war wie eine lebende Mauer,
durch welche der Kaiser ritt. Geiverke
und Vereine, Innungen, sämmtliche
Lehranstalten, die höheren und die
niederen, hatten Aufstellung genom
men. Die Tribüne am niedergelegten
Brandenburger Thor auf dem neu
angelegten Schmuckplatz, auf welchem
später ein Bismarck - Denkmal errich
tet werden soll, war mit Schülerinnen
der Töchterschulen besetzt.
Spontan war der unbeschreibliche
Jubel, welcher dem Kaiser aus dem
ganzen Wege entgegen schallte. Es
war, als wollten sich die deutschen
Herzen Lust machen, die Hochrufe
klangen wie ein Gelöbniß. Der Kai
ser war sichtlich bewegt, ein Schimmer
von Rührung breitete sich über sein
Gesicht und aus dem glücklichenStrah
len seiner Augen, deren Blicke nament
lich bei den unabsehbaren Reihen der
Kinder heften blieben, und aus dem
ununterbrochenen freundlichen Grü
ßen war zu erkennen, wie wohl ihm
diese großartige Huldigung that.
Die Illumination am Abend war
großartig. Allgemein ist ausgefallen,
daß auch das erzbischöfliche Palais
auf der Dom-Insel glänzend beleuch
tet war.
Bor dem Gelände des General-
Commandos, in welchem sich das kai
serliche Hauptquartier befindet, fand
Abends großer Zapfenstreich statt.
Derselbe wurde von sämmtlichen
Spielleuten des fünften Armeecorps
und der Kavallerie - Division B exe
kutirt.
Am Nachmittag fand bei der Kai
serin ein Empfang einer Anzahl Da
men aus Stadt und Provinz Posen
statt.
Die Freundschaft mit
Rußland.
Bei einem Empfange, den Kaiser
Wilhelm vor dem Parade - Diner ge
stern Abend dem General Tscherkoss
und anderen russischen Offizieren
gab, hielt er folgende Ansprache:
„Meine Herren! Bevor ich Abschied
nehme, möchte ich meinem Vergnügen
darüber Ausdruck geben, daß ich bei
unserer Parade die Offiziere meiner
beiden russischen Regimenter bewill
kommnen konnte, deren Uniformen ich
mit Stolz trage. Für dieses Vergnü
gen bin ich der Güte Sr. Majestät des
Czaren verbunden, der es bei meinem
Besuche in Reoal herzlichst billigte,
Sie hierher einzuladen. Ihre Gegen
wart bedeutet nicht nur einen Besuch
der Offiziere meiner schönen russi
schen Regimenter, sondern auch einen
neuen Beweis der alten Kamerad
schaft, welcher unsere Armee'n seit ei
nem Jahrhundert verbindet. Daß
diese Kameradschaft fortbesteht, be
weisen zwei Thatsachen. Erstens:
Am Tage Ihres Eintreffens schasste
ich den militärischen Radius von
Posen ab und machte dadurch die
friedliche Weiterentwickelung dieser
alten festen Stadt möglich. Zweitens
habe ich heute, Ihrer Anwesenheit zu
Ehren, zum ersten Male die Aigui
letten angelegt, die Se. Majestät der
Czar zum Zeichen unserer persönlichen
Freundschaft mit mir austauschte.
Sie sollen, um mit den eigenen Worten
Ihres erhabenen Herrschers zu spre
chen, ein Glied in der starken Ketle
bilden, welche uns Beide in treuer
Freundschaft verbindet. Möge es mit
Gottes Gnade stets so bleiben!"
Der Kaiser brachte ein Hoch auf
den Czaren von Rußland in folgen
den Worten aus: „Ich trinke auf das
Wohl Sr. Majestät des Kaisers von
Rußland, als obersten Kriegsherrn
der mit uns in treuer Waffenbrüder
schaft verbundenen russischen Armee."
Der Kaiser, verlieh dem General
Tschertkoss den schwarzen Adlerorden
und dem General Becker, Comman
danten des Petersburger Garderegi
ments Friedrich Wilhelm der Dritte,
den Kronenorden mit dem Stern.
Einweihung des Provin
zial- Museums.
Das neue Provinzial - Museum
wurde heute eingeweiht. Der Kaiser
hat dem Museum Gypsabgüsse der
Statuen Friedrich's des Großen und
Friedrich Wilhelm's des Zweiten aus
der Berliner Siegesallee zum Ge
schenk gemacht.
Heute marschiren zusammen 40
Bataillone Fußtruppen, 45 Eska
dronen Kavallerie und 27 Batterie'n
Feldartillerie nach dem brandenbur
gischen Gelände zum Manöver ab.
Keine dauernde Wirkung.
Selbstverständlich wird der Ver
laus der Kaisertage hier in Berlin mit
dem allergrößten Interesse verfolgt.
