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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, May 31, 1914, Image 13

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Die Mode.
Ihre Entstehung im modernen Sinn
im 17. Jahrhundert.
Wunderbare War>la, in dn rl>tn
> > rcUnirr Jahr.
Wir befanden uns da, so versichert
Max v. Boehn in seinem neuen Spie
gel ver „Mode im siebzehnten Jahr
hundert" am Anfange einer Zeiter
schcinung, die uns heute so geläufig ist.
daß wir kaum mehr ihrer Anfänge ge
denken, am Anfang der Weltmode.
Wie merkwürdig das ist! Die Völ
ker, die bislang eine florentinische, spa
nische, französische oder deutsche Art
der Kleidung, des Benehmens, der Ge
sittung unterschieden hatte, beginnen
bog nun ab in rbren höl)eren Stän
den beMmMUMternationale Regeln
der äußeren Lebensführung zu besol
den. In Deutschland taucht erst jetzt,
rm ersten Drittel des Jahrhunderts,
Wort und Begriff der „Mode" im
heutigen.Sinne auf. Man hat ihre
Gewalt mit'ber Ansteckenden Macht des
Gähnens verglichen. Friedrich v. Lö
gau griff tiefer, er reimte: „Allamode
Kleider, Allamode Sinnen, wie sichs
wandelt außen, wandelt sichs auch in
nen." Abraham a Santa Clara aber
schrieb um 1630 in seiner „Weltga
lerie": „Gar selten ein Land mit dem
andern in der Kleidung übereinstimmt,
außer von etlichen Jahren her hat die
Lutetschische Modi nit ungleich einem
Krebsen dergcstalten um sich gefressen,
anjetzo mehrere Nationes von dieser
Sucht infiziert gefunden werden."
Der Zorn der Sittenprediger kam
eigentlich etwas spät. Denn auch int
16. Jahrhundert gab es eine allgemei
nere Konvention der eleganten Klei
dung. Spanien bestimmte sie. Die
steife spanische Tracht mit dem gewal
tigen Mühlsteinkragen, dem unförmi
gen geschlossenen Wams der Herren,
den ausgepolsterten Nöcken der Damen
war die obligatorische Hoftracht.
Königin Elisabeth von England
steht auf dem feierlichen Bildnisse, das
Crispin de Passe von ihr in Kupfer ge
stochen hat, mit Szepter und Reichs
apfel da wie ein Pfau, Maria Medici,
die Gemahlin Heinrichs IV., wirkt
etwas menschlicher, aber unförmig ist
auch sie verhüllt in dem spanischen
Prunk, der die menschliche Gestalt ge
flissentlich zu verleugnen scheint. Es
ist amüsant, zu hören, daß die Herr
schaften nicht mehr mit gewöhnlichen
Löffeln ihre Suppe essen konnten, son
dern längere Stiele dazu brauchten,
um über die Halskrause hinweg den
Mund zu finden. Wie ein spanisch
kostümiertes Liebespaar Küsse ausge
tauscht hat, darüber schweigt die Welt
geschichte.
Das Neue, das mit der Mode auf
kam. war die Teilnahme weiterer
Kreise an den Aenderungen der Ge
sellschaftstracht, und es 'war weiter
hin M rascheren Wechsel.
Man hat den Frauen nachgesagt, daß
sie im Grunde ihres Herzens weit
mehr am Hergebrachten hängen als die
Männer. Für ihr Verhalten der
Mode gegenüber trifft das mindestens
am Anfang zu. Sie haben sich schwer
entschlossen, den die
Hüftpolster, abzulegen, haben die Hals
krause noch konserviert, als die Män
ner sich längst Bewegungsfreiheit durch
den flachen Schulterkragen, den Fall
kragen geschaffen hatten. Die Kriegs
zeiten halfen mit, die bequemere Tracht
einzuführen. Haarschneiden war auch
unbequem. Die Haare hatten Platz
zu wachsen, und eine Lockenpracht
wallt verschwenderisch um die Häupter
der Elegants. ' Man trug es ungleich,
auf der rechten Seite nur bis zum
Ohr, auf der linken bis zur Schulter,
und zwar -diese Partie offen gelockt
oder zusammengeflochten. Es war ein
Einfall des trefflichen Herrn v. Cade
nct in Paris, der den „Cadenettcs"
seinen Namen gab. und außer Schlei
fen auch Perlen oder Juwelen in sein
Zöpfchen pflocht. Sie erhielten beson
dere Bedeutung durch die zarte Hand,
die sie geschenkt hatte. Nachdem aber
das Haar, einmal entfesselt war, durf
ten sich diejenigen Herren, die den
Reichtum aus eigener Kraft nicht be
streiten konnten, nach einem Ersatz um
sehen. Hier haben wir einen typi
schen Schöpferakt der allgemeinen
Mode: die Perücke entstand; in Paris
natürlich. Schon 1615 erstaunen
Reisende über die „falschen Köpfe" auf
den Köpfen der Stutzer; 1624 über
nahm Ludwig Xlll. die neue Erfin
dung. und von nun ab beherrschte sie
beinahe zweihundert Jahre die mo
dische Haartracht. Zum wallenden
Haare gehört der breite, weiche
Schlapphut mit wehender Feder, der
je nach der Stimmung düster oder
keck herausfordernd aufgestülpt werden
konnte. JuHejley, am Hutbande wa
ren nichts Seltnes, Armbänder und
Ohrringe glaubt Boehn sogar für
Shakespeare beanspruchen zu können.
