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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, July 04, 1915, Image 18

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10
MBNii lUU Ä
-"
dem Reich-der Mode
und der Gesellschaft.
New Aork. 18. Juni.
Schon seit längerer Zeit hat man.
versuch!, Eretonnc in den Dienst der
Mode zu stellen. Dass diese Versuches
überaus erfolgreich waren, dürfte je
der Frau bekannt sein. Ursprünglich
nur für Haushattszmccke. wie Polster
Waaren, Vorhänge etc. bestimmt, ha:
dieses Material eine solche Be.icb ha!
erlangt, dass man ihm nach und nach
auch einen Platz auf dem Gebiet der
Mode eingeräumt bat. Zuerst als Gar
nitur gewisser Tnpen von Hüren, dann
in Form von Kragen. Manschetten
und Taschen an Paletots und Man
teln. Dieser Saison jedoch blieb es
vorbehalten, Eretonne auch als Klei
dermaterial. in Verbindung mi! ande
ren. glatten Stoffen z verwenden.
Kombinationen dieser Art bieten die
interessantesten Möglichkeiten.
Man konnte sich bisher wohl leicht
ein „one-piece Morgenklüd aus Kre
tonne vorstellen. Nicht viele Frauen
aber würden es als geeignetes Mate
rickl für ein Jackct Kostüm betrach
ien. Die Mode - Schöpfer jedoch den
ken anders hierüber, und ihre Ansicht
wird gerechtfertigt durch die in letzter
Zeit erschienenen reizenden Modelle
dieser Art.
Diese Kostüme sind fast alle mit ei
nem Rock, ganz aus Eretonne, angc
fertigt, tvährend das Jackct aus glat
tem Material in einer der Farben des
Eretonne - Musters besteht. In jedem
Falle aber kommt etwas von dem Cre
tonne auch an dem Jacke: zur Verwen
düng, sei es nun als Gürtel, als Kra
gen, Revers oder auch nur als Einfas
sung der Letzteren und Manschetten
Ein kleinerer Kragen, der dem Gesicht
am nächsten, wie auch schmale Man
scheiten, sind fast immer aus wechem
Battist. linier diesen können dann
breitere Manschetten oder ein breiterer
Kragen aus Eretonne hervorschauen
Die Effekte, die durch solche K:mbi
mittönen von Eretonne und glattem
- -. - gncntzü 4 c n c> c r E i fackb ei t. " ' '
Material erzielt werden tönnen, sind
ebenso hübsch wie abwechslungsreich,
und man kann mit Bestimmtheit da
rauf rechnen, dass diese Kostüme mehr
und mehr Verbreitung finden. Ein
Hut von dem gleichen Material, von
der Ordnung der Lingerie - Hüte,
würde in korrekter Weise ein solches
Kostüm vervollständigen.
Wenn kostbare Spitze an Lingerie
Kleidern zur Verwendung kommt, so
geschieht dies in der Regel in Verbi
düng mit Netz, und zwar am wir
kungsoollsten. wenn in dem Entwurf
des Kleides Einfachheit der Linien be
tont wird. Dies ist wesentlich, weil
hierdurch die Schönheit der Spitze am
besten zur Geltung kommt.
Gegen diese Regel wird leider viel
gesündigt, indem das Kleid übermä
Big drapirt und gerafft vird. Es
kann hiervon nicht genug abgerathen
werden. Erstens geht dadurch die Wir
1n MMIÜrrS du
verloren, und zweitens wird die >sil
houette der Trägerin stark becintrcch
ligt. Ein >t!eid, an Spitze,
und besonders werthvolle Spitze ei
en wesentlichen Bestandiheil bildet,
sollte i den Lauen so einfach wie
> möglich gehalten sein.
Die Wirkung solcher einfachen Mah
s art wird sehr hübsch in dem in unse
rer ersten Abbildung gezeigten Mcdeü
veranschaulicht. Einfacher kann ein
Arrangement nickt sein, wie es die'es
Kleid ausweist. Umso reizender ist der
Effeki. Als Material dient iveisses
Seiden Netz in Verbindung mit
breiter Filet Spitze, und garnirt
mit schwarzem Sammet.
