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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, May 15, 1915, Image 6

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6
Unter Hube Einen bestattet.
Für das Seelenheil de.- Valer
Louis Francis Tnniom. des betaun
len Erziebiingslebrer- von, „Orden
der Snlvicianer", wurden gestern
Mergcn im ..St. Marien-Seminar"
Tranergottesdienste abgehalten, an
denen sich Cardinal Gibbens, Erzbi
schof Job I. Keane, der ehemalige
Obcrbirte der Crzdiöcese Tubugne.
Bischof Tbomas I. Tbaban. der Rek
tor der ~Katholischen Universität",
vier Monsignore und viele Priester
bethciliglen. Uni 9 Uhr begannen
die Trauergottes-dieiisle mit -.dem
-Singen deS roden-OÜizinms durch
die Zöglinge des Seminars und die
Geistlichen. Tarani folgte das feier
liche Requiem-Hochamt, dew Cardi
nal Gibbons beiwohnte. Als Cele
braut fnngirte Pater CbarkeS P.
Schkantz vom ~Tt. Charles-Colleg".
Vater William O'Connor vom „St.
Aiistin-Cotleg" in Washington war
Diakon und Valer P. I. Burke von
Washington Snbdiakon. Pater W.
C. Millwlkand vom „St. Marien-Se
minar" war Ceremonienmeister. Tie
anwesenden Monsignore waren Vater
W. A. Flctchcr, Vater M. F. Folen,
Vater George W. Tevine mid Vater
C. F. Thomas-. Tie General-Absolu
tion wurde von Cardinal Gibbons er
theilt, wobei die Mitglieder der „St.
Marn's Fakultät" assislirten.
Bischof Shahan gab eine Lebens
beschreibung von Vater Tmnont!
derselbe war mit dem Verstorbenen
in seiner geistlichen Arbeit eng Per
bunden gewesen. Bei der Ueberfüh
rung der Leiche nach dem Seminar-
Friedhöfe simgirten sechs Zöglinge
des Seminars als Bahrtuchträger.
Vater C. R. Tver, der Präsident de?
Seminars, leitete den Gottesdienst
am Grabe.
Vater Dumoiit starb am Montag
Abend im Providence-Hospital z
Washington im Alter von 79 Jahren
Er war früher der Schatzmeisier des
„St. Marieii-Semmars" und später
der Präsident des „St. Charles-Col
legs". Zur Zeit seines Ablebens
stand er dem „St. Anstin-Collcg"
vor.
Mehr Taback nach Frankreich.
Die Firma Clans Bocke stz Co.,
welche die französische Regierung bei
dem Einkauf von Taback ans dem
Markte in Marvland vertritt, Hai
Aufträge zur Lieferung von weitere
1000 Orhoften erhalten. Vor einer
Woche wurde die erste Schüssladimg
seit Februar nach Frankreich gelie
fert: sie belief sich ans das gleiche
Quantum. Tic Franzosen haben, da
der ursprüngliche Vorratb, ehe die
Verschiffung begann, sich ans 2000
Oxhoft belief, dem Staatslagerhause
Erleichterung gebracht, da nunmehr
nur noch 1000 Orhost zu verschiffen
bleiben. Die neue Ernte wird bald
eingebracht werden, und wenn die
alten, bereits gekauften Vorräthe
nicht verschickt worden wäre, würden
X. -
(19. Fortsetzung.)
Sechzehntes Kapitel.
Eine Woche ist darüber hingegangen.
Auf den Sturmesflügeln der Bora
kommt der Frühling über die Berge
gebraust, reißt die mächtigen Schnee
Massen von den Hängen und Bäumen
und macht die Straßen und Wege
gangbar. Aus der Drina wird das
Eis dünner, weicher und zeigt große
Sprünge. Wie lange noch, und der
Fluß wirft seine Fessel ab und kvllt
wieder fröhlich im freien Bergbett sei
Zem Ziele zu.