Es war eine Zeit maßlosen Prun
kes. Trptzu-dtlhz Verwüstungen, der
HungnsMsih-iMevschknot des großen
Krieges crgMisich die Mode in einem
Kleiderluxus, der ganz phantastisch
ist. In der Farbigkeit gehen die Ko
stüme zurück, gebrochene Töne und das
Schwarz komnten auf. Aber Spitzen
und Stickereien, die ganze Unterklei
dung sorgen für vermehrte Kostbarkeit.
Dagegen war die Ueberladung mit
Schmuck nicht immer ganz echt. Das
Dekollete wurde von Paris aus vorge
schrieben und im 17. Jahrhundert
Abschätzung. „Wao sollen
diese jungen Hunde tosten, mein
v>nge?" „Tee eine zwei Mark fünf-
Zig und der andere drei Mark." „Wa-
durchgesetzt, selbst gegen die Spanie
rinnen, die. da sie durch Auflegen von
Bleiplattcn die Entwicklung des Bu
sens hemmten, nun einfach den Rücken
entblößten. Die Füße durften sie aber
nicht zeigen, das galt für unschicklich,
sie gewöhnten sich also beim Gehen auf
das Kleid zu treten, eine Kunst, die
gelernt sein wollte. In Deutschland
wurde die Entblößung der Brust oft
verboten, in Leipzig entrüstet sich der
Magistrat sehr, in Braunfchweig un
tersagt der Rat 1662 „die ärgerlich und
schändlich entblößten Brüste, ob sie
gleich dieselben mit einem durchsichti
gen. dünnen Flor zum Schein über
deckt haben." Merkwürdige Namen
brachten die französischen Schneider
für die Modefarben auf: „Nönnchen
bauch", „Lustige Witwe". „Kranker
Spanier", „Vergifteter Affe" u. s. w.
Der Staat der Herren hieß „Gänse
klcin", bei den verschiedenen Schleifen
der Damen war die Bezeichnung bis
in die Einzelheiten durchgeführt: die
Schleife auf der Stirn, die wieder wie
im Cinquecento ausrasiert wurde,
hieß „Schelm", der „Schäker" saß un
ten an der Taille, der „Faß mich an"
vorn am Ausschnitt, der „Liebling"
am Herzfleck.
Die allgemeine Wasserscheu dieser
stark parfümierten Zeit ist bekannt ge
nung. Man fand bas ganz in der
Ordnung und nicht alle waren so auf
richtig wie die Marquise v. Berneuil,
die von Heinrich l V., ihrem Geliebten,
sagte: „er stinkt wie ein Aas." Die
berühmt schönen Hände der Königin
Christine waren vor Schmutz nicht zu
sehen dies behauptete nicht etwa
die böse Fama, sondern Frau v. Mott
ville in ihren Memoiren. Die Stoffe
der Unterkleidung, golddurchwirkte
Seide und Leinen, sogar Brokal, wa
ren sehr kostbar, aber schwerlich ange
nehm man scheint die Hemden ehe
stens monatlich gewechselt zu haben.