Daß den Posenern durch die Aushe
bung eines Theiles der Rayongesetze
eine freudige Ueberraschung bereitet
wurde, wird hier so recht als der Art
des Kaisers entsprechend aufgefaßt.
Beinahe einstimmig giebt die Presse
indessen der Ueberzeugung Ausdruck,
daß die kaiserliche Gabe die Polen
wohl vorübergehend besänftigen, je
doch keinerlei dauernde Wirkung kal
ben wird.
Der Kaiser am Steuer.
Kaiser Wilhelm wird an der Re
gatta Theil nehmen, die nächstens in
Baltimore, Md., Freitag, dea 5. September 199 A
Grünau an der Oberspree stattfinden
wird, und dabei die in Amerika ge
baute Jacht „Uncle Sam" steuern, die
er jüngst von Francis R. Riggs von
New-Aork kaufte. Dies wird das
erste Mal fein, daß der Kaiser sich in
Person an einer hiesigen Regatta be
theiligt.
Carnegie zum Präsiden
ten erwählt.
In der Eröffnungssitzung des Ei
sen- und Stahl-Instituts zu Düssel
dorf wurde mitgetheilt, daß an Stelle
des gegenwärtigen Präsidenten Whit
well sür's nächste Jahr Andrew Car
negie zum Präsidenten erwählt wor
den ist. Oberpräsident von Holleasfer
hieß die Delegirten in Düsseldorf
willkommen und wies in seiner Rede
auf die hohe Bedeutung des Instituts
hin. Geheimrath Lueg. der Präsident
der deutschen Eisen - Association und
zugleich Präsident der Industrie-
Ausstellung. lud die Delegaten zum
Besuche der Ausstellung ein und er
klärte, er würde sich freuen, wenn ste
die Exhibition recht kritisiren wür
den. Nach Verlesung mehrerer Vor
träge über technische Fragen begaben
sich die Delegirten zum Besuche der
Ausstellung.
Kronprinz als Manöver-
G a st.
Aus Einladung des Kaisers Franz
Joseph wird der deutsche Kronprinz
den Manövern in West-Ungarn bei
wohnen. Kronprinz Friedrich Wil
helm wird am 10. September, Vor
mittags, von Berlin aus die Reise
nach Ungarn antreten und in Schloß
berg Nachmittags um 4 Uhr eintref
fen. Kaiser Franz Joseph, welcher
eine halbe Stunde früher aus Wien
ankommen wird, wird den Kronprin
zen auf dem Bahnhof begrüßen und
ihn in sein Absteigequartier imSchloß
Sassin geleiten. Am 16. September,
Mittags, nach Beendigung der Manö
ver, erfolgt die Rückreise des Kron
prinzen nach Berlin. Der deutsche
Militär-Attache in Wien, Major von
Bülow, wird dem Kronprinzen bis
Oderberg entgegenreisen, um sich der
Suite desselben anzuschließen.
An die amerikanischen Ge
richte verwiesen.
Nach elftägigen Verhandlungen ist
der Millionen - Prozeß vor dem Ver.
Staaten - Konsulat in Prag, in dem
es sich um den Nachlaß von Johann
Müller handelt, eines östreichischen
Unterthanen, der, wie schon früher ge
meldet, im Jahre 1900 in der Nähe
von Duluth, Minnesota, starb und
eine Farm hinterließ, auf der später
werthvolle Erzlager entdeckt wurden,
zum Abschluß gelangt und zur weite
ren Verhandlung an die ordentlichen
Gerichte von Duluth, resp. Minne
sota, verwiesen worden. Um die Erb
schaft streiten sich namentlich Müller's
Wittwe und eine böhmische Gesell
schaft, welche behauptet, Müller habe
ihr mehrere Tausend Gulden unter
schlagen und die Farm in Minnesota
mit diesem Gelde bezahlt.
Schlechte Armenpflege.
Aus Niedermirsberg, einem kleinen
Dorfe im bayerischen Regierungsbe
zirk Oberfranken, wird ein ganz
ähnlicher Fall von Vernachlässigung
einer Ortsarmen gemeldet, wie jüngst
der in Neukirchen, welcher vom Land
gerichte Amberg durch Verurteilung
des Bürgermeisters, des Armenraths
und des Psarrers zu Neukirchen zu
längeren und kürzeren Gefängniß
strafen gesühnt wurde.
In dem neuen Falle handelt es sich
um die 70-jährige Armenhäuslerin
Anna Geck, die im Zustande äußerster
Verwahrlosung verhungert aufgefun
den wurde. Sie war allermindestens
24 Stunden vor ihrer Aufsindung ge
storben. Wie in Neukirchen der Ein
wohner Graf, scheint auch die Anna
Geck von der Gemeinde, welche sich
wohl der ihr obliegenden Unterstüt
zungspflicht entziehen wollte, einfach
ihrem Schicksale überlassen worden zu
sein.
Allerlei aus Deutschland.
Generallieutenant v. Unruh, Com
mandant in Königsberg i. P., hat
seinen Abschied eingereicht.