'Der Frühling, sonst von aller Welt
mit Jubel und Freude begrüßt im
Jahre 1909 sah man ihm nur mit
Dangen entgegen. Hieß es doch, im
Frühling würde der Krieg uusbrechen.
Die serbischen Zeitungen verkündeten
triumphierend, daß das kleine Serbien
bereit sei, den Kampf mit dem großen
Oesterreich aufzunehmen. Ihre Spra
che wurde von Tag zu Tag drohender
und provokatorischer. Die englischen
und russischen Journale sekundierten
ihnen in einer für Oesterreich gerade
zu beleidigenden Weise. Oesterreich,
daS mutwillig Recht und Vertrag ge
brochen hat. muß sich dem Richter
spruch Europa's unterwerfen, so hieß
es in allen möglichen Tonarten.
Mber Oesterreich richtete sich mit ei
nem Mal auf. Weil es Jahrzehnte hin
durch still und ruhig, vielleicht auch
etwas langsamer als die andern, sei
nen Weg gegangen war, hielt man cs
für schwach und verbraucht. Und nun
riß die Welt erschrocken die Augen auf,
als sie sah, welch übermächtiger Riese
sich da von seiner Ruhe erhob und bc
dächtig, aber mit der unbeugsamen
Entschlossenheit des Starken das
Schwert aus der Scheide zog.
'Die Eisenbahnzüge begannen zu
rollen und führten Regiment um Re
ziment hinunter an die bedrohtenSüv
,wcn;eii. Deutsche, ungarische, böhmi
sche Truppen kamen und jolgten wil
!Me willen, weis Sic wellen.
i>" ff I, ."- .s<->
> "'K"- -M/S
c / / UM'" .c
T,'-7Z ///rL
sich Schwierigkeiten ergeben haben.
Da die gegenwärtige Sendung von
den französische Vertretern im letz
te Winter gekauft worden war, so
ist durch den gegenwärtigen Versandt
kein neuer Grldziislnß herbeigeführt
worden.
Auf einig geschieden.
.Job E. Moers, ein Cbaii'feur
van Nr. Osl-Preslonstraße. er
langte gestern im Kreisgericht bin
ans vollkommene Scheidung lauten
des Urtheil gegen Korn C. Mners.
Tas Paar wurde am 22. Juni 191 l
Md,, getraut, und
als es sich im November 1912 trenn
te. ging Frau Myers nach Philadel
phia.
„Hotel Stafford" braucht mehr
Platz.
Tas „Hvtel Stafford" hat das an
arenzeude Graham'scke Wohnhaus
an der Ecke von Madisonstraße und
Washington Place für einen Zeit
raum von 20 Jahren pachtweise über
nommen.
!!g dem Befehl ihres Kaisers. Ernste
und reife Männer waren unter ihnen,
die Weib und Kind daheim ließen. Sie
jubelten nicht, aber in ihren Augen
war der Entschluß geschrieben, ihre
Pflicht bis zum letzten Ende zu tun.
Mit einem Mal ging das Erkennen
durch das Reich, daß es noch ein
Oesterreich-Ungarn gäbe, daß sie alle,
Deutsche, Tschechen, Magyaren, Polen,
Slowenen, nur einen Teil des Gan
zen bildeten, daß sic unlöslich mitein
ander verbunden waren. Mit Stau
nen und Schrecken schaute die Welt auf
dieses Schauspiel.
In Racovac verspürten sie wenig
davon. Verschollen kam mal die eine
oder die andere Nachricht in ihr ein
sames Grenznest, und die einander
widersprechenden Zeitungsmeldungen
blieben die Hauptquelle ihres Wissens.
Aber doch ersahen sie daraus, daß
Oesterreich-Ungarn nun ernstlich rüste
te, und ihre Hoffnung stieg, daß sie ei
nes Tages den Befehl bekommen wür
den: „Ueber die Drina!"