Der Rock von Netz mit der Spitze
in Bordüren - Effekt fallt in Falten
glatt hernieder, und zwar Über einen
unteren Rock mit breiter Fußblend:
von schwarzem Sammet, ein Arrange
ment, das di? Wirkung der Spitze noch
beträchtlich erhht, indem es das Muster
der Letzteren aufs Borheilhafteste zur
Geltung bringt. Ein breiter Prinzess
gürtel an der Spitze, dem der Rock an
gesetzt ist, umschließt die Taille.
Sehr kleidsam ist die in einfachem
Fichu Effekt drapirte Taille von
Netz. Bemerkenswerth an dieser sink
die lanoen, vollen Aermel mit schma
ler, plissirter Krause am Handgelenk.
Ein Zusatz von schmalem, schwarzem
Sammetband an Hals und Aermekn
erhöht die Wirkung. Eine ganz neu:
Note wird dem Kleid verliehen durch
das breite, vom oberen Kürtelrand
herniederbängendc Sammetband, da
unten mit einer reich abgetönten Rose
abschließt.
Ein arosser, mit Blumen garnirter
Gartenfest - Hut bildet eure passend?
Kopfbedeckung zu dem Kleide.
Weidenkätzchen Taffeta scheint
seine Beliebtheit auch während der
heissen Jahreszeit zu behaupten, denn
es giebt sich eine entschiedene Vorliebe
dafür kund, soweit das Nachmittags
kleid in Betratest kommt. Die grosse
Verschiedenheit in den Modellen macht
dieess Keider Genre noch besonders
interessant. Dies gilt auch von den
beiden, hier veranschaulichten Exem
klaren dieser Art. Der hervorragend
sie Zug an dem in unserer zweiten Ab
bildung gezeigten Modell ist jugend
liche Einfachheit. Ausgeführt in ma
rineblauem Weidenkätzchen Taffeta
stt das Kleid böchst einfach in den Li
nien. Als einziger Schmuck dient dem
Nock eine dichte, von der Taillenlini:
bis auf den Fussiaum lausende Knopf
reihe. was ihm in den Augen Mancher
vielleicht etwas Mlitärisches verleiht.
Bemerkenswerth ist die Zusammensetz
iing der einzelnen Theile vermittels!
der Passepoilirung.
Die Taille mit ihrer Weste und
Kragen von weißer Organdv ist ebenso
chic wie einfach. Ter Günel von Sei
de, der ans der linken Seite schließt,
hat zwei mit Franzcn verzierte Schär
pen - Enden. Die eingesetzten Bi
schoss Aermel sind modisch elegant.
Sonderbar altfränkisch im Effekt
ist das andere Nachmittags - Kostüm
in Seide, das in unserer dritten Alt-
Der Drukschr Baltimore, Md.. Sonntag, den 4. Juki 1915.
rildung wiedergegeben ist. Der aus
drei Theilen bestehende Rock vereinigt
in sich zweierlei Material: Marine
blaues Weidenkätzchen - Taffela und
weiss und blau gestreifte Seide.
Der untere Nockiheil, obgleich Plis
sirt, erscheint ziemlich eng. Beträchtlich
weiter ist schon die nächste Stufe, am
weitesten von allen jedoch der oberste,
salbelartige Rocktheil, der unten aus
gebogt ist.
D
Nachmitta g s k o st ü m in
Taffeta.
Die lose aber nicht zu weite Blou
sensorm der Taille ist nicht nur hübsch,
sondern auch der Jabreszeit angeme
sen. Wie an fast allen Seidenkleidern
für NachmiltagstrachtZn dieser Sgi
ion, sind die Aermel lang. Ein kleiner
Westen Einsatz von Organdy mit
hohem Kragen ergab einen hübschen
Kontrast. Winzige Perlmutterknopsc
schloffen diesen Kragen und bilveten
gleichzeitig eine bübscke Verzierung.