Aus Leipzig ist der Lieutenant
Weiß vom 8. Infanterie - Regiment
Nr. 107 fahnenflüchtig geworden,
nachdem er wegen eines schweren Ver
brechens gegen die Sittlichkeit zu 13
Monaten Gefängniß und Ausstoßung
aus der Armee verurtheilt worden
war.
Der Neubau des in Schönefeld bei
Leipzig errichteten Wasserthurmes ist
eingestürzt, wobei 10 Arbeiter den
Tod fanden und 17 weitere fchwer
verletzt wurden.
Die calisornische Tanzpoetin 'Dun
can, über deren erstes erfolgreiches
Auftreten vor einer geladenen Gesell
schaft schon früher berichtet worden
ist, veranstaltet heute und am Sam
stag in München Chopin - Abende.
Soweit hat Frl. Duncan bei jedem
Austreten großes Furore gemacht.
Ter Toppclmord in Bridgeton-
B r i d g e t o n, N.-J., 4. Septem
ber. Die Coroners-Jury, welche die
Ermordung des John S. Holmes und
dessen Haushälterin Catharine Shute,
deren verkohlte Leichen am 27. August
in den Ruinen ihrer abgebrannten
Scheune gefunden worden waren, un
tersucht hat, brachte ein Verdikt ein,
worin sie Job Murray Williams, den
farbigen Farmarbeiter, der sich inHaft
befindet, des Doppelmordes, des Rau
bes und de? Brandstiftung beschuldigt.
Das Gerichtsgebäude war mit Neu
gierigen gefüllt, welche das Resultat
des Jnquestes abwarteten. Neues Be
weismaterial wurde nicht vorgebracht.
Scherisf Hendec bezeugte, daß er zwei
kleine Bleistücke in der Asche gefunden
habe, die er der Stelle entnahm, wo
die Leichen lagen. Er habe die Asche
durchsiebt. In dem Revolver des Wil
liams seien zwei leere Patronenhülsen
gewesen.
Friedensrichter Hall bezeugte, daß
Williams gestanden habe, daß er die
Scheune in Brand gesteckt und aus
dem Farmhause das Geld gestohlen
habe.
<1? S 21 .
äis Die LlülS, IliS liis iMMA IKÄ
Düstere Stimmung.
llitdergeschla.qcnheit im Kohlenrevier.
Nach Hrn. Baer's gestriger Erklä
rung glaubt man, daß der Ttrike
noch lauge dauern wird.
So ziemlich alle Hoffnung auf gütliche
Schlichtung geschwunden. Er
öffnung des Convents der „Peo
ple's Alliance" in Hazleton.
Gouverneur Stone's fchöneßeden.
Philadelphia importirt Hart
kohlen für seine Volksschulen aus
England. Strike im Norfolk-
und Western - Revier beendet er
klärt.
Wilkesbarre, Pa., 4. Sept.
Die gestrige Erklärung des Präsi
denten Baer von der„Reading-Bahn,"
daß der Kohlengräber- Strike auf
keine andere Weise beigelegt werden
könne, als durch Annahme der schon
früher von den Gruben - Gesellschaf
ten bekannt gemachten Bedingungen
Seitens der Striker, hat eine höchst
düstere Stimmung im ganzen An
thrazitrevier wachgerufen. Die Ge
schäftsleute hatten zuversichtlich ge
hofft, daß die gestrige Conserenz der
Senatoren Ouay und Penrose mit
Hrn. Baer eine gütliche Beilegung an
bahnen würden, und große Niederge
schlagenheit herrscht heute allenthal
ben.
Präsident Mitchell von den „United
Mine Workers" weigert sich, die Er
klärungen Baer's heute näher zu be
sprechen. sagt jedoch, er dürfte in den
nächsten Tagen etwas darüber zu sa
gen haben. Er bestreitet die Angabe,
daß I. Pierpont Morgan unier der
Hand bei ihm anfragen lassen habe,
unter welchen Bedingungen der Strike
beendet werden könne.
T a m a q u a. Pa., 4. Sept.—Ob
gleich Major Gearhart heute früh kei
ne Truppen ausschickte, so wurden die
Nichtunionisten auf dem Wege nach
der Arbeit dennoch nicht belästigt. Die
Zahl der Arbeiter soll ungefähr die
gleiche gewesen sein, wie gestern. Die
„Lehigh Valley - Co." behauptet, jetzt
000 Tonnen Kohlen pro Tag aus ih
rer Zeche Nr. 12 und 250 Tonnen pro
Tag aus der Zeche Nr. 4 zil verschif
fen.
Präsident Baer's gestrige Erklärun
gen haben auch hier eine sehr deprimi
rende Wirkung ausgeübt. Gestern
rechneten die Striker mit Zuversicht
auf-baldigen Sieg. Heute erklären sie,
das Ende des Strikes liege noch in
weiter Ferne.
