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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, February 09, 1915, Image 6

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6
KritgMchrichitll.
(Fortsetzung von der 1. Seite.)
Angriff auf einen deutschen Schützen
graben unternommen, welcher von
einer unserer Minen in die Luft ge
sprengt worden nmr. Die Vertheidi
ger dieser Position wurden entweder
getödtet oder zu Gefangenen ge
macht.
An der Aisne-Front und in der
Champagne spielten sich gestern Ar
tillerie-Kämpfe mit Unterbrechungen
ab. Die Treffsicherheit unseres Ar
tilleriefeuers machte sich an verschie
denen Stellen mit Erfolg bemerkbar.
Westlich vom Hügel Nr. 191, nörd
lich von Massiges, setzten unsere Bat
terien einen Vorstoß-Versuch des
Feindes ein schnelles Ziel.
In der Argonnen-Gegend wurde
ein deutscher Angriff in der Richtung
ans Fontaine Madame zurückgeschla
gen. Bei Bagatelle haben die Deut
schen einen energischen Infanterie-
Angriff unternommen. Ter Kampf
ist noch in vollem Gange. Nach den
letztem Berichten behaupten wir alle
unsere Positionen.
Von den übrigen Theilen der
Front ist nichts Neues zu berichten."
Britische Heimlich k e i t s -
Mcthod e n.
London, 8. Febr. Hr. Win
ston Spencer Churchill, der erste Lord
der britischen Admiralität, weigerte
sich heute im Unterhanse, das Resul
tat der Untersuchungen bekannt zu ge
ben, welche die Admiralität bezüglich
des in letzter Woche im Hanse er
wähnten Gerüchtes eingeleitet hatte,
daß deutsche Unterseeboote, welche in
britischen Gewässern opcrirtcn, von
einem Fahrzeug, das direkt ans ei
nem britischen Hafen kam, Petroleum
geliefert erhalten hätten.
Hr. Churchill sagte, es sei nicht im
öffentlichen Interesse, den Bericht zu
veröffentlichen. Er betonte, das; der
Export von Petroleum ans England
verboten sei.
Hr. Churchill weigerte sich eben
falls, den Untergang des britischen
Schlachtschiffes „Formidable" näher
zn diskntiren. Er beschränkte sich auf
die Bemerkung, die Admiralität habe
die Umstände des Unterganges dieses
Schiffes untersucht und habe nicht die
Absicht, weitere Nachforschungen an
zustellen oder ein Kriegsgericht abzu
halten. (Ter „Formidable" sank
Anfangs Januar im englischen Ka
nal, von einem deutschen Untersee
boot tvrpedirt; t>0() Menschenleben
gingen dabei verloren.)
Weitere Besprechungen bezüglich
des Krieges brachten an den Tag,
daß !!0 ans den !i(> internirten deut
schen Dampfern in den britischen Kii
sten-Vcrkehr eingestellt worden seien,
ßE tzs tzs tzs ' tzs Hs Hs Hs 1 'v' -e, .
T 8 T.Z.F Llkhsrü chsrdmg Dsms.
(6. Fortsetzung.)
Neues Entsetzen kam über Frau
Truesdall. „Was gibt cs denn jetzt?"
jammerte sie.
Ehe er antwortete, warf Hunk
Smith einen schnellen Blick auf die
näherkommende Staubwolke, Was er
sah, schien ihn zu beruhigen. „Di:
Bremse!" brummte er. „Das ver
flixte Ding hat sich eingeklemmt. '
Der Note Reiter band eben die Zü
gel seines Pferdes los.
„Kann ich helfen?" fragte er höflich.
Aber noch ehe er den Wagen erreicht
hatte, blieb er stehen und hob den Arm,
gebieterisch Stille fordernd. Regungs
los stand er da, zum Erdboden herab
gebeugt. und starrte lauschend den
Saumpfad entlang. Dann sprang er
auf.
„Du alter Fuchs," schrie er, „du
willst Zeit gewinnen. He?"
Lachend ergriff er die Zügel und
warf sich auf sein Pferd. Die Beine
faßten Schluß, und mit schrillem
Cowboyruf jagte er, an dem Postwa
gen vorbei, davon in der Richtung nach
Kiowa-Citv. der Kutsche und dem
Kutscher ein Hohngrlächter zurücksen
dend. Er hörte noch, wie Hunk Smith
sein Lachen mit einem Schrei um
„Hilfe!" beantwortete und wie Huf
schlüge erschallten und immer näher
kamen. Einen Augenblick lang zog er
die Zügel straff. Dann stieß er la
chend dem Pferde die Sporen in die
Seiten.