Ein Turban mit Flügel - Garnitur
In Weivenkci tz cd e n Taffeta.
und „Pumps" aus Glacelcder, mit
Seiden - Strümpfen vervollständigte
dieses eigenartig hübsche Kostüm.
Ter ansgcbogte Fusssaum gewinnt
i entschieden an Verbreitung, wenn auch
nicht in dem Masse, wie man, nach
Ausnahme der ersten Modelle hätte
annehmen können. Es besteht jedoch
kaum ein Zweifel, dass mir dem Fort
schreiten der Saison und den sich meh
renden, duftigen Gewändern auch de:
ausgebogtc Rand an Popularität zu
: nimmt. Für viele Frauen ist immer
doch die praktische Seite einer Mode
> ausschlaggebend, und wählen daher
> die meisten Frauen für ein Seiden
kleid liebe- einen glatten Rand, da
dieser dem Wechsel der Moden nicht so
unterworfen ist. wie der ausgebogtc.
Für Waschkleider und solche von an
. deren billigen Swfsen (allen diese Be
: denken fort.
, Wer natürlich über nnbeschränkt.-
> Mittel für Garderobezwecke verfügt.
Der Matrosenhut in moderner Form. ' '
braucht sich nach dieser Richtung hin
keinen Zwang aufzuerlegen. Für sol
che Frauen sei hier ein- kürzlich aus
diesem Gebiete erschienene Neuerung
erwähnt. Dem ausgebogten Rand ei
nes Rockes wird eine Blende von ab
stechender Farbe untergelegt, und
zlvar so, daß dieselbe unten mit den
Bogen abschneidet, was, wenn die
Farbe der Blende gut gewählt ist, ei
nen sehr hübschen EffSkt ergiebt.
Der Matrosenhut hat sich seine Po
pularität noch immer bewahrt, wenn
gleich er infolge der zur Verwendung
kommenden Garnitur oft von seinem
streng einfachen Charakter einbüßt.
Dies gilt auch von dem in unserer
vierten Abbildung veranschaulichten
Matrosenhut, dessen Rand von wei
ssem Mailänder Stroh, während die
Krone von schwarzem Seiden - Velour
war. Als Basis umgab die Krone
in Hrauerkteidung.
Das schwarze Kleid, das äussere Ab
zeichen unserer Trauer, soll nicht ein
Maßstab dafür sein, wie tief wir un
seren Verlust empfinden, sondern je
nach der Ausstattung in Stoff und
Machart, je nach der Länge der Trau
erzeit, wird betont, wie nahe der Ver
storbene verwandtschaftlich zu uns ge
standen hat.
Thatsächlich wird von der Frau ein
viel stärkerer Ausdruck der Trauer ver
langt als von dem Manne, denn wäh
rend für den Gatten ein Krcppstreifen
am Aermel genügt, soll die Frau mit
Kleid und Umhang, mit Hut und
Handschuhen, mit Brosche und Uhrket
te, mit Hutnadeln und Stecknadeln
Trauer anlegen. Der Schirm, den sie
in die Hand nimmt, das Papier, auf
dem sie ihre Briefe schreibt, die Be
suchskarte, die sie nbgiebt, alles soll das
Merkmal der Trauer tragen. Der Lu
xus in der Trauer geht oft so weit,
dass selbst Dutzende von Taschentüchern
mit schwarzem Rand angeschafft wer
den.
