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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, March 28, 1915, Oster-Ausgabe, Image 16

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2
I MrWilg. ?
Eine Merrnählmig aus alten Ä
Tagen.
verend -ü-ao- a a
und sonnig war das
Frühjahr des Jahres 152 ö
auch über den rauhen, teil
weise recht unwirtlichen Hö
hen des sächsischen Erzgebirges ange
brochen, und überall begann sich's
auf den weiten Wiesenflächen, den
frisch gepflügten Aeckern und selbst
schon in den dunkelnachtenden Fich
tenwäldern von jungem, fröhlichem
Leben zu regen. Neugierig lug
ten überall zarte, grüne Halm
auS dem dampfenden Erdboden,
gleich als wollten sie Umschau hal
ten, ob's Zeit sei, das schwarze Ge
fängnis mit der goldenen Freiheit zu
vertauschen. Aehnlich erging's auch
den Scharen froher Menschenkinder,
die Weg und Steg bevöllerten, und
nach des rauhen Winters langer Haft
in Gottes freier Natur sich zu ergehen.
Ostern, das Fest der Auferstehung,
war eben angebrochen, und nie wan
dert sich's so frohgemut durch Wald
und Feld als am Ostermorgen, wenn
die Lerche hoch in den blauen Lüften
dem gütigen Schöpfer ihr Aufer
stehungSlied jubiliert. Da wacht auch
das Menschenherz auS seinem Grame
auf und lernt verstehen, daß auch ihm
ein Ostern lacht, ein Ostern mit seiner
Lebensfreude, seinem jungen Hoffen
und Lieben !,. ...
„Wohin sich deine Blicke wenden,
Blüht Ostern aus Karfreitagsleid:
Das Auferstehen will nicht enden,
Und noch ist's österliche Zeit . . ."
Etwas abseits vom Strome der fest
täglich gekleideten Menge schritten zwei
Männer, scheinbar in ernste Gespräche
vertieft, unbekümmert um die scheuen
Blicke und die ehrfurchtsvollen Grüße,
die ihnen zuweilen galten. Der eine
war bereits in höherem Alter, mager,
blassen Antlitzes, und nach seiner Klei
dung geistlichen Standes. Er schien
seinem etwa zehn Jahre jüngeren Ge
fährten, dem ein blonder Vollbart und
krauses Haupthaar daS Aussehen be
wußter Männlichkeit verlieh, irgend
ein schwieriges Problem zu erläutern.
Denn er sprach eifrig, eindringlich aus
ihn zu unk begleitete seine Worte mit
lebhaften Gesten:
„Wie könnt Ihr meinen, daß mit
dem Tode alles zu Ende ist? Was.
soll aus unserer Seele werden, an de
ren Unsterblichkeit Ihr doch wohl auch
glaubt?"
„Gewiß, ehrwürdiger Vater," erwi
derte der Angeredete, „aber das ver
mag ich nicht zu fassen, daß unsere
Seele nach des Leibes Tode wieder mit
einer solchen Hülle, einem Leibe, beklei
det sein und auferstehen werde. Der
Leib ist ja nichts als vergänglicher
Staub und soll wieder zu Staube wer
den."
„Aber daß aus dem Staube, aus
der Verwesung neues, frisches Leben
hervorkeimt," nahm der Geistliche wie
der das Wort, „das seht Ihr ja grade
an solchen wonnigen Frühlingstagen
wie heute, wo wir unseres Herrn Auf
erstehung feiern! Ist's nicht, als wolle
unser Schöpfer uns da selbst sichtbar
kich des Leibes Auferstehung darstel
len? Sehet, das verweste Samenkorn
dort, wie es ein grünes Hälmlein aus
seinem dunklen Grabe emporsendet, >
und bald wird's wachsen und blühen
und eine Aehre tragen zu gesegneter
Ernte! Oder betrachtet den bunten
Falter, der dort freudetrunken von >
Blume zu Blume.gaukelt! Ehedem >
eine häßliche Naupej lag er dann als
starre Puppe in seinem dunklen Sarge.