Auch Frau Truesdall hörte das Ge
klapper vieler Hufe und Hunk Smiths
Schreien um Hilfe, und befürchtete ei
nen neuen Ucberfall.
„Oh, was gibt cs denn nun?" be
gehrte sie.
„Soldaten vom Fort!" rief Hunk
aufgeregt und ließ wiederum seine
Stimme in einem langgedeyntcn un
melodischen Hilferuf erschallen.
„Das ist mal was Gutes, nicht?"
fragte der Reisende. „Die Soldaten,
meine ich." Es war dies seine erste
zusammenhängende AMeruvg seit
mit dem Resultate, daß dadurch die
Fracht Raten reduzirt worden seien.
Typische Hetzmeld >lng.
Paris, 8. Februar. Das
„Journal" läßt sich von seinem (Kor
respondenten in Nisch melden, daß
sich österreichische Truppen eine
Grenzverletzung in der Nähe von
Turn Severin an der rumänischen
Grenze zn Schulden kommen ließen.
Tie Oesterreicher sollen darnach
auf Grenzwächter, die sich der Ueber
schreitnng der Grenze durch die oster
reichischen Truppen zu widersetzen
suchten, Feuer eröffnet haben, wo
raus sich wüthende Kämpfe entwickel
ten.
Bedeutende Verstärkungen, heißt
es weiter, kamen den Rumänen zn
Hülfe, und nach dreistündigem Kam
pfe wurden die Oesterreichcr mit ei
ner Menge von Verwundeten über
die Grenze zurückgetrieben.
Falls die Ocsterreicher Turn Se
vcrin eingenommen hätten, meint der
Eorrespondent, dann hätten sie damit
auch Klavodo, die einzige Donanstadt
in Serbien, welche die Verbindung
mit Rumänien ermöglicht, völlig in
ihren Händen gehabt.
Das „Journal" erklärt im An
schlüsse hieran, daß dieser Zwischen
fall, der sich schon vor einigcn Tagen
ereignete, von keiner Seite untersucht
worden sei.
Frieden s g e b et e in
Belgien.
Amsterdam, 8. Februar.
Die Kirchen in Antwerpen, Brüssel
und Mecheln waren mit Andächtigen
gefüllt bei dem gestrigen Gottesdienst,
als das Friedensgebet des Papstes
zur Verlesung gelangte. Kardinal
Mercier leitete die Andacht in Me
cheln. Die deutschen Militärbehör
den ließen den Gottesdienst ungestört;
in den meisteir Kirchen betheiligten
sich deutsche Soldaten katholischen
Glaubens andächtig an den Gebeten.
Ladung der „Wilhelmi
na" mag verkauft
werde n.
London, 8. Februar. Die
Anzeichen sind günstiger, daß die
amerikanische Hülfs-Eominission in
Belgien in ihren Bemühungen, den
amerikanischen Dampfer „Wilhcliiii
na" und seine ans Nahrungsmitteln
bestehende Ladung zu kaufen, Erfolg
haben wird.
Die Eigenthümer der „Wilhel
mina" sind angeblich bereit, Schiff
und Cargo zu verlaufen, doch ist bis
cher noch keine Einigung, über den
Preis erzielt worden.
Tie amerikanische Hülss-Commis
sion braucht das Getreide sehr noth
wendig.
Es wird in London allgemein ge
glaubt, daß die amerikanischen Ei
genthümer des Schiffes sich zum Ver
kauf verstehen werden, da in den Ver.
dem Erscheinen und dem Verschwinden
des Noten Reiters.
„Oh, ich hosse, die Soldaten werden
ihm nichts —" begann Mist Post be
sorgt.
Da donnerten die Reiter herbei, und
in die Aufschläge mischte sich das
Klappern von Steigbügeln und Pa
tronentaschen. Stimmengewirr. Und
die Kutsche wurde umringt von staub
bedeckten Kavalleristen und schnauben
den Pferden. Leutnant Crosbh Pi
gelte sein Pferd neben dem Fenster des
Postwagens.
„Sind Sie hier, Oberst Patten?"
keuchte er. Er sah in die Kutsche hin
ein. Aber niemand antwortete ihm.
Ist der Zahlmeister im Wagen?"
fragte er.
Gleichzeitig schrie Leutnant Curtis
Hunk Smith an: „Wo ist der Zahl
meister, Kutscher?"