Und wie wenig steht manchmal der
meterlange, schleppende Kreppschleier in
Uebereinstimmung mit der seelischen
Trauer. Oft ist der Tod eine Erlösung,
für die man danken möchte. Wenn das
liebe Großmütterchen, fast blind und
taub und lebensmüde, auch von allen
vermisst wird, so gönnt ihr doch ein
jeder das Ausruhen von dem langen
Leben, das, wenn cs köstlich war, Mü
he und Arbeit gewesen. Aber statt dem
stillen Schmerz in Sammlung und
. Muße nachgehen zu können, müssen
Schneiderin und Putzmacherinnen ge
' holt und befragt, Schnittmuster und
Modeblätter studiert und noch wachen
' lang Einkäufe gemacht werden. Wie
schwer, wie lästig ist das aber, wenn
der Familienvater und Ernährer stirbt,
. wenn vielleicht von dem Augenblick an,
! wo er die Augen schließt, mit einem
Drittel des bisherigen Einkommens
gerechnet werden muß. Welche Summe
von Nachdenken, Arbeit und Geld muß
da aufgewandt werden, um vem Her
i kommen Rechnung zu tragen. Tenn
, die „gute alte Sitte" verlangt gebiete
risch nicht nur für die verwittwcte Äat
- tin, auch für alle Töchter die Anschaf
fung von kompletten Trauertoiletten.
Nein, das ist nicht mehr die gute alte
Sitte, Vas ist der für die herrschende
. Zeitströmung charakteristische Hang
nnten ein einziger Streifen von dem
Mailänder Stroh. Eine Rüsche von
Grosgrain Band umgab den oberen
Theil des Doppelrandes. Eine sehr
volle SEaußfeder - Fancy bedeckte
die eine Hälfte der Krone fast ganz,
ivöhrend ein langer Federkiel von der
Spitze der Krone emporragte. Den
Fuss für diesen und den Slbschluß des
Straußfeder - Schmuckes bildete ein
Pompon.
Der Matrosenhut moderner Art
wird viel zu schicken Halb-Tailor-Ko
stümen getragen. Sehr kciufig findet
mna ihn mit Blumen, Sammet oder
Moireeband garnirt, gelegentlich auch
mit flachen Straußfedern. Mt dem
ursprünglichen Matrosenhut früherer
Jahre hat er wenig mehr gemein, was
aber nicht ausschließt, daß er über
kurz oder lang wietwr zu der alten
Form zurückkehrt. Wanda.
zum Luxus. Dagegen sollte sich jede
vernünftig denkende Frau ablehnend
verhalten und doch wagt man nicht,
mit der Sitte zu brechen. Ich möchte
den Vorschlag machen, nur schwarze
Rüschen um Hals und Hände und ei
nen kurzen Kreppschleier auf dem Hut
als Ausdruck der Trauer zu wählen;
ein schwarzes Kleid besitzt wohl eine
jede Dame für die ersten Trauertage
und Wochen, wohl auch ein dunkles
Kleid, das durch die schwarzen Rüschen
den Charakter der Trauerkleidung er
hält. Man braucht wirklich nicht seinen
ganzen Kleidervorrath für geringes
Geld an die Althändlerin zu verschleu
dern, um nach Ablauf eines Jahres
neue Toiletten anzuschaffen. Vor allen
Dingen aber kann man in den ernsten,
feierlichen Stunden, wo der Todesengel
in unser Heim Einzug gehalten, dem
heiligen Schmerz und seinem segens
reichen Wirken auf Herz und Sinne
stille halten, ohne an nichtigen Tand
und nichtige Aeußerlichkeiten denken zu
müssen.
Die Marseillaise verbo
te n. Ein Erlaß des Generalgouver
neurs Freiherrn v. Bissing verbietet,
bei Gefängnissstrafe bis zu zwei Jah
ren das öffentliche Spielen und Sin
gen der „Marseillaise", mit der in
Belgien seit Jahren ein unausstehlicher j
Unfug getrieben wird. DaS Dekret:
des Generalgouverneurs findet sowohl s
bei der flämischen Bevölkerung, wie!
auch in belgisch - nationalen Kreisen
überhaupt allgemeine Billigung, in de
nen man das fortwährende Abbriillen
' des fremden Schlachtgesanges längst
' als eine Ungcbiihrlicbkeit empfand.