Hätte man ihn da mit Messer und
Sonde untersuchen wollen, nichts i
würde man entdeckt haben von dem
farbenprächtigen Geschöpfe, das sich
wie ein Seelchen seines jungen Da-
seins freut. -Oder denkt an das Küch-
lein, das aus dem Ei hervorhüpft!, -
Ist's nicht auch ein Auferstehen aus,
dunkler Grabeshiille, ein fröhliches j
Werden aus erstorbener, toter Ma
terie? Und vollends" ... 1
„Verzeiht, ehrwürdiger Vater," un- '
terbrach ihn der jüngere eifrig, „das
alles sind gewiß treffende Bilder und j
Vergleiche, aber Beweise, logische Be- j
weise für die Auferstehung des Leibes
sind's nimmermehr. Denn in den von '
Euch erwähnten, sinnvollen Beispielen
handelt es sich nicht um Neubelebung
toten und verwesten Stoffes, sondern j
nur um dessen Umwandlung. Der
Keim des Lebens ist sicher im verwe- >
senden Samenkorn, in der Puppe, im !
Ei nicht erstorben. Was aber einmal '
tot und erstorben ist, das kann und
wird nie wieder lebendig werden!" '
Der ältere machte ein recht bekiim
merliches Gesicht. Er sah ein, baß es >
ihm nicht gelingen werde, seinen !
Freund, der ihm als scharfer Denker
mit den Waffen des Verstandes die !
Tatsachen des Glaubens ergründen '
wollte, von der Auferstehung der To- <
ten zu überzeugen. DaS Wunder, l
und um ein solches handelt es sich doch !
hier, ist, wie unser großer Dichter sagt,
„des Glaubens liebstes Kind," und kann t
nimmermehr verstandesmäßig erfaßt '
und logisch bewiesen werden. Einen 1
ratlos fragenden Blick sandte der! i
j '
Aus die Kosten gekoin inc n.!
Beim Gastspiel einer berühmten d
Min: „Großartig! Einfach wunder- ti
bar! Diese Figur!" - „Und diese
K d
K —-- Tum Osterfeste K
(*) K
Es steigt herauf die Ostersonne,—
Der Frühling siegt nach langem Streit
lind lockt hervor zu neuer Wonne
Die Blumen all' in Wald und Heid',
Das ist ein Jauchzen und ein Drän
gen
Allüberall in Feld und Hain,
Und bei dem Rauschen, bei den Klän
gen
Zieht froh der holde Frühling ein.
Gefangen lag in Eisesketten
Die Erde lang' in tiefem Schmerz,
Der Frühling naht, sie zu erretten,
Und jubelnd sinkt sie ihm an's Herz.
Soll denn der Seele bänger werden
Geistliche empor zum Himmel, und
vann irrten seine Augen wie suchend
ruf dem Erdboden umher, indes der
andere andächtig eine Frühanemone,
vie er soeben gepflückt hatte, init einer
Lupe betrachtete. Da gewahrte der
altere plötzlich in einiger Entfernung
:in kleines Lindenbäumchen, nur ein
aaar Fuß hoch, mit dickgeschwolleneu
knospen. Wie einer höheren Einge.
rung folgend, ergriff er den Freund,
>og ihn zu der Stelle, wo das Bäum
hen stand, und rief: „Wenn es ein
Auferstehung der Toten gibt, so wird
ries Bäumchen, nachdem ich es aus der
§rde gezogen, und umgekehrt mit der
Krone auf's neue gepflanzt habe.
Sachsen und gedeihen zu einem mäch
ngeir Baume, wenn es hingegen ver
rorrt, so seid Ihr im Rechte, und es
;ibt keine Auferstehung! Seid Ihr
Inverstanden?"
„So sei's," stimmte der andere fei
erlich ein und reichte dem älteren -
freunde zur Bestätigung die Rechte.
Vieser aber schritt auf das Bäuin
hen zu, entfernte bedächtig die oberste
Schicht Erde und zog behutsam das
Stämmchen aus dem Boden. Dann
erweiterte er mit Zuhilfenahme seines
Taschenmessers die Oeffnung und
'enkte das Bäumchen mit der schma
en Krone hinein, also daß das ver
istelte Wurzelwerk wie eine gar wun
rersame Krone in die laue Luft
eagte... j
Ein Jahr war vorübergegangen, j
>hne daß an dem merkwürdigen,
Saumzeugen irgendwelche Verändc-
:ung wahrzunehmen gewesen wäre. §
Aber, o Wunder, als das übernächst,
Frühjahr kam, da ging niit ihm etwas,
;ar Sonderbares vor: an den gleich -
Aesten und Zweigen emporstarrenden >
Wurzeln bildeten sich Augen, die im-
ner mehr anschwollen, dann lugten
leine grüne Blättchen daraus hervor, §
md im Laufe der Zeit trieb der Wun- j
erbaum Zweige und Aefte und wuchs
;u einem stattlichen, breitästigen'
Stamme heran, der noch heute aus
rifur!" „Und diese Robe!!! Kin
en, da wird ja den kolossale Ein
-ittSpreiS einfach zun Bagatelle!"