Das spitzenbesetzte Taschentuch, das
beispielsweise die spanifchen Prinzes-
sinnen bei Velasqucz ostentativ in der
, Hand tragen, war nicht zum Gebrauch,
man schneuzte sich so, wie es noch heute
der Bauer auf dem Felde zu tun
pflegt. Immerhin klingt cs übertrie
ben, wenn Heinrich TV. nur vier zer
rissene Taschentücher gehabt haben fall,
und Karl 11. von England gar nur
zwei und dazu drei Hemden. Knöpf
manschctten oder „Röllchen" gab cs
auch damals schon. Wie denn die
Herrenmode einmal ganz dicht am lan
gen Beinkleid unserer Tage angelangt
war. Sie schrieb eine Weile das Zei
gen von viel weißer Wäsche an Brust
und Aermekn vor, ein junger Stutzer
im spitzen Hut, dessen medisantes Wor
trait Terborch hinterlassen hat, ist in
feinem Radmantel mit dem hängenden
Leibrock kaum von einer Dame zu un
terscheiden. Die Frauenmode wurde
frühzeitig von den hübschen Konfek
tioneusen gemacht. Der Leipziger Rat
nahm auch hieran Anstoß. Man wollte
in Deutschland durchaus nicht auf die
Standesutzterschiede in der Kleidung
verzichten die durch bie Weltmode, bis
zum gewissen Grade wenigstens, be
feitigt wurden. Die Nürnberger kla
gen 1657, „daß fast von allen Stän
den, sowohl Mannes- als Weibsperso
nen gantz verächtlich und freventlich
der übermäßigen Pracht in Kleidern
und Neuen Trachten dergestalt unver
antwortlich aufs Höchste getrieben
worden, daß fast kein Stand von dem
andern unterschieden werden möge."
Was halfs! Trotz der Strafen, die
bis zu 1000 Thaler stiegen, als einer
an seinem Hochzeitstage schwarzen
Sammt getragen hatte, ging die Mode
ihren Siegeslauf weiter. Ludwig XIV.
nahm sich ihrer an. als er 1686 dem
eroberten Straßburg befahl, hinfort
an Stelle der deutschen Tracht fran
zösische Moden zu tragen. Sein Vor
gänger, der dreizehnte Ludwig, dürfte
die hübsche Mode des Grüßens durch
Abnehmen und Schwenken des Hutes
kreirt haben. Bis zur Mitte des 17.
Jahrhunderts hatte der Herr den Hut
aufbehalten, auch im Zimmer der
Dame, jetzt entblößte man das Haupt
und verbeugte sich. Man wurde auch
gebeten, beim Essen nicht mehr mit
den Fingern in die Schüssel zu langen
und sich keine abgenagten Knochen ins
Gesicht zu werfen. Bon Montaigne
wissen wir, daß er über sein schnelles
Essen klagte, wobei er sich immer in
den Finger beiße. Moscherosch, der
die Unarten der Zeit so wacker geißelt,
ereifert sich über „die Torheit, den Sa
lat mit der Gabel zu essen", und über
die Schönheitspflästerchen der Damen,
auch eine welsche Erfindung, spottet
er: „Ich sah einen Haufen Weiber, die
im Gesicht aussahen, als hätten sie sich
fchröpsen, picken oder hacken lassen,
denn an allen Stellen, die sie gern
wollten beschaut haben, waren sie mit
kleinen schwarzen Psläfterchen und mit
runden langen breiten schmalen spitzen
Mllcklein, Flöhen und anderen possier
lichen, zum Anblick dringenden, zum Zu
griff zwingenden Mausfallen beklebt,"
So hat die Weltmode Schlimmes
und Gutes, Närrisches und Ernsthaf
tes im bunten Durcheinander zu Tage
gefördert, wie cs ihr gefiel. Für
Deutschland war diese Epoche beson
ders schwer zu tragen, weil es durch
den Krieg völlig zerrüttet und allen
Einflüssen haltlos hingegeben war.
Nicht einmal seine Sprache hatte es
mehr. Mußte doch Martin Opitz sein
Buch gegen die Vernachlässigung der
deutfchen Muttersprache lateinisch
fchreiben, um von denen verstanden zu
werden, mit denen er deutsch redt
wollte.
rnm ist denn der eine fünfzig Pfen
nig theurer als der andere?" „Weil
er heute Morgen ein Fnnfgroschen
stück verschlackt hat."
Ter Teutsche Korrespondent, Baltimore, Md., Sonntag, den 31. Mai 1914.
Er erklärt sut).
Lustige Verlobungsgrschichte von
Alex. Engel.
Die Mutter war verzweifelt, det
Vater, der Bruder waren verzweifelt,
die Tochter hatte die Augen voll Tra
nen und draußen in der Küche warf
die Köchin, weil sie keine Trinkgelder
erhielt, wutschäumend die Kasserol
len, daß inan's bis inS Zimmer Hörle.