' JmKampfgegendieFremd
. Wörter.
, Unteroffizier: „Was sind Sie von Be
, ruf?"
Einjähriger: „Mineraloge."
Unteroffizier (vorwurfsvoll): „Jm
> mer wieder diese verdammten Fremd
. Wörter! Sie wissen doch, daß wir
, Deutsch reden sollen! Sagen Sie
doch einfach: Ich bin Selterswasserfa-
brikant!"
Sel bstbew u ss t.
- „Dein Schwiegervater l)at in Eu
. rer diesbezüglichen Unterredung also
: eine reichliche Mitgift zugesprochen?"
; Bräutigam: „Ja, der Manu
I sprach goldene Worte."
Pie richtige Aeyandkung der
Seidenstoffe.
Kann man die Arbeit selbst thun,
oder hat man eine gute Hausschneide
rin, so lohnt sich das Umarbeiten oder
Modernisiern der Kleider ganz gewiß.
Chiffon und Seide, oder schlichter und
geblümter Stoff, kann sehr gut zusam
men verwandt werden. Nachstehend
eine Anweisung zum Reinigen der Sei
denstoffe. Alkohol und Ammonia sind
feuergefährlich, man mutz also grösste
Vorsicht üben. Wo diese Sacken im
Haushalt vorhanden sind, müssen sie so
aufbewahrt werden, daß ja die Kinder
nicht daran können. Eine Mutter kann
in dieser Beziehung nicht zu vorsichtig
sein. Gerade Benzin, Gasolin, Alkohol
und Ammoniak sind an so manchem
Unheil schuld. Mittelst milder Seife,
Bohnenwasser, Kartoffelwasser u. s.
w. läßt sich ja sonst alles so gut reini
gen ohne so feuergefährliche Dinge zu
verwenden.
Seidenstoffe zu waschen.
Geschälte, in feine Scheiben geschnit
tene, rohe Kartoffeln werden mit ko
chendem Wasser übergössen; auf vier
Stück ein Quart. Den Ueberguß läßt
man erkalten, filtrirt ihn und versetzt
ihn mit gleicher Menge Weingeist.
Das Seidenzeug wird alsdann auf ei
ner weichen Unterlage mit der Brühe
mittelst eines weichen Schwammes
strichweise abgerieben und dann halb
trocken auf der Rückseite gebügelt.
Schwarzen Taffet aufzu
frischen.
Erstens empfiehlt es sich, den Gegen
stand, nachdem man ihn mit einem Tu
che rein abgewischt und auf einem Tisch
ausgebreitet hat, mit heißem schwarzen
Kaffee, welcher vor dc-n Gebrauch
durchgeseiht sein muß, gut anzufeuch
ten, indem man den Stoff mit einem
reinen Schwamm oder einer weichen
Bürste überstreicht; bei dieser Behand
lung verschwinden alle Flecken und er
hält die Seide, wenn man st; danach
mit nicht zu heißem Bügeleisen von
links plättet, einen schönen Glanz; im
Nothfall kann man auch von rechts
bügeln, stets jedoch muß man den
Stoff vor Berührung des Eisens schüt
zen, wozu man sich am besten glanzlo
sen Zeitungs- oder Löschpapiers be
dient. Zweitens: Anstatt Kaffee kann
man auch einen Absud von Krause-,
minze verwenden. Die sonstige Be
handlung ist dann die gleiche.
Aür die Suche.
Suppe von Tunkenristen.
In Heller Mehlschwitze, die mit ver
dünnten Tunkenresten abgeschreckt ist,
lasse man Gemüse- und Suppenkräu
ter, wie sie die Jahreszeit bringt, weich
kochen, würze sie mit Fleischextrakt und
gebe die vorher in der Schale gekochten,
abgezogenen und in Scheiben geschnit
tenen Kartoffeln dazu.