Das Fieber der Erwartung packte
sie alle, die beiden Offiziere wie ihre
Leute. Sie waren die ersten am
Feind, ihnen war es als den ersten be
stimmt, den feindlichen Boden zu be
treten. Als die ersten der ganzen Ar
mee konnten sie Ruhm und Ehre ge
winnen.
Auch Desider ward ruhiger bei die
sem Gedanken. Seine Sehnsucht zwar
blieb nie still, und seine Träume wan
derten nach wie vor auf das andere
Ufer der Drina hinüber. Aber die Ge
wißheit tam über ihn, daß ihm die
Erlösung nun werden mußte. Als
Soldat zu sterben tür seinen Kaiser
und an seiner Leute Spitze, das er
schien ihm als das größte Glück, das
er noch erringen konnte.
Mit Franz sprach er gar nicht mehr
darüber Er wußte ja, daß sein
Freund andere Uder diese Art der Erz,
Der Teutsche Korrespondent, Baltimore, Md., Sanistaft, den lü. Mai 19t!>.
l Tas Sanitätsrecht im Seekriege.
i Während im Landkrieg bereits
> zahlreiche Verletzungen des Rothen
! .Kreuzes vorgekommen sind, ist bis
her im Seekrieg nur eine einzige be
kannt geworden, nämlich die Weg
nähme des deutschen Lazaretbschiffes
Ophelia durch die Engländer. Tie
Aiisdebnüng deS Kampffeldes-, ans
dem im Landkrieg wirklich gesockten
wird, ist eben viel gewaltiger und
daher auch die Möglichkeit von Per
letznngen bedeutend größer, lieber
das Sanitätsrecht im Seekriege än
Bert sich in einem bemerkens-werthen
Aufsah, der 'Teitücken Medizilüschen
Wochenschrift Tr. Hans Webberg, der
' nach seinem soeben erschienenen vor
züglicben Werk über das Seekriegs
recht als erste Autorität ans diesem
Gebiete gelten darf. Als Grundlage
für die rechtlichen Verhältnisse im
Seekrieg muß das besondere Abkom
men ans der ersten Haager Friedcns
conferenz vom Jahre 1d99 gelten,
durch das die Grundsätze der Genfer
Convention ans den Seekrieg rmsgc-
lösiing dachte, und es tat ihm weh,
wenn Franz in seiner leichtfertigen
Manier ihn zu seiner Anschauung de
kehren wollte. Franz Dagegen be
kannte ihm offen und ruahaltlos lein
Verhältnis zu Olga Grekvw.
„Ich glaube nun selbst," sagte er,
„daß sie wirtlich das für mich empfin
det, was man Liebe nennt. Du hättest
sie nur damals sehen sollen, weißt Du,
in der Nacht damals, in der die Hun
de sie befreien wollten. Desi, so spricht
nur ein Weib, das einen Mann wirk
lich gern hat. Aber ich mag die
Sache hin und herdrehen, ich finde
keine Antwort auf die Frage, wie ein
österreichischer Offizier eine russische
Spionin heiraten soll. Ich wollte, ich
hätte sie nie gesehen!"
„Wir sind wirtlich ein paar arme
Schächer," sprach Desider mit bitterem
Lächeln.
„Weißt Du. Desi." meinte Franz,
„ich hab' oft das Gefühl, als hielte
uns das Schicksal einfach zum Narren.
Da sehen wir das Glück so nah vor den
Augen, daß wir glauben, wir brauchen
nur zuzugreifen na. und wenn wir
dann die Hand ausstrecken dann ist
es am andern End' der Welt. Aber
ich laß mich nicht zum Narren halten,
ich nicht!"
„Und die Frau, Franz die
Frau?" „Die Frau die Frau!
Ich hab's ihr doch oft genug gesagt,
daß wir zwei nie und nimmer zusam
menkommen können. Ich weiß nicht,
früher war sie ein ganzer Kerl jetzt
ist ein Tränensack wie Du!
Wäres sie früher ah was von
dem .wenn" haben wir nichts! Kis
met, Desi, Kismet!"