„Zahlmeister? Nein! Nix!" brüllte
Hunk. "'n Geschäftsreisender und
drei Damen. Wir sind übersahen
worden. Der Rote Reiter —" Er
stand auf und deutete mit der Peitsche
über das Dach des Wagens. „Den
Weg is er geritten. Könnt' ihn leicht
noch erwischen."
Sergeant Ctzmcey und ein halbes
Dutzend Reiter griffen in die Zügel.
Crosby aber kommandierte vom Fen
ster aus:
..Halt!"
„Wie heisten Sie?" fragte er den
Geschäftsreisenden.
„Myers." stotterte derßeisende. „Ich
bin von der Hancok Uniform "
Curtis hatte sein Pferd neben den
Gaul seines Kameraden gespornt.
„Ist Oberst Patten in Kiowa?" un
terbrach er.
„Darüber kann ich Ihnen leine
Auskunft geben." sagte Mr. Mvers
wichtigtuerisch. „Aber diese drei
Damen und ich sind soeben vom Noten
Reiter überfallen worden. Wenn Sie
sich beeilen, so —. —"
Die beiden Offiziere wendeten ihre
Pferde seitwärts na berieten, sich ans
i den Sätteln b-ugend, in eifrigem Ge
stuft Die unße
Der Deutsche Corresvandent, Bnltimure, Md., Dienstag, den 0. Februar 1915.
Jn's stille Grab.
Pater Pankratius Schmidt, der
Hülfs Rektor der Herz Jesn-
Kirche in Highlandtown, unter
zahlreicher Betheiligung von
Geistlichen, Vereinen, und Ge
meindegliedern gestern Vormittag
ans den: „Erlöser-Friedhof" bei
gesetzt. Andere Beerdigungen.
Unter zahlreicher Betheiligung
aller Kirchen-Vereine und der Pfarr
gemcinde der Herz Jcsn-Kirche in
Highlandtown wnrdtz gestern Vormit
tag Pater Pankratius Schmidt, der
Hülss-Rektor der Herz Jesu-Kirche,
auf den: „Hl. Erlöser-Friedhofe" an
der Bclair-Road zur ewigen Ruhe
gebettet. Der Beerdigung ging vor
gestern Abend die Ueberfnhrung der
Leiche aus den: Pfarrhausc in die hl.
Kreuz-Kirche voraus. Dort wurde
der Verstorbene aufgebahrt, und da
es eier seiner letzten Wünsche war,
bon einer großen Trauerfeier und
Tranerpredigt Abstand zu nehmen,
würdigte Pater Edward M. Weigel
in kurzen, schlichten Worten die Ver
dienste des Verblichenen um den Or
den, die Gemeinde und deren Mit
glieder. Namentlich die liebevolle
Fürsorge für die Kranken hatte Pater
Schmit bei Allen, die ihn kannten,
beliebt geinacht. An den Feierlichkei
ten bctheiligten sich Delegationen der
„St. Franciscus-Ritter," des „Herz
Jesu Vereins," der „Katholischen
Wohlthätigkeits-Liga," der „Colum
brs - Rntter," des „St. Gcrard-
Lyceum" und der „Gesellschaft der hl.
Familie," sowie starke Vertretungen
der St. Michaels-, St. Alphonsus-,
St. Wenzeslans- und St. Johannes-
Gemeinde.
Gestern Vormittag fand in der
Herz Jcsn-Kirche eine hl. Requiem-
Messe statt, die von Pater Henry Ot
terbein celebrirt wurde. Als Diakon
fnngirte Pater A. Engelhardt, als
Subdiakon Pater I. Hausier; ferner
amtirtcn die Patres E. Dyer, I.
Murray und E. Dcnser.
Nach der kirchlichen Feier begab sich
der große Traucrzug nach dem „Hl.
Erlöser-Friedhof" au der Belair-
Road. Dabei erwiesen dem Verstor
benen nachstehende Herren als Bahr
tucht-rüger die letzte Ehre: , M. I.
Pulsfort,. H. A. Müller, John Pan
lus, John Anton Alex. Albrecht, Jos.
Geißler, Louis Kraus und John Na
gcngast.
, .Puter stew anwesenden Geistlichen
befanden sich gestern die Patres T.
Gatow, I. Meier, I. Thies, I.
Daily, I. Wennert, P. Roßbach, I.
Wissel, F., Heimes, F. Fischer, M.
Will, I. .Heierschmidt, W. Males,
.K)l.