Zarten Wink. - Schwieger
Ter Teutsche Correstzoadeui, Baltimore, Mb. Sonntag dcn 28. März 1915.
Äls Kciin und Blüte, Baum und
t Strauch?
Es muß, es soll ja Frühling werden
', Für arme Menschenherzen auch.
Die heil'gen Osterglocken klingen
In all' die Lenzeslust hinein,
- Um Kunde uns'rer Brust zu bringen
Vom ew'gen Ostersonnenschein.
Es ist der Frühling hier auf Erden
Ein Ahnen nur der kiinft'gen Pracht,
Wenn wir dereinst erwachen werden
Zum Leben aus des Todes Nacht.
Was wir an Schmerzen auch ertra
gen,
dem alten Friedhofe der ehrwürdigen
Bergstadt Annaberg unter dem Na
men „Aüferstehungslinde" die Bewun
derung aller Naturfreunde hervorruft.
Ihr Stamm ist kaum zwei Meter hoch
und hat ciilm Umfang von etwa sieben
Metern. Weithin aber schattet die aus
mächtigen Steinpfeilern ruhende Krone,
deren dichtes Blätterdach vor den hei
ßen Sonnenstrahlen schützt. Betrach
tet man die lang ausgestreckten sonder
bar gewundenen Acste, so kommt einem
unwillkürlich der Gedanke, daß si
Wohl eher Wurzeln darstellen mögen.
Und fragst du, lieber Leser, wer di
beiden Männer waren, denen der Herr
über Leben und Tod dies lebendige
Zeugnis seiner Allmacht gab, so hat
die Sage wenigstens den Namen des
einen aufbewahrt, der hierdurch zum
Glauben aa die Auferstehung der To
ten geführt ward: Adam Ries war's,
der berühmte Rechenmeister, gewöhn
lich Adam Niese genannt, geboren im
Jahre 1492 in Staffelstein (Bayern),
seit 1525 in Annaberg lebend, und
später am dortigen Bcrgamte ange
stellt, ein klarer, kluger Kopf, der da
wähnte, alles zahlenmäßig berechnen
und ergründen zu können. Aber di
Geheimnisse des Glaubens spotten der
menschlichen Vernunft, und dem All
mächtigen, der uns grade im erwachen
den Lenze mit Wundern über Wunder
! umgibt, die wir nur deshalb nicht als
! solche gelten lassen mögen, weil sie zu
j alltäglich sind, muß auch das Wunder
, der Totencrweckung möglich sein. Das
will die ehrwürdige „Aufcrstehungs
j linde" in Annaberg dem kleingläubi
gen Geschlechte der Zeit predigen.
l
l Nichtder Hase, sondern ein Vogel
! bringt, nach dem Kinderglauben, in
§ manchen d-utschen Landschaften die
j Ostereier, z. B. in Westfalen de?
! Storch, im Solling der Kuckuck.
' Storch und Kuckuck sind Herolde des
Frühlings und bringen zuin Zeichen
ihrer Anlu-'ft aus der Fremde dev
Kindern als Geschenke mit.
söhn. dessen Schwiegermutter sich
nach längerem Besuch wieder verab
schiedet: „Also, nochmals adieu,
liebe Mama, bleib gesund na,
Ob man uns nahm, was wir geliebt,
Einst wird ein Ostermorgen tagen,
Der das Verlorene wiedergibt;
Dann tönen alle Osterglocken
Der ganzen Welt in freud'gem Chor,
Dann steigt ein seliges Frohlocken
Aus jeder Brust zu Gott empor.
Und dieses Ostertages warten
Trotz Winternacht und Todesgrau'n
Wir Blumen all' in Gottes Garten
Mit kindlich-freudigem Vertrau'.