Was Präsident Baer s agte.
Philadelphia, 4. September.
In der bereits erwähnten Konfe
renz, welche gestern hier zwischen dem
Präsidenten Baer und den Senatoren
Ouay und Penrose stattfand und re
sultatlos verlief, gab Hr. Baer fol
gende Erklärung ab:
„Ich erkenne Ihr Recht und Ihre
Pflicht als Bundessenatoren, die den
großen Staat Pennsylvanien vertre
ten, an, Alles zu thun, was gesetzlich
geschehen kann, um einen Strike zu
beendigen, der die Geschäfte so ernst
lich affizirt und so viel Leiden über
die Frauen und Kinder des Kohlen
reviers bringt. Die Zeitungsangabe,
ich hätte mich geäußert, der Strike sei
eine Privatangelegenheit, die das
Publikum Nichts angehe, ist eine ab
solute Erfindung. Was ich gesagt
habe, war, die Leitung eines Geschästs
stehe dem Eigenthümer zu. Im Falle
der Kohlengesellschaften überantwor
tet das Gesetz die Leitung und Con
trols den Direktoren und Beamten,
die ihren Aktionären, dem Staate und
dem Publikum verantwortlich sind.
Die Aktionäre haben das Recht, eine
gute Verwaltung und eine angemes
sene Verzinsung ihres angelegten Ka
pitals zu verlangen.
„Wenn wir, die Grubenbesitzer, die
extravaganten Forderungen der Gru
benarbeiter bewilligen," fährt Baer
fort, „so können wir Kohlen nicht mit
Gewinn produziren und müssen Geld
verlieren. Wenn wir die Preise für
Kohlen für Familiengebrauch erhöhen,
wird man uns Räuber-Barone, Un
terdrücker der Armen, Monopolisten,
Feinde des Menschengeschlechts nen
nen. Wir erachten es daher sür un
sere Pflicht gegen uns selbst und das
an folgenden Punkten fest
zuhalten:
„Erstens, daß die im Hartkohlenre
vier bezahlten Löhne, verglichen mit
den in anderen Kohlenrevieren bezahl
ten, gut und gerecht sind, und daß
Männer, die gewillt sind, redlich zu
arbeiten, auf der gegenwärtigen Lohn
basis mehr Geld verdienen können, als
in irgend einer anderen Industrie, die
in den Ver. Staaten gewöhnlich Eon
sum-Artikel produziren.
„Zweitens, daß die Löhne nicht er
höht werden können, ohne eine Erhö
hung der Kohlenpreise; daß durch eine
Erhöhung der Letzteren der Kohlen
markt geschmälert und das Publikum
gezwungen wird, Weichkohlen zu ge
brauchen, die billiger und reichlicher
vorhanden sind, und daß eine Be
schränkung der Zufuhr auf dem Markt
die Produktion der Kohlen vermin
dern und die Kohlengräber ihrer Be
rufsthätigkeit berauben wird.
„Drittens, daß wir dieArbeiter-Or
ganifationen keineswegs bekämpfen,
vielmehr das Recht der Arbeiter aner
kennen, sich zu organisiren, um sich ge
gen Unterdrückung zu schützen und
ihre Lage zu verbessern. Aber wir
opponiren ihrer unvernünftigen Ein
mischung in die Disziplin und gewöhn
liche Leitung unseres Geschäfts. Wir
können ihnen nicht gestatten, zu be
stimmen, wen wir anstellen sollen. We
der Politik, noch religiöses Bekennt
niß, noch Nationalität, noch Angehö
rigkeit zu einer Arbeiter-Organisation
bildet für irgend welche leistungsfä
hige Leute ein Hinderniß, für uns zu
arbeiten. Wir kämpfen für die Frei
heit des Individuums und das Recht
des Individuums für die Löhne, die
ihm genehm sind, zu arbeiten.
„Viertens, daß es wegen der ver
schiedenartigen Umstände in den ein
zelnen Gruben unthunlich ist, eine
gleichmäßige Lohnskaa für die ganze
Region anzunehmen. Jedoch soll in
jeder Zeche jede Klage und' Beschwerde
Gehör finden und von den Superin
tendenten untersucht und Abhülfe ge
schaffen werden, wenn die Beschwerde
gerecht ist. Ich habe dem Präsidenten
Mitchell das Anerbieten gemacht, mit
zugehen und die Beschwerden untersu
chen zu helfen.
„Sie sehen, meine Herren Senato
ren, daß keines von diesen Dingen der
Gegenstand von schiedsgerichtlicherAb
urtheilung sein kann. Man kann die
Lohnfrage nicht abitriren, wenn eine
Erhöhung das Geschäft zerstören und
eine Herabsetzung dem Arbeiter nicht
annehmbar sein würde. Man kann
nicht die Frage arbitriren, ob das
Bergbaugeschäst oder das Geschäft im
Allgemeinen nach den Grundlagen
des Gesetzes und der Billigkeit von den
Eigenthümern desselben und ihren er
wählten Dienern geleitet werden soll,
oder von einer Arbeiter-Organisation.