Staaten ernste Sympathie für die
uothleidendci: Belgier vorherrscht.
dnldig mir ihren Zügeln und starrten j
die Offiziere erstaunt an. Leutnants
Crosbh lächelte vor aller Augen.
„Es ist ihm gelungen!" flüsterte er.!
„Patten hat die Postkutsche nicht mehr,
erreicht, Gott sei Dank, und er hat!
mit nichts Gefährlicherem zu tun gest
habt als mit diesen Frauen."
„Wir müssen wenigstens so tun. als
ob wir ihn verfolgten!" zischelte Cur
tis.
„Nein! Natürlich nicht! Unser Be
fehl lautete dahin, uns bei Oberst Pat
ten zu melden und ihm als Eskorte zu
dienen."
„Aber er ist nicht in Kiowa," sagte
der Mann dort.
„Er telegraphierte dem Oberst von
Kiowa aus," erwiderte Crosby. „Also
mußte er dort sein." Er wandte sich
an Hunk Smith. „Wann haben Sie
Hendcrsons Poststation perlassen?"
„Um sieben Uhr," antwortete Hunk
Smith mürrisch. „Heh! Wenn' Ihr!
Jungens ihn noch crw'schcn " j
„Und Patten telegraphierte um acht
Uhr," riek Crosbh. „So erklärt cs
sich. Er ist erst in Kiowa angekom
men, als der Postwagen schon fort
war. Sergeant Clanecy!"
Der Sergeant ritt ans der Menge!
der verwunderten Soldaten heraus.
„Wann," sagte der Zahlmeister, „wür
de er Kiowa Verlassen?"
„Sofort, stand in den, Telegramm,"
antwortete Clancch. „Stoßen Si: mit
einer Eskorte zu mir, ehe ich die Hw
gellettc erreiche.".So lautete die Mel
dung, die :ch dem Leutnant abstatten
sollte."
Hunk Smith beugte sich von seinem
Kutschersitz bcrab. „Vielleicht fährt
ihn Pap' seUua' im leichten Wägelchen
'rüber," meinte er. „Pap' fährt Rei
sende oft ans die Art, wenn sie den
Postwagen v."üehlen."
„So verhält cs sich, natürlich," rr:f!
Crosrh. „Er ist jetzt im Einspänner
unterwegs."
Hunt Smith betrachtete dw Solda
ten bedauernd und schüttelte den Kopf.
„Wenn er de, bloten Aeiter begegnet,'
P. Corr, F. Dancnhaner, A. Zndeck,
I. Hüther, P. Enlcmel, B. Licking,
P. Backe, F. Bott, I. Hendrich, E.
M. Weigel, A. Wcisser, I. Bronn,
E. Deuser, F. I. Reichert, A.
Schwertz, I. Nally, Thos. A. Stapel
ton, G. McNamora, F. Alexis Groß,
A. Gomp, I. Wholen, I. T. Norton,
Austin Mopewski, E. S. Dconie, I.
A. Clorke, I. Neck und Rieh. B. Mc-
Corty.
Pater Schmidt wurde an: -1. Febr.,
Nachmittags um 1 Uhr, pan einen:
Schlagfluß befallen und schied wenige
Minuten später aus dem Leben. Va
ter Weigel, der Rektor der Gemeinde,
hatte dem Dahingeschiedenen vorher
die letzte Oelung verabreicht. Pater
Lchmidt wurde am 22. Januar 1856
in Bamberg geboren und kam in jun
gen Jahren nach Amerika. Er stu
dirte in: „Redemptoristen-Colleg" in.
Jllchester, Md., von wo er im Jahre
1887 gradnirte. Er erhielt dann
eine Stelle in Buffalo, N. ?)., von
Ivo ans er an die St, Jakobns-Kirche
in Baltimore kam. Fünf Jahre spä
ter wurde er dann nach New-Nork be
rufen und folgte nach drei Jahren
einem Ruf an die St. Peters-Kirche
in Philadelphia. Im Jahre 1901
kam er nach Baltimore zurück und
wirkte bis vor zwei Jahren an der
St. Jakobus-Kirche. Die letzten zwei
Jahre verbrachte er als Hülss-Rektor
der Herz Jesn-Kirche in Highland
town. Er war auch 11 Jahre lang
der Kaplan im „St. Joseph's Hospi
tal." Ter Verstorbene war in wei
ten Kreisen bekannt und erfreute sich
anscheinend der besten Gesundheit.
Er speiste noch am Tage vor seinem
Tode in: Pfarrhausc der Herz Jesu-
Kirche mit den anderen Priestern und
war in der fröhlichsten Stimmung.