Es blüht der Lenz auf allen Wegen,
Der ew'gen Hoffnung irdisch Pfand,
Dem Ostermorgen führt entgegen
Uns Gottes treue Vaterhand.
Oster-Schmtzel.
, -—,—
Die alljährliche Stierkampf-Saison
in Spanien beginnt am Ostersonn
tag.
r e
Als Ostergcbäck hat der Kuchen in
Deutschland verschiedene Namen. So
hat Vraunschtteig seinen „Dickkuchen",
Bremen sei-en „Wickelkuchen", Dres
den und Sachsen seinen „Stollen",
Sachsen und die Lausitz den „Vuark
kuchen", Schlesien den „Streuselku
chen", Ostfriesland den „Knüppelku-
chen u. s. w.
r r
Nach einem bayerischen Volksglau
ben wird derjenige, der, am Charfrei--
tag beim Zwölfuhr-Ratschen anfan-
gend, sich die Fingernägel, beim klei
nen Finger beginnend, an jedem Frei
tage ein ganzes Jahr hindurch schnei
det, nie mehr in seinem ferneren Le
ben von Zahnweh heimgesucht wer
den. Den gleichen Zweck soll man
erreichen, wenn man am Charfreitag
die Nägel von Händen und Füßen ab
schneidet und die Abfälle in einem
Säckchen vergräbt.
r e e
König Ludwig der Vierzehnte von
Frankreich pflegte nach der Morgen
messe des Ostersonntags schwer ver
goldete Eier aus Holz und Metall un
ter seine höfische Umgebung auszu
theilen, die damit wertvolle Beweise
seiner königlichen Gnade erhielten, da
I diese Oster-icr die Etuis für aller-
Hand darin verborgene Kostbarkeiten
waren.
v. r .
Weise Männer raten, kurz vor dem
1 Aufgang der Ostersonne, das Vieh
> in's Wasser zu treiben, dann braucht
man im laufenden Jahr keinen Vieh
arzt mehr. Der Versuch kostet ja wci
! ter nichts als ein bischen Frühauf
stehen.
da:- nächste Mai, wenn Du wieder
lomnisr, kannst Du mit der Lokal
bahn stio hieryer fahren!" —Schwic
germutter: „So ach das ist aber
z Ostern in Europa.
-si -a
vielen Ländern Europas haben
1D sich Ostergebräuche, und zwar
oft recht seltsame, erhalten, de
ren Ursprung mitunter aus
mildtätige Stiftungen iveit ins Mit
telalter zurückgeht, und deren eigent
liche Bedeutung oft kaum noch zu er
kennen ist. England, das auch in die
ser Beziehung konservativer als ander
Länder ist, steht an erster Stelle. All
dem zwölften Jahrhundert ist di,
Sitte der Kuchenverieilung in Bidden.
den, einem kleinen Dorfe in Kcnt, aus
die Gegenwart gekommen. Dort leb
ten damals zwei Schwestern, die ar
Hüften und Schultern zusammenge
wachsen waren. Sie hinterließen dei
Kirche die Einkünfte von Ländereien—
heute etwa L2O0 —von welcher Summ,
an jeden Ostersonntag tausend Kucher
mit den Bildnissen der Geberinnen ar
die Besucher des Nachmittagsgottes
diensics verteilt werden sollen. Di
Zeremonie der Verteilung der könig
lichen Osteralmosen in der Westmin
ster-Abtei datiert aus den Tagen de
Königin Elisabeth. Sie Pflegte zwölj
armen Männern je einen halben Lachs
sechs Heringe, sechs Laib Brot unt
einen Krug Wein überreichen zu lassen.
Heute erhalten arme Männer unt
Frauen je eine rot und weiße Leder
börse mit einer Geldsumme.
Einen ganz eigenartigen Osterge
brauch gibt es in Lancashire. Am
Karfreitag sammeln sich Gruppen von
Landleuten. die, abenteuerlich geklei
det, die etwa dreißig englische Meiler
betragende Entfernung von einem
Dorfe zum anderen tanzend zurückle
gen. Jede Gruppe besteht aus sech
zehn Tänzern und acht Musikanten.
An Brust, Händen und Knieen tragen
sie kokosnußähnliche Stücke Holz, ar
die sie während des Tanzes schlagen.