Man kann nicht arbitriren das Recht
der Beschützung seines Eigenthums u.
seiner Arbeiter gegen eine Mobherr
schast von Arbeiter-Organisationen,
welche unverfroren ihre Absicht erklä
ren. Eigenthum zu zerstören, und diese
Erklärung dadurch in's Praktische
übertragen, daß sie Mitarbeiter tödten
und verletzen, welche sich weigern, sich
ihrem gesetzlosen Treiben anzuschlie
ßen."
„Wie Sie sehen, meine Herren Se
natoren," so schließt Baer, „haben wir
den ganzen Gegenstand eingehend dis
kutirt und sind bestrebt gewesen, Ih
nen zu beweisen, daß gesunde Ge
schästsprinzipien es uns unmöglich
machen, die Löhne zu erhöhen. Wir
wissen, daß die Löhne gerecht und ver
hältnißmäßig hoch sind, und daß,
wenn die Führer der Weichkohlengrä
ber nicht zu selbstischen Zwecken in das
Hartkohlengebiet eingefallen wären,
unsere Leute friedlich und zufrieden
weiter gearbeitet haben würden."
Hr. Baer erwähnte noch, die Gru
benunternehmer hätten sich bereit er
klärt, der „Civic Federation" ihre Bü
cher vorzulegen, und wollen den Be
weis liefern, daß die drei Hartkohlen-
Gesellschaften, die „Reading, Lehigh
Valley und Erie," seit Jahren keine
Dividenden von ihren Aktien bezahlt
haben, und daß 40 Prozent der Hart
kohlen auf dem Markt billiger, als zu
den Produktionskosten verkauft wür
den. Aber die „Civic Federation" sei
den Darlegungen und Beweisstücken
der Grubenbesitzer nicht bis zum Ende
derselben gesolgt.
Für Schiedsgerichts-
Zwang.
P i t t s b u r g, Pa., 4. Sept.
Gouverneur W. A. Stone erklärte ge
legentlich eines Besuchs in hiesiger
Stadt, daß nach seiner Meinung ein
Gesetz geschaffen werden sollte, das
dann auf die Meinungs - Verschieden
heiten zwischen Kapital und Arbeit
ausgleichend wirken könnte.
Gouverneur Stone reiste gestern
Nachmittag um 4.50 von hier ab,
nachdem er einige Tage hier geiveilt,
und fuhr nach Harrisburg. Er lehnte
es ab, sich über die Politik auszuspre
chen und er war auch nicht mittheilsa
mer bezüglich seiner Ansicht über den
Strike im Anthrazitgebiet. Mit Be
zug auf eine Lösung auftauchender
Schwierigkeiten zwischen Kapital und
Arbeit sagte der Gouverneur:
„Ein Gesetz, das einem solchen
Zwecke dienen soll, muß nothwendig
das Schiedsgericht obligat erklären,
und seine Entscheidungen müssen end
gültig und bindend sein. Dieses Ge
setz muß zum Schutze der Gesellschaft
erlassen werden und nicht im Interesse
der Arbeitgeber oder der Arbeitneh
mer. Die Erfahrung lehrt, daß die
Strikes Leben und Eigenthum gefähr
den. Wenn immer aber dies der Fall
ist, dann ist die Gesellschaft gefährdet.
Darum soll die Codisizirung erfolgen
zum Schutze von Leben und Eigen
thum, gleich einem Polizeigesetze, das
dem allgemeinen Publikum zum Wohl
da ist und zum Schutz der Gesellschaft.
Durch einen solchen Gekeral-Strike.
wie derjenige im Anthrazitgebiete, lei
det das allgemeine Publikum und
zweifellos das ganze Land nicht min
der wie Arbeitgeber und Arbeitneh
mer. Die Theilnehmer müssen indivi
duelle Rechte zu Gunsten der Gesell
schaft und des Publikums aufgeben.
Diese beiden Faktoren fordern denn
auch, daß Strike - Differenzen schnell
und gänzlich aus der Welt geschasst
werden. Das Recht von Publikum
und Gesellschaft steht über dem Rechte
der Theilnehmer an beiden Enden des
Strikes. Ich glaube, daß ein Gesetz
von diesem Standpunkt aus geschaf
fen werden müßte, aber ob die Legis
latur und die betheiligten Parteien
dabei mit mir übereinstimmen, das
ist eine andere Frage."
DerConvent der„People's
ANianc e."
Hazleton, Pa., 4. September.
Der von der „People's Alliance"
einberufene Convent, welcher über
Schritte zur Beilegung des Strikes
berathschlagen soll, wurde heute da
hier erössnet. Etwa 75 Delegaten
waren anwesend. Der Convent schickte
dem Präsidenten Roosevelt eine Gra
tulationsdepesche zu seinem gestrigen
Entkommen und ernannte ein Comite,
welches Vorschläge zur Förderung des
angestrebten Zweckes formuliren soll.