Der Verstorbene hinterläßt eine
Schwester :n Deutschland, sowie einen
Bruder in Ncw-?)ork und verschiedene
andere Verwandte in Chicago.
Frau Christinc L. Behri n
g er.
Die Beerdigung von Frau Chri
stine L. Behringer, welche au: bergan
gcnen Samstag nach kurzer
in: Alter von 80 Jahren vom Tode
abberufen wurde, fand gestern Nach
mittg nn: 1/26 Uhr von der Wohnung
ihres Neffe, Hrn. George Keinmet,
Nr. 60 l, Longwood Avenue, aus
statt. Nach einer von Pastor Koso
wer, dem Seelsorger der deutschen rc
fvrmirten Immanuels-Kirche, geleite
ten Tranerfcier erfolgte die Bei
setzung auf dem „Baltimore Fried
hofe." Als Bahrtnchträger fungirten
die nachstehenden Neffen der Verstor
benen: Otto Kommet, Edward Kom
met, Michael Kemincl, John Schnell,
Geo. Behringer und Frank Harris.
Frau Behringer war die Wittwe
des vor 16 Jahren verstorbenen Hrn.
John George Behringer, eines Mit-
dann adieu eure Löhnung, Jungens!"
sagte er.
„Sammeln! Stillgestanden!" be
fahl Crosby. „Korporal Thnan, neh
men Sie z.wci Mann und eskortieren
Sie diese Damen." Er legte die Hand
an die Mütze und ritt, zusammen mit
Crosbh, an die Stütze des Trupps.
„Galopp! Marsch!" erscholl sein Kom
mando.
„Meinen Sie, er wird sich auch an
den Einspänner machen?" wispert:
Curtis.
Crosbh lachte fröhlich und atmet:
wie erlöst auf.
„Nein, er ist in Sicherheit," antwor
tete er. „Sehen Sie nicht, daß er von
Patten und dem Einspänner nichts
wissen kann? Wahrsclieinlich ist er
schon halbwegs zu .Hanse. Ich habe
absichtlich ko lang: bei der Postkutsche
herumgetrödelt, um ihm einen ordent
lichen Vorsprung zu geben. Jetzt
kann ihm nichts inehr passieren."
„Biel hat aber nicht gefehlt!" lachte
der andere. „Na, wir haben ihm aus
der Patsche geholfen. Dafür muß er
uns ein Diner geben."
„Wir hätten ihn in flagranti er
tappt," sagte Curtis, „wären wir süiE
Minuten früher gekommen. Mir
schaudert, wenn ich daran denke Un
sere Leute hätten ihn vom Pferde ge
schossen. Was für ein Erlebnis für
diese Frauen! Ich hoffe um dabei zu
sein, wenn sie's erzählen. Wenn Nan
snn es fertig bringt, ein unbefangenes
Gesicht zu machen, wahrend er die Ge
schickte mit anhort, dann ist er ein
Wundertier!"
Einige Minuten lang galoppierten
sie nrbrnsinaridxr, Pscrdebals an Pscr
dehals. Dann beug:: sich Curtis wie
der aus dem Sattel.
„Ich hoffe, er ist nach dem Fort zu
rückgekehrt." sagte er. „Leben Sie
nur die Leute an, lote sie aufpassen,wir
sie Ausguck hallen nach ihn:!"
„Was ist weiter dabei?" mcmieEur
tis leichthin. „Ranson ist in Uniform
reitet im Mondschein spazieren.
Darauf, daß er die rote Maste abriß,
gliedes des „Deutschen Waisenhau
ses" und der „Deutschen Greisenhei
math." Hr. Behringer war einer der
ersten und bekanntesten Tasfy Fabri
kanten in Baltimore. An: 5. Juli
18::i wurde Frau Behringer zn
Ärnswalde bei Berlin geboren. Im
Jahre 188(! kau: sie nach Amerika.
Sie sowohl, als auch ihr Gatte waren
bis zu ihren: Tode treue Leser und
Abonnenten des „Teutschen Corre
spondentcn." Frau Behringer hin
terläßt eine Anzahl Neffen und
Nichten.
Ausstellung im Penbvdy-Justitut.