Unter den Tänzern befinden sich mit
unter alte Leute von siebzig Jahren.
In Paris finden während der Oster
woche in einigen Restaurants Wett
essen statt. Das Menu besteht mei
stens aus Würsten und Schweinebra
ten. und besonders „begabte" Bewer.
der uin die ausgesetzten Preise soll
es bis auf fünfzehn Würste und eben,
so viele Stücke Braten bringen. Ir
Spanien bieten die Städte währen!
der Karwoche einen Anblick, der uns
in die Zeiten des Mittelalters zurück
versetzt. Aller Verkehr stockt, denr
weder Equipagen noch Karren, wedei
Pferdebahn noch Omnibus sind au>
den Straßen zu sehen. Die Frauer
gehen in Trauer, selbst die Wacher
und Soldaten im Dienst tragen Trau
erkrepp an ihren Säbelgriffen un!
ihren Evanletten. In Madrid durch
ziehen Prozessionen die Straßen;.4ri
buchstäblich mit Juwelen bedeckte Sta
tue der heiligen Jungfrau wird herum
getragen. Sie zu schmücken haben di,
Königin und die Damen der Aristo
kratie ihren kostbaren schmuck herge
liehen. Ein Osterbrauch, wohl der
schönste von allen, ist seit alten Jah-
6ms rveei. ckrei!
ren im Lande der Kastanien iin
Schwange. Vor dem Regierungsan
tritt der Königin Jsabella il. pflegt
der Erste Minister am Karfreitag dem
König drei Gnadengesuche für drei
zum Tode verurteilte Verbrecher vor
zulegen. Die Gesuche wurden zusam
mengefaltet auf einem silbernen Tab
lett dargeboten und einer der Verbre
cher wurde begnadigt. Kurz nach
Jsabellas Thronbesteigung kam der
Karfreitag; die junge Königin, umge
ben von ihrem Hofstaat, kniete vor
dem Altar. Da wurden ihr die drei
Gnadengesuche vorgelegt, eines davon
sollte sie berühren und mit dem
Spruche: „Mag Gott mir vergeben,
wie ich dir vergebe," dem betreffenden
Sünder das Leben schenken. Aber
das gute Herz der jugendlichen Für
stin setzte sich über Herkommen und
Ueberlieferung hinweg. Tränenden
Auges faßte sie alle drei Gesuche und
murmelte ihren Gnadenspruch. Seit
dieser Zeit begnadigt jeder Herrscher
Spaniens am Karfreitag drei zum
Tode Verurteilte.
günstig, wann wird sie denn eröff
net?" Schwiegersohn: „Na, ich
glaube, so in etwa zwei bis drei
Jahren!"
Ostern in Amerika.
5- .. ..
die große Mehrheit der ame
rikanischen Kinderwelt steht
* Ostern an Bedeutung nur
dem Weihnachtsfeste nach,
und das junge Volk sieht seinem Kom
men mit gespannter Erwartung ent
gegen. Es gibt auch hier eine Anzahl
hübscher, Osterbräuche, die an die deut
schen erinnern und zum Teil auch wohl
von ihnen abgeleitet sind. Natürlich
sind die Eier die Hauptsache bei der
meisten. Der beliebteste Brauch be
steht darin, Eier zu färben, und es
ist immer ein großer Wettbewerb un
ter den kleinen Mädchen, wer die schön
sten und verschiedensten, seltsam ge
färbten Eier aufweisen kann. In zahl
reichen amerikanischen Haushalten
werden die Küchen mehrere Tage voi
dem Fest ganz dem jungen Volk ein
geräumt. Alle Töpfe und Pfänner
werden von der Jugend gebraucht, uw
die verschiedenen Farbmittel darin
umzurühren. Unter den zerlumpter
Straßcnlindern der „Slums," die kein
Geld übrig haben, verursacht das Fär
ben der Eier tiefes Nachdenken; denr
nicht nur die Eier sind knapp, auch
Farbstoffe sind ein nur erträuintei
Luxus. Die erfinderische Ingen!