Und dann klirrte er aus dem Zim
mer. - um den. Freunde nicht zu zei
gen. wie schwer ihn dieses Kismet
.'Wtickte
'Lities Tages war er draußen aus
Patrouille. Spät war' schon, und
hpntle, .Schallen lrvchen bereits vom,
dehnt wurden. Ta die Lazarett. die
sich ans jedem Kriegsschiff befinde,
sich der gleichen Gefahr wie die
Mannschaften aue-geseht sehen, ist
inan zum Bali hefvnderer Lazaretb
fchiise übergegangen, die sich wertb
noller Rechte erfreuen nnd infolgedes
sen ihren, edlen Benne nnhelästigt
nachgeben könne. Man theilt die
Lazarethschifse in drei Klaffen ein. die
militärischen Lazarethschüfe, die von
den lriegiubrenden - Staate selb
ansgvri'isiet inerden, in feindliche
Vrivattazarethsthüsc, die durch feind
Uwe Privatperson- oder Hülisgese!!
chatten ins Leben genn-en - worden
und, und i,ii neutrale La,Rtt'btt,schifte,
die von Hüljspersonen und Hülssge
iellschaften ventrale? Staaten ausge
s-.mdt werden.
Eine wichtige Boraus'ehnng für
den völkerrechtlichen Schutz dieser
Schüfe besteht darin, daß sie sich nicht
ans die Rettung 'iwr Mannschaften
ihres eigenen Staates beschränken,
sondern den Verwundeten, Kranken
und Schiffbrüchigen jeder Nationali-
! Tal die Berglehnen hinaus. Mi: leisem
' Rauschen strich der Friihlingswind
! ourch oen Wald, in dem schwer und
voll die Tropfen des schmelzenden
, Schnees zu Boden klatschten.
Noch stand das Eis in der Drina,
aber da und dort zeigten sich schon
i große Risse und Spalten, die die war
men Strahlen der Sonne hineinschln
-gen. Frühling.... Frühling! Mit
weit geöffneten Tolmans tradten die
Dragoner dahin.
! Plötzlich riß Franz, der einige
! Schritte vor seinen Leuten war, seine
j Äu!c zurück. Auf der Böschung, halv
! in dem gelben, morastartigen Schnee,
! halb mit dem Oberkörper nach unken,
! lag eine weibliche Gestalt. Im Nu
! war er aus dem Sattel und beugte stell
i über die Frau Himmel He
! lene!
Bleich lag sie da, mit geschlossene!'
' klugen, dieHändc ineinandergekrampfi.
, Fast unmerklich hob sich ihre Brust in
, schwachen Atemzügen. Sie richteten sie
I auf, behutsam und sorglich, unv da
! entdeckte Franz, daß in der Höhe der
Schulter ein Loch in der Jacke war,
und aus diesem Loch sickerte Blut in
dicken, schwarzen Tropfen. Sie mußte
über den Fluß gekommen sein, und von
rückwärts hatte sie dann die Kugel deS
Verfolgers niedergeworfen.
Aus zwei starken Aesten und ihren
Satteldecken machten sic eine Jahre,
ans die sie die Schwerverwundete leg
ten. Sie war von tiefer Besinnungs
losigkeit umfangen, nur als sie sie aus
die Decken niederließen, kam ein leiser
Seufzer, ein Hauch über ihre Lippen.
Während zwei Leut die Bahre auf
nahmen, jagte Franz voraus ins Dorf
hinein. Es galt, Desider vorzuberei
ten. Er fand ihn bereits gerüstei zum
Abmarsch auf die Nachtstrcifung und
nur noch auf ihn wartend, da ein Of
fizier immer in der Station sein
mußt,.
„Du bis, aber heut pünktlich." nef^
! täl Hülfe leisten. Wie die Lazarett,.