Erzbischof Ryan, welcher zur Bethei
ligung eingeladen war, schickte ein
Schreiben, in welchem er Bedauern
darüber äußerte, daß er nicht erschei
nen könne.
Kohlen aus England für
die Philadelphier
Schulen.
Philadelphia, 4. September.
Die hiesige Schulbehörde hat ein
Arrangement getroffen, um Anthra
zitkohlen zum Gebrauch der hiesigen
Schulen im kommenden Winter aus
England zu importiren. Die Reading-
und die Lehigh Valley Coal Co. hat
ten auf eine diesbezügliche Anfrage
der Behörde geantwortet, sie könnten
vorläufig keine Preise sür Kohlen no
tiren. Bisher zahlte die Stadtbehörde
§5.50 pro Tonne für die Kohlen der
Schulen, und unter dem getroffenen
Arrangement wird sie §6.50 für Koh
len aus England, einschließlich der
Kosten der Jmportation und aus
schließlich der Kosten der Übertra
gung von der hiesigen Werfte in die
Schulen, zu bezahlen haben.
Vorrath dem Ende nahe.
Philadelphia. 4. September.
Während die „Pennsylvania - Ei
senbahn" wöchentlich noch Tausende
von Tonnen bituminöser Kohle und
Coke, welche aus den Distrikten öst
lich von Pittsburg und Erie stammen,
verfrachtet, belief sich der Versandt
von Anthrazitkohlen während der mit
dem 30. August beendigten Woche nur
auf 513 Tonnen, das geringsteOuan
tum seit Beginn des Strikes. 451,-
886 Tonnen bituminöser Kohlen und
196,567 Tonnen Coke wurden ver
laden.
Strike im Norsolk A We
stern-Revier beendet.
Huntington, W.-Va., 4. Sept.
In einer heute zu Keystone gehalte
nen Versammlung von Vertretern der
Grubenbesitzer und Kohlengräber wur
de der Strike im Norfolk Western-
Revier beendet erklärt. Die Arbeit
wird am nächsten Montag wieder auf
genommen.
Kohlen Mangel in Chicago.
Chicago, 4. Sept. Die Un
möglichkeit, genügend Waggons auf
zutreiben, um Kohlen hierher zu brin
gen, hat dem Strike im Osten wesent
lichen Vorschub, geleistet. Der Preis
für Coke ist um §3 gestiegen und die
Nachfrage nach Weichkohlen nimmt zu.
Eine Cineinnati'er Scnsat'on.
Liaison zwischen einem Hotelkellner
und einer Gesellschafts-Dame.
Mordcomplot gegen die Frau des
Kellners.
C i n c i n n a t i, 4. September.
George Conrad, Oberkellner im hiesi
gen „Gibson-House," beging in der
letzten Dienstag Nacht Selbstmord.
Seine Gattin hatte ihn auf Eheschei
dung verklagt und zugleich eine Scha
denersatzklage gegen eine reiche u. vor
nehme hiesige Dame wegen Entfrem
dung der Neigung ihres Gatten einge
leitet. Wie sich jetzt herausstellt, hat
te Frau Conrad Briese ihres Gatten
an die erwähnte Dame abgefangen, in
welchen der Mann den Plan besprach,
seine Frau auf eine Bootfahrt auf den
Ohio zu nebinen, den Kahn dann wie
durch Zufall kentern zu lassen, und
sie zu ertränken, um sich ihrer zu ent
ledigen. Als ihn die Frau darüber
zur Rede stellte und mit einem Krimi
nalprozesse drohte, nahm sich der Mann
das Leben. Frau Conrad erklärt, er
habe sie öfters zu Wasserfahrten ein
geladen, allein sie habe ihm schon
längst nicht mehr getraut. Der Fall
erregt ungeheure Sensation, um so
mehr, da Conrad's angebliche Gelieb
te eine Rolle in der hiesigenGesellschast
svielte.
New-Pork's Gouverneur in Gefahr.
Dunkirk. N.-N-, 4. Sept.
Gouverneur Odell war gestern früh,
kurz nach seiner Ankunft in Dunkirk,
in großer Gefahr, von einem Bahn
zuge überfahren zu werden. Als er
in Gesellschaft von Richter W. B.Hoo
ker und anderer Herren vom Em
pfangs-Comite sich von seinem Bahn
waggon nach der Kutsche begeben woll
te, die ihn nach dem Hooker'schen
Hause zur Einnahme eines Imbisses
verbringen sollte, blieb er, im Gesprä
che mit anderen Herren begriffen, auf
dem Bahngeleise stehen, aus welchem
gerade eine Rangir-Lokomotive mit
acht flachen Frachtwaggons heran
fuhr. Einer der Bremser auf den hin
tersten Waggons stieß einen War
nungsruf aus, den Hr.Odell aber nicht
zu hören schien. Zwei Männer von
hier, der Billetvertäuser Bourne und
F. May, Vice-Präsident der „Mer
chants' Nationalbank," sprangen, die
große Gefahr erkennend, in welcher
der Gouverneur schwebte, herzu und
rissen den Gouverneur gerade noch
rechtzeitig von dem Geleise. Im näch
sten Moment passirte der Zug die
Stelle, aus welcher der Gouverneur
noch eben gestanden hätte.