braucht deshalb seltsame Ersatzmittel,
uin den Eiern die gewünschte Färb
zu geben. Schnipsel farbiger Bänder,
bunte Anschlagzettel, Stücke von leuch
tenden Kleiderstoffen werden sorgfäl
tig aufbewahrt, um zu Ostern zum
Färben verbraucht zu werden. Das
ist vielleicht nicht ganz gesund, aber
was schadet das. wenn es nur di
Eier färbt? Ostern ist wie Weih
nachten in Amerika eine Zeit des Äe
schenkgebens geworden. Das Kanin
chen ist das Ostertier. Die alte deut
sche Ueberlieferung, daß ein Hase den
guten Kindern zu Ostern Eier und Ge
schenke bringt, ist auch nach Amerika
gekommen. Am Ostermontag wir!
auf dein Nasen des „Weißen Hauses'
in Washington ein lustiger „Eierroll-
Karneval" obgehalten. Den ganzen
Tag kommen lustige Kinder und sprin
gen über den Rasen, rollen leuchten!
gefärbte Eier darüber und erfreuen
sich an allerlei Scherzen. Dieser Kar
neval ist für alle; zerlumpte klein
Burschen spielen mit ihren reicheren
Brüdern und Schwestern. Ostern ver
ursacht in Amerika nicht nur ein
große Hausse in Eiern, sondern ist
auch beachtenswert wegen der prächti
gen Blumenausstellungen. Vom Haus
des Millionärs bis herab zu den ge
wöhnlichen „Slums" findet man
Osterlilien. Die amerikanische Oster
blume ist die stattliche duftende Lilie.
Die Mehrzahl der Zwiebeln und Blu
men des großen -amerikanischen Blu
menmarktes kommt aus Bermuda.
Die Lilien werden hauptsächlich zur
Ausschmückung der Kirchen gebraucht.
Eine wie große Rolle die Osterlilie in
Amerika spielt, zeigen folgende Zah
len. Der jährliche Export von Oster
lilienzwiebeln von Bermuda nach den
Ver. Staaten betrug in den letzten fürs
Jahren 2.500,000 bis 3.000,000, un!
da jede Zwiebel im Durchschnitt
sechs Blüten trägt, braucht Amerika
15,000,000 bis 18.000.000 Osterlilien
jährlich zur Ausschmückung. Davon
werden sechzig Prozent während de
Osterwoche gebraucht.
Heidnische Ostereier.
Im allgemeinen wird angenom
men, das; die beliebte Gepflogenheit,
zu Ostern sich gegenseitig mit Eiern
zu beschenke, christlichen Ursprungs
sei. Tatsächlich aber entstammt der
Ostereierbrnuch dem frühesten. Hei
dentume. Nach der Schöpfungsge
schichte Zoroasters (etwa 1000 vor
Chr.) beschenkten schon die alten Per
ser am Frühlingsfeste „Nafturz", ein
ander mit gefärbten Eiern und zwar
zur Erinnerung daran, daß der Erst
geborene de Schöpfung, der Urstier
das Welte- diit seinem Hörne ge
sprengt habe, woraus dann die ein
ttlnen Wesen hervorgekommen.
Vernünftiger Rätst. —Thea-
terdirektor: „Nach den Proben, die
Sic von Ihrem Können gegeben ha
ben, muß ich Ihnen von der Bühnen
Die „Emden II."
Ein kühnes Wagestück deutscher
Terhelden.
'
Sti in ~al,rvoll vei>t'r um >'
liche rüde kam.
Zu der glücklichen Landung der ta
pferen Schar der „Emden II" auf S.
M. S. „Ayesha" in Hodeida wird ge
schrieben: In Hodeida, an der Süd
westküste Arabiens, hat eines der schön
sten und reizvollsten Kriegsabenteuer,
das die Welt kennt, ein glückliches und
ruhmreiches Ende gesunden. Es war
ein langer Weg von den Keeling-J'
seln über Padang nach Hodeida, den
der kleine Dreimaster „Ayesha" nm
dem stolzen Beinamen „Emden
zurückgelegt hat. Die Reste der tapfe
ren „Emden," die wochenlang ganz
England in Schrecken gehalten hast
! haben auf diesem kleinen Dreimaster
sich selbständig gemacht und die Taten
der vernichten „Emden" fortgeführt.