Gebackener Kabeljau, Et
wa zwei Pfund in Scheiben geschnitte
ner Kabeljau giebt meist vier grosse
Scheiben wird gewaschen, zum Ab
laufen hingelegt, gesalzen, in Mehl und
geriebener Semmel gewendet und in ko
chendem Fett, ohne daß an dem Fisch
viel gestochert wird, goldbraun gehal
ten. Paniermehl ersetzt die Mischung
von Mehl und Semmel. Der Spinat
wird auf bekannte Weise noch fünf
Minuten gekocht, abgegossen, sehr fein
gewiegt und mit Salz, frischer Butter
und etwas präparirter Sardellenbutter
verrührt, zum Fisch, der vor dem An
richten mit Zitronensaft beträufelt
wird, gereicht.
Karamel -Kust a r d. Ganz
wie oben. Wenn fertig gemischt, stellt
man 1 Esslöffel Zucker mit Esslöffel
Wasser auf's Feuer, bis es anfängt,
sich zu färben. Dann schüttet inan eine
Tasse von obiger Masse hinzu, es giebt
ein fürchterliches Etwas, ein Klumpen,
der sich aber wieder löst, wenn man die
Kasserolle in kochendes Wasser stellt
und fleißig rührt. Kochen darf es nicht,
wegen dem Ei. Nachher vermischt man
dieses mit der Hauptmasse. Dann wie
oben.
: Erbsenpudding. Knapp H
! Pfund enthülste Erbsen werden am
' Abend vorher eingeweicht, dann tags
darauf mit einer Mohrrübe und Zwie
bel weich gekocht und zu Brei verrührt.
Den Brei vermengt man mit drei gan
zen Eiern, Salz, Pfeffer und kein ge
wiegtem Speck, würzt etwas, streicht
eine Puddingform mit Fett aus, be
streut sie mit geriebener Semmel, füllt
die Masse ein und lässt sie im Wasser
bade eine gute Stunde kochen. Man
reicht dazu entweder durchwachsenen
kalten Speck oder eine gewürzte Tunke.
Fleischgericht von zähem
Steak. Hat man die besten Stücke
aus einem Steak geschnitten, um sie zu
braten, so lassen sich die zäheren Stücke
gut auf folgende Art verwenden: Man
schneidet alles in zollgroße Stücke und
brät die fertigen Stücke in xinem Kes
sel braun, giebt einenEßlöfsel Schmalz
oder Übfüllfett hinzu, rührt einen Eß
. löffel Mehl in das Fett und bräunt
sie auf beiden Seiten im offenen Kessel,
zieht das Fleisch zur Seiü( .venn es
braun ist, gieLtz man Wasser oder To-
matenbrühe, zwei bis drei gelackte
Zwiebeln, etwas Sellerie oder einige
Scheiben von frischem Kraut, sowie
reichlich Salz und Pfeffer hinzu und
lasse das Gericht fest zugedeckt auf oder
im Ofen langsam fimmern. Auch kann
man die Kartoffeln eine Stunde vor
der Mahlzeit mit in den Kessel geben,
doch ist es rathsam, sie in Scheiben zu
schneiden. Das Fleisch sollte wenigstens
zwei Stunden dämpfen. Wird die Brü
he dick, so giesse man kochendes Wäger
nach.
Stockf i s ch mit Mohrrü
ben. Zwei Pfund Mohrrüben werden
geschabt, in Streifen geschnitten, ge
kocht und mit Schwitzmchl und der
eigenen Brühe verrührt. Inzwischen
wird einige Stunden vorher gewässer
ter Stockfisch langsam zum Kocbcn ge
bracht. Haut und Gräthen von ihm ent
fernt und auf ein Sieb zum Abtropfen
gelegt. Tann wird er in heißem Fett
geschwenkt und zusammen mit den
Mohrrüben auf erwärmter Schüssel
angerichtet.