Tie Opfer des Negcr-Tcspcrados
Huntcr.
Long - Island - City, N.-
1., 4. September. Auf dem Wege
der Besserung sind die Polizisten Mc-
und Briell, welche Montag
Abend von dem Neger Hunter geschos
sen wurden und im „St. John's Ho
spital" verpflegt werden. Die Aerzte
hoffen, McKenna zu retten, aber fein
Augenlicht ist gänzlich zerstört. Briell,
der auch im Gesicht verletzt wurde, ist
glücklicher, als McKenna, da die Aerz
te hoffen, wenigstens ein Auge zu ret
ten. Hunter, der durch Knüppelhiebe
schlimm mitgenommen wurde, als er
sich bei der Verhaftung zur Wehre
setzte, wird längere Zeit an den Ver
letzungen zu leiden haben.
Zwei Hasenfuße und ein Mann.
Sacramento, Cal., 4. Sept.
Eine von hier nach Walnut-Grove
bestimmte Postkutsche wurde gestern
Abend nahe Courtland, 16Meilen von
hier, von einem StraßenrZuber ange
fallen, welcher den Fuhrmann und
einen Passagier, Namens Joseph Fi
sher, ausplünderte. Henry F. Jsh
man, ein anderer Passagier, leistete
Widerstand und riß dem Räuber den
Revolver aus der Hand, worauf der
Strolch Reißaus nahm.
Theaterbrand in Cineinnati,
C i n c i n n a t i, 4. September.
Die historische Musikhalle wurde durch
ein gegen 5 Uhr heute früh auf unbe
kannte Weise ausgebrochenes Feuer
erheblich beschädigt, und das ansto
ßende „Odeon-"Gebäude total zer
stört. Man schätzt den Verlust aus
§llO,OOO. Das Feuer entstand unter
der Bühne im „Odeon," welches vom
Musik-Confervatorium für musikali
sche Unterhaltungen benutzt wurde, u.
verbreitete sich sehr rasch. Das Haupt
gebäude der Musik-Halle und die gro
ße Orgel blieben unbeschädigt.
Sechs Seiten.
Nr. 2^B.
Ex-Gesandter als Raufbold
Sensationeller Mordangriff auf ei
nen Zeitungsherausgeber in San
Franzisco wegen angeblicher Ver
leumdung einer jungen Dame.
San Franzisco, 4. Septem
ber. Fred. Marriott. Herausgeber
des „San Franzisco News Letter,"
wurde gestern Abend in seiner Woh
nung durch drei Schüsse schwer ver
letzt. Die Angreiser sind Thos. H.
Williams, jun., und Truxton Beale,
ehemaliger Gesandter der Ver. Staa
ten an Persien und Griechenland. Kei
ner der Letzteren will mittheilen, wer
der eigentliche Thäter war, alleinMar
riott erklärt, Williams habe die
Schüsse abgefeuert.
Der Verwundete liegt im Hospital.
Der erste Schuß zerschmetterte das
linke Bein unter dem Knie, der zweite
durchbohrte den Schenkel und der drit
te die eine Hand. Wie Marriott er
zählte, hatte sich Truxton Beale per
Telephon angemeldet und erschien ge
gen 9 Uhr in Williams' Gesellschaft
in der Marriott'fchenWohnung. Mar
riott empfing sie an der Thüre, und
während er ihnen die Hüte abnehmen
wollte, versetzte ihm Beale einen Faus
tschlag in's Gesicht. „Smash him, the
," schrie Williams und gab zu
gleich Feuer, während Marriott im
Innern des Hauses zu entfliehen ver
suchte. Der erste Schuß streckte ihn
nieder, und Williams verwundete
ihn dann noch durch zwei weitere
Schüsse. Als Frau Marriott zum
Schutze ihres Gatten herbeieilte, fie
len noch zwei Schüsse, und eine Kugel
ging dicht am Kopfe der Frau vorbei.
Williams und Beale erklären, sie
hätten es sür ihre Pflicht erachtet,
Marriott zu züchtigen, weil derselbe
die Reputation einer jungen Dame in
den Spalten seines Blattes angegrif
fen habe. Die Thäter wurden ver
haftet und gegen je HlO,OOO Bürg
schaft wieder entlassen. Man glaubt,
daß Marriott davon kommen wird.