Mit einer Privatschan, an welcher
sich die Baltimorer Gesellschaft über
aus stark betheiligte, wurde gestern
Aben die sechste alljährliche Ausstel
lung amerikanischer Kunst, welche un
ter den Auspizien des „Ehareoal
Clubs" im großen AnsstellnngSsaale
des Peabodtz - Instituts stattfindet,
eröffnet. Das geladene Publikum
legte ein außerordentlich großes In
teresse für die dargebotenen Werke
an den Tag. Trotz der von der J'nrtz
geübten strengen Censur zeichnet sich
die diesjährige Ausstellung durch be
sondere Reichhaltigkeit und Mannig
faltigkeit ans. Das gesellschaftliche
Moment trat bei der gestrigen Pri
vatschan selbstverständlich stark nach
vorne und die Besucher wiesen in:
Großen und Ganzen die markante
Zusammensetzung des Theater - Pre
mieren - Publikums ans. Tie Aus
stellung wird bis zum 9. März täg
lich von 9 Uhr Vormittags bis (> Uhr
Abends und an jeden: Mittwoch und
Samstag auch von 8 bis halb 1 l Uhr
Abends gegen ein Eintrittsgeld von
25 Cents dem Publikum geöffnet
sein.
Unter den mit Gemälden vertrete
nen Künstlern befinden sich: Alden
Wier, Edward W. Redfield, John
E. Johansen, Adolph Vorie, Gifford,
Beal, Daniel Garber, Wm. Ritschel,
E. M. Boiiiig, Robert Henri, George
Bellows, Leopold Seysfert, Hngh
H. Breckinridge, Jonas Liess, Gard
ner Synions, Charles H. Woodbnry,
Fred. Wagner, W. R. E. Wood, T.
Edwin Whitcman, Charles H. Wal
ther, Alice Worthington Ball, Eve
rett Lloyd Bryant, G. Wiliner Get
tier, Charles A. Watso, Ruth A.
Anderson, Grifsith Eoale, Erke
Haupt und R. Macgitl Mackall.' Ed
ward Berge ist gleich einer Anzahl
anderer Bildhauer wieder mit eini
gen neuen Skulpturen vertreten.
Bankett der St. Johannes-Bxäisiitp
schaft.
In der Halle der St. Johannes-
Kirche, an der Ecke von Catherine
nnd Lombardstraßc, hält die Brüder
schaft der deutschen lutherischem, Ss.
Johannes-Kirche am nächsten DE
nerstag Abend ein Bankett, für wel
ches umfassende Vorbereitungen ge-
sobald er uns kommen horte, tonnen
Sie ein: Million Dollars Ivetten!"
„Wahrscheinlich wird er denken, wir
seien ihm nachgeritten, um ihm sein
Vergnügen zu verderben. Wir sagten,
daß wir's tun würden."
! „Ja. Er wollte uns erschießen,"
Rächte Crosby. „Weshalb er nur ei
nen Revolver mit sich herumschleppt?
I Das ist töricht."
Die Offiziere galoppierten weiter,
j Schwelgen herrschte auf der Prärie.
! Kein Laur war hörbar außer dem
Dröhnen der Hufschlüge, dem Geklap
per der Patronentaschen und Steigbii
! ge! und dem Knarren des Ledcrzeuges.'
,Da auf einmal ertönte, gedämpft, in
! weite'- Ferne, der scharfe '.Knall eines
Revolvers. Dann noch einmal. Dann
eine ganze Reihe von Schüssen ...
' „Mein Himmel!" stöhnle Crosby,
f schwer atmend.
i Er wart sich nach vorne, stieß die
Sporen ein uno ritt, als wollte er sei
nen eigenen Leuten, entfliehen.
Niemand gab einen Befehl, niemand
stellte eine Frage: ein jeder, ob Offizier
oder Soldat, senkte nur de Kopf und
raste in wildem Rennen vorwärts, um
! der Erste zu sein.
Zwei um sich schlagende Pferde und
ein umgeworfener Wagen versperrten
den Saumpfad. Auf dem Weg lag der
regungslose Körper eines Mannes,aus
leblosen Augerchden Mond anstarrend,
i und ein anderer Mann, eine Gestalt
§ mit weißen Haaren, erhob sich mühsam
von einem Fellen.
„Wer dort?" rief die Gestalt.
„Truppen der Bereinigten Staaten.
Sind Sic das, Oberst Patten?"
^a.
Oberst Pattens rechter Arm hing
hilflos herab. Die linke Hand preßte
ler aul seine Sckulter. Zwischen den
-Fingern durch sickerten, schwarz aus
sehend im Mc-ndlicht, schwere Bluts
tropfen.