' schiffe, genießen auch ihre Rettmigs
i boote, sowie die lediglich zum Trans
j Port von Verwundete bestimmten
Schüfe vollkommene Unverletzlichkeit:
> sie dürfe jedoch zu keinerlei militä
rischen Zwecken hemitzt werden. Tie
! Kriegsschiffe übe' über die Lazareth
scbiüe ein Anüickilsrechl ans. können
sie jederzeit nnlersnchen und ihnen ve
! fehlen, sich zu entfernen. In jedem
! Falle üben die Lazareth'chiüe ihren
> hoben Berns ans eigene Gefahr hin
' ans, der sie ausgesetzt sind, wenn sie
! sich zur Remmg Berivnndeter oder
! Schiffbrüchiger in die Kampilime be
geben. Tie Lazarethschüfe sind auch
in den iientralen Ländern von allen
Hafengebühren befreit: sie müssen
von außen kenntlich sein. Tie mili
tärüchen Lazarethschifse tragen des
halb einen weißen Anstrich mit einem
! wagerechl laufenden, etwa Iss Meter
! breiten grünen Streifen, während die
anderen Lazarethschifse einen entspre
chende rothen Streifen führen. Alle
trage ihre Nationalflagge, sowie das
er ihm entgegen. „Mir scheint gar,
du bist denn Leuten aus- und davon
geritten!"
„Stimmt." erwiderte Franz. „Schau
nämlich, Desi, es ist was passiert...."
„.Helene!" schrie der andere aut.
,Sic ist tot'"
„Nein, das nicht, aber augenschein
lich schwer verwundet. Ich fand sie.
als ich nach Hanse ritt, auf der
Straße "
Desider börle ihn kaum noch. Wie
er war, wollte cr davonstürzeu, aber
Franz hielt ihn mit seinem eisernen
Griff zurück. „Bist du wahnsinnig,
Junge?" fragte er ihn, während er den
Widerstrebenden ins Zimmer zurück
zog. „Soll denn das ganze Dorf wis
sen, daß du sic liebst? Warte hier im
Zimmer auf sie.. ."
„Und wenn sie inzwischen stirb!..."
„I bewahre: so gefährlich ist die Ge
schickte nicht. Richte derweil alle?- der.
Ich werde um den Doktor telegraphie
ren nur den Kopf hoch. Junge!"
Seine Ruhe und Energie ofieben
nicht ohne Wirkung auf die erregten
Nerven Desider-:-. Eilends schlug cr
sein eigenes Bett auf, richtete Hand
tücher, Verbandzeug und warmes
Wasser vor und wartete dann, den
Kopf in die Hände gestützt, auf die
Ankunft des traurigen Zuges.
Franz eilte inzwischen zum Gen
darmcriekommando hinunter, ste dessen
Haus der Telegraph untergebracht
war.
„Schnell, Haffan," rief er, als er
das Wachtzimmer betrat, „wir muffen
um den Doktor nach Nlasenica telegra
phieren!"