Beale ist ein alter Freund der Fa
milie der angeblich verleumdeten jun
gen Dame und war von derselben zu
Rathe gezogen worden. Der Name
der Dame war in dem anstößigen Ar
tikel nicht direkt erwähnt.
veiraths-Liren^e.
Folgende Heiraths - Licenzen wur
den gestern vom Attuar des Common
Pleas-Gerichts ausgestellt:
Larence E. Green, 22, und Eliza
beth K. Kerr 21 Jahre alt; Licenz ge
holt von I. H. White, Nr. 3, Hillstr.
Davis Levin, 25, von Eliston.-For
ge, Va., und Fannie Cohen, 21 Jahre
alt.
Charles E. Hoodman, 27, u. Mary
A. Tierney. 21 Jahre alt; Licenz ge
holt von I. I. Watson, „Calvert-
Building."
Nicholas Sandolo, 21, Nr. 410,
West-Hofsmanstraße, und AnnieAnel
lo, 19 Jahre alt.
Harry Schöpplein, 22, und Helene
V. Riely, 18 Jahre alt; Licenz geholt
von I. F. Kneß, Nr. 209, Süd-Rege
sterstraße.
Clarence P. Parson, 22, und Lil
lian A. Mitchell, 16 Jahre alt; Licenz
geholt von Frau Jennie Jackson, Nr.
208, O'Donnellstraße.
Ber. Sänger von Baltimore."
Hauptquartier: „Germania - Män
nerchor - Halle," Fest - Präsident L.
H. Wieman, Nr. 106, Commercestr.;
Fest - Dirigent: D. Melamet, Präsi
oent FritzScheidt, Nr. 645, Columbia-
Avenue; corresp. und Prot. Sekretär
Henry Gieseking, Nr. 228, verlängerte
Eastern - Avenue; Finanz-Sekretär
Charles Neuenhahn, Nr. 604, Co
lumbia - Avenue; Schatzmeister C.
L. Wagner, Nr. 801, West - Croß-
Straße; Sekretär des Musik - Comi
te's: Louis Hoch, Nr. 2232, Or
leansstraße. Delegaten - Versamm
lung jeden zweiten Freitag im Mo
nat.
„A r i 0 n."
Hauptquartier: „Mechanics' Halle",
Nr. 317, West - Fayettestraße; Sing
stunde: Mittwochs; Dirigent I. C.
Frank.
„H a r m 0 n i e."
Hauptquartier Nr. 414, West-
Fayette-Straße. Singstunde: Dien
stags; Dirigent: John A. Klein.
- Männerckor."
Hauptquartier: „Germania - Män
nerchorhalle," Nr. 410 u. 412, West-
Lombardstraße; Singstunde: Don
nerstags; Dirigent Ed. Böckner.
„Frohsinn/
Hauptquartier: „Frohsinn - Hal
le," Nr. 2000, Frederick - Avenue,
Singstunde: Mittwochs; Dirigent H.
Krüppel.
„Arbeiter - M ä n n e r ch 0 r."
Hauptquartier: Andreas' Halle,N?.
314, Hanoverstraße. Singstunde:
Mittwochs; Dirigent D. Melamet.
„L 0 c u st - Point - Männer-
Ä 0 r."
Hauptquartier: Henry Bing's Hal
le, Ecke Andre- und Beasonstraße.
Singstunde: Sonntags; Dirigent G.
Poehlmann.
„Arbeiter - Liedertafel."
Hauptquartier: Neidhardt's Halle,
Nr. 323, West - Prattstraße. Sing
stunde: Mittwochs; Dirigent: John
A. Klein.
„T h a l i a - M ä n n e r ch 0 r."
Hauptquartier: Voigt's Halle, Nr.
1122, Harsord-Avenue. Singstunde:
Dienstags; Dirigent: H. Krüppel.
„M 0 zart - Männerch 0 r."
Hauptquartier: „Honor-Halle," Ecke
von Duncan-Place und McEldsrry-
Straße. Singstunde: Montags; Di
rigent: W. Schwege!.
„E i ch e n k r a n z."
Hauptquartier: Zorn's Halle, Ecke
3. und Gough-Straße, Highlandtown;
Singstunde: Mittwochs; Dirigent:
F. Karolus.
„Mel odi e."
Hauptquartier: F. Ries' Halle, Ecke
Low-Straße u. Belair-Markt. Sing
stunde: Donnerstags; Dirigent: F.
Karolus.
„Germania - Quartett-
Club."
Hauptquartier: Meienberg's Halle,
Nr. 116, Nord-Paca-Straße. Sing
stunde: Dienstags; Dirigent: F. Ka
rolus.
Metzger - Gesangve r e i n.
Hauptquartier: Jordan's Halle, Nr.
24, Centre Market Space. Sing
stunde: Dienstags; Dirigent: I. C.
Frank.
„M u s i c a l A r t C l u b."
Hauptquartier: Knabe's Hall?, Ost-
Baltimore - Straße. Singstunde:
Montags; Dirigent: D. Nelamei.

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