„Wir lind überfallen worden," sag
!:c er. „Er schoß auf den Kutscher und
! die Pferde. Ich feuerte, aber er zer
' schoß mir mit einer Kugel.
ür SSuxUnT uni Kinder.
Di Bc>rlo, <l?e> linnier ß-vl>Ault KalK, kuck äis Vn
von Olins. 14. lk'lvtolier xotrax, uiick int
inclie rcG 10 nutor seiner persönlichen Rücksicht
rtNi-ekertik-d worden. Oteslnttev Dkieinnirdein Duck
K.iritker tnusekvn. riaekukinunx-eu null
Dken-so-Nut" sind nur Dxperiinenle und x-etNkrdeu
die Oosuudkvit der ILludvr,—DrlÄkruuzx Dxperi-
Nleut. <
ä!o VnlsrBokritt
In Qebl'Äucli Zeit IVlelii' -X>B 3O lalii'sn.
troffen worden sind. Nach einem Ge
bet wird Pastor Ernst G. Kanzler die
Festlichkeit eröffnen. Tie Hanptred
nec sind Pastor E. W. Aufderhaar
von der St. Johannes-Kirche an der
West-Biddlestraße nd Oregon Mil
ton Tennis. Das Eoinite bilden: M.
Weißenborn, Vorsitzer; W. Mangold,
O. Schlag, F. B. Wippert, Präsident,
P. Lotz und Pastor Ernst G. Kanzler.
Herr F. B. Wippert wird als Toast
meister fangireil.
Brand in der Frühe.
Bier Personen maßten sich, auf das
Nothdürstigste bekleidet, auf die
Straße flächten, als gestern zu frü
her Morgenstunde in dem Hause Nr.
1547, Namsay - Straße, ein Brand
ausbrach. Tarch Rufen und Klopfen
gelang es Polizist John Herchenhahn
noch bei Zeiten die Bewohner zu er
wecken und von der drohenden Ge
fahr zu benachrichtigen. Im ersten
Stockwerke des Hauses befinden sich
die Gemischtwaarenhaiidlimg und die
Wohnränmlichkeiten von Herrn und
Frau John A. Winkel. Herr Frederick
Spillner und seine Frau bewohnen
das zweite Stockwcr. Irwin Scott
von Nr. 229, Sud - Monroe - Skr.,
hatte den ans dem Gebäude dringen
den Ranch bemerkt und die Feuer
wehr alarmirt. Tiefer gelang, es
bald, die Flammen unter Eontrole zu
bringen. Ter von ihnen angerichtete
Schaden ist in der Hauptsache aut
, Laden Wiilkel's beschränkt.
Durch Wiederwahl geehrt.
In der letzten Versammlung der
Direktoren der Teutschen GreisenheE
inattz wurde sämmtliche bisherigen
Beamten wiedergewählt. Es sind
dies die Herren Henry I. Hilten,
Präsident; Frederick Müsse, Schatz-
Schoß mir den Revolver aus dcrHand.
Als er den Geldkoffer packte, schlug ich
mit dem linken Arni auf ihn ein, aber
er warf mich nieder. Dorthin ist er
geritten ----- Kwwa zu."
Sergeant Clanecy, der bei dem
Mann aus der Straße niedergetniet
war, hob die Hand zum Salut.
„Pap' Henoerson, Leutnant," sagte
er. „Durchs Herz geschossen. Er ist
tot."
„Er Hai das Geld geraubt, zehntau
send Dollars," schrie Oberst Patten.
„Er trug ein: rote Maske und einen
Gummiponcho. Und ich sah, dass an
seinen Bügclriemcn keine Steigbügel
waren."
Crosbh duckie sich nieder, als hätte
man ein Messer nach ihm geworfen,
und hob dann steif und schwerfällig die
Hand cnipor.
„Leutnant Curtis," befahl er. „Sie
bleiben hier bei Oberst Patten." Seine
Stimme war wie erstarrt. Sie klang
dumpf und tonlos.
„In Schützenlinie!" kommandierte
er weiter. G Schwadron rechts vom
Wege; H-Schwadron links. Jeder
mann wird angehalten jederamnn.
Versucht jemand zu fliehen, so wird
zweimal „Halt" gerufen, dann ge
feuert gefeuert, um zu töten.
Vorwärts! Galopp! Marsch! Nach
dem Militärpostcn."
„Nein!" schrie Oberst Patten. „Ge
gen Kiowa zu ist er geritten!"
Crosby antwortete mit der gleichen
tonlosen Stimme. „Er schlug später
einen Haken, Oberst. Er ist nach dem
M-litärposien geritten."