Seit vier Wochen wartete das ganze
Haus auf seine ernsten Absichten. Und
er schwieg und schwieg . . . Die größ
ten Anstrengungen schienen nutzlos.
Man hatte im Familienrat festgestellt,
daß jeder anständige Mensch (der nur
etwas auf sich hält,) nach dem drei
ßigsten Nachtmahl bereits anhalten
muffe.
Die Mittel waren aufgebraucht. Es
schien, als würde der Familienfriede
in Brüche gehen.
Im Anfang hatte man sich gegen
seitig beruhigt. Jetzt aber schoben sich
alle gegenseitig die Schuld zu.
Da bemerkte die Tochter erst schüch
tern, dann in aufsteigender Ueberzeu
gung immer kraftvoller, daß Herr
Siegfried sich beklagt habe,' mit ihr
nie allein zu sein. Sechs erschreckte
Augen starrten sie an. Aber der Mut
der Verzweiflung gab ihr ein: „Nun
ja, ein moderner Mann schleppt nicht
gern hinter sich die Familie mit, man
will schließlich Museen besuchen oder
einen Ausflug machen . . . ." Hier
stockte sie schon, denn die Mutter war
in sittlicher Entrüstung aufgesprun
gen. Da aber stellte sich der Bruder
an die Seite seiner Schwester, und ein
wenig unzusammenhängend meinte er,
wenn er sich für ein Mädchen interes
sieren würde, sähe er auch nicht gern
die Augen der Eltern auf sich gerichtet.
Daß man manchmal vielleicht den
Wunsch fühlt, des anderen Hand zärt
lich zu drücken, müßte doch jeder ein
sehen, der je einen Blid in eine Man
nesscele geworfen. Der gewisse Ab
grund zwischen Eltern und Kindern
tat sich auf und der Familienfriede
wäre zum ewigen Schaden hineingc
plumpst, wenn nicht der Bruder sanft
gesagt hätte: „Lassen wie Laura kom
men. Laura soll schon lange nach
Wien. Laura kaun unsere Else im
mer begleiten ... in die Museen . . .
auf Spaziergängen ... oder ins Thea
ter. Bor ihr wird sich Herr Sieg
fried nicht genieren, und schließlich ist
diese Landpomeranze mit ihrem
schlechten Teint eine gute Folie für
unsere Else." Man ging an diesem
Abend bedrückt zu Bette. Am näch
sten Tage rief eine dringende Depesche
die Cousine Laura aus Neutitschcin
nach Wien.
*******
Und Laura kam. So wie sich alle
das Mädchen aus der Fremde vorge
stellt hatten: mit baumwollenen Hand-
aine>,schlecht. > fitzenden
Kleide (Hausschnciderin Neutitschcin),
einem Hut mit Spinat geputzt, in
Schuhen von amerikanisch-mährischer
Facon.
„Jetzt wird eS gehen." sagte der
Vater befriedigt. Laura war recht
drollig, wenn sie am Tische mit ihren
Naturlautcn alle erheiterte. Nur eins
störte: Sie aß ebensoviel wie der
Bräutigam. Hier konnte inan nichts
von der bereits sprichwörtlich geworde
nen Provinzbescheidenhcit bemerken.
Sie war überhaupt unverbraucht. Und
wenn die Mutter neben den knallroten
Wangen aus Neutitschcin die blaffen
ihrer Else sah, sagte sie sich immer
wieder: „Jetzt wird cs gehen!"
Und jetzt begann das Programm:
Erst kleine Spaziergänge in den Pra
ter, dann billige Ausflüge (Lokal
strecke) in die Umgebung der Stadt.
Ein Besuch de; Hofmusecn, bei dem
man auS Sparsamkeit trotz verhäng
ten Himmels die Schirme zu Hause
ließ. Dann einmal ein lustiger Abend
auf den Karussellen im Wurstelprater.
Den lang vorher projektierten Thea
terabend verwandelte man in den Be
such eines kleinen Kinos. Bei all die
sen Anlässen war blos ärgerlich, daß
die Familie für die Auslagen des Ele
fanten aufzukommen hatte, und Else
berichtete mit Mißvergnügen, daß
Herr Siegfried bei dem bemeinsamcn
Besuch einer Konditorei auch für
Laura zwei Indianerkrapfen bestellt
hatte, was doch schließlich nicht nötig
war. Die Stimmungsberichte waren
aber sonst glänzend.