Reispudding oder Auf
lauf. Eine Tasse voll Reis wird mit
E Quart Milch und etwas Zuckec gut
weich gekocht. Hernach wird er in eine
Schüssel zum Erkalten geschüttet, 4
Eidotter hinzu, die 4 Eiweiß zu Schnee
geschlagen und leicht beigemengt. Nun
bestreicht man eine Auflaufform mit
Butter, bestreut sie mit Mehl und füllt
die Masse ein. Diese soll bis ? Stun
de langsam aufziehen und nachher so
gleich servirt werden können.
Kustard (in kleinsterQua
lität). 1 Ei zcrklappern, 1 Tasse
Milch, l Esslöffel Zucker, 1 Theelöffel
Vanille -Extrakt. In 2 —3 emaillirte
Portionstassen füllen, bei sehr mäßiger
Hitze zu fester Creme werden lassen.
Ist die Hitze zu stark, dann kocht es
und gerinnt. Es muss eine einzige Cre
me-Masse sein und wird aus der Tasse
gegessen.
Aepfelkartoffeln. Kartof
feln werden in der Schale gekocht, ab
gezogen, noch einige Augenblicke in we
nig Wasser gekocht, bis sie zerfallen.
Aepfel werden geschält, in Viertel ge
schnitten und in wenig Wasser ohne
Zucker gekocht, bis sie ebenfalls zerfal
len. Dann werden sie mit den Kartof
feln zusammengeschüttet, nach Salz
abgeschmeckt und mit zerlassenen Speck
würfeln geschmelzt. -
Nichts zu beißen.
Arzt (zu einem russischen Gefange
nen): „Sie wünschen also ein Gebiß?
Aber warum haben Sie sich die Zähne
denn nicht in Russland einsetzen las
sen?"
Gefangener: „Dort hatte ich ja doch
keine Verwendung für sie!"
Beim Photographiren.
Photograph: „Was für ein Bild
wünschen Sie, Herr Bierschädcl? Ein
Brustbild oder ganze Figur? Im Pro
fil oder en Face?"
Bierschädel (Braumeister): „Machen
S' mi in ganzer Figur am Faß!"
A s> we g .
Gläubiger (einen Schuldner zum
wiederholten Male mahnend): „Ich
kann beiin besten Willen nicht länger
warten!"
Schuldner: „Schön! Ta get,en Lis
toch wieder!"
Betrogene Hoffnung.
Die entlassene Wirthschaft!:
„Und nun will ich Ihnen ruch noch das
Geld zurückgeben, das ich Ihnen in
den fünf Jahren veruntreut habe!"
Herr: „Sie mir Geld veruntreut?"
,Ach ja, nehmen Sie's nicht übel,
Herr Inspektor! Ich hab' nämlich im
mer gedacht. Sie würden mich h-ira
then, und da wollte ich doch nicht m>t
leeren .Händen kommen!"
Die empfindlichen Schuld
ner.
Gast (nachdem er beim Wirth über
das Essen Beschwerde geführt und nun
von diesem deshalb harr angefahren
wird): „Na, na, werden Sie man übt
gleich so ausfallend und anzüglich. Ich
bin Ihnen doch nichts schuldig."
Wirth: „Weiss ich. In diesem Fall
würde ich auch nicht so zu Ihnen
sprechen."
Die Verlust li st e.
In einem Berliner Theater ist mäh
rend der Kriegszeit die Gage aus die
Hälfte reduzirt. Am Zahltage quit
l tiren die Mitglieder dem Kassierer das
i empfangene Geld. Ter alleweil fidele
Kapellmeister empfängt seine Gage,
ohne zu quittiren. Der Kassirer ruft
ihm nach: „Sagen Sie. Herr Kapell
meistcr. wollen Sie nicht quittiren?
„Nt gut. dann langen Sie mal dr;
Verlustliste her!"
Bewährtes Mittl.
A.: „Haben Sie schon gehört: d.s
aanze Rizinusöl ist für Marschall
Hindenburq beschlagnahmt worden."
B: „Nicht möglich! Warum denn .
A.: I.Er braucht es zum Abführe
der vielen gefangenen Russen."

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