Ohne zu fragen, für wen der Arzt
benötigt würd, ries Efghi Haffan den
jungen Menschen herbei, dem die Be
dienung des Telegraphen anvertraut
war. Der Telegraphist setzte sich. au
seinen Npvaral und gab das Ausrufe
zeichen. Aber kein Ticken des Stro
mes ließ sich hören, als n den Hebel
Genfer „Rothe Kren;" und die neu
tralen Lazarelhichiüe außerdem ech
dieNationalüagge des Kriegführen
den, dem sie miterstellt find. Tas Per
sonal der Lazarethschüfe darf zur
Aiürechterhalnmg der Ordnung und
zur Vertheidigung der Kranken be
waffnet st'i, darf auch eine fimken
telegraplniche Cinrickitung an Bord
bade. Jedoch verlieren die Laza
rellnchiüe jeden Anspruch aui Lchntz,
wenn sie dazu verwandt werden, dem
Feinde zu schaden. Aui die Lazare
tt'. die iicki an Bord der .Kriegs-schiüe
befinden, soll der Feind nickst absicht
lich fckneßen: er ioll sie achten, dari sie
aber, wenn das .Kriegsschiff i sc'ino
Gewalt stillt, als -ein Eigenthum an
sehen. Vielfach werden auch zufällig
verüheriahrendr.Kaffalirteifckiiffe von
einem im Geiechl schwerbeschädigten
Schiü m Hülfe angerufen. Cs ist
eine Streitfrage, ob solche Schiffe
verpflichtet sind, der Aufforderung
Folge zu leisten: wenn sie es thun, so
erlangen sie dadurch besondere Ver
günstigungen und dürfen in keinem
Falle beschlagnahmt werden. Tas
Personal der Lazarelscbiüe dari nickt
zu Kriegsgefangene gemacht werden,
da ja die Schiffe für unverletzlich er
klärt sind. Wenn ein .Kriegsschiff
weggenommen wird, io ist das Laza
reth-Perional, das durch eine weiße
Armbinde mit rotbem Kreuz kenntlich
sein muß. berechtigt, die Gegenstände
und chirurgischen Instrumente, die
sein Privateigentbnm lind, sowie die
Waffen, die ein Theil der dienstlichen
Ausrüstung darstellen, mitzunehmen.
Tech ist das Pvrsonal verpflichtet, so
lange weiter Tienst zu thun. als es
dem feindlichen Befehlshaber noth
wendig erscheint. Nach jedem Kamps
sollen von den .Kriegs-Parteien Vor
kehrungen getroffen werden, in die
Schiffbrüchigen aufzusuchen und sie
gegen Beraubung und schlechte Bc-
Lin Nomon ans der Leit der Annexion. >
Nun Lrnst Ulein. !
niederdrückte. Erschrocken schulte cr
zu dem vor ihm stehenden Franz und
Cfgh! Haffan aus.
„Herr Oberleutnant," sagte cr stot
ternd, „da ist ctwa-> nicht in Ordnung.
Ich kann leinen Strom hören."
„Probieren Sie noch einmal!"
Der junge Mann befolgte den Befehl,
aber mit demselben negativen Resultat.
Efghi Haffan pfiff durch die Zähne.
„Ta haben die Hunde die Leitung ab
geschnitten!" sagte er. „Sie wer
den doch keinen neuen Uebcrfall pla
nen?"
Ter alte Gendarm zuckte die Ach
sela. „Sieh fast so aus, Herr Ober
leutnant," knurte er.
„Ra, mir tann's recht sein!" rief
Franz lachend und reckte die Arme.
„Wir werden ihnen schon „guten
Tag" sagen. Aber, Hassan, edler
Tschibulheld, wie wär's, wenn Sie sich
ein paar von meinen Leuten nähmen
und ma! nachschauten, wo die Gesellen
eigentlich den Draht durchschnitten na
ben!'"
„Zu B-fehl, Herr Oberleutnant!"
erwiderte Esgist Haffan.
„Und es must einer nach Srebrenica
reiten, damit die von dort aus telegra
phieren. Wir muffen einen Arzt ha
ben. Tenken Sie sich. Haffan, wie ich
von meiner Patrouille heimkomme,
liegt auf der Straffe ein schwcrvcrwun
dete- Mädchen. Waffen Sie, die
Schwester von dem Stojan, den wir
damals eingegangen haben. Sicher
haben ihr die eigenen Leute nachge
schossen!"
Fünf Minuten später jagte Efghi
Haffan mit einem Korporal und fünf
Dragonern die Straffe nach Srebre
nica entlang. Sie lagen tief geduckt
auf den Hälsen ihrer Pferde, denn jcyt
konnte hinter jedem Baum der Tod
l.iit schuffbereilcm Gewehr lauern.
Als Franz in sein Quartier kam,
langten gerade die Leute mit Helene
Handlung zu fchützen. Tie feindlichen
Miliiärverionen werden, auch wenn
sie verwundet sind, zu Gefangenen
! gemacht: dock ist besonders bestimmt.
daß sic' von dein Kriegführenden, der
sein Kriegsschiff nimmt, ohne Unter-
schied der Nationalität geachtet und
s versorgt werden inmieii. Von den
l Lazarett,schiüen taun jedes Kriegs
schiff die Herausgabe der Verwunde
ten verlangen.