Unsere junge Marine hat in diesem
kriegerischen Vorgang eine der herr
lichsten Erinnerungen aufzuweisen,
welche jemals eine Flotte besessen hm-
Durch den ganzen Indischen Ozean u
das kleine Schiffchen gefahren und ha
die große Strecke von Padang an
Westküste von Sumatra zurückgelegt,
nicht ohne noch mehrere englische Han
delsdampfer mit einem alten Geschütz
zu vernichten. Hodeida liegt star
nordwestlich von Padang, durch da
Meer getrennt. Der kleine Dreima
ster mußte also, da Hodeida an der
westlichen Küste von Arabien am Ro
ten Meer gelegen ist. bei der englische"
Scesestung Aden vorbei, um durch den
Bab-el-Mandeb nach Hodeida zu
langew Hodeida liegt nordwestlich
von Aden, das an der Siidtüste vo"
Arabien gelegen ist. Aden wird ich
mit Unrecht das „Gibraltar de
Orients" genannt,- da es eine staU
englische Seefestung ist. Um so st",,j
zer ist der Erfolg der braven „Emden -
Mannschaft. da sich daraus ergibst
mit welcher Kühnheit und Umsicht
tapferen Seeleute den langen Weg
durch englische und französische Wo
chen zurückgelegt haben. Von Aden
braucht ein Segelschiff nach Bombay
ungefähr fünfundzwanzig bis sieben
undzwanzig Tage, da cs sich uni ein
Strecke von 3780 Kilometer handeN-
Der Weg Padang-Hodeida ist aber
noch beträchtlich länger, so daß "t
Leistung der Mannschaften der „Em
den II" in jeder Beziehung hervorra
gend genannt werden muß. In
dcida wurden die tapferen Seeleu
von den türkischen Truppen mit Freu
den begrüßt, die hier auf Wacht steben-
Hodeida ist ein kleiner Hafenplatz, °e
nach dem Innern von Arabien einig
gangbare Verlehrsstraßen aufweist.
Zu der bewundernswerten Tat de
„Emden"-Mannschaft, die nun bei de"
Türken eingetroffen ist, äußern sich/"
Wiener Blätter mit größter Anerke
nung. .
Die „Reichspost" schreibt: „D'
Kühnheit des berühmten Durchbruch
der „Gäben" und „Breslau" im M',
telmeer ist noch überboten worden
durch den Durchbruch des Seehcldcn
Mücke und seiner Genossen. Er dürs
für die Briten eine bittere Ucberra
schung sein, weil er neuerlich der M
offenbart, wie hoch die deutsche See
mannstiichtigkeit der britischen über
legen ist." Das „Deutsche Volw
blatt" sagt: „Dieser Durchbruch
Landungsmannschaft der
unter dem Kapitänleutnant v. Mua
ist wohl eine der glänzendsten seem"w
nischen Leistungen, welche die GeschO
kennt."
HllM k)08
„Ihr Wesen, ihre Gestalt trat nie
mals reizender hervor, als wenn st
sich auf einem erhöhten Fußpfad h>",
bewegte . . ~ am allerzicrlichsten am
war sie, wenn sie lief. So wie da
Reh seine Bestimmung ganz zu
len scheint, wenn cs leicht über die kei
menden Saaten wegfliegt, so
auch sie ihre Art und Weise am de ,
lichsten auszudrücken, wenn sie etwa
Vergessenes zu holen, etwas Verlos
nes zu suchen . . . über Stein ritt
Matten leichten Laufes hineilte."
uns dieser Hymnus in Dichtung n
Wahrheit wohl je erfreut hätte, we
die anmutige Elsässerin, für die er er
klungen. wenn Frederikc Brion vo
Sesenheiin mit dreiunddreißig -a"
untere Nockweite aus der Geißbla
laube dein jungen Goethe entgegengc
trippelt wäre?
kchvil oeln§l.
Anläßlich des Pariser Frauenwn
gresses schrieb der französische Schrst "
stell Bictor Marguerite: „Ich '
i daß eS uns Männern ziemt, lief
Hut zu ziehen vor dieser großartige
Tätigkeit der Frauen auf allen Eiebl
ten des Gedankens und der Tat. W
sehen hier keine Spur von Heraussah
derung, sondern nur eine ausgestceck '
warme Hand, die wir brüderlich
greisen, um zu zweit einen Weg lvr>
zusetzen, der uns zu einer höh<"
Menschlichkeit führen soll."
Carriere dringend abratycn."
eS ziept mich doch mit aller Maäü
den Brettern!" „Werden Sie "
Tischler, lieber' Freund!"

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