Die Abende wurden direkt schön
und gemütlich, und beim Schlafen
gehen beschloß man, das Geld für
Elses Ausstattung flüssig zu machen.
Laura sandte verzückte Briefe nach
Neutitschcin über das schöne Leben,
das sie hier genoß, und in der kleinen
Landgemeinde wanderte der Brief von
Hand zu Hand, man steckte die Köpfe
zusammen und besprach, was für eine
große Dame Laura geworden sei.
.
Else hatte eines TageS ihre Cousine
in das Geheimnis eingeweiht und sie
gefragt, ob ihr die Rolle des Elefanten
nicht unangenehm wäre. Aber Laura
hatte mit ihrem gesunden Provinzla
chen solche Bedenken verscheucht: „Ich
bin sehr zufrieden, einmal eine Rolle
zu spielen." Else hatte sich auf die
Lippen gebissen: „Wie findest du ihn?"
„Ich finde ihn' ganz hübsch, aber
schon etwas dick. Er ißt zuviel,"
meinte die Landgemeinde.
Else riß die Augen auf.
Sie sah Laura an: Jetzt kommt
Beim Heirat l, o v crm itt
l e r. „Tie Tarne, die ich Ihnen
empfehle, kann auch klimpern, Herr
Baron!" „Nee da verzichte ich,
bald der Tag, wo du nach Hause
mußt . . . Wirst du dich denn jetzt
wieder in diese kleinen Verhätnisse fin
den?"
Laura sah sie ganz erschreckt an:
„Jetzt muß ich schon nach Hause? Ja
warum denn?"
Die Andere lächelte wieder. Ach
Gott, deine Aufgabe ist ja zu Ende.
Oder glaubst du vielleicht, wir haben
dich zu deinem Vergnügen kommen
lassen? Das viele Geld, das wir für
dich verausgabt haben hat doch
einen Zweck gehabt!"
Laura war starr: „Ja, wozu habt
Ihr mich . . . ?"
„Wir haben dich kommen lassen . ..
ganz einfach, weil ich eine Garde ge
braucht habe. Weil man hier in Wien
mit einem Manne ohne Begleitung
nicht gehen kann!"
Laura wußte nicht, ob sie lachen
oder weinen sollte: „Dazu, dazu? . . .
Also dazu!"
Und sie hatte geglaubt, ihre Ver
wandten hätten sie kommen lassen, m
ihr eine Freude zu machen. Und wirk
lich erhob sich nun vor ihr die kleine
Landgemeinde, in die sie zurück mußte.
Sie empfand schon jetzt den Schmerz,
von der Großstadt wieder in die Stille
zurückzukehren. Else sah, was in der
anderen vorging, und war befriedigt.
Was hatte der Elefant sich eigentlich
vorgestellt? Laura hatte Tränen in
den Augen. Sie nagte an den Lippen
und preßte die Hände gegeneinander.
Beim nächsten gemeinsamen 'Abend
essen wurde behutsam das Thema der
„Ehe" angeschlagen. Erst sprach man
über „Ehe" im allgemeinen. Dann
ging man mit vorsichtigen Schat
tierungen aufs Junggesellentum los.
Dieses Junggesellentum, das so voll
Gefahren und schließlich sehr teuer
war. Und bei den empfindsamen
Stellen über das friedliche Glück der
Ehe vereinigten sich Vater und Mutter
im Kuß, um so das erhebende und ani
mierende Familicnbild zu stellen. Da
rauf war Herr Siegfried schweigsam
geworden. Er hatte nervös mit Brot
krumen gespielt und Zahnstocher zer
brochen. Manchmal irrte sein Blick
umher, ohne auf jemandem ruhen zu
bleiben. Und zerstreut erhob er sich
an diesem Abend vom Tisch, als würde
er einen ungeheuren Entschluß fassen.
Dann blieb er drei Tage fern. DaS
war ein gutes Zeichen.
Der letzte Schlag mußte geführt
werden. Und die Eltern erließen nun
mehr Einladungen zu einer intimen
Familienjausc, bei der endgültig die
glückliche Verlobung herbeigeführt wer
den mußte.
Der Tag kam. Verwandle und
Freundinnen, vor Neid platzend, er
fchieuen: Süßigkeit auf den Lippen,
Gift im Herzen. Dann kam der On
kel mit der Uhrkette, die er bei feier
lichen Anlässen anzulegen pflegte. Die
Tante auch in großer Toilette., mit
einer Kummerfalte wegen des drohen
den Hochzeitsgeschnkes. Man saß
schon am Tisch, da erst erschien Herr
Siegfried. Alles kam ln Bewegung.