TerKr i e g s r ü - - Ein fran
zösischer Berichterstatter schreibt ans
München: Tie Kriegsbegeisternng
der Bayern ist eine kolossale. Alles
sehnt sich, an den Kämpfen an der
Maas theilznnehmen. In sämmtli
chen Bierlokalen hört man von den
Lippen der Männer und Jünglinge
immer wieder den Ruf: „a Maas!
a Maas!"
S t o s; ieiiize r.—„Eine Schwle
germntter tzeriveilt ja auch wohl be
! ständig an dem Horizonte Tciner
! Cbc?" „Ach, wenn sic bloß am Ho
! rizonle bleiben wollte!"
Treffend. „Ist denn dem
! Bergbaner bei der letzten Rauferei
j nicht das Gehirn verletzt worden?" —
„Bewahre, der bat einen hombeiistche
' ren Unverstand!"
Biindesb r n d e r. „Tös
glaub' S' öl. Herr Kamerad, wie
man sich an alles g'wvhnt: wann ich
not am Tag meine dreihundert
G'fangenen mach', taun ich Nachts
! nimmer ordentlich schlafen."
Zufrieden. Gnädige (für
sich): „Wie mich die Schneiderin mit
dem letzten Kleid hineingelegt hat.
unverschämt . . ~ aber es geschieht
ihr reckt, daß ihre Forderung wahr
scheinlich in die Conkursinasse meines
Mannes kommen wird!"
an. Bleich, mit zusammengebissenen
Lippen stand Tcsider ini Zimmer, alt
sie die Bahre niedersetzten. Kaum
hatte sich die Tür hinter ihnen geschlos
sen, aa lag er schon vor Helene aus den
.Knieen und presttc einen Kuß auf die
blutleere Stirnc. Er sah nichts, er
hörce nichts, dumpf rang sich sein
Schmerz aus seiner Brust heraus und
ausschluchlknd barg er seinen Kopf
neben dem chren auf den Decken. Franz
liest ihn gewäbren. Und mit plotzli
chcni Entschlust verließ er das Zimmer
und eilte hinüber zu Olga.
Tas schöne Weib war nicht wieder
zuerkennen. Ihre Wangen waren fabl
und eingefallen und ihre einst so strah
lenden Augen trüb und umschleiert; sie
hatten den müden Blick der Augen, die
viel weinen. Nur als sie Franz jo un
vermutet bei sich eintreten sah, flammte
das alte Feuer wieder in ihnen auf.
„Sie Franz?" stammelte sie.
verwirrt, fassungslos in ihrer hellen
Freude. Er fand nicht den kühle
Ton, in dem er mi! ihr hatte sprechen
wollen. Er lieble sie ja nicht wenig
als sic ihn und da er sie so gebrochen
vor sich sah, sprang ihm das eigen,
Weh, das er immer so brutal nieder
drückte, in die Kehle und machte seine
Stimme weich und zärtlich.
„Es ist ein Unglück geschehen. Fra
Gräfin!" sagte er. „Ick habe eine
halbe Stunde von hier Fräulein He
lene Stojanowitsch mit einer schweren
Schußwunde im Rücken gefunden.
Nun liegt stc drüben in unserem Hause:
wollen Sie uns helfen. Frau Gräfin?"
Obne ein Wort zu verlieren, war
sie ein Tuck iilr. Ti' Freude, dem
Geliebten einen Dienst erweisen zu
können, färbte ihre Wangen rot. gab
ihr die Elastizität und Lebhaftigkeit
ihrer früheren Tage wieder.
„Kommen Sie!" rief ff: und öffnete
die Tür. ""
(Fortsetzung sMt.)

CASTOR IAI

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