Oberst Patten rist sich ans Curtis
Armen und ging erregt auf den Offi
zier zu.
„Sie kennen ihn?" fragte er.
„Ja!" rief Crosbh. „Gott sei ihm
gnädig! Auseinander, Leute;
Schützenlinie! ittid reitet wie toll!"
In später Nachtstunde, turz ehe der
Offiziersklub geschlossen wurde, trat
Leutnant Ransvn ein setzte sich ans
Piano und klrwpcrte Die Königin der
Philippinen mit einem Finger. Major-
meister; John T. Meyer, SeMb'.
William E. Schilling,
rin, und Fräulein Anna Zange, V
walteriii.
Hr. John T. Ford indossirt.
Die Bürger der 16. Ward
gestern Abend in Schanzc's Hv
eine gut besuchte Versammlung,
welcher Hr. John T. Ford eüistimM
als Candtdat für den ersten
des Stadtraths indossirt wurde.
Staatssenator Clarence W. Perln'
führte den Vorsitz und Hr. AottNü '
Wilson fnngirte als Protokollfühl -
Nachdem die HH. Jas. T. Vcrv '
Paul Johaiinscn, M. N. Packaro, ' ,
L. Freenet), H. C. Kilmer, Gco. ,
Jversen, jnn., und Dr. W. A.
Ansprachen gehalten hatten, mur
eine Reihe Beschlüsse rmgenoiw '
in welchen zunächst der gute Ruf
Hru. John T. Ford als RatlM
glied und als Bürger hervorgehe
und seine Wiedernomination
Opposition empfohlen ward. Zulm'
wurde darauf hingewiesen, daß er"
Rathsmitglied wesentlich dem T>
für das Mayorsamt nützlich wer
könne.
Für den Schweizer Hülfofond-
Daß der vom Verein
Beitrug für den Schweizer H"
Fond, welcher bereits nahezu '
, beträgt, um weitere ij>so augewcn Ü ,
! ist, wurde in-der gestrigen, -
ten Monatsvcrsmmlnng des
zcr-Vereins" in Nnbcr's Halle "" >.
Süd Eutawstraße bekannt üelE'.P :
Des Weiteren kamen Routincgesctza
zur Erledigung. Präsident
Streit führte, wie üblich, den z
Sekretär Gottfried Niederhanstr
Protokoll.
Stickneh und andere Offiziere,
Bridge spielten, ärgerten, sich. ,-P, ,
verlangte Ranson, alle sollten mir w
Champagner trinken, auf seine kw,
sundbeit, weil er Geburtstag Habs,"
weil er sich freue, noch am Leben z
sein, und .weil er wünsche. vuco i
möchten über diese angenehme Tatmw
Freude empfinden.
„Sie können sich aber auch
gend etwas anderes freuen!"
großherzig hinzu.
Diese Frontattacke auf die Wd'h
svicler ruinierte die Partie. Von I
nem Thron aus' dein Pianostuhl n
hielt Ranson eine Rede, einen perieng
stickten Tabakbeutel aus Rehleder c
Pvrhaltend.
„Den habe ich mir heute Nacht
im Jndianerdorf geholt," s"g
„Die alte Squaw, Rotschwingc, !
sie für zwei Dollars. Crosby Zn l
in Neumcrikc fünf Dollars für ~
seinigen, und der ist nicht halb so s p
Und denken Sic nur: Ich verirrte
auf dem Rückweg und ritt ewig m
zwischen den Hügeln, che ich den I'' „
wiederfand. Aber ich fand ihn-,
das nicht eine Leistung? Und ick
erst 6 Monat: hier. Man sollte
zum Chef der Späher ernennen-
Die Offiziere lachten
wie man eben über eine Humor:
seinsollcnde Bemerkung lacht, wem
von einem Mann gemacht wrrd.
Champagner traktiert. j
Oh. da sind Sie gewesen?" s"
der Adjutant. „Der Oberst hat sR .z.
eey nach Ihne und Crosbh
Clanecy meldete, er könne S:e
linden. So sandten wir Curtw
Ihrer Stelle. Mit einer Eskorte
Oberst Patten und das Löhnung"
Er kommt heute abend im Poün>
om , per
Ranson verwandte, währen?. ~,,
Adjutant sprach, kein Auge vunl-f
Glas. Ehe er antwortete,
umständlich einige Eisstückchen '
dem Kelch und leert: ihn dann >'
sain.
. (FZltsetzunß folLt.)

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