Jetzt konnte der Gugelhupf herumge
reicht werden. Und eine duftende
Chokolade dampfte in den Schalen.
Das war ein Kichern und Summen
im Kreis. Bis sich mit einem Mal
der Herr des Hauses erhob. Alle
Blicke richteten sich auf ihn. Er
seufzte. Sein Mut schwand ein we
nig. Da erhob sich in seinem Innern
die Zahlenreihe der verausgabten
Spesen (751 Kronen). Und mit
einem Ruck war er Witten drin.
„Was glaubt Ihr. verehrte Antor
sende. hat uns um diese friedliche Cho
kolade versammelt? Ich sehe auf al
len Gesichtern nur Neugierde. Und
ich glaube, keiner ahnt, daß sich zwei
Schicksale oft entscheiden, wenn alles
ringsum an nichts denkt. So will ich
mir, obzwar ich kein Redner bin, er
lauben. etwas weiter auszuholen. Herr
Siegfried, der Freund unseres Hauses,
ist ein Mann von Energie in seinen:
Geschäft, aber im Privaten Leben
und das hat man auch schon bei Na
poleon gesehen ist er schüchtern und
kann namentlich das, was ihn drückt,
schwer sagen. Und mit einem Wort:
Jetzt ist der Augenblick gekommen,
sprechen Sie!"
Herr Siegfried hatte sich erhoben
Er war ein wenig blaß, aber seine
Augen strahlten. Und in das Schwei
gen hinein sagte er: „Ich bin Ihnen
dankbar für alles . . ."
Else wurde bereits rot.
„Ich habe mich heute .-. ."
Die Mutter zückte den Segen.
~.. mit Fräulein Lama aus Neu
titschein verlobt!"
Ein Tumult erhob sich. Elses beste
Freundinnen drängten sich an Lama
heran, um sic herzlichst zu beglück
wünschen. Else fiel der Mutter
schluchzend in die Arme: „Also . . .
der Elephant war ich!"
Der Vater war der erste, der die
Fassung wieder fand. Und Herrn
Siegfried ins Gesicht schrie er: „Die
Retourfahrt nach Neutitschcin aber
können Sie bezahlen!"
Daß mancher wie ein Buch spricht,
würde nichts schaden wenns nur
ein gutes Buch wäre!
Mancher Kranke glaubt, daß er
an feiner Krankheit leidet und statt
dessen leidet er nur an seinem Arzt.
London erwartet den Zusam
menbruch der Huerta Regierung in
dieser Woche . . - oder in der näch
sten ... in vier, sechs, acht oder zehn
Tagen. Also: Manana!
rme Frau die Klavier —"
„Wie beißt wer spricht von Kla
vierspielen; sie klimpert mit dem
Gelde!"
5

NEW ORLEANS.
FEATURED BY MAUDE TIFFANY
IN “HELLO RAGTIME” Words A Music 1-y
At The London Opera House,London.England. NEWTON ALEXANDER.
Allegro moderate. Moderate. ,
1 don't ka vt
wtwd to do,— I feel so dog. gone blue, IVI like to take a boat, like tn
year a- go,— I did-n’t ev -en know, What mon-ry real -ly weansTiUlN^t
/! •* J
th- iV- - '
New Or - leans, And found that friends are Jfcw_ and peo-plc might.y lf you
i '* " ,u iu *
know iVe got: a good old South-ern home; lhatswherel want to b>,_ A rid you! I a
ain’t got plen •ly of that old long green, I'm tired of roam in now, And 1 just
.j Ij '
* T gree with me,_ A-boutthat feel - ing grand When you put out your hand, And find a
feel come-how, If I could lay my head, On my old South-ern -
j *Vr^-T^p— 5
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.j/- -| | |! T 9
alj >a^^~givTiY r cll ) thatktho way folks treat you down wherel live.
CHORUS.
„ Allegro moderate. . g~~> m , k ...k-.
New Or - leans, Jfew Or - leans, In Lou’- si - an a midst the Bay - ou stream*}
W ■ pip■! d'lr
Lit-tle pic-can - nin-ies play.inl Vound your door, . Steamboat whistles
riv*tr shore; - New Or - leans, Kcw There’s
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al-ways aW! * for you there It WW®i Cause hos -pi - tal-j-ty, is